Die Theosophie des Rosenkreuzers
GA 99
26 Mai 1907, München
Dritter Vortrag
[ 1 ] Wir werden heute den Menschen in seinem Zustande des Wachens hier in der physischen Welt, in dem Zustande des Schlafes und des sogenannten Todes betrachten. Den Zustand des Wachens kennt jeder aus der eigenen Erfahrung.
[ 2 ] Wenn der Mensch in Schlaf versinkt, dann zieht sich gleichsam alles, was Astralleib, Ich und das, was das Ich im Astralleib gearbeitet hat, heraus aus dem physischen und dem Ätherleib. Wenn Sie hellsehend den schlafenden Menschen betrachten, dann haben Sie im Bette liegend den physischen und den Ätherleib. Diese zwei Glieder bleiben in dem Zusammenhang, in dem sie sonst auch sind, während der Astralleib alles, was höhergliedrig ist, herauszieht, so daß man hellsehend verfolgen kann, wie im Einschlafen der Astralleib in einem gewissen Licht sich aus den erstgenannten zwei Leibern herauszieht. Wenn dieser Zustand noch genauer beschrieben werden soll, muß man sagen, daß der Astralleib bei dem heutigen Menschen gegliedert erscheint durch mannigfache Strömungen und Licht-Erglänzungen, und wenn man diese summarisch anschaut, so sieht das Ganze aus wie zwei ineinandergeschlungene Spiralen, gleichsam wie zwei ineinandergeschlungene 6Zahlen, von denen sich die eine in den physischen Leib hinein verliert, die andere aber weit hinaus wie ein Kometenschweif in den Kosmos sich erstreckt. Es werden nur diese beiden Schweife des Astralleibes sehr bald unsichtbar in ihrer weiteren Verbreitung, so daß die Erscheinung dann mit der Form eines Eies sich vergleichen läßt. Wenn der Mensch wiederum aufwacht, verliert sich der in den Kosmos hinausgehende Schweif, und das Ganze zieht sich wieder hinein in den Äther- und physischen Leib.
[ 3 ] Ein Zwischenzustand zwischen Wachen und Schlafen ist ja das Träumen. Der traumerfüllte Schlaf ist dann vorhanden, wenn der Astralleib zwar schon ganz seine Verbindung mit dem physischen Leib gelöst hat, gleichsam seine Fühlfäden aus dem physischen Leib herausgezogen hat, aber noch mit dem Ätherleib verbunden ist. Dann wird das Blickfeld des Menschen von jenen Bildern durchzogen, die wir die Träume nennen. Es ist das sachlich ein Zwischenzustand, weil der Astralleib seine Verbindung mit dem physischen Leib vollständig gelöst hat, während er noch mit dem Ätherleib in gewisser Weise zusammenhängt.
[ 4 ] Das also ist der schlafende Mensch, der in seinem Astralleib, außerhalb seines physischen und Ätherleibes, lebt. Daß der Mensch in solchen Schlaf versinken muß, hat in der ganzen Natur seine tiefe Berechtigung. Sie dürfen sich nicht vorstellen, daß der Astralleib, wenn er in der Nacht beim Schlaf außerhalb des physischen und Ätherleibes ist, untätig sei und keine Arbeit hätte. Wenn während des Tages der Astralleib im physischen und Ätherleib ist, treffen ihn die Wirkungen von der Außenwelt, die der Mensch erhält durch die eigene Tätigkeit des Astralleibes, durch seine Sinneseindrücke, durch seine Tätigkeit in der physischen Welt. Alles, was der Mensch so erhält an Gefühlen und Empfindungen, alles, was von außen auf ihn einwirkt, setzt sich fort bis zum Astralleib. Das ist der eigentlich empfindende und denkende Teil des Menschen, und der physische Leib und auch das, was im Ätherleib ist, sind nur seine Vermittler, die Instrumente. Alles, was denkt und will, ist im Astralleib. Während der Mensch am Tage in der Außenwelt tätig ist, erhält so der Astralleib fortwährend Eindrücke von der äußeren Welt. Auf der anderen Seite aber halten wir fest, daß der Astralleib der eigentliche Aufbauer vom Äther- und vom physischen Leibe ist. Ebenso, wie der physische Leib in allen seinen Organen herauserstarrt, verhärtet ist aus dem Ätherleib, so ist alles, was im Ätherleib strömt und tätig ist, herausgeboren aus dem Astralleib.
[ 5 ] Woraus ist nun der Astralleib selber geboren? Er ist geboren aus dem allgemeinen astralischen Organismus, der unsern ganzen zu uns gehörenden Kosmos durchwebt. Wenn Sie sich durch ein Gleichnis dieses Verhältnis vorstellen wollen, das Verhältnis des kleinen Teils von astraler Körperlichkeit in Ihrem Leibe zu dem ganzen mächtigen Astralmeere, in dem alle Menschen, Tiere, Pflanzen, Mineralien und auch Planeten schwingen und aus dem sie herausgeboren sind, wenn Sie dieses Verhältnis des astralen Leibes zum Astralorganismus sich vorstellen wollen, so denken Sie sich einen Tropfen einer Flüssigkeit in einem Gefäße. Wie der Tropfen sein ganzes Sein hat von der Flüssigkeit, die in dem Gefäße ist, so ist das, was in einem Astralleib ist, einmal eingeschlossen gewesen in dem ganzen Astralmeere des Kosmos. Es hat sich herausgetrennt, und dadurch, daß es eingezogen ist in den Äther- und physischen Leib, hat es sich abgesondert wie der Tropfen aus dem Gefäße.
[ 6 ] Solange der Astralleib im Schoße des allgemeinen Astralleibes ruhte, erlangte er seine Gesetze, seine Eindrücke von diesem ganzen kosmischen Astralkörper. Er lebte innerhalb dieses kosmischen Astralleibes sein Leben. Seit diesem Heraustrennen ist er während des Tagwachens angewiesen auf die Eindrücke, die er von der physischen Welt erhält, so daß er seine Natur teilen muß zwischen den Eindrücken, die er noch mitgebracht hat von dem kosmischen Astralleib, und denen, die er jetzt von außen erhält durch die Tätigkeit, die ihm von der physischen Welt zugewiesen ist. Diese zwei Seiten werden, wenn der Mensch am Ziel seiner Erdenentwickelung angelangt sein wird, eine Harmonie ergeben. Heute ist das nicht der Fall, es klingen diese zwei Wirkungen nicht zusammen.
[ 7 ] Nun ist der Astralleib der Aufbauer des Ätherleibes und dadurch indirekt — weil der Ätherleib wieder den physischen Leib aufbaut — auch der Aufbauer des physischen Leibes. Alles, was der Astralleib im Laufe der Zeiten Stück für Stück aufgebaut hat, ist herausgeboren aus dem großen kosmischen Astralmeere. Dadurch, daß aus diesem Astralmeer nur Harmonie, nur gesunde Gesetzmäßigkeit herausgekommen ist, ist das Bauen des Astralleibes am Äther- und physischen Leib ursprünglich gesund, harmonisch; durch jene Einflüsse aber, die der Astralleib von außen, aus der physischen Welt, erhält und die seine ursprüngliche Harmonie beeinträchtigen, kommen alle Störungen des physischen Leibes zustande, die beim heutigen Menschen vorhanden sind.
[ 8 ] Würde der Astralleib ständig im Menschen drinnen sein, so würde der starke Einfluß der physischen Welt bald die gesamte Harmonie zerstört haben, die sich der Astralleib aus dem kosmischen Meere mitgebracht hat. Sehr bald würde sich der Mensch durch Krankheit und Ermüdung abnützen. Während des Schlafes zieht sich der Astralleib zurück von den Eindrücken der physischen Welt, die nichts mehr enthält, was Harmonie gibt, und geht ein in die allgemeine Harmonie des Kosmos, aus der er herausgeboren ist. Und so bringt er sich des Morgens die Nachklänge dessen mit, was er an Erneuerung während der Nacht erlebt hat. Es erneuert der Astralleib während jeder Nacht seine Harmonie mit dem großen kosmischen Astralmeere, und so zeigt sich auch dem Hellseher dieser Astralleib gar nicht untätig; er sieht einen Zusammenhang zwischen dem Astralmeere und dem einen kometenähnlichen Schweif des Astralleibes und kann sehen, wie dieser Teil arbeitet an der Fortschaffung der durch die disharmonisierende Welt erzeugten Erschlaffung. Diese Tätigkeit des Astralleibes drückt sich dadurch aus, daß man sich am Morgen gestärkt fühlt. Allerdings muß sich der Astralleib, der während der Nacht in der großen Harmonie gelebt hat, erst wieder hineinfinden in die physische Welt. Deshalb erscheint das größte Gefühl der Stärkung erst einige Stunden später, nachdem der Astralleib wiederum den physischen Leib bezogen hat.
[ 9 ] Nun wollen wir zu dem Bruder des Schlafes, zum Tode, übergehen und uns klarmachen, welches der Zustand des Menschen nach dem Tode ist. Der tote Mensch unterscheidet sich dadurch von dem bloß schlafenden, daß beim toten Menschen der Ätherleib mitgeht mit dem Astralleib und nur den physischen Leib hier in der physischen Welt zurückläßt. Dieses Herausdringen des Ätherleibes aus dem physischen Leibe ist niemals beim Menschen von der Geburt bis zum Tode vorhanden, wenn er nicht gewisse Einweihungszustände durchmacht.
[ 10 ] Ein wichtiger Augenblick für den Menschen, der gestorben ist, ist der Moment unmittelbar nach dem Tode. Er dauert ja längere Zeit, Stunden, selbst Tage. In diesem Zustande zieht vor der Seele des toten Menschen vorbei das ganze Leben der letzten Inkarnation wie in einem großen Erinnerungs-Tableau. Dies ist bei jedem Menschen nach dem Tode vorhanden. Die Eigentümlichkeit dieses Tableaus besteht darin, daß, solange es in der Art ist, wie es unmittelbar nach dem Tode sich zeigt, in ihm wie gestrichen sind alle die Erlebnisse, die der Mensch subjektiv bei seinem Gang durch die Welt durchgemacht hat. Wir haben bei unseren verschiedenen Erlebnissen immer auch das Gefühl der Lust und des Schmerzes, der Erhebung oder der Traurigkeit gehabt. Unser äußeres Anschauen war immer mit einem Innenleben verknüpft. Alle die Freuden und Schmerzen, die sich an die Bilder des Lebens heften, sind bei dieser Rückerinnerung nicht vorhanden. Man steht diesem Erinnerungstableau ebenso objektiv gegenüber wie einem Gemälde. Wenn dasselbe einen Menschen darstellt, der traurig, der von Schmerzen erfüllt ist, so sehen wir ihn objektiv an. Wir können wohl seine Traurigkeit nachfühlen, doch empfinden wir nicht unmittelbar den Schmerz, den der Mensch gehabt hat. So ist es mit den Bildern dieses Tableaus unmittelbar nach dem Tode: es breitet sich aus, und man sieht in Zeiträumen, die erstaunlich sind, weil sie so kurz sind, alle Einzelheiten, die sich im Leben zugetragen haben.
[ 11 ] Die Trennung des physischen Leibes vom Ätherleib während des Lebens ist sonst nur bei einem Eingeweihten vorhanden; doch gibt es gewisse Augenblicke, wo wie mit einem Ruck der Ätherleib sich löst von dem physischen Leib. Das ist dann der Fall, wenn der Mensch besonders schreckhafte Erlebnisse hat, zum Beispiel bei einem Absturz oder bei der Gefahr des Ertrinkens. Dann findet durch diesen mächtigen Schock eine Art Lösung des Ätherleibes vom physischen Leibe statt. Die Folge davon ist, daß in solchem Augenblick das ganze bisherige Leben wie eine Erinnerung vor der Seele des Menschen steht. Da haben wir ein Analogon für das Erlebnis nach dem Tode.
[ 12 ] Partielle Trennungen des Ätherleibes finden auch statt, wenn ein Glied eingeschlafen ist. Wenn zum Beispiel die Hand eingeschlafen ist, so kann der Seher beobachten, wie der Ätherteil, der der Hand entspricht, heraushängt wie ein Handschuh. Ebenso hängen Teile des Äthergehirnes heraus, wenn der Mensch in einem hypnotischen Zustande sich befindet. Weil der Ätherleib eingesponnen ist in ganz kleinen punktartigen Gebilden im physischen Leib, so entsteht das bekannte eigentümliche Gefühl des Prickelns bei einem eingeschlafenen Gliede.
[ 13 ] Nach Ablauf der Zeit, während der sich der Ätherleib in Verbindung mit dem Astralleib aus dem physischen Leib herausgelöst hat, kommt der Moment, wo der Astralleib mit all dem, was die höheren Glieder sind, wiederum sich herauslöst aus dem Ätherleib. Dieser letztere trennt sich ab, das Erinnerungs-Tableau verglimmt. Aber es bleibt dem Menschen etwas davon, es geht nicht ganz verloren. Zwar das, was man nennen könnte Äther- oder Lebenssubstanz, zerstreut sich in den ganzen Weltenäther, aber eine Art Essenz bleibt davon, die dem Menschen niemals wieder auf der ferneren Wanderung seines Lebens verlorengehen kann. Er nimmt sie wie eine Art Extrakt aus dem Lebens-Tableau mit in alle seine zukünftigen Inkarnationen, wenn er sich dessen auch nicht erinnern kann. Das, was sich aus diesem Erinnerungsextrakt bilder, nennt man konkret-real den Kausalleib. Nach jedem Leben legt sich ein neues Blatt zu dem Lebensbuch hinzu. Das vermehrt die Lebensessenz und bewirkt, wenn die vergangenen Leben fruchtbar waren, daß sich das nächste in der entsprechenden Weise entfaltet. Darin liegt die Ursache, weshalb ein Leben reich oder arm an Talenten, Anlagen und so weiter ist.
[ 14 ] Um das Leben des Astralleibes nach seiner Trennung vom Ätherleibe zu verstehen, müssen wir einen Blick tun auf physische Verhältnisse. Im physischen Leben ist es der Astralleib, der sich freut, der leidet, der seine Begierden, Triebe und Wünsche befriedigt durch die Organe des physischen Leibes. Nach dem Tode fehlen ihm diese physischen Instrumente. Der Feinschmecker kann seine Lust an guten Dingen nicht mehr befriedigen, denn die Zunge fehlt ihm; die ist mit dem physischen Leibe fortgegangen. Die Begierde aber bleibt dem Menschen, da diese mit dem Astralleib zusammenhängt, und daraus resultiert der brennende Durst der Kamaloka-Zeit. Kama heißt Begierde, Wunsch; loka wäre der Ort, doch ist es in Wirklichkeit kein Ort, sondern ein Zustand.
[ 15 ] Wer schon herauswächst innerhalb des physischen Lebens aus dem physischen Leibe, der kürzt seine Kamaloka-Zeit ab. Es ist ein wirkliches Herauswachsen, wenn wir uns an Gegenständen des Schönen, der Harmonie entzücken. Sie führen uns schon hier aus der sinnlichen Welt heraus. Die sinnlich-materialistische Kunst bedeutet eine Erschwerung des Kamaloka-Zustandes, während die spirituelle Kunst eine Erleichterung desselben bedeutet. Jede edle, durchgeistigte Lust kürzt Kamaloka ab. Deshalb müssen wir uns schon hier jene Lüste und Begierden abgewöhnen, welche nur durch das sinnliche Instrument befriedigt werden können. Kamaloka-Zeit bedeutet eben eine Zeit des Abgewöhnens der sinnlichen Lüste und Triebe. Diese Zeit dauert ungefähr ein Drittel des gewöhnlichen Lebens. Etwas Eigentümliches gibt es beim Durchleben dieser Kamaloka-Zeit. Sie vollzieht sich so, daß der Mensch anfängt, wirklich sein ganzes Leben zu durchleben. War es gleich nach dem Tode ein lust- und leidloses Erinnerungsbild, so durchlebt er jetzt alle Lust und alles Leid wirklich noch einmal, und zwar in umgekehrter Art, so daß er alle Lust, alles Leid, das er anderen zugefügt hat, in sich selbst erleben muß. Mit dem Karmagesetz hat dies nichts zu tun.
[ 16 ] Man fängt das Zurückerleben bei dem letzten Erlebnis vor dem Tode an und geht mit dreifacher Schnelligkeit bis zur Geburt zurück. In dem Moment, wo der Mensch in seinem Rückerinnern bei seiner Geburt angelangt ist, gesellt sich der Teil des Astralleibes, der vom Ich bearbeitet und umgestaltet ist, zum Kausalleib, dagegen fällt ab wie ein Schatten und Schemen dasjenige, was der Mensch noch nicht bearbeitet hat. Das sind die astralen Leichname der Menschen. Dann hat der Mensch abgelegt den physischen, den Äther- und jetzt auch den astralen Leichnam. Er durchlebt jetzt neue Zustände, die des Devachan. Devachan ist ebenso um uns wie die astrale Welt.
[ 17 ] Wenn der Mensch sein Leben bis in die Kindheit zurückgelebt hat, wenn er also die drei Leichname abgestreift hat, ist der Zustand erreicht, den die biblische Urkunde geheimnisvoll andeutet in den Worten: So ihr nicht werdet wie die Kindlein, werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen. — Devachan, geistige Welt, ist das Himmelreich im christlichen Sinne.
[ 18 ] Wir müssen nun die Welt des Devachan selbst beschreiben. Sie ist eine ebenso mannigfaltige und gegliederte wie unsere physische Welt. Ebenso, wie wir in unserer physischen Welt feste Gebilde unterscheiden, Kontinente, wie wir um das Feste herum eine Wassermasse haben, dann die Luft und darüber hinaus feinere Zustände, ebenso haben wir auch eine solche Gliederung im Devachan, im geistigen Reich. Man hat in Analogie mit den Verhältnissen auf der Erde die Dinge, die man im Devachan findet, mit ähnlichen Namen belegt.
[ 19 ] Wir haben da zunächst ein Gebiet, das sich vergleichen läßt mit den festen physischen Gebieten. Das ist das kontinentale Gebiet im Devachan. Dort findet man alles, was hier auf der Erde physisch ist, als geistige Wesenheiten. Man denke sich zum Beispiel einen physischen Menschen. Mit dem devachanischen Schauen betrachtet, erscheint er so: es verschwindet, was die physischen Sinne wahrnehmen, dagegen fängt es an aufzuleuchten dort, wo beim physischen Menschen nichts ist. Rund um den Menschen herum fängt es an zu glänzen und zu leuchten. In der Mitte, wo der physische Körper ist, ist ein leerer Raum, wie eine Art ausgespartes Negativ, wie eine Schattenfigur. Tier und Mensch so betrachtet, erscheinen im Negativbilde. Blut erscheint grünlich in der Gegenfarbe. Alle Gebilde, die hier physisch sind, sind da oben irgendwie in den Urbildern vorhanden.
[ 20 ] Ein zweites Gebiet, jedoch nicht abgegrenzt, wie eine zweite Stufe ist das Meeres-, das Ozeangebiet des Devachan. Es ist nicht Wasser, es ist eine eigentümliche Substanz, die in regelmäßigen Strömungen wirklich durchsetzt das Gebiet des Devachan, in einer Farbe, die man vergleichen kann mit der jungen Pfirsichblüte im Frühling. Flüssiges Leben ist dies, welches das ganze Devachan durchzieht. Das, was sich hier unten verteilt auf die einzelnen Menschen und Tiere, das ist dort oben als eine Art wässerigen Elementes vorhanden. Wir haben ein Bild davon, wenn wir an die Verteilung des Blutes im Menschen denken.
[ 21 ] Das dritte Gebiet kann man am besten charakterisieren, wenn man sagt, daß in ihm alles das als Äußeres vorhanden ist, was hier im Innern der Wesen an Empfindungen, Gefühlen, Lust und Leid, Freude und Schmerz lebt. Es wird hier zum Beispiel eine Schlacht geschlagen. Kanonen, Gewehre und so weiter, das ist alles auf dem physischen Plan. Aber innerhalb der Wesen hier auf dem physischen Plan ist vorhanden gegenseitiges Rachegefühl, Schmerz, Leidenschaften. Die zwei Heere stehen sich mit einer Fülle von polaren Leidenschaften gegenüber. Denke man sich das Ganze umgesetzt in äußere Erscheinungen, dann hat man das Bild, wie es sich auf dem Devachanplan ausnimmt. Wie wenn sich hier ein furchtbares Gewitter entlädt, sieht man dort dasjenige, was sich hier auf einem Schlachtfelde vollzieht. Das ist die Atmosphäre, der Luftkreis des Devachan. So wie unsere Erde eine Lufthülle umgibt, so ist dort ausgebreitet wie eine Atmosphäre alles, was sich hier auf dem physischen Plan an Gefühlen entlädt, ob es nun hier im Physischen zur Ausgestaltung kommt oder nicht.
[ 22 ] Das vierte Gebiet des Devachan enthält die Urformen, die Urgründe von all dem, was hier auf der Erde originell geleistet worden ist. Wenn wir uns umsehen, wenn wir die Geschehnisse der physischen Welt prüfen, so finden wir, daß weitaus die meisten inneren Vorgänge von außen veranlaßt werden. Eine Blume, ein Tier bereitet uns Freude; ohne die Blume, ohne das Tier würden wir diese Freude nicht empfinden. Es gibt aber auch solche Vorgänge, die nicht von außen veranlaßt werden. Ein neuer Gedanke, ein Kunstwerk, eine neue Maschine bringt etwas in die Welt, was noch nicht da war. Auf allen diesen Gebieten geschehen originelle Schöpfungen. Die Menschheit würde nicht vorwärtskommen, wenn nicht Neues in die Welt hineingebracht würde. Besonders originelle Dinge, welche die großen Künstler und Erfinder der Welt gegeben haben, sind nur gradweise höher als jede andere originelle Handlung, selbst die unbedeutendste. Es kommt darauf an, daß etwas originell im Innern entsteht. Auch für die unbedeutendsten originellen Handlungen sind schon Vorbilder im Devachan vorhanden. Alles das ist oben schon vorgezeichnet. Was originaliter von den Menschen geleistet wird, angelegt ist es dort schon vor der Geburt des Menschen.
[ 23 ] So finden wir im Devachan vier Gebiete, deren Gegenbilder auf dem physischen Plan Erde, Wasser, Luft und Feuer sind: das kontinentale Gebiet als die feste Kruste des Devachan, natürlich im geistigen Sinne, dann das Meeresgebiet, das entspricht unserem Wassergebiet, das Luftgebiet, die Strömungen der Leidenschaften und so weiter — Schönes, aber auch Sturmvolles findet sich dort —, und endlich das, was alles durchzieht, die Welt der Urbilder. Alles das, was in der physischen Welt später von Wesen, die wieder zurückkehren in die physische Welt, geleistet wird an Willensimpulsen und originellen Ideen, alles das muß die Seele durchleben und durchweben, um sich dort neue Kraft zu sammeln für das neue Leben.
