Donate books to help fund our work. Learn more→

The Rudolf Steiner Archive

a project of Steiner Online Library, a public charity

DONATE

At the Gates of Theosophy
GA 95

27 August 1906, Stuttgart

Translate the original German text into any language:

Sechster Vortrag

6. The Upbringing of Children. Karma.

[ 1 ] Bei der Theosophie handelt es sich um eine im eminentesten Sinne praktische Auffassung des Lebens. Das Licht, das sie auf die Erziehungsfrage wirft, wird der Menschheit tiefen Nutzen bringen, lange bevor es sich um Hellsehen handelt; man kann sich schon überzeugen, daß in der Theosophie Wahrheit ist für das Leben, lange bevor man herantritt an das unmittelbare Schauen.

[ 1 ] The grasp of life given by Theosophy is in the highest sense practical. The light it throws on questions of education will be deeply useful to humanity long before people are clairvoyant, and long before a person attains to direct vision he can convince himself that in Theosophy the truth about life is to be found.

[ 2 ] Nach der Geburt tritt der Mensch hinein in ein neues Leben, und seine verschiedenen Leiber entwickeln sich in ganz verschiedener Art und Zeit. Der Erzieher sollte darauf Rücksicht nehmen. Ganz anders ist es vom ersten bis zum siebenten Jahre, ganz anders in den zweiten sieben Jahren, vom siebenten bis zum fünfzehnten oder sechzehnten Jahre, bei den Knaben später, bei den Mädchen früher. Wieder anders ist die Entwickelung nach dem fünfzehnten Jahre oder, sagen wir, nach der Geschlechtsreife. Man lernt die Entwickelung des Menschen erst dann richtig verstehen, wenn man die verschiedenartige Entwickelung seiner Wesensglieder betrachtet.

[ 2 ] Once he is born, the human being enters on a new life, and his various bodies develop in different ways and at different times. The educator should always bear this in mind. The period from the first to the seventh year is very different from the second seven-year period from the seventh to the fifteenth or sixteenth year—earlier with girls, later with boys. Then there is a change again after the sixteenth year, or shall we say after puberty. We can properly understand how a human being grows to maturity only if we keep before our eyes the different ways in which the various members of his being develop.

[ 3 ] Von der Geburt bis zum siebenten Jahre kommt für Eltern und Erzieher eigentlich nur der physische Leib des Kindes in Betracht. Durch die Geburt ist der physische Leib für seine Umgebung frei geworden. Vor der Geburt bildet derselbe einen Bestandteil des Organismus der Mutter. Die ganze Zeit während der Keimung geht das Leben der Mutter und dasjenige des menschlichen Keimes ineinander. Der physische Leib der Mutter umhüllt den physischen Leib des Kindes; das bedeutet, daß er noch unzugänglich ist für die physische Außenwelt. Erst nach der Geburt ändert sich dies. Er kann erst Eindrücke von anderen Wesen der physischen Welt bekommen, wenn er geboren ist. Damit ist aber noch nicht der Äther- und Astralleib für die Außenwelt zugänglich. Auf den Äther- und Astralleib kann man zwischen dem ersten und siebenten Jahre von der Außenwelt her deshalb noch nicht einwirken, weil beide noch mit der Ausbildung des eigenen physischen Leibes zu tun haben. Alle ihre Tätigkeit richtet sich nach dem Innern des physischen Leibes; sie arbeiten an dessen Ausbau. Ungefähr gegen das siebente Lebensjahr fängt der Ätherleib an, frei zu werden für äußere Eindrücke. Dann erst kann man auf den Ätherleib einwirken. Zwischen dem siebenten und dem vierzehnten Jahre sollte man dagegen noch nicht auf den Astralleib wirken, denn man schädigt ihn dadurch, daß man ihm die Möglichkeit entzieht, nach innen zu wirken. Es ist am besten, wenn man in den ersten sieben Jahren den Äther- und Astralleib ganz unbehelligt läßt, wenn man damit rechnet, daß sich in diesen Jahren alles von selbst ergibt.

[ 3 ] From birth to the seventh year it is really only the physical body that parents and educators have to consider. At birth the physical body is released into its environment; before birth it is part of the maternal organism. During the whole period of pregnancy the life of the mother and of the human embryo are intermingled. The physical body of the mother surrounds the physical body of the child, so that the outer world has no access to the child. At birth, things change; only then can the child receive impressions from other beings in the physical world. But the child's etheric and astral bodies are still not open to the external world; up to the seventh year, indeed, the external world cannot influence them, for they are inwardly absorbed in building up the physical body. At about the seventh year the etheric body begins to be free to receive impressions from outside, and it can then be influenced. But from the seventh to the fourteenth year no attempt should be made to influence the astral body, or its inward activity will be disturbed. During the first seven years it is best to leave the etheric and astral bodies quite unmolested and to rely on everything happening of its own accord.

[ 4 ] Wie wirkt man in den ersten sieben Jahren am besten auf den Menschen ein? Indem man die Sinnesorgane ausbildet. Alles, was von außen auf sie einwirkt, ist bedeutsam. Alles, was der Mensch in den ersten sieben Jahren sieht und hört, wirkt auf ihn ein durch die Sinnesorgane. Aber nicht durch einen Lehrstoff oder mündliche Belehrung wirkt man auf die Sinnesorgane ein, sondern durch das Beispiel, das Vorbild. Man muß dem Kinde etwas für seine Sinne bieten; das ist wichtiger als alles andere in den ersten sieben Jahren. Das Kind sieht, wie sich die Menschen benehmen in seiner Umgebung, es sieht es mit seinen Augen. Aristoteles sagt mit Recht: Der Mensch ist das nachahmendste der lebenden Wesen. - Vorzugsweise ist das in den ersten sieben Jahren der Fall. Nie wieder ist der Mensch so sehr der Nachahmung zugänglich wie in diesen ersten sieben Jahren. Darum eben muß man in dieser Zeit auf die Sinnestätigkeit einwirken, muß sie herauszulocken suchen und zur eigenen Tätigkeit anregen. Daher ist es auch so verfehlt, wenn man in der frühen Jugend dem Kinde eine sogenannte «schöne» Puppe gibt; dabei können die inneren Kräfte nicht zur Arbeit kommen. Ein natürlich entwickeltes Kind weist sie ohnehin zurück und hält sich lieber an ein Stück Holz und dergleichen, das die Phantasie und Imagination zu eigener innerer Tätigkeit anregt.

[ 4 ] The best way to influence the child during his first seven years is through the development of his sense-organs. All the impressions they receive from the outer world are significant, and everything a child sees or hears affects him in terms of his sense-organs. The sense-organs, however, are not influenced by lesson-books or verbal teaching, but by means of example and imitation. The most important thing during the first seven years is to nourish a child's sense-organs. He will see with his eyes how people round him are behaving. Aristotle23Aristotle, 384–322 B.C. The sentence cited here is from the treatise, “On the Poetic Art”, Chapter 4. was quite right in saying that man is the most imitative of all creatures; and this is particularly true during the first seven years. Hence during these years we must try to influence a child's senses, to draw them out so that they become active on their own account. That is why it is such a mistake to give a child one of those “beautiful” dolls; they hinder him from setting his own inner powers to work. A normal child will reject the doll and be much happier with a piece of wood, or with anything which gives his imagination a chance to be active.

[ 5 ] Auf den Äther- und Astralkörper braucht man keine besondere Lehrmethode anzuwenden, aber ungeheuer wichtig ist es, daß die höheren Einflüsse, die von der physischen Umgebung ohne bewußte Einwirkung auf sie übergehen, günstig sind. Sehr wichtig ist es, daß der Mensch in diesem Lebensalter gerade von edlen, hochherzigen und gemütvollen Menschen mit guten Gedankenformen umgeben ist. Diese prägen sich den im Innern arbeitenden Wesensgliedern ein. Das Vorbild also, auch in Gefühlen und Gedanken, ist das wichtigste Erziehungsmittel. Nicht was man sagt, sondern wie man ist, wirkt in den ersten sieben Jahren auf das Kind ein. Wegen der ungemeinen Subtilität dieser Wesensglieder muß sich die Umgebung des Kindes aller unreinen, unmoralischen Gedanken und Gefühle enthalten.

[ 5 ] No particular method of teaching is needed for the etheric and astral bodies, but it is extremely important that the subtler influences which pass over to them unconsciously from their environment should be favourable. It is very important that during these early years a child should be surrounded by noble-minded, generous-hearted and affectionate people with good thoughts, for these stamp themselves on the child's inner life. Example, therefore, in thought and in feeling is the best means of education at this stage. It is not what we say but what we are that influences a child during his first seven years. Because of the extreme sensitivity of the inner members of a child's being, his surroundings should be kept free from all impure, immoral thoughts and feelings.

[ 6 ] In der Zeit vom siebenten bis vierzehnten, fünfzehnten und sechzehnten Jahre, also bis zur Geschlechtsreife, wird der Ätherleib geradeso herausgeboren, wie bei der Geburt der physische Leib für die Umgebung zugänglich wird. Da muß man also auf den Ätherleib wirken. Der Ätherleib ist der Träger des Gedächtnisses, der bleibenden Gewohnheiten, des Temperamentes, der Neigungen und der bleibenden Begierden. Daher muß man, wenn dieser frei wird, vor allem seine Sorgfalt darauf wenden, diese Eigenschaften zu entwickeln; man muß auf Gewohnheiten wirken, auf das Gedächtnis, überhaupt auf alles das, was dem Menschen einen dauernden Grundstock des Charakters geben soll. Er wird wie ein Irrlicht, wenn nicht in dieser Zeit dafür gesorgt wird, daß gewisse Gewohnheiten wie ein roter Faden seinen Charakter durchziehen, damit er feststehen kann gegen die Stürme des Lebens. Und jetzt muß man auf das Gedächtnis wirken; später, nach dieser Zeit, wird das, was als Gedächtnisstoff aufgenommen werden soll, schwer eingehen. Insbesondere wird auch der Sinn für Kunst in dieser Zeit erwachen, namentlich für eine solche Kunst, die sehr viel zu tun hat mit den Schwingungen des Ätherleibes, nämlich für Musik. Sind hierfür Talente vorhanden, so muß man in diesen Jahren dafür Sorge tragen, sie zur Entfaltung zu bringen. In dieser Zeit wirkt das Gleichnis; wenn man versucht, jetzt auch schon das Urteil auszubilden, so tut man unrecht. Unsere Zeit sündigt darin außerordentlich viel. Man soll dafür Sorge tragen, daß das Kind möglichst viel durch Gleichnisse lernt; das Gedächtnis muß Inhalt bekommen, die Vergleichungskraft muß an sinnlichen Vorstellungen geübt werden. Es müssen ihm Beispiele großer Menschen aus der Weltgeschichte vorgeführt werden; aber man darf nicht sagen, das ist gut oder das ist schlecht, denn das würde auf die Urteilskraft wirken. Man kann gar nicht genug solche Bilder, die auf den Ätherleib wirken, oder Vergleiche mit dem Großen auf der Welt dem Kinde vorhalten. Dabei ist es von großem Nutzen, wenn man viel mit Sinnbildern arbeitet. Das ist die Zeit, wo die sinnigen Märchen und Erzählungen, die das Menschenleben in Bildern darstellen, mächtig wirken. Dadurch macht man den Ätherleib beweglich, schmiegsam und gibt ihm dauernde Eindrücke, Wie mußte Goethe seiner Mutter dankbar sein, daß sie ihm in dieser Zeit so viele Märchen erzählte!

[ 6 ] From the seventh to the fourteenth, fifteenth or sixteenth year—that is, until puberty—the etheric body goes through a liberation, just as the physical body is thrown open to its environment at birth. During this period, then, we must direct our efforts to the etheric body, the vehicle of memory, of lasting habits, of temperament and inclinations and enduring desires. Accordingly, when the etheric body is set free we must take every care to develop these features; we must influence a child's habits, his memory, everything which will give his character a firm foundation. The child will grow up like a will-o'-the-wisp if care is not taken to imbue his character with certain lasting habits, so that with their aid he will stand firm against the storms of life. This, too, is the time for exercising his memory; memorising is more difficult after this age. It is at this time also that a feeling for art awakens, particularly for the art of music, so closely associated with the vibrations of the etheric body. If any musical talent exists, this is when we should do all we can to encourage it. This again is the time for stories and parables; it is wrong to try to develop critical faculties so early. Our age sins greatly in this respect. Care must be taken to see that the child learns as much as possible through stories and analogies; we must store his memory with them and must see to it that his power of comparison is exercised on concepts drawn from the sense-world. We must bring before him examples taken from the lives of the great men of history, but there must be no talk of “this is good” or “this is bad”, for that would make a demand on his judgment. We can hardly place too many such pictures or examples before the child; these are the things which act on the etheric body. This, too, is the age when stories and fairy tales, which represent human life in the form of pictures, have a powerful effect. All this makes the etheric body supple and plastic and provides it with lasting impressions. How grateful Goethe must have been to his mother for telling him so many fairy stories at this age!

[ 7 ] Also, je später man dazu kommt, das Urteil im Kinde hervorzurufen, desto besser ist es. Das Kind aber frägt «Warum». Diese Fragen nach dem Wie und Warum sollen nicht mit abstrakten Erklärungen, sondern mit Beispielen, mit Sinnbildern beantwortet werden. Und wie unendlich wichtig ist es, die richtigen Sinnbilder zu finden! Wenn das Kind frägt nach Leben und Tod, nach den Verwandlungen des Menschen, so kann man ihm das Beispiel von der Raupe und Puppe vorführen; man macht ihm klar, wie gleichsam aus der Puppe heraus der Schmetterling aufersteht zu einem neuen Leben. Überall in der Natur findet man solche Gleichnisse für die höchsten Fragen. Ganz besonders aber wichtig ist in dieser Zeit für das Kind die Autorität. Nur darf es keine erzwungene Autorität sein, sondern in ganz natürlicher Weise muß der Lehrer Autorität erlangen, damit das Kind glaubt, bevor sich ein Wissen entwickeln darf. Daher fordert die theosophische Pädagogik nicht bloß intellektuelles Wissen, pädagogische Grundsätze und Einsichten bei dem Erzieher, sondern sie fordert, daß man solche Menschen dazu wählt, die durch ihre natürlichen Anlagen versprechen, eine Autorität zu werden. Scheint dies eine Härte? Aber wie sollte man sie nicht hineinbringen, da die Zukunft der Menschheit davon abhängt! Gerade das ist eine Perspektive für eine große Kulturaufgabe der Theosophie.

[ 7 ] The later the power of critical judgment is aroused in a child, the better. But children ask “why?” We should answer such questions not with abstract explanations but through examples and images. And how infinitely important it is to find the right ones! If a child asks questions about life and death, and the changes that accompany them, we can use the example of the caterpillar and the chrysalis, and explain how the butterfly arises from the chrysalis to a new life. Everywhere in nature we can find such comparisons, relevant to the highest questions. But quite specially important for the child of this age is authority. It must not be an enforced authority—the teacher must gain his authority quite naturally, so that the child will believe before it has knowledge to go on. Theosophical education demands of the teacher not only intellectual knowledge, not only educational principles and insights; it demands that the type of people chosen to be teachers must be those whose natural gifts show promise of their becoming “an authority”. Does this seem too much to ask? Surely we cannot fail to get such teachers, since the future of mankind depends on it. Here a great cultural task for Theosophy opens up.

[ 8 ] Wenn dann der Mensch die dritten sieben Jahre antritt, die Zeit der Geschlechtsreife, wird der Astralleib frei, und an ihm hängt das Urteil, die Kritik, hangen die unmittelbaren Beziehungen zu den übrigen Menschen. So wie die Gefühle von Mensch zu Mensch erwachen, so erwachen auch die Gefühle für die übrige Umwelt; da ist der Mensch reif, anzufangen zu begreifen. Die Persönlichkeit wird mit dem Astralleib freigelegt; da muß man das eigene Urteil aus dem Menschen herauslocken. Heutzutage wird er viel zu früh zur Kritik herausgefordert. Siebzehnjährige Kritiker sind häufig, und wie viele schreiben und urteilen ganz und gar Unreifes für die Menschheit! Man muß zweiundzwanzig bis vierundzwanzig Jahre alt sein, ehe man selbst urteilen kann; das andere ist absolut unmöglich. Vom vierzehnten bis zum vierundzwanzigsten Jahre ist die Zeit, wo der Mensch am besten von der Welt lernen wird, wo alles für ihn Lehre wird, was ihn umgibt. So wächst er heran zur völligen Lebensreife.

[ 8 ] When the child enters the third period of seven years, the age of puberty, the astral body is liberated; on it depends the power of judgment and criticism and the capacity for entering into direct relationships with other human beings. A young person's feelings towards the world in general develop in company with his feelings towards other people, and now he is at last mature enough for real understanding. As the astral body is liberated, so is the personality, and so personal judgment has to be developed. Nowadays young people are expected to offer criticism much too early. Seventeen-year-old critics can be found in abundance, and many of the people who write and pass judgments are quite immature. You have to be twenty-two or twenty-four before you can offer a sound judgment of your own; before then it is quite impossible. From the fourteenth to the twenty-fourth year, when everything around him can teach a person something, is the best time for learning from the world. That is the way to grow up into full maturity.

[ 9 ] Das sind die großen Grundsätze der Erziehung. Unzählige Einzelheiten ergeben sich daraus. Die Theosophische Gesellschaft wird ein Buch herausgeben für Lehrer und Mütter, worin gezeigt wird, wie vom ersten bis siebenten Lebensjahre das Vorbild, vom siebenten bis vierzehnten Lebensjahre die Autorität und vom vierzehnten bis vierundzwanzigsten Lebensjahre das selbständige Urteil am Menschen arbeiten muß.

[ 9 ] These are the great basic principles of education; countless details can be deduced from them. The Theosophical Society is to publish a book24“A book will be published”: “The Education of the Child from the Standpoint of Spiritual Science”, given as a lecture in various places in Germany; first published, made into an article, in Rudolf Steiner's periodical, Lucifer-Gnosis, 1907, and in the same year as a pamphlet. An English translation is available, entitled, The Education of the Child in the Light of Anthroposophy. for teachers and mothers which will show how from birth to the seventh year the essential thing is example; from the seventh to the fourteenth year, authority; from the fourteenth to the twenty-first year the training of independent judgment.

[ 10 ] Das sollte ein Beispiel dafür sein, wie die Theosophie ihre Kulturaufgabe zu erfüllen sucht, wie sie auf Schritt und Tritt einzugreifen vermag in die wirklichen praktischen Aufgaben des Lebens.

[ 10 ] This is one example of how Theosophy seeks to lay hold of practical life through all its stages.

[ 11 ] Ein anderes Beispiel für praktische Theosophie gibt die Betrachtung des großen Gesetzes von Karma. Es ist das ein Gesetz, das dem Menschen das Leben eigentlich erst verständlich macht. Das Karmagesetz ist nicht bloß ein theoretisches Gesetz oder etwas, was bloß unsere Wißbegierde befriedigt. Nein, auf Schritt und Tritt ist es für das Leben etwas, was Kraft zum Handeln und Sicherheit gibt, was alles Unverständliche verständlich macht.

[ 11 ] Another example of practical Theosophy can be drawn from a study of the great law of karma: a law which really makes life comprehensible for the first time. The law of karma is not mere theory, or something that merely satisfies our curiosity. No, it gives us strength and confidence at every stage in life, and makes intelligible much that would otherwise be unintelligible.

[ 12 ] Zunächst antwortet das Karmagesetz auf eine große Lebensfrage: Wodurch kommt überhaupt unser Schicksal zustande? Warum obwalten schon bei der Geburt der Kinder so verschiedene Verhältnisse? Man sieht zum Beispiel, wie ein Kind in Reichtum geboren wird, vielleicht auch mit großen Talenten, von sorgsamster Liebe umgeben ist. Und man sieht ein anderes Kind, geboren in Elend und Armut, vielleicht mit geringen Talenten oder Fähigkeiten, so daß es dazu prädestiniert scheint, es zu nichts zu bringen; oder auch mit großen Fähigkeiten, die aber vielleicht nicht ausgebildet werden können. Das sind Rätselfragen des praktischen Lebens, und auf diese gibt nur die Theosophie eine Antwort. Diese Fragen muß der Mensch beantwortet haben, wenn er mit Kraft und Hoffnung im Leben dastehen soll. Und wie antwortet das Karmagesetz auf diese Fragen?

[ 12 ] First of all, the law of karma answers the great human question: why are children born into such widely differing conditions? For instance, we see one child born to wealth, perhaps endowed also with great talents and surrounded by the most loving care. And we see another child born to poverty and misery, perhaps with few talents or abilities, and so apparently predestined to failure—or a child may have great abilities but no chance to develop them. These are serious problems, and only Theosophy gives an answer to them. If we are to face life with strength and hope we must find an answer. How then does the law of karma answer these riddles?

[ 13 ] Wir haben gesehen, daß der Mensch wiederholte Leben auf der Erde durchlebt. Das Kind wird nicht zum ersten Male auf dieser Erde geboren, es war schon oft da. Alles nun in der Welt draußen steht im Zusammenhang von Ursache und Wirkung; das erkennt jeder an. Das große Ursachengesetz herrscht also in der Natur, und dieses Gesetz, auf das Geistige, auf die geistige Welt übertragen, das ist das Karmagesetz.

[ 13 ] We have seen that a man passes through repeated lives on Earth, and that when a child is born, it is not for the first time: he has been on Earth many times before. Now in the external world the rule of cause and effect prevails, as everyone recognises, and it is this great natural law of cause and effect which we see, carried over into the spiritual realm, as the law of karma.

[ 14 ] Wie wirkt das Gesetz nun in der Außenwelt? Wenn wir eine Kugel nehmen, sie erhitzen und dann auf eine Holzplatte legen, so brennt sie ein Loch in das Holz hinein. Erhitzen wir eine andere Kugel, werfen sie erst ins Wasser und legen sie dann auf das Brett, dann brennt sie kein Loch in das Holz. Die Tatsache, daß ich die Kugel ins Wasser werfe, ist bedeutsam für das, was die Kugel nachher bewirkt. Die Kugel hat gleichsam ein Erlebnis, und es ist verschieden, was sie vor diesem Erlebnis und nachher tut. So hängt die Wirkung ab von der Ursache. Das ist ein Beispiel aus der leblosen Natur, und so ist esin der ganzen Welt. Tiere, die sehend in finstere Höhlen einwandern, verlieren die Sehkraft. Wenn das Tier in einer späteren Generation darüber nachdenken könnte: Warum habe ich keine Augen? - so müßte es sich sagen: Die Einwanderung meiner Vorfahren in diese Höhlen ist die Ursache meines Schicksals. — So ist das Erlebnis von vorher das Schicksal für später. So hängen die Dinge zusammen nach Ursache und Wirkung. Je weiter wir nun hinaufrücken zum Menschen, desto individueller wird die ganze Sache. Das Tier hat eine Gattungsseele, und das Schicksal einer Gruppe von Tieren knüpft sich an an die Gruppenseele. Der Mensch dahingegen hat ein Ich für sich. Dieses Einzel-Ich erleidet ein ähnliches Schicksal wie die Gruppenseele der Tiere. Wie die ganze Gattung von Tieren sich verwandelt, so verwandelt sich das einzelne Ich von einem Leben zum andern. Ursache und Wirkung pflanzen sich fort von einem Leben zum andern. Was ich heute erlebe, hat seine Ursache im früheren Leben, und was ich heute tue, bildet mein Schicksal für das nächste Leben. In diesem Leben liegt nicht die Ursache zu der verschiedenartigen Geburt; nichts ist jetzt verschuldet. Die Ursache liegt in dem früheren Leben. Der Mensch hat sich sein heutiges Schicksal selbst in dem vorigen Leben zubereitet.

[ 14 ] How does the law work in the external world? Take a metal ball, heat it and put it on a wooden board. It will burn a hole in the wood. Take another ball, heat it but throw it into water before you put it on the board, and then it will not burn a hole. The fact that the ball was thrown into the water is significant for its later behaviour. The ball goes through a sort of experience, and its behaviour will vary accordingly. Thus the effect depends on the cause. This is an example from the inanimate world, but the same law holds everywhere. Animals gradually lose their eyesight if they go to live in dark caves. Now suppose that in a later generation such an animal were able to reflect: why have I no eyes? It would have to conclude that the cause of its fate was that its ancestors had gone to live in caves. Thus an earlier experience shapes a later destiny, and so the rule of cause and effect holds. The higher we move in the scale of nature towards man, the more individual does destiny become. Animals have a group-soul, and the destiny of a group of animals is bound up with the group-soul. A man has his own Ego, and the individual Ego undergoes its destiny just as the group-soul of animals does. A whole species of animal may change over the generations, but with man it is the individual Ego that changes from one life to another. Cause and effect go on working from life to life: what I experience today has its cause in a previous life, and what I do today shapes my destiny in my next life. The cause of different circumstances at birth is not to be found in this life; nothing immediate is responsible for it. The cause lies in earlier lives. In a previous life a man has prepared his present destiny.

[ 15 ] Nun kann man sagen: Aber muß das nicht gerade den Menschen niederdrücken und ihm jede Hoffnung nehmen? — Und doch ist das Karmagesetz das trostreichste Gesetz für das Leben. Denn so wahr es ist, daß nichts ohne Ursache ist, ebenso wahr ist es auch, daß nichts ohne Wirkung bleibt. Werde ich auch in Not und Elend geboren, habe ich auch geringe Fähigkeiten: Was ich tue, muß seine Wirkung haben, und was ich mir zueigne durch Fleiß und Moralität, das wird seine sichere Wirkung haben in folgenden Lebensläufen. Kann es mich niederdrücken, daß ich mein Schicksal selbst verdient habe, so kann es mich erheben, daß ich mir mein Schicksal für die Zukunft selbst zimmern kann. - Wer dieses Gesetz in sein Denken und Fühlen aufnimmt, wird sehen, welche Kraft und Sicherheit im Leben er gewinnt. Es ist nicht so wichtig, daß man das Gesetz im einzelnen durchschaut; das kommt erst auf den höheren Stufen der hellseherischen Erkenntnis. Viel wichtiger ist, daß man im Sinne dieses Gesetzes die Welt betrachtet und danach lebt. Tut man dies mit Ernst durch Jahre hindurch, dann wird sich dieses Gesetz ganz von selbst dem Gefühl mitteilen. Es bewahrheitet sich durch Anwendung.

[ 15 ] Surely, you might say, it is just this that must depress a man and rob him of all hope. But in fact the law of karma is the most consoling law there is. Just as it is true that nothing exists without a cause, so it is equally true that nothing existing remains without its effects. I may be born in poverty and misery; my abilities may be very limited; yet whatever I do must produce its effect, and whatever I accomplish now, by way of industry or moral activity, will certainly have its effect in later lives. If it depresses me to think that I have deserved my present destiny, it may equally cheer me to know that I can frame my future destiny myself. Anyone who really takes this law into his thinking and feeling will soon realise what a sense of power and of security he has gained. We do not have to understand the law in all its details; that becomes possible only at the higher stages of clairvoyant knowledge. Much more important is it that we should look at the world in the light of this law and live in accordance with it. If we do this conscientiously over a period of years, the law will of its own accord become part of our feelings. We verify the truth of the law by applying it.

[ 16 ] Nun kann jemand einwenden: Da würden wir ja zu reinen Fatalisten! Alles, was uns trifft, haben wir uns selbst zubereitet, aber wir können ja nichts daran ändern; also ist es das beste, wenn man nichts tut. Wenn ich faul bin, ist das eben mein Karma. - Oder man sagt vielleicht: Es gibt ein Karmagesetz, das sagt, daß wir günstige Wirkungen für unser späteres Leben erzielen können. Da werde ich im späteren Leben anfangen, recht brav zu sein; jetzt will ich erst einmal genießen. Ich habe ja Zeit, ich komme ja später wieder auf die Erde; da fange ich dann an. - Ein anderer sagt: Ich helfe jetzt keinem Menschen mehr, denn wenn er arm und elend ist und ich helfe ihm, dann greife ich ja in sein Karma ein. Er hat verdient, was er leidet; er muß selbst dafür sorgen, daß sein Karma ein anderes wird.

[ 16 ] At this point all sorts of objections may arise. Someone may say: “Then we should certainly become sheer fatalists! If we are responsible for whatever happens to us and cannot change it, the best thing is to do nothing. If I am lazy, that is my karma.” Or perhaps someone will say: “The law of karma says we can bring about favourable consequences in our next life. I will start being really good in a later life; for the moment I will enjoy myself. I have plenty of time; I shall be returning to Earth and I will make a start then.” Someone else says: “I shall not help anyone any more, for if he is poor and wretched and I help him I shall be interfering with his karma. He has earned his suffering; he must look after changing his karma by his own efforts.”

[ 17 ] Alle diese Dinge sind die gröbsten Mißverständnisse. Das Karmagesetz sagt: Alles, was ich im Leben an guten Taten getan habe, wird seine Wirkung haben, ebenso alles Schlechte, so daß das wie eine Art Konto gibt im Lebensbuche mit einer Soll- und einer Habenseite. In jedem Moment kann man Bilanz machen. Mache ich nun den Abschluß und ziehe die Bilanz, so ergibt das mein Schicksal. - Das scheint zunächst etwas Starres, Unbewegliches; das ist aber nicht der Fall. Der richtige Vergleich mit dem Kontobuch ergibt folgendes: Jedes neue Geschäft verändert die Bilanz, und jede neue Tat verändert das Schicksal. Der Kaufmann kann doch nicht sagen: Durch jedes neue Geschäft störe ich meine Bilanz, ich kann also nichts tun. Ebensowenig wie der Kaufmann durch sein Kontobuch gehindert ist, ein neues Geschäft zu machen, ebensowenig ist der Mensch gehindert, ein neues Faktum in sein Lebensbuch einzutragen. Und wenn der Kaufmann in Kalamität ist und zu seinem Freund sagt: Du, gib mir tausend Mark, damit ich mich aus der schwierigen Lage herausreiße -, und der Freund erwidern würde: Damit greife ich ja in dein Kontobuch ein -, so wäre diese Antwort ein Unsinn. Ebenso wäre es ein Unsinn, wenn ich nicht helfen wollte, um nicht mit dem Karmagesetz in Konflikt zu kommen. Nichts hindert den Menschen, der fest an das Karmagesetz glaubt, allem Elend, aller Not abzuhelfen. Im Gegenteil, wenn man nicht daran glauben würde, müßte man bezweifeln, ob die Hilfe überhaupt wirksam wird; so aber weiß ich gewiß, daß die Hilfe richtig wirkt. Darin liegt die trostreiche, tatkräftige Seite des Karmagesetzes. Man darf nicht so sehr nach der vergangenen Seite des Karmagesetzes sehen als nach der zukünftigen. Man sieht wohl zurück auf das Geschehene und trägt das Karma, aber vor allen Dingen rührt man seine Hände, weil man eine Grundlage legen muß für die Zukunft.

[ 17 ] All these objections reveal a gross misunderstanding. The law of karma says that all the good I may have done in this life will have its effect, and so will everything bad. Thus in our Book of Life there is a kind of account-sheet, with debit and credit sides, and the balance can be drawn at any moment. If I close the account and draw the balance, that will show my destiny. At first this seems to be a hard, unbending law, but it is not so. A true comparison with the ledger would run as follows: each new transaction alters the balance and each new action alters the destiny. After all, a merchant does not say that since every new transaction upsets his balance, he can do nothing about it. Just as the merchant is not hindered by his ledger from doing new business, so in life a man is not hindered from making a new entry in his Book of Life. And if the merchant got into difficulties and asked a friend to lend him a thousand marks to help him to recover, it would be nonsense if his friend replied that he really couldn't do anything because it would mean interfering with the state of his friend's account-book. In the same way it would be nonsense if I refused to help another man in order not to come into conflict with the law of karma. However firmly I believe in the law of karma, there is nothing to prevent me from relieving any misery and poverty. On the contrary, if I did not believe in the law, I might doubt whether my help would have any effect: as it is, I know that my help will have a good effect. It is this aspect of karma which can console us and give us energy for action. We ought to think of the law of karma not so much in its relation to the past as in its bearing on the future. We may indeed look back on the past and resolve to bear its karma, but above all we should be positively active in laying a foundation for the future.

[ 18 ] Von christlichen Geistlichen wird oft der Einwand erhoben: Eure Theosophie ist kein Christentum, denn sie schreibt alles der Selbsterlösung zu. Ihr sagt, der Mensch muß ganz allein sein Karma auswirken. Wenn der Mensch selbst sein Karma auswirken kann, dann bleibt kein Platz für Christus Jesus, der doch für die ganze Menschheit litt. Der Theosoph sagt, ich brauche niemand. — Das ist ein Mißverständnis auf beiden Seiten. Man bedenkt nicht, daß der freie Wille nicht beschränkt wird durch das Karmagesetz. Diese Einsicht muß der Theosoph haben, daß er nicht allein auf Selbsthilfe und Selbstentwickelung baut, wenn er an Karma glaubt, Er muß wissen, daß der andere ihm helfen kann; und dann werden wir die echte Vereinigung des Karmagesetzes mit der zentralen Tatsache des Christentums leicht finden. Sie ist immer vorhanden gewesen, diese Übereinstimmung; die christliche Geheimlehre kennt das Karmagesetz.

[ 18 ] Christian clergymen often raise the objection: “Your Theosophy is not Christian, for it ascribes everything to self-redemption. You say a man must work out his own karma quite alone. If he can do this, what place is there for Christ Jesus, who suffered for all mankind? The Theosophist says he needs no help from anyone.” All this indicates a misunderstanding on both sides. Our critics do not realise that free-will is not restricted by the law of karma. The Theosophist, on his side, needs to see clearly that because he believes in karma he does not depend entirely on self-help and self-development; he must recognise that he can be helped by others. And then a true reconciliation between the law of karma and the central fact of Christianity will not be hard to find. This harmony has always existed; the law of karma has always been known to esoteric Christianity.

[ 19 ] Stellen wir uns zwei Menschen vor, der eine ist durch sein Karma im Elend, der andere hilft ihm, weil er die Macht hat zu helfen; jener hat sein Karma verbessert. Wird dadurch das Gesetz aus der Welt geschafft? Im Gegenteil, es bestätigt sich; gerade durch das Gesetz von Karma kann ja die Hilfe wirken.

[ 19 ] Let us imagine two people: one is in distress because of his karma, the other helps him because he has the power to do so, and in this way the karma of the former is improved. Does this exclude the law? On the contrary, it confirms it. It is precisely the working of the law of karma which makes the help effective.

[ 20 ] Wenn einer mächtiger ist, so kann er zweien helfen oder dreien oder vieren, wenn sie es brauchen; und ist einer noch mächtiger, so kann er Hunderten oder Tausenden helfen und ihr Karma im günstigen Sinne beeinflussen. Und ist einer so mächtig, wie das Christentum sich den Christus Jesus vorstellt, so hilft er in einer Zeit, wo die ganze Menschheit Hilfe braucht, der ganzen Menschheit. Und das Karmagesetz wird dadurch nicht unwirksam, sondern im Gegenteil: Die Tat des Christus Jesus auf Erden wird gerade dadurch wirksam, daß man auf Karma bauen kann.

[ 20 ] If someone has more power than this, he may be able to help two or three or four others if they are in need. Someone still more powerful may be able to help hundreds or thousands and influence their karma for the better. And if he is as powerful as Christianity represents Christ to be, he may help the whole of humanity just at a time when it is in special need of help. But that does not make the law of karma ineffective; on the contrary, Christ's deed on Earth is effective precisely because the law of karma can be built upon.

[ 21 ] Der Erlöser weiß, daß durch Karma das Erlösungswerk auch wirklich allen zugänglich wird. Ja, diese Tat geschah gerade im Bauen auf das Karmagesetz, als eine Ursache für die zukünftige herrliche Wirkung, als eine Saat für die spätere Ernte, als eine Hilfe für den, der die Segnungen der Erlösung auf sich wirken läßt. Die Tat des Christus Jesus ist überhaupt nur denkbar durch das Existieren des Karmagesetzes; gerade das Testament des Christus Jesus ist die Karma- und Reinkarnationslehre. Darin heißt es nicht: Jeder muß die Folgen seiner Tat tragen -, sondern: Die Folgen der Tat müssen getragen werden, gleichviel von wem. - Wenn der Theosoph behauptet, er verstehe die einmalige Tat des Christus Jesus für die ganze Menschheit nicht, so versteht er eben Karma nicht. Ebenso der Priester, der da behauptet, Karma störe die Erlösung. Warum das Christentum gerade dieses Gesetz und auch den Reinkarnationsgedanken bisher weniger betont hat, liegt in der Entwickelung der Menschheit begründet und wird später noch näher behandelt werden.

[ 21 ] The Redeemer knows that by the law of karma His work of redemption will be available for everyone. Indeed, He accomplished that deed in reliance on the law of karma, as a cause of glorious results in the future, as a seed for a later harvest and as a source of help for anyone who allows the blessings of redemption to act upon him. Christ's deed is conceivable only because of the law of karma; the testament of Christ is in fact the teaching of karma and reincarnation. This does not mean that each one must bear the consequence of his own actions, but that the consequences must be borne by someone, no matter whom. If a Theosophist maintains that he cannot understand the unique deed of Christ having been accomplished once only for all mankind, this means that he does not understand karma. The same is true of any priest who declares that karma interferes with the doctrine of redemption. The reason why Christianity has hitherto failed to emphasise the law of karma and the idea of reincarnation is bound up with the whole question of human evolution and will be dealt with later.

[ 22 ] Die Welt besteht nicht aus einzelnen Ichs, von denen jedes für sich abgeschlossen dasteht, sondern es herrscht die große Einheit, die große Verbrüderung in der Welt. Und wie hier im physischen Leben ein Bruder, ein Freund für den andern einspringen kann, so im weit tieferen Sinne auch in der geistigen Welt.

[ 22 ] The world does not consist of single “I's”, each one isolated from the rest; the world is really one great unity and brotherhood. And just as in physical life a brother or friend can intervene to help another, so does this hold good in a much deeper sense in the spiritual world.