Cosmos, Earth and Man
GA 105
13 August 1908, Stuttgart
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Welt, Erde und Mensch, 6th ed.
Neunter Vortrag
Neunter Vortrag
[ 1 ] Es wird nunmehr unsere Aufgabe sein, den geistigen Horizont, innerhalb dessen der Mensch der Gegenwart steht, zu begreifen dadurch, daß wir seine Herkunft erforschen. Wir haben ja gesehen, wie der Mensch sozusagen immer ähnlicher und ähnlicher seiner gegenwärtigen Gestalt geworden ist, indem er sich durch das lemurische und atlantische Zeitalter hindurch entwickelte; und heute wollen wir unsere Betrachtung von diesem letzten Zeitalter, dem atlantischen, fortsetzen bis in unsere Zeit hinein, soweit wir sie zum Verständnis unseres Themas brauchen.
[ 1 ] Es wird nunmehr unsere Aufgabe sein, den geistigen Horizont, innerhalb dessen der Mensch der Gegenwart steht, zu begreifen dadurch, daß wir seine Herkunft erforschen. Wir haben ja gesehen, wie der Mensch sozusagen immer ähnlicher und ähnlicher seiner gegenwärtigen Gestalt geworden ist, indem er sich durch das lemurische und atlantische Zeitalter hindurch entwickelte; und heute wollen wir unsere Betrachtung von diesem letzten Zeitalter, dem atlantischen, fortsetzen bis in unsere Zeit hinein, soweit wir sie zum Verständnis unseres Themas brauchen.
[ 2 ] Wir wissen, vor der Mitte der atlantischen Zeit waren die Bewußtseinsverhältnisse des Menschen noch ganz andere. Während des Tages, während der Mensch in seinem physischen Leibe war — wenn wir so sprechen dürfen -, sah er die Gegenstände keineswegs in den scharfen Konturen wie heute, sondern alles war mehr oder weniger verschwommen. Dafür aber, wenn der Mensch nachts seinen physischen Leib verließ, breitete sich nicht ein traumloser Schlaf um ihn aus, sondern er konnte wahrnehmen geistige Wesenheiten einer geistigen Welt. Wir wollen nicht weiter berühren, daß jene geistigen Wesenheiten, die auch Verkörperungen suchten in atlantischen Leibern, eine gewisse Genossenschaft mit den Menschen eingingen; wir wollen nur darauf den Blick richten, daß der Mensch in jener Zeit aus dem unmittelbaren Erleben heraus die Überzeugung hatte, daß sich an das Menschenreich, dem er selbst angehörte, andere Reiche nach oben hinauf anreihten: das Reich der Engel, der Erzengel; und der Mensch lernte diese höheren Wesenheiten — wenn wir den Ausdruck gebrauchen dürfen — von geistigem Angesicht zu geistigem Angesicht kennen, so wie jetzt in der physischen Welt ein Mensch den anderen kennenlernt. Dann kam die Zeit, in welcher das Gegenstandsbewußtsein am Tage, vom Aufwachen an bis zum Einschlafen, immer deutlicher wurde, und wo demgegenüber sich in der Nacht immer mehr Dumpfheit und Dunkelheit ausbreitete. Das aber war derselbe Zeitpunkt, in dem die erste Keimanlage zu dem Ich oder «Ich bin» in den Menschen gelegt wurde. Dadurch, daß der Mensch die Gegenstände um sich herum wahrnehmen lernte, erlangte er zugleich die Form und Gestalt seines Selbstbewußtseins, die er nun immer mehr ausbilden sollte.
[ 2 ] Wir wissen, vor der Mitte der atlantischen Zeit waren die Bewußtseinsverhältnisse des Menschen noch ganz andere. Während des Tages, während der Mensch in seinem physischen Leibe war — wenn wir so sprechen dürfen -, sah er die Gegenstände keineswegs in den scharfen Konturen wie heute, sondern alles war mehr oder weniger verschwommen. Dafür aber, wenn der Mensch nachts seinen physischen Leib verließ, breitete sich nicht ein traumloser Schlaf um ihn aus, sondern er konnte wahrnehmen geistige Wesenheiten einer geistigen Welt. Wir wollen nicht weiter berühren, daß jene geistigen Wesenheiten, die auch Verkörperungen suchten in atlantischen Leibern, eine gewisse Genossenschaft mit den Menschen eingingen; wir wollen nur darauf den Blick richten, daß der Mensch in jener Zeit aus dem unmittelbaren Erleben heraus die Überzeugung hatte, daß sich an das Menschenreich, dem er selbst angehörte, andere Reiche nach oben hinauf anreihten: das Reich der Engel, der Erzengel; und der Mensch lernte diese höheren Wesenheiten — wenn wir den Ausdruck gebrauchen dürfen — von geistigem Angesicht zu geistigem Angesicht kennen, so wie jetzt in der physischen Welt ein Mensch den anderen kennenlernt. Dann kam die Zeit, in welcher das Gegenstandsbewußtsein am Tage, vom Aufwachen an bis zum Einschlafen, immer deutlicher wurde, und wo demgegenüber sich in der Nacht immer mehr Dumpfheit und Dunkelheit ausbreitete. Das aber war derselbe Zeitpunkt, in dem die erste Keimanlage zu dem Ich oder «Ich bin» in den Menschen gelegt wurde. Dadurch, daß der Mensch die Gegenstände um sich herum wahrnehmen lernte, erlangte er zugleich die Form und Gestalt seines Selbstbewußtseins, die er nun immer mehr ausbilden sollte.
[ 3 ] Nun müssen wir uns alles in der Welt gradweise vorstellen; wir müssen uns denken, daß genau so, wie es in dem Tier- und Menschenreiche alle möglichen Grade von Wesen gibt, auch in der Reihe von Wesenheiten über den Menschen hinaus die verschiedensten Grade vorhanden sind. Es gibt Wesenheiten in dem Reiche der Engel, die dem Menschen sehr nahe stehen; dann aber auch solche, die auf einer höheren, auf einer erhabenen Stufe sind - alle nur denkbaren Grade würden wir antreffen, wenn wir den Blick auf diese höheren Welten richten würden. Vor allen Dingen müssen wir uns darüber klar sein, daß diese höheren Wesenheiten damals, als der Mensch noch während der Nacht im dumpfen, hellseherischen Bewußtsein in die höheren Welten hinaufstieg, in einer gewissen Beziehung — ganz trivial gesprochen — auch etwas hatten von dieser Gabe des Menschen; daß sie durch den Verkehr mit den Menschen eine Bereicherung ihres eigenen Inneren erfuhren. Denn diese Wesenheiten waren damals auch noch innig mit dem Menschen verbunden; sie inspirierten ihn, sie nahmen Einfluß auf sein imaginatives Bewußtsein, das ja freilich nur ein dumpfes war. So daß wir uns den Menschen in jener alten Zeit so vorstellen müssen, daß, wenn er aus seinem physischen und Ätherleibe herausrückte, es so war, wie wenn ihn ein solches höheres Wesen, und im weiteren Sinne eine Schar von höheren Wesen, aufnehmen würde. Im Grunde genommen ist das auch noch heute der Fall, nur weiß der Mensch nichts davon, während er es damals, wenn auch nur dumpf-hellseherisch, gewußt hat. Wir haben schon in anderen Vorträgen erwähnt, daß auch heute der Schlaf keineswegs etwas Unnötiges für den Menschen ist; er hat seine gewaltige Aufgabe. Der Mensch nützt während des Tages seinen physischen Leib und seinen Ätherleib fortwährend ab. Das Leben, das wir vom Morgen bis zum Abend führen, ist ein Abnützen dieser beiden Leiber, und was Sie abends als Ermüdung spüren, ist nichts anderes als der Ausdruck davon, daß innerhalb Ihres physischen und Ätherleibes, auf dem Umwege durch den Astralleib, Wahrnehmungen der äußeren Welt stattgefunden haben, daß Gefühle, Impulse, Leid und Schmerz, daß alles mögliche sich in Ihnen abgespielt hat. Und das, was sich so abspielt, das nützt den ganzen Tag über unseren physischen und ÄAtherleib ab, und wir sind des Abends ermüdet, weil wir den ganzen Tag an der Zerstörung unseres physischen und Ätherleibes gearbeitet haben. Wenn Sie nun nachts Ihren physischen Leib und Ihren Ätherleib im Bette liegen haben, dann ist der Astralleib mit dem Ich nicht etwa untätig, sondern er schickt die ganze Nacht über seine Kraft in den physischen und Ätherleib hinein; er arbeitet, um die zerstörten und verbrauchten Kräfte wiederherzustellen. Aber das könnte er nicht, wenn er nicht beim Herausrücken aus dem physischen und Atherleibe in ein anderes Reich aufgenommen würde. Über dem menschlichen Reiche breitet sich in der Tat ein geistiges Reich aus, das Reich der Engel, Erzengel und anderer Wesenheiten. Es ist wie ein Ozean von geistigen Wesenheiten, die uns da umgeben, und von denen wir am Tage getrennt sind, weil wir innerhalb der Haut unseres Leibes, innerhalb unserer Wahrnehmungen eingeschlossen sind. In der Nacht aber tauchen wir in diesen Ozean der Geister unter, und der Astralleib saugt daraus die Kräfte, die er dann in den physischen und Ätherleib hineingießt, um diese wieder auszubessern. Davon weiß heute der Mensch nichts. Damals aber, als der Mensch noch das dumpfe, hellseherische Bewußtsein hatte, da sah er, wie das Ich und der Astralleib heraustraten und aufgenommen wurden von der göttlich-geistigen Welt.
[ 3 ] Nun müssen wir uns alles in der Welt gradweise vorstellen; wir müssen uns denken, daß genau so, wie es in dem Tier- und Menschenreiche alle möglichen Grade von Wesen gibt, auch in der Reihe von Wesenheiten über den Menschen hinaus die verschiedensten Grade vorhanden sind. Es gibt Wesenheiten in dem Reiche der Engel, die dem Menschen sehr nahe stehen; dann aber auch solche, die auf einer höheren, auf einer erhabenen Stufe sind - alle nur denkbaren Grade würden wir antreffen, wenn wir den Blick auf diese höheren Welten richten würden. Vor allen Dingen müssen wir uns darüber klar sein, daß diese höheren Wesenheiten damals, als der Mensch noch während der Nacht im dumpfen, hellseherischen Bewußtsein in die höheren Welten hinaufstieg, in einer gewissen Beziehung — ganz trivial gesprochen — auch etwas hatten von dieser Gabe des Menschen; daß sie durch den Verkehr mit den Menschen eine Bereicherung ihres eigenen Inneren erfuhren. Denn diese Wesenheiten waren damals auch noch innig mit dem Menschen verbunden; sie inspirierten ihn, sie nahmen Einfluß auf sein imaginatives Bewußtsein, das ja freilich nur ein dumpfes war. So daß wir uns den Menschen in jener alten Zeit so vorstellen müssen, daß, wenn er aus seinem physischen und Ätherleibe herausrückte, es so war, wie wenn ihn ein solches höheres Wesen, und im weiteren Sinne eine Schar von höheren Wesen, aufnehmen würde. Im Grunde genommen ist das auch noch heute der Fall, nur weiß der Mensch nichts davon, während er es damals, wenn auch nur dumpf-hellseherisch, gewußt hat. Wir haben schon in anderen Vorträgen erwähnt, daß auch heute der Schlaf keineswegs etwas Unnötiges für den Menschen ist; er hat seine gewaltige Aufgabe. Der Mensch nützt während des Tages seinen physischen Leib und seinen Ätherleib fortwährend ab. Das Leben, das wir vom Morgen bis zum Abend führen, ist ein Abnützen dieser beiden Leiber, und was Sie abends als Ermüdung spüren, ist nichts anderes als der Ausdruck davon, daß innerhalb Ihres physischen und Ätherleibes, auf dem Umwege durch den Astralleib, Wahrnehmungen der äußeren Welt stattgefunden haben, daß Gefühle, Impulse, Leid und Schmerz, daß alles mögliche sich in Ihnen abgespielt hat. Und das, was sich so abspielt, das nützt den ganzen Tag über unseren physischen und ÄAtherleib ab, und wir sind des Abends ermüdet, weil wir den ganzen Tag an der Zerstörung unseres physischen und Ätherleibes gearbeitet haben. Wenn Sie nun nachts Ihren physischen Leib und Ihren Ätherleib im Bette liegen haben, dann ist der Astralleib mit dem Ich nicht etwa untätig, sondern er schickt die ganze Nacht über seine Kraft in den physischen und Ätherleib hinein; er arbeitet, um die zerstörten und verbrauchten Kräfte wiederherzustellen. Aber das könnte er nicht, wenn er nicht beim Herausrücken aus dem physischen und Atherleibe in ein anderes Reich aufgenommen würde. Über dem menschlichen Reiche breitet sich in der Tat ein geistiges Reich aus, das Reich der Engel, Erzengel und anderer Wesenheiten. Es ist wie ein Ozean von geistigen Wesenheiten, die uns da umgeben, und von denen wir am Tage getrennt sind, weil wir innerhalb der Haut unseres Leibes, innerhalb unserer Wahrnehmungen eingeschlossen sind. In der Nacht aber tauchen wir in diesen Ozean der Geister unter, und der Astralleib saugt daraus die Kräfte, die er dann in den physischen und Ätherleib hineingießt, um diese wieder auszubessern. Davon weiß heute der Mensch nichts. Damals aber, als der Mensch noch das dumpfe, hellseherische Bewußtsein hatte, da sah er, wie das Ich und der Astralleib heraustraten und aufgenommen wurden von der göttlich-geistigen Welt.
[ 4 ] Nun ist es so, daß die Dinge, die sich in unserer physischen Welt in einer gewissen Weise darstellen, sich da oben ganz anders ausnehmen. Man darf sagen, auch die Götter profitieren von jener Teilnahme an der Menschheit. Wir müssen uns da eine Vorstellung aneignen, die nicht so ganz leicht ist, die man aber notwendig hat, wenn man das Verhältnis des Menschen zu der Welt verstehen will. Wir haben gesagt, daß die Erde der Planet der Liebe ist; und richtig ausgebildet wird die Liebe erst auf der Erde. Sie wird, grob ausgedrückt, gezüchtet; und durch ihre Teilnahme an den Menschen lernen die Götter ebenso die Liebe kennen, wie sie in einer anderen Beziehung sie schenken. Das ist schwer sich vorzustellen. Es ist durchaus möglich, daß ein Wesen in ein anderes Wesen eine Gabe förmlich einträufelt, und diese Gabe durch das andere Wesen erst kennenlernt. Denken Sie sich eine ungeheuer reiche Persönlichkeit, die nie etwas anderes kennengelernt hat als Reichtum, ohne jene tiefe seelische Befriedigung, die Wohltun verursachen kann. Und nun tut diese Persönlichkeit wohl; sie schenkt einer armen Persönlichkeit etwas. In der Seele dieser armen Persönlichkeit wird durch die Geschenke der Dank bewirkt, und dies Dankesgefühl ist auch eine Gabe: es wäre nicht da, wenn die reiche Persönlichkeit nicht geschenkt hätte. Die reiche Persönlichkeit hat aber das Dankesgefühl nicht gefühlt, sondern sie hat es hervorgebracht. Sie ist die Geberin des Dankesgefühls, aber kennenlernen kann die reiche Persönlichkeit dieses Dankesgefühl erst in der Reflexion, wenn es zurückstrahlt von denen, in denen sie es entzündet hat. So ist es ungefähr mit der Gabe der Liebe, die von den Göttern den Menschen eingeträufelt wird. Die Götter sind so weit, daß sie im Menschen die Liebe entzünden können, so daß die Menschen imstande sind, die Liebe erleben zu lernen, aber die Götter lernen die Liebe als Realität erst durch die Menschen kennen. Sie tauchen von den Höhen herunter in den Ozean der Menschheit und fühlen die Wärme der Liebe. Ja, wir wissen, daß die Götter etwas entbehren, wenn die Menschen nicht in Liebe leben, daß sozusagen die Götter ihre Nahrung in der Liebe der Menschen haben. Je mehr Liebe der Menschen auf der Erde, desto mehr Nahrung der Götter im Himmel — je weniger Liebe, desto mehr Hunger der Götter. Das Opfer der Menschen ist im Grunde genommen nichts anderes als das, was zu den Göttern hinaufströmt als die in den Menschen erzeugte Liebe.
[ 4 ] Nun ist es so, daß die Dinge, die sich in unserer physischen Welt in einer gewissen Weise darstellen, sich da oben ganz anders ausnehmen. Man darf sagen, auch die Götter profitieren von jener Teilnahme an der Menschheit. Wir müssen uns da eine Vorstellung aneignen, die nicht so ganz leicht ist, die man aber notwendig hat, wenn man das Verhältnis des Menschen zu der Welt verstehen will. Wir haben gesagt, daß die Erde der Planet der Liebe ist; und richtig ausgebildet wird die Liebe erst auf der Erde. Sie wird, grob ausgedrückt, gezüchtet; und durch ihre Teilnahme an den Menschen lernen die Götter ebenso die Liebe kennen, wie sie in einer anderen Beziehung sie schenken. Das ist schwer sich vorzustellen. Es ist durchaus möglich, daß ein Wesen in ein anderes Wesen eine Gabe förmlich einträufelt, und diese Gabe durch das andere Wesen erst kennenlernt. Denken Sie sich eine ungeheuer reiche Persönlichkeit, die nie etwas anderes kennengelernt hat als Reichtum, ohne jene tiefe seelische Befriedigung, die Wohltun verursachen kann. Und nun tut diese Persönlichkeit wohl; sie schenkt einer armen Persönlichkeit etwas. In der Seele dieser armen Persönlichkeit wird durch die Geschenke der Dank bewirkt, und dies Dankesgefühl ist auch eine Gabe: es wäre nicht da, wenn die reiche Persönlichkeit nicht geschenkt hätte. Die reiche Persönlichkeit hat aber das Dankesgefühl nicht gefühlt, sondern sie hat es hervorgebracht. Sie ist die Geberin des Dankesgefühls, aber kennenlernen kann die reiche Persönlichkeit dieses Dankesgefühl erst in der Reflexion, wenn es zurückstrahlt von denen, in denen sie es entzündet hat. So ist es ungefähr mit der Gabe der Liebe, die von den Göttern den Menschen eingeträufelt wird. Die Götter sind so weit, daß sie im Menschen die Liebe entzünden können, so daß die Menschen imstande sind, die Liebe erleben zu lernen, aber die Götter lernen die Liebe als Realität erst durch die Menschen kennen. Sie tauchen von den Höhen herunter in den Ozean der Menschheit und fühlen die Wärme der Liebe. Ja, wir wissen, daß die Götter etwas entbehren, wenn die Menschen nicht in Liebe leben, daß sozusagen die Götter ihre Nahrung in der Liebe der Menschen haben. Je mehr Liebe der Menschen auf der Erde, desto mehr Nahrung der Götter im Himmel — je weniger Liebe, desto mehr Hunger der Götter. Das Opfer der Menschen ist im Grunde genommen nichts anderes als das, was zu den Göttern hinaufströmt als die in den Menschen erzeugte Liebe.
[ 5 ] Nun können wir uns vorstellen, daß diese gegenseitige Mitteilung von den Menschen und Göttern in alten Zeiten, als die Menschen selbst noch ein Bewußtsein hatten von dem Göttlichen, etwas ganz anderes war als später. Ja, es gab gewisse Wesenheiten unter den göttlich-geistigen Wesen, die dadurch, daß der Mensch sozusagen nicht mehr hinauf konnte mit seinem dumpf-hellseherischen Bewußtsein, auch nicht mehr herunter konnten, die Sphäre der Menschheit nicht mehr erreichen konnten. Der Mensch hat während der atlantischen Zeit mit einer Anzahl von göttlich-geistigen Wesenheiten gelebt, und je mehr er unfähig wurde, hinaufzuschauen zu den Göttern, um so weniger konnte eine gewisse Kategorie von göttlichen Wesenheiten das erleben, was sie sonst von den Menschen erleben konnte, Wir haben unter den atlantischen Göttern durchaus solche, die, als die Atlantis zugrunde ging, immer mehr und mehr entbehrten, die sozusagen immer mehr an Hunger litten dadurch, daß sie den Weg zu den Menschen nicht mehr fanden.
[ 5 ] Nun können wir uns vorstellen, daß diese gegenseitige Mitteilung von den Menschen und Göttern in alten Zeiten, als die Menschen selbst noch ein Bewußtsein hatten von dem Göttlichen, etwas ganz anderes war als später. Ja, es gab gewisse Wesenheiten unter den göttlich-geistigen Wesen, die dadurch, daß der Mensch sozusagen nicht mehr hinauf konnte mit seinem dumpf-hellseherischen Bewußtsein, auch nicht mehr herunter konnten, die Sphäre der Menschheit nicht mehr erreichen konnten. Der Mensch hat während der atlantischen Zeit mit einer Anzahl von göttlich-geistigen Wesenheiten gelebt, und je mehr er unfähig wurde, hinaufzuschauen zu den Göttern, um so weniger konnte eine gewisse Kategorie von göttlichen Wesenheiten das erleben, was sie sonst von den Menschen erleben konnte, Wir haben unter den atlantischen Göttern durchaus solche, die, als die Atlantis zugrunde ging, immer mehr und mehr entbehrten, die sozusagen immer mehr an Hunger litten dadurch, daß sie den Weg zu den Menschen nicht mehr fanden.
[ 6 ] Von diesem Gesichtspunkte müssen wir uns einmal die Weiterentwickelung vorstellen. Wir wissen, daß in der Nähe des heutigen Irland sich ein Reich, ein Landstrich befand, wo die vorgeschrittensten Wesenheiten der atlantischen Zeit lebten, jene Menschen, welche am meisten reif waren, die fortschrittliche Entwickelung durchzumachen. Diese zogen nun vom Westen nach dem Osten, bevölkerten Europa, und dort blieben gewisse Menschen auf einer bestimmten Entwickelungsstufe zurück, während andere weiterzogen. Die Vorgeschrittensten zogen in die Gegend des heutigen mittleren Asien, andere nach Afrika. Dort aber waren schon Bevölkerungen aus der alten Zeit der Atlantis und der Lemuria; mit diesen nun vermischten sich die anderen in mannigfaltiger Weise und dadurch entstanden jene Mischungen, die die Griechen in den verschiedenen Kunstformen als Satyr-, Merkur- und Zeustypus wiedergaben. So war der Zug von Westen nach Osten, und wir müssen uns vorstellen, daß damit auch der Bewußtseinszustand des Menschen sich mehr und mehr änderte. Die Menschen, die herübergezogen waren, hatten noch mehr oder weniger Reste des alten hellseherischen Bewußtseins, aber das nahm nun immer mehr ab. Es gab solche, die schon bei dem Hereinbrechen der atlantischen Katastrophe jede Spur von hellseherischem Bewußtsein verloren hatten, aber auch solche gab es, die sich noch einen Rest davon erhalten hatten, auch unter den nach Asien, Europa und Afrika ausgewanderten. Überall gab es solche, die in gewissen Zuständen, zum Beispiel zwischen Schlafen und Wachen, einen genauen Einblick in die geistigen Welten gewinnen konnten. So war zum Beispiel jene geistige Wesenheit, die als Wotan bezeichnet wird, eine «Persönlichkeit», welche den alten Atlantiern wohl bekannt war; man kann sagen, alle Atlantier standen mit ihr in einer näheren oder entfernteren Verbindung, wie etwa heute die Menschen mit einem Monarchen. Aber immer mehr verlor sich der bewußte Zusammenhang. Nun gab es unter der europäischen Bevölkerung, bei den Vorgermanen, zahlreiche Menschen, die in einem Zwischenzustand zwischen Wachen und Schlafen in eine Beziehung oder Verbindung mit diesem Wotan treten konnten, der in der geistigen Welt wirklich existierte, durch seine Entwickelung aber gebunden war und sich nicht mehr in der alten Weise populär machen konnte. Auch in Asien gab es solche Menschen. Dies ging bis in späte Zeiten hinein, in die uns selbst die Geschichte noch zurückweist, wo ein ursprüngliches, natürliches Hellsehen sich bewahrt hatte, wo die Menschen aus eigenem Erleben heraus von den Göttern erzählen konnten.
[ 6 ] Von diesem Gesichtspunkte müssen wir uns einmal die Weiterentwickelung vorstellen. Wir wissen, daß in der Nähe des heutigen Irland sich ein Reich, ein Landstrich befand, wo die vorgeschrittensten Wesenheiten der atlantischen Zeit lebten, jene Menschen, welche am meisten reif waren, die fortschrittliche Entwickelung durchzumachen. Diese zogen nun vom Westen nach dem Osten, bevölkerten Europa, und dort blieben gewisse Menschen auf einer bestimmten Entwickelungsstufe zurück, während andere weiterzogen. Die Vorgeschrittensten zogen in die Gegend des heutigen mittleren Asien, andere nach Afrika. Dort aber waren schon Bevölkerungen aus der alten Zeit der Atlantis und der Lemuria; mit diesen nun vermischten sich die anderen in mannigfaltiger Weise und dadurch entstanden jene Mischungen, die die Griechen in den verschiedenen Kunstformen als Satyr-, Merkur- und Zeustypus wiedergaben. So war der Zug von Westen nach Osten, und wir müssen uns vorstellen, daß damit auch der Bewußtseinszustand des Menschen sich mehr und mehr änderte. Die Menschen, die herübergezogen waren, hatten noch mehr oder weniger Reste des alten hellseherischen Bewußtseins, aber das nahm nun immer mehr ab. Es gab solche, die schon bei dem Hereinbrechen der atlantischen Katastrophe jede Spur von hellseherischem Bewußtsein verloren hatten, aber auch solche gab es, die sich noch einen Rest davon erhalten hatten, auch unter den nach Asien, Europa und Afrika ausgewanderten. Überall gab es solche, die in gewissen Zuständen, zum Beispiel zwischen Schlafen und Wachen, einen genauen Einblick in die geistigen Welten gewinnen konnten. So war zum Beispiel jene geistige Wesenheit, die als Wotan bezeichnet wird, eine «Persönlichkeit», welche den alten Atlantiern wohl bekannt war; man kann sagen, alle Atlantier standen mit ihr in einer näheren oder entfernteren Verbindung, wie etwa heute die Menschen mit einem Monarchen. Aber immer mehr verlor sich der bewußte Zusammenhang. Nun gab es unter der europäischen Bevölkerung, bei den Vorgermanen, zahlreiche Menschen, die in einem Zwischenzustand zwischen Wachen und Schlafen in eine Beziehung oder Verbindung mit diesem Wotan treten konnten, der in der geistigen Welt wirklich existierte, durch seine Entwickelung aber gebunden war und sich nicht mehr in der alten Weise populär machen konnte. Auch in Asien gab es solche Menschen. Dies ging bis in späte Zeiten hinein, in die uns selbst die Geschichte noch zurückweist, wo ein ursprüngliches, natürliches Hellsehen sich bewahrt hatte, wo die Menschen aus eigenem Erleben heraus von den Göttern erzählen konnten.
[ 7 ] Jetzt müssen wir uns aber wieder die Tatsache vor Augen halten, daß die Menschen immer mehr und mehr herunterzogen auf den physischen Plan, in die materielle Welt; dadurch waren die Götter immer weniger in der Lage, Verbindungen mit den Menschen aufrechtzuerhalten. Nach und nach war es manchen von ihnen nur noch möglich geworden, mit auserlesenen Wesenheiten Gemeinschaft zu haben. Gewisse Göttergestalten waren es, die nicht mehr zu dem gewöhnlichen Menschen hinabsteigen konnten, die nur noch mit solchen Persönlichkeiten in Verbindung treten konnten, die ihnen in einer gewissen Weise entgegenkamen, die sich zu ihnen hinaufentwickelten. Nun mischten sich in merkwürdiger Weise Gesinnung und übriggebliebenes Hellsehen und Einweihungsprinzip so, daß der Ausdruck dieser Mischung in dem germanischen Bewußtsein erhalten blieb. Während der atlantischen Zeit wußten die Menschen: Geradeso wie ich im Schlafe, wenn ich aus dem physischen und dem Ätherleibe heraus bin, in das Reich der Götter aufsteige, so steige ich nach dem Tode in das Reich der Götter hinauf; sie sind mir etwas Bekanntes, dort kann ich ihnen wieder begegnen. — Und als eine Art von Strafe lernte man es empfinden, wenn der Mensch nach dem Tode zeitweilig der Möglichkeit entzogen war, zu den Göttern aufzublicken, in ihre Gemeinschaft aufgenommen zu werden, wenn er eine gewisse Prüfungszeit nach dem "Tode durchzumachen hatte, weil er sich zu sehr in das materielle Leben verstrickt hatte. Diejenigen Menschen aber, die in der Lage waren, das materielle Leben nicht höher einzuschätzen als etwas anderes Nichtmaterielles, von denen war man überzeugt, daß sie nicht von der materiellen Welt zurückgehalten wurden, sondern daß sie gleich nach dem Tode in das Reich des Geistes eintreten konnten, das ihnen ja wohlbekannt war. Nach der Gesinnung derjenigen Völker, welche sich über Europa ausbreiteten, betrachtete man nun vor allen Dingen denjenigen Menschen als nicht am materiellen Leben hängend, der auf dem Schlachtfelde tapfer kämpfte, der den Tod als Krieger fand, der die Ehren des Krieges höher schätzte als das Materielle. Und von einem solchen war man überzeugt, daß er unmittelbar nach dem Tode irgendeiner Gottheit ansichtig wurde. Wer aber nicht als Krieger auf dem Schlachtfelde sterben konnte, wer nicht ein geistiges Gut höher schätzen gelernt hatte als das materielle Leben, von dem sagte man, daß er den Strohtod starb, daß er nicht reif war, unmittelbar aufgenommen zu werden in das Reich des Geistes, daß er vorher in ein Reich eintreten mußte, in dem er gewisse Prüfungen durchzumachen hatte. Und die Begegnung mit der Walküre ist der Ausdruck für diese Gesinnung in Verknüpfung mit der Erinnerung an das alte Hellsehen. Man stellte sich mit Recht vor, daß derjenige, der den Tod auf dem Schlachtfelde fand, aufgenommen wurde von der Walküre; und es liegt ganz im Stile einer solchen Vorstellungsart, wenn sich das, was sich so in Europa herausgebildet hatte, in dieser alten Zeit herausgestaltete als die Symbolik für die Einweihung. In anderen Völkern hatten sich andere Vorstellungen ausgebildet; innerhalb der europäischen Gegend aber galt persönliche Tapferkeit und Tüchtigkeit als das Wertvoliste.
[ 7 ] Jetzt müssen wir uns aber wieder die Tatsache vor Augen halten, daß die Menschen immer mehr und mehr herunterzogen auf den physischen Plan, in die materielle Welt; dadurch waren die Götter immer weniger in der Lage, Verbindungen mit den Menschen aufrechtzuerhalten. Nach und nach war es manchen von ihnen nur noch möglich geworden, mit auserlesenen Wesenheiten Gemeinschaft zu haben. Gewisse Göttergestalten waren es, die nicht mehr zu dem gewöhnlichen Menschen hinabsteigen konnten, die nur noch mit solchen Persönlichkeiten in Verbindung treten konnten, die ihnen in einer gewissen Weise entgegenkamen, die sich zu ihnen hinaufentwickelten. Nun mischten sich in merkwürdiger Weise Gesinnung und übriggebliebenes Hellsehen und Einweihungsprinzip so, daß der Ausdruck dieser Mischung in dem germanischen Bewußtsein erhalten blieb. Während der atlantischen Zeit wußten die Menschen: Geradeso wie ich im Schlafe, wenn ich aus dem physischen und dem Ätherleibe heraus bin, in das Reich der Götter aufsteige, so steige ich nach dem Tode in das Reich der Götter hinauf; sie sind mir etwas Bekanntes, dort kann ich ihnen wieder begegnen. — Und als eine Art von Strafe lernte man es empfinden, wenn der Mensch nach dem Tode zeitweilig der Möglichkeit entzogen war, zu den Göttern aufzublicken, in ihre Gemeinschaft aufgenommen zu werden, wenn er eine gewisse Prüfungszeit nach dem "Tode durchzumachen hatte, weil er sich zu sehr in das materielle Leben verstrickt hatte. Diejenigen Menschen aber, die in der Lage waren, das materielle Leben nicht höher einzuschätzen als etwas anderes Nichtmaterielles, von denen war man überzeugt, daß sie nicht von der materiellen Welt zurückgehalten wurden, sondern daß sie gleich nach dem Tode in das Reich des Geistes eintreten konnten, das ihnen ja wohlbekannt war. Nach der Gesinnung derjenigen Völker, welche sich über Europa ausbreiteten, betrachtete man nun vor allen Dingen denjenigen Menschen als nicht am materiellen Leben hängend, der auf dem Schlachtfelde tapfer kämpfte, der den Tod als Krieger fand, der die Ehren des Krieges höher schätzte als das Materielle. Und von einem solchen war man überzeugt, daß er unmittelbar nach dem Tode irgendeiner Gottheit ansichtig wurde. Wer aber nicht als Krieger auf dem Schlachtfelde sterben konnte, wer nicht ein geistiges Gut höher schätzen gelernt hatte als das materielle Leben, von dem sagte man, daß er den Strohtod starb, daß er nicht reif war, unmittelbar aufgenommen zu werden in das Reich des Geistes, daß er vorher in ein Reich eintreten mußte, in dem er gewisse Prüfungen durchzumachen hatte. Und die Begegnung mit der Walküre ist der Ausdruck für diese Gesinnung in Verknüpfung mit der Erinnerung an das alte Hellsehen. Man stellte sich mit Recht vor, daß derjenige, der den Tod auf dem Schlachtfelde fand, aufgenommen wurde von der Walküre; und es liegt ganz im Stile einer solchen Vorstellungsart, wenn sich das, was sich so in Europa herausgebildet hatte, in dieser alten Zeit herausgestaltete als die Symbolik für die Einweihung. In anderen Völkern hatten sich andere Vorstellungen ausgebildet; innerhalb der europäischen Gegend aber galt persönliche Tapferkeit und Tüchtigkeit als das Wertvoliste.
[ 8 ] Nun verstand man immer mit Recht unter der Einweihung, daß der Mensch schon während des Lebens erfahren kann, was er normalerweise erst nach dem Tode erfährt: die unmittelbar erlebte Gemeinschaft mit der geistigen Welt. Wie der Krieger die Begegnung mit der Walküre erst auf dem Schlachtfelde erlebte, so war es klar, daß derjenige, der die Einweihung suchte, diese Begegnung schon im physischen Leben erleben mußte. Und als der letzte der Einweihungshelden galt innerhalb eines Teiles von Europa Siegfried, der sich in der Siegfriedgestalt erhalten hat. Daher erzählt die Sage, daß er sich mit der Walküre während des Lebens verbindet, wie der Krieger es auf dem Schlachtfelde tut. So sehen wir, wie für den einzelnen Menschen im Kleinen alles zusammenstimmt, was im Großen für das Prinzip der Einweihung gilt.
[ 8 ] Nun verstand man immer mit Recht unter der Einweihung, daß der Mensch schon während des Lebens erfahren kann, was er normalerweise erst nach dem Tode erfährt: die unmittelbar erlebte Gemeinschaft mit der geistigen Welt. Wie der Krieger die Begegnung mit der Walküre erst auf dem Schlachtfelde erlebte, so war es klar, daß derjenige, der die Einweihung suchte, diese Begegnung schon im physischen Leben erleben mußte. Und als der letzte der Einweihungshelden galt innerhalb eines Teiles von Europa Siegfried, der sich in der Siegfriedgestalt erhalten hat. Daher erzählt die Sage, daß er sich mit der Walküre während des Lebens verbindet, wie der Krieger es auf dem Schlachtfelde tut. So sehen wir, wie für den einzelnen Menschen im Kleinen alles zusammenstimmt, was im Großen für das Prinzip der Einweihung gilt.
[ 9 ] Jetzt versuchen wir, uns in den Gemütszustand dieser von Westen nach Osten, nach Europa, gezogenen Bevölkerung zu versetzen. Sie waren in einer gewissen Weise durchaus bis zu der Höhe hinaufgekommen, wo sie in eine Weiterentwickelung eintreten konnten. Sie waren nicht verknöchert, sondern sie hatten den Keim zur vollen Weiterentwickelung. Aber gerade sie verblieben mit einer verhältnismäßig starken Gabe hellseherischen Vermögens. Unter fast allen Völkern, die von dem atlantischen Kontinent hinausgezogen waren, war es die europäische Bevölkerung, die mit der stärksten hellseherischen Anlage begabt war; weniger stark begabt war die afrikanische Bevölkerung. In Asien war die vorgeschrittenste Bevölkerung, die schon früh hinübergezogen war, mit einer noch älteren zusammengestoßen, und sie hatten diese Völker im Besitz eines noch älteren hellseherischen Bewußtseins angetroffen, so daß es auch dort viel Hellsehen in jener Zeit gab. Dann aber gab es eine gewisse kleine Kolonie, die gerade aus den am weitesten vorgeschrittenen Menschen der atlantischen Zeit bestand, die in der Nähe der Wüste Gobi war. Was waren das für Menschen? Was heißt das überhaupt: am weitesten vorgeschritten? Das bedeutete: am wenigsten hineinsehen können in die geistige Welt. Denn darin bestand ja der Fortschritt, daß sie herausgegangen waren aus dem Geistigen und hineinzogen in die physische Welt. Es waren Menschen, die empfinden mußten: Wir haben früher einmal einen Zusammenhang mit der geistigen Welt gehabt, jetzt aber haben wir ihn nicht mehr. - Wehmut über den Verlust der geistigen Welt war es, was in den Herzen dieser Menschen lebte, Sehnsucht nach dieser Welt, die die wertvollere war und aus der sie herausgedrängt waren.
[ 9 ] Jetzt versuchen wir, uns in den Gemütszustand dieser von Westen nach Osten, nach Europa, gezogenen Bevölkerung zu versetzen. Sie waren in einer gewissen Weise durchaus bis zu der Höhe hinaufgekommen, wo sie in eine Weiterentwickelung eintreten konnten. Sie waren nicht verknöchert, sondern sie hatten den Keim zur vollen Weiterentwickelung. Aber gerade sie verblieben mit einer verhältnismäßig starken Gabe hellseherischen Vermögens. Unter fast allen Völkern, die von dem atlantischen Kontinent hinausgezogen waren, war es die europäische Bevölkerung, die mit der stärksten hellseherischen Anlage begabt war; weniger stark begabt war die afrikanische Bevölkerung. In Asien war die vorgeschrittenste Bevölkerung, die schon früh hinübergezogen war, mit einer noch älteren zusammengestoßen, und sie hatten diese Völker im Besitz eines noch älteren hellseherischen Bewußtseins angetroffen, so daß es auch dort viel Hellsehen in jener Zeit gab. Dann aber gab es eine gewisse kleine Kolonie, die gerade aus den am weitesten vorgeschrittenen Menschen der atlantischen Zeit bestand, die in der Nähe der Wüste Gobi war. Was waren das für Menschen? Was heißt das überhaupt: am weitesten vorgeschritten? Das bedeutete: am wenigsten hineinsehen können in die geistige Welt. Denn darin bestand ja der Fortschritt, daß sie herausgegangen waren aus dem Geistigen und hineinzogen in die physische Welt. Es waren Menschen, die empfinden mußten: Wir haben früher einmal einen Zusammenhang mit der geistigen Welt gehabt, jetzt aber haben wir ihn nicht mehr. - Wehmut über den Verlust der geistigen Welt war es, was in den Herzen dieser Menschen lebte, Sehnsucht nach dieser Welt, die die wertvollere war und aus der sie herausgedrängt waren.
[ 10 ] Andere Verhältnisse waren in der europäischen Bevölkerung; da waren viele, die in gewissen Zuständen noch in die geistigen Welten hineinschauen konnten. Und in jener Zeit, als in Europa noch die Mysterien waren, war es so: Wenn die Eingeweihten, die durch ihre okkulte Entwickelung im vollen Bewußtsein hinaufsteigen konnten, davon sprachen, daß es geistige Welten gebe, wenn sie von dieser oder jener Gestalt erzählten oder von dieser oder jener Rolle, die der Mensch nach dem Tode zu spielen habe, und wenn sie das in Mythen und Sagen, in Legenden und in gewaltigen Bildern verkündeten, dann fanden sie Menschen, die sie verstanden, denn sie hatten es zum Teil selbst noch gesehen. Die eigenartigen Lebens- und Wohnverhältnisse des alten Europa gestatteten es durchaus, daß auch die Uneingeweihten, wenn auch nicht die hohen Götter, doch die geistigen Welten erleben konnten, und dadurch hatten sie den Glauben an diese geistigen Welten. Ihnen waren diese Welten wirklich noch mehr als halb vertraut, sie fühlten daher auch ihre Menschheit noch in einem ganz anderen Sinne als andere Bevölkerungen der Erde.
[ 10 ] Andere Verhältnisse waren in der europäischen Bevölkerung; da waren viele, die in gewissen Zuständen noch in die geistigen Welten hineinschauen konnten. Und in jener Zeit, als in Europa noch die Mysterien waren, war es so: Wenn die Eingeweihten, die durch ihre okkulte Entwickelung im vollen Bewußtsein hinaufsteigen konnten, davon sprachen, daß es geistige Welten gebe, wenn sie von dieser oder jener Gestalt erzählten oder von dieser oder jener Rolle, die der Mensch nach dem Tode zu spielen habe, und wenn sie das in Mythen und Sagen, in Legenden und in gewaltigen Bildern verkündeten, dann fanden sie Menschen, die sie verstanden, denn sie hatten es zum Teil selbst noch gesehen. Die eigenartigen Lebens- und Wohnverhältnisse des alten Europa gestatteten es durchaus, daß auch die Uneingeweihten, wenn auch nicht die hohen Götter, doch die geistigen Welten erleben konnten, und dadurch hatten sie den Glauben an diese geistigen Welten. Ihnen waren diese Welten wirklich noch mehr als halb vertraut, sie fühlten daher auch ihre Menschheit noch in einem ganz anderen Sinne als andere Bevölkerungen der Erde.
[ 11 ] Versetzen wir uns in die Gemütsart dieser alten Europäer. Sie alle sagten sich: Ich sehe ja, daß ich mit den Göttern zusammenhänge, ich reiche ja hinauf in das Reich der Götter. — Und dadurch entwickelte sich gerade auf dem Boden Europas ein starkes Persönlichkeitsbewußtsein, ein Bewußtsein von dem eigenen göttlichen Werte der menschlichen Persönlichkeit, ein starkes Freiheitsbewußtsein vor allen Dingen. Diese Gemütslage müssen wir uns denken, denn dieses Persönlichkeitsbewußtsein war es, das auch diejenigen europäischen Völkermassen mitbrachten, die dann hinunterzogen und die griechische und italische Halbinsel bevölkerten. Namentlich sehen wir die Nachzügler dieses Freiheitsgefühls in den alten Etruskern. Selbst in der eigentümlichen Kunst sehen wir dieses starke Freiheitsgefühl der Etrusker strömen, die sich dieses Gefühl auf spirituellem Grunde erhalten hatten. Bevor das eigentliche königlich-römische Reich sich aufgerichtet hatte auf der italischen Halbinsel, war die Etrusker-Bevölkerung da und hatte in ihrer Verfassung etwas in hohem Grade Freiheitliches; sie war auf der einen Seite freilich etwas hierarchisch aufgebaut, andererseits aber war sie auch im höchsten Sinne freiheitlich. Jede Stadt sorgte stark für ihre Freiheit, und irgendeinen Staatsverband im späteren Sinne würden die alten Etrusker als etwas Unerträgliches empfunden haben. Und alles, was da an Freiheit und Persönlichkeitsgefühl nach der südlichen Halbinsel hinunterzog, das kam aus den Ursachen heraus, die wir eben geschildert haben. Jene anderen Menschen aber, die fern hinübergezogen waren nach Asien, die enthielten ein Häuflein, von dem die göttlich-geistigen Welten sich am meisten zurückgezogen hatten. Aber sie hatten sich eines dafür erobert, eines hatten sie sich aus dieser in tiefstes Dämmerdunkel hinabgegangenen Welt gerettet: das «Ich», das «Ich bin» — dieses, daß sie fühlten, daß in dem «Ich bin» ein ewiger Mittelpunkt ihres Wesens war, der aus der geistigen Welt selber stammte; daß alle Gestalten, die man früher gesehen hatte, sozusagen eine heilige Erinnerung bildeten, und daß ihre Stärke auf diesem festen Mittelpunkt beruhte, der ihnen geblieben war. Sie empfanden ihn noch nicht in seiner vollen Gestalt — dazu war eine spätere Zeit notwendig -, aber eine gewisse Gesinnung bildete sich gerade bei denen heraus, die am weitesten fortgeschritten waren, die am tiefsten hinuntergestiegen waren, eine Gesinnung, die ungefähr so geschildert werden könnte: Das, was wir vor allen Dingen zu pflegen haben, ist, unserer Göttlichkeit uns bewußt zu sein in dem, was wir im tiefsten Inneren unserer Seele finden. Wenn auch diese Seele vergessen hat, was sie einst an göttlichen Gestalten schaute, so können wir doch den Weg wiederum zu dem Göttlichen dadurch finden, daß sie in ihr Inneres, in das Ich-Gefühl hineinschaut. — Kurz, es bildete sich die Vorstellung des gestaltlosen Gottes heraus, der nicht in äußeren Formen erscheint, den man in seinem innersten Wesen suchen soll; eine Vorstellung, die uralt ist in dieser Strömung, und die sich in der sich fortentwickelnden Menschheit umgebildet hat in das Gebot: Du sollst dir von deinem Gotte kein Abbild, kein Gleichnis machen.
[ 11 ] Versetzen wir uns in die Gemütsart dieser alten Europäer. Sie alle sagten sich: Ich sehe ja, daß ich mit den Göttern zusammenhänge, ich reiche ja hinauf in das Reich der Götter. — Und dadurch entwickelte sich gerade auf dem Boden Europas ein starkes Persönlichkeitsbewußtsein, ein Bewußtsein von dem eigenen göttlichen Werte der menschlichen Persönlichkeit, ein starkes Freiheitsbewußtsein vor allen Dingen. Diese Gemütslage müssen wir uns denken, denn dieses Persönlichkeitsbewußtsein war es, das auch diejenigen europäischen Völkermassen mitbrachten, die dann hinunterzogen und die griechische und italische Halbinsel bevölkerten. Namentlich sehen wir die Nachzügler dieses Freiheitsgefühls in den alten Etruskern. Selbst in der eigentümlichen Kunst sehen wir dieses starke Freiheitsgefühl der Etrusker strömen, die sich dieses Gefühl auf spirituellem Grunde erhalten hatten. Bevor das eigentliche königlich-römische Reich sich aufgerichtet hatte auf der italischen Halbinsel, war die Etrusker-Bevölkerung da und hatte in ihrer Verfassung etwas in hohem Grade Freiheitliches; sie war auf der einen Seite freilich etwas hierarchisch aufgebaut, andererseits aber war sie auch im höchsten Sinne freiheitlich. Jede Stadt sorgte stark für ihre Freiheit, und irgendeinen Staatsverband im späteren Sinne würden die alten Etrusker als etwas Unerträgliches empfunden haben. Und alles, was da an Freiheit und Persönlichkeitsgefühl nach der südlichen Halbinsel hinunterzog, das kam aus den Ursachen heraus, die wir eben geschildert haben. Jene anderen Menschen aber, die fern hinübergezogen waren nach Asien, die enthielten ein Häuflein, von dem die göttlich-geistigen Welten sich am meisten zurückgezogen hatten. Aber sie hatten sich eines dafür erobert, eines hatten sie sich aus dieser in tiefstes Dämmerdunkel hinabgegangenen Welt gerettet: das «Ich», das «Ich bin» — dieses, daß sie fühlten, daß in dem «Ich bin» ein ewiger Mittelpunkt ihres Wesens war, der aus der geistigen Welt selber stammte; daß alle Gestalten, die man früher gesehen hatte, sozusagen eine heilige Erinnerung bildeten, und daß ihre Stärke auf diesem festen Mittelpunkt beruhte, der ihnen geblieben war. Sie empfanden ihn noch nicht in seiner vollen Gestalt — dazu war eine spätere Zeit notwendig -, aber eine gewisse Gesinnung bildete sich gerade bei denen heraus, die am weitesten fortgeschritten waren, die am tiefsten hinuntergestiegen waren, eine Gesinnung, die ungefähr so geschildert werden könnte: Das, was wir vor allen Dingen zu pflegen haben, ist, unserer Göttlichkeit uns bewußt zu sein in dem, was wir im tiefsten Inneren unserer Seele finden. Wenn auch diese Seele vergessen hat, was sie einst an göttlichen Gestalten schaute, so können wir doch den Weg wiederum zu dem Göttlichen dadurch finden, daß sie in ihr Inneres, in das Ich-Gefühl hineinschaut. — Kurz, es bildete sich die Vorstellung des gestaltlosen Gottes heraus, der nicht in äußeren Formen erscheint, den man in seinem innersten Wesen suchen soll; eine Vorstellung, die uralt ist in dieser Strömung, und die sich in der sich fortentwickelnden Menschheit umgebildet hat in das Gebot: Du sollst dir von deinem Gotte kein Abbild, kein Gleichnis machen.
[ 12 ] In uralten Zeiten hatte man den Gott selbst als Bild erlebt. Jetzt hatte sich das Bild in die Verborgenheit zurückgezogen, und man suchte alle Stärke aufzubringen, um den Gott aus dem Ich, wo er gestaltlos ist, in Vorstellung und Denken herauszuholen, eine Idee, eine Kraft des Gottes zu fassen und zu fühlen. Das war aber nicht sofort möglich; in den ersten Zeiten der nachatlantischen Kulturen war die Erinnerung an das, was man verloren hatte, noch zu stark, zu groß; die Seele fühlte: das Tor hat sich geschlossen, und die Sehnsucht, wieder hinaufzukommen in diese geistige Welt, war zu gewaltig. Daher bildete sich als eine erste Kulturepoche diejenige aus, die vorzugsweise dieses Gefühl, die Sehnsucht nach der verlorenen, verborgenen geistigen Welt empfand; die in göttlicher Verehrung zu den Eingeweihten hinaufsah und flehte: Laßt uns teilhaft werden dieser verlorenen Welt. — Und unter dem Einflusse dieser Eingeweihten ward durch koloniale Strömung die uralte indische Kultur begründet, die vorvedische, wunderbare, Schauer der Ehrfurcht weckende Kultur, die in den Veden ihren letzten Niederschlag gefunden hat; die Kultur, in der die Sehnsucht nach der geistigen Welt so groß war, daß man danach strebte, auf künstlichem Wege einen Zusammenhang mit den alten Göttern und Geistern wiederzugewinnen. Die Sehnsucht, aus dieser Welt zu fliehen, in die man eingetreten war, die entstand als starkes Gefühl in dieser ersten nachatlantischen Kulturepoche, Und dieses Gefühl sehen wir auf dem Grunde der Seelen, die noch die Unterweisung der Eingeweihten, der heiligen Rishis, erfahren durften. Wir sehen, wie sich bei ihnen dies Gefühl entwickelt: Die Welt, die wir um uns herum sehen, die Welt, die wir uns jetzt errungen haben, die Welt des physischen Planes ist nur eine Illusion, sie ist wertlos, sie ist Maja; wertvoll aber ist die Welt, die hinter diesem täuschenden physischen Plane liegt. — Und so entwickelt sich das Gefühl von der Wertlosigkeit des physischen Planes, von der Notwendigkeit, ihn zu fliehen und zum Geistigen zu gelangen; es entwickelt sich dasjenige, was wir als die Basis dieser uralten Kultur kennen, was aber damit zusammenhängt, daß der Mensch sein starkes Persönlichkeitsgefühl verlieren muß, wenn er sich sozusagen ganz und gar herausgestellt sieht aus dem Göttlichen und in der Sehnsucht nach diesem Göttlichen lebt. Er strebt danach, ganz aufzugehen im Göttlichen, mit Auslöschung seiner Persönlichkeit; lieber ist ihm die Vernichtung des Eigenwertes der Persönlichkeit als das Leben innerhalb dieser Persönlichkeit. Wir müssen diese alte Kultur vorzugsweise als Stimmung begreifen, dann verstehen wir jenes Fliehen vor dem Materiellen: wie der Mensch, wenn er das Göttliche aufsuchen wollte, frei sein mußte von den Banden des Sinnlichen, wie er heraus sein mußte aus aller Illusion, aller Maja.
[ 12 ] In uralten Zeiten hatte man den Gott selbst als Bild erlebt. Jetzt hatte sich das Bild in die Verborgenheit zurückgezogen, und man suchte alle Stärke aufzubringen, um den Gott aus dem Ich, wo er gestaltlos ist, in Vorstellung und Denken herauszuholen, eine Idee, eine Kraft des Gottes zu fassen und zu fühlen. Das war aber nicht sofort möglich; in den ersten Zeiten der nachatlantischen Kulturen war die Erinnerung an das, was man verloren hatte, noch zu stark, zu groß; die Seele fühlte: das Tor hat sich geschlossen, und die Sehnsucht, wieder hinaufzukommen in diese geistige Welt, war zu gewaltig. Daher bildete sich als eine erste Kulturepoche diejenige aus, die vorzugsweise dieses Gefühl, die Sehnsucht nach der verlorenen, verborgenen geistigen Welt empfand; die in göttlicher Verehrung zu den Eingeweihten hinaufsah und flehte: Laßt uns teilhaft werden dieser verlorenen Welt. — Und unter dem Einflusse dieser Eingeweihten ward durch koloniale Strömung die uralte indische Kultur begründet, die vorvedische, wunderbare, Schauer der Ehrfurcht weckende Kultur, die in den Veden ihren letzten Niederschlag gefunden hat; die Kultur, in der die Sehnsucht nach der geistigen Welt so groß war, daß man danach strebte, auf künstlichem Wege einen Zusammenhang mit den alten Göttern und Geistern wiederzugewinnen. Die Sehnsucht, aus dieser Welt zu fliehen, in die man eingetreten war, die entstand als starkes Gefühl in dieser ersten nachatlantischen Kulturepoche, Und dieses Gefühl sehen wir auf dem Grunde der Seelen, die noch die Unterweisung der Eingeweihten, der heiligen Rishis, erfahren durften. Wir sehen, wie sich bei ihnen dies Gefühl entwickelt: Die Welt, die wir um uns herum sehen, die Welt, die wir uns jetzt errungen haben, die Welt des physischen Planes ist nur eine Illusion, sie ist wertlos, sie ist Maja; wertvoll aber ist die Welt, die hinter diesem täuschenden physischen Plane liegt. — Und so entwickelt sich das Gefühl von der Wertlosigkeit des physischen Planes, von der Notwendigkeit, ihn zu fliehen und zum Geistigen zu gelangen; es entwickelt sich dasjenige, was wir als die Basis dieser uralten Kultur kennen, was aber damit zusammenhängt, daß der Mensch sein starkes Persönlichkeitsgefühl verlieren muß, wenn er sich sozusagen ganz und gar herausgestellt sieht aus dem Göttlichen und in der Sehnsucht nach diesem Göttlichen lebt. Er strebt danach, ganz aufzugehen im Göttlichen, mit Auslöschung seiner Persönlichkeit; lieber ist ihm die Vernichtung des Eigenwertes der Persönlichkeit als das Leben innerhalb dieser Persönlichkeit. Wir müssen diese alte Kultur vorzugsweise als Stimmung begreifen, dann verstehen wir jenes Fliehen vor dem Materiellen: wie der Mensch, wenn er das Göttliche aufsuchen wollte, frei sein mußte von den Banden des Sinnlichen, wie er heraus sein mußte aus aller Illusion, aller Maja.
[ 13 ] Das war die erste nachatlantische Kulturepoche. Die Mission der nachatlantischen Kultur aber besteht darin, daß der Mensch die Welt, in die er hineingestellt ist, sich immer mehr zu eigen macht, sich immer mehr erobert. So sehen wir, daß in der persischen, in der Vor-Zarathustrischen Kultur, die erste Phase dieses Eroberns der äußeren physischen Welt sich abspielt. Den alten Persern — und es sind hier die vorhistorischen Perser gemeint, denen eine Kolonie der hinübergewanderten letzten Atlantier zugrunde liegt — eignete schon ein anderes Bewußtsein; sie empfanden den physischen Plan schon als etwas Reales. Nicht mehr als etwas Fremdes erschien dem alten Perser der physische Plan; er sagte sich: In diesem physischen Plane sind auch Möglichkeiten, den Geist zu pflanzen und zu pflegen. — Er beachtete die physische Welt bereits; er studierte sie noch nicht, aber er beachtete sie. Der alte Perser empfindet in ihr noch ein Feindliches, aber so, daß er den Feind überwinden kann. Er macht sich zum Freunde, zum Genossen des Gottes Ormuzd, um die Materie zu erlösen. Er arbeitet in das Physische hinein; nach und nach beginnt er etwas davon zu ahnen, daß diese Welt nicht nur Maja, nicht bloß wesenloser Schein, sondern eine zu beachtende Wirklichkeit ist.
[ 13 ] Das war die erste nachatlantische Kulturepoche. Die Mission der nachatlantischen Kultur aber besteht darin, daß der Mensch die Welt, in die er hineingestellt ist, sich immer mehr zu eigen macht, sich immer mehr erobert. So sehen wir, daß in der persischen, in der Vor-Zarathustrischen Kultur, die erste Phase dieses Eroberns der äußeren physischen Welt sich abspielt. Den alten Persern — und es sind hier die vorhistorischen Perser gemeint, denen eine Kolonie der hinübergewanderten letzten Atlantier zugrunde liegt — eignete schon ein anderes Bewußtsein; sie empfanden den physischen Plan schon als etwas Reales. Nicht mehr als etwas Fremdes erschien dem alten Perser der physische Plan; er sagte sich: In diesem physischen Plane sind auch Möglichkeiten, den Geist zu pflanzen und zu pflegen. — Er beachtete die physische Welt bereits; er studierte sie noch nicht, aber er beachtete sie. Der alte Perser empfindet in ihr noch ein Feindliches, aber so, daß er den Feind überwinden kann. Er macht sich zum Freunde, zum Genossen des Gottes Ormuzd, um die Materie zu erlösen. Er arbeitet in das Physische hinein; nach und nach beginnt er etwas davon zu ahnen, daß diese Welt nicht nur Maja, nicht bloß wesenloser Schein, sondern eine zu beachtende Wirklichkeit ist.
[ 14 ] Und dann sehen wir, wie ein anderer Zug mehr nach Vorderasien und Afrika geht und dort die chaldäische und die ägyptische Kultur begründet, Da ist man schon wieder ein Stück weiter in der Eroberung des physischen Planes. Da sind die Menschen so, daß sie das Äußere, Sinnliche nicht mehr als bloß feindlich empfinden oder gar als nichtig. Da richtet der Mensch schon seinen Blick hinauf zu den Sternen und sagt sich; Nicht Maja sind diese Sterne, nicht bloß Schein! - Und er vertieft sich in den Gang der Sterne, er studiert, wie Stern an Stern sich nähert, welche Wandlungen die Sternbilder machen. Und er sagt sich: Das ist ein äußerer Ausdruck der waltenden Götter, eine Schrift, die die Götter geschrieben haben. Das Äußere, Sinnliche ist nicht nur Schein, es ist eine Offenbarung der Götter. — Ein weiterer Schritt ist getan: das Sinnlich-Materielle wird als ein Ausdruck des Göttlichen betrachtet, man fängt an, Weisheit im Sinnlichen zu suchen. Und man richtet den Blick hinunter vom Himmel auf die Erde in der ägyptischen Welt; man studiert Geometrie, um die Erde zu beherrschen; man vermählt das, was der Geist erreichen kann, mit der sinnlichen Materie ein wesentlicher Fortschritt in der Entwickelung. So geht es stufenweise weiter.
[ 14 ] Und dann sehen wir, wie ein anderer Zug mehr nach Vorderasien und Afrika geht und dort die chaldäische und die ägyptische Kultur begründet, Da ist man schon wieder ein Stück weiter in der Eroberung des physischen Planes. Da sind die Menschen so, daß sie das Äußere, Sinnliche nicht mehr als bloß feindlich empfinden oder gar als nichtig. Da richtet der Mensch schon seinen Blick hinauf zu den Sternen und sagt sich; Nicht Maja sind diese Sterne, nicht bloß Schein! - Und er vertieft sich in den Gang der Sterne, er studiert, wie Stern an Stern sich nähert, welche Wandlungen die Sternbilder machen. Und er sagt sich: Das ist ein äußerer Ausdruck der waltenden Götter, eine Schrift, die die Götter geschrieben haben. Das Äußere, Sinnliche ist nicht nur Schein, es ist eine Offenbarung der Götter. — Ein weiterer Schritt ist getan: das Sinnlich-Materielle wird als ein Ausdruck des Göttlichen betrachtet, man fängt an, Weisheit im Sinnlichen zu suchen. Und man richtet den Blick hinunter vom Himmel auf die Erde in der ägyptischen Welt; man studiert Geometrie, um die Erde zu beherrschen; man vermählt das, was der Geist erreichen kann, mit der sinnlichen Materie ein wesentlicher Fortschritt in der Entwickelung. So geht es stufenweise weiter.
[ 15 ] Und jetzt, innerhalb der dritten Kulturepoche, bildet sich wiederum ein kleines, abgesondertes Häuflein, das in gewisser Weise alles das aufnimmt, was an alten Traditionen und an neuen Errungenschaften hat gewonnen werden können; ein kleines Häuflein, dessen Eingeweihte die uralte Weisheit, die frühere Genossenschaft mit den Göttern bewahrt hatten; dessen Eingeweihte wiederzugeben wußten, was man als Erfahrung wissen konnte aus der geistigen Welt, und die zugleich chaldäische Weisheit — Gottesschrift im Weltenraum — und ägyptische Weisheit, die in der symbolischen Vermählung des Geistigen mit dem Physischen aufgeht, in sich aufgenommen hatten. Und diese Gruppe von Menschen ist es, die in diesem Sinne das auserwählte Volk zu nennen ist. Es ist dasjenige Volk, das den größten Zeitraum der Weltgeschichte vorzubereiten hatte, das alttestamentliche Volk, das in seinem Alten Testament, in bezug auf alle uralten Ereignisse und auch auf das Fortlebende, in der Tat das größte und bedeutsamste Dokument hatte. Und es ist nicht nur eine gelehrte Verirrung, sondern eine Farce, wenn irgendeine Schöpfungsgeschichte auch nur annähernd als von gleichem Werte mit der alttestamentlichen angesehen wird. Denn das Alte Testament enthält in gewaltigen Bildern das Herabsteigen des Menschen aus göttlichen Höhen und verknüpft zugleich die historischen Erlebnisse des Menschen mit diesen kosmischen Ereignissen. Alles das enthält die alttestamentliche Geschichte genau, und vor allen Dingen das, was dem Weltenzusammenhange voll entspricht.
[ 15 ] Und jetzt, innerhalb der dritten Kulturepoche, bildet sich wiederum ein kleines, abgesondertes Häuflein, das in gewisser Weise alles das aufnimmt, was an alten Traditionen und an neuen Errungenschaften hat gewonnen werden können; ein kleines Häuflein, dessen Eingeweihte die uralte Weisheit, die frühere Genossenschaft mit den Göttern bewahrt hatten; dessen Eingeweihte wiederzugeben wußten, was man als Erfahrung wissen konnte aus der geistigen Welt, und die zugleich chaldäische Weisheit — Gottesschrift im Weltenraum — und ägyptische Weisheit, die in der symbolischen Vermählung des Geistigen mit dem Physischen aufgeht, in sich aufgenommen hatten. Und diese Gruppe von Menschen ist es, die in diesem Sinne das auserwählte Volk zu nennen ist. Es ist dasjenige Volk, das den größten Zeitraum der Weltgeschichte vorzubereiten hatte, das alttestamentliche Volk, das in seinem Alten Testament, in bezug auf alle uralten Ereignisse und auch auf das Fortlebende, in der Tat das größte und bedeutsamste Dokument hatte. Und es ist nicht nur eine gelehrte Verirrung, sondern eine Farce, wenn irgendeine Schöpfungsgeschichte auch nur annähernd als von gleichem Werte mit der alttestamentlichen angesehen wird. Denn das Alte Testament enthält in gewaltigen Bildern das Herabsteigen des Menschen aus göttlichen Höhen und verknüpft zugleich die historischen Erlebnisse des Menschen mit diesen kosmischen Ereignissen. Alles das enthält die alttestamentliche Geschichte genau, und vor allen Dingen das, was dem Weltenzusammenhange voll entspricht.
[ 16 ] Wir haben gesehen, wie des Menschen Keimanlage zu dem «Ich bin» sich Stufe für Stufe in der Erdentwickelung vorbereitet hat. Wir haben gesehen, daß diese Keimanlage sich niemals hätte ausbilden können, wenn die Sonne sich nicht von der Erde getrennt hätte; daß auch der Mond sich von der Erde hat trennen müssen, und daß dann diese Keimanlage sich erst allmählich dadurch weiter ausbilden konnte, daß der Horizont gegenüber der göttlich-geistigen Welt sich verschlossen hatte. Machen wir uns klar, wie diese Keimanlage sich ausgebildet hat. Was lernt denn der Mensch allmählich in seiner Erdentwickelung? Wir sehen zurück auf alte Zeiten, wo er noch nicht hat wahrnehmen können, wo er bloß in der geistigen Welt gelebt hat; dann kam die Zeit, wo die Dinge im Physischen ihm nur verschwommen erschienen, wo er immer noch die geistigen Reiche wahrnehmen konnte. Wer war es denn, der diesen Menschen so vorbereitete, daß er in späteren Zeiten, als er die volle Sonne hat sehen können, auch reif dazu war? Derjenige Gott war es, der den Menschen sozusagen aufpäppelte zu der vollen Reife, den wir Jehova genannt haben, der sich getrennt hat von den Elohim, um von dem Monde aus vorzubereiten den höchsten Augenblick des Erdendaseins. Während der Mensch noch nicht hat wahrnehmen können in der äußeren Welt, träufelte der Gott Jehova das Ich-Bewußtsein ein. Er war es, der sich einschlich in die alten Einweihungen, die bei dumpfem Bewußtsein stattfanden; der den Menschen im Traum erschien, der die Menschen langsam vorbereitet hat für die Ich-Reife, die sie erst durch den Herabstieg des Christus erlangen konnten. Nicht auf einmal ist er gekommen, der Christus, nicht auf einmal hinuntergestiegen, sondern das war nur die letzte, persönliche Erscheinung; gewirkt aber hat er schon in jenen alten Zeiten durch die Propheten. Weist doch der Christus im Johannes-Evangelium selbst darauf hin, daß diejenigen, die nicht an Moses und an die Propheten geglaubt haben, auch nicht an ihn glauben würden; denn er sagt, Moses und die Propheten haben von ihm gesprochen, zwar noch nicht von dem, der auf der Erde gestanden hat, aber der angekündigt worden ist. Der Christus hat in diesem Sinne eine gewisse Geschichte in der Erdentwickelung. Wenn wir zurückgehen in die alten Mysterien, können wir überall diese Geschichte des Christus und sein Herabsteigen finden.
[ 16 ] Wir haben gesehen, wie des Menschen Keimanlage zu dem «Ich bin» sich Stufe für Stufe in der Erdentwickelung vorbereitet hat. Wir haben gesehen, daß diese Keimanlage sich niemals hätte ausbilden können, wenn die Sonne sich nicht von der Erde getrennt hätte; daß auch der Mond sich von der Erde hat trennen müssen, und daß dann diese Keimanlage sich erst allmählich dadurch weiter ausbilden konnte, daß der Horizont gegenüber der göttlich-geistigen Welt sich verschlossen hatte. Machen wir uns klar, wie diese Keimanlage sich ausgebildet hat. Was lernt denn der Mensch allmählich in seiner Erdentwickelung? Wir sehen zurück auf alte Zeiten, wo er noch nicht hat wahrnehmen können, wo er bloß in der geistigen Welt gelebt hat; dann kam die Zeit, wo die Dinge im Physischen ihm nur verschwommen erschienen, wo er immer noch die geistigen Reiche wahrnehmen konnte. Wer war es denn, der diesen Menschen so vorbereitete, daß er in späteren Zeiten, als er die volle Sonne hat sehen können, auch reif dazu war? Derjenige Gott war es, der den Menschen sozusagen aufpäppelte zu der vollen Reife, den wir Jehova genannt haben, der sich getrennt hat von den Elohim, um von dem Monde aus vorzubereiten den höchsten Augenblick des Erdendaseins. Während der Mensch noch nicht hat wahrnehmen können in der äußeren Welt, träufelte der Gott Jehova das Ich-Bewußtsein ein. Er war es, der sich einschlich in die alten Einweihungen, die bei dumpfem Bewußtsein stattfanden; der den Menschen im Traum erschien, der die Menschen langsam vorbereitet hat für die Ich-Reife, die sie erst durch den Herabstieg des Christus erlangen konnten. Nicht auf einmal ist er gekommen, der Christus, nicht auf einmal hinuntergestiegen, sondern das war nur die letzte, persönliche Erscheinung; gewirkt aber hat er schon in jenen alten Zeiten durch die Propheten. Weist doch der Christus im Johannes-Evangelium selbst darauf hin, daß diejenigen, die nicht an Moses und an die Propheten geglaubt haben, auch nicht an ihn glauben würden; denn er sagt, Moses und die Propheten haben von ihm gesprochen, zwar noch nicht von dem, der auf der Erde gestanden hat, aber der angekündigt worden ist. Der Christus hat in diesem Sinne eine gewisse Geschichte in der Erdentwickelung. Wenn wir zurückgehen in die alten Mysterien, können wir überall diese Geschichte des Christus und sein Herabsteigen finden.
[ 17 ] Studieren wir einmal die europäischen Mysterien. Da herrscht überall ein gewisser tragischer Zug. Wenn Sie sich hineinversetzen in diese alten Mysterien, dann können Sie sehen, daß die Lehrer überall zu ihren Schülern sagen: Ihr könnt euch erheben zu hohem Göttlichem, in hohem Sinne eingeweiht könnt ihr werden; aber es gibt etwas, was ihr jetzt noch nicht voll erkennen könnt, auf das ihr warten müßt, auf das wir auch nur hinweisen können: das ist der kommende Christus. — Überall in den nordischen Mysterien hat man von dem Christus als von einem Kommenden gesprochen; gekannt haben sie ihn überall, nur nicht als einen, der schon auf Erden war. Gekannt haben ihn die Eingeweihten drüben in Asien, in Ägypten, überall haben sie gewußt, es ist der Christus im Anzuge, er wird einst da sein. Und überall haben sie gewußt, daß die alten Mysterien nicht zur höchsten Stufe hinaufführen können. Das ist symbolisch erhalten geblieben. Wir dürfen nur nicht die Dinge pressen, nicht in scharfen Konturen, sondern ganz subtil sind sie zu nehmen, teils als Wahrheit und teils nur vergleichsweise. Es ist etwas von jenem tragischen Zuge geblieben gegenüber den alten Göttern und dem Warten auf den Christus, da der Glanz der Götter verschwinden wird vor dem Glanze des Christus. Wir finden es bis in die spätesten Sagen der germanischen Götter. Etwas Merkwürdiges hat die Sage dem Siegfried zugeschrieben: Er war unverwundbar; er hatte die Stärke des Eingeweihten im Sinne der europäischen Mysterien. Aber eine Stelle war verwundbar geblieben, da wurde auch er verwundet, und das hat ihm auch den 'Tod gebracht. Welche Stelle war das? Jene Stelle, wo später bei dem, den man erwartet hat, das Kreuz gelegen hat. Die Stelle, an der Siegfried noch verwundbar war, sie ist zugedeckt worden bei dem Gange nach Golgatha durch das Kreuz. Das ist die letzte Erinnerung an jenen tragischen Zug, der durch die alten europäischen Mysterien gegangen ist. Aber oft hat man auch in jenen Mysterien, aus denen das Alte Testament hervorgegangen ist und in die Moses eingeweiht war, und die Moses dann innerhalb seines Volkes so weit verpflanzt hat, als es ihm möglich erschien, — oft hat man auch da hingewiesen auf diesen eigentümlichen Entwickelungsgang der Menschheit. Und es ist mehr als ein bloßes Bild, es ist etwas, was dem Bilde eine tiefe Wirklichkeit gibt, was wir etwa so aufzeichnen können.
[ 17 ] Studieren wir einmal die europäischen Mysterien. Da herrscht überall ein gewisser tragischer Zug. Wenn Sie sich hineinversetzen in diese alten Mysterien, dann können Sie sehen, daß die Lehrer überall zu ihren Schülern sagen: Ihr könnt euch erheben zu hohem Göttlichem, in hohem Sinne eingeweiht könnt ihr werden; aber es gibt etwas, was ihr jetzt noch nicht voll erkennen könnt, auf das ihr warten müßt, auf das wir auch nur hinweisen können: das ist der kommende Christus. — Überall in den nordischen Mysterien hat man von dem Christus als von einem Kommenden gesprochen; gekannt haben sie ihn überall, nur nicht als einen, der schon auf Erden war. Gekannt haben ihn die Eingeweihten drüben in Asien, in Ägypten, überall haben sie gewußt, es ist der Christus im Anzuge, er wird einst da sein. Und überall haben sie gewußt, daß die alten Mysterien nicht zur höchsten Stufe hinaufführen können. Das ist symbolisch erhalten geblieben. Wir dürfen nur nicht die Dinge pressen, nicht in scharfen Konturen, sondern ganz subtil sind sie zu nehmen, teils als Wahrheit und teils nur vergleichsweise. Es ist etwas von jenem tragischen Zuge geblieben gegenüber den alten Göttern und dem Warten auf den Christus, da der Glanz der Götter verschwinden wird vor dem Glanze des Christus. Wir finden es bis in die spätesten Sagen der germanischen Götter. Etwas Merkwürdiges hat die Sage dem Siegfried zugeschrieben: Er war unverwundbar; er hatte die Stärke des Eingeweihten im Sinne der europäischen Mysterien. Aber eine Stelle war verwundbar geblieben, da wurde auch er verwundet, und das hat ihm auch den 'Tod gebracht. Welche Stelle war das? Jene Stelle, wo später bei dem, den man erwartet hat, das Kreuz gelegen hat. Die Stelle, an der Siegfried noch verwundbar war, sie ist zugedeckt worden bei dem Gange nach Golgatha durch das Kreuz. Das ist die letzte Erinnerung an jenen tragischen Zug, der durch die alten europäischen Mysterien gegangen ist. Aber oft hat man auch in jenen Mysterien, aus denen das Alte Testament hervorgegangen ist und in die Moses eingeweiht war, und die Moses dann innerhalb seines Volkes so weit verpflanzt hat, als es ihm möglich erschien, — oft hat man auch da hingewiesen auf diesen eigentümlichen Entwickelungsgang der Menschheit. Und es ist mehr als ein bloßes Bild, es ist etwas, was dem Bilde eine tiefe Wirklichkeit gibt, was wir etwa so aufzeichnen können.
[ 18 ] Nehmen wir an, wir haben den Menschen vor uns in seiner Viergliedrigkeit, und sein Ich, sein Astral-, Äther- und physischer Leib werden von der Sonne beschienen. Dadurch, daß der Christus auf die Erde gekommen ist, ist der Mensch fähig geworden, die physischen und geistigen Kräfte der Sonne aufzunehmen. Vorher war das anders. Da fiel während des Schlafes, wenn der Astralleib mit dem Ich außerhalb des physischen und Atherleibes war, während der Nachtzeit sozusagen nicht das direkte, sondern das reflektierte Sonnenlicht vom Monde auf den Menschen herab; er nahm dies reflektierte Licht auf, nicht das direkte Sonnenlicht. Das ist als äußerlicher symbolischer Tatbestand genau so, wie es mit dem Christus war, der als geistiger Sonnenstrahl lebte, und mit Jehova, der so lange das reflektierte Christus-Licht zurückstrahlte, bis der Mensch reif wurde, das direkte Sonnen-ChristusLicht zu empfangen. Wie aus einem Spiegel sandte Jehova den Christus zur Menschheit nieder. Wie sprach man also von dem Christus, wenn man vor seinem Erscheinen sprach? Man sprach von ihm, indem man von Jehova’sprach, und deshalb sagt Jehova zu Moses: Sage deinem Volke: Ich bin der Ich-bin. - Das ist derselbe Name, der später dem Christus beigelegt wird. Er will gar nicht sein eigenes Antlitz schon der Menschheit zuwenden, er bereitet den Christus vor, das Bild des Christus gibt er der Menschheit, bevor der Christus selbst zu ihr heruntersteigt. Und weil die Menschen in ihrem tiefsten Inneren, mit ihrem «Ich bin» diesen Christus erfassen sollen, weil sie in ihm den ganzen Herunterstieg in diese physische Welt erfassen sollen, deshalb bewahrte sich diese Menschengruppe, die den Christus am echtesten vorbereiten sollte, am festesten die Idee des gestaltlosen Gottes. Eine neue Vorstellung des Gottes mußte sie sich erringen, nicht nur sich erinnern der alten Gestalt. Und so wird dieses Volk in seiner Jehovareligion in der Tat das auf den Christus vorbereitende Volk. Nun aber muß man sich klar sein, daß alles das, was in der Welt besonders stark angestrebt werden soll, sozusagen auch von starken Impulsen ausgehen muß. Daher mußten auch die Kräfte des bildlosen Gottes gewissermaßen überspannt werden innerhalb des Alten Testamentes: Ein ganz abstrakter bildloser Gott, der in den Mittelpunkt einer bloßen Ich-Wesenheit zusammengedrängt ist, steht im Mittelpunkt der alttestamentlichen Religion, ein Ich-Gott, ein bildloser Gott.
[ 18 ] Nehmen wir an, wir haben den Menschen vor uns in seiner Viergliedrigkeit, und sein Ich, sein Astral-, Äther- und physischer Leib werden von der Sonne beschienen. Dadurch, daß der Christus auf die Erde gekommen ist, ist der Mensch fähig geworden, die physischen und geistigen Kräfte der Sonne aufzunehmen. Vorher war das anders. Da fiel während des Schlafes, wenn der Astralleib mit dem Ich außerhalb des physischen und Atherleibes war, während der Nachtzeit sozusagen nicht das direkte, sondern das reflektierte Sonnenlicht vom Monde auf den Menschen herab; er nahm dies reflektierte Licht auf, nicht das direkte Sonnenlicht. Das ist als äußerlicher symbolischer Tatbestand genau so, wie es mit dem Christus war, der als geistiger Sonnenstrahl lebte, und mit Jehova, der so lange das reflektierte Christus-Licht zurückstrahlte, bis der Mensch reif wurde, das direkte Sonnen-ChristusLicht zu empfangen. Wie aus einem Spiegel sandte Jehova den Christus zur Menschheit nieder. Wie sprach man also von dem Christus, wenn man vor seinem Erscheinen sprach? Man sprach von ihm, indem man von Jehova’sprach, und deshalb sagt Jehova zu Moses: Sage deinem Volke: Ich bin der Ich-bin. - Das ist derselbe Name, der später dem Christus beigelegt wird. Er will gar nicht sein eigenes Antlitz schon der Menschheit zuwenden, er bereitet den Christus vor, das Bild des Christus gibt er der Menschheit, bevor der Christus selbst zu ihr heruntersteigt. Und weil die Menschen in ihrem tiefsten Inneren, mit ihrem «Ich bin» diesen Christus erfassen sollen, weil sie in ihm den ganzen Herunterstieg in diese physische Welt erfassen sollen, deshalb bewahrte sich diese Menschengruppe, die den Christus am echtesten vorbereiten sollte, am festesten die Idee des gestaltlosen Gottes. Eine neue Vorstellung des Gottes mußte sie sich erringen, nicht nur sich erinnern der alten Gestalt. Und so wird dieses Volk in seiner Jehovareligion in der Tat das auf den Christus vorbereitende Volk. Nun aber muß man sich klar sein, daß alles das, was in der Welt besonders stark angestrebt werden soll, sozusagen auch von starken Impulsen ausgehen muß. Daher mußten auch die Kräfte des bildlosen Gottes gewissermaßen überspannt werden innerhalb des Alten Testamentes: Ein ganz abstrakter bildloser Gott, der in den Mittelpunkt einer bloßen Ich-Wesenheit zusammengedrängt ist, steht im Mittelpunkt der alttestamentlichen Religion, ein Ich-Gott, ein bildloser Gott.
[ 19 ] Wo konnte nun dieser Gott zuerst eine solche Gestalt gewinnen, daß er von den Menschen, die nunmehr auf dem physischen Plan lebten und ihn sich erobern sollten, begriffen werden konnte? Da ist durch eine weise Fügung im Süden Europas etwas Merkwürdiges entstanden. Es haben Züge von Asien und von Afrika stattgefunden; sie haben sich vermischt mit denen, die vom Norden heruntergezogen waren. Diejenigen, die vom Orient herüber die starke Überzeugung brachten von der Wertlosigkeit der Maja, von der Notwendigkeit, daß dieses materielle Reich der Menschen in das Reich des Geistes verwandelt werden müsse, sie vermengten sich mit denen, die sich das starke Persönlichkeitsgefühl errungen hatten. Und die stärksten spirituellen Kräfte, die auf der Wanderung vom Westen nach dem Osten am meisten zurückgeblieben waren, sie haben sich getroffen in Kleinasien, auf der griechischen, auf der italischen Halbinsel, und da hat sich die vierte Stufe herausgebildet, und wieder ist die Eroberung der physischen Welt einen Schritt vorwärts gegangen. Den Gott in der Tiefe zu erfassen und zu ahnen, das war die Mission der dritten Kulturepoche, der chaldäisch-ägyptischen Kultur; aus ihr mußte hervorgehen diejenige Volksgruppe, welche den Gott in abstrakter Weise suchen konnte, als geistige Wesenheit, mit dem geringsten sinnlichen Inhalt. Aber im Süden Europas bildete sich eine andere Gruppe. Indem die Menschen mit dem starken nordischen Persönlichkeitsbewußtsein da heruntergezogen sind, bildete sich die Vermählung der menschlichen Seele mit der Materie, die wir in dem griechischen Tempel, in den griechischen Kunstwerken, in der griechischen Tragödie bewundern, wo der Mensch anfängt, sein eigenes Schicksal zur Darstellung zu bringen, wo er seinen eigenen Geist in die Materie hineingeheimnißt, ihn den äußeren Tatsachen einverleibt. Man möchte sagen: eine Ehe zwischen Geistigem und Physischem wird geschlossen, wo beide gleichen Anteil haben. An dem griechischen Kunstwerk, an allem, was der Grieche schafft, haben gleichen Anteil das Geistige und das Physische. Und in gewisser Beziehung ist das beim Römer ebenso; er weiß: In mir lebt der Geist, in mir kann das Geistige Persönlichkeit werden.
[ 19 ] Wo konnte nun dieser Gott zuerst eine solche Gestalt gewinnen, daß er von den Menschen, die nunmehr auf dem physischen Plan lebten und ihn sich erobern sollten, begriffen werden konnte? Da ist durch eine weise Fügung im Süden Europas etwas Merkwürdiges entstanden. Es haben Züge von Asien und von Afrika stattgefunden; sie haben sich vermischt mit denen, die vom Norden heruntergezogen waren. Diejenigen, die vom Orient herüber die starke Überzeugung brachten von der Wertlosigkeit der Maja, von der Notwendigkeit, daß dieses materielle Reich der Menschen in das Reich des Geistes verwandelt werden müsse, sie vermengten sich mit denen, die sich das starke Persönlichkeitsgefühl errungen hatten. Und die stärksten spirituellen Kräfte, die auf der Wanderung vom Westen nach dem Osten am meisten zurückgeblieben waren, sie haben sich getroffen in Kleinasien, auf der griechischen, auf der italischen Halbinsel, und da hat sich die vierte Stufe herausgebildet, und wieder ist die Eroberung der physischen Welt einen Schritt vorwärts gegangen. Den Gott in der Tiefe zu erfassen und zu ahnen, das war die Mission der dritten Kulturepoche, der chaldäisch-ägyptischen Kultur; aus ihr mußte hervorgehen diejenige Volksgruppe, welche den Gott in abstrakter Weise suchen konnte, als geistige Wesenheit, mit dem geringsten sinnlichen Inhalt. Aber im Süden Europas bildete sich eine andere Gruppe. Indem die Menschen mit dem starken nordischen Persönlichkeitsbewußtsein da heruntergezogen sind, bildete sich die Vermählung der menschlichen Seele mit der Materie, die wir in dem griechischen Tempel, in den griechischen Kunstwerken, in der griechischen Tragödie bewundern, wo der Mensch anfängt, sein eigenes Schicksal zur Darstellung zu bringen, wo er seinen eigenen Geist in die Materie hineingeheimnißt, ihn den äußeren Tatsachen einverleibt. Man möchte sagen: eine Ehe zwischen Geistigem und Physischem wird geschlossen, wo beide gleichen Anteil haben. An dem griechischen Kunstwerk, an allem, was der Grieche schafft, haben gleichen Anteil das Geistige und das Physische. Und in gewisser Beziehung ist das beim Römer ebenso; er weiß: In mir lebt der Geist, in mir kann das Geistige Persönlichkeit werden.
[ 20 ] Nur auf dieser Stufe der Menschheitsentwickelung kann das, was sich angekündigt hat, auch seine äußere wirkliche Gestalt auf dem physischen Plan annehmen. Erst da konnte der Christus auf den physischen Plan heruntersteigen, als der Mensch sich diesen physischen Plan erobert hatte. Ein Christus wäre nicht möglich gewesen in der alten Kultur, als nur die Maja der physischen Welt empfunden wurde, als nur die Sehnsucht nach der Vergangenheit in den Menschen lebte. Immer mehr wandte sich der Mensch zum physischen Plane hin in jener Zeit, als diese Ehe sich vollzog, die wir in der griechischen Kunst sehen, die in dem starken römischen bürgerlichen Bewußtsein ihren Ausdruck fand. Und das war auch die Zeit, wo das Christus-Prinzip im Fleische erscheinen konnte.
[ 20 ] Nur auf dieser Stufe der Menschheitsentwickelung kann das, was sich angekündigt hat, auch seine äußere wirkliche Gestalt auf dem physischen Plan annehmen. Erst da konnte der Christus auf den physischen Plan heruntersteigen, als der Mensch sich diesen physischen Plan erobert hatte. Ein Christus wäre nicht möglich gewesen in der alten Kultur, als nur die Maja der physischen Welt empfunden wurde, als nur die Sehnsucht nach der Vergangenheit in den Menschen lebte. Immer mehr wandte sich der Mensch zum physischen Plane hin in jener Zeit, als diese Ehe sich vollzog, die wir in der griechischen Kunst sehen, die in dem starken römischen bürgerlichen Bewußtsein ihren Ausdruck fand. Und das war auch die Zeit, wo das Christus-Prinzip im Fleische erscheinen konnte.
[ 21 ] Daher müssen wir alle diejenigen, die vorher gewirkt haben, als wohl vertraut mit dem Christus ansehen; wir müssen sie ansehen als Propheten, die nur hinweisen konnten; die in dem Herabsteigen des Christus die Erfüllung dessen sahen, was sie selbst anstrebten.
[ 21 ] Daher müssen wir alle diejenigen, die vorher gewirkt haben, als wohl vertraut mit dem Christus ansehen; wir müssen sie ansehen als Propheten, die nur hinweisen konnten; die in dem Herabsteigen des Christus die Erfüllung dessen sahen, was sie selbst anstrebten.
[ 22 ] Nunmehr werden wir in den nächsten Vorträgen sehen, wie das Christentum und andere Elemente zusammen einfließen in unsere nachchristliche Zeit und unsere Gegenwart bewirken. Heute sollte hingewiesen werden auf den Zeitpunkt, wo der Mensch durch die Eroberung des physischen Planes sich reif gemacht hat, um den Gottmenschen, den Christus zu verstehen.
[ 22 ] Nunmehr werden wir in den nächsten Vorträgen sehen, wie das Christentum und andere Elemente zusammen einfließen in unsere nachchristliche Zeit und unsere Gegenwart bewirken. Heute sollte hingewiesen werden auf den Zeitpunkt, wo der Mensch durch die Eroberung des physischen Planes sich reif gemacht hat, um den Gottmenschen, den Christus zu verstehen.
