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The Rudolf Steiner Archive

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Cosmos, Earth and Man
GA 105

4 August 1908, Stuttgart

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Erster Vortrag

1. The Egyptian period, and the Present Time

[ 1 ] Lassen Sie mich Ihnen zuerst sagen, daß es mich mit einer tiefen Befriedigung erfüllt, in einem großen Zusammenhange, in einem Zyklus von Vorträgen über Gegenstände der Geist-Erkenntnis vor Ihnen sprechen zu können. So wichtig und notwendig es ist für unsere Zeit, daß die Geisteswissenschaft in Einzelvorträgen Anregungen gibt, so ist es nicht minder notwendig, namentlich für denjenigen, der tiefer eindringen will in das geisteswissenschaftliche Leben und Streben, daß solche Ausführungen und Darlegungen in einem gewissen Zusammenhange dargebracht werden. Man kann alsdann gewisse Dinge präziser sagen, man kann sie in einem Zusammenhange hinstellen, wo sie erst ihr richtiges Licht, ihre richtige Färbung empfangen, während sonst dieses oder jenes leicht dem Mißverständnis ausgesetzt werden kann. Denn in der gegenwärtigen Zeit trifft ja, selbst bei den vorbereitetsten Seelen, doch noch manches aus dem Geistigen geschöpfte Wort auf eine gewisse Schwierigkeit des Verstehens. Um zu erfassen, wie die Dinge eigentlich gemeint sind, bedarf es nicht nur des guten Willens und des Intellekts; man muß vielmehr im echten Sinne ihnen etwas entgegenbringen, was man — auch im esoterisch-okkulten Sinne — Geduld nennen könnte. Und diese Geduld ist hier in einem tieferen Sinne gemeint. Wir müssen manche Idee und Anschauung durch anderes erst beleuchten lassen und ruhig warten, bis sich aus dem Zusammenhange heraus das Verständnis für manches ergibt, was anfangs nur wie eine Hindeutung aufgenommen und von manchem nur schwer geglaubt werden konnte.

[ 1 ] Not translated

[ 2 ] In unserem heutigen Vortrage nun soll es sich mehr darum handeln, in einer Art von Einleitung die Grundlinien unserer Aufgabe zu charakterisieren. Wir wollen noch nicht eigentlich in diese Aufgabe selbst eintreten, sondern uns erst ein wenig über das verständigen, worüber wir in den nächsten Tagen reden wollen. Denn wir haben im Grunde genommen ein weites, umfangreiches Thema vor uns: Welt, Erde und Mensch, das heißt, eine Skizze von dem Umfange alles Wissens, das wir uns über die sichtbaren und unsichtbaren Welten aneignen können. In die fernsten Fernen des Kosmos werden unsere Gefühle hinausgetragen, wenn im ernsten und würdigen Sinne der Ausdruck «Welt» gebraucht wird. Auf den Schauplatz, auf den die Menschheit gestellt ist, auf dem wir leben und wirken sollen, den wir verstehen sollen nach seinen Aufgaben, seinen Zielen, weist uns das Wort Erde hin. Und endlich auf das, was die Mysten aller Zeiten gemeint haben mit dem Ausspruch: «Erkenne dich selbst, o Mensch», auf das weist uns das Wort hin, das wir im okkulten Sinne erfassen wollen, das Wort Mensch. Und wir haben in unserem 'Thema noch einen Untertitel. Gerade daß wir uns so hohe, bedeutsame Aufgaben gestellt haben, rechtfertigt in gewisser Weise diesen Untertitel; denn wenn wir den Zusammenhang zwischen jener wunderbaren vorchristlichen Kultur, der ägyptischen, und unserer eigenen Kultur betrachten werden, dann werden wir sehen, wie geheimnisvolle Kräfte das Menschenleben durchdringen. Drei Zeiträume menschlichen Strebens und Forschens, menschlicher Entwickelung, menschlicher Moral und Lebensführung drängen sich vor das geistige Auge, wenn die Rede ist von Ägyptertum und Gegenwart. Wenn wir im okkulten Sinne von Ägyptertum sprechen, meinen wir die lange, Jahrtausende währende Kultur, die sich im Nordosten von Afrika, an den Ufern des Nils, ausgebreitet hat und die sich bis in das 8. Jahrhundert vor Christus hinein erstreckte. Wir wissen: diese ägyptische Kultur wurde abgelöst von einer anderen, die wir als die griechisch-lateinische bezeichnen und die auf der einen Seite das wunderbare, in Schönheit erhabene Volk der Griechen zum Mittelpunkt hatte und auf der anderen Seite das starke Römertum. Wir wissen auch, daß in diese Kulturepoche hinein jenes große Ereignis unserer Erdenentwickelung fällt, das wir als die Erscheinung des Christus Jesus kennen. Und dann folgt unsere eigentliche Gegenwart, diejenige Epoche, in der wir selbst leben. Das Ägyptertum mit allem, was dazu gehört — und es gehört vieles dazu -, die griechisch-lateinische Zeit mit ihren großen Erfolgen, mit dem Hervorsprießen des Christentums aus ihr, und unsere gegenwärtige Epoche: das sind die drei Zeiträume, die sich vor unser geistiges Auge hinstellen, wenn wir den Untertitel unserer Vorträge betrachten. Und gezeigt werden soll, daß geheimnisvolle Kräfte spielen zwischen der ersten der genannten Kulturepochen und der unseren. Es ist, als ob in der ägyptischen Zeit gewisse Keime gelegt worden sind in den Schoß der sich nach und nach entwickelnden Menschheit; Keime, die verborgen blieben während der griechisch-lateinischen Kultur und die in der gegenwärtigen Epoche auf ganz sonderbare Weise aufgehen. So daß vieles von dem, was heute in unseren Seelen emporsprießt, was uns heute umgibt, was heute die Menschen reden und träumen, was unsere Forscher denken, daß vieles davon wie ein aufgegangener Keim altägyptischer Kultur ist, ohne daß die Menschen es wissen. Die meisten von Ihnen werden mehr oder weniger die Einrichtung kennen, die man im elektrischen Betriebe bei den sogenannten telegraphischen Apparaten hat. Sie wissen, von einem Orte zum anderen gehen die Drähte, die die Apparate miteinander verbinden, und ohne tiefere Kenntnis über diese Dinge zu haben, werden Sie begreifen, daß die Kraft, welche die Apparate in Bewegung setzt, etwas zu tun hat mit dem, was als Kraft die Drähte durchströmt. Sie wissen aber auch vielleicht, daß unten, unter der Erde, eine Verbindung ist, daß der Draht mit seinen Enden in die Erde hineingeleitet ist. Aber diese Verbindung ist nicht sichtbar; unsichtbar wird sie durch mehr oder weniger geheimnisvolle Kräfte durch die Erde selbst hergestellt. Etwas Ahnliches besteht als tiefes Geheimnis der Menschenentwickelung. Wir sehen geschichtlich die Fäden sich spinnen, die im Offenbaren liegen. Wir können es verfolgen, was im alten Ägypterlande geschehen ist, mit den Mitteln der Geschichte und mit den Mitteln des Okkultismus. Wir sehen, wie sich die Kulturfäden herüberziehen in die griechische, in die römische, in die christliche und bis in unsere Zeit hinein. Das alles ist wie eine Art oberirdischer Leitung. Aber es gibt auch eine unterirdische, verborgene Kraft, und zwar eine solche sogar, die mehr oder weniger direkt herüberwirkt von der alten ägyptischen Zeit bis in unsere Zeit hinein. Und manches merkwürdige Geheimnis wird uns kund werden, wenn wir diese Zusammenhänge verfolgen und durchschauen.

[ 2 ] In the first lecture of this course we shall try to give, by way of introduction, an outline of the subject before us. We shall not as yet enter fully into this, but will first give an outline of those things of which we shall speak during the next few days. We have a very extensive theme before us; Universe, Earth, and Man, and I propose to give a brief sketch of all the knowledge we can acquire concerning the visible and invisible worlds. Our feelings are borne into the farthest distance of the cosmos when, in the deepest and most worthy sense, we make use of the expression “Universe.” “Earth” indicates the field of action upon which humanity is now placed, upon which we are to work and live, and the mission of which we ought to understand. Lastly, the word “Man”—a word we here wish to understand in its occult sense indicates that which the mystics of all ages meant when they made use of the expression, “O man, know thyself!” We also have a sub-title to our subject. Having set ourselves such a highly important task, this sub-title is in a certain way justified; for when we consider the connection between that wonderful pre-Christian civilization—the Egyptian—and our own, we see how mysterious are the forces permeating human life. Three ages of human effort and research, of human development, morals, and life, rise before us when we consider Egyptian civilization and that of our own day. When we speak of Egyptian civilization in the occult sense we mean the civilization that had its seat in the north-east of Africa, on the banks of the Nile, which lasted for thousands of years and terminated in the eighth century before Christ. We know that this civilization was followed by another which we call the Greco-Latin. This was centred on the one hand in the wonderful Greek race, with their highly cultivated sense of beauty, and on the other hand in the powerful state of Rome. We also know that in this age occurred the mighty event in earthly evolution which we know as the advent of Christ Jesus. Then followed the age in which we are now living. First the Egyptian age with all that belonged to it—and a great deal belonged to it—then the Greco-Latin age with its great results—the rise of Christianity—and then our present age. These are the three ages which come before our mental eyes when we consider the sub-title of these lectures. It will be shown that there was an interplay of mysterious forces between the age of civilization first mentioned and our own. It is as if in the Egyptian age certain seeds were sown in the breast of gradually developing humanity, seeds which remained hidden during the Greco-Latin age and have reappeared in a special manner in the present one. Much of that which buds in our souls today, much of that which surrounds us, and of which people speak and dream, has sprung like seed from the ancient Egyptian civilization without our people being aware of it. You are all more or less acquainted with the telegraphic apparatus. You know that wires connecting the different apparatuses extend from one place to another, and without having any deep knowledge of these things you understand that the force which sets the apparatus in motion has something to do with the force which flows through the wires. You perhaps also know that there is a connection down in the earth, that the ends of the wires are connected with the earth; but this subterranean connection is invisible because it is made by more or less mysterious forces produced by the earth itself. Something similar exists as a deep mystery in the development of man. In history we see threads being spun which lie within the invisible world. By means of history and of occultism we can trace out that which took place in ancient Egypt. We see how the threads of culture stretch from the Greek age, the Roman, the Christian, down into our own age. All these are guided by a kind of connection that takes place above the earth, but there is also a hidden, a subterranean force which works more or less directly from the ancient Egyptian age into our own. Many a remarkable secret is revealed to us when we follow these connections and examine them thoroughly.

[ 3 ] Heute nun werden wir eine Art Grundriß unserer Aufgabe zu zeichnen haben. Zunächst sei mit einigen Worten noch auf die Eigentümlichkeit hingewiesen, die mit dem Untertitel unseres Themas gemeint ist und die wir eben charakterisiert haben.

[ 3 ] To begin with I shall indicate briefly the special facts referred to in the sub-title of our theme.

[ 4 ] Wenn wir unseren Blick zurückwenden zum alten Ägyptertum und nur einige wenige der, man möchte sagen, sich stark ankündigenden Dokumente dieses Ägyptertums betrachten, so fallen uns zum Beispiel die Pyramiden auf, und auch die Sphinx, jene wunderbare, rätselhafte Figur. Dann lassen wir den Blick heraufschweifen in das alte Griechenland. Dort tritt uns in seiner eigenartigen Architektur der griechische Tempel entgegen. Und wir betrachten, was wir durch die äußere Geschichte vom Griechentum wissen, und bewundern die plastischen Kunstwerke, jene großen, idealen, vollendeten Menschengestalten, welche als Götter angesprochen werden: Zeus, Demeter, Pallas Athene, Apollo. Und weiter herauf, nach dem alten Römertum wenden wir den Blick. Etwas Merkwürdiges stellt sich uns dar, wenn wir so den Blick schweifen lassen von der alten griechischen Halbinsel hinüber nach der italienischen Halbinsel. Vor unser Auge treten die Gestalten des alten Römertums, die uns am meisten haften geblieben sind, Gestalten, mit der Toga bekleidet, die mehr ist als ein bloß äußeres Kleid. Was fühlen wir gegenüber jenen römischen Gestalten? O, man könnte sagen, man fühlt gewissen Gestalten aus der ersten römischen Königszeit, aus der römischen Republik gegenüber so, als ob von ihren Postamenten heruntergestiegen wären die idealen Figuren der Griechen, als ob sie uns leibhaft in den römischen Togagestalten als Menschen von Fleisch und Blut vor die Seele träten. Denn das, was sie uns so erscheinen läßt, das ist die innere Kraft, die sie haben; und wir fühlen, was in dieser inneren Kraft liegt, wenn wir das Empfinden, das Denken, die Gesinnung eines Angehörigen des griechischen Staates, zum Beispiel eines Spartaners, eines Atheners vergleichen mit dem, was sich im alten Rom als Römer entwickelte. Wir fühlen, um was es sich da handelt. Der Angehörige von Sparta, von Athen, fühlte sich zuerst als Spartaner, als Athener. Ausgestattet in einer gewissen Beziehung, in einem gewissen Grade mit einer gemeinsamen Seele, fühlt der Spartaner, der Athener das, was wir die griechische Polis nennen, mehr als seine eigene auf sich gestellte Menschlichkeit, mehr fühlte er sich als Spartaner, als Athener denn als Menschenbürger; mehr fühlt er die starke Kraft, die in ihm wirkt, hervorgegangen aus dem gemeinsamen Geiste der Polis, als die eigene, persönliche Kraft. Der Römer dagegen erscheint uns ganz auf den Mittelpunkt seiner eigenen Persönlichkeit gestellt. Daher tritt etwas ganz Bestimmtes vor allen Dingen im Römertum auf, das ist der Begriff des bürgerlichen Rechts. Denn alles, was Rechtsgelehrte von vorhergehender Entstehung des Rechtsbegriffes träumen, ist etwas ganz anderes als das, was man in besseren Zeiten der Forschung mit Recht das Römische Recht genannt hat. Im alten Rom lernt der Mensch sich als Einzelmensch fühlen, er steht auf seinen zwei Füßen nicht mehr als Angehöriger einer Stadt, sondern als römischer Bürger da, das heißt, er fühlt sich auf den Punkt seiner eigenen Menschlichkeit gestellt. Damit ist die Zeit gekommen, in welcher das Geistige, das vorher sozusagen wie in höheren Regionen schwebend empfunden wurde, heruntergestiegen ist bis auf unsere Erde. Es ist etwas Eigentümliches mit dem römischen Recht und seiner Kultur. Nehmen wir den einen Fall, daß der Grieche sich als Thebaner, als Spartaner fühlte — was ist denn der Geist von Theben, von Sparta? Für uns Anthroposophen ist er nicht ein Abstraktum, sondern etwas wie eine geistige Wolke, die wiederum der körperhafte Ausdruck für ein geistiges Wesen ist, in das die Stadt Sparta oder 'Theben eingebettet ist; aber keine Wesenheit, die auf dem irdischen, physischen Plane sichtbar wäre. Der Grieche blickt zunächst nicht auf sich, er blickt zu etwas über ihm hinauf; der Römer blickt zuerst auf sich. Er ist es, der zuerst das Höchste, das im Fleische auf physischem Plane Gestalt annehmen kann, als Mensch anerkennt. Das Geistige ist ganz heruntergestiegen in die Menschlichkeit: das ist die Zeit, wo auch das höchste Geistige, wo das Göttliche selbst heruntersteigen konnte bis zur Inkarnation, bis zur Menschwerdung im Fleische, im Christus Jesus.

[ 4 ] When we look back to ancient Egypt and observe a few of the mighty records there we are struck by the Pyramids, for example, and also the Sphinx—that wonderful and enigmatic figure. Then we let our glance pass on to ancient Greece. Here the Greek temple appears with its unique architecture, we can see and admire what we know from history of this wonderful land; we see its sculptures, those great, ideal, and perfect human forms described as gods: Zeus, Demeter, Pallas Athene, Apollo. Then we turn to the ancient kingdom of the Romans. Something remarkable appears when we thus allow our vision to sweep from the ancient Grecian peninsula to the Italian. Before us appear the figures of ancient Rome, many of which are still preserved; we see forms clothed with the toga, which is indeed more than a mere outer dress. What do we feel with regard to these Roman figures? One might say regarding certain of those belonging to the Roman Republic that one feels as if the ideal forms of the Greeks had descended from their pedestals and had appeared before us as men of flesh and blood. What we are made to see is their inner power; we recognize what lies in this inner power when we compare that which developed in ancient Rome with the feeling, the thought, the content of a figure belonging to the Grecian States—that of a Spartan or an Athenian, for example. We feel what this figure contains. The men belonging to Sparta or Athens felt that they were first of all Spartans or Athenians. Being provided in a certain way and to a certain degree with a common soul, the Spartan or Athenian felt more what we might call the Greek spirit than his own personality; he felt himself more as a Spartan or as an Athenian, than as an individual human citizen; he felt the power that worked so strongly in him proceeded more from the common spirit of the people than from his own personal power. The Roman on the contrary appears to us as being placed somewhat more exactly upon the centre of his own personality. Hence in the Roman kingdom there appears something very special, namely the comprehension of the rights of the citizen. All that lawyers dream regarding the origin of “justice” previous to this is very different from what in times of better research was rightly called “Roman Law.” In ancient Rome man learned to regard himself as an individual, he stood upon his own two feet, no longer as one belonging to a certain town, but as a Roman citizen; that is to say he felt himself placed upon the centre of his own human nature. With this feeling of individuality the time came when what was spiritual in man descended to earth. Previously it was perceived as hovering, so to speak, above him in spiritual regions. There is something unique in Roman law and in Roman civilization. Let us consider the circumstance that the Greek felt himself primarily as a Spartan or as an Athenian. What was the spirit of Athens or of Sparta? For us Anthroposophists this was no abstraction, but something like a spiritual cloud, which in its turn was the spiritual expression of a spiritual being in which the town of Athens or Sparta was embedded; but this being was not visible upon the physical plane. The Greek looked primarily not to himself, but to something above him, the Roman looked primarily to himself. It was he who first recognized man as the highest creature that can take on fleshly form upon the physical plane. The spirit had come completely down into humanity. This was the time when the Divinity Itself could descend into human evolution and incarnate in Jesus Christ.

[ 5 ] Es ist ein wunderbarer Prozeß, wie die erste unserer genannten Kulturen da herübergreift in diese griechisch-römische Zeit. Erinnern wir uns, wie Moses, als er in Ägypten - so schildert es uns die Schrift — aus höheren Regionen den Auftrag erhält, sein Volk zu dem «Einigen Gotte» zu führen, wie er da den Gott frägt: Was soll ich meinem Volke sagen, wenn man mich frägt, wer schickt mich, wer gibt mir die Sendung? - Da antwortet der Gott -— und wir werden sehen, welche tiefe

[ 5 ] The manner in which Egyptian civilization extended into the Greco-Roman age was a very wonderful process. We recall how Moses, when he received in Egypt the commission from higher realms to guide his people to the “One God,” asked God—“What shall I say to my people when they ask who sent me?” And how God answered (and we shall see what deep truth lay hidden in the statement)—

[ 6 ] Wahrheit sich in dem Ausspruch verbirgt -: Sage denen, zu denen ich dich sende, der «Ich bin» hat dich gesandt. — «Ich bin» wird dadurch die Bezeichnung für einen einheitlichen Gott, der noch waltet und webt in spirituellen Höhen, der noch nicht hinuntergestiegen ist auf den physischen Plan. Wem gehört diese Stimme, die da herunterruft zu Moses: Sage deinem Volke, ich bin der «Ich bin»? Wem gehört diese Stimme, die sich dem Eingeweihten Moses vernehmlich machen kann, die sozusagen aus spirituellen Welten heraus zu ihm spricht? Ganz derselbe ist es - und das ist das Geheimnis der alten ägyptischen Mysterien —, derselbe ist es, der später als Christus im Fleische erscheint; nur daß er nachher sichtbar dasteht für diejenigen, die um ihn sind, während er vorher nur zu den Eingeweihten aus spirituellen Höhen sprechen konnte. So sehen wir die Gottheit, das Geistige immer mehr und mehr heruntersteigen, nachdem die Menschheit vorbereitet ist, nachdem sie im Römertume erfahren hat, wie bedeutsam die Verkörperung im Fleische, die Erscheinung auf dem physischen Plane ist.

[ 6 ] “Say to those to whom I send thee, ‘I AM’ hath sent me unto you. Thus ‘I AM’ is the name of an individual God who worked and ruled at that time as the Christ Principle in spiritual heights, and who had not yet descended to the physical plane. To whom did this voice belong which could make itself perceptible to the initiate Moses, saying to him, as it were from spiritual worlds, “I am the ‘I AM’”? It was exactly the same Being (and this is the secret of the ancient Greek Mysteries)—it was the same Being who appeared later in the flesh as the Christ: only afterwards He was visible to those around Him, while previously He could speak only through Initiates from spiritual heights. Thus we see the Deity—that which was Spiritual—gradually descending after humanity had been prepared, after it had learnt in the Roman age the importance of embodiment in the flesh and its manifestation on the physical plane.

[ 7 ] Und wir sehen, wie in einer ungeheuer vertieften Gestalt nunmehr eine Reihe von Kulturerscheinungen herauswächst aus dem, was so der Mensch als eine neue Gabe empfangen hat. Wir sehen, wie sich der Tempelbau, der Pyramidenbau zu der romanischen Kirche verwandelt — wiederum ein solches Dokument inneren menschlichen Schaffens! — und wir sehen, wie vom 6. Jahrhundert an das Kreuz mit dem toten Jesus erscheint. Und nach und nach wächst heraus aus dieser Strömung des Christentums eine merkwürdige Gestalt, deren Mysterien tief, tief verborgen sind. Wir brauchen uns diese Gestalt der malerischen Kunst nur einmal in jener wunderbaren Form vor das Auge zu führen, die sie angenommen hat in der Sixtinischen Madonna von Raffael. Sie alle kennen dies wunderbare jungfräuliche Weib im Mittelpunkte des Bildes. Sie kennen dies Kind, von der Madonna getragen, und Sie haben gewiß alle die entsprechenden Schauer der Empfindung vor diesem Bilde gehabt. Aber eines lassen Sie mich erwähnen gegenüber diesem Bilde, das ein so wunderbarer Ausdruck ist für das geistige Streben der Menschheit auf der Stufe, die uns in den drei genannten Kulturen beschäftigt: Nicht umsonst hat der Künstler diese Madonna mit einem Wolkengebilde umgeben, aus dem sich eine große Anzahl von ähnlichen Kindlein, von Engelsgestalten herausentwickelt.

[ 7 ] We see how a whole series of the results of civilization develop in an exceedingly profound way from out of that which man received as a new gift at that time. We see how the form of the Pyramids and the Temple change to that of the Roman church—another record of inner human creative work. We see how from the sixth century the Cross with the dead Jesus makes its appearance; and how by degrees out of the stream of Christianity a remarkable figure evolves whose mysteries are very deeply veiled. We need only call up this figure before our eyes in the wonderful form given to it by the painter's art in the Sistine Madonna, by Raphael. Everyone knows this wonderful figure of the Virgin in the centre of the picture, carrying the child in her arms, and we have certainly all experienced a corresponding emotional thrill when confronted by it. I would ask you, however, to note one thing with regard to it which expresses the spiritual striving of humanity at the stage with which we are dealing—the three civilizations mentioned above. It is not for nothing that the artist has surrounded the Madonna with a cloud out of which develop a great number of similar little children, a crowd of angelic forms.

[ 8 ] Und nun wollen wir uns ganz hineinversenken mit unseren Empfindungen in dieses Madonnenbild. Wer nur genügend intime Empfindung hat, um sich hineinzuversenken, der wird ahnen und herausfühlen, daß hier etwas ganz anderes noch ist, als was ein gewöhnlicher profaner Verstand in diesem Bilde erblicken kann. Sagen uns nicht diese Wolkenengel um die Madonna herum etwas? — Ja, etwas höchst Bedeutsames sagen sie uns, wenn wir sie nur genügend tief betrachten. Es raunt sich uns in unsere Seele hinein, wenn wir uns intim in dieses Bild versenken: Hier ist ein Wunder vor uns im besten Sinne des Wortes. — Und wir glauben nicht, daß dieses Kind, das die Madonna auf ihren Armen trägt, so wie uns diese Gestalt entgegentritt, wir glauben nicht, daß es in gewöhnlicher Weise geboren ist von dem Weibe. Nein, diese Engelsgestalten in den Wolken sagen es uns: Wunderbar, flüchtig wie im Werden erscheinen sie, und das Kind auf dem Arme erscheint uns nur wie ein verdichteter Ausdruck, wie etwas, das mehr kristallisiert ist als diese flüchtigen Engelsgestalten. Wie aus den Wolken heruntergeholt und in die Arme gefaßt, so erscheint uns dieses Kind, nicht wie vom Weibe geboren. Und auf einen geheimnisvollen Zusammenhang des Kindes mit der jungfräulichen Mutter werden wir hingewiesen. Und wenn wir so dies Bild vor den Geist hinmalen, dann taucht vor unserem Blick eine andere jungfräuliche Mutter auf: die alte ägyptische Isis mit dem Horuskinde. Und man kann einen geheimnisvollen Zusammenhang vermuten zwischen der christlichen Madonna und der ägyptischen Gestalt, die vor uns steht als die Isis, und an deren Tempel die Worte standen: «Ich bin, was da war, was da ist, was da sein wird; meinen Schleier kann kein Sterblicher lüften.» Das, was wir eben in zarter Weise wie ein Wunder auf dem Madonnenbilde angedeutet haben, das deutet uns auch die ägyptische Mythe an, indem sie Horus nicht durch Empfängnis geboren sein läßt, sondern dadurch, daß von Osiris aus ein Lichtstrahl auf Isis fällt, eine Art unbefleckter Geburt: das Horuskind erscheint. Da sehen wir, wie sich die Fäden herüberknüpfen; was wir da erforschen, ist sozusagen ohne irdischen Zusammenhang.

[ 8 ] Let us now allow our feeling to be completely absorbed by this picture of the Madonna. Anyone whose emotion is sufficiently deep for him to be able to do this will feel and perceive that there is here something very different from what an ordinary profane intellect will see in the picture. Do not these cloud-angels surrounding the Madonna say something to us? Yes, they say something of the greatest significance if we do but consider them deeply enough. When we allow ourselves to sink deeply into this picture, something whispers in our soul, “Here before us is a miracle in the best sense of the word.” We do not think that this child whom the Madonna bears in her arms is born in the ordinary way from the woman. No! These wonderfully delicate angel-forms we see in the clouds seem to be in process of development, and the child in the Madonna's arms seems to be only a more condensed manifestation of them, like something that had crystallized somewhat more than these fleeting angel-forms, which seems as if brought down from the clouds and held fast in her arms. It is thus this child appears to us, and not as if born from the woman. We are directed to a mysterious connection between the child and the virgin mother. If we call up the picture thus before our souls, another virgin mother appears to our mental vision: the ancient Egyptian Isis, with the child Horus, and we may become aware of a mysterious connection between the Christian Madonna and the Egyptian figure on whose temple was written the words, “I AM, which is, and which was, and which is to come my veil no mortal can raise.” That which we have hinted at as a miracle in the picture of the Madonna is also revealed in the Egyptian myth, for it there describes Horus as not having been born through conception, but tells how a beam of light fell from Osiris upon Isis, a kind of miraculous birth took place, and the child Horus appeared. Here again we see how threads connect one thing with another; what we are here able to investigate is without any earthly connection.

[ 9 ] Und wiederum lassen wir den Blick weiter schweifen, bis dahin, wo unsere Zeit beginnt. Wir versenken uns in den gotischen Dom mit seinem wunderbaren Spitzbogenbau; wir rufen vor unsere Seele, was da im Mittelalter sich abspielte in den Versammlungen, wo die wirklich Gläubigen wirklichen Priestern gegenüberstanden. Wir gedenken, wie dieser gotische Dom wirkte mit seinen verschiedenfarbigen Fensterscheiben, durch die das Sonnenlicht hereindrang; wir gedenken, wie da manche von denen, die von den tieferen Geheimnissen des Weltenwerdens sprechen konnten, Töne erklingen lassen konnten, die ihr äußeres Abbild hatten in dem wunderbaren, farbenzerteilten Lichte. Und immer wieder kam es vor, daß die Priester darauf hinwiesen, daß die gemeinsame Kraft des göttlichen Daseins sich der Menschheit mitteilt so in einzelnen Kräftestrahlen, wie dieses Licht, das durch die farbigen Fenster hereindringt. Dem Sinne stellte sich die Zerteilung des Lichtes dar, und in der Seele wurde angeregt, was geistig diesem Bilde zugrunde lag. So durchsetzte die Gemüts- und Empfindungskraft einen solchen gotischen Dom. Jetzt dringen wir etwas tiefer ein in das, was sich so vor unsere Seele malt. Schauen wir uns die ägyptischen Pyramiden an - ein eigentümliches architektonisches Bauwerk! Wir müssen unseren Geist anstrengen, um zu enträtseln, was sie uns sagen wollen. Nach und nach werden wir sehen, wie sich in der Pyramide das Geheimnis von Welt, Erde und Mensch ausdrückt; wir werden sehen, daß in ihr zum Ausdruck kommt, was der ägyptische Priester nach seiner Religionsform fühlte. Wir werden in alle diese Dinge tief eindringen; heute sei nur darauf aufmerksam gemacht, was ein solcher Priester fühlte und seinem Volke in Bildern mitteilte. Sie war tief, diese ägyptische Weisheit, die sich in der Religionsform auslebte; sie war ein unmittelbares Ergebnis uralter Überlieferungen; wie eine Erinnerung war diese ägyptische Weisheit, und der ägyptische Weise, der dem Solon begegnete, konnte mit Recht sagen: O, ihr Griechen bleibt euer ganzes Leben lang Kinder, in euren Kinderseelen lebt nichts von der uralten heiligen Wahrheit. —- Er wollte hindeuten auf das Alter der ägyptischen Weisheit. Woher kam sie?

[ 9 ] Let us now pass on to where our own age begins. Let us think of the Gothic cathedral with its wondrous construction of pointed arches, let us call to mind what took place there in the Middle Ages, in gatherings where true believers met true priests. Think of the effect of this Gothic cathedral with its many coloured panes of glass through which the sunlight penetrates; think, how many of those who were able to speak of the deeper secrets of the world's evolution could let tones ring forth, whose outward image was the wonderful light split thus into varied colours. Again and again it happened that the priests showed how the common power of the Divine Being was imparted to humanity in separate rays of power, split up like the light which streamed in through the coloured windows. The partition of the light was placed before men's senses, and in their souls was aroused that which lay spiritually at the back of this symbol. In this way the Gothic cathedral pervaded the powers of perception, and of feeling, of the worshippers. Let us now enter more deeply into what is thus pictured in our minds. Let us first consider the Egyptian Pyramid—a most characteristic form of architecture! We must exert ourselves mentally in order to discover what it has to say to us. By degrees we shall see how in the pyramid the secret of the World, Earth, and Man is expressed; we shall see that there is expressed in it what the Egyptian priest felt according to his form of religion. Later we shall penetrate deeply into all these things; today we will only notice what such a priest felt, and imparted to his people in pictures. The wisdom expressed in the Egyptian form of religion was very profound; it was the direct result of ancient tradition; it was like a memory, and the Egyptian sage in his meeting with Solon could say with truth: “Oh ye Greeks, ye remain children all your lives, and in your childish souls is none of the ancient truth!” He refers here to the age of wisdom in Egypt. From whence came this wisdom?

[ 10 ] Unserer gegenwärtigen Menschheit, das wissen Sie, ist eine andere Menschheit vorangegangen, die auf dem Kontinent lebte, der jetzt von den Fluten des Atlantischen Ozeans bedeckt ist. Als die große atlantische Flut kam, da wurde das, was die Atlantier wußten, mitgenommen nach dem Osten durch unser heutiges Europa hindurch. Hier zurückgeblieben sind die nordischen Mythen, wie Erinnerungen an die alte atlantische Weisheit. Wir wissen, daß durch die Nachkommen der Atlantier nach Asien getragen wurde die uraltindische und die persische Kultur, daß die ägyptische Weisheit zum Teil wieder zurück von Asien angeregt worden ist, aber daß sie auch auf direktem Wege hinströmte vom Westen nach dem Osten, von der Atlantis nach Afrika. Und was war das für eine Weisheit, von der der ägyptische Weise als von einer uralten Tradition sprach? Das wird uns offenbar, wenn wir nur einen kurzen Augenblick den Unterschied zwischen dem Leben in der alten Atlantis und unserem heutigen Leben betrachten. Damals war der Mensch mit dumpf hellseherischer Kraft begabt. Er sah um sich herum Wesen, die auch heute noch um uns herum sind, die aber der heutige Mensch nicht mehr sieht. Die Erde ist nicht erschöpft mit den Pflanzen, Mineralien und Tieren. Um uns herum sind geistige Wesenheiten, die aber nur für den hellseherischen Blick offen daliegen. Damals, auf der Atlantis, hatte der Mensch in normaler Weise ein Hellsehen; nicht nur Pflanzen, Mineralien und Tiere waren seine Genossen, Genossen waren ihm die göttlich-geistigen Gestalten, mit ihnen lebte er, wie Sie heute mit Menschen zusammenleben. Damals war noch nicht jene strenge Scheidung zwischen Tag und Nacht wie heute. Heute ist es ja so, daß, wenn der Mensch morgens mit seinem Astralleib und dem Ich in den physischen Leib untertaucht, um ihn herum die physischen Gegenstände sind. Und wenn er abends heraussteigt mit Ich und Astralleib aus seinem physischen Leibe und Ätherleib, dann wird es dunkel und finster um ihn. So ist heute der normale Mensch. Auf der Atlantis war es nicht so, besonders in der alten Zeit. Wenn der Mensch abends heraustrat aus seinem physischen Leibe, dann breitete sich nicht um ihn herum Finsternis aus, sondern er trat in eine Welt von geistigen Wesenheiten ein: er sah jene göttlich-geistigen Gestalten, wie er heute fleischliche Gestalten sieht. Wotan, Baldur, Zeus, Apollo, sie alle sind nicht erfundene phantastische Gestalten, sie sind der Ausdruck für wirkliche Wesenheiten, die nur damals in der atlantischen Zeit keinen Fleischesleib angenommen hatten, sondern die als dichtesten Leib den durchsichtigen ätherischen Leib hatten. Und wenn der Mensch in der Nacht heraustrat aus seinem physischen Leib, dann waren sie um ihn als ätherische Gestalten, und wenn er morgens wieder hineinstieg in seinen physischen Leib, da war er in dieser Welt der Wirklichkeit, die heute die einzige für ihn ist; da verließ er sozusagen für eine Zeit die Welt der Götter und tauchte unter in die Welt der physischen Fleischeswesen, und keine strenge Grenze war zwischen der Wahrnehmung der Nacht und des Tages. Und wenn in jener Zeit der Eingeweihte zu den normalen Menschen von solchen göttlichen Gestalten sprach, dann sprach er nicht von etwas, was ihnen unbekannt war. Es war, wie wenn wir heute von Menschen sprechen und sie mit Namen nennen. So sprachen sie von Wesenheiten wie Wotan, Baldur, denn sie kannten sie als göttliche Ätherwesen.

[ 10 ] Our present humanity was preceded, as you know, by another which dwelt upon a continent over which the billows of the Atlantic Ocean now roll. When the great Atlantean flood took place, the knowledge of the Atlanteans was carried towards the East across present-day Europe. The northern myths have remained behind as remembrances of the wisdom of Atlantis. We know that the successors of the Atlanteans carried the wisdom of ancient India and Persia into Asia. We also know that Egyptian wisdom was partly re-animated by Asia, but that it also streamed directly from the West, from Atlantis, towards Africa. Now what sort of wisdom was it that was referred to by the ancient sage when he spoke of the “ancient truth”? This will be disclosed if for a moment we pause to consider the difference between life today and life in ancient Atlantis. At that time man was gifted with a dim clairvoyance, around him he saw beings who are also around us today, but whom present day man sees no longer. The earth does not contain only plants, minerals, and animals; spiritual beings are also around us, but these are visible only to clairvoyant eyes. In Atlantis at that time man was normally clairvoyant, divine beings were his companions, he lived with them as we now live with human beings. There was not as yet that sharp distinction between day-consciousness and night-consciousness there is now. At the present time when man enters in the morning, with his astral body and ego, into physical life physical objects are around him; and when at night he rises out of his physical body this world becomes dark and dim to him. This is the case today with the normal human being; but in Atlantis it was not so, particularly in its earliest periods. When at night man stepped out of his physical and etheric body darkness did not then spread around him; he entered a world of spiritual beings and he saw these divine spiritual forms just as he now sees fleshly forms. He saw Baldur, Wotan, Zeus, and Apollo—who are not imaginary, fanciful figures, but are the expression of real beings who, at the time of which we are speaking, had not taken on bodies of flesh, but possessed as their densest form transparent etheric bodies. When at night man withdrew from his physical body these were around him as etheric forms; and when in the morning he again drew into his physical body he was in the world of reality which today is for him the only world; he left for a time, one might say, the world of the Gods and dipped down into the world of physical, fleshly existence. There was no strict boundary between his day perception and his night perception, and when in those times the Initiate spoke to ordinary people of these Divine Beings he was not speaking of something that was strange to them. It was the same as when today we speak of men and call them by their names; the Initiate spoke of such Beings as Wotan and Baldur, for they knew them as divine etheric Beings.

[ 11 ] Die Erinnerung an jene uralte Weisheit und Erfahrung wurde herübergetragen mit den Auswanderern, die nach Osten zogen; und aus diesen Erinnerungen, in Verbindung mit einer ganz bestimmten Konstitution des Ägyptervolkes, die wir noch genau kennenlernen werden, bildete sich innerhalb des alten Ägyptens die Zuversicht heraus, daß im Menschen ein Geistiges und damit ein Ewiges lebe, daß, wenn der Leib als Leichnam daliegt, er verlassen ist von einem Göttlich-Geistigen. Das drückte sich in den mannigfaltigsten Bildern und Mitteilungen aus, die der ägyptische Priester dem Volke gab. Aber das war nicht etwa eine abstrakte Wahrheit für die alten Ägypter, das war für sie eine Wahrheit, die unmittelbar von ihnen erlebt wurde. Lassen Sie uns charakterisieren, was der Ägypter empfand. Er sagte sich: Ich sehe den Leichnam hier liegen, den Staub von dem Menschen, der der Träger eines Ich war; ich weiß, denn aus uralter Überlieferung weiß ich es, aus den Erlebnissen meiner Vorfahren weiß ich es, daß da etwas bleibt, was in andere Welten geht. Das würde seine Aufgabe nicht erfüllen, so sagte der alte Ägypter, wenn es einzig und allein in jener geistigen Welt lebte; es muß ein Anziehungsband geknüpft werden zwischen der Welt des Geistigen und der Welt des Irdischen, Physischen. Wir müssen sozusagen ein magnetisches Band haben für die Seele, die im Tode in höhere Regionen zieht, um in ihr ein dauerndes Gefühl zu erregen, auf daß sie wieder zurückkehren und erscheinen kann auf dieser Erde.

[ 11 ] The remembrance of that ancient wisdom and of these experiences was carried with them by those who journeyed towards the East; and from them sprang these remembrances which were connected with something else which developed in the peculiar constitution of the Egyptian people—the conviction that an eternal spiritual part dwells in man, and that when his body becomes a corpse it has been forsaken by this divine spiritual part. This conviction is expressed in numerous symbols and teachings which the Egyptian priests gave to the people; it was not merely an abstract truth to them, it was a truth in which they lived, and which they experienced directly. Let us describe what the Egyptian perceived. He said, “I see here a corpse, the dust of a man who was the bearer of an ego; I know—for I know it from ancient tradition and from the experience of my ancestors—that there is something else, a spiritual part, which passes into other worlds. This could not fulfil its task were it to live solely in that spiritual world. A connecting link must be formed between this spiritual part and the earthly world; we must form a magnetic link for the soul which passes at death into higher realms, in order to arouse in it a feeling of permanence, so that it may return again, and appear once more on this earth.”

[ 12 ] Wir wissen heute aus der Geisteswissenschaft, daß die Menschheit schon durch sich selbst dafür sorgt, daß die Seele immer wieder zu neuen und neuen Inkarnationen zurückkehrt; wir wissen, daß der Mensch, wenn er im Tode in andere Sphären übergeht, in der Zeit von Kamaloka, in der Zeit, wo er sich abgewöhnt das Irdische, mit gewissen Kräften an das Physische gefesselt ist. Wir wissen, daß diese Kräfte es sind, die ihn nicht gleich aufsteigen lassen in die Regionen des Devachan, daß sie es auch sind, die ihn wieder herunterziehen in eine neue Inkarnation. Aber wir sind heute Menschen, die in Abstraktionen leben, die so etwas als 'Theorie darstellen. Im alten Ägypten lebte das als Tradition; der Ägypter war das Gegenteil eines Theoretikers, eines bloßen Denkers, er wollte mit den Sinnen sehen, wie die Seele ihren Weg macht vom toten Leibe heraus bis in die höheren Regionen. Er wollte das vor sich aufgebaut haben, und diesen Gedanken baute er in der Pyramide auf: den Weg, wie die Seele aufsteigt, wie sie aus dem Leibe heraustritt, wie sie teilweise noch gefesselt ist und wie sie hinaufgeführt wird in höhere Regionen. Sehen können wir in der Architektur der Pyramide die Fesselung der Seele an das Irdische, wie ein Bild von Kamaloka tritt sie uns mit ihren geheimnisvollen Formen entgegen, wir können sagen, in der äußeren Anschauung ist sie uns ein Bild der vom Leibe verlassenen und in höhere Regionen ziehenden Seele.

[ 12 ] We know from the teachings of Spiritual Science that humanity of itself takes care that the soul shall return again and again to new incarnations; we know that when man passes at death into other spheres, during the period in kamaloka (that period during which he weans himself from what is earthly) he is still chained by certain forces to that which is physical. We know that it is these forces which do not allow him to rise at once into the regions of Devachan, and that it is they also which draw him down again to a new incarnation. But we are a people today who live in abstractions, and who represent such things as theories. In ancient Egypt all this lived as tradition. The Egyptian was the reverse of a theorist or mere thinker; he wanted to see with his senses how the soul took its way from the dead body into higher realms, he wanted to have this constructed before him. These thoughts he embodied in the pyramids; the way the soul rises, how it leaves the body, how it is still partly fettered, and how it is led upwards to higher regions. In the architecture of the pyramids we can see the fettering of the soul to what is earthly, we can see how kamaloka with its mysterious forms comes before us, and we can say that, considered externally, it is a symbol of the soul which has left the body and is rising into higher realms.

[ 13 ] Und weiter! Wir versuchen diese alten Traditionen zu verstehen. In der alten atlantischen Zeit sah der Mensch um sich herum noch vieles, was dem heutigen Menschen durchaus verborgen ist. Wir erinnern uns aus früheren Vorträgen, daß der Ätherleib des Menschen in jener Zeit noch nicht so intensiv mit dem physischen Leib verbunden war wie heute; der Atherkopf ragte noch weit über den physischen heraus. Bei dem Tier ist die Gestalt noch heute zurückgeblieben. Wenn Sie ein Pferd hellseherisch betrachten, dann sehen Sie den Atherkopf als eine Lichtgestalt über die Pferdeschnauze sich auftürmen; und wenn Sie erst jenes merkwürdige Gebilde sehen könnten, das sich beim Elefanten über dem Rüssel aufbaut! Nicht so stark, aber ähnlich so war der Ätherkopf bei dem alten Atlantier vorhanden, später ging er immer mehr in den Kopf hinein, so daß er heute ungefähr gleich ist an Größe und Form. Aber dafür war auch der physische Kopf, der nur teilweise erst vom Ätherkopf beherrscht war, der noch viele Kräfte draußen hatte, die heute im Inneren sind, noch nicht in jenem hohen Grade menschenähnlich; er bildete sich erst heraus, man sah sozusagen noch etwas von einer niederen tierischen Kopfform. Wie war es, wenn der alte Atlantier einen seiner Genossen bei Tag ansah? Da sah er eine weit zurückliegende Stirn, weit hervortretende Zähne, etwas, was noch an das Tier erinnerte. Wenn dann abends der Mensch einschlief, wenn das atlantische Hellsehen begann, dann richtete der Blick sich nicht nur auf die tierähnliche Gestalt, sondern es wuchs schon die ätherische menschliche Kopfform, und zwar eine weit schönere Form, als sie heute ist, heraus aus dem physischen Kopfe. Da war dem nächtlichen Anschauen das Tierähnliche undeutlich geworden, und es wuchs heraus die schöne Menschengestalt. Und in noch entlegenere Zeiten konnte der atlantische Hellseher zurückschauen, in Zeiten, wo der Mensch noch mehr tierähnlich war, aber verbunden mit einem ganz und gar menschenähnlichen Ätherleib; viel schöner war dieser Atherleib als der heutige physische Menschenleib, der sich angepaßt hat den starken dichten Kräften. Denken Sie sich nun diese Erinnerung an das alte atlantische Bewußtsein symbolisch vor den Menschen hingestellt in der ägyptischen Zeit! Denken Sie sich, der ägyptische Priester hätte seinem Volke sagen wollen: Eure eigenen Seelen in atlantischen Zeiten haben geschaut, wenn sie wach waren, die Menschengestalt in Tierform, nachts aber wuchs heraus ein wunderschöner Menschenkopf. — Diese Erinnerung, plastisch ausgestaltet: das ist die Sphinx. So erst versteht man diese Formen; man muß verstehen lernen, daß sie nichts Ausgedachtes sind, sondern Realitäten.

[ 13 ] Let us endeavour to understand these ancient traditions. In the Atlantean age man still saw around him much that is completely hidden from him today. You will recall from previous lectures that in Atlantis the etheric body of man was not so intimately bound up with the physical body as it is now, the etheric head projected far beyond the physical head. In animals this formation has remained to the present day. When a horse is observed clairvoyantly the etheric head may be seen towering upwards as a form of light above the horse's nose and in the case of an elephant a truly remarkable structure can be seen above the trunk. In Atlantean humanity the etheric head was in a somewhat similar position, although not quite so far outside. Later it gradually drew more and more into the physical head, so that now it is about the same size as the latter. On this account the physical head—which was at first only partly governed by the etheric head and still had many forces outside which are today within it—was not yet human to any high degree; it was only in course of development, and still possessed a somewhat lower animal form. What did the Atlantean see when he looked at a companion during the day? He saw a man with a very receding forehead, very protruding teeth—something that reminded him of an animal but at night when he slept clairvoyant consciousness began, the animal-like form became less distinct, and out of the physical head grew the etheric head, which already had a human form and indeed a very much more beautiful form than we see today. In still more remote times the Atlantean clairvoyant could look back to a period when man's physical form was yet more animal-like though he possessed an etheric body which was entirely human; far more beautiful indeed than the present physical form, which has adapted itself to coarser, denser forces. Now imagine this memory of the Atlantean placed consciously yet symbolically before the people of Egypt. Imagine the Egyptian priest saying to the people: “In Atlantean times your own souls, when you were awake, beheld the human figure with an animal form, but at night there grew out of it an exceedingly beautiful human head.” This memory, presented in sculpture, is the Sphinx. It is only thus that these forms can be understood; we must realize that they are not merely thought-out forms, but realities.

[ 14 ] Und wieder schreiten wir weiter in unserer Betrachtung. Wir dringen von der ägyptischen Pyramide vor zum griechischen Tempel. Verstehen wird einen solchen Tempel nur derjenige, der ein Gefühl dafür hat, daß im Raume Kräfte walten. Die Griechen hatten ein solches Raumgefühl. Der Mensch, der vom Standpunkte der Geisteswissenschaft aus den Raum studiert, der weiß, daß dieser Raum nicht jene abstrakte Leere ist, von der unsere gewöhnlichen Mathematiker und Physiker träumen, sondern daß er vielmehr sehr differenziert ist. Er ist etwas, was in sich selbst von Linien erfüllt ist, von Kraftlinien hierhin, dorthin, von oben nach unten, von rechts nach links, gerade, runde Linien in allen Richtungen. Man kann den Raum fühlen, gefühlsmäßig durchdringen. Wer ein solches Raumgefühl hat, weiß, warum gewisse alte Maler so wunderbar naturgetreu die frei schwebenden Engelgestalten auf Madonnenbildern malten, er weiß, daß sich diese Engel gegenseitig halten, wie die Weltenkörper im Raume durch ihre Anziehungskraft sich halten. Ganz anders ist es, wenn Sie zum Beispiel das Bild von Böcklin «Pieta» betrachten. Es soll nichts gegen die sonstige Vortrefflichkeit dieses Bildes eingewendet werden, aber wer sich das lebendige Raumgefühl bewahrt hat, der hat die Empfindung, als ob jene merkwürdigen Engelgestalten jeden Augenblick herunterfallen müßten. Die alten Maler hatten noch das Gefühl für den Raum von dem früheren Hellsehertum; in neuerer Zeit ist das verlorengegangen.

[ 14 ] Let us now pass from the Egyptian pyramid to the Greek temple. This temple will only be understood by those who are able to feel that there are forces in space. The Greek possessed this feeling. Anyone studying space from the standpoint of Spiritual Science knows that it is not the absolute void of which our ordinary mathematicians and physicists dream, but that it is differentiated. It is something that is filled with lines, with lines of force in this direction and in that, from above downwards, from right to left, straight and curved lines going in every direction. Space may be felt, it may be penetrated with feeling. He who has such a feeling for space knows why certain old painters could paint the floating angel forms in the pictures of Madonna in a way so wonderfully true to nature; he knows that these angels mutually support each other, just as the planets do in space by their power of attraction. It is quite different when we consider Bocklin's picture “Piety.” Nothing is said here against the excellence of this picture otherwise, but anyone who has preserved the living feeling for space has the sensation that those remarkable angel forms may fall at any moment. The painters of olden times had the perception that belonged to earlier clairvoyance. In modern times this has been lost.

[ 15 ] Als die Kunst noch okkulte Traditionen hatte, wußte man von solchen gegenseitig sich tragenden Kräften, die im Raume darinnen sind, die da hin- und herströmen. Solche Kräfte fühlten diejenigen, in deren Geist der Gedanke des griechischen Tempels entstanden ist. Sie dachten ihn nicht aus, sondern sie nahmen die Kräfte wahr, die den Raum durchströmten, und gaben das Gesteinsmaterial hinein: was okkult schon da war, füllten sie mit Materie. So ist der griechische Tempel eine materielle Ausgestaltung von Kräften, die im Raume wirken; ein griechischer Tempel ist ein kristallisierter Raumgedanke, im reinsten Sinne des Wortes. Die Folge davon ist etwas sehr Wichtiges. Weil der Grieche die Raumkräfte materiell ausgestaltet hat, hat er den göttlich-geistigen Wesenheiten Gelegenheit gegeben, diese materielle Form zu benutzen. Es ist keine Redensart, sondern Wirklichkeit, daß der Gott in jener Zeit herunterstieg in den griechischen Tempel, um unter den Menschen auf dem physischen Plan zu sein. Wie heute ein Elternpaar die physische Form, das Fleischliche des Kindes zur Verfügung stellt, so daß das Geistige sich auf physischem Plane ausleben kann, so geschah etwas Ähnliches bei dem griechischen Tempel. Da wurde Gelegenheit gegeben, daß göttlich-geistige Wesenheiten herunterströmten und sich verkörperten in dem architektonischen Tempelbau. Das ist das Geheimnis des griechischen Tempels: der Gott war da im Tempel. Wer die griechische Tempelform richtig fühlte, fühlte auch, daß weit und breit kein Mensch zu sein brauchte, und auch nicht im Tempel selbst, und daß der Tempel doch nicht leer war, denn der Gott war wirklich anwesend im Tempel. Der griechische Tempel ist für sich ein Ganzes, weil er die Formen enthält, die den Gott in ihn hineinbannen.

[ 15 ] When art still possessed occult traditions these mutually supporting forces which existed in space, which streamed hither and thither, were recognized. They were perceived by those in whose minds the thought of the Greek temple originated. They did not think out these forms, but they perceived the forces streaming through space, and filled them with stone; that which was already there occultly they filled with substance. Hence the Greek temple is a material presentation of actual forces existing in space; a Greek temple is a crystallized space-thought in the purest sense of the word. The result of this was very important; by giving material expression to force forms in space the Greeks gave divine spiritual beings the opportunity of using these material forms. It is no figure of speech but a fact when we say that Gods came down at that time into the Greek temples in order to be among men on the physical plane. Just as today parents place the physical form, the body of flesh, at the disposal of the child, in order that the spirit can express itself on the physical plane, so something similar took place in the case of the Greek temple. The opportunity was provided for divine spiritual beings to stream down and incarnate in the architectural structure. That is the secret of the Greek temple. God was present in the temple. Those who felt the form of the Greek temple aright felt that there need be no human being anywhere near it, nor in the temple itself, and yet it would not be empty, for God was really present there. The Greek temple is a whole; it is complete in itself, because it has a form which magically draws God into it.

[ 16 ] Und wenn wir nun den römischen Kirchenbau betrachten, vorzugsweise den mit einer Krypta, da sehen wir schon eine Art von Fortentwickelung. In der Pyramide sehen wir dargestellt den Weg, den die Seele nach dem Tode nimmt, die äußere architektonische Form für die entfliehende Seele. Für die göttliche Seele, die gern auf dem physischen Plan weilt, ist der griechische Tempel der Ausdruck. Der römische Bau mit der Krypta entspricht dem Kreuz, an dem der tote Jesuskörper hängt. Die Menschheit ist fortgeschritten zu einem gesteigerten Bewußtsein in geistigen Sphären. Die Fesselung an das Irdische, die Kamalokazeit ist dargestellt in der Pyramide; der Sieg über die physische Form, der Sieg über den Tod ist ausgedrückt im Kreuze, an dem der tote Jesus hängt und das uns erinnern soll an den geistigen Sieg über den Tod, an Christus.

[ 16 ] If we now consider a Roman church, especially one with a crypt, we shall see a further development. In the Pyramid we see presented the path the soul takes after death, the outer architectural form for the soul when departing; the Greek temple is the expression of the divine soul which likes to tarry upon the physical plane; the Roman church with its crypt corresponds to the Cross upon which the dead body of Jesus hangs. Humanity at this stage had progressed to an advanced consciousness in spiritual spheres. The bond to what is earthly, the period in kamaloka, is represented by the Pyramids; the victory over the physical form, the victory over death, is expressed in the Cross, and reminds us of the spiritual victory of Christ over death.

[ 17 ] Und wiederum ein Stück weiter kommen wir zum gotischen Bau. Er ist nicht vollständig, wenn nicht die gläubige Gemeinde drinnen ist. Wenn wir alles zusammen fühlen wollen, da müssen sich mit den Spitzbögen vereinigen die gefalteten Hände und die Gefühle, die sich darin ausdrücken, die nach oben strömen. Aber nicht Gefühle wie in der Krypta, wo das Andenken gefeiert wurde an den geistigen Sieg über den Tod, sondern sieghafte Gefühle, wie sie die Seele empfindet, die sich im Leibe schon Sieger fühlt über den Tod. Die im Leibe sieghafte Seele gehört hinein in den gotischen Bau; er ist nicht vollständig, wenn nicht solche Gefühle ihn durchströmen. Der griechische Tempel ist der Leib des Gottes, er steht allein für sich da. Die gotische Kirche stellt sich dar als etwas, was die Gemeinde ruft; sie ist kein Tempel, sondern ein Dom. Dom ist dasselbe Wort, das sich in der Nachsilbe «tum» ausdrückt, wie zum Beispiel in dem Worte Menschentum oder Volkstum. Auch dem russischen Worte Duma liegt das Wort «tum» zugrunde. Ein Dom, ein «Tum» ist das, wo einzelne Glieder zu einer Gemeinde zusammengerufen werden.

[ 17 ] Again, a further step is taken to the Gothic Cathedral. Without the pious congregation within, it is incomplete. If we wish to feel it as a whole, then to the pointed arches must be added the folded hands and the upward-streaming feelings they express; not such feelings as are in the crypt, where the memory of the spiritual victory over death is preserved, but victorious feelings, such as the soul perceives who already in the body has felt that it is a victor over death. The soul, victorious over death while in the body, belongs to the Gothic building, which is incomplete if it is not filled with such feelings. The Greek temple is the body of God; it is complete in itself. The Gothic church is something which requires a congregation; it is not a temple but a “Dom,” a cathedral. The German word “Dom” appears in the English suffix “dom” in the words “kingdom,” “Christendom,” for example. It also lies at the root of the Russian word “Duma.” A dome, or dom, is something in which individual members are gathered together into one congregation.

[ 18 ] So sehen Sie, wie menschliche Gedanken und menschliche Gesinnung in der Zeit fortschreiten, und so kommen wir nach und nach in unsere Zeit hinein. Und wir werden sehen, wie diese Kräfte nicht nur gleichsam im Oberirdischen fortspielen: unterhalb gehen geheimnisvolle okkulte Strömungen, so daß, was heute in unserer Kultur aufgeht, uns wie eine Wiederverkörperung von manchem erscheint, was in alten ägyptischen Zeiten in die Menschheit hineingelegt worden ist. Und da wollen wir mit einem Gedanken abschließen, der als eine erste Ahnung Sie hinweisen wird auf solche geheimnisvollen Zusammenhänge.

[ 18 ] From this we can see how in time human thought and human perception progresses from the Pyramid to the Greek temple, then to the Roman church with its crypt, and afterwards to the Gothic cathedral. Thus we arrive gradually at our own age, and we shall see how the forces of evolution are at work not only on the surface, but that mysterious occult currents are active also beneath, so that what is taking place today in our civilization appears as a re-embodiment of much that was sown within humanity in ancient Egyptian times.

[ 19 ] Was ist es, was den Materialismus unserer heutigen Kultur ausmacht? Charakterisieren wir einmal diesen Materialismus. Der Mensch weiter Kreise, der heute die Harmonie, die Versöhnung zwischen Glauben und Wissen verloren hat, was ist ihm besonders eigen, wenn er hinschauen will auf ein Geistiges? Nichts sieht er! Er schaut auf das Grobe, materiell Physische; von dem weiß er, daß es real, daß es wirklich vorhanden ist, und er kommt sogar bis zum Leugnen des Geistig-Spirituellen. Er glaubt, des Menschen Dasein ist erfüllt, wenn des Menschen Leichnam im Staube daliegt; er sieht nichts sich erheben in die geistigen Welten hinein. Kann eine solche Anschauung als Folge entstehen von etwas, was in einer Zeit als Same gelegt wurde, wo ein fester Glaube an das Fortleben der Seele herrschte, wie es im alten Ägyptertum der Fall war? Ja; denn in der Kultur ist es nicht wie im Pflanzenreiche, daß nur immer wieder Ähnliches aus dem Samen entsteht. In der Kultur muß abwechseln ein Wert mit einem anderen, der ihm scheinbar nicht ähnlich ist - und dennoch bestehen tiefere, intime Ähnlichkeiten.

[ 19 ] We will close with a thought which hints at this mysterious connection. What constitutes the materialism of our present civilization? What is the special characteristic of the man who, when he wishes to see something spiritual, has lost the harmony that reconciles faith and knowledge? He sees nothing! He regards the gross, material, physical part of the world; he feels it to be real, that it exists, and he even comes to deny what is spiritual. He believes that man's existence is finished when his corpse lies in the earth; he sees nothing rising up into the spiritual worlds. Can a conception such as this be the outcome of something that was sown at a time when there was a firm faith in the continued life of the soul, such as existed in Egypt? Yes, for it is not in Civilization as in the vegetable kingdom, where like things spring forth again and again from the seed. In civilization one characteristic alternates with another which is apparently dissimilar to it—and yet there may be deeper and more intimate similarities.

[ 20 ] Des Menschen Blick von heute ist gefesselt an den physischen Leib, er sieht diesen physischen Leib als Wirklichkeit an, er kann sich nicht erheben zum Spirituellen. Diese Seelen, die heute durch ihre Augen hinausschauen auf die physischen Menschenleiber und die sich nicht erheben können zu einem Geistigen, sie waren in früheren Volksstämmen inkarniert als Griechen, als Römer, als alte Ägypter. Und alles, was heute in unseren Seelen lebt, ist das Ergebnis dessen, was wir in früheren Inkarnationen aufgenommen haben.

[ 20 ] The vision of man is confined today to the physical body; he regards this as a reality; he cannot raise himself to that which is spiritual. The souls who now regard their physical bodies with their eyes, and are unable to rise to what is spiritual, were incarnated among earlier peoples as Greeks, as Romans, and as ancient Egyptians; all that exists in our souls today is the result of what we acquired in previous incarnations.

[ 21 ] Denken Sie sich Ihre Seele zurück versetzt in den alten ägyptischen Leib. Denken Sie Ihre Seele nach dem Tode zurückgeleitet durch den Gang der Pyramide in höhere Sphären, aber Ihren Leib als Mumie festgehalten. Das hatte eine okkulte Folge. Die Seele mußte immer herunterschauen, wenn da unten der Mumienleib lag. Da wurden die Gedanken verfestigt, verknöchert, verhärtet, da wurden die Gedanken hereingebannt in die physische Welt. Weil aus den Regionen des Geistes die alte ägyptische Seele nach dem Tode herunterschauen mußte auf ihren konservierten physischen Leib, deshalb ist der Gedanke in ihr eingewurzelt, daß dieser physische Leib eine höhere Realität ist, als er es in Wirklichkeit ist. Denken Sie sich hinein in Ihre Seele von damals; Sie schauten hinunter auf die Mumie. Der Gedanke an die physische Form hat sich verhärtet, er hat sich herübergetragen durch die Inkarnationen hindurch: heute erscheint dieser Gedanke so, daß die Menschen sich nicht losreißen können von der physischen Körperform. Der Materialismus als Gedanke ist vielfach eine aufgehende Frucht der Einbalsamierung der Leichname.

[ 21 ] Imagine your soul back in its Egyptian body. Imagine your soul after death being led up again by way of the Pyramid into higher spheres—but your body held fast as a mummy. This fact had an occult result. The soul had always to look downwards when its mummified body was below; its thoughts were hardened, solidified, they were attracted to the physical world. It was forced to look down from the realms of the spirit upon its embalmed physical body, and in consequence the thought became rooted in it that the physical body had a higher reality than it actually had. Imagine a man, in his soul, looking down at that time upon his mummy. Thought regarding the physical hardened; it passed through repeated incarnations, and now is such that man cannot extricate his thoughts from the physical bodily form. Materialistic thought is often the result of the embalming of the body.

[ 22 ] So sehen Sie, wie von Verkörperung zu Verkörperung die Gedanken und Gefühle wirken. Das soll nur eine Ahnung davon erwecken, wie durch die Verkörperungen hindurch die Kulturen weiterleben, wie sie in ganz anderen Formen wiedererscheinen; nur eine schwache Ahnung soll Ihnen das erwecken von den zahlreichen okkulten Drähten, die da unten im Verborgenen gehen.

[ 22 ] Thus we see how thoughts and feelings work from one incarnation to another; how civilizations are continued through repeated incarnations, and how they reappear later in entirely different forms. This ought to arouse a faint idea of the countless occult threads which are hidden below the surface.

[ 23 ] Wir wollten heute ein wenig Fäden ziehen, andeuten, welche Fragen uns beschäftigen werden. Wir werden nun den Blick hinaufschweifen lassen in die höchsten Weltenregionen, die der ägyptische Priester erblickte, wir werden den Blick zu richten haben auf das Wesen, das Ziel und die Bestimmung des Menschen, und wir werden begreifen, wie solche Rätsel sich lösen, wenn wir sehen, daß die Früchte einer Kulturepoche auf wunderbar geheimnisvolle Weise in einer anderen, späteren wiedererscheinen.

[ 23 ] In this lecture we have indicated briefly the subjects to be dealt with in subsequent lectures. In them our vision shall sweep upwards to the highest regions of those worlds beheld by the Egyptian priests; we shall have to direct our attention to the nature, the goal, and the destiny of man; and we shall understand how such problems as these are solved when we realize that the fruits of one age of civilization reappear in a wonderful and mysterious manner in a subsequent one.