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The Rudolf Steiner Archive

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Mythen und Sagen
Okkulte Zeichen und Symbole
GA 93

27 Dezember 1907, Köln

13. Gruppen-Ich und Individual-Ich

[ 1 ] Nach der Einleitung von gestern wollen wir uns heute gleich darauf einlassen, einige sehr charakteristische Zeichen und Sinnbilder zu besprechen.

[ 2 ] Wir haben gestern hervorgehoben, daß nur der Mensch, wie er hier auf dem physischen Plan lebt, eine individuelle Seele, ein Ich hat, und daß die Tiere, die uns umgeben, ein Gruppen-Ich, eine Gruppenseele haben, die auf dem Astralplan lebt und dort als eine abgeschlossene Wesenheit zu finden ist. So stehen sich Tierreich und Menschenreich, wenn wir sie geistig betrachten, gegenüber als Gruppenseele oder Gruppen-Ich und als Individual-Ich. Wir dürfen uns nun das nicht so vorstellen, als ob im Weltenall gar keine Übergänge zwischen den einzelnen Wesenheiten wären. Zwar ist der Spruch, daß die Natur keine Sprünge macht, für den Okkultisten durchaus nicht richtig, aber Übergänge finden Sie überall. Und so finden Sie auch einen Übergang zwischen den Gruppenseelen des Tierreiches und der Individualseele des Menschen. Es wäre unrichtig, sich vorzustellen, daß der Mensch gleich bei seinem Eintritt in das Erdendasein eine vollendete Individualseele gehabt hätte, und diese nun in derselben Art sich immer und immer wieder verkörpere hier auf der Erde. Es ist vielmehr so, daß der heutige Mensch in einem allmählichen Übergang ist von einer Gruppenseele, die er in uralten Zeiten hatte, zu der vollendeten Individualseele, die er heute noch immer nicht hat. Er ist erst auf dem Wege zu der völligen Eingliederung seiner Individualseele in seinen physischen Leib. Er wird diese vollendete Individualseele erst haben, wenn das Erdendasein mehr oder weniger vollendet sein wird. Für die weitaus meisten Menschen ist heute ihr Ich ein Zwischenprodukt zwischen einem Gruppen-Ich und einem individuellen Ich. Je weiter wir in der Vergangenheit zurückgehen, desto mehr ist das Menschen-Ich noch ein Gruppen-Ich. Im Anfange des Erdendaseins, als die Seelen sich erst aus den göttlichen Welten in unseren physischen Plan hinuntersenkten, waren die Menschenseelen noch Gruppen-Iche. Mehrere Menschen gehörten zusammen zu einer Gruppe, die eine gemeinschaftliche Seele, ein Gruppen-Ich hatte.

[ 3 ] Das wollen wir auf der einen Seite festhalten. Auf der anderen Seite wollen wir jetzt einmal die Glieder der menschlichen Natur selber näher betrachten. Es ist Ihnen ja hinlänglich bekannt, da es immer wieder und wieder gesagt wurde, daß der Mensch zunächst vier Glieder seiner Wesenheit hat: den physischen Leib, den Äther- oder Lebensleib, den Astralleib und das Ich. Und dieses Ich, wenn wir es genauer betrachten, erscheint uns wiederum gegliedert in drei Teile, die wir kennen unter den Namen: Empfindungsseele, Verstandes- oder Gemütsseele und Bewußtseinsseele. In der Empfindungsseele und in der Verstandes- oder Gemütsseele dämmert erst das selbständige Ich auf, und erst in der Bewußtseinsseele haben wir die erste Ankündigung des selbstbewußten Ich. Da erst scheint auch allmählich das in den Menschen hinein, was man den fünften Teil seiner Wesenheit, das Geistselbst oder Manas nennt. Wir haben also beim heutigen Menschen folgende Gliederung: Den physischen Leib, den Äther- oder Lebensleib, den Astralleib; dann mit dem Astralleib innig verbunden die Empfindungsseele, die wie eingebettet ist in ihm; dann die Verstandesseele und die Bewußtseinsseele; und wiederum in der Bewußstseinsseele, die die eigentliche Ich-Seele ist, eingegliedert das Geistselbst oder Manas. So etwa würden wir uns den heutigen Menschen vorzustellen haben.

[ 4 ] Nun müssen wir uns klarmachen, welches von diesen menschlichen Gliedern das ausgebauteste, das vollkommenste ist. Einige von Ihnen haben das ja schon von mir auseinandergesetzt bekommen, daß - so wie der Mensch heute entwickelt ist - der physische Leib das ausgebauteste, das am vollkommensten entwickelte Glied ist. Man darf nur nicht verwechseln «ausgebauteste und am vollkommensten entwickelte» mit «höher geartet». Gewiß sind der Ätherleib und der Astralleib dem Grade nach höherer Art als der physische Leib, aber die Vollkommenbeit ihrer Entwickelung werden Ätherleib und Astralleib erst in der Zukunft erringen. In seiner Art ist der physische Leib heute das vollkommenste Glied am Menschen. Wer den physischen Leib studiert, aber nicht bloß anatomisch und physikalisch, sondern sein Gemüt und Herz durchdringend, der wird bewundernd dastehen vor der ungeheuren Weisheit, die in den physischen Leib hineingebaut ist. Unser physischer Leib zeigt uns in jedem kleinsten seiner Glieder den vollkommenen weisen Bau. Wenn Sie von diesem physischen Leib meinetwillen nur ein Stück Oberschenkelknochen nehmen, den obersten Teil des Oberschenkelknochens, so ist das nicht eine massive Masse, das ist ein weiser Bau, wunderbar aus kleinen Balken zusammengefügt. Wenn Sie studieren, wie die feinen Balken zusammengefügt sind, werden Sie finden, daß alles so gebaut ist, daß es mit dem kleinsten Aufwand von Substanz das größte Ausmaß von Kraft hervorbringt, damit durch diese beiden Säulen des Oberschenkelknochens der Oberkörper getragen werden kann. Auch die vollendetste Ingenieurkunst kann heute nicht mit einer solchen Weisheit eine Brücke oder irgendein Gerüst aufbauen, wo mit einem so kleinen Aufwand von Material ein so großes Ausmaß an Kraft entfaltet wird. Die menschliche Weisheit hinkt hinter dieser Weisheit, mit der der menschliche physische Leib auferbaut ist, weit, weit zurück. So ist es mit allen Teilen des physischen Leibes. Wenn Sie das Gehirn mit dem Nervensystem betrachten, es ist ein Wunderbau. Und wenn Sie das menschliche Herz betrachten, das erst auf dem Wege zu seiner Vollendung ist, das viel, viel höhere Grade der Vollendung erreichen wird - es ist etwas Wunderbares! Wenn Sie mit dieser Vollendung des physischen Leibes den Astralleib vergleichen mit seinen Trieben, Instinkten und Leidenschaften, so müssen wir sagen: Obwohl er einstmals höher stehen wird als der physische Leib, befindet er sich heute noch auf einer verhältnismäßig untergeordneten Stufe. In allem, was der Mensch heute an Begierden nach Genüssen entwickelt, liefert er Hunderte und Hunderte von Attacken auf den physischen Leib. Alles, was der Mensch begehrt und befriedigt in Genüssen, die er sich verschafft, wie Alkohol und alle möglichen anderen Dinge, sind im Grunde genommen geradezu Herzgifte, mit denen er fortwährend Attacken ausführt auf den Weisheits- und Wunderbau seines physischen Leibes. Es wird lange Zeit der Entwickelung bedürfen, bis der Astralleib nachgekommen sein wird dem, was der physische Leib heute an Vollkommenheit schon hat.

[ 5 ] Aus der Entwickelungslehre, wie sie unsere theosophische Kosmologie gibt, wissen Sie, daß der physische Leib bereits auf dem alten Saturn veranlagt war und weitere Vervollkommnungsgrade durchmachte durch Sonnen-, Monden- und Erdenentwickelung hindurch. Sie wissen, daß auf der zweiten Stufe, auf der alten Sonne, der Ätherleib hinzugekommen ist, der also heute um einen Grad tieferstehend in der Entwickelung ist als der physische Leib. Sie wissen, daß auf dem alten Monde der Astralleib dazugekommen ist; er hat nur die Mondenentwickelung hinter sich und den Teil der Erdenentwickelung, den wir bis jetzt durchgemacht haben. Das Ich ist erst auf der Erde hinzugekommen; es ist das «Baby» unter den vier Gliedern der menschlichen Natur. Eigentlich ist jene Weisheit, von der wir gestern gesprochen haben, welche die Gruppenseelen der Tierheit durchzieht, eingeprägt dem physischen Leib des Menschen; sie ist übergegangen auf den individuellen physischen Leib des Menschen, der weisheitsvoll gebaut ist. Der Ätherleib des Menschen ist erst auf dem Wege zu seiner Vollendung; er wird im Verlaufe seiner Erdenentwickelung alles in sich aufnehmen, was er zu seiner Vollendung braucht.

[ 6 ] Wenn die Erde ihr Ziel erreicht haben wird, wird sie in den astralen Zustand und dann in noch höhere Zustände übergehen und sich später verwandeln in einen Planeten, der die Erde ablösen wird und den wir als Jupiter bezeichnen. Dann wird der Ätherleib des Menschen in seiner Art vollendet sein, wie auf der Erde der physische Leib des Menschen in seiner Art vollendet ist. In der nächstfolgenden Verkörperung der Erde, die wir gewohnt sind als die zukünftige Venus zu bezeichnen, wird der Astralleib des Menschen seine Vollendung erreicht haben, er wird dann auf der Stufe stehen, auf der heute der physische Leib steht und auf der in dem nächsten planetarischen Zustand der Ätherleib stehen wird. Und zuletzt, wenn die Erde den Vulkanzustand erreicht haben wird, dann wird unser Ich seine Vollendung erreicht haben. So daß wir eigentlich sagen können: Auf der Erde ist erst der physische Leib des Menschen Mensch, auf dem nächsten planetarischen Zustand unserer Erde wird der Ätherleib des Menschen Mensch; dann wird er imprägniert sein mit dem, was die Erde dem Menschen zu geben vermag: mit der Liebe.

[ 7 ] Was heute der physische Leib des Menschen als seine charakteristischen Eigenschaften trägt, verdankt er dem alten Monde. Man nennt im Okkultismus den alten Mond den Kosmos der Weisheit. Damals auf dem alten Monde wurde nach und nach das vorbereitet, was Sie jetzt im physischen Leibe des Menschen finden. Und so wie das, was unser physischer Leib ist, auf dem Monde durchdrungen wurde mit Weisheit, so wird durch den Kosmos der Liebe das vorbereitet, was Sie im späteren Jupiterzustand der Erde finden werden: der Ätherleib ganz durchdrungen von dem Element der Liebe. Und wie wir heute ein Knochenstück des physischen Leibes bewundern in seiner Weisheit, so werden - wenn wir vergleichsweise reden dürfen - die Jupitermenschen den Ätherleib bewundern, weil er von Liebe ebenso durchkraftet ist, wie der physische Leib auf der Erde von Weisheit durchformt ist.

[ 8 ] Wenn Sie das festhalten, kommen Sie zu der Anschauung, zu der Erkenntnis der Tatsache, daß erst des Menschen physischer Leib eigentlich wahrer Mensch ist, erst wirklich auf der Menschheitsstufe steht. Der menschliche Ätherleib ist noch nicht auf der Menschheitsstufe, er steht noch auf der Stufe der Tierheit, und der menschliche Astralleib steht noch auf der Stufe der Pflanzenheit. Wenn Sie des Nachts schlafen und Ihr Astralleib herausgehoben ist, dann versinken der physische und der Ätherleib in den traumlosen Schlaf; das ist der Zustand, den die Pflanze immerfort hat. Der Astralleib des Menschen steht in bezug auf seinen Bewußtseinszustand auf der Stufe der Pflanzenheit. Das Ich steht erst auf der Stufe des Mineralreichs. Der Bewußtseinszustand des Ich-Menschen ist durchaus auf der Stufe des Mineralreichs. Versuchen Sie sich einmal gemäß dieser Wahrheit zu prüfen, was Sie alles an Erkenntnissen haben können; versuchen Sie es richtig zu erkennen. Was kann denn der Mensch verstehen? Er kann die physischen Gesetze des Mineralreichs verstehen, nach denen er Maschinen und Fabriken bauen, Bauwerke aufrichten kann und so weiter. Das alles geschieht nach den physischen Gesetzen des Mineralreichs. Schon bei den Pflanzen sagt der Mensch mit Recht, er könne das Leben selbst nicht mit dem Intellekt begreifen. Es wird einmal die Zeit kommen, wo der Mensch ebenso die Pflanzen begreifen wird, wie er heute die Mineralien begreift; dann wird er auch die Pflanze aufbauen können, wie er sich heute seine Dome und Häuser und seine Maschinen nach den Gesetzen des Mineralreiches aufbaut. Es sind alles Gesetze des Mineralreichs, wovon das Ich durchdrungen ist.

[ 9 ] Die Wissenschaft wartet darauf, daß sich ihr Ideal erfüllt, einmal lebendige Wesen im Laboratorium herzustellen. Das wird sie nicht können, wenn die Menschheit nicht auf einer gewissen notwendigen Stufe der moralischen Entwickelung angelangt sein wird. Es wäre schlimm, wenn die Menschheit das heute schon können würde. Wie man heute eine Uhr herstellt nach mineralischen Gesetzen, wie man ein Haus baut, so wird der Mensch in der Zukunft das Lebendige nach den Gesetzen des Lebendigen herstellen. Dann wird er aber imstande sein müssen, dem Lebendigen das Leben selbst einzuprägen. Wer dann am Laboratoriumstisch stehen wird, wird imstande sein müssen, von sich aus überzuleiten jene - nennen wir es: Schwingungen, die in seinem eigenen Ätherleibe sind, auf das, was zu beleben ist. Ist er ein guter Mensch, so leiter er das Gute über; ist er ein schlechter Mensch, so leitet er das Schlechte über. Es gibt aber einen Satz im Okkultismus: Nicht eher wird das Wissen der Weißen Loge, das man das Geheimnis der Lebenserzeugung nennt, an die Menschheit ausgeliefert, bevor nicht der Mensch das Geheimnis des Sakramentalismus erlernt hat.

[ 10 ] «Sakramentalismus» ist ein Ausdruck dafür, daß die menschliche Handlung von moralischer Vollendung, von Heiligkeit durchglüht sein muß. Erst wenn dem Menschen der Laboratoriumstisch, wo er seine Arbeit vollbringt, ein Altar sein wird und seine Handlung eine heilige, dann wird er dazu reif sein, daß ihm dieses Wissen ausgeliefert werden kann. Man denke sich die heutigen Menschen mit all ihrem Materialismus - wie weit ist ihr Laboratoriumstisch heute entfernt von einem Altar!

[ 11 ] Sie sehen, wie das Bewußtsein des Menschen erhöht wird vom Mineralbewußtsein zum Pflanzenbewußtsein. Wiederum ist es ein okkulter Satz: Den Zustand des Pflanzenbewußtseins wird der Mensch erst erlangen, wenn er nicht mehr imstande sein wird, sein eigenes Wohl von dem Wohl aller übrigen Menschen zu trennen. Solange der Einzelne sein Wohl sucht auf Kosten anderer Menschen, solange ist der Zustand nicht eingetreten, daß das Bewußtsein um eine Stufe höher hinaufgehoben werden könnte.

[ 12 ] So stehen wir also erst mit dem physischen Leib auf der Stufe des eigentlichen Menschen, mit dem Ätherleib noch auf der Stufe der Tierheit, mit dem Astralleib auf der Stufe der Pflanzenheit und mit dem Ich auf der Stufe des Minerals. Von diesen Wahrheiten wollen wir die eine festhalten: Wir stehen mit unserem Ätherleib auf der Stufe des Tieres. - Der Ätherleib wandelt sich im Laufe des Erdendaseins immer mehr um zu der Stufe des Menschen. Immer mehr und mehr durchdringt er sich mit jener Liebe, die das Wohl des Einzelnen nicht mehr trennen kann von dem Wohl der Anderen. So wie wir zuerst den physischen Leib ausgearbeitet und zur Höhe des Menschen gebracht haben, so wird nun der Ätherleib, und später auch der Astralleib und das Ich, sich zur Menschenstufe erheben. Das Ich steht noch auf der Stufe des Minerals, es ist dem Menschen erst auf der Erde eingegliedert worden.

[ 13 ] Lassen Sie uns jetzt das Verhältnis betrachten, in welchem unsere Seele, das heißt unsere Empfindungsseele, unsere Verstandes- oder Gemütsseele, unsere Bewußtseinsseele und das in der Bewußtseinsseele eingeschlossene Geistselbst oder Manas zu unserem Ätherleib stehen. Unser Ätherleib selbst steht ja auf der Höhe des Tieres. Unten (es wird an die Tafel geschrieben - siehe Schema: von unten nach oben) auf der Höhe des Menschen haben wir den physischen Leib. Den Ätherleib lassen wir zunächst aus (siehe Punkte im Schema). Unseren Astralleib, in welchem eingeschlossen ist die Empfindungsseele - das ist das erste Glied unserer Seele -, haben wir auf der Höhe der Pflanze; dann haben wir die Verstandes- oder Gemütsseele. Das alles steht auf der Stufe der Pflanze. Weiter hinauf haben wir dann das Ich oder die Bewußtseinsseele, worin eingeschlossen ist das Geistselbst oder Manas, soweit es beim Menschen heute schon zu finden ist.

Mineral Consciousness Soul. I , Spirit-Self or Manas
Intellectual Soul
Plant Astral body, Sentient Soul
...
Man Physical body

[ 14 ] Wir haben den Ätherleib auf der Stufe des Tieres zunächst ausgelassen. Nun müssen wir uns darüber klar sein, daß in jedem Gliede des Menschen sich in einer gewissen Weise die anderen Glieder ausdrücken. Also der physische Leib des Menschen hat zunächst in sich ausgedrückt die Offenbarung des physischen Leibes selber. Wir finden das physische Prinzip im physischen Leibe ausgedrückt, wenn wir die Sinnesapparate betrachten. $o haben Sie im Auge eine Art photographischer Kamera, im Ohr eine Art Klavier. Kurz, in den Sinneswerkzeugen drückt sich das physische Prinzip selber aus. Wenn wir die menschlichen Drüsen betrachten, finden wir darin ausgedrückt den Ätherleib, im Nervensystem haben wir den Ausdruck des Astralleibes, und im Blut haben wir den Ausdruck für das Ich. «Blut ist ein ganz besondrer Saft!». Wer das Blut hat, der hat des Menschen Ich. Hat der Teufel des Menschen Blut, so hat er das Ich.

[ 15 ] So drückt sich im physischen Leib des Menschen jedes andere Glied aus, insoweit es hineinragt. Das Blut pulsiert unbewußt, weil das Ich, soweit es darin tätig ist, unbewußt ist seiner physischen Vorgänge. Ebenso wie sich im physischen Leibe das Wesen der anderen Glieder ausdrückt, drückt sich auch im Ätherleibe das Wesen der anderen Glieder aus, nur drückt es sich da nicht «menschlich» aus, sondern es drückt sich «tierisch» aus, und zwar in der Form gewisser Tiere, in einer Form, die eine gewisse Ähnlichkeit hat mit unseren äußeren Tierformen. So drückt sich das, was unter dem Ätherleib liegt, der physische Leib, wie ein Schattenbild aus; man nennt diesen Teil des Ätherleibes, in dem sich das physische Glied der menschlichen Wesenheit ausdrückt, den «Menschen» (es wird an die Tafel geschrieben). Man nennt den Astralleib, die Empfindungsseele, die sich ausdrückt im Ätherleib, wegen der Ähnlichkeit seiner Ätherform den «Löwen»; die Verstandesseele, die sich ausdrückt im Ätherleib, nennt man den «Stier» oder die Kuh, und die Bewußt seinsseele mit dem Geistselbst wegen der Ähnlichkeit, die sie in ihrer Ätherform für den hellseherischen Blick hat, den «Adler».

Mineral Consciousness Soul. I , Spirit-Self or Manas
Intellectual Soul
Plant Astral Body, Sentient Soul
Astral Body Man Lion Bull Eagle
Man Physical body

[ 16 ] So haben Sie hier (Schema) die vier Zeichen der Apokalypse Mensch, Löwe, Stier, Adler - als die vier Ausdrücke der Wesensglieder im menschlichen Ätherleibe. Sie können daraus ersehen, daß diejenigen unserer Vorfahren, welche diese tiefen Symbole, diese tierischen Sinnbilder für die menschliche Wesenheit erdacht haben, sie nicht aus ihrer Phantasie, Philosophie oder Spekulation, aus gar keinem Scharfsinn heraus, sondern aus der Tatsachenwelt, aus der okkulten Tatsachenwelt heraus geschaffen haben.

[ 17 ] Nun müssen wir uns aber darüber klar sein, daß diese vier Ausdrücke nicht bei jedem Menschen gleich herauskommen; es überwiegt einer der Ausdrücke bei dem einen Menschen, der andere bei dem anderen Menschen. Allerdings müssen wir da die ganze Menschheit in ihrer Entwickelung betrachten. Wenn Sie betrachten, wo der physische Leib selber sich am stärksten ausdrückt, da finden wir den stärksten Ausdruck bei der untergehenden, der roten Rasse, bei den Indianern, in der besonderen Ausgestaltung des Knochensystems, welches hier vorherrscht. Wollen Sie sehen, wo sich der Ätherleib physisch besonders ausdrückt, so müssen Sie das bei einer anderen Menschenrasse suchen: bei der schwarzen Rasse, in der Drüsenbildung. In der Kohlenstoffabsonderung finden Sie einen Ausdruck der Pflanzennatur. [Nachschriften hier lückenhaft.] Die Menschen, bei denen sich besonders stark das Nervensystem auf der physischen Stufe ausdrückt und damit auch das Sensitive, finden Sie in der malatischen Rasse, und die Rasse, bei der sich besonders das Blutsystem ausdrückt, das ist die mongolische Rasse. Den Teil der Menschen, der anfängt, das Prinzip des Manas auszubilden, finden Sie bei der kaukasischen Rasse. Da haben Sie die Einteilung der Menschenrassen aus den okkulten Wahrheiten heraus geschöpft; so ist das, was im heutigen Menschen sich findet, verteilt auf die ganze Menschheit, indem das eine oder das andere bei der einen Menschengattung überwiegt oder zurücktritt.

[ 18 ] Solche Unterschiede finden Sie auch beim Ätherleib der Menschen. Wenn der hellseherische Blick den Ätherleib betrachtet, wie der physische Blick den physischen Leib, so findet er die Menschen geteilt in Menschmenschen, Löwenmenschen, Stiermenschen, Adlermenschen. Ihr Gruppen-Ich ist astraler Natur. Der Hellseher findet auf dem astralen Plan zwischen dem tierischen Gruppen-Ich und dem menschlichen Individual-Ich das menschliche Gruppen-Ich stehen. Je weiter wir zeitlich zurückgehen, desto mehr finden wir die Menschen in bezug auf ihren Ätherleib eine dieser vier Gestalten annehmen, und wir schreiben diesen vier Seelengruppen je eine menschliche Gruppenseele zu, der einen eine Mensch-Gruppenseele, der anderen eine Löwen-Gruppenseele, der dritten eine Stier-Gruppenseele und der vierten eine Adler-Gruppenseele. Sie würden nur dann eine falsche Vorstellung davon bekommen, wenn Sie diese Namen, die von physischen Tierformen hergenommen sind, allzu stark pressen würden. Viel ähnlicher ist dieser Ätherkörper der Löwenmenschen der Gruppenseele der Löwen, als dem einzelnen Löwen hier auf dem physischen Plan. Das Christentum hat sich von den Evangelisten vorgestellt, daß ihre Seelen nicht so sind wie gewöhnliche Menschenseelen, sondern ganze Gruppen von Menschen umfassen, und hat nach dem inneren Seelencharakter Matthäus verglichen mit dem Menschen, Markus mit dem Löwen, Lukas mit dem Stier und Johannes mit dem Adler. Das rührt von jener Ähnlichkeit her, welche die christliche Esoterik den Seelen der einzelnen Evangelisten zugeschrieben hat. Noch genauer werden wir das verstehen, wenn wir sehen, daß der Mensch auf der einen Seite in einem Abstieg und auf der anderen Seite in einem Aufstieg begriffen ist. Hier auf der Erde im tiefsten Punkte des Materialismus, erlangt der Mensch die Anlage zu der Individualseele. Der Mensch ist heruntergestiegen von den alten Zeiten, wo man genauer unterschied die einzelnen Gruppenseelen: Menschmensch, Löwenmensch, Stiermensch, Adlermensch. Wenn die Menschen in der Zukunft wieder hinaufsteigen werden, werden sie ihre Individualseele beibehalten und auf höherer Stufe mit höherem Bewußtsein wiederum das entwickeln, was sie früher nur in dämmerhaftem Bewußtsein hatten, die vier Gruppenseelen. Daher legt man im Christentum den Evangelisten diese Eigenschaften bei.

[ 19 ] Halten wir noch für eine Weile diesen Begriff der Gruppenseelen der Menschen fest. Diese Gruppenseelen lebten sich viel mehr als im Raum, als im Nebeneinander, in der Zeit, im Nacheinander aus. Wenn wir die tierischen Gruppenseelen betrachten, dann sagen wir, wenn wir eine Gruppe von Löwen nehmen oder eine Gruppe von Walfischen: sie haben ihre gemeinschaftliche Gruppenseele auf dem astralen Plan nebeneinander. Wenn wir aber die menschlichen Gruppenseelen betrachten, so müssen wir mehr die Zeit ins Auge fassen. Eine menschliche Gruppenseele ist im Ätherischen sozusagen an der Grenze zwischen dem physischen und dem astralen Plan zu einer gewissen Zeit geboren und verwandelt sich wiederum in einer gewissen Zeit. Diese vier Gruppenseelenarten, die wir besprochen haben, sind nur die vier hauptsächlichsten Typen, es gibt aber unzählige Zwischenstufen. Wir haben nur die charakteristischsten Formen Mensch, Löwe, Stier, Adler angegeben, die in allen möglichen Mischungen auftreten können.

[ 20 ] Betrachten wir eine Gruppe von Menschen, sagen wir zum Beispiel einen Stamm; nehmen wir irgendeinen der alten mitteleuropäischen Stämme, meinetwegen den Stamm der Cherusker. Ein solcher Stamm entsteht einmal, und er vergeht. Der materialistische Weltbetrachter sieht in dem, was der Stamm der Cherusker ist, eigentlich nur etwas Abstraktes, einen Begriff, der sie zusammenhält. Das ist aber etwas Unreales. Der Okkultist sieht im Stamm der Cherusker eine Gruppenseele, die entsteht, «geboren wird», in der Zeit, wo der Stamm der Cherusker in die Geschichte eintritt; sie wächst, wie die Macht der Cherusker wächst, und sie «stirbt», wenn die Cherusker aus der Geschichte verschwinden. Hinter dem sich entwickelnden Stamm der Cherusker sieht der Okkultist eine sich entwickelnde Ätherwesenheit. Nun gibt es einen Unterschied zwischen einer Ätherwesenheit und einer physischen Wesenheit hier auf der Erde. Eine physische Wesenheit wird auf dem physischen Plan geboren, wächst, erreicht einen Lebenshöhepunkt und stirbt wiederum. Geburt und Tod ist das Charakteristische der Wesenheiten auf dem physischen Plan. So ist es nicht mit den Wesenheiten, die auf den höheren Planen leben. Wenn wir die tierischen Gruppenseelen auf dem Astralplan verfolgen durch Jahrtausende hindurch, so ist ihr Entstehen und Vergehen gar nicht auszudrücken durch die Worte «Geburt» und «Tod». Es liegt da etwas ganz anderes zugrunde. Es liegt Verwandlung, Metamorphose, zugrunde. Wenn Sie mit hellseherischem Vermögen einer tierischen Gruppenseele auf dem Astralplan heute begegnen und sich erinnern an eine ihrer vorhergehenden Verkörperungen, wie es mit dieser tierischen Gruppenseele vor 1500 Jahren war, so wird sie Ihnen nicht so erscheinen, wie wenn Sie einen jüngeren Menschen betrachten. Allerdings sehen Sie die Gruppenseele auch Jugend, mittlere Lebenszeit und Alter durchmachen, aber sie gibt im Alter ihr Bewußtsein nicht auf, sie stirbt nicht. Sie verwandelt sich immerfort, ohne daß sie durch den Tod hindurchgeht. Sie können die tierische Gruppenseele zurückverfolgen bis in ururferne Zeiten — Sie treffen nur Metamorphose an, nicht Geburt und Tod.

[ 21 ] Etwas Ähnliches ist der Fall bei solchen Gruppenseelen, wie es die des Cheruskerstammes ist. Wenn der Stamm der Cherusker als eine Anzahl physischer Menschen auf dem physischen Plan erscheint, hat sich die Cheruskerseele eben gebildet; aber sie ist nicht geboren worden, sondern hat sich aus einer anderen Zeit heraus umgebildet, verwandelt. Sie wächst mit der Macht der Cherusker, erlangt ihren Höhepunkt, wenn der Stamm der Cherusker seinen Höhepunkt erlangt, und wenn der Cheruskerstamm in der Geschichte auf dem physischen Plan degeneriert und verschwindet, ersteht die Cheruskerseele aufs neue in Jugend, um die Seele eines anderen Stammes zu werden; sie metamorphosiert sich. Physische Geburt und physischen Tod gibt es nicht, wenn wir die Seelen auf höheren Planen betrachten. Geburt und Tod, wie wir sie kennen, gibt es nur auf dem physischen Plan, nicht auf den höheren Planen. Die okkulte Weisheit hat das wohl verstanden zum Ausdruck gebracht und dabei große Sorgfalt auf Zahlen verwendet. Man hat versucht, eine Durchschnittszahl festzulegen, wann eine Gruppenseele, wie sie zu einer bestimmten menschlichen Gemeinschaft gehört, entsteht, sich aus einer anderen herausmetamorphosiert, wächst und den Höhepunkt erlangt, um wiederum eine absteigende Entwickelung durchzumachen und sich dann zu einer anderen Gruppenseele umzuwandeln. Wenn man das Lebensalter des Menschen auf durchschnittlich 75 Jahre ansetzt diese Zahl als Mondjahre angenommen - und mit 7 multipliziert, so ergibt sich das Leben einer menschlichen Gruppenseele in ihren vier Typen, bis zu ihrer nächsten Verwandlung. Mit 7 sind hier Generationen gemeint. Wir kommen - wenn wir berücksichtigen, daß wir es dabei mit Mondjahren zu tun haben - auf ungefähr 500 Jahre. Und so sagte man im Okkultismus: Das Leben einer Gruppenseele dauert 500 Jahre; nach 500 Jahren wird sie zu einer anderen, sie gebiert sich selbst neu, ohne daß sie ihr Bewußtsein verliert.

[ 22 ] Wenn wir das Ich einer solchen Gruppenseele betrachten und für das Ich äußerlich im Physischen ein Ausdrucksmittel suchen, so ist es ja das Blut. Das Blut ist für den Okkultisten der Ausdruck des : Feuers, vom Feuer durchglühte Substanz. Wie der menschliche physische Leib der Ausdruck der Erde ist, der Ätherleib der Ausdruck des Wassers, der Astralleib der Ausdruck der Luft, so ist das Ich, das noch nicht an den Egoismus gekettet ist, der Ausdruck des Feuers. Wir sagen daher - wir werden das noch morgen besprechen -, daß das Blut durch den Egoismus den Tod gefunden hat. Das Ich des Menschen «verzehrt sich in seinem eigenen Feuer», durch sich selbst. Das ist ein okkulter Ausdruck. Nur wenn der Mensch die Ichsucht überwindet, erlangt er die Unsterblichkeit. Das menschliche Gruppen-Ich verzehrt sich in seinem eigenen Feuer. Wenn 500 Jahre herum sind, verbrennt es und erschafft sich aus sich selber eine neue Form. Das stellte man im Okkultismus so dar, daß das Gruppen-Ich im allgemeinen 500 Jahre lebt, dann verbrennt und aus seinem eigenen Feuer wieder beseelt wird, und man nannte dies den «Vogel Phönix». Die schöne Sage vom Vogel Phönix hat hier ihren tatsächlichen Hintergrund. Der Phönix ist das Gruppen-Ich mit den Eigenschaften der vier Typen, das sich nach sieben Generationen verbrennt und wiederherstellt - eine Generation mit 75 Mondjahren Lebensalter gerechnet.

[ 23 ] Dies ist der reale Hintergrund der Phönixsage. Da haben Sie einen neuen Beweis dafür, daß solche alten Sagen wie die vom Phönix aus den tiefsten okkulten Tatsachen heraus geschaffen sind. Es soll hier nicht spekuliert, sondern gezeigt werden, was durch die Jahrhunderte hindurch in den okkulten Schulen gelehrt worden ist, und was eine wirkliche tatsächliche Erfahrung darstellt, für die die okkulten Zeichen und Siegel der Ausdruck sind.

[ 24 ] Immer wieder werden wir, wenn wir solche Ausdrücke okkulter Wahrheiten hören und sie vergleichen mit dem, was uns die Menschheit in ihren Zeichen und Symbolen erhalten hat, daran erinnert, wieviel das menschliche Bewußtsein schon geschaffen hat, bevor es ein Verstandesbewußtsein geworden war. Der Mensch hat ja so gerne den Glauben, daß wir es heute schon weit gebracht haben. Aber er hinkt mit seinem Verstande dem schöpferischen Bewußtsein der Vorwelt nach, das allerdings nur die Eingeweihten hatten, und die haben es hineinverborgen in die Sagen. Die Symbole von den vier Tieren sind nicht ausgedacht; nicht der Gedanke ist der Ausgangspunkt, der Ursprung davon, sondern das Schauen.

[ 25 ] Wenn ich sage: die Gruppenseele ist im Ätherischen an der Grenze zwischen dem physischen und dem astralen Plan -, so dürfen Sie sich nicht eine Grenzlinie vorstellen. Wenn wir vom physischen Plan ausgehen, so haben wir hier (es wird gezeichnet) sieben Unterabteilungen des physischen Planes; dann kämen sieben Unterabteilungen des Astralplanes. Von diesen fallen die drei untersten mit den drei obersten des physischen Planes zusammen. Wir müssen den Astralplan mit dem physischen Plan so zusammengeschoben betrachten, daß die drei obersten Partien des physischen Planes zugleich die drei untersten Partien des Astralplanes sind. Wir können von einer Randzone sprechen, das ist die, welche unsere Seelen nach dem Tode nicht verlassen können, wenn sie durch Begierden noch an die Erde gefesselt sind. Man nennt sie Kamaloka.

Diagram
Diagram 1

[ 26 ] Also wir haben durchaus in den okkulten Zeichen, Symbolen und Siegeln, die wir hier als erste Beispiele gewählt haben, etwas aus der Tiefe der okkulten Tatsachen Gewonnenes zu sehen, und Sie würden ganz fehlgehen, wenn Sie die tiefe Weisheit der Vorzeit in den okkulten Schulen verkennen würden oder sie in irgendeiner Weise durch unsere moderne Weisheit für überwunden halten würden. Wo Ihnen die Weisheit okkulter Lehren entgegentritt in Zeichen oder Symbolen, da zeigt sie sich immer so, daß sie bestätigt wird durch die unmittelbare okkulte Betrachtung. Ein Beispiel dafür, wie die Lehre des Okkultismus in verhältnismäßig wenig zurückliegenden Zeiten gewirkt hat, ist, daß man in Namen und Worte symbolische Bedeutungen hineingeheimnißt hat, aber so, daß diesen eine reale Bedeutung zugrunde lag: Tatsachen der höheren Welt. Wir werden nicht auf den Ursprung der Wortbildung im Sinne der Philologie zurückgehen; was ich jetzt sagen werde, ist nicht etwas, was Sie mit der Philologie prüfen könnten. Selbst wenn die Philologie es falsch finden würde, wäre die Wortsymbolik doch richtig.

[ 27 ] Je weiter Sie vom physischen Plan durch die Astralwelt in die Devachanwelt aufsteigen, desto mehr stellt sich Ihnen alles dar als ein Spiegelbild des physischen Planes, das Sie erst lesen lernen müssen. An den Zahlen ist das für den Schüler am leichtesten zu lernen. Angenommen, Sie haben hier auf dem physischen Plan die Zahl 543, so ist diese Zahl auf dem Astralplan als Spiegelbild, also 345 zu lesen. Ebenso sind auch alle anderen Dinge und Ereignisse als Spiegelbilder zu lesen. Ich will gleich ein krasses Beispiel wählen: Hier auf dem physischen Plan verfolgen Sie, wie das alte Huhn das Ei legt und aus dem Ei das junge Huhn sich entwickelt. Betrachten Sie dasselbe Ereignis auf dem Astralplan, so müssen Sie rückwärtsgehen: da haben Sie zuerst das junge Huhn, das Huhn wird immer kleiner und kleiner und geht zuletzt in das Ei hinein. Auch die Zeit geht rückwärts. Sie sehen, wie ungeheuer verwirrend dies beim ersten Anblick für den Schüler sein muß. Die Leidenschaften, die von dem Menschen ausströmen, sehen Sie wie in einem Tableau; sie strahlen vom Mittelpunkte aus. Die widergespiegelten Leidenschaften erscheinen, wie wenn lauter Tiere auf Sie einstürmten. Die niederen Leidenschaften sieht der Mensch als allerlei wildes Getier, als Mäuse, Ratten und so weiter um sich herum. Wenn der Schüler das nicht gelernt hat, und es geht ihm die erste Erfahrung davon auf, wenn er seine eigenen Leidenschaften als Mäuse und Ratten auf sich zustürmen sieht, dann können leicht pathologische Zustände wie Verfolgungswahn und so weiter auftreten.

[ 28 ] Was ich Ihnen jetzt als eine Tatsache über das Verhältnis der höheren Welten zu den niederen Welten ausgesprochen habe, versuchte man symbolisch zum Ausdruck zu bringen in der Evolutionslehre in einem Wortspiel. Als die Menschen in ihr Dasein auf der Erde eintraten, traten sie aus einem geistigen Zustand in einen sinnlichen Zustand ein - durch Eva. In Eva sah man jenen Zustand, wo die geistige Menschheit physisch wurde, und daher auch sündhaft. Wenn die Menschheit nun wiederum hinaufgeführt werden soll zum Geistigen, und wenn der Gegensatz ausgedrückt werden soll zu dem Weibe, das das Sterbliche in die Welt gebracht hat, dann muß dasjenige, was das Unsterbliche wieder hineinbringen soll in die Menschheit, umgekehrt ausgedrückt werden; der Name muß umgekehrt werden. Daher redet der Engel Gottes die Maria an mit den Worten «Ave, Maria!» - Aus Eva wird Ave; diese Umkehrung hat symbolischen Charakter. Was auch eine mehr oder weniger verkehrte Philologie dagegen sagt, darauf kommt es nicht an. Es kommt darauf an zu zeigen, wie im Okkultismus das Symbolische in der Wortfügung zu wirken vermag. Man suchte mit dieser Wortfügung zu bewirken, daß der Mensch, indem er die Worte ausspricht, sich der okkulten Tatsache bewußt wird, daß die physische und die geistige Welt in ihren Strömungen umgekehrte Richtungen haben.

[ 29 ] Das hat eine sehr tiefe Bedeutung. Sehen Sie dahinter nicht irgend etwas Willkürliches. Das Beste, was Sie dahinter sehen können, ist, daß man den Menschen anleitete, in seiner Sprache die okkulten Gesetzmäßigkeiten zu erkennen. Indem man den Menschen solche Übungen machen läßt, um die okkulten Gesetzmäßigkeiten in der Sprache zu erkennen, arbeitet er bewußt oder unbewußt an seiner okkulten Schulung. Das Prinzip der Symbolik ist zugleich ein Prinzip der Schulung.