The Apocalypse of John
GA 104
18 June 1908, Nuremberg
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The Apocalypse of John, tr. SOL
Erster Vortrag
First Lecture
[ 1 ] Es wird uns nunmehr durch eine Reihe von Tagen ein sehr bedeutsames, sehr tiefes anthroposophisches Thema beschäftigen. Bevor wir an unsere Betrachtungen herangehen, lassen Sie mich die tiefste Befriedigung darüber aussprechen, daß wir vor Freunden aus so vielerlei Gegenden Deutschlands, ja Europas über dieses.tiefe und bedeutsame 'Thema hier Betrachtungen anstellen dürfen. Vor allen Dingen gilt es, diese Befriedigung auszusprechen unseren lieben Nürnberger Freunden, die ihrerseits gewiß nicht minder froh sein werden als derjenige, der zu ihnen spricht, hier in dieser Stadt durch eine verhältnismäßig längere Zeit anthroposophisches Leben gemeinsam mit den auswärtigen Freunden zu pflegen. Es ist ja gerade in dieser Stadt neben dem eifrigsten Streben nach Erkenntnis der großen geisteswissenschaftlichen Wahrheiten immer auch so sehr geltend gewesen und mit so tiefem Verständnis zur Darstellung gebracht worden, was anthroposophische Gesinnung, was wahrhaft anthroposophisches Leben ist, dieses anthroposophische Leben, das wir nur dann verstehen, wenn die geisteswissenschaftlichen Lehren uns nicht bloß etwas sind, was uns theoretisch beschäftigt, sondern wenn sie uns etwas werden, was unser eigenes Leben bis in die tiefsten Tiefen der Seele hinein durchgeistigt, durchfeuert, hebt, was uns aber auch in engeren Banden zusammenschlingt mit unseren Mitmenschen, mit der ganzen Welt. Es bedeutet viel für den Menschen, zu fühlen, daß alles, was uns äußerlich in der sinnlichen Welt, im sinnlich-sichtbaren Dasein entgegentritt, so erscheinen kann wie die äußere Physiognomie eines zugrunde liegenden unsichtbaren, übersinnlichen Daseins. Die Welt mit allem, was darinnen ist, wird ja schließlich dem, der die Anthroposophie ins Leben einführt, immer mehr und mehr ein physiognomischer Ausdruck des göttlich-geistig Wesenhaften, und wenn er die Welt des Sichtbaren um sich herum betrachtet, wird es ihm sein, wie wenn er von den Zügen eines Menschenantlitzes durchdringt zu dem Herzen, zu der Seele des Menschen. Gegenüber alledem, was äußerlich ihm entgegentritt in Bergen und Felsen, in dem Pflanzenkleid der Erde, in Tieren und Menschen, was ihm‘ entgegentritt in aller uns umgebenden Welt, in allen Beschäftigungen der Menschen, wird es ihm sein, als ob es ein physiognomischer Ausdruck, als ob es die Miene wäre eines zugrunde liegenden göttlich-geistigen Daseins. Und neues Leben ersprießt ihm aus all dieser Betrachtungsweise und durchdringt ihn, und eine andere, edle Art von Begeisterung befeuert das, was er unternehmen will.
[ 1 ] We shall now be dealing with a very significant and very profound anthroposophical theme over the next few days. Before we begin our reflections, let me express the deepest satisfaction that we are able to do so here, in front of friends from so many different parts of Germany and Europe, on this deep and meaningful 'topic'. Above all, we express our gratitude to our dear friends in Nuremberg, who are no less happy than the one who speaks to them, for maintaining anthroposophical life together with the friends from out of town for a relatively long time here in this city. In this city, in particular, alongside the most ardent striving for knowledge of the great spiritual-scientific truths, there has always been a strong and deeply felt sense of what an anthroposophical attitude and a truly anthroposophical life is. This anthroposophical life can only be understood if the spiritual-scientific teachings are not just something that occupies us theoretically, but when they become something that spiritualizes, enkindles and elevates our own life to the deepest depths of the soul, but which also entwines us more closely with our fellow human beings, with the whole world. It means a great deal for a person to feel that everything that confronts us externally in the sensual world, in the sensual-visible existence, can appear like the outer physiognomy of an underlying invisible, supersensible existence. For the one who introduces anthroposophy into his life, the world with all that is in it becomes more and more a physiognomic expression of divine-spiritual being. When he looks at the world of the visible around him, it is as if he penetrates from the features of a human face to the heart, to the soul of the human being. In the face of everything that confronts him externally in mountains and rocks, in the plant cover of the earth, in animals and people, in the face of everything that confronts him in all the world around us, in all the occupations of people, it will be as if it has a physiognomic expression, as if it were the expression of an underlying divine-spiritual existence. And from this new life springs up and permeates him, and another, noble kind of enthusiasm fires what he wants to undertake.
[ 2 ] Nur eines kleinen symptomatischen Beispiels meiner letzten Erfahrungen auf einer meiner Vortragsreisen lassen Sie mich gedenken. Das Beispiel, das ich Ihnen anführen will, zeigt, wie die Weltgeschichte, wenn man sie als Ausdruck des Göttlich-Geistigen betrachtet, überall bedeutsam erscheint, überall eine neue Sprache zu uns redet. Da konnte ich vor einigen Wochen in Skandinavien wahrnehmen, wie in dem ganzen Leben unseres europäischen Nordens alles noch einen Nachklang jenes alten Daseins der nordischen Welt verrät, wo alles Geistige durchsetzt war von dem Bewußtsein der Wesenheiten, die hinter den nordischen Göttergestalten der Mythe stehen. Man möchte sagen, daß in jenen Ländern aus allem, was einem entgegentritt, Nachklänge zu vernehmen sind dessen, was als das alte nordische Geistesleben die Eingeweihten der Druidenmysterien, der Drottenmysterien ihren Schülern mitteilten. Da wird man gewahr, wie der Zauberhauch jenes Geisteslebens den Norden durchsetzt, und man sieht etwas wie den Ausdruck schöner karmischer Zusammenhänge. Man sieht sich, wie mir das gestattet war in Uppsala, sozusagen mitten hineingestellt in alles das, wenn man vor sich hat die erste der germanischen Bibelübersetzungen, den Silbernen Kodex des Ulflas. Er ist hingekommen nach Uppsala wie durch karmische Verwickelungen eigener Art. Er war ja vorher in Prag. Im Schwedischen Krieg wurde er erbeutet und nach Uppsala gebracht, und da liegt er nun, ein Wahrzeichen für das, was den durchdringt, der ein bißchen tiefer hineinzublicken vermag in das alte Mysterienwesen. Es ist ja dieses Mysterienwesen, dieses Eindringen in die geistige Welt innerhalb der alten europäischen Kulturen durchsetzt und durchzogen von einem gemeinsamen merkwürdigen Zug, den tiefer spürten diejenigen, welche die Weihe erhalten haben in jenen alten Zeiten. Wie ein tragischer Zug ging es durch ihre Herzen, wenn ihnen klargemacht wurde, daß sie zwar hineinblicken könnten in die Geheimnisse des Daseins, daß aber in der Zukunft etwas kommen werde, das wie eine vollendete Rätsellösung erscheint. Immer und immer wieder wurden sie darauf hingewiesen, daß hereinstrahlen solle ein höheres Licht in jenes Wissen, das man in den alten Mysterien erkunden konnte. Man darf sagen, daß prophetisch hingewiesen wurde in allen diesen alten Mysterien auf das, was da kommen sollte in der Zukunft, auf die Erscheinung des Christus Jesus. Der Ton, die Gesinnung der Erwartung, die Stimmung der Prophetie lag in diesem nordischen Mysterienwesen.
[ 2 ] Let me recall just one small symptomatic example from my last experiences on one of my lecture tours. The example I want to give shows how world history, when viewed as an expression of the divine-spiritual, appears significant everywhere, speaking a new language to us everywhere. A few weeks ago in Scandinavia, I was able to perceive how everything in the whole life of our European North still betrays an echo of the ancient existence of the Nordic world, where all spiritual life was permeated by the consciousness of the beings that stand behind the Nordic figures of the gods in myth. One would like to say that in those countries, echoes of what the initiates of the Druid mysteries communicated to their disciples as the old Nordic spiritual life can be heard in everything that comes across. There one becomes aware of how the magical breath of that spiritual life permeates the Nordic world, and one sees something like the expression of beautiful karmic connections. One sees, as I was allowed to do in Uppsala, how one is placed in the midst of all this, when one has before one the first of the Germanic Bible translations, the Ulflas Codex. It came to Uppsala through a very special kind of karmic entanglement. It was previously in Prague. It was captured during the Swedish War and brought to Uppsala, and there it now lies, a symbol of what permeates the one who is able to look a little deeper into the ancient mystery being. This mystery-filled nature, this penetration into the spiritual world within the ancient European cultures is permeated and imbued with a common, strange trait, which those who received the initiation in those ancient times sensed more deeply. It went through their hearts like a tragic train when it was made clear to them that they could look into the secrets of existence, but that something would come in the future that would seem like a complete solution to the riddle. Over and over again they were pointed to the fact that a higher light should shine into that knowledge that one could explore in the old mysteries. It may be said that in all these old mysteries there were prophetic indications of what was to come in the future, of the appearance of Christ Jesus. The tone, the spirit of expectation, the mood of prophecy lay in this Nordic mystery being.
[ 3 ] Wir müssen solch einen Satz, wie ich ihn jetzt aussprechen werde, nicht zwängen und nicht drängen, nicht pressen und nicht zu scharf in Konturen denken. Er soll nur symptomatisch aussprechen, was als tiefere Wahrheit zugrunde liegt. Aber es ist in dem, was wie ein letztes Blatt geblieben ist aus den Traditionen der altgermanischen Mysterien, es ist in der Siegfriedsage etwas wie ein Hineingeheimnissen jener Gesinnung vorhanden. Wenn wir darauf hingewiesen werden, daß Siegfried wirklich der Repräsentant ist der altnordischen Einweihung, wenn wir hingewiesen werden darauf, daß an der Stelle, wo er verwundbar ist, ein Blatt liegt, daß diese Stelle am Rücken sich befindet, dann fühlt der, der so etwas symptomatisch zu fühlen vermag: Das ist die Stelle, wo etwas anderes liegen wird beim Menschen, wenn jene Verwundung ihn nicht mehr treffen kann, die die Eingeweihten der altnordischen Mysterien noch erleiden konnten. — Die Stelle soll zuhüllen das Kreuz. Da soll es liegen, das Kreuz des Christus Jesus; da lag es noch nicht beim Eingeweihten der altnordischen Mysterien. Darauf wird hingedeutet in den alten Mysterien der germanischen Völker in der Siegfriedsage. Und so wird selbst da noch symptomatisch angedeutet, wie zusammenstimmend gedacht werden sollen die alten Einweihungen der Druiden, der Drotten, mit den Mysterien des Christentums. Daran erinnert wie ein physiognomischer Ausdruck dieses Hingestelltsein der ersten germanischen Bibelübersetzung in die nordische Welt hinein. Und daß es wie eine karmische Verkettung ist, das mag Ihnen noch der Umstand wiederum symbolisieren, daß einstmals elf Blätter aus diesem Silbernen Kodex gestohlen worden sind, und daß der spätere Besitzer derselben solche Gewissensbisse empfunden hat, daß er diese elf Blätter nicht behalten wollte, sondern sie wiederum zurückgab. Wie gesagt, man soll solche Dinge nicht pressen und drängen, sondern sie als bildliche Darstellungen auffassen jener karmischen Verwickelungen, die sich physiognomisch zum Ausdruck bringen in dem Hineingestelltsein der ersten germanischen Bibelübersetzung in die nordische Welt. Und wie hier dieses Ereignis der Geschichte, so wird uns alles, was uns im Leben entgegentritt, Großes und Kleines, vertieft und mit einem neuen Licht durchstrahlt durch die anthroposophische Gesinnung, die sich darin bekundet, daß man in allem physisch Wahrnehmbaren den physiognomischen Ausdruck eines Übersinnlich-Geistigen erblickt.
[ 3 ] We must not force or push such a sentence as I am about to utter, nor press it into too sharp a contour. It should only express symptomatically what lies at the basis as a deeper truth. But there is something in the saga of Siegfried, in what remains of the traditions of the old Germanic mysteries, something like a secretive sense of that attitude. When we are pointed to the fact that Siegfried is truly the representative of the ancient Nordic initiation, when we are pointed to the fact that where he is vulnerable there lies a leaf, that this point is on his back, then he who is able to feel such things symptomatically feels: This is the place where something else will lie in the human being when that wound, which the initiates of the ancient Nordic mysteries could still suffer, can no longer affect him. — The place is to be covered by the cross. There it shall lie, the cross of Christ Jesus; there it did not yet lie with the initiate of the ancient Nordic mysteries. This is indicated in the old mysteries of the Germanic peoples in the Siegfried saga. And so it is even there still symptomatically hinted at how the old initiations of the Druids, the Drotten, are to be thought of in harmony with the mysteries of Christianity. This is reminiscent of the way in which the first Germanic Bible translation was placed in the Nordic world like a physiognomic expression. And the fact that it is like a karmic chain may be symbolized to you by the circumstance that once eleven leaves were stolen from this Silver Codex, and that the later owner of the same felt such pangs of conscience that he did not want to keep these eleven leaves, but returned them. As I said, we should not press and push such things, but take them as pictorial representations of those karmic complications that find expression in the physiognomy of the first Germanic translation of the Bible in the Nordic world. And as here this event of history, so everything that comes our way in life, great and small, is deepened and illuminated with a new light through the anthroposophical attitude, which manifests itself in the fact that we see in everything physically perceptible the physiognomic expression of a supersensible spiritual reality.
[ 4 ] Daß es sich so verhält, diese Überzeugung möge uns durchdringen gerade während dieses Kursus. Und aus solch einer Überzeugung heraus mag der Geist, mögen die Gefühle strömen, die während der zwölf apokalyptischen Vorträge in unsere Seele fließen, die unsere Herzen durchdringen sollen. Innerhalb dieser Gesinnung wollen wir an diesen Kursus herantreten, der das tiefste Dokument des Christentums, die Apokalypse des Johannes, zum Anknüpfungspunkte nimmt, weil an dieses Dokument die tiefsten Wahrheiten des Christentums wirklich zwanglos angeschlossen werden können. Denn es ist nichts Geringeres in diesem Dokument enthalten als ein großer Teil der Mysterien des Christentums, es ist darin enthalten das Tiefste von dem, was wir als das esoterische Christentum zu bezeichnen haben. Kein Wunder daher, daß von allen christlichen Dokumenten auch gerade dieses Dokument am allermeisten mißverstanden worden ist. Es ist fast vom Anbeginn der christlichen Geistesströmung an mißverstanden worden von allen denen, die nicht zu den eigentlichen christlichen Eingeweihten gehörten. Und es ist mißverstanden worden in den verschiedensten Zeiten immer in dem Sinne, in dem Stile, wie diese verschiedenen Zeiten gedacht und gesonnen haben. Mißverstanden ist es worden von den Zeiten, die, man darf sagen, spirituell-materialistisch gedacht haben, von den Zeiten, die große Religionsströmungen hineingezwängt haben in einseitiges fanatisches Parteigetriebe, und es ist mißverstanden worden in der neueren Zeit von denjenigen, welche im groben, im sinnlichsten Materialismus glaubten die Rätsel der Welt lösen zu können.
[ 4 ] May we be imbued with the conviction that this is the case during this course. And from such a conviction may the spirit and the feelings flow that are to flow into our soul and penetrate our hearts during the twelve apocalyptic lectures. It is within this spirit that we want to approach this course, which takes the deepest document of Christianity, the Apocalypse of John, as its starting point, because it is to this document that the deepest truths of Christianity can truly be connected in a casual way. For this document contains nothing less than a large part of the mysteries of Christianity; it contains the deepest part of what we have to describe as esoteric Christianity. It is therefore no wonder that of all Christian documents, this one in particular has been most misunderstood. From almost the very beginning of the Christian spiritual movement, it has been misunderstood by all those who did not belong to the actual Christian initiates. And it has been misunderstood in the most diverse periods, always in the sense and style in which these different periods thought and were minded. It has been misunderstood by those times which, one may say, thought in a spiritual-materialistic way, by those times which great religious movements have forced into one-sided fanatical party politics, and it has been misunderstood in more recent times by those who, in gross, most sensual materialism, believed they could solve the riddles of the world.
[ 5 ] Die hohen geistigen Wahrheiten, die im Ausgangspunkte des Christentums verkündet worden sind und zu deren Anschauung diejenigen gebracht wurden, die sie verstehen konnten, sie liegen angedeutet, soweit das in einer Schrift geschehen kann, in der Apokalypse des Johannes, in der sogenannten kanonischen Apokalypse. Aber schon in den ersten Zeiten des Christentums waren die Exoteriker wenig geeignet, das tief Spirituelle, das gemeint ist im esoterischen Christentum, zu verstehen. Und so trat denn in den allerersten Zeiten des Christentums in der Exoterik die Anschauung auf, daß sich Dinge, die sich zunächst für die Weltentwickelung abspielen im Geistig-Spirituellen, die erkennbar und erschaubar sind für den, der hineinschauen kann in die geistigen Welten, daß sich solche rein spirituellen Vorgänge äußerlich in dem materiellen Kulturleben abspielen sollten. Und so kam es, daß, während der Schreiber der Apokalypse die Ergebnisse seiner Einweihung, seiner christlichen Initiation darin zum Ausdrucke brachte, die anderen sie nur exoterisch verstanden und der Meinung waren, daß sich das, was der große Seher geschaut und wovon der Eingeweihte weiß, daß es sich in Jahrtausenden spirituell erkennbar abspielt, in der allernächsten Zeit abspielen müsse im äußerlich sinnlich-sichtbaren Leben. So kam denn die Anschauung zustande, als ob für die sinnlich nächste Zeit der Schreiber etwas gemeint hätte wie ein in den sinnlich-physischen Wolken stattfindendes Herabkommen, Wiederkommen des Christus Jesus. Als das nicht eintrat, da verlängerte man einfach die Frist und sagte: Nun ja, es hat für die Erde mit der Erscheinung des Christus Jesus eine neue Zeit begonnen gegenüber dem, was als alte Religiosität da war. Aber es wird — und jetzt faßte man das wiederum sinnlich auf — tausend Jahre dauern, da werden sich die nächsten Ereignisse physisch-sinnlich vollziehen, die in der Apokalypse dargestellt sind. — So kam es, daß tatsächlich, als hereinzog das Jahr 1000, viele Leute auf das Herankommen irgendeiner dem Christentum feindlichen Macht warteten, auf einen Antichrist, der in der sinnlichen Welt auftreten sollte. Und als das wiederum nicht eintrat, da wurde sozusagen eine neue Fristverlängerung angesetzt, zu gleicher Zeit aber die ganze Vorhersagung der Apokalypse in eine gewisse Symbolik hinaufgerückt, während man sich bei den groben Exoterikern diese Vorhersagung ziemlich greifbar vorgestellt hatte. Mit dem Heraufrücken einer materialistischen Weltanschauung kam man für diese Dinge in eine gewisse Symbolik hinein. Man sah in den äußeren Ereignissen symbolische Andeutungen.
[ 5 ] The high spiritual truths that were proclaimed at the starting point of Christianity and that were brought to the vision of those who could understand them, are hinted at, as far as this can be done in a writing, in the Apocalypse of John, in the so-called canonical Apocalypse. But already in the early days of Christianity, the exoteric were little suited to understand the deep spiritual that is meant in esoteric Christianity. And so it came about in the very earliest times of Christianity in the exoteric that things which take place in the spiritual for the development of the world, which are recognizable and visible to those who can see into the spiritual worlds, that such purely spiritual processes should take place outwardly in the material cultural life. And so it came about that while the writer of the Apocalypse expressed the results of his initiation, his Christian initiation, in it, the others understood it only exoterically and were of the opinion that what the great seer had seen and what the initiate knows, that it takes place spiritually recognizable in millennia, must take place in the very near future in the outwardly sensual-visible life. Thus the view arose that the scribe meant something like a descent of Christ Jesus taking place in the physical clouds in the near future. When that did not occur, the deadline was simply extended and it was said that, with the appearance of Christ Jesus, a new era had begun for the earth in contrast to the old religiosity. But it will take a thousand years – and now this was again understood in a sensual way – and the next events, which are described in the Apocalypse, will take place in a physical and sensual way. So it came about that when the year 1000 arrived, many people were waiting for the approach of some power hostile to Christianity, an Antichrist who was supposed to appear in the sensual world. And when that did not happen either, a new extension was set, so to speak, but at the same time the whole prediction of the Apocalypse was elevated to a certain symbolism, whereas the crude exoteric had imagined this prediction to be quite tangible. With the rise of a materialistic world view, these things were elevated to a certain symbolism. Symbolic hints were seen in external events.
[ 6 ] So kam herauf im zwölften Jahrhundert der Mann, der anfangs des dreizehnten Jahrhunderts starb, Joachim von Floris, der eine denkwürdige Erklärung dieser geheimnisvollen Urkunde des Christentums gab. Er war nämlich der Ansicht, daß im Christentum eine tiefe spirituelle Macht ruhe, daß diese Macht immer mehr und mehr zur Ausbreitung kommen müsse, daß aber das äußere Christentum immer dieses esoterische Christentum veräußerlicht habe. Und so kam bei manchem die Anschauung dieses Mannes zur Geltung, wonach in der Papstkirche, in dieser Veräußerlichung der Spiritualität des Christentums, etwas Antichristliches, etwas Feindliches zu suchen sei. Und besonders genährt wurde in den nächsten Jahrhunderten diese Anschauung dadurch, daß auf den Spiritualismus des Christentums, auf das gemütlich-geistige Element bei gewissen Orden ein hoher Wert gelegt worden ist. So fand Joachim von Floris Anhänger innerhalb der Kreise der Franziskaner, die im Papste etwas wie die Symbolisierung des Antichrist sahen. Dann ging in der Zeit des Protestantismus diese Anschauung auf diejenigen über, die in der Römischen Kirche eine Abtrünnige des Christentums sahen, die innerhalb des Protestantismus die Rettung des Christentums erblickten. Sie sahen erst recht im Papst das Symbolum des Antichrists, und der Papst zahlte es dadurch heim, daß er wiederum in Luther den Antichrist sah.
[ 6 ] Thus, in the twelfth century, the man who died at the beginning of the thirteenth century, Joachim of Floris, came up with a remarkable explanation of this mysterious document of Christianity. He was of the opinion that there is a deep spiritual power in Christianity, that this power must come more and more to the fore, but that external Christianity has always externalized this esoteric Christianity. And so, in the view of many, this man's view came into its own, according to which something anti-Christian, something hostile, was to be sought in the papal church, in this externalization of the spirituality of Christianity. And in the following centuries this view was particularly nourished by the fact that great importance was attached to the spiritualism of Christianity, to the cozy spiritual element in certain religious orders. Thus Joachim of Floris found adherents within the Franciscan circles who saw in the Pope something like the symbolization of the Antichrist. Then, in the age of Protestantism, this view was adopted by those who saw in the Roman Church an apostate from Christianity and who saw salvation in Protestantism. They saw the Pope all the more as the symbol of the Antichrist, and the Pope got even by seeing the Antichrist in Luther.
[ 7 ] So verstand man die Apokalypse in einer Weise, daß jede Partei sie in den Dienst ihrer eigenen Anschauung, ihrer eigenen Meinung rückte. Die andere Partei war immer der Antichrist, und diejenige, der man selbst angehörte, identifizierte man mit dem wahren Christentum. Das ging herauf bis in die neuere Zeit, wo der moderne Materialismus kam, mit dem sich an Grobheit selbst jener Materialismus nicht vergleichen läßt, den ich Ihnen für die ersten Jahrhunderte des Christentums geschildert habe. Denn damals bestand noch ein spiritueller Glaube, eine gewisse spirituelle Auffassung. Die Menschen konnten es nur nicht verstehen, weil sie keine Eingeweihten unter sich hatten. Es war ein gewisser spiritueller Sinn da, denn wenn man sich auch grobsinnlich vorstellte, daß sich ein Wesen in einer Wolke herabsenken würde, so gehörte doch dazu ein spiritueller Glaube. Ein solches spirituelles Leben war bei dem groben Materialismus des neunzehnten Jahrhunderts nicht mehr möglich. Die Gedanken, die sich so ein rechter Materialist des neunzehnten Jahrhunderts von der Apokalypse macht, kann man etwa so charakterisieren: In die Zukunft sehen kann kein Mensch, denn ich selbst kann es nicht. Etwas anderes, als was ich sehe, kann ein anderer auch nicht sehen. Davon zu reden, daß es Eingeweihte gibt, das ist ein alter Aberglaube. So etwas gibt es nicht. Also gilt als Norm das, was ich weiß. Ich sehe kaum das, was in den nächsten zehn Jahren geschieht, also kann kein Mensch etwas darüber aussagen, was über Jahrtausende geschehen soll. Folglich muß der, der die Apokalypse geschrieben hat, wenn er überhaupt als ehrlicher Mensch genommen werden will, etwas gemeint haben, was er schon gesehen hat, denn ich weiß auch nur von dem, was sich schon abgespielt hat und was durch Dokumente vermittelt ist. Also konnte auch der Schreiber der Apokalypse nichts anderes sehen. Was kann er demnach erzählen? Nur das, was bis zu ihm geschehen war. Folglich ist es selbstverständlich, daß man in den Ereignissen der Apokalypse, in den Konflikten zwischen der guten, der weisen, der schönen Welt und der häßlichen, der törichten, der bösen Welt, daß man in jenem dramatischen Gegenüberstellen nichts anderes zu sehen hat als etwas, was der Mann selbst erlebt hat, was schon geschehen war. — So spricht der moderne Materialist. Er meint: Der Apokalyptiker schildert so, wie ich schildere.
[ 7 ] Thus, the Apocalypse was understood in such a way that each party used it to support their own views and opinions. The other party was always the Antichrist, and the party to which one belonged was identified with true Christianity. This continued until modern times, when modern materialism arose, which cannot be compared, even in its crudity, to the materialism I have described to you for the first centuries of Christianity. For in those days there was still a spiritual belief, a certain spiritual conception. People just could not understand it because they had no initiates among them. There was a certain spiritual sense, because even if people imagined in a grossly sensual way that a being would descend in a cloud, it still required a spiritual belief. Such a spiritual life was no longer possible with the crude materialism of the nineteenth century. The thoughts that a true materialist of the nineteenth century had about the apocalypse can be characterized something like this: No man can see into the future, for I myself cannot. Another cannot see anything other than what I see. To talk about there being initiates is an old superstition. There is no such thing. So what I know is considered the norm. I can hardly see what will happen in the next ten years, so no man can say anything about what is to happen over millennia. Consequently, if the writer of the Apocalypse wants to be taken as an honest person at all, he must have meant something that he had already seen, because I only know about what has already happened and what is conveyed through documents. So the writer of the Apocalypse could not see anything else either. What can he therefore tell? Only what had happened up to his time. Consequently, it is self-evident that in the events of the Apocalypse, in the conflicts between the good, wise, and beautiful world and the ugly, foolish, and evil world, that in that dramatic confrontation one has nothing to see but something that the man himself experienced, that had already happened. — Thus speaks the modern materialist. He means: the apocalyptic describes things as I describe them.
[ 8 ] Was war denn ungefähr das Schrecklichste für einen Christen der ersten Jahrhunderte? Dieses Schrecklichste mußte für ihn sein das Tier, das sich aufbäumt gegen die geistige Macht des Christentums, gegen das wahre Christentum. Unglückseligerweise haben nun einige Menschen die Glocken etwas läuten hören, haben aber nicht verspürt das richtige Zusammenschlagen.
[ 8 ] What was the most terrible thing for a Christian in the first centuries? This most terrible thing had to be the beast that rears up against the spiritual power of Christianity, against true Christianity. Unfortunately, some people have now heard the bells ringing a little, but have not felt the real clash.
[ 9 ] Innerhalb gewisser esoterischer Schulen hatte man eine Art von Zahlenschrift. Gewisse Worte, die man nicht in gewöhnlicher Schrift mitteilen wollte, brachte man durch Zahlen zum Ausdrucke. Und es war ja, wie vieles andere, so auch etwas von den tiefen Geheimnissen der Apokalypse in Zahlen hineingeheimnißt, besonders jenes dramatische Ereignis in die Zahl 666. Man wußte, daß man Zahlen in besonderer Weise zu behandeln hat, namentlich aber, wenn so gründlich darauf hingewiesen wird wie mit den Worten: «Hier ist Weisheit.» «Die Zahl des Tieres ist 666.» Bei solchen Hinweisen wußte man, daß man für Zahlen gewisse Buchstaben einzusetzen hat, um zu wissen, was gemeint ist. Diejenigen nun, die etwas gehört hatten und doch nichts wirklich wußten, haben in ihrer materialistischen Anschauung herausgekriegt, daß, wenn man statt der Zahl 666 Buchstaben einsetzt, das Wort «Nero» oder «Caesar Nero» herauskommt. Und heute können Sie in einem großen Teil der Literatur, die sich mit der Enthüllung der Apokalypse befaßt, lesen: Da waren früher die Leute so töricht, daß sie alles mögliche in diese Stelle hineingeheimnißt haben, aber jetzt ist das ein gelöstes Problem. Jetzt wissen wir, daß nichts anderes gemeint ist als Nero, «Caesar Nero», und es ist klar, daß die Apokalypse zu einer Zeit geschrieben worden ist, als Nero schon gelebt hatte, und daß der Schreiber mit all dem hat sagen wollen, daß in Nero der Antichrist aufgetreten sei; daß also das, was in diesem dramatischen Element liegt, eine Steigerung vorhergehender Elemente ist. Nun darf man nur nachforschen, was unmittelbar vorher geschehen ist. Dann kommt man darauf, was der Apokalyptiker hat schildern wollen. Es wird berichtet, daß in Kleinasien Erdbeben stattgefunden haben, als der Kampf zwischen Nero und dem Christentum wütete. Also sind das die Erdbeben, die der Apokalyptiker erwähnt bei der Eröffnung der Siegel und beim Ertönen der Posaunen. Er spricht auch von Heuschreckenplagen. Richtig, es wird ja mitgeteilt, daß zur Zeit der Christenverfolgung durch Nero auch Heuschreckenplagen auftraten. Also erzählt er von diesen. — So hat es das neunzehnte Jahrhundert dahin gebracht, das tiefste Dokument des Christentums zu vermaterialisieren, darin nichts zu sehen als die Schilderung dessen, was man eben durch die materialistische Betrachtung der Welt finden kann. Das sollte nur gesagt werden, um anzudeuten, wie gründlich gerade dieses tiefste, bedeutsamste Dokument des esoterischen Christentums mißverstanden worden ist.
[ 9 ] Within certain esoteric schools, there was a kind of numerical writing. Certain words that one did not want to communicate in ordinary writing were expressed in numbers. And, like many other things, something of the deep secrets of the Apocalypse was also mystified into numbers, especially that dramatic event into the number 666. It was known that numbers had to be treated in a special way, especially when it was pointed out so thoroughly as with the words: “Here is wisdom.” “The number of the beast is 666.” With such references, one knew that certain letters had to be substituted for numbers in order to know what was meant. Those who had heard something but really knew nothing, in their materialistic view, figured out that if you substitute the letter 'N' for the number 666, you get the word 'Nero' or 'Caesar Nero'. And today you can read in a large part of the literature that deals with the unveiling of the Apocalypse: “In the past, people were so foolish that they read all kinds of things into this passage, but now it is a solved problem. Now we know that nothing else is meant than Nero, “Caesar Nero”, and it is clear that the Apocalypse was written at a time when Nero had already lived, and that the writer wanted to say with all this that Nero was the Antichrist; that therefore what lies in this dramatic element is an intensification of previous elements. Now one must only investigate what happened immediately before. Then one comes to understand what the apocalypticist wanted to describe. It is reported that earthquakes occurred in Asia Minor when the battle between Nero and Christianity raged. So these are the earthquakes that the apocalypticist mentions at the opening of the seals and at the sound of the trumpets. He also speaks of plagues of locusts. That's right, it is stated that during the time of Nero's persecution of Christians, there were also plagues of locusts. So he talks about those. — So the nineteenth century managed to reduce the most profound document of Christianity to a material description of what can be found through the materialistic view of the world. This should only be said to indicate how thoroughly this most profound and significant document of esoteric Christianity has been misunderstood.
[ 10 ] Und nunmehr wollen wir alles, was über das Historische der Apokalypse zu sagen ist, uns für die Zeit aufsparen, wo wir das, was in der Apokalypse liegt, begriffen haben, das heißt, wir wollen es auf die letzten Vorträge verschieben. Für den, der sich schon ein wenig in die Anthroposophie hineingefunden hat, kann es keinen Zweifel darüber geben, daß schon mit den Einleitungsworten der Apokalypse darauf hingewiesen wird, was sie sein soll. Wir brauchen uns nur zu erinnern, daß es heißt: Der, von dem der Inhalt der Apokalypse herrührt, ist hinversetzt worden in eine InselEinsamkeit, die von jeher mit einer Art heiliger Atmosphäre durchdrungen war, an eine Stätte alter Mysterienkultur. Und wenn uns gesagt wird, daß derselbe, der den Inhalt der Apokalypse gibt, im Geiste war und daß er das, was er gibt, im Geiste wahrgenommen hat, so mag uns das zunächst ein Hinweis darauf sein, daß der Inhalt der Apokalypse einem höheren Bewußtseinszustand entstammt, den der Mensch durch die Entwickelung der inneren Seelenschöpfungsfähigkeit erreicht, durch die Einweihung. Was man nicht innerhalb der Sinneswelt sehen und hören kann, nicht mit äußeren Sinnen wahrnehmen kann, ist in der Weise, wie es durch das Christentum der Welt mitgeteilt werden konnte, in der sogenannten geheimen Offenbarung des Johannes enthalten. Also die Schilderung einer Einweihung, einer christlichen Einweihung haben wir in der Apokalypse des Johannes vor uns. Wir brauchen uns nur einmal, man möchte sagen, flüchtig vor die Seele zu rufen, was Einweihung ist. Wir werden ja immer tiefer eindringen in dieses Thema, in die Frage: Was geht innerhalb der Einweihung vor? — und immer tiefer werden wir die Frage behandeln: Wie verhält sich Einweihung zu dem Inhalt der Apokalypse? — Aber wir werden zunächst etwas wie eine Kohlenzeichnung in groben Strichen hinstellen, und dann erst werden wir an die Ausmalung der Einzelheiten gehen.
[ 10 ] And now we will save everything that needs to be said about the historical nature of the Apocalypse for the time when we have grasped what lies in the Apocalypse, that is, we will postpone it until the last lectures. For anyone who has already familiarized themselves a little with anthroposophy, there can be no doubt that the introductory words of the Apocalypse already point to what it is meant to be. We need only remember that it says: “The one from whom the content of the Apocalypse originates has been transported to an island solitude, which has always been imbued with a kind of sacred atmosphere, to a place of ancient mystery culture. And when we are told that the same one who gives the content of the apocalypse was in the spirit and that he perceived what he gives in the spirit, this may initially be an indication to us that the content of the apocalypse comes from a higher state of consciousness, which man reaches through the development of the soul's ability to create, through initiation. What cannot be seen and heard within the world of the senses, what cannot be perceived with the outer senses, is contained in the way in which it could be communicated to the world through Christianity, in the so-called secret revelation of John. Thus, in the Apocalypse of John, we have before us the description of an initiation, a Christian initiation. We need only briefly recall what initiation is. We will delve deeper and deeper into this topic, into the question: What takes place during initiation? — and we will address the question: how does initiation relate to the content of the Apocalypse? — But first we will sketch something in rough strokes, and only then will we go on to paint the details.
[ 11 ] Einweihung ist Entwickelung der in jeder Seele schlummernden Kräfte und Fähigkeiten. Will man sich ein Bild davon machen, wie sie im Realen vor sich geht, dann muß man vor allen Dingen sich klar vor Augen stellen, wie das Bewußtsein des heutigen normalen Menschen ist; dann wird man auch erkennen, wie das Bewußtsein des Eingeweihten sich unterscheidet von dem des heutigen Menschen. Wie ist denn das Bewußtsein des normalen heutigen Menschen? Es ist ein wechselndes. Zwei ganz verschiedene Bewußtseinszustände wechseln miteinander ab, der im Tagwachen und der im nächtlichen Schlaf. Das Bewußtsein, das wir im Tagwachen haben, besteht darin, daß wir um uns herum die sinnlichen Gegenstände wahrnehmen und sie verknüpfen durch Begriffe, die auch nur durch ein sinnliches Werkzeug gebildet werden können, durch das menschliche Gehirn. Dann tritt jede Nacht heraus aus den niedrigsten Gliedern der menschlichen Wesenheit, aus dem physischen und Ätherleib, der astralische Leib und das Ich, und damit versinken für das Bewußtsein des heutigen Menschen die sinnlichen Gegenstände um ihn herum in Dunkelheit, und nicht nur diese, denn bis zum Wiederaufwachen ist, was man völlige Bewußtlosigkeit nennt, vorhanden. Finsternis breitet sich aus um den Menschen. Denn der astralische Leib des Menschen ist heute im normalen Zustande so organisiert, daß er für sich selber nicht wahrzunehmen vermag, was in seiner Umgebung ist. Er muß Instrumente haben. Diese Instrumente sind die physischen Sinne. Daher muß er morgens untertauchen in den physischen Leib und sich der sinnlichen Werkzeuge bedienen. Warum sieht der astralische Leib nichts, wenn er während des Nachtschlafes in der Geistwelt ist? Warum nimmt er nicht wahr? Aus demselben Grunde, warum ein physischer Leib, in dem kein Auge und kein Ohr wäre, nicht physische Farben und physische Töne wahrnehmen könnte. Der astralische Leib hat keine Organe zum Wahrnehmen in der astralischen Welt. Der physische Leib war in grauer Vorzeit in derselben Lage. Er hatte auch das noch nicht, was später plastisch in ihn hineingearbeitet worden ist als Ohr und Auge. Die äußeren Elemente und Kräfte meißelten ihn aus, bildeten ihm die Augen und die Ohren, und damit wurde diese Welt für ihn offenbar, die vorher für ihn auch geheim war. Denken wir uns einmal, es könnte der astralische Leib, der heute in derselben Lage ist wie der physische Leib früher, so behandelt werden, daß man ihm Organe eingliederte in der Weise, wie das Sonnenlicht die physischen Augen, wie die tonvolle Welt die physischen Ohren plastisch hineingearbeitet hat in die weiche Masse des physischen Menschenleibes. Denken wir uns, in die plastische Masse des Astralleibes könnte man Organe hineinarbeiten, dann würde der astralische Leib in dieselbe Lage kommen wie der heutige physische Leib. Darum handelt es sich, daß man in diesen astralischen Leib hineinarbeitet wie ein Plastiker, der den Ton formt, die Wahrnehmungsorgane für die übersinnliche Welt. Das muß das erste sein. Wenn der Mensch sehend werden will, muß sein astralischer Leib so behandelt werden wie eine Tonmasse von dem Bildhauer: Man muß Organe hineinarbeiten. Das war in der Tat jederzeit das, was in den Einweihungsschulen und in den Mysterien getan wurde. In den astralischen Leib wurden plastisch die Organe hineingearbeitet.
[ 11 ] Initiation is the development of the forces and abilities slumbering in every soul. If one wishes to form a picture of how this takes place in reality, then one must, above all, clearly visualize what the consciousness of the modern man is like; then one will also recognize how the consciousness of the initiate differs from that of the modern man. What then is the consciousness of the modern man like? It is a changing one. Two very different states of consciousness alternate with each other: one during waking hours and one during nightly sleep. The consciousness we have in waking hours consists of perceiving sensual objects around us and linking them through concepts, which can only be formed by a sensual tool: the human brain. Then every night the astral body and the ego emerge from the lowest links of the human being, from the physical and etheric bodies, and with that, for the consciousness of today's human being, the sensory objects around him sink into darkness, and not only that, because until the reawakening, what is called complete unconsciousness is present. Darkness spreads around the human being. For the astral body of man today is organized in the normal state so that he is unable to perceive for himself what is in his environment. He needs instruments. These instruments are the physical senses. Therefore, in the morning, he must descend into the physical body and make use of the sensory tools. Why does the astral body see nothing when it is in the spiritual world during the night's sleep? Why does it not perceive? For the same reason that a physical body, in which there is no eye or ear, could not perceive physical colors and physical sounds. The astral body has no organs for perception in the astral world. The physical body was in the same situation in the dim and distant past. It did not yet have what was later worked into it in a plastic way as ear and eye. The external elements and forces chiseled it out, formed eyes and ears for it, and thus this world became manifest to it, which was also secret for it before. Let us imagine that the astral body, which is today in the same position as the physical body used to be, could be treated in such a way that organs could be incorporated into it in the same way that sunlight has plastically worked the physical eyes, and the world of sound the physical ears, into the soft mass of the physical human body. If we imagine that organs could be worked into the plastic mass of the astral body, then the astral body would be in the same position as the present physical body. That is why it is important to work into this astral body, like a sculptor molding clay, the organs of perception for the supersensible world. That must be the first step. If man wants to become seeing, his astral body must be treated like a mass of clay by the sculptor: organs must be worked into it. This was in fact what was done at all times in the schools of initiation and in the mysteries. The organs were worked plastically into the astral body.
[ 12 ] Worin besteht nun die Tätigkeit, durch welche in den astralischen Leib plastisch hineingearbeitet werden die Organe? Es könnte jemand auf den Gedanken kommen, man müsse doch diesen Leib erst vor sich haben, bevor man die Organe in ihn hineinarbeiten kann. Man könnte sagen: Wenn ich den astralischen Leib herausnehmen und vor mir haben könnte, dann könnte ich die Organe hineinarbeiten. — Das wäre nicht der richtige Weg, und das ist vor allen Dingen nicht der Weg der modernen Einweihung. Gewiß, ein Eingeweihter, der imstande ist, in den geistigen Welten zu leben, könnte, wenn in der Nacht der astralische Leib draußen ist, wie ein Bildhauer hineinarbeiten die Organe. Aber das hieße mit dem Menschen etwas vornehmen, wovon er selbst nichts weiß, das hieße in seine Freiheitssphäre eingreifen, mit Ausschließung seines Bewußtseins. Wir werden sehen, warum das schon seit längerer Zeit und insbesondere in der heutigen Zeit niemals geschehen darf. Deshalb mußte auch schon in solchen esoterischen Schulen wie in der pythagoräischen oder altägyptischen Schule alles vermieden werden, wodurch die Eingeweihten etwa von außen gearbeitet hätten an dem astralischen Leib, der aus dem physischen und Ätherleibe des Einzuweihenden herausgenommen war. Das mußte schon beim ersten Angreifen der Sache wegbleiben. Es mußte eben der erste Schritt zur Einweihung unternommen werden am Menschen in der ganz gewöhnlichen physischen Welt, in derselben Welt, wo der Mensch mit seinen physischen Sinnen wahrnimmt. Aber wie das machen, da ja doch gerade das physische Wahrnehmen, als es in der Erdenevolution eintrat, einen Schleier über die geistige Welt gezogen hat, die der Mensch früher, wenn auch bei dumpfem Bewußtsein, hat wahrnehmen können, wie also von der physischen Welt aus auf den astralischen Leib wirken?
[ 12 ] What then is the activity by which the organs are plastically worked into the astral body? It might occur to someone that one must first have this body before one can work the organs into it. One could say: If I could take out the astral body and have it before me, then I could work the organs into it. — That would not be the right way, and above all, it is not the way of modern initiation. Of course, an initiate who is able to live in the spiritual worlds could, when the astral body is outside at night, work in the organs like a sculptor. But that would mean undertaking something with the human being of which he himself knows nothing; it would mean interfering with his sphere of freedom, excluding his consciousness. We shall see why this must never be done, and this for a long time and especially in modern times. Therefore, even in such esoteric schools as the Pythagorean or ancient Egyptian, everything had to be avoided that might have caused the initiates to work from the outside on the astral body, which was taken out of the physical and etheric bodies of the person to be initiated. This had to be avoided from the very first approach to the subject. The first step towards initiation had to be taken in the human being in the quite ordinary physical world, in the same world in which the human being perceives with his physical senses. But how to do that, since it was precisely physical perception, when it entered into earthly evolution, that drew a veil over the spiritual world, which man could perceive earlier, even if only in a dull consciousness. So how to act from the physical world on the astral body?
[ 13 ] Da müssen wir uns vor die Seele führen, wie es ist mit diesem gewöhnlichen sinnlichen Wahrnehmen des Tages. Was geschieht denn, während der Mensch tagsüber wahrnimmt? Denken Sie einmal an Ihr tägliches Leben, verfolgen Sie es von Schritt zu Schritt. Bei jedem Schritt dringen Eindrücke der Außenwelt an Sie heran. Sie nehmen sie wahr, Sie sehen, hören, riechen und so weiter. Die Eindrücke bei dieser oder jener Arbeit stürmen den ganzen Tag an Sie heran, Sie verarbeiten sie mit Ihrem Intellekt. Der Dichter, der nicht selbst ein Inspirierter ist, durchdringt sie mit seiner Phantasie. Das ist alles wahr. Aber alles dies kann zunächst nicht dazu führen, daß das Übersinnlich-Geistige, das hinter dem Sinnlichen und Materiellen ist, dem Menschen zum Bewußtsein kommt. Warum kommt es ihm nicht zum Bewußtsein? Weil diese ganze Tätigkeit, die der Mensch gegenüber der Umwelt ausübt, dem astralischen Leib des Menschen, so wie er heute seiner eigentlichen Wesenheit nach ist, nicht entspricht. Damals, als in urferner Vergangenheit der astralische Leib, der dem Menschen eigen war, die Bilder der astralischen Wahrnehmungen aufsteigen sah, jene Bilder von Lust und Leid, von Sympathie und Antipathie, da waren die inneren Impulse vorhanden, die geistigen Impulse, die im Menschen aufsteigen ließen, was Organe formte. Diese sind ertötet worden damals, als der Mensch fähig wurde, alle Einflüsse von außen auf sich zuströmen zu lassen. Heute ist es nicht möglich, daß aus all den Eindrücken, die der Mensch während des Tages erhält, im astralischen Leib etwas bleibt, was bildsam, plastisch für ihn ist. Der Vorgang des Wahrnehmens ist so: Den ganzen Tag über kommen die Eindrücke der Außenwelt an uns heran. Diese wirken durch die physischen Sinne auf den Ätherleib und astralischen Leib, bis sie dem Ich bewußt werden. Im astralischen Leib drücken sich die Wirkungen dessen aus, was auf den physischen Leib ausgeübt wird. Wenn Lichteindrücke stattfinden, so empfängt das Auge Eindrücke. Der Lichteindruck gibt einen Eindruck auf den Äther- und Astralleib, und das Ich wird sich dieses Eindruckes bewußt. So verhält es sich auch mit den Eindrücken auf das Ohr und die anderen Sinne. Dieses ganze Tagesleben wirkt daher den ganzen Tag über auf den Astralkörper ein. Der Astralkörper ist immer tätig unter der Einwirkung der Außenwelt. Jetzt tritt er abends heraus. Da hat er in sich keine Kräfte, um die Eindrücke bewußt werden zu lassen, die jetzt in seiner Umgebung sind. Die alten Kräfte des Wahrnehmens in der urfernen Vergangenheit sind ertötet worden beim ersten Wahrnehmen der gegenwärtigen Sinneswelt. In der Nacht hat er keine Kräfte, weil das ganze Tagesleben ungeeignet ist, etwas im astralischen Leib zurückzulassen, was bildend auf den Astralleib wirken könnte. Alle Dinge, wie Sie sie ringsherum anschauen, üben Wirkungen bis auf den Astralleib aus. Aber was da bewirkt wird, ist nicht in der Lage, Gestaltungen zu schaffen, die zu astralen Organen werden könnten. Das muß der erste Schritt der Einweihung sein: den Menschen während des Tageslebens etwas tun zu lassen, in seiner Seele sich etwas abspielen zu lassen, was fortwirkt, wenn der astralische Leib in der Nacht herausgezogen wird aus dem physischen und Ätherleib. Also denken Sie sich, bildlich gesprochen, es würde, während der Mensch bei vollem Bewußtsein ist, ihm etwas gegeben, was er zu tun hätte, was er abspielen lassen sollte und was so gewählt wäre, so gegliedert, daß es nicht aufhörte zu wirken, wenn der Tag vorüber ist. Denken Sie sich diese Wirkung als einen Ton, der fortklingt, wenn der Astralleib heraus ist; dieses Fortklingen wären dann die Kräfte, die nun an dem astralischen Leib so wirkten, so plastisch arbeiteten, wie einstmals die äußeren Kräfte am physischen Körper gearbeitet haben. Das war immer der erste Schritt der Einweihung: den Menschen während des Tageslebens etwas tun zu lassen, was nachklingt im Nachtleben. Alles das, was man genannt hat Meditation, Konzentration und die sonstigen Übungen, die der Mensch vorgenommen hat während seines Tageslebens, sie sind nichts anderes als Verrichtungen der Seele, die nicht in ihren Wirkungen ersterben, wenn der Astralleib herausgeht, sondern die nachklingen und in der Nacht zu bildenden Kräften werden im astralischen Leib.
[ 13 ] Here we must picture to ourselves what it is like with this ordinary sensory perception of the day. What happens during the day when a person perceives? Think about your daily life, follow it step by step. At every step, impressions of the external world reach you. You perceive them, you see, hear, smell, and so on. The impressions of this or that work rush at you all day long, and you process them with your intellect. The poet, who is not himself an inspired person, interweaves them with his imagination. That is all true. But all this cannot at first lead to the supersensible-spiritual, which is behind the sensual and material, becoming conscious to man. Why does it not become conscious to him? Because all this activity that man exercises in relation to his environment does not correspond to the astral body of man as it actually is today. In the distant past, when the astral body that belonged to man saw the images of astral perceptions rising up, those images of lust and suffering, of sympathy and antipathy, the inner impulses were present, the spiritual impulses that arose in man and formed organs. These were killed at the time when man became capable of allowing all influences from outside to flow towards him. Today it is no longer possible for something to remain in the astral body from all the impressions that man receives during the day that is malleable and plastic for him. The process of perception is as follows: throughout the day, impressions of the outside world reach us. These act through the physical senses on the etheric body and astral body until the I becomes aware of them. In the astral body, the effects of what is exerted on the physical body are expressed. When light impressions take place, the eye receives impressions. The light impression gives an impression to the etheric and astral bodies, and the I becomes aware of this impression. The same applies to impressions on the ear and the other senses. This whole daily life therefore has an effect on the astral body throughout the day. The astral body is always active under the influence of the outside world. Now it emerges in the evening. It has no powers within itself to become aware of the impressions that are now in its surroundings. The old powers of perception in the very distant past were killed during the first perception of the present sensory world. At night it has no powers because the whole life of the day is unsuitable for leaving anything in the astral body that could have a formative effect on it. All the things you see around you have an effect on the astral body. But what is effected there is not able to create formations that could become astral organs. This must be the first step of the initiation: to let something be done to the human being during the day, to let something take place in his soul that continues to have an effect when the astral body is drawn out of the physical and etheric bodies at night. So imagine, figuratively speaking, that while a person is fully conscious, he is given something to do, something to let play out, and that this something is chosen and structured in such a way that it does not cease to have an effect when the day is over. Think of this effect as a sound that continues to resound when the astral body is out; this continued resonance would then be the forces that now worked on the astral body in such a way, working so plastically, as the external forces once worked on the physical body. That was always the first step of initiation: to let man do something during the day that would resonate in the night. All that has been called meditation, concentration and the other exercises that a person has undertaken during his day-time life are nothing more than soul activities that do not die away when the astral body goes out, but that continue to resonate and become formative forces in the night in the astral body.
[ 14 ] Das nennt man die Reinigung des Astralleibes, die Reinigung von dem, was dem Astralleib nicht angemessen ist. Das war der erste Schritt, der auch die Katharsis genannt wurde, die Reinigung. Sie war noch keine Arbeit in übersinnlichen Welten. Sie bestand in Übungen der Seele, die der Mensch tagsüber machte, wie eine Trainierung der Seele. Sie bestand in der Aneignung gewisser Lebensformen, gewisser Lebensgesinnungen, einer gewissen Art, das Leben zu behandeln, so daß es nachklingen konnte, und das arbeitete am astralischen Leib, bis er sich umgewandelt hatte, bis sich Organe in ihm entwickelt hatten.
[ 14 ] This is called the purification of the astral body, the purification of that which is not appropriate for the astral body. That was the first step, which was also called catharsis, purification. It was not yet work in supersensible worlds. It consisted of exercises for the soul that the person did during the day, like training for the soul. It consisted of acquiring certain ways of life, certain attitudes, a certain way of treating life so that it could resonate and work on the astral body until it had transformed itself, until organs had developed in it.
[ 15 ] Wenn der Mensch so weit war, daß diese Organe aus dem astralischen Leib herausgegliedert waren, dann war das nächste, daß alles das, was so in den astralischen Leib hineingestaltet worden war, sich im Ätherleib abdruckte. Wie sich die Schrift eines Petschaft abdruckt im Siegellack, so mußte sich alles, was in den Astralleib hineingearbeitet war, im Ätherleib abdrucken. Dieses Abdrucken ist der nächste Schritt der Einweihung: Erleuchtung nannte man das. Denn damit war zu gleicher Zeit ein bedeutungsvoller Moment in der Einweihung gekommen. Da trat eine geistige Welt in der Umwelt des Menschen auf, so wie vorher die sinnliche Welt da war. Diese Stufe ist zu gleicher Zeit charakterisiert dadurch, daß die Vorgänge der äußeren geistigen Welt sich nicht so ausdrücken, wie es die physisch-sinnlichen Dinge tun, sondern in Bildern. Die geistige Welt drückt sich auf dieser Stufe der Erleuchtung zuerst in Bildern aus. Der Mensch sieht Bilder. Denken Sie an den alten Eingeweihten, von dem ich gestern angedeutet habe, daß er die Volksgruppenseele gesehen hat. Wenn er so weit war, dann sah er diese Gruppenseele zunächst in Bildern. Denken wir zum Beispiel an einen Eingeweihten, wie Ezechiel einer war. Als die Erleuchtung für ihn begann, traten ihm geistige Wesenheiten als Volks-, als Gruppenseelen entgegen. Er fühlte sich in ihrer Mitte. Gruppenseelen in Form vier symbolischer Tiere traten ihm entgegen.
[ 15 ] When the human being had reached the point where these organs had been incorporated from the astral body, the next step was for everything that had been shaped into the astral body to be imprinted in the etheric body. Just as a seal imprint is left on sealing wax, so everything that was worked into the astral body had to leave its imprint in the ether body. This imprint is the next step of initiation: it was called enlightenment. For at the same time, a significant moment had come in the initiation. A spiritual world appeared in the environment of man, just as the sensual world was there before. This stage is characterized at the same time by the fact that the processes of the external spiritual world do not express themselves as physical-sensual things do, but in images. At this stage of enlightenment, the spiritual world first expresses itself in images. The human being sees images. Think of the old initiate of whom I spoke yesterday, who saw the soul of the ethnic group. When he was ready, he first saw this group soul in images. Think, for example, of an initiate like Ezekiel. When the illumination began for him, spiritual entities approached him as folk or group souls. He felt himself in their midst. Group souls in the form of four symbolic animals approached him.
[ 16 ] So kam in bedeutungsvollen Bildern zunächst die geistige Welt an den Menschen heran. Das war die erste Stufe. Dann folgte das Weiterhineinleben in den Ätherleib. Dem, was zunächst wie ein Siegelabdruck vorhanden war, folgte ein weiteres Hineinleben in den Ätherleib. Da beginnt zu den Bildern hinzuzutreten das, was man die Sphärenmusik genannt hat. Die höhere geistige Welt wird als Ton wahrgenommen. Der höhere Eingeweihte beginnt, nachdem er durch die Erleuchtung die geistige Welt in Bildern wahrgenommen hat, geistig hinzulauschen auf jene Töne, die für das geistige Ohr wahrnehmbar sind. Dann kommt man an die spätere Umwandlung des Ätherleibes, und da tritt uns in einer noch höheren Sphäre noch etwas anderes entgegen. Töne können Sie noch hören, wenn Sie zum Beispiel hier einen Wandschirm haben und hinter ihm ein Mensch spricht, den Sie nicht sehen. So etwa ist es mit der geistigen Welt. Zuerst tritt sie in Bildern auf, dann tönt sie herüber, und es fällt die letzte Hülle weg — sozusagen wie wenn wir einen Schirm wegtäten, hinter dem der Mensch steht und spricht: Wir sehen den Menschen selbst —: Wir sehen die geistige Welt selbst, die Wesen der geistigen Welt. Zuerst nehmen wir wahr die Bilder, dann die Töne, dann die Wesen und endlich das Leben dieser Wesen. Man kann ja ohnedies das, was als Bilder in der sogenannten imaginativen Welt ist, nur andeuten, indem man Bilder aus der sinnlichen Welt als Symbole gebraucht. Man kann nur eine Vorstellung von der Sphärenharmonie geben durch Vergleiche mit der sinnlichen Musik. Was läßt sich nun vergleichen mit dem wesenhaften Ausdruck auf der dritten Stufe? Damit läßt sich nur vergleichen das, was heute das Innerste des Menschen ausmacht, sein Wirken im Sinne des göttlichen Weltenwollens. Wirkt der Mensch im Sinne des Willens jener geistigen Wesenheiten, die unsere Welt vorwärtsbringen, dann wird das Wesen in ihm diesen Wesen ähnlich werden, dann wird er wahrnehmen in dieser Sphäre. Das, was in ihm widerstrebt der \Weltenevolution, was die Welt zurückhält in ihrem Fortschritt, das nimmt er wahr als etwas, was ausgeschaltet werden muß in dieser Welt, was wie eine letzte Hülle fallen muß.
[ 16 ] Thus, the spiritual world first approached man in meaningful images. That was the first step. Then came the further penetration into the etheric body. What was initially present as a kind of seal impression was followed by a further penetration into the etheric body. Then what has been called the music of the spheres begins to be added to the images. The higher spiritual world is perceived as sound. After the higher initiate has perceived the spiritual world in images through enlightenment, he begins to listen spiritually to the sounds that can be perceived by the spiritual ear. Then comes the later transformation of the etheric body, and there we encounter something else in an even higher sphere. You can still hear sounds if, for example, there is a screen here and someone is speaking behind it whom you cannot see. It is something like that with the spiritual world. At first it appears in pictures, then it is transmitted as sound, and the last veil is lifted – as if we were to remove a screen behind which someone is standing and speaking: we see the person themselves –: We see the spiritual world itself, the beings of the spiritual world. First we perceive the images, then the sounds, then the beings and finally the life of these beings. One can only hint at what is in the so-called imaginative world by using images from the sensory world as symbols. One can only give an idea of the harmony of the spheres by comparing it to sensory music. What can be compared with the essential expression on the third step? Only what today makes up the innermost part of the human being, his work in the sense of the divine will of the world, can be compared. If a person works in the sense of the will of those spiritual beings that advance our world, then the being within him will become similar to these beings, then he will perceive in this sphere. That which in him resists world evolution, that which holds back the world in its progress, he perceives as something that must be eliminated in this world, that must fall away like a last veil.
[ 17 ] So nimmt der Mensch erst eine Bilderwelt wahr als den symbolischen Ausdruck der geistigen Welt, dann eine Welt der Sphärenharmonie als den symbolischen Ausdruck einer höheren geistigen Sphäre, dann eine Welt von geistigen Wesenheiten, von denen er heute nur dadurch sich eine Vorstellung machen kann, daß er sie mit dem Innersten seines eigenen Wesens vergleicht, mit dem, was in ihm wirkt im Sinne der guten Kräfte oder aber im Sinne der bösen geistigen Kräfte.
[ 17 ] Thus man perceives first a world of images as the symbolic expression of the spiritual world, then a world of the harmony of the spheres as the symbolic expression of a higher spiritual sphere, then a world of spiritual entities, of which today he can only form an idea by comparing them with the innermost part of his own being, with that which works in him in the sense of good forces or in the sense of evil spiritual forces.
[ 18 ] Diese Stufen macht der Einzuweihende durch und diese Stufen sind getreulich abgebildet in der Apokalypse des Johannes. Ausgegangen wird da von der physischen Welt. Gesagt wird dasjenige, was zunächst zu sagen ist mit den Mitteln der physischen Welt, in den sieben Briefen. Was man innerhalb der physischen Kultur tun will, was man denen sagen will, die in der physischen Welt wirken, man sagt es ihnen in Briefen. Denn das Wort, das im Briefe ausgedrückt wird, das kann innerhalb der sinnlichen Welt seine Wirkung tun. Die erste Stufe gibt Symbole, die bezogen werden müssen auf das, was sie in der geistigen Welt ausdrücken: Nach den sieben Briefen kommt die Welt der sieben Siegel, die Welt der Bilder, der ersten Stufe der Einweihung. Dann kommt die Welt der Sphärenharmonie, die Welt, wie sie derjenige wahrnimmt, der geistig hören kann. Sie ist dargestellt in den sieben Posaunen. Die nächste Welt, wo der Eingeweihte Wesenheiten wahrnimmt, ist dargestellt durch das, was als Wesenheiten auf dieser Stufe auftritt und was abstreift die Schalen der Kräfte, die den guten gegenteilig sind. Das Gegenteil der göttlichen Liebe ist der göttliche Zorn. Die wahre Gestalt der göttlichen Liebe, die die Welt vorwärtsbringt, wird in dieser dritten Sphäre wahrgenommen von denen, die für die physische Welt abgestreift haben die sieben Zornesschalen.
[ 18 ] The person to be initiated goes through these stages and these stages are faithfully depicted in the Apocalypse of John. The starting point is the physical world. What is said is what needs to be said first with the means of the physical world, in the seven letters. What one wants to do within the physical culture, what one wants to say to those who work in the physical world, one says to them in letters. For the word that is expressed in the letter can have its effect within the sensual world. The first stage gives symbols that must be related to what they express in the spiritual world: after the seven letters comes the world of the seven seals, the world of images, the first stage of initiation. Then comes the world of the harmony of the spheres, the world as perceived by the one who can hear spiritually. It is depicted in the seven trumpets. The next world, where the initiate perceives entities, is represented by what appears as entities at this level and what strips away the shells of the forces that are the opposite of good. The opposite of divine love is divine wrath. The true nature of divine love, which advances the world, is perceived in this third sphere by those who have shed their earthly garments for the physical world – the seven bowls of wrath.
[ 19 ] So wird der Einzuweihende stufenweise hinaufgeführt die Einweihungssphären. In den sieben Briefen der Apokalypse des Johannes haben wir das, was den sieben Kategorien der physischen Welt gehört, in den sieben Siegeln, was der astralisch-imaginativen Welt gehört, in den sieben Posaunen das, was der devachanischen höheren Welt gehört, und in den sieben Zornesschalen das, was abgeworfen werden muß, wenn der Mensch sich erheben will in das höchste Geistige, das zunächst für unsere Welt zu erreichen ist, weil dieses höchste Geistige noch mit unserer Welt zusammenhängt.
[ 19 ] Thus the person being initiated is led step by step up the initiation spheres. In the seven letters of the Apocalypse of John, we have what belongs to the seven categories of the physical world in the seven seals, what belongs to the astral-imaginative world in the seven trumpets that which belongs to the devachanic higher world, and in the seven bowls of wrath that which must be cast off if man wants to rise into the highest spiritual, which is to be achieved first for our world, because this highest spiritual is still connected to our world.
[ 20 ] Nur die äußere Struktur wollten wir heute hinstellen von dem, was die Apokalypse des Johannes ist. Flüchtige und wenige Striche sind es, die uns hindeuten konnten darauf, daß die Apokalypse ein Einweihungsbuch ist. Morgen werden wir daran gehen, die ersten Schritte zur Ausführung dieser flüchtigen Zeichnung zu machen.
[ 20 ] Today we only wanted to present the outer structure of what the Apocalypse of John is. These are few and fleeting lines that could indicate to us that the Apocalypse is a book of initiation. Tomorrow we will begin to take the first steps towards executing this fleeting drawing.
