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The Rudolf Steiner Archive

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Cosmos, Earth and Man
GA 105

4 August 1908, Stuttgart

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Erster Vortrag

Erster Vortrag

[ 1 ] Lassen Sie mich Ihnen zuerst sagen, daß es mich mit einer tiefen Befriedigung erfüllt, in einem großen Zusammenhange, in einem Zyklus von Vorträgen über Gegenstände der Geist-Erkenntnis vor Ihnen sprechen zu können. So wichtig und notwendig es ist für unsere Zeit, daß die Geisteswissenschaft in Einzelvorträgen Anregungen gibt, so ist es nicht minder notwendig, namentlich für denjenigen, der tiefer eindringen will in das geisteswissenschaftliche Leben und Streben, daß solche Ausführungen und Darlegungen in einem gewissen Zusammenhange dargebracht werden. Man kann alsdann gewisse Dinge präziser sagen, man kann sie in einem Zusammenhange hinstellen, wo sie erst ihr richtiges Licht, ihre richtige Färbung empfangen, während sonst dieses oder jenes leicht dem Mißverständnis ausgesetzt werden kann. Denn in der gegenwärtigen Zeit trifft ja, selbst bei den vorbereitetsten Seelen, doch noch manches aus dem Geistigen geschöpfte Wort auf eine gewisse Schwierigkeit des Verstehens. Um zu erfassen, wie die Dinge eigentlich gemeint sind, bedarf es nicht nur des guten Willens und des Intellekts; man muß vielmehr im echten Sinne ihnen etwas entgegenbringen, was man — auch im esoterisch-okkulten Sinne — Geduld nennen könnte. Und diese Geduld ist hier in einem tieferen Sinne gemeint. Wir müssen manche Idee und Anschauung durch anderes erst beleuchten lassen und ruhig warten, bis sich aus dem Zusammenhange heraus das Verständnis für manches ergibt, was anfangs nur wie eine Hindeutung aufgenommen und von manchem nur schwer geglaubt werden konnte.

[ 1 ] Lassen Sie mich Ihnen zuerst sagen, daß es mich mit einer tiefen Befriedigung erfüllt, in einem großen Zusammenhange, in einem Zyklus von Vorträgen über Gegenstände der Geist-Erkenntnis vor Ihnen sprechen zu können. So wichtig und notwendig es ist für unsere Zeit, daß die Geisteswissenschaft in Einzelvorträgen Anregungen gibt, so ist es nicht minder notwendig, namentlich für denjenigen, der tiefer eindringen will in das geisteswissenschaftliche Leben und Streben, daß solche Ausführungen und Darlegungen in einem gewissen Zusammenhange dargebracht werden. Man kann alsdann gewisse Dinge präziser sagen, man kann sie in einem Zusammenhange hinstellen, wo sie erst ihr richtiges Licht, ihre richtige Färbung empfangen, während sonst dieses oder jenes leicht dem Mißverständnis ausgesetzt werden kann. Denn in der gegenwärtigen Zeit trifft ja, selbst bei den vorbereitetsten Seelen, doch noch manches aus dem Geistigen geschöpfte Wort auf eine gewisse Schwierigkeit des Verstehens. Um zu erfassen, wie die Dinge eigentlich gemeint sind, bedarf es nicht nur des guten Willens und des Intellekts; man muß vielmehr im echten Sinne ihnen etwas entgegenbringen, was man — auch im esoterisch-okkulten Sinne — Geduld nennen könnte. Und diese Geduld ist hier in einem tieferen Sinne gemeint. Wir müssen manche Idee und Anschauung durch anderes erst beleuchten lassen und ruhig warten, bis sich aus dem Zusammenhange heraus das Verständnis für manches ergibt, was anfangs nur wie eine Hindeutung aufgenommen und von manchem nur schwer geglaubt werden konnte.

[ 2 ] In unserem heutigen Vortrage nun soll es sich mehr darum handeln, in einer Art von Einleitung die Grundlinien unserer Aufgabe zu charakterisieren. Wir wollen noch nicht eigentlich in diese Aufgabe selbst eintreten, sondern uns erst ein wenig über das verständigen, worüber wir in den nächsten Tagen reden wollen. Denn wir haben im Grunde genommen ein weites, umfangreiches Thema vor uns: Welt, Erde und Mensch, das heißt, eine Skizze von dem Umfange alles Wissens, das wir uns über die sichtbaren und unsichtbaren Welten aneignen können. In die fernsten Fernen des Kosmos werden unsere Gefühle hinausgetragen, wenn im ernsten und würdigen Sinne der Ausdruck «Welt» gebraucht wird. Auf den Schauplatz, auf den die Menschheit gestellt ist, auf dem wir leben und wirken sollen, den wir verstehen sollen nach seinen Aufgaben, seinen Zielen, weist uns das Wort Erde hin. Und endlich auf das, was die Mysten aller Zeiten gemeint haben mit dem Ausspruch: «Erkenne dich selbst, o Mensch», auf das weist uns das Wort hin, das wir im okkulten Sinne erfassen wollen, das Wort Mensch. Und wir haben in unserem 'Thema noch einen Untertitel. Gerade daß wir uns so hohe, bedeutsame Aufgaben gestellt haben, rechtfertigt in gewisser Weise diesen Untertitel; denn wenn wir den Zusammenhang zwischen jener wunderbaren vorchristlichen Kultur, der ägyptischen, und unserer eigenen Kultur betrachten werden, dann werden wir sehen, wie geheimnisvolle Kräfte das Menschenleben durchdringen. Drei Zeiträume menschlichen Strebens und Forschens, menschlicher Entwickelung, menschlicher Moral und Lebensführung drängen sich vor das geistige Auge, wenn die Rede ist von Ägyptertum und Gegenwart. Wenn wir im okkulten Sinne von Ägyptertum sprechen, meinen wir die lange, Jahrtausende währende Kultur, die sich im Nordosten von Afrika, an den Ufern des Nils, ausgebreitet hat und die sich bis in das 8. Jahrhundert vor Christus hinein erstreckte. Wir wissen: diese ägyptische Kultur wurde abgelöst von einer anderen, die wir als die griechisch-lateinische bezeichnen und die auf der einen Seite das wunderbare, in Schönheit erhabene Volk der Griechen zum Mittelpunkt hatte und auf der anderen Seite das starke Römertum. Wir wissen auch, daß in diese Kulturepoche hinein jenes große Ereignis unserer Erdenentwickelung fällt, das wir als die Erscheinung des Christus Jesus kennen. Und dann folgt unsere eigentliche Gegenwart, diejenige Epoche, in der wir selbst leben. Das Ägyptertum mit allem, was dazu gehört — und es gehört vieles dazu -, die griechisch-lateinische Zeit mit ihren großen Erfolgen, mit dem Hervorsprießen des Christentums aus ihr, und unsere gegenwärtige Epoche: das sind die drei Zeiträume, die sich vor unser geistiges Auge hinstellen, wenn wir den Untertitel unserer Vorträge betrachten. Und gezeigt werden soll, daß geheimnisvolle Kräfte spielen zwischen der ersten der genannten Kulturepochen und der unseren. Es ist, als ob in der ägyptischen Zeit gewisse Keime gelegt worden sind in den Schoß der sich nach und nach entwickelnden Menschheit; Keime, die verborgen blieben während der griechisch-lateinischen Kultur und die in der gegenwärtigen Epoche auf ganz sonderbare Weise aufgehen. So daß vieles von dem, was heute in unseren Seelen emporsprießt, was uns heute umgibt, was heute die Menschen reden und träumen, was unsere Forscher denken, daß vieles davon wie ein aufgegangener Keim altägyptischer Kultur ist, ohne daß die Menschen es wissen. Die meisten von Ihnen werden mehr oder weniger die Einrichtung kennen, die man im elektrischen Betriebe bei den sogenannten telegraphischen Apparaten hat. Sie wissen, von einem Orte zum anderen gehen die Drähte, die die Apparate miteinander verbinden, und ohne tiefere Kenntnis über diese Dinge zu haben, werden Sie begreifen, daß die Kraft, welche die Apparate in Bewegung setzt, etwas zu tun hat mit dem, was als Kraft die Drähte durchströmt. Sie wissen aber auch vielleicht, daß unten, unter der Erde, eine Verbindung ist, daß der Draht mit seinen Enden in die Erde hineingeleitet ist. Aber diese Verbindung ist nicht sichtbar; unsichtbar wird sie durch mehr oder weniger geheimnisvolle Kräfte durch die Erde selbst hergestellt. Etwas Ahnliches besteht als tiefes Geheimnis der Menschenentwickelung. Wir sehen geschichtlich die Fäden sich spinnen, die im Offenbaren liegen. Wir können es verfolgen, was im alten Ägypterlande geschehen ist, mit den Mitteln der Geschichte und mit den Mitteln des Okkultismus. Wir sehen, wie sich die Kulturfäden herüberziehen in die griechische, in die römische, in die christliche und bis in unsere Zeit hinein. Das alles ist wie eine Art oberirdischer Leitung. Aber es gibt auch eine unterirdische, verborgene Kraft, und zwar eine solche sogar, die mehr oder weniger direkt herüberwirkt von der alten ägyptischen Zeit bis in unsere Zeit hinein. Und manches merkwürdige Geheimnis wird uns kund werden, wenn wir diese Zusammenhänge verfolgen und durchschauen.

[ 2 ] In unserem heutigen Vortrage nun soll es sich mehr darum handeln, in einer Art von Einleitung die Grundlinien unserer Aufgabe zu charakterisieren. Wir wollen noch nicht eigentlich in diese Aufgabe selbst eintreten, sondern uns erst ein wenig über das verständigen, worüber wir in den nächsten Tagen reden wollen. Denn wir haben im Grunde genommen ein weites, umfangreiches Thema vor uns: Welt, Erde und Mensch, das heißt, eine Skizze von dem Umfange alles Wissens, das wir uns über die sichtbaren und unsichtbaren Welten aneignen können. In die fernsten Fernen des Kosmos werden unsere Gefühle hinausgetragen, wenn im ernsten und würdigen Sinne der Ausdruck «Welt» gebraucht wird. Auf den Schauplatz, auf den die Menschheit gestellt ist, auf dem wir leben und wirken sollen, den wir verstehen sollen nach seinen Aufgaben, seinen Zielen, weist uns das Wort Erde hin. Und endlich auf das, was die Mysten aller Zeiten gemeint haben mit dem Ausspruch: «Erkenne dich selbst, o Mensch», auf das weist uns das Wort hin, das wir im okkulten Sinne erfassen wollen, das Wort Mensch. Und wir haben in unserem 'Thema noch einen Untertitel. Gerade daß wir uns so hohe, bedeutsame Aufgaben gestellt haben, rechtfertigt in gewisser Weise diesen Untertitel; denn wenn wir den Zusammenhang zwischen jener wunderbaren vorchristlichen Kultur, der ägyptischen, und unserer eigenen Kultur betrachten werden, dann werden wir sehen, wie geheimnisvolle Kräfte das Menschenleben durchdringen. Drei Zeiträume menschlichen Strebens und Forschens, menschlicher Entwickelung, menschlicher Moral und Lebensführung drängen sich vor das geistige Auge, wenn die Rede ist von Ägyptertum und Gegenwart. Wenn wir im okkulten Sinne von Ägyptertum sprechen, meinen wir die lange, Jahrtausende währende Kultur, die sich im Nordosten von Afrika, an den Ufern des Nils, ausgebreitet hat und die sich bis in das 8. Jahrhundert vor Christus hinein erstreckte. Wir wissen: diese ägyptische Kultur wurde abgelöst von einer anderen, die wir als die griechisch-lateinische bezeichnen und die auf der einen Seite das wunderbare, in Schönheit erhabene Volk der Griechen zum Mittelpunkt hatte und auf der anderen Seite das starke Römertum. Wir wissen auch, daß in diese Kulturepoche hinein jenes große Ereignis unserer Erdenentwickelung fällt, das wir als die Erscheinung des Christus Jesus kennen. Und dann folgt unsere eigentliche Gegenwart, diejenige Epoche, in der wir selbst leben. Das Ägyptertum mit allem, was dazu gehört — und es gehört vieles dazu -, die griechisch-lateinische Zeit mit ihren großen Erfolgen, mit dem Hervorsprießen des Christentums aus ihr, und unsere gegenwärtige Epoche: das sind die drei Zeiträume, die sich vor unser geistiges Auge hinstellen, wenn wir den Untertitel unserer Vorträge betrachten. Und gezeigt werden soll, daß geheimnisvolle Kräfte spielen zwischen der ersten der genannten Kulturepochen und der unseren. Es ist, als ob in der ägyptischen Zeit gewisse Keime gelegt worden sind in den Schoß der sich nach und nach entwickelnden Menschheit; Keime, die verborgen blieben während der griechisch-lateinischen Kultur und die in der gegenwärtigen Epoche auf ganz sonderbare Weise aufgehen. So daß vieles von dem, was heute in unseren Seelen emporsprießt, was uns heute umgibt, was heute die Menschen reden und träumen, was unsere Forscher denken, daß vieles davon wie ein aufgegangener Keim altägyptischer Kultur ist, ohne daß die Menschen es wissen. Die meisten von Ihnen werden mehr oder weniger die Einrichtung kennen, die man im elektrischen Betriebe bei den sogenannten telegraphischen Apparaten hat. Sie wissen, von einem Orte zum anderen gehen die Drähte, die die Apparate miteinander verbinden, und ohne tiefere Kenntnis über diese Dinge zu haben, werden Sie begreifen, daß die Kraft, welche die Apparate in Bewegung setzt, etwas zu tun hat mit dem, was als Kraft die Drähte durchströmt. Sie wissen aber auch vielleicht, daß unten, unter der Erde, eine Verbindung ist, daß der Draht mit seinen Enden in die Erde hineingeleitet ist. Aber diese Verbindung ist nicht sichtbar; unsichtbar wird sie durch mehr oder weniger geheimnisvolle Kräfte durch die Erde selbst hergestellt. Etwas Ahnliches besteht als tiefes Geheimnis der Menschenentwickelung. Wir sehen geschichtlich die Fäden sich spinnen, die im Offenbaren liegen. Wir können es verfolgen, was im alten Ägypterlande geschehen ist, mit den Mitteln der Geschichte und mit den Mitteln des Okkultismus. Wir sehen, wie sich die Kulturfäden herüberziehen in die griechische, in die römische, in die christliche und bis in unsere Zeit hinein. Das alles ist wie eine Art oberirdischer Leitung. Aber es gibt auch eine unterirdische, verborgene Kraft, und zwar eine solche sogar, die mehr oder weniger direkt herüberwirkt von der alten ägyptischen Zeit bis in unsere Zeit hinein. Und manches merkwürdige Geheimnis wird uns kund werden, wenn wir diese Zusammenhänge verfolgen und durchschauen.

[ 3 ] Heute nun werden wir eine Art Grundriß unserer Aufgabe zu zeichnen haben. Zunächst sei mit einigen Worten noch auf die Eigentümlichkeit hingewiesen, die mit dem Untertitel unseres Themas gemeint ist und die wir eben charakterisiert haben.

[ 3 ] Heute nun werden wir eine Art Grundriß unserer Aufgabe zu zeichnen haben. Zunächst sei mit einigen Worten noch auf die Eigentümlichkeit hingewiesen, die mit dem Untertitel unseres Themas gemeint ist und die wir eben charakterisiert haben.

[ 4 ] Wenn wir unseren Blick zurückwenden zum alten Ägyptertum und nur einige wenige der, man möchte sagen, sich stark ankündigenden Dokumente dieses Ägyptertums betrachten, so fallen uns zum Beispiel die Pyramiden auf, und auch die Sphinx, jene wunderbare, rätselhafte Figur. Dann lassen wir den Blick heraufschweifen in das alte Griechenland. Dort tritt uns in seiner eigenartigen Architektur der griechische Tempel entgegen. Und wir betrachten, was wir durch die äußere Geschichte vom Griechentum wissen, und bewundern die plastischen Kunstwerke, jene großen, idealen, vollendeten Menschengestalten, welche als Götter angesprochen werden: Zeus, Demeter, Pallas Athene, Apollo. Und weiter herauf, nach dem alten Römertum wenden wir den Blick. Etwas Merkwürdiges stellt sich uns dar, wenn wir so den Blick schweifen lassen von der alten griechischen Halbinsel hinüber nach der italienischen Halbinsel. Vor unser Auge treten die Gestalten des alten Römertums, die uns am meisten haften geblieben sind, Gestalten, mit der Toga bekleidet, die mehr ist als ein bloß äußeres Kleid. Was fühlen wir gegenüber jenen römischen Gestalten? O, man könnte sagen, man fühlt gewissen Gestalten aus der ersten römischen Königszeit, aus der römischen Republik gegenüber so, als ob von ihren Postamenten heruntergestiegen wären die idealen Figuren der Griechen, als ob sie uns leibhaft in den römischen Togagestalten als Menschen von Fleisch und Blut vor die Seele träten. Denn das, was sie uns so erscheinen läßt, das ist die innere Kraft, die sie haben; und wir fühlen, was in dieser inneren Kraft liegt, wenn wir das Empfinden, das Denken, die Gesinnung eines Angehörigen des griechischen Staates, zum Beispiel eines Spartaners, eines Atheners vergleichen mit dem, was sich im alten Rom als Römer entwickelte. Wir fühlen, um was es sich da handelt. Der Angehörige von Sparta, von Athen, fühlte sich zuerst als Spartaner, als Athener. Ausgestattet in einer gewissen Beziehung, in einem gewissen Grade mit einer gemeinsamen Seele, fühlt der Spartaner, der Athener das, was wir die griechische Polis nennen, mehr als seine eigene auf sich gestellte Menschlichkeit, mehr fühlte er sich als Spartaner, als Athener denn als Menschenbürger; mehr fühlt er die starke Kraft, die in ihm wirkt, hervorgegangen aus dem gemeinsamen Geiste der Polis, als die eigene, persönliche Kraft. Der Römer dagegen erscheint uns ganz auf den Mittelpunkt seiner eigenen Persönlichkeit gestellt. Daher tritt etwas ganz Bestimmtes vor allen Dingen im Römertum auf, das ist der Begriff des bürgerlichen Rechts. Denn alles, was Rechtsgelehrte von vorhergehender Entstehung des Rechtsbegriffes träumen, ist etwas ganz anderes als das, was man in besseren Zeiten der Forschung mit Recht das Römische Recht genannt hat. Im alten Rom lernt der Mensch sich als Einzelmensch fühlen, er steht auf seinen zwei Füßen nicht mehr als Angehöriger einer Stadt, sondern als römischer Bürger da, das heißt, er fühlt sich auf den Punkt seiner eigenen Menschlichkeit gestellt. Damit ist die Zeit gekommen, in welcher das Geistige, das vorher sozusagen wie in höheren Regionen schwebend empfunden wurde, heruntergestiegen ist bis auf unsere Erde. Es ist etwas Eigentümliches mit dem römischen Recht und seiner Kultur. Nehmen wir den einen Fall, daß der Grieche sich als Thebaner, als Spartaner fühlte — was ist denn der Geist von Theben, von Sparta? Für uns Anthroposophen ist er nicht ein Abstraktum, sondern etwas wie eine geistige Wolke, die wiederum der körperhafte Ausdruck für ein geistiges Wesen ist, in das die Stadt Sparta oder 'Theben eingebettet ist; aber keine Wesenheit, die auf dem irdischen, physischen Plane sichtbar wäre. Der Grieche blickt zunächst nicht auf sich, er blickt zu etwas über ihm hinauf; der Römer blickt zuerst auf sich. Er ist es, der zuerst das Höchste, das im Fleische auf physischem Plane Gestalt annehmen kann, als Mensch anerkennt. Das Geistige ist ganz heruntergestiegen in die Menschlichkeit: das ist die Zeit, wo auch das höchste Geistige, wo das Göttliche selbst heruntersteigen konnte bis zur Inkarnation, bis zur Menschwerdung im Fleische, im Christus Jesus.

[ 4 ] Wenn wir unseren Blick zurückwenden zum alten Ägyptertum und nur einige wenige der, man möchte sagen, sich stark ankündigenden Dokumente dieses Ägyptertums betrachten, so fallen uns zum Beispiel die Pyramiden auf, und auch die Sphinx, jene wunderbare, rätselhafte Figur. Dann lassen wir den Blick heraufschweifen in das alte Griechenland. Dort tritt uns in seiner eigenartigen Architektur der griechische Tempel entgegen. Und wir betrachten, was wir durch die äußere Geschichte vom Griechentum wissen, und bewundern die plastischen Kunstwerke, jene großen, idealen, vollendeten Menschengestalten, welche als Götter angesprochen werden: Zeus, Demeter, Pallas Athene, Apollo. Und weiter herauf, nach dem alten Römertum wenden wir den Blick. Etwas Merkwürdiges stellt sich uns dar, wenn wir so den Blick schweifen lassen von der alten griechischen Halbinsel hinüber nach der italienischen Halbinsel. Vor unser Auge treten die Gestalten des alten Römertums, die uns am meisten haften geblieben sind, Gestalten, mit der Toga bekleidet, die mehr ist als ein bloß äußeres Kleid. Was fühlen wir gegenüber jenen römischen Gestalten? O, man könnte sagen, man fühlt gewissen Gestalten aus der ersten römischen Königszeit, aus der römischen Republik gegenüber so, als ob von ihren Postamenten heruntergestiegen wären die idealen Figuren der Griechen, als ob sie uns leibhaft in den römischen Togagestalten als Menschen von Fleisch und Blut vor die Seele träten. Denn das, was sie uns so erscheinen läßt, das ist die innere Kraft, die sie haben; und wir fühlen, was in dieser inneren Kraft liegt, wenn wir das Empfinden, das Denken, die Gesinnung eines Angehörigen des griechischen Staates, zum Beispiel eines Spartaners, eines Atheners vergleichen mit dem, was sich im alten Rom als Römer entwickelte. Wir fühlen, um was es sich da handelt. Der Angehörige von Sparta, von Athen, fühlte sich zuerst als Spartaner, als Athener. Ausgestattet in einer gewissen Beziehung, in einem gewissen Grade mit einer gemeinsamen Seele, fühlt der Spartaner, der Athener das, was wir die griechische Polis nennen, mehr als seine eigene auf sich gestellte Menschlichkeit, mehr fühlte er sich als Spartaner, als Athener denn als Menschenbürger; mehr fühlt er die starke Kraft, die in ihm wirkt, hervorgegangen aus dem gemeinsamen Geiste der Polis, als die eigene, persönliche Kraft. Der Römer dagegen erscheint uns ganz auf den Mittelpunkt seiner eigenen Persönlichkeit gestellt. Daher tritt etwas ganz Bestimmtes vor allen Dingen im Römertum auf, das ist der Begriff des bürgerlichen Rechts. Denn alles, was Rechtsgelehrte von vorhergehender Entstehung des Rechtsbegriffes träumen, ist etwas ganz anderes als das, was man in besseren Zeiten der Forschung mit Recht das Römische Recht genannt hat. Im alten Rom lernt der Mensch sich als Einzelmensch fühlen, er steht auf seinen zwei Füßen nicht mehr als Angehöriger einer Stadt, sondern als römischer Bürger da, das heißt, er fühlt sich auf den Punkt seiner eigenen Menschlichkeit gestellt. Damit ist die Zeit gekommen, in welcher das Geistige, das vorher sozusagen wie in höheren Regionen schwebend empfunden wurde, heruntergestiegen ist bis auf unsere Erde. Es ist etwas Eigentümliches mit dem römischen Recht und seiner Kultur. Nehmen wir den einen Fall, daß der Grieche sich als Thebaner, als Spartaner fühlte — was ist denn der Geist von Theben, von Sparta? Für uns Anthroposophen ist er nicht ein Abstraktum, sondern etwas wie eine geistige Wolke, die wiederum der körperhafte Ausdruck für ein geistiges Wesen ist, in das die Stadt Sparta oder 'Theben eingebettet ist; aber keine Wesenheit, die auf dem irdischen, physischen Plane sichtbar wäre. Der Grieche blickt zunächst nicht auf sich, er blickt zu etwas über ihm hinauf; der Römer blickt zuerst auf sich. Er ist es, der zuerst das Höchste, das im Fleische auf physischem Plane Gestalt annehmen kann, als Mensch anerkennt. Das Geistige ist ganz heruntergestiegen in die Menschlichkeit: das ist die Zeit, wo auch das höchste Geistige, wo das Göttliche selbst heruntersteigen konnte bis zur Inkarnation, bis zur Menschwerdung im Fleische, im Christus Jesus.

[ 5 ] Es ist ein wunderbarer Prozeß, wie die erste unserer genannten Kulturen da herübergreift in diese griechisch-römische Zeit. Erinnern wir uns, wie Moses, als er in Ägypten - so schildert es uns die Schrift — aus höheren Regionen den Auftrag erhält, sein Volk zu dem «Einigen Gotte» zu führen, wie er da den Gott frägt: Was soll ich meinem Volke sagen, wenn man mich frägt, wer schickt mich, wer gibt mir die Sendung? - Da antwortet der Gott -— und wir werden sehen, welche tiefe

[ 5 ] Es ist ein wunderbarer Prozeß, wie die erste unserer genannten Kulturen da herübergreift in diese griechisch-römische Zeit. Erinnern wir uns, wie Moses, als er in Ägypten - so schildert es uns die Schrift — aus höheren Regionen den Auftrag erhält, sein Volk zu dem «Einigen Gotte» zu führen, wie er da den Gott frägt: Was soll ich meinem Volke sagen, wenn man mich frägt, wer schickt mich, wer gibt mir die Sendung? - Da antwortet der Gott -— und wir werden sehen, welche tiefe

[ 6 ] Wahrheit sich in dem Ausspruch verbirgt -: Sage denen, zu denen ich dich sende, der «Ich bin» hat dich gesandt. — «Ich bin» wird dadurch die Bezeichnung für einen einheitlichen Gott, der noch waltet und webt in spirituellen Höhen, der noch nicht hinuntergestiegen ist auf den physischen Plan. Wem gehört diese Stimme, die da herunterruft zu Moses: Sage deinem Volke, ich bin der «Ich bin»? Wem gehört diese Stimme, die sich dem Eingeweihten Moses vernehmlich machen kann, die sozusagen aus spirituellen Welten heraus zu ihm spricht? Ganz derselbe ist es - und das ist das Geheimnis der alten ägyptischen Mysterien —, derselbe ist es, der später als Christus im Fleische erscheint; nur daß er nachher sichtbar dasteht für diejenigen, die um ihn sind, während er vorher nur zu den Eingeweihten aus spirituellen Höhen sprechen konnte. So sehen wir die Gottheit, das Geistige immer mehr und mehr heruntersteigen, nachdem die Menschheit vorbereitet ist, nachdem sie im Römertume erfahren hat, wie bedeutsam die Verkörperung im Fleische, die Erscheinung auf dem physischen Plane ist.

[ 6 ] Wahrheit sich in dem Ausspruch verbirgt -: Sage denen, zu denen ich dich sende, der «Ich bin» hat dich gesandt. — «Ich bin» wird dadurch die Bezeichnung für einen einheitlichen Gott, der noch waltet und webt in spirituellen Höhen, der noch nicht hinuntergestiegen ist auf den physischen Plan. Wem gehört diese Stimme, die da herunterruft zu Moses: Sage deinem Volke, ich bin der «Ich bin»? Wem gehört diese Stimme, die sich dem Eingeweihten Moses vernehmlich machen kann, die sozusagen aus spirituellen Welten heraus zu ihm spricht? Ganz derselbe ist es - und das ist das Geheimnis der alten ägyptischen Mysterien —, derselbe ist es, der später als Christus im Fleische erscheint; nur daß er nachher sichtbar dasteht für diejenigen, die um ihn sind, während er vorher nur zu den Eingeweihten aus spirituellen Höhen sprechen konnte. So sehen wir die Gottheit, das Geistige immer mehr und mehr heruntersteigen, nachdem die Menschheit vorbereitet ist, nachdem sie im Römertume erfahren hat, wie bedeutsam die Verkörperung im Fleische, die Erscheinung auf dem physischen Plane ist.

[ 7 ] Und wir sehen, wie in einer ungeheuer vertieften Gestalt nunmehr eine Reihe von Kulturerscheinungen herauswächst aus dem, was so der Mensch als eine neue Gabe empfangen hat. Wir sehen, wie sich der Tempelbau, der Pyramidenbau zu der romanischen Kirche verwandelt — wiederum ein solches Dokument inneren menschlichen Schaffens! — und wir sehen, wie vom 6. Jahrhundert an das Kreuz mit dem toten Jesus erscheint. Und nach und nach wächst heraus aus dieser Strömung des Christentums eine merkwürdige Gestalt, deren Mysterien tief, tief verborgen sind. Wir brauchen uns diese Gestalt der malerischen Kunst nur einmal in jener wunderbaren Form vor das Auge zu führen, die sie angenommen hat in der Sixtinischen Madonna von Raffael. Sie alle kennen dies wunderbare jungfräuliche Weib im Mittelpunkte des Bildes. Sie kennen dies Kind, von der Madonna getragen, und Sie haben gewiß alle die entsprechenden Schauer der Empfindung vor diesem Bilde gehabt. Aber eines lassen Sie mich erwähnen gegenüber diesem Bilde, das ein so wunderbarer Ausdruck ist für das geistige Streben der Menschheit auf der Stufe, die uns in den drei genannten Kulturen beschäftigt: Nicht umsonst hat der Künstler diese Madonna mit einem Wolkengebilde umgeben, aus dem sich eine große Anzahl von ähnlichen Kindlein, von Engelsgestalten herausentwickelt.

[ 7 ] Und wir sehen, wie in einer ungeheuer vertieften Gestalt nunmehr eine Reihe von Kulturerscheinungen herauswächst aus dem, was so der Mensch als eine neue Gabe empfangen hat. Wir sehen, wie sich der Tempelbau, der Pyramidenbau zu der romanischen Kirche verwandelt — wiederum ein solches Dokument inneren menschlichen Schaffens! — und wir sehen, wie vom 6. Jahrhundert an das Kreuz mit dem toten Jesus erscheint. Und nach und nach wächst heraus aus dieser Strömung des Christentums eine merkwürdige Gestalt, deren Mysterien tief, tief verborgen sind. Wir brauchen uns diese Gestalt der malerischen Kunst nur einmal in jener wunderbaren Form vor das Auge zu führen, die sie angenommen hat in der Sixtinischen Madonna von Raffael. Sie alle kennen dies wunderbare jungfräuliche Weib im Mittelpunkte des Bildes. Sie kennen dies Kind, von der Madonna getragen, und Sie haben gewiß alle die entsprechenden Schauer der Empfindung vor diesem Bilde gehabt. Aber eines lassen Sie mich erwähnen gegenüber diesem Bilde, das ein so wunderbarer Ausdruck ist für das geistige Streben der Menschheit auf der Stufe, die uns in den drei genannten Kulturen beschäftigt: Nicht umsonst hat der Künstler diese Madonna mit einem Wolkengebilde umgeben, aus dem sich eine große Anzahl von ähnlichen Kindlein, von Engelsgestalten herausentwickelt.

[ 8 ] Und nun wollen wir uns ganz hineinversenken mit unseren Empfindungen in dieses Madonnenbild. Wer nur genügend intime Empfindung hat, um sich hineinzuversenken, der wird ahnen und herausfühlen, daß hier etwas ganz anderes noch ist, als was ein gewöhnlicher profaner Verstand in diesem Bilde erblicken kann. Sagen uns nicht diese Wolkenengel um die Madonna herum etwas? — Ja, etwas höchst Bedeutsames sagen sie uns, wenn wir sie nur genügend tief betrachten. Es raunt sich uns in unsere Seele hinein, wenn wir uns intim in dieses Bild versenken: Hier ist ein Wunder vor uns im besten Sinne des Wortes. — Und wir glauben nicht, daß dieses Kind, das die Madonna auf ihren Armen trägt, so wie uns diese Gestalt entgegentritt, wir glauben nicht, daß es in gewöhnlicher Weise geboren ist von dem Weibe. Nein, diese Engelsgestalten in den Wolken sagen es uns: Wunderbar, flüchtig wie im Werden erscheinen sie, und das Kind auf dem Arme erscheint uns nur wie ein verdichteter Ausdruck, wie etwas, das mehr kristallisiert ist als diese flüchtigen Engelsgestalten. Wie aus den Wolken heruntergeholt und in die Arme gefaßt, so erscheint uns dieses Kind, nicht wie vom Weibe geboren. Und auf einen geheimnisvollen Zusammenhang des Kindes mit der jungfräulichen Mutter werden wir hingewiesen. Und wenn wir so dies Bild vor den Geist hinmalen, dann taucht vor unserem Blick eine andere jungfräuliche Mutter auf: die alte ägyptische Isis mit dem Horuskinde. Und man kann einen geheimnisvollen Zusammenhang vermuten zwischen der christlichen Madonna und der ägyptischen Gestalt, die vor uns steht als die Isis, und an deren Tempel die Worte standen: «Ich bin, was da war, was da ist, was da sein wird; meinen Schleier kann kein Sterblicher lüften.» Das, was wir eben in zarter Weise wie ein Wunder auf dem Madonnenbilde angedeutet haben, das deutet uns auch die ägyptische Mythe an, indem sie Horus nicht durch Empfängnis geboren sein läßt, sondern dadurch, daß von Osiris aus ein Lichtstrahl auf Isis fällt, eine Art unbefleckter Geburt: das Horuskind erscheint. Da sehen wir, wie sich die Fäden herüberknüpfen; was wir da erforschen, ist sozusagen ohne irdischen Zusammenhang.

[ 8 ] Und nun wollen wir uns ganz hineinversenken mit unseren Empfindungen in dieses Madonnenbild. Wer nur genügend intime Empfindung hat, um sich hineinzuversenken, der wird ahnen und herausfühlen, daß hier etwas ganz anderes noch ist, als was ein gewöhnlicher profaner Verstand in diesem Bilde erblicken kann. Sagen uns nicht diese Wolkenengel um die Madonna herum etwas? — Ja, etwas höchst Bedeutsames sagen sie uns, wenn wir sie nur genügend tief betrachten. Es raunt sich uns in unsere Seele hinein, wenn wir uns intim in dieses Bild versenken: Hier ist ein Wunder vor uns im besten Sinne des Wortes. — Und wir glauben nicht, daß dieses Kind, das die Madonna auf ihren Armen trägt, so wie uns diese Gestalt entgegentritt, wir glauben nicht, daß es in gewöhnlicher Weise geboren ist von dem Weibe. Nein, diese Engelsgestalten in den Wolken sagen es uns: Wunderbar, flüchtig wie im Werden erscheinen sie, und das Kind auf dem Arme erscheint uns nur wie ein verdichteter Ausdruck, wie etwas, das mehr kristallisiert ist als diese flüchtigen Engelsgestalten. Wie aus den Wolken heruntergeholt und in die Arme gefaßt, so erscheint uns dieses Kind, nicht wie vom Weibe geboren. Und auf einen geheimnisvollen Zusammenhang des Kindes mit der jungfräulichen Mutter werden wir hingewiesen. Und wenn wir so dies Bild vor den Geist hinmalen, dann taucht vor unserem Blick eine andere jungfräuliche Mutter auf: die alte ägyptische Isis mit dem Horuskinde. Und man kann einen geheimnisvollen Zusammenhang vermuten zwischen der christlichen Madonna und der ägyptischen Gestalt, die vor uns steht als die Isis, und an deren Tempel die Worte standen: «Ich bin, was da war, was da ist, was da sein wird; meinen Schleier kann kein Sterblicher lüften.» Das, was wir eben in zarter Weise wie ein Wunder auf dem Madonnenbilde angedeutet haben, das deutet uns auch die ägyptische Mythe an, indem sie Horus nicht durch Empfängnis geboren sein läßt, sondern dadurch, daß von Osiris aus ein Lichtstrahl auf Isis fällt, eine Art unbefleckter Geburt: das Horuskind erscheint. Da sehen wir, wie sich die Fäden herüberknüpfen; was wir da erforschen, ist sozusagen ohne irdischen Zusammenhang.

[ 9 ] Und wiederum lassen wir den Blick weiter schweifen, bis dahin, wo unsere Zeit beginnt. Wir versenken uns in den gotischen Dom mit seinem wunderbaren Spitzbogenbau; wir rufen vor unsere Seele, was da im Mittelalter sich abspielte in den Versammlungen, wo die wirklich Gläubigen wirklichen Priestern gegenüberstanden. Wir gedenken, wie dieser gotische Dom wirkte mit seinen verschiedenfarbigen Fensterscheiben, durch die das Sonnenlicht hereindrang; wir gedenken, wie da manche von denen, die von den tieferen Geheimnissen des Weltenwerdens sprechen konnten, Töne erklingen lassen konnten, die ihr äußeres Abbild hatten in dem wunderbaren, farbenzerteilten Lichte. Und immer wieder kam es vor, daß die Priester darauf hinwiesen, daß die gemeinsame Kraft des göttlichen Daseins sich der Menschheit mitteilt so in einzelnen Kräftestrahlen, wie dieses Licht, das durch die farbigen Fenster hereindringt. Dem Sinne stellte sich die Zerteilung des Lichtes dar, und in der Seele wurde angeregt, was geistig diesem Bilde zugrunde lag. So durchsetzte die Gemüts- und Empfindungskraft einen solchen gotischen Dom. Jetzt dringen wir etwas tiefer ein in das, was sich so vor unsere Seele malt. Schauen wir uns die ägyptischen Pyramiden an - ein eigentümliches architektonisches Bauwerk! Wir müssen unseren Geist anstrengen, um zu enträtseln, was sie uns sagen wollen. Nach und nach werden wir sehen, wie sich in der Pyramide das Geheimnis von Welt, Erde und Mensch ausdrückt; wir werden sehen, daß in ihr zum Ausdruck kommt, was der ägyptische Priester nach seiner Religionsform fühlte. Wir werden in alle diese Dinge tief eindringen; heute sei nur darauf aufmerksam gemacht, was ein solcher Priester fühlte und seinem Volke in Bildern mitteilte. Sie war tief, diese ägyptische Weisheit, die sich in der Religionsform auslebte; sie war ein unmittelbares Ergebnis uralter Überlieferungen; wie eine Erinnerung war diese ägyptische Weisheit, und der ägyptische Weise, der dem Solon begegnete, konnte mit Recht sagen: O, ihr Griechen bleibt euer ganzes Leben lang Kinder, in euren Kinderseelen lebt nichts von der uralten heiligen Wahrheit. —- Er wollte hindeuten auf das Alter der ägyptischen Weisheit. Woher kam sie?

[ 9 ] Und wiederum lassen wir den Blick weiter schweifen, bis dahin, wo unsere Zeit beginnt. Wir versenken uns in den gotischen Dom mit seinem wunderbaren Spitzbogenbau; wir rufen vor unsere Seele, was da im Mittelalter sich abspielte in den Versammlungen, wo die wirklich Gläubigen wirklichen Priestern gegenüberstanden. Wir gedenken, wie dieser gotische Dom wirkte mit seinen verschiedenfarbigen Fensterscheiben, durch die das Sonnenlicht hereindrang; wir gedenken, wie da manche von denen, die von den tieferen Geheimnissen des Weltenwerdens sprechen konnten, Töne erklingen lassen konnten, die ihr äußeres Abbild hatten in dem wunderbaren, farbenzerteilten Lichte. Und immer wieder kam es vor, daß die Priester darauf hinwiesen, daß die gemeinsame Kraft des göttlichen Daseins sich der Menschheit mitteilt so in einzelnen Kräftestrahlen, wie dieses Licht, das durch die farbigen Fenster hereindringt. Dem Sinne stellte sich die Zerteilung des Lichtes dar, und in der Seele wurde angeregt, was geistig diesem Bilde zugrunde lag. So durchsetzte die Gemüts- und Empfindungskraft einen solchen gotischen Dom. Jetzt dringen wir etwas tiefer ein in das, was sich so vor unsere Seele malt. Schauen wir uns die ägyptischen Pyramiden an - ein eigentümliches architektonisches Bauwerk! Wir müssen unseren Geist anstrengen, um zu enträtseln, was sie uns sagen wollen. Nach und nach werden wir sehen, wie sich in der Pyramide das Geheimnis von Welt, Erde und Mensch ausdrückt; wir werden sehen, daß in ihr zum Ausdruck kommt, was der ägyptische Priester nach seiner Religionsform fühlte. Wir werden in alle diese Dinge tief eindringen; heute sei nur darauf aufmerksam gemacht, was ein solcher Priester fühlte und seinem Volke in Bildern mitteilte. Sie war tief, diese ägyptische Weisheit, die sich in der Religionsform auslebte; sie war ein unmittelbares Ergebnis uralter Überlieferungen; wie eine Erinnerung war diese ägyptische Weisheit, und der ägyptische Weise, der dem Solon begegnete, konnte mit Recht sagen: O, ihr Griechen bleibt euer ganzes Leben lang Kinder, in euren Kinderseelen lebt nichts von der uralten heiligen Wahrheit. —- Er wollte hindeuten auf das Alter der ägyptischen Weisheit. Woher kam sie?

[ 10 ] Unserer gegenwärtigen Menschheit, das wissen Sie, ist eine andere Menschheit vorangegangen, die auf dem Kontinent lebte, der jetzt von den Fluten des Atlantischen Ozeans bedeckt ist. Als die große atlantische Flut kam, da wurde das, was die Atlantier wußten, mitgenommen nach dem Osten durch unser heutiges Europa hindurch. Hier zurückgeblieben sind die nordischen Mythen, wie Erinnerungen an die alte atlantische Weisheit. Wir wissen, daß durch die Nachkommen der Atlantier nach Asien getragen wurde die uraltindische und die persische Kultur, daß die ägyptische Weisheit zum Teil wieder zurück von Asien angeregt worden ist, aber daß sie auch auf direktem Wege hinströmte vom Westen nach dem Osten, von der Atlantis nach Afrika. Und was war das für eine Weisheit, von der der ägyptische Weise als von einer uralten Tradition sprach? Das wird uns offenbar, wenn wir nur einen kurzen Augenblick den Unterschied zwischen dem Leben in der alten Atlantis und unserem heutigen Leben betrachten. Damals war der Mensch mit dumpf hellseherischer Kraft begabt. Er sah um sich herum Wesen, die auch heute noch um uns herum sind, die aber der heutige Mensch nicht mehr sieht. Die Erde ist nicht erschöpft mit den Pflanzen, Mineralien und Tieren. Um uns herum sind geistige Wesenheiten, die aber nur für den hellseherischen Blick offen daliegen. Damals, auf der Atlantis, hatte der Mensch in normaler Weise ein Hellsehen; nicht nur Pflanzen, Mineralien und Tiere waren seine Genossen, Genossen waren ihm die göttlich-geistigen Gestalten, mit ihnen lebte er, wie Sie heute mit Menschen zusammenleben. Damals war noch nicht jene strenge Scheidung zwischen Tag und Nacht wie heute. Heute ist es ja so, daß, wenn der Mensch morgens mit seinem Astralleib und dem Ich in den physischen Leib untertaucht, um ihn herum die physischen Gegenstände sind. Und wenn er abends heraussteigt mit Ich und Astralleib aus seinem physischen Leibe und Ätherleib, dann wird es dunkel und finster um ihn. So ist heute der normale Mensch. Auf der Atlantis war es nicht so, besonders in der alten Zeit. Wenn der Mensch abends heraustrat aus seinem physischen Leibe, dann breitete sich nicht um ihn herum Finsternis aus, sondern er trat in eine Welt von geistigen Wesenheiten ein: er sah jene göttlich-geistigen Gestalten, wie er heute fleischliche Gestalten sieht. Wotan, Baldur, Zeus, Apollo, sie alle sind nicht erfundene phantastische Gestalten, sie sind der Ausdruck für wirkliche Wesenheiten, die nur damals in der atlantischen Zeit keinen Fleischesleib angenommen hatten, sondern die als dichtesten Leib den durchsichtigen ätherischen Leib hatten. Und wenn der Mensch in der Nacht heraustrat aus seinem physischen Leib, dann waren sie um ihn als ätherische Gestalten, und wenn er morgens wieder hineinstieg in seinen physischen Leib, da war er in dieser Welt der Wirklichkeit, die heute die einzige für ihn ist; da verließ er sozusagen für eine Zeit die Welt der Götter und tauchte unter in die Welt der physischen Fleischeswesen, und keine strenge Grenze war zwischen der Wahrnehmung der Nacht und des Tages. Und wenn in jener Zeit der Eingeweihte zu den normalen Menschen von solchen göttlichen Gestalten sprach, dann sprach er nicht von etwas, was ihnen unbekannt war. Es war, wie wenn wir heute von Menschen sprechen und sie mit Namen nennen. So sprachen sie von Wesenheiten wie Wotan, Baldur, denn sie kannten sie als göttliche Ätherwesen.

[ 10 ] Unserer gegenwärtigen Menschheit, das wissen Sie, ist eine andere Menschheit vorangegangen, die auf dem Kontinent lebte, der jetzt von den Fluten des Atlantischen Ozeans bedeckt ist. Als die große atlantische Flut kam, da wurde das, was die Atlantier wußten, mitgenommen nach dem Osten durch unser heutiges Europa hindurch. Hier zurückgeblieben sind die nordischen Mythen, wie Erinnerungen an die alte atlantische Weisheit. Wir wissen, daß durch die Nachkommen der Atlantier nach Asien getragen wurde die uraltindische und die persische Kultur, daß die ägyptische Weisheit zum Teil wieder zurück von Asien angeregt worden ist, aber daß sie auch auf direktem Wege hinströmte vom Westen nach dem Osten, von der Atlantis nach Afrika. Und was war das für eine Weisheit, von der der ägyptische Weise als von einer uralten Tradition sprach? Das wird uns offenbar, wenn wir nur einen kurzen Augenblick den Unterschied zwischen dem Leben in der alten Atlantis und unserem heutigen Leben betrachten. Damals war der Mensch mit dumpf hellseherischer Kraft begabt. Er sah um sich herum Wesen, die auch heute noch um uns herum sind, die aber der heutige Mensch nicht mehr sieht. Die Erde ist nicht erschöpft mit den Pflanzen, Mineralien und Tieren. Um uns herum sind geistige Wesenheiten, die aber nur für den hellseherischen Blick offen daliegen. Damals, auf der Atlantis, hatte der Mensch in normaler Weise ein Hellsehen; nicht nur Pflanzen, Mineralien und Tiere waren seine Genossen, Genossen waren ihm die göttlich-geistigen Gestalten, mit ihnen lebte er, wie Sie heute mit Menschen zusammenleben. Damals war noch nicht jene strenge Scheidung zwischen Tag und Nacht wie heute. Heute ist es ja so, daß, wenn der Mensch morgens mit seinem Astralleib und dem Ich in den physischen Leib untertaucht, um ihn herum die physischen Gegenstände sind. Und wenn er abends heraussteigt mit Ich und Astralleib aus seinem physischen Leibe und Ätherleib, dann wird es dunkel und finster um ihn. So ist heute der normale Mensch. Auf der Atlantis war es nicht so, besonders in der alten Zeit. Wenn der Mensch abends heraustrat aus seinem physischen Leibe, dann breitete sich nicht um ihn herum Finsternis aus, sondern er trat in eine Welt von geistigen Wesenheiten ein: er sah jene göttlich-geistigen Gestalten, wie er heute fleischliche Gestalten sieht. Wotan, Baldur, Zeus, Apollo, sie alle sind nicht erfundene phantastische Gestalten, sie sind der Ausdruck für wirkliche Wesenheiten, die nur damals in der atlantischen Zeit keinen Fleischesleib angenommen hatten, sondern die als dichtesten Leib den durchsichtigen ätherischen Leib hatten. Und wenn der Mensch in der Nacht heraustrat aus seinem physischen Leib, dann waren sie um ihn als ätherische Gestalten, und wenn er morgens wieder hineinstieg in seinen physischen Leib, da war er in dieser Welt der Wirklichkeit, die heute die einzige für ihn ist; da verließ er sozusagen für eine Zeit die Welt der Götter und tauchte unter in die Welt der physischen Fleischeswesen, und keine strenge Grenze war zwischen der Wahrnehmung der Nacht und des Tages. Und wenn in jener Zeit der Eingeweihte zu den normalen Menschen von solchen göttlichen Gestalten sprach, dann sprach er nicht von etwas, was ihnen unbekannt war. Es war, wie wenn wir heute von Menschen sprechen und sie mit Namen nennen. So sprachen sie von Wesenheiten wie Wotan, Baldur, denn sie kannten sie als göttliche Ätherwesen.

[ 11 ] Die Erinnerung an jene uralte Weisheit und Erfahrung wurde herübergetragen mit den Auswanderern, die nach Osten zogen; und aus diesen Erinnerungen, in Verbindung mit einer ganz bestimmten Konstitution des Ägyptervolkes, die wir noch genau kennenlernen werden, bildete sich innerhalb des alten Ägyptens die Zuversicht heraus, daß im Menschen ein Geistiges und damit ein Ewiges lebe, daß, wenn der Leib als Leichnam daliegt, er verlassen ist von einem Göttlich-Geistigen. Das drückte sich in den mannigfaltigsten Bildern und Mitteilungen aus, die der ägyptische Priester dem Volke gab. Aber das war nicht etwa eine abstrakte Wahrheit für die alten Ägypter, das war für sie eine Wahrheit, die unmittelbar von ihnen erlebt wurde. Lassen Sie uns charakterisieren, was der Ägypter empfand. Er sagte sich: Ich sehe den Leichnam hier liegen, den Staub von dem Menschen, der der Träger eines Ich war; ich weiß, denn aus uralter Überlieferung weiß ich es, aus den Erlebnissen meiner Vorfahren weiß ich es, daß da etwas bleibt, was in andere Welten geht. Das würde seine Aufgabe nicht erfüllen, so sagte der alte Ägypter, wenn es einzig und allein in jener geistigen Welt lebte; es muß ein Anziehungsband geknüpft werden zwischen der Welt des Geistigen und der Welt des Irdischen, Physischen. Wir müssen sozusagen ein magnetisches Band haben für die Seele, die im Tode in höhere Regionen zieht, um in ihr ein dauerndes Gefühl zu erregen, auf daß sie wieder zurückkehren und erscheinen kann auf dieser Erde.

[ 11 ] Die Erinnerung an jene uralte Weisheit und Erfahrung wurde herübergetragen mit den Auswanderern, die nach Osten zogen; und aus diesen Erinnerungen, in Verbindung mit einer ganz bestimmten Konstitution des Ägyptervolkes, die wir noch genau kennenlernen werden, bildete sich innerhalb des alten Ägyptens die Zuversicht heraus, daß im Menschen ein Geistiges und damit ein Ewiges lebe, daß, wenn der Leib als Leichnam daliegt, er verlassen ist von einem Göttlich-Geistigen. Das drückte sich in den mannigfaltigsten Bildern und Mitteilungen aus, die der ägyptische Priester dem Volke gab. Aber das war nicht etwa eine abstrakte Wahrheit für die alten Ägypter, das war für sie eine Wahrheit, die unmittelbar von ihnen erlebt wurde. Lassen Sie uns charakterisieren, was der Ägypter empfand. Er sagte sich: Ich sehe den Leichnam hier liegen, den Staub von dem Menschen, der der Träger eines Ich war; ich weiß, denn aus uralter Überlieferung weiß ich es, aus den Erlebnissen meiner Vorfahren weiß ich es, daß da etwas bleibt, was in andere Welten geht. Das würde seine Aufgabe nicht erfüllen, so sagte der alte Ägypter, wenn es einzig und allein in jener geistigen Welt lebte; es muß ein Anziehungsband geknüpft werden zwischen der Welt des Geistigen und der Welt des Irdischen, Physischen. Wir müssen sozusagen ein magnetisches Band haben für die Seele, die im Tode in höhere Regionen zieht, um in ihr ein dauerndes Gefühl zu erregen, auf daß sie wieder zurückkehren und erscheinen kann auf dieser Erde.

[ 12 ] Wir wissen heute aus der Geisteswissenschaft, daß die Menschheit schon durch sich selbst dafür sorgt, daß die Seele immer wieder zu neuen und neuen Inkarnationen zurückkehrt; wir wissen, daß der Mensch, wenn er im Tode in andere Sphären übergeht, in der Zeit von Kamaloka, in der Zeit, wo er sich abgewöhnt das Irdische, mit gewissen Kräften an das Physische gefesselt ist. Wir wissen, daß diese Kräfte es sind, die ihn nicht gleich aufsteigen lassen in die Regionen des Devachan, daß sie es auch sind, die ihn wieder herunterziehen in eine neue Inkarnation. Aber wir sind heute Menschen, die in Abstraktionen leben, die so etwas als 'Theorie darstellen. Im alten Ägypten lebte das als Tradition; der Ägypter war das Gegenteil eines Theoretikers, eines bloßen Denkers, er wollte mit den Sinnen sehen, wie die Seele ihren Weg macht vom toten Leibe heraus bis in die höheren Regionen. Er wollte das vor sich aufgebaut haben, und diesen Gedanken baute er in der Pyramide auf: den Weg, wie die Seele aufsteigt, wie sie aus dem Leibe heraustritt, wie sie teilweise noch gefesselt ist und wie sie hinaufgeführt wird in höhere Regionen. Sehen können wir in der Architektur der Pyramide die Fesselung der Seele an das Irdische, wie ein Bild von Kamaloka tritt sie uns mit ihren geheimnisvollen Formen entgegen, wir können sagen, in der äußeren Anschauung ist sie uns ein Bild der vom Leibe verlassenen und in höhere Regionen ziehenden Seele.

[ 12 ] Wir wissen heute aus der Geisteswissenschaft, daß die Menschheit schon durch sich selbst dafür sorgt, daß die Seele immer wieder zu neuen und neuen Inkarnationen zurückkehrt; wir wissen, daß der Mensch, wenn er im Tode in andere Sphären übergeht, in der Zeit von Kamaloka, in der Zeit, wo er sich abgewöhnt das Irdische, mit gewissen Kräften an das Physische gefesselt ist. Wir wissen, daß diese Kräfte es sind, die ihn nicht gleich aufsteigen lassen in die Regionen des Devachan, daß sie es auch sind, die ihn wieder herunterziehen in eine neue Inkarnation. Aber wir sind heute Menschen, die in Abstraktionen leben, die so etwas als 'Theorie darstellen. Im alten Ägypten lebte das als Tradition; der Ägypter war das Gegenteil eines Theoretikers, eines bloßen Denkers, er wollte mit den Sinnen sehen, wie die Seele ihren Weg macht vom toten Leibe heraus bis in die höheren Regionen. Er wollte das vor sich aufgebaut haben, und diesen Gedanken baute er in der Pyramide auf: den Weg, wie die Seele aufsteigt, wie sie aus dem Leibe heraustritt, wie sie teilweise noch gefesselt ist und wie sie hinaufgeführt wird in höhere Regionen. Sehen können wir in der Architektur der Pyramide die Fesselung der Seele an das Irdische, wie ein Bild von Kamaloka tritt sie uns mit ihren geheimnisvollen Formen entgegen, wir können sagen, in der äußeren Anschauung ist sie uns ein Bild der vom Leibe verlassenen und in höhere Regionen ziehenden Seele.

[ 13 ] Und weiter! Wir versuchen diese alten Traditionen zu verstehen. In der alten atlantischen Zeit sah der Mensch um sich herum noch vieles, was dem heutigen Menschen durchaus verborgen ist. Wir erinnern uns aus früheren Vorträgen, daß der Ätherleib des Menschen in jener Zeit noch nicht so intensiv mit dem physischen Leib verbunden war wie heute; der Atherkopf ragte noch weit über den physischen heraus. Bei dem Tier ist die Gestalt noch heute zurückgeblieben. Wenn Sie ein Pferd hellseherisch betrachten, dann sehen Sie den Atherkopf als eine Lichtgestalt über die Pferdeschnauze sich auftürmen; und wenn Sie erst jenes merkwürdige Gebilde sehen könnten, das sich beim Elefanten über dem Rüssel aufbaut! Nicht so stark, aber ähnlich so war der Ätherkopf bei dem alten Atlantier vorhanden, später ging er immer mehr in den Kopf hinein, so daß er heute ungefähr gleich ist an Größe und Form. Aber dafür war auch der physische Kopf, der nur teilweise erst vom Ätherkopf beherrscht war, der noch viele Kräfte draußen hatte, die heute im Inneren sind, noch nicht in jenem hohen Grade menschenähnlich; er bildete sich erst heraus, man sah sozusagen noch etwas von einer niederen tierischen Kopfform. Wie war es, wenn der alte Atlantier einen seiner Genossen bei Tag ansah? Da sah er eine weit zurückliegende Stirn, weit hervortretende Zähne, etwas, was noch an das Tier erinnerte. Wenn dann abends der Mensch einschlief, wenn das atlantische Hellsehen begann, dann richtete der Blick sich nicht nur auf die tierähnliche Gestalt, sondern es wuchs schon die ätherische menschliche Kopfform, und zwar eine weit schönere Form, als sie heute ist, heraus aus dem physischen Kopfe. Da war dem nächtlichen Anschauen das Tierähnliche undeutlich geworden, und es wuchs heraus die schöne Menschengestalt. Und in noch entlegenere Zeiten konnte der atlantische Hellseher zurückschauen, in Zeiten, wo der Mensch noch mehr tierähnlich war, aber verbunden mit einem ganz und gar menschenähnlichen Ätherleib; viel schöner war dieser Atherleib als der heutige physische Menschenleib, der sich angepaßt hat den starken dichten Kräften. Denken Sie sich nun diese Erinnerung an das alte atlantische Bewußtsein symbolisch vor den Menschen hingestellt in der ägyptischen Zeit! Denken Sie sich, der ägyptische Priester hätte seinem Volke sagen wollen: Eure eigenen Seelen in atlantischen Zeiten haben geschaut, wenn sie wach waren, die Menschengestalt in Tierform, nachts aber wuchs heraus ein wunderschöner Menschenkopf. — Diese Erinnerung, plastisch ausgestaltet: das ist die Sphinx. So erst versteht man diese Formen; man muß verstehen lernen, daß sie nichts Ausgedachtes sind, sondern Realitäten.

[ 13 ] Und weiter! Wir versuchen diese alten Traditionen zu verstehen. In der alten atlantischen Zeit sah der Mensch um sich herum noch vieles, was dem heutigen Menschen durchaus verborgen ist. Wir erinnern uns aus früheren Vorträgen, daß der Ätherleib des Menschen in jener Zeit noch nicht so intensiv mit dem physischen Leib verbunden war wie heute; der Atherkopf ragte noch weit über den physischen heraus. Bei dem Tier ist die Gestalt noch heute zurückgeblieben. Wenn Sie ein Pferd hellseherisch betrachten, dann sehen Sie den Atherkopf als eine Lichtgestalt über die Pferdeschnauze sich auftürmen; und wenn Sie erst jenes merkwürdige Gebilde sehen könnten, das sich beim Elefanten über dem Rüssel aufbaut! Nicht so stark, aber ähnlich so war der Ätherkopf bei dem alten Atlantier vorhanden, später ging er immer mehr in den Kopf hinein, so daß er heute ungefähr gleich ist an Größe und Form. Aber dafür war auch der physische Kopf, der nur teilweise erst vom Ätherkopf beherrscht war, der noch viele Kräfte draußen hatte, die heute im Inneren sind, noch nicht in jenem hohen Grade menschenähnlich; er bildete sich erst heraus, man sah sozusagen noch etwas von einer niederen tierischen Kopfform. Wie war es, wenn der alte Atlantier einen seiner Genossen bei Tag ansah? Da sah er eine weit zurückliegende Stirn, weit hervortretende Zähne, etwas, was noch an das Tier erinnerte. Wenn dann abends der Mensch einschlief, wenn das atlantische Hellsehen begann, dann richtete der Blick sich nicht nur auf die tierähnliche Gestalt, sondern es wuchs schon die ätherische menschliche Kopfform, und zwar eine weit schönere Form, als sie heute ist, heraus aus dem physischen Kopfe. Da war dem nächtlichen Anschauen das Tierähnliche undeutlich geworden, und es wuchs heraus die schöne Menschengestalt. Und in noch entlegenere Zeiten konnte der atlantische Hellseher zurückschauen, in Zeiten, wo der Mensch noch mehr tierähnlich war, aber verbunden mit einem ganz und gar menschenähnlichen Ätherleib; viel schöner war dieser Atherleib als der heutige physische Menschenleib, der sich angepaßt hat den starken dichten Kräften. Denken Sie sich nun diese Erinnerung an das alte atlantische Bewußtsein symbolisch vor den Menschen hingestellt in der ägyptischen Zeit! Denken Sie sich, der ägyptische Priester hätte seinem Volke sagen wollen: Eure eigenen Seelen in atlantischen Zeiten haben geschaut, wenn sie wach waren, die Menschengestalt in Tierform, nachts aber wuchs heraus ein wunderschöner Menschenkopf. — Diese Erinnerung, plastisch ausgestaltet: das ist die Sphinx. So erst versteht man diese Formen; man muß verstehen lernen, daß sie nichts Ausgedachtes sind, sondern Realitäten.

[ 14 ] Und wieder schreiten wir weiter in unserer Betrachtung. Wir dringen von der ägyptischen Pyramide vor zum griechischen Tempel. Verstehen wird einen solchen Tempel nur derjenige, der ein Gefühl dafür hat, daß im Raume Kräfte walten. Die Griechen hatten ein solches Raumgefühl. Der Mensch, der vom Standpunkte der Geisteswissenschaft aus den Raum studiert, der weiß, daß dieser Raum nicht jene abstrakte Leere ist, von der unsere gewöhnlichen Mathematiker und Physiker träumen, sondern daß er vielmehr sehr differenziert ist. Er ist etwas, was in sich selbst von Linien erfüllt ist, von Kraftlinien hierhin, dorthin, von oben nach unten, von rechts nach links, gerade, runde Linien in allen Richtungen. Man kann den Raum fühlen, gefühlsmäßig durchdringen. Wer ein solches Raumgefühl hat, weiß, warum gewisse alte Maler so wunderbar naturgetreu die frei schwebenden Engelgestalten auf Madonnenbildern malten, er weiß, daß sich diese Engel gegenseitig halten, wie die Weltenkörper im Raume durch ihre Anziehungskraft sich halten. Ganz anders ist es, wenn Sie zum Beispiel das Bild von Böcklin «Pieta» betrachten. Es soll nichts gegen die sonstige Vortrefflichkeit dieses Bildes eingewendet werden, aber wer sich das lebendige Raumgefühl bewahrt hat, der hat die Empfindung, als ob jene merkwürdigen Engelgestalten jeden Augenblick herunterfallen müßten. Die alten Maler hatten noch das Gefühl für den Raum von dem früheren Hellsehertum; in neuerer Zeit ist das verlorengegangen.

[ 14 ] Und wieder schreiten wir weiter in unserer Betrachtung. Wir dringen von der ägyptischen Pyramide vor zum griechischen Tempel. Verstehen wird einen solchen Tempel nur derjenige, der ein Gefühl dafür hat, daß im Raume Kräfte walten. Die Griechen hatten ein solches Raumgefühl. Der Mensch, der vom Standpunkte der Geisteswissenschaft aus den Raum studiert, der weiß, daß dieser Raum nicht jene abstrakte Leere ist, von der unsere gewöhnlichen Mathematiker und Physiker träumen, sondern daß er vielmehr sehr differenziert ist. Er ist etwas, was in sich selbst von Linien erfüllt ist, von Kraftlinien hierhin, dorthin, von oben nach unten, von rechts nach links, gerade, runde Linien in allen Richtungen. Man kann den Raum fühlen, gefühlsmäßig durchdringen. Wer ein solches Raumgefühl hat, weiß, warum gewisse alte Maler so wunderbar naturgetreu die frei schwebenden Engelgestalten auf Madonnenbildern malten, er weiß, daß sich diese Engel gegenseitig halten, wie die Weltenkörper im Raume durch ihre Anziehungskraft sich halten. Ganz anders ist es, wenn Sie zum Beispiel das Bild von Böcklin «Pieta» betrachten. Es soll nichts gegen die sonstige Vortrefflichkeit dieses Bildes eingewendet werden, aber wer sich das lebendige Raumgefühl bewahrt hat, der hat die Empfindung, als ob jene merkwürdigen Engelgestalten jeden Augenblick herunterfallen müßten. Die alten Maler hatten noch das Gefühl für den Raum von dem früheren Hellsehertum; in neuerer Zeit ist das verlorengegangen.

[ 15 ] Als die Kunst noch okkulte Traditionen hatte, wußte man von solchen gegenseitig sich tragenden Kräften, die im Raume darinnen sind, die da hin- und herströmen. Solche Kräfte fühlten diejenigen, in deren Geist der Gedanke des griechischen Tempels entstanden ist. Sie dachten ihn nicht aus, sondern sie nahmen die Kräfte wahr, die den Raum durchströmten, und gaben das Gesteinsmaterial hinein: was okkult schon da war, füllten sie mit Materie. So ist der griechische Tempel eine materielle Ausgestaltung von Kräften, die im Raume wirken; ein griechischer Tempel ist ein kristallisierter Raumgedanke, im reinsten Sinne des Wortes. Die Folge davon ist etwas sehr Wichtiges. Weil der Grieche die Raumkräfte materiell ausgestaltet hat, hat er den göttlich-geistigen Wesenheiten Gelegenheit gegeben, diese materielle Form zu benutzen. Es ist keine Redensart, sondern Wirklichkeit, daß der Gott in jener Zeit herunterstieg in den griechischen Tempel, um unter den Menschen auf dem physischen Plan zu sein. Wie heute ein Elternpaar die physische Form, das Fleischliche des Kindes zur Verfügung stellt, so daß das Geistige sich auf physischem Plane ausleben kann, so geschah etwas Ähnliches bei dem griechischen Tempel. Da wurde Gelegenheit gegeben, daß göttlich-geistige Wesenheiten herunterströmten und sich verkörperten in dem architektonischen Tempelbau. Das ist das Geheimnis des griechischen Tempels: der Gott war da im Tempel. Wer die griechische Tempelform richtig fühlte, fühlte auch, daß weit und breit kein Mensch zu sein brauchte, und auch nicht im Tempel selbst, und daß der Tempel doch nicht leer war, denn der Gott war wirklich anwesend im Tempel. Der griechische Tempel ist für sich ein Ganzes, weil er die Formen enthält, die den Gott in ihn hineinbannen.

[ 15 ] Als die Kunst noch okkulte Traditionen hatte, wußte man von solchen gegenseitig sich tragenden Kräften, die im Raume darinnen sind, die da hin- und herströmen. Solche Kräfte fühlten diejenigen, in deren Geist der Gedanke des griechischen Tempels entstanden ist. Sie dachten ihn nicht aus, sondern sie nahmen die Kräfte wahr, die den Raum durchströmten, und gaben das Gesteinsmaterial hinein: was okkult schon da war, füllten sie mit Materie. So ist der griechische Tempel eine materielle Ausgestaltung von Kräften, die im Raume wirken; ein griechischer Tempel ist ein kristallisierter Raumgedanke, im reinsten Sinne des Wortes. Die Folge davon ist etwas sehr Wichtiges. Weil der Grieche die Raumkräfte materiell ausgestaltet hat, hat er den göttlich-geistigen Wesenheiten Gelegenheit gegeben, diese materielle Form zu benutzen. Es ist keine Redensart, sondern Wirklichkeit, daß der Gott in jener Zeit herunterstieg in den griechischen Tempel, um unter den Menschen auf dem physischen Plan zu sein. Wie heute ein Elternpaar die physische Form, das Fleischliche des Kindes zur Verfügung stellt, so daß das Geistige sich auf physischem Plane ausleben kann, so geschah etwas Ähnliches bei dem griechischen Tempel. Da wurde Gelegenheit gegeben, daß göttlich-geistige Wesenheiten herunterströmten und sich verkörperten in dem architektonischen Tempelbau. Das ist das Geheimnis des griechischen Tempels: der Gott war da im Tempel. Wer die griechische Tempelform richtig fühlte, fühlte auch, daß weit und breit kein Mensch zu sein brauchte, und auch nicht im Tempel selbst, und daß der Tempel doch nicht leer war, denn der Gott war wirklich anwesend im Tempel. Der griechische Tempel ist für sich ein Ganzes, weil er die Formen enthält, die den Gott in ihn hineinbannen.

[ 16 ] Und wenn wir nun den römischen Kirchenbau betrachten, vorzugsweise den mit einer Krypta, da sehen wir schon eine Art von Fortentwickelung. In der Pyramide sehen wir dargestellt den Weg, den die Seele nach dem Tode nimmt, die äußere architektonische Form für die entfliehende Seele. Für die göttliche Seele, die gern auf dem physischen Plan weilt, ist der griechische Tempel der Ausdruck. Der römische Bau mit der Krypta entspricht dem Kreuz, an dem der tote Jesuskörper hängt. Die Menschheit ist fortgeschritten zu einem gesteigerten Bewußtsein in geistigen Sphären. Die Fesselung an das Irdische, die Kamalokazeit ist dargestellt in der Pyramide; der Sieg über die physische Form, der Sieg über den Tod ist ausgedrückt im Kreuze, an dem der tote Jesus hängt und das uns erinnern soll an den geistigen Sieg über den Tod, an Christus.

[ 16 ] Und wenn wir nun den römischen Kirchenbau betrachten, vorzugsweise den mit einer Krypta, da sehen wir schon eine Art von Fortentwickelung. In der Pyramide sehen wir dargestellt den Weg, den die Seele nach dem Tode nimmt, die äußere architektonische Form für die entfliehende Seele. Für die göttliche Seele, die gern auf dem physischen Plan weilt, ist der griechische Tempel der Ausdruck. Der römische Bau mit der Krypta entspricht dem Kreuz, an dem der tote Jesuskörper hängt. Die Menschheit ist fortgeschritten zu einem gesteigerten Bewußtsein in geistigen Sphären. Die Fesselung an das Irdische, die Kamalokazeit ist dargestellt in der Pyramide; der Sieg über die physische Form, der Sieg über den Tod ist ausgedrückt im Kreuze, an dem der tote Jesus hängt und das uns erinnern soll an den geistigen Sieg über den Tod, an Christus.

[ 17 ] Und wiederum ein Stück weiter kommen wir zum gotischen Bau. Er ist nicht vollständig, wenn nicht die gläubige Gemeinde drinnen ist. Wenn wir alles zusammen fühlen wollen, da müssen sich mit den Spitzbögen vereinigen die gefalteten Hände und die Gefühle, die sich darin ausdrücken, die nach oben strömen. Aber nicht Gefühle wie in der Krypta, wo das Andenken gefeiert wurde an den geistigen Sieg über den Tod, sondern sieghafte Gefühle, wie sie die Seele empfindet, die sich im Leibe schon Sieger fühlt über den Tod. Die im Leibe sieghafte Seele gehört hinein in den gotischen Bau; er ist nicht vollständig, wenn nicht solche Gefühle ihn durchströmen. Der griechische Tempel ist der Leib des Gottes, er steht allein für sich da. Die gotische Kirche stellt sich dar als etwas, was die Gemeinde ruft; sie ist kein Tempel, sondern ein Dom. Dom ist dasselbe Wort, das sich in der Nachsilbe «tum» ausdrückt, wie zum Beispiel in dem Worte Menschentum oder Volkstum. Auch dem russischen Worte Duma liegt das Wort «tum» zugrunde. Ein Dom, ein «Tum» ist das, wo einzelne Glieder zu einer Gemeinde zusammengerufen werden.

[ 17 ] Und wiederum ein Stück weiter kommen wir zum gotischen Bau. Er ist nicht vollständig, wenn nicht die gläubige Gemeinde drinnen ist. Wenn wir alles zusammen fühlen wollen, da müssen sich mit den Spitzbögen vereinigen die gefalteten Hände und die Gefühle, die sich darin ausdrücken, die nach oben strömen. Aber nicht Gefühle wie in der Krypta, wo das Andenken gefeiert wurde an den geistigen Sieg über den Tod, sondern sieghafte Gefühle, wie sie die Seele empfindet, die sich im Leibe schon Sieger fühlt über den Tod. Die im Leibe sieghafte Seele gehört hinein in den gotischen Bau; er ist nicht vollständig, wenn nicht solche Gefühle ihn durchströmen. Der griechische Tempel ist der Leib des Gottes, er steht allein für sich da. Die gotische Kirche stellt sich dar als etwas, was die Gemeinde ruft; sie ist kein Tempel, sondern ein Dom. Dom ist dasselbe Wort, das sich in der Nachsilbe «tum» ausdrückt, wie zum Beispiel in dem Worte Menschentum oder Volkstum. Auch dem russischen Worte Duma liegt das Wort «tum» zugrunde. Ein Dom, ein «Tum» ist das, wo einzelne Glieder zu einer Gemeinde zusammengerufen werden.

[ 18 ] So sehen Sie, wie menschliche Gedanken und menschliche Gesinnung in der Zeit fortschreiten, und so kommen wir nach und nach in unsere Zeit hinein. Und wir werden sehen, wie diese Kräfte nicht nur gleichsam im Oberirdischen fortspielen: unterhalb gehen geheimnisvolle okkulte Strömungen, so daß, was heute in unserer Kultur aufgeht, uns wie eine Wiederverkörperung von manchem erscheint, was in alten ägyptischen Zeiten in die Menschheit hineingelegt worden ist. Und da wollen wir mit einem Gedanken abschließen, der als eine erste Ahnung Sie hinweisen wird auf solche geheimnisvollen Zusammenhänge.

[ 18 ] So sehen Sie, wie menschliche Gedanken und menschliche Gesinnung in der Zeit fortschreiten, und so kommen wir nach und nach in unsere Zeit hinein. Und wir werden sehen, wie diese Kräfte nicht nur gleichsam im Oberirdischen fortspielen: unterhalb gehen geheimnisvolle okkulte Strömungen, so daß, was heute in unserer Kultur aufgeht, uns wie eine Wiederverkörperung von manchem erscheint, was in alten ägyptischen Zeiten in die Menschheit hineingelegt worden ist. Und da wollen wir mit einem Gedanken abschließen, der als eine erste Ahnung Sie hinweisen wird auf solche geheimnisvollen Zusammenhänge.

[ 19 ] Was ist es, was den Materialismus unserer heutigen Kultur ausmacht? Charakterisieren wir einmal diesen Materialismus. Der Mensch weiter Kreise, der heute die Harmonie, die Versöhnung zwischen Glauben und Wissen verloren hat, was ist ihm besonders eigen, wenn er hinschauen will auf ein Geistiges? Nichts sieht er! Er schaut auf das Grobe, materiell Physische; von dem weiß er, daß es real, daß es wirklich vorhanden ist, und er kommt sogar bis zum Leugnen des Geistig-Spirituellen. Er glaubt, des Menschen Dasein ist erfüllt, wenn des Menschen Leichnam im Staube daliegt; er sieht nichts sich erheben in die geistigen Welten hinein. Kann eine solche Anschauung als Folge entstehen von etwas, was in einer Zeit als Same gelegt wurde, wo ein fester Glaube an das Fortleben der Seele herrschte, wie es im alten Ägyptertum der Fall war? Ja; denn in der Kultur ist es nicht wie im Pflanzenreiche, daß nur immer wieder Ähnliches aus dem Samen entsteht. In der Kultur muß abwechseln ein Wert mit einem anderen, der ihm scheinbar nicht ähnlich ist - und dennoch bestehen tiefere, intime Ähnlichkeiten.

[ 19 ] Was ist es, was den Materialismus unserer heutigen Kultur ausmacht? Charakterisieren wir einmal diesen Materialismus. Der Mensch weiter Kreise, der heute die Harmonie, die Versöhnung zwischen Glauben und Wissen verloren hat, was ist ihm besonders eigen, wenn er hinschauen will auf ein Geistiges? Nichts sieht er! Er schaut auf das Grobe, materiell Physische; von dem weiß er, daß es real, daß es wirklich vorhanden ist, und er kommt sogar bis zum Leugnen des Geistig-Spirituellen. Er glaubt, des Menschen Dasein ist erfüllt, wenn des Menschen Leichnam im Staube daliegt; er sieht nichts sich erheben in die geistigen Welten hinein. Kann eine solche Anschauung als Folge entstehen von etwas, was in einer Zeit als Same gelegt wurde, wo ein fester Glaube an das Fortleben der Seele herrschte, wie es im alten Ägyptertum der Fall war? Ja; denn in der Kultur ist es nicht wie im Pflanzenreiche, daß nur immer wieder Ähnliches aus dem Samen entsteht. In der Kultur muß abwechseln ein Wert mit einem anderen, der ihm scheinbar nicht ähnlich ist - und dennoch bestehen tiefere, intime Ähnlichkeiten.

[ 20 ] Des Menschen Blick von heute ist gefesselt an den physischen Leib, er sieht diesen physischen Leib als Wirklichkeit an, er kann sich nicht erheben zum Spirituellen. Diese Seelen, die heute durch ihre Augen hinausschauen auf die physischen Menschenleiber und die sich nicht erheben können zu einem Geistigen, sie waren in früheren Volksstämmen inkarniert als Griechen, als Römer, als alte Ägypter. Und alles, was heute in unseren Seelen lebt, ist das Ergebnis dessen, was wir in früheren Inkarnationen aufgenommen haben.

[ 20 ] Des Menschen Blick von heute ist gefesselt an den physischen Leib, er sieht diesen physischen Leib als Wirklichkeit an, er kann sich nicht erheben zum Spirituellen. Diese Seelen, die heute durch ihre Augen hinausschauen auf die physischen Menschenleiber und die sich nicht erheben können zu einem Geistigen, sie waren in früheren Volksstämmen inkarniert als Griechen, als Römer, als alte Ägypter. Und alles, was heute in unseren Seelen lebt, ist das Ergebnis dessen, was wir in früheren Inkarnationen aufgenommen haben.

[ 21 ] Denken Sie sich Ihre Seele zurück versetzt in den alten ägyptischen Leib. Denken Sie Ihre Seele nach dem Tode zurückgeleitet durch den Gang der Pyramide in höhere Sphären, aber Ihren Leib als Mumie festgehalten. Das hatte eine okkulte Folge. Die Seele mußte immer herunterschauen, wenn da unten der Mumienleib lag. Da wurden die Gedanken verfestigt, verknöchert, verhärtet, da wurden die Gedanken hereingebannt in die physische Welt. Weil aus den Regionen des Geistes die alte ägyptische Seele nach dem Tode herunterschauen mußte auf ihren konservierten physischen Leib, deshalb ist der Gedanke in ihr eingewurzelt, daß dieser physische Leib eine höhere Realität ist, als er es in Wirklichkeit ist. Denken Sie sich hinein in Ihre Seele von damals; Sie schauten hinunter auf die Mumie. Der Gedanke an die physische Form hat sich verhärtet, er hat sich herübergetragen durch die Inkarnationen hindurch: heute erscheint dieser Gedanke so, daß die Menschen sich nicht losreißen können von der physischen Körperform. Der Materialismus als Gedanke ist vielfach eine aufgehende Frucht der Einbalsamierung der Leichname.

[ 21 ] Denken Sie sich Ihre Seele zurück versetzt in den alten ägyptischen Leib. Denken Sie Ihre Seele nach dem Tode zurückgeleitet durch den Gang der Pyramide in höhere Sphären, aber Ihren Leib als Mumie festgehalten. Das hatte eine okkulte Folge. Die Seele mußte immer herunterschauen, wenn da unten der Mumienleib lag. Da wurden die Gedanken verfestigt, verknöchert, verhärtet, da wurden die Gedanken hereingebannt in die physische Welt. Weil aus den Regionen des Geistes die alte ägyptische Seele nach dem Tode herunterschauen mußte auf ihren konservierten physischen Leib, deshalb ist der Gedanke in ihr eingewurzelt, daß dieser physische Leib eine höhere Realität ist, als er es in Wirklichkeit ist. Denken Sie sich hinein in Ihre Seele von damals; Sie schauten hinunter auf die Mumie. Der Gedanke an die physische Form hat sich verhärtet, er hat sich herübergetragen durch die Inkarnationen hindurch: heute erscheint dieser Gedanke so, daß die Menschen sich nicht losreißen können von der physischen Körperform. Der Materialismus als Gedanke ist vielfach eine aufgehende Frucht der Einbalsamierung der Leichname.

[ 22 ] So sehen Sie, wie von Verkörperung zu Verkörperung die Gedanken und Gefühle wirken. Das soll nur eine Ahnung davon erwecken, wie durch die Verkörperungen hindurch die Kulturen weiterleben, wie sie in ganz anderen Formen wiedererscheinen; nur eine schwache Ahnung soll Ihnen das erwecken von den zahlreichen okkulten Drähten, die da unten im Verborgenen gehen.

[ 22 ] So sehen Sie, wie von Verkörperung zu Verkörperung die Gedanken und Gefühle wirken. Das soll nur eine Ahnung davon erwecken, wie durch die Verkörperungen hindurch die Kulturen weiterleben, wie sie in ganz anderen Formen wiedererscheinen; nur eine schwache Ahnung soll Ihnen das erwecken von den zahlreichen okkulten Drähten, die da unten im Verborgenen gehen.

[ 23 ] Wir wollten heute ein wenig Fäden ziehen, andeuten, welche Fragen uns beschäftigen werden. Wir werden nun den Blick hinaufschweifen lassen in die höchsten Weltenregionen, die der ägyptische Priester erblickte, wir werden den Blick zu richten haben auf das Wesen, das Ziel und die Bestimmung des Menschen, und wir werden begreifen, wie solche Rätsel sich lösen, wenn wir sehen, daß die Früchte einer Kulturepoche auf wunderbar geheimnisvolle Weise in einer anderen, späteren wiedererscheinen.

[ 23 ] Wir wollten heute ein wenig Fäden ziehen, andeuten, welche Fragen uns beschäftigen werden. Wir werden nun den Blick hinaufschweifen lassen in die höchsten Weltenregionen, die der ägyptische Priester erblickte, wir werden den Blick zu richten haben auf das Wesen, das Ziel und die Bestimmung des Menschen, und wir werden begreifen, wie solche Rätsel sich lösen, wenn wir sehen, daß die Früchte einer Kulturepoche auf wunderbar geheimnisvolle Weise in einer anderen, späteren wiedererscheinen.