The Christian Mystery
GA 97
15 December 1906, Leipzig
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Das christliche Mysterium, 4th ed.
7. Die Bedeutung des Christfestes vom geisteswissenschaftlichen Standpunkt
7. Die Bedeutung des Christfestes vom geisteswissenschaftlichen Standpunkt
[ 1 ] Viele Menschen der Jetztzeit haben zum Weihnachtsfest keine andere Beziehung mehr als das Anzünden des Christbaumes. Dieser Christbaum ist aber das jüngste Sinnbild des Weihnachtsfestes. Selbst in den Gegenden, wo er zuerst aufkam, kennt man ihn erst etwa hundert Jahre lang. Er ist nicht, wie viele meinen, eine uralte heidnische Überlieferung. So neu wie der Weihnachtsbaum, so alt, so uralt ist indessen das große Menschheitsfest, das uns jetzt bevorsteht. Solange Menschen auf Erden mit dem Menschentum fühlten, ahnten und wußten von dem, was über das Menschentum hinaus zum Gottesmenschentum hinaufführt, was die Menschen über sie selbst erhebt, so lange kannte man diese erhabene Weihnachtsfeier. Im Johannes-Evangelium findet sich ein Ausspruch, der als ein Leitmotiv für die Idee des Weihnachtsfestes gelten kann: «Er muß wachsen, ich aber muß abnehmen.» Hierin finden wir den Zusammenhang zwischen zwei wichtigen Jahresfesten angedeutet. Johannes bezeugt selbst von sich, daß er abnehmen muß, währenddessen aber der andere, der Christus, wächst. Wenn der Tag am längsten ist, dann ist Johanni. Aber hinter der äußeren materiellen Erscheinung in ihrer Vergänglichkeit erhebt sich etwas, was im Johannes-Evangelium schön mit den Worten ausgedrückt wird: «Und das Licht schien in die Finsternis», in die abnehmenden Johannistage. Innerhalb der Finsternis lebt das Licht, das leuchtender, lebendiger ist als alle materiellen Lichterscheinungen - das geistige Licht. Und das Leben des großen Lichtes in der Finsternis ist der Inhalt des christlichen Weihnachtsfestes, das in den alten Zeiten in allen Religionen gefeiert wurde und das prophetisch hindeutete auf den großen Geistes-Sonnenhelden, den Christus Jesus.
[ 1 ] Viele Menschen der Jetztzeit haben zum Weihnachtsfest keine andere Beziehung mehr als das Anzünden des Christbaumes. Dieser Christbaum ist aber das jüngste Sinnbild des Weihnachtsfestes. Selbst in den Gegenden, wo er zuerst aufkam, kennt man ihn erst etwa hundert Jahre lang. Er ist nicht, wie viele meinen, eine uralte heidnische Überlieferung. So neu wie der Weihnachtsbaum, so alt, so uralt ist indessen das große Menschheitsfest, das uns jetzt bevorsteht. Solange Menschen auf Erden mit dem Menschentum fühlten, ahnten und wußten von dem, was über das Menschentum hinaus zum Gottesmenschentum hinaufführt, was die Menschen über sie selbst erhebt, so lange kannte man diese erhabene Weihnachtsfeier. Im Johannes-Evangelium findet sich ein Ausspruch, der als ein Leitmotiv für die Idee des Weihnachtsfestes gelten kann: «Er muß wachsen, ich aber muß abnehmen.» Hierin finden wir den Zusammenhang zwischen zwei wichtigen Jahresfesten angedeutet. Johannes bezeugt selbst von sich, daß er abnehmen muß, währenddessen aber der andere, der Christus, wächst. Wenn der Tag am längsten ist, dann ist Johanni. Aber hinter der äußeren materiellen Erscheinung in ihrer Vergänglichkeit erhebt sich etwas, was im Johannes-Evangelium schön mit den Worten ausgedrückt wird: «Und das Licht schien in die Finsternis», in die abnehmenden Johannistage. Innerhalb der Finsternis lebt das Licht, das leuchtender, lebendiger ist als alle materiellen Lichterscheinungen - das geistige Licht. Und das Leben des großen Lichtes in der Finsternis ist der Inhalt des christlichen Weihnachtsfestes, das in den alten Zeiten in allen Religionen gefeiert wurde und das prophetisch hindeutete auf den großen Geistes-Sonnenhelden, den Christus Jesus.
[ 2 ] Heute verstehen wir durch die geisteswissenschaftliche Weltanschauung das christliche Weihnachtsfest, das durch zwei Jahrtausende hindurch als das Fest des großen Idealismus empfunden wurde. Wenn in der Weihenacht, in der Finsternis der Mitternacht, der Gottesdienst beginnt und die Lichter angezündet werden, dann leuchten sie hinaus in die Finsternis. Das bedeutet, daß, wenn einstmals alles auf der Erde einem äußeren Tode geweiht sein wird — wie auch alles rein Menschliche dem Tode verfallen wird —, daß dann, wie es von Christus zur Wahrheit gemacht wurde, im Leib die triumphierende Seele lebt, die sich zu einem lichten Leben aus der leiblichen Hülle erhebt, auch wenn die Erde als materieller Körper in unzählige Atome zerschellen wird. Aus dieser Finsternis, diesem Untergang der Erde wird sich die Seele der ganzen Erde erheben mit allen Menschenseelen, die in diese Erdenseele aufgenommen sein werden. Und dafür, daß nicht nur die Erdenseele dies erreicht, sondern daß auch alle Menschen auf Erden die gleiche Gewißheit haben, dafür war der Christus Jesus das Vorbild, das Ideal.
[ 2 ] Heute verstehen wir durch die geisteswissenschaftliche Weltanschauung das christliche Weihnachtsfest, das durch zwei Jahrtausende hindurch als das Fest des großen Idealismus empfunden wurde. Wenn in der Weihenacht, in der Finsternis der Mitternacht, der Gottesdienst beginnt und die Lichter angezündet werden, dann leuchten sie hinaus in die Finsternis. Das bedeutet, daß, wenn einstmals alles auf der Erde einem äußeren Tode geweiht sein wird — wie auch alles rein Menschliche dem Tode verfallen wird —, daß dann, wie es von Christus zur Wahrheit gemacht wurde, im Leib die triumphierende Seele lebt, die sich zu einem lichten Leben aus der leiblichen Hülle erhebt, auch wenn die Erde als materieller Körper in unzählige Atome zerschellen wird. Aus dieser Finsternis, diesem Untergang der Erde wird sich die Seele der ganzen Erde erheben mit allen Menschenseelen, die in diese Erdenseele aufgenommen sein werden. Und dafür, daß nicht nur die Erdenseele dies erreicht, sondern daß auch alle Menschen auf Erden die gleiche Gewißheit haben, dafür war der Christus Jesus das Vorbild, das Ideal.
[ 3 ] Und so ist nicht nur die physische Sonne das Abbild des Christus-Wesens, sondern gerade die wachsende geistige Sonne. Wenn alle Kräfte verwandelt sein werden, der Erdenleib durch die Liebe durchglüht sein wird, dann wird die Erde von dem Christus-Prinzip ganz durchflossen sein. Dafür ist das Weihnachtslicht das Sinnbild.
[ 3 ] Und so ist nicht nur die physische Sonne das Abbild des Christus-Wesens, sondern gerade die wachsende geistige Sonne. Wenn alle Kräfte verwandelt sein werden, der Erdenleib durch die Liebe durchglüht sein wird, dann wird die Erde von dem Christus-Prinzip ganz durchflossen sein. Dafür ist das Weihnachtslicht das Sinnbild.
[ 4 ] Die drei Könige sind Symbole wie ihre Gaben: das Gold Symbol der Weisheit und der königlichen Macht, Myrrhen Symbol der Besiegung des Todes, Weihrauch Symbol für die vergeistigten Ätherstoffe, in denen der Gott sich verwirklicht, der den Tod überwunden hat. Durch die drei Symbole steht Christus als König da, als der Todbesieger, als Erfüllung aller irdischen Entwickelung. Jeder in die Esoterik Eingeweihte empfindet so die Geburt des Gotteskindes, vorgeahnt in den Mysterien schon vor der Zeit Christi und erlebt auch noch nachher. Die Mysterien waren nicht kirchliche Einrichtungen und Schulen im äußerlichen Sinne, sondern Erziehungs- und zugleich Kultusstätten, wo der Mensch Weisheit lernte, Ergebung und Glauben, der zugleich Wissen und Erkennen ist. Große und kleine Mysterien gab es. Der nach mancherlei Prüfungen Zugelassene sah in den kleinen Mysterien dramatische Vorstellungen der ewigen Wahrheiten, die der höher Eingeweihte in sich selbst erlebt. Die größten Momente der Menschheitsentwickelung sind im Kleinen zu vergleichen mit den Erfahrungen, die ein Blindgeborener macht, wenn er operiert wird: es geht ihm eine ganz neue Welt auf. Die Augen des Geistes werden dem Eingeweihten geöffnet. Es tut sich ihm in Licht und Farbe eine Welt des Geistes auf, eine ganz neue, viel größere Welt als die physische, mit allen ihren Wesen und Bewohnern. Alle Dinge scheinen ihm belebt. In diesem Augenblick erleben die Eingeweihten die Geburt ihres höheren Selbst. Das nannte man das innere Christus-Fest. Was diese Auserwählten erleben konnten und was die Eingeweihten auch heute noch erleben können, war für die andern, in den kleinen Mysterien, ein Ideal, das sie alle zu erreichen hoffen durften, der eine bald, der andere später. Wer weiß, daß jeder viele Leben durchzumachen hat, der kann gewiß sein, daß auch in ihm seine Erweckung, jene Einweihung einmal Wirklichkeit werden wird; daß die Erweckung des Christus in ihm erreicht werden wird, die Weihnacht, da das Licht in seinem Inneren leuchten wird. Dann wird sich jener Spruch aus dem Johannes-Evangelium umkehren: Und das Licht wird in der Finsternis begriffen werden.
[ 4 ] Die drei Könige sind Symbole wie ihre Gaben: das Gold Symbol der Weisheit und der königlichen Macht, Myrrhen Symbol der Besiegung des Todes, Weihrauch Symbol für die vergeistigten Ätherstoffe, in denen der Gott sich verwirklicht, der den Tod überwunden hat. Durch die drei Symbole steht Christus als König da, als der Todbesieger, als Erfüllung aller irdischen Entwickelung. Jeder in die Esoterik Eingeweihte empfindet so die Geburt des Gotteskindes, vorgeahnt in den Mysterien schon vor der Zeit Christi und erlebt auch noch nachher. Die Mysterien waren nicht kirchliche Einrichtungen und Schulen im äußerlichen Sinne, sondern Erziehungs- und zugleich Kultusstätten, wo der Mensch Weisheit lernte, Ergebung und Glauben, der zugleich Wissen und Erkennen ist. Große und kleine Mysterien gab es. Der nach mancherlei Prüfungen Zugelassene sah in den kleinen Mysterien dramatische Vorstellungen der ewigen Wahrheiten, die der höher Eingeweihte in sich selbst erlebt. Die größten Momente der Menschheitsentwickelung sind im Kleinen zu vergleichen mit den Erfahrungen, die ein Blindgeborener macht, wenn er operiert wird: es geht ihm eine ganz neue Welt auf. Die Augen des Geistes werden dem Eingeweihten geöffnet. Es tut sich ihm in Licht und Farbe eine Welt des Geistes auf, eine ganz neue, viel größere Welt als die physische, mit allen ihren Wesen und Bewohnern. Alle Dinge scheinen ihm belebt. In diesem Augenblick erleben die Eingeweihten die Geburt ihres höheren Selbst. Das nannte man das innere Christus-Fest. Was diese Auserwählten erleben konnten und was die Eingeweihten auch heute noch erleben können, war für die andern, in den kleinen Mysterien, ein Ideal, das sie alle zu erreichen hoffen durften, der eine bald, der andere später. Wer weiß, daß jeder viele Leben durchzumachen hat, der kann gewiß sein, daß auch in ihm seine Erweckung, jene Einweihung einmal Wirklichkeit werden wird; daß die Erweckung des Christus in ihm erreicht werden wird, die Weihnacht, da das Licht in seinem Inneren leuchten wird. Dann wird sich jener Spruch aus dem Johannes-Evangelium umkehren: Und das Licht wird in der Finsternis begriffen werden.
[ 5 ] Dies wurde also in den Mysterien dargestellt. Was als das große christliche Ereignis stattfand, war eine physische Wiederholung dessen, was sich in den Mysterien für jeden Eingeweihten abgespielt hat, in den kleinen Mysterien im Bilde, in den großen Mysterien im Inneren des Menschen. In den kleinen Mysterien wurde das wichtige Erlebnis des inneren Christus in einer ganz bestimmten Zeit des Jahres dargestellt, wo die Sonne am wenigsten Licht auf die Welt sendet, in der längsten Winternacht — wie heute noch am Weihnachtsfest. Führen wir uns das Bild vor Augen, das den Sinn der inneren Menschenentwickelung in den kleinen Mysterien symbolisierte. In heiliger Weihestimmung waren die Menschen, die es sehen sollten, in der Weihnacht, in völliger Finsternis der Mitternacht versammelt. Da ertönte ein eigentümlich dumpfes, donnerndes Getöse, das sich allmählich in wundervolles rhythmisches Tönen, in harmonische Klänge verwandelte - die Sphärenmusik. Und ein schwach erhellter Körper, eine in der Finsternis matt leuchtende Kugel wurde sichtbar, welche die Erde symbolisieren sollte. Aus der schwach leuchtenden Erdscheibe erstanden allmählich ineinanderfließende, zu den Tönen gehörende regenbogenfarbige Ringe, die sich nach allen Seiten verbreiteten — die göttliche Iris. So schien in der alten Atlantis, dem Niflheim der germanischen Mythologie, den Menschen die Sonne durch den Nebel hindurch. Die Erscheinung wurde immer heller, und die sieben Farben gingen allmählich in schwaches Gold und schwaches Violett über. Und immer heller leuchtete das Gebilde, und immer mächtiger wurde das Licht, bis es sich in den hellsten Himmelskörper, die Sonne, verwandelte. In der Mitte dieser Sonne erschien - in der jeweiligen Sprache des betreffenden Volkes — der Name des Christus. Für den Menschen, der diese Feier mitgemacht hatte, galt das bedeutsame Wort: Er hat die Sonne um Mitternacht gesehen. Das heißt, ein Sinnbild des geistigen Schauens ist ihm erschienen. Der Mensch, dessen geistiges Auge geöffnet ist, erlebt, daß alle Materie durchsichtig wird, er sieht durch die Erde hindurch, er sieht in Wirklichkeit die Sonne um Mitternacht, er besiegt die Materie. In umgekehrter Farbe, in violett-rötlicher Farbe erscheint ihm um Mitternacht die Sonne. Was in dem großen Weltsinnbilde kosmisch erscheint, ist für den Christen, ins Menschliche übersetzt, die Erscheinung des Christus Jesus auf Erden. Wir werden alle die Sonne um Mitternacht sehen. Das steht auch in keinem Widerspruch zum Neuen Testament.
[ 5 ] Dies wurde also in den Mysterien dargestellt. Was als das große christliche Ereignis stattfand, war eine physische Wiederholung dessen, was sich in den Mysterien für jeden Eingeweihten abgespielt hat, in den kleinen Mysterien im Bilde, in den großen Mysterien im Inneren des Menschen. In den kleinen Mysterien wurde das wichtige Erlebnis des inneren Christus in einer ganz bestimmten Zeit des Jahres dargestellt, wo die Sonne am wenigsten Licht auf die Welt sendet, in der längsten Winternacht — wie heute noch am Weihnachtsfest. Führen wir uns das Bild vor Augen, das den Sinn der inneren Menschenentwickelung in den kleinen Mysterien symbolisierte. In heiliger Weihestimmung waren die Menschen, die es sehen sollten, in der Weihnacht, in völliger Finsternis der Mitternacht versammelt. Da ertönte ein eigentümlich dumpfes, donnerndes Getöse, das sich allmählich in wundervolles rhythmisches Tönen, in harmonische Klänge verwandelte - die Sphärenmusik. Und ein schwach erhellter Körper, eine in der Finsternis matt leuchtende Kugel wurde sichtbar, welche die Erde symbolisieren sollte. Aus der schwach leuchtenden Erdscheibe erstanden allmählich ineinanderfließende, zu den Tönen gehörende regenbogenfarbige Ringe, die sich nach allen Seiten verbreiteten — die göttliche Iris. So schien in der alten Atlantis, dem Niflheim der germanischen Mythologie, den Menschen die Sonne durch den Nebel hindurch. Die Erscheinung wurde immer heller, und die sieben Farben gingen allmählich in schwaches Gold und schwaches Violett über. Und immer heller leuchtete das Gebilde, und immer mächtiger wurde das Licht, bis es sich in den hellsten Himmelskörper, die Sonne, verwandelte. In der Mitte dieser Sonne erschien - in der jeweiligen Sprache des betreffenden Volkes — der Name des Christus. Für den Menschen, der diese Feier mitgemacht hatte, galt das bedeutsame Wort: Er hat die Sonne um Mitternacht gesehen. Das heißt, ein Sinnbild des geistigen Schauens ist ihm erschienen. Der Mensch, dessen geistiges Auge geöffnet ist, erlebt, daß alle Materie durchsichtig wird, er sieht durch die Erde hindurch, er sieht in Wirklichkeit die Sonne um Mitternacht, er besiegt die Materie. In umgekehrter Farbe, in violett-rötlicher Farbe erscheint ihm um Mitternacht die Sonne. Was in dem großen Weltsinnbilde kosmisch erscheint, ist für den Christen, ins Menschliche übersetzt, die Erscheinung des Christus Jesus auf Erden. Wir werden alle die Sonne um Mitternacht sehen. Das steht auch in keinem Widerspruch zum Neuen Testament.
[ 6 ] So ist Christus die Wesenheit, die verklären wird, was jetzt noch zusammenhängt mit dem Niederen, vergöttlichen wird, was noch zusammenhängt mit dem Weltlichen. Er ist die Sonne im geistigen Gebiet. Der christliche Esoteriker oder theosophische Christ empfindet so den Christus Jesus. Zur Zeit, wenn die Kälte und Dunkelheit auf Erden am größten sind, findet die geistige Erweckung statt, weil die Eingeweihten wissen, daß alsdann bestimmte Kräfte durch den Weltenraum ziehen und die Konstellation für die geistige Erweckung dann am günstigsten ist. Die Schüler wurden belehrt, daß sie sich nicht mit dem gewöhnlichen menschlichen Wissen begnügen sollten, sondern die ganze Menschheit, die ganze Erdengeschichte zu überblicken lernen müßten. Schauet auf die Zeit hin sagte man den Schülern -, wo die Erde noch mit Sonne und Mond vereinigt war. Die damalige Menschheit lebte im Sonnenlicht. Was später die Erde werden sollte, war mit Geisteskraft erfüllt, die gleichzeitig in jedem Wesen erglänzte. - Dann kam der Zeitpunkt, wo die Sonne sich von der Erde ablöste, wo das Licht von außen auf die Erde herabschien, wo es im Inneren des Menschen finster wurde. Dieser Zeitpunkt ist der Beginn seiner Entwickelung zu jener fernen Zukunft, wo er wieder Sonnenlicht in sich tragen wird. Dann entwickelt sich in ihm der höhere Mensch, der Sonnenmensch, der Licht in sich trägt und die Kraft des Erleuchtens besitzt.
[ 6 ] So ist Christus die Wesenheit, die verklären wird, was jetzt noch zusammenhängt mit dem Niederen, vergöttlichen wird, was noch zusammenhängt mit dem Weltlichen. Er ist die Sonne im geistigen Gebiet. Der christliche Esoteriker oder theosophische Christ empfindet so den Christus Jesus. Zur Zeit, wenn die Kälte und Dunkelheit auf Erden am größten sind, findet die geistige Erweckung statt, weil die Eingeweihten wissen, daß alsdann bestimmte Kräfte durch den Weltenraum ziehen und die Konstellation für die geistige Erweckung dann am günstigsten ist. Die Schüler wurden belehrt, daß sie sich nicht mit dem gewöhnlichen menschlichen Wissen begnügen sollten, sondern die ganze Menschheit, die ganze Erdengeschichte zu überblicken lernen müßten. Schauet auf die Zeit hin sagte man den Schülern -, wo die Erde noch mit Sonne und Mond vereinigt war. Die damalige Menschheit lebte im Sonnenlicht. Was später die Erde werden sollte, war mit Geisteskraft erfüllt, die gleichzeitig in jedem Wesen erglänzte. - Dann kam der Zeitpunkt, wo die Sonne sich von der Erde ablöste, wo das Licht von außen auf die Erde herabschien, wo es im Inneren des Menschen finster wurde. Dieser Zeitpunkt ist der Beginn seiner Entwickelung zu jener fernen Zukunft, wo er wieder Sonnenlicht in sich tragen wird. Dann entwickelt sich in ihm der höhere Mensch, der Sonnenmensch, der Licht in sich trägt und die Kraft des Erleuchtens besitzt.
[ 7 ] So entstand die Erde aus dem Licht, sie geht durch die Finsternis hindurch und wird wieder zum Sonnenlicht kommen. So wie gegen den Herbst und in der Winterzeit die Kraft der Sonnenstrahlen abnimmt, so tritt das Geistige in der Zeit, in welcher der Mensch die äußeren Dinge der Erde, die Materie erkennen lernen soll, ganz zurück. Aber die geistige Kraft wächst wiederum, und zur Weihnachtszeit vollzieht sich, was bei Paulus durch das Gleichnis vom Weizenkorn ausgedrückt wird. Wenn das ausgesäte Körnlein nicht in der Erde zugrunde geht, kann keine neue Frucht entstehen. In der Weihnachtszeit vergeht das alte Leben, und in seinem Schoß entsteht das neue Leben. Die Säfte der Bäume steigen von diesem Tage an, neues Leben quillt hervor, das Licht beginnt in der bis dahin zunehmenden Finsternis wieder zu wachsen. Dies denkt sich der Christ ins Geistige übersetzt. Alles Herabziehende in der Materie muß vergehen, um dem Emporsprießenden Platz zu machen. Der Christus kam in die Welt, damit gleichsam aus der Niedrigkeit herausgeboren wird, was zum Höchsten hinaufführen soll. In dem Stall der Evangelienerzählung sehen wir eine Umwandlung, eine Variante dessen, was die uralte Weisheit Höhle nannte. In ausgehöhlten Felsen wurde das Fest gefeiert, verschieden nach den Völkern. Am nächsten Tage folgte ein zweites Fest, durch das gezeigt wurde, wie das sprossende Leben aus der Erde, aus dem Gestein hervorgeht. Auch dies war ein Sinnbild des Hervorwachsens des Geistigen aus dem absterbenden Irdischen.
[ 7 ] So entstand die Erde aus dem Licht, sie geht durch die Finsternis hindurch und wird wieder zum Sonnenlicht kommen. So wie gegen den Herbst und in der Winterzeit die Kraft der Sonnenstrahlen abnimmt, so tritt das Geistige in der Zeit, in welcher der Mensch die äußeren Dinge der Erde, die Materie erkennen lernen soll, ganz zurück. Aber die geistige Kraft wächst wiederum, und zur Weihnachtszeit vollzieht sich, was bei Paulus durch das Gleichnis vom Weizenkorn ausgedrückt wird. Wenn das ausgesäte Körnlein nicht in der Erde zugrunde geht, kann keine neue Frucht entstehen. In der Weihnachtszeit vergeht das alte Leben, und in seinem Schoß entsteht das neue Leben. Die Säfte der Bäume steigen von diesem Tage an, neues Leben quillt hervor, das Licht beginnt in der bis dahin zunehmenden Finsternis wieder zu wachsen. Dies denkt sich der Christ ins Geistige übersetzt. Alles Herabziehende in der Materie muß vergehen, um dem Emporsprießenden Platz zu machen. Der Christus kam in die Welt, damit gleichsam aus der Niedrigkeit herausgeboren wird, was zum Höchsten hinaufführen soll. In dem Stall der Evangelienerzählung sehen wir eine Umwandlung, eine Variante dessen, was die uralte Weisheit Höhle nannte. In ausgehöhlten Felsen wurde das Fest gefeiert, verschieden nach den Völkern. Am nächsten Tage folgte ein zweites Fest, durch das gezeigt wurde, wie das sprossende Leben aus der Erde, aus dem Gestein hervorgeht. Auch dies war ein Sinnbild des Hervorwachsens des Geistigen aus dem absterbenden Irdischen.
[ 8 ] Überall in den inneren Heiligtümern Ägyptens, in den eleusinischen Mysterien und im orphischen Kult in Griechenland, in Vorderasien, bei den Babyloniern und Chaldäern, im Mithrasdienst der Perser und in den Mysterien der Inder, überall wurde die Weihnacht in gleicher Weise gefeiert: Von den Teilnehmern an den kleinen Mysterien wurde das als sinnliches Schaubild gesehen, was die Eingeweihten erlebten. Was dargestellt wurde, war eine prophetische Hinweisung auf die Geburt des Christus im Menschen. Solche Eingeweihte, die es schon erreicht haben, sind, wie man sagt, auf der sechsten Stufe angelangt. Sieben solcher Stufen gab es: Auf der ersten Stufe war der Rabe, der den Verkehr zwischen dem Geistigen und der Außenwelt vermittelte. So wird in der Bibel von den Raben des Elias gesprochen, die Sage berichtet von den Raben des Wotan oder auch von den Raben Kaiser Barbarossas im Kyffhäuser.
[ 8 ] Überall in den inneren Heiligtümern Ägyptens, in den eleusinischen Mysterien und im orphischen Kult in Griechenland, in Vorderasien, bei den Babyloniern und Chaldäern, im Mithrasdienst der Perser und in den Mysterien der Inder, überall wurde die Weihnacht in gleicher Weise gefeiert: Von den Teilnehmern an den kleinen Mysterien wurde das als sinnliches Schaubild gesehen, was die Eingeweihten erlebten. Was dargestellt wurde, war eine prophetische Hinweisung auf die Geburt des Christus im Menschen. Solche Eingeweihte, die es schon erreicht haben, sind, wie man sagt, auf der sechsten Stufe angelangt. Sieben solcher Stufen gab es: Auf der ersten Stufe war der Rabe, der den Verkehr zwischen dem Geistigen und der Außenwelt vermittelte. So wird in der Bibel von den Raben des Elias gesprochen, die Sage berichtet von den Raben des Wotan oder auch von den Raben Kaiser Barbarossas im Kyffhäuser.
[ 9 ] Auf der zweiten Stufe stand der Okkulte. Dieser war schon zum Heiligtum zugelassen, er befand sich im Inneren desselben.
[ 9 ] Auf der zweiten Stufe stand der Okkulte. Dieser war schon zum Heiligtum zugelassen, er befand sich im Inneren desselben.
[ 10 ] Der dritte Grad war der des Kämpfers oder Streiters. Wer ihn erlangt hatte, durfte für die geistigen Wahrheiten nach außen hin eintreten.
[ 10 ] Der dritte Grad war der des Kämpfers oder Streiters. Wer ihn erlangt hatte, durfte für die geistigen Wahrheiten nach außen hin eintreten.
[ 11 ] Wer den vierten Grad erreicht hatte, wurde der Löwe genannt. Sein Bewußtsein hatte sich über das seiner Individualität hinaus auf das Bewußtsein des ganzen Stammes erweitert. Man denke etwa an den Löwen vom Stamme Juda.
[ 11 ] Wer den vierten Grad erreicht hatte, wurde der Löwe genannt. Sein Bewußtsein hatte sich über das seiner Individualität hinaus auf das Bewußtsein des ganzen Stammes erweitert. Man denke etwa an den Löwen vom Stamme Juda.
[ 12 ] Der Eingeweihte des fünften Grades hatte nicht nur das Stammesbewußtsein, sondern er hatte das Bewußtsein des Volksgeistes in das seine aufgenommen. Er erhielt daher den Namen seines Volkes, bei den Persern hieß er zum Beispiel der «Perser». Den Nathanael nennt Jesus einen «rechten Israeliter»; Jesus erkennt in ihm den Eingeweihten des fünften Grades.
[ 12 ] Der Eingeweihte des fünften Grades hatte nicht nur das Stammesbewußtsein, sondern er hatte das Bewußtsein des Volksgeistes in das seine aufgenommen. Er erhielt daher den Namen seines Volkes, bei den Persern hieß er zum Beispiel der «Perser». Den Nathanael nennt Jesus einen «rechten Israeliter»; Jesus erkennt in ihm den Eingeweihten des fünften Grades.
[ 13 ] Die Bezeichnung dessen, der die sechste Stufe erreicht hatte, bezieht sich auf eine wichtige Eigenschaft. Wenn wir uns in der Natur umschauen, so sehen wir die Naturwesen sich hinaufentwickeln von den niedrigsten Wesen bis zum Menschen, und vom Durchschnittsmenschen hinauf bis zu dem, der in sich den Christus geboren werden laßt. Bei den niedrigen Wesen sehen wir überall Rhythmus im Leben, einen Rhythmus, der den Wesen von der Sonne auferlegt wird. Die Pflanzen blühen stets zur selben Jahreszeit, je nach ihrer Art, und öffnen ihre Blüten, jede Art zur selben Zeit des Tages. Auch die Tiere zeigen in wichtigen Lebensfunktionen ihren Jahresthythmus. Nur der Mensch verliert immer mehr diese Regelmäfßigkeit. Er wird frei von dem Zwang des ihm ursprünglich ebenfalls auferlegten Rhythmus. Wenn aber die Liebe zu allen Wesen in ihm erwacht und ihn durchflutet, dann wird ein neuer, eigener Rhythmus aus ihm heraus geboren. Dieser ist nun so regelmäßig wie der Rhythmus der Sonne, die nie um ein Kleinstes von ihrem Lauf abweicht - die Folgen davon würde man sich kaum ausmalen können. In dem Eingeweihten des sechsten Grades sah man ein Abbild des Ganges der segenspendenden Sonne im Weltenraume, das Abbild des Christus im Menschen und in der Geisteswelt. Deshalb wurde der sechste Grad der Sonnenheld genannt.
[ 13 ] Die Bezeichnung dessen, der die sechste Stufe erreicht hatte, bezieht sich auf eine wichtige Eigenschaft. Wenn wir uns in der Natur umschauen, so sehen wir die Naturwesen sich hinaufentwickeln von den niedrigsten Wesen bis zum Menschen, und vom Durchschnittsmenschen hinauf bis zu dem, der in sich den Christus geboren werden laßt. Bei den niedrigen Wesen sehen wir überall Rhythmus im Leben, einen Rhythmus, der den Wesen von der Sonne auferlegt wird. Die Pflanzen blühen stets zur selben Jahreszeit, je nach ihrer Art, und öffnen ihre Blüten, jede Art zur selben Zeit des Tages. Auch die Tiere zeigen in wichtigen Lebensfunktionen ihren Jahresthythmus. Nur der Mensch verliert immer mehr diese Regelmäfßigkeit. Er wird frei von dem Zwang des ihm ursprünglich ebenfalls auferlegten Rhythmus. Wenn aber die Liebe zu allen Wesen in ihm erwacht und ihn durchflutet, dann wird ein neuer, eigener Rhythmus aus ihm heraus geboren. Dieser ist nun so regelmäßig wie der Rhythmus der Sonne, die nie um ein Kleinstes von ihrem Lauf abweicht - die Folgen davon würde man sich kaum ausmalen können. In dem Eingeweihten des sechsten Grades sah man ein Abbild des Ganges der segenspendenden Sonne im Weltenraume, das Abbild des Christus im Menschen und in der Geisteswelt. Deshalb wurde der sechste Grad der Sonnenheld genannt.
[ 14 ] Ein Schauer ging durch die Seele des Schülers, der einen solchen Sonnenhelden erblickte. In diesem war der Christus innerlich geboren. Das stellte ein Ereignis dar, das als Geburt auf dem geistigen Plan empfunden wurde. Von den Eingeweihten der ersten Jahrhunderte wurde die Geburt des historischen Jesus in die äußerlich dunkelste Zeit des Jahres gesetzt, weil damit die geistige Sonne aufgegangen war. Darum wurde bei den ersten Christen auch die Mitternachtsmesse eingeführt, ein Kultus um die finstere mitternächtige Stunde, wo dann ein Lichtmeer auf dem Altar aufleuchtete. Der höchste Grad war der des Vaters.
[ 14 ] Ein Schauer ging durch die Seele des Schülers, der einen solchen Sonnenhelden erblickte. In diesem war der Christus innerlich geboren. Das stellte ein Ereignis dar, das als Geburt auf dem geistigen Plan empfunden wurde. Von den Eingeweihten der ersten Jahrhunderte wurde die Geburt des historischen Jesus in die äußerlich dunkelste Zeit des Jahres gesetzt, weil damit die geistige Sonne aufgegangen war. Darum wurde bei den ersten Christen auch die Mitternachtsmesse eingeführt, ein Kultus um die finstere mitternächtige Stunde, wo dann ein Lichtmeer auf dem Altar aufleuchtete. Der höchste Grad war der des Vaters.
[ 15 ] Was sich so oft im einzelnen in den Mysterien, fern von allem äußeren Geschehen, vollzogen hatte, spielte sich in Christus Jesus offen in der Weltgeschichte ab. Nichts Höheres kann erlebt werden in der menschlichen Seele als das, was äußerlich in der physischen Welt in dem Besieger des Todes, dem Bringer des Unterpfandes für ein ewiges Leben der Seele, gebracht wurde. Was aus der sterbenden Welt als neue Lebensfrucht erwuchs, wurde von den Eingeweihten als die Geburt des Christus-Kindes empfunden in der geistigen Welt. Wer das Geistige nicht abgesondert denkt von der physischen Welt, fühlt einen tiefen Zusammenhang zwischen der Sonne in der Weihnacht und dem Geistesleben, das sich entwickelt aus dem Weltenleben. In der Weihnacht wird die Geburt des größten Ideals hingestellt, das es für die Welt gibt, das verwirklicht wird, wenn die Erde ihr Ziel erreicht. Was jetzt prophetisch verkündet wird, das wird dereinst zur Wirklichkeit. Wie die todbesiegende Liebe auflebt im leuchtenden Weihnachtsbaum, so wird sie in Zukunft in allen Menschen selbst aufleben. Als Perspektive steht es jetzt da.
[ 15 ] Was sich so oft im einzelnen in den Mysterien, fern von allem äußeren Geschehen, vollzogen hatte, spielte sich in Christus Jesus offen in der Weltgeschichte ab. Nichts Höheres kann erlebt werden in der menschlichen Seele als das, was äußerlich in der physischen Welt in dem Besieger des Todes, dem Bringer des Unterpfandes für ein ewiges Leben der Seele, gebracht wurde. Was aus der sterbenden Welt als neue Lebensfrucht erwuchs, wurde von den Eingeweihten als die Geburt des Christus-Kindes empfunden in der geistigen Welt. Wer das Geistige nicht abgesondert denkt von der physischen Welt, fühlt einen tiefen Zusammenhang zwischen der Sonne in der Weihnacht und dem Geistesleben, das sich entwickelt aus dem Weltenleben. In der Weihnacht wird die Geburt des größten Ideals hingestellt, das es für die Welt gibt, das verwirklicht wird, wenn die Erde ihr Ziel erreicht. Was jetzt prophetisch verkündet wird, das wird dereinst zur Wirklichkeit. Wie die todbesiegende Liebe auflebt im leuchtenden Weihnachtsbaum, so wird sie in Zukunft in allen Menschen selbst aufleben. Als Perspektive steht es jetzt da.
[ 16 ] So fühlen wir im Sinn des Weihnachtsfestes etwas, was aus weiter Ferne zu uns kommt, was aber schon in uralten Zeiten immer gefeiert wurde. Bei richtiger Erkenntnis wird das Fest wieder eine viel höhere Bedeutung für uns erlangen. Auch der Baum wird uns wichtiger werden als Sinnbild jenes Paradiesbaumes, den Sie alle aus der Genesis kennen. Das Paradies ist ja ein Bild für die höhere Menschennatur, an der nichts Böses hängt. Erkenntnis konnte nur errungen werden auf Kosten des Lebens. Wie dies angesehen wurde von denen, die da wußten, soll eine Legende erläutern: Als Seth wieder zum Paradies hingehen wollte, ließ ihn der Cherub mit dem feurigen Schwert herein. Da fand er, daß der Baum des Lebens und derjenige der Erkenntnis miteinander verschlungen waren. Auf die Weisung des Cherubs durfte er drei Samenkörner von diesem vereinigten Baume nehmen. Der Baum stellt dar, was der Mensch einst werden soll und was erst der Eingeweihte bereits erreicht hat. Als Adam gestorben war, nahm Seth die drei Samenkörner und steckte sie in Adams Mund. Daraus entsproß ein flammender Busch, worin die Worte standen: «Ejeh Asher ejeh» - «Ich bin, der da ist, war und sein wird.» Weiter erzählt die Legende, Moses habe daraus seinen Wunderstab angefertigt. Später sei vom selben Holze das Tor des salomonischen Tempels erbaut worden. Dann sei ein Stück davon in den Teich Bethesda gefallen und habe ihm Wunderkraft verliehen. Und endlich sei daraus das Kreuz Christi geformt worden. Es ist ein Bild für das absterbende, im Tode vergehende Leben, das in sich die Kraft hat, neues Leben hervorzubringen.
[ 16 ] So fühlen wir im Sinn des Weihnachtsfestes etwas, was aus weiter Ferne zu uns kommt, was aber schon in uralten Zeiten immer gefeiert wurde. Bei richtiger Erkenntnis wird das Fest wieder eine viel höhere Bedeutung für uns erlangen. Auch der Baum wird uns wichtiger werden als Sinnbild jenes Paradiesbaumes, den Sie alle aus der Genesis kennen. Das Paradies ist ja ein Bild für die höhere Menschennatur, an der nichts Böses hängt. Erkenntnis konnte nur errungen werden auf Kosten des Lebens. Wie dies angesehen wurde von denen, die da wußten, soll eine Legende erläutern: Als Seth wieder zum Paradies hingehen wollte, ließ ihn der Cherub mit dem feurigen Schwert herein. Da fand er, daß der Baum des Lebens und derjenige der Erkenntnis miteinander verschlungen waren. Auf die Weisung des Cherubs durfte er drei Samenkörner von diesem vereinigten Baume nehmen. Der Baum stellt dar, was der Mensch einst werden soll und was erst der Eingeweihte bereits erreicht hat. Als Adam gestorben war, nahm Seth die drei Samenkörner und steckte sie in Adams Mund. Daraus entsproß ein flammender Busch, worin die Worte standen: «Ejeh Asher ejeh» - «Ich bin, der da ist, war und sein wird.» Weiter erzählt die Legende, Moses habe daraus seinen Wunderstab angefertigt. Später sei vom selben Holze das Tor des salomonischen Tempels erbaut worden. Dann sei ein Stück davon in den Teich Bethesda gefallen und habe ihm Wunderkraft verliehen. Und endlich sei daraus das Kreuz Christi geformt worden. Es ist ein Bild für das absterbende, im Tode vergehende Leben, das in sich die Kraft hat, neues Leben hervorzubringen.
[ 17 ] Ein großes Symbol steht vor uns: das Leben, das den Tod überwunden hat, das Holz aus dem Samenkorn des Paradieses. Dieses untergehende und neu entstehende Leben stellt uns das Rosenkreuz vor. Nicht ohne Grund sagte der große Goethe daher:
[ 17 ] Ein großes Symbol steht vor uns: das Leben, das den Tod überwunden hat, das Holz aus dem Samenkorn des Paradieses. Dieses untergehende und neu entstehende Leben stellt uns das Rosenkreuz vor. Nicht ohne Grund sagte der große Goethe daher:
Und so lang du das nicht hast,
Dieses: Stirb und Werde!
Bist du nur ein trüber Gast
Auf der dunklen Erde.
Und so lang du das nicht hast,
Dieses: Stirb und Werde!
Bist du nur ein trüber Gast
Auf der dunklen Erde.
[ 18 ] Welch wunderbarer Zusammenhang zwischen dem Baum des Paradieses, dem Holz des Kreuzes und dem daraus sprießenden Leben! Die Geburt des ewigen Menschen im zeitlichen Leben zu empfinden, das soll für uns die Christus-Idee, die Weihnacht sein. Auf sich anwenden muß es der Mensch jetzt schon: «Das Licht scheint in die Finsternis», und allmählich muß die Finsternis das Licht begreifen. All die Seelen, in denen die Weihnacht den richtigen Funken erregt, werden lebendig fühlen, was die Weihnacht in ihnen geboren werden läßt, die Fähigkeit, die sich ihnen zur Kraft entwikkeln wird, die sie instandsetzen wird, so zu sehen, zu fühlen, zu wollen, daß sich der Spruch umkehrt und es heißt: Das Licht scheint in die Finsternis, und die Finsternis hat das Licht nach und nach begriffen.
[ 18 ] Welch wunderbarer Zusammenhang zwischen dem Baum des Paradieses, dem Holz des Kreuzes und dem daraus sprießenden Leben! Die Geburt des ewigen Menschen im zeitlichen Leben zu empfinden, das soll für uns die Christus-Idee, die Weihnacht sein. Auf sich anwenden muß es der Mensch jetzt schon: «Das Licht scheint in die Finsternis», und allmählich muß die Finsternis das Licht begreifen. All die Seelen, in denen die Weihnacht den richtigen Funken erregt, werden lebendig fühlen, was die Weihnacht in ihnen geboren werden läßt, die Fähigkeit, die sich ihnen zur Kraft entwikkeln wird, die sie instandsetzen wird, so zu sehen, zu fühlen, zu wollen, daß sich der Spruch umkehrt und es heißt: Das Licht scheint in die Finsternis, und die Finsternis hat das Licht nach und nach begriffen.
