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The Rudolf Steiner Archive

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Natur- und Geistwesen
ihr Wirken in unserer sichtbaren Welt
GA 98

15 Januar 1908, München

10. Von den Wirkungen einiger übersinnlicher Wesenheiten auf den Menschen

[ 1 ] Das letzte Mal haben wir ein Thema behandelt, welches uns von unserer physischen Welt aus hinaufführte in höhere Welten an der Hand dessen, was man die Elementarreiche nennt, und dazumal haben wir Gelegenheit nehmen können, hineinzublicken in die komplizierte Natur der menschlichen Wesenheit, mit was allem sie zusammenhängt, wie vielerlei Fäden hinaufführen vom Menschen in die höheren Welten. Es wird sich empfehlen, diesen Gegenstand heute etwas auszubauen. Dabei wird es nötig sein, eine kurze Bemerkung vorauszuschicken.

[ 2 ] Wir würden in den theosophischen Betrachtungen nicht gut vorwärtskommen können, wenn nur die elementaren Tatsachen behandelt würden. Dabei würden viele der Mitglieder immer wieder auf dieselben Sachen zurückkommen müssen. Unter elementaren Dingen braucht man aber nicht nur das zu verstehen, was man im Anfange der theosophischen Weltanschauung hört, sondern auch das, was in geringem Maße sich entfernt von dem, was ein vernünftiger Mensch heutigen Schlages einsehen kann. Das heißt, ein vernünftiger Mensch heutigen Schlages wird allenfalls ein klein wenig von dem gelten lassen, was sich über die physische Welt erhebt. Es mag einige Leute geben, die solches annehmen. Aber sie sagen, Sicheres könne man darüber nicht wissen, wenn es auch nicht ganz hirnverbrannt sei. Dies letztere aber wird entgegengeworfen dem, was den höheren Gebieten in theosophischer Beleuchtung entspricht. Diese höheren Gebiete sind dabei nicht nur so gemeint, daß ein höherer Grad von Verständnis nötig ist, um sie anzuhören und zu verstehen, sondern es gehört alles das an Gefühlen dazu, was man nur haben kann, wenn man lange im theosophischen Leben Erkenntnis gesucht hat. Man darf in gewisser Beziehung jemandem, der längere Zeit dieses Leben mitgemacht hat, mehr zumuten. Diejenigen, die erst kurze Zeit mitmachen, dürfen gebeten werden, sich zu sagen, daß das heutige Thema dem, was man gewöhnlich sagt, etwas ferne liegen wird. Aber es ist doch nicht so schwer sich zu sagen: Es mag mir vielleicht im Anfang manches etwas phantastisch und träumerisch erscheinen, aber wenn ich erst längere Zeit in der Richtung gedacht habe, so wird es mir doch nicht mehr so merkwürdig vorkommen. Es könnte doch sein, daß manches mir nur Jetzt hirnverbrannt erscheint; wenn ich aber mir Gefühle dafür angeeignet habe, so wird es mir nicht mehr in dem Lichte erscheinen.

[ 3 ] Danach wollen wir mit Unbefangenheit an das Thema herantreten, das für solche, die in ihren Gefühlen vorgerückt sind, ein höheres Kapitel der theosophischen Weltanschauung ausmacht.

[ 4 ] Wenn wir mit dem geöffneten Auge des Sehers immer weiter eindringen in die höheren Welten, von denen wir ja schon öfters gesprochen haben, in die astralische Welt, das niedere und höhere Devachan, so sieht man, daß es dort Wesenheiten gibt, die nicht bis in unsere physische Welt hinunter sich verkörpern, die keinen physischen Körper annehmen, die aber doch abgeschlossene Wesenheiten sind wie die Menschen hier auf unserem Plan. Wenn sich der Mensch vom festen Grunde der physischen Welt hinaufbegibt in die höheren Welten, muß er zwei verschiedene Arten von Wesenheiten unterscheiden: Die eine Sorte schickt ihre Offenbarungen hinab bis auf den physischen Plan; die andere Sorte offenbart sich entweder gar nicht oder doch auf solche Art auf dem physischen Plan, daß diese Offenbarung: kaum für die gewöhnliche Anschauung zu erfassen ist.

[ 5 ] Erinnern wir uns an zusammengehörige Tiergruppen, die gleichgeformt und miteinander verwandt sind. Sie haben eine Gruppenseele, ein Gruppen-Ich in der astralischen Welt. Wenn wir ein solches Gruppen-Ich auf dem Astralplan beobachten, so ist ein solches Wesen dort eine ebenso abgeschlossene Wesenheit, eine Persönlichkeit, wie der Mensch auf dem physischen Plan eine abgeschlossene Persönlichkeit ist. Der Seher begegnet dort den Gruppenseelen der Tiere, genau wie man hier dem Menschen begegnet. Es sind einzelne, in sich abgeschlossene Persönlichkeiten auf dem Astralplan, und nur ihre Offenbarungen werden bis in die physische Welt geschickt. Es ist geradeso, wie wenn ich durch eine Wand von Ihnen getrennt bin, die aber Löcher hat, so daß die Finger hindurchgesteckt werden können. Man könnte dann auch sagen: Ich sehe etwas, was zu einer anderen Wesenheit gehört. So ungefähr ist es, wenn Sie einen Löwen betrachten. Die Seele, zu der er gehört, ist auch wie hinter einer Wand, und alle Löwen sind wie vorgestreckte Finger. Diese Gruppen-Iche treffen wir also als abgeschlossene Wesenheiten auf dem astralischen Plane. Sie sind also auf leichte Art in ihren Offenbarungen in der physischen Welt zu finden. Man sieht die Organe, die hereingestreckt werden.

[ 6 ] Das ist aber nicht bei allen astralischen Wesenheiten so, daß man ihre Offenbarungen gut beobachten kann; der Mensch ahnt die Gegenwart dieser astralischen Wesenheiten gar nicht, wenn seine Sinne nicht geschärft sind. Der Mensch trifft also Persönlichkeiten auf dem Astralplane, die ihm zum Teil bekannt sind, und auch andere Wesenheiten, die den Eindruck der Unbekanntheit auf ihn machen, die er nicht so gut kennt von dem physischen Plane aus; sie sind ihm in gewisser Beziehung neu. Der astralische Plan ist sehr bevölkert, und es lebt dort mancherlei, wovon die Menschen sich nichts träumen lassen. Es soll nicht behauptet werden, daß diese Wesenheiten gar keine Wirkung hätten auf dem physischen Plan, sondern sie haben im Gegenteil eine gewaltige Wirkung auf den Menschen. Erst dann sehen wir ein, wie kompliziert die Zusammenhänge sind, wenn wir schauen, was da alles einwirkt. Diese Wesenheiten begegnen uns und machen zum Teil den Eindruck von außerordentlich sanften, milden Wesen, die auch untereinander sehr friedlich leben. Aber auch andere treffen wir, die nicht gerade in solcher Art charakterisiert werden können, die allerlei boshafte Eigenschaften haben und die vor allen Dingen, wenn sie in die Nähe des Menschen kommen, eine Gefahr darstellen.

[ 7 ] Das eigentümliche bei diesen Wesen ist, daß alle unsere Vorstellungen über Raumverhältnisse, die wir von der physischen Welt her haben, zuschanden werden. Wir müssen uns, wenn wir nicht phantastisch sein wollen, allmählich einleben in Vorstellungen, die ganz verschieden sind von denen, die wir gewöhnlich haben. Bei diesen wenig sympathischen Wesenheiten tritt uns entgegen, daß sie im Grunde nicht dort sind, wo wir sie wahrnehmen, sondern ganz woanders. Ihre Wirkungen sind in der astralischen Welt, aber ihre Heimat ist nicht dort.

[ 8 ] Ein grober Vergleich würde folgendes sein. Denken Sie sich einen Arbeiter, der draußen vor der Stadt wohnt und jeden Morgen zur Arbeit in die Stadt geht. Dort hat er sein Arbeitsfeld, aber draußen wohnt er. Das ist ein grober Vergleich. Etwas besser stimmt schon folgender Vergleich, aber der ist auch schon sehr phantastisch. Denken Sie sich, der Arbeiter wohnt weit weg von München, aber hat elastische Arme, so daß er stundenweit weg seine Arbeit verrichten kann. Sie müssen sich Vorstellungen von ganz anderen Raumverhältnissen aneignen, als die, welche vom physischen Plan Ihnen geläufig sind. Irgendein Wesen, das astralischer Natur ist, kann auf einem anderen Planeten wohnen und doch seine Wirkungen hier auf dem astralischen Plane ausüben, denn die Trennung der Raumverhältnisse besteht nicht mehr. Vermittelt werden diese Wirkungen, die es zum Beispiel anregt auf anderen Weltenkörpern, und die erscheinen auf der Erde. Wir müssen nicht nur mit den Vorstellungen, die in der physischen Welt gebildet sind, die geistige Welt untersuchen wollen, sondern wir müssen uns bequemen, neue Vorstellungen zu bilden.

[ 9 ] Diejenigen Wesenheiten, von denen ich Ihnen da gesprochen habe, daß sie zu den unsympathischen Wesen gehören, sind Mondwesen. Da haben sie ihre eigentliche Heimat. Sie können mit seherischen Augen die Beobachtung so anstellen, als wenn Sie die langausgestreckten Finger hier in München sähen und müßten nun stundenweit hinausgehen, um das Wesen selbst beobachten zu können. Sie finden, daß solche Wesenheiten hier auf der Erde ihre Hand im Spiele haben. Gehen Sie aber den Kraftlinien nach, so kommen Sie zum Monde. Da haben sie ihre Heimat. Der Mond ist wirklich in dieser Weise bevölkert. Diese Wesenheiten haben nicht die dichte Körperlichkeit wie unsere Erdenwesen, obwohl sie auch eine Körperlichkeit haben. Aber diese ist so verdünnt, daß sie auf Erden astralisch sich ausdrückt. Man könnte sie vergleichen mit zwerghaften Wesenheiten, die nicht größer werden als ein sechsbis siebenjähriges Kind. Eine Eigentümlichkeit haben diese Wesenheiten, die durch die Verhältnisse des Mondes bedingt ist, und die Ihnen ganz sonderbar vorkommen wird; aber wenn alle Welten gleich wären, dann würde es ja nicht nötig sein, daß so viele bestehen. Diese Eigentümlichkeit besteht darin, daß sie unendlich stark brüllen können. Ihre Schreiwerkzeuge sind außerordentlich stark entwickelt. Diese Wesenheiten äußern sich zuerst auf dem irdischen Astralplan, sie sind nicht immer und überall da, sondern werden angezogen durch gewisse Verhältnisse unseres Lebens. Die Taten solcher Wesenheiten sind an gewissen Orten zu finden, besonders da, wo Medien, Somnambule sind; wo ganz bestimmte Dinge vorhanden sind. Da dringen sie ein mit ihren Wirkungen und Taten und äußern sich dem Menschen in sehr unsympathischer Weise. Auch wo niedere Leidenschaften sich entfalten, sind sie zu finden. Dagegen können Sie die gutartigen Wesenheiten des astralischen Planes da finden, wo außerordentlich menschenfreundliche Leidenschaften sich ausleben. In irgendeiner Wohltätigkeitsgesellschaft, wo wirkliche Wobltätigkeit in den Seelen lebt, da wird angeregt dasjenige, was solche Wesenheiten in den Umkreis der Menschen zieht; so daß tatsächlich der Mensch durch das, was er tut, was vermöge seiner Eigenschaften von ihm ausströmt, eine Anziehung ausübt auf gewisse Wesenheiten und so eine Verbindung herstellt mit weitentfernten Weltenkörpern, die herbeigeführt wird durch die Äußerung der Taten der Weltenwesen und Menschenseelen. Die Wesenheiten, von denen ich Ihnen zuletzt gesprochen habe, die sanft und milde sind, haben auch ihre Heimat auf einem anderen Planeten, und zwar auf dem Mars. Von da aus äußern sie ihre Wirkungen auf die Erde hinein. Diese Wesenheiten wirken also, indem sie, man möchte sagen, die Weiten des Raumes mit ihren Taten durchmessen. Alles, was wirklich Wirkungen, außer den physischen, von einem Planeten zum anderen sind, dem liegen solche Verhältnisse zwischen den Bewohnern der Weltenkörper zugrunde. Sie sehen also, daß wir, wenn wir hinaufkommen in die höheren Welten, gar sonderbare Genossen finden. Es nützt nichts, wenn wir sagen: Es gibt geistige Welten - und so weiter, sondern der Mensch muß diese Wesenheiten kennenlernen.

[ 10 ] Wenn wir nun zu noch höheren Welten mit dem seherischen Vermögen aufsteigen, so kommen wir zum niederen Devachanplan, zur niederen geistigen Welt. Auch sie durchdringt unsere physische und astralische Welt. Dort finden wir die Gruppen-Iche der Pflanzen. Sie wissen schon, daß die Pflanzen, die die Erde bedecken, zu großen Gruppen zu vereinigen sind, denen dann ein Gruppen-Ich entspricht. Nur sind diese Gruppen-Iche auf dem Devachanplan zu finden, doch sind sie zunächst lokalisiert im Mittelpunkt der Erde. Dort haben alle Gruppen-Iche der Pflanzen ihr Zentrum. Und wenn Sie sich die ganze Erde so vorstellen, so sehen Sie sie als einen großen Organismus, in dem sich auch die verschiedenen GruppenIche der Pflanzen durchdringen. Diese Summe von Gruppen-Ichen der Pflanzen empfindet ebenso Leid und Freude, Lust und Schmerz, wie der menschliche Organismus. Wir können ganz genau angeben, wie Lust und Leid vorhanden sind in diesem Erdenorganismus. Wir wissen, daß das Abpflücken der Pflanzen Lust, ja Wollust, Wohlgefühl bereitet, ein Wohlbehagen, ähnlich dem Wohlbehagen, das die Kuh empfindet, wenn das Kalb die Milch saugt. Das Ausreißen der Wurzel dagegen tut dem Erdenorganismus weh, bereitet ihm Unlust. So sehen Sie, wie man im Speziellen angeben kann, wie die Wesen der devachanischen Welt empfinden. Was wir auch tun auf der Erde, es sind nicht nüchterne Tatsachen, sondern, wenn wir dieses oder jenes vornehmen, so bereiten wir irgendeinem Wesen Lust oder Schmerz, Freude oder Leid. Schneidet der Schnitter durch die Halme, so geht ein Hauch von Wohlgefühl, welches die Pflanzenseele empfindet, über die Äcker. So geht der, der für diese Dinge Empfindung hat, über die Erde, indem er mitfühlen lernt mit den geistigen Wesen, die in den höheren Welten leben und die wieder nur ihre Organe hineinschicken in die physische Welt.

[ 11 ] Wenn man aber einmal in diese devachanischen Gebiete kommt, dann begegnet man wiederum anderen Wesen, die nicht in so offener Weise ihre Wirkung hineinsenden in die physische Welt, sondern die viel verborgener sich äußern. Es sind hier wieder zwei Arten von Wesenheiten zu unterscheiden; auf der einen Seite außerordentlich sanfte, milde, Harmonie ausströmende Wesenheiten, und auf der anderen Seite raubtierartige Wesenheiten, die fortwährend miteinander im Kampf liegen. Diese haben ebenso ihre Heimat auf einem anderen Planeten und äußern nur im Devachanplan ihre Wirkungen. Auf der Venus wurzeln sie; dort findet man sie als Bewohner dieses Planeten, wenn man ihn aufsucht mit geistigem Sehvermögen. So gibt es für jede der Welten neue Bekanntschaften, wenn man erst ausgeht vom physischen Plan, von dem, was man grobstofflich sieht, und sich dann erhebt zu dem Ursprung der Wesenheiten. Gehen Sie von ganzen Gruppen von Pflanzen, von Gruppen von Tieren aus, so finden Sie die Pflanzen-, die Tierseele, aber dann werden Sie auch imstande sein, andere Wesen zu finden, die nicht in so grob sinnlicher Weise sich auf dem physischen Plan äußern.

[ 12 ] Statt von Pflanzen oder 'Tieren kann man auch von Mineralien oder Steinen ausgehen, und da findet man die Wesen im höheren Devachan. Auch diese empfinden Lust und Leid, Freude und Schmerz. Wenn der Seher sich einen Steinbruch ansieht, wo die Arbeiter die Steine abbröckeln und absplittern, da sieht er, wie die mineralische Seele etwas erlebt. Man darf hier nicht nach Analogien und Gleichnissen schließen. Das Zerschlagen mit dem Hammer schmerzt nicht. Ein Hauch von Wohlgefühl strömt aus, indem die Steine heruntergeschlagen werden. Ein Schmerzgefühl ist vorhanden, wenn Sie aus getrennten Gesteinsmassen die Steine wieder vereinigen wollen; wenn Sie aus zerstreuten Massen wieder ein Ganzes herauskristallisieren wollen, dann wird Schmerz zugefügt. So kann man auch mitfühlen und miterleben lernen mit der mineralischen Welt, mit dem Ich der Mineralien.

[ 13 ] Wieder lernt man aber hier erkennen Wesenheiten, die nicht in so grober, derber Weise sich äußern in der physischen Welt. Wieder wollen wir zweierlei Arten als die auffälligsten hier betrachten. Es sind solche, die eine merkwürdige geistige Konstitution haben. Sie sind schwer zu schildern, aber einen Begriff davon werden Sie bekommen, wenn Sie sich vorstellen würden ein außerordentlich begabtes Wesen, das aber, um Erfindungen zu machen, gar nicht viel nachzudenken braucht, sondern durch die Wahrnehmungen schon veranlaßt wird, den Gegenstand umzugestalten in irgendeiner genialen Weise. Es sind Wesenheiten, die in einer gewissen Art leben im Wahrnehmen, ohne daß bei ihnen das Denken als solches eine so große Rolle spielt. Es sind sehr merkwürdige Wesenheiten von außerordentlicher Erfindungsgabe, die aber nur auf Wahrnehmung, nicht auf Denken beruht. Diesen stehen andere Wesenheiten gegenüber, welche ebenso unsympathisch sind, wie diese sympathisch. Diese anderen Wesenheiten sind dadurch zu charakterisieren, daß sie auch so in der Wahrnehmungswelt leben, auch nicht besonders denken, aber besonders die Wahrnehmungen aufsuchen, die für uns Menschen scheußliche, greuliche Wahrnehmungen sind. Das ist für sie Genuß, in dem wühlen sie. Diese Wesenheiten nun haben ihre Heimat auf dem Saturn, geradeso wie die anderen, die geschildert worden sind, auf dem Mond, auf Mars und Venus wohnen.

[ 14 ] Da haben wir also eine Perspektive auf die höheren Wesenheiten. Wir könnten fragen: Was gehen uns aber diese Wesenheiten alle an? — Es könnte wie müßige Neugier scheinen, sich mit ihnen zu befassen. Aber sie gehen uns sehr viel an. Denn wenn sie sich auch nicht so offenbar ankündigen in der physischen Welt, so äußern sie sich doch in ihren Wirkungen in einer für den Menschen außerordentlich wichtigen Art. Und da werden wir von den Wesen wie von selbst geleitet zu einer für uns Menschen normalen Wirkung dieser Wesenheiten. Was von Somnambulen und so weiter gesagt worden ist, bildet in gewisser Weise einen Ausnahmefall. Aber sie haben auch ganz normale Wirkungen für den Menschen, für den einen mehr, für den anderen weniger. Welche Wirkungen sie für uns haben, tritt vor unsere Seele, wenn wir den Menschen in gewisser Beziehung auf seine Konstitution hin betrachten, auf seine ihn durchströmenden Säfte. Säfte verschiedener Art durchströmen den Menschen.

[ 15 ] Zuerst betrachten wir den Nahrungssaft, den Chylus. Die Nahrung wird aus den verschiedensten Bestandteilen aufgenommen, wird verdaut, geht über in den Darm und wird durch die dort befindlichen Organe durch die Darmwände durchgedrängt, um in entsprechender Weise zum Neuaufbau des Körpers benutzt zu werden. Das ist die eine Strömung, die den Menschen durchdringt. Sie hat ihre Quelle in der aufgenommenen Nahrung. Eine andere Saftgattung ist die Lymphe, eine in Gefäßen verlaufende Flüssigkeit, die zum Teil mit den Blutgefäßen zusammen verlaufen, welche sich in der Bauchhöhle sammeln, die aber auch in einer gewissen Weise den ganzen Organismus durchströmt. Diese haben eine Eigentümlichkeit, die wir ein anderes Mal betrachten werden: daß nämlich alle diese Lymphgefäße, die von der linken Seite des Rumpfes und des Kopfes kommen, sich sammeln und ergießen in die linke Schlüsselbeinhöhle. Nur die von dem rechten Teil des Körpers kommenden Ströme sind davon getrennt. Dem liegt eine okkulte Bedeutung zugrunde.

[ 16 ] Ein dritter Saft ist das Blut, das wiederum in der verschiedensten Art den menschlichen Organismus durchströmt. Wer nur mit materialistischem Sinne den Menschen betrachtet, der sieht in diesen Stoffen — Blut und so weiter — Körper, die man chemisch analysieren kann, die aus den und den chemischen Teilen bestehen. Wer aber mit sehenden Augen die Sache betrachtet, der weiß, daß überall Geist ist, daß aller Materie Geist zugrunde liegt. Was Sie auch sehen mögen, Gold, das in Adern die Erde durchzieht, Quecksilber, das in Tropfen sich absetzt, es ist der Ausdruck eines Seelischen. Und so weiß der, der mit geistigen Augen die drei Säfte betrachtet, daß wenig damit gesagt ist, wenn man die Säfte chemisch und so weiter untersucht. Mit den Säften durchziehen geistige Wesenheiten den Organismus. Mit dem Blute strömen geistige Wesenheiten durch den menschlichen Körper, ebenso mit Lymphe und Chylus. Nur der erkennt diese Säfte wahrhaft, der sie erkennt als Ausdruck geistiger Wesenheiten. Nur der kann den Menschen richtig hinstellen in den Erdenorganismus, auf den Erdenschauplatz, der weiß, daß von allen Seiten, von oben nach unten und so weiter, Geister uns durchströmen, die in der Welt und in unserer Umgebung vorhanden sind.

[ 17 ] Nur einer von den drei genannten Säften ist ein mehr oder weniger selbständiger Ausdruck des menschlichen Ich. Das ist das Blut. Das Blut ist der physische Ausdruck des Ich, so daß man sagen kann: indem das Blut durch den Körper pulst, strömt das menschliche Ich durch den Leib. Aber auch nur in gewissem Grade, der bei einem Menschen größer, bei einem anderen kleiner ist, ist der Mensch Herr in seinem Organismus in bezug auf sein Blut.

[ 18 ] Nicht so ist es mit der Lymphe. In ihr lebt nicht unser eigenes Ich, sondern andere Wesenheiten, astralische Wesenheiten, die ihre Heimat auf Mond und Mars haben. Indem sich die Lymphe bildet und entbildet, dringen diese Wesenheiten in den Menschen ein, und wie die Lymphe ihn durchströmt, durchströmen ihn die Kraftlinien, die Taten dieser Wesenheiten. Bedenken Sie nun einmal, daß das Ich läuternd einwirkt auf den astralischen Leib. In demselben Maße, wie der Mensch Herr wird über den astralischen Leib, in demselben Maße wird er auch Herr über die Geister oder deren Wirkungen, die durch die Lymphe durch den Körper fließen, so daß der Mensch durch Läuterung, durch Reinigung seines astralischen Leibes immer mehr die Willkür dieser Wesenheiten einengt. Sie sehen, was Sie geistig tun, indem Sie dafür sorgen, daß die Intellektualität ausgebildet wird, daß die Ethik reiner und edler, das ästhetische Empfinden geläutert wird. Damit ändern Sie die Wirkungen, die ausgehen von den genannten Wesenheiten des astraliischen Planes. Diese Wesenheiten verlieren das Terrain in Ihnen. Darin besteht die Höherentwickelung, daß der Mensch immer mehr und mehr ein Ausdruck seiner eigenen Wesenheit wird.

[ 19 ] Ebenso wie in der Lymphe die astralischen Wesenheiten uns durchziehen und durchströmen, so durchziehen den Nahrungssaft die Venuswesenheiten. Nicht durch niedrigere Wesen wird er beherrscht, sondern durch höhere Wesenheiten. Eine höhere Kraft gehört dazu, auch die Zusammensetzung des Chylus zum Ausdruck der eigenen Persönlichkeit zu machen. Wenn Sie sich erinnern, daß diese Wesen die Genossen der Pflanzenseelen sind, der Pflanzen-Iche, so werden Sie sehen, daß diese Wesenheiten im wesentlichen ihren Angriffspunkt auf die Art von Nahrung nehmen, die der Mensch zu sich nimmt. Deshalb sind die Menschen nach Rassen und Nationen verschieden auf den verschiedenen Gebieten unseres Erdballes, weil sie verschiedene Nahrung zu sich nehmen. Und wenn der Mensch allmählich lernt, sich zu emanzipieren von den Zufälligkeiten der Nahrung, wenn er die Nahrung wählt nach den Grundsätzen der geistigen Erkenntnis, dann erlangt er allmählich Gewalt über diesen Nahrungssaft, er emanzipiert sich von diesen Wesenheiten, die von außen wirken. Deshalb wird auf die so oder so auf den Menschen wirkenden Nahrungsmittel ein so großer Wert gelegt. Was man ißt, in dem liegt die Kraft gewisser Wesen, und wie man Einfluß auf diese gewinnt, so macht man sich selbst zum Herrscher seines Organismus. Tatsächlich treibt man Geister aus, von denen man vorher besessen ist, indem man mit Bewußtsein seine Nahrung wählt.

[ 20 ] Tatsächlich ist nur in gewisser Weise der Mensch Herr über sein Blut. Er kann aber auch die Herrschaft erlangen über andere Säfte. Versuchen Sie einmal zu erkennen, wie der Mensch durch diese oder jene Nahrung diese Wesen anzieht, schlechte Wesen, so begreifen Sie, welche Bedeutung dies für die Erziehung, die Medizin und andere Wissenschaften hat. Man genügt dem Fortschritte nicht, wenn man nur sagt: Der Mensch muß sich vervollkommnen. — Man muß auf die Einzelheiten eingehen, wie man sich vervollkommnen kann.

[ 21 ] Auf ein anderes Gebiet unseres Daseins haben die Saturnwesen einen Einfluß. Diese haben, weil sie ganz in der äußeren Wahrnehmung leben, auf unsere äußere Wahrnehmung einen Einfluß. Es ist nicht gleichgültig, ob der Mensch mit Leidenschaft seine Augen und Sinne auf Ekelhaftes, Niedriges richtet, oder ob er mit einer gewissen Anziehung seine Augen hinrichtet auf das Schöne und Edle in der Welt. Je nachdem gewinnen gute oder böse Saturnwesen auf den Menschen ihren Einfluß.

[ 22 ] Mit der Leidenschaftlichkeit, mit der der Mensch hier irgendeinen Sinneseindruck einsaugt, schleichen sich in ihn Wesenheiten ein, wie mit dem Nahrungssaft und mit der Lymphe. Es ist nie ohne Nebenwirkung, wenn Sie Ihren Blick richten auf Sinneseindrücke. Sie nehmen die Taten von geistigen Wesenheiten mit jedem Blick auf. Sehen Sie ein schönes, Edles darstellendes Bild, so strömt nicht nur auf Sie ein, was Ihnen sichtbar ist, sondern mit dem, was Sie sehen, strömen ein geistige Wesenheiten. Hören Sie wollüstige Musik an, so strömt ebenso die geistige Kraft von saturnischen Wesenheiten ein. Danach können Sie ermessen, wie kompliziert das Leben ist, sobald man in die geistigen Grundlagen eindringt.

[ 23 ] Besonders stark ist die Wirkung der Sinneseindrücke, die wir als Geruch bezeichnen. Mit Gerüchen saugt der Mensch eine Unsumme von Wirkungen geistiger Wesenheiten ein. Sie können bewußt auf einen Menschen wirken dadurch, daß Sie mit Gerüchen die Wirkung scheußlicher Wesenheiten vermitteln. Manches Parfüm würde nicht benutzt werden, wenn man wüßte, welche Wirkungen man damit auf seine Mitmenschen ausübt. In den Intrigen mancher Fürstenhäuser haben nicht nur Worte gespielt, sondern es gab Zeiten, wo Persönlichkeiten es wohl verstanden, ihre Mitmenschen zu betören durch Parfüm- und Aromawirkungen.

[ 24 ] Das Wichtigste im Leben entzieht sich den Sinnen, und der Mensch lebt unbewußt dahin, ohne zu ahnen, welchen Wirkungen geistiger Wesenheiten er stets ausgesetzt ist.