At the Gates of Theosophy
GA 95
2 September 1906, Stuttgart
Translate the original German text into any language:
Versions Available:
Zwölfter Vortrag
Twelfth Lecture
[ 1 ] Aus den gestrigen Ausführungen über das Entwickeln einer menschlichen Gemeinschaftsstimmung werden Sie ersehen haben, wie wichtig es ist, die Rücksicht auf das eigene Ich zu überwinden, wenn es sich darum handelt, tiefer in die geistige Welt einzudringen. Für den Anfänger, der eine okkulte Entwickelung anstrebt, ist die erste Grundbedingung: Er muß sich jeder Art von Egoismus entledigen. Er darf zum Beispiel nicht sagen: Was hilft es mir, wenn andere mir von okkulten Dingen erzählen und ich selbst es nicht sehen kann. Das ist ein Mangel an Vertrauen. Es ist notwendig, daß man Vertrauen hat zu denjenigen, die schon einen gewissen Grad der Entwickelung erreicht haben. Die Menschen wirken miteinander, und wenn einer mehr erreicht hat, so hat er das nicht für sich erreicht, sondern für alle anderen, und diese sind dazu berufen, ihn anzuhören. Dadurch werden die eigenen Kräfte erhöht, und diese Zuhörer werden gerade dadurch, daß sie erst das Vertrauen haben, allmählich selbst Wissende. Man darf nicht den zweiten Schritt vor dem ersten machen wollen.
[ 1 ] From yesterday's remarks on developing a human community spirit, you will have seen how important it is to overcome consideration for one's own ego when it comes to penetrating deeper into the spiritual world. For the beginner who aspires to occult development, the first basic condition is that he must rid himself of all forms of egoism. For example, he must not say: What good does it do me if others tell me about occult things and I cannot see them myself? That is a lack of trust. It is necessary to have trust in those who have already attained a certain degree of development. People interact with each other, and when one has achieved more, he has not achieved it for himself, but for everyone else, and they are called upon to listen to him. This increases their own powers, and precisely because they have faith, these listeners gradually become knowledgeable themselves. One must not try to take the second step before the first.
[ 2 ] Nun gibt es drei okkulte Entwickelungswege: den orientalischen, den christlich-gnostischen und den christlich-rosenkreuzerischen oder einfach rosenkreuzerischen Weg. Sie unterscheiden sich vor allem in Beziehung auf die Hingebung des Schülers gegenüber dem Lehrer. Was geschieht überhaupt mit einem Menschen, der sich okkult entwickelt? Welches sind die Bedingungen zur okkulten Entwickelung?
[ 2 ] There are three occult paths of development: the Oriental, the Christian-Gnostic, and the Christian-Rosicrucian or simply Rosicrucian path. They differ primarily in relation to the devotion of the student to the teacher. What actually happens to a person who develops occult abilities? What are the conditions for occult development?
[ 3 ] Um das zu schildern, betrachten wir einmal das Leben eines heutigen gewöhnlichen Menschen. Das Leben eines solchen verläuft so, daß er von früh bis spät seiner Arbeit und seinen täglichen Erfahrungen nachgeht, daß er seinen Verstand anwendet und seine äußeren Sinne gebraucht. Er lebt und arbeitet also in einem Zustand, den wir den Wachzustand nennen. Das ist aber nur ein Zustand; ein anderer ist der, der zwischen Wachen und Schlafen liegt. Da ist der Mensch sich bewußt, daß Bilder durch seine Seele ziehen, Traumbilder. Sie beziehen sich nicht direkt auf die äußere Welt, auf die gewöhnliche Wirklichkeit, sondern indirekt. Diesen Zustand können wir den Traumzustand nennen. Es ist sehr interessant zu studieren, wie dieser Zustand verläuft. Viele Menschen werden der Meinung sein, daß der Traum etwas ganz Sinnloses ist. Das ist nicht der Fall. Auch beim heutigen Menschen haben die Träume einen gewissen Sinn, nur nicht den Sinn, den die Erlebnisse im Wachzustande haben. Im Wachen stimmt unsere Vorstellung immer mit bestimmten Sachen und Erlebnissen überein; beim Traum gestaltet sich das anders. Man kann zum Beispiel schlafen und träumen, daß man auf der Straße Pferdegetrappel hört; man wacht auf und merkt, daß man das Ticken einer Uhr gehört hat, die man neben sich liegen hatte. Der Traum ist ein Symboliker, ein Sinnbildner, er drückte das Ticktack der Uhr sinnbildlich durch Pferdegetrappel aus. Man kann ganze Geschichten träumen. Ein Student zum Beispiel träumt von einem Duell mit allen vorangehenden Einzelheiten, von der Forderung auf Pistolen bis zum Krachen des Schusses, der ihn aufweckt. Da zeigt es sich, daß er den Stuhl, der neben seinem Bett stand, umgeworfen hatte. Ein anderes Beispiel: Eine Bäuerin träumt vom Kirchgang. Sie tritt in die Kirche, der Priester spricht erhabene Worte, seine Arme bewegen sich; auf einmal werden seine Arme zu Flügeln, und dann fängt der Geistliche plötzlich an zu krähen wie ein Hahn. Sie wacht auf, und draußen kräht der Hahn.
[ 3 ] To describe this, let us consider the life of an ordinary person today. The life of such a person is such that from morning to night they go about their work and daily experiences, using their intellect and their outer senses. They live and work in a state that we call the waking state. But this is only one state; another is that which lies between waking and sleeping. In this state, the person is aware that images pass through their soul, dream images. These images do not relate directly to the external world, to ordinary reality, but indirectly. We can call this state the dream state. It is very interesting to study how this state progresses. Many people will think that dreams are completely meaningless. This is not the case. Even for people today, dreams have a certain meaning, just not the same meaning that experiences have in the waking state. When we are awake, our imagination always corresponds to certain things and experiences; in dreams, it is different. For example, you may be asleep and dream that you hear the sound of horses' hooves on the street; you wake up and realize that you heard the ticking of a clock that was lying next to you. The dream is symbolic, a symbol, expressing the ticking of the clock symbolically through the sound of horses' hooves. One can dream entire stories. A student, for example, dreams of a duel with all the preceding details, from the challenge to a duel to the crack of the shot that wakes him up. Then he sees that he has knocked over the chair that was standing next to his bed. Another example: a farmer's wife dreams of going to church. She enters the church, the priest speaks sublime words, his arms move; suddenly his arms turn into wings, and then the clergyman suddenly begins to crow like a rooster. She wakes up, and outside the rooster is crowing.
[ 4 ] Man sieht daraus, daß der Traum ganz andere Zeitverhältnisse hat als das Tagesbewußtsein, denn bei den angeführten Träumen trat die eigentliche Ursache zeitlich als letztes Ereignis ein. Das rührt davon her, daß ein solcher Traum, verglichen mit der physischen Wirklichkeit, in einem Augenblick durch die Seele schießt und im Nu eine ganze Reihe von Vorstellungen erweckt; der Mensch verpflanzt dabei selbst die Zeit in den Traum hinein. Man muß sich das in der folgenden Weise vorstellen: Indem der Aufwachende sich an alle Einzelheiten erinnert, dehnt er innerlich die Zeit selbst aus, so daß es ihm erscheint, als ob die Ereignisse in der entsprechenden Zeitlänge abgelaufen wären. Ein kleines Geschehnis wird also im Traum oft zu einem langen dramatischen Vorgang. Hier können wir einen Einblick gewinnen, wie die Zeit im Astralen erscheint.
[ 4 ] This shows that dreams have completely different temporal relationships than daytime consciousness, because in the dreams cited, the actual cause occurred last in time. This is because, compared to physical reality, such a dream flashes through the soul in an instant and awakens a whole series of images in the blink of an eye; the person themselves transplants time into the dream. One must imagine this in the following way: by remembering all the details, the person waking up internally extends time itself, so that it seems to them as if the events had taken place in the corresponding length of time. A small event thus often becomes a long dramatic process in a dream. Here we can gain an insight into how time appears in the astral realm.
[ 5 ] Auch innere Zustände können sich im Traum symbolisch darstellen, zum Beispiel ein Kopfschmerz: Der Mensch träumt, er sei in einem dumpfen Kellerloch mit Spinnweben. Ein Herzklopfen und eine innerliche Hitze wird als glühender Ofen empfunden. Leute, die eine besondere innere Sensitivität haben, können noch anderes erleben. Sie sehen sich zum Beispiel in einer unglücklichen Lage im Traum. Da wirkt der Traum als Prophet; das ist dann ein Symbol dafür, daß eine Krankheit in ihnen steckt, die in einigen Tagen herauskommt. Ja, manche Menschen träumen sogar die Heilmittel gegen eine solche Krankheit. Kurz, eine ganz andere Art des Wahrnehmens ist in diesen Traumzuständen vorhanden.
[ 5 ] Inner states can also be symbolically represented in dreams, for example, a headache: a person dreams that they are in a damp basement full of cobwebs. Heart palpitations and internal heat are perceived as a glowing furnace. People who have a special inner sensitivity can experience other things. For example, they see themselves in an unfortunate situation in their dream. The dream then acts as a prophet; it is a symbol that they have an illness that will manifest itself in a few days. Some people even dream of the remedy for such an illness. In short, a completely different kind of perception is present in these dream states.
[ 6 ] Der dritte Zustand des Menschen ist der traumlose Schlafzustand, wo nichts in der Seele aufsteigt, wo der Mensch bewußtlos schläft. Wenn nun durch die innere Entwickelung der Mensch beginnt, die höheren Welten wahrzunehmen, so kündigt sich das zuerst in seinem Traumzustand an, und zwar dadurch, daß die Träume regelmäßiger werden und sinnvoller sind als vorher. Vor allen Dingen gewinnt der Mensch Erkenntnisse durch seine Träume; er muß nur recht auf sie achtgeben. Später bemerkt er dann, daß die Träume häufiger werden, bis er meint, die ganze Nacht hindurch geträumt zu haben. Ebenso kann er beobachten, daß die Träume sich mit Dingen verbinden, die es in der Außenwelt gar nicht gibt, die man physisch gar nicht erleben kann. Er merkt, daß in den Träumen ihm jetzt nicht mehr bloße Dinge erscheinen, die entweder äußerlich auf ihn einwirken oder Zustände versinnbildlichen, wie sie oben geschildert wurden, sondern er erlebt, wie gesagt, Bilder von Dingen, die in der sinnenfälligen Wirklichkeit gar nicht existieren, und er merkt dann, daß ihm die Träume etwas Bedeutungsvolles sagen. Zum Beispiel kann es in der folgenden Weise anfangen: Er träumt, ein Freund befinde sich in Feuersgefahr, und er sieht, wie er in die Gefahr hineinrückt. Am nächsten Tag erfährt er, daß dieser Freund in der Nacht krank geworden ist. Er hat nicht gesehen, daß der Freund krank geworden ist, aber ein Sinnbild dafür hat er geschaut. So können auch von den höheren Welten Einflüsse auf die Träume erfolgen, so daß man etwas erfährt, was es gar nicht in der physischen Welt gibt; da gehen Eindrücke von den höheren Welten in den Traum über. Das ist ein sehr wichtiger Übergang zur höheren okkulten Entwickelung.
[ 6 ] The third state of human beings is the dreamless state of sleep, where nothing rises in the soul, where the person sleeps unconscious. When, through inner development, the person begins to perceive the higher worlds, this first announces itself in their dream state, namely in that their dreams become more regular and more meaningful than before. Above all, human beings gain insights through their dreams; they only need to pay close attention to them. Later, they notice that their dreams become more frequent, until they feel they have been dreaming all night long. They may also observe that their dreams are connected with things that do not exist in the outside world, things that cannot be experienced physically. They notice that in their dreams they no longer see mere things that either affect them externally or symbolize states as described above, but rather, as mentioned, they experience images of things that do not exist in sensory reality, and they then realize that their dreams are telling them something meaningful. For example, it may begin in the following way: he dreams that a friend is in danger of fire, and he sees him moving into the danger. The next day he learns that this friend fell ill during the night. He did not see that his friend had fallen ill, but he saw a symbol of it. In this way, influences from the higher worlds can also affect dreams, so that one experiences something that does not exist in the physical world; impressions from the higher worlds are transferred into the dream. This is a very important transition to higher occult development.
[ 7 ] Nun kann da jemand einwenden: Das ist ja alles nur geträumt, wie kann man darauf etwas geben? — Das ist nicht richtig. Nehmen wir folgendes Beispiel an: es hätte Edison einmal geträumt, wie man eine Glühlampe macht; er hätte sich dann dieses Traumes erinnert und wirklich dem Traum gemäß eine Glühlampe angefertigt, und nun wäre jemand gekommen und hätte gesagt: Nichts ist es mit der Glühlampe, das ist ja bloß geträumt! — Es handelt sich eben darum, ob das Geträumte Bedeutung hat für das Leben, nicht darum, daß es geträumt ist. Vielfach werden nun solche Traumzustände gar nicht beachtet, weil man zuwenig aufmerksam ist. Das ist nicht gut. Gerade auf solche subtile Sachen sollten wir unsere Aufmerksamkeit wenden; das bringt vorwärts.
[ 7 ] Now someone may object: That's all just a dream, how can you believe it? — That is not correct. Let us take the following example: Edison once dreamed how to make an incandescent light bulb; he then remembered this dream and actually made an incandescent light bulb according to the dream, and now someone came and said: The incandescent light bulb is nothing, it's just a dream! The point is whether the dream has meaning for life, not that it was dreamed. In many cases, such dream states are not noticed at all because people are not attentive enough. That is not good. We should turn our attention to such subtle things; that is what brings progress.
[ 8 ] Später tritt nun ein Zustand ein, wo sich dem Schüler das Wesen der Wirklichkeit im Traum enthüllt, und er kann dann die Träume an der Wirklichkeit prüfen. Wenn er so weit ist, daß er nicht bloß im Schlaf, sondern auch bei Tag die ganze Bilderwelt vor sich hat, dann kann er mit dem Verstand zergliedern, ob das wahr ist, was er sieht. Man darf also nicht etwa die Traumbilder als eine Grundlage für die Weisheit ansehen und benutzen, sondern man muß warten, bis sie sich in die Tageswelt hineindrängen. Wenn man sie bewußt kontrolliert, dann kommt auch bald der Zustand, wo der Schüler nicht nur sieht, was physisch vorhanden ist, wo er auch wirklich beobachten kann, was am Menschen die Aura, die Seele ist, was astral an ihm ist. Man lernt dann verstehen, was die Formen und Farben im Astralleib bedeuten, welche Leidenschaften zum Beispiel sich darin ausdrücken. Man lernt allmählich die seelische Welt sozusagen buchstabieren. Nur muß man sich stets dessen bewußt sein, daß alles sinnbildlich ist.
[ 8 ] Later, a state arises in which the nature of reality is revealed to the student in dreams, and he can then test the dreams against reality. When he has reached the point where he has the whole world of images before him not only in sleep but also during the day, he can use his intellect to analyze whether what he sees is true. One must not, therefore, regard and use the dream images as a basis for wisdom, but must wait until they intrude into the waking world. If one consciously controls them, then soon the state will come when the student not only sees what is physically present, but can also really observe what is the aura, the soul, what is astral in a human being. One then learns to understand what the forms and colors in the astral body mean, which passions, for example, are expressed in them. One gradually learns to spell out the soul world, so to speak. But one must always be aware that everything is symbolic.
[ 9 ] Man kann dagegen einwenden: Wenn man nur Sinnbilder sieht, dann kann ja ein Ereignis in allen möglichen Sinnbildern symbolisiert sein, und man kann sich gar nicht klar werden, daß so ein Bild sich gerade auf etwas Bestimmtes bezieht. — Auf einer gewissen Stufe jedoch stellt sich eine Sache immer nur unter dem gleichen Bilde dar, gerade wie sich ein Gegenstand immer nur durch die gleiche Vorstellung ausdrückt. So drückt sich zum Beispiel Leidenschaft immer durch blitzartige rötliche Farben aus. Man muß nur lernen, die Bilder auf das Richtige zu beziehen. Man erkennt an dem Bild den Seelenzustand.
[ 9 ] One might object: if one sees only symbols, then an event can be symbolized in all kinds of symbols, and it is impossible to be sure that a particular image refers to something specific. However, at a certain level, a thing always presents itself under the same image, just as an object always expresses itself through the same idea. For example, passion is always expressed through flashy reddish colors. One only has to learn to relate the images to the right thing. One recognizes the state of the soul from the image.
[ 10 ] Nun begreifen Sie, warum in allen Religionsbüchern fast durchweg in Bildern gesprochen wird. Da wird die Weisheit zum Beispiel Licht genannt. Der Grund dafür ist, daß dem okkult Entwickelten die Weisheit des Menschen und der anderen Wesen immer als ein astrales Licht erscheint. Leidenschaften erscheinen als Feuer. Die religiösen Urkunden teilen Dinge mit, die sich nicht nur auf dem physischen Plan abspielen, sondern auch Geschehnisse auf höheren Planen. Diese Urkunden rühren sämtlich von Hellsehern her und beziehen sich auf höhere Welten; deshalb müssen sie zu uns in Bildern sprechen. Alles, was aus der Akasha-Chronik erzählt worden ist, wurde deshalb auch in solchen Bildern dargestellt.
[ 10 ] Now you understand why all religious books almost always speak in images. For example, wisdom is called light. The reason for this is that to the occultist, the wisdom of human beings and other beings always appears as astral light. Passions appear as fire. Religious documents communicate things that take place not only on the physical plane, but also on higher planes. These documents all originate from clairvoyants and refer to higher worlds; therefore, they must speak to us in images. Everything that has been told from the Akashic Records has therefore also been depicted in such images.
[ 11 ] Der nächste Zustand, den der Schüler erlebt, ist der, den man als Kontinuität des Bewußtseins bezeichnet. Wenn der gewöhnliche Mensch im Schlaf der sinnlichen Welt ganz entrückt ist, ist er bewußtlos. Bei einem Schüler ist das nicht mehr der Fall, wenn er die vorgenannte Stufe erreicht hat. Ununterbrochen, Tag und Nacht lebt der Schüler in vollem, klarem Bewußtsein, auch wenn der physische Leib ruht. Nach einiger Zeit kündigt sich der Eintritt in einen neuen, bestimmten Zustand dadurch an, daß zu dem Tagesbewußtsein, zu den Bildern Töne und Worte hinzutreten. Die Bilder reden und sagen ihm etwas; sie reden eine ihm verständliche Sprache. Sie sagen, was sie sind; da ist dann überhaupt keine Täuschung mehr möglich. Das ist das devachanische Tönen und Sprechen, die Sphärenmusik. Ein jedes Ding spricht dann seinen eigenen Namen aus und sein Verhältnis zu den anderen Dingen. Das kommt dann zum astralischen Schauen hinzu, und das ist der Eintritt des Hellsehers in Devachan. Hat der Mensch diesen devachanischen Zustand erlangt, dann fangen die Lotusblumen, die Chakrams oder Räder, an gewissen Stellen im Astralleib an, sich wie der Zeiger einer Uhr von links nach rechts zu drehen. Sie sind die Sinnesorgane des Astralleibes, aber ihr Wahrnehmen ist ein aktives. Das Auge zum Beispiel ist in Ruhe, es läßt das Licht in sich hereinkommen und nimmt es dann wahr. Dagegen nehmen die Lotusblumen erst dann wahr, wenn sie sich bewegen, wenn sie einen Gegenstand umfassen. Durch das Drehen der Lotusblumen werden Schwingungen in der Astralmaterie erregt, und so entsteht die Wahrnehmung auf dem Astralplan.
[ 11 ] The next state that the student experiences is what is called continuity of consciousness. When the ordinary person is completely removed from the sensory world in sleep, he is unconscious. This is no longer the case for a student who has reached the aforementioned stage. Day and night, the student lives in full, clear consciousness, even when the physical body is at rest. After some time, the entry into a new, specific state is heralded by the addition of sounds and words to the images of daily consciousness. The images speak and tell him something; they speak a language he understands. They say what they are; then there is no longer any possibility of deception. This is the devachanic sound and speech, the music of the spheres. Each thing then speaks its own name and its relationship to other things. This is added to astral vision, and this is the clairvoyant's entry into Devachan. Once a person has attained this devachanic state, the lotus flowers, the chakrams or wheels, begin to turn from left to right like the hands of a clock at certain points in the astral body. They are the sense organs of the astral body, but their perception is active. The eye, for example, is at rest; it allows light to enter and then perceives it. In contrast, the lotus flowers only perceive when they move, when they encompass an object. The turning of the lotus flowers excites vibrations in the astral matter, and thus perception arises on the astral plane.
[ 12 ] Welches sind nun die Kräfte, welche die Lotusblumen ausbilden? Woher kommen diese Kräfte? Wir wissen, daß während des Schlafes die verbrauchten Kräfte des physischen und ätherischen Körpers von dem Astralleibe wieder ersetzt werden; durch seine Regelmäßigkeit kann er im Schlafe Unregelmäßigkeiten des physischen und ätherischen Leibes ausgleichen. Diese Kräfte aber, welche zur Überwindung der Ermüdung verwendet werden, sind es, die die Lotusblumen ausbilden. Ein Mensch, der seine okkulte Entwickelung anfängt, entzieht also dadurch eigentlich seinem physischen und ätherischen Leibe Kräfte. Würden diese Kräfte dauernd dem physischen Leibe entzogen werden, so müßte der Mensch erkranken, ja, es würde sogar eine völlige Erschöpfung eintreten. Will er sich also physisch und moralisch nicht schädigen, so muß er diese Kräfte durch etwas anderes ersetzen.
[ 12 ] What are the forces that form the lotus flowers? Where do these forces come from? We know that during sleep, the exhausted forces of the physical and etheric bodies are replaced by the astral body; through its regularity, it can compensate for irregularities in the physical and etheric bodies during sleep. But it is these forces, which are used to overcome fatigue, that form the lotus flowers. A person who begins their occult development thus actually withdraws forces from their physical and etheric bodies. If these forces were to be permanently withdrawn from the physical body, the person would become ill, and even complete exhaustion would ensue. If they do not want to harm themselves physically and morally, they must replace these forces with something else.
[ 13 ] Man muß eingedenk sein einer allgemeinen Weltregel: Rhythmus ersetzt Kraft! Das ist ein wichtiger okkulter Grundsatz. Heute lebt der Mensch höchst unregelmäßig, namentlich im Vorstellen und Handeln. Ein Mensch, der bloß die zerstreuende Außenwelt auf sich einwirken ließe und mitmachen würde, könnte dieser Gefahr, in die sein physischer Leib durch die okkulte Entwickelung wegen der Kraftentziehung gestürzt wird, nicht entgehen. Deshalb muß der Mensch daran arbeiten, daß Rhythmus in sein Leben hineinkommt. Natürlich kann er es nicht so einrichten, daß ein Tag wie der andere verläuft. Aber eines kann er tun: Gewisse Tätigkeiten kann er ganz regelmäßig ausführen, und das muß nun derjenige tun, der eine okkulte Entwickelung durchmacht. So zum Beispiel sollte er jeden Morgen Meditations- und Konzentrationsübungen zu einer von ihm selbst festgesetzten Zeit verrichten. Rhythmus kommt auch durch eine Abendrückschau über den Tag in sein Leben hinein. Kann man dann noch andere Regelmäßigkeiten einführen, so ist dies um so besser, denn so läuft alles sozusagen im Sinne der Weltgesetze ab. Das ganze Weltensystem verläuft ja rhythmisch. Alles in der Natur ist Rhythmus: der Gang der Sonne, der Verlauf der Jahreszeiten, von Tag und Nacht und so weiter. Die Pflanzen wachsen rhythmisch. Allerdings, je höher wir steigen, desto weniger prägt sich der Rhythmus aus, aber selbst bei den Tieren kann man noch einen gewissen Rhythmus wahrnehmen. Das Tier begattet sich zum Beispiel noch zu regelmäßigen Zeiten. Nur der Mensch kommt in ein unrhythmisches, chaotisches Leben hinein: Die Natur hat ihn entlassen.
[ 13 ] One must be mindful of a general world rule: Rhythm replaces force! This is an important occult principle. Today, people live in a highly irregular manner, especially in their thinking and actions. A person who simply allowed the distracting outside world to influence them and went along with it would not be able to escape this danger, into which their physical body is plunged by occult development due to the withdrawal of strength. Therefore, people must work to bring rhythm into their lives. Of course, they cannot arrange for one day to be the same as the next. But there is one thing they can do: they can carry out certain activities on a regular basis, and this is what those undergoing occult development must do. For example, they should perform meditation and concentration exercises every morning at a time they have set for themselves. Rhythm also enters their lives through an evening review of the day. If other regularities can be introduced, so much the better, because then everything proceeds, so to speak, in accordance with the laws of the world. The entire world system proceeds rhythmically. Everything in nature is rhythm: the course of the sun, the passage of the seasons, of day and night, and so on. Plants grow rhythmically. However, the higher we climb, the less pronounced the rhythm becomes, but even in animals a certain rhythm can still be perceived. Animals, for example, still mate at regular times. Only humans enter into an unrhythmic, chaotic life: nature has dismissed them.
[ 14 ] Dieses chaotische Leben muß er nun ganz bewußt wiederum rhythmisch gestalten, und um das zu erreichen, werden ihm bestimmte Mittel an die Hand gegeben, durch die er Harmonie und Rhythmus in seinen physischen und ätherischen Leib hineinbringen kann. Nach und nach werden diese in regelmäßige Schwingungen versetzt, so daß sie sich auch beim Heraustreten des Astralleibes selbst korrigieren. Wenn sie bei Tage auch aus dem Rhythmus herausgetrieben waren, so drängen sie in der Ruhe von selbst wieder in die richtige Bewegung.
[ 14 ] Humans must now consciously restructure this chaotic life into a rhythmic one, and to achieve this, they are given certain tools with which they can bring harmony and rhythm into their physical and etheric bodies. Gradually, these are set into regular vibrations so that they correct themselves even when the astral body emerges. Even if they were driven out of rhythm during the day, they automatically return to the correct movement in the calm of the night.
[ 15 ] Diese Mittel bestehen in den folgenden sechs Übungen, die neben der Meditation ausgeführt werden müssen:
[ 15 ] These means consist of the following six exercises, which must be performed in addition to meditation:
[ 16 ] Gedankenkontrolle. Sie besteht darin, daß man wenigstens für kurze Zeiten des Tages nicht alles mögliche durch die Seele irrlichtelieren läßt, sondern einmal Ruhe in seinem Gedankenlaufe eintreten läßt. Man denkt an einen bestimmten Begriff, stellt diesen Begriff in den Mittelpunkt seines Gedankenlebens und reiht hierauf selbst alle Gedanken logisch so aneinander, daß sie sich an diesen Begriff anlehnen. Und wenn das auch nur eine Minute geschieht, so ist es schon von großer Bedeutung für den Rhythmus des physischen und Ätherleibes.
[ 16 ] Thought control. This consists of not allowing all kinds of things to flit through the soul, at least for short periods of the day, but instead allowing calm to enter the flow of thoughts. One thinks of a specific concept, places this concept at the center of one's thought life, and then logically arranges all thoughts in such a way that they are based on this concept. Even if this only happens for a minute, it is already of great importance for the rhythm of the physical and etheric bodies.
[ 17 ] Initiative des Handelns, das heißt, man muß sich zwingen zu wenn auch unbedeutenden, aber aus eigener Initiative entsprungenen Handlungen, zu selbst auferlegten Pflichten. Die meisten Ursachen des Handelns liegen in Familienverhältnissen, in der Erziehung, im Berufe und so weiter. Bedenken Sie nur, wie wenig eigentlich aus der eigenen Initiative hervorgeht! Nun muß man also kurze Zeit darauf verwenden, Handlungen aus der eigenen Initiative hervorgehen zu lassen. Das brauchen durchaus nicht wichtige Dinge zu sein; ganz unbedeutende Handlungen erfüllen denselben Zweck.
[ 17 ] Initiative in action, that is, one must force oneself to perform actions, even if insignificant, that arise from one's own initiative, to perform self-imposed duties. Most of the causes of action lie in family circumstances, upbringing, profession, and so on. Just consider how little actually arises from one's own initiative! So now one must spend a short time on allowing actions to arise from one's own initiative. These need not be important things at all; quite insignificant actions serve the same purpose.
[ 18 ] Gelassenheit. Das dritte, um was es sich handelt, kann man nennen Gelassenheit. Da lernt man den Zustand des Hin- und Herschwankens zwischen «himmelhoch jauchzend» und «zum Tode betrübt» regulieren. Wer das nicht will, weil er glaubt, daß dadurch seine Ursprünglichkeit im Handeln oder sein künstlerisches Empfinden verlorengehe, der kann eben keine okkulte Entwickelung durchmachen. Gelassenheit heißt, Herr sein gegenüber der höchsten Lust und dem tiefsten Schmerz. Ja, man wird für die Freuden und Leiden in der Welt erst dann richtig empfänglich, wenn man sich nicht mehr verliert im Schmerz und in der Lust, wenn man nicht mehr egoistisch darin aufgeht. Die größten Künstler haben gerade durch diese Gelassenheit am meisten erreicht, weil sie sich dadurch die Seele aufgeschlossen haben für subtile und innere wichtige Dinge.
[ 18 ] Serenity. The third thing we are concerned with can be called serenity. Here we learn to regulate the state of fluctuating between “ecstatic joy” and “deep sorrow.” Those who do not want to do this because they believe that it will cause them to lose their originality in action or their artistic sensibility cannot undergo occult development. Serenity means being master of the highest pleasure and the deepest pain. Yes, one only becomes truly receptive to the joys and sufferings of the world when one no longer loses oneself in pain and pleasure, when one no longer becomes absorbed in them egoistically. The greatest artists have achieved the most precisely through this serenity, because it has opened their souls to subtle and inwardly important things.
[ 19 ] Unbefangenheit. Das vierte ist, was man als Unbefangenheit bezeichnen kann. Das ist diejenige Eigenschaft, die in allen Dingen das Gute sieht. Sie geht überall auf das Positive in den Dingen los. Als Beispiel können wir am besten eine persische Legende anführen, die sich an den Christus Jesus knüpft: Der Christus Jesus sah einmal einen krepierten Hund am Wege liegen. Jesus blieb stehen und betrachtete das Tier, die Umstehenden aber wandten sich voll Abscheu weg ob solchen Anblicks. Da sagte der Christus Jesus: Oh, welch wunderschöne Zähne hat das Tier! — Er sah nicht das Schlechte, das Häßliche, sondern fand selbst an diesem eklen Kadaver noch etwas Schönes, die weißen Zähne. Sind wir in dieser Stimmung, dann suchen wir in allen Dingen die positiven Eigenschaften, das Gute, und wir können es überall finden. Das wirkt in ganz mächtiger Weise auf den physischen und Ätherleib ein.
[ 19 ] Impartiality. The fourth is what can be described as impartiality. This is the quality that sees the good in all things. It focuses on the positive in everything. The best example of this is a Persian legend associated with Jesus Christ: Jesus Christ once saw a dead dog lying by the roadside. Jesus stopped and looked at the animal, but those around him turned away in disgust at the sight. Then Christ Jesus said, “Oh, what beautiful teeth this animal has!” He did not see the bad, the ugly, but found something beautiful even in this disgusting carcass: the white teeth. When we are in this frame of mind, we look for the positive qualities, the good, in all things, and we can find it everywhere. This has a very powerful effect on the physical and etheric bodies.
[ 20 ] Glaube. Das nächste ist der Glaube. Glauben drückt im okkulten Sinne etwas anderes aus, als was man in der gewöhnlichen Sprache darunter versteht. Man soll sich niemals, wenn man in okkulter Entwickelung ist, in seinem Urteil durch seine Vergangenheit die Zukunft bestimmen lassen. Bei der okkulten Entwickelung muß man unter Umständen alles außer acht lassen, was man bisher erlebt hat, um jedem neuen Erleben mit gläubiger Stimmung gegenüberstehen zu können. Das muß der Okkultist bewußt durchführen. Wenn einer zum Beispiel kommt und sagt: Der Turm der Kirche steht schief, er hat sich um 45 Grad geneigt — so würde jeder sagen: Das kann nicht sein. — Der Okkultist muß sich aber noch ein Hintertürchen offen lassen. Ja, er muß so weit gehen, daß er jedes in der Welt Erfolgende, was ihm entgegentritt, glauben kann, sonst verlegt er sich den Weg zu neuen Erfahrungen. Man muß sich frei machen für neue Erfahrungen; dadurch werden der physische und der Ätherleib in eine Stimmung versetzt, die sich vergleichen läßt mit der wollüstigen Stimmung eines Tierwesens, das ein anderes ausbrüten will.
[ 20 ] Faith. The next thing is faith. In the occult sense, faith expresses something different from what is commonly understood by the word. When you are developing occult abilities, you should never allow your past to determine your judgment of the future. In occult development, you may have to disregard everything you have experienced so far in order to be able to face each new experience with a spirit of faith. The occultist must do this consciously. For example, if someone comes and says, “The church tower is leaning, it has tilted 45 degrees,” everyone would say, “That can't be.” But the occultist must leave himself a back door open. Yes, he must go so far as to be able to believe everything that happens in the world that he encounters, otherwise he will block his path to new experiences. One must free oneself for new experiences; this puts the physical and etheric bodies in a mood that can be compared to the voluptuous mood of an animal that wants to hatch another.
[ 21 ] Inneres Gleichgewicht. Und dann folgt als nächste Eigenschaft inneres Gleichgewicht. Es bildet sich durch die fünf anderen Eigenschaften nach und nach ganz von selbst heraus. Auf diese sechs Eigenschaften muß der Mensch bedacht sein, Er muß sein Leben in die Hand nehmen und langsam fortschreiten im Sinne des Wortes: Steter Tropfen höhlt den Stein.
[ 21 ] Inner balance. And then the next quality is inner balance. It develops gradually and quite naturally through the other five qualities. Man must be mindful of these six qualities. He must take his life into his own hands and progress slowly in the sense of the saying: constant dripping wears away the stone.
[ 22 ] Eignet sich nun ein Mensch durch irgendwelche magischen Kunstgriffe höhere Kräfte an, ohne dies zu berücksichtigen, so ist er in einer üblen Lage. Im jetzigen Leben ist das Geistige und Leibliche so durcheinandergemischt, wie etwa in einem Glase eine blaue und eine gelbe Flüssigkeit. Mit der okkulten Entwickelung beginnt nun etwas, was dem Vorgange ähnelt, wenn der Chemiker diese beiden Flüssigkeiten trennt. Ähnlich wird Seelisches und Leibliches geschieden. Damit verliert der Mensch aber die Wohltaten dieser Mischung. Der gewöhnliche Mensch ist dadurch, daß die Seele im physischen Leib steckt, keinen Leidenschaften unterworfen, die allzu grotesk sind. Durch diese Trennung aber kann es nun vorkommen, daß der physische Leib sich selbst überlassen wird mit seinen Eigenschaften, und das kann zu allerlei Exzessen führen. So kann es vorkommen bei einem Menschen, der in okkulter Entwickelung begriffen ist, wenn er nicht darauf achtet, moralische Eigenschaften zu fördern, daß dann tatsächlich schlechte Eigenschaften zutage treten, die sich sonst nicht gezeigt haben würden. Er wird plötzlich lügnerisch, jähzornig, rachsüchtig; alle möglichen Eigenschaften, die vorher gemildert waren, treten kraß heraus. Ja, das kann schon vorkommen, wenn sich jemand ohne moralische Entwickelung zuviel mit den Weisheitslehren der Theosophie beschäftigt.
[ 22 ] If a person acquires higher powers through some magical tricks without taking this into account, they will find themselves in a bad situation. In the present life, the spiritual and the physical are mixed together like blue and yellow liquids in a glass. With occult development, something begins that resembles the process when a chemist separates these two liquids. Similarly, the spiritual and the physical are separated. However, in doing so, the person loses the benefits of this mixture. Because the soul is contained within the physical body, the average person is not subject to passions that are too grotesque. However, this separation can now lead to the physical body being left to its own devices with its characteristics, and this can lead to all kinds of excesses. Thus, if a person who is engaged in occult development does not take care to cultivate moral qualities, bad qualities may actually come to the fore that would not otherwise have manifested themselves. They suddenly become deceitful, quick-tempered, vengeful; all kinds of characteristics that were previously mitigated become blatantly apparent. Yes, this can happen if someone without moral development becomes too preoccupied with the wisdom teachings of theosophy.
[ 23 ] Wir haben gesehen, daß der Mensch zunächst durch die Stufe des Schauens durchgeht und dann erst auf die Stufe des geistigen Hörens kommt. Während man nun auf der Stufe des Schauens ist, muß man natürlich zuerst lernen, wie die Bilder sich zu den Gegenständen verhalten. Man würde in das stürmische Meer astraler Erlebnisse hineingedrängt, wenn man sich ihm ohne weiteres überließe. Deshalb braucht man einen Führer, der einem beim Eintritt sagt, wie die Dinge zusammenhängen und wie man sich da zurechtfindet. Darauf gründet sich die Notwendigkeit, daß man sich streng auf den Guru verläßt. Nach dieser Richtung unterscheidet man drei verschiedene Entwickelungen:
[ 23 ] We have seen that human beings first pass through the stage of seeing and only then reach the stage of spiritual hearing. While on the stage of seeing, one must of course first learn how the images relate to the objects. One would be thrust into the stormy sea of astral experiences if one simply surrendered to it. That is why one needs a guide who, upon entering, tells one how things are connected and how to find one's way around. This is the basis for the necessity of relying strictly on the guru. In this regard, three different developments can be distinguished:
[ 24 ] Die orientalische, die man auch die Yoga-Entwickelung nennt, ist eine solche, in der ein einzelner, auf dem physischen Plan lebender eingeweihter Mensch der Führer, der Guru eines andern ist und dieser sich vollständig und auch in allen Einzelheiten auf den Guru verläßt. Das erreicht man am besten, wenn man für die Zeit der Entwickelung sein eigenes Selbst ganz ausschaltet und es dem Guru hingibt. Der Guru muß sogar Rat erteilen bei der Initiative des Handelns. Für ein solches restloses Aufgehen des eigenen Selbstes ist die indische Natur geeignet; die europäische Kultur läßt eine derartige Hingabe gar nicht zu.
[ 24 ] The Oriental development, also known as yoga development, is one in which an individual, an initiated person living on the physical plane, is the guide, the guru, of another, who relies completely and in every detail on the guru. This is best achieved by completely switching off one's own self for the duration of the development and surrendering it to the guru. The guru must even give advice on the initiative of action. The Indian nature is suited to such a complete surrender of the self; European culture does not allow such devotion at all.
[ 25 ] Die christliche Entwickelung setzt an Stelle des einzelnen Guru den einen großen Führer der Menschheit, den Christus Jesus selbst. Das Gefühl der Zusammengehörigkeit zu diesem Christus Jesus, das Einssein mit ihm, kann die Hingabe an einen einzelnen Guru ersetzen. Aber man muß durch einen irdischen Lehrer erst zu ihm hingeführt werden. Auch da ist man in gewisser Weise abhängig von dem Lehrer, dem Guru auf dem physischen Plane.
[ 25 ] Christian development replaces the individual guru with the one great leader of humanity, Christ Jesus himself. The feeling of belonging to this Christ Jesus, of being one with him, can replace devotion to an individual guru. But one must first be led to him by an earthly teacher. Here, too, one is in a certain sense dependent on the teacher, the guru on the physical plane.
[ 26 ] Am unabhängigsten ist man bei der rosenkreuzerischen Schulung. Der Guru ist da nicht mehr der Führer, er ist der Ratgeber. Er ist derjenige, der einem Anweisungen gibt, was man innerlich tun soll. Zugleich sorgt er auch dafür, daß parallel mit der okkulten Schulung eine entschiedene Schulung des Denkens geht, ohne die man eine solche okkulte Schulung nicht durchmachen kann. Das kommt daher, daß das Denken eine Eigenschaft hat, die die anderen Dinge nicht haben. Sind wir zum Beispiel auf dem physischen Plane, dann nehmen wir mit den physischen Sinnen wahr, was sich auf dem physischen Plane befindet, nichts anderes. Auf dem Astralplan gelten die astralen Wahrnehmungen, und das devachanische Hören gilt nur im Devachan; kurz, jeder Plan hat seine eigenen Wahrnehmungen. Eines aber zieht sich durch alle Welten hindurch, und das ist das logische Denken. Die Logik ist dieselbe auf allen drei Planen. So kann man auf dem physischen Plane etwas lernen, was auch für die höheren Plane Gültigkeit hat, und diese Methode beobachtet die rosenkreuzerische Entwickelung, indem sie auf dem physischen Plan das Denken vorzugsweise schult mit den Mitteln des physischen Planes. Ein eindringliches Denken wird schon ausgebildet durch das Lernen theosophischer Wahrheiten oder auch durch direkte Denkübungen. Will man den Intellekt noch mehr schulen, dann kann man Bücher studieren, wie «Die Philosophie der Freiheit», «Wahrheit und Wissenschaft», die mit Absicht so geschrieben sind, daß ein durch sie geschultes Denken sich absolut sicher auf den höchsten Planen bewegen kann. Es könnte sogar jemand, der diese Schriften studiert und gar nichts von Theosophie wüßte, sich dadurch in den höheren Welten orientieren. Aber wie gesagt, auch die theosophischen Lehren wirken in derselben Weise. Das ist das System der Rosenkreuzerschulung. Im eigenen scharfen Denken hat man den wahrsten inneren Führer. Da ist dann der Guru nur noch der Freund des Schülers, der Ratschläge gibt, denn den besten Guru erzieht man in sich selbst in der eigenen Vernunft. Man braucht natürlich den Guru auch hier, weil er die Ratschläge geben muß, wie man selbst zur freien Entwickelung kommt.
[ 26 ] One is most independent in Rosicrucian training. The guru is no longer the leader, but the advisor. He is the one who gives instructions on what to do inwardly. At the same time, he also ensures that occult training is accompanied by decisive training of the mind, without which such occult training cannot be undergone. This is because thinking has a quality that other things do not have. For example, when we are on the physical plane, we perceive with our physical senses what is on the physical plane, and nothing else. On the astral plane, astral perceptions apply, and devachanic hearing applies only in Devachan; in short, each plane has its own perceptions. But one thing runs through all worlds, and that is logical thinking. Logic is the same on all three planes. Thus, on the physical plane, one can learn something that is also valid for the higher planes, and this method observes Rosicrucian development by training thinking on the physical plane, preferably with the means of the physical plane. Intense thinking is already developed through the study of theosophical truths or through direct thinking exercises. If one wants to train the intellect even more, one can study books such as “The Philosophy of Freedom” and “Truth and Science,” which are deliberately written in such a way that a mind trained by them can move with absolute certainty on the highest planes. Even someone who studies these writings and knows nothing about theosophy could orient themselves in the higher worlds through them. But as I said, the theosophical teachings also work in the same way. This is the system of Rosicrucian training. In one's own sharp thinking, one has the truest inner guide. Then the guru is only the friend of the student, who gives advice, because the best guru is educated within oneself in one's own reason. Of course, one also needs the guru here, because he must give advice on how to achieve free development.
[ 27 ] In der europäischen Bevölkerung ist der christliche Weg der geeignete für diejenigen, die mehr das Gefühl ausgebildet haben. Diejenigen, die sich von der Kirche mehr oder weniger losgesagt haben, die mehr auf dem Boden der Wissenschaft stehen und wegen der Wissenschaft in Zweifel gekommen sind, gehen am besten den rosenkreuzerischen Weg.
[ 27 ] Among the European population, the Christian path is the most suitable for those who have developed their feelings more. Those who have more or less broken away from the church, who are more grounded in science and have come to doubt because of science, are best suited to the Rosicrucian path.
Fragenbeantwortung
Questions and Answers
Frage über die Arbeit des Ich
Question about the work of the ego
[ 28 ] Es gibt eine Arbeit am Astralleib, am Ätherleib und am physischen Leib. Am Astralleib arbeitet jeder Mensch; alle sittliche Erziehung ist Arbeit am Astralleib. Selbst wenn der Mensch mit seiner Einweihung, mit der okkulten Schulung beginnt, hat er noch viel an seinem Astralleib zu arbeiten. Was bei der Einweihung beginnt, ist ein stärkeres Arbeiten am Ätherleib durch Pflege des ästhetischen Genusses und der Religion. Bewußt arbeitet der Eingeweihte am Ätherleib.
[ 28 ] There is work to be done on the astral body, the etheric body, and the physical body. Every human being works on the astral body; all moral education is work on the astral body. Even when a person begins their initiation, their occult training, they still have much work to do on their astral body. What begins with initiation is more intensive work on the etheric body through the cultivation of aesthetic enjoyment and religion. The initiate consciously works on the etheric body.
[ 29 ] Das Astralbewußtsein ist vierdimensional in einer gewissen Beziehung. Um sich eine annähernde Vorstellung davon zu machen, sei folgendes gesagt: Was tot ist, hat die Tendenz, in seinen drei Dimensionen zu bleiben. Dasjenige, was lebt, geht fortwährend über die drei Dimensionen hinaus. Das Wachsende hat in seinen drei Dimensionen durch seine Bewegung die vierte darinnen. Bewegt sich etwas im Kreis und wird der Kreis immer größer angenommen, so kommt man endlich doch zu einer geraden Linie. Wir 8 würden aber mit dieser geraden Linie nicht mehr zu unserem Ausgangspunkt zurückkom- — men, weil unser Raum dreidimensional ist. Auf dem Astralraum, da kommt man dann zurück, weil der Astralraum von allen Seiten geschlossen ist. Es gibt keine Möglichkeit, dort ins Unendliche zu gehen. Der physische Raum ist für die vierte Dimension offen. Höhe und Breite sind zwei Dimensionen, die dritte Dimension ist das Herausheben und Hereinbringen in die vierte. Eine andere Geometrie herrscht auf dem Astralraum.
[ 29 ] Astral consciousness is four-dimensional in a certain sense. To give an approximate idea of this, let us say the following: What is dead tends to remain in its three dimensions. What is alive continually goes beyond the three dimensions. What is growing has the fourth dimension within its three dimensions through its movement. If something moves in a circle and the circle is assumed to become larger and larger, one finally arrives at a straight line. However, with this straight line, we would no longer return to our starting point because our space is three-dimensional. In astral space, one does return because astral space is closed on all sides. There is no possibility of going into infinity there. Physical space is open to the fourth dimension. Height and width are two dimensions, the third dimension is lifting out and bringing in the fourth. A different geometry prevails in astral space.


Warum sind die Theosophen noch so unvollkommen?
Why are theosophists still so imperfect?
[ 30 ] Man soll in seinem Urteil nicht das Persönliche einfließen lassen, sondern eine objektive Beurteilung der Dinge vornehmen.
[ 30 ] One should not let personal feelings influence one's judgment, but rather make an objective assessment of things.
Über den Zustand im Devachan.
About the state in Devachan.
[ 31 ] Schmerz und Weh ist außen im Devachan. Man empfindet dort die eigenen Schmerzen nicht. Sie sehen den Schmerz dort. Sie sehen ihn als Donner, als Blitz, als Farbe. Das ist die Seligkeit. Es sind die Bilder von dem, was von dem anderen hier unten geschieht. Der Friedenszustand im Devachan ist abhängig von dem Leben des Menschen hier zwischen Geburt und Tod. Harmonie hier bewirkt Friede dort. Fortwährend ist der Mensch in den drei Welten. «Ruhe sanft!» ist nicht so ganz zutreffend.
[ 31 ] Pain and sorrow are outside in Devachan. One does not feel one's own pain there. You see the pain there. You see it as thunder, as lightning, as color. That is bliss. These are images of what is happening to others down here. The state of peace in Devachan depends on the life of the person here between birth and death. Harmony here brings peace there. Man is constantly in the three worlds. “Rest in peace!” is not entirely accurate.
Hat es einen Wert, Seelenmessen lesen zu lassen?
Is there any value in having memorial services read?
[ 32 ] Gute Gedanken sind wie Balsam für die Toten. Nicht egoistische Liebe soll man ihnen senden, nicht trauern, daß man die Toten selbst nicht mehr hat; das stört den Toten und ist für ihn wie Bleigewicht. Die Liebe, die bleibt, die nicht Anspruch macht darauf, den Toten noch hier haben zu wollen, die nützt dem Toten und vermehrt seine Seligkeit.
[ 32 ] Good thoughts are like balm for the dead. One should send them unselfish love, not mourn that one no longer has the dead oneself; that disturbs the dead and is like a lead weight for them. The love that remains, that does not demand to have the dead still here, benefits the dead and increases their bliss.
Reue?
Remorse?
[ 33 ] Reue hat keinen Wert. Gutmachen muß man; das kürzt das Kamaloka ab.
[ 33 ] Remorse has no value. One must make amends; that shortens the Kamaloka.
Über die Gemeinschaft mit den Lieben im Kamaloka.
About communion with loved ones in Kamaloka.
[ 34 ] Diese Gemeinschaft ist bestimmter, klarer im Devachan, denn das Bewußtsein im Kamaloka ist durch das Abtragen persönlicher Schuld getrübt.
[ 34 ] This communion is more definite, clearer in Devachan, because consciousness in Kamaloka is clouded by the removal of personal guilt.
Lotusblumen?
Lotus flowers?
[ 35 ] Die Lotusblumen sind innerliche Bewegungen, sind im Innern des Menschen.
[ 35 ] The lotus flowers are inner movements, they are inside the human being.
Wie ist es, wenn man mit den Eltern nicht zusammenstimmt?
What is it like when you disagree with your parents?
[ 36 ] Mit den Eltern nicht zusammenzustimmen ist meist karmische Bestimmung.
[ 36 ] Disagreeing with your parents is usually karmic destiny.
Wie sieht der Astralleib aus?
What does the astral body look like?
[ 37 ] Wenn der Astralleib mit seinem physischen Leib zusammen ist, hat er etwa die Eiform. Nach dem Tode ist er ein wunderbar leuchtendes, bewegliches Gebilde. Je nach seinen Eigenschaften hat er verschiedene Farben, leuchtende Farben. — Diese drei leuchtenden Punkte sind erst weit voneinander getrennte Punkte, die in Verbindung stehen und unten die Verbindung offen haben. Die drei Punkte stellen Kraftzentren dar; sie ziehen sich immer mehr zusammen und schauen dann aus wie ein kleines Dreieck. 1. Herz, 2. Leber, 3. Gehirn. Bei der Neuinkarnation wirken diese drei Punkte mit. Im Devachan sind es leuchtende Kraftzentren, die von den drei Punkten ausgehen. In der astralischen Welt sind diese drei Punkte ein Dreieck, im Devachan ist ein Sechseck. Im Devachan ist es diese Form, zwei ineinandergeschobene Dreiecke. Glocken sind es.
[ 37 ] When the astral body is together with its physical body, it has roughly the shape of an egg. After death, it is a wonderfully luminous, mobile structure. Depending on its characteristics, it has different colors, luminous colors. — These three luminous points are initially points far apart from each other, which are connected and have an open connection at the bottom. The three points represent centers of power; they draw closer and closer together and then look like a small triangle. 1. Heart, 2. Liver, 3. Brain. These three points are involved in reincarnation. In Devachan, they are luminous centers of power emanating from the three points. In the astral world, these three points form a triangle, in Devachan a hexagon. In Devachan, it is this shape, two triangles pushed into each other. They are bells.


Frage nicht notiert.
Question not noted.
[ 38 ] Atome sind eine Spekulation. Darum vermeiden wir es auch, von Atomen zu sprechen, weil es ja nur eine Annahme ist. Man soll nichts denken, was nicht Tatsachen sind; nur schauen, beobachten soll der Mensch. (Es war über das «permanente Atom» gefragt worden, von dem man damals in Theosophenkreisen sprach.)
[ 38 ] Atoms are a speculation. That is why we avoid talking about atoms, because it is only an assumption. One should not think anything that is not fact; one should only look and observe. (The question was about the “permanent atom” that was being discussed in theosophical circles at the time.)
Kann man in die Zukunft schauen?
Can one see into the future?
[ 39 ] Es ist möglich, in die Zukunft zu schauen, aber der Okkultist versagt sich dieses, weil es fast nur der hoch Eingeweihte verträgt, die Zukunft zu wissen. Das Schauen des Eingeweihten bestimmt nicht das, was der andere tut; er tut das in der Zukunft ganz aus freiem Willen.
[ 39 ] It is possible to see into the future, but the occultist denies himself this ability because only the highly initiated can bear to know the future. The initiate's vision does not determine what the other person does; he does so in the future entirely of his own free will.
Über Familienbeziehungen.
About family relationships.
[ 40 ] Bei Familien mit starker Familientradition liegt ein ganz bestimmtes Gesetz vor, wodurch sich das Familienkarma auslebt. Der Ahnherr erhält die Familie so lange, bis er sich selbst wieder in der nächsten Inkarnation einen neuen Körper aufbauen kann. Am Blute erhält sich das Kontinuierliche, am Blute hängt der Familienzusammenhang.
[ 40 ] In families with strong family traditions, there is a very specific law by which family karma is lived out. The ancestor preserves the family until he can build a new body for himself in the next incarnation. The blood preserves continuity; the blood preserves family ties.
Über die Kunst.
About art.
[ 41 ] Die Kunst ist die Offenbarung geheimer Naturgesetze. Goethe sagt: «Das Schöne ist eine Manifestation geheimer Naturgesetze, die uns ohne dessen Erscheinung ewig wären verborgen geblieben.» Die Natur kann ihre Absichten nur bis zu einem gewissen Grade ausführen; der Mensch kann sie zum Ausdruck bringen, aber der Künstler muß Blut und Leben weglassen.
[ 41 ] Art is the revelation of secret laws of nature. Goethe says: “Beauty is a manifestation of secret laws of nature that would have remained hidden from us forever without its appearance.” Nature can only carry out its intentions to a certain extent; humans can express them, but artists must leave out blood and life.
Was geschieht mit der Menschenarbeit?
What happens to human work?
[ 42 ] Was der Mensch einmal der Körperwelt eingeprägt hat, das bleibt bestehen in der Idee. Was er der Materie eingepflanzt hat, bleibt bestehen. Was die Menschen einstmals geformt haben, wird später auf Erden wachsen. Die Wolken werden später Gemälde sein, und ein Gebilde wie der Kölner Dom wird später wachsen.
[ 42 ] What humans have once imprinted on the physical world remains in the idea. What they have implanted in matter remains. What humans have once formed will later grow on earth. The clouds will later be paintings, and a structure like Cologne Cathedral will later grow.
Über die Gruppenseelen.
About group souls.
[ 43 ] Die Gruppenseelen werden später, viel später dieselben Erfahrungen in sich aufnehmen, die heute der Mensch macht. Sie werden sich später einen eigenen Leib aufbauen. Sie werden ein einzelnes Individuum werden und werden dann eine Individualseele haben. Aus Tieren werden niemals Menschen werden, aber aus den Gruppenseelen werden Menschen werden; zwar ganz andere Menschen als wir. Man kann die Menschheitsstufe in der verschiedensten Weise durchmachen: auf der Saturnstufe, der Sonnenstufe, der Mondenstufe, der Erdenstufe und so weiter.
[ 43 ] Much later, group souls will absorb the same experiences that humans have today. They will later build their own bodies. They will become individual beings and will then have individual souls. Animals will never become humans, but group souls will become humans; albeit humans who are very different from us. One can go through the stages of humanity in many different ways: on the Saturn stage, the Sun stage, the Moon stage, the Earth stage, and so on.
Wie stellen Sie sich zum Vaterunser?
What is your view on the Lord's Prayer?
[ 44 ] Das christliche Urgebet lautet: Herr, laß diesen Kelch an mir vorübergehen, doch nicht mein, sondern dein Wille geschehe. Man sollte nicht egoistisch beten. Das Gebet sollte sein eine Erhebung in die geistige Welt, ein Quell der Kraft und der Stärkung.
[ 44 ] The original Christian prayer is: Lord, let this cup pass from me, but not my will, but yours be done. One should not pray selfishly. Prayer should be an elevation into the spiritual world, a source of strength and fortification.
Über die Ehe.
About marriage.
[ 45 ] Die Ehe ist ein Dualismus. Alles in der Welt sucht unsere Zeit zu Unrecht auf das Sexuelle zurückzuführen. In das Gebiet der Ehe spielt ein großer Weltengegensatz hinein: Der Mann hat einen weiblichen Ätherleib und die Frau einen männlichen Ätherleib. Der Geist, das Seelische beim Mann ist mehr weiblich, und umgekehrt. Unsere Seele strebt zu dem Höchsten. Der Mann wird daher dieses Höchste vergleichen mit dem Weiblichen, weil seine Seele weiblich ist. Das Äußere, der Leib, wird nur das äußere Symbol, ist nur ein Gleichnis. «Alles Vergängliche ist nur ein Gleichnis.» «Das EwigWeibliche zieht uns hinan.»
[ 45 ] Marriage is a dualism. Everything in the world today is wrongly attributed to sexuality. A great world contrast plays into the realm of marriage: the man has a female etheric body and the woman a male etheric body. The spirit, the soul in the man is more feminine, and vice versa. Our soul strives for the highest. The man will therefore compare this highest with the feminine, because his soul is feminine. The exterior, the body, becomes only the outer symbol, is only a parable. “Everything transitory is only a parable.” “The eternally feminine draws us upward.”
Über den Ich-Leib.
About the ego body.
[ 46 ] Der Ich-Leib zeigt sich dem Hellseher als eine blaue Hohlkugel zwischen den Augen, hinter der Stirn. Wenn der Mensch anfängt, daran zu arbeiten, so gehen Strahlen von diesem Punkte aus.
[ 46 ] The ego body appears to the clairvoyant as a blue hollow sphere between the eyes, behind the forehead. When a person begins to work on it, rays emanate from this point.
Über das Wesen des Kometen.
About the nature of comets.
[ 47 ] Der Komet ist eine Ansammlung von Kama, Wunschmaterie, ohne die entsprechende Geistmaterie. Der Komet bringt es nur bis zum Astralkörper. Die Sichtbarkeit des Kometen entsteht durch die starke Reibung der Äthermaterie, durch die der Astralkörper durchgegangen ist.
[ 47 ] The comet is an accumulation of kama, desire matter, without the corresponding spirit matter. The comet only reaches the astral body. The comet's visibility is caused by the strong friction of the etheric matter through which the astral body has passed.
Über das Sehen der Aura.
About seeing the aura.
[ 48 ] Das Wahrnehmen der Aura ist nur eine Frage des Sehens.
[ 48 ] Perceiving the aura is only a matter of seeing.
Wie entstand Gold?
How did gold come into being?
[ 49 ] Da haben Sie zuerst die Äthermasse.
[ 49 ] First you have the etheric mass.
| Feuer | Feueräther |
| Luft | Lichtäther |
| Wasser | Chemischer Äther |
| Erde | Lebensäther |
| Fire | Fire ether |
| Air | Light ether |
| Water | Chemical ether |
| Earth | Life ether |
[ 50 ] Kein Leben kann entstehen ohne den Lebensäther, der den Körper ausfüllt. Jeder Äther kann abgekühlt und dadurch fest werden. Gold rann früher in Klüften und noch früher war es gasförmig, war Feueräther, Lichtäther. Die Strahlen, die heute in der Sonne zu uns kommen, waren früher Äthermaterie. Alles Gold war damals Sonnenäther, Lichtäther. Gold ist verdichteter Sonnenäther, verdichtetes Sonnenlicht, Silber ist verdichtetes Mondenlicht.
[ 50 ] No life can arise without the life ether that fills the body. Every ether can cool down and thereby become solid. Gold used to flow in crevices, and even earlier it was gaseous, it was fire ether, light ether. The rays that come to us today in the sun used to be ether matter. All gold was then sun ether, light ether. Gold is condensed solar ether, condensed sunlight; silver is condensed moonlight.
Welche Wesenheiten bewohnen den Mond?
What beings inhabit the moon?
[ 51 ] Der Mond ist mit solchen Wesenheiten bevölkert, die auf früherer Stufe der Entwickelung stehengeblieben, die sitzengeblieben sind: luziferische Wesenheiten. Auf dem alten Monde gab es solche Wesenheiten, die so weit ins Böse heruntergefallen waren, daß sie die Entwickelung nicht weiter mitmachen konnten. Diese verankerten sich auf dem Monde. Im abnehmenden Monde zeigen sich diese bösartigen Wesenheiten besonders. Beim zunehmenden Monde sind sie weniger schädlich. Greuliche Wesenheiten bewohnen den Mond, aber auch günstige Wesenheiten, auf Wachstum und Geburt wirkende Wesenheiten.
[ 51 ] The moon is populated by beings who have remained at an earlier stage of development, who have been left behind: Luciferic beings. On the old moon there were beings who had fallen so far into evil that they could no longer participate in evolution. They anchored themselves on the moon. These evil beings are particularly evident during the waning moon. During the waxing moon they are less harmful. Horrible beings inhabit the moon, but also beneficial beings, beings that influence growth and birth.
Über das Buch der Offenbarung.
About the Book of Revelation.
[ 52 ] Dieses Buch mit den sieben Siegeln in der Offenbarung des Johannes schreibt der Mensch selbst zunächst. Er evolviert und involviert es. Das zuerst Hineingeschriebene ist das, was die sieben Unterrassen sind. Jede Unterrasse hat ein Blatt hineingeschrieben und versiegelt, und in der nächsten Unterrasse wird es entsiegelt.
[ 52 ] This book with the seven seals in the Revelation of John is first written by man himself. He evolves and involutes it. The first thing written in it is what the seven sub-races are. Each sub-race has written a page in it and sealed it, and in the next sub-race it is unsealed.
Über den Unterschied zwischen Verbrennen und Begraben.
On the difference between burning and burying.
[ 53 ] Der Unterschied besteht hauptsächlich für den Ätherleib. Für den physischen Leib befördert dann das Verbrennen eine regelmäBige Auflösung in den Weltenraum. «Verwesen» heißt: zu seinem Wesen zurückgehen.
[ 53 ] The difference mainly applies to the etheric body. For the physical body, burning promotes regular dissolution into the world space. “Decomposing” means returning to one's essence.
Über die Nächstenliebe.
On charity.
[ 54 ] Die Nächstenliebe ist ganz selbstverständlich; ich muß sie selbst tun.
[ 54 ] Charity is quite natural; I must do it myself.
Über das Leben Jesu.
On the life of Jesus.
[ 55 ] Das Leben Jesu ist zugleich Symbol und Tatsache. Den Beweis für das Leben Jesu kann nur die Geisteswissenschaft geben. Historische Beweise finden sich nicht, weil Christus als hoher Eingeweihter denen, die die damalige Geschichte schrieben, nicht bekannt war.
[ 55 ] The life of Jesus is both symbol and fact. Only spiritual science can provide proof of the life of Jesus. There is no historical evidence because Christ, as a high initiate, was not known to those who wrote the history of that time.
Über das innere Wort.
On the inner word.
[ 56 ] Das innere Wort entwickelt sich, nachdem der Mensch bereits astral schauen gelernt hat. Dann kommt er in den Devachanzustand, da hört er die Weltengeheimnisse tönen, tönen in sich, und da hört er dann den Namen, den jedes Ding hat. Auch dem Eingeweihten wird später dieser sein eigener Name gesagt, und diesen zu meditieren ist von ganz besonderer Wirksamkeit. Das ist dann das innere Wort. Er wird dadurch erweckt, und dieses innere Wort ist dann der sichere Führer für die spätere Entwickelung.
[ 56 ] The inner word develops after a person has already learned to see astral. Then they enter the devachanic state, where they hear the secrets of the world resounding within themselves, and they hear the name that every thing has. Later, the initiate is also told his own name, and meditating on this name is particularly effective. This is the inner word. It awakens him, and this inner word is then the sure guide for his later development.
