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Original Impulses of Spiritual Science
GA 96

20 October 1906, Berlin

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9. Der Erkenntnispfad und seine Stufen

VIII. The Rosicrucian Spiritual Path

Der rosenkteuzerische Geistesweg

[ 1 ] Heute soll ein Bild des Erkenntnispfades gegeben werden, und es soll auch gezeigt werden, welches die Früchte dieses Pfades sind. Sie kennen einige Hauptgesichtspunkte, die dabei in Betracht kommen. Aber auch für diejenigen, die schon einschlägige Vorträge über den Erkenntnispfad gehört oder den «Lucifer», namentlich das zweiunddreißigste Heft gelesen haben, wird sich etwas Neues bieten, wenn wir den Erkenntnispfad so besprechen, wie es nur im intimen Kreise von Schülern der Geisteswissenschaft geschehen kann. Dabei wird es sich hauptsächlich darum handeln, diesen Erkenntnispfad zu besprechen, insofern er durch die rosenkreuzerische abendländische Geistesströmung vorgezeichnet ist, die seit dem 14. Jahrhundert die europäische Kultur an unbekannten Fäden geistig lenkt und leitet.

[ 1 ] Today a picture of the path of knowledge will be given, and the fruits of this path will also be shown. You already know some of the major points of view which thereby come into consideration. However, for those of you who have already heard lectures pertaining to the path of knowledge or who have read the periodical, Lucifer, particularly the thirty-second issue, something new will be offered if we discuss the path of knowledge as can occur only in intimate circles of students of spiritual science. The main matter at hand is to discuss this path of knowledge in so far as it is traced through the Rosicrucian, Western spiritual stream, which has guided European culture spiritually by invisible threads since the fourteenth century.

[ 2 ] Die rosenkreuzerische Bewegung wirkte bis zum letzten Drittel des 19. Jahrhunderts ganz im Verborgenen. Was wirkliche Rosenkreuzerei war, konnte in keinem Buche gelesen werden, durfte auch nicht öffentlich ausgesprochen werden. Erst seit etwa dreißig Jahren sind einige der rosenkreuzerischen Lehren durch die theosophische Bewegung der Außenwelt bekanntgemacht worden, nachdem sie früher nur in streng geschlossenen Bünden gelehrt worden waren. Die elementarsten Lehren sind in dem, was man heute 'Theosophie nennt, vielfach enthalten - aber nur die elementarsten. Erst nach und nach ist es möglich, die Menschen tiefer hineinschauen zu lassen in die Weisheit, die seit dem Ende des 14. Jahrhunderts in jenen Rosenkreuzerschulen in Europa gepflegt worden ist.

[ 2 ] The Rosicrucian movement worked in complete concealment up until the last third of the nineteenth century. What was true Rosicrucianism could not be found in books and was also forbidden to be spoken of publicly. Only in the last thirty years have a few of the Rosicrucian teachings been made known to the outer world through the theosophical movement, after having been taught earlier only in the most strictly closed circles. The most elementary teachings of the Rosicrucian's are included in what is called theosophy today—but only the most elementary. It is only possible bit by bit to allow mankind to look more deeply into this wisdom which has been fostered in these Rosicrucian schools in Europe since the end of the fourteenth century.

[ 3 ] Zunächst wollen wir uns klarmachen, daß es nicht nur eine Art von Erkenntnispfad gibt, sondern es kommen drei Arten in Betracht. Das ist jedoch nicht so aufzufassen, als ob es drei Wahrheiten gäbe. Die Wahrheit ist eine einzige, so wie sich allen, die auf dem Gipfel eines Berges stehen, die gleiche Aussicht eröffnet. Aber es gibt verschiedene Wege, um auf den Gipfel des Berges zu gelangen. Während des Aufstiegs hat man von jedem Punkt aus einen anderen Ausblick. Erst wenn man oben ist - und man kann den Gipfel von verschiedenen Seiten aus ersteigen -, hat man den freien vollen Ausblick nach der eigenen Perspektive. So ist es auch mit den drei Erkenntnispfaden. Der eine ist der orientalische Yogaweg, der zweite der christlich-gnostische Weg, der dritte der christlich-rosenkreuzerische Weg. Diese drei Wege führen zu der einzigen Wahrheit.

[ 3 ] To begin with, we would like to make clear that there is not just one kind of path of knowledge, but three paths to consider. Yet this should not be understood as if there were three truths. There is only one truth, just as the view revealed from the peak of a mountain is the same for all who stand there. There are, however, various ways by which the peak of the mountain can be reached. During the ascent, one has at every point a different view. Only if one is at the top—and one can ascend to the peak from various sides—can one have a free and full view from one's own perspective. So it is also with the three paths of knowledge. One is the Oriental path of Yoga, the second is the Christian-Gnostic path, and the third is the Christian-Rosicrucian path. These three paths lead to the single truth.

[ 4 ] Es gibt drei verschiedene Pfade, weil auf unserem Erdenrund die Menschennaturen verschieden sind. Man hat drei Typen von menschlichen Naturen zu unterscheiden. Wie es nicht richtig wäre, wenn jemand, um auf den Bergesgipfel zu kommen, nicht den nächsten, sondern einen von ihm weit abliegenden Fußpfad wählen würde, so wäre es auch nicht gut, wenn ein Mensch einen anderen als den ihm angemessenen geistigen Pfad einschlagen wollte. Darüber herrschen heute auch innerhalb der theosophischen Bewegung, die sich erst noch aus ihrem Anfangsstadium herausentwickeln muß, vielfach recht verworrene Vorstellungen. Man denkt vielfach, daß es nur einen einzigen Erkenntnispfad gäbe, und meint, dies sei der Yogaweg. Nun ist aber der orientalische Yogaweg weder der einzige Erkenntnispfad, noch ist er für Menschen, die innerhalb des europäischen Kulturgebietes leben, auch nur der günstige. Wer die Sache nur von außen betrachtet, kann freilich kaum die Einsicht haben, worum es sich hier handelt, weil die menschliche Natur doch im Grunde genommen bei den verschiedenen Rassen nicht so verschieden erscheint. Wenn man aber mit okkulten Kräften die große Verschiedenheit der Menschentypen betrachtet, kommt man darauf, daß etwas, das für die Orientalen, vielleicht auch für ganz einzelne Menschen in unserer Kultur gut sein mag, durchaus nicht für alle richtig ist. Es gibt auch Menschen, aber nur wenige innerhalb der europäischen Verhältnisse, die den orientalischen Yogaweg gehen können. Für die allermeisten Europäer ist er aber ungangbar. Er bringt Illusionen und auch seelische Zerstörung mit sich. Mögen sie auch äußerlich, selbst in den Augen des heutigen Wissenschafters, nicht so verschieden erscheinen — die östliche und die abendländische Natur sind total verschieden. Ein morgenländisches Gehirn, eine morgenländische Phantasie und ein morgenländisches Herz, sie wirken ganz anders als die Organe des Abendländers. Was man einem Menschen zumuten kann, der unter östlichen Verhältnissen aufgewachsen ist, darf man nie und nimmer einem Abendländer zumuten. Nur wer glaubt, daß Klima, Religion und soziales Leben keinen Einfluß auf den menschlichen Geist hätten, könnte meinen, es sei einerlei, unter welchen äußeren Verhältnissen jemand eine okkulte Schulung durchmacht. Weiß man aber, welchen tiefgehenden geistigen Einfluß alle diese äußeren Umstände auf die menschliche Natur haben, so versteht man, daß sich der Jogaweg nur für wenige Europäer und eigentlich nur für solche eignet, die sich gründlich und radikal aus den europäischen Verhältnissen herausreißen, daß er aber für Menschen unmöglich ist, welche innerhalb der europäischen Kultur stehenbleiben.

[ 4 ] There are three different paths because human nature is different around our earth. One has to distinguish three types of human nature. Just as it would not be right for someone trying to reach a mountaintop to select a remote path rather than the one next to him, so it would also be wrong if a man wanted to take another spiritual path than the one appropriate to him. Many muddled ideas about this prevail today in the theosophical movement, which must still develop upwards from its initial stage. It is often supposed that there is only a single path to knowledge, by which is meant the Yoga path. The Oriental Yoga path is not the only path to knowledge, however, and is in fact not a propitious path for those who live within European civilization. He who considers this matter only from outside certainly can have scarcely any insight into what we are concerned with here, because one could easily come to the conclusion that human nature actually appears to differ little in various lands. If one with occult powers observes the great differences in human types, it becomes clear that what is good for the Orientals, and perhaps also for some other men in our culture, is by no means the proper path for everyone. There are people, but only a few within European circumstances, who could follow the Oriental path of Yoga. But for most Europeans, this is impracticable. It brings with it illusions and also the destruction of soul-forces. The Eastern and Western natures, although they do not appear so different to today's scientists, are totally different. An Eastern brain, an Eastern imagination, and an Eastern heart work completely differently from the organs of Westerners. What can be expected of someone who has grown up within Eastern circumstances should never be expected of a Westerner. Only one who believes that climate, religion, and social environment have no influence on the human spirit might also think that the external circumstances under which a spiritual training is undergone are also a matter of indifference. But one who knows the deeply spiritual influences exerted upon human nature by all these outer circumstances understands that the Yoga path is impossible for those who remain within European culture, and can only be tread by those few Europeans who radically and fundamentally detach themselves from European circumstances.

[ 5 ] Menschen, die heute noch innerlich aufrichtige und ehrliche Christen sind, die noch von gewissen Hauptsätzen des Christentums durchdrungen sind, mögen den christlich-gnostischen Weg wählen, der nicht sehr verschieden von dem kabbalistischen Weg ist. Für die Europäer ist aber im allgemeinen der rosenkreuzerische Weg der einzig richtige Pfad. Heute soll dieser europäische Rosenkreuzerweg besprochen werden, und zwar die verschiedenen Verrichtungen, die dieser Weg den Menschen vorschreibt, und auch das, was dem Menschen als Frucht winkt, wenn er diesen Erkenntnispfad geht. Niemand soll glauben, daß dies nur ein Weg für wissenschaftlich gebildete Menschen oder gar für Gelehrte sei. Der einfachste Mensch kann ihn beschreiten. Wenn man aber diesen Weg geht, wird man sehr bald in der Lage sein, jedem Einwand der europäischen Wissenschaft gegen den Okkultismus zu begegnen. Das war eine der Hauptaufgaben der rosenkreuzerischen Meister: diejenigen, die den Erkenntnispfad gehen, so auszurüsten, daß sie das okkulte Wissen verteidigen und diesen Pfad auch der Welt gegenüber durchführen können. Der einfache Mensch, der nur ein paar populäre Vorstellungen aus der modernen Wissenschaft oder auch gar nichts davon besitzt, aber einen ehrlichen Wahrheitsdrang in sich hat, wird den Rosenkreuzerweg ebenso gehen können wie der Gebildetste und Gelehrte.

[ 5 ] Those persons who today are still inwardly upright and honest Christians, those who are permeated with certain principle themes of Christianity, may choose the Christian-Gnostic path, which differs little from the Cabbalistic path. For Europeans in general, however, the Rosicrucian path is the only right path. This European Rosicrucian path will be spoken of today, and indeed the different practices this path prescribes for people and also the fruits it holds for those who follow it will be described. No one should believe that this path is only for scientifically trained men or for scholars. The simplest person can tread it. If one takes this path, however, one will quickly be in the position to encounter every objection which can be made against occultism by European science. This was one of the main tasks of the Rosicrucian Masters: to arm those who take this path so that they could travel this path and defend occult knowledge in the world. The simple man who holds only a few popular ideas about modern science, or even none at all, but who has an honest craving for truth, can tread the Rosicrucian path alongside trained men and scholars.

[ 6 ] Zwischen den drei Erkenntniswegen bestehen große Unterschiede. Der erste betrifft das Verhältnis des Schülers zu dem okkulten Lehrer, der allmählich der Guru wird oder das Verhältnis zum Guru vermittelt. Die Eigentümlichkeit des orientalischen Jogaweges bringt es mit sich, daß dieses Verhältnis das denkbar strengste ist. Der Guru ist unbedingte Autorität für den Schüler. Wenn das nicht der Fall wäre, könnte diese Schulung nicht den richtigen Erfolg haben. Eine orientalische Yogaschulung ist ohne eine strenge Unterwerfung unter die Autorität des Guru gar nicht möglich. Bei dem christlich-gnostischen und bei dem kabbaistischen Weg wird schon ein etwas loseres Verhältnis zu dem Guru auf dem physischen Plan vorausgesetzt. Der Guru führt den Schüler zu dem Christus Jesus hin, er ist der Vermittler. Und bei dem Rosenkreuzerweg wird der Guru immer mehr der Freund, dessen Autorität auf innerer Zustimmung beruht. Ein anderes Verhältnis als ein streng persönliches Vertrauensverhältnis ist hier nicht möglich. Würde auch nur ein klein wenig Mißtrauen zwischen Schüler und Lehrer entstehen, so würde das Band, das zwischen beiden bestehen muß, zerrissen werden und jene Kräfte, die zwischen Lehrer und Schüler spielen, würden nicht mehr wirken. Über die Rolle seines Lehrers wird sich der Schüler mitunter falsche Vorstellungen machen. Leicht wird es ihm vorkommen, als ob er da oder dort den Lehrer unbedingt sprechen, als ob er oft mit ihm physisch zusammen sein müßte. Zwar ist es manchmal eine dringende Notwendigkeit, daß der Lehrer an den Schüler physisch herantritt, aber das ist nicht so oft der Fall, wie der Schüler glauben mag. Die Wirkung, die der Lehrer auf den Schüler ausübt, kann dieser anfangs nicht in der richtigen Weise beurteilen. Der Lehrer hat Mittel, die sich erst allmählich dem Schüler enthüllen. Manches Wort, von dem der Schüler glaubt, es sei zufällig gesprochen, ist von großer Bedeutung. Es wirkt unbewußt in der Seele des Schülers wie eine Richtkraft fort, die ihn lenkt und leitet. Übt der Lehrer die okkulten Einflüsse richtig aus, dann ist auch das reale Band zwischen ihm und dem Schüler da. Dazu kommen dann die auf liebevoller Teilnahme beruhenden Wirkungen in die Ferne, die dem Lehrer immer zur Verfügung stehen und die sich dem Schüler erst später immer mehr enthüllen, wenn er Eingang in die höheren Welten findet. Aber unbedingt notwendig ist das absoluteste Vertrauen, sonst ist es besser, das Band zwischen Lehrer und Schüler zu lösen.

[ 6 ] Among the three paths of knowledge exist great distinctions. The first important distinction is in the relationship of the pupil to the occult teacher, who gradually becomes the guru or who mediates the relationship to the guru. A characteristic of the Oriental Yoga schools is that this relationship is the strictest imaginable. The guru is an unconditional authority for the pupil. If that were not the case, this training could not have the right outcome. An Oriental Yoga training without a strong submission to the authority of the guru is totally impossible. The Christian-Gnostic or Cabbalistic path allows a somewhat looser relationship to the guru on the physical plane. The guru leads his pupil to Christ Jesus; he is the mediator. With the Rosicrucian path, the guru becomes always more a friend whose authority rests on inner agreement. Here it is not possible to have any relationship but one of strong personal trust. Should but the slightest mistrust arise between teacher and pupil, then the essential bond which must remain between them would be ruptured, and any forces which play between teacher and pupil would no longer work. It is easy for the pupil to form false ideas about the role of his teacher. It might seem to the pupil that he needs to speak to his teacher now and then, or that his teacher must often be physically near him. Certainly it is sometimes an urgent necessity for the teacher to approach the pupil physically, but this is not so often the case as the pupil may believe. The effect that the teacher exercises on his pupil cannot be judged in the right way at the beginning of their relationship. The teacher has means which only gradually reveal themselves to the pupil. Many words which the pupil believes to have been spoken by chance are actually of great importance. They may work unconsciously in the pupil's soul, as a force of right, leading and guiding him. If the teacher exercises these occult influences correctly, then the real bond is also there between him and his pupil. In addition, there are the forces of loving participation working at a distance, forces that are always at the teacher's disposal and which later are ever more revealed to the pupil if he fords the entrance to the higher worlds. But absolute trust is an unconditional necessity; otherwise it is better to dissolve the bond between the teacher and the pupil.

[ 7 ] Nun sollen die Regeln, welche innerhalb der rosenkreuzerischen Schulung eine gewisse Rolle spielen, kurz Erwähnung finden. Die Dinge brauchen nicht genau so aufzutreten, wie sie hier aufgezählt werden. Je nach der Individualität, dem Beruf, dem Lebensalter des Schülers wird der Lehrer aus den verschiedenen Gebieten dies oder jenes herauszunehmen und es in dieser oder jener Weise anzuordnen haben. Nur eine Übersicht soll hier zur Kenntnisnahme gegeben werden.

[ 7 ] Now the various precepts which play a certain role in the Rosicrucian training should be mentioned briefly. These things need not meet him in the exact sequence in which they are enumerated here. According to the individuality, the occupation, and the age of the pupil, the teacher will have to extract this or that from the different spheres, and rearrange them. Only an overview of the information shall be given here.

[ 8 ] Was bei der Rosenkreuzerschulung in hohem Grade notwendig ist, wird gewöhnlich bei aller okkulten Schulung nicht genügend beachtet. Es ist ein klares und logisches Denken — oder wenigstens das Streben danach. Zunächst soll alles verworrene oder vorurteilsvolle Denken ausgemerzt werden. Der Mensch hat sich daran zu gewöhnen, die Zusammenhänge in der Welt nach großen, selbstlosen Gesichtspunkten zu denken. Dazu ist der beste Weg, wenn man als schlichter Mensch diesen Rosenkreuzerpfad durchmachen will, das Studium der elementaren Lehren der Geisteswissenschaft. Es ist kein berechtigter Einwand, zu sagen: Was nützt es mir, die Lehren über die höheren Welten, über die Menschenrassen und Kulturen, über Karma und Reinkarnation zu studieren, da ich das alles doch nicht selbst sehen und wahrnehmen kann. — Es ist dies kein richtiger Einwand, denn gerade das Beschäftigen mit diesen Wahrheiten reinigt das Denken und diszipliniert es so, daß der Mensch reif für die anderen Maßnahmen wird, die zum okkulten Pfad führen. Der Mensch denkt im gewöhnlichen Leben meistens sehr ungeordnet. Die Richtlinien und Abschnitte der menschlichen Entwickelung und der planetatischen Evolution, die großen Gesichtspunkte, die von den Wissenden erschlossen werden, bringen das Denken in geordnete Formen. Alles dies ist ein Teil der rosenkreuzerischen Schulung. Man nennt dies das Studium. Daher wird der Lehrer dem Schüler anheimgeben, sich in die elementaren Lehren über Reinkarnation und Karma, über die drei Welten, die Akasha-Chronik, die Evolution der Erde und die Menschenrassen hineinzudenken. Der Umfang der elementaren Geisteswissenschaft, wie sie heute verbreitet wird, ist für den schlichten Menschen die beste Vorbereitung.

[ 8 ] What is highly essential for the Rosicrucian training is not sufficiently attended to in all occult trainings. This is the cultivation of clear and logical thinking, or at least the striving for it! All confused and prejudiced thinking must first be eliminated. A man must accustom himself to viewing the relationships in the world broadly and unselfishly. The best exercise for one wishing to undergo this Rosicrucian path unpretentiously is the study of the elementary teachings of spiritual science. It is unjustified to object: What good does it do me to learn about the higher worlds, the different races and cultures, or to study reincarnation and karma when I can't see and verify it all for myself? This is not a valid objection because occupying one's thoughts with these truths purifies the thinking and disciplines it so that people become ripe for the other measures that lead to the occult path. For the most part, people think in ordinary life without bringing order into their thoughts. The guiding principles and epochs of human development and planetary evolution, the great viewpoints which have been opened by the Initiates, bring thought into ordered forms. All of this is a part of Rosicrucian training. It is called the Study. The teacher will therefore suggest that the pupil think deeply into the elementary teachings about reincarnation and karma, the three worlds, the Akashic-Chronicle, and the evolution of the earth and the human races. The range of elementary spiritual science as it is diffused in modern times is the best preparation for the simple man.

[ 9 ] Denen aber, welche schärfer in das Denken hineingehen mögen, um sich noch intensiver auf das eigentliche Grundgerüst der menschlichen Seele einzulassen, seien zum Studium solche Bücher empfohlen, die gerade dazu geschrieben worden sind, um das Denken in disziplinierte Bahnen zu bringen. Die Bücher, die zu diesem Zwecke geschrieben worden sind — wenn auch in ihnen nicht das Wort Theosophie steht -, sind meine beiden Bücher «Wahrheit und Wissenschaft» und «Die Philosophie der Freiheit». Man schreibt ja solche Bücher, damit sie einen Zweck erfüllen. Diejenigen, welche auf Grund einer energischen Schulung des logischen Denkens an das weitere Studium herankommen wollen, werden gut daran tun, ihren Geist einmal dem «seelischen und geistigen Turnen» zu unterwerfen, welches diese Bücher erfordern. Das gibt ihnen den Grund, auf welchem das Rosenkreuzerstudium aufgebaut ist.

[ 9 ] For those, however, who wish to cultivate even sharper faculties of thinking and to undertake a still more rigorous molding of the soul life, the study of books written expressly for bringing thinking into disciplined paths is recommended. Two books written for this purpose—in which there is no mention of the word “theosophy”—are my two books, Truth and Science, and The Philosophy of Freedom. One writes such a book in order to fulfill a purpose. Those who have a foundation in an intensive training in logical thinking and who wish to arrive at a wider study would do well to submit their spirits once to the “gymnastics for soul and spirit” which these books require. That gives them the foundation upon which Rosicrucian study is erected.

[ 10 ] Wenn man den physischen Plan beobachtet, nimmt man gewisse Sinneseindrücke wahr, Farben und Licht, Wärme und Kälte, Geruch und Geschmack, Druck- und Tastempfindungen und die Gehörseindrücke. Man verbindet mit alledem die Gedanken- und Verstandestätigkeit. Der Verstand, der Gedanke gehört noch zum physischen Plan. Das alles können Sie auf dem physischen Plan wahrnehmen. Anders sind die Wahrnehmungen auf dem Astralplan, sie sehen ganz anders aus. Und wieder anders sind die Wahrnehmungen auf dem Devachanplan, geschweige in den noch höheren Geistgebieten. Der Mensch, der noch nicht einen Einblick in die höheren Welten erlangt hat, kann sich jedoch eine bildliche Vorstellung davon machen. Durch Bilder eine Anschauung von diesen Welten zu geben, wird auch in der mir geläufigen Darstellungsweise versucht. Wer dann in die höheren Gebiete aufsteigt, sieht selber, wie sie auf ihn wirken. Auf jedem Plan macht der Mensch neue Erfahrungen. Aber eines gibt es, das durch alle Welten hindurch bis hinauf zum Devachan dasselbe bleibt, das sich nicht ändert: Das ist das logisch geschulte Denken. Erst auf dem Buddhiplan hat das Denken nicht mehr die gleiche Geltung wie auf dem physischen Plan. Da muß ein anderes Denken eintreten. Aber für die drei Welten unterhalb des Buddhiplanes, für den physischen, astralen und devachanischen Plan, gilt überall das gleiche Denken. Wer sich also durch das Studium in der physischen Welt ordentlich im Denken schult, wird in den höheren Welten in diesem Denken einen guten Führer haben und nicht so leicht straucheln wie der, welcher mit verworrenem Denken in die Geistgebiete aufsteigen will. Daher lehrt die Rosenkreuzerschulung die Menschen, sich in den höheren Welten frei zu bewegen, indem sie dieselben dazu anhält, ihr Denken zu disziplinieren. Wer in diese Welten hinaufgelangt, lernt zwar Wahrnehmungsweisen kennen, die es auf dem physischen Plan nicht gibt, aber er wird sie mit seinem Denken beherrschen können.

[ 10 ] When one observes the physical plane, one perceives certain sense impressions: colors and light, warmth and cold, smells and tastes, and impressions from the senses of hearing and touch. One connects all of these with one's activity of thought and intellect. Intellect and thought belong still to the physical plane. You can perceive all of that on the physical plane. Perceptions on the astral plane are completely different in appearance. Perceptions are again entirely different on the Devachanic plane, not to mention in even higher spirit regions. The person who has not yet acquired a glimpse into the higher worlds can still try to picture them to himself. I am also seeking to give a view of these worlds through pictures in my current manner of representation. He who ascends to the higher regions sees for himself how they work on him. On every plane a man has new experiences. But there is one which remains the same through all worlds up to Devachan itself, one which never changes: that is logical, trained thinking. Once on the Buddhi-plane, this thinking no longer has the same value as on the physical plane. There, another form of thinking must enter. But for the three worlds below the Buddhi-plane, for the physical, astral, and Devachanic planes, the same form of thinking is valid. One who therefore schools himself in orderly thinking through this study in the physical plane will find in this thinking a good guide in the higher worlds. He will not falter as easily as one who seeks to enter the spirit realms with confused thinking. Therefore, the Rosicrucian training advises a person to discipline his thinking in order to move freely in the higher worlds. He who reaches up into these worlds learns new methods of perception, which were not there on the physical plane, but he can master these with his thinking.

[ 11 ] Das zweite, das der Schüler auf dem rosenkreuzerischen Erkenntnispfade lernt, ist die Imagination. Sie wird dadurch vorbereitet, daß der Schüler selbst allmählich lernt, in solche bildlichen Vorstellungen einzudringen, die im Sinne des Goetheschen Wortes « Alles Vergängliche ist nur ein Gleichnis» die höheren Welten darstellen. So wie der Mensch gewöhnlich durch die physische Welt geht, nimmt er die Dinge auf, wie sie sich seinen Sinnen darstellen, aber nicht das, was dahinter ist. Er wird wie mit einem Bleigewicht in die physische Welt hinabgezogen. Der Mensch wird von dieser physischen Welt erst frei, wenn er lernt, die Dinge um sich herum als Sinnbilder zu nehmen. Deshalb muß er ein moralisches Verhältnis zu ihnen zu gewinnen suchen. Der Lehrer wird ihm auch dafür manche Anleitungen geben, um äußere Erscheinungen als Symbole für Geistiges zu betrachten, aber der Schüler kann auch selbst viel dazu tun. Zum Beispiel kann er eine Herbstzeitlose und ein Veilchen betrachten. Wenn ich in der Herbstzeitlose das Symbol für ein melancholisches Gemüt sehe, habe ich sie nicht nur so aufgefaßt, wie sie mir äußerlich entgegentritt, sondern als Sinnbild für eine Eigenschaft. Im Veilchen mag man dagegen das Sinnbild für ein stilles, frommes Gemüt erblicken. So gehen Sie von Gegenstand zu Gegenstand, von Pflanze zu Pflanze, von Tier zu Tier und betrachten sie als Sinnbilder für Geistiges. Dadurch machen Sie Ihr Vorstellungsvermögen flüssig und lösen es von den scharfen Konturen des sinnlichen Wahrnehmens los. Man kommt etwa dazu, in jeder 'Tiergattung das Sinnbild für eine Eigenschaft zu erblicken. Man nimmt das eine Tier als Symbol der Stärke, ein anderes als Symbol der Schlauheit. Nicht flüchtig, sondern ernst und auf Schritt und Tritt müssen wir solche Dinge zu verfolgen suchen.

[ 11 ] The second thing which the pupil must learn on the Rosicrucian path of knowledge is Imagination. The pupil prepares for this in that he gradually learns to immerse himself in pictorial concepts which represent the higher worlds in the sense of Goethe's words, “All that is transitory is but a likeness.” As man ordinarily goes through the physical world, he takes things up as they appear to his senses, but not that which lies behind. He is pulled down in the physical world as if by a dead weight. Man only becomes independent of this physical world when he learns to consider the objects around him as symbols. He must, for this reason, seek to acquire a moral relationship to them. The teacher can give him much guidance in learning to regard outward appearances as symbols of the spirit, but the pupil can also do a great deal for himself. He can, for example, look closely at a meadow saffron and a violet. If I see the meadow saffron as a symbol for a melancholy disposition, then I have regarded it not only as it outwardly comes to meet me, but also as a symbol of a certain quality. In the violet, one can behold a symbol for a calm, innocent disposition. So you can go from object to object, from plant to plant, from animal to animal and regard them as symbols for the spiritual. In this way, you make your imaginative capacities fluid and release them from the sharp contours of sense perception. One comes then to behold the symbol for a characteristic quality in every species of animal. One perceives one animal as a symbol for strength, another as a symbol for slyness. We must try to pursue such things, not fleetingly, but earnestly and step by step.

[ 12 ] Im Grunde spricht die ganze menschliche Sprache in Symbolen. Die Sprache ist nichts anderes als ein Sprechen in Symbolen. Jedes Wort ist ein Symbolum. Auch die Wissenschaft, die den Glauben hat, einen jeden Gegenstand nur objektiv zu bezeichnen, muß sich der Sprache bedienen, und ihre Worte wirken sinnbildlich. Wenn Sie von Lungenflügeln sprechen, so wissen Sie, daß das keine Flügel sind, aber Sie pflegen sie doch so zu bezeichnen. Für den, der auf dem physischen Plan bleiben will, wird es gut sein, sich nicht zu stark in dieser Symbolik zu verlieren, aber der fortgeschrittene Schüler wird sich auch nicht darin verlieren. Wenn man nachforscht, empfindet man, welche Tiefe ursprünglich in der menschlichen Sprache liegt. Solche tiefe Naturen wie Paracelsus und Jakob Böhme verdanken ihre Entwickelung mit dem Umstande, daß sie sich nicht scheuten, im Gespräch mit Bauern und Landstreichern die imaginative Bedeutung der Sprache zu studieren. Da wirkten die Worte Natur, Geist, Seele noch ganz anders. Sie wirkten stärker. Wenn draußen auf dem Lande die Bauersfrau der Gans eine Feder ausrupfte, nannte sie das Innere die Seele der Feder. Solche Symbole in der Sprache muß der Schüler selbst finden. Dadurch löst er sich von der physischen Welt los und lernt es, sich zur Imagination zu erheben. Es hat eine starke Wirkung, wenn so die Welt dem Menschen zum Gleichnis wird. Wenn der Schüler das lange genug übt, wird er entsprechende Wirkungen bemerken. Beim Anschauen einer Blume wird sich zum Beispiel nach und nach etwas von der Blume loslösen. Die Farbe, die zuerst nur an der Oberfläche der Blume haftete, steigt wie eine kleine Flamme auf und schwebt frei im Raume. So gestaltet sich die imaginative Erkenntnis heraus. Es ist dann bei allen Dingen so, als ob sich ihre Oberfläche loslöste. Der ganze Raum erfüllt sich mit der Farbe, die flammenartig im Raume verschwebt. Auf diese Weise scheint sich die ganze Lichtwelt aus der physischen Wirklichkeit herauszuziehen. Wenn sich ein solches Farbenbild herauszieht und frei im Raume schwebt, fängt es bald an, an etwas zu haften. Es drängt zu etwas hin, es bleibt nicht beliebig irgendwo stehen; es faßt eine Wesenheit ein, die nun selbst als geistige Wesenheit in der Farbe erscheint. Was der Schüler aus den Dingen der physischen Welt als Farbe herausgezogen hat, umkleidet die geistigen Wesenheiten des astralen Raumes.

[ 12 ] Fundamentally, all of human language is spoken in symbols. Language is nothing but a speaking in symbols. Every word is a symbol. Even science, which claims to view every object objectively, must make use of language, in that its words work symbolically. If you speak of the wings of the lungs, you know that there are actually no wings, yet you nevertheless cherish this designation. He who wishes to remain on the physical plane would do well not to lose himself too strongly in these symbols, but the advanced occult pupil will not lose himself in them. If one investigates, one will perceive the primordial depths in which human language is founded. Such deep natures as Paracelsus and Jacob Boehme owed much of their development to the opportunities they had—which they did not shun—for studying the imaginative significance of language through conversations with vagrants and farmers. There the words “nature,” “soul,” and “spirit” worked completely differently. There they worked more strongly. When out in the country, the farmer's wife plucks a goose's feathers, she actually calls the interior of the feather “the soul.” The pupil must find for himself such symbols in language. In this way he loosens himself from the physical world and learns to raise himself to the realm of Imagination. If the world is thus viewed as a likeness of man, it has a strong effect. If the pupil practices this for a long time, he will notice corresponding effects. In observing a flower, for example, something gradually loosens from the flower. The color, which once clung to the surface of the blossom, ascends like a small flame, and hovers freely in space. Imaginative cognition forms itself out of these things. Then it is as if the surfaces of all objects loosen. The whole space fills with colors, the flames hovering in space. In this way, the whole world of light seems to detach itself from physical reality. When such a color picture detaches itself and hovers freely in space, it soon begins to adhere to something. It presses towards something. It does not just stand still arbitrarily; it encloses a being, which now itself appears in the color as spiritual being. The color which the pupil has detached from the objects of the physical world clothes the spiritual beings of astral space.

[ 13 ] Hier ist der Punkt, wo der Rat des okkulten Lehrers eingreifen muß, weil der Schüler sonst leicht den Boden verlieren kann. Dies könnte aus zwei Gründen geschehen. Der eine ist der folgende: Durch eine bestimmte Erfahrung muß jeder Schüler hindurchgehen. Die Vorstellungen, die sich aus den physischen Dingen herausschälen —es sind nicht nur Farben, sondern auch Geruchs- und Gehörvotrstellungen -, zeigen sich in merkwürdigen häßlichen, vielleicht auch schönen Gestalten, Tiergesichtern, Formen von Pflanzen, auch häßlichen Menschenantlitzen. Dieses erste Erlebnis stellt ein Spiegelbild der eigenen Seele dar. Die eigenen Leidenschaften und Triebe, das noch in der Seele ruhende Böse tritt vor den vorgeschrittenen Schüler wie in einem Spiegel im Astralraum auf. Da braucht er den Rat des okkulten Lehrers, der ihm sagt, daß das nichts Objektives ist, sondern ein Spiegelbild seiner eigenen inneren Wesenheit.

[ 13 ] Here is the point where the occult teacher's counsel must intervene, as the pupil could very easily lose his bearings. This could happen for two reasons. The first is that each pupil must go through a definite experience. The images which are peeled off from the physical objects—they are not only colors, but also aural and olfactory sensations—may present themselves as strange, hideous, or perhaps beautiful shapes, as animal heads, plant forms, or even hideous human faces. This first experience represents a mirror-image of the pupil's own soul. The particular passions and desires, the evils that still lie within the soul, appear before the advancing pupil as in a mirror in astral space. Here he requires counsel of the occult teacher, who can tell him that it is not an objective reality that he has seen, but a mirror-image of his own inner being.

[ 14 ] Daß er auf diesen Rat des Lehrers angewiesen ist, werden Sie begreifen, wenn noch etwas über die Art, wie solche Bilder auftreten, gesagt wird. Oft ist betont worden, daß im Astralraum alles umgekehrt ist, daß alles in Spiegelbildern auftritt. Der Schüler kann daher leicht durch Gaukelbilder irregeführt werden, namentlich wenn es sich um Spiegelungen seines eigenen Wesens handelt. Das Spiegelbild einer Leidenschaft tritt nicht nur so auf, daß es wie ein Tier ausschaut, das auf ihn zukommt — das wäre noch das geringste -, sondern man muß hier noch mit anderem rechnen. Nehmen wir an, in dem Menschen wäre eine verborgene recht böse Leidenschaft. Als Spiegelung erscheint ein solcher Trieb oder eine Begierde sehr häufig in verlockender Gestalt, während sich gerade gute Eigenschaften manchmal gar nicht verlockend ausnehmen. Wieder liegt hier etwas vor, was die Sage wunderbar dargestellt hat. Sie finden ein Bild dafür in der Herkulesmythe. Als Herkules seinen Weg antritt, stehen die bösen und die guten Eigenschaften vor ihm. Das Laster kleidet sich in die verführerische Gestalt der Schönheit, die Tugend aber in das Gewand der Anspruchslosigkeit.

[ 14 ] You will understand just how dependent the pupil is on his teacher's advice when you hear more about the manner in which these pictures appear. It is often emphasized that everything is reversed in astral space, that everything appears as a mirror-image. The pupil can, for this reason, easily be misled through illusions, especially with respect to a mirroring of his own being. The mirror-image of a passion does not only appear as an approaching animal—that would still be quite manageable—but it is something quite different with which one must reckon. Let us suppose that a man has a hidden evil passion. The reflection of such a desire or lust often appears in an alluring form, whereas a good characteristic may not appear at all alluring. Here again we are discussing something which has been wonderfully portrayed in an ancient saga. You find a picture of this in the legend of Hercules. As Hercules goes on his way, good and evil characteristics stand before him. Vices are clothed in the enticing form of beauty, but virtues are in modest garb.

[ 15 ] Es kommt nun noch etwas anderes hinzu. Selbst wenn der Schüler bereits in der Lage ist, die Dinge objektiv zu sehen, so ist noch immer die andere Möglichkeit vorhanden, daß sich seine innere Willkür wie eine Kraft äußert, welche die Erscheinungen lenkt und leitet. Er muß es dahin bringen, daß er dies durchschaut und versteht, denn der Wunsch hat einen starken Einfluß auf dem astralen Plan. Alles, was als dirigierende Kraft hier in der physischen Welt wirkt, ist nicht vorhanden, wenn man in die imaginative Welt kommt. Wenn Sie sich auf dem physischen Plan einbilden, Sie hätten etwas getan, was Sie in Wahrheit nicht getan haben, dann werden Sie sich bald davon überzeugen, daß es sich nicht so verhält, indem Ihnen die Tatsachen auf dem physischen Plan entgegentreten. So ist es aber nicht im Astralraum. Da gaukeln Ihnen die eigenen Wünsche Bilder vor, da müssen Sie von einem Wissenden Anleitung haben, wie diese imaginativen Bilder zusammenzusetzen sind, um ihre wahre Bedeutung zu erkennen.

[ 15 ] Still other hindrances can stand in the pupil's way. Even when he is already in a position to see things objectively, there is still the other possibility of his inner will directing and influencing these phenomena as an outer force. He must bring himself to the point where he can see through this and understand the strong influence that the wish has on the astral plane. All things which have a directing force here in the physical world cease to exist when one arrives in the imaginative world. If on the physical plane you imagine yourself to have done something you actually have not done, you will soon be persuaded by the facts of the physical world that this is not so. This is not the case in astral space. There, pictures of your own wishes deceive you, and you must have knowing guidance which will piece together how these imaginative pictures work in order to perceive their true significance.

[ 16 ] Das dritte in der Rosenkreuzerschulung ist das Lernen der okkulten Schrift. Was ist diese okkulte Schrift? Es gibt gewisse Bilder, Symbole, die durch einfache Linien hergestellt oder durch Farben aneinander gefügt werden. Solche Symbole stellen eine ganz bestimmte okkulte Zeichensprache dar. Um ein Beispiel zu erwähnen, sei das Folgende gesagt. Es gibt in der höheren Welt einen Vorgang, der sich auch in die physische Welt hinein auswirkt: das Drehen des Wirbels. Sie können das Drehen des Wirbels beobachten, wenn Sie einen Sternnebel, beispielsweise den Orionnebel, ansehen. Da sehen Sie eine Spirale. Nur ist das auf dem physischen Plan. Aber Sie können das auch auf allen Planen betrachten. Es stellt sich so dar, daß sich ein Wirbel in einen anderen hineinschwingt. Das (a) ist eine Figur, die auf dem Astralplan bei allen möglichen Bildungen vorkommt. Wenn Sie diese Figur verstehen, begreifen Sie durch sie auch, wie eine Menschenrasse sich in eine andere verwandelt. Beim Entstehen der ersten Unterrasse unserer gegenwärtigen Hauptrasse stand die Sonne gerade im Zeichen des Krebses. Damals schlang sich also eine Rasse in die andere hinein; deshalb hat man für den Krebs das okkulte Zeichen (b). So sind die Tierkreiszeichen alle okkulte Zeichen. Man muß nur ihre Bedeutung kennenlernen und verstehen.

[ 16 ] The third task in the Rosicrucian training is to learn the occult script. What is this occult script? There are certain pictures, symbols, which are formed by simple lines or the joining of colors. Such symbols constitute a definite occult sign-language. Let us take the following as an example. There is a certain process in the higher worlds which also operates in the physical world: the whirling of a vortex. You can observe this whirling of a vortex when you look at a star cluster, as in the constellation of Orion, for example. There you see a spiral, only it is on the physical plane. But you can view this also on all planes. It can present itself in the form of one vortex entwining itself into another. This is a figure to be found on the astral plane in all possible forms. When you understand this figure, you can grasp through it how one race transforms itself into another. At the time of formation of the first sub-race of our present main race, the sun stood directly in the sign of Cancer. At that time, one race entwined itself in the other; for this reason, one has this occult sign for Cancer. All of the signs of the Zodiac are occult signs. One must only come to know and understand their meaning.

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[ 17 ] Ein solches Zeichen ist auch das Pentagramm (c). Der Schüler lernt, mit diesem Zeichen besondere Empfindungen und Gefühle zu verbinden. Sie sind das Gegenbild von astralen Vorgängen. Diese Zeichensprache, die als okkulte Schrift gelernt wird, ist nichts anderes als die Wiedergabe der Gesetze höherer Welten. So ist das Pentagramm ein Zeichen, das Verschiedenes ausdrückt. Wie der Buchstabe B bei den verschiedensten Worten verwendet wird, so können auch die Zeichen der okkulten Schrift mannigfache Bedeutungen haben. Das Pentagramm, das Hexagramm, der Winkel und andere Figuren lassen sich zu einer okkulten Schrift zusammensetzen, und diese ist wieder ein Wegweiser in den höheren Welten. Das Pentagramm ist das Zeichen für den fünfgliedrigen Menschen, ferner das Zeichen der Verschwiegenheit, aber auch das Zeichen, das der Gattungsseele der Rose zugrunde liegt. Wenn Sie die Blütenblätter der Rose im Bilde verbinden, bekommen Sie das Pentagramm heraus. Wie das B in den Worten Band und Beben jeweils etwas anderes besagt, so bedeuten also auch die Zeichen in der okkulten Schrift Unterschiedliches. Man lernt sie in der richtigen Weise anordnen. Das sind die Wegweiser auf den astralen Plan. Geradeso wie sich ein Analphabet zu einem Leser auf dem physischen Plan verhält, verhält sich jemand, der nur die Bilder als solche sieht, zu einem solchen, der die okkulte Schrift gelernt hat. Auf dem physischen Plan sind die Schriftzeichen vielfach willkürlich, ursprünglich waren sie aber Abbilder der astralen Zeichensprache. Nehmen Sie ein uraltes astrales Symbol, den Hermesstab mit der Schlange. Das ist in unserer Schrift zum Zeichen E geworden.

[ 17 ] The pentagram is also such a sign. The pupil learns to connect certain sensations and feelings with it. These are the counterpart of astral processes. This sign-language, which is learned as occult script, is nothing other than a reproduction of the laws of the higher worlds. The pentagram is a sign which expresses various meanings. As the letter B is used in many different words, so can a symbol in the occult script have diverse meanings. The pentagram, hexagram, angle, and other figures can be combined into an occult script which acts as a signpost in the higher worlds. The pentagram is the sign for the fivefold organization of man, for secrecy, and also for that which underlies the species-soul of the rose. When you connect the petals of the rose's image, you get a pentagram. Just as the letter B signifies something different in the words build and bond, so do the signs in the occult script also signify various things. One must learn to order them in the right way. They are the signposts on the astral plane. One who has learned to read the occult script bears the same relationship to one who only sees these symbols as a literate man does to an illiterate one in the physical world. Our symbols for writing on the physical plane are for the most part arbitrary. Originally, however, they were likenesses of the astral sign-language. Take an ancient astral symbol, Mercury's staff with the snake. That has become the letter E in our system of writing.

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[ 18 ] Oder nehmen Sie das Zeichen W, welches die Wellenbewegung des Wassers bezeichnet. Es ist das Seelenzeichen des Menschen, zugleich das Zeichen für das Wort. Das M ist nichts anderes als die nachgebildete Oberlippe. Im Laufe der Entwickelung ist das alles mehr willkürlich geworden. Auf den okkulten Planen herrscht dagegen Notwendigkeit. Da kann man diese Dinge leben.

[ 18 ] Or take the letter W which depicts the wave-movements of water. It is the soul-sign of man and at the same time a sign for the Word. The letter M is nothing other than an imitation of the upper lip. In the course of evolution, it has all become more and more arbitrary. On the occult plane, by contrast, necessity prevails. There one can live these things.

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[ 19 ] Das vierte ist der sogenannte Lebensrhythmus. Einen solchen Rhythmus kennen die Menschen im profanen Leben sehr wenig. Sie leben egoistisch darauf los. Höchstens für die Kinder in der Schule bedeutet der Stundenplan noch einen gewissen Lebensrhythmus, denn da wiederholt sich der Ablauf der täglichen Schulstunden von Woche zu Woche. Aber wer tut das im gewöhnlichen Leben? Dennoch steigt man zu einer höheren Entwickelung nur dadurch auf, daß man Rhythmus, Wiederholung in sein Leben hineinbringt. In der ganzen Natur herrscht Rhythmus. Im Gang der Planeten um die Sonne, im jährlichen Erscheinen und Verblühen der Pflanzen, bis ins Tierreich, bis ins sexuelle Leben der Tiere hinein ist alles rhythmisch geregelt. Erst dem Menschen ist es gestattet, damit er frei handeln kann, auch ohne Rhythmus zu leben. Aber er muß aus freien Stücken wieder Rhythmus in das Chaos hineinbringen. Ein guter Rhythmus besteht darin, täglich zu bestimmten Zeiten okkulte Verrichtungen vorzunehmen. Deshalb muß der Schüler seine Meditations- und Konzentrationsübungen zur selben Stunde vollziehen, so wie die Sonne zur selben Zeit im Frühling ihre Kräfte zur Erde hinuntersendet. Das ist ein solches Rhythmisieren des Lebens. Ein anderes ist das, was nach Anweisung des okkulten Lehrers als Rhythmisierung des Atmungsprozesses auftritt. Das Einatmen, Atemhalten und Ausatmen muß für eine kurze Zeit des Tages in einen Rhythmus gebracht werden, der von den Erfahrungen der okkulten Lehrer bestimmt ist. So wird durch den Menschen ein neuer Rhythmus an die Stelle des alten gesetzt. Eine solche Rhythmisierung des Lebens gehört zu den Vorbedingungen für ein Aufsteigen zu den höheren Welten. Aber niemand kann das ohne die Anleitung eines Lehrers tun. Es sollte hier nur zur Kenntnis gebracht werden, worum es sich grundsätzlich handelt.

[ 19 ] The fourth step is the so-called “Rhythm of Life.” People know such a life-rhythm only very slightly in everyday life. They live carelessly and egotistically. At most, for the children in school, the lesson plan still bears a certain life-rhythm in that the sequence of daily lessons is repeated from week to week. But who does that in normal life? Nonetheless, one can ascend to a higher development only by bringing rhythm and repetition into one's life. Rhythm holds sway in all nature. In the revolutions of the planets around the sun, in the yearly appearance and withering of the plants, in the animal kingdom, and in the sexual life of the animals, everything is ruled rhythmically. Only man is permitted to live without rhythm in order that he can become free. However, he must of his own accord bring rhythm again into the chaos. A good rhythm is established by undertaking occult exercises every day at a definite time. The pupil must carry out his meditations and concentration exercises daily, at the same hour, just as the sun sends its forces down to earth at the same time each spring. This is a way of bringing rhythm into life. Another is one in which the occult teacher brings the proper rhythm into the pupil's breathing. Inhaling, holding the breath, and exhaling must be brought into the rhythm for a short period daily, as determined by the experience of the teacher. Thus through man a new rhythm is put in place of the old one. Making life rhythmic in such a way is a prerequisite for ascent into the higher worlds. But no one can do this without the guidance of a teacher. It should be brought to awareness here only as a principle.

[ 20 ] Das fünfte ist dasjenige, was man das Lernen der Entsprechung zwischen dem Mikrokosmos und Makrokosmos nennt. Es besteht darin, daß der Lehrer dem Schüler Anleitung gibt, seine Gedanken auf bestimmte Körperteile zu konzentrieren. Diejenigen, welche den Vortrag über die Beziehung der Sinne zu den höheren Welten gehört haben, werden sich erinnern, daß die ganze Welt an dem Zustandekommen des physischen Leibes beteiligt ist. Das Auge ist vom Licht geschaffen, von den Geistern, die im Lichte wirken. Jeder Punkt des physischen Leibes steht im Zusammenhang mit einer bestimmten Kraft im Kosmos. Betrachten wir den Punkt an der Nasenwurzel. Es gab eine Zeit, da der ätherische Kopf über den physischen Leib weit herausragte. Noch bei den Atlantiern war an der Stirn ein Punkt, wo der ätherische Kopf über den physischen herausstand, wie es noch jetzt beim Pferde und anderen "Tieren der Fall ist. Beim Pferde ragt auch heute der Ätherkopf weit heraus. Beim heutigen Menschen ist der genannte Punkt im Ätherkopf und im physischen Kopf zur Deckung gebracht, und das gibt ihm die Fähigkeit, solche Teile des physischen Gehirns zu entwickeln, welche es ihm ermöglichen, zu sich Ich zu sagen. Das Organ, welches den Menschen dazu befähigt, zu sich Ich zu sagen, hängt mit einem ganz bestimmten Vorgang während der atlantischen Erdenentwickelung zusammen. Nun weist der okkulte Lehrer seinen Schüler an: Lenke deine Gedanken und konzentriere sie auf diesen Punkt! Dann gibt er ihm ein Mantram. Dadurch wird in diesem Teile des Kopfes eine Kraft geweckt, die einem bestimmten Vorgang im Makrokosmos entspricht. Auf solche Weise wird eine Korrespondenz zwischen dem Mikrokosmos und dem Makrokosmos hervorgerufen. Durch eine entsprechende Konzentration auf das Auge wird auch die Erkenntnis der Sonne erlangt. Man findet so die ganze Organisation des Makrokosmos geistig in seinen eigenen Organen.

[ 20 ] The fifth step is that in which one learns the correspondence between microcosm and macrocosm. This consists of the teacher instructing the pupil on how to concentrate his thoughts on certain parts of the body. Those of you who heard the lecture about the relationship of the senses to the higher worlds will recall that the whole cosmos took part in the formation of the human physical body. The eye was created by light, by the spirits who work in light. Every point of the physical body stands in connection with a particular force in the cosmos. Let us examine the point at the root of the nose. There was a time when the etheric head protruded way beyond the physical body. Even in Atlantean times, the forehead was a point where the etheric head stood far out beyond the physical head, as is still the case today with the horses and other animals. With horses the etheric head today still protrudes beyond the physical. In modern man this point in the etheric head has been brought under protection of the physical head and this gives him the capacity to develop those parts of the physical brain which enable him to call himself “I.” This organ, which enables man to call himself “I,” is connected with a definite process which took place during the Atlantean development of the earth. The occult teacher now instructs his pupil thus: direct your thoughts and concentrate them on this point! Then he gives him a mantra. In this way, a certain force in this part of the head is aroused which corresponds to a certain process in the macrocosm. In such a way a correspondence between microcosm and macrocosm is evoked. Through a similar concentration on the eye, the pupil acquires knowledge of the sun. One finds the entire spiritual organization of the macrocosm spiritually within one's own organs.

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[ 21 ] Wenn der Schüler das genügend lange geübt hat, darf er dazu übergehen, sich in die Dinge, die er so aufgefunden hat, hineinzuversenken. Zum Beispiel kann er in der Akasha-Chronik jenen Zeitpunkt in der atlantischen Epoche aufsuchen, in welchem an der Nasenwurzel der Punkt zustande gekommen ist, auf den er sich konzentriert hat. Oder er findet die Sonne, indem er sich auf das Auge konzenttiert. Diese sechste Stufe, das Versenken in den Makrokosmos, nennt man die Kontemplation. Das gibt dem Schüler die Welterkenntnis, und dadurch erweitert er seine Selbsterkenntnis über die Persönlichkeit hinaus. Das ist etwas anderes als jenes beliebte Schwatzen von Selbsterkenntnis. Man findet das Selbst nicht, wenn man in sich hineinschaut, sondern wenn man aus sich hinausschaut. Es ist dies das gleiche Selbst, welches das Auge geschaffen hat, das die Sonne hervorgebracht hat. Wenn Sie den Teil des Selbst, welcher dem Auge entspricht, suchen wollen, so haben Sie ihn in der Sonne zu suchen. Was draußen außer Ihnen ist, müssen Sie als Ihr Selbst wahrnehmen lernen. Das Hineinschauen nur in sich führt zur Verhärtung in sich selbst, zu einem höheren Egoismus. Wenn die Menschen sagen: Ich brauche nur mein Selbst sprechen zu lassen -, so haben sie keine Ahnung von der Gefahr, die darin liegt. Selbsterkenntnis darf nur geübt werden, wenn der Schüler des weißen Pfades sie mit Selbstentäußerung verbindet. Wenn er zu jedem Dinge sagen lernt: Das bin ich — dann ist er reif zur Selbsterkenntnis, wie es Goethe in den Worten Fausts ausspricht:

[ 21 ] When the pupil has practiced this long enough, he may go on to immerse himself in the things he has thus discovered. He may, for instance, seek out in the AkashicChronicle that point during the Atlantean epoch in which the root of the nose reached the condition upon which he had concentrated. Or he finds the sun in concentrating on the eye. This sixth step, this immersion in the macrocosm, is called Contemplation. This gives the pupil cosmic knowledge, and through it he expands his self-knowledge beyond the personality. This is something different from the beloved chatter about self-knowledge. One finds the self not when one looks within, but rather when looking without. This is the same self which produced the eye brought forth by the sun. When you wish to seek that part of the self which corresponds to the eye, then you must seek it in the sun. You must learn to perceive as your self that which lies outside of you. Looking only within oneself leads to a hardening in oneself, to a higher egotism. When people say, “I need only let my self speak,” they have no idea of the danger that lies therein. Self-knowledge may only be practiced when the pupil of the white path has bound himself to self-renunciation. When he has learned to say to each thing, “That am I,” then he is ripe for self-knowledge, as Goethe expresses in the words of Faust:

«Du führst die Reihe der Lebendigen
Vor mir vorbei und lehrst mich meine Brüder
Im stillen Busch, in Luft und Wasser kennen.»

Thou leadest past mine eyes the long array
Of living things, mak'st known to me my brethren
Within the silent copse, the air, the water.

[ 22 ] Überall sind draußen die Teile unseres Selbst. Das ist zum Beispiel auch in der Dionysos-Mythe dargestellt. Daher legt die Rosenkteuzerschulung auch so viel Wert auf eine objektive und ruhige Betrachtung der äußeren Welt: Willst du dich selbst erkennen, dann schau dich im Spiegel der äußeren Welt und Wesen an! Viel deutlicher wird dir aus dem Auge des Mitmenschen sprechen, was in deiner Seele ist, als wenn du dich in dir selbst verhärtest und in die eigene Seele versenkst! — Das ist eine wichtige und wesentliche Wahrheit, die keiner, der den weißen Pfad beschreiten will, außer acht lassen darf. Es gibt in der Gegenwart viele Menschen, die ihren gewöhnlichen Egoismus in einen raffinierten Egoismus verwandelt haben. Sie nennen es theosophische Entwickelung, wenn sie ihr gewöhnliches, alltägliches Selbst so hoch wie möglich steigern. Sie möchten das Persönliche ja recht hervorholen. Die wirkliche okkulte Erkenntnis zeigt dem Menschen dagegen, wie sich sein Inneres aufschließt, wenn er sein höheres Selbst in der Welt erkennen lernt.

[ 22 ] All around us are parts of our self. This is represented, for example, in the myth of Dionysos. It is for this reason that the Rosicrucian training places such a great value upon an objective and quiet contemplation of the external world: If you wish to know yourself, behold yourself in the mirror of the outer world and its beings! What is in your soul shall speak to you far more clearly from the eyes of companions than if you harden yourself and sink into your own soul. That is an important and essential truth which no one who wishes to walk on the white path may ignore. There are many people today who have transformed their ordinary egotism into a more refined egotism. They call it theosophical development, when they have allowed their ordinary, everyday selves to rise as high as possible. They wish to bring out the personal element. The true occult knowledge, by contrast, shows man how his inner nature is elucidated when he learns to perceive his higher self in the world.

[ 23 ] Wenn der Mensch in der Kontemplation diese Gesinnung herangebildet hat, wenn sein Selbst über alle Dinge ausfließt, wenn er die Blume, die ihm entgegenwächst, so fühlt wie den Finger, den er sich selbst entgegenbewegt, wenn er weiß, daß die ganze Erde und die ganze Welt sein Leib ist, dann lernt er sein höheres Selbst erkennen. Dann spricht er zur Blume wie zu einem Glied seines eigenen Körpers: Du gehörst zu mir, du bist ein Teil meines Selbst. - Allmählich empfindet er das, was man den siebenten Grad der Rosenkreuzerschulung nennt: die Gottseligkeit. Sie stellt sich als das notwendige Gefühlselement ein, das den Menschen in die höheren Welten hinaufgeleitet, wo er über die höheren Welten nicht bloß denken darf, sondern in diesen Welten fühlen lernt. Dann zeigen sich ihm die Früchte, wenn er so bestrebt ist, unter der fortdauernden Anleitung seines Lehrers zu lernen, und er braucht nicht zu fürchten, daß sein okkulter Weg in einen Abgrund führen könnte. Alle Dinge, die als Gefahren der okkulten Entwickelung geschildert werden, kommen nicht in Frage, wenn diese in die richtigen Wege gelenkt wird. Geschieht das, so wird der okkulte Pfadsucher ein wirklicher Helfer der Menschheit.

[ 23 ] When a man has developed himself through the contemplation of these convictions, when his self flows out over all things, when he feels the blossom that grows before him as he feels his finger moving, when he knows that the whole earth and the whole world is his body, then he learns to know his higher self. Then he speaks to the flower as to a member of his own body: You belong to me, you are a part of myself. Gradually he experiences what is called the seventh step of the Rosicrucian path: Godliness. This represents the element of feeling which is necessary to lead man up into the higher worlds, where he may not merely think about the higher worlds, but learn to feel in them. Then the fruits of his striving to learn, under the constant guidance of his teacher, will be shown to him, and he need not fear that his occult path might lead him into an abyss. All things which have been described as dangers of occult development do not come into question if one has been guided in the right way. When this has happened, the occult seeker becomes a true helper of humanity.

[ 24 ] Während der Imagination stellt sich die Möglichkeit ein, daß der Mensch einen gewissen Teil der Nacht in bewußtem Zustande durchmacht. Sein physischer Leib schläft wie sonst, aber ein Teil seines Schlafzustandes wird von sinnvollen, inhaltsvollen Träumen belebt. Diese sind die erste Ankündigung seines Eintrittes in die höheren Welten. Allmählich führt er seine Erlebnisse in das gewöhnliche Bewußtsein hinüber. Er sieht dann in seiner ganzen Umwelt, auch hier im Saal zwischen den Stühlen oder draußen in Wald und Flur, die astralen Wesenheiten.

[ 24 ] During Imagination, the possibility arises for the individual to go through a certain portion of the night in a conscious condition. His physical body sleeps as usual, but a part of his sleep-condition becomes animated by significant dreams. These are the first heralds of his entrance into the higher worlds. Gradually, he leads his experiences over into his ordinary consciousness. He then sees astral beings in his entire environment, even here in the room between the chairs, or out in the woods and meadows.

[ 25 ] Drei Stufen erreicht der Mensch während der imaginativen Erkenntnis. Auf der ersten Stufe erkennt er die Wesenheiten, die hinter den physischen Sinneseindrücken stehen. Hinter der roten oder blauen Farbe steht eine Wesenheit, hinter jeder Rose; hinter jedem Tier steht die Gattungs- oder Gruppenseele. Er wird taghellsehend. Wenn er nun noch eine Weile wartet und seine Imagination ruhig übt, sich auch in die okkulte Schrift vertieft, so wird er auch taghellhörend. Das dritte ist dann, daß er alle die Dinge kennenlernt, die man in der astralen Welt findet, die den Menschen herunterziehen und zum Bösen verleiten, die eigentlich nun dazu bestimmt sind, ihn hinaufzuführen. Er lernt Kamaloka kennen.

[ 25 ] Man reaches three stages during Imaginative knowledge. On the first stage, he perceives the beings which stand behind physical sense-impressions. Behind the color red or blue stands a being, behind each rose; behind each animal stands a species- or group-soul. He becomes day-clairvoyant. If he now waits for a while and practices Imagination quietly, and steeps himself in the occult script, he also becomes day-clairaudient. On the third level, he becomes acquainted with all the things one finds in the astral world which draw man down and lead him into evil, but which actually are intended to lead him upwards. He learns to know Kamaloca.

[ 26 ] Durch dasjenige, was den vierten, fünften und sechsten Teil der Rosenkreuzerschulung bildet, den Lebensrhythmus, die Beziehung des Mikrokosmos zum Makrokosmos, die Kontemplation des Makrokosmos, erreicht der Mensch drei weitere Stufen. Auf der ersten Stufe gelangt er zum Erkennen der Verhältnisse des Lebens zwischen dem Tode und einer neuen Geburt. Das tritt ihm in Devachan entgegen. Das nächste ist die Möglichkeit, zu sehen, wie die Formen sich ineinander umwandeln, die Transmutation, die Metamorphose der Formen. Der Mensch hatte zum Beispiel nicht immer seine heutige Lunge: er besitzt sie erst seit der lemurischen Zeit. In der vorangegangenen hyperboräischen Zeit hatte er wieder eine andere Form, davor hatte er eine andere Form, weil er sich im Astralzustand befand, und eine andere vorher, weil er in Devachan war. Man sagt auch: der Mensch lernt auf dieser Stufe die Verhältnisse zwischen den verschiedenen Globen kennen, das heißt, er erfährt, wie ein Globus oder Formzustand in den anderen übergeht. Als letztes, bevor er in noch höhere Welten übergeht, erschaut er die Metamorphose der Lebenszustände. Er erkennt, wie die verschiedenen Wesenheiten durch die verschiedenen Reiche oder Runden hindurchgehen, wie ein Reich ins andere übergeht. Dann muß er zu noch höheren Stufen aufsteigen, die aber heute keine Besprechung mehr erfahren können.

[ 26 ] Through that which forms the fourth, fifth, and sixth parts of Rosicrucian training, that is, the life-rhythm, the relation of microcosm to macrocosm, and contemplation of the macrocosm, the pupil reaches three further stages. In the first, he attains knowledge of the conditions of life between death and a new birth. This confronts him in Devachan. The next is the ability to see how forms change from one state to another, transmutation, the metamorphosis of form. Man did not always have the lungs he has today, for example; he acquired them first in Lemurian times. During the preceding Hyperborean epoch they had another form; before that, another form, because he found himself in an astral condition; and before that, yet another form, because he was M Devachan. One could also say: at this stage, man becomes acquainted with the relationships between the different globes, which is to say that he experiences how one globe or condition of form passes over into another. As a last step, before he passes over into still higher worlds, he beholds the metamorphosis of the conditions of life. He perceives how the different beings pass through different kingdoms, or rounds, and how one kingdom passes over into another. Then he must ascend to still higher stages, which cannot, however, be discussed further today.

[ 27 ] Was hier ausgeführt worden ist, wird Ihnen einstweilen zum Verarbeiten genug Material geben. Diese Dinge müssen wirklich erarbeitet werden. Es ist dies der erste Schritt, um in die Höhe zu kommen. Daher ist es gut, einmal in geordneter Weise den Pfad vorgezeichnet zu bekommen. Es mag sein, daß man auf dem physischen Plan, auch ohne eine Landkarte zu haben, reisen kann. Auf dem Astralplan ist es aber notwendig, sich eine solche Landkarte geben zu lassen. Betrachten Sie diese Mitteilungen als eine Art von Landkarte, und sie wird Ihnen nützlich sein, nicht nur in diesem Leben, sondern auch wenn Sie die Pforte zu den höheren Welten durchschreiten. Wer diese Dinge dutch die Geisteswissenschaft aufnimmt, wird nach dem Tode gute Dienste von dieser Landkarte haben. Der Okkultist weiß, wie kläglich es den Menschen oft ergeht, wenn sie drüben auf der anderen Seite ankommen und keine Ahnung davon haben, wo sie eigentlich leben und was das ist, was sie da erleben. Diejenigen, die durch die geisteswissenschaftlichen Lehren hindurchgegangen sind, kennen sich aus und wissen die Dinge selbst zu charakterisieren. Wenn der Mensch nicht zurückschrecken würde, den Erkenntnispfad zu betreten, so würde ihm dies in der anderen Welt großen Nutzen bringen.

[ 27 ] What has been pursued here will give you enough material to ponder over for the present. Those things must be really pondered over; that is the first step to ascend to the heights. Therefore, it is a good thing to have the path sketched once in an orderly way. It may be possible to take a journey on the physical plane without a map of the country. On the astral plane, however, to be given such a map is necessary. Regard these communications as a kind of map, and they will be useful to you not only in this life, but also when you step through the portal into the higher worlds. Whoever takes up these things through spiritual science will be served well by this map after death. The occultist knows how wretched it often is for those who arrive on the other side and have no idea where they really are and what they are experiencing. One who has lived with the teachings of spiritual science knows his way about and can characterize these things to himself. If man would not shrink from treading the path of knowledge, this would bring him great benefit in the other world.