The Christian Mystery
GA 97
15 December 1906, Leipzig
Translate the original German text into any language:
Versions Available:
The Christian Mystery, tr. SOL
7. Die Bedeutung des Christfestes vom geisteswissenschaftlichen Standpunkt
7. The Significance of Christmas from a Spiritual Scientific Point of View
[ 1 ] Viele Menschen der Jetztzeit haben zum Weihnachtsfest keine andere Beziehung mehr als das Anzünden des Christbaumes. Dieser Christbaum ist aber das jüngste Sinnbild des Weihnachtsfestes. Selbst in den Gegenden, wo er zuerst aufkam, kennt man ihn erst etwa hundert Jahre lang. Er ist nicht, wie viele meinen, eine uralte heidnische Überlieferung. So neu wie der Weihnachtsbaum, so alt, so uralt ist indessen das große Menschheitsfest, das uns jetzt bevorsteht. Solange Menschen auf Erden mit dem Menschentum fühlten, ahnten und wußten von dem, was über das Menschentum hinaus zum Gottesmenschentum hinaufführt, was die Menschen über sie selbst erhebt, so lange kannte man diese erhabene Weihnachtsfeier. Im Johannes-Evangelium findet sich ein Ausspruch, der als ein Leitmotiv für die Idee des Weihnachtsfestes gelten kann: «Er muß wachsen, ich aber muß abnehmen.» Hierin finden wir den Zusammenhang zwischen zwei wichtigen Jahresfesten angedeutet. Johannes bezeugt selbst von sich, daß er abnehmen muß, währenddessen aber der andere, der Christus, wächst. Wenn der Tag am längsten ist, dann ist Johanni. Aber hinter der äußeren materiellen Erscheinung in ihrer Vergänglichkeit erhebt sich etwas, was im Johannes-Evangelium schön mit den Worten ausgedrückt wird: «Und das Licht schien in die Finsternis», in die abnehmenden Johannistage. Innerhalb der Finsternis lebt das Licht, das leuchtender, lebendiger ist als alle materiellen Lichterscheinungen - das geistige Licht. Und das Leben des großen Lichtes in der Finsternis ist der Inhalt des christlichen Weihnachtsfestes, das in den alten Zeiten in allen Religionen gefeiert wurde und das prophetisch hindeutete auf den großen Geistes-Sonnenhelden, den Christus Jesus.
[ 1 ] Many people today have no connection to Christmas other than lighting the Christmas tree. However, this Christmas tree is the most recent symbol of Christmas. Even in the regions where it first appeared, it has only been known for about a hundred years. It is not, as many believe, an ancient pagan tradition. As new as the Christmas tree is, the great human festival that now lies ahead of us is ancient, even primeval. As long as people on earth felt, sensed, and knew what leads beyond humanity to godhood, what elevates people above themselves, they have known this sublime Christmas celebration. In the Gospel of John there is a saying that can be taken as a leitmotif for the idea of Christmas: “He must increase, but I must decrease.” Here we find the connection between two important annual festivals indicated. John himself testifies that he must decrease, while the other, Christ, grows. When the day is longest, it is St. John's Day. But behind the outer material appearance in its transience, something rises that is beautifully expressed in the Gospel of John with the words: “And the light shone in the darkness,” in the waning days of St. John. Within the darkness lives the light that is brighter and more alive than all material light phenomena—the spiritual light. And the life of the great light in the darkness is the content of the Christian Christmas festival, which was celebrated in ancient times in all religions and which prophetically pointed to the great spiritual sun hero, Christ Jesus.
[ 2 ] Heute verstehen wir durch die geisteswissenschaftliche Weltanschauung das christliche Weihnachtsfest, das durch zwei Jahrtausende hindurch als das Fest des großen Idealismus empfunden wurde. Wenn in der Weihenacht, in der Finsternis der Mitternacht, der Gottesdienst beginnt und die Lichter angezündet werden, dann leuchten sie hinaus in die Finsternis. Das bedeutet, daß, wenn einstmals alles auf der Erde einem äußeren Tode geweiht sein wird — wie auch alles rein Menschliche dem Tode verfallen wird —, daß dann, wie es von Christus zur Wahrheit gemacht wurde, im Leib die triumphierende Seele lebt, die sich zu einem lichten Leben aus der leiblichen Hülle erhebt, auch wenn die Erde als materieller Körper in unzählige Atome zerschellen wird. Aus dieser Finsternis, diesem Untergang der Erde wird sich die Seele der ganzen Erde erheben mit allen Menschenseelen, die in diese Erdenseele aufgenommen sein werden. Und dafür, daß nicht nur die Erdenseele dies erreicht, sondern daß auch alle Menschen auf Erden die gleiche Gewißheit haben, dafür war der Christus Jesus das Vorbild, das Ideal.
[ 2 ] Today, through the spiritual-scientific worldview, we understand the Christian Christmas festival, which for two millennia has been felt as the festival of great idealism. When, on Christmas Eve, in the darkness of midnight, the church service begins and the lights are lit, they shine out into the darkness. This means that when everything on earth is once doomed to external death — just as everything purely human will succumb to death — then, as Christ made it true, the triumphant soul will live in the body, rising to a life of light from the physical shell, even when the earth as a material body will shatter into countless atoms. From this darkness, this downfall of the earth, the soul of the whole earth will rise with all human souls that will be absorbed into this earth soul. And so that not only the earth soul achieves this, but that all people on earth have the same certainty, Christ Jesus was the model, the ideal.
[ 3 ] Und so ist nicht nur die physische Sonne das Abbild des Christus-Wesens, sondern gerade die wachsende geistige Sonne. Wenn alle Kräfte verwandelt sein werden, der Erdenleib durch die Liebe durchglüht sein wird, dann wird die Erde von dem Christus-Prinzip ganz durchflossen sein. Dafür ist das Weihnachtslicht das Sinnbild.
[ 3 ] And so it is not only the physical sun that is the image of the Christ being, but precisely the growing spiritual sun. When all forces have been transformed, when the Earth's body has been transfigured by love, then the Earth will be completely permeated by the Christ principle. The Christmas light is the symbol of this.
[ 4 ] Die drei Könige sind Symbole wie ihre Gaben: das Gold Symbol der Weisheit und der königlichen Macht, Myrrhen Symbol der Besiegung des Todes, Weihrauch Symbol für die vergeistigten Ätherstoffe, in denen der Gott sich verwirklicht, der den Tod überwunden hat. Durch die drei Symbole steht Christus als König da, als der Todbesieger, als Erfüllung aller irdischen Entwickelung. Jeder in die Esoterik Eingeweihte empfindet so die Geburt des Gotteskindes, vorgeahnt in den Mysterien schon vor der Zeit Christi und erlebt auch noch nachher. Die Mysterien waren nicht kirchliche Einrichtungen und Schulen im äußerlichen Sinne, sondern Erziehungs- und zugleich Kultusstätten, wo der Mensch Weisheit lernte, Ergebung und Glauben, der zugleich Wissen und Erkennen ist. Große und kleine Mysterien gab es. Der nach mancherlei Prüfungen Zugelassene sah in den kleinen Mysterien dramatische Vorstellungen der ewigen Wahrheiten, die der höher Eingeweihte in sich selbst erlebt. Die größten Momente der Menschheitsentwickelung sind im Kleinen zu vergleichen mit den Erfahrungen, die ein Blindgeborener macht, wenn er operiert wird: es geht ihm eine ganz neue Welt auf. Die Augen des Geistes werden dem Eingeweihten geöffnet. Es tut sich ihm in Licht und Farbe eine Welt des Geistes auf, eine ganz neue, viel größere Welt als die physische, mit allen ihren Wesen und Bewohnern. Alle Dinge scheinen ihm belebt. In diesem Augenblick erleben die Eingeweihten die Geburt ihres höheren Selbst. Das nannte man das innere Christus-Fest. Was diese Auserwählten erleben konnten und was die Eingeweihten auch heute noch erleben können, war für die andern, in den kleinen Mysterien, ein Ideal, das sie alle zu erreichen hoffen durften, der eine bald, der andere später. Wer weiß, daß jeder viele Leben durchzumachen hat, der kann gewiß sein, daß auch in ihm seine Erweckung, jene Einweihung einmal Wirklichkeit werden wird; daß die Erweckung des Christus in ihm erreicht werden wird, die Weihnacht, da das Licht in seinem Inneren leuchten wird. Dann wird sich jener Spruch aus dem Johannes-Evangelium umkehren: Und das Licht wird in der Finsternis begriffen werden.
[ 4 ] The three kings are symbols, as are their gifts: gold symbolizes wisdom and royal power, myrrh symbolizes the defeat of death, and frankincense symbolizes the spiritualized etheric substances in which God, who has overcome death, is realized. Through these three symbols, Christ stands as king, as the conqueror of death, as the fulfillment of all earthly development. Everyone initiated into esotericism feels the birth of the Child of God, foreshadowed in the mysteries even before the time of Christ and still experienced afterwards. The mysteries were not ecclesiastical institutions and schools in the external sense, but places of education and worship where people learned wisdom, devotion, and faith, which is at the same time knowledge and recognition. There were great and small mysteries. Those who were admitted after undergoing various tests saw in the lesser mysteries dramatic representations of the eternal truths that the higher initiate experiences within himself. The greatest moments in human development can be compared, in a small way, to the experiences of a person born blind when he undergoes an operation: a whole new world opens up to him. The eyes of the spirit are opened to the initiate. A world of the spirit opens up to him in light and color, a completely new world, much greater than the physical world, with all its beings and inhabitants. All things seem animated to him. At this moment, the initiates experience the birth of their higher self. This was called the inner Christ festival. What these chosen ones were able to experience, and what the initiates can still experience today, was for the others, in the lesser mysteries, an ideal that they all hoped to achieve, some sooner, some later. Those who know that everyone has many lives to go through can be sure that their awakening, that initiation, will one day become a reality for them too; that the awakening of Christ within them will be achieved, the Christmas when the light will shine within them. Then that saying from the Gospel of John will be reversed: And the light will be understood in the darkness.
[ 5 ] Dies wurde also in den Mysterien dargestellt. Was als das große christliche Ereignis stattfand, war eine physische Wiederholung dessen, was sich in den Mysterien für jeden Eingeweihten abgespielt hat, in den kleinen Mysterien im Bilde, in den großen Mysterien im Inneren des Menschen. In den kleinen Mysterien wurde das wichtige Erlebnis des inneren Christus in einer ganz bestimmten Zeit des Jahres dargestellt, wo die Sonne am wenigsten Licht auf die Welt sendet, in der längsten Winternacht — wie heute noch am Weihnachtsfest. Führen wir uns das Bild vor Augen, das den Sinn der inneren Menschenentwickelung in den kleinen Mysterien symbolisierte. In heiliger Weihestimmung waren die Menschen, die es sehen sollten, in der Weihnacht, in völliger Finsternis der Mitternacht versammelt. Da ertönte ein eigentümlich dumpfes, donnerndes Getöse, das sich allmählich in wundervolles rhythmisches Tönen, in harmonische Klänge verwandelte - die Sphärenmusik. Und ein schwach erhellter Körper, eine in der Finsternis matt leuchtende Kugel wurde sichtbar, welche die Erde symbolisieren sollte. Aus der schwach leuchtenden Erdscheibe erstanden allmählich ineinanderfließende, zu den Tönen gehörende regenbogenfarbige Ringe, die sich nach allen Seiten verbreiteten — die göttliche Iris. So schien in der alten Atlantis, dem Niflheim der germanischen Mythologie, den Menschen die Sonne durch den Nebel hindurch. Die Erscheinung wurde immer heller, und die sieben Farben gingen allmählich in schwaches Gold und schwaches Violett über. Und immer heller leuchtete das Gebilde, und immer mächtiger wurde das Licht, bis es sich in den hellsten Himmelskörper, die Sonne, verwandelte. In der Mitte dieser Sonne erschien - in der jeweiligen Sprache des betreffenden Volkes — der Name des Christus. Für den Menschen, der diese Feier mitgemacht hatte, galt das bedeutsame Wort: Er hat die Sonne um Mitternacht gesehen. Das heißt, ein Sinnbild des geistigen Schauens ist ihm erschienen. Der Mensch, dessen geistiges Auge geöffnet ist, erlebt, daß alle Materie durchsichtig wird, er sieht durch die Erde hindurch, er sieht in Wirklichkeit die Sonne um Mitternacht, er besiegt die Materie. In umgekehrter Farbe, in violett-rötlicher Farbe erscheint ihm um Mitternacht die Sonne. Was in dem großen Weltsinnbilde kosmisch erscheint, ist für den Christen, ins Menschliche übersetzt, die Erscheinung des Christus Jesus auf Erden. Wir werden alle die Sonne um Mitternacht sehen. Das steht auch in keinem Widerspruch zum Neuen Testament.
[ 5 ] This was thus represented in the mysteries. What took place as the great Christian event was a physical repetition of what happened in the mysteries for every initiate, in the small mysteries in the image, in the great mysteries within the human being. In the lesser mysteries, the important experience of the inner Christ was depicted at a very specific time of year, when the sun sends the least light to the world, on the longest night of winter — as is still the case today at Christmas. Let us picture the image that symbolized the meaning of inner human development in the lesser mysteries. In a sacred atmosphere of consecration, the people who were to see it gathered at Christmas, in the complete darkness of midnight. Then a peculiar, muffled, thunderous roar sounded, which gradually transformed into wonderful rhythmic tones, into harmonious sounds — the music of the spheres. And a faintly illuminated body, a sphere glowing dimly in the darkness, became visible, symbolizing the earth. From the faintly glowing disc of the Earth, rainbow-colored rings gradually emerged, flowing into one another and accompanying the sounds, spreading out in all directions—the divine iris. Thus, in ancient Atlantis, the Niflheim of Germanic mythology, the sun shone through the fog for the people. The apparition grew brighter and brighter, and the seven colors gradually changed to pale gold and pale violet. The formation shone ever brighter, and the light grew ever more powerful until it transformed into the brightest celestial body, the sun. In the center of this sun appeared — in the language of the people concerned — the name of Christ. For the person who had participated in this celebration, the significant words applied: he had seen the sun at midnight. That is, a symbol of spiritual vision had appeared to him. The person whose spiritual eye is open experiences that all matter becomes transparent, he sees through the earth, he actually sees the sun at midnight, he conquers matter. In reverse color, in violet-reddish color, the sun appears to them at midnight. What appears cosmically in the great world symbol is, for Christians, translated into human terms, the appearance of Christ Jesus on earth. We will all see the sun at midnight. This is also not in contradiction to the New Testament.
[ 6 ] So ist Christus die Wesenheit, die verklären wird, was jetzt noch zusammenhängt mit dem Niederen, vergöttlichen wird, was noch zusammenhängt mit dem Weltlichen. Er ist die Sonne im geistigen Gebiet. Der christliche Esoteriker oder theosophische Christ empfindet so den Christus Jesus. Zur Zeit, wenn die Kälte und Dunkelheit auf Erden am größten sind, findet die geistige Erweckung statt, weil die Eingeweihten wissen, daß alsdann bestimmte Kräfte durch den Weltenraum ziehen und die Konstellation für die geistige Erweckung dann am günstigsten ist. Die Schüler wurden belehrt, daß sie sich nicht mit dem gewöhnlichen menschlichen Wissen begnügen sollten, sondern die ganze Menschheit, die ganze Erdengeschichte zu überblicken lernen müßten. Schauet auf die Zeit hin sagte man den Schülern -, wo die Erde noch mit Sonne und Mond vereinigt war. Die damalige Menschheit lebte im Sonnenlicht. Was später die Erde werden sollte, war mit Geisteskraft erfüllt, die gleichzeitig in jedem Wesen erglänzte. - Dann kam der Zeitpunkt, wo die Sonne sich von der Erde ablöste, wo das Licht von außen auf die Erde herabschien, wo es im Inneren des Menschen finster wurde. Dieser Zeitpunkt ist der Beginn seiner Entwickelung zu jener fernen Zukunft, wo er wieder Sonnenlicht in sich tragen wird. Dann entwickelt sich in ihm der höhere Mensch, der Sonnenmensch, der Licht in sich trägt und die Kraft des Erleuchtens besitzt.
[ 6 ] Thus, Christ is the being who will transfigure what is now still connected with the lower, who will deify what is still connected with the worldly. He is the sun in the spiritual realm. The Christian esotericist or theosophical Christian perceives Christ Jesus in this way. At the time when the cold and darkness on earth are at their greatest, spiritual awakening takes place, because the initiates know that certain forces then pass through space and the constellation is most favorable for spiritual awakening. The disciples were taught that they should not be content with ordinary human knowledge, but should learn to survey the whole of humanity, the whole history of the earth. Look back to the time, the disciples were told, when the earth was still united with the sun and moon. Humanity at that time lived in sunlight. What the Earth was to become later was filled with spiritual power, which shone simultaneously in every being. Then came the moment when the sun detached itself from the Earth, when light shone down on the Earth from outside, when it became dark inside human beings. This moment marks the beginning of their development toward that distant future when they will once again carry sunlight within themselves. Then the higher human being, the sun human, who carries light within himself and possesses the power of enlightenment, develops within him.
[ 7 ] So entstand die Erde aus dem Licht, sie geht durch die Finsternis hindurch und wird wieder zum Sonnenlicht kommen. So wie gegen den Herbst und in der Winterzeit die Kraft der Sonnenstrahlen abnimmt, so tritt das Geistige in der Zeit, in welcher der Mensch die äußeren Dinge der Erde, die Materie erkennen lernen soll, ganz zurück. Aber die geistige Kraft wächst wiederum, und zur Weihnachtszeit vollzieht sich, was bei Paulus durch das Gleichnis vom Weizenkorn ausgedrückt wird. Wenn das ausgesäte Körnlein nicht in der Erde zugrunde geht, kann keine neue Frucht entstehen. In der Weihnachtszeit vergeht das alte Leben, und in seinem Schoß entsteht das neue Leben. Die Säfte der Bäume steigen von diesem Tage an, neues Leben quillt hervor, das Licht beginnt in der bis dahin zunehmenden Finsternis wieder zu wachsen. Dies denkt sich der Christ ins Geistige übersetzt. Alles Herabziehende in der Materie muß vergehen, um dem Emporsprießenden Platz zu machen. Der Christus kam in die Welt, damit gleichsam aus der Niedrigkeit herausgeboren wird, was zum Höchsten hinaufführen soll. In dem Stall der Evangelienerzählung sehen wir eine Umwandlung, eine Variante dessen, was die uralte Weisheit Höhle nannte. In ausgehöhlten Felsen wurde das Fest gefeiert, verschieden nach den Völkern. Am nächsten Tage folgte ein zweites Fest, durch das gezeigt wurde, wie das sprossende Leben aus der Erde, aus dem Gestein hervorgeht. Auch dies war ein Sinnbild des Hervorwachsens des Geistigen aus dem absterbenden Irdischen.
[ 7 ] Thus, the Earth arose from the light, it passes through darkness, and will return to sunlight. Just as the power of the sun's rays diminishes in autumn and winter, so the spiritual recedes completely during the time when human beings are to learn to recognize the external things of the earth, matter. But the spiritual power grows again, and at Christmas time what Paul expresses in the parable of the grain of wheat comes to pass. If the sown grain does not perish in the earth, no new fruit can come forth. At Christmas time, the old life passes away, and new life arises in its womb. From this day on, the sap of the trees rises, new life springs forth, and the light begins to grow again in the darkness that had been increasing until then. The Christian translates this into the spiritual realm. Everything that pulls down in matter must pass away to make room for what springs up. Christ came into the world so that, as it were, what is to lead to the highest may be born out of lowliness. In the stable of the Gospel story, we see a transformation, a variation of what ancient wisdom called the cave. The festival was celebrated in hollowed-out rocks, differently according to the peoples. The next day, a second festival followed, showing how sprouting life emerges from the earth, from the rock. This, too, was a symbol of the growth of the spiritual out of the dying earthly.
[ 8 ] Überall in den inneren Heiligtümern Ägyptens, in den eleusinischen Mysterien und im orphischen Kult in Griechenland, in Vorderasien, bei den Babyloniern und Chaldäern, im Mithrasdienst der Perser und in den Mysterien der Inder, überall wurde die Weihnacht in gleicher Weise gefeiert: Von den Teilnehmern an den kleinen Mysterien wurde das als sinnliches Schaubild gesehen, was die Eingeweihten erlebten. Was dargestellt wurde, war eine prophetische Hinweisung auf die Geburt des Christus im Menschen. Solche Eingeweihte, die es schon erreicht haben, sind, wie man sagt, auf der sechsten Stufe angelangt. Sieben solcher Stufen gab es: Auf der ersten Stufe war der Rabe, der den Verkehr zwischen dem Geistigen und der Außenwelt vermittelte. So wird in der Bibel von den Raben des Elias gesprochen, die Sage berichtet von den Raben des Wotan oder auch von den Raben Kaiser Barbarossas im Kyffhäuser.
[ 8 ] Everywhere in the inner sanctuaries of Egypt, in the Eleusinian mysteries and in the Orphic cult in Greece, in the Near East, among the Babylonians and Chaldeans, in the Mithras cult of the Persians and in the mysteries of the Indians, Christmas was celebrated in the same way: The participants in the lesser mysteries saw as a sensual spectacle what the initiates experienced. What was depicted was a prophetic reference to the birth of Christ in man. Such initiates who have already attained this are said to have reached the sixth stage. There were seven such levels: On the first level was the raven, which mediated communication between the spiritual and the outer world. Thus, the Bible speaks of the ravens of Elijah, and legend tells of the ravens of Wotan or the ravens of Emperor Barbarossa in Kyffhäuser.
[ 9 ] Auf der zweiten Stufe stand der Okkulte. Dieser war schon zum Heiligtum zugelassen, er befand sich im Inneren desselben.
[ 9 ] On the second level was the occultist. He was already admitted to the sanctuary and was inside it.
[ 10 ] Der dritte Grad war der des Kämpfers oder Streiters. Wer ihn erlangt hatte, durfte für die geistigen Wahrheiten nach außen hin eintreten.
[ 10 ] The third degree was that of the fighter or warrior. Those who had attained it were allowed to stand up for spiritual truths to the outside world.
[ 11 ] Wer den vierten Grad erreicht hatte, wurde der Löwe genannt. Sein Bewußtsein hatte sich über das seiner Individualität hinaus auf das Bewußtsein des ganzen Stammes erweitert. Man denke etwa an den Löwen vom Stamme Juda.
[ 11 ] Those who had reached the fourth degree were called lions. Their consciousness had expanded beyond their individuality to the consciousness of the entire tribe. Think, for example, of the lion of the tribe of Judah.
[ 12 ] Der Eingeweihte des fünften Grades hatte nicht nur das Stammesbewußtsein, sondern er hatte das Bewußtsein des Volksgeistes in das seine aufgenommen. Er erhielt daher den Namen seines Volkes, bei den Persern hieß er zum Beispiel der «Perser». Den Nathanael nennt Jesus einen «rechten Israeliter»; Jesus erkennt in ihm den Eingeweihten des fünften Grades.
[ 12 ] The initiate of the fifth degree not only had tribal consciousness, but had also absorbed the consciousness of the national spirit into his own. He therefore received the name of his people; among the Persians, for example, he was called the “Persian.” Jesus calls Nathanael a “true Israelite”; Jesus recognizes him as an initiate of the fifth degree.
[ 13 ] Die Bezeichnung dessen, der die sechste Stufe erreicht hatte, bezieht sich auf eine wichtige Eigenschaft. Wenn wir uns in der Natur umschauen, so sehen wir die Naturwesen sich hinaufentwickeln von den niedrigsten Wesen bis zum Menschen, und vom Durchschnittsmenschen hinauf bis zu dem, der in sich den Christus geboren werden laßt. Bei den niedrigen Wesen sehen wir überall Rhythmus im Leben, einen Rhythmus, der den Wesen von der Sonne auferlegt wird. Die Pflanzen blühen stets zur selben Jahreszeit, je nach ihrer Art, und öffnen ihre Blüten, jede Art zur selben Zeit des Tages. Auch die Tiere zeigen in wichtigen Lebensfunktionen ihren Jahresthythmus. Nur der Mensch verliert immer mehr diese Regelmäfßigkeit. Er wird frei von dem Zwang des ihm ursprünglich ebenfalls auferlegten Rhythmus. Wenn aber die Liebe zu allen Wesen in ihm erwacht und ihn durchflutet, dann wird ein neuer, eigener Rhythmus aus ihm heraus geboren. Dieser ist nun so regelmäßig wie der Rhythmus der Sonne, die nie um ein Kleinstes von ihrem Lauf abweicht - die Folgen davon würde man sich kaum ausmalen können. In dem Eingeweihten des sechsten Grades sah man ein Abbild des Ganges der segenspendenden Sonne im Weltenraume, das Abbild des Christus im Menschen und in der Geisteswelt. Deshalb wurde der sechste Grad der Sonnenheld genannt.
[ 13 ] The designation of one who had reached the sixth stage refers to an important characteristic. When we look around us in nature, we see the beings of nature evolving from the lowest beings to human beings, and from the average human being up to the one who allows Christ to be born within himself. In the lower beings, we see rhythm everywhere in life, a rhythm imposed on them by the sun. Plants always bloom at the same time of year, depending on their species, and open their flowers at the same time of day. Animals also show their annual rhythm in important life functions. Only humans are increasingly losing this regularity. They become free from the compulsion of the rhythm that was originally imposed on them. But when love for all beings awakens in them and floods through them, a new rhythm of their own is born from within them. This is now as regular as the rhythm of the sun, which never deviates in the slightest from its course — the consequences of which would be almost impossible to imagine. In the initiate of the sixth degree, one saw an image of the course of the beneficent sun in the universe, the image of Christ in man and in the spiritual world. That is why the sixth degree was called the Sun Hero.
[ 14 ] Ein Schauer ging durch die Seele des Schülers, der einen solchen Sonnenhelden erblickte. In diesem war der Christus innerlich geboren. Das stellte ein Ereignis dar, das als Geburt auf dem geistigen Plan empfunden wurde. Von den Eingeweihten der ersten Jahrhunderte wurde die Geburt des historischen Jesus in die äußerlich dunkelste Zeit des Jahres gesetzt, weil damit die geistige Sonne aufgegangen war. Darum wurde bei den ersten Christen auch die Mitternachtsmesse eingeführt, ein Kultus um die finstere mitternächtige Stunde, wo dann ein Lichtmeer auf dem Altar aufleuchtete. Der höchste Grad war der des Vaters.
[ 14 ] A shiver ran through the soul of the disciple who beheld such a Sun Hero. In him, Christ was born inwardly. This was an event that was perceived as a birth on the spiritual plane. The initiates of the first centuries placed the birth of the historical Jesus in the darkest time of the year, because with it the spiritual sun had risen. That is why the first Christians also introduced midnight mass, a cult around the dark midnight hour, when a sea of light shone on the altar. The highest degree was that of the Father.
[ 15 ] Was sich so oft im einzelnen in den Mysterien, fern von allem äußeren Geschehen, vollzogen hatte, spielte sich in Christus Jesus offen in der Weltgeschichte ab. Nichts Höheres kann erlebt werden in der menschlichen Seele als das, was äußerlich in der physischen Welt in dem Besieger des Todes, dem Bringer des Unterpfandes für ein ewiges Leben der Seele, gebracht wurde. Was aus der sterbenden Welt als neue Lebensfrucht erwuchs, wurde von den Eingeweihten als die Geburt des Christus-Kindes empfunden in der geistigen Welt. Wer das Geistige nicht abgesondert denkt von der physischen Welt, fühlt einen tiefen Zusammenhang zwischen der Sonne in der Weihnacht und dem Geistesleben, das sich entwickelt aus dem Weltenleben. In der Weihnacht wird die Geburt des größten Ideals hingestellt, das es für die Welt gibt, das verwirklicht wird, wenn die Erde ihr Ziel erreicht. Was jetzt prophetisch verkündet wird, das wird dereinst zur Wirklichkeit. Wie die todbesiegende Liebe auflebt im leuchtenden Weihnachtsbaum, so wird sie in Zukunft in allen Menschen selbst aufleben. Als Perspektive steht es jetzt da.
[ 15 ] What had so often taken place in detail in the mysteries, far removed from all external events, unfolded openly in world history in Christ Jesus. Nothing higher can be experienced in the human soul than what was brought about externally in the physical world by the conqueror of death, the bringer of the pledge of eternal life for the soul. What grew out of the dying world as a new fruit of life was perceived by the initiates as the birth of the Christ Child in the spiritual world. Those who do not think of the spiritual as separate from the physical world feel a deep connection between the sun at Christmas and the spiritual life that develops from the life of the world. Christmas represents the birth of the greatest ideal that exists for the world, which will be realized when the earth reaches its goal. What is now prophetically proclaimed will one day become reality. Just as love that conquers death comes to life in the shining Christmas tree, so it will come to life in all human beings in the future. It now stands before us as a prospect.
[ 16 ] So fühlen wir im Sinn des Weihnachtsfestes etwas, was aus weiter Ferne zu uns kommt, was aber schon in uralten Zeiten immer gefeiert wurde. Bei richtiger Erkenntnis wird das Fest wieder eine viel höhere Bedeutung für uns erlangen. Auch der Baum wird uns wichtiger werden als Sinnbild jenes Paradiesbaumes, den Sie alle aus der Genesis kennen. Das Paradies ist ja ein Bild für die höhere Menschennatur, an der nichts Böses hängt. Erkenntnis konnte nur errungen werden auf Kosten des Lebens. Wie dies angesehen wurde von denen, die da wußten, soll eine Legende erläutern: Als Seth wieder zum Paradies hingehen wollte, ließ ihn der Cherub mit dem feurigen Schwert herein. Da fand er, daß der Baum des Lebens und derjenige der Erkenntnis miteinander verschlungen waren. Auf die Weisung des Cherubs durfte er drei Samenkörner von diesem vereinigten Baume nehmen. Der Baum stellt dar, was der Mensch einst werden soll und was erst der Eingeweihte bereits erreicht hat. Als Adam gestorben war, nahm Seth die drei Samenkörner und steckte sie in Adams Mund. Daraus entsproß ein flammender Busch, worin die Worte standen: «Ejeh Asher ejeh» - «Ich bin, der da ist, war und sein wird.» Weiter erzählt die Legende, Moses habe daraus seinen Wunderstab angefertigt. Später sei vom selben Holze das Tor des salomonischen Tempels erbaut worden. Dann sei ein Stück davon in den Teich Bethesda gefallen und habe ihm Wunderkraft verliehen. Und endlich sei daraus das Kreuz Christi geformt worden. Es ist ein Bild für das absterbende, im Tode vergehende Leben, das in sich die Kraft hat, neues Leben hervorzubringen.
[ 16 ] Thus, in the spirit of Christmas, we feel something that comes to us from far away, but which has always been celebrated since ancient times. With proper understanding, the festival will once again take on a much greater significance for us. The tree will also become more important to us as a symbol of the tree of paradise, which you all know from Genesis. Paradise is, after all, an image of the higher human nature, to which nothing evil is attached. Knowledge could only be gained at the cost of life. How this was viewed by those who knew is explained in a legend: When Seth wanted to return to paradise, the cherub with the fiery sword let him in. There he found that the tree of life and the tree of knowledge were intertwined. On the cherub's instructions, he was allowed to take three seeds from this united tree. The tree represents what man is to become and what only the initiate has already achieved. When Adam died, Seth took the three seeds and put them in Adam's mouth. From them sprouted a flaming bush, in which were written the words: “Ejeh Asher ejeh” - “I am who is, was, and will be.” The legend goes on to say that Moses made his miracle staff from it. Later, the gate of Solomon's temple was built from the same wood. Then a piece of it fell into the pool of Bethesda and gave it miraculous powers. And finally, it was used to make the cross of Christ. It is an image of dying life, passing away in death, which has the power to bring forth new life.
[ 17 ] Ein großes Symbol steht vor uns: das Leben, das den Tod überwunden hat, das Holz aus dem Samenkorn des Paradieses. Dieses untergehende und neu entstehende Leben stellt uns das Rosenkreuz vor. Nicht ohne Grund sagte der große Goethe daher:
[ 17 ] A great symbol stands before us: life that has overcome death, the wood from the seed of paradise. The Rosicrucians present us with this dying and newly emerging life. It was not without reason that the great Goethe said:
Und so lang du das nicht hast,
Dieses: Stirb und Werde!
Bist du nur ein trüber Gast
Auf der dunklen Erde.
And as long as you do not have that,
This: Die and become!
You are only a gloomy guest
On the dark earth.
[ 18 ] Welch wunderbarer Zusammenhang zwischen dem Baum des Paradieses, dem Holz des Kreuzes und dem daraus sprießenden Leben! Die Geburt des ewigen Menschen im zeitlichen Leben zu empfinden, das soll für uns die Christus-Idee, die Weihnacht sein. Auf sich anwenden muß es der Mensch jetzt schon: «Das Licht scheint in die Finsternis», und allmählich muß die Finsternis das Licht begreifen. All die Seelen, in denen die Weihnacht den richtigen Funken erregt, werden lebendig fühlen, was die Weihnacht in ihnen geboren werden läßt, die Fähigkeit, die sich ihnen zur Kraft entwikkeln wird, die sie instandsetzen wird, so zu sehen, zu fühlen, zu wollen, daß sich der Spruch umkehrt und es heißt: Das Licht scheint in die Finsternis, und die Finsternis hat das Licht nach und nach begriffen.
[ 18 ] What a wonderful connection between the tree of paradise, the wood of the cross, and the life that springs from it! To feel the birth of the eternal human being in temporal life – that is what the idea of Christ, Christmas, should be for us. Human beings must already apply this to themselves: “The light shines in the darkness,” and gradually the darkness must comprehend the light. All souls in whom Christmas awakens the right spark will feel alive what Christmas brings forth in them, the ability that will develop into strength, enabling them to see, feel, and will in such a way that the saying is reversed and it is said: The light shines in the darkness, and the darkness has gradually understood the light.
