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The Rudolf Steiner Archive

a project of Steiner Online Library, a public charity

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The Gospel of St. John
GA 103

20 May 1908, Hamburg

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Dritter Vortrag

Third Lecture

[ 1 ] Gestern haben wir gesehen, welch tiefer Inhalt in den ersten Worten des Johannes-Evangeliums verborgen ist, und wir können unsere Betrachtungen dahin zusammenfassen, daß wir sagen: Wir haben gesehen, daß der Schreiber des Johannes-Evangeliums hindeutet auf das Werden des Vormenschen in urferner Vergangenheit, hindeutet darauf, wie im Sinne der christlichen Esoterik alles zurückgeführt wird auf das Wort oder den Logos, der schöpferisch war schon während der alten Saturnzeit, der dann geworden ist zum Leben, und dann zum Licht, — zum Leben, während unsere Erde ihren Sonnenzustand durchgemacht hat, —- zum Licht, während sie den alten Mondzustand durchgemacht hat. Das, was also unter dem Einfluß göttlich-geistiger Kräfte und Wesenheiten der Mensch geworden ist im Laufe der drei planetarischen Zustände, wurde, als die Erde eben unser heutiger Planet geworden war, durchdrungen von dem menschlichen Ich. So daß man sagen kann: Wie eine Art Same kam von dem alten Monde herüber auf die Erde eine Wesenheit, bestehend aus physischem Leib, hervorgegangen aus dem göttlichen Urworte, aus Äther- oder Lebensleib, hervorgegangen aus dem göttlichen Leben, aus astralischem Leib, hervorgegangen aus dem göttlichen Lichte. Im Innern dieser Wesenheit wurde während des Erdendaseins das Licht des Ich selbst entzündet. Diese dreifache Leiblichkeit: physischer Leib, Ätherleib und Astralleib, wurde fähig, in sich das «Ich bin» zu sprechen, so daß wir in einer gewissen Weise die Entwickelung der Erde nennen können die Entwickelung des «Ich-bin», des Selbstbewußtseins des Menschen. Und dieses «Ich-bin », diese Fähigkeit des vollen Selbstbewußtseins kam im Laufe der Entwickelung der Erdenmenschheit langsam und allmählich erst heraus. Wir müssen uns klar machen, wie die Entwickelung der Erdenmenschheit war, insofern in ihr langsam und allmählich das Ich, das volle Selbstbewußtsein ins Dasein trat.

[ 1 ] Yesterday we saw what deep content is hidden in the first words of the Gospel of John, and we can summarize our observations by saying: We have seen that the writer of the Gospel of John points to the becoming of the pre-human being in the primeval past, points to how, in the sense of Christian esotericism, everything is traced back to the Word or the Logos, who was already creative during the old Saturnian period, who then became life, and then light, - life, while our earth was passing through its solar state, -- light, while it was passing through the old lunar state. So that which man has become under the influence of divine-spiritual forces and entities in the course of the three planetary states, was permeated by the human ego when the earth had just become our present planet. So that one can say: Like a kind of seed an entity came from the old moon over to earth, consisting of a physical body, emerged from the divine original word, of an etheric or life body, emerged from the divine life, of an astral body, emerged from the divine light. The light of the ego itself was kindled within this entity during its earthly existence. This threefold corporeality: physical body, etheric body and astral body, became capable of speaking within itself the “I am”, so that in a certain way we can call the development of the earth the development of the “I-am”, the self-consciousness of man. And this “I-am”, this ability of full self-consciousness, only emerged slowly and gradually in the course of the development of earth humanity. We must realize how the development of earth humanity was, insofar as the I, the full self-consciousness, slowly and gradually came into existence in it.

[ 2 ] Es gab eine Zeit in unserer Erdenentwickelung, wir nennen sie die alte lemurische Zeit; es ist die älteste Zeit, in welcher innerhalb des Erdendaseins der Mensch in der Form auftrat, in welcher er heute überhaupt vorhanden ist. Zum erstenmal trat das in der alten lemurischen Zeit ein, was wir nennen die Verkörperung des Ich, der eigentlichen innersten Wesenheit des Menschen, in den drei Leibern, im astralischen Leib, Ätherleib und physischen Leib. Dann kam die atlantische Zeit, wo der Mensch gewohnt hat zum größten Teil auf dem alten atlantischen Kontinente, einem Ländergebiete, das heute den Boden des atlantischen Ozeans bildet, das untergegangen ist durch die große atlantische Flut, deren Andenken sich in den Sintflut-Sagen fast aller Völker erhalten hat. Der Mensch verkörperte sich dann, seiner innersten Wesenheit nach, in aufeinanderfolgenden Verkörperungen bis in unsere Tage hinein während der nachatlantischen Zeit. Wirklich waren unsere Seelen in einer dreigliedrigen Wesenheit, bestehend aus physischem Leibe, Ätherleibe und astralischem Leibe, wie wir sie kennengelernt haben, zum erstenmal in der lemurischen Zeit verkörpert. Was vorhergegangen ist, soll einer späteren Betrachtung überlassen bleiben. — Weit zurückgehen müssen wir also, wenn wir den Gang der Entwickelung in Betracht ziehen, und es entwickelt sich der Mensch nur langsam und allmählich zu seinem heutigen Dasein. Was nennen wir im Okkultismus in geisteswissenschaftlichem Sinne «unser heutiges Dasein»?

[ 2 ] There was a time in our earth development, we call it the old Lemurian time; it is the oldest time in which the human being appeared within the earth existence in the form in which he is present today. For the first time in the ancient Lemurian period there occurred what we call the embodiment of the I, the actual innermost being of man, in the three bodies, the astral body, the etheric body and the physical body. Then came the Atlantean period, when man lived for the most part on the old Atlantean continent, an area of land that today forms the floor of the Atlantic Ocean, which was submerged by the great Atlantean flood, the memory of which has been preserved in the Flood legends of almost all peoples. Man then embodied himself, according to his innermost nature, in successive incarnations up to the present day during the post-Atlantean period. Our souls were actually embodied for the first time in the Lemurian period in a tripartite entity consisting of a physical body, etheric body and astral body, as we have come to know them. What preceded this is to be left for later consideration. - We must therefore go far back when we consider the course of development, and man develops only slowly and gradually to his present existence. What do we in occultism call “our present existence” in the spiritual scientific sense?

[ 3 ] Unser heutiges Dasein nennen wir einen Bewußtseinszustand, wie ihn der Mensch heute hat vom Morgen, wo er aufwacht, bis zum Abend, wo er einschläft. Da sieht der Mensch durch seine äußeren physischen Sinne die Dinge um sich herum. Vom Abend, wo er einschläft, bis zum Morgen, wo er aufwacht, sieht er die Dinge um sich herum nicht. Warum ist das so? Wir wissen, das ist aus dem Grunde so, weil für die heutigen Entwickelungsverhältnisse während der Tageszeit der eigentliche innere Mensch, also Ich und astralischer Leib, im physischen Leibe und Ätherleibe auf dem physischen Plane, das heißt in der physischen Welt sind. Da kann sich der astralische Leib und das Ich der physischen Sinnesorgane bedienen, in die Welt hinaushören und hinaussehen und die physischen Dinge wahrnehmen. Vom Abend, wo der Mensch einschläft, bis zum Morgen, wo er aufwacht, sind Ich und astralischer Leib außerhalb der physischen Welt, auf dem Astralplan. Da sind sie abgesondert von physischen Augen und physischen Ohren, da können sie nicht wahrnehmen, was um sie herum ist. Dieser Zustand, ein solcher Wechsel im Menschen zwischen Tagwachen und Nachtschlafen, hat sich erst langsam und allmählich entwickelt. Das war noch nicht so, als der Mensch in der alten lemurischen Zeit zum ersten Male eine physische Verkörperung durchgemacht hat. Da war der Mensch nur eine sehr kurze Zeit des Tages — keineswegs so lange wie heute — seinem Ich und Astralleibe nach in seinem physischen Leibe drinnen. Dadurch aber, daß der Mensch längere Zeit außerhalb seines physischen Leibes war, nur kürzere Zeit wachend hineinstieg in den physischen Leib, war das Leben während der lemurischen Zeit überhaupt noch ein ganz anderes. Daß der Mensch während der Nacht ganz bewußtlos ist, wenn er nicht gerade träumt, trat sehr langsam und allmählich ein. Ganz anders war das Bewußtsein bei Tag und Nacht während der lemurischen Zeit noch verteilt. Da hatten die Menschen alle noch ein dumpfes hellseherisches Bewußtsein. Wenn sie in der Nacht außerhalb des physischen Leibes waren in der geistigen Welt, da nahmen sie um sich herum - wenn auch nicht so klar, wie der Mensch heute am Tage die physischen Dinge sieht — die geistige Welt wahr. Wir dürfen dieses Wahrnehmen nicht einfach mit dem heutigen Träumen vergleichen. Der heutige Traum ist nur wie ein letzter ganz verkümmerter Rest dieses alten Hellsehens. Allerdings, solche Bilder nahm der Mensch damals wahr, wie er sie auch heute im Traume wahrnimmt; aber diese Bilder hatten eine sehr wirkliche Bedeutung. Machen wir uns einmal klar, was diese Bilder für eine Bedeutung hatten.

[ 3 ] We call our present existence a state of consciousness such as man has today from the morning, when he wakes up, until the evening, when he falls asleep. There man sees the things around him through his outer physical senses. From the evening, when he falls asleep, until the morning, when he wakes up, he does not see the things around him. Why is this so? We know that it is so because in today's developmental conditions during the daytime the actual inner man, that is, the ego and the astral body, are in the physical body and etheric body on the physical plane, that is, in the physical world. There the astral body and the ego can make use of the physical sense organs, hear and see out into the world and perceive physical things. From the evening, when a person falls asleep, until the morning, when he wakes up, the ego and the astral body are outside the physical world, on the astral plane. There they are separated from physical eyes and physical ears, they cannot perceive what is around them. This state, such a change in the human being between day waking and night sleeping, has only developed slowly and gradually. This was not yet the case when man first underwent physical embodiment in ancient Lemurian times. Then man was only inside his physical body for a very short time of the day - by no means as long as today - according to his ego and astral body. But because the human being was outside his physical body for a longer period of time, and only entered the physical body awake for a shorter time, life during the Lemurian period was still quite different. The fact that man was completely unconscious during the night, when he was not dreaming, came about very slowly and gradually. Consciousness during the day and night was still distributed quite differently during the Lemurian period. People still had a dull clairvoyant consciousness. When they were outside the physical body in the spiritual world at night, they perceived the spiritual world around them - even if not as clearly as people today see physical things during the day. We must not simply compare this perception with today's dreams. Today's dream is only like a last vestigial remnant of this ancient clairvoyance. However, people perceived such images back then, just as they do today in dreams; but these images had a very real meaning. Let us realize what these images meant.

[ 4 ] In den alten Zeiten konnte der Mensch, wenn er während eines kurzen Teils der 24 Stunden, der viel geringer war als heute, im Tagesbewußtsein lebte, die äußeren physischen Körper nur ganz dumpf, wie in einem Nebel eingehüllt, sehen. Daß man die physischen Dinge so sah wie heute, kam erst ganz langsam. Am Tage sah der Mensch damals die ersten Anklänge an die physischen Körper, eingehüllt in Nebel, so wie Sie heute, wenn Sie an einem Nebeltage des Abends durch die Straßen gehen, die Laternen vom Nebel umgeben sehen wie von einer Art von Lichtaura. Das ist ja nur scheinbar, aber so sah der Mensch die physischen Körper zuerst um sich herum auftauchen. Und wenn er in Schlaf kam, versank er nicht in Bewußtlosigkeit, sondern dann tauchten während des Schlafbewußtseins Bilder auf, Bilder in Farben und in Formen. Um den Menschen herum war dann eine Welt, gegen welche die lebendigste Traumwelt von heute nur ein schwacher nebelhafter Nachklang ist. Diese Bilder bedeuteten Seelisches und Geistiges in der Umgebung.

[ 4 ] In ancient times, when man lived in day-consciousness for a short part of the 24 hours, which was much shorter than today, he could only see the outer physical bodies very dimly, as if shrouded in a mist. It was only very slowly that physical things were seen as they are today. During the day, man then saw the first hints of the physical bodies, shrouded in mist, just as today, when you walk through the streets in the evening on a foggy day, you see the lanterns surrounded by mist as if by a kind of aura of light. This is only apparent, but this is how man first saw the physical bodies appear around him. And when he fell asleep, he did not sink into unconsciousness, but during sleep consciousness images appeared, images in colors and shapes. There was then a world around man against which the most vivid dream world of today is but a faint misty echo. These images signified the soul and spirit in the environment.

[ 5 ] Wenn also dazumal der Mensch am Beginne seiner Erdenlaufbahn sich einem ihm schädlichen Wesen während der Nachtwanderung näherte, sah er dies nicht so, wie es heute gesehen wird - also nicht einen Löwen, der sich ihm näherte, als eine Löwengestalt —, sondern er sah aufsteigen ein Farben- und Formenbild, und das zeigte ihm instinktiv: Da ist für dich etwas Schädliches, das frißt dich und da mußt du ausweichen. Das waren wirkliche Abbilder des GeistigSeelischen, das um den Menschen herum vorging. Alles GeistigSeelische wurde in der Nacht gesehen, und ganz langsam und allmählich geschah die Entwickelung so, daß der Mensch immer längere Zeit untertauchte in seinen physischen Leib, immer kürzer wurde die Nacht, immer längere Zeit dauerte der Tag. Und je mehr der Mensch sich einwohnte in seinen physischen Leib, desto mehr verschwanden die nächtlichen hellseherischen Bilder, desto mehr tauchte das heutige Tagesbewußtsein auf. Aber wir dürfen nicht vergessen, daß ein wirkliches echtes Selbstbewußtsein, wie es sich der Mensch während des Erdendaseins erringen soll, nur zu erringen ist durch ein Untertauchen in den physischen Leib. Nicht als ein selbständiges Wesen hat sich der Mensch früher gefühlt, sondern als ein Glied der göttlich-geistigen Wesenheiten, denen er entsprossen ist. Wie die Hand sich fühlt als ein Glied des Organismus, so fühlte sich der Mensch, als er noch ein dumpfes Hellsehen hatte, als einen Teil des göttlich-geistigen Bewußtseins, des göttlichen Ich. Nicht «Ich-bin» hätte der Mensch von sich gesagt, sondern «Gott ist - und ich in ihm».

[ 5 ] So when man at the beginning of his earthly career approached a creature that was harmful to him during his night walk, he did not see it as it is seen today - that is, not a lion approaching him as a lion figure - but he saw a picture of color and form rising up, and that instinctively showed him: There is something harmful to you, it is eating you and you must avoid it. These were real images of the spiritual-soul that was going on around the human being. Everything spiritual was seen in the night, and very slowly and gradually the development took place in such a way that the human being immersed himself in his physical body for longer and longer periods of time, the night became shorter and shorter, the day lasted longer and longer. And the more man settled into his physical body, the more the nocturnal clairvoyant images disappeared, the more the present day consciousness emerged. But we must not forget that a real, genuine self-consciousness, such as man is supposed to attain during his earthly existence, can only be attained through immersion in the physical body. Man did not feel himself as an independent being in the past, but as a member of the divine-spiritual entities from which he sprang. Just as the hand feels itself to be a member of the organism, so man, when he still had a dim clairvoyance, felt himself to be a part of the divine-spiritual consciousness, the divine ego. Man would not have said of himself “I-am”, but “God is - and I in him”.

[ 6 ] Nun aber war, wie wir immer mehr begreifen werden, der Erde, welche in ihrer Entwickelung drei frühere Stufen durchgemacht hatte als Saturn, Sonne und Mond, eine ganz besondere Mission vorbehalten. Glauben Sie nicht, daß man die Planetenzustände so nebeneinander betrachten kann, daß ein Planet dem anderen gleichwertig sei. Von einer bloßen Wiederholung des schon einmal Dagewesenen kann in der göttlichen Schöpfung nicht die Rede sein. Jedes Planetendasein hat eine ganz bestimmte Aufgabe. Unsere Erde hat die Mission, daß die Wesen, die sich auf ihr entwickeln sollen, das Element der Liebe bis zur höchsten Entfaltung auszubilden haben. Liebe soll die Erde ganz und gar durchdringen, wenn die Erde am Ende ihrer Entwickelung angekommen ist. - Machen wir uns klar, was das heißt: Die Erde ist der planetarische Zustand für die Entwickelung der Liebe.

[ 6 ] Now, however, as we shall understand more and more, a very special mission was reserved for the earth, which had passed through three earlier stages in its development than Saturn, the sun and the moon. Do not believe that the planetary states can be considered side by side in such a way that one planet is equal to the other. There can be no question of a mere repetition of what has already existed in divine creation. Every planetary existence has a very specific task. Our earth has the mission that the beings who are to develop on it must train the element of love to its highest development. Love is to permeate the earth completely when the earth has reached the end of its development. - Let us realize what this means: The earth is the planetary state for the development of love.

[ 7 ] Wir sagen in der Geisteswissenschaft, der Erde ging der alte Mond voran. Dieser alte Mond hatte als planetarische Stufe auch eine Mission. Er hatte noch nicht die Aufgabe, die Liebe auszubilden, er sollte der Planet oder der Kosmos der Weisheit sein. Vor unserem Erdenzustand hat unser Planet durchgemacht die Stufe der Weisheit. Eine einfache, man möchte sagen, logische Betrachtung kann Ihnen das veranschaulichen. Sehen Sie sich um in der Natur unter allen ihren Wesenheiten. Nicht mit Ihrem bloßen Verstande sehen Sie sie an, sondern mit Ihren Herzens- und Gemütskräften, und Sie werden überall Weisheit finden, die in der Natur ausgeprägt ist. Diese Weisheit, von der hier gesprochen wird, ist so gemeint, daß sie wie eine Art geistiger Substanz allem zugrunde liegt. Betrachten Sie alles, was Sie wollen, in der Natur. Nehmen Sie zum Beispiel ein Stück Oberschenkelknochen, da werden Sie sehen: Das ist nicht eine massive Masse, sondern eine feine, hin und her gehende Reihe von Balken, die zu einem wunderbaren Gerüst angeordnet sind. Und wer nachforscht, nach welchem Gesetze sie aufgebaut sind, der findet, daß das Gesetz befolgt ist, nach welchem mit dem kleinsten Aufwand von Material die größte Kraft entfaltet wird, um Träger des Oberleibes des Menschen zu sein. Unsere Ingenieurkunst ist noch nicht so weit, ein solches kunstvolles Gerüst auszubauen, wie es die alles durchwaltende Weisheit da aufgebaut hat. Solche Weisheit wird der Mensch erst später haben. Göttliche Weisheit durchsetzt die ganze Natur; menschliche Weisheit kommt erst nach und nach dazu. Im Laufe der Zeit wird menschliche Weisheit innerlich das erreichen, was göttliche Weisheit in die Erde hineingeheimnißt hat.

[ 7 ] We say in spiritual science that the earth was preceded by the old moon. This old moon also had a mission as a planetary stage. It did not yet have the task of training love, it was to be the planet or the cosmos of wisdom. Before our earthly state, our planet went through the stage of wisdom. A simple, one might say logical observation can illustrate this for you. Look around you in nature among all its beings. Do not look at them with your mere intellect, but with the powers of your heart and mind, and you will find wisdom expressed in nature everywhere. This wisdom which is spoken of here is meant in such a way that it underlies everything like a kind of spiritual substance. Look at everything you want in nature. Take a piece of thigh bone, for example, and you will see: It is not a solid mass, but a fine, reciprocating series of beams arranged into a marvelous framework. And if you investigate the law according to which they are constructed, you will find that the law is followed according to which the greatest strength is developed with the least amount of material in order to support the upper body of the human being. Our art of engineering is not yet ready to construct such an elaborate framework as the all-pervading wisdom has built. Man will only have such wisdom later. Divine wisdom permeates the whole of nature; human wisdom will only be added gradually. In the course of time, human wisdom will achieve inwardly what divine wisdom has secreted into the earth.

[ 8 ] Aber in demselben Sinne, wie die Weisheit auf dem Monde vorbereitet worden ist, so daß sie sich jetzt überall auf der Erde findet, wird auf der Erde die Liebe vorbereitet. Könnten Sie hellseherisch zurückblicken auf den alten Mond, so könnten Sie sehen, daß nicht in allen Dingen damals eine solche Weisheit war; manche Dinge würden Sie noch unweise finden. Erst durch die ganze Mondenentwickelung hindurch prägte sich die Weisheit hinein in die Dinge, und als der Mond in seiner Entwickelung fertig war, da war alles so davon durchzogen, daß überall Weisheit darinnen war.

[ 8 ] But in the same sense that wisdom has been prepared on the moon so that it is now found everywhere on earth, love is being prepared on earth. If you could look back clairvoyantly to the old moon, you would see that there was not such wisdom in all things then; you would find some things still unwise. Only through the whole development of the moon did wisdom imprint itself on things, and when the moon was finished in its development, everything was so permeated by it that wisdom was everywhere in it.

[ 9 ] Die innerliche Weisheit zog in den Menschen erst ein auf der Erde mit dem Ich. Diese innerliche Weisheit muß aber der Mensch erst nach und nach entwickeln. Ebenso wie sich auf dem Monde die Weisheit entwickelt hat, so daß sie jetzt da ist in den Dingen, so entwickelt sich jetzt die Liebe. Zuerst trat sie in der niedrigsten Gestalt, in der sinnlichen, während der lemurischen Zeit ins Dasein. Im Laufe des Erdendaseins wird sie sich aber immer mehr und mehr vergeistigen, bis zuletzt, wenn die Erde am Ende ihrer Entwickelung angelangt sein wird, das ganze Dasein von Liebe durchzogen sein wird wie es heute von Weisheit durchzogen ist - durch das Wirken der Menschen, wenn diese ihre Aufgabe erfüllen werden.

[ 9 ] The inner wisdom first entered man on earth with the ego. But man must develop this inner wisdom little by little. Just as wisdom developed on the moon so that it is now present in things, so love is now developing. It first came into existence in its lowest form, in the sensual, during the Lemurian period. But in the course of the earth existence it will spiritualize itself more and more, until finally, when the earth will have reached the end of its development, the whole existence will be permeated by love as it is today permeated by wisdom - through the work of men, when they will fulfil their task.

[ 10 ] Und die Erde wird übergehen in einen künftigen planetarischen Zustand. Diesen nennen wir Jupiter. Die Wesen aber, die auf dem Jupiter so herumwandeln werden wie die Menschen auf der Erde, die werden ebenso in allen Wesen die Liebe herausduftend finden, die sie als Mensch selbst hineingelegt haben während des Erdendaseins, wie die Menschen heute die Weisheit in allen Dingen finden. Dann werden die Menschen ebenso die Liebe aus ihrem Innern heraus entwickeln, wie jetzt die Menschen nach und nach die Weisheit herausentwickeln werden. Die große kosmische Liebe wird dann die Dinge durchdringen, die jetzt auf der Erde ihr Dasein beginnt.

[ 10 ] And the earth will pass over into a future planetary state. This we call Jupiter. But the beings who will walk around on Jupiter in the same way as human beings on earth will find the love fragrant in all beings, which they themselves have put into them as human beings during their earthly existence, just as human beings today find wisdom in all things. Then people will also develop love from within themselves, just as people are now gradually developing wisdom. The great cosmic love will then permeate the things that are now beginning their existence on earth.

[ 11 ] Der materialistische Sinn glaubt nicht an die kosmische Weisheit, sondern nur an die menschliche. Wenn die Menschen mit unbefangenem Sinn hineinsehen würden in den Lauf der Entwickelung, so würden sie sehen, daß alle kosmische Weisheit am Anfange so weit war, wie die menschliche Weisheit erst am Ende der Erde sein wird. In den Zeiten, in denen man mit Benennungen noch genauer war als gegenwärtig, nannte man die im Menschen wirkende subjektive Weisheit Intelligenz, im Gegensatze zur objektiven kosmischen Weisheit. Gar nicht achtet der Mensch darauf, daß dasjenige, was er im Laufe des Erdendaseins erfindet, die göttlich-geistigen Wesenheiten sich bereits während des Mondendaseins erobert und der Erde eingepflanzt haben. Nehmen wir ein Beispiel dafür.

[ 11 ] The materialistic sense does not believe in cosmic wisdom, but only in human wisdom. If men would look into the course of development with an unbiased mind, they would see that all cosmic wisdom was as far advanced at the beginning as human wisdom will only be at the end of the earth. In the times when people were more precise with designations than at present, the subjective wisdom working in man was called intelligence, in contrast to the objective cosmic wisdom. Man pays no attention to the fact that what he invents in the course of his earthly existence, the divine-spiritual entities have already conquered and implanted in the earth during his moon existence. Let us take an example of this.

[ 12 ] Wie wird den Kindern in der Schule schon eingetrichtert der große Fortschritt, den die Menschen gemacht haben, dutch die Erfindung des Papiers zum Beispiel. Nun, die Wespen erzeugten das Papier schon viele tausend Jahre vorher; denn das, was die Wespen in ihren Nestern bauen, besteht aus genau derselben Substanz, aus der das menschliche Papier hergestellt wird, und das wird genau auf dieselbe Weise erzeugt, nur durch den Lebensprozeß. Der Wespengeist, die Gruppenseele der Wespen, die ein Teil ist der göttlich-geistigen Substanz, ist die Erfinderin des Papiers schon viel früher gewesen. So tappt der Mensch eigentlich immer hinter der Weltenweisheit nach. Im Prinzip ist alles, was der Mensch im Laufe der Erdenentwickelung erfinden wird, schon in der Natur enthalten. Was aber der Mensch wirklich der Erde geben wird, das ist die Liebe, die sich von der . sinnlichsten zur vergeistigtsten Art entfalten wird. Das ist die Aufgabe der Erdenentwickelung. Die Erde ist der Kosmos der Liebe.

[ 12 ] How children are taught in school about the great progress that humans have made, for example, through the invention of paper. Well, the wasps produced paper many thousands of years before; for what the wasps build in their nests consists of exactly the same substance from which human paper is made, and it is produced in exactly the same way, only through the process of life. The wasp spirit, the group soul of the wasps, which is a part of the divine-spiritual substance, was the inventor of paper much earlier. Thus man is actually always groping after the wisdom of the world. In principle, everything that man will invent in the course of his development on earth is already contained in nature. But what man will really give to the earth is love, which will unfold from the most sensual to the most spiritualized kind. That is the task of earth's development. The earth is the cosmos of love.

[ 13 ] Was ist denn aber, so fragen wir, notwendig zur Liebe? Was gehört denn dazu, daß ein Wesen ein anderes lieben kann? Dazu ist nötig, daß dieses Wesen sein volles Selbstbewußtsein habe, ganz selbständig sei. Kein Wesen kann ein anderes im vollen Sinne lieben, wenn diese Liebe nicht eine freie Gabe ist gegenüber dem anderen Wesen. Meine Hand liebt nicht meinen Organismus. Nur ein Wesen, das selbständig ist, das losgeschnürt ist von dem anderen Wesen, kann dieses lieben. Dazu mußte der Mensch zu einem Ich-Wesen werden. Das Ich mußte der dreifachen menschlichen Leiblichkeit eingepflanzt werden, damit die Erde ihre Mission der Liebe durch den Menschen ausführen kann. Deshalb werden Sie verstehen, daß in der christlichen Esoterik gesagt wird: Ebenso, wie andere Kräfte, zuletzt die Weisheit während des Mondendaseins, von den Göttern heruntergeströmt sind, strömt die Liebe während des Erdendaseins in dieses ein; und der Träger der Liebe kann nur das selbständige Ich sein, das sich nach und nach im Laufe der Erdenentwickelung herausbildet. Aber der Mensch muß zu allem ganz langsam vorbereitet werden, auch zu der gegenwärtigen Art seines Bewußtseins. Setzen wir den Fall, gleich in der alten lemurischen Zeit würde der Mensch untergetaucht sein in seinen physischen Leib, er hätte damals schon die volle äußere Wirklichkeit gesehen. Er hätte sich dann in diesem schnellen Tempo die Liebe nicht einpflanzen können! Er mußte nach und nach erst zu seiner Erdenmission herangeführt werden. Ohne daß er schon sein volles Selbstbewußtsein hatte, ohne daß er schon so weit war, im hellen Tagesbewußtsein die Gegenstände um sich herum wahrzunehmen, wurde ihm in seinem dämmerhaften Bewußtsein unbewußt der erste Unterricht der Liebe gegeben. So sehen wir, daß während der ganzen Zeiten, während der Mensch noch ein altes, traumhaftes Hellseherbewußtsein hatte, während die Seele also lange Zeit außerhalb des Leibes war, dem Menschen in einem dämmerhaften, noch nicht selbstbewußten Zustande die Liebe eingepflanzt wird. Stellen wir ihn uns einmal so recht vor die Seele, diesen Menschen der alten Zeit, der noch nicht auf der Höhe des vollen Selbstbewußtseins angelangt ist.

[ 13 ] But what, we ask, is necessary for love? What is necessary for one being to be able to love another? It is necessary for this being to have its full self-consciousness, to be completely independent. No being can love another in the full sense if this love is not a free gift towards the other being. My hand does not love my organism. Only a being that is independent, that is unbound from the other being, can love it. For this, the human being had to become an I-being. The I had to be implanted in the threefold human body so that the earth could carry out its mission of love through the human being. Therefore you will understand that in Christian esotericism it is said: Just as other forces, most recently wisdom during the lunar existence, have streamed down from the gods, so love streams into this during the earthly existence; and the bearer of love can only be the independent ego, which gradually forms itself in the course of earthly development. But man must be prepared very slowly for everything, including the present nature of his consciousness. Let us suppose that in ancient Lemurian times man had been immersed in his physical body and had already seen the full outer reality. He would then not have been able to implant love at this rapid pace! He had to be gradually led to his earthly mission. Without his full self-consciousness, without his being ready to perceive the objects around him in the light of day, the first lessons of love were unconsciously given to him in his dim consciousness. Thus we see that during all the times when man still had an old, dreamlike clairvoyant consciousness, while the soul was thus outside the body for a long time, love was implanted in man in a dim, not yet self-conscious state. Let us imagine the soul, this man of old, who has not yet reached the height of full self-consciousness.

[ 14 ] Der Mensch schläft des Abends ein; aber kein schroffer Übergang vom Wachen zum Schlafen findet statt. Bilder tauchen auf, lebendige Traumbilder, die aber einen lebendigen Bezug haben zu der geistigen Welt. Das heißt, der Mensch lebte sich während des Einschlafens in die geistige Welt ein. Da träufelte ihm in das dämmerhafte Bewußtsein der göttliche Geist die ersten Keime alles Liebeswirkens ein. Was sich durch die Liebe im Laufe der Erdenentwickelung offenbaren soll, das strömt zuerst während der Nacht in den Menschen ein. Der Gott, der die eigentliche Erdenmission auf die Erde bringt, offenbart sich zuerst zu nächtlicher Zeit dem dumpfen, alten hellseherischen Bewußtsein, bevor er sich dem hellen Tagesbewußtsein offenbaren kann. Dann, langsam und allmählich, werden die Zeiten, in denen der Mensch in dem dumpfen hellseherischen Zustande ist, kürzer, das Tagesbewußtsein immer länger, die aurischen Säume um die Gegenstände werden immer unbedeutender, die Gegenstände bekommen immer festere Grenzen. Vorher hat der Mensch die Sonne, den Mond mit einem mächtigen Hof gesehen, alles wie in einer Nebelmasse liegend. Langsam erst reinigt sich der ganze Anblick, und es treten feste Grenzen an den Dingen auf. In diesen Zustand ist der Mensch allmählich gekommen. Was da der Mensch äußerlich sieht, während die Sonne die Erde bescheint und ihm durch das sichtbare Licht das ganze Erdendasein, Mineralien, Pflanzen und Tiere offenbart, das empfindet der Mensch als die Offenbarungen des Göttlichen in dem Äußeren.

[ 14 ] Man falls asleep in the evening; but there is no abrupt transition from waking to sleeping. Images emerge, vivid dream images, but they have a living connection with the spiritual world. This means that the human being enters the spiritual world while falling asleep. There the divine spirit instilled the first seeds of all the workings of love into his twilight consciousness. That which is to reveal itself through love in the course of earthly development first flows into man during the night. The God who brings the actual earth mission to earth first reveals himself at night to the dull, old clairvoyant consciousness before he can reveal himself to the bright consciousness of day. Then, slowly and gradually, the times in which man is in the dull clairvoyant state become shorter, the daytime consciousness longer and longer, the auric fringes around the objects become less and less significant, the objects acquire ever firmer boundaries. Previously man had seen the sun and the moon with a mighty halo, everything as if lying in a mass of mist. Only slowly does the whole view become clearer, and solid boundaries appear around things. Man has gradually come to this state. What man sees externally, while the sun illuminates the earth and reveals to him through the visible light the whole earthly existence, minerals, plants and animals, man perceives as the revelations of the divine in the external.

[ 15 ] Was ist denn im Sinne der christlichen Esoterik das, was im hellen Tagesbewußtsein sichtbar wird, woraus sich die Erde im weiten Umfange zusammensetzt? Es ist eine Offenbarung der göttlichen Kräfte, eine äußere materielle Offenbarung des innerlich Geistigen! Wenn Sie den Blick hinaus auf die Sonne richten oder auf das, was Sie auf der Erde finden: Es ist eine Offenbarung des Göttlich-Geistigen. Dieses Göttlich-Geistige in der heutigen Gestalt, wie es allem zugrunde liegt, was dem hellen Tagesbewußtsein erscheint, die unsichtbare Welt hinter dieser ganzen sichtbaren Tageswelt, das nennt die christliche Esoterik den «Logos» oder das «Wort». Denn wie der Mensch zuletzt das Wort in sich selber aussprechen kann, so ist zuerst alles, das Tierreich, Pflanzenreich, Mineralreich, aus dem Logos entstanden. Alles ist eine Verkörperung dieses Logos. Und so, wie Ihre Seele unsichtbar in Ihrem Innern waltet und sich äußerlich einen Leib schafft, so schafft sich in der Welt ein jedes Seelische den ihm passenden äußeren Leib und offenbart sich durch irgendein Physisches.

[ 15 ] What then, in the sense of Christian esotericism, is that which becomes visible in the bright consciousness of day, of which the earth is composed in its broadest extent? It is a revelation of the divine powers, an outer material revelation of the inner spiritual! If you look out at the sun or at what you find on earth: It is a revelation of the Divine-Spiritual. This divine-spiritual in its present form, as it underlies everything that appears to the bright consciousness of day, the invisible world behind this whole visible world of day, that is what Christian esotericism calls the “Logos” or the “Word”. For just as man can ultimately express the Word in himself, so everything, the animal kingdom, the plant kingdom, the mineral kingdom, first came into being from the Logos. Everything is an embodiment of this Logos. And just as your soul works invisibly within you and creates a body for itself externally, so in the world every soul creates an external body that suits it and reveals itself through some physical thing.

[ 16 ] Wo ist denn nun der physische Leib des Logos, von dem das Johannes-Evangelium spricht und den wir uns heute immer mehr zum Bewußtsein bringen wollen? Wo ist der physische Leib des Logos? Am reinsten erscheint dieser äußere physische Leib des Logos zunächst im äußeren Sonnenlicht. Das Sonnenlicht ist nicht bloß materielles Licht. Für die geistige Anschauung ist es ebenso das Kleid des Logos, wie Ihr äußerer physischer Leib das Kleid für Ihre Seele ist. Wenn Sie ebenso zu einem Menschen stehen, wie heute die Mehrzahl der Menschen zur Sonne steht, so können Sie nicht den anderen Menschen kennenlernen; da würden Sie sich zu jedem Menschen, der eine fühlende, denkende, wollende Seele hat, so stellen, daß Sie nicht ein Seelisch-Geistiges bei ihm voraussetzen, sondern bloß einen physischen Leib abtasten und glauben, daß der dann auch aus Papiermaché sein könnte. Wenn Sie aber durchdringen wollen zu dem Geistigen im Sonnenlicht, dann müssen Sie es so betrachten, wie wenn Sie von der leiblichen Seite eines Menschen aus das Innere kennenlernen. Wie Ihr Leib sich zu Ihrer Seele verhält, so verhält sich das Sonnenlicht zu dem Logos. In dem Sonnenlichte strömt ein Geistiges der Erde zu. Dieses Geistige ist, wenn wit nicht nur den Sonnenleib, sondern auch den Sonnengeist zu fassen vermögen, dieser Geist ist die Liebe, die herunterströmt auf die Erde. Nicht allein weckt das physische Sonnenlicht die Pflanzen, so daß diese verkümmern müßten, wenn das physische Sonnenlicht nicht auf sie wirkte, sondern mit dem physischen Sonnenlichte strömt die warme Liebe der Gottheit auf die Erde; und die Menschen sind dazu da, die warme Liebe der. Gottheit in sich aufzunehmen, zu entwickeln und zu erwidern. Das können sie aber nur dadurch, daß sie selbstbewußte Ich-Wesen werden. Nur dann können sie die Liebe erwidern.

[ 16 ] Where then is the physical body of the Logos, of which the Gospel of John speaks and which we want to become more and more aware of today? Where is the physical body of the Logos? This outer physical body of the Logos first appears most purely in the outer sunlight. Sunlight is not merely material light. For the spiritual view it is just as much the dress of the Logos as your outer physical body is the dress for your soul. If you relate to a person in the same way that the majority of people relate to the sun today, you cannot get to know the other person; you would relate to every person who has a feeling, thinking, willing soul in such a way that you do not presuppose a soul-spirituality in him, but merely scan a physical body and believe that it could then also be made of paper-mache. But if you want to penetrate to the spiritual in the sunlight, then you must look at it in the same way as when you get to know the inside of a person from the physical side. Just as your body relates to your soul, so the sunlight relates to the Logos. In the sunlight a spiritual flows towards the earth. This spiritual is, if we are able to grasp not only the solar body but also the solar spirit, this spirit is the love that flows down to earth. Not only does the physical sunlight awaken the plants, so that they would have to wither if the physical sunlight did not affect them, but with the physical sunlight the warm love of the deity streams down to earth; and people are there to absorb and develop the warm love of the deity. Deity within themselves, to develop it and to reciprocate it. But they can only do this by becoming self-aware ego beings. Only then can they return the love.

[ 17 ] Als die Menschen anfingen in der ersten Zeit, zuerst nur kurze Zeit in ihrem Tagesleben zu verweilen, da konnten sie nichts vernehmen von dem Lichte, das zugleich die Liebe entzündete. Das Licht schien in die Finsternis, aber die Finsternis konnte noch nichts begreifen von dem Lichte. Und wäre dem Menschen dieses Licht, das zugleich die Liebe des Logos ist, nicht anders geoffenbart worden als nur durch die kurzen Tagesstunden, der Mensch hätte dieses Licht der Liebe nicht begriffen. Aber in dem dumpfen hellseherischen Traumbewußtsein jener alten Zeit strömte doch die Liebe in den Menschen ein. Und jetzt blicken wir hinter das Dasein auf ein großes Mysterium der Welt, unserer Erde, auf ein wichtiges Mysterium.

[ 17 ] When people first began to dwell in their day life, at first only for a short time, they could hear nothing of the light that at the same time ignited love. The light shone into the darkness, but the darkness could not yet comprehend anything of the light. And if this light, which is also the love of the Logos, had not been revealed to man other than through the brief hours of daylight, man would not have understood this light of love. But in the dim clairvoyant dream consciousness of those ancient times, love did flow into man. And now we look beyond existence to a great mystery of the world, of our earth, to an important mystery.

[ 18 ] Fassen wir es einmal, daß sozusagen die Lenkung der Welt für unsere Erde so war, daß eine Zeit hindurch auf unbewußte Art dem Menschen die Liebe einströmte durch ein dämmerhaftes Hellseherbewußtsein und ihn innerlich vorbereitete zur Aufnahme der Liebe im vollen hellen Tagesbewußtsein. - Wir haben gesehen, daß unsere Erde allmählich der Kosmos geworden ist, der die Mission der Liebe durchzuführen hat. Die Erde wird beschienen von der heutigen Sonne. Wie der Mensch die Erde bewohnt und die Liebe nach und nach sich aneignet, so bewohnen die Sonne andere, höhere Wesen, weil die Sonne auf einer höheren Stufe des Daseins angekommen ist. Der Mensch ist Erdenbewohner, und Erdenbewohner sein, bedeutet ein Wesen sein, das sich die Liebe aneignet während der Erdenzeit. Ein Sonnenbewohner in unserer Zeit bedeutet ein Wesen, welches die Liebe entzünden kann, welches die Liebe einströmen lassen kann. Nicht würden die Erdenbewohner die Liebe entwickeln, sie nicht aufnehmen können, wenn nicht die Sonnenbewohner ihnen die reife Weisheit schicken würden mit den Lichtstrahlen. Indem das Licht der Sonne auf die Erde herunterströmt, entwickelt sich auf der Erde die Liebe. Das ist eine ganz reale Wahrheit. Die Wesenheiten, die so hoch stehen, daß sie die Liebe ausströmen können, haben die Sonne zu ihrem Schauplatze gemacht.

[ 18 ] Let us understand that the guidance of the world for our earth was such that for a time love flowed into man in an unconscious way through a dim clairvoyant consciousness and prepared him inwardly for the reception of love in the full bright consciousness of day. - We have seen that our earth has gradually become the cosmos that has to carry out the mission of love. The earth is illuminated by today's sun. Just as man inhabits the earth and gradually acquires love, so other, higher beings inhabit the sun, because the sun has arrived at a higher stage of existence. Man is an inhabitant of the earth, and to be an inhabitant of the earth means to be a being who acquires love during his time on earth. A sun dweller in our time means a being that can ignite love, that can let love flow in. The inhabitants of the earth would not be able to develop love, would not be able to absorb it, if the inhabitants of the sun did not send them mature wisdom with rays of light. As the light of the sun streams down to earth, love develops on earth. This is a very real truth. The beings who stand so high that they can radiate love have made the sun their showplace.

[ 19 ] Es waren da, als der Mond fertig war mit seiner Entwickelung, sieben solcher Hauptwesenheiten, die so weit waren, daß sie Liebe ausströmen konnten. Hier berühren wir ein tiefes Mysterium, das die Geheimwissenschaft enthüllt. - Da ist im Beginne der Erdenentwickelung der kindliche Mensch, der die Liebe aufnehmen sollte und bereit war zur Aufnahme des Ich, und auf der anderen Seite die Sonne, die sich abspaltete und zu einem höheren Dasein aufstieg. Auf dieser Sonne konnten sich entwickeln sieben Hauptlichtgeister, die zu gleicher Zeit die gebenden Geister der Liebe waren. Nur sechs von ihnen nahmen auf der Sonne Wohnung; und das, was uns im Lichte der Sonne physisch zuströmt, enthält in sich die geistigen Liebeskräfte dieser sechs Lichtgeister oder der sechs Elohim, wie wir sie in der Bibel finden. Einer spaltete sich ab und ging einen anderen Weg zum Heile des Menschen, er wählte sich nicht die Sonne, sondern den Mond zu seinem Aufenthalte. Und dieser eine der Lichtgeister, der freiwillig auf das Sonnendasein verzichtete und sich den Mond wählte, ist kein anderer als derjenige, den das Alte Testament «Jahve» oder «Jehova» nennt. Dieser eine, der sich den Mond zum Aufenthalt wählte, ist derjenige, der vom Monde aus die reife Weisheit auf die Erde strömte und dadurch die Liebe vorbereitete.

[ 19 ] When the moon had finished its development, there were seven such principal beings who were so far advanced that they could radiate love. Here we touch upon a profound mystery revealed by secret science. - At the beginning of earthly development there is the childlike human being, who was to receive love and was ready to receive the ego, and on the other side there is the sun, which split off and ascended to a higher existence. Seven main spirits of light were able to develop on this sun, which at the same time were the giving spirits of love. Only six of them took up residence on the sun; and that which flows towards us physically in the light of the sun contains within it the spiritual powers of love of these six spirits of light or the six Elohim, as we find them in the Bible. One of them split off and took a different path to man's salvation, choosing not the sun but the moon as his abode. And this one of the spirits of light, who voluntarily renounced the sun and chose the moon, is none other than the one whom the Old Testament calls “Yahweh” or “Jehovah”. This one who chose the moon as his abode is the one who from the moon poured mature wisdom onto the earth and thereby prepared love.

[ 20 ] Jetzt schauen Sie einmal auf dieses Mysterium, das hinter den Dingen ist. Die Nacht gehört dem Monde, und sie gehörte in einem viel größeren Maße dem Monde in jener alten Zeit, als der Mensch noch nicht von der Sonne die Kraft der Liebe empfangen konnte, als er noch nicht im direkten Lichte diese Kraft der Liebe empfangen konnte. Da empfing er die reflektierte Kraft der reifen Weisheit vom Mondenlichte. Sie strömte ihm zu von dem Mondenlicht während der Zeit des Nachtbewußtseins. Jahve nennt man daher den Regierer der Nacht, der den Menschen vorbereitete auf die Liebe, die später während des vollen Tagbewußtseins entstehen sollte. So schauen wir zurück auf die alte Menschheitszeit, wo geistig der Vorgang stattfand, der durch die Himmelskörper nur symbolisiert wird, wo Sie die Sonne auf der einen Seite, den Mond auf der anderen Seite haben.

[ 20 ] Now take a look at this mystery that is behind things. The night belongs to the moon, and it belonged to the moon to a much greater extent in those ancient times when man could not yet receive the power of love from the sun, when he could not yet receive this power of love in the direct light. Then he received the reflected power of mature wisdom from the lunar light. It flowed to him from the moonlight during the time of night consciousness. Yahweh is therefore called the ruler of the night, who prepared man for the love that would later arise during the full consciousness of the day. So we look back to the ancient time of mankind, where spiritually the process took place that is only symbolized by the heavenly bodies, where you have the sun on one side, the moon on the other.

[ 21 ] Während der Nacht, zu gewissen Zeiten, sendet uns der Mond die reflektierte Sonnenkraft zu. Es ist dasselbe Licht, das uns auch von der Sonne zukommt. So strahlte zurück in den alten Zeiten Jahve oder Jehova die Kraft der reifen Weisheit, die Kraft der sechs Elohim, und diese Kraft strömte er während der Zeit des Nachtschlafens in die Menschen ein und bereitete sie vor, so daß sie fähig wurden, auch später die Kraft der Liebe nach und nach während des tagwachen Bewußtseins zu bekommen.

[ 21 ] During the night, at certain times, the moon sends us the reflected solar power. It is the same light that comes to us from the sun. Thus back in ancient times Yahweh or Jehovah radiated the power of mature wisdom, the power of the six Elohim, and this power he poured into men during the time of night sleep and prepared them so that they would be able to receive the power of love little by little during the day-waking consciousness.

[ 22 ] Die Zeichnung soll in symbolischer Weise andeuten den tagwachen Menschen, wo physischer Leib und Ätherleib abhängig sind vom Göttlichen, und das Ich und der Astralleib auf dem physischen Plane im physischen Leibe und Ätherleibe sind; da wird von außen das ganze System des Menschen beschienen von der Sonne. Von der Nacht wissen Sie jetzt, daß sie eine viel längere war und viel wirkungsvoller für den Menschen uralter Vorzeit. Da sind Astralleib und Ich aus physischem Leib und Ätherleib heraus; da ist das Ich ganz in der astralischen Welt, und der astralische Leib wird von außen hineingesenkt in den physischen Leib so, daß er aber seiner ganzen Wesenheit nach doch in das Geistig-Göttliche eingebettet ist. Da kann die Sonne nicht direkt auf den menschlichen Astralleib scheinen und in ihm die Kraft der Liebe entzünden. Da wirkt der Mond, der das Sonnenlicht reflektiert, durch Jahve oder Jehova. Der Mond ist das Symbolum für Jahve oder Jehova, und die Sonne ist nichts anderes als das Symbolum für den Logos, der die Summe der anderen sechs Elohim ist. Nur symbolisch soll diese Zeichnung, die Sie studieren mögen, über die Sie meditieren mögen, das andeuten. Und wenn Sie darüber nachdenken, werden Sie finden, welch tiefe Mysterienwahrheiten darin dargestellt sind: daß lange Zeit hindurch dem nächtlichen Bewußtsein durch Jahve die Kraft der Liebe dem Menschen eingepflanzt wurde auf unbewußte Art. So wurde der Mensch vorbereitet, damit er nach und nach selbst den Logos, die Kraft seiner Liebe empfangen konnte. Wie war das möglich? Wie konnte denn das geschehen? — Jetzt kommen wir zu der anderen Seite des Mysteriums.

[ 22 ] The drawing is intended to symbolically indicate the day-waking human being, where the physical body and etheric body are dependent on the divine, and the ego and the astral body are on the physical plane in the physical body and etheric body; there the whole system of the human being is illuminated from the outside by the sun. You now know that the night was much longer and much more effective for man in ancient times. There the astral body and the ego are out of the physical body and the etheric body; there the ego is entirely in the astral world, and the astral body is lowered from outside into the physical body in such a way that it is nevertheless embedded in the spiritual-divine in its whole being. The sun cannot shine directly on the human astral body and ignite the power of love in it. The moon, which reflects the sunlight, works through Yahweh or Jehovah. The moon is the symbol for Yahweh or Jehovah, and the sun is nothing other than the symbol for the Logos, which is the sum of the other six Elohim. Only symbolically this drawing, which you may study, which you may meditate upon, is intended to indicate this. And if you think about it, you will find what profound mystery truths are represented in it: that for a long time the power of love was implanted in man's nocturnal consciousness by Yahweh in an unconscious way. Thus man was prepared so that he himself could gradually receive the Logos, the power of his love. How was this possible? How could this happen? - Now we come to the other side of the mystery.

[ 23 ] Wir haben uns gesagt, daß der Mensch zur selbstbewußten Liebe auf der Erde berufen war. Er mußte also einen Führer, einen Lehrer während des hellen Tagesbewußtseins haben, der ihm so gegenübertrat, daß er ihn wahrnehmen konnte. Nur während der Nacht, im dämmerhaften Bewußtsein konnte ihm die Liebe eingepflanzt werden. Nach und nach aber mußte etwas eintreten, etwas mit voller Tatsächlichkeit eintreten, was dem Menschen möglich machte, außen, physisch das Wesen der Liebe selber zu sehen. Wodurch konnte das eintreten? Das konnte nur dadurch eintreten, daß das Wesen der göttlichen Liebe, des Logos, ein Wesen auf der Erde wurde - ein fleischliches Wesen auf der Erde, wie es der Mensch auf der Erde durch seine Sinne wahrnehmen konnte. Weil der Mensch zur Wahrnehmung durch seine äußeren Sinne sich entwickelte, mußte der Gott, der Logos, selbst ein Sinneswesen werden. Er mußte in einem fleischlichen Leibe auftreten. Das geschah durch den Christus Jesus, und die historische Erscheinung des Christus Jesus bedeutet nichts anderes, als daß die Kräfte der sechs Elohim oder des Logos sich verkörpert haben in dem Jesus von Nazareth im Anfange unserer Zeitrechnung, — in ihm real da waren in der Welt der Sichtbarkeit. Darauf kommt es an. Das, was in der Sonne an innerer Kraft liegt, die Kraft der Logosliebe, nahm physische Menschengestalt an in dem Leibe des Jesus von Nazareth. Denn so wie ein anderer äußerer Gegenstand, wie ein anderes Wesen, so mußte dem Menschen auf der Erde für sein Sinnesbewußtsein der Gott in leibhaftiger Gestalt entgegentreten. Was ist daher diese Wesenheit, die uns im Beginne unserer Zeitrechnung als der Christus Jesus entgegentrat? Sie ist nichts anderes als die Verkörperung des Logos, der sechs anderen Elohim, denen vorbereitend der eine, der Jahve-Gott vorangegangen ist. Und diese eine Gestalt des Jesus von Nazareth, in welcher der Christus oder der Logos inkarniert war, bringt daher das, was früher immer nur von der Sonne auf die Erde herniederströmte, was nur im Sonnenlichte enthalten ist, sie bringt es in das Menschenleben, in die Menschheitsgeschichte selbst hinein: «Der Logos ward Fleisch». Das ist das, worauf das Johannes-Evangelium den größten Wert legt.

[ 23 ] We have said to ourselves that man was called to self-conscious love on earth. So he had to have a guide, a teacher during the light of day consciousness, who faced him in such a way that he could perceive him. Only during the night, in the twilight consciousness, could love be implanted in him. Gradually, however, something had to occur, something had to occur with full reality, which made it possible for man to see the essence of love itself physically on the outside. How could this happen? It could only come about through the fact that the being of divine love, the Logos, became a being on earth - a carnal being on earth, such as man could perceive on earth through his senses. Because man evolved to perceive through his outer senses, God, the Logos, had to become a sensory being himself. He had to appear in a fleshly body. This happened through Christ Jesus, and the historical appearance of Christ Jesus means nothing other than that the powers of the six Elohim or the Logos were embodied in Jesus of Nazareth at the beginning of our era - in him they were really there in the world of visibility. That is what matters. That which lies in the sun as inner power, the power of the love of the Logos, took on physical human form in the body of Jesus of Nazareth. For just like another external object, like another being, God had to confront man on earth in bodily form for his sensory consciousness. What, therefore, is this being that confronted us at the beginning of our era as the Christ Jesus? He is nothing other than the embodiment of the Logos, the six other Elohim, who were preceded by the one, the Yahweh-God. And this one figure of Jesus of Nazareth, in whom the Christ or the Logos was incarnated, therefore brings into human life, into human history itself, that which previously only ever streamed down to earth from the sun, that which is only contained in sunlight: “The Logos became flesh”. This is what the Gospel of John places the greatest value on.

[ 24 ] Und es mußte der Schreiber des Johannes-Evangeliums gerade auf diese Tatsache den größten Wert legen. Denn wahr ist es: Nachdem einige der eingeweihten Christus-Schüler verstanden hatten, um was es sich handelt, da traten auch andere auf, die das nicht im vollen Maße verstehen konnten, — die zwar voll verstanden, daß allem Materiellen, allem, was uns stofflich entgegentritt, ein SeelischGeistiges zugrunde liegt; was sie aber nicht begreifen konnten, war, daß sich in einem einzelnen Menschen für die physisch-sinnliche Welt physisch sichtbar der Logos selbst einmal verfleischlichte. Das konnten sie nicht verstehen. Dadurch unterscheidet sich das, was uns in den ersten christlichen Jahrhunderten als die «Gnosis » entgegentritt, von dem wahren esoterischen Christentum. Der Schreiber des Johannes-Evangeliums hat mit kräftigen Worten darauf hingewiesen: Nein, nicht sollt ihr ansehen den Christus als übersinnliches, unsichtbar bleibendes Wesen, das allem Stofflichen zugrunde liegt, sondern ihr sollt Wert darauf legen, daß das Wort Fleisch geworden ist, daß es unter uns gewohnet hat! Das ist der feine Unterschied zwischen dem esoterischen Christentum und der ursprünglichen Gnosis. Die Gnosis kennt den Christus ebenso wie das esoterische Christentum, aber nur als eine geistige Wesenheit, und sieht höchstens in dem Jesus von Nazareth einen mehr oder weniger an diese geistige Wesenheit gebundenen menschlichen Verkünder. Sie will festhalten an dem unsichtbar bleibenden Christus. Dagegen ist das esoterische Christentum immer im Sinne des Johannes-Evangeliums gewesen, das auf dem festen Boden des Wortes stand:

[ 24 ] And the writer of the Gospel of John had to place the greatest value on this very fact. For it is true: After some of the initiated disciples of Christ had understood what it was all about, others appeared who could not understand it to the full extent, - who fully understood that everything material, everything that materially confronts us, is based on a soul-spiritual; but what they could not grasp was that in an individual human being, physically visible to the physical-sensual world, the Logos himself once became incarnate. They could not understand this. This distinguishes what we encounter in the first Christian centuries as “gnosis” from true esoteric Christianity. The writer of the Gospel of John pointed this out in strong words: No, you should not regard Christ as a supersensible, invisible being who underlies all material things, but you should attach importance to the fact that the Word became flesh, that he dwelt among us! This is the subtle difference between esoteric Christianity and the original Gnosis. Gnosticism knows the Christ in the same way as esoteric Christianity, but only as a spiritual being, and at most sees in Jesus of Nazareth a human herald more or less bound to this spiritual being. It wants to hold on to the invisible Christ. In contrast, esoteric Christianity has always been in the spirit of the Gospel of John, which stood on the solid ground of the Word:

«Und der Logos ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnet.» (1,14)

"And the Logos became flesh and dwelt among us.” (1,14)

[ 25 ] Und derjenige, der da in der sichtbaren Welt war, ist eine wirkliche Verkörperung der sechs anderen Elohim, des Logos!

[ 25 ] And the one who was there in the visible world is a real embodiment of the six other Elohim, the Logos!

[ 26 ] Damit also ist die Erdenmission, das, was aus der Erde werden sollte durch das Ereignis von Palästina, erst richtig in die Erde eingetreten. Vorher war alles Vorbereitung. Als was mußte sich also der Christus, der in dem Leibe des Jesus von Nazareth wohnte, vorzugsweise bezeichnen?

[ 26 ] Thus, the earth mission, that which was to become of the earth through the event of Palestine, only really entered the earth. Before that everything was preparation. So what must the Christ, who dwelt in the body of Jesus of Nazareth, preferably describe himself as?

[ 27 ] Er mußte sich vorzugsweise bezeichnen als den großen Bringer und den Verlebendiger des selbstbewußten freien menschlichen Wesens. Fassen wir diese lebendige Christus-Lehre einmal in kurze, paradigmatische Sätze. Dann müssen wir sagen: Die Erde ist dazu da, dem Menschen das volle Selbstbewußtsein, das «Ich-bin» zu geben. Vorher war alles nur Vorbereitung zu diesem Selbstbewußtsein, zum «Ich-bin»; und der Christus ist derjenige, der den Impuls gibt, daß die Menschen alle - jeder als einzelnes Wesen — empfinden können das «Ich-bin». Jetzt erst ist der mächtige Impuls gegeben, der die Menschen auf der Erde mit einem gewaltigen Ruck nach vorwärts bringt. Wir können das verfolgen beim Vergleich des Christentums mit der alttestamentlichen Lehre. In der alttestamentlichen Lehre fühlte der Mensch noch nicht vollständig das «Ich-bin» in seiner eigenen Persönlichkeit. Er hatte noch einen Rest dessen, was geblieben war von der alten Zeit des träumerischen Bewußtseins, wo der Mensch sich nicht als ein Selbst fühlte, sondern als Glied der göttlichen Wesenheit, wie das Tier heute noch ein Glied der Gruppenseele ist. Von der Gruppenseele sind die Menschen ausgegangen, und zum individuellen selbständigen Dasein, das in jedem Einzelmenschen das «Ich-bin» fühlt, sind sie fortgeschritten. Und der Christus ist die Kraft, die die Menschen zu diesem freien «Ich-bin»-Bewußtsein gebracht hat. Überschauen wir das einmal in seiner vollen innerlichen Bedeutung.

[ 27 ] He must preferably describe himself as the great bringer and the animator of the self-conscious free human being. Let us summarize this living doctrine of Christ in short, paradigmatic sentences. Then we must say: The earth is there to give man full self-consciousness, the “I-am”. Before, everything was only preparation for this self-consciousness, for the “I-am”; and the Christ is the one who gives the impulse so that people can all - each as an individual being - feel the “I-am”. Only now is the powerful impulse given that brings people on earth forward with a mighty jolt. We can follow this by comparing Christianity with the teachings of the Old Testament. In the Old Testament teaching, man did not yet fully feel the “I-am” in his own personality. He still had a remnant of what remained of the old time of dreamy consciousness, when man did not feel himself as a self, but as a member of the divine entity, just as the animal is still a member of the group soul today. From the group soul people have gone out, and they have progressed to individual independent existence, which feels the “I-am” in every single person. And the Christ is the power that has brought people to this free “I-am” consciousness. Let us look at this once in its full inner meaning.

[ 28 ] Der Bekenner des Alten Testaments fühlte sich noch nicht so abgeschlossen in seiner einzelnen Persönlichkeit wie der Bekenner des Neuen Testaments. Der Bekenner des Alten Testaments sagte noch nicht in seiner Persönlichkeit: Ich bin ein Ich. Er fühlte sich in dem ganzen alten jüdischen Volke und fühlte das «Gruppen-Volks-Ich». Versetzen wir uns einmal lebendig in das Bewußtsein eines solchen alttestamentlichen Bekenners. So, wie der wirkliche Christ das «Ich bin» fühlt und allmählich immer mehr fühlen lernen wird, so fühlte der Bekenner des Alten Testaments nicht das «Ich-bin». Er fühlte sich als ein Glied des ganzen Volkes und schaute hinauf zu der Gruppenseele, und wenn er das aussprechen wollte, sagte er: Mein Bewußtsein reicht hinauf bis zum Vater des ganzen Volkes, bis zu Abraham; wir - ich und Vater Abraham - sind eins. Ein gemeinsames Ich umfaßt uns alle; und da erst fühle ich mich geborgen in der geistigen Substantialität der Welt, wenn ich in der ganzen Volkssubstanz mich ruhen fühle. - So sah der Bekenner des Alten Testaments hinauf bis zum Vater Abraham und sagte: Ich und der Vater Abraham sind eins. In meinen Adern fließt dasselbe Blut wie in Abrahams Adern. — Und den Vater Abraham fühlte er wie die Wurzel, aus der jeder einzelne Abrahamite als ein Glied hervorging.

[ 28 ] The confessor of the Old Testament did not yet feel as complete in his individual personality as the confessor of the New Testament. The confessor of the Old Testament did not yet say in his personality: “I am an I”. He felt himself in the whole ancient Jewish people and felt the “group-people-I”. Let us put ourselves vividly into the consciousness of such an Old Testament confessor. Just as the real Christian feels the “I am” and will gradually learn to feel it more and more, so the confessor of the Old Testament did not feel the “I am”. He felt himself to be a member of the whole people and looked up to the group soul, and when he wanted to express this, he said: “My consciousness reaches up to the father of the whole people, to Abraham; we - I and father Abraham - are one. A common ego embraces us all; and only then do I feel secure in the spiritual substantiality of the world, when I feel myself at rest in the whole substance of the people. - Thus the confessor of the Old Testament looked up to the father Abraham and said: “I and the father Abraham are one. The same blood flows in my veins as in Abraham's veins. - And the father Abraham he felt as the root from which every single Abrahamite sprang forth as a limb.

[ 29 ] Da kam der Christus Jesus und sagte zu seinen nächsten intimsten Eingeweihten: Bisher haben die Menschen bloß geurteilt nach dem Fleisch, nach der Blutsverwandtschaft; die war für sie das Bewußtsein, daß sie in einem höheren, unsichtbaren Zusammenhange ruhten. Ihr aber sollt an einen viel geistigeren Zusammenhang glauben, an den, der weiter geht als die Blutsverwandtschaft. Ihr sollt an einen geistigen Vatergrund glauben, in dem das Ich wurzelt, der geistiger ist als jener Grund, der das jüdische Volk als Gruppenseele verbindet. Ihr sollt glauben an dasjenige, was in mir und in jedem Menschen ruht, und das ist nicht nur eins mit Abraham, das ist eins mit dem göttlichen Weltengrunde! Daher betonte der Christus Jesus im Sinne des Johannes-Evangeliums:

[ 29 ] Then came the Christ Jesus, and said to his nearest intimate initiates: Hitherto men have judged merely according to the flesh, according to consanguinity; which was to them the consciousness that they rested in a higher, invisible connection. But you should believe in a much more spiritual connection, one that goes further than blood relationship. You should believe in a spiritual father ground in which the I is rooted, which is more spiritual than the ground that connects the Jewish people as a group soul. You should believe in that which rests in me and in every human being, and this is not only one with Abraham, it is one with the divine world reason! Therefore, Christ Jesus emphasized in the sense of the Gospel of John:

«Bevor der Vater Abraham war, war das «Ich-bin» !» (8, 58)

"Before the Father was Abraham, there was the ‘I-am’ !” (8, 58)

[ 30 ] Nicht nur bis zu dem Vater-Prinzip, das bis zu Abraham reicht, geht mein Ur-Ich hinauf, sondern mit dem, was den ganzen Kosmos durchpulst, ist das Ich eins; bis zu dem geht meine Geistigkeit hinauf.

[ 30 ] Not only up to the Father-principle, which reaches up to Abraham, goes my original I, but with that which pulsates through the whole cosmos, the I is one; up to that goes my spirituality.

«Ich und der Vater sind eins!» (10, 30)

"I and the Father are one!” (10, 30)

[ 31 ] Das ist das wichtige Wort, das man fühlen muß; dann wird man den Ruck fühlen, der die Menschen ergriff und die Menschheitsentwickelung weiter brachte durch jenen Impuls, den das Erscheinen des Christus Jesus gab. Der Christus Jesus war der große Beleber des «Ich-bin ».

[ 31 ] This is the important word that one must feel; then one will feel the jolt that seized people and brought the development of humanity further through the impulse given by the appearance of Christ Jesus. The Christ Jesus was the great quickener of the “I-am”.

[ 32 ] Und nunmehr versuchen wir ein wenig darauf hinzuhorchen, was seine intimsten Bingeweihten sagten, wie sie das ausdrückten, was sich ihnen da offenbarte. Sie sagten: Bisher hat keine einzelne fleischliche Menschlichkeit existiert, der man diesen Namen des «Ich-bin » so beilegen durfte, als der, der als der erste die ganze Bedeutung des «Ich-bin» in die Welt gebracht hat. Und daher nannten sie das «Ich-bin» den Namen des Christus Jesus. Das war der Name, in dem sich die intimsten Eingeweihten verbunden fühlten, in dem Namen, den sie also verstanden, den Namen «Ich-bin ».

[ 32 ] And now let us try to listen a little to what his most intimate initiates said, how they expressed what was revealed to them. They said: Until now no single carnal humanity has existed to which this name of “I-am” could be ascribed as the one who was the first to bring the whole meaning of “I-am” into the world. And that is why they called the “I-am” the name of Christ Jesus. That was the name in which the most intimate initiates felt themselves united, in the name which they thus understood, the name “I-am ‘.

[ 33 ] So müssen Sie sich in die wichtigsten Kapitel des Johannes-Evangeliums vertiefen. Wenn Sie also jenes Kapitel nehmen, wo das Wort steht: «Ich bin das Licht der Welt!», da müssen Sie das wörtlich nehmen, ganz wörtlich. Das «Ich-bin», das da zum ersten Male im Fleische auftrat, was ist es? Dasselbe, was im Sonnenlichte als Logoskraft der Erde zuströmt. Überall haben Sie in dem ganzen 8. Kapitel, vom 12. Vers angefangen, das gewöhnlich überschrieben ist «Jesus, das Licht der Welt», die Umschreibung dieser tiefen Wahrheit von der Bedeutung des «Ich-bin». Lesen Sie das Kapitel so, daß Sie überall das «Ich» oder das «Ich-bin» betonen und wissen, daß das «Ich-bin » der Name war, auf den sich die Eingeweihten verbunden fühlten. Dann verstehen Sie es, dann erscheint Ihnen dies Kapitel so, daß Sie es etwa in der Art lesen müßten:

[ 33 ] So you must delve into the most important chapters of the Gospel of John. So if you take the chapter where it says: “I am the light of the world”, you must take it literally, quite literally. The “I am” that appeared for the first time in the flesh, what is it? The same thing that flows into the earth in the light of the sun as the power of the Logos. Everywhere in the entire 8th chapter, beginning with the 12th verse, which is usually entitled “Jesus, the Light of the World”, you have the paraphrase of this profound truth of the meaning of the “I-am”. Read the chapter in such a way that you emphasize the “I” or the “I-am” everywhere and know that the “I-am” was the name to which the initiates felt connected. Then you understand it, then this chapter appears to you in such a way that you should read it something like this:

«Da redete Jesus zu seinen Jüngern und sprach: Was «Ich-bin » zu sich sagen kann, das ist die Kraft des Lichtes der Welt; und wer mir nachfolgt, der wird bei hellem lichtem Tagesbewußtsein dasjenige sehen, was diejenigen nicht sehen, die in der Finsternis wandeln.»

"Then spake Jesus unto his disciples, saying, Whatsoever ‘I am’ can say unto himself, this is the power of the light of the world: and he that followeth me shall see in the brightness of the day those things which they that walk in darkness see not. “

[ 34 ] Diese aber, die dem alten Glauben anhingen, daß nur auf eine nächtliche Art das Licht der Liebe dem Menschen eingepflanzt werden kann, die da die Pharisäer genannt wurden, die antworteten: «Du berufst dich auf dein «Ich-bin », wir aber berufen uns auf den Vater Abraham. Da fühlen wir die Kraft, die uns berechtigt, als selbstbewußte Wesen aufzutreten; da fühlen wir uns stark, wenn wir einsinken in den gemeinsamen Ichgrund, der bis zum Vater Abraham hinaufführt.»

[ 34 ] But those who held to the old belief that only in a nocturnal way can the light of love be implanted in man, who were called the Pharisees, answered: “You appeal to your ‘I-am ’, but we appeal to the father Abraham. There we feel the power that entitles us to appear as self-confident beings; there we feel strong when we sink into the common ground of self, which leads up to the Father Abraham."

«Jesus sprach: Wenn man in dem Sinne vom «Ich» redet, wie ich rede, da ist das Zeugnis wahr; denn ich weiß, daß dieses «Ich» von dem Vater, von dem gemeinsamen Urgrund der Welt kommt, und wohin es wieder geht.» (8, 14)

"Jesus said: If one speaks of the ‘I’ in the sense in which I speak, then the testimony is true; for I know that this ‘I’ comes from the Father, from the common origin of the world, and where it goes again.” (8, 14)

[ 35 ] Und nun der wichtige Satz, Kap. 8, Vers i5, den Sie wörtlich in folgender Weise übersetzen müssen:

[ 35 ] And now the important sentence, chapter 8, verse i5, which you must translate literally in the following way:

«Ihr beurteilt alles nach dem Fleische. Ich aber beurteile nicht das Nichtige, das im Fleische ist.
Und wenn ich urteile, so ist mein Urteil ein wahres. Denn dann ist das Ich nicht allein für sich, sondern das Ich ist vereint mit dem Vater, von dem das Ich herstammt.» (8, 15-16)

"You judge everything according to the flesh. But I do not judge the vain things that are in the flesh.
And if I judge, my judgment is a true one. For then the I is not for itself alone, but the I is united with the Father, from whom the I comes.” (8, 15-16)

[ 36 ] Das ist der Sinn dieser Stelle. So sehen Sie überall den Hinweis auf den gemeinsamen Vater. Und wir werden den Vaterbegriff noch genauer uns vor die Seele führen können. - So sehen Sie, wie das Wort: «Ehe denn der Vater Abraham war, war das «Ich-bin»» die Quintessenz der christlichen Lehrworte lebendig in sich enthält.

[ 36 ] That is the meaning of this passage. So you see the reference to the common Father everywhere. And we will be able to visualize the concept of the Father even more precisely. - Thus you will see how the words: “Before the Father was Abraham, the ‘I-am’” contain the quintessence of the Christian doctrinal words alive within them.

[ 37 ] Wir haben uns heute vertieft in die Worte des Johannes-Evangeliums, mehr, als wir es hätten tun können, wenn ich sie in äußerer Weise interpretiert hätte. Wir haben diese Worte aus der Geistesweisheit hergeleitet, insofern wir auf einige wichtige Worte des Johannes-Evangeliums angespielt haben, die gerade das Wesentliche des Christentums bezeichnen. Wir werden sehen, wie uns gerade dadurch, daß wir erst solche Kern- und Urworte des Evangeliums verstehen, Licht und Klarheit in das ganze Johannes-Evangelium hineinkommen wird.

[ 37 ] We have immersed ourselves today in the words of John's Gospel, more than we could have done if I had interpreted them in an external way. We have derived these words from the wisdom of the Spirit, inasmuch as we have alluded to some important words of John's Gospel which indicate the very essence of Christianity. We will see how light and clarity will come into the whole Gospel of John precisely because we first understand such core and original words of the Gospel.

[ 38 ] Nehmen Sie das alles als etwas, was als Lehre in der christlichen esoterischen Schule gelehrt worden ist, die der Schreiber des JohannesEvangeliums auf die Art, wie wir das besprechen werden, aufgeschrieben hat, um sie der Nachwelt zu überliefern für diejenigen, die da wirklich eindringen wollen in dessen Sinn.

[ 38 ] Take all this as something that has been taught in the Christian esoteric school, which the writer of the Gospel of John has written down in the way we are going to discuss, in order to hand it down to posterity for those who really want to penetrate its meaning.

[ 39 ] Wie man das wirklich noch tiefer tun kann, davon in dem nächsten Vortrag.

[ 39 ] How you can really do this even more deeply will be discussed in the next lecture.