Original Impulses of Spiritual Science
GA 96
1 October 1906, Berlin
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Original Impulses for the Science of the Spirit, tr. Meuss
5. Die geistige Erkenntnis als höchstes Befreiungswesen
5. Spiritual Insight Offering Greatest Liberation I
Der Anteil des Menschen an den höheren Welten
Man's Share in the Higher Worlds
[ 1 ] Ich freue mich, Sie nach so langer Zeit wieder begrüßen zu können, sowohl die Mitglieder des Zweiges als auch die anderen, die sich im Laufe des verflossenen Jahres nach und nach hier zusammengefunden haben. Wir wollen hoffen, daß die diesjährige Winterzeit unsere Arbeit und unsere geistige Bewegung wiederum ein Stück vorwärtsbringen wird und daß wir imstande sein werden, unser Einleben in die geistige Welt wieder etwas zu vertiefen.
[ 1 ] I am delighted to see you again after such a long time—the branch members and those of you who have joined the meetings in the course of the year. Let us hope that the winter which lies ahead will take our work and our spiritual movement some way forward again, and that we'll gain a little more depth in finding our way to the world of the spirit and living in it.
[ 2 ] Lange haben wir uns nicht gesehen, aber auch diese Zeit gehört in gewisser Weise zugleich allen denen mit, mit denen wir nicht äußerlich zusammengewesen sind. Denn die Mitglieder des hiesigen Zweiges haben im eminentesten Sinne ein tiefes Interesse daran, daß diese geistige Bewegung nicht nur in die eigenen Herzen einziehe, sondern sich auch in der Welt verbreite. Was wäre alles theosophische Streben anderes als ein verfeinerter Egoismus, wenn wir es nicht ebenso gerne sehen würden, daß andere draußen in der Welt von dieser Bewegung hören und an ihr Anteil nehmen, als es uns lieb ist, selbst an ihr teilzunehmen.
[ 2 ] We have not seen one another for a long time but in a way this period is like all those other times when we were not together in outer terms. For the members of this branch are deeply and most eminently concerned to see this spiritual movement spread in the world as well as letting it enter into their own hearts. All our seeking in theosophy would be just a refined form of egoism if we were not also interested in having other people in this world hear of the movement and take an interest in it, just as we ourselves love being part of it.
[ 3 ] Der Vortragende durfte in der letzten Zeit in einem größeren Umkreis und zu den verschiedensten Menschen sprechen, und es kann uns befriedigen, wenn Angehörige aller Gesellschaftskreise und Klassen die Sehnsucht nach dem geistigen Leben verspüren, wie sie im Bestehen der theosophischen Bewegung zum Ausdruck kommt.
[ 3 ] The speaker has been able to talk to wider audiences and all kinds of different people in recent times, and it is good to know that people from all levels of society and of all classes have a longing for the world of the spirit, something which is also evident in the fact that the theosophical movement exists.
[ 4 ] Einen kurzen Rückblick können wir vielleicht am Ausgangspunkt unserer Winterbetrachtungen diesem Umkreise widmen. Die Reise, die mir gestattet war, zur Verbreitung der theosophischen Bewegung zu unternehmen, führte über Leipzig, Stuttgart, Baden-Baden, Elsaß, Schweiz, Bayern. Vorträge konnten von mir gehalten werden in Leipzig, Stuttgart, Baden-Baden, Kolmar, Straßburg, Freiburg im Breisgau, Heidelberg, Basel, Bern, St. Gallen, Regensburg, Nürnberg, Weimar. Unter diesen Vorträgen waren auch längere Zyklen. Der Leipziger Zyklus umfaßte vierzehn Vorträge. Der Stuttgarter Zyklus dauerte mehr als vierzehn Tage, wobei sich die dort anwesenden Interessenten für die theosophische Bewegung täglich zu versammeln hatten. Gerade solche Zyklen in den anderen Städten haben sich vielleicht als das Wirksamste erwiesen, um der theosophischen Geistesbewegung einen tieferen Eingang in unsere Zeit zu verschaffen. Wenn man in diese oder jene Stadt kommt und einen oder zwei Vorträge zur Anregung halten darf, ist es nicht so leicht, die theosophische Bewegung in genügend intensiver Weise auszubteiten. Wer aber vierzehn Tage hindurch in dieses Geistesleben eingeführt wird, bekommt eine Ahnung davon, daß ihm da eine neue Welt aufgeht. Wenn man einzelne Vorträge hält, dann sieht man deutlich, daß das Interesse an dem Geistesleben und eine tiefe Sehnsucht fortlebt und das Bedürfnis dafür vorhanden ist. Aber es sind unendlich viele Hindernisse, die dem Menschen entgegenstehen und ihn davon abhalten, der Geisteswissenschaft näherzutreten und mit ihr zu leben. In das, was wir Theosophie zu nennen gewohnt worden sind, muß man sich schon tiefer einlassen. Dann erst geht dem Herzen etwas auf, was eine Ahnung, ein Gefühl, eine Empfindung dafür erweckt, daß man es hier mit einer wirklichen, realen höheren Welt zu tun hat. Anfangs wird doch eigentlich alles das, was hier dem Menschen entgegentritt, nicht nur als etwas Unbegreifliches, sondern als etwas Phantastisches genommen, und die Leute ringen sich schwer durch von dem verbreiteten Standpunkt, das, was in der Theosophie vorgetragen wird, als Träumerisches und Phantastisches anzusehen, bis zu der Einsicht, daß man es in unserer geistigen Bewegung mit etwas zu tun hat, was im tiefsten Sinne der wahren Welt zugrunde liegt. Viele glauben, daß die Leute, die von solchen Dingen reden, dem praktischen Leben ferne stehen. Nach und nach lebt man sich aber in den Standpunkt ein, der zu gewinnen ist, und man lernt dann auch, daß man es mit der wahren Lebenspraxis zu tun hat, die nicht im Wolkenkuckucksheim, sondern in den tieferen Schichten lebt, und die Kraft, Erkenntnis und Wahrheit vermittelt. Wir werden dadurch befähigt, die großen Aufgaben, die dem Menschen in der Welt obliegen, wahrhaft zu lösen. Das sind Vorurteile, wenn die Theosophie als etwas genommen wird, was lebensfeindlich, lebensverneinend sein soll. Man kann hören: Die Theosophie ist ja etwas, was die Welt in einem recht schönen Licht darstellt, was hohe Ideale vermittelt, was aber doch vom Leben abführt, was dem wahren Lebensgenuß und der wahren Lebensfreude entfremdet. — Es wurde sogar schon behauptet: Schön ist es, was die Theosophen reden, aber es ist nicht bekömmlich.
[ 4 ] Perhaps we may just make a brief review of those wider audiences as we start our winter studies. The tour I was able to undertake to make the theosophical movement more widely known took me to Leipzig, Stuttgart, Baden-Baden, Alsace, Switzerland and Bavaria. I was able to speak in Leipzig, Stuttgart, Baden-Baden, Colmar, Strasbourg, Freiburg im Breisgau, Heidelberg, Basel, Bern, St. Gallen, Regensburg, Nurnberg and Weimar. In some places I gave lecture courses. The course in Leipzig consisted of fourteen lectures, the one in Stuttgart took more than a fortnight,30‘Populärer Okkultismus’, Leipzig 28 June–11 July 1906 (notes from members of the audience in GA 94). At the Gates of Spiritual Science 14 lectures, Stuttgart 22 Aug.–4 Sept. 1906 (GA 95). Tr. E.H. Goddard, C. Davy. London: Rudolf Steiner Press 1976. during which time people interested in the theosophical movement had to meet daily. Such courses are probably the most effective way of helping the theosophical movement gain deeper entry into our time. It is not so easy to spread the theosophical movement with sufficient intensity if one can only give one or two lectures and arouse initial interest But when people are given an introduction to life in the spirit for a whole two weeks, they can begin to realize that a new world can open up for them. There are, of course, infinitely many obstacles that prevent people from getting closer to the science of the spirit and from living with it One does have to go more deeply into the approach we have come to call theosophy, for only then will hearts and minds begin to get an idea, a feeling, that this higher world is something very real. Initially everything they hear is taken to be not only incomprehensible but also pure fantasy. People do not find it easy to let go of the accepted view that the things we speak of in theosophy are mere dreams and fantasies and to realize now that our spiritual movement is concerned with something that in a most profound sense is the very basis of the real world. Many think that people who talk of these things are remote from the realities of life. However one gradually comes to see the point of view that can be gained, and realize that this is something down-to-earth, not living in cloud-cuckoo-land, but is at deeper levels, giving us strength, insight and truth. It enables us to find genuine ways of achieving the great tasks humanity has been given in this world. It is prejudice to say that theosophy is inimical to life, that it denies life. One hears people say: ‘Theosophy presents the world in a very nice light, offering great ideals, but it deflects people from life itself, from the true enjoyment of and pleasure in life.’ It has even been said that theosophists may have nice things to tell, but that these are not wholesome.
[ 5 ] Diese Art von Vorurteilen wird sich vielleicht am langsamsten abschleifen. Es wird leicht Menschen geben, die verstehen, was die theosophische Literatur und die theosophischen Vorträge an Lehren vermitteln. Schwerer windet man sich heraus aus anerzogenen Empfindungen und eingelebten Gefühlen, als aus angelernten Vorurteilen. Empfindungen und Gefühle sind viel schwieriger zu überwinden als Gedanken, die man abstreifen soll. Man kann sogar die Erfahrung machen, daß jemand sagt: Gewiß, wir wollen uns der Theosophie widmen, aber wir wollen auch denen, die etwas vom Leben haben wollen, das Leben nicht vergällen. Man müsse zum Beispiel bedenken, daß die Jugend sich auch am Leben freuen soll. Da kommt es freilich darauf an, an was man sich freut, es kommt darauf an, die Frage etwas tiefer zu stellen; daß es sich nämlich darum handeln könnte, schönere und edlere Gegenstände der Freude zu suchen und sie zu einem edleren Leben heranzubilden. Dann werden wir dem Leben einen neuen Inhalt geben und nicht nötig haben, der Jugend die Lebensfreude zu vergällen, wenn wir ihr eine neue Art von Freude, eine neue Art von Genuß verschaffen. Die Menschen können sich oft nicht vorstellen, daß jemand die Genüsse fade finden könnte, welche die Leute heute kurzweilig finden: in die Kinematographen zu gehen und mit Unterhaltungen, die nichts zu tun haben mit dem wahren Leben, die Zeit zu verbringen. Vielleicht könnte es noch Zeiten geben, in denen man von den trivialen Volksbelustigungen von heute wie von einem Wolkenkuckucksheim sprechen wird.
[ 5 ] This kind of prejudice will probably take longest to disappear. It will always be possible to find people who understand the things presented in theosophical literature and lectures. It will be harder for them to find their way out of the kind of inner responses and feelings that are part of their upbringing and acquired prejudices. Inner responses and feelings are harder to overcome than are thoughts that need to be discarded. You may even hear someone say: ‘Yes, of course, we want to devote ourselves to theosophy, but we also don't want to spoil things for people who want to make the most of life.’ They'll say that we must remember that young people should enjoy life. It is a question, of course, of what we take pleasure in, and the issue must really go deeper. For it is possible to look for better and more noble objects of pleasure and to work with these to take life to a nobler level. We can give life a new content and there is no need to spoil young people's pleasure in life, for we shall give them new kinds of pleasure and enjoyment. People often find it hard to understand that one may find the things others consider entertaining rather uninteresting—going to the cinema, and spending one's time talking about things that have nothing to do with the reality of life. Perhaps a day will come when we speak of today's popular amusements as of a cloud-cuckoo-land.
[ 6 ] Es dürfte selten sein, daß jemand einen anderen wegen dessen Unfähigkeit, zu genießen, beneidet, aber auch das kommt vor. In einer Stadt haben wir einen kleinen theosophischen Kreis. Einer unserer Theosophen, der sich für die Geisteswissenschaft stark interessiert und sich auch auf eine gewisse theosophische Lebensweise eingelassen hat, lebt in einer ständigen Gemeinschaft mit einem anderen, der sich ebenfalls von der Geisteswissenschaft angesprochen fühlt, aber noch nicht von dem Genuß von Spanferkeln loskommen kann, der also die Spanferkel gar zu gern ißt. Wenn er dann vor einem Spanferkel sitzt, bekommt er Gewissensbisse darüber, daß er immer noch an diesem Genuß hängt. Dann meint er, der andere habe es gut, der habe keinen Geschmack mehr an Spanferkeln. Bei diesem anderen haben sich die Bedürfnisse eben gewandelt. So könnte es einmal soweit kommen, daß man die, welche nicht mehr das alltägliche Vergnügen suchen, als die eigentlichen Vorbilder betrachten wird und bei ihnen das Gute sucht.
[ 6 ] It probably does not happen very often that someone envies someone else the inability to enjoy things, but it does happen. We have a small theosophical group in one particular city. One of our theosophists, who takes a tremendous interest in the science of the spirit and has also adopted a certain theosophical life style, is living with someone else who is also interested in the science of the spirit but cannot yet give up his predilection for roast suckling pig, that is, he really loves to eat roast suckling pig. Sitting there eating his suckling pig he then gets pangs of conscience because he is still much given to this enjoyment. And he thinks the other individual is lucky because he no longer has a taste for suckling pig. The point is that the other individual has developed different needs. And the day may well come when people who are no longer looking for common amusements will be considered true examples, and people will look to them for the good.
[ 7 ] Viel tiefer liegen die Vorurteile, die dem Menschheitsfortschritt von der Seite entgegenstehen, die auf Klugheit, Gescheitheit, Gelehrtheit fußt. Sie können in einer Zeitschrift einen Artikel finden, in welchem von Volksepidemien gesprochen wird. Ein bekannter Forscher, der sich mit Psychiatrie beschäftigt und mit Fragen, die zwischen Seelenkunde und Psychiatrie liegen, läßt sich über Volksepidemien aus und schildert eine Erscheinung, die zweihundert Jahre, bis gegen Ende des Mittelalters dauerte, wo tatsächlich in weiten Kreisen wie ein Kultus übertriebene Askese getrieben wurde, wo die Leute sich zu Boden warfen, sich geißelten, sich quälten, wo sich ihre übertriebene Phantasie in merkwürdigen Exzessen erging. Man kann das als Krankheit ansehen. Der Psychiater bezeichnet es als Hysterie, die epidemisch aufgetreten ist. Er sagt dann, solche Hysteriker sind oft zugänglich für Suggestionen, die nicht mehr durch unser Denken kontrolliert werden können. Wenn ein Mensch einen anderen sieht, der sich den Arm verletzt hat, wird er Mitleid haben und helfend zugreifen. Was im normalen Menschen vorgeht, braucht man nicht besonders zu schildern. Aber es gibt auch Personen, die selbst den Schmerz im Arme fühlen, abnorm fühlen, wenn der andere sich verletzt. Das ist eine suggestive Wirkung, die sich sehr summieren kann, die den Menschen ganz und gar zu einer Kontrollosigkeit bringen kann, so daß er ein ungeordnetes Seelenleben führt, das allen Eindrücken von außen her hingegeben ist. Wenn ein materialistischer Seelenkundiger nun von einer solchen Erscheinung spricht, die ganze Volkskreise erfaßt, dann zeigt er die öffentliche Suggestion auf, die von einzelnen Kreisen — damals von den Klöstern — ausgeht und sich weit verbreitet. Es entsteht eine Art von Zeitkrankheit. Die Leute sind nicht geneigt zu fragen, wenn ihnen etwas derartiges entgegentritt: Wie habe ich das aufzunehmen? — Sie stehen ganz unter dem Eindruck der Suggestion. Ein solcher Seelenkundiger redet ganz ernsthaft darüber, aber eines merkt er nicht: daß ein freier Mensch, der sich in sein Selbst vertiefen kann, eine andere Art von epidemischer Volkskrankheit einsieht und scharf abgrenzen kann. Sie hat heute zahlreiche, auch gebildete und gelehrte Kreise ergriffen und äußert sich darin, daß unter gewissen positiven und negativen Suggestionen gelebt wird. Kommen Sie einem solchen Menschen mit geisteswissenschaftlichen Wahrheiten, dann wirken diese wie eine negative Suggestion auf ihn. Er kann sie nicht verstehen, sie sind etwas, was er nicht vertragen kann. Als positive Suggestion wirken zahlreiche materialistische Vorurteile, die heute verbreitet sind. Was Sie in der medizinischen, theologischen und juristischen Fakultät finden, was ist es? Suggestionen, die auf bestimmte Kreise wirken, die sich bis zu dem Punkte steigern, daß man sie mit demselben Recht, wie jene Volkskrankheit, als eine Art von Krankheit bezeichnen kann.
[ 7 ] Much deeper down lie the prejudices that come from learning and intelligence and prove an obstacle to humanity's progress. You can find an article in a journal about national epidemics. A well-known academic31Möbius, Paul Julius (1853–1907), neurologist and lecturer in Leipzig. Über den Begriff der Hysterie und andere Vorwürfe vorwiegend psychologischer Art, Neurologische Beiträge 1. Heft, Leipzig 1894. See also Nachrichten der Rudolf Steiner Nachlassverwaltung Nr 22 (Michaeli 1968) S. 30f. who works in the field of psychiatry and deals with issues that lie between psychology and psychiatry, writes about mass epidemics. He refers to a phenomenon that existed for 200 years, to the end of the Middle Ages, with excessive asceticism widely practised as a ritual, with people throwing themselves to the ground, scourging and torturing themselves, their fantasies going to extremes and leading to strange excesses. This may be seen as a disease. The psychiatrist calls it hysteria of epidemic proportions. He goes on to say that hysterics of that type are often open to suggestions that cannot be evaluated by thinking. When a person sees someone else who has hurt his arm, he'll feel compassion and do what he can to help. We need not go into the things that go on in normal people's minds. But there are others who feel the pain in their own arm, abnormally so, when someone gets hurt. This is due to suggestion. It can reach such levels that the individual is completely out of control, his inner life lacking all order and given up to all impressions coming from outside. When a materialistic soul expert speaks of such a phenomenon affecting whole populations, he is referring to public suggestion coming from particular groups—in medieval times from the monasteries—and becoming widespread. A kind of ‘disease of the age’ develops. People are not inclined to ask what they should think about such a thing when it comes up. They are wholly caught up in the suggestion. Such an expert will speak of the matter in all seriousness, but he fails to notice one thing, which is that an independent person who is capable of insight into himself will be able to recognize and clearly distinguish another kind of epidemic among the masses. This has reached many social groups today, even highly educated people. It consists in people living under the influence of specific suggestions, both positive and negative. If you speak of the truths to be found in the science of the spirit to such people, the truths will act as a negative suggestion on them. Such people cannot understand them; they will find them intolerable. Many materialistic prejudices that are widespread today act as positive suggestions. What do you find in medical, theological and law faculties? Suggestion that influences specific social groups and goes so far that one is perfectly justified in calling them a kind of disease, just like the kind of mass epidemic of which I spoke.
[ 8 ] Ein bedeutender Biologe hat in einer sehr verbreiteten Zeitschrift etwas ganz Merkwürdiges geschrieben. Es ist merkwürdig - vielleicht nicht so sehr für den, der nur einzelnes liest. Für den aber, der das Ganze verfolgt, ist es etwas, was ihm bei fünfundneunzig Prozent der gesamten gelehrten Welt entgegentritt, und er findet, daß in Zukunft ebenso von einer Art Gelehrten-Irreseins, Gelehrten-Schwachsinns gesprochen werden kann wie über die Hysterie. Da wird in jenem Aufsatz gesagt: Wenn eine Billardkugel rollt, auf eine andere stößt und diese weiterstößt, so kann ich mir nicht vorstellen, daß da gar nichts von der ersten in die zweite übergeht. Dieser Gelehrte nennt das eigentümliche Gespenst, das von der ersten Billardkugel heraussteigt, um in die zweite hineinzukriechen und die zweite unter dem Einfluß der ersten in Bewegung zu setzen, die «Materia movens». Der Betreffende glaubt ungeheuer klug zu sein, steht aber nur unter der materialistischen Suggestion, die auf ihn genau so wirkt, wie die Volkshysterie im 16. Jahrhundert auf die große Masse gewirkt hat. Bedenken Sie nun, wie um den Menschen herum solche Suggestionen leben können, denen er unterworfen ist. Unendlich ist die Zahl solcher Suggestionen. Wenn sie in großer Anzahl auftreten — und man kann eine große Anzahl aufführen -, dann lassen sie sich zu einem Bilde zusammenfügen, das genau so ein Krankheitsbild der heutigen Gelehrsamkeit darstellen würde, wie man in ausgedehntem Maße von Dementia praecox spricht.
[ 8 ] A well-known biologist has written something rather strange in a widely-read journal.32Has not so far been identified. It is strange—perhaps not so much for someone who only reads a bit here and a bit there, but for someone who studies the whole it is something he finds in 95% of the whole academic world. He will find that in future it will be possible to speak of a kind of academic madness, academic feeble-mindedness just as we now speak of hysteria. In the essay it says: ‘If a rolling billiard ball strikes another and makes it move, I cannot imagine that nothing passes from the one to the other.’ The scientist calls the peculiar spectre which emerges from the first billiard ball, creeping into the second one and setting it in motion under the influence of the first ball, the materia movens. He thinks he is enormously clever but is in fact only under the influence of materialistic suggestion, which affects him just as mass hysteria influenced people in the 16th century. Now just think how the suggestions to which a person is subject are apt to live around him. Their number is infinite. If they occur in large numbers—and it is possible to list a great many of them—they may be brought together in a picture that would be a disease picture of modern academic knowledge like that of dementia precox, which we keep hearing so much about.33Dementia precox is an earlier term for schizophrenia.
[ 9 ] Da haben Sie das Maß von Unfreiheit, in dem derjenige lebt, der unter dem Eindruck der Suggestion steht. Ein klein wenig hat sich gegenüber dem Mittelalter geändert. Inwiefern, kann nur der Theosoph verstehen. Im Mittelalter redete man, wenn etwas anderes aus dem Menschen sprach als das, was er selbst war, von Besessenheit. Heute lacht man über die Besessenheit und betrachtet sie als eine Art Erkrankung. Diese Form der Besessenheit, wie sie im Mittelalter auftrat, ist in der letzten Zeit etwas zurückgetreten. Sie tritt nur noch in einzelnen Kreisen auf. Dafür aber ist eine andere Form von Besessenheit, von wirklicher, echter Besessenheit, viel verbreitet. Die mittelalterliche Besessenheit ist eine astrale Besessenheit, die heutige ist eine mentale Besessenheit. Im Mittelalter waren die Menschen besessen von Wesenheiten, die sich, wenn man sie in der Geistesforschung untersucht, auf dem astralen Plan befanden. Die Wesenheiten aber, welche heute in den Gelehrten stecken und von denen sie besessen sind, sind auf dem mentalen Plane, auf dem Devachanplan. Sie äußern sich in der Welt, die man als die allein wirkliche betrachtet, nur als Gedanken, und man spricht ihnen daher auch nur ein Gedankendasein zu. Genau ebenso wie die Welt der Gefühle, der Empfindungen, Leidenschaften, Triebe und Begierden des Menschen nicht bloßer Ausfluß eines körperlichen Daseins ist, sondern etwas Selbständiges, Wahres, Wirkliches für sich, so ist auch die Gedankenwelt eine Wirklichkeit für sich. Nur so, wie der Mensch seine Gedanken hat, sind sie keine Wirklichkeit. Diese menschlichen Gedanken sind nur die Schattenbilder der wirklichen Gedanken, wie die menschlichen Leidenschaften und Gefühle nur die Schattenbilder von etwas ganz anderem sind. Oft haben wir es hier besprochen, wie die Dinge zusammenhängen. Wir wissen, daß das, was wir an dem Menschen mit den physischen Sinnen beobachten können, eben der physische Leib, nur ein Glied der menschlichen Wesenheit ist. Wir wissen, daß Muskeln und Nerven, Knochen und Blut nur ein Teil dieser menschlichen Wesenheit sind. Was wir so die Bestandteile, die Elemente des physischen Leibes nennen, gehört der physischen Welt an. Ebenso gehören aber einer anderen Welt, nämlich der astralen Welt, die menschlichen Gefühle und Gedanken an.
[ 9 ] There you see the unfreedom of those who are governed by suggestion. A little bit has changed since the Middle Ages. Only a theosophist is able to realize this. In medieval times people would speak of possession when something spoke out of a human being which was not that person himself. Today people laugh at the idea of possession and speak of an illness instead. This kind of possession, which existed in medieval times, has grown a little less today. It only shows itself in particular circles today. Another kind of possession, real and genuine possession, is however widespread today. The medieval kind of possession was astral by nature, today it is mental. The spirits to be found in academics today, spirits that possess them, are on the mental, the devachanic plane. In the world which is considered to be the only real world they come to expression as thoughts and are therefore also said to exist as thoughts. Just as the world of human feelings, inner responses, passions, drives and desires is not merely something arising from existence in a body, but is something independent, true and real in its own right, so the world of thoughts, too, is a distinct entity. It is just that the thoughts which human beings have are not real. These human thoughts are but shadow images of the real thoughts, just as human passions and feelings are only shadow images of something completely different. We have often spoken about the way these things are connected. We know that things we are able to observe in human beings through the physical senses are indeed the physical body, which is only part of the whole human being. We know that muscles and nerves, bones and blood are only part of the whole human being. These things, which we call the parts, the elements, of the human body, are part of the physical world. In the same way, however, human feelings and thoughts belong to another world, the astral world.
[ 10 ] Hier macht nun die zeitgenössische Logik mit ihren Vorurteilen ganz merkwürdige Sprünge. Die Zeitgenossen kommen gar nicht darauf, daß ihr eigenes Denken, ihre eigene Logik ihnen eigentlich sagen müßten, wie unmöglich die Konsequenzen sind, die sie fortwährend ziehen, und daß sie öffentliche Suggestionen in ihre Gedankengänge hineinbringen. Es ist ungeheuer leicht und es genügen ganz triviale Gedanken, so daß eine Zuhörerschaft einem fünf Minuten lang recht geben muß, indem man ihr einen «zwingenden Gedankengang» vorlegt. Daß aber ein Schutt von altem Leben und alten Empfindungen sich darüber lagert, wird nicht gemerkt. So ist es beim «zwingenden Gedankengang».
[ 10 ] This is where modern logic takes the strangest leaps. People do not realize at all today that their own thinking, their own logic, should really tell them how impossible the conclusions are which they are drawing all the time, and that they are including things in their trains of thought that are obvious suggestions. It is terribly easy and it only needs some very commonplace ideas for an audience to accept what one is saying if for five minutes one presents them with an inevitable sequence of conclusions. They fail to realize that the debris of old life and of old ways of seeing things covers it all. That is the way it is with 'inevitable conclusions'.
[ 11 ] Ein Blindgeborener, der unter uns ist, hätte von seinem Standpunkt aus recht, uns als Phantasten anzusehen, wenn wir ihm von Licht und Farbe reden. Das ist nie eine Wahrheit für ihn gewesen. Er wird einwenden: Die Dinge lassen sich nur tasten. Er braucht nicht zu glauben, was wir ihm sagen. Dennoch hat er Unrecht. Aber nicht darum handelt es sich, daß er unrecht hat, sondern daß ihm das Organ für die Wahrnehmung von Licht und Farbe fehlt. In dem Augenblick, wo er das Organ bekommt, ist eine neue Welt um ihn herum da. Niemals wird eine wahre Theosophie eine andere Welt annehmen, sie wird sie nur in einer anderen Weise auffassen. Was die Theosophen höhere Welten nennen, ist hier um uns, genauso wie die Welt der Farben für den Blinden. Der Blindgeborene, der operierbar ist, kann den Gebrauch der physischen Augen erhalten. Nichts anderes behauptet die Theosophie, wenn sie sagt, daß es möglich ist, die inneren Augen auszubilden. So wie das kunstvolle Auge gewoben werden konnte, so ist es auch möglich, aus dem, was in den Menschen an Leidenschaften, Instinkten und Gefühlen lebt, Organe zu weben, Wahrnehmungsorgane, durch die neue Welten um den Menschen wirklich aufgehen. So ist es möglich, den Menschen dazu zu erziehen und zu entwickeln, daß er selbst in diese anderen Welten hineinzuschauen vermag, wie sonst in die physische Welt. In diesem Sinne redet die Theosophie von einer astralen Welt, die innerhalb der äußeren Welt so wirklich ist wie die Farbenwelt innerhalb der Welt des Tastsinnes.
[ 11 ] Someone who was born blind and might be among us would be quite right in thinking we were indulging in fantasies when speaking of light and colour. This has never been a truth to him. He'll object that things can only be known by touch. He need not believe what we tell him, but he would nevertheless be wrong. What matters here is not that he is wrong but that he does not have the organ to perceive light and colour. The moment he is given that organ a new world will exist around him. True theosophy will never assume another world; it will merely approach it in a different way. The higher worlds of the theosophists are here around us, just as the world of colours is around the blind person. Someone born blind whose condition is operable may regain the use of his physical eye. We are saying no more than this in theosophy when we say that it is possible to develop the inner eyes. Just as it has been possible to achieve the physical eye, made with such art, so it is also possible to create organs out of the passions, instincts and feelings that live in us, organs of perception that will truly open up new worlds around the human being. It is thus possible to help human beings to achieve and develop this, so that they will be able to look into these other worlds just as they otherwise do into the physical world. This is the astral world of which we speak in theosophy. Within the outside world it is as real as is the world of colour within the world given by the sense of touch.
[ 12 ] Gegen solche Welten sollte niemand etwas einwenden, der nichts von ihnen weiß. Grundsätzlich müßte es für jeden Menschen feststehen, daß er nur über das etwas behaupten darf, worüber er etwas weiß, und daß er niemals über das etwas sagen sollte, worüber er nichts weiß. Daher sind alle Urteile, welche der Geisteswissenschaft entgegengebracht werden, die von der Voraussetzung ausgehen: Das sind Welten, von denen man nichts wissen kann -, ein heilloses logisches Unding. Es darf nie das Urteil gefällt werden: Es gibt eine Welt für mich nicht, weil ich nichts von ihr weiß! — Das zur Charakteristik dessen, was uns an Vorurteilen entgegengebracht wird. Das sind die wissenschaftlichen Suggestionen der Gegenwart. Und wie viele Leute stehen unter diesen wissenschaftlichen Suggestionen! Wie schwer hat man es heute, gegen diese Suggestionen anzukämpfen! Ein geisteswissenschaftlicher Vortrag wird einmal gehört und dann werden den Leuten wieder Hunderte und Tausende von Dingen vor das Auge gebracht, die ihnen als höchst bedeutsame Tatsachen hingestellt werden, aber immer verwoben mit dem, was nicht der materialistischen Wissenschaft, sondern der materialistischen Deutung der Wissenschaft entspringt.
[ 12 ] Someone who knows nothing of these worlds should not raise objections to them. It should be a general principle for everyone that we may only speak of things that we know something about and should never make statements about things about which we know nothing. All opinions about the science of the spirit based on the idea that those worlds must remain unknown to us are therefore a logical monstrosity that does no good at all. No one should ever say: ‘Any world I do not know about does not exist for me.’ So much to characterize the prejudices we meet. These are the suggestions made in today's academic world. And many, many people are subject to these suggestions. A lecture based on the science of the spirit is heard once, after which people continue to hear hundreds and thousands of things said to be highly significant, but they always involve elements that come not from materialistic science but from the materialistic interpretation of science.
[ 13 ] Wie schwer es ist, mit der Vernunft gegen diese Suggestionen zu kämpfen, kann nur der wissen, der tiefer in das Geistesleben hineinschaut. So ist gerade das populäre wissenschaftliche Treiben etwas, was sich äußerst abträglich auswirkt, weil es mit einer autoritativen Unfehlbarkeit auftritt, die erst künftige Zeiten in dem richtigen Lichte werden beurteilen können. Der heutige Mensch hat noch keine Ahnung davon, in welchem Grade er den Suggestionen unterliegt, die von den Autoritäten ausgehen. Betrachten Sie das, was ich sage, nur als Charakteristik, und bedenken Sie, wie paradox es doch ist, wenn Völker kämpfen, um eine Autorität abzuschütteln, während sie neuen zum Opfer fallen. Wenn der Mensch früher seinen Suggestionen unterlag, wenn sein Ich an dasjenige hingegeben war, was in ihm wirkte, so waren das wahre Wesen, welche der sieht, der in die höheren Welten hineinschauen kann. Die Gedanken der Menschen verhalten sich zu gewissen Wesenheiten einer sogenannten devachanischen Welt wie der Schatten zu einem wirklichen Gegenstand. Die Gedankenbilder, die Sie haben, sind die Schattenbilder, die aus der devachanischen oder mentalen Welt geworfen werden. Der Gedanke, der in Ihnen lebt, ist nichts als ein solches Schattenbild — abgeschlossen in sich. Den sieht der Seher, der seine höheren Sinnesorgane ausgebildet hat, im Zusammenhang mit einer Wesenheit. Sehen Sie an der Wand das Schattenbild, so werden Sie es nur verstehen können, wenn Sie es auf seinen Gegenstand beziehen. So ist es auch mit Ihren Gedanken. Ohne etwas anderes, auf das sie zurückweisen, sind Ihre Gedanken Schatten. Sie beziehen sich auf Wesenheiten, die in einer höheren Welt ebenso wirklich sind wie diese Hand hier. Wie diese Hand hier einen Schatten an die Wand wirft, so werfen die höheren Wesenheiten ihre Schatten in diese Welt. Und diese Schatten sind Ihre Gedanken. Der Mensch, wie er vor uns steht, ist eigentlich der Schauplatz von Vorgängen, die sich außerhalb des Physischen abspielen. Als physisches Wesen ist er zunächst eine abgeschlossene Wesenheit. Als solche lebt er in einer abgeschlossenen Welt. Um den Menschen als physisches Wesen zu verstehen, müssen wir in der physischen Welt bleiben. Wollen Sie zum Beispiel das Blut als physische Substanz untersuchen und verstehen, so müssen Sie in der physischen Welt bleiben. Wollen Sie aber verstehen, was Gefühle, Empfindungen und Leidenschaften sind, so müssen Sie entweder Redensarten machen oder diese Dinge auf Wesenheiten beziehen, die hinter der physischen Welt sind, auf eine Welt, die sich zu dieser verhält wie die Farbenwelt zur Tastwelt. Und die Gedankenwelt müssen Sie in ähnlicher Weise zu verstehen suchen. So sehen Sie, wie der Mensch an den höheren Welten Anteil hat, wie der Astralleib in diese Welten hineinragt, und wie die Devachanwelt wiederum eine Art Schattenbild in diese Welt hineinwirft. Wenn der Mensch von diesen höheren Welten nichts weiß, so ist er ihnen wie ein Sklave hingegeben, der gegenüber demjenigen, der an den Ketten zieht, machtlos ist. Wie die physische Persönlichkeit nur dadurch frei wird, daß sie ihren Willen in sich selbst zu entfalten, dem anderen frei gegenüberzutreten vermag, so kann die astralische Wesenheit des Menschen nur dadurch frei werden, daß sie ihren Zusammenhang mit der ganzen astralischen Welt erkennt. Solange der Mensch nur in den gewöhnlichen Empfindungen lebt, zieht ihn die astrale Wesenheit wie am Gängelbande: er ist immer von ihr besessen. Frei wird er, wenn er sie erkennt. Wie wir die physische Welt um uns herum erkennen, so müssen wir diesen Wesenheiten gegenüberstehen, geistiges Auge gegen geistiges Auge, und wissen, mit wem wir es zu tun haben. Ebenso ist es bei der menschlichen Gedankenwelt. Dies führt zur wirklichen Freiheit, zum Durchschauen unserer Umgebung. Um im richtigen Maße zu erkennen, müssen wir auf das sehen, was hinter dem Physischen steht. Der Anfang muß damit gemacht werden, daß Sie diese Dinge studieren, daß die Welt diese Dinge studiert.
[ 13 ] It is hard to combat these suggestions with good sense, and this is something only someone able to see more deeply into the intellectual life of today is able to know. Popular science, busy as it is, has an extremely harmful effect because it is presented with an air of authoritative infallibility which can only be shown in its true light at some future date. People today have no idea how much they are subject to suggestion presented with an authoritative air. Take what I am saying merely as a characterization and consider how odd it is that nations struggle to rid themselves of one authority yet at the same time fall prey to new ones. In the past, people would fall for suggestion, with their I given up to something that was active in them, but someone able to look into the higher worlds would see real entities. Human thoughts relate to certain spirits in the ‘devachanic’ world the way shadows do to the actual objects. The thought images you have are shadows cast by spirits in the devachanic or mental world. The thought that lives in you is but such a shadow image, all by itself. Someone with vision, someone who has developed his higher sense organs, will see it in connection with a spirit. If you see a shadow cast on a wall you can only understand it if you relate it to the object which cast it. It is the same with your thoughts. Without anything to relate them to, your thoughts are shadows. They relate to spirits that are as real in a higher world as this hand of mine is here. Just as my hand casts a shadow on the wall, so do the higher spirits cast their shadows in this our world. And these shadows are your thoughts. The human being, as we see him before us, is really the scene of events that take place beyond the physical world. As a physical entity, man is in the first place complete in himself, and as such he lives in a physical world that is complete in itself. To understand the human being as a physical entity we have to remain in the physical world. To investigate and understand blood as a physical substance, for instance, you have to remain in the physical world. To understand the nature of feelings, inner responses and passions, you will either have to use empty phrases or relate these things to spirits that are behind the physical world, to a world that relates to this one as the world of colour does to the world of touch. Also you have to use a similar approach to understanding the world of thought. So you see that man has a share in the higher worlds, that the astral body extends into those worlds, and that the devachanic world for its part casts a kind of shadow into this world. Someone who knows nothing of those higher worlds is subject to them like a slave, powerless against powers that control the chains. Just as the physical person can only be free if able to develop the will to face another person in freedom, so can the astral nature of man only be free if it recognizes its connection with the whole astral world. For as long as people live only in their ordinary inner feelings, their astral nature has them on leading strings, as it were. They are always possessed by it. They come free when they recognize it. Just as we perceive and know the physical world around us, so we must face those spirits, spiritual eye to spiritual eye, and know who we are dealing with. It is the same for the world of human thoughts. This is the way to real freedom, seeing through the world around us. To gain the right measure of understanding we have to consider what lies behind the physical aspect. A beginning has to be made and you need to study these things; the world must study these things.
[ 14 ] Mit einem gewissen Recht wird von vielen wieder eingewendet: Was hilft es uns, wenn dieser oder jener uns von jenen Welten erzählt, wenn wir nicht selbst hineinschauen können? — Das ist eben der erste Schritt, um in die höheren Welten selbst hineinzuschauen. Warum ist es der erste Schritt? Weil sich die physische Welt dem Einsichtigen dann als etwas anderes zeigt als das, was sie dem materialistischen Geiste ist. Ein Vergleich kann es uns klarmachen, zu welchem anderen Standpunkt gegenüber der physischen Welt der 'Theosoph kommen soll, ein Vergleich, der von der gewöhnlichen Schrift hergenommen werden soll. Diese Schrift kann einer ansehen, der nicht lesen kann, und ein anderer, der lesen kann. Beide sehen dasselbe, es ist kein Unterschied in dem, was sie sehen. Der, welcher nicht lesen kann, wird sagen: Ich sehe Striche, die hinunter- und hinaufgehen, größere und kleinere Striche. Die kann er dann beschreiben. Der aber, der lesen kann, findet darin einen Sinn. Der beschreibt nicht die Form der Buchstaben, sondern findet darin eine Bedeutung. So ist es mit der ganzen Welt in der geisteswissenschaftlichen Anschauung. Nehmen Sie dagegen die Wissenschaft von heute: sie beschreibt die Welt so, wie der, welcher nicht lesen gelernt hat, das geschriebene Wort beschreibt. Für den anderen werden alle Dinge in der Welt zu Buchstaben, sie erhalten Bedeutung, er lernt lesen. Es ist nicht falsch, wenn einer, der nicht lesen kann, die Form der Buchstaben beschreibt. Viele erklären: Ihr seid Phantasten, weil ihr in dem Wort oder in der Welt noch eine besondere Bedeutung seht. — Das ist selbstverständlich nicht anzufechten, denn das ist die alltägliche Anschauung der Dinge. Darüber hinaus gibt es aber eine Anschauung, in der jede Blume ein Buchstabe wird, jede Blumengattung als ein Wort und die Welt als eine große Schrift betrachtet werden kann. Die Welt enthält etwas, was sich im Physischen gar nicht erschöpft. Die Zeichen dafür haben aber keinen Mund, darum muß die Bedeutung hineingelegt werden. Im Devachan geht dem, der die Pflanzenschrift lesen lernt, eine ganz neue Welt auf. Auch jedes Tier in der Welt können Sie als Buchstaben betrachten. Sie werden nach und nach diese Buchstaben zu entziffern vermögen. Wenn Sie die Tiere in ihren Lebensäußerungen verstehen, so stehen Sie ihnen gegenüber wie einer, der lesen kann, und nicht wie einer, der es macht wie die materialistische Wissenschaft, die nur die Buchstaben beschreibt. Lernen Sie das Tier als Wort zu erkennen, so blicken Sie hinter die physische Welt in eine ganz andere, in die astrale Welt. Lernen Sie die Pflanzenwelt als Buchstaben zu betrachten, dann erlangen Sie die Fähigkeit, in die Mentalwelt hineinzuschauen. Das ist nichts Unwirkliches, sondern im Gegenteil etwas, was ganz und gar auf dem Boden der Wirklichkeit steht und uns eigentlich erst den reichen Sinn des Lebens erkennen lehrt: Es verhält sich in der Tat auch so, daß uns die richtige Bedeutung einer spirituellen Welterkenntnis erst aufgeht, wenn wir sie mit dem Lesen vergleichen. Was hätte es für einen Zweck, wenn ich hier an der Tafel etwas hinmalte und beschriebe, ohne daß es etwas bedeutete? Einen Sinn erhält es dadurch, daß man seine Bedeutung erkennt. Und so ist es auch mit der Welt. Man lernt allmählich erkennen, warum die Welt da ist, was sie dem Menschen sein kann und was der Mensch selbst in ihr ist.
[ 14 ] There is some justification for the following objection, which is also raised by many people: What good it is to us to hear someone tell us of worlds which we ourselves are unable to see? You see, it is the first step towards being able to see into those worlds oneself. Why is it the first step? Because the physical world appears in a somewhat different light to someone who has gained insight than it does to materialistic minds. A comparison may show the different standpoint a theosophist should gain in relation to the physical world. We may take our example from ordinary writing. Someone unable to read may look at it and so may someone who is able to read. They both see the same thing; there is no difference in what they actually see. The person who is unable to read will say: I see lines going down and up, longer and shorter lines. He'll be able to describe them. Someone who is able to read however will find that the lines have meaning. He'll not describe the shape of the letters but find meaning in them. That is how it is with the whole world when it is seen from the spiritual scientific point of view. Compared to this, take our modern conventional science. Here the world is described in the way someone who has not learned to read describes the letters. For the other person all things in the world become letters; they gain significance and he learns to read them. When someone unable to read describes the shapes of the letters, this cannot be said to be wrong. Many people say our ideas are divorced from reality when we say that the word or the world also holds a specific meaning. You cannot say anything against this objection; it is the everyday view of things. But there is another way of looking at things where every flower becomes a letter, every plant species a word, and the world a great book. The world holds something within it that goes beyond its physical aspects. The signs for this have no lips, however, and therefore meaning has to be given to them. A completely new world opens up in the devachan for someone able to read the writing of the plants. You can also think of every animal in the world as a letter, and you will gradually be able to decipher these letters. If you understand what comes to expression in animal lives you will relate to them as someone able to read and not as someone who merely describes the letters, which is the way of modern conventional science. Learning to recognize the word that lies in the animal you are able to see another, completely different world behind the physical world—the astral world. Learning to see the plant world as letters you gain the ability to see into the mental world. This is not something divorced from reality. Quite the contrary, it is something firmly based on reality that teaches us to see the abundant meaning of life. It truly is the case that we only perceive the true significance of spiritual insight into the world if we compare it with reading. What would be the point if I were to draw something on the board here and describe it if there was no meaning to it? It gains meaning in that we perceive its significance. And that is how it is with the world. We gradually come to realize why the world exists, what it can mean to human beings and what human beings themselves are within the world.
[ 15 ] Mit alldem wollte ich Ihnen nicht etwas Neues sagen. Diejenigen, die öfter etwas über Theosophie gehört haben, wissen das alles. Ich habe es Ihnen gesagt, um Ihnen eine Handhabe gegen die Behauptung zu geben, die Theosophie sei nicht wissenschaftlich, und um Sie gegen Einwände zu rüsten, die sich auf Logik berufen wollen. Nur die Logik, die zu kurz ist, hat Einwände gegen die Geisteswissenschaft. Die Logik, die bis in die letzten Winkel des Logischen sucht, wird gegen ihre absolute Vernünftigkeit nichts einwenden können. So muß es klar werden, daß die, welche vom wissenschaftlichen Standpunkt aus gegen die 'Theosophie vorgehen, das nicht aus logischen Gründen tun, sondern aus Suggestionen heraus. Wenn man von diesen Suggestionen frei wird und weiß, daß die Gedanken nichts sind als Schattenbilder von devachanischen Wesenheiten, und wenn man dann erlebt, wie ein Professor unter Einflüssen aus der mentalen Welt behauptet, daß eine Billardkugel von Materia movens bewegt wird, die sich auf die andere Billardkugel überträgt - dann kann man hinter die Kulissen blicken und sehen, daß er von anderen Wesenheiten beeinflußt wird.
[ 15 ] Telling you all this, I did not mean to present something new. Those of you who have heard about theosophy on several occasions will know it all. I have been telling it to you to give you a means of rebutting the statement that theosophy is unscientific, to arm you against objections reputed to be logical. Only someone using a shortsighted logic has objections to raise against the science of the spirit. A logic that explores every nook and cranny will show that no objection can be raised but that it is absolutely sensible. It has to be understood therefore that people who base themselves on a scientific point of view in their attacks on theosophy are doing so not for logical reasons but on the basis of suggestion. When you are free of such suggestion and know that thoughts are but the shadows cast by devachanic spirits, and if you then hear a professor who is under the influence of the mental world say that a billiard ball is moved by materia movens, which transfers to a second billiard ball—you can see behind the scenes and see that he is influenced by other spirits.
[ 16 ] Die Welt bebt in gewisser Beziehung. Sie stellt uns große Aufgaben. Fragen sind da, die aus den ernsten Erfordernissen der Zeit hervorgehen. Die soziale Frage, die schon so viel Blut gekostet hat, wird mit den Suggestionen unserer heutigen Zeit nicht zu lösen sein. Auch die Parteien, welche die soziale Frage lösen wollen, stehen unter solchen Suggestionen. Sie sind von mentalen Wesenheiten besessen. Wer hinter das Physische zu blicken vermag, sieht hinter manchem Parteigänger den Dämon, der hinter ihm steht. Niemals wird es anders gehen als bei Robert Owen, der als edler Mensch und Menschenfreund, als guter Kenner der sozialen Verhältnisse in England eine Art Musterwirtschaft einführen wollte, indem er gute und schlechte Arbeiter heranzog und in größerem Rahmen eine soziale Gemeinschaft zu begründen versuchte. Er ging von dem begreiflichen Vorurteil aus, die Menschen seien von Natur gut, man brauche sie nur in auskömmliche Verhältnisse hineinzusetzen. Schaffe man solche Verhältnisse, dann würden sie auch ein Dasein entfalten, wie sie es selbst wünschten. Aber gerade dieser Menschenfreund mußte sich schließlich gestehen, daß man in seinen Bemühungen für den sozialen Fortschritt nicht mit praktischen Maßregeln beginnen könne, sondern nur mit der Lehre, mit der Aufklärung.
[ 16 ] The earth is atremble, in a way. It presents us with major tasks. Questions arise from the serious challenges of our time. It will not be possible to solve the social question, which has already caused so much bloodshed, with the suggestions people are making at present. The political parties seeking to solve the social question are also under the influence of such suggestions. Someone able to see behind the physical aspects sees the demon who stands behind many a party supporter. It can never be otherwise than it was in the case of Robert Owen,34Owen, Robert (1771–1858), Welsh social and educational reformer. The community he established at New Lanark in Scotland did not prove viable (it has now been restored by the New Lanark Conservation Trust). In 1833 Owen organized the Grand National Consolidated Trades Union. See also Anthroposophy and the Social Question, essay first published in Lucifer-Gnosis 1906-1908 (in GA 34). Tr. H. Collison. 2nd edition Spring Valley: Mercury Press 1982. Also in Reincarnation and Immortality, Tr. M. & E. Tapp. New York: Multimedia Publishing Corp. 1974. a noble and caring person with good knowledge of social conditions in England. He wanted to create an example of an economy where he asked good and bad workers to join him in establishing a social community. He based himself on the understandable prejudice that people are essentially good and one only needed to put them in a situation where they had a chance to earn a proper living. In such a situation, he believed, they would be able to have the kind of life they desired. But this philanthropist finally had to admit that it was not possible to start with practical measures in one’s efforts for social progress but that one had to teach people first, addressing their understanding.
[ 17 ] Wer in die geistige Welt hineinschaut, erkennt die Zusammenhänge, die dem physischen Plan zugrunde liegen. Er sieht die Menschen, wie sie zusammenleben: im tiefsten Elend die einen, arm und gedrückt von Arbeit und Not, die anderen schlemmend im Überfluß, dieses oder jenes genießend. Man kann sich leicht ausmalen, wie das zu ändern sei, wenn man bloß auf dem physischen Plane bleibt. Das tun die meisten, die sich heute berufen fühlen, zu reformieren. Sie befinden sich nicht in der gleichen Lage wie der mit Erfolg operierte Blindgeborene, dem sich die Welt um ihn plötzlich in Farben darbietet, denn sonst würden sie hinter allem Physischen die mannigfachsten Wesenheiten sehen. Wenn sie ihre gutgemeinten Reformpläne zu verwirklichen versuchen, dabei aber die geistigen Wesenheiten außer acht lassen, dann wird es in fünfzig Jahren noch viel schlimmer sein, als es jemals zuvor gewesen ist. Alle heutigen sozialen Ideale würden in fünfzig Jahren der astralen Welt grotesk widersprechen, wenn nicht diese astralische Welt, die menschlichen Leidenschaften, Begierden und Wünsche zugleich eine Änderung erführen. Ein allgemeines Elend, eine furchtbare Weltgärung, ein schrecklicher Kampf ums Dasein würde an die Stelle des heutigen schon furchtbaren Kampfes treten. Man braucht nur etwas in die geistige Welt hineinzuschauen, dann sieht man, worum es sich da handelt. Die Menschen sind nicht nur Leiber, die man mit Nahrung versehen muß, die Menschen sind auch Geister, und sie sind in Berührung mit anderen Geistern. Ihnen zum Bewußtsein zu bringen, daß sie Genossen höherer Welten sind, ist die Aufgabe der okkulten Weltanschauung. Sie können sich einen Menschen vorstellen, und auf diesem Menschen ein paar Käfer herumkrabbelnd: diese Käfer werden keine Vorstellung davon haben, daß dieser Mensch, diese Wesenheit etwas anderes darstellt als sie selber. Sie beschreiben die Form, beispielsweise die Nase. So beschreibt der Mensch den Himmel, den Mars, die Sonne, den Merkur und die anderen Sterne. Ebenso wie der Käfer, der keine Ahnung hat, daß die Nase zu einer Seele gehört, beschreibt der heutige Astronom den Merkur, den Mats, die Sonne. Er beschreibt sie so, wie er sie sieht, wie ein Käfer auf dem Weltenkosmos. Erst dann wird man wieder real beschreiben lernen, wenn man erkennen wird, daß die Sterne beseelt sind, daß überall Geist ist, daß das ganze Weltall beseelt ist. Nichts anderes bezweckt die geisteswissenschaftliche Weltanschauung; so logisch ist sie. Die Vorurteile, die nichts anderes sind als Suggestionen, machen es schwer, allen Menschen heute zum Bewußtsein zu bringen, worum es sich in dieser geistigen Weltanschauung eigentlich handelt.
[ 17 ] Someone able to see into the world of the spirit perceives what lies behind the physical plane. He will see how people live together, some in the greatest misery, poor and oppressed by labour and need, and others indulging in superabundance, enjoying all kinds of things. If one does not go beyond the physical plane it will be easy to imagine how the situation can be changed. This is what most people do when they feel they are called to be reformers today. They do not find themselves in the same situation as someone who was born blind and after a successful operation suddenly sees the world around him to be full of colour. For then they would see all kinds of different spirits behind everything physical. When they try to bring their well-meant plans for reform to realization but take no heed of the spirits behind it all, the situation will be much worse fifty years later than it has ever been. All the social ideals of today would go grotesquely against the astral world unless this astral world of human passions, desires and wishes were to change as well. General misery, a terrible ferment in the world, a dreadful struggle for existence would then take the place of today's struggle which is terrible enough as it is. You need only look a little bit into the world of the spirit and you can see the situation. Human beings are not just bodies to be provided with food; human beings are also spirits, and they are in touch with other spirits. The task of those able to see the occult world is to make them aware of being comrades, members, of higher worlds. Imagine a human being, and a few beetles crawling around on this human being. The beetles can have no idea that this human being, this spiritual entity, is something different from themselves. They will describe the shape, e.g. of the nose. That is how human beings describe the heavens, Mars, the Sun, Mercury and the other stars. A modern astronomer is just like a beetle which has no idea that the nose belongs to a soul when he describes Mercury, Mars, the Sun. He describes them just the way he sees them, like a beetle crawling around in the cosmos. We shall only know how to describe the reality of things when we realize that the stars have souls, that spirit is present everywhere, that the whole universe is ensouled. That and nothing else is the aim with the science of the spirit. It is as logical as that. Prejudices, being sheer suggestion, make it difficult to make people aware of what this spiritual view of the world is really about.
[ 18 ] In diesem einleitenden Vortrage sollte einmal gezeigt werden, welche Widerstände diejenigen finden, welche geisteswissenschaftlich denken und die Geisteswissenschaft vor der Welt vertreten. Jeder von Ihnen kann in die Lage kommen, gegenüber Anschauungen, die ihm von außen her begegnen, Festigkeit zeigen zu müssen. Das gehört zur Arbeit der Zweige, ihren Mitgliedern zu dieser Festigkeit zu verhelfen. Sie sollten soweit innerlich gefestigt sein, daß sie trotz allem, was ihnen in der Welt entgegentritt, die Gewißheit der geistigen Welt in sich selbst erleben und dadurch gegen jeden Widerspruch gewappnet sind. Nicht der Umfang des theosophischen Wissens, sondern das innere Bewußtsein, das innere Leben und die innere Gewißheit machen es aus. Nicht zu kämpfen brauchen wir gegen das, was uns in der Welt entgegentritt. Viele Vertreter anderer Richtungen kommen her und wollen mit uns diskutieren, wollen die Weisheit vorbringen, die sich die Theosophie selbst sagen kann. Sie sagen immer wieder solche Dinge, die der Theosoph lange schon abgelegt hat. Er charakterisiert, aber kritisiert nicht. Er treibt nicht in gewöhnlichem Sinne Propaganda, denn das kann nicht unsere Aufgabe sein. Nur wer freiwillig zur Theosophie kommt, soll wohl aufgenommen werden. Propaganda und Agitation zu treiben, ist nicht die Aufgabe der Theosophie. Daher ist es auch nicht ihre Aufgabe, andere zu widerlegen. Man sucht den Standpunkt der Geisteswissenschaft selbst zu charakterisieren. Der andere muß sich in ihn einleben. Die Agitation — wenn man einen öffentlichen Vortrag dazu rechnet — besteht darin, daß man erzählt: dies und das hat die Theosophie zu bieten; und der, welcher dann dazu kommen soll, wird auch herankommen. Der Theosoph hat nicht Meinungen und Ansichten zu vertreten. Er erzählt Tatsachen der höheren Welt, und über Tatsachen streitet man nicht. Wer als Theosoph die geisteswissenschaftliche Weltanschauung verbreitet, verbietet es sich, seine eigene Meinung zu sagen. Was wir als Theosophen verkündigen, ist die uralte Weisheit, zu der alle Weisen vorgedrungen sind. Es gibt nicht zwei, welche verschiedener Meinung sind, wenn sie auf dem höheren Gebiete angekommen sind. Es kann höchstens einer davon nicht weit genug sein. — Das ist eine Art von Gesinnung, die der Theosoph in sich ausbilden kann. Nicht aufdringlich soll er damit sein, aber er soll sie bestimmt in sich erleben, um sie ebenso bestimmt vor die Welt hinzutragen. Derjenige, der weiß, wird auch für das, was als Wissen in ihm liegt, die Worte finden.
[ 18 ] The aim of this introductory lecture has been to show the resistance met by people who think in terms of the science of the spirit and who in the eyes of the world represent this science. Each of you may find yourself in a position where you have to show firmness in the face of views presented to you from the outside. It is part of the work in our groups to help members to stand firm. They should be sufficiently sure inwardly that in spite of everything they come up against in the world they have a living inner certainty of the world of the spirit and are thus armed against any objection that may be raised. It is not the amount of theosophical knowledge we have but our inner awareness, inner life and inner certainty that matter. Many people who represent other approaches want to enter into discussion with us, wanting to offer wisdom which theosophy already has. They keep saying things which a theosophist has long since left behind. He will characterize but not criticize. He will not make propaganda in the usual sense, for that cannot be our task. People must come of their own free will if they are to join our ranks. To make propaganda and agitate is not the theosophists' task. It therefore also is not for them to refute others. One seeks to characterize the standpoint of spiritual science itself. The other person has to enter into the spirit of it. Agitation—if a public lecture may be said to be such—consists in telling people: theosophy has this and that to offer. Anyone destined to come to it will come to it. A theosophist does not have to offer views and opinions. He speaks of realities in a higher world, and realities, facts, are beyond dispute. A theosophist presenting the spiritual scientific point of view will stop himself from presenting his own opinions. As theosophists we speak of ancient wisdom that has always been known to wise people. You'll never have two people having different opinions once they have entered the higher realm. At most it may be the case that one of them has not penetrated far enough. This is the kind of attitude a theosophist can develop. He should not impose himself on others, but he should be sure in his heart and sure of himself in presenting theosophy to the world. Someone who knows will also be able to find words for the knowledge he has in him.
[ 19 ] So sollte heute einmal die theosophische Gesinnung und so sollten die anderen Gesinnungen, die ihr gegenüberstehen, charakterisiert und nicht kritisiert werden. Wenn wir diese Gesinnung mehr und mehr ausbilden, dann werden wir das beste Mittel haben, um in der Welt theosophisch zu wirken. Mehr und mehr werden wir unsere Umgebung verstehen und diese Umgebung geistig erforschen. Das ist theosophisches Wirken.
[ 19 ] This, then, is the way the theosophical approach, and other approaches which are in opposition to it, should be characterized and not criticized. If we develop this attitude more and more, we'll have the best possible means of being active theosophists in the world. We shall understand the world around us more and more and investigate it in the spirit. That is the theosophical way of doing things.
[ 20 ] Zum Schluß noch ein Beispiel, das zu denen gehört, welche die Leute schockieren, sobald man sie öffentlich ausspricht. Diese Dinge sind einfach wahr und können mit den Mitteln unserer geistigen Forschung gefunden werden. Ich möchte Ihnen eine Zeiterscheinung schildern und Sie werden sehen, wie man seine Umgebung verstehen lernt, wenn man das, was die Geistesforschung bieten kann, wirklich durchdringt. Was jetzt gesagt wird, sollen Sie nicht gar zu schief auffassen, denn man wird sich daran gewöhnen müssen, daß es noch Dinge gibt, von denen wir keine Ahnung haben. Wer hat vor fünfzig Jahren eine Ahnung davon gehabt, daß es einen Stoff gibt, von dem ein kleines Körnchen genügt, um uns gesundheitlich zu schädigen? Vor fünfzig Jahren hat kein Mensch etwas davon gewußt. Es gibt eben Dinge, die wirken, bevor der Mensch von ihnen etwas weiß und sie kennt. Radium heißt dieser Stoff. Beim Radium sind es die physischen Instrumente, die dem Menschen gefehlt haben. Bei geistigen Dingen sind es die geistigen Instrumente.
[ 20 ] In conclusion one more example, one of those that will shock people when it is referred to in public. These things are simply true and can be found with the means of our spiritual research. I would like to describe a phenomenon of our time to you, and you'll see how we come to understand the world around us if we really penetrate the things which the science of the spirit has to offer. Please do not take my words amiss, for one will have to get used to the fact that there are things of which we do not yet have the least idea. Who would have thought fifty years ago that there is a substance where it just needs a tiny granule to damage our health? Fifty years ago no one knew anything about it. There are things that have an effect before people know about them and understand them. This substance is called radium. In this case, people did not yet have the physical instruments to understand it. When it comes to things of the spirit, people lack the spiritual instruments.
[ 21 ] In der sozialistischen Bewegung gibt es Leute, die außerordentlich radikal sind, die am liebsten alles kurz und klein schlagen möchten. Es gibt auch solche mit einem gewissen konservativen Sinn. Man findet da alle möglichen Richtungen. So gibt es innerhalb der sozialistischen Bewegung eine Organisation, die als geschlossene Gruppe immer eine ganz merkwürdig homogene, gleichartige Gesinnung und ein gleichartiges Vorgehen gezeigt hat. Das waren die am wenigsten Radikalen. Im Grunde genommen ist es ein Stand, ein Gewerbe, von dem die sozialistische Gewerkschaftsbewegung ausgegangen ist, nämlich die Buchdrucker. Sie haben als erste eine Art Gesetzmäßigkeit innerhalb der sozialistischen Bewegung entwickelt. Tarife wurden für das Verhältnis zwischen Arbeiter und Arbeitgeber abgeschlossen. Es ist sogar so weit gekommen, daß bei den Buchdruckern eine Zeitung existiert, deren Redakteur gar kein Sozialist ist, weil er von der sozialistischen Partei herausgeworfen wurde. Man sieht daran, wie gemäßigt diese Gruppe ist.
[ 21 ] There are members of the socialist movement who are extraordinarily radical and would really like to hit out and destroy everything. Other members are to some extent conservative in their views. You find all kinds of different trends among them. One group within the socialist movement is a closed group with a remarkably homogeneous, like-minded view and the same way of doing things. They have been the least radical people. Basically this is the trade, the occupational group, which gave rise to the socialist union movement—the printers.35The German Printers Association was the first socialist union to be established in Germany in 1866. They were the first to develop a more formal set of rules within the social movement. Rates of pay were agreed on for the relationship between workers and employers. It has even gone so far that a newspaper is produced for the printing trade the editor of which is not a socialist at all, having been thrown out of the socialist party. This shows how moderate the group is.
[ 22 ] Nun ist die Frage möglich: Kann man diese Dinge ihrer geistigen Ursache nach ebenso erforschen, wie man die Wirkung des Radiums physisch erforscht? Ja, das kann man. Staunen Sie nicht so sehr darüber, was die geisteswissenschaftliche Forschung uns als Antwort auf die Frage gibt, warum es innerhalb der sozialistischen Bewegung eine solche Gruppe gibt. Das ist die Wirkung des Bleies auf die menschliche Seele. Was in unserer Umgebung ist, das Kleinste und das Größte, stellt den Körper eines Geistigen vor. Gold, Silber, Kupfer, alles was da lebt, ist Körper für etwas Geistiges. Auch Blei ist der äußere Körper für eine gewisse Geistigkeit. Und wer mit Blei hantiert, hat es nicht nur mit Blei im chemischen Sinne, sondern auch mit dessen Geistigkeit zu tun. Blei greift nicht nur die Lunge an, sondern hat auch eine ganz bestimmte Wirkung auf den übrigen Menschen. Da haben Sie den Ursprung für die eigentümliche Gesinnung innerhalb dieses Standes.
[ 22 ] Now it is possible to ask if we can investigate the spiritual causes of these things just as we can physically investigate the actions of radium. Yes, we can. Do not be too surprised at the answer given in the science of the spirit to the question as to why there is such a group within the socialist movement. It is due to the action of lead on the human soul. All things in the world around us, be they small or large, are the physical bodies of spiritual principles. Gold, silver, copper, everything that lives around us is body for a spiritual principle. Lead, too, is the visible body of a particular spirit. And anyone working with lead is dealing with the metal not just in its chemical sense but also in its spiritual nature. Lead not only affects the lungs; it also has quite a specific effect on the rest of the human being. So there you have the source of the unusual views held in this occupational group.
[ 23 ] Noch ein anderes Erlebnis, das mir gerade vor ein paar Tagen passiert ist. Es kam ein guter Bekannter zu mir, der sich nicht erklären konnte, warum er bei seiner wissenschaftlichen Tätigkeit ohne besondere Schwierigkeiten Analogien zu finden und Kombinationen aufzustellen vermag, und zwar in einem Ausmaß, wie es selbst unter Gelehrten äußerst selten ist. Eine derartige Fähigkeit geht auf eine leichte Beweglichkeit des Mentalleibes zurück. Nun wollte ich auch herausfinden, wie dieses Phänomen zustande kommt. Nach einiger Zeit konnte ich dem Manne sagen, wahrscheinlich habe er viel mit Kupfer zu tun. Tatsächlich bestätigte sich dies, denn der Betreffende ist Waldhornbläser. Das geringe Maß von Kupfer war es, das bei ihm eine solche Wirkung auslöste.
[ 23 ] Now something else—something that happened to me just a few days ago. Someone I know well came to me who cannot explain why he is able to find analogies and see connections in his scientific work with a facility that is unusual even among academics. Such an ability is due to a highly mobile mental body. I thought I’d find out how this phenomenon comes about. After a time I was able to tell the man that he probably had a lot to do with copper. This proved to be true, for he plays the French horn. The small amount of copper in it had such an effect on him.
[ 24 ] Nun bedenken Sie einmal, was der Mensch, ohne es zu wissen, für ein Wesen ist, das allen möglichen Einflüssen unterworfen ist! Von der Suggestion habe ich vorhin gesprochen. Jetzt sehen wir den Einfluß der ganzen um den Menschen herumliegenden geistigen Welt. Und was ist die Theosophie? Sie ist das Hineindringen in die geistige Welt und deren Gesetze. Und was bedeutet dieses Hineindringen in die geistige Welt? Es bedeutet Freiheit, denn nur Erkenntnis gibt Freiheit. Wenn man etwas weiß, so kann man sich in ein richtiges Verhältnis dazu bringen. So ist die geistige Erkenntnis der höchste Befreiungsprozeß, den wir überhaupt in uns durchmachen können. Die wirkliche Entwickelung ist dasjenige, was uns durch die Geisteswissenschaft gelehrt werden soll. Nur wenn die Menschen frei werden wollen, werden sie an die Geist-Erkenntnis herankommen. Wenn sie aber nicht nur von gesellschaftlichen Vorurteilen abhängig sein wollen, sondern auch von alledem, was sie mit ihrem Denken überhaupt nicht überblicken, dann werden sie heute noch nicht an die Geisteswissenschaft herankommen, und wir werden begreifen, daß sie nicht herankommen können. Diejenigen, welche noch von der Mode und so weiter abhängig sind, werden nicht sehr geneigt sein, den Einfluß der Metalle um sie herum einzusehen. Aber ein Anfang muß gemacht werden, ein kleiner Anfang zu einer großen, sehr großen Sache. Nur einen kleinen Blick auf das, wozu die Geisteswissenschaft ein Anfang sein möchte, wollte ich heute werfen.
[ 24 ] Now just think. Without knowing it, people are subject to all kinds of influences. I spoke of suggestion earlier. We now see the influence of the whole world of the spirit that is around the human being. And what is theosophy? It is a way of penetrating into the world of the spirit and its laws. And what does this mean? It means freedom, for only insight will give freedom. When we know something we can relate to it in the right way. Gaining insight in the spirit is therefore the greatest process of liberation we can ever possibly have. True development and progress lie in the things the science of the spirit can teach us. People will only come to the search for truth in the spirit when they want to be free. However, today they will not gain knowledge of the spirit, and we can see that it is impossible for them to do so, if they want to be free not only of social prejudices but also of everything else, including things they do not yet have the power of mind to understand. People who still depend on fashion and so on, will not be greatly inclined to consider the influence of the metals that exist around them. But a beginning must be made, a small beginning for something that is large, very large. What I wanted to do today was to take just a bit of a look at something in which the science of the spirit can hope to be a beginning.
