The Gospel of St. John
GA 103
29 May 1908, Hamburg
Translate the original German text into any language:
Versions Available:
Das Johannes-Evangelium, 10th ed.
Neunter Vortrag
Neunter Vortrag
[ 1 ] Sie haben während der ganzen Zeit unserer Vorträge gesehen, in welcher Weise wir uns zu der Urkunde, die man das Johannes-Evangelium nennt, stellen, wenn wir auf dem Boden der Geisteswissenschaft stehen. Sie haben gesehen, daß es sich nicht darum handelt, irgendwelche Wahrheiten über die geistigen Welten aus jener Urkunde heraus zu gewinnen, sondern zu zeigen, wie, unabhängig von allen menschlichen und anderen Urkunden, die Möglichkeit vorhanden ist, in die geistige Welt einzudringen, genau ebenso, wie wenn man heute Mathematik lernen würde, man es unabhängig von jedem Urkundenbuch täte, durch das uns zuerst im Laufe der Menschheitsentwickelung dieser oder jener Teil der Mathematik mitgeteilt worden ist. Was wissen diejenigen, die anfangen, zum Beispiel in der Schule die einfache elementare Geometrie zu lernen, die jeder heute aus sich selbst, aus der Geometrie selbst heraus lernt, von der Geometrie des Euklid, von jenem Urkundenbuch, in dem sozusagen zum ersten Male diese elementare Geometrie der Menschheit mitgeteilt worden ist! Haben aber dann die Menschen die Geometrie durch sich selbst gelernt, dann können sie um so besser dieses Urkundenbuch in seinem Wesen und seiner Bedeutung würdigen. Dies soll uns immer mehr zeigen, daß man aus dem Geistesleben selbst heraus jene Wahrheiten gewinnen kann, welche von diesem Geistesleben handeln. Und wenn man sie gefunden hat und dann wiederum hingewiesen wird zu den geschichtlichen Urkunden, dann findet man in ihnen wieder, was man sozusagen schon weiß. Dadurch kommt man zu einer richtigen Würdigung, zu einer wahren menschlichen Würdigung dieser Urkunden.
[ 1 ] Sie haben während der ganzen Zeit unserer Vorträge gesehen, in welcher Weise wir uns zu der Urkunde, die man das Johannes-Evangelium nennt, stellen, wenn wir auf dem Boden der Geisteswissenschaft stehen. Sie haben gesehen, daß es sich nicht darum handelt, irgendwelche Wahrheiten über die geistigen Welten aus jener Urkunde heraus zu gewinnen, sondern zu zeigen, wie, unabhängig von allen menschlichen und anderen Urkunden, die Möglichkeit vorhanden ist, in die geistige Welt einzudringen, genau ebenso, wie wenn man heute Mathematik lernen würde, man es unabhängig von jedem Urkundenbuch täte, durch das uns zuerst im Laufe der Menschheitsentwickelung dieser oder jener Teil der Mathematik mitgeteilt worden ist. Was wissen diejenigen, die anfangen, zum Beispiel in der Schule die einfache elementare Geometrie zu lernen, die jeder heute aus sich selbst, aus der Geometrie selbst heraus lernt, von der Geometrie des Euklid, von jenem Urkundenbuch, in dem sozusagen zum ersten Male diese elementare Geometrie der Menschheit mitgeteilt worden ist! Haben aber dann die Menschen die Geometrie durch sich selbst gelernt, dann können sie um so besser dieses Urkundenbuch in seinem Wesen und seiner Bedeutung würdigen. Dies soll uns immer mehr zeigen, daß man aus dem Geistesleben selbst heraus jene Wahrheiten gewinnen kann, welche von diesem Geistesleben handeln. Und wenn man sie gefunden hat und dann wiederum hingewiesen wird zu den geschichtlichen Urkunden, dann findet man in ihnen wieder, was man sozusagen schon weiß. Dadurch kommt man zu einer richtigen Würdigung, zu einer wahren menschlichen Würdigung dieser Urkunden.
[ 2 ] Wir haben im Laufe der Vorträge gesehen, daß das Johannes-Evangelium dadurch wahrhaftig nicht an Wert verliert; wir haben gesehen, daß dadurch die Achtung und die Schätzung der Urkunden für den, der auf dem Boden der Geisteswissenschaft steht, durchaus nicht geringer wird als bei denen, die sich von vornherein auf den Boden einer solchen Urkunde stellen. Ja, wir haben gesehen, daß die tiefsten Lehren über das Christentum, die wir ebensogut die allgemeinen Weisheitslehren nennen könnten, uns wiederum entgegentreten im Johannes-Evangelium. Und wir haben gesehen, wenn wir so diesen tiefen Sinn der christlichen Lehre erfassen, daß wir dann erst begreifen können, warum Christus gerade in einer ganz bestimmten Zeit, im Beginne unserer Zeitrechnung, in die Menschheitsentwickelung eintreten mußte. Wir haben gesehen, wie in der nachatlantischen Zeit sich nach und nach diese Menschheit heraufentwickelt hat. Wir haben darauf hingewiesen, wie nach der atlantischen Flut eine erste große nachatlantische Kulturepoche da war in der uralt-indischen Kultur. Wir haben darauf hingewiesen, wie diese uralt-indische Kultur dadurch zu charakterisieren ist, daß die Gemüter der Menschen beherrscht waren von Sehnsucht und Erinnerung. Wir haben charakterisiert, worin die Erinnerung, die Sehnsucht bestand. Die Erinnerung bestand darin, daß lebendige Überlieferungen geblieben waren von einer der atlantischen Flut vorangehenden Zeitepoche der Menschheit, in der der Mensch vermöge seiner Natur und Wesenheit noch eine Art dämmerhaften hellseherischen Zustandes hatte, durch den er hineinblicken konnte in die geistige Welt, so daß ihm die geistige Welt durch das Erlebnis, durch die Erfahrung bekannt war, wie der heutigen Menschheit die vier Reiche der Natur, das Mineralreich, das Pflanzenreich, das Tierreich und das Menschenreich, bekannt sind. Wir haben gesehen, wie in dieser Zeit vor der atlantischen Flut eine so scharfe Trennung noch nicht war zwischen dem Bewußtseinszustand während des Tageslebens und dem Bewußtseinszustand während des Nachtlebens. Wenn der Mensch damals abends in Schlaf versunken war, waren seine inneren Erlebnisse nicht so unbewußt und dunkel wie heute; sondern wenn ihm untertauchten die Bilder des Tageslebens, gingen ihm auf die Bilder des geistigen Lebens, und er war jetzt innerhalb der Dinge der geistigen Welt. Und wenn er des Morgens wiederum untertauchte in seinem physischen Leib, sanken herunter ins Dunkel die Erlebnisse und Wahrheiten der göttlich-geistigen Welt, und um ihn herum stiegen auf die Bilder der heutigen Wirklichkeit, der heutigen Reiche der Mineralien, Pflanzen, Tiere und so weiter. Jene scharfe Grenze zwischen nächtlicher Bewußtlosigkeit und täglichem Wachen entstand erst nach der atlantischen Flut, in unserer nachatlantischen Zeit. Da war der Mensch in einer gewissen Weise — was die unmittelbare Wahrnehmung betraf — abgeschnitten von der geistigen Wirklichkeit und immer mehr herausgesetzt in die rein physische Wirklichkeit. Die Erinnerung allein war geblieben, daß es ein anderes Reich, ein Reich geistiger Wesenheiten und geistiger Vorgänge gibt, und an diese Erinnerung hatte sich geknüpft die Sehnsucht der Gemüter, durch irgendwelche Ausnahmezustände wieder hineinzusteigen in diese Reiche, aus denen der Mensch heruntergestiegen war. Diese Ausnahmezustände wurden nur wenigen Auserwählten zuteil, den Eingeweihten, denen in den Mysterienstätten die inneren Sinne geöffnet wurden, so daß sie hineinblicken konnten in die geistige Welt. Sie konnten Kunde und Zeugnis ablegen vor den anderen, die nicht imstande waren, hinauszuschauen, daß die geistigen Welten Wirklichkeit waren. Yoga war in der uralt-indischen Kultur der Prozeß, durch den der Mensch sich zurückversetzte in den alten dämmerhaften hellseherischen Zustand. Waren dann einzelne Ausnahmenaturen initiiert oder eingeweiht worden, dann wurden sie dadurch die Führer der Menschheit, die Zeugen der geistigen Welt.
[ 2 ] Wir haben im Laufe der Vorträge gesehen, daß das Johannes-Evangelium dadurch wahrhaftig nicht an Wert verliert; wir haben gesehen, daß dadurch die Achtung und die Schätzung der Urkunden für den, der auf dem Boden der Geisteswissenschaft steht, durchaus nicht geringer wird als bei denen, die sich von vornherein auf den Boden einer solchen Urkunde stellen. Ja, wir haben gesehen, daß die tiefsten Lehren über das Christentum, die wir ebensogut die allgemeinen Weisheitslehren nennen könnten, uns wiederum entgegentreten im Johannes-Evangelium. Und wir haben gesehen, wenn wir so diesen tiefen Sinn der christlichen Lehre erfassen, daß wir dann erst begreifen können, warum Christus gerade in einer ganz bestimmten Zeit, im Beginne unserer Zeitrechnung, in die Menschheitsentwickelung eintreten mußte. Wir haben gesehen, wie in der nachatlantischen Zeit sich nach und nach diese Menschheit heraufentwickelt hat. Wir haben darauf hingewiesen, wie nach der atlantischen Flut eine erste große nachatlantische Kulturepoche da war in der uralt-indischen Kultur. Wir haben darauf hingewiesen, wie diese uralt-indische Kultur dadurch zu charakterisieren ist, daß die Gemüter der Menschen beherrscht waren von Sehnsucht und Erinnerung. Wir haben charakterisiert, worin die Erinnerung, die Sehnsucht bestand. Die Erinnerung bestand darin, daß lebendige Überlieferungen geblieben waren von einer der atlantischen Flut vorangehenden Zeitepoche der Menschheit, in der der Mensch vermöge seiner Natur und Wesenheit noch eine Art dämmerhaften hellseherischen Zustandes hatte, durch den er hineinblicken konnte in die geistige Welt, so daß ihm die geistige Welt durch das Erlebnis, durch die Erfahrung bekannt war, wie der heutigen Menschheit die vier Reiche der Natur, das Mineralreich, das Pflanzenreich, das Tierreich und das Menschenreich, bekannt sind. Wir haben gesehen, wie in dieser Zeit vor der atlantischen Flut eine so scharfe Trennung noch nicht war zwischen dem Bewußtseinszustand während des Tageslebens und dem Bewußtseinszustand während des Nachtlebens. Wenn der Mensch damals abends in Schlaf versunken war, waren seine inneren Erlebnisse nicht so unbewußt und dunkel wie heute; sondern wenn ihm untertauchten die Bilder des Tageslebens, gingen ihm auf die Bilder des geistigen Lebens, und er war jetzt innerhalb der Dinge der geistigen Welt. Und wenn er des Morgens wiederum untertauchte in seinem physischen Leib, sanken herunter ins Dunkel die Erlebnisse und Wahrheiten der göttlich-geistigen Welt, und um ihn herum stiegen auf die Bilder der heutigen Wirklichkeit, der heutigen Reiche der Mineralien, Pflanzen, Tiere und so weiter. Jene scharfe Grenze zwischen nächtlicher Bewußtlosigkeit und täglichem Wachen entstand erst nach der atlantischen Flut, in unserer nachatlantischen Zeit. Da war der Mensch in einer gewissen Weise — was die unmittelbare Wahrnehmung betraf — abgeschnitten von der geistigen Wirklichkeit und immer mehr herausgesetzt in die rein physische Wirklichkeit. Die Erinnerung allein war geblieben, daß es ein anderes Reich, ein Reich geistiger Wesenheiten und geistiger Vorgänge gibt, und an diese Erinnerung hatte sich geknüpft die Sehnsucht der Gemüter, durch irgendwelche Ausnahmezustände wieder hineinzusteigen in diese Reiche, aus denen der Mensch heruntergestiegen war. Diese Ausnahmezustände wurden nur wenigen Auserwählten zuteil, den Eingeweihten, denen in den Mysterienstätten die inneren Sinne geöffnet wurden, so daß sie hineinblicken konnten in die geistige Welt. Sie konnten Kunde und Zeugnis ablegen vor den anderen, die nicht imstande waren, hinauszuschauen, daß die geistigen Welten Wirklichkeit waren. Yoga war in der uralt-indischen Kultur der Prozeß, durch den der Mensch sich zurückversetzte in den alten dämmerhaften hellseherischen Zustand. Waren dann einzelne Ausnahmenaturen initiiert oder eingeweiht worden, dann wurden sie dadurch die Führer der Menschheit, die Zeugen der geistigen Welt.
[ 3 ] Unter dem Eindruck dieser Sehnsucht und Erinnerung bildete sich eben innerhalb der uralt-indischen, vorvedischen Kultur vorzüglich jene Stimmung aus, welche in der äußeren Wirklichkeit Maja oder Illusion sah. Man sagte sich: Die wahre Wirklichkeit ist doch nur in der geistigen Welt, in die wir uns nur durch einen Ausnahmezustand, durch Yoga, zurückversetzen können. Diese Welt der geistigen Wesen und Vorgänge ist wirklich, was der Mensch mit seinen Augen sieht, ist unwirklich, ist Illusion, ist Maja!
[ 3 ] Unter dem Eindruck dieser Sehnsucht und Erinnerung bildete sich eben innerhalb der uralt-indischen, vorvedischen Kultur vorzüglich jene Stimmung aus, welche in der äußeren Wirklichkeit Maja oder Illusion sah. Man sagte sich: Die wahre Wirklichkeit ist doch nur in der geistigen Welt, in die wir uns nur durch einen Ausnahmezustand, durch Yoga, zurückversetzen können. Diese Welt der geistigen Wesen und Vorgänge ist wirklich, was der Mensch mit seinen Augen sieht, ist unwirklich, ist Illusion, ist Maja!
[ 4 ] Das war die erste religiöse Grundempfindung in der nachatlantischen Zeit, und Yoga war die erste Form der Einweihung in der nachatlantischen Zeit. Da war zunächst noch nichts vom Begreifen der eigentlichen Mission der nachatlantischen Zeit. Denn es war nicht die Mission der Menschheit, die Wirklichkeit, die wir die Sinnlichkeit nennen, als Maja, als Illusion, anzusehen, sie zu fliehen und ihr fremd zu werden; sondern eine andere Mission hatte die nachatlantische Menschheit: immer mehr und mehr die physische Wirklichkeit zu erobern, Herr zu werden über die Welt der physischen Erscheinungen. Aber es ist auch durchaus begreiflich, daß die Menschheit, die zuerst hineinversetzt wurde in diesen physischen Plan, im Anfange das, was früher kaum innerhalb der geistigen Wirklichkeit auftauchte und das sie jetzt allein wahrnehmen konnte, für Maja oder Illusion hielt. Niemals aber durfte diese Stimmung gegenüber der Wirklichkeit bleiben. Nicht durfte diese Auffassung der physischen Wirklichkeit als einer Illusion der Lebensnerv der nachatlantischen Zeit bleiben. Und wir sahen, wie Stück für Stück die nachatlantische Menschheit sich in den verschiedenen Kulturepochen erobert hat den Zusammenhang mit der physischen Wirklichkeit.
[ 4 ] Das war die erste religiöse Grundempfindung in der nachatlantischen Zeit, und Yoga war die erste Form der Einweihung in der nachatlantischen Zeit. Da war zunächst noch nichts vom Begreifen der eigentlichen Mission der nachatlantischen Zeit. Denn es war nicht die Mission der Menschheit, die Wirklichkeit, die wir die Sinnlichkeit nennen, als Maja, als Illusion, anzusehen, sie zu fliehen und ihr fremd zu werden; sondern eine andere Mission hatte die nachatlantische Menschheit: immer mehr und mehr die physische Wirklichkeit zu erobern, Herr zu werden über die Welt der physischen Erscheinungen. Aber es ist auch durchaus begreiflich, daß die Menschheit, die zuerst hineinversetzt wurde in diesen physischen Plan, im Anfange das, was früher kaum innerhalb der geistigen Wirklichkeit auftauchte und das sie jetzt allein wahrnehmen konnte, für Maja oder Illusion hielt. Niemals aber durfte diese Stimmung gegenüber der Wirklichkeit bleiben. Nicht durfte diese Auffassung der physischen Wirklichkeit als einer Illusion der Lebensnerv der nachatlantischen Zeit bleiben. Und wir sahen, wie Stück für Stück die nachatlantische Menschheit sich in den verschiedenen Kulturepochen erobert hat den Zusammenhang mit der physischen Wirklichkeit.
[ 5 ] In jener Kultur, die wir die urpersische nennen - denn das, was die Geschichte kennt unter der persischen und der Zarathustra-Kultur, sind die letzten Nachklänge dessen, was hier gemeint ist -, in dieser zweiten Kulturepoche sahen wir die Menschen den ersten Schritt tun, um hinauszuwachsen aus dem alten indischen Prinzip und sich die physische Wirklichkeit zu erobern. Noch ist nirgends eine liebevolle Versenkung in die physische Wirklichkeit da, auch nirgends etwas wie ein Studium der physischen Welt. Aber es ist doch schon mehr da als in der alten indischen Kultur. Sogar das, was bis in die spätere Zeit geblieben ist von dieser altindischen Kultur, zeigt uns noch die Nachklänge jener Stimmung, die die physische Wirklichkeit als Illusion ansieht. Daher hätte niemals unsere gegenwärtige Kultur hervorgehen können aus dieser indischen Kultur. Alle Weisheit richtete innerhalb der indischen Kultur den Blick hinweg von der physischen Welt und blickte hinauf in die geistigen Welten, die als Erinnerung vorhanden waren, und unwert erschien ihr das Studium und die Bearbeitung der physischen Wirklichkeit. Daher konnte niemals das eigentliche indische Prinzip eine für unsere irdische Welt brauchbare Wissenschaft hervorbringen; niemals hätte es jene Beherrschung der Naturgesetze hervorbringen können, die heute die Grundlage unserer Kultur bildet. Alles das hätte niemals aus dem alten Indertum hervorgehen können. Denn wozu die Kräfte einer Welt kennenlernen, die doch nur auf Täuschung beruht! Wenn das später anders geworden ist auch in der indischen Kultur, so ist das nicht aus ihr hervorgeflossen, sondern ist späteren fremden Einflüssen entsprungen.
[ 5 ] In jener Kultur, die wir die urpersische nennen - denn das, was die Geschichte kennt unter der persischen und der Zarathustra-Kultur, sind die letzten Nachklänge dessen, was hier gemeint ist -, in dieser zweiten Kulturepoche sahen wir die Menschen den ersten Schritt tun, um hinauszuwachsen aus dem alten indischen Prinzip und sich die physische Wirklichkeit zu erobern. Noch ist nirgends eine liebevolle Versenkung in die physische Wirklichkeit da, auch nirgends etwas wie ein Studium der physischen Welt. Aber es ist doch schon mehr da als in der alten indischen Kultur. Sogar das, was bis in die spätere Zeit geblieben ist von dieser altindischen Kultur, zeigt uns noch die Nachklänge jener Stimmung, die die physische Wirklichkeit als Illusion ansieht. Daher hätte niemals unsere gegenwärtige Kultur hervorgehen können aus dieser indischen Kultur. Alle Weisheit richtete innerhalb der indischen Kultur den Blick hinweg von der physischen Welt und blickte hinauf in die geistigen Welten, die als Erinnerung vorhanden waren, und unwert erschien ihr das Studium und die Bearbeitung der physischen Wirklichkeit. Daher konnte niemals das eigentliche indische Prinzip eine für unsere irdische Welt brauchbare Wissenschaft hervorbringen; niemals hätte es jene Beherrschung der Naturgesetze hervorbringen können, die heute die Grundlage unserer Kultur bildet. Alles das hätte niemals aus dem alten Indertum hervorgehen können. Denn wozu die Kräfte einer Welt kennenlernen, die doch nur auf Täuschung beruht! Wenn das später anders geworden ist auch in der indischen Kultur, so ist das nicht aus ihr hervorgeflossen, sondern ist späteren fremden Einflüssen entsprungen.
[ 6 ] Der altpersischen Kultur steht die äußere physische Wirklichkeit zunächst als ein Arbeitsfeld gegenüber. Noch wie der Ausdruck einer feindlichen Gottheit wird sie angesehen, aber schon ist die Hoffnung ersprossen, daß man dieses materielle Feld der Wirklichkeit mit Hilfe der Lichtgottheit durchdringen kann, ganz in ein von geistigen Mächten und guten Göttern durchdrungenes verwandeln kann. So spürt der Anhänger der persischen Kultur schon ein wenig die Realität der physischen Welt. Zwar betrachtet er sie noch als Gebiet des Gottes der Finsternis, aber er hat doch die Hoffnung, daß er in sie einverleiben kann die Kräfte der guten Götter.
[ 6 ] Der altpersischen Kultur steht die äußere physische Wirklichkeit zunächst als ein Arbeitsfeld gegenüber. Noch wie der Ausdruck einer feindlichen Gottheit wird sie angesehen, aber schon ist die Hoffnung ersprossen, daß man dieses materielle Feld der Wirklichkeit mit Hilfe der Lichtgottheit durchdringen kann, ganz in ein von geistigen Mächten und guten Göttern durchdrungenes verwandeln kann. So spürt der Anhänger der persischen Kultur schon ein wenig die Realität der physischen Welt. Zwar betrachtet er sie noch als Gebiet des Gottes der Finsternis, aber er hat doch die Hoffnung, daß er in sie einverleiben kann die Kräfte der guten Götter.
[ 7 ] Und weiter geht die Menschheit dann hinüber in die Kulturepoche, die ihren geschichtlichen Ausdruck fand in der babylonisch-assyrisch-chaldäisch-ägyptischen Kultur. Und wir haben gesehen, wie es kam, daß der Sternenhimmel dem Menschen nicht mehr Maja war, sondern etwas, in dessen Schriftzügen man lesen konnte. In dem, was für die Inder noch Maja war, in den Bahnen und dem Glanz der Sterne, sieht der Angehörige der dritten Kulturepoche den Ausdruck der Ratschlüsse und Absichten göttlich-geistiger Wesenheiten. Man lebt sich allmählich hinein in die Gesinnung, daß die äußere Wirklichkeit nicht Täuschung ist, sondern eine Offenbarung, eine Manifestation der göttlich-geistigen Wesenheiten. Und in der ägyptischen Kultur fängt man an, das, was man aus der Sternenschrift herausliest, auf die Einteilung der Erde selbst anzuwenden. Warum wurden die Ägypter die Lehrmeister der Geometrie? Weil sie glaubten, daß man durch den Gedanken, der die Erde abteilt, die Materie auch bezwingen kann und daß sich umformen läßt die Materie, die der Geist des Menschen erfassen kann. — So allmählich durchdrang eine spätere Menschheit diese materielle Welt, die zuerst als Maja angesehen war, mit dem Geist, der immer mehr und mehr auch in des Menschen Innerem auftauchte.
[ 7 ] Und weiter geht die Menschheit dann hinüber in die Kulturepoche, die ihren geschichtlichen Ausdruck fand in der babylonisch-assyrisch-chaldäisch-ägyptischen Kultur. Und wir haben gesehen, wie es kam, daß der Sternenhimmel dem Menschen nicht mehr Maja war, sondern etwas, in dessen Schriftzügen man lesen konnte. In dem, was für die Inder noch Maja war, in den Bahnen und dem Glanz der Sterne, sieht der Angehörige der dritten Kulturepoche den Ausdruck der Ratschlüsse und Absichten göttlich-geistiger Wesenheiten. Man lebt sich allmählich hinein in die Gesinnung, daß die äußere Wirklichkeit nicht Täuschung ist, sondern eine Offenbarung, eine Manifestation der göttlich-geistigen Wesenheiten. Und in der ägyptischen Kultur fängt man an, das, was man aus der Sternenschrift herausliest, auf die Einteilung der Erde selbst anzuwenden. Warum wurden die Ägypter die Lehrmeister der Geometrie? Weil sie glaubten, daß man durch den Gedanken, der die Erde abteilt, die Materie auch bezwingen kann und daß sich umformen läßt die Materie, die der Geist des Menschen erfassen kann. — So allmählich durchdrang eine spätere Menschheit diese materielle Welt, die zuerst als Maja angesehen war, mit dem Geist, der immer mehr und mehr auch in des Menschen Innerem auftauchte.
[ 8 ] Wir haben gesehen, daß eigentlich erst in der späteren atlantischen Zeit die Menschen in die Lage gekommen sind, das Ich oder «Ich-bin» zu empfinden. Denn solange die Menschen die geistigen Bilder sahen, waren sie sich auch klar, daß sie selbst der geistigen Welt angehörten, selbst ein Bild unter Bildern waren. Jetzt kam die Erfassung des Geistes im Innern. Betrachten wir jetzt zu dem, was wir heute ein wenig wiederholt haben, die Entwickelung des eigenen Inneren des Menschen.
[ 8 ] Wir haben gesehen, daß eigentlich erst in der späteren atlantischen Zeit die Menschen in die Lage gekommen sind, das Ich oder «Ich-bin» zu empfinden. Denn solange die Menschen die geistigen Bilder sahen, waren sie sich auch klar, daß sie selbst der geistigen Welt angehörten, selbst ein Bild unter Bildern waren. Jetzt kam die Erfassung des Geistes im Innern. Betrachten wir jetzt zu dem, was wir heute ein wenig wiederholt haben, die Entwickelung des eigenen Inneren des Menschen.
[ 9 ] Solange in der atlantischen Zeit der Mensch hinausgesehen hat in einer Art träumerischen, hellseherischen Bewußtseins, hat er eigentlich nicht recht achtgegeben auf sein Inneres. Da war die Innenwelt, die mit dem Ich oder «Ich-bin» umfaßt wird, für ihn noch nicht etwas in scharfen Konturen Gezeichnetes. In demselben Maße, als die geistige Welt entschwand, wurde der Mensch sich seiner eigenen Geistigkeit bewußt. In der altindischen Kultur war gegenüber der eigenen Geistigkeit noch eine sonderbare Stimmung. Man sagte: Wollen wir in die geistige Welt eindringen, uns über die Illusion erheben, dann müssen wir uns selbst verlieren in der geistigen Welt, müssen möglichst auslöschen das «Ich-bin» und aufgehen in dem All-Geist, in dem Brahman. - So war es insbesondere bei der alten Einweihung ein Verlieren des Persönlichen. Ein unpersönliches Aufgehen in der geistigen Welt ist vor allem das, was die älteste Form der Einweihung auszeichnet.
[ 9 ] Solange in der atlantischen Zeit der Mensch hinausgesehen hat in einer Art träumerischen, hellseherischen Bewußtseins, hat er eigentlich nicht recht achtgegeben auf sein Inneres. Da war die Innenwelt, die mit dem Ich oder «Ich-bin» umfaßt wird, für ihn noch nicht etwas in scharfen Konturen Gezeichnetes. In demselben Maße, als die geistige Welt entschwand, wurde der Mensch sich seiner eigenen Geistigkeit bewußt. In der altindischen Kultur war gegenüber der eigenen Geistigkeit noch eine sonderbare Stimmung. Man sagte: Wollen wir in die geistige Welt eindringen, uns über die Illusion erheben, dann müssen wir uns selbst verlieren in der geistigen Welt, müssen möglichst auslöschen das «Ich-bin» und aufgehen in dem All-Geist, in dem Brahman. - So war es insbesondere bei der alten Einweihung ein Verlieren des Persönlichen. Ein unpersönliches Aufgehen in der geistigen Welt ist vor allem das, was die älteste Form der Einweihung auszeichnet.
[ 10 ] Das war zum Beispiel nicht mehr so in der dritten Kulturepoche. Denn bis zur dritten Kulturepoche entwickelte sich das Selbstbewußtsein des Menschen immer stärker. Immer mehr wurde sich der Mensch im Innern seines Ichwesens bewußt. Indem man die Materie ringsherum liebgewann, sich in sie vertiefte mit den Gesetzen, die der menschliche Geist selbst ausdachte, die nicht in irgendeinem dämmerhaften Traumzustand gewonnen waren, wurde man seines Ich immer mehr gewahr, bis dieses Persönlichkeitsbewußtsein im alten Ägyptertum auf einem gewissen Höhepunkte angelangt war. In diesem Persönlichkeitsbewußtsein war aber noch etwas vorhanden, was es zugleich als etwas Niederes erscheinen ließ, als etwas, was nun wiederum gebunden war und aufging in der äußeren Welt, was keine Möglichkeit hatte, den Zusammenhang mit dem zu gewinnen, aus dem man herausgeboren war. Zwei Grundstimmungen der Menschheitsentwickelung müssen wir vor unsere Seele hinmalen, wenn wir den ganzen Hergang der Sache begreifen wollen.
[ 10 ] Das war zum Beispiel nicht mehr so in der dritten Kulturepoche. Denn bis zur dritten Kulturepoche entwickelte sich das Selbstbewußtsein des Menschen immer stärker. Immer mehr wurde sich der Mensch im Innern seines Ichwesens bewußt. Indem man die Materie ringsherum liebgewann, sich in sie vertiefte mit den Gesetzen, die der menschliche Geist selbst ausdachte, die nicht in irgendeinem dämmerhaften Traumzustand gewonnen waren, wurde man seines Ich immer mehr gewahr, bis dieses Persönlichkeitsbewußtsein im alten Ägyptertum auf einem gewissen Höhepunkte angelangt war. In diesem Persönlichkeitsbewußtsein war aber noch etwas vorhanden, was es zugleich als etwas Niederes erscheinen ließ, als etwas, was nun wiederum gebunden war und aufging in der äußeren Welt, was keine Möglichkeit hatte, den Zusammenhang mit dem zu gewinnen, aus dem man herausgeboren war. Zwei Grundstimmungen der Menschheitsentwickelung müssen wir vor unsere Seele hinmalen, wenn wir den ganzen Hergang der Sache begreifen wollen.
[ 11 ] Wir müssen uns einmal erinnern, wie die Menschen der atlantischen Zeit und der altindischen Zeit danach gelechzt haben, die Persönlichkeit abzustreifen. Die Atlantier konnten das, weil es für sie selbstverständlich war, daß sie eben jede Nacht die Persönlichkeit abstreiften und in einem Geisterlande lebten. Die Inder konnten es, weil ihre Einweihungs-Prinzipien sie hinaufführten durch Yoga ins Unpersönliche. Ruhen in dem allgemein Göttlichen war das, was man wollte. Das Ruhen in einem Allgemeinen war in einem letzten Ausläufer der Menschheit geblieben: in dem Bewußtsein der Zusammengehörigkeit mit den Generationen, in dem Bewußtsein, daß man herausgeboren war aus einer Geschlechtsfolge, daß man als einzelner Mensch zusammenhing mit seinem Blute durch die Generationen bis zum Urahn hinauf. Das war die Stimmung, die sich herausgebildet hatte aus jener alten Stimmung, die sich geistig geborgen fühlte in einem Geistig-Göttlichen. So war es gekommen, daß diejenigen Menschen, die eine normale Entwickelung durchgemacht hatten, in der dritten Kulturepoche anfingen, sich zu empfinden als einzelne Menschen, aber zu gleicher Zeit sich geborgen wußten in einem Ganzen, in einem Göttlich-Geistigen, daß sie sich angliederten durch die Blutsverwandtschaft an die ganze Vorfahren-Linie und daß der Gott für sie lebte in dem durch die Generationen hinfließenden Blute.
[ 11 ] Wir müssen uns einmal erinnern, wie die Menschen der atlantischen Zeit und der altindischen Zeit danach gelechzt haben, die Persönlichkeit abzustreifen. Die Atlantier konnten das, weil es für sie selbstverständlich war, daß sie eben jede Nacht die Persönlichkeit abstreiften und in einem Geisterlande lebten. Die Inder konnten es, weil ihre Einweihungs-Prinzipien sie hinaufführten durch Yoga ins Unpersönliche. Ruhen in dem allgemein Göttlichen war das, was man wollte. Das Ruhen in einem Allgemeinen war in einem letzten Ausläufer der Menschheit geblieben: in dem Bewußtsein der Zusammengehörigkeit mit den Generationen, in dem Bewußtsein, daß man herausgeboren war aus einer Geschlechtsfolge, daß man als einzelner Mensch zusammenhing mit seinem Blute durch die Generationen bis zum Urahn hinauf. Das war die Stimmung, die sich herausgebildet hatte aus jener alten Stimmung, die sich geistig geborgen fühlte in einem Geistig-Göttlichen. So war es gekommen, daß diejenigen Menschen, die eine normale Entwickelung durchgemacht hatten, in der dritten Kulturepoche anfingen, sich zu empfinden als einzelne Menschen, aber zu gleicher Zeit sich geborgen wußten in einem Ganzen, in einem Göttlich-Geistigen, daß sie sich angliederten durch die Blutsverwandtschaft an die ganze Vorfahren-Linie und daß der Gott für sie lebte in dem durch die Generationen hinfließenden Blute.
[ 12 ] Wir haben dann gesehen, wie innerhalb desjenigen Volkes, das die Bekennerschaft des Alten Testamentes bildet, sich ein gewisser Vollkommenheitsgrad dieser Stimmung ausbildete. «Ich und der Vater Abraham sind eins», das heißt, der einzelne fühlte sich geborgen in dem ganzen Zusammenhange bis hinauf zum Vater Abraham. Das war ungefähr auch, was die Grundstimmung aller damals normal entwickelten Volksstämme ausmachte, aller Volksstämme der dritten Kulturepoche. Aber nur der Bekennerschaft des Alten Testamentes war prophetisch vorherverkündet worden, daß es noch etwas geistig Tieferes gäbe als die göttliche Vaterschaft, die durch das Blut der Generationen rinnt. Und auf den großen Moment in der Evolution der Menschheit, wo das prophetisch vorherverkündet worden ist, haben wir hingewiesen. Als Moses den Ruf hört: «Sage, wenn du meinen Namen verkünden wirst, der <«Ich-bin> habe dir das gesagt!», da ertönt zum erstenmal die Kunde und Offenbarung des Logos, des Christus. Da wurde prophetisch zum ersten Male verkündet für die, die es begreifen konnten, daß in dem Gotte nicht nur das lebt, was im Blutzusammenhange steht, sondern daß in ihm lebt ein rein Geistiges. Wie Prophetie war es, was durch das Alte Testament ging.
[ 12 ] Wir haben dann gesehen, wie innerhalb desjenigen Volkes, das die Bekennerschaft des Alten Testamentes bildet, sich ein gewisser Vollkommenheitsgrad dieser Stimmung ausbildete. «Ich und der Vater Abraham sind eins», das heißt, der einzelne fühlte sich geborgen in dem ganzen Zusammenhange bis hinauf zum Vater Abraham. Das war ungefähr auch, was die Grundstimmung aller damals normal entwickelten Volksstämme ausmachte, aller Volksstämme der dritten Kulturepoche. Aber nur der Bekennerschaft des Alten Testamentes war prophetisch vorherverkündet worden, daß es noch etwas geistig Tieferes gäbe als die göttliche Vaterschaft, die durch das Blut der Generationen rinnt. Und auf den großen Moment in der Evolution der Menschheit, wo das prophetisch vorherverkündet worden ist, haben wir hingewiesen. Als Moses den Ruf hört: «Sage, wenn du meinen Namen verkünden wirst, der <«Ich-bin> habe dir das gesagt!», da ertönt zum erstenmal die Kunde und Offenbarung des Logos, des Christus. Da wurde prophetisch zum ersten Male verkündet für die, die es begreifen konnten, daß in dem Gotte nicht nur das lebt, was im Blutzusammenhange steht, sondern daß in ihm lebt ein rein Geistiges. Wie Prophetie war es, was durch das Alte Testament ging.
[ 13 ] Wer war es denn eigentlich — diese Frage ist es, an die wir uns nunmehr etwas halten wollen -, wer war es denn, der damals dem Moses zum ersten Male seinen Namen durch die Prophetie verkündete? Da haben wir wiederum eine Stelle, wo die Ausleger des Johannes-Evangeliums ganz oberflächlich zu Werke gehen und nicht anerkennen wollen, daß man diese Urkunden so gründlich wie möglich durchgehen muß. — Wer war der, der prophetisch seinen Namen verkündigte, dem man den Namen «Ich-bin» geben muß? Wer war es?
[ 13 ] Wer war es denn eigentlich — diese Frage ist es, an die wir uns nunmehr etwas halten wollen -, wer war es denn, der damals dem Moses zum ersten Male seinen Namen durch die Prophetie verkündete? Da haben wir wiederum eine Stelle, wo die Ausleger des Johannes-Evangeliums ganz oberflächlich zu Werke gehen und nicht anerkennen wollen, daß man diese Urkunden so gründlich wie möglich durchgehen muß. — Wer war der, der prophetisch seinen Namen verkündigte, dem man den Namen «Ich-bin» geben muß? Wer war es?
[ 14 ] Wir kommen darauf, wenn wir ordentlich und mit Ernst und Würde eine Stelle des Johannes-Evangeliums erfassen. Es ist die Stelle, die wir finden im i2.Kapitel von Vers 37 an. Da weist der Christus Jesus hin auf die Erfüllung eines Spruches des Propheten Jesaias, auf die Vorhersagung, mit dem Hinweise, daß die Juden nicht glauben wollen an den Christus Jesus. Jesus selber weist dabei hin auf Jesaias:
[ 14 ] Wir kommen darauf, wenn wir ordentlich und mit Ernst und Würde eine Stelle des Johannes-Evangeliums erfassen. Es ist die Stelle, die wir finden im i2.Kapitel von Vers 37 an. Da weist der Christus Jesus hin auf die Erfüllung eines Spruches des Propheten Jesaias, auf die Vorhersagung, mit dem Hinweise, daß die Juden nicht glauben wollen an den Christus Jesus. Jesus selber weist dabei hin auf Jesaias:
«Er hat ihre Augen verblendet und ihr Herz verstocket, daß sie mit den Augen nicht sehen, noch mit dem Herzen vernehmen, und sich bekehren, und ich ihnen hülfe.
Solches sagte Jesaias, da er seine Herrlichkeit sah, und redete mit ihm.» (12, 40-41)
«Er hat ihre Augen verblendet und ihr Herz verstocket, daß sie mit den Augen nicht sehen, noch mit dem Herzen vernehmen, und sich bekehren, und ich ihnen hülfe.
Solches sagte Jesaias, da er seine Herrlichkeit sah, und redete mit ihm.» (12, 40-41)
[ 15 ] Jesaias «redete mit ihm»! Mit wem redete Jesaias? Es wird hingewiesen auf die Stelle, die da heißt:
[ 15 ] Jesaias «redete mit ihm»! Mit wem redete Jesaias? Es wird hingewiesen auf die Stelle, die da heißt:
«Des Jahres, da der König Usia starb, sahe ich den Herrn sitzen auf einem hohen und erhabenen Stuhl, und sein Saum füllete den Tempel.» (Jesaias 6, 1)
«Des Jahres, da der König Usia starb, sahe ich den Herrn sitzen auf einem hohen und erhabenen Stuhl, und sein Saum füllete den Tempel.» (Jesaias 6, 1)
[ 16 ] Wen sah Jesaias? Das wird uns hier im Johannes-Evangelium klar gesagt: Christus sah er! Im Geistigen war er immer zu sehen, und Sie werden es nicht mehr unbegreiflich finden, wenn die Geheimwissenschaft darauf hinweist, daß derjenige, den Moses sah, als er ihm das Wort des «Ich-bin» als seinen Namen ankündigte, dieselbe Wesenheit war, die dann als Christus auf der Erde erschien. Der eigentliche «Geist Gottes» des Altertums ist kein anderer als der Christus, so daß wir hier an einer der Stellen der religiösen Urkunden stehen, wo es dem, der nicht ordentlich zu Werke geht, besonders schwer wird, klar zu sehen. Denn klar muß man hier besonders deshalb sehen, weil mit den Worten «Vater», «Sohn» und «Heiliger Geist» die sonderbarsten Verwechselungen vorgekommen sind. Es ist ja immer so gewesen, daß äußerlich im Exoterischen diese Worte in der mannigfaltigsten Weise gerade deshalb gebraucht worden sind, um den eigentlichen esoterischen Sinn nicht gleich hervorleuchten zu lassen. Hat man im Sinne des alten Judentums von dem «Vater» gesprochen, so sprach man zunächst von jenem Vater, der durch das Blut der Generationen hinunterrann, materiell. Sprach man so, wie hier Jesaias von dem «Herrn» gesprochen hat, von dem, der sich geistig offenbarte, so sprach man ebenso von dem Logos wie im Johannes-Evangelium. Und nichts anderes will der Schreiber des Johannes-Evangeliums sagen als: Der, der immer im Geistigen gesehen werden konnte, der ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnet! -— Wenn wir uns nun klargeworden sind, daß auch im Alten Testamente in einer gewissen Beziehung vom Christus gesprochen wird, so werden wir auch begreifen, in welcher Weise das alte hebräische Volk in unsere Entwickelung hineingestellt wird. Aus dem Ägyptertum wächst das althebräische Prinzip heraus. Da hebt es sich ab von dem Hintergrund des ägyptischen Prinzips.
[ 16 ] Wen sah Jesaias? Das wird uns hier im Johannes-Evangelium klar gesagt: Christus sah er! Im Geistigen war er immer zu sehen, und Sie werden es nicht mehr unbegreiflich finden, wenn die Geheimwissenschaft darauf hinweist, daß derjenige, den Moses sah, als er ihm das Wort des «Ich-bin» als seinen Namen ankündigte, dieselbe Wesenheit war, die dann als Christus auf der Erde erschien. Der eigentliche «Geist Gottes» des Altertums ist kein anderer als der Christus, so daß wir hier an einer der Stellen der religiösen Urkunden stehen, wo es dem, der nicht ordentlich zu Werke geht, besonders schwer wird, klar zu sehen. Denn klar muß man hier besonders deshalb sehen, weil mit den Worten «Vater», «Sohn» und «Heiliger Geist» die sonderbarsten Verwechselungen vorgekommen sind. Es ist ja immer so gewesen, daß äußerlich im Exoterischen diese Worte in der mannigfaltigsten Weise gerade deshalb gebraucht worden sind, um den eigentlichen esoterischen Sinn nicht gleich hervorleuchten zu lassen. Hat man im Sinne des alten Judentums von dem «Vater» gesprochen, so sprach man zunächst von jenem Vater, der durch das Blut der Generationen hinunterrann, materiell. Sprach man so, wie hier Jesaias von dem «Herrn» gesprochen hat, von dem, der sich geistig offenbarte, so sprach man ebenso von dem Logos wie im Johannes-Evangelium. Und nichts anderes will der Schreiber des Johannes-Evangeliums sagen als: Der, der immer im Geistigen gesehen werden konnte, der ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnet! -— Wenn wir uns nun klargeworden sind, daß auch im Alten Testamente in einer gewissen Beziehung vom Christus gesprochen wird, so werden wir auch begreifen, in welcher Weise das alte hebräische Volk in unsere Entwickelung hineingestellt wird. Aus dem Ägyptertum wächst das althebräische Prinzip heraus. Da hebt es sich ab von dem Hintergrund des ägyptischen Prinzips.
[ 17 ] So also sehen wir, wie der normale Gang der Menschheitsentwickelung so fortschreitet, wie wir das gestern beschrieben haben. Die erste Kultur in der nachatlantischen Zeit ist die uralt-indische, die zweite die urpersische, die dritte die babylonisch-assyrisch-chaldäisch-ägyptische Kultur, dann folgt die vierte, die griechisch-lateinische Epoche, und die fünfte ist unsere jetzige Kulturepoche. Bevor die vierte Epoche beginnt, geht wie ein geheimnisvoller Zweig aus der dritten Epoche dasjenige Volk mit seinen Traditionen hervor, das den Boden abgibt für das Christentum. Wenn wir das alles zusammenfassen, was wir in unseren Vorträgen gewonnen haben, werden wir es noch begreiflicher finden, daß in die vierte Kulturepoche hineinfallen mußte die Erscheinung des Christus.
[ 17 ] So also sehen wir, wie der normale Gang der Menschheitsentwickelung so fortschreitet, wie wir das gestern beschrieben haben. Die erste Kultur in der nachatlantischen Zeit ist die uralt-indische, die zweite die urpersische, die dritte die babylonisch-assyrisch-chaldäisch-ägyptische Kultur, dann folgt die vierte, die griechisch-lateinische Epoche, und die fünfte ist unsere jetzige Kulturepoche. Bevor die vierte Epoche beginnt, geht wie ein geheimnisvoller Zweig aus der dritten Epoche dasjenige Volk mit seinen Traditionen hervor, das den Boden abgibt für das Christentum. Wenn wir das alles zusammenfassen, was wir in unseren Vorträgen gewonnen haben, werden wir es noch begreiflicher finden, daß in die vierte Kulturepoche hineinfallen mußte die Erscheinung des Christus.
[ 18 ] Wir haben schon hervorgehoben, daß in der vierten Epoche der Mensch so weit gekommen war, daß er seine eigene Geistigkeit, sein Ich verobjektiviert hinausgestellt hat in die Welt. Wir sehen, wie der Mensch allmählich die Materie durchdringt mit seinem eigenen Geiste, mit seinem Ich-Geist. Wir sehen die Werke der griechischen Plastiker, der griechischen Dramatiker, wo der Mensch das, was er sein seelisches Eigentum nennt, sich verkörpert vor die Seele hinstellt. Wir sehen weiter in der römischen Welt, wie das, was der Mensch ist, auch in sein Bewußtsein kommt und wie er das fixiert für die äußere Welt im «Jus», wenn auch eine vertrackte Rechtswissenschaft das verhüllt. Für den tieferen Kenner der Jurisprudenz ist es klar, daß das eigentliche Recht, das den Menschen als Rechtssubjekt betrachtet, erst in dieser vierten Kulturepoche entstanden ist. Da war sich der Mensch so weit seiner eigenen Persönlichkeit bewußt, daß er sich erst als ein eigentlicher Staatsbürger fühlte. Noch im Griechentum fühlte sich der einzelne Mensch als ein Glied des ganzen Stadt-Staates. Wichtiger war es, Athener zu sein als ein einzelner Mensch. Aber es ist etwas ganz anderes, wenn man sagt: Ich bin ein Römer - als: Ich bin ein Athener. Wenn man sagt: Ich bin ein Römer — weist man darauf hin, daß man als einzelner Mensch, als Bürger des Staates einen Wert hat, einen Willen hat. Da würde man auch nachweisen können, daß zum Beispiel die Entstehung des Begriffes «Testament» erst in dieser Zeitepoche möglich geworden ist; denn das ist ein römischer Begriff. Erst da hatte der Mensch seinen Willen so persönlich gemacht, so individualisiert, daß er auch noch über den Tod hinaus mit seinem Willen wirken wollte. Die Dinge, die man in der Geisteswissenschaft zu sagen hat, stimmen bis aufs einzelne mit den wirklichen Tatsachen überein.
[ 18 ] Wir haben schon hervorgehoben, daß in der vierten Epoche der Mensch so weit gekommen war, daß er seine eigene Geistigkeit, sein Ich verobjektiviert hinausgestellt hat in die Welt. Wir sehen, wie der Mensch allmählich die Materie durchdringt mit seinem eigenen Geiste, mit seinem Ich-Geist. Wir sehen die Werke der griechischen Plastiker, der griechischen Dramatiker, wo der Mensch das, was er sein seelisches Eigentum nennt, sich verkörpert vor die Seele hinstellt. Wir sehen weiter in der römischen Welt, wie das, was der Mensch ist, auch in sein Bewußtsein kommt und wie er das fixiert für die äußere Welt im «Jus», wenn auch eine vertrackte Rechtswissenschaft das verhüllt. Für den tieferen Kenner der Jurisprudenz ist es klar, daß das eigentliche Recht, das den Menschen als Rechtssubjekt betrachtet, erst in dieser vierten Kulturepoche entstanden ist. Da war sich der Mensch so weit seiner eigenen Persönlichkeit bewußt, daß er sich erst als ein eigentlicher Staatsbürger fühlte. Noch im Griechentum fühlte sich der einzelne Mensch als ein Glied des ganzen Stadt-Staates. Wichtiger war es, Athener zu sein als ein einzelner Mensch. Aber es ist etwas ganz anderes, wenn man sagt: Ich bin ein Römer - als: Ich bin ein Athener. Wenn man sagt: Ich bin ein Römer — weist man darauf hin, daß man als einzelner Mensch, als Bürger des Staates einen Wert hat, einen Willen hat. Da würde man auch nachweisen können, daß zum Beispiel die Entstehung des Begriffes «Testament» erst in dieser Zeitepoche möglich geworden ist; denn das ist ein römischer Begriff. Erst da hatte der Mensch seinen Willen so persönlich gemacht, so individualisiert, daß er auch noch über den Tod hinaus mit seinem Willen wirken wollte. Die Dinge, die man in der Geisteswissenschaft zu sagen hat, stimmen bis aufs einzelne mit den wirklichen Tatsachen überein.
[ 19 ] So war der Mensch immer mehr zur Durchdringung der Materie mit seinem Geiste gekommen. Aber auch später zeigt sich das immer mehr. Die vierte Zeitepoche ist die, wo der Mensch das, was er in seinem Geiste erfaßt, restlos der Materie einverleibt. In der ägyptischen Pyramide sehen Sie noch, wie Geist und Materie miteinander ringen, wie sich das im Geiste Erfaßte noch nicht voll in der Materie ausdrückt. Im griechischen Tempel drückt sich aus der ganze Wendepunkt in der nachatlantischen Zeit. Für den, der etwas davon versteht, gibt es sogar keine bedeutendere, keine vollendetere Architektur als die griechische, die der reinste Ausdruck ist der inneren Raumgesetzlichkeit. Die Säule ist ganz als Träger gedacht, und was auf der Säule liegt, ist ganz und gar so empfunden worden, daß es getragen werden muß und daß es drückt. Der souveräne, emanzipierte Raumgedanke ist hier beim griechischen Tempel bis in die letzten Konsequenzen durchgeführt. Wenige Menschen haben später noch den Raumgedanken so empfunden wie damals. Es hat allerdings noch Menschen gegeben, die den Raumgedanken haben fühlen können, aber sie haben ihn malerisch gefühlt. Prüfen Sie einmal in der Sixtinischen Kapelle den Raum; stellen Sie sich an die Hinterwand, wo das große Bild des Gerichtes ist, und sehen Sie hinauf: Da werden Sie sehen, wie die Hinterwand schief in die Höhe geht. Sie geht deshalb schief in die Höhe, weil der Ausführer den Raumgedanken gefühlt und nicht so abstrakt gedacht hat wie andere Menschen. Deshalb steht diese Wand so wunderbar im Winkel da. Das heißt, nicht mehr griechisch den Raumgedanken empfinden. Es gibt einen Kunstsinn, der die im Raum verborgenen geheimen Maße empfindet. Architektonisch empfinden heißt nicht, für das Auge, sondern etwas anderes empfinden. Leicht glaubt der Mensch heute: rechts sei ebenso wie links, oben ebenso wie unten und vorn so wie hinten. Wenn der Mensch nur einmal folgendes bedenken wollte: Es gibt Bilder, auf denen sieht man drei, vier oder fünf Engel schweben. Diese können so gemalt sein, daß man im Recht ist zu denken, sie müßten jeden Augenblick herunterfallen. Sie können aber auch so gemalt sein von jemandem, der den wirklichen Raumsinn entwickelt hat, daß er nicht die Möglichkeit gibt, dies zu denken; sie können gar nicht herunterfallen, denn sie tragen sich gegenseitig. Dann hat man die dynamischen Verhältnisse des Raumes dabei malerisch vor sich. Der Grieche hatte sie architektonisch vor sich; er empfand die Horizontale nicht bloß als Linie, sondern er empfand sie als Druckkraft, und er empfand die Säule nicht bloß als Stock, sondern empfand sie als Tragkraft. Dieses Mitfühlen mit den Linien des Raumes, das heißt «den lebendigen Geist geometrisierend fühlen ». Das ist, was Plato gemeint hat, als er den ungeheuren Ausdruck gebrauchte: «Gott geometrisiert fortwährend. » — Diese Linien im Raum sind vorhanden, und danach baute der Grieche seinen Tempel.
[ 19 ] So war der Mensch immer mehr zur Durchdringung der Materie mit seinem Geiste gekommen. Aber auch später zeigt sich das immer mehr. Die vierte Zeitepoche ist die, wo der Mensch das, was er in seinem Geiste erfaßt, restlos der Materie einverleibt. In der ägyptischen Pyramide sehen Sie noch, wie Geist und Materie miteinander ringen, wie sich das im Geiste Erfaßte noch nicht voll in der Materie ausdrückt. Im griechischen Tempel drückt sich aus der ganze Wendepunkt in der nachatlantischen Zeit. Für den, der etwas davon versteht, gibt es sogar keine bedeutendere, keine vollendetere Architektur als die griechische, die der reinste Ausdruck ist der inneren Raumgesetzlichkeit. Die Säule ist ganz als Träger gedacht, und was auf der Säule liegt, ist ganz und gar so empfunden worden, daß es getragen werden muß und daß es drückt. Der souveräne, emanzipierte Raumgedanke ist hier beim griechischen Tempel bis in die letzten Konsequenzen durchgeführt. Wenige Menschen haben später noch den Raumgedanken so empfunden wie damals. Es hat allerdings noch Menschen gegeben, die den Raumgedanken haben fühlen können, aber sie haben ihn malerisch gefühlt. Prüfen Sie einmal in der Sixtinischen Kapelle den Raum; stellen Sie sich an die Hinterwand, wo das große Bild des Gerichtes ist, und sehen Sie hinauf: Da werden Sie sehen, wie die Hinterwand schief in die Höhe geht. Sie geht deshalb schief in die Höhe, weil der Ausführer den Raumgedanken gefühlt und nicht so abstrakt gedacht hat wie andere Menschen. Deshalb steht diese Wand so wunderbar im Winkel da. Das heißt, nicht mehr griechisch den Raumgedanken empfinden. Es gibt einen Kunstsinn, der die im Raum verborgenen geheimen Maße empfindet. Architektonisch empfinden heißt nicht, für das Auge, sondern etwas anderes empfinden. Leicht glaubt der Mensch heute: rechts sei ebenso wie links, oben ebenso wie unten und vorn so wie hinten. Wenn der Mensch nur einmal folgendes bedenken wollte: Es gibt Bilder, auf denen sieht man drei, vier oder fünf Engel schweben. Diese können so gemalt sein, daß man im Recht ist zu denken, sie müßten jeden Augenblick herunterfallen. Sie können aber auch so gemalt sein von jemandem, der den wirklichen Raumsinn entwickelt hat, daß er nicht die Möglichkeit gibt, dies zu denken; sie können gar nicht herunterfallen, denn sie tragen sich gegenseitig. Dann hat man die dynamischen Verhältnisse des Raumes dabei malerisch vor sich. Der Grieche hatte sie architektonisch vor sich; er empfand die Horizontale nicht bloß als Linie, sondern er empfand sie als Druckkraft, und er empfand die Säule nicht bloß als Stock, sondern empfand sie als Tragkraft. Dieses Mitfühlen mit den Linien des Raumes, das heißt «den lebendigen Geist geometrisierend fühlen ». Das ist, was Plato gemeint hat, als er den ungeheuren Ausdruck gebrauchte: «Gott geometrisiert fortwährend. » — Diese Linien im Raum sind vorhanden, und danach baute der Grieche seinen Tempel.
[ 20 ] Was ist denn der griechische Tempel? Er ist mit Notwendigkeit ein Wohnhaus des Gottes. Er ist etwas ganz anderes als die heutige Kirche. Die heutige Kirche ist eine Predigtstätte. In dem griechischen Tempel wohnte der Gott selbst darinnen. Die Menschen sind nur zufällig darin, wenn sie bei Gott sein wollen. Wer die Formen des griechischen Tempels versteht, der empfindet einen geheimnisvollen Zusammenhang mit dem im Tempel wohnenden Gott. Da sieht man in den Säulen und dem, was darüber ist, nicht etwas, was der Mensch phantasiert hat, sondern etwas, was der Gott selbst so gemacht hätte, wenn er sich ein Wohnhaus hätte schaffen wollen. Das war das Höchste an Durchdringung von Materie mit Geist.
[ 20 ] Was ist denn der griechische Tempel? Er ist mit Notwendigkeit ein Wohnhaus des Gottes. Er ist etwas ganz anderes als die heutige Kirche. Die heutige Kirche ist eine Predigtstätte. In dem griechischen Tempel wohnte der Gott selbst darinnen. Die Menschen sind nur zufällig darin, wenn sie bei Gott sein wollen. Wer die Formen des griechischen Tempels versteht, der empfindet einen geheimnisvollen Zusammenhang mit dem im Tempel wohnenden Gott. Da sieht man in den Säulen und dem, was darüber ist, nicht etwas, was der Mensch phantasiert hat, sondern etwas, was der Gott selbst so gemacht hätte, wenn er sich ein Wohnhaus hätte schaffen wollen. Das war das Höchste an Durchdringung von Materie mit Geist.
[ 21 ] Vergleichen Sie einmal den griechischen Tempel mit einer gotischen Kirche. Es soll nichts gegen die Gotik gesagt sein, denn sie steht von einem anderen Gesichtspunkt aus auf einer höheren Stufe. Bei der gotischen Kirche sehen Sie, wie dasjenige, was in ihren Formen zum Ausdruck kommt, eigentlich gar nicht gedacht und gar nicht empfunden werden kann ohne die andächtige Menge. In den Bogenformen der Gotik liegt für den, der das empfinden kann, etwas, was er überhaupt gar nicht anders empfinden kann, als indem er sich sagt: Wenn da nicht die andächtige Menge darinnen ist und die Hände so in Bogenform zusammenschließt, ist das Ganze nicht vollständig. Die gotische Kirche ist nicht bloß das Wohnhaus Gottes, sondern zu gleicher Zeit der Versammlungsort der zum Gotte betenden Menge. So überschreitet die Menschheit wiederum den Höhepunkt ihrer eigenen Entwickelung in einer gewissen Weise. Wir sehen, wie das, was innerhalb des griechischen Raumsinnes wunderbar empfunden ist in den Linien des Raumes, in den Säulen und Balken, später in Dekadenz gekommen ist. Eine Säule, die nicht trägt, die nur als dekoratives Motiv da ist, ist für das griechische Empfinden keine Säule. Es steht alles in der menschlichen Evolution im absoluten Einklang. Die griechische Kulturepoche war die schönste Durchdringung des in sich entdeckten Bewußtseins der Menschheit und dessen, was draußen im Raume als das Göttliche empfunden wurde. Der Mensch war ganz und gar zusammengewachsen mit der physisch-sinnlichen Welt in dieser Kulturepoche.
[ 21 ] Vergleichen Sie einmal den griechischen Tempel mit einer gotischen Kirche. Es soll nichts gegen die Gotik gesagt sein, denn sie steht von einem anderen Gesichtspunkt aus auf einer höheren Stufe. Bei der gotischen Kirche sehen Sie, wie dasjenige, was in ihren Formen zum Ausdruck kommt, eigentlich gar nicht gedacht und gar nicht empfunden werden kann ohne die andächtige Menge. In den Bogenformen der Gotik liegt für den, der das empfinden kann, etwas, was er überhaupt gar nicht anders empfinden kann, als indem er sich sagt: Wenn da nicht die andächtige Menge darinnen ist und die Hände so in Bogenform zusammenschließt, ist das Ganze nicht vollständig. Die gotische Kirche ist nicht bloß das Wohnhaus Gottes, sondern zu gleicher Zeit der Versammlungsort der zum Gotte betenden Menge. So überschreitet die Menschheit wiederum den Höhepunkt ihrer eigenen Entwickelung in einer gewissen Weise. Wir sehen, wie das, was innerhalb des griechischen Raumsinnes wunderbar empfunden ist in den Linien des Raumes, in den Säulen und Balken, später in Dekadenz gekommen ist. Eine Säule, die nicht trägt, die nur als dekoratives Motiv da ist, ist für das griechische Empfinden keine Säule. Es steht alles in der menschlichen Evolution im absoluten Einklang. Die griechische Kulturepoche war die schönste Durchdringung des in sich entdeckten Bewußtseins der Menschheit und dessen, was draußen im Raume als das Göttliche empfunden wurde. Der Mensch war ganz und gar zusammengewachsen mit der physisch-sinnlichen Welt in dieser Kulturepoche.
[ 22 ] Es ist einfach Unsinn, wenn heutige Gelehrte das, was frühere Zeiten empfunden haben, verdunkeln wollen. Im geisteswissenschaftlichen Sinne sehen wir die vierte Epoche der nachatlantischen Zeit an als diejenige, in welcher der Mensch ganz und gar im Einklange steht mit der ihn umgebenden Welt. Diese Zeit, wo der Mensch wie zusammengewachsen war mit der äußeren Wirklichkeit, war allein geeignet, zu begreifen, daß das Göttliche in einem einzelnen Menschen erscheinen kann. Jede frühere Zeit hätte alles andere eher begriffen als das; jede frühere Zeit hätte so empfunden, daß das Göttliche viel zu hoch und erhaben sei, als daß es in einer physischen Menschengestalt erscheinen könne. Bewahren wollte man das Göttliche gerade vor der physischen Gestalt. «Du sollst dir kein Bildnis machen!» (2. Mose 20, 4), mußte deshalb gerade dem Volke gesagt werden, das die Idee des Gottes in seiner geistigen Gestalt erfassen sollte. Aus solchen Anschauungen heraus entwickelte sich dieses Volk, und aus seinem Schoße erwuchs die Christus-Idee, die Idee, daß das Geistige im Fleische erscheinen sollte. Dazu wurde dieses Volk ausersehen; und da hinein, in die vierte der nachatlantischen Epochen, mußte das Christus-Ereignis fallen.
[ 22 ] Es ist einfach Unsinn, wenn heutige Gelehrte das, was frühere Zeiten empfunden haben, verdunkeln wollen. Im geisteswissenschaftlichen Sinne sehen wir die vierte Epoche der nachatlantischen Zeit an als diejenige, in welcher der Mensch ganz und gar im Einklange steht mit der ihn umgebenden Welt. Diese Zeit, wo der Mensch wie zusammengewachsen war mit der äußeren Wirklichkeit, war allein geeignet, zu begreifen, daß das Göttliche in einem einzelnen Menschen erscheinen kann. Jede frühere Zeit hätte alles andere eher begriffen als das; jede frühere Zeit hätte so empfunden, daß das Göttliche viel zu hoch und erhaben sei, als daß es in einer physischen Menschengestalt erscheinen könne. Bewahren wollte man das Göttliche gerade vor der physischen Gestalt. «Du sollst dir kein Bildnis machen!» (2. Mose 20, 4), mußte deshalb gerade dem Volke gesagt werden, das die Idee des Gottes in seiner geistigen Gestalt erfassen sollte. Aus solchen Anschauungen heraus entwickelte sich dieses Volk, und aus seinem Schoße erwuchs die Christus-Idee, die Idee, daß das Geistige im Fleische erscheinen sollte. Dazu wurde dieses Volk ausersehen; und da hinein, in die vierte der nachatlantischen Epochen, mußte das Christus-Ereignis fallen.
[ 23 ] Deshalb zerfällt für das christliche Bewußtsein das ganze Menschenwerden in eine vorchtistliche und in eine nachchristliche Zeit. Der Gott-Mensch konnte nur in einer bestimmten Zeit von dem Menschen begriffen werden. Und so sehen wir, wie das Johannes-Evangelium anknüpft im vollen Bewußtsein und in der Gesinnung an das, was, wenn ich ein triviales Wort gebrauchen darf, unmittelbar zeitgemäß war, unmittelbar aus dem Zeitbewußtsein heraus stammte. Ganz von selbst machte es sich daher — sozusagen wie etwas innerlich Verwandtes —, daß die Gedankenbilder, dutch die der Schreiber des Johannes-Evangeliums das größte Ereignis der Weltgeschichte zu begreifen versuchte, ihm am besten ausgedrückt erschienen in griechischen Gedankenformen. Und nach und nach wuchs das ganze christliche Empfinden in diese Gedankenformen hinein. Wir werden sehen, wie mit dem Fortschreiten dann so etwas wie die Gotik entstehen mußte, weil das Christentum allerdings dazu berufen war, wiederum über die Materie hinauszuführen. Aber entstehen konnte es nur da, wo man so weit hineingeraten war in die Materie, daß man sie noch nicht überschätzte, noch nicht darin untergesunken war wie in unserem Zeitalter, aber sie doch zu durchgeistigen und zu durchdringen vermochte.
[ 23 ] Deshalb zerfällt für das christliche Bewußtsein das ganze Menschenwerden in eine vorchtistliche und in eine nachchristliche Zeit. Der Gott-Mensch konnte nur in einer bestimmten Zeit von dem Menschen begriffen werden. Und so sehen wir, wie das Johannes-Evangelium anknüpft im vollen Bewußtsein und in der Gesinnung an das, was, wenn ich ein triviales Wort gebrauchen darf, unmittelbar zeitgemäß war, unmittelbar aus dem Zeitbewußtsein heraus stammte. Ganz von selbst machte es sich daher — sozusagen wie etwas innerlich Verwandtes —, daß die Gedankenbilder, dutch die der Schreiber des Johannes-Evangeliums das größte Ereignis der Weltgeschichte zu begreifen versuchte, ihm am besten ausgedrückt erschienen in griechischen Gedankenformen. Und nach und nach wuchs das ganze christliche Empfinden in diese Gedankenformen hinein. Wir werden sehen, wie mit dem Fortschreiten dann so etwas wie die Gotik entstehen mußte, weil das Christentum allerdings dazu berufen war, wiederum über die Materie hinauszuführen. Aber entstehen konnte es nur da, wo man so weit hineingeraten war in die Materie, daß man sie noch nicht überschätzte, noch nicht darin untergesunken war wie in unserem Zeitalter, aber sie doch zu durchgeistigen und zu durchdringen vermochte.
[ 24 ] So denke ich, zeigt sich uns aus dem ganzen geistigen Hergang der Menschheit heraus die Entstehung des Christentums als etwas durchaus Notwendiges. Wenn wir nunmehr begreifen wollen, welche Gestalt das Christentum nach und nach annehmen mußte, welche Gestalt ihm prophetisch von einer solchen Individualität wie dem Schreiber des Johannes-Evangeliums vorhergesagt wird, müssen wir im nächsten Vortrag auf einige wesentliche und wichtige Begriffe Rücksicht nehmen.
[ 24 ] So denke ich, zeigt sich uns aus dem ganzen geistigen Hergang der Menschheit heraus die Entstehung des Christentums als etwas durchaus Notwendiges. Wenn wir nunmehr begreifen wollen, welche Gestalt das Christentum nach und nach annehmen mußte, welche Gestalt ihm prophetisch von einer solchen Individualität wie dem Schreiber des Johannes-Evangeliums vorhergesagt wird, müssen wir im nächsten Vortrag auf einige wesentliche und wichtige Begriffe Rücksicht nehmen.
[ 25 ] Gezeigt ist worden, daß man alles buchstäblich nehmen, aber erst den Buchstaben wirklich verstehen muß. Es ist nicht einerlei, daß nirgends der Name «Johannes» vorkommt, sondern immer geredet wird von dem Jünger, «den der Herr lieb hatte». Wir haben gesehen, welches Geheimnis sich dahinter verbirgt, und daß dies von tiefer Bedeutung ist. - Nun wollen wir noch einen anderen Ausdruck betrachten, einen Ausdruck, der es uns unmittelbar möglich machen wird, anzuknüpfen an die nachfolgenden Entwickelungsperioden des Christentums.
[ 25 ] Gezeigt ist worden, daß man alles buchstäblich nehmen, aber erst den Buchstaben wirklich verstehen muß. Es ist nicht einerlei, daß nirgends der Name «Johannes» vorkommt, sondern immer geredet wird von dem Jünger, «den der Herr lieb hatte». Wir haben gesehen, welches Geheimnis sich dahinter verbirgt, und daß dies von tiefer Bedeutung ist. - Nun wollen wir noch einen anderen Ausdruck betrachten, einen Ausdruck, der es uns unmittelbar möglich machen wird, anzuknüpfen an die nachfolgenden Entwickelungsperioden des Christentums.
[ 26 ] Im Johannes-Evangelium wird gewöhnlich übersehen, wie von der «Mutter Jesu» gesprochen wird. Wenn man den gewöhnlichen Durchschnittschristen fragen wird: Wer ist die Mutter Jesu? wird er antworten: Die Mutter Jesu ist Maria! Und mancher wird sogar glauben, daß im Johannes-Evangelium so etwas steht, wie daß die Mutter des Jesus Maria heißt. Nirgends steht im Johannes-Evangelium etwas davon, daß die Mutter Jesu «Maria» heißt. Es steht überall, wo davon die Rede ist, mit einer vollen Absichtlichkeit, deren Bedeutung wir kennenlernen werden, nur die «Mutter Jesu». Im Ka pitel der Hochzeit zu Kana heißt es: «Und die Mutter Jesu war da» (2, 1); und später wird gesagt: «Seine Mutter spricht zu den Dienern » (2, 5). Niemals der Name « Maria ». Und wo sie uns wieder entgegentritt, wo wir den Erlöser am Kreuze sehen, wird gesagt im Johannes-Evangelium:
[ 26 ] Im Johannes-Evangelium wird gewöhnlich übersehen, wie von der «Mutter Jesu» gesprochen wird. Wenn man den gewöhnlichen Durchschnittschristen fragen wird: Wer ist die Mutter Jesu? wird er antworten: Die Mutter Jesu ist Maria! Und mancher wird sogar glauben, daß im Johannes-Evangelium so etwas steht, wie daß die Mutter des Jesus Maria heißt. Nirgends steht im Johannes-Evangelium etwas davon, daß die Mutter Jesu «Maria» heißt. Es steht überall, wo davon die Rede ist, mit einer vollen Absichtlichkeit, deren Bedeutung wir kennenlernen werden, nur die «Mutter Jesu». Im Ka pitel der Hochzeit zu Kana heißt es: «Und die Mutter Jesu war da» (2, 1); und später wird gesagt: «Seine Mutter spricht zu den Dienern » (2, 5). Niemals der Name « Maria ». Und wo sie uns wieder entgegentritt, wo wir den Erlöser am Kreuze sehen, wird gesagt im Johannes-Evangelium:
«Es stand aber bei dem Kreuze Jesu seine Mutter und seiner Mutter Schwester, Maria, des Kleophas Weib, und Maria von Magdala.» (19, 25)
«Es stand aber bei dem Kreuze Jesu seine Mutter und seiner Mutter Schwester, Maria, des Kleophas Weib, und Maria von Magdala.» (19, 25)
[ 27 ] Klar und deutlich ist da gesagt, wer am Kreuze steht: Die Mutter war da, dann deren Schwester, die des Kleophas Weib war und Maria hieß, und die Maria von Magdala. Wenn jemand etwas nachdenkt, wird er sich sagen: Es ist doch sonderbar, daß die beiden Schwestern Maria heißen! Das ist heute nicht gebräuchlich. -— Und damals war es das auch nicht. Und da der Schreiber des Johannes-Evangeliums die Schwester Maria nennt, so ist es klar, daß die Mutter Jesu nicht Maria hieß. Im griechischen Worttext steht klar und deutlich: Unten stand «seine Mutter und seiner Mutter Schwester, die des Kleophas Weib war, Maria, und die Maria von Magdala.» - Da entsteht für eine würdige Auffassung die Frage: Wer ist die Mutter des Jesus? Und da streifen wir an eine der größten Fragen des Johannes-Evangeliums: Wer ist der eigentliche Vater des Jesus? Wer ist die Mutter?
[ 27 ] Klar und deutlich ist da gesagt, wer am Kreuze steht: Die Mutter war da, dann deren Schwester, die des Kleophas Weib war und Maria hieß, und die Maria von Magdala. Wenn jemand etwas nachdenkt, wird er sich sagen: Es ist doch sonderbar, daß die beiden Schwestern Maria heißen! Das ist heute nicht gebräuchlich. -— Und damals war es das auch nicht. Und da der Schreiber des Johannes-Evangeliums die Schwester Maria nennt, so ist es klar, daß die Mutter Jesu nicht Maria hieß. Im griechischen Worttext steht klar und deutlich: Unten stand «seine Mutter und seiner Mutter Schwester, die des Kleophas Weib war, Maria, und die Maria von Magdala.» - Da entsteht für eine würdige Auffassung die Frage: Wer ist die Mutter des Jesus? Und da streifen wir an eine der größten Fragen des Johannes-Evangeliums: Wer ist der eigentliche Vater des Jesus? Wer ist die Mutter?
[ 28 ] Wer ist der Vater? - Kann man denn überhaupt fragen? Nicht nur im Sinne des Johannes-Evangeliums, sondern im Sinne des LukasEvangeliums können Sie fragen. Denn es gehört eine besondere Gedankenlosigkeit dazu, nicht zu sehen, wie bei der Verkündigung gesagt wird:
[ 28 ] Wer ist der Vater? - Kann man denn überhaupt fragen? Nicht nur im Sinne des Johannes-Evangeliums, sondern im Sinne des LukasEvangeliums können Sie fragen. Denn es gehört eine besondere Gedankenlosigkeit dazu, nicht zu sehen, wie bei der Verkündigung gesagt wird:
«Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten, und das, was von dir geboren wird, wird Gottes Sohn heißen.» (Lukas 1, 35)
«Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten, und das, was von dir geboren wird, wird Gottes Sohn heißen.» (Lukas 1, 35)
[ 29 ] Selbst im Lukas-Evangelium wird darauf hingewiesen, daß der Vater des Jesus der Heilige Geist ist. Das ist buchstäblich aufzufassen, und diejenigen Theologen, die das nicht anerkennen, können das Evangelium eben nicht lesen. Und so müssen wir die große Frage hinstellen: Wie stehen mit alledem, was wir gehört haben, die Worte «Ich und der Vater sind eins», «Ich und der Vater Abraham sind eins», «Bevor Abraham war, war «Ich-bin>» in Einklang? Wie bringt man mit alledem die unleugbare Tatsache in Harmonie, daß die Evangelien in dem «Heiligen Geist» das Vater-Prinzip sehen? Und wie haben wir im Sinne des Johannes-Evangeliums über das MutterPrinzip zu denken?
[ 29 ] Selbst im Lukas-Evangelium wird darauf hingewiesen, daß der Vater des Jesus der Heilige Geist ist. Das ist buchstäblich aufzufassen, und diejenigen Theologen, die das nicht anerkennen, können das Evangelium eben nicht lesen. Und so müssen wir die große Frage hinstellen: Wie stehen mit alledem, was wir gehört haben, die Worte «Ich und der Vater sind eins», «Ich und der Vater Abraham sind eins», «Bevor Abraham war, war «Ich-bin>» in Einklang? Wie bringt man mit alledem die unleugbare Tatsache in Harmonie, daß die Evangelien in dem «Heiligen Geist» das Vater-Prinzip sehen? Und wie haben wir im Sinne des Johannes-Evangeliums über das MutterPrinzip zu denken?
[ 30 ] Damit Sie morgen recht vorbereitet kommen im Geiste mit der Formulierung dieser Fragen, soll außerdem noch hingewiesen werden darauf, daß im Lukas-Evangelium eine Art Generationenfolge gegeben wird, daß uns da gesagt wird, daß Jesus getauft wurde von Johannes, daß er anfing zu lehren im dreißigsten Jahre und daß gesagt wird, er sci der Sohn der Maria und «des Josef, der war ein Sohn Eli» und so weiter, und nun folgt die ganze Generationenreihe. Verfolgen Sie sie; Sie werden sehen, daß sie hinaufgeht bis zu Adam. Und dann folgt etwas ganz Eigentümliches, es stehen die Worte da: «der war Gottes.» (Lukas 3, 23-38)
[ 30 ] Damit Sie morgen recht vorbereitet kommen im Geiste mit der Formulierung dieser Fragen, soll außerdem noch hingewiesen werden darauf, daß im Lukas-Evangelium eine Art Generationenfolge gegeben wird, daß uns da gesagt wird, daß Jesus getauft wurde von Johannes, daß er anfing zu lehren im dreißigsten Jahre und daß gesagt wird, er sci der Sohn der Maria und «des Josef, der war ein Sohn Eli» und so weiter, und nun folgt die ganze Generationenreihe. Verfolgen Sie sie; Sie werden sehen, daß sie hinaufgeht bis zu Adam. Und dann folgt etwas ganz Eigentümliches, es stehen die Worte da: «der war Gottes.» (Lukas 3, 23-38)
[ 31 ] Genau ebenso wie hinaufgewiesen wird vom Sohn zum Vater, so wird von Adam zu Gott verwiesen im Lukas-Evangelium. Eine solche Stelle müssen wir ganz ernst nehmen! Dann haben wir ungefähr die Fragen zusammen, die uns morgen in das Zentrum des JohannesEvangeliums führen sollen.
[ 31 ] Genau ebenso wie hinaufgewiesen wird vom Sohn zum Vater, so wird von Adam zu Gott verwiesen im Lukas-Evangelium. Eine solche Stelle müssen wir ganz ernst nehmen! Dann haben wir ungefähr die Fragen zusammen, die uns morgen in das Zentrum des JohannesEvangeliums führen sollen.
