Die Apokalypse des Johannes
GA 104
22 Juni 1908, Nürnberg
Fünfter Vortrag
[ 1 ] Gestern haben wir gesehen, wie das Menschengeschlecht sich entwickeln wird, wenn unser gegenwärtiger Zeitenzyklus einst abgelaufen sein wird; wie es sich sozusagen spalten wird in zwei Strömungen, in die gute und die böse Rasse, und wie uns die Geheimnisse dieser Zukunft entsiegelt werden durch die sieben Siegel, die bildlich gelöst werden in der Apokalypse des Johannes. Nach dieser allgemeinen Auseinandersetzung über das Heraustreten dessen in der äußeren Physiognomie, was sich in unserem Zeitenzyklus in den Seelen der Menschen vorbereitet, könnte nun leicht jemand fragen: Wie kommt es, daß der Apokalyptiker in so furchtbaren Bildern gerade die ersten der Siegel bespricht? — Diese Frage werden wir uns am besten dadurch beantworten, daß wir heute in unsere ganze apokalyptische Auseinandersetzung eine Zwischenbetrachtung einschieben.
[ 2 ] Bis jetzt haben wir den Satz zu erhärten versucht, daß die Apokalypse des Johannes darstellt eine Einweihung, die christliche Einweihung, und daß durch diese christliche Einweihung die Zukunft der Menschheit zur Enthüllung kommt. Wir werden nun alles Weitere am besten dadurch vor unsere Seele führen, daß wir heute einmal zurückblicken und uns noch einmal die Zeiten vergangener Menschheitsentwickelung vor die Seele rücken. Und gerade so weit wollen wir das tun, als wir es zur Erklärung der Apokalypse brauchen. Die Grundzüge, um die es sich dabei handelt, kennen Sie schon. Sie wissen, daß unsere Erde, so wie sie heute den Wohnplatz der Menschen bildet, einmal in urferner Vergangenheit ihren Anfang genommen hat, daß sie aber als Erde die Wiederverkörperung einer anderen planetarischen Wesenheit war, die man gewöhnlich den alten Mond nennt, oder auch den Kosmos oder den Planeten der Weisheit, im Gegensatz zu unserer heutigen Erde, die wir bezeichnen als den Kosmos oder den Planeten der Liebe. Aber auch dieser Kosmos der Weisheit oder der alte Mond ist nur die Wiederverkörperung eines noch früheren Zustandes, den wir den Sonnenplaneten nennen, also nicht den Fixstern Sonne, sondern den Sonnenplaneten. Und dieser Sonnenplanet ist die Wiederverkörperung des alten Saturn. So daß wir vier aufeinanderfolgende Zustände unseres planetarischen Daseins zu unterscheiden haben, die wir nennen Saturn, Sonne, Mond und Erde.
[ 3 ] Nunmehr wollen wir, soweit wir das brauchen für die Erklärung der Apokalypse des Johannes, diese vier Zustände unseres planetarischen Daseins beschreiben. Wenn Sie hellseherisch zurückgehen bis zum alten Saturndasein, dann kommen Sie an einen merkwürdigen Planeten. Dieser alte Saturn ist ein Weltkörper, auf dem noch nichts zu finden ist von dem, was wir heute Mineralien, feste, erdige Stoffe nennen. Nichts ist vorhanden von unserer heutigen Tierwelt und Pflanzenwelt, nichts von dem, was wir heute Wasser oder flüssige Stoffe nennen, nichts von dem, was wir als Luftstrom oder Gase kennen. Wenn Sie sich vorstellen würden, daß Sie mit den heutigen Augen — die es ja damals noch nicht gegeben hat — irgendwo im Weltenraum wären und sich diesem Saturn näherten, Sie würden in seinem Anfangszustand nichts sehen können, denn er leuchtet noch nicht. Also mit Ihren Augen könnten Sie von außen diesen Saturn in der ersten Hälfte seines Daseins noch nicht sehen. Wenn Sie sich ihm nähern würden und in den Raum eindrängen, den er ausfüllte, würden Sie etwas, wenn Sie die heutigen Sinne da schon gebrauchen könnten, wahrnehmen, wie wenn Sie in einen geheizten Backofen hineinkriechen würden. Sie würden diesen Raum nur dadurch vom anderen unterscheiden können, daß dieser kugelförmige Raum wärmer ist als seine Umgebung. Wärme ist von unseren jetzigen Zuständen der einzige, den wir im alten Saturn antreffen. Aber es ist eine merkwürdige Art von Wärme. Diese Wärme würde Ihnen nicht so vorkommen, als ob sie an allen Stellen gleichmäßig wäre. Sie könnten finden, daß sie an einzelnen Stellen wärmer, an anderen kälter ist, so daß, wenn Sie die gleichen Wärmestellen verbinden würden durch Linien, dann Figuren herauskämen, die nur durch die Verschiedenheit der Wärmezustände wahrnehmbar sind. Alles ist Wärme, aber organisierte, differenzierte Wärme. Sie würden, wenn Sie auf diese Weise den ganzen Saturn durchfliegen würden, sich sagen: Da ist schon etwas, aber etwas, was ich nur durch die verschiedenen Wärmezustände wahrnehmen kann.
[ 4 ] Diese differenzierten Wärmezustände sind das einzige, was von den gegenwärtigen Merkmalen unserer Erde schon vorhanden war, und in solcher Wärme war dazumal ausgedrückt die erste Anlage des physischen Menschenleibes. Das, was da vorhanden war, das haben Sie heute noch in sich, nur hat es sich aus dem äußeren räumlichen Dasein in Ihr Inneres zurückgezogen. Es ist Ihre Blutwärme. Wenn Sie aus Ihrer Blutwärme Figuren bilden würden, so hätten Sie die Nachklänge dessen, was von Ihrem physischen Leib vorhanden war auf dem alten Saturn. Die Wärme, die Sie heute im Blute tragen, ist die erste Anlage des physischen Leibes, der älteste Teil desselben, so daß Sie auch sagen können: Der ganze Saturn bestand aus Blutwärme. — Aber Sie würden auch so etwas Ähnliches finden können wie Figuren, die sich heute zeichnen ließen, wenn Sie die verschiedenen Bahnen Ihres Blutes verfolgten nach den verschiedenen Wärmezuständen. Das ist das physische Dasein dieses alten Saturn. Er hat von unseren heutigen Stoffverhältnissen lediglich die Wärme. Von all den Wesen, die heute die Erde bevölkern, war nur der Mensch und von ihm nur diese Anlage des physischen Leibes vorhanden. Der Saturn bestand nur aus solchen Anlagen physischer Menschenleiber, die aus Wärme gebildet waren. Wie heute eine Brombeere zusammengesetzt ist aus einzelnen Kügelchen, so war der Saturn damals zusammengesetzt, aber aus solchen Menschen, wie sie nun geschildert worden sind. Dagegen war er zunächst umgeben von geistigen Wesenheiten. Wie heute die Erde von Luft, so war der Saturn umhüllt von geistiger Atmosphäre. Da lebten Wesenheiten, die verschiedene Grade der Ausbildung hatten, aber die alle zu ihrer damaligen Daseinsstufe diesen Wohnsitz des Saturns brauchten. Der war ihnen notwendig. Ohne diesen Wohnsitz wären diese Wesenheiten nicht ausgekommen. Da waren zum Beispiel solche, welche auch sieben Prinzipien hatten, aber nicht so wie der heutige Mensch. Dieser hat seine sieben Prinzipien, die wir die sieben Geister Gottes nennen, so, daß man beim physischen Leib anfängt. So waren jene Wesen nicht. Es gab zum Beispiel Wesenheiten, die zu ihrem untersten Prinzip einen Ätherleib hatten. Den physischen Leib hatten sie dadurch, daß sie mit ihrem Ätherleib hineinankerten in die physischen Leiber des Saturns und so diese benützten. Also dieser Saturn ist im Verhältnis zur heutigen Erde ein substantiell sehr feiner Weltenkörper. Er hatte von unseren Stoffen noch nicht einmal die feine Luft, die Gase. Die waren schon für ihn zu grob. Er hatte nur Wärme, und in der Umgebung der Wärme geistige Wesenheiten.
[ 5 ] Nun machte dieser Saturn dadurch, daß sich die Wesen in seiner Umgebung weiterentwickelten, verschiedene Wandlungen durch. Eine dieser Verwandlungen ist leicht dadurch anzugeben, daß in der Mitte seiner Entwickelung er tatsächlich anfängt, außen aufzuleuchten. So daß, wenn man ihn verfolgt, er sich anfangs als dunkler Wärmekörper zeigt, dann aber anfängt aufzuglimmen und gegen das Ende zu einen schwachen Lichtglanz aussendet in die Welt. Diese geistige Atmosphäre um den Saturn herum, die verschiedene Wesenheiten enthält, sie enthält unter anderen auch eine ganz bestimmte Art von Wesen, die für uns vor allen Dingen in Betracht kommen. Diese Wesenheiten machen ungefähr um die Mitte der Saturnentwickelung die Stufe durch, die der Mensch jetzt auf der Erde durchmacht. Das sind die Geister der Persönlichkeit. Sie sind auf diesem alten Saturn in dessen Mitte ungefähr so weit, daß sie da Mensch sind. Sie werden natürlich nicht in den Fehler verfallen, zu fragen: Ja, haben sie denn solche Leiber gehabt wie die heutigen Menschen? — Das wäre ein ganz gewaltiger Fehler, wenn Sie sich vorstellen würden, daß diese Menschen menschlichfleischliche Leiber gehabt hätten. Man kann die Menschheitsstufe in den verschiedensten Formen durchmachen. Und diese Geister der Persönlichkeit machten auf dem Saturn ihre Menschheitsstufe in der Weise durch, daß sie zuerst als physischen Leib dasjenige benutzten, was da unten auf dem Saturn als Wärme vorhanden war, daß sie als Ätherleib — denn auch den hatten sie noch nicht — dasjenige benutzten, was in der Atmosphäre war, und endlich auch das benutzten, was als astrale Substanz vorhanden war. Das hatten sie alles noch nicht selber. Sie hatten im wesentlichen dazumal einen Ich-Träger, ein Ich, und dieses Ich, das auf der Menschheitsstufe stand, das geradeso lebte wie das heutige Menschen-Ich auf der Erde, das machte dazumal diese verschiedenen Stufen der Menschheit auf dem Saturn durch in anderer Form, in anderer Art und Weise. Also wir haben ungefähr in der Mitte der Saturnentwickelung die Geister der Persönlichkeit, die Urkräfte als Menschen. Wenn man so zählt, so ist das, was ich eben aufgezählt habe, die mittlere Stufe der Saturnentwickelung. Der gehen drei andere voraus und drei andere folgen ihr. Man nennt sie Saturnkreisläufe oder Saturnepochen. Wenn Sie sich den ganzen Saturn in seiner Entwickelung vorstellen, so können Sie sich ihn so denken:
[ 6 ] In der Mitte (X) stehen die Geister der Persönlichkeit. Auf jeder der drei vorhergehenden und der drei nachfolgenden Stufen — gerade wie unsere Erde nach der Siebenzahl in Epochen geteilt werden kann, so auch diese Saturnentwickelung —, in jeder dieser Epochen werden entsprechende Wesenheiten Menschen, auf jeder Stufe irgendwelche Wesenheiten, und zwar immer dann, wenn gerade für sie der Zeitpunkt gekommen ist, wo sie das, was sich findet auf dem Saturn, brauchen können, um die Erfahrungen des Menschen durchzumachen. So haben wir siebenerlei Geschöpfe auf dem Saturn, die dort ihre Menschenstufe durchgemacht haben, die bis zur Menschenstufe aufgerückt sind, die also in den folgenden Stufen nicht mehr notwendig haben, bis zum Menschen erst heraufzukommen. Der heutige Mensch ist noch nicht Mensch auf dem Saturn. Diejenigen Wesenheiten, die hier auf dem Saturn Menschen geworden sind, deren Repräsentanten die Geister der Persönlichkeit sind, diese Wesen rücken weiter auf und sind heute erhaben über den Menschen, sie haben sozusagen den Menschen in sich. Den tragen sie als eine für sie vergangene Entwickelungsstufe in sich.
[ 7 ] Nachdem der Saturn nun seine Entwickelung eine Zeitlang durchgemacht hatte, ging die ganze Evolution in eine geistige Sphäre über, in einen Zustand, der äußerlich nicht wahrnehmbar war für Sinne wie die heutigen menschlichen, und dann trat hervor die zweite Verkörperung unseres Erdplaneten, der Sonnenplanet. Er zeichnete sich dadurch aus, daß er verhältnismäßig früh in seiner Entwickelung schon so weit war, daß er Licht ausstrahlte. Das kam davon her, weil er nicht nur aus Wärme bestand, sondern daß die Wärmematerie bereits verdichtet war zur gas-, zur luftförmigen Materie. Er hatte noch kein Wasser, noch nichts Festes, er bestand aus luft- und gasförmiger Masse. Aber dadurch war er auch schon imstande, ein leuchtender Körper zu sein. Dadurch war er, für ein heutiges Auge gesehen, bereits ein in den Weltenraum hinausstrahlender Planet. Jetzt, da dieser Planet so weit sich entwickelt hatte, war es möglich, daß der ersten Anlage des menschlich-physischen Leibes eingegliedert wurde der Ätherleib. Nun bestand also der Mensch aus dem physischen und dem Ätherleib, während er auf dem Saturn nur erst die erste Anlage des physischen Leibes hatte. Der Mensch war aber noch nicht so weit, einen eigenen Astralleib zu haben. Die Formen der Menschen sahen daher ganz anders aus als heute. Der Mensch hatte die Form des Pflanzendaseins. Er besaß physischen und Ätherleib wie die Pflanze, hat aber auf der Sonne ganz anders ausgesehen als die Pflanze heute.
[ 8 ] Dieses Fortschreiten der Entwickelung war damit verbunden, daß eine zweite Art von Wesenheiten auftrat auf der Sonne. Auf dem Saturn gab es nur Menschen, keine anderen Wesenheiten. Er bestand nur aus Menschen, wie die Brombeere aus kleinen Beeren besteht. Jetzt waren aber von diesen Menschenanlagen einige zurückgeblieben auf der Saturnstufe; die hatten nicht alles erreicht, was zu erreichen war. Diese zurückgebliebenen Wesenheiten, die vom Saturn kommen, können sich deshalb keinen Ätherleib aneignen und müssen noch immer auf der Sonne bloß mit physischem Leib begabt sein. Sie sind also erst so weit wie die Menschen auf dem Saturn. Diese Wesenheiten nun, die bloß den physischen Leib auf der Sonne haben, sind die ersten Anlagen zu unseren heutigen Tieren. So daß wir auf der Sonne Menschenanlagen mit physischem und Ätherleib haben, und Tieranlagen mit bloß physischem Leibe.
[ 9 ] Wiederum ist es so, daß in der Mitte des Sonnendaseins gewisse Wesenheiten die Menschheitsstufe durchmachen. Der heutige Mensch konnte das noch nicht. Die geistigen Wesenheiten aus dem Umkreis der Sonne, die jetzt die Menschheitsstufe durchmachen, nennen wir Feuergeister, Erzengel. Sie sind heute zwei Stufen über dem Menschen. Den Menschen tragen sie in sich. Sie haben in anderer Form dasselbe erfahren, was der Mensch heute in dem irdischen Dasein erfährt. Aber auch die Sonne macht sieben Epochen durch, und auf jeder Stufe gibt es Wesenheiten, die den Grad erreicht haben zur Menschheitsstufe, so daß wir wiederum während des Sonnendaseins sieben Entwickelungsphasen haben. Wenn sie in ihrer eigenen Vergangenheit zurückgehen, sehen sie gleichsam auf ein kosmisches Lebensalter, von dem sie sagen können: Wenn auch unter mir kein fester Erdboden war und keine flüssige Erdkugel, ich habe damals doch erfahren, was der Mensch heute erfährt. Ich kann also mitfühlen und miterleben, was der Mensch erlebt auf der Erde. — Das können diese Wesen heute sagen. Sie haben Verständnis dafür, weil sie auch in sich erfahren haben, was der Mensch heute in seinem Erdendasein erfährt.
[ 10 ] Nun kommt wiederum eine Art von Zwischenzustand, in dem der leuchtende Planet nach und nach abglimmt für die äußere Beobachtung — wenn diese schon da sein könnte —, auch für gewisse hellseherische Beobachtung verschwindet und nur noch für die höchsten Formen des hellseherischen Beobachtens vorhanden ist. Dann tritt er wiederum heraus zu einer neuen Form des Daseins, zu einem dritten Zustand, den wir den Mondenzustand nennen. Das ist die dritte Verkörperung unseres Planeten, der alte Mond. Der ist jetzt so weit in seiner Substanzentwickelung, daß er das, was früher auf der Sonne bloß Gas war, verdichtet hat zu Wasser. Dadurch, daß das wässerige Element sich eingelagert hat, kann dem Menschen, der allmählich sich wieder herausentwickelt wie die Pflanze aus dem Samen, der astralische Leib eingegliedert werden, so daß der Mensch jetzt aus drei Teilen besteht, aus dem physischen, dem Äther- und dem astralischen Leib. Er ist noch nicht eigentlich Mensch, denn er hat in diesen drei Leibern noch kein Ich eingegliedert.
[ 11 ] Immer bleiben auf allen Stufen gewisse Wesenheiten zurück. Die Wesenheiten, welche auf der Sonne zurückgeblieben sind, die nicht die Mondstufe erreichen konnten ind auf dem Mond erst ihre Sonnenstufe durchmachen, die haben daher keine Möglichkeit, sich jetzt den astralischen Leib einzugliedern, sie bestehen auch auf dem Monde nur aus physischem und Ätherleib. Es sind das namentlich solche, die schon auf der Sonne zurückgeblieben waren, die aber sich inzwischen so weit entwickelt hatten, daß sie sich einen Ätherleib eingliedern konnten. Das sind wiederum die Vorfahren von heutigen Tieren. Die Wesen, die aber noch nicht so weit waren auf dem Monde, daß sie sich einen Ätherleib eingliedern konnten, das sind die Vorfahren von noch tieferstehenden Wesenheiten: von der heutigen Pflanzenwelt. Wir haben also drei Reiche auf dem Monde: das Menschenreich, bestehend aus physischem Leib, Ätherleib und astralischem Leib, das Tierreich, bestehend aus physischem und Ätherleib, und das Pflanzenreich, nur aus physischem Leib bestehend.
[ 12 ] Wiederum sind es gewisse Wesenheiten, welche ungefähr in der Mitte des Mondendaseins ihre Menschenstufe durchmachen. Es sind die Geister, die man gewöhnlich in der geisteswissenschaftlichen Literatur die Geister der Dämmerung nennt, die Engel. Auch sie tragen als Erinnerung den Menschen in sich. Und wiederum hat der Mond sieben solcher Stufen. Auf jeder Stufe sind Wesenheiten, die gerade das Menschendasein durchmachen können. Es ist immer so, daß einige Wesenheiten vorauseilen und andere zurückbleiben. Wir haben also auch auf dem Monde sieben Wesenheitsstufen, die ihre Menschheit durchgemacht hatten, als der Mond mit seiner Entwickelung zu Ende war.
[ 13 ] Nun müssen wir allerdings, um den Mond ganz zu verstehen, etwas Wichtiges erwähnen, was sich in der Entwickelung des alten Mondes abspielte. Als dieser alte Mond seine Entwickelung begann, war er, wenigstens bald nach dem Beginn, eine flüssige Kugel. Würde er sich so weiterentwickelt haben durch seine sieben Stadien, dann wäre er nicht dazu gekommen, dem Menschen die richtige Grundlage für seine Weiterentfaltung zu geben. Er wurde nur dadurch geeignet, eine Vorstufe der Erdenmenschheit zu sein, daß er sich zunächst in zwei Weltenkörper spaltete. Der eine von diesen war der Vorläufer der heutigen Sonne und der andere, der sich abtrennende, war der Vorläufer der heutigen Erde, aber so, daß Sie sich dieser Erde den heutigen Mond dazugemischt denken, so daß Erde und Mond von heute damals eins waren. Sie denken sich also diese zwei Körper, Erde plus Mond einerseits und die Sonne andererseits, jetzt voneinander getrennt, den alten Mond als wässerigen Körper und die alte Sonne auf dem Wege, ein Fixstern zu werden. Mit dieser Spaltung war etwas sehr Wesentliches verknüpft. Vor allen Dingen war es die Sonne, welche die Abspaltung vollzog und die feinsten Teile, die ätherischste Materie mit sich nahm, während im Monde, das heißt in der heutigen Erde plus dem heutigen Monde, die gröbste Materie zurückblieb. Daher ist die Sonne mit ungeheuer feiner Materie ausgestattet, während der Mond ein viel dichterer Körper, eine wässerige Masse wird. Dadurch, daß die Sonne die feinsten und geistigsten Kräfte mit sich nahm, konnte sie nun auch der Schauplatz sein für viel höher entwickelte Wesenheiten. In der Tat wären viele von jenen hohen Wesenheiten, die noch das Saturndasein ertragen konnten, gehemmt gewesen in ihrer Entwickelung, wenn sie länger an den Mond gefesselt geblieben wären. Sie brauchten einen Schauplatz mit feinsten Stoffen; nur da konnten sie sich entwickeln. So hatten sie sich den geeigneten Schauplatz herausgezogen und entwickelten sich auf der Sonne weiter. Dagegen waren verknüpft geblieben mit dem Monde, der durch das Herausgehen der feineren Materie eine Verdickung erlitten hatte, jene Menschenanlagen, die aus physischem Leibe, Ätherleib und astralischem Leib bestanden, und auch Tier- und Pflanzenanlagen.
[ 14 ] Dieser alte Mond sieht nun ganz sonderbar aus. Da würden Sie noch nicht so etwas finden — wenn er auch seine Sonne schon umkreiste — wie Felsen, wie Ackererde. Mineralisches gab es da noch nicht. Die Hauptmasse dieses Mondes, auf der diese Wesenheiten herumhüpften sozusagen, war eine Art Brei, eine richtige Art Brei, so etwa wie Kochsalat oder wie gekochter Spinat. Solch ein Brei war die Grundmasse dieses Mondes, so wie die Grundmasse unserer Erde Ackererde ist. Es waren darin eingelagert ähnliche Massen wie, sagen wir, Holz und Borke der Bäume. Wenn Sie heute auf einen Berg steigen, gehen Sie auf Felsen. Damals wären Sie auf einem Grund gegangen, der, wenn er fest war, wie Holzmaterial, wie ein Holzplateau war. Statt Granit hätten Sie Stumpfen gefunden, die etwa mit Holz vergleichbar wären. Das ist natürlich nur vergleichsweise gesprochen. So war die Grundmasse, und aus ihr heraus wuchsen fortwährend Wucherungen. Das war also das unterste Reich, das heutige Mineralreich, das damals mitten drinnenstand zwischen dem heutigen Mineral- und Pflanzenreich. Das lebte in einer gewissen Weise. Es war so, daß es da fortwährend Wucherungen gab. Es war nicht wie heute. Wenn Ackererde daliegt, so muß man sie, wenn man sie weghaben will, auf äußerliche Weise wegtragen. Diese Masse des alten Mondes starb ab — aber nicht wie einzelne Pflanzen — und bildete sich wieder neu. Fortwährend war sie in innerer lebendiger Regung und Bewegung. In stetem Absterben und fortwährendem Wuchern war die Grundmasse des alten Mondes. Und aus diesem Grundboden wuchs ein anderes Reich heraus. Durch das Heraustreten des Mondes aus der Sonne hatten sich nämlich die früheren Reiche verändert. Auf der Sonne entsprachen sie ungefähr unseren Reichen. Durch das Herausrücken des Mondes war das alte Pflanzenreich heruntergedrückt worden um eine halbe Stufe und ebenso die anderen Reiche, so daß also das nächste Reich eine Art von Tier-Pflanzenreich war. Es wuchs allerdings aus dem Boden heraus, es wuchsen heraus solche Tier-Pflanzen. Sie waren pflanzenförmig, aber wenn man sie angriff, hatten sie Empfindungen, sie quietschten und dergleichen. Sie waren eigentlich halb Tier und halb Pflanze, Pflanze insofern, als sie eben auf dem Boden wuchsen, zum großen Teil in dem Boden festwurzelten, und Tiere insofern, als sie etwas von Empfindungsfähigkeit hatten. Und das Reich, das dem unsrigen voranging, waren Menschen-Tiere, Wesenheiten, die zwischen dem heutigen Menschen und dem heutigen Tiere mitten drinnenstehen, höher als der heutige Affe, aber noch nicht so hoch wie der heutige Mensch. Das war ungefähr die Gestalt der Menschenvorfahren auf dem Monde.
[ 15 ] Gerade Sagen und Mythen haben wunderbar diese Dinge erhalten. Denken Sie nur einmal, wie eine deutsche Sage dieses Geheimnis, das sich hinter alldem verbirgt, erhalten hat. Immer bleiben gewisse Wesenheiten zurück. Auch diese Wesenheiten, die zwischen den heutigen Pflanzen und den heutigen Tieren mitten drinnenstanden, die nur auf einem pflanzlichen Boden wurzeln konnten, wie der Mondboden einer war, die sind zurückgeblieben und in unserer heutigen Erdenbildung deshalb auch nicht fähig, auf mineralischem Boden zu gedeihen. Da können unsere heutigen Pflanzen wachsen, aber jene, die zwischen Pflanzen und Tieren mittendrinnen waren, die einen lebendigen Boden brauchten, die können nicht, wenn sie zurückgeblieben sind, im -Mineralischen wachsen. Die Mistel ist eine solche Pflanze. Sie muß deshalb in der heutigen Pflanzenwelt schmarotzen, weil sie ein zurückgebliebenes Wesen ist. Sie hat keine Empfindung mehr, obwohl der umhüllende Astralleib der Mistel ganz anders ist wie der der übrigen Pflanzen. Und das fühlte die deutsche Sage, daß die Mistel eigentlich nicht in unser Erdenwesen hineingehört, daß sie ihm fremd ist. Die Sage feiert im Gott Baldur den Gott der Erdensonne, der Erdenkraft. Kein Wesen der Erde wird ihm etwa feindlich nahen können. Daher kann auch der Gott, von dem die deutsche Sage das Bewußtsein hatte, daß er so ein Nachzügler sei, daher kann Loki den Baldur mit keinem Geschöpf der Erde töten. Er muß ihn mit dem Mistelzweig töten lassen, weil der fremd ist unter den Erdengeschöpfen und deshalb dem Nachzügler Loki dienen kann, der nicht verwandt ist mit den Erdengöttern. Tiefe Weisheit verbirgt sich hinter solchen Sagen. In dieser Baldur-Loki-Sage spüren wir überall diese alte Weisheit, auch in den Gebräuchen, die sich an die Mistel knüpfen. Wenn Sie sie studierten, so würden Sie finden, daß dasjenige, was man über sie sagt, aus uralter Weisheit herrührt.
[ 16 ] Dann kam in der zweiten Hälfte der Mondenentwickelung die Zeit, wo sowohl die auf der Sonne wie auch die auf dem Monde sich entwickelnden Wesenheiten das erreicht hatten, was sie während der alten Mondenzeit hatten erreichen sollen. Und dann vereinigten sie sich wiederum. Sonne und Mond gingen wieder als ein Leib in ihrer Entwickelung eine Strecke zusammen.
[ 17 ] Dann verdunkelte sich der Entwickelungszustand, ging durch den rein geistigen Zustand hindurch, den manche gewohnt sind Pralaya zu nennen, und nun dämmerte unsere Erdenentwickelung auf. Im Anfang enthält der aufdämmernde Weltenkörper nicht nur unsere heutige Erdensubstanz, sondern das, was Sie bekommen würden, wenn Sie die Substanz von der heutigen Sonne, der heutigen Erde und dem heutigen Mond zusammennehmen und in einem riesigen Topf durcheinanderrühren würden. So ungefähr können Sie sich den Entwickelungszustand unserer Erde bei ihrem Beginn vorstellen. Dieser Entwickelungszustand ist zunächst eine Art Wiederholung des Saturnzustandes, dann des Sonnen- und des Mondenzustandes. Was für uns nun vor allen Dingen wichtig ist, das ist, daß der Mensch eigentlich erst im heutigen Sinne Mensch wird in der Mitte der Erdenentwickelung. Auch in unserer Erdenentwickelung müssen wir sieben Zustände unterscheiden. Wir stehen im vierten. Drei sind vorangegangen, drei werden folgen. Der vierte Hauptkreislauf war derjenige, in welchem unser heutiges Menschengeschlecht Mensch werden sollte. So wie nun in allen diesen Kreisläufen auf dem Saturn, auf der Sonne und auf dem Mond gewisse Wesenheiten die Menschheitsstufe erreichten — auf dem Saturn die Asuras oder Urkräfte, auf der Sonne die Erzengel, auf dem Monde die Engel —, so waren auch immer Wesenheiten zurückgeblieben. Und so gab es auch Wesenheiten, die nicht mehr auf dem Mond die Menschenstufe erreichen konnten, zurückgebliebene Engel etwa, die erst jetzt auf dem Erdenplaneten in den ersten drei Erdenzeiträumen ihre Menschheitsstufe nachholen konnten. Der Mensch kam in der vierten Stufe daran. Vor dem Menschen haben noch drei andere Wesenheiten auf der Erde die Menschheitsstufe durchgemacht. Und die vierte der Wesenheiten, die auf der Erde die Menschheitsstufe durchmachen, ist der Mensch selber. In dem Augenblick der kosmischen Entwickelung, als der Mensch sich eben anschickt, Mensch zu werden, da haben Sie also alle die Wesenheiten, die durch Saturn, Sonne, Mond und Erde bis zum Menschen hin die Menschheitsstufe haben durchmachen können, als mehr oder weniger über den Menschen hinausgeschrittene Wesenheiten. Aber alle sind so, daß sie zurückblicken können, sich erinnern können an die Stufe, auf der sie selbst die Menschheitsstufe durchgemacht haben. Sie konnten hinunterschauen auf den werdenden Menschen und sich sagen: Der wird jetzt etwas, was wir schon gewesen sind, wofür wir Verständnis haben, wenn wir es auch unter anderen Umständen gewesen sind. — Sie konnten deshalb seine Entwickelung leiten und regeln vom geistigen Weltenraum aus.
[ 18 ] Zählen wir zusammen, wie viele solcher Wesenheiten es sind, die auf die Menschenstufe zurückblicken können, die Verständnis haben können für den werdenden Menschen: sieben von der Saturnentwickelung plus sieben von der Sonnen- plus sieben von der Mondenstufe plus drei von der Erdenentwickelung, das sind vierundzwanzig Wesenheiten. Vierundzwanzig «Menschen» blicken herunter auf den heutigen Menschen. Es sind die Wesenheiten, welche wir aus guten Gründen die Regulatoren der Entwickelung genannt haben, die Regulatoren der Zeit. Zeit hängt mit Entwickelung zusammen. Es sind die vierundzwanzig Ältesten, die uns in der Apokalypse des Johannes begegnen. Das sind dieselben Wesenheiten, die uns beschrieben werden da, wo wir herantreten an das Geheimnis der sieben Siegel. Sie werden uns als die eigentlichen Lenker der Geschicke beschrieben, das eigentliche Alpha und Omega. So haben wir die vierundzwanzig Ältesten auch hier wiederum gefunden, und Sie sehen, wie der Apokalyptiker, der diese wichtige Urkunde geschrieben hat, in seine Bilder wunderbar hineingeheimnißt hat, was wir aus der Betrachtung der geistigen Weltenentwickelung selber finden können.
[ 19 ] Nun waren aber gewisse Wesenheiten zurückgeblieben auf jeder Stufe, so daß die auf der Sonne zurückgebliebenen Saturnwesen als die ersten Anlagen des jetzigen Tierreiches herauskamen und die auf der Mondstufe zurückgebliebenen Sonnenwesen als erste Anlagen des heutigen Pflanzenreiches. Auf der Erde erst kam eine Entwickelungsstufe heraus als das Mineralreich. Wir haben hervorgehoben, daß es auf dem Monde noch kein Mineralreich gegeben hat. Auf Felsen hätte man auf dem Monde noch nicht herumgehen können. In derjenigen Zeit, wo die heutigen Menschen anfingen, ihre Menschheitsstufe durchzumachen, drangen aus dem Weltenkörper, der jetzt zwischen der Substanz des Mondes und der heutigen Substanz stand, die mineralischen Massen, die ersten Kristalle heraus. Das war der Augenblick, wo das Mineralreich hervorschoß. Und Sie finden dieses Hervorschießen in ganz einziger Weise in der Apokalypse des Johannes geschildert, wo er sagt: Da war es kristallisiert um den Stuhl herum wie ein gläsernes Meer. — Dieses «gläserne Meer» soll uns andeuten das Hervorschießen, das Hervorkeimen des Mineralreiches in seiner ersten Gestalt. So sehen wir auch dieses Geheimnis der kosmischen Entwickelung in der Apokalypse des Johannes angedeutet. Und wir haben damit auch einsehen gelernt, daß bis zu diesem Grade der Apokalyptiker uns in seinen gewaltigen Bildern nichts anderes darstellen will als das, was wir aus dem geistigen Leben heraus in der Entwickelung der Erde selbst erkennen können. Damit hat uns aber der Apokalyptiker gleich im Anfang seines Buches bis zu den Höhen hinaufgeführt, wo der Mensch die Bilder der zukünftigen Entwickelungsstufen schauen kann.
[ 20 ] Und nun haben wir eine gute Grundlage, um wieder an das anzuknüpfen, was wir schon als die ersten Epochen zukünftiger Menschheitsentwickelung kennengelernt haben. Jetzt haben wir als Zwischenbetrachtung einen Blick geworfen in die Vergangenheit bis dahin, wo der Mensch bereit ist, Mensch zu werden, wo das Mineralreich herausschießt. Und nun werden wir sehen, wie es bis zu unserer Zeit weitergeht, und von da bis in die Zukunft hinein. Wir werden den Anschluß finden zum Geheimnis der sieben Siegel und ihrer Entsiegelung bis zur Ausgießung der Zornesschalen.
