The Christian Mystery
GA 97
22 February 1907, Vienna
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The Christian Mystery, tr. Meuss
22. Die christliche Einweihung und die Rosenkreuzerschulung
22. Christian Initiation and Rosicrucian Training
[ 1 ] Haben wir gestern ein Thema besprochen, das mehr die äußere, exoterische Seite der Geisteswissenschaft betrifft, so dürfen wir heute über die innere Seite, die esoterische Seite der Geisteswissenschaft, einige Betrachtungen anstellen.
[ 1 ] Yesterday our theme was more connected with the external, exoteric aspect of spiritual science.174Public lecture on spiritual research and its mission given in Vienna on 21 February 1907. Rudolf Steiner spoke on the same subject in Berlin on 11 October 1906 (see Supersensible Knowledge (GA 55); tr. R. Stebbing. Hudson & London: Anthroposophic Press & Rudolf Steiner Press 1987. Today we will have some comments on the inner, esoteric aspect of spiritual science.
[ 2 ] Wenn man, wie es heute unsere Aufgabe ist, zu einem großen oder auch kleineren Publikum über die Ergebnisse der Forschung des Übersinnlichen redet, so wird gar bald die Frage gestellt: Woher weiß man das? Wie kann man denn dazu kommen, selbst etwas zu erfahren in bezug auf die höheren Welten? — Diese Frage ist eine sehr berechtigte. Nur hat man sich klar zu sein darüber, daß man nicht allzufrüh, etwa gar vor der Bekanntschaft mit den wichtigen geisteswissenschaftlichen Ideen, diesen Weg des eigenen Beobachtens gehen kann. Man muß schon eine Art von Bekanntschaft mit den allgemeinen Ideen und Gedanken der Anthroposophischen Weltanschauung gemacht haben. Man muß versucht haben, die Ahnung zu bekommen, die jedem Menschen aufdämmert, daß Wahrheit in der Anthroposophie ist. Man muß endlich versucht haben, aus der menschlichen Logik heraus den inneren Zusammenhang der geisteswissenschaftlichen Lehren zu begreifen.
[ 2 ] When one speaks to a large or also a smaller audience about the discoveries made in spiritual research, which is our mission today, people will soon ask where such knowledge comes from. How can one also come to learn something about the higher worlds oneself? The question is very much to the point. One has to understand, however, that one cannot make one's own observations at a very early stage, and certainly not before one is familiar with the important ideas in the science of the spirit. It is necessary first to make the acquaintance, in a way, of the general ideas and thoughts that are part of the anthroposophical approach. One must have made the effort to gain some idea, and it is possible for everyone to do so, that there is truth in anthroposophy. Finally one must have tried, using human logic, to grasp the inner connections in what is taught in the science of the spirit.
[ 3 ] Heute kann eigentlich prinzipiell nichts dagegen eingewendet werden, wenn jemand Verlangen trägt, selbst aufzusteigen zu den Stufen der höheren Erkenntnis. Gewiß wird von manchen Seiten recht viel von den Gefahren und von all dem gesprochen, was sich der okkulten Entwickelung - so nennt man nämlich die innere Entwickelung des Menschen — entgegentürmt. Viel wird über Hathajoga und Rajajoga gesprochen, doch hat dies mehr theoretischen Wert. Wenn die Sache richtig gemacht wird, wenn derjenige, der eine solche innere Entwickelung leitet, auch dazu berufen ist, das zu tun, dann besteht eigentlich die Gefahr nicht. Es muß nur alles richtig gemacht werden, darauf kommt es an. Ein solcher Vortrag wie der heutige ist etwa nicht dazu da, Anleitungen zu geben - dies sei besonders hervorgehoben -, diese müssen ausdrücklich von Mensch zu Mensch gegeben werden. Wer sie gibt, übernimmt eine große Verantwortung, und wer sie sich geben läßt, muß sich klar sein, daß der Erwählte sein Vertrauen auch wirklich verdient. Dieses Vertrauen ist etwas, was unbedingt vorhanden sein muß.
[ 3 ] In principle there can be no objection today to someone wanting to ascend through the stages of higher knowledge himself. Yes, people talk a great deal of the dangers and obstacles one meets in occult development—which is the term used for our inner development. There is much talk of hatha-yoga and raja-yoga,175Hatha-Yoga uses mainly external methods such as holding one's breath and special body positions. Raja-Yoga is the 6th to 8th stages on the way to salvation in Sankhya philosophy—concentration, meditation, complete absorption. but this is really just theory. If the thing is done the right way, if the individual who guides such inner development is also entitled to do so, there is really no danger. It is important to do things the right way, that is what matters. A lecture like the one I am giving today is not designed to give instructions—please let me stress this—for these must always be from person to person. Giving such instructions is a tremendous responsibility, and receiving them one must understand that the chosen individual really deserves one's trust. This trust is absolutely essential.
[ 4 ] Die okkulte oder innere Entwickelung des Menschen führt also den einzelnen nach und nach hinauf zu den Stufen der eigenen Erkenntnis. Ich möchte Ihnen nun das Wesentliche der inneren Entwickelung skizzieren, und zwar, wie schon gesagt, zur Information, nicht zur Anleitung.
[ 4 ] Occult or inner human development will thus gradually take the individual through the stages of higher knowledge. Let me give you an outline of the essential aspects of this, for information, as I said, not in form of instructions.
[ 5 ] Wenn jemand den Gipfel der Erkenntnis erreicht hat, wenn jemand oben am Gipfel des Berges steht, hat er nach allen Seiten freie Aussicht. So ist es im physischen Dasein, so auch in der Erkenntnis. Solange man nicht oben ist, solange man am Wege ist, so lange hat man die freie Aussicht nicht. Man lernt, je mehr man steigt, immer mehr kennen, aber immer bleibt noch ein großer Teil durch den Berg verdeckt. Sehr gut paßt dieses Bild des Berges auf die innere Entwickelung. Ein jeder muß auch, wenn er die Stufen der höheren Erkenntnis hinaufsteigen will, von einem Punkte ausgehen, der für ihn geeignet ist. Das heißt, die Menschen sind verschieden auf Erden, verschieden auch hinsichtlich ihrer physischen, ätherischen und astralischen Konstitution. Die äußere Natur eines Hindu, eines Menschen aus Vorderasien, eines Europäers oder Amerikaners sind voneinander verschieden, viel mehr als sich der Nichtokkultist vorstellen kann. Was einer Hindunatur an Übungen in bezug auf innere Entwickelung frommt, das ist nicht ohne weiteres einer abendländischen Natur zuzumuten. Es war also ein Fehler, daß man die orientalische Jogalehre nach Europa übertrug. Dadurch wurde viel Unheil angerichtet. Der viel weichere Leib des Hindu kann ganz anders entwickelt werden, als der durch die Zivilisation, wenn man so sagen darf, viel härter gemachte Europäaerorganismus. So sind die menschlichen Naturen viel verschiedener, als Sie sich vorstellen können. Der Anatom kann Ihnen nichts sagen darüber, aber wer als Hellseher einen Blick in das Innere hinein tut, der weiß, wie gewaltig verschieden die Naturen sind.
[ 5 ] When someone has reached the summit of understanding, when someone is up on the mountain top, he has an open view in all directions. That is how it is in physical existence and also in the process of gaining insight. One does not have that open view when one has not yet reached the top but is on the way up. As one climbs higher, one is able to perceive more and more, but a great deal continues to be hidden by the mountain. This image of a mountain is a good one for inner development. Everyone who seeks to ascend to levels of higher insight must start from a point that is right for him. This means, people are different on this earth, also in their physical, etheric and astral constitutions. The outer natures of a Hindu, a person from the Near East, a European or American differ, much more so than someone who does not have occult knowledge may think. Exercises suitable for the inner development of anyone who has the Hindu nature cannot be used in that way for a Western person. It was wrong, therefore, to transfer the Oriental yoga teaching to Europe. This has done much harm. A Hindu's much softer body can be developed in a very different way than a European organism which has grown much harder due to Western civilization. Human natures thus differ much more than you may think. An anatomist cannot tell you anything about this, but someone who is clairvoyant and looks inside knows how tremendously natures differ.
[ 6 ] Nun kann man die heutige Menschheit in drei Typen einteilen: Erstens gibt es noch immer solche, für die im wesentlichen die orientalische Jogaeinweihung passend ist, dann solche, für welche der christlich-gnostische Weg möglich ist, endlich aber diejenigen und das ist bei der weitaus größten Zahl der Fall -, für die jener Weg geeignet ist, der seit dem 14. Jahrhundert als Rosenkreuzerweg bekannt ist. Wohlgemerkt, diese Wege führen nicht etwa zu verschiedenen Erkenntnissen, denn, wenn man oben ist am Gipfel, sind alle Dinge gleich. Aber die Wege sind und müssen verschieden sein.
[ 6 ] We can divide present-day humanity into three types. There are still those for whom the Oriental yoga initiation is essentially right, others for whom the gnostic Christian way is open, and finally those—and they are by far the greatest in number—for whom the way known as the Rosicrucian way from the 14th century is the right one. Please note, these ways do not lead to different insights, for once you are up on the summit all things are the same. But the ways that lead to the summit are and must be different.
[ 7 ] Auf dem christlich-gnostischen Wege kann man Mannigfaltiges erreichen, man kann zu den höchsten Erkenntnissen kommen. Der Rosenkreuzerweg ist aber für den modernen Menschen geeignet, weil dieser Mensch in Lagen kommen kann, wo sich ihm deshalb, weil er innerhalb unseres Lebens lebt, Zweifel ergeben, Störungen einstellen, welche er für sich und sein Wirken in der Welt beseitigen muß. Dies ist nur möglich bei der einen inneren Schulung mit Grundlage der rosenkreuzerischen Methode, die für die abendländische Welt die richtige ist.
[ 7 ] Many things can be achieved by taking the gnostic Christian way, and it is possible to gain the most sublime insights. But the Rosicrucian way is suitable for modern people because they may find themselves in situations where doubts arise and trouble looms because of our present-day way of life, and these must be removed for the sake of the individuals concerned and for their work in the world. This is only possible if one goes through inner training based on the Rosicrucian method, which is the right one for the Western world.
[ 8 ] Ich möchte nur einige Gesichtspunkte der christlich-gnostischen Einweihung angeben, damit Sie sehen, daß hier noch ein Gebiet ist, über das man noch viel heute lernen kann. Ich werde dann ohne weiteres zur Rosenkreuzerschulung übergehen. Den orientalischen Jogaweg wollen wir heute nicht weiter berühren.
[ 8 ] Let me present some aspects of gnostic Christian initiation, so that you may see it as a field about which much can still be learned today. I am then going to go straight on to Rosicrucian training. We'll leave the Oriental yoga way aside for today.
[ 9 ] Der christliche Weg ist in einer Schrift vorgezeichnet, die außerhalb okkulter Kreise kaum verstanden wird. Vollständig vorgezeichnet ist der richtige Weg der christlichen Einweihung im JohannesEvangelium.
[ 9 ] The Christian way is laid down in a text that is little understood outside occult circles. The gospel of John gives a complete outline of the right way of Christian initiation.
[ 10 ] Das Johannes-Evangelium gehört zu den tiefsten Schriften der Welt, nur muß man es richtig lesen können, das heißt, man muß nicht glauben, daß das Lesen allein genügend und richtig ist. Es ist ein Lebensbuch. Vor allem müssen Sie sich klar sein, daß schon die ersten Worte nicht bloß zum Lesen, nicht zum philosophischen Spekulieren geschrieben sind, daß sie geschrieben sind zur Meditation. Nur muß man sie in der richtigen Weise haben, nicht in der gewöhnlichen Übersetzung, sondern aus der deutschen Sprachsubstanz heraus müssen die ersten Verse aus dem Johannes-Evangelium so geschaffen werden, daß nicht bloß der Sinn der Sätze, sondern auch der Lautwert der Sätze da ist. Denn im wirklichen okkulten Leben kommt noch dasjenige in Betracht, was man den Lautwert der Worte nennt.
[ 10 ] John's gospel is one of the most profound texts in the world, but one has to be able to read it in the right way, that is, one should not think that just reading it is enough and the right thing to do. It is a book for life. Above all you have to understand that even the first words are not written just for people to read or for philosophical speculation. They are written for meditation. We have to have them the proper way, however, not in the usual translation. The first verses of John's gospel must be created out of the substance of the language so that one has not only the meaning of the sentences but also their sound quality. The sound quality or value still matters for genuine occult life.
[ 11 ] Die Meditation besteht in der inneren Versenkung in gewisse Formeln, Sätze oder auch Worte, aber die Meditation, die ein wichtiges Mittel der Entwickelung darstellt, ist nicht etwa nur eine philosophische oder verstandesmäfßige Versenkung in dasjenige, was einem der okkulte Lehrer gibt, sondern es ist ein Aufgehen bis in den Lautwert hinein. Wenn Sie über einen Satz nachdenken würden, den Ihnen ein Lehrer gibt, könnten Sie nur das an Gedanken herausbringen, was Sie schon haben. Sie sollen aber etwas Neues erhalten, darum handelt es sich. Meditationssätze sind Sätze, welche Ihnen die Pforte aufschließen zur geistigen Welt, welche beruhen auf jahrhundertelanger Erfahrung. Man weiß, dafß sie in jedem Buchstaben, in jeder Wendung eine Wirkung auf die Seele haben. So müssen Sie die ersten Sätze genau dem Buchstaben nach meditieren. Sie lauten, richtig übersetzt:
[ 11 ] To meditate, we enter deeply into particular formulas, sentences or even words. But meditation as an important means of inner development is not a matter of entering into something we are given by our occult teacher in a philosophical or intellectual way. It is a matter of entering into the actual sound qualities. If you were to think about a sentence your teacher has given you, you could only develop thoughts about it that you already have. You are, however, to have something new. That is the important point. Sentences given for meditation open up the gates to the world of the spirit for you. They are based on experience gained over hundreds of years. Every letter, every turn of phrase is known to have an effect on the soul. You therefore need to meditate those first sentences to the letter. Correctly translated they are:
«Im Urbeginne war das Wort, und das Wort war bei Gott, und ein Gott war das Wort.
Dieses war im Urbeginne bei Gott.
Alles ist durch dasselbe geworden, und außer durch dieses ist nichts von dem Entstandenen geworden.
In diesem war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen.
Und das Licht schien in die Finsternis, aber die Finsternis hat es nicht begriffen.
Es ward ein Mensch, gesandt von Gott, mit seinem Namen Johannes.
Dieser kam zum Zeugnis, auf daß er das Zeugnis ablege von dem Licht, auf daß durch ihn alle glauben sollten.
Er war nicht das Licht, sondern ein Zeuge des Lichtes. Denn das wahre Licht, das alle Menschen erleuchtet, sollte in die Welt kommen.
Es war in der Welt, und die Welt ist durch es geworden, aber die Welt hat es nicht erkannt.
In die einzelnen Menschen kam es (bis zu den Ich-Menschen kam es), aber die einzelnen Menschen (die Ich-Menschen) nah men es nicht auf.
Die es aber aufnahmen, die konnten sich durch es als Gottes Kinder offenbaren.
Die seinem Namen vertrauten, sind nicht aus Blut, nicht aus dem Willen des Fleisches, und nicht aus menschlichem Willen, sondern aus Gott geworden.
Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt, und wir haben seine Lehre gehört; die Lehre von dem einzigen Sohn des Vaters, erfüllt von Hingabe und Wahrheit.»
In the origin was the word, and the word was with god, and a god was the word.
This was in the origin with god.
All things have come into being through it, and except by this, nothing of what has arisen has come into being.
In it was life, and the life was the light of humanity. And the light shone into the darkness, but the darkness did not grasp it.
There came to be a human being, sent by god, his name John.
He came to bear witness that he might bear witness to the light and that through him all might believe.
He was not the light but a witness of the light.
For the true light that enlightens all human beings was to enter into the world.
It was in the world, and the world came into being through it, but the world did not recognize it.
Into individual human beings (all the way to the I-human beings) it came, but the individual human beings (the I-human beings) did not receive it.
Those however who did receive it were able to reveal themselves through it to be god's children.
Those who put their trust in its name have come into being not out of the blood, not out of the will of the flesh, not out of the will of man, but out of god.
And the word came to be flesh and dwelt among us and we have heard its teaching, the teaching of the one son of the father, full of loving devotion and truth.
[ 12 ] Wenn wir langer miteinander sprechen könnten, könnte ich Ihnen manches über diese ersten Sätze sagen. Was ich Ihnen jetzt über diese christliche Einweihung kurz sage, haben Hunderte und aber Hunderte von Menschen durchgemacht. Es ist eine praktische Erfahrung für Tausende geworden. Nur andeuten will ich Ihnen einige Stufen der christlichen Einweihung.
[ 12 ] If we had more time together I could tell you many things about these first sentences. Hundreds and hundreds of people have gone through the things I am now telling you about this Christian initiation. It has become practical experience for thousands. Let me just briefly indicate some stages of Christian initiation.
[ 13 ] Dem Schüler wurde vorerst gesagt: Du hast zunächst durch Wochen, Monate, Jahre hindurch jeden Morgen eine gewisse Zeit lang diese ersten Sätze des Johannes-Evangeliums in deiner Seele leben zu lassen. Du hast diese Zeit hindurch die Aufmerksamkeit von allem abzuwenden, was um dich vorgeht. Blind und taub mußt du werden für alles um dich, und aufsteigen müssen diese Worte in deiner Seele, als ob du sie hörtest, Tag für Tag, immer und immer wieder.
[ 13 ] The pupils would first of all be told: For weeks, months, years you must set some time aside every morning when you let these first lines of John's gospel come alive in your soul. Turn your attention away from everything that is going on around you during this time. You must turn blind and deaf to everything around you, and these words should arise in your soul as though you were hearing them, day by day, over and over again.
[ 14 ] Diese Übung hat zunächst eine bestimmte Wirkung auf die Seele. Sie zaubert heraus, daß ein solcher Mensch sieht, wie seine Träume plötzlich regelmäßig werden, wie sie regelmäßige Formen annehmen. Und dann kommt jener Moment, wo der Mensch weiß, daß er nicht in einer Welt des Traumes ist. Sondern er weiß: Jetzt hast du eine neue Wirklichkeit um dich herum, die imaginative, die astralische. - Wie man im gewöhnlichen Bewußtsein Baum und Strauch um sich sieht, so sieht man nun die Erlebnisse jener Welt. Stufenweise kommen sie heraus, und dann weiß man, was sie bedeuten. Zuerst wie Traumbilder, dann immer mehr und mehr als lebende Wachvision sieht der Schüler die ersten zwölf Kapitel des Johannes-Evangeliums vor sich.
[ 14 ] This exercise will first of all have a particular effect on the soul. Its magic brings it about that such a person suddenly finds his dreams becoming regular, assuming regular forms. And then a moment will come when the individual knows that he is not in a dream world. Instead he'll know that he has a new reality around him—imaginative astral reality. Just as in ordinary conscious awareness we see tree and shrub around us, so we now see the things experienced in yonder world. Initially like dream images, and then more and more in a living vision seen in the waking state, the pupil will see the first twelve chapters of John's gospel before him.
[ 15 ] Nach diesem Erleben sagt der Lehrer der christlichen Einweihung dem Schüler: Nunmehr hast du dich vorzubereiten für das Erleben des dreizehnten Kapitels. Stelle dir eine Pflanze vor! Diese Pflanze wächst aus dem mineralischen Reiche heraus. Wenn sie denken und empfinden könnte, dann müßte sie zu dem mineralischen Reiche sagen: Aus dir wachse ich heraus, du bist zwar ein niedereres Reich als ich, aber unmöglich könnte ich ohne dich leben. Und dankbar müßte sie sich zum mineralischen Reiche hinneigen und sagen: Ich danke dir, Stein! Dir verdanke ich das ganze Dasein. — Ebenso müßte das Tier zur Pflanze sprechen. Und der Mensch müßte sich zu den niederen Naturreichen hinunterneigen und dasselbe empfinden. Und jeder, der auf der sozialen Stufenleiter höher emporgekommen ist, müßte sich hinunterneigen zu dem unter ihm Stehenden und sagen: Ohne dich könnte ich nicht leben.
[ 15 ] After this experience the teacher of Christian initiation will say to his pupil: ‘You must now prepare for the experience of the 13th chapter. Imagine a plant. This grows out of the mineral world. If it were able to think and have inner responses it would have to say to the mineral world: “I grow out of you. You may be a lower world than I am, but I could not possibly live without you.” And it would have to bend down to the mineral world in gratitude and say: “I thank you, stone! I owe to you my whole existence.”’ An animal would have to speak in the same way to the plant. And man would have to bend down to the lower worlds of nature and have the same inner response. And everyone who has advanced more on the social scale should bend down before those who are below him and say: ‘Without you I could not have life.’
[ 16 ] Darin ganz aufzugehen, hat der Schüler sich zu üben, wochen-, monatelang. Dann kommen zwei Symptome, für alle die gleichen. Er erlebt zunächst das äußere wie auch das innere Symptom als eine ganz bestimmte Tatsache. Er sieht sich selbst als den Dreizehnten, der den Zwölfen die Füße wäscht. Der Christus Jesus hat den Zwölfen in der Fußwaschung diese große Wahrheit klarmachen wollen. Dieses wunderbare Seelenerlebnis kommt in der Einweihung über den Menschen. Bis zu äußeren Symptomen geht es. Er erlebt etwas, was er empfindet, als wenn er seine Füße in Wasser tauchte. Niemand braucht sich davor zu fürchten, es vergeht bald wieder.
[ 16 ] The pupil has to practice giving himself up to this completely and do so for weeks and months. Then two symptoms will arise, which are the same for everyone. He will first of all experience both the external and the inner symptom as a particular fact. He will see himself as the thirteenth, who washes the feet of the twelve. In washing their feet, Christ Jesus sought to make this great truth apparent to the twelve. This wondrous inner experience comes to the human being in the process of initiation. It also goes as far as external symptoms. He will experience something that feels as if he was dipping his feet in water. Nobody needs to be afraid of this; it will soon pass.
[ 17 ] Wenn der Schüler so weit ist, dann kommt der Lehrer und sagt: Jetzt hast du dich in eine andere Empfindungssphäre zu begeben. Das Leben bringt von allen Seiten Leid und Schmerz. Du mußt dich in einen Zustand hineinversetzen, daß du allem Leid und allem Schmerze, wie sie auch von allen Seiten der Welt kommen, als aufrechter Mensch begegnest, so daß sie dir nichts anzuhaben vermögen. Wochen- und monatelang mußt du in diesen Dingen verharren. -— Dann kommt ein Zeitpunkt, wo ein astralisches Symptom eintritt. Er sieht sich in der Vision der Geißelung, und am ganzen Körper tritt eine ähnliche Empfindung auf, die zwar wieder vergeht, die aber so wirkt, daß sich der Schüler mit dieser Empfindung bis in den ganzen Körper hinein durchdringt. Damit hat er sich reif gemacht, aufrechtzustehen in den Geißelhieben des Lebens.
[ 17 ] When the pupil has gone this far, the teacher will come and say: ‘Now you must enter into another sphere of inner responsiveness. In life pain and suffering come to us from all directions. You must enter into a condition where you meet all the suffering and all the pain that are coming from all directions in this world as an upright human being, so that they cannot harm you. You must stay with these things for weeks and months.’ Then a time comes when an astral symptom shows itself. He'll see himself in a vision of the scourging, with a sensation rather like it felt all over the body, which will pass; but the result will be that the pupil lets this feeling enter into the whole of his body. With this he has reached a level of maturity where he is able to land upright as life plies its scourge.
[ 18 ] Für die dritte Stufe erhält er die Anweisung: Nun hast du dich hineinzuversetzen in die Empfindung, wie es mit dir stände, wenn du nicht nur Schmerz und Leid zu erdulden hättest, sondern wie wenn dir auch noch das, was dir das Heiligste ist, mit Hohn und Spott übergossen würde. Du mußt durch die Kräfte des Inneren stehen können, du mußt einen solchen Mittelpunkt in dir haben, daß du aufrechtstehen kannst. Dann tritt eine neue Vision auf: Der Schüler sieht sich als dornengekrönt. Er hat als das äußere Symptom eine Art Kopfschmerz, der bis in die Glieder hinein zeigt, daß sich dieses große Erlebnis eingestellt hat.
[ 18 ] For the third stage he is given the instruction: ‘You must now enter into an inner feeling of how things would be with you if you not only had to bear pain and suffering but had scorn and derision poured over all that is most sacred to you. You must be able to stand up, using the powers of your inmost soul, and have a centre in you that enables you to stand erect.’ A new vision will then come, where the pupil sees himself wearing the crown of thorns. The external symptom of this is a kind of headache. This indicates, right down into the limbs, that this great experience has come.
[ 19 ] Dann kommt die vierte Station. Es muß der irdische Leib für den Schüler wie ein Außending werden. Die meisten Menschen empfinden ihn als das Ich. Wie ein Stück Holz, wie etwas Äußerliches muß der Leib werden. Der Schüler muß sich angewöhnen zu sagen, statt «Ich komme zur Tür herein»: «Ich trage den Leib zur Tür herein». Ganz objektiv muß ihm der Leib werden. Wenn der Schüler sich darin wochen- und monatelang hineingelebt hat, dann hat er eine Vision, ein astralisches Erlebnis: Er sieht sich gekreuzigt. Das ist die vierte Station. Und als äußeres Symptom treten für eine kurze Zeit während der Meditation die Wundmale, die Stigmata auf, an den Händen, Füßen und der rechten Seite — nicht links, wie gewöhnlich angenommen wird. Sie zeigen, wie sich dieser Grad der Entwickelung bis in den fleischlichen Leib hineingearbeitet hat.
[ 19 ] Then comes the fourth station. The earthly body must become an outside thing for the pupil. Most people feel it is their I. The body has to be like a piece of wood, something external. The pupil must learn to say not ‘I am walking through this door’, but ‘I carry the body through this door.’ His body must be very much an object to him. Having lived into this for weeks and months, the pupil will have a vision, an astral experience where he sees himself crucified. That is the fourth station. Stigmata will appear for a brief period during meditation as an external symptom on the hands, feet and in the right side—not the left, as is generally thought. They indicate that this degree of development has also entered into the flesh.
[ 20 ] Dann kommen Stufen, über die wir nicht mehr sprechen können, weil wir keine Worte dafür haben. Die fünfte Stufe ist der mystische Tod, wo der Schüler tatsächlich zuerst erlebt, wie wenn zwischen ihm und der Wirklichkeit etwas stünde wie ein schwarzer Vorhang. Bis ihm die Erkenntnis aufgeht, fühlt er etwas wie eine Art Verlorenseins, eine Art des ganz und gar Einsamstehens. Die Fleischeswelt ist, wie wenn sie versunken wäre, und wie ein undurchdringlicher schwarzer Vorhang liegt es vor dem Auge der Seele. Das ist ein Mornent, den jeder, der diesen Einweihungsweg geht, erleben muß. Man macht die Bekanntschaft mit allem, was als wirklich großes Leid und Schmerz auf dem Grunde der Seele ruhen kann, und mit allem Bösen, das in der Welt vorhanden ist. Das ist das Hinuntersteigen in die Hölle. Dann kommt es dem Schuler vor, als ob der Vorhang zerrisse, und er sieht in die andere Welt.
[ 20 ] The stages that follow cannot be discussed, for we do not have words for them. The fifth stage is the mystic death, where the pupil will first truly have the experience of a black curtain between him and reality. He will feel lost in a way, utterly isolated, as it were, until insight is gained. It is as if the world of the flesh has vanished, and something like an impenetrable black curtain lies before the eye of the soul. This is a moment everyone must go through on this way to initiation. You encounter all the truly great suffering and pain that may rest deep down in the soul, and all the evil there is in the world. This is the descent into hell. Then it seems to the pupil as if the veil tears apart and he looks into the other world.
[ 21 ] Es folgt sodann die Grablegung, ein Erlebnis, bei dem man sich mit den Planeten eins fühlt, und die siebente Stufe, von der man nicht reden kann, weil nur der etwas ahnen kann, der sein Denken von seinem Gehirn lostrennen kann. Es ist die Himmelfahrt.
[ 21 ] There follows the entombment, an experience where one feels at one with the planets, and the seventh level, of which we cannot speak, for the individual has to separate his thinking from his brain to have even an inkling of it. This is ascension into heaven.
[ 22 ] Durch diese Darstellung der christlichen Einweihung wollte ich Ihnen begreiflich machen, was man sich darunter vorzustellen hat. Es ist ein entsagungsreicher Weg. Ganz in der Stille kann es geschehen, und mancher lebt unter Ihnen, der dies alles durchgemacht hat. Es geschieht gleichsam zwischen den Zeilen des Lebens, und je ernster, desto weniger ist es für den äußeren Blick sichtbar.
[ 22 ] My aim in giving you this description of Christian initiation was to help you understand what it is about. It is a way full of renunciation. It may be followed quietly, attracting no notice, and there are people among you who have gone through all this. It happens between the lines in life, as it were, and the more serious it is the less will it be visible on the outside.
[ 23 ] Wenn nun der Mensch gewappnet sein will gegen alles, was von außen herantreten kann, so muß er die Rosenkreuzereinweihung durchmachen. Was Sie vielfach in Büchern darüber lesen, das müßte Sie dahin führen, die Rosenkreuzer wirklich als Scharlatane anzusehen, denn so sind sie vielfach von Gelehrten geschildert.
[ 23 ] People must go through the Rosicrucian initiation to be armed against anything that may come from the outside. Many of the things you read about this in books are apt to make you think that the Rosicrucians are really charlatans, for that is how learned people often describe them.
[ 24 ] Die wahren Rosenkreuzer haben sich seit dem 14. Jahrhundert an einem geheimen Zeichen erkannt. Außenstehenden durfte jedoch nicht mitgeteilt werden, worin das Wesen des Rosenkreuzertumes bestand. Erst seit einem gewissen Zeitpunkt des 19. Jahrhunderts muß es sogar sein, daß die elementaren Dinge der Rosenkreuzereinweihung mitgeteilt werden. Allmählich erst wächst die Menschheit hinein in jene Reife, durch die sie etwas über die Dinge erfahren darf. Warum das so sein muß, warum die höheren Geheimnisse noch immer verborgen gehalten werden müssen, darauf können wir heute nicht weiter eingehen.
[ 24 ] True Rosicrucians have recognized one another by a secret sign since the 14th century. They must never speak of the true nature of Rosicrucianism to an outsider. But from a particular point in time that came in the 19th century it has indeed become necessary to tell people the elementary aspects of Rosicrucian initiation. Human beings are very gradually growing up and developing the maturity they will need if they are to learn something about these things. We'll not be able to go into the question today as to why it has to be like this and why the more sublime secrets must still remain hidden.
[ 25 ] Auch die Rosenkreuzereinweihung hat sieben Stufen, und zwar: Erstens das Studium, das Rosenkreuzerstudium, zweitens die Aneignung der imaginativen Erkenntnis, drittens die Aneignung der okkulten Schrift, viertens die Aufsuchung des Steines der Weisen, fünftens das Erleben des Zusammenhangs zwischen Mikrokosmos und Makrokosmos, sechstens die Versenkung in den Makrokosmos und siebentens die Gottseligkeit.
[ 25 ] Rosicrucian initiation is also in seven stages. These are 1) study, Rosicrucian study; 2) gaining imaginative perception; 3) learning the occult script; 4) finding the philosopher's stone; 5) living experience of the relationship between microcosm and macrocosm; 6) entering wholly into the macrocosm, and 7) godliness.
[ 26 ] Ich schicke wieder voraus, daß nur skizzenhafte Andeutungen gegeben werden können und nicht mehr.
[ 26 ] Let me say once again that I can only give an outline, and no more.
[ 27 ] Das Studium ist nicht das Lernen, wie es gewöhnlich geschieht, sondern man muß darauf kommen, daß es für den Menschen ein Denken gibt, welches noch ein flüssiges, wirkliches Denken ist, wobei der Mensch alle sinnlichen Wahrnehmungen um sich herum ausschließt. Die abendländischen Denker leugnen, daß es ein solches Denken gibt. Sie sagen, man könne nur denken, wenn in dem Gedanken noch ein Rest von Sinneswahrnehmung enthalten sei. Die Herren wissen eben nicht, daß andere es gekonnt haben, und wollen es nicht glauben, weil sie selbst nicht so denken können. Der Mensch muß lernen, alles zu vergessen, von allem abzusehen, was äußerlich auf die Sinne wirkt, ohne jedoch leeres Gefäß zu bleiben. Das ist möglich, wenn man sich in einen reinen, sinnlichkeitsfreien Gedankeninhalt vertieft, wie er in den Mitteilungen des Geistesforschers enthalten ist, und über das, was sich fortspinnt, sinnt. Ich habe in meinen Schriften diesen Weg verfolgt, ich habe sie so niedergeschrieben, daß wie bei einem lebendigen Wesen ein Glied aus dem andern herauswächst, ein Gedanke aus dem andern organisch herauskommt. Man gibt sich dem Gedanken selbstlos hin, es tritt eine innere Trennung ein. Wer höher hinauf will, muß geisteswissenschaftliche Mitteilungen so lesen. Wer nicht höher hinauf will, der kann sie wie ein gewöhnliches Buch lesen. Das erstere ist aus dem Grunde der Fall, weil der Mensch durch die höhere Erkenntnis in andere Welten gelangt. Sie leben jetzt im physischen Plane — das Wort «Ebene» sollte abkommen, denn es ruft die meisten Irrtumer hervor. Das englische Wort «plan» sollte nicht «Ebene» heißen, sondern so wie ein Plan eines Hauses gar nichts mit einer Ebene zu tun hat, so sollte es Plan heißen. Also Sie kommen in verschiedene Plane, in verschiedene Welten. Zuerst leben Sie hier in der physischen Welt, dann kommen Sie in die astralische, imaginative Welt. Das ist eine Welt, die man so schildern kann: Denken Sie sich eine Pflanze, grün, mit roter Blüte. Sie erlangen durch gewisse Übungen die Möglichkeit, nicht nur zu sehen, was Ihre Sinne sehen, sondern Sie können wahrnehmen, wie sich aus der Pflanze gleichsam eine kalte Flammenbildung heraushebt. Sie nehmen schwebende Farben wahr. Sie kommen so zur Wahrnehmung von Wesen, die Sie mit den äußeren Sinnen nicht wahrnehmen können. Es verdampft alles von der Oberfläche der Dinge und wird der Ausdruck von rein astralischen Vorgängen. Diese Welt ist eine viel wirklichere als unsere Sinneswelt, denn unsere Sinneswelt ist aus ihr, der geistigen, heraus geschaffen. Diese physische Welt ist eine verdichtete aus dem Astralischen. Für den wirklichen Okkultisten ist die Materie verdichteter Geist, den wir wieder auflösen können. Unsere ganze sinnliche Welt ist verdichtete astralische Erscheinung.
[ 27 ] Study is not the kind of learning we generally know. Instead one has to discover that there is a way of thinking that is still fluid and real, keeping out all sensory perceptions of the world around us. Western philosophers deny the existence of such a way of thinking.176Rudolf Steiner was probably thinking mainly of E. von Hartmann. See note 166. They say it is only possible to think if the thought still has a residue of sensory perception in it. Those gentlemen do not know that other people have been able to do this, and they do not wish to believe it because they themselves are unable to think in this way. Man must learn to forget everything, to leave everything aside that influences the senses from the outside, yet without being an empty vessel. This is possible if one enters wholly into a pure thought content that has no sensual connection, as given by the spiritual scientist, and reflects on the thoughts that evolve. I have shown this way in my books, writing them in such a way that one element arises from another, as in a living being, so that one thought follows organically from another. You give yourself selflessly to the thought, and an inner separation results. Anyone who wishes to move to a higher level must read things written out of the science of the spirit in this way. Anyone who does not wish to reach a higher level may read them like an ordinary book. The former is the case because higher perception takes the human being into other worlds. You are now living on the physical plan—plan, not plane, for like the plan of a house it has nothing to do with being level. You thus come to different plans, into different worlds. At first you live here in the physical world, then you enter into the astral, imaginative world. It is a world we may describe as follows. Imagine a plant, green, with a red flower. You do special exercises that enable you not only to see what the senses see but to perceive how a cold flame form arises from the plant, is it were. You perceive floating colours. You thus perceive spiritual entities that you cannot perceive with the ordinary senses. Everything evaporates from the surface of things and becomes the expression of purely astral events. This world is much more real than our sense-perceptible world, for the world of the senses has been created out of that world of the spirit. This physical world has condensed out of the astral world. Matter is condensed spirit to the true occultist, and we can dissolve it again. The whole of our sense-perceptible world is condensed astral reality.
[ 28 ] Hinter dieser astralischen Welt steht nun wieder eine andere Welt, die wir am besten dadurch beschreiben, daß ich Ihnen zeige, wie der Mensch dazu kommt, sie zu erleben. Wenn er diese Übungen macht, die ich in meinen Schriften beschrieben habe, regeln sich zunächst seine Träume. Versuchen Sie, sich einmal in die Natur der Träume zu versenken. Was ist der Traum? Ich werde einige Beispiele anführen, und zwar aus dem Leben, denn andere bringe ich nicht vor.
[ 28 ] Behind this astral world is yet another world which may best be described by showing you how human beings come to gain living experience of it. When someone does the exercises I have described in my books, his dreams will first of all become regular. Try and enter into the nature of dreams. What is a dream? Let me give you some examples. They are taken from life, for I do not speak of other things.
[ 29 ] Jemand hat geträumt, er habe einen Laubfrosch gefangen, und hatte den Bettzipfel in der Hand. Im Wachzustande hätte er als den dem Traum zugrunde liegenden Tatbestand bemerkt, daß er den Bettzipfel in der Hand gehalten hat. Der Traum symbolisiert den Vorgang. - Ein anderes Beispiel: Jemand träumt, er befinde sich in einem dumpfen, schwarzen Kellerloch voller Spinnweben. Er wacht mit Kopfschmerzen auf. — Ganze dramatische Vorgänge können so geträumt werden. Ein Student steht an der Tür des Hörsaales. Ein anderer, der hereinkommt, rempelt ihn an, und es kommt, so träumt er weiter, zu einem Pistolenduell. Der Schuß knallt - und der Stuhl neben dem Bette ist umgefallen. Dieses kleine Ereignis hat sich symbolisiert ausgedrückt in der ganzen 'Traumhandlung. Eine Bäuerin träumt, daß sie nach der Stadt gehe, in die Kirche eintrete, wo der Pfarrer von erhabenen Dingen predigt. Gerade an einer erhabenen Stelle verwandelt sich der Pfarrer: Er sieht aus, als ob er Flügel bekäme, und fängt auf einmal an zu krähen. In dem Augenblick wacht die Bäuerin auf, denn draußen kräht der Hahn. Diese Handlung des Hahnenschreies hat sich symbolisiert umgestaltet im Traume.
[ 29 ] Someone has dreamt he has caught a tree frog and then finds he has taken hold of a corner of his bed covers. The dream symbolized the occurrence. Another example is someone dreaming that he's in a dark, musty hole of a cellar full of spiders' webs. He wakes up with a headache. Some dreams may involve high drama. A student is standing at the door of the lecture theatre. Another one comes in jostles him, and a duel is fought with pistols. The shot rings out—and the chair next to the bed has fallen over. This minor incident has come to symbolic expression in the whole dramatic story of the dream. A farmer's wife dreams she's going to town and entering a church where the priest's sermon is of sublime things. Just when it gets really sublime, the priest begins to change. It looks as if he is growing wings and then he suddenly begins to crow. At that moment the farmer's wife wakes up and the cock is crowing outside. The cock's crow has been transformed and taken symbolic form in the dream.
[ 30 ] Ein solcher Bildner ist der Traum. Dies alles ist chaotisch. In diese Welt kommt jedoch Leben hinein, und alles wird harmonisch und regelmäßig, wenn Sie sich bis zu einem gewissen Punkte die Gewißheit erringen, daß da eine Wirklichkeit vorhanden ist. So tritt das zuerst auf, und später nimmt man das in der Traumwelt Wahrgenommene in das gewöhnliche Leben herüber. Es bildet sich nämlich etwas heraus, was man «die Kontinuität des Bewufßtseins» nennen kann.
[ 30 ] Dreams are thus highly creative. Everything is chaotic in them. But life is given to this world and everything becomes harmonious and regular if you gain the certainty, up to a point, that this represents a reality. This is how it first shows itself, and later one takes things perceived in the world of dreams across into everyday life. Something develops which we may call ‘continuity of conscious awareness’.
[ 31 ] Der Mensch hat auch den traumlosen Schlaf. Auf seiner nächsten Entwickelungsstufe lernt nun der Rosenkreuzerschüler, im Schlafzustand die Wesen und Vorgänge um sich herum wahrzunehmen: Aus der Finsternis des traumlosen Schlafes tönen die Offenbarungen der Geisteswelt. Das ist die nächste, die devachanische Welt. Die pythagoreischen Schulen nannten diese Welt die Welt der Sphärenmusik: Die geistige Welt tönt. Wenn Sie wirklich etwas über das Devachan hören wollen, kann es nur so geschehen, daß es Ihnen als eine tönende Welt geschildert wird. Goethe, der in diesem Grade in die Rosenkreuzerweisheit eingeweiht war, wußte um diese Tatsache: «Die Sonne tönt nach alter Weise» Das ist entweder ein Unsinn oder eine höhere Weisheit. Die physische Sonne tönt nicht, der Geist der Sonne ist ein wirkliches, tönendes Wesen. Und Goethe bleibt im Bilde; lesen Sie im zweiten Teil des «Faust»: «Tönend wird für Geistesohren /Schon der neue Tag geboren.» Er schrieb so, weil für ihn eine Wahrheit war, was die Pythagoreer Sphärenmusik genannt haben. Das alles kann ich nur andeuten. Alle Dinge werden sprechen zu uns, eine neue Offenbarung geht hervor.
[ 31 ] Human beings also have dreamless sleep. The Rosicrucian pupil next learns to perceive entities and events around himself in a sleep state. The revelations of the spirit world sound forth from the darkness of dreamless sleep. In the Pythagorean schools this was called the world of the music of the spheres. The world of the spirit sounds forth. If you really want to hear something about the devachan, this must be such that it is described to you as a world of sound. Goethe, who had this degree of Rosicrucian initiation, knew of this: ‘The sun proclaims its old devotion in rival song with brother spheres.’ That is either nonsense or a higher truth. The physical sun does not resound, but the spirit of the sun is a real, resounding entity. And Goethe stayed with the metaphor; in part 2 of Faust, he wrote: ‘Resounding now for ears of spirit the new day is already being born.’ He wrote like that because the music of the spheres of which the Pythagoreans spoke was a reality to him. I can only refer to these things briefly. All things will speak to us, a new revelation will come forth.
[ 32 ] Das sind die Stufen, zu denen der Rosenkreuzerschüler durch seine Übungen gelangen kann. Die Welten sind immer ganz andere, und wer nur die physische Welt kennt, kann sich keinen Begriff davon machen, was er in andern Welten erfahren kann. Nur eines bleibt gleich durch alle Welten, und das ist das logische Denken. Die Wahrnehmungen sind ganz verschieden in der astralischen, in der devachanischen Welt, aber die Denkgesetze sind in allen drei Welten die gleichen. Daher muß der Rosenkreuzerschüler erst dieses Denken lernen, damit er nicht abirre von dem sicheren Pfade.
[ 32 ] Those are the stages the Rosicrucian pupil can reach by means of exercises. The worlds are always completely different, and someone who only knows the physical world can have no idea of the things one can learn in other worlds. One thing is the same for all worlds, however, and that is logical thinking. Our perceptions are entirely different in the astral, in the devachanic world, but the laws of thinking are the same in all three worlds. A Rosicrucian pupil must therefore first learn this way of thinking, so that he may keep to the proper path and not lose his way.
[ 33 ] Die zweite Stufe ist die Aneignung der imaginativen Erkenntnis. Da kann ich Ihnen nur einige Dinge sagen, die Ihnen erklären sollen, was man darunter versteht. Wenn Sie sehen, daß eine Träne über eine Wange perlt, so schließen Sie daraus, daß Traurigkeit in der Seele ist. Wenn Sie die Physiognomie des Menschen heiter sehen, schließen Sie daraus, daß die Seele heiter ist. Das tun Sie dem Menschen gegenüber. Wer zur imaginativen Erkenntnis aufsteigen. will, muß es der ganzen Welt gegenüber tun. Ihm muß das Leben der Pflanzen, der Tiere und der Steine ein Ausdruck der Physiognomie der Weltseele werden. Manches muß wie die Heiterkeit sein, anderes wie die perlenden Tränen des Erdgeistes. Das muß eine Wirklichkeit für den Menschen werden. So wie wir im Gesicht des Menschen seine Physiognomie lesen, so muß uns die ganze Erde ein Ausdruck für die geistige Seele der Erde werden. Da kann man viel erleben. Damit hängt das Geheimnis des Heiligen Grales, des Ideals des mittelalterlichen Rosenkreuzerschülers, zusammen.
[ 33 ] The 2nd stage consists in gaining imaginative perception. I can only tell you a few things that should explain what is meant by this. When you see a tear rolling down a cheek, you conclude that the soul is filled with sadness. When you see a cheerful face you conclude that the soul is cheerful. You draw these conclusions in relation to people. When you want to ascend to imaginative perception you must do this in relation to the whole world. The life of plants, animals and stones should express the physiognomy of the world soul for you. Some things must be like our cheerfulness, other things like tears wept by the earth spirit. This must become very real to the person. And much can be experienced in this way. The secret of the holy grail, the ideal of medieval Rosicrucian pupils, is connected with this.
[ 34 ] Nehmen wir ein Beispiel. Da stand der Schüler des Rosenkreuzers dem Lehrer gegenüber, der ihm eine Übung auferlegte. Was ich nun als Form eines Dialoges bringe, ist als Zwiegespräch nie gesprochen worden, aber es ist geübt worden, was darinnen enthalten ist, es ist erlebt worden. Es ist ganz wahr und absolut richtig in jeder Einzelheit. Der Schüler kommt zum Lehrer, und dieser sagt ihm: Sieh dir die Pflanze an! Sie streckt die Wurzel in den Boden hinein, sie wächst in die Höhe, öffnet den Kelch nach oben, darin hat sie die Befruchtungs- und Fortpflanzungsorgane. Keusch und edel und rein laßt sie sich küssen vom Sonnenstrahle und dem Lichte, der heiligen Liebeslanze, die als Sonnenstrahl den Kelch der Pflanze durchdringt und dasjenige herauslockt, was in den Befruchtungsorganen der Pflanze veranlagt ist. Du würdest dir etwas Falsches vorstellen, wenn du, die Pflanze mit dem Menschen vergleichend, denken würdest, die Blüte sei der Kopf und die Wurzel die Füße. Die Wurzel ist der Kopf und die Blüte das Untere. Der Mensch ist eine umgekehrte Pflanze.
[ 34 ] Let us take an example. The Rosicrucian pupil would meet his teacher who would give him an exercise to do. I am going to put this in the form of a dialogue, though it has never been spoken dialogue. But what it conveys was practised and became living experience. It is entirely true and absolutely correct in every detail. The pupil would come to his teacher who would say to him: ‘Look at the plant. It extends its root into the soil, it grows upwards, opening its calyx at the top, and in there are its organs of fertilization and reproduction. Chastely and nobly and in purity it lets the sun's ray kiss it; the light, the sacred lance of love, which penetrates the calyx as a sunbeam and calls forth the potential that lies in the plant's organs of fertilization. You would have the wrong idea if in comparing the plant with a human being you were to think that the root is the head and the flower the lower part. Man is an inverted plant.’
[ 35 ] So sieht der Okkultist im Menschen die umgekehrte Pflanze und in der Pflanze den umgekehrten Menschen, und das Tier steht mitten darinnen. Sieh dir die Pflanze an: ihr entspricht der abwärtsgerichtete Balken des Kreuzes, dem Tier der horizontale Balken, dem Menschen der vertikale, aufwärtsgerichtete Balken. - Das ist die ursprüngliche Bedeutung des Kreuzes: Es ist das Sinnbild für Pflanze, . Tier, Mensch als drei Reiche der Natur. Deshalb schreibt Plato, daß die Weltenseele am Weltenleibe gekreuzigt sei. - Und nun sagte der Lehrer weiter zum Schüler: Sieh dir den Menschen an, den Menschen im Fleische! Was ist dieses menschliche Fleisch, vergleiche dieses mit dem, was in der Pflanze enthalten ist. Keusch und rein ist die Pflanzenmaterie. Das menschliche Fleisch ist durchdrungen von Begierde und Leidenschaft. Höher steht der Mensch auf der Leiter der Entwickelung, damit aber hat er auch zugleich die Begierde und Leidenschaft aufgenommen. - Und eine zukünftige Gestaltung des Menschen ging in der Ahnung des okkulten Schülers auf, in welcher das menschliche Fleisch wieder rein und keusch sein wird wie der keusche Blumenkelch, der sich mit seinen Befruchtungsorganen der heiligen Liebeslanze des Sonnenstrahles entgegenstreckt. Dann werden seine produktiven Kräfte dem Geiste so rein entgegenstreben, wie heute die Pflanze der Liebeslanze, dem Lichte entgegenstrebt. Wer das anstrebt, erstrebt eine Umwandlung des Fleisches. Damit stellte man vor das Auge des Schülers das große Ideal hin, daß der Mensch einmal so rein und keusch sein wird wie die Pflanze. Dieses Ideal nennt man den Heiligen Gral. Das ist eines jener Bilder, die zum Herzen und zur ganzen Seele sprechen. Nicht Gedanken sind es, durch die der Schüler aufsteigen konnte, sondern Bilder, die auf die ganze Seele wirken und das Herz und das Gefühl mitreißen. Erst dann kann imaginative Erkenntnis erlangt werden.
[ 35 ] The occultist thus sees the inverted plant in man and the inverted human being in the plant, with the animal between the two. ‘Look at the plant. It is the arm of the cross that goes down, the animal is the horizontal arm, and man the vertical arm.’177Rudolf Steiner often referred to this, e.g. in a lecture he gave in Basel on 22 Nov. 1907 (in GA 100); Typescript notes EN 50 at Rudolf Steiner House Library, London. There he said: ‘You draw the plant vertically, pointing to the earth, the human being also vertically, but pointing away from the earth, and the animal horizontally.’ Also in Berlin on 29 May 1905, in The Temple Legend GA 93); tr. J. Wood. London: Rudolf Steiner Press 1985. This is in contrast to the drawing for the lecture given in Leipzig on 16 February 1907 (in this volume); see note 168. That is the original significance of the cross. It is the symbol for plant, animal and man as three realms of nature. Plato therefore wrote that the world's soul was crucified on the world's body. And the teacher would go on to say to the pupil: ‘Look at the human being, the human being in the flesh. What is this human flesh? Compare it with the matter contained in a plant. Plant matter is chaste and pure. Human flesh is full of passion and desire. Man is higher up on the evolutional scale, but this also means that he has taken in passion and desire.’ And the occult pupil would begin to intuit a future human being whose flesh would be pure and chaste again, like the chaste calyx of a flower which holds out its organs of fertilization to the sunbeam's sacred lance of love. Then his productive powers would reach out to the spirit just as today the plant reaches out to the lance of love, to the light. Those who sought to achieve this went through a transformation of the flesh. And so the pupil was presented with the great ideal of the human being who one day will be as pure and chaste as the plant. This ideal is called the holy grail. It is one of the images that speak to the heart and the whole soul. The pupil was able to rise higher not through thoughts but through images that influence the whole soul, captivating heart, mind and soul. Only then can imaginative perception be achieved.
[ 36 ] Die dritte Stufe ist die Aneignung der okkulten Schrift. Es gibt etwas in der Welt, was man im okkulten Leben den Wirbel nennt. Dieser Wirbel ist überall in der Natur und in der geistigen Welt vorhanden. Stellen Sie sich vor, Sie schauten hinauf zum Orionnebel, der eine merkwürdige Spirale bildet. Wären Sie ein Seher, so würden Sie sehen, daß sich ein Wirbel wie eine Sechs herauswindet und dann einen zweiten, der dunkler ist. Diese beiden Wirbel greifen ineinander. Das kommt in der geistigen Welt auch vor.
[ 36 ] The 3rd level involves learning the occult script. Something exists in this world which in occult life is called the vortex. It is to be found everywhere in nature and in the world of the spirit. Imagine you are looking up to the Orion nebula, which is a distinctive spiral. If you were a seer you would see that a vortex emerges like a figure 6, with a second vortex that is darker. The two intertwine. This also occurs in the world of the spirit.
[ 37 ] Wir leben in der Zeit nach der großen atlantischen Flut. Vor dieser Zeit lebten unsere uralten Vorfahren, Menschen ganz anderer Art. Heute stellt man sich vor, die Menschen damals seien so gewesen, wie sie jetzt sind. Die äußeren physischen Verhältnisse waren jedoch ganz anders. So war Atlantis ein Land, das immer dunkel war, gehüllt in dichte Nebelmassen. Es ist wichtig, daß Sie das wissen. Die alte deutsche Mythologie hat die Erinnerung behalten in den Worten Nifelheim, Nebelheim, Nibelungen. Diesen Verhältnissen entsprechend war die menschliche Organisation eine ganz andere. Ebenso haben die Atlantier eine ganz andere Kultur gehabt. Sie würden eine Vorstellung davon bekommen, wenn ich Ihnen im einzelnen schildern könnte, wie die Menschen damals in allen Dingen artikulierte Laute vernommen haben. Sittengebote gab es nicht. Wenn einer wissen wollte, wie er sich zu seinem Nachbarn verhalten sollte, konnte er sich nicht an irgendwelche Instanz wenden: er horchte auf die Wellen und wußte es.
[ 37 ] We live in the age that follows the great Atlantean flood. Before that, our earliest ancestors were human beings of a very different kind. People imagine today that in those times human beings were just as they are now. But the physical conditions were completely different then. Atlantis was always in darkness, enveloped in masses of dense fog. It is important for you to know this. Old German mythology holds memories of Niflheim [land of mist] and Nibelungs [creatures of the mist]. Under those conditions the human constitution was very different. The Atlanteans also had a completely different culture. You might get an idea of this if I were to give you details of the way people heard articulated sounds in all things at that time. There were no moral laws. If someone wanted to know how to relate to a neighbour, he could not appeal to some authority or other; he would listen to the waves and then he would know.
[ 38 ] Das war eine Kultur, von der jede Spur geschwunden zu sein scheint. Sie ist untergegangen. Wann ist das geschehen? Am Himmel können wir es sehen. Etwa acht Jahrhunderte vor Christi Geburt ging die Sonne im Bilde des Widders auf. Sie bewegt sich im Laufe von etwa 2160 Jahren durch ein Sternbild hindurch. Um das Jahr 800 vor Christus rückte die Sonne in das Sternbild des Widders oder Lammes ein. Die Menschheit empfand, das neue Sternbild habe ihr die neue Fruchtbarkeit des Frühlings, das neue Gute gebracht. Daher sehen wir, daß sie das Lamm oder den Widder wichtig fand. Vieles deutet darauf hin, zum Beispiel die Argonautensage, in der das Goldene Vlies eine solche Rolle spielt. Selbst Christus wird das Lamm Gottes genannt. Das Symbolum, dem die Verehrung dargebracht wurde, war das Lamm. Früher war die Sonne im Sternbild des Stieres, daher die Verehrung des Stieres in der ägyptischen und persischen Kultur. Noch früher ging die Sonne durch das Bild der Zwillinge. Dem entspricht die große Rolle, welche die Zweiheit in der persischen Lehre von Ormuzd und Ahriman spielt. Spuren davon finden sich sogar noch im Alten Germanentum. Vorher ging die Sonne durch das Sternbild des Krebses. Dies war die Zeit, die dem Hereinbrechen der atlantischen Flut folgte. Ein Wirbel hatte sich im Geistigen vollzogen.
[ 38 ] It was a culture of which no trace seems to remain. It perished. When did this happen? We can see that in the heavens. About 8 centuries before the Christ was born the sun rose in the Ram. It takes about 2160 years to move through a sign of the zodiac. The sun moved into the sign of the Ram, or the Lamb, about 800 years before Christ. People felt the new constellation had brought them the new fruitfulness of spring, something new and good. We see from this that they felt the Lamb or the Ram to be important. Many things point to this, among them the legend of the Argonauts, in which the golden fleece plays such a role. The Christ himself is called the Lamb of God. The lamb was the symbol for offering veneration. Before that, the sun had been in the sign of the Bull, hence the veneration of the bull in Egyptian and Persian culture. Even earlier the sun passed through the sign of the Twins. In accord with this, duality played a great role in the Persian teachings of Ormuzd and Ahriman. Traces of this still persisted in ancient Germanic culture. Before that, the sun was passing through Cancer. This was the period that followed the Atlantean flood. A vortex had occurred in the realm of the spirit.
[ 39 ] Dieses Sternbild mit dem okkulten Schriftzeichen des Krebses können Sie noch heute im Kalender sehen. Viele solche Zeichen kennt der Mensch. In Wahrheit ist das nichts anderes als eine Nachbildung der ursprünglichen Naturkräfte. Wenn Sie Ihr Gemüt schulen, um die okkulten Schriftzeichen zu verstehen, werden Sie durch die okkulte Schrift Ihren Willen stählen. Sie lernen die Wege kennen, welche die der Natur zugrundeliegenden geistigen Wesenheiten beschreiten. Ein schwacher Nachklang davon sind symbolische Schriftzeichen, wie das Pentagramm oder das Hexagramm. Ein okkultes Zeichen, von dem Sie oft lesen, ist die Swastika. Was es da alles an abenteuerlichen Erklärungen gibt, ist unglaublich. In Wahrheit ist sie nichts anderes als das Zeichen für die astralen Sinnesorgane, die Räder oder Lotosblumen, von denen mehrere im Astralleib veranlagt sind: im Herzen, im Kehlkopf, zwischen den Augenbrauen. Wenn sich das letztgenannte Rad zu drehen beginnt, tritt das astrale Sehen ein. Das Zeichen für dieses astrale Wahrnehmungsorgan ist die Swastika.
[ 39 ] This constellation with the occult sign of Cancer can still be seen in the calendar today. Many such signs are known to man. In reality this is nothing but a recreation of primal forces of nature. If you train your heart and mind to understand the occult signs you will steel your will with this occult script. You get to know the ways of the spirits that are behind nature. A faint echo remains in symbolic signs such as the pentagram and hexagram. One occult sign you often read about is the swastika.178The next public lecture Rudolf Steiner gave was the one on 29 April 1906 (in this volume). There followed the fundamental course of lectures he gave on 22 August–4 September 1906 in Stuttgart (At the Gates of Spiritual Science; GA 95). The strange explanations given for it are quite unbelievable. In reality it is nothing but the sign for the astral sense organs, the wheels or lotus flowers, several of which are potentially present in the astral body—in the heart, the larynx, between the eyebrows. Astral vision begins when the last named of these wheels begins to turn. The swastika is the sign for this astral organ of perception.
[ 40 ] Die vierte Stufe ist die sogenannte Bereitung des Steines der Weisen. Dies gibt es wirklich. Es wurde sogar Ende des 18. Jahrhunderts von einem Menschen, der etwas «lauten», aber nicht «zusammenschlagen» gehört hat, in einer Zeitschrift eine recht schöne Beschreibung des Steines der Weisen gegeben. Der Verfasser hat nur selbst nicht gewußt, wie gut er ihn beschreibt. Damals ist durch einen gewissen Vorgang manches aus der okkulten Schule verraten worden, und jemand beschrieb dann eben den Stein der Weisen. Das ist eigentlich eine Sache, die jeder Mensch kennt, die viele täglich in der Hand haben, ohne eine Ahnung davon zu haben. Damit Sie sehen, was gemeint ist, machen Sie mit mir eine kleine Betrachtung durch. Denken Sie an die Atmung des Menschen. Er atmet Sauerstoff ein, dadurch verwandelt er sein blaues Blut in rotes, er atmet Kohlensäure aus, so daß er jeden Moment giftige Stoffe ausatmet. Die Pflanze nimmt dagegen die Kohlensäure auf, die Mensch und Tier ausatmen, behält den Kohlenstoff zurück und baut ihren Leib damit auf. Sie gibt den Sauerstoff wieder ab, so daß ihn der Mensch wieder einatmen kann. Das ist ein Kreislauf. Große Bedeutung haben die Okkultisten diesem Vorgang beigelegt. Wenn Sie heute eine Pflanze in Form der Steinkohle ausgraben, können Sie sehen, wie sich die Pflanze ihren Leib aus Kohlenstoff aufgebaut hat. Der Mensch nimmt den Sauerstoff auf, verwandelt sein blaues Blut in rotes, die Pflanze nimmt die Kohlensäure auf, gibt den Sauerstoff zurück, der Mensch nimmt ihn wieder auf.
[ 40 ] The 4th level is called preparing the philosopher's stone. This is a reality. At the end of the 18th century someone who had got hold of something, but not exactly the right idea, put quite a good description of the philosopher's stone in a journal. He actually did not know himself how good it was. At that time a number of things from the occult school were wrongly made public, and so someone also described the philosopher's stone. This is actually something familiar to everyone, and many people handle it daily without having an idea. To help you see what this is about, follow me in a brief line of thought. Consider human breathing. We inhale oxygen, which changes our blue blood to red, and we exhale carbon dioxide, which means we are all the time exhaling poisonous matter. Plants on the other hand take up the carbon dioxide exhaled by humans and animals and retain the carbon to build up their bodies. They release the oxygen, so that humans can inhale it again. This is a cycle. Occultists attached great importance to this process. If you dig up a plant form that has become coal today you can see that the plant built up its body of carbon. Humans take in oxygen, changing blue blood into red; plants take in carbon dioxide and return the oxygen which humans then take in again.
[ 41 ] Nun machen wir uns einmal klar, was durch eine bestimmte Regelung des Atmungsprozesses in der Rosenkreuzerschulung geschieht. Wie und auf welche Weise das vor sich geht, kann nur von Mensch zu Mensch gesagt werden, doch über den Erfolg kann gesprochen werden. Steter Tropfen höhlt den Stein -, sagt ein Sprichwort. So ist es mit jenem Vorgang, den ich jetzt beschreibe. Der okkulte Schüler bekommt vom Lehrer die Anweisung, wie er seine Atemübungen aus dem Geiste heraus zu machen hat. Es handelt sich also um eine Anweisung, den Atmungsprozeß in einer bestimmten Weise zu regeln, wodurch die Möglichkeit herbeigeführt wird, daß sich das menschliche Bewußtsein nach und nach über etwas ausdehnt, wovon der Mensch sonst nichts weiß, über etwas, was sich sonst in der Pflanze vollzieht. Die Pflanze bildet jetzt mit ihm ein Ganzes. Normalerweise gibt der Mensch den Kohlenstoff ab und nimmt den Sauerstoff auf. Dies hat der Schüler nun in sein Bewußtsein hineinzunehmen. Er erlebt in seinem Atmungsprozeß bewußt die Umwandlung von Kohlenstoff in Sauerstoff, von blauem Blut in rotes Blut. Er lernt, in sich dasjenige zu vollziehen, was er sonst der Pflanze überläßt. Nun ist er imstande, seinen eigenen Leib aufzubauen. Das lernt er durch die regelmäßige Atmung. Er hat die Fähigkeit erlangt, den Pflanzenprozeß in sich selber auszuführen. Jetzt haben Sie den realen Prozeß, wodurch der Mensch lernt, sein Fleisch auch physisch zu reinigen. In diesem Vorgang liegt die Alchimie des menschlichen Leibes beschlossen. Er bewirkt die Umwandlung des Menschen zum Träger einer reinen, keuschen Inkarnation, die sich der Pflanze vergleichen läßt. Der Schüler hat das Bewußtsein des Hohen, des Hellen; er weiß, er mußte durch das Fleisch nur durchgehen. Dies ist die Umwandlung von Kohle in Diamant. Sie werden nun begreifen, was die Rhythmisierung des Atems in der Rosenkreuzerschulung bedeutet und in welchem Sinne man von einem Stein der Weisen gesprochen hat. Der regulierte Atmungsprozeß ist der Weg zum Stein der Weisen.
[ 41 ] Let us try and see what happens when the breathing process is regulated in a particular way in Rosicrucian training. The way in which it is done can only be passed on from person to person, but it is possible to speak of the effect. ‘A steady drip will hollow the stone’, as the saying goes. And that applies with the process I am now describing. The occult pupil is instructed by his teacher on doing his breathing exercises out of the spirit. It is an instruction, therefore, to regulate his breathing process in a particular way and this makes it possible for the human mind to expand a little as time goes on. It is something of which human beings normally know nothing and has to do with something that happens in the plant. The plant now becomes at one with him. Normally human beings exhale carbon dioxide and take in oxygen. The pupil must bring this to mind consciously. In his breathing he consciously experiences the change from carbon to oxygen, blue blood to red blood. He learns to do something in himself that is normally left to the plant. He will then be able to build up his own body. He learns to do so by means of regular breathing. This, then, is a real process in which the human being learns to purify his flesh also at the physical level. The alchemy of the human body lies in this. The human being is transformed into the vehicle for a pure, chaste incarnation that may be compared to a plant. The pupil is aware of something sublime, light and bright. He knows he only had to go through the flesh. That is the transformation of coal into diamond. You'll now understand the significance of bringing rhythm into the breathing in Rosicrucian training and know what was meant by the philosopher's stone. The regulated breathing process is the way to the philosopher's stone.
[ 42 ] Es sind das nur Andeutungen, aber Sie werden verstehen, daß sich hinter dem Aufsuchen des Steines der Weisen etwas Tiefes verbirgt, etwas, was sich auf die Umwandlung der ganzen Menschheit bezieht, so daß der Mensch ein anderer wird, als er heute ist - er und die ganze Erde. So groß und stark und fest, moralisch groß müssen die Kräfte der Seele sein, daß der Mensch auch das Fleisch hineinzieht in den Erlösungsprozeß. Wir haben alles, was um uns herum ist, alle Geschöpfe mitzuerlösen.
[ 42 ] I am only touching on things lightly, but you'll understand that something profound lies behind the search for the philosopher's stone, something connected with the transformation of the whole of mankind, so that human beings will be different from the way they are today—they and the whole earth. That is how great and strong and firm, morally great, the powers of soul must be if man is to make the flesh, too, part of the process of redemption. We also have to redeem everything that exists around us, all creation.
[ 43 ] Der fünfte Schritt ist die Versenkung in den Zusammenhang zwischen Mikrokosmos und Makrokosmos. Ein großer Okkultist des Mittelalters, den man erst lesen lernen muß, hat ein schönes Bild gebraucht, um die Beziehung zwischen dem Makrokosmos und dem Mikrokosmos darzulegen. Paracelsus hat gesagt: Ihr seht da die einzelnen Buchstaben. Der Mensch ist das Wort, das aus Buchstaben zusammengesetzt ist. So hat man in der ganzen Natur einen ausgebreiteten Menschen und im Menschen die zusammengesetzte Natur zu sehen. — Paracelsus nannte zum Beispiel den Cholerakranken Arsenicus, weil in ihm dieselben Kräfte wirksam sind wie im Arsenik.
[ 43 ] The 5th level is to enter deeply into the relationship between microcosm and macrocosm. A great occultist of medieval times, someone we must first learn to read, used a beautiful image to show the relationship between macrocosm and microcosm. Paracelsus said: You see there the individual letters. Man is the word made up of the letters. And so we have to see man spread out in the whole of nature, and man himself as a compendium of nature. Paracelsus referred to a cholera patient as Arsenicus, for example, for the powers active in him are the same as those active in arsenic.
[ 44 ] Nun geht das aber weiter. Wenn sich der Mensch ganz stark auf : einen ganz bestimmten Teil des Inneren konzentriert, nämlich auf den Punkt zwischen den Augenbrauen - was natürlich nur ein Anhaltspunkt ist —, hat er ein ganz bestimmtes Erlebnis, das ihn in die inneren Geschehnisse in der großen Welt hineinführt. Diese entsprechen nämlich dem, was zwischen den Augen mikrokosmisch enthalten ist. So muß die Entsprechung zwischen Makrokosmos und Mikrokosmos Stück für Stück weiter erlebt werden. Durch die Versenkung in sein Inneres muß der Schüler die Außenwelt kennenlernen.
[ 44 ] But there is more. When someone concentrates really hard on a particular part inside him, the point between the eyebrows—this, of course, is only a reference point—he will have a particular experience in which he is taken into the inner events of the great world. These correspond to the part which in the human microcosm lies between the eyes. And so the correspondence between macrocosm and microcosm has to be experienced bit by bit. Entering deeply into his inner life, the pupil must get to know the outside world.
[ 45 ] Auf der sechsten und siebenten Stufe wächst der Rosenkreuzerschüler mit der ganzen Welt zusammen. Er erlangt eine wirkliche Erkenntnis von dem, was draußen in der Welt ist. Im gleichen Maße wächst sein Gefühl und seine ganze Seele mit der Außenwelt zusammen. Das ist jener Zustand, der Gottseligkeit genannt wird. Dann wird der Erdenleib sein Leib. Damit ist das erreicht, was man das Aufgehen im All nennt. — Es ist ein langer Weg einer bestimmten geistigen Schulung. Wer ihn durchgemacht hat, wird ein Bote der geistigen Welt, der aus Erfahrung spricht.
[ 45 ] At the 6th and 7th levels the Rosicrucian pupil comes to be at one with the whole world. He gains true knowledge of the outside world. And his feelings and his whole soul become one with the outside world to the same degree. This is the condition known as godliness. The earth's body is then his body. And the pupil achieves the stage known as being at one with the universe. It is a long road along one particular path. Those who have gone through it become messengers of the spiritual world, speaking from real experience.
[ 46 ] Diesen Weg kann heute jeder gehen - dem Prinzip nach wohl jeder. Bei manchem dauert es lange, bei manchem kürzere Zeit. Einer der besten Theosophen, der verstorbene Subba Rou, hat gerade über die Zeit, deretwegen so viel gefragt wird, gesagt: Es ist richtig, daß der eine siebzig Inkarnationen, ein anderer sieben Inkarnationen, wieder ein anderer siebzig Jahre oder auch sieben Jahre gebraucht hat; es hat schon solche gegeben, die es in sieben Monaten, und manche, die es in sieben Tagen erreicht haben, je nach dem Karma aus den verflossenen Erdenleben her. -— Beginnt man, den Weg zu gehen, so muß man Geduld und Ausdauer haben und sich klar darüber sein, daß man großen Gefahren ausgesetzt ist, wenn man nicht vorher eine gute Charakterschulung durchgemacht hat. Ersehen Sie dies aus einem Gleichnis: Nehmen Sie eine grüne Flüssigkeit, die aus einer blauen und einer gelben gemischt ist. Wenn Sie nun ein chemisches Mittel beisetzen, sind Sie imstande, die blaue von der gelben Flüssigkeit zu trennen. Früher haben Sie von den Eigenschaften der beiden nun getrennten Flüssigkeiten nichts gesehen. Jetzt kehren sie die Eigenschaften hervor. So ist es auch beim Menschen. Das Hohe und das Niedere sind untereinander gemischt. Das Niedere ist durch die beigemischten höheren Kräfte behütet davor, sich in ganzer Intensität auszuwirken. Nun trennen Sie die Teile durch Ihre Übungen. Da kann man erleben, daß jemand, der bis dahin einigermaßen leidlich war, boshaft und verschlagen wird und noch ganz andere schlechte Eigenschaften hervorkehrt. Hierüber muß man sich klar sein. Verhütet kann eine solche Gefahr unter allen Umständen werden, wenn bestimmte Vorübungen gemacht werden, durch welche der Schüler auf eine gewisse innere charaktervolle Moral gestellt wird.
[ 46 ] It is a road anyone can follow today—certainly in principle. It will take a long time for some, and a shorter time for others. One of the best theosophists, the late Subba Row, said about the time needed, which people ask about so often: ‘It is true that one person needed 70 incarnations, another 7 incarnations, someone else again 70 years or perhaps 7 years; there have been people who achieved it in 7 months, and some in just 7 days, depending on their karma from former lives on earth.’ Setting out on the road one must be patient and persevere, knowing that one will be exposed to great dangers unless one has first gone through character training. Let me give you an analogy. Take a green liquid produced by mixing blue and yellow. You can separate the blue from the yellow by using a chemical agent. Before that, the individual properties of the two solutions were not apparent. Now they show those properties. And that is how it is with the human being. High and low qualities are mixed. The lower ones are prevented from taking full effect because the higher ones have been added. If you now separate the two by doing the exercises you may find that someone who until now was more or less bearable grows malicious and cunning and also shows a whole lot of other bad characteristics. This is something you have to understand. The danger can definitely be prevented by doing specific preliminary exercises that establish a particular inner morality full of character.
[ 47 ] Erstens muß er sich die Fähigkeit aneignen, seine Gedanken strenge zu kontrollieren. Er muß sich üben, einen Gedanken lange in den Mittelpunkt des Seelenlebens zu stellen, je intensiver, desto besser. Der Übende muß beim Gegenstand bleiben und alle Gedanken daran reihen. Diese Übung muß täglich wenigstens fünf Minuten lang vorgenommen werden. Je mehr, desto besser, nur darf man sich nicht damit übernehmen.
[ 47 ] The pupil must first learn to keep strict control of his thoughts. He must practise making one thought the focus of his inner life for a long period, the more intensely so the better. He must stick with it and let all thoughts follow from it. This exercise must be done for at least five minutes every day. The more the better, but one should not overdo it.
[ 48 ] Erforderlich ist zweitens die Initiative der Handlung. Diese besteht darin, daß der Schüler eine Handlung täglich ganz aus ureigener Initiative vollzieht. Es genügt, wenn es eine ganz kleine, unbedeutende Handlung ist, zum Beispiel Blumen zu begießen. Nach einiger Zeit nimmt man sich wieder eine andere Handlung vor.
[ 48 ] 2) It is necessary to be able to take initiative in one's actions. This is done by the pupil doing one particular thing on his own initiative every day. It may be something quite small and insignificant, for instance watering one's flowers. After a time one takes up another initiative.
[ 49 ] Drittens muß man Herr über Lust und Leid werden. Das «himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt» muß aufhören. Dadurch wird man feiner und empfänglicher, aber man muß selbst der Herr sein, und nicht die Empfindungen dürfen es sein.
[ 49 ] 3) One has to gain mastery over pleasure and pain. There must be no more of being on top of the world one moment and down in the dumps the next. This mastery will make you more subtly receptive, but you yourself must be the master, not your inner responses.
[ 50 ] Viertens ist die Positivität notwendig. Was darunter zu verstehen ist, wird eine persische Legende von Christus Jesus besagen. Christus ging mit einigen seiner Jünger des Weges. Da lag am Wegesrande ein krepierter Hund, der schon in Verwesung übergegangen war. Die Jünger wandten sich ab und sprachen: Wie häßlich ist das Tier! - Christus aber blieb stehen und sagte: Seht nur, welche schönen Zähne das Tier hat! — Es ist also in dem Häßlichsten noch Schönes, in dem Bösesten noch Gutes, im Kleinen noch Großes zu suchen und zu finden. Überall muß die positive Eigenschaft gesucht werden.
[ 50 ] 4)There is need to be positive. A Persian legend about Christ Jesus will show you what is meant. The Christ was walking with some of his disciples. A dead, partly decomposed dog was lying by the roadside. The disciples turned away and said: ‘How horrible that creature is!’ The Christ stopped, however, and said: ‘Look how beautiful the animal's teeth are!’ You can look for and find something beautiful in the ugliest things, something great in the smallest of things. One must always look for the positive side.
[ 51 ] Fünftens muß die absolute Unbefangenheit allen neuen Eindrükken gegenüber erworben werden, Unbefangenheit im höchsten Maße. Die Menschen pflegen zu sagen: Das hab ich noch nie gehört, noch nie gesehen, das glaube ich nicht! — Im weitesten Umfange muß man sich abgewöhnen, von Unmöglichkeiten zu sprechen. Man muß im Herzen eine Kammer haben, in welcher man beispielsweise die Möglichkeit offen läßt, daß der Kirchturm wirklich schief steht, wenn jemand sagt, der Kirchturm sei schief. Wenigstens für möglich muß man halten, was man hört.
[ 51 ] 5) One has to learn to be completely unbiased towards anything new. Absence of bias to the highest degree. People tend to say: ‘I've never heard of this before, seen this before; I don't believe it!’ We have to learn in the widest possible sense never to say something is impossible. There should be a place in our hearts where one allows it to be possible, say, that the church tower is at an angle if someone says it is at an angle. We should at least consider it to be possible if we hear such a thing.
[ 52 ] Die sechste Stufe besteht in der Harmonisierung der fünf Eigenschaften.
[ 52 ] The 6th level consists in bringing the 5 qualities into harmony.
[ 53 ] Dann hat der Schüler in seinem Inneren eine so starke Natur entwickelt, daß er geschützt ist gegen das, was ihm sonst die okkulte Schulung anhaben könnte. Diese okkulte Schulung darf man nicht dadurch abtun, daß man sagt: Ich will nur einen ethischen Nutzen haben. — Wenn man in die höheren Welten eindringen will, muß man den angedeuteten Weg gehen. Der Weg der höchsten Erkenntnis ist zugleich der Weg des höchsten Mitleides. Durch die Erkenntnis muß man zum Mitleid gelangen, nicht durch Phrasen. Alle, die voll Mitleid umherstehen, können bei einem Beinbruch nicht helfen, bis auf den einen, der weiß, was er tun soll, und der es richtig macht. Wenn man in der Theosophie bloß predigt, dann ist es so, wie wenn man sich hinstellt vor den Ofen und zu ihm spricht: Deine Pflicht ist, das Zimmer warm zu machen. — Ebenso ist es, wenn man Menschen sagt, sie sollen Bruderliebe üben. Wie man in den Ofen Holz legen und es anzünden muß, so muß man den Menschen das geben, wodurch sich die Seelen verbinden in der großen Brüderschaft, und das ist Erkenntnis. Die wahre Erkenntnis ist das Brennmaterial zum großen Bruderbunde der Menschheit. Heute ist die Zeit des Materialismus, der es dahin gebracht hat, daß sich die Menschen getrennt haben.
[ 53 ] The pupil will then have developed such inner strength that he will be protected from anything occult training might otherwise do to him. It would be wrong to set limits to occult training and say: ‘All I want is the ethical value.’ Anyone wishing to enter into the higher worlds must follow the indicated route. The road to the most sublime insights is also the way of greatest compassion. We must gain such compassion from insight, not with phrases. When someone has broken a leg all the people standing around full of compassion will be of no use, only the one individual who knows what to do and does it properly. Merely to preach theosophy is like standing in front of the stove and saying: ‘It is your duty to get the room warm.’ And it is the same if you tell people to practise brotherly love. Just as you have to put wood in the stove and put a match to it, so you have to give people what they need if their souls are to unite in one great brotherhood, and that is insight. True insight is the fuel for the great brotherly union among human beings. Today we have the age of materialism, and because of this people have gone their separate ways.
