Die Apokalypse des Johannes
GA 104
29 Juni 1908, Nürnberg
Elfter Vortrag
[ 1 ] Wir haben die Entwickelung unserer Erde haben wir so weit verfolgt, daß wir gesehen haben, wie nach verschiedenen bedeutsamen Ereignissen, die uns durch die Aufschließung der sieben Siegel, durch das Ertönen der sieben Posaunen charakterisiert sind, in der Zukunft die Erde übergeht in eine Art geistigen Zustand mit allen ihren Wesenheiten. Ausgenommen werden nur diejenigen sein, die sich weigerten, das Christus-Prinzip aufzunehmen, wobei wir das «Weigern» durchaus in dem Sinn einer energischen, böswilligen und unintelligenten geistigen Opposition zu denken haben. Natürlich werden auch diese Wesenheiten dann, wenn die Erde ihre astralische, ihre geistige Form angenommen haben wird, nicht in einem derb materiellen, sagen wir, erdigen Stoff da sein können, sondern auch sie werden für die Zeit, die dann folgt nach den Posaunenklängen, für die Zeit, die wir charakterisiert haben durch das Ausgießen der Zornesschalen, in astralische Formen übergehen, aber ihre niederer gewordene Natur, das, was ihnen eigen ist, weil sie nicht aufgenommen haben das Christus-Prinzip, das wird sich im Astralischen dadurch ausprägen, daß sie im wesentlichen jene Tiergestalt tragen, die wir als das Tier mit den sieben Köpfen und zehn Hörnern charakterisiert haben.
[ 2 ] Nun haben Sie ja aus allem, was gesagt worden ist, entnehmen können, wie die Beziehung ist zwischen dem, was wir da Köpfe und was wir Hörner nennen. Aber es wird Ihnen dabei noch immer eine Frage sozusagen auf der Seele sein, die Frage: Warum nennt man denn just dasjenige, was im physischen Leib als dieses oder jenes Organ auftritt, eigentlich Horn? Warum bezeichnet man denn die physischen Organe und ihre Überbleibsel im Astralischen, wenn die Erde astralisch geworden sein wird, als Hörner? — Das ist ja leicht verständlich, daß diejenigen Menschen, welche das Prinzip des Christus nicht in sich aufgenommen haben, wieder zurückfallen müssen in den Zustand, in dem der Mensch war, bevor er des Christus-Prinzipes teilhaftig werden konnte. Der Mensch war vorher ein unindividuelles Wesen mit einer Gruppenseele, und wir haben gesehen, daß er durch die vier ersten Zeiträume der atlantischen Zeit mit den Gruppenseelen ausgestattet war, die in richtiger Weise symbolisch dargestellt werden durch den Stierkopf, Löwenkopf, Adlerkopf und den Menschenkopf, wobei wir uns diesen letzteren als 'Tiermenschenkopf vorzustellen haben. Wir haben uns also durchaus zu denken, daß, wenn der Mensch wiedererscheint in der vergeistigten Erde und unbenutzt gelassen hat das Christus-Prinzip während unserer Epoche, er dann, weil er eben nichts dazu beigetragen hat, seine frühere Tiergruppenseelenhaftigkeit höher auszubilden, wiederum in der alten Gestalt erscheint, und nicht nur in dieser Gestalt, sondern mit weiteren drei Köpfen, die er durch die späteren Zeiträume sich noch zugezogen hat. Bevor die große Flut von Atlantis hereingebrochen ist, waren ja auf die ersten vier Zeiträume noch drei gefolgt. In diesen drei Zeiträumen haben ja diejenigen, welche später das Christus-Prinzip aufgenommen haben, auch in einer gewissen Weise die Möglichkeit in sich gehabt, weitere drei Gruppenseelenköpfe in sich aufzunehmen, aber sie haben sie umgestaltet, sie haben das Tierische im Menschen auf ein Höheres hinaufgehoben. Sie erscheinen in vergeistigter Gestalt, wenn die Erde vergeistigt sein wird. Die anderen, die das Christus-Prinzip von sich gewiesen haben, erscheinen mit sieben Köpfen, weil es sieben Zeiträume gab, innerhalb welcher vor der Flut das Tierische ausgebildet worden ist. Und weil in den letzten drei atlantischen Zeiten die Zweigeschlechtigkeit gewaltet hat im Gegensatz zu den vier ersten, erscheint sozusagen jeder Kopf mit zwei Möglichkeiten nach dem Tierischen hin, mit männlicher und weiblicher Möglichkeit, so daß jeder Kopf für diese drei letzten Zeiten mit zwei Hörnern erscheint, im ganzen der Mensch also mit zehn Hörnern.
[ 3 ] Nun kann jemand sagen: Ich verstehe wohl, daß diejenigen Menschen, die nichts an sich arbeiten, um die Gestalt, die sie haben, abzustreifen, um sie ins Menschliche heraufzuheben, wiedererscheinen in der tierischen Gestalt, aber nicht, warum man nun von Hörnern spricht. Daß man von Köpfen spricht, das ist leicht zu verstehen, warum aber von Hörnern? — Nun will ich erklären, warum man von Hörnern nicht nur spricht, sondern sprechen muß. Nicht bloß symbolisch ist der Ausdruck zu verstehen, sondern es ist Wirklichkeit. Tatsächlich werden die Menschen, die verfehlen, das Christus-Prinzip in sich aufzunehmen, ja auch in astralischer Gestalt erscheinen. Weil sie aber ihre Triebe so gestaltet haben, daß sie sozusagen an der tierischen Gruppenseele festgehalten haben, erscheinen die entsprechenden Triebe in dem astralischen Leibe, den die Menschen dann haben werden, in Form von hörnerartigen Fortsetzungen. Es ist eine wirkliche Gestalt.
[ 4 ] Ich will es an einem Organ erklären, wie es kommt, daß der Mensch, der das Christus-Prinzip nicht in sich aufnimmt, tatsächlich mit Hörnern erscheint, wenn die Erde sich vergeistigt haben wird. Nehmen Sie das Organ des menschlichen Kehlkopfes und die Luftröhre. Sie atmen fortwährend in dieser Luftröhre Luft ein und aus. Das ist eine Tätigkeit, die der Mensch ausübt. Diese Tätigkeit steht bei dem Menschen, der sich vergeistigt, im Dienste des Geistigen, bei dem Menschen aber, der nicht seine Hinneigung, ‚seine Hinordnung zum Christus-Prinzip nimmt, steht sie in Beziehung zu den alten, zu den sieben Köpfen gehörigen Kräften. Setzen wir also den Fall, daß wir es schematisch so aufzeichnen:
[ 5 ] ZFortwährend geht die Luft durch den Kehlkopf hinein von außen. Sie wissen aber, daß der astralische Leib des Menschen ihn umgibt. Der Strom der Luft, der hineingeht, wird immer in Verbindung sein mit dem Astralischen. Wenn die Erde nun sich vergeistigt, zeigt es sich, ob die Atmung bei einem Menschen ein Diener des Christus-Prinzips oder ob sie ein Diener der niederen Kräfte war, die schon vor dem Christus-Prinzip in der Welt waren. War sie ein Diener des Christus-Prinzips, dann verliert sie jene Form, die sich dem heutigen Leibe anpaßt. Der Mensch hat dann selbst die Gewalt, alles, was astralisch ist, in eine höhere, vergeistigte Form umzuwandeln. Nimmt er das Christus-Prinzip nicht auf, dann ist er außerstande, dasjenige, was der heutigen fleischlichen Form angepaßt ist, aus dieser fleischlichen Form herauszubringen. Und die Folge davon ist, daß, nachdem das Fleischliche abgefallen, verschwunden ist, nachdem der physische Kehlkopf fortgegangen ist, diese Form des astralischen Leibes bleibt, die da sich immerfort mit dem Atem hineinsteckt in den Kehlkopf. Diese Form bleibt in der Gestalt eines Hornes vorhanden. Überall, wo am Menschen die äußeren astralischen Kräfte ein- und ausgehen, bleiben sie angepaßt der vorhergehenden tierischen Gestalt, wenn der Mensch in die astralische Form übergeht, das heißt es erscheint der Mensch dann mit wahren astralischen Hörnern. Das sind wirkliche astralische Gestalten, sie entsprechen genau dem Eindringen der astralischen Substantialität während des Erdenlebens. Es ist so, daß uns in diesen Bildern nicht beliebige Symbole hingestellt werden, sondern daß sie die wahre Gestalt dessen haben, was einst erscheint. Das gilt es aufzufassen.
[ 6 ] Nun wollen wir einmal an der Hand dessen, was wir neulich betrachtet haben, an der Hand jenes etwas unbehaglichen Schemas mit den vielen Zahlen, den Platz in der Weltentwickelung bestimmen, an dem wir stehen. Da sind wir uns klar darüber, daß die 49 großen Verwandlungsformen des Saturn vorbei sind, die sieben Lebensformen des Saturn, die in theosophischen Büchern auch «Runden» genannt werden, mit je sieben Formzuständen, «Globen», daß ferner vorüber sind die 49 entsprechenden Sonnenzustände und die 49 Mondzustände. Die hat der Mensch in seiner bisherigen Entwickelung durchgemacht, im ganzen also 147 Zustände. Dazu kommen nun die Zustände, die der Mensch schon während unserer Erdenentwickelung durchgemacht hat. Da sind vorüber die drei ersten Lebensreiche, die man auch die drei ersten Runden nennt. Wir leben im vierten Lebensreich, in der vierten Runde. Weil nun jede. solche Runde wiederum sieben Zustände der Form umfaßt, so haben wir 3 mal 7 Zustände während der drei ersten Runden absolviert. Zu den 147 kommen also 21 hinzu. Das vierte Lebensreich haben wir noch nicht absolviert, aber wir haben einen Teil von diesem hinter uns. Wir haben die drei ersten Formzustände absolviert, den fast noch formlosen geistigen Zustand oder ArupaZustand, den Rupa- und den astralischen Zustand. Im physischen stehen wir. So kommen zu den 147 plus 21 noch 3 hinzu. Wir haben also absolviert 171 Formzustände von den 343 der sieben Planeten.
[ 7 ] Sie müssen vor allen Dingen ins Auge fassen, daß wir jetzt in dem 172. Formzustand stehen, und das ist die physische Erde. 171 Zustände hat sie schon durchgemacht. Während dieses 172. Zustandes hat sich alles das zugetragen, was wir geschildert haben. Als er begonnen hat, dieser Zustand, war die Erde verbunden mit Sonne und Mond. Während dieses Zustandes ist die Sonne, ist der Mond herausgegangen, und nachdem Sonne und Mond herausgegangen waren, erschien der Mensch als heutiger Mensch auf der physischen Erde. Und es begann darauf die atlantische Zeit, von der wir gesprochen haben, und wir haben gesagt: Diesen Zeitraum, der der 172. ist, den müssen wir wieder einteilen in sieben Zeiträume. — Der erste liegt weit zurück, da war am Anfang noch die Sonne bei der Erde. Etwas sehr uneigentlich ist man gewohnt worden, diesen Zeitraum die polarische Menschenrasse zu nennen. Von dieser kann man kaum eine Vorstellung geben. Dann folgt, während des Hinausgehens der Sonne, die Rasse der Hyperboräer, dann, während des Hinausgehens des Mondes, eine dritte, die sogenannte lemurische Menschenrasse. Das sind drei Zustände, und der vierte innerhalb dieses 172. Zustandes ist die atlantische Rasse. Die fünfte Rasse ist diejenige, in der wir selbst stehen. Nach der vierten war die große atlantische Flut. Nach der unserigen folgt diejenige, die in der Apokalypse des Johannes durch die sieben Siegel ausgedrückt ist, und dann diejenige, die durch die sieben Posaunen ausgedrückt ist.
[ 8 ] Nun wissen wir, daß jeder dieser Zeiträume wieder in sieben zerfällt, denn wir haben den unserigen, den fünften innerhalb des 172. Formzustandes, zerteilt in die altindische, altpersische, chaldäisch-babylonisch-assyrisch-ägyptisch-jüdische, in die griechisch-lateinische, in unsere, in eine sechste und eine siebente Kulturepoche. Dann folgt der große Krieg aller gegen alle. Das, was nach dem großen Kriege kommt, zerfällt wieder in sieben Glieder, ausgedrückt durch die sieben Siegel, und dasjenige, was durch die sieben Posaunen ausgedrückt ist, ist wiederum in sieben Glieder geteilt.
[ 9 ] Wenn Sie nun in Betracht ziehen, daß 171 noch zukünftige Formzustände zu den bereits verflossenen hinzugezählt werden müssen, dann haben Sie 342, ein weiterer dazu, der gegenwärtige, gibt alle 343, aber in diesem leben wir drinnen, er steht in der Mitte. Nun kann jemand sagen: Das ist eigentlich eine ganz wunderbare Sache, daß wir gerade das Glück haben, in der Mitte der Weltentwickelung zu leben. — Das muß in der Tat manchem, der nicht weiter darüber nachdenkt, als sonderbare Tatsache erscheinen, daß wir so mitten in der Entwickelung leben. Ja, für denjenigen, der die Sache ganz durchschaut, ist es gar nicht so sonderbar. Es ist nicht wunderbarer, als wenn jemand, der auf freiem Felde in ebener Gegend steht, wo er nach hinten und vorn gleich weit sieht, sich in der Mitte des Gesichtsfeldes befindet. Wenn er ein Stück weitergeht, blickt er wieder gleich weit nach hinten und nach vorne. Ganz andere Zustände in der Weltentwickelung würden sich ergeben, wenn wir uns an einen anderen Punkt stellen würden. Wir sind immer in der Mitte. Der Mensch kann nach hinten und vorne immer gleich viel sehen, auch mit noch so hellseherischen Organen. Etwas anderes könnte vielleicht noch auffällig sein. Es könnte jemand sagen: Wie kommt es, daß du uns nicht sagst, auch im übrigen seien wir ganz genau in der Mitte. Denn jetzt stimmt es nicht mehr. Wir zählen da den 172. Formzustand. Die genaue Mitte wäre im vierten Zeitraum desselben, wit stehen aber im fünften, also etwas über der Mitte draußen. Das stimmt also nicht genau damit, daß wir wirklich in der Mitte sind. — Da liegt eine eigentümliche Tatsache zugrunde. Durch einen Vergleich können Sie es sich klarmachen. Wenn Sie ihn genau erfassen, so sehen Sie, daß das eine wichtige Tatsache ist. Es ist wirklich so: In bezug auf die großen Hauptzustände, Formzustände stehen wir in der Mitte, aber in bezug auf diejenigen Zustände, die uns am allernächsten angehen, stehen wir etwas über die Mitte hinaus. Warum ist das so?
[ 10 ] Denken Sie sich einmal, Sie würden in einer ganz ebenen Gegend auf einer Eisenbahnstrecke fahren und in der Lage sein, nicht im Waggon sitzen zu müssen, sondern in einem für Sie besonders zugerichteten Wagen, und zwar so, daß Sie nach allen Seiten hin einen freien Blick hätten. Nehmen wir an, Sie wären imstande, das lange Zeit hindurch zu machen. Sie hätten wirklich einen freien Ausblick, und wenn Sie in irgendeinem Punkte Ihrer Fahrt sehr rasch ein Bild entwerfen könnten von der gesamten Umgebung, so würde dieses Bild vollständig kreisförmig abgeschlossen sein. Nur in einem Falle würde dies nicht der Fall sein. Denken Sie sich einmal, Sie sitzen in dem dahinfahrenden Zug und fixieren das Bild, das Sie vor sich haben. In diesem Augenblick, wo Sie es fixieren, schlafen Sie ein und fahren eine Zeitlang schlafend, und dann, wenn Sie schlafen, werden Sie eine Strecke hindurch nicht gewahr, wie das Bild sich verändert. Sie wachen auf, und in dem Zeitpunkt, wo Sie aufwachen, da denken Sie sich das Bild, das Sie vorher fixiert haben, rasch wieder aufleben. Jetzt stimmt es nicht, und der Grund davon ist, daß Sie eine gewisse Zeitstrecke verschlafen haben. Jetzt fällt nicht zusammen Ihr Bild mit dem Blick, der nach allen Seiten gleich ist, denn Sie haben dazu ein Stück, das Sie verschlafen haben.
[ 11 ] Nun fragen wir: Ist das wirklich so, daß der Mensch von der Mitte seiner Entwickelung bis in unsere Zeit herein geschlafen hat? — Es wäre uns vielleicht erklärlich, daß das Bild bis dahin vollständig stimmen mußte, jetzt, wo wir über die Mitte hinausgekommen sind, würde, wenn wir geschlafen hätten, es möglich sein, daß das Bild sich ein Stück verschoben hat. Hat der Mensch geschlafen? Im okkulten Sinn hat die Menschheit seit der Mitte der atlantischen Zeit geschlafen, weil das die Zeit ist, wo dem ganzen Menschengeschlecht als solchem abhanden gekommen ist das alte dämmerhafte Hellsehen. Die Menschen tauchen unter für das Geistige wie in einen Schlafzustand. Sie fangen an, ihren Blick auf die sinnliche Welt zu richten und gehen also für die geistige Welt in einen Schlafzustand über. Und erst wenn der Mensch wiederum das Hellsehen erlangt hat, dann wird er sozusagen nach allen Seiten einen freien Ausblick haben. Es wird nicht mehr diese Verschiebung der Evolution sein, es wird nach vorne und hinten dieselbe Strecke erscheinen. Tatsächlich hat der Mensch seit der Mitte der atlantischen Zeit geschlafen dadurch, daß er nicht teilhaftig war der Anschauung der geistigen Welten als normaler Mensch. Wenn wir von den Eingeweihten oder auch von Somnambulen meinetwegen absehen, so müssen wir sagen: Die Menschen sehen nicht, denn «sehen» bedeutet, wirklich in die Welt hineinschauen. — Gegenüber der geistigen Welt schläft die Menschheit und sie wird noch eine Zeitlang schlafen. Seit jener atlantischen Zeit gilt der Ausspruch des Johannes-Evangeliums: «Und das Licht schien in die Finsternis, aber die Finsternis hat es nicht begriffen.»
[ 12 ] So also verbirgt sich in dieser Einteilung doch eine wichtige Wahrheit, die Wahrheit, daß die Menschheit in einem finsteren Zeitalter lebt, in dem Zeitalter der Finsternis. Und in dieses Zeitalter wurde das Christus-Prinzip hereinversetzt, damit die Menschheit hinausgeführt werde in das Zeitalter des Lichts. Deshalb mußte ich Ihnen mit Recht den gegenwärtigen Stand der Entwickelung nicht in die Mitte, sondern hinter die Mitte legen, weil in Atlantis das finstere Zeitalter beginnt, das bis in das sechste Zeitalter hineingeht, bis dahin, wo die auserlesene Schar in weißen Kleidern erscheint, wo diese Schar erscheint als die ersten, die wieder imstande sind, in den gewöhnlichen normalen Verhältnissen die geistige Welt um sich herum zu haben. Da ist der Zeitraum der Finsternis abgelaufen, da erscheint der Zeitraum, von dem es heißen muß: «Das Licht scheint in die Finsternis und die Finsternis begreift das Licht.» Das schwarze Zeitalter wird deshalb auch die Zeit genannt, in welcher der Mensch seinen Blick nur auf die physisch-materielle Welt richtet und im normalen Zustand nicht die geistige Welt dahinter sieht.
[ 13 ] Nunmehr wollen wir aber anknüpfen an das, was wir weiter über die Entwickelung gesagt haben. Wenn die Entwickelung bis nach dem siebenten Zeitraum vorgeschritten sein wird, nach der Zeit, welche durch die Posaunenklänge angedeutet ist, dann vergeistigt sich die Erde, und die Erde geht zunächst ins Astralische, dann ins Devachanische und in den feineren devachanischen Zustand über. Und sie geht dann wiederum zurück in dieselben Zustände, indem sie sich von dem feinsten Geistigen immer mehr verdichtet und in denjenigen Zustand kommt, welchen man gewöhnlich in theosophischen Handbüchern die fünfte Runde nennt, die wiederum sieben Formzustände haben wird, und in der Mitte wiederum durch eine solche Entwickelung von sieben aufeinanderfolgenden, meinetwegen Rassezuständen charakterisiert werden müßte.
[ 14 ] Nun wollen wir uns einmal, wenn es uns auch schwer wird, doch in die nächsten Zustände unserer Erdenentwickelung ein wenig vertiefen. Wir wollen einen ganz bestimmten Punkt unserer Entwickelung in der Zukunft ins Auge fassen, ebenso wie wir unseren jetzigen Punkt ins Auge gefaßt haben. Fassen wir noch einmal unseren jetzigen Entwickelungspunkt ins Auge, und zwar so, daß wir bloß anfangen mit unserem jetzigen 172. Zustand. Von diesem 172. Zustande hat die Erde drei Unterzustände schon absolviert. Der 172. Zustand ist der physische Formzustand, die Erde selbst. Drei [Formzustände]} hat sie vorher schon absolviert. Sie ist jetzt im vierten dieser Zustände. Wir fassen also zunächst nur ins Auge die Formzustände [der Erde}. Wir rechnen, daß wir in dem vierten Lebensreich oder der vierten Runde sind. Die betrachten wir als gegeben und sagen: Von dieser vierten Runde, von diesem vierten Lebensreich haben wir durchgemacht drei Formzustände, und wir sind im vierten dieser Formzustände. Fragen wir uns nun weiter: Wieviel haben wir von den Unterzuständen durchgemacht? Den ersten, zweiten, dritten, vierten. Der letzte war die atlantische Zeit. Diese letzte, die atlantische Entwickelungszeit, ist also abgeschlossen. Wir sagen: Wir haben vier Zustände durchgemacht und stehen jetzt im fünften. Von diesem fünften haben wir wiederum vier durchgemacht an Unterzuständen, nämlich den altindischen, altpersischen, ägyptischen, griechisch-lateinischen. Im fünften stehen wir. So daß wir sagen: Vor unserer unmittelbar jetzigen Entwickelungsstufe haben wir 3, 4, 4 Zustände absolviert. Diese 3, 4, 4 Zustände, die wir da absolviert haben, die bezeichnet man in der Sprache des Apokalyptikers als die Zahl der Entwickelung. Wenn man also fragt: Welches ist die Zahl der Entwickelung, unserer Entwickelung? — dann heißt die Antwort: Diese Zahl unserer Entwickelung ist «344» (gelesen drei, vier, vier). — Es ist das nicht im Sinne des Zehnersystems, sondern des Siebenersystems gelesen. Drei Zustände von sieben sind durchgemacht, vier Zustände von den nächsten, kleineren sieben sind durchgemacht, und vier Zustände von abermals sieben kleineren sind durchgemacht. Das bedeutet eigentlich diese «344». Man darf sie nicht wie andere Zahlen einfach ablesen, sondern sie enthält nebeneinander geschrieben die Zahl der Zustände, die man durchgemacht hat.
[ 15 ] Nun denken wir uns folgendes: Wenn die Erde sich vergeistigt und sich in ihre nächsten Zustände hinüberentwickelt haben wird, dann werden immer mehr und mehr Stufen durchgemacht sein. Und einmal muß eine Zeit kommen, wo durchgemacht sein werden: von der ersten Gattung 6, von der zweiten 6 und von der dritten 6 Zustände. Genau wie wir jetzt als Zahl der Entwickelung 344 haben, so muß einmal in der Zukunft, in dem Zeitpunkt, wo 6 Lebensreiche oder Runden, 6 Hauptrassen und 6 Unterrassen durchgemacht sind, die Zahl «666» (gelesen sechs, sechs, sechs) gelten — uneigentlich gelesen, aber das ist die richtige Art und Weise der Schreibung des Apokalyptikers. Also es wird einmal eine Zeit kommen, wo die Zahl «666» die Zahl der Entwickelung ist. Das wird erst in einer sehr fernen Zukunft sein, aber diese Zukunft wird schon vorbereitet in unserer Zeit. Nachdem drei große Hauptzustände [Hauptrassen] durchgemacht sind, leben wir in unserer Zeit im vierten. Aber wenn die Zeit vorübergegangen sein wird, welche nach dem großen Kriege aller gegen alle durch die sieben Siegel bezeichnet ist, wenn wir angelangt sein werden [beim Zeitalter der sieben Posaunen}, dann werden wir von dieser mittleren Gattung sechs durchgemacht haben. Wenn die erste Posaune erklingen wird, werden wir 6 solche Hauptrassen durchgemacht haben, und wenn wir dann hinüberleben in die Zeit der Posaunenklänge und die Zeiten vorüber sein werden, die durch die ersten sechs Posaunen gekennzeichnet sind, dann haben wir «66» erlebt. Bis dahin hat die Menschheit Zeit gehabt, sich vorzubereiten auf den furchtbaren Zeitpunkt, der einst viel später folgt, da nämlich, wo nicht nur 66, sondern «666» erreicht sein wird.
[ 16 ] Alles Zukünftige wird schon gegenwärtig vorbereitet. Die Zeit, die nach dem großen Kriege aller gegen alle eingetreten sein wird, die Zeit des siebenten Posaunenklanges, wird Menschen sehen, die dadurch, daß sie sich vom Christus-Prinzip ausgeschlossen haben, einen hohen Grad der Bosheit, der Anlage, in den Abgrund hinunterzusinken, erlangt haben werden. Bis dahin werden diese Menschen dafür gesorgt haben, daß sie, wenn der Zeitpunkt 666 kommt, so recht tief in das Böse, in den Abgrund hineinsteigen können. Die Anlage zu diesem Hinuntersteigen in den Abgrund in urferner Zukunft nehmen die Menschen schon nach dem groBen Kriege aller gegen alle in dem Zeitalter [der Posaunen}, wenn die siebente Posaune erklingt, in sich auf. Zwar wird es noch lange Zeit möglich sein, daß die Menschen, die solche Anlage dann in sich aufgenommen haben, umkehren, sich bekehren können, daß sie zurückkehren in ihrer Entwickelung, um dann noch das Christus-Prinzip aufzunehmen. Aber die erste Anlage ist geschaffen, und diejenigen, die bei dieser Anlage bleiben, die werden dann, wenn jene urferne Zukunft kommen wird, die nicht durch 466, sondern durch 666 angedeutet wird, diese Anlage nicht mehr umwandeln können in gute Anlagen. Sie werden jenem furchtbaren Schicksal erliegen, von dem wir noch zu sprechen haben.
[ 17 ] So sehen wir, daß mit dieser Sechs-Zahl, ob sie nun einfach oder doppelt oder dreifach auftritt, etwas Schlimmes für die Menschheitsentwickelung verknüpft ist. Wir leben im fünften Haupt- und im fünften Unterzeitraum. Wir werden hinüberleben nach dem großen Krieg in den sechsten Zeitraum hinein. Aber bevor der große Krieg kommt, kommt unmittelbar hinter unserem fünften Unterzeitraume der sechste Unterzeitraum, charakterisiert durch die Gemeinde Philadelphia. Nun wissen wir, daß heute die Zeit ist, in welcher der Materialismus sich in der Menschheit ausgebreitet hat. Wir haben gesehen, wie durch die Jahrhunderte herauf die Menschen immer materialistischer geworden sind, aber dieser Materialismus ist ein solcher, daß Umkehr jederzeit möglich ist. Der materialistische Mensch hat heute noch Zeit zur Umkehr. Daher muß aber auch in unserer Gegenwart eine spirituelle Weltanschauung Platz greifen, jene Weltanschauung, welche ein kleines Häuflein von Menschen eben zu dieser okkulten, spirituellen Auffassung der Welt hinführt. Diejenigen, die den großen Bruderbund in seiner ersten Anlage begründen werden im sechsten Zeitraum, der da folgen wird auf unsere Zeit und der gar nicht so fern liegt, dessen Beginn in einer Zeit liegt, die nur nach Jahrtausenden zählt, die werden die allererste Abspaltung der Menschen bewirken. Diejenigen, die hartnäckig verharren im Materialismus, und auch die anderen, die geneigt sein werden, eine spirituelle Anschauung in sich aufzunehmen, die den Bruderbund im kleinen Häuflein ausbilden, beide werden schon auftreten in unserem sechsten Zeitraum. Diese einfache 6, sie kann schon für viele Menschen verhängnisvoll werden, aber nicht letztgültig, denn Umkehr wird auch dann noch möglich sein. Aber es werden die Menschen hinüberleben über den großen Krieg aller gegen alle. [Das Zeitalter der sieben Siegel und} fünf Zeiträume [des Posaunenzeitalters} werden vergehen, die Sechszahl wird wieder eintreten. Nachher werden neuerdings die Verlockungen und Verführungen kommen, um die materialistische Anlage weiter auszubilden, sie hinüberzutragen in die Zeit der Posaunenklänge, und wenn 6 große und 6 weitere kleinere Zeiträume verlaufen sind, nach 66, da werden schon sehr beträchtliche Anlagen in der Menschheit vorhanden sein, die nicht so leicht gutzumachen sind wie unsere.
[ 18 ] So sehen wir, daß tatsächlich immer mehr und mehr die Welt der schlechten Anlagen innerhalb der Menschheit wirkt und daß sich immer deutlicher und krasser die guten Menschen von den bösen, im Sinne der Darstellung des Apokalyptikers, voneinander scheiden. Die letzte große Scheidung wird sein, wenn nicht nur für die kürzeren, sondern für die längeren Zeiträume die Sechszahl erfüllte sein wird. Das wird dann der Fall sein, wenn unsere Erde absolviert hat ihre sechs Lebensreiche oder sechs Runden und innerhalb der siebenten Runde wiederum sechs Formzustände. Wenn sie das absolviert hat, dann werden die Anlagen der Menschheit ins Böse sich ausgebildet haben in einer furchtbaren Gestalt. Mit furchtbar verheerender Gewalt wird dann das Böse nur bei denen auftreten, die böse geblieben sind.
[ 19 ] Wir fragen uns also: Wie oft hat innerhalb unserer Erde die Menschheit Gelegenheit, der Verführung zum Bösen zu unterliegen? — Zunächst in demjenigen Zeitraum, der auf den unsrigen folgt, vor dem großen Kriege. Dann hat sie ein zweites und ein drittes Mal Gelegenheit dazu. Es bildet sich also dieser Herabstieg zum Bösen nach und nach aus. Für den Zeitraum nun, wo die Erde zuerst übergegangen ist in einen geistigen Zustand, für diesen Zeitraum haben wir es zunächst mit zwei Möglichkeiten zu tun. Wenn die Erde sich wiederum mit der Sonne verbunden haben wird, da werden diejenigen, die das Christus-Prinzip in sich aufgenommen haben, reif sein, aufzugehen in die Kräfte der Erde, die sich mit der Sonne vereinigen; ausgeschlossen werden diejenigen sein, welche die Möglichkeit zum Bösen in sich aufgenommen haben. Diese sind gleichsam so, daß sie die Sonne von sich stoßen, daß sie dasjenige, was sie befähigen würde, sich mit den Kräften der Sonne zu vereinigen, von sich stoßen. Sie sind die Gegner der Vereinigung mit der Sonne. Deshalb bezeichnet der Apokalyptiker diejenige Gewalt, dasjenige Wesen, welches die Menschen dahin führt, sich so zu vergeistigen, daß sie sich mit der Sonne vereinigen können, als den Christus in ganz richtigem Sinn, und, wie wir hören werden, als das Lamm. Man bezeichnet die Christus-Wesenheit als den Genius der Sonne, der sich mit der Erde vereinigt und auch der Genius der Erde wird. Er hat schon begonnen, es zu werden seit dem Ereignis von Golgatha.
[ 20 ] Aber es gibt auch ein gegnerisches Prinzip dieses Lammes: Es ist auch ein Sonnendämon da, das sogenannte Dämonium der Sonne, dasjenige, was in den bösen Kräften der Menschen wirkt, zurückstoßend die Kraft des Lammes. Und es wirkt so; daß ein gewisser Teil des menschlichen Geschlechtes ausgestoßen wird von der Entwickelung, die zur Sonne führt. Das sind die gegnerischen Kräfte der Sonne, die in Opposition zur Sonne stehen. Das sind zu gleicher Zeit diejenigen Kräfte, die die Anlage haben, wenn die 666 Entwickelungszustände verflossen sein werden, ganz hinausgeworfen zu werden aus unserer Entwickelung; sie werden dann letztgültig ausgestoßen sein in den Abgrund. So daß wir sagen müssen: In jener Zeit, wo die Erde mit der Sonne vereinigt ist, wird nicht nur dasjenige ausgestoßen sein, was durch das Tier mit den sieben Köpfen und zehn Hörnern symbolisiert wird, sondern auch das, was mit Kräften ausgestattet ist, die der Sonne gegenteilig sind. Das alles ist bestimmt, in den Abgrund hineinzuverschwinden, wenn die 666 erfüllt sein wird.
[ 21 ] Nun hat man diese 666 immer in einer sehr geheimnisvollen Weise aufgeschrieben. Wir werden noch sehen, daß aller Grund vorhanden ist, diese Tatsachen, die wir jetzt besprechen, ins Mysterium der Geheimnisse zu hüllen; aller Grund ist dazu vorhanden. Und weil das der Fall ist, so hüllte man sie in solches Mysterium und schrieb 666. In den Mysterien, aus denen der Apokalyptiker seine Einweihung erhalten hat, schrieb man 400 200 6 60. Das ist durchaus in einer Weise geschrieben, daß es der Laie nicht erkennen kann. Man hat verborgen diese 666; als ein Geheimnis sollte es bewahrt bleiben, indem Sie hier 400 200 6 60 haben. Und dadurch, daß alles umgestellt wird, ist ein Blendwerk geschaffen. Nun gibt es in der Schrift der Eingeweihten ein gewisses Prinzip, das darin besteht, Buchstaben durch entsprechende Zahlen zum Ausdruck zu bringen. Auf dieses Prinzip sind einige der merkwürdigen Leute gekommen, welche im Laufe des neunzehnten Jahrhunderts das Geheimnis der Zahl 666 haben enthüllen wollen, aber so, wie sie darauf gekommen sind, kann man sagen: sie haben zwar läuten, aber nicht zusammenschlagen hören. Denn sie haben sich das, was ich Ihnen jetzt hier auseinandergesetzt habe und was esoterisch immer gelehrt worden ist, in ungenauer Art angeeignet. Sie haben gefunden, daß, wenn man für diese Zahlen Buchstaben des Hebräischen setzt, man «Nero» herauskriegt; sie haben also geschlossen, das 666 bedeute Nero.
[ 22 ] Das ist nicht der Fall. 666 muß erst so aufgeschrieben werden: 400 200 6 60, dann bekommt man heraus, um was es sich handelt. Dann muß man schreiben: 400 als, 200 als, 6 als und 60 alsD. Diese vier Buchstaben drücken die vier Zahlen 400 200 6 60 aus. Sie sind durch eine wunderbare Art und Weise gerade in dieses Geheimnis hineingezogen worden, wunderbar durch den Scharfsinn derer, die sie hineingezogen haben, weil zu gleicher Zeit diese vier Buchstaben als Laute wiederum ganz besondere okkulte Bedeutung hatten. Denken Sie nur einmal, was muß denn eigentlich die Zahl 666 bedeuten, wenn sie ausdrücken soll, was wir angeführt haben? Sie muß bedeuten das Prinzip, das den Menschen zur völligen Verhärtung führt im äußeren physischen Leben, so daß er geradezu von sich stößt, was ihn befähigt, die niederen Prinzipien abzustreifen und hinaufzusteigen zu den höheren. Was der Mensch bekommen hat an physischem Leib, Ätherleib, astralischem Leib und niederem Ich, bevor es sich zum höheren hinauf erhebt, diese vier Prinzipien werden zu gleicher Zeit durch diese vier Buchstaben ausgedrückt: durch das Samech der physische Leib, durch das Waw der Ätherleib, durch das Resch der astralische Leib und durch das Taw das niedere Ich. So sehen wir, daß das Verhärtete in diesen vier Prinzipien, bevor sie ihre göttliche Entwickelung beginnen, durch die vier Buchstaben ausgedrückt wird. Der Apokalyptiker kann wahrhaft sagen: «Hier ist Weisheit!», denn Weisheit ist darinnen. «Wer Verstand hat, der überlege die Zahl, die Zahl 666!»
[ 23 ] Und jetzt wollen wir einmal lesen. Man liest das so, selbstverständlich umgekehrt:
[ 24 ] Dann hat man noch zu ergänzen die Vokale, und es heißt «Sorat». Sorat ist der Name des Sonnendämons, des Gegners des Lammes. Und jedes solches geistige Wesen hat man bezeichnet nicht nur mit seinem Namen, sondern auch mit einem ganz bestimmten Sinnbild, mit einem symbolischen Zeichen. Für Sorat, den Sonnendämon, gab es dieses Zeichen:
[ 25 ] einen dicken Strich, der in sich selbst zurückgebogen ist und vorne zwei gebogene Spitzen hat.
[ 26 ] Und nun müssen wir aber den Apokalyptiker richtig verstehen. Er sagt ja gleich im Anfang ein merkwürdiges Wort, das gewöhnlich falsch übersetzt wird. Der Eingang der Apokalypse heißt doch: «Dies ist die Offenbarung Jesu Christi, die ihm Gott gegeben hat, seinen Knechten zu zeigen, was in Kürze geschehen soll, und hat sie in Zeichen gesetzt und uns gegeben durch seinen Engel dem Knecht, dem Diener Johannes.» «In Zeichen gesetzt»: also wir müssen uns darauf gefaßt machen, daß er den wichtigen, den eigentlichen Mysterieninhalt in Zeichen setzt. Er hat dasjenige, was 666 ausdrückt, in Zeichen gesetzt. Was er beschreibt, ist das Zeichen, und er beschreibt es so (Kapitel 13,11): «Und ich sah ein ander Tier aufsteigen aus der Erde, das hatte zwei Hörner gleichwie ein Lamm.» Das sind nichts anderes als die zwei Striche oben an der Zeichnung, und um das zu verhüllen, nennt er einfach die zwei Striche hier «Hörner». Das war immer so im Gebrauch der Mysteriensprache, daß man ein Wort vieldeutig gebraucht hat, um den Uneingeweihten nicht so ohne weiteres die Möglichkeit zu geben, die Sache zu verstehen. Was er also hier beschreibt «das hatte zwei Hörner wie ein Lamm», das ist das Zeichen des Sonnendämons, das in der Mysteriensprache ausgedrückt wird durch das Wort «Sorat», und das, wenn wir für die einzelnen Buchstaben ihre Zahlen einsetzen, ausgedrückt wird durch die vier Zahlen 400 200 6 und 60. Das gibt 666 in sehr verhüllter Ausdrucksweise.
[ 27 ] So sehen wir, daß der Apokalyptiker auf den Gegner des Lammes hindeutet. Unten erscheinen da, wo die Erde ins Geistige übergeht, die Gestalten der Menschen so, daß sie ihre alte Tierform erhalten. Es erscheint das Tier mit den sieben Köpfen und zehn Hörnern, aber es erscheint auch ihr Verführer, der die starke Kraft hat, sie nicht zurückkommen zu lassen zur Sonne, der Gegner des Christus. Die Menschen selber können keine Gegner des Christus sein, können nur sozusagen durch das, was in ihnen an falscher Kraft ist, versäumen, das Christus-Prinzip in sich aufzunehmen. Aber es gibt einen solchen Gegner: das Sonnendämonium. Das erscheint, sobald etwas da ist, das ihm zur Beute fallen kann. Bevor die Beute da ist, bevor die Menschen da sind mit den sieben Köpfen und zehn Hörnern, da ist nichts zu verführen, da hat auch der Verführer nichts zu suchen. Dann aber, wenn der Mensch mit solchen Anlagen erscheint, dann kommt der Verführer. Und er erscheint als das zweite der Tiere und verführt.
[ 28 ] In dem Augenblick also, wo die Erde in den astralischen Zustand übergeht, erscheint vom Menschen dasjenige, was an ihm vorhanden war, als die Erde noch mit einer Wasserhülle umkleidet war. Es steigt auf das Menschentier. Aus dem Wasser sieht man sich erheben das Tier mit den sieben Köpfen und den zehn Hörnern. Daß dieses Tier unbenützt gelassen hat die Erde, das macht, daß jetzt aus der Erde aufsteigen kann Sorat, der Sonnengegner, der Verführer, der dadurch sich dem Menschen nahen und ihn mit aller Kraft in den Abgrund hinunterreißen kann. So sehen wir ein Wesen an die Menschen sich schmiegen von diesem Zeitpunkt an, das eine furchtbare Gewalt hat. Was tut denn dieses Wesen, um die Menschen in solch schauderhafte Dinge hineinzuführen, wie wir sie ahnen können? Damit die Menschen verführt werden zur bloßen Unmoral, zu dem, was sie schon als Normalmenschen kennen, dazu brauchte es dieses Ungeheuers nicht, das als Sonnendämon erscheint. Erst wenn dasjenige, was im guten Sinne die Wesen auszeichnet, die dem Menschengeschlecht Rettung bringen, erst wenn die spirituelle Erhebung in ihr Gegenteil verwandelt wird, wenn die spirituelle Kraft in den Dienst des niederen Ich-Prinzips gestellt wird, dann kann sie die Menschheit so weit bringen, daß das Tier, das dargestellt wird mit zwei Hörnern, über sie Gewalt erlangt. Der Mißbrauch der spirituellen Kräfte hängt zusammen mit jener verführerischen Kraft des Tieres mit den zwei Hörnern. Und wir nennen diesen Mißbrauch der spirituellen Kraft die schwarze Magie im Gegensatz zum. richtigen Gebrauch, den wir die weiße Magie nennen.
[ 29 ] So wird das Menschengeschlecht dadurch, daß es sich spaltet, sich darauf vorbereiten, auf der einen Seite in immer geistigere Zustände zu gelangen und dadurch in den Gebrauch der geistigen Kräfte, in die weiße Magie hineinzukommen, und auf der anderen Seite wird dasjenige, was Mißbrauch treibt mit den spirituellen Kräften, sich vorbereiten für die wildeste Kraft des zweihörnigen Tieres, die schwarze Magie. Es wird sich letzten Endes die Menschheit spalten in Wesen, welche die weiße, und in solche, welche die schwarze Magie treiben. So ist in dem Geheimnis von 666 oder Sorat das Geheimnis der schwarzen Magie verborgen. Und der Verführer zur schwarzen Magie, jenes furchtbarsten Verbrechens in der Erdenentwickelung, dem kein Verbrechen gleichkommen kann, er wird vom Apokalyptiker dargestellt durch das zweihörnige Tier. So tritt sozusagen in unseren Horizont ein die Spaltung der Menschheit in urferner Zukunft: die Auserwählten des Christus, die zuletzt sein werden die weißen Magier, und die Gegner, die wilden Zauberer, die schwarzen Magier, die nicht los können von der Materie und die der Apokalyptiker darstellt als diejenigen, die mit der Materie Unzucht treiben. Daher wird dieses ganze Treiben von schwarzer Magie, alles, was da an Ehe entsteht zwischen dem Menschen und der Verhärtung in der Materie, ihm zur Anschauung gebracht vor seiner Seherseele in der großen Babylon, in der Gemeinschaft, die alle diejenigen vereint, die schwarze Magie treiben, in der furchtbaren Ehe oder vielmehr wilden Ehe zwischen dem Menschen und den Kräften der herabgekommenen Materie.
[ 30 ] Und so sehen wir in einer urfernen Zukunft zwei Kräfte einander gegenüberstehen: auf der einen Seite diejenigen, die hineinsegeln in die Bewohnerschaft der großen Babylon, und auf der anderen diejenigen, die sich erheben über die Materie, die sich als Menschen vereinigen mit dem, was als Prinzip des Lammes hingestellt wird. Wir sehen, wie auf der einen Seite das Schwärzeste sich absondert in der Babylon, geführt von all den der Sonne entgegengesetzten Kräften, von Sorat, dem zweihörnigen Tier, und wir sehen die Menschheit, die sich entwickelt hat aus den Auserwählten, die sich vereinigen mit dem ihnen erscheinenden Christus, dem Lamm: die Hochzeit des Lammes auf der einen Seite, die der Babylon, der untergehenden Babylon auf der andern Seite. Und wir sehen hinuntersinken in den Abgrund Babylon und aufsteigen zu der Handhabung der Kräfte der weißen Magie die Auserwählten, die Hochzeit gehalten haben mit dem Lamm. Und weil sie die geistigen Kräfte nicht nur erkennen, sondern auch diese geistigen Kräfte magisch zu handhaben verstehen, können sie vorbereiten das, was sie an der Erde haben, zu der nächsten planetarischen Verkörperung, zu dem Jupiter. Sie zeichnen sozusagen die großen Grundrisse, die der Jupiter haben soll. Wir sehen sich herauserheben aus der Kraft der weißen Magier die vorbereitenden Gestalten, die hinüberleben sollen als die Gestalten der nächsten Erdenverkörperung, des Jupiters: das neue Jerusalem sehen wir aus der weißen Magie sich erheben.
[ 31 ] Vorher aber muß ausgestoßen werden, was charakterisiert ist durch Sorat, 666. Ausgestoßen wird, was verfallen ist dem Prinzip des zweihörnigen Tieres und sich daher verhärtet hat zum Tier mit den sieben Köpfen und zehn Hörnern. Die Kraft, durch welche der Sonnengenius überwinden läßt diese Ausgestoßenen, die sie hinuntertreibt in den Abgrund, diese Kraft wird genannt das Antlitz des Sonnengenius. Und das Antlitz des Sonnengenius ist Michael, der sozusagen als Stellvertreter des Sonnengenius das Tier mit den zwei Hörnern, den Verführer, den man auch den großen Drachen nennt, überwindet. Das wird dargestellt durch das dem Seher erscheinende Bild von Michael, der den Schlüssel zum Abgrund und die Kette in seiner Hand hat, der bei Gott steht und die entgegengesetzten Kräfte gefesselt hält. So wird in der christlich-rosenkreuzerischen Esoterik das Hinwegstoßen derjenigen, die zu 666 gehören, und die Überwindung des Drachens, des Verführers, charakterisiert. So taucht heute vor unserem Blicke auf, was der Apokalyptiker in Geheimnisse gehüllt hat, was man erst durch die Enthüllung herausholen muß, und wozu er sagt: «Hier ist Weisheit! Wer Verstand hat, der überlege die Zahl des Tieres», das heißt des zweihörnigen Tieres, «denn diese Zahl ist 666» (Offenbarung Johannis 13, 18).
[ 32 ] Diejenigen, die sie auf Nero bezogen haben, haben diese Aufforderung des Apokalyptikers schlecht erfüllt. Denn Sie sehen, aus welchen Tiefen der Weltenerklärung die Weisheit, die zur Zahl 666 führt, geholt werden muß. Wenn Sie sich auch heute anzustrengen hatten, um zur Charakterisierung dieses Momentes aufzusteigen, so dürfen Sie nicht vergessen, daß Anstrengung dazu gehört, um die tiefsten Geheimnisse zu verstehen. Und diese tiefsten Geheimnisse der Weltentwickelung hat der Apokalyptiker hineingelegt. Er hat sie verhüllt, weil es gut ist für die Menschen, wenn die wichtigsten Mysterien in Zeichen gesetzt werden. Denn abgesehen von allem übrigen: durch jene Kräfte, welche angestrengt werden, die Zeichen zu enthüllen, wird viel von dem erreicht, was uns zu gleicher Zeit hinaufhebt zu den guten Kräften selber. So lassen wir es uns nicht verdrießen, daß wir uns durch ein Zahlenschema haben hindurchwinden müssen. Hätten Sie in den alten Schulen das auffassen sollen, was da überhaupt an solchen Zahlen geheim gegeben worden ist, bevor irgend etwas Weiteres gegeben wurde, dann würden Sie noch viel anderes erfahren haben. Da haben die Schüler lange schweigen und ruhig zuhören müssen, wie ihnen lauter Zahlen, 777, 666 und so weiter immer und immer wieder zunächst in ihrer formalen Bedeutung klargemacht wurden. Und wenn sie diese Bedeutung erfaßt hatten, dann erst durften sie das eigentlich Inhaltvolle erkennen.
