At the Gates of Theosophy
GA 95
27 August 1906, Stuttgart
Translate the original German text into any language:
Versions Available:
Sechster Vortrag
Sechster Vortrag
[ 1 ] Bei der Theosophie handelt es sich um eine im eminentesten Sinne praktische Auffassung des Lebens. Das Licht, das sie auf die Erziehungsfrage wirft, wird der Menschheit tiefen Nutzen bringen, lange bevor es sich um Hellsehen handelt; man kann sich schon überzeugen, daß in der Theosophie Wahrheit ist für das Leben, lange bevor man herantritt an das unmittelbare Schauen.
[ 1 ] Bei der Theosophie handelt es sich um eine im eminentesten Sinne praktische Auffassung des Lebens. Das Licht, das sie auf die Erziehungsfrage wirft, wird der Menschheit tiefen Nutzen bringen, lange bevor es sich um Hellsehen handelt; man kann sich schon überzeugen, daß in der Theosophie Wahrheit ist für das Leben, lange bevor man herantritt an das unmittelbare Schauen.
[ 2 ] Nach der Geburt tritt der Mensch hinein in ein neues Leben, und seine verschiedenen Leiber entwickeln sich in ganz verschiedener Art und Zeit. Der Erzieher sollte darauf Rücksicht nehmen. Ganz anders ist es vom ersten bis zum siebenten Jahre, ganz anders in den zweiten sieben Jahren, vom siebenten bis zum fünfzehnten oder sechzehnten Jahre, bei den Knaben später, bei den Mädchen früher. Wieder anders ist die Entwickelung nach dem fünfzehnten Jahre oder, sagen wir, nach der Geschlechtsreife. Man lernt die Entwickelung des Menschen erst dann richtig verstehen, wenn man die verschiedenartige Entwickelung seiner Wesensglieder betrachtet.
[ 2 ] Nach der Geburt tritt der Mensch hinein in ein neues Leben, und seine verschiedenen Leiber entwickeln sich in ganz verschiedener Art und Zeit. Der Erzieher sollte darauf Rücksicht nehmen. Ganz anders ist es vom ersten bis zum siebenten Jahre, ganz anders in den zweiten sieben Jahren, vom siebenten bis zum fünfzehnten oder sechzehnten Jahre, bei den Knaben später, bei den Mädchen früher. Wieder anders ist die Entwickelung nach dem fünfzehnten Jahre oder, sagen wir, nach der Geschlechtsreife. Man lernt die Entwickelung des Menschen erst dann richtig verstehen, wenn man die verschiedenartige Entwickelung seiner Wesensglieder betrachtet.
[ 3 ] Von der Geburt bis zum siebenten Jahre kommt für Eltern und Erzieher eigentlich nur der physische Leib des Kindes in Betracht. Durch die Geburt ist der physische Leib für seine Umgebung frei geworden. Vor der Geburt bildet derselbe einen Bestandteil des Organismus der Mutter. Die ganze Zeit während der Keimung geht das Leben der Mutter und dasjenige des menschlichen Keimes ineinander. Der physische Leib der Mutter umhüllt den physischen Leib des Kindes; das bedeutet, daß er noch unzugänglich ist für die physische Außenwelt. Erst nach der Geburt ändert sich dies. Er kann erst Eindrücke von anderen Wesen der physischen Welt bekommen, wenn er geboren ist. Damit ist aber noch nicht der Äther- und Astralleib für die Außenwelt zugänglich. Auf den Äther- und Astralleib kann man zwischen dem ersten und siebenten Jahre von der Außenwelt her deshalb noch nicht einwirken, weil beide noch mit der Ausbildung des eigenen physischen Leibes zu tun haben. Alle ihre Tätigkeit richtet sich nach dem Innern des physischen Leibes; sie arbeiten an dessen Ausbau. Ungefähr gegen das siebente Lebensjahr fängt der Ätherleib an, frei zu werden für äußere Eindrücke. Dann erst kann man auf den Ätherleib einwirken. Zwischen dem siebenten und dem vierzehnten Jahre sollte man dagegen noch nicht auf den Astralleib wirken, denn man schädigt ihn dadurch, daß man ihm die Möglichkeit entzieht, nach innen zu wirken. Es ist am besten, wenn man in den ersten sieben Jahren den Äther- und Astralleib ganz unbehelligt läßt, wenn man damit rechnet, daß sich in diesen Jahren alles von selbst ergibt.
[ 3 ] Von der Geburt bis zum siebenten Jahre kommt für Eltern und Erzieher eigentlich nur der physische Leib des Kindes in Betracht. Durch die Geburt ist der physische Leib für seine Umgebung frei geworden. Vor der Geburt bildet derselbe einen Bestandteil des Organismus der Mutter. Die ganze Zeit während der Keimung geht das Leben der Mutter und dasjenige des menschlichen Keimes ineinander. Der physische Leib der Mutter umhüllt den physischen Leib des Kindes; das bedeutet, daß er noch unzugänglich ist für die physische Außenwelt. Erst nach der Geburt ändert sich dies. Er kann erst Eindrücke von anderen Wesen der physischen Welt bekommen, wenn er geboren ist. Damit ist aber noch nicht der Äther- und Astralleib für die Außenwelt zugänglich. Auf den Äther- und Astralleib kann man zwischen dem ersten und siebenten Jahre von der Außenwelt her deshalb noch nicht einwirken, weil beide noch mit der Ausbildung des eigenen physischen Leibes zu tun haben. Alle ihre Tätigkeit richtet sich nach dem Innern des physischen Leibes; sie arbeiten an dessen Ausbau. Ungefähr gegen das siebente Lebensjahr fängt der Ätherleib an, frei zu werden für äußere Eindrücke. Dann erst kann man auf den Ätherleib einwirken. Zwischen dem siebenten und dem vierzehnten Jahre sollte man dagegen noch nicht auf den Astralleib wirken, denn man schädigt ihn dadurch, daß man ihm die Möglichkeit entzieht, nach innen zu wirken. Es ist am besten, wenn man in den ersten sieben Jahren den Äther- und Astralleib ganz unbehelligt läßt, wenn man damit rechnet, daß sich in diesen Jahren alles von selbst ergibt.
[ 4 ] Wie wirkt man in den ersten sieben Jahren am besten auf den Menschen ein? Indem man die Sinnesorgane ausbildet. Alles, was von außen auf sie einwirkt, ist bedeutsam. Alles, was der Mensch in den ersten sieben Jahren sieht und hört, wirkt auf ihn ein durch die Sinnesorgane. Aber nicht durch einen Lehrstoff oder mündliche Belehrung wirkt man auf die Sinnesorgane ein, sondern durch das Beispiel, das Vorbild. Man muß dem Kinde etwas für seine Sinne bieten; das ist wichtiger als alles andere in den ersten sieben Jahren. Das Kind sieht, wie sich die Menschen benehmen in seiner Umgebung, es sieht es mit seinen Augen. Aristoteles sagt mit Recht: Der Mensch ist das nachahmendste der lebenden Wesen. - Vorzugsweise ist das in den ersten sieben Jahren der Fall. Nie wieder ist der Mensch so sehr der Nachahmung zugänglich wie in diesen ersten sieben Jahren. Darum eben muß man in dieser Zeit auf die Sinnestätigkeit einwirken, muß sie herauszulocken suchen und zur eigenen Tätigkeit anregen. Daher ist es auch so verfehlt, wenn man in der frühen Jugend dem Kinde eine sogenannte «schöne» Puppe gibt; dabei können die inneren Kräfte nicht zur Arbeit kommen. Ein natürlich entwickeltes Kind weist sie ohnehin zurück und hält sich lieber an ein Stück Holz und dergleichen, das die Phantasie und Imagination zu eigener innerer Tätigkeit anregt.
[ 4 ] Wie wirkt man in den ersten sieben Jahren am besten auf den Menschen ein? Indem man die Sinnesorgane ausbildet. Alles, was von außen auf sie einwirkt, ist bedeutsam. Alles, was der Mensch in den ersten sieben Jahren sieht und hört, wirkt auf ihn ein durch die Sinnesorgane. Aber nicht durch einen Lehrstoff oder mündliche Belehrung wirkt man auf die Sinnesorgane ein, sondern durch das Beispiel, das Vorbild. Man muß dem Kinde etwas für seine Sinne bieten; das ist wichtiger als alles andere in den ersten sieben Jahren. Das Kind sieht, wie sich die Menschen benehmen in seiner Umgebung, es sieht es mit seinen Augen. Aristoteles sagt mit Recht: Der Mensch ist das nachahmendste der lebenden Wesen. - Vorzugsweise ist das in den ersten sieben Jahren der Fall. Nie wieder ist der Mensch so sehr der Nachahmung zugänglich wie in diesen ersten sieben Jahren. Darum eben muß man in dieser Zeit auf die Sinnestätigkeit einwirken, muß sie herauszulocken suchen und zur eigenen Tätigkeit anregen. Daher ist es auch so verfehlt, wenn man in der frühen Jugend dem Kinde eine sogenannte «schöne» Puppe gibt; dabei können die inneren Kräfte nicht zur Arbeit kommen. Ein natürlich entwickeltes Kind weist sie ohnehin zurück und hält sich lieber an ein Stück Holz und dergleichen, das die Phantasie und Imagination zu eigener innerer Tätigkeit anregt.
[ 5 ] Auf den Äther- und Astralkörper braucht man keine besondere Lehrmethode anzuwenden, aber ungeheuer wichtig ist es, daß die höheren Einflüsse, die von der physischen Umgebung ohne bewußte Einwirkung auf sie übergehen, günstig sind. Sehr wichtig ist es, daß der Mensch in diesem Lebensalter gerade von edlen, hochherzigen und gemütvollen Menschen mit guten Gedankenformen umgeben ist. Diese prägen sich den im Innern arbeitenden Wesensgliedern ein. Das Vorbild also, auch in Gefühlen und Gedanken, ist das wichtigste Erziehungsmittel. Nicht was man sagt, sondern wie man ist, wirkt in den ersten sieben Jahren auf das Kind ein. Wegen der ungemeinen Subtilität dieser Wesensglieder muß sich die Umgebung des Kindes aller unreinen, unmoralischen Gedanken und Gefühle enthalten.
[ 5 ] Auf den Äther- und Astralkörper braucht man keine besondere Lehrmethode anzuwenden, aber ungeheuer wichtig ist es, daß die höheren Einflüsse, die von der physischen Umgebung ohne bewußte Einwirkung auf sie übergehen, günstig sind. Sehr wichtig ist es, daß der Mensch in diesem Lebensalter gerade von edlen, hochherzigen und gemütvollen Menschen mit guten Gedankenformen umgeben ist. Diese prägen sich den im Innern arbeitenden Wesensgliedern ein. Das Vorbild also, auch in Gefühlen und Gedanken, ist das wichtigste Erziehungsmittel. Nicht was man sagt, sondern wie man ist, wirkt in den ersten sieben Jahren auf das Kind ein. Wegen der ungemeinen Subtilität dieser Wesensglieder muß sich die Umgebung des Kindes aller unreinen, unmoralischen Gedanken und Gefühle enthalten.
[ 6 ] In der Zeit vom siebenten bis vierzehnten, fünfzehnten und sechzehnten Jahre, also bis zur Geschlechtsreife, wird der Ätherleib geradeso herausgeboren, wie bei der Geburt der physische Leib für die Umgebung zugänglich wird. Da muß man also auf den Ätherleib wirken. Der Ätherleib ist der Träger des Gedächtnisses, der bleibenden Gewohnheiten, des Temperamentes, der Neigungen und der bleibenden Begierden. Daher muß man, wenn dieser frei wird, vor allem seine Sorgfalt darauf wenden, diese Eigenschaften zu entwickeln; man muß auf Gewohnheiten wirken, auf das Gedächtnis, überhaupt auf alles das, was dem Menschen einen dauernden Grundstock des Charakters geben soll. Er wird wie ein Irrlicht, wenn nicht in dieser Zeit dafür gesorgt wird, daß gewisse Gewohnheiten wie ein roter Faden seinen Charakter durchziehen, damit er feststehen kann gegen die Stürme des Lebens. Und jetzt muß man auf das Gedächtnis wirken; später, nach dieser Zeit, wird das, was als Gedächtnisstoff aufgenommen werden soll, schwer eingehen. Insbesondere wird auch der Sinn für Kunst in dieser Zeit erwachen, namentlich für eine solche Kunst, die sehr viel zu tun hat mit den Schwingungen des Ätherleibes, nämlich für Musik. Sind hierfür Talente vorhanden, so muß man in diesen Jahren dafür Sorge tragen, sie zur Entfaltung zu bringen. In dieser Zeit wirkt das Gleichnis; wenn man versucht, jetzt auch schon das Urteil auszubilden, so tut man unrecht. Unsere Zeit sündigt darin außerordentlich viel. Man soll dafür Sorge tragen, daß das Kind möglichst viel durch Gleichnisse lernt; das Gedächtnis muß Inhalt bekommen, die Vergleichungskraft muß an sinnlichen Vorstellungen geübt werden. Es müssen ihm Beispiele großer Menschen aus der Weltgeschichte vorgeführt werden; aber man darf nicht sagen, das ist gut oder das ist schlecht, denn das würde auf die Urteilskraft wirken. Man kann gar nicht genug solche Bilder, die auf den Ätherleib wirken, oder Vergleiche mit dem Großen auf der Welt dem Kinde vorhalten. Dabei ist es von großem Nutzen, wenn man viel mit Sinnbildern arbeitet. Das ist die Zeit, wo die sinnigen Märchen und Erzählungen, die das Menschenleben in Bildern darstellen, mächtig wirken. Dadurch macht man den Ätherleib beweglich, schmiegsam und gibt ihm dauernde Eindrücke, Wie mußte Goethe seiner Mutter dankbar sein, daß sie ihm in dieser Zeit so viele Märchen erzählte!
[ 6 ] In der Zeit vom siebenten bis vierzehnten, fünfzehnten und sechzehnten Jahre, also bis zur Geschlechtsreife, wird der Ätherleib geradeso herausgeboren, wie bei der Geburt der physische Leib für die Umgebung zugänglich wird. Da muß man also auf den Ätherleib wirken. Der Ätherleib ist der Träger des Gedächtnisses, der bleibenden Gewohnheiten, des Temperamentes, der Neigungen und der bleibenden Begierden. Daher muß man, wenn dieser frei wird, vor allem seine Sorgfalt darauf wenden, diese Eigenschaften zu entwickeln; man muß auf Gewohnheiten wirken, auf das Gedächtnis, überhaupt auf alles das, was dem Menschen einen dauernden Grundstock des Charakters geben soll. Er wird wie ein Irrlicht, wenn nicht in dieser Zeit dafür gesorgt wird, daß gewisse Gewohnheiten wie ein roter Faden seinen Charakter durchziehen, damit er feststehen kann gegen die Stürme des Lebens. Und jetzt muß man auf das Gedächtnis wirken; später, nach dieser Zeit, wird das, was als Gedächtnisstoff aufgenommen werden soll, schwer eingehen. Insbesondere wird auch der Sinn für Kunst in dieser Zeit erwachen, namentlich für eine solche Kunst, die sehr viel zu tun hat mit den Schwingungen des Ätherleibes, nämlich für Musik. Sind hierfür Talente vorhanden, so muß man in diesen Jahren dafür Sorge tragen, sie zur Entfaltung zu bringen. In dieser Zeit wirkt das Gleichnis; wenn man versucht, jetzt auch schon das Urteil auszubilden, so tut man unrecht. Unsere Zeit sündigt darin außerordentlich viel. Man soll dafür Sorge tragen, daß das Kind möglichst viel durch Gleichnisse lernt; das Gedächtnis muß Inhalt bekommen, die Vergleichungskraft muß an sinnlichen Vorstellungen geübt werden. Es müssen ihm Beispiele großer Menschen aus der Weltgeschichte vorgeführt werden; aber man darf nicht sagen, das ist gut oder das ist schlecht, denn das würde auf die Urteilskraft wirken. Man kann gar nicht genug solche Bilder, die auf den Ätherleib wirken, oder Vergleiche mit dem Großen auf der Welt dem Kinde vorhalten. Dabei ist es von großem Nutzen, wenn man viel mit Sinnbildern arbeitet. Das ist die Zeit, wo die sinnigen Märchen und Erzählungen, die das Menschenleben in Bildern darstellen, mächtig wirken. Dadurch macht man den Ätherleib beweglich, schmiegsam und gibt ihm dauernde Eindrücke, Wie mußte Goethe seiner Mutter dankbar sein, daß sie ihm in dieser Zeit so viele Märchen erzählte!
[ 7 ] Also, je später man dazu kommt, das Urteil im Kinde hervorzurufen, desto besser ist es. Das Kind aber frägt «Warum». Diese Fragen nach dem Wie und Warum sollen nicht mit abstrakten Erklärungen, sondern mit Beispielen, mit Sinnbildern beantwortet werden. Und wie unendlich wichtig ist es, die richtigen Sinnbilder zu finden! Wenn das Kind frägt nach Leben und Tod, nach den Verwandlungen des Menschen, so kann man ihm das Beispiel von der Raupe und Puppe vorführen; man macht ihm klar, wie gleichsam aus der Puppe heraus der Schmetterling aufersteht zu einem neuen Leben. Überall in der Natur findet man solche Gleichnisse für die höchsten Fragen. Ganz besonders aber wichtig ist in dieser Zeit für das Kind die Autorität. Nur darf es keine erzwungene Autorität sein, sondern in ganz natürlicher Weise muß der Lehrer Autorität erlangen, damit das Kind glaubt, bevor sich ein Wissen entwickeln darf. Daher fordert die theosophische Pädagogik nicht bloß intellektuelles Wissen, pädagogische Grundsätze und Einsichten bei dem Erzieher, sondern sie fordert, daß man solche Menschen dazu wählt, die durch ihre natürlichen Anlagen versprechen, eine Autorität zu werden. Scheint dies eine Härte? Aber wie sollte man sie nicht hineinbringen, da die Zukunft der Menschheit davon abhängt! Gerade das ist eine Perspektive für eine große Kulturaufgabe der Theosophie.
[ 7 ] Also, je später man dazu kommt, das Urteil im Kinde hervorzurufen, desto besser ist es. Das Kind aber frägt «Warum». Diese Fragen nach dem Wie und Warum sollen nicht mit abstrakten Erklärungen, sondern mit Beispielen, mit Sinnbildern beantwortet werden. Und wie unendlich wichtig ist es, die richtigen Sinnbilder zu finden! Wenn das Kind frägt nach Leben und Tod, nach den Verwandlungen des Menschen, so kann man ihm das Beispiel von der Raupe und Puppe vorführen; man macht ihm klar, wie gleichsam aus der Puppe heraus der Schmetterling aufersteht zu einem neuen Leben. Überall in der Natur findet man solche Gleichnisse für die höchsten Fragen. Ganz besonders aber wichtig ist in dieser Zeit für das Kind die Autorität. Nur darf es keine erzwungene Autorität sein, sondern in ganz natürlicher Weise muß der Lehrer Autorität erlangen, damit das Kind glaubt, bevor sich ein Wissen entwickeln darf. Daher fordert die theosophische Pädagogik nicht bloß intellektuelles Wissen, pädagogische Grundsätze und Einsichten bei dem Erzieher, sondern sie fordert, daß man solche Menschen dazu wählt, die durch ihre natürlichen Anlagen versprechen, eine Autorität zu werden. Scheint dies eine Härte? Aber wie sollte man sie nicht hineinbringen, da die Zukunft der Menschheit davon abhängt! Gerade das ist eine Perspektive für eine große Kulturaufgabe der Theosophie.
[ 8 ] Wenn dann der Mensch die dritten sieben Jahre antritt, die Zeit der Geschlechtsreife, wird der Astralleib frei, und an ihm hängt das Urteil, die Kritik, hangen die unmittelbaren Beziehungen zu den übrigen Menschen. So wie die Gefühle von Mensch zu Mensch erwachen, so erwachen auch die Gefühle für die übrige Umwelt; da ist der Mensch reif, anzufangen zu begreifen. Die Persönlichkeit wird mit dem Astralleib freigelegt; da muß man das eigene Urteil aus dem Menschen herauslocken. Heutzutage wird er viel zu früh zur Kritik herausgefordert. Siebzehnjährige Kritiker sind häufig, und wie viele schreiben und urteilen ganz und gar Unreifes für die Menschheit! Man muß zweiundzwanzig bis vierundzwanzig Jahre alt sein, ehe man selbst urteilen kann; das andere ist absolut unmöglich. Vom vierzehnten bis zum vierundzwanzigsten Jahre ist die Zeit, wo der Mensch am besten von der Welt lernen wird, wo alles für ihn Lehre wird, was ihn umgibt. So wächst er heran zur völligen Lebensreife.
[ 8 ] Wenn dann der Mensch die dritten sieben Jahre antritt, die Zeit der Geschlechtsreife, wird der Astralleib frei, und an ihm hängt das Urteil, die Kritik, hangen die unmittelbaren Beziehungen zu den übrigen Menschen. So wie die Gefühle von Mensch zu Mensch erwachen, so erwachen auch die Gefühle für die übrige Umwelt; da ist der Mensch reif, anzufangen zu begreifen. Die Persönlichkeit wird mit dem Astralleib freigelegt; da muß man das eigene Urteil aus dem Menschen herauslocken. Heutzutage wird er viel zu früh zur Kritik herausgefordert. Siebzehnjährige Kritiker sind häufig, und wie viele schreiben und urteilen ganz und gar Unreifes für die Menschheit! Man muß zweiundzwanzig bis vierundzwanzig Jahre alt sein, ehe man selbst urteilen kann; das andere ist absolut unmöglich. Vom vierzehnten bis zum vierundzwanzigsten Jahre ist die Zeit, wo der Mensch am besten von der Welt lernen wird, wo alles für ihn Lehre wird, was ihn umgibt. So wächst er heran zur völligen Lebensreife.
[ 9 ] Das sind die großen Grundsätze der Erziehung. Unzählige Einzelheiten ergeben sich daraus. Die Theosophische Gesellschaft wird ein Buch herausgeben für Lehrer und Mütter, worin gezeigt wird, wie vom ersten bis siebenten Lebensjahre das Vorbild, vom siebenten bis vierzehnten Lebensjahre die Autorität und vom vierzehnten bis vierundzwanzigsten Lebensjahre das selbständige Urteil am Menschen arbeiten muß.
[ 9 ] Das sind die großen Grundsätze der Erziehung. Unzählige Einzelheiten ergeben sich daraus. Die Theosophische Gesellschaft wird ein Buch herausgeben für Lehrer und Mütter, worin gezeigt wird, wie vom ersten bis siebenten Lebensjahre das Vorbild, vom siebenten bis vierzehnten Lebensjahre die Autorität und vom vierzehnten bis vierundzwanzigsten Lebensjahre das selbständige Urteil am Menschen arbeiten muß.
[ 10 ] Das sollte ein Beispiel dafür sein, wie die Theosophie ihre Kulturaufgabe zu erfüllen sucht, wie sie auf Schritt und Tritt einzugreifen vermag in die wirklichen praktischen Aufgaben des Lebens.
[ 10 ] Das sollte ein Beispiel dafür sein, wie die Theosophie ihre Kulturaufgabe zu erfüllen sucht, wie sie auf Schritt und Tritt einzugreifen vermag in die wirklichen praktischen Aufgaben des Lebens.
[ 11 ] Ein anderes Beispiel für praktische Theosophie gibt die Betrachtung des großen Gesetzes von Karma. Es ist das ein Gesetz, das dem Menschen das Leben eigentlich erst verständlich macht. Das Karmagesetz ist nicht bloß ein theoretisches Gesetz oder etwas, was bloß unsere Wißbegierde befriedigt. Nein, auf Schritt und Tritt ist es für das Leben etwas, was Kraft zum Handeln und Sicherheit gibt, was alles Unverständliche verständlich macht.
[ 11 ] Ein anderes Beispiel für praktische Theosophie gibt die Betrachtung des großen Gesetzes von Karma. Es ist das ein Gesetz, das dem Menschen das Leben eigentlich erst verständlich macht. Das Karmagesetz ist nicht bloß ein theoretisches Gesetz oder etwas, was bloß unsere Wißbegierde befriedigt. Nein, auf Schritt und Tritt ist es für das Leben etwas, was Kraft zum Handeln und Sicherheit gibt, was alles Unverständliche verständlich macht.
[ 12 ] Zunächst antwortet das Karmagesetz auf eine große Lebensfrage: Wodurch kommt überhaupt unser Schicksal zustande? Warum obwalten schon bei der Geburt der Kinder so verschiedene Verhältnisse? Man sieht zum Beispiel, wie ein Kind in Reichtum geboren wird, vielleicht auch mit großen Talenten, von sorgsamster Liebe umgeben ist. Und man sieht ein anderes Kind, geboren in Elend und Armut, vielleicht mit geringen Talenten oder Fähigkeiten, so daß es dazu prädestiniert scheint, es zu nichts zu bringen; oder auch mit großen Fähigkeiten, die aber vielleicht nicht ausgebildet werden können. Das sind Rätselfragen des praktischen Lebens, und auf diese gibt nur die Theosophie eine Antwort. Diese Fragen muß der Mensch beantwortet haben, wenn er mit Kraft und Hoffnung im Leben dastehen soll. Und wie antwortet das Karmagesetz auf diese Fragen?
[ 12 ] Zunächst antwortet das Karmagesetz auf eine große Lebensfrage: Wodurch kommt überhaupt unser Schicksal zustande? Warum obwalten schon bei der Geburt der Kinder so verschiedene Verhältnisse? Man sieht zum Beispiel, wie ein Kind in Reichtum geboren wird, vielleicht auch mit großen Talenten, von sorgsamster Liebe umgeben ist. Und man sieht ein anderes Kind, geboren in Elend und Armut, vielleicht mit geringen Talenten oder Fähigkeiten, so daß es dazu prädestiniert scheint, es zu nichts zu bringen; oder auch mit großen Fähigkeiten, die aber vielleicht nicht ausgebildet werden können. Das sind Rätselfragen des praktischen Lebens, und auf diese gibt nur die Theosophie eine Antwort. Diese Fragen muß der Mensch beantwortet haben, wenn er mit Kraft und Hoffnung im Leben dastehen soll. Und wie antwortet das Karmagesetz auf diese Fragen?
[ 13 ] Wir haben gesehen, daß der Mensch wiederholte Leben auf der Erde durchlebt. Das Kind wird nicht zum ersten Male auf dieser Erde geboren, es war schon oft da. Alles nun in der Welt draußen steht im Zusammenhang von Ursache und Wirkung; das erkennt jeder an. Das große Ursachengesetz herrscht also in der Natur, und dieses Gesetz, auf das Geistige, auf die geistige Welt übertragen, das ist das Karmagesetz.
[ 13 ] Wir haben gesehen, daß der Mensch wiederholte Leben auf der Erde durchlebt. Das Kind wird nicht zum ersten Male auf dieser Erde geboren, es war schon oft da. Alles nun in der Welt draußen steht im Zusammenhang von Ursache und Wirkung; das erkennt jeder an. Das große Ursachengesetz herrscht also in der Natur, und dieses Gesetz, auf das Geistige, auf die geistige Welt übertragen, das ist das Karmagesetz.
[ 14 ] Wie wirkt das Gesetz nun in der Außenwelt? Wenn wir eine Kugel nehmen, sie erhitzen und dann auf eine Holzplatte legen, so brennt sie ein Loch in das Holz hinein. Erhitzen wir eine andere Kugel, werfen sie erst ins Wasser und legen sie dann auf das Brett, dann brennt sie kein Loch in das Holz. Die Tatsache, daß ich die Kugel ins Wasser werfe, ist bedeutsam für das, was die Kugel nachher bewirkt. Die Kugel hat gleichsam ein Erlebnis, und es ist verschieden, was sie vor diesem Erlebnis und nachher tut. So hängt die Wirkung ab von der Ursache. Das ist ein Beispiel aus der leblosen Natur, und so ist esin der ganzen Welt. Tiere, die sehend in finstere Höhlen einwandern, verlieren die Sehkraft. Wenn das Tier in einer späteren Generation darüber nachdenken könnte: Warum habe ich keine Augen? - so müßte es sich sagen: Die Einwanderung meiner Vorfahren in diese Höhlen ist die Ursache meines Schicksals. — So ist das Erlebnis von vorher das Schicksal für später. So hängen die Dinge zusammen nach Ursache und Wirkung. Je weiter wir nun hinaufrücken zum Menschen, desto individueller wird die ganze Sache. Das Tier hat eine Gattungsseele, und das Schicksal einer Gruppe von Tieren knüpft sich an an die Gruppenseele. Der Mensch dahingegen hat ein Ich für sich. Dieses Einzel-Ich erleidet ein ähnliches Schicksal wie die Gruppenseele der Tiere. Wie die ganze Gattung von Tieren sich verwandelt, so verwandelt sich das einzelne Ich von einem Leben zum andern. Ursache und Wirkung pflanzen sich fort von einem Leben zum andern. Was ich heute erlebe, hat seine Ursache im früheren Leben, und was ich heute tue, bildet mein Schicksal für das nächste Leben. In diesem Leben liegt nicht die Ursache zu der verschiedenartigen Geburt; nichts ist jetzt verschuldet. Die Ursache liegt in dem früheren Leben. Der Mensch hat sich sein heutiges Schicksal selbst in dem vorigen Leben zubereitet.
[ 14 ] Wie wirkt das Gesetz nun in der Außenwelt? Wenn wir eine Kugel nehmen, sie erhitzen und dann auf eine Holzplatte legen, so brennt sie ein Loch in das Holz hinein. Erhitzen wir eine andere Kugel, werfen sie erst ins Wasser und legen sie dann auf das Brett, dann brennt sie kein Loch in das Holz. Die Tatsache, daß ich die Kugel ins Wasser werfe, ist bedeutsam für das, was die Kugel nachher bewirkt. Die Kugel hat gleichsam ein Erlebnis, und es ist verschieden, was sie vor diesem Erlebnis und nachher tut. So hängt die Wirkung ab von der Ursache. Das ist ein Beispiel aus der leblosen Natur, und so ist esin der ganzen Welt. Tiere, die sehend in finstere Höhlen einwandern, verlieren die Sehkraft. Wenn das Tier in einer späteren Generation darüber nachdenken könnte: Warum habe ich keine Augen? - so müßte es sich sagen: Die Einwanderung meiner Vorfahren in diese Höhlen ist die Ursache meines Schicksals. — So ist das Erlebnis von vorher das Schicksal für später. So hängen die Dinge zusammen nach Ursache und Wirkung. Je weiter wir nun hinaufrücken zum Menschen, desto individueller wird die ganze Sache. Das Tier hat eine Gattungsseele, und das Schicksal einer Gruppe von Tieren knüpft sich an an die Gruppenseele. Der Mensch dahingegen hat ein Ich für sich. Dieses Einzel-Ich erleidet ein ähnliches Schicksal wie die Gruppenseele der Tiere. Wie die ganze Gattung von Tieren sich verwandelt, so verwandelt sich das einzelne Ich von einem Leben zum andern. Ursache und Wirkung pflanzen sich fort von einem Leben zum andern. Was ich heute erlebe, hat seine Ursache im früheren Leben, und was ich heute tue, bildet mein Schicksal für das nächste Leben. In diesem Leben liegt nicht die Ursache zu der verschiedenartigen Geburt; nichts ist jetzt verschuldet. Die Ursache liegt in dem früheren Leben. Der Mensch hat sich sein heutiges Schicksal selbst in dem vorigen Leben zubereitet.
[ 15 ] Nun kann man sagen: Aber muß das nicht gerade den Menschen niederdrücken und ihm jede Hoffnung nehmen? — Und doch ist das Karmagesetz das trostreichste Gesetz für das Leben. Denn so wahr es ist, daß nichts ohne Ursache ist, ebenso wahr ist es auch, daß nichts ohne Wirkung bleibt. Werde ich auch in Not und Elend geboren, habe ich auch geringe Fähigkeiten: Was ich tue, muß seine Wirkung haben, und was ich mir zueigne durch Fleiß und Moralität, das wird seine sichere Wirkung haben in folgenden Lebensläufen. Kann es mich niederdrücken, daß ich mein Schicksal selbst verdient habe, so kann es mich erheben, daß ich mir mein Schicksal für die Zukunft selbst zimmern kann. - Wer dieses Gesetz in sein Denken und Fühlen aufnimmt, wird sehen, welche Kraft und Sicherheit im Leben er gewinnt. Es ist nicht so wichtig, daß man das Gesetz im einzelnen durchschaut; das kommt erst auf den höheren Stufen der hellseherischen Erkenntnis. Viel wichtiger ist, daß man im Sinne dieses Gesetzes die Welt betrachtet und danach lebt. Tut man dies mit Ernst durch Jahre hindurch, dann wird sich dieses Gesetz ganz von selbst dem Gefühl mitteilen. Es bewahrheitet sich durch Anwendung.
[ 15 ] Nun kann man sagen: Aber muß das nicht gerade den Menschen niederdrücken und ihm jede Hoffnung nehmen? — Und doch ist das Karmagesetz das trostreichste Gesetz für das Leben. Denn so wahr es ist, daß nichts ohne Ursache ist, ebenso wahr ist es auch, daß nichts ohne Wirkung bleibt. Werde ich auch in Not und Elend geboren, habe ich auch geringe Fähigkeiten: Was ich tue, muß seine Wirkung haben, und was ich mir zueigne durch Fleiß und Moralität, das wird seine sichere Wirkung haben in folgenden Lebensläufen. Kann es mich niederdrücken, daß ich mein Schicksal selbst verdient habe, so kann es mich erheben, daß ich mir mein Schicksal für die Zukunft selbst zimmern kann. - Wer dieses Gesetz in sein Denken und Fühlen aufnimmt, wird sehen, welche Kraft und Sicherheit im Leben er gewinnt. Es ist nicht so wichtig, daß man das Gesetz im einzelnen durchschaut; das kommt erst auf den höheren Stufen der hellseherischen Erkenntnis. Viel wichtiger ist, daß man im Sinne dieses Gesetzes die Welt betrachtet und danach lebt. Tut man dies mit Ernst durch Jahre hindurch, dann wird sich dieses Gesetz ganz von selbst dem Gefühl mitteilen. Es bewahrheitet sich durch Anwendung.
[ 16 ] Nun kann jemand einwenden: Da würden wir ja zu reinen Fatalisten! Alles, was uns trifft, haben wir uns selbst zubereitet, aber wir können ja nichts daran ändern; also ist es das beste, wenn man nichts tut. Wenn ich faul bin, ist das eben mein Karma. - Oder man sagt vielleicht: Es gibt ein Karmagesetz, das sagt, daß wir günstige Wirkungen für unser späteres Leben erzielen können. Da werde ich im späteren Leben anfangen, recht brav zu sein; jetzt will ich erst einmal genießen. Ich habe ja Zeit, ich komme ja später wieder auf die Erde; da fange ich dann an. - Ein anderer sagt: Ich helfe jetzt keinem Menschen mehr, denn wenn er arm und elend ist und ich helfe ihm, dann greife ich ja in sein Karma ein. Er hat verdient, was er leidet; er muß selbst dafür sorgen, daß sein Karma ein anderes wird.
[ 16 ] Nun kann jemand einwenden: Da würden wir ja zu reinen Fatalisten! Alles, was uns trifft, haben wir uns selbst zubereitet, aber wir können ja nichts daran ändern; also ist es das beste, wenn man nichts tut. Wenn ich faul bin, ist das eben mein Karma. - Oder man sagt vielleicht: Es gibt ein Karmagesetz, das sagt, daß wir günstige Wirkungen für unser späteres Leben erzielen können. Da werde ich im späteren Leben anfangen, recht brav zu sein; jetzt will ich erst einmal genießen. Ich habe ja Zeit, ich komme ja später wieder auf die Erde; da fange ich dann an. - Ein anderer sagt: Ich helfe jetzt keinem Menschen mehr, denn wenn er arm und elend ist und ich helfe ihm, dann greife ich ja in sein Karma ein. Er hat verdient, was er leidet; er muß selbst dafür sorgen, daß sein Karma ein anderes wird.
[ 17 ] Alle diese Dinge sind die gröbsten Mißverständnisse. Das Karmagesetz sagt: Alles, was ich im Leben an guten Taten getan habe, wird seine Wirkung haben, ebenso alles Schlechte, so daß das wie eine Art Konto gibt im Lebensbuche mit einer Soll- und einer Habenseite. In jedem Moment kann man Bilanz machen. Mache ich nun den Abschluß und ziehe die Bilanz, so ergibt das mein Schicksal. - Das scheint zunächst etwas Starres, Unbewegliches; das ist aber nicht der Fall. Der richtige Vergleich mit dem Kontobuch ergibt folgendes: Jedes neue Geschäft verändert die Bilanz, und jede neue Tat verändert das Schicksal. Der Kaufmann kann doch nicht sagen: Durch jedes neue Geschäft störe ich meine Bilanz, ich kann also nichts tun. Ebensowenig wie der Kaufmann durch sein Kontobuch gehindert ist, ein neues Geschäft zu machen, ebensowenig ist der Mensch gehindert, ein neues Faktum in sein Lebensbuch einzutragen. Und wenn der Kaufmann in Kalamität ist und zu seinem Freund sagt: Du, gib mir tausend Mark, damit ich mich aus der schwierigen Lage herausreiße -, und der Freund erwidern würde: Damit greife ich ja in dein Kontobuch ein -, so wäre diese Antwort ein Unsinn. Ebenso wäre es ein Unsinn, wenn ich nicht helfen wollte, um nicht mit dem Karmagesetz in Konflikt zu kommen. Nichts hindert den Menschen, der fest an das Karmagesetz glaubt, allem Elend, aller Not abzuhelfen. Im Gegenteil, wenn man nicht daran glauben würde, müßte man bezweifeln, ob die Hilfe überhaupt wirksam wird; so aber weiß ich gewiß, daß die Hilfe richtig wirkt. Darin liegt die trostreiche, tatkräftige Seite des Karmagesetzes. Man darf nicht so sehr nach der vergangenen Seite des Karmagesetzes sehen als nach der zukünftigen. Man sieht wohl zurück auf das Geschehene und trägt das Karma, aber vor allen Dingen rührt man seine Hände, weil man eine Grundlage legen muß für die Zukunft.
[ 17 ] Alle diese Dinge sind die gröbsten Mißverständnisse. Das Karmagesetz sagt: Alles, was ich im Leben an guten Taten getan habe, wird seine Wirkung haben, ebenso alles Schlechte, so daß das wie eine Art Konto gibt im Lebensbuche mit einer Soll- und einer Habenseite. In jedem Moment kann man Bilanz machen. Mache ich nun den Abschluß und ziehe die Bilanz, so ergibt das mein Schicksal. - Das scheint zunächst etwas Starres, Unbewegliches; das ist aber nicht der Fall. Der richtige Vergleich mit dem Kontobuch ergibt folgendes: Jedes neue Geschäft verändert die Bilanz, und jede neue Tat verändert das Schicksal. Der Kaufmann kann doch nicht sagen: Durch jedes neue Geschäft störe ich meine Bilanz, ich kann also nichts tun. Ebensowenig wie der Kaufmann durch sein Kontobuch gehindert ist, ein neues Geschäft zu machen, ebensowenig ist der Mensch gehindert, ein neues Faktum in sein Lebensbuch einzutragen. Und wenn der Kaufmann in Kalamität ist und zu seinem Freund sagt: Du, gib mir tausend Mark, damit ich mich aus der schwierigen Lage herausreiße -, und der Freund erwidern würde: Damit greife ich ja in dein Kontobuch ein -, so wäre diese Antwort ein Unsinn. Ebenso wäre es ein Unsinn, wenn ich nicht helfen wollte, um nicht mit dem Karmagesetz in Konflikt zu kommen. Nichts hindert den Menschen, der fest an das Karmagesetz glaubt, allem Elend, aller Not abzuhelfen. Im Gegenteil, wenn man nicht daran glauben würde, müßte man bezweifeln, ob die Hilfe überhaupt wirksam wird; so aber weiß ich gewiß, daß die Hilfe richtig wirkt. Darin liegt die trostreiche, tatkräftige Seite des Karmagesetzes. Man darf nicht so sehr nach der vergangenen Seite des Karmagesetzes sehen als nach der zukünftigen. Man sieht wohl zurück auf das Geschehene und trägt das Karma, aber vor allen Dingen rührt man seine Hände, weil man eine Grundlage legen muß für die Zukunft.
[ 18 ] Von christlichen Geistlichen wird oft der Einwand erhoben: Eure Theosophie ist kein Christentum, denn sie schreibt alles der Selbsterlösung zu. Ihr sagt, der Mensch muß ganz allein sein Karma auswirken. Wenn der Mensch selbst sein Karma auswirken kann, dann bleibt kein Platz für Christus Jesus, der doch für die ganze Menschheit litt. Der Theosoph sagt, ich brauche niemand. — Das ist ein Mißverständnis auf beiden Seiten. Man bedenkt nicht, daß der freie Wille nicht beschränkt wird durch das Karmagesetz. Diese Einsicht muß der Theosoph haben, daß er nicht allein auf Selbsthilfe und Selbstentwickelung baut, wenn er an Karma glaubt, Er muß wissen, daß der andere ihm helfen kann; und dann werden wir die echte Vereinigung des Karmagesetzes mit der zentralen Tatsache des Christentums leicht finden. Sie ist immer vorhanden gewesen, diese Übereinstimmung; die christliche Geheimlehre kennt das Karmagesetz.
[ 18 ] Von christlichen Geistlichen wird oft der Einwand erhoben: Eure Theosophie ist kein Christentum, denn sie schreibt alles der Selbsterlösung zu. Ihr sagt, der Mensch muß ganz allein sein Karma auswirken. Wenn der Mensch selbst sein Karma auswirken kann, dann bleibt kein Platz für Christus Jesus, der doch für die ganze Menschheit litt. Der Theosoph sagt, ich brauche niemand. — Das ist ein Mißverständnis auf beiden Seiten. Man bedenkt nicht, daß der freie Wille nicht beschränkt wird durch das Karmagesetz. Diese Einsicht muß der Theosoph haben, daß er nicht allein auf Selbsthilfe und Selbstentwickelung baut, wenn er an Karma glaubt, Er muß wissen, daß der andere ihm helfen kann; und dann werden wir die echte Vereinigung des Karmagesetzes mit der zentralen Tatsache des Christentums leicht finden. Sie ist immer vorhanden gewesen, diese Übereinstimmung; die christliche Geheimlehre kennt das Karmagesetz.
[ 19 ] Stellen wir uns zwei Menschen vor, der eine ist durch sein Karma im Elend, der andere hilft ihm, weil er die Macht hat zu helfen; jener hat sein Karma verbessert. Wird dadurch das Gesetz aus der Welt geschafft? Im Gegenteil, es bestätigt sich; gerade durch das Gesetz von Karma kann ja die Hilfe wirken.
[ 19 ] Stellen wir uns zwei Menschen vor, der eine ist durch sein Karma im Elend, der andere hilft ihm, weil er die Macht hat zu helfen; jener hat sein Karma verbessert. Wird dadurch das Gesetz aus der Welt geschafft? Im Gegenteil, es bestätigt sich; gerade durch das Gesetz von Karma kann ja die Hilfe wirken.
[ 20 ] Wenn einer mächtiger ist, so kann er zweien helfen oder dreien oder vieren, wenn sie es brauchen; und ist einer noch mächtiger, so kann er Hunderten oder Tausenden helfen und ihr Karma im günstigen Sinne beeinflussen. Und ist einer so mächtig, wie das Christentum sich den Christus Jesus vorstellt, so hilft er in einer Zeit, wo die ganze Menschheit Hilfe braucht, der ganzen Menschheit. Und das Karmagesetz wird dadurch nicht unwirksam, sondern im Gegenteil: Die Tat des Christus Jesus auf Erden wird gerade dadurch wirksam, daß man auf Karma bauen kann.
[ 20 ] Wenn einer mächtiger ist, so kann er zweien helfen oder dreien oder vieren, wenn sie es brauchen; und ist einer noch mächtiger, so kann er Hunderten oder Tausenden helfen und ihr Karma im günstigen Sinne beeinflussen. Und ist einer so mächtig, wie das Christentum sich den Christus Jesus vorstellt, so hilft er in einer Zeit, wo die ganze Menschheit Hilfe braucht, der ganzen Menschheit. Und das Karmagesetz wird dadurch nicht unwirksam, sondern im Gegenteil: Die Tat des Christus Jesus auf Erden wird gerade dadurch wirksam, daß man auf Karma bauen kann.
[ 21 ] Der Erlöser weiß, daß durch Karma das Erlösungswerk auch wirklich allen zugänglich wird. Ja, diese Tat geschah gerade im Bauen auf das Karmagesetz, als eine Ursache für die zukünftige herrliche Wirkung, als eine Saat für die spätere Ernte, als eine Hilfe für den, der die Segnungen der Erlösung auf sich wirken läßt. Die Tat des Christus Jesus ist überhaupt nur denkbar durch das Existieren des Karmagesetzes; gerade das Testament des Christus Jesus ist die Karma- und Reinkarnationslehre. Darin heißt es nicht: Jeder muß die Folgen seiner Tat tragen -, sondern: Die Folgen der Tat müssen getragen werden, gleichviel von wem. - Wenn der Theosoph behauptet, er verstehe die einmalige Tat des Christus Jesus für die ganze Menschheit nicht, so versteht er eben Karma nicht. Ebenso der Priester, der da behauptet, Karma störe die Erlösung. Warum das Christentum gerade dieses Gesetz und auch den Reinkarnationsgedanken bisher weniger betont hat, liegt in der Entwickelung der Menschheit begründet und wird später noch näher behandelt werden.
[ 21 ] Der Erlöser weiß, daß durch Karma das Erlösungswerk auch wirklich allen zugänglich wird. Ja, diese Tat geschah gerade im Bauen auf das Karmagesetz, als eine Ursache für die zukünftige herrliche Wirkung, als eine Saat für die spätere Ernte, als eine Hilfe für den, der die Segnungen der Erlösung auf sich wirken läßt. Die Tat des Christus Jesus ist überhaupt nur denkbar durch das Existieren des Karmagesetzes; gerade das Testament des Christus Jesus ist die Karma- und Reinkarnationslehre. Darin heißt es nicht: Jeder muß die Folgen seiner Tat tragen -, sondern: Die Folgen der Tat müssen getragen werden, gleichviel von wem. - Wenn der Theosoph behauptet, er verstehe die einmalige Tat des Christus Jesus für die ganze Menschheit nicht, so versteht er eben Karma nicht. Ebenso der Priester, der da behauptet, Karma störe die Erlösung. Warum das Christentum gerade dieses Gesetz und auch den Reinkarnationsgedanken bisher weniger betont hat, liegt in der Entwickelung der Menschheit begründet und wird später noch näher behandelt werden.
[ 22 ] Die Welt besteht nicht aus einzelnen Ichs, von denen jedes für sich abgeschlossen dasteht, sondern es herrscht die große Einheit, die große Verbrüderung in der Welt. Und wie hier im physischen Leben ein Bruder, ein Freund für den andern einspringen kann, so im weit tieferen Sinne auch in der geistigen Welt.
[ 22 ] Die Welt besteht nicht aus einzelnen Ichs, von denen jedes für sich abgeschlossen dasteht, sondern es herrscht die große Einheit, die große Verbrüderung in der Welt. Und wie hier im physischen Leben ein Bruder, ein Freund für den andern einspringen kann, so im weit tieferen Sinne auch in der geistigen Welt.
