Egyptian Myths and Mysteries
in Relation to the Active Spiritual Forces of the Present
GA 106
11 September 1908, Leipzig
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Ägyptische Mythen und Mysterien, 5th ed.
Neunter Vortrag
Neunter Vortrag
[ 1 ] In unseren letzten Betrachtungen haben wir an unserer Seele vorüberziehen lassen eine Anzahl von Tatsachen der Evolution der Menschheit im einzelnen. Ich habe zu zeigen versucht, wie der Mensch sich entwickelt in jenem Zeitraum der Erdenentwickelung, der sich ungefähr erstreckt von dem Augenblicke an, als die Sonne aus der Erde austrat, bis zu der Zeit, als auch der Mond die Erde verließ. Es wird noch einiges zu diesen Tatsachen, die wir Tatsachen der okkulten Anatomie und Physiologie nennen können, hinzuzufügen sein. Aber damit wir alles in der richtigen Weise erfassen, müssen wir heute auf einige andere Tatsachen des geistigen Lebens einiges Licht werfen, denn wir dürfen nicht vergessen, daß eigentlich gezeigt werden soll, welches Verhältnis besteht zwischen den ägyptischen Mythen und Mysterien, überhaupt der ganzen ägyptischen Kulturperiode und unserer eigenen Zeit. Deshalb ist es notwendig, daß wir uns völlig klar darüber werden, wie überhaupt die Fortentwickelung durch die verschiedenen Epochen weitergeht.
[ 1 ] In unseren letzten Betrachtungen haben wir an unserer Seele vorüberziehen lassen eine Anzahl von Tatsachen der Evolution der Menschheit im einzelnen. Ich habe zu zeigen versucht, wie der Mensch sich entwickelt in jenem Zeitraum der Erdenentwickelung, der sich ungefähr erstreckt von dem Augenblicke an, als die Sonne aus der Erde austrat, bis zu der Zeit, als auch der Mond die Erde verließ. Es wird noch einiges zu diesen Tatsachen, die wir Tatsachen der okkulten Anatomie und Physiologie nennen können, hinzuzufügen sein. Aber damit wir alles in der richtigen Weise erfassen, müssen wir heute auf einige andere Tatsachen des geistigen Lebens einiges Licht werfen, denn wir dürfen nicht vergessen, daß eigentlich gezeigt werden soll, welches Verhältnis besteht zwischen den ägyptischen Mythen und Mysterien, überhaupt der ganzen ägyptischen Kulturperiode und unserer eigenen Zeit. Deshalb ist es notwendig, daß wir uns völlig klar darüber werden, wie überhaupt die Fortentwickelung durch die verschiedenen Epochen weitergeht.
[ 2 ] Fassen wir noch einmal ins Auge das, was dargestellt worden ist als die Wirkung der Sonnen- und Mondengeister, namentlich der Osiris- und der Isiskräfte, durch deren Wirkungen der menschliche Leib erst entstanden und aufgebaut worden ist. Fassen wir ins Auge, daß das in einer urfernen Vergangenheit geschah, daß unsere Erde kaum im einzelnen sich herauskristallisiert hatte aus der Wassererde, und daß ein großer Teil des Beschriebenen eigentlich in dieser Wassererde sich abgespielt hat. Damals war ein Zustand des Menschen vorhanden, der uns einmal recht deutlich vor die Seele treten sollte, damit wir einen klaren Begriff bekommen von dem, wie es auch für das menschliche Schauen selber aussah beim Fortgang des Menschen in der Erdenentwickelung.
[ 2 ] Fassen wir noch einmal ins Auge das, was dargestellt worden ist als die Wirkung der Sonnen- und Mondengeister, namentlich der Osiris- und der Isiskräfte, durch deren Wirkungen der menschliche Leib erst entstanden und aufgebaut worden ist. Fassen wir ins Auge, daß das in einer urfernen Vergangenheit geschah, daß unsere Erde kaum im einzelnen sich herauskristallisiert hatte aus der Wassererde, und daß ein großer Teil des Beschriebenen eigentlich in dieser Wassererde sich abgespielt hat. Damals war ein Zustand des Menschen vorhanden, der uns einmal recht deutlich vor die Seele treten sollte, damit wir einen klaren Begriff bekommen von dem, wie es auch für das menschliche Schauen selber aussah beim Fortgang des Menschen in der Erdenentwickelung.
[ 3 ] Ich habe dargestellt, wie die unteren Glieder der menschlichen Wesenheit, die Füße, Unterschenkel, Knie und so weiter sozusagen als physische Gestalt schon von dem Zeitpunkt an entstanden sind, als die Sonne Miene machte, hinauszuziehen aus der Erde. Wir müssen uns aber wohl erinnern, daß immer gesagt worden ist, das alles wäre so zu sehen gewesen, wenn ein menschliches Auge dagewesen wäre, welches das hätte sehen können. Ein solches Auge gab es aber nicht. Das ist erst viel später entstanden. Während der Mensch sich noch in der Wassererde befand, nahm er ausschließlich wahr mit dem Organ, das beschrieben worden ist als die Zirbeldrüse. Die Wahrnehmung mit dem physischen Auge kam erst dann zustande, als die menschliche Hüftenmitte sich ausgebildet hatte. Man kann also sagen, der untere Teil der menschlichen Gestalt war am Menschen schon vorhanden, aber nichts war an dem Menschen vorhanden, was den menschlichen Leib hätte sehen können. Der Mensch konnte sich damals selbst nicht sehen. Der Mensch bekam erst in dem Moment die Fähigkeit, sein Wesen anzuschauen, als sein Leib, von unten herauf sich bildend, die Hüftenmitte überschritten hatte. Als er gebildet war bis zum Zeichen der Waage, da wurde das Menschenauge erst aufgetan; da fing er an, sich nebelhaft zu sehen. Da erst entwickelte sich das Sehen der Gegenstände. So daß also bis zu dieser Entwickelung der Hüftenmitte alles menschliche Wahrnehmen, alles Schauen ein hellseherisches, astralisch-ätherisches Schauen war. Physisches konnte der Mensch damals noch nicht wahrnehmen, denn es war das Menschenbewußtsein noch ein dumpfes, dämmerhaftes, aber ein hellsichtiges, traumhaft-hellsichtiges.
[ 3 ] Ich habe dargestellt, wie die unteren Glieder der menschlichen Wesenheit, die Füße, Unterschenkel, Knie und so weiter sozusagen als physische Gestalt schon von dem Zeitpunkt an entstanden sind, als die Sonne Miene machte, hinauszuziehen aus der Erde. Wir müssen uns aber wohl erinnern, daß immer gesagt worden ist, das alles wäre so zu sehen gewesen, wenn ein menschliches Auge dagewesen wäre, welches das hätte sehen können. Ein solches Auge gab es aber nicht. Das ist erst viel später entstanden. Während der Mensch sich noch in der Wassererde befand, nahm er ausschließlich wahr mit dem Organ, das beschrieben worden ist als die Zirbeldrüse. Die Wahrnehmung mit dem physischen Auge kam erst dann zustande, als die menschliche Hüftenmitte sich ausgebildet hatte. Man kann also sagen, der untere Teil der menschlichen Gestalt war am Menschen schon vorhanden, aber nichts war an dem Menschen vorhanden, was den menschlichen Leib hätte sehen können. Der Mensch konnte sich damals selbst nicht sehen. Der Mensch bekam erst in dem Moment die Fähigkeit, sein Wesen anzuschauen, als sein Leib, von unten herauf sich bildend, die Hüftenmitte überschritten hatte. Als er gebildet war bis zum Zeichen der Waage, da wurde das Menschenauge erst aufgetan; da fing er an, sich nebelhaft zu sehen. Da erst entwickelte sich das Sehen der Gegenstände. So daß also bis zu dieser Entwickelung der Hüftenmitte alles menschliche Wahrnehmen, alles Schauen ein hellseherisches, astralisch-ätherisches Schauen war. Physisches konnte der Mensch damals noch nicht wahrnehmen, denn es war das Menschenbewußtsein noch ein dumpfes, dämmerhaftes, aber ein hellsichtiges, traumhaft-hellsichtiges.
[ 4 ] Und dann ging der Mensch über zu dem Bewußtseinszustand, wo abwechselte Schlafen und Wachen. Im Wachen sah der Mensch dann dumpf dasjenige, was physisch war, aber wie in Nebel gehüllt und wie mit einer Lichtaura umgeben. Im Schlaf aber erhob sich der Mensch zu den geistigen Welten und zu den göttlich-geistigen Wesenheiten. Sein Bewußtseinszustand wechselte ab zwischen einem Hellseherbewußtsein, das immer schwächer und schwächer wurde, und dem Tagesbewußtsein, dem immer heller und heller werdenden Gegenstandsbewußtsein, welches das Hauptbewußtsein heute ist. Damals verlor sich nach und nach die Fähigkeit der hellseherischen Wahrnehmung, immer mehr auch die Fähigkeit, die Götter im Schlafe zu sehen. Und in demselben Maße trat die Klarheit des Tagesbewußtseins ein, und immer stärker wurde damit das Selbstbewußtsein, das Ich-Gefühl, das Ich-Wahrnehmen.
[ 4 ] Und dann ging der Mensch über zu dem Bewußtseinszustand, wo abwechselte Schlafen und Wachen. Im Wachen sah der Mensch dann dumpf dasjenige, was physisch war, aber wie in Nebel gehüllt und wie mit einer Lichtaura umgeben. Im Schlaf aber erhob sich der Mensch zu den geistigen Welten und zu den göttlich-geistigen Wesenheiten. Sein Bewußtseinszustand wechselte ab zwischen einem Hellseherbewußtsein, das immer schwächer und schwächer wurde, und dem Tagesbewußtsein, dem immer heller und heller werdenden Gegenstandsbewußtsein, welches das Hauptbewußtsein heute ist. Damals verlor sich nach und nach die Fähigkeit der hellseherischen Wahrnehmung, immer mehr auch die Fähigkeit, die Götter im Schlafe zu sehen. Und in demselben Maße trat die Klarheit des Tagesbewußtseins ein, und immer stärker wurde damit das Selbstbewußtsein, das Ich-Gefühl, das Ich-Wahrnehmen.
[ 5 ] Wenn wir zurückblicken in die lemurische Zeit, in die Zeit vor, während und nach dem Hinausgehen des Mondes aus der Erde, so blicken wir zunächst auf ein hellseherisches Bewußtsein des Menschen, wo der Mensch noch nichts ahnte von dem, was wir heute den Tod nennen. Denn wenn der Mensch damals heraustrat aus seinem physischen Leibe, gleichgültig ob durch Schlaf oder Tod, wenn er herauswanderte, dann versank damit nicht sein Bewußtsein, sondern er erhielt sogar ein höheres, ein geistigeres Bewußtsein in einer gewissen Beziehung, als wenn er in seinem physischen Leibe war. Der Mensch sagte sich damals niemals: Ich sterbe jetzt — oder: Ich trete in Bewußtlosigkeit - das gab es nicht in der damaligen Zeit. Der Mensch baute noch nicht auf sein eigenes Selbstgefühl, aber er fühlte sich im Schoße der Gottheit unsterblich, und er wußte alles das als selbstverständliche Tatsachen, was wir heute beschreiben.
[ 5 ] Wenn wir zurückblicken in die lemurische Zeit, in die Zeit vor, während und nach dem Hinausgehen des Mondes aus der Erde, so blicken wir zunächst auf ein hellseherisches Bewußtsein des Menschen, wo der Mensch noch nichts ahnte von dem, was wir heute den Tod nennen. Denn wenn der Mensch damals heraustrat aus seinem physischen Leibe, gleichgültig ob durch Schlaf oder Tod, wenn er herauswanderte, dann versank damit nicht sein Bewußtsein, sondern er erhielt sogar ein höheres, ein geistigeres Bewußtsein in einer gewissen Beziehung, als wenn er in seinem physischen Leibe war. Der Mensch sagte sich damals niemals: Ich sterbe jetzt — oder: Ich trete in Bewußtlosigkeit - das gab es nicht in der damaligen Zeit. Der Mensch baute noch nicht auf sein eigenes Selbstgefühl, aber er fühlte sich im Schoße der Gottheit unsterblich, und er wußte alles das als selbstverständliche Tatsachen, was wir heute beschreiben.
[ 6 ] Denken wir uns einmal folgendes. Denken wir uns, wir legten uns zum Schlaf nieder, der Astralleib bewegte sich aus dem physischen Leibe heraus, und das alles geschähe beim vollen Mond. Den physischen Leib mit dem Ätherleib haben wir also im Bette liegen, den Astralleib darüber schwebend, und das bei Vollmondschein. Nun ist die Situation nicht so, daß einfach da eine astralische Wolke für den Hellseher sichtbar wird, sondern er sieht in der Tat Strömungen vom Astralleib aus in den physischen Leib hineingehen, und diese Strömungen sind die Kräfte, welche in der Nacht die Ermüdung fortschaffen, und sie bringen dem physischen Leibe Ersatz für die Abnutzung am Tage, so daß er sich erquickt und erfrischt fühlt. Man würde aber zugleich geistige Ströme vom Monde ausgehen sehen, und diese Strömungen durchsetzen astrale Mächte. Man würde sehen, wie in der Tat vom Monde geistige Wirkungen ausgehen, die den Astralleib durchsetzen und verstärken und seine Tätigkeit an dem physischen Leibe beeinflussen.
[ 6 ] Denken wir uns einmal folgendes. Denken wir uns, wir legten uns zum Schlaf nieder, der Astralleib bewegte sich aus dem physischen Leibe heraus, und das alles geschähe beim vollen Mond. Den physischen Leib mit dem Ätherleib haben wir also im Bette liegen, den Astralleib darüber schwebend, und das bei Vollmondschein. Nun ist die Situation nicht so, daß einfach da eine astralische Wolke für den Hellseher sichtbar wird, sondern er sieht in der Tat Strömungen vom Astralleib aus in den physischen Leib hineingehen, und diese Strömungen sind die Kräfte, welche in der Nacht die Ermüdung fortschaffen, und sie bringen dem physischen Leibe Ersatz für die Abnutzung am Tage, so daß er sich erquickt und erfrischt fühlt. Man würde aber zugleich geistige Ströme vom Monde ausgehen sehen, und diese Strömungen durchsetzen astrale Mächte. Man würde sehen, wie in der Tat vom Monde geistige Wirkungen ausgehen, die den Astralleib durchsetzen und verstärken und seine Tätigkeit an dem physischen Leibe beeinflussen.
[ 7 ] Nehmen wir an, wir wären nun Menschen der alten lemurischen Zeit, dann würde der Astralleib dieses Einströmen der geistigen Kräfte wahrgenommen haben, würde hinaufgeschaut haben und gesagt haben: Das ist Osiris, der mich da stärkt, der an mir arbeitet, ich sehe, wie seine Wirkung durch mich geht. — Und wir würden uns geborgen gefühlt haben während der Nacht in Osiris, wir hätten sozusagen mit unserem Ich in Osiris gelebt. Ich und Osiris sind eins, würden wir empfunden haben. Hätten wir damals in Worte kleiden können, was wir empfunden haben, würden wir es etwa so charakterisiert haben, wenn wir zurückkehrten in den physischen Leib: Nun muß ich wieder hinunter in den physischen Leib, der da unten auf mich wartet; das ist eine Zeit, wo ich in meine niedere Natur untertauche - und wir hätten uns auf die Zeit gefreut, wo wir wieder verlassen konnten den physischen Leib und hinaufsteigen konnten und ruhen konnten im Schoße des Osiris oder im Schoße der Isis, wo wir unser Ich wieder vereinigten mit Osiris.
[ 7 ] Nehmen wir an, wir wären nun Menschen der alten lemurischen Zeit, dann würde der Astralleib dieses Einströmen der geistigen Kräfte wahrgenommen haben, würde hinaufgeschaut haben und gesagt haben: Das ist Osiris, der mich da stärkt, der an mir arbeitet, ich sehe, wie seine Wirkung durch mich geht. — Und wir würden uns geborgen gefühlt haben während der Nacht in Osiris, wir hätten sozusagen mit unserem Ich in Osiris gelebt. Ich und Osiris sind eins, würden wir empfunden haben. Hätten wir damals in Worte kleiden können, was wir empfunden haben, würden wir es etwa so charakterisiert haben, wenn wir zurückkehrten in den physischen Leib: Nun muß ich wieder hinunter in den physischen Leib, der da unten auf mich wartet; das ist eine Zeit, wo ich in meine niedere Natur untertauche - und wir hätten uns auf die Zeit gefreut, wo wir wieder verlassen konnten den physischen Leib und hinaufsteigen konnten und ruhen konnten im Schoße des Osiris oder im Schoße der Isis, wo wir unser Ich wieder vereinigten mit Osiris.
[ 8 ] Je mehr sich nun der physische Leib entwickelte, je mehr sich von unten da ansetzte, und je mehr, nach der Entwickelung der oberen Glieder, der Mensch auch physisch schauen konnte, je mehr der Mensch wahrnehmen konnte die Gegenstände in der physischen Welt um ihn her, desto längere Zeit mußte der Mensch verweilen, wenn er untertauchte in seinen physischen Leib, desto mehr Interesse gewann er an der physischen Welt, desto dunkler wurde sein Bewußtsein für die geistige Welt, desto klarer das Bewußtsein im physischen Leibe, desto mehr entwöhnte er sich der geistigen Welt. So entwikkelte sich immer mehr das Leben des Menschen in der physischen Welt, und in den Zuständen, die zwischen Tod und einer neuen Geburt verlaufen, wurde das Bewußtsein immer dunkler und dunkler. Jenes Heimatgefühl bei den Göttern verlor der Mensch in der atlantischen Zeit immer mehr, und als die große Katastrophe vorüber war, da hatte schon ein großer Teil der Menschen völlig verloren die natürliche Fähigkeit, während der Nacht hineinzuschauen in die geistige Welt, dafür aber gewonnen die Fähigkeit, bei Tage immer schärfer äußerlich zu schen, so daß die Gegenstände um sie her nach und nach in klareren Umrissen auftauchten. Es ist schon darauf aufmerksam gemacht worden, daß bei den Menschen, die zurückgeblieben waren, die Gabe des Hellsehens sich noch erhalten hatte, während die nachatlantischen Kulturen sich entwickelten. Bis hinein in die Zeit, als das Christentum begründet wurde, gab es noch Nachzügler dieses Hellsehens, und noch heute gibt es, wenn auch sehr vereinzelt, Menschen, die sich als natürliche Gabe dieses Hellsehen bewahrt haben, das aber ein ganz anderes Hellsehen ist als das durch die esoterische Schulung gewonnene.
[ 8 ] Je mehr sich nun der physische Leib entwickelte, je mehr sich von unten da ansetzte, und je mehr, nach der Entwickelung der oberen Glieder, der Mensch auch physisch schauen konnte, je mehr der Mensch wahrnehmen konnte die Gegenstände in der physischen Welt um ihn her, desto längere Zeit mußte der Mensch verweilen, wenn er untertauchte in seinen physischen Leib, desto mehr Interesse gewann er an der physischen Welt, desto dunkler wurde sein Bewußtsein für die geistige Welt, desto klarer das Bewußtsein im physischen Leibe, desto mehr entwöhnte er sich der geistigen Welt. So entwikkelte sich immer mehr das Leben des Menschen in der physischen Welt, und in den Zuständen, die zwischen Tod und einer neuen Geburt verlaufen, wurde das Bewußtsein immer dunkler und dunkler. Jenes Heimatgefühl bei den Göttern verlor der Mensch in der atlantischen Zeit immer mehr, und als die große Katastrophe vorüber war, da hatte schon ein großer Teil der Menschen völlig verloren die natürliche Fähigkeit, während der Nacht hineinzuschauen in die geistige Welt, dafür aber gewonnen die Fähigkeit, bei Tage immer schärfer äußerlich zu schen, so daß die Gegenstände um sie her nach und nach in klareren Umrissen auftauchten. Es ist schon darauf aufmerksam gemacht worden, daß bei den Menschen, die zurückgeblieben waren, die Gabe des Hellsehens sich noch erhalten hatte, während die nachatlantischen Kulturen sich entwickelten. Bis hinein in die Zeit, als das Christentum begründet wurde, gab es noch Nachzügler dieses Hellsehens, und noch heute gibt es, wenn auch sehr vereinzelt, Menschen, die sich als natürliche Gabe dieses Hellsehen bewahrt haben, das aber ein ganz anderes Hellsehen ist als das durch die esoterische Schulung gewonnene.
[ 9 ] In der Atlantis wurde also die Nacht allmählich dunkel für den Menschen, während das Tagesbewußtsein anfing, sich aufzuhellen. Bewußtlos wurde die Nacht für die Menschen der ersten nachatlantischen Kultur, die wir zu charakterisieren versuchten in all ihrer Größe, in der Spiritualität, die hereingekommen ist durch die heiligen Rishis, die wir uns vor die Seele geführt haben in den vorhergehenden Vorträgen, und die wir jetzt noch von einer anderen Seite charakterisieren müssen.
[ 9 ] In der Atlantis wurde also die Nacht allmählich dunkel für den Menschen, während das Tagesbewußtsein anfing, sich aufzuhellen. Bewußtlos wurde die Nacht für die Menschen der ersten nachatlantischen Kultur, die wir zu charakterisieren versuchten in all ihrer Größe, in der Spiritualität, die hereingekommen ist durch die heiligen Rishis, die wir uns vor die Seele geführt haben in den vorhergehenden Vorträgen, und die wir jetzt noch von einer anderen Seite charakterisieren müssen.
[ 10 ] Versetzen wir uns in die Seelen der Schüler der heiligen Rishis, in die Seelen der Leute der indischen Kultur überhaupt, sagen wir, in die Zeit unmittelbar nachdem die letzten Spuren der großen atlantischen Wasserkatastrophen verschwunden waren. Wie eine Art Erinnerung lebte es da noch in der Seele, eine Erinnerung an die alte Welt, an jene Welt, wo der Mensch die Götter, die an seinem Leibe arbeiteten, erlebte, und gesehen hatte, wie Osiris und Isis an ihm tätig waren. Jetzt war er heraus aus dieser Welt, aus dem Schoße der Götter. Früher war für ihn das alles da, wie für ihn heute das Physische da ist. Wie eine Erinnerung ging es durch das Gemüt des indischen Menschen, der der ersten nachatlantischen Kultur angehörte, durch das Gemüt des indischen Menschen, dem die Rishis noch sagen konnten, wie es wirklich war, denn er wußte, daß die Rishis und ihre Schüler schauen konnten in die geistige Welt. Er wußte aber auch, daß für den normalen Menschen, für den Angehörigen der indischen Kultur, die Zeiten, wo er hineinschauen konnte in die geistige Welt, vorbei waren.
[ 10 ] Versetzen wir uns in die Seelen der Schüler der heiligen Rishis, in die Seelen der Leute der indischen Kultur überhaupt, sagen wir, in die Zeit unmittelbar nachdem die letzten Spuren der großen atlantischen Wasserkatastrophen verschwunden waren. Wie eine Art Erinnerung lebte es da noch in der Seele, eine Erinnerung an die alte Welt, an jene Welt, wo der Mensch die Götter, die an seinem Leibe arbeiteten, erlebte, und gesehen hatte, wie Osiris und Isis an ihm tätig waren. Jetzt war er heraus aus dieser Welt, aus dem Schoße der Götter. Früher war für ihn das alles da, wie für ihn heute das Physische da ist. Wie eine Erinnerung ging es durch das Gemüt des indischen Menschen, der der ersten nachatlantischen Kultur angehörte, durch das Gemüt des indischen Menschen, dem die Rishis noch sagen konnten, wie es wirklich war, denn er wußte, daß die Rishis und ihre Schüler schauen konnten in die geistige Welt. Er wußte aber auch, daß für den normalen Menschen, für den Angehörigen der indischen Kultur, die Zeiten, wo er hineinschauen konnte in die geistige Welt, vorbei waren.
[ 11 ] Wie eine Erinnerung, wie eine schmerzliche Erinnerung an die alte, wahre Heimatwelt zog es da durch die Seele des alten Inders, indem er sich in die physische Welt versetzt sah, die doch nur die äußere Schale der geistigen Welt ist, und er sehnte sich hinaus aus dieser äußeren Welt. Und er empfand: Unwahr sind die Berge, die Täler, unwahr die Wolkenmassen der Luft, selbst unwahr der Sternenhimmel, alles ist nur wie eine Hülle, wie eine Physiognomie des Wesens. Und das Wahre, das dahinter ist, die Götter und die wahre Gestalt des Menschen, wir können sie nicht sehen. Das was wir sehen, ist Maja, ist unwahr;; das Wahre ist verhüllt. - Und diese Stimmung wurde immer lebendiger, daß der Mensch, der Wahrheit entsprossen, in dem Geistigen seine Heimat hat; daß das Sinnliche unwahr, Maja ist, daß die physische Welt der Sinne ihn umnachtete.
[ 11 ] Wie eine Erinnerung, wie eine schmerzliche Erinnerung an die alte, wahre Heimatwelt zog es da durch die Seele des alten Inders, indem er sich in die physische Welt versetzt sah, die doch nur die äußere Schale der geistigen Welt ist, und er sehnte sich hinaus aus dieser äußeren Welt. Und er empfand: Unwahr sind die Berge, die Täler, unwahr die Wolkenmassen der Luft, selbst unwahr der Sternenhimmel, alles ist nur wie eine Hülle, wie eine Physiognomie des Wesens. Und das Wahre, das dahinter ist, die Götter und die wahre Gestalt des Menschen, wir können sie nicht sehen. Das was wir sehen, ist Maja, ist unwahr;; das Wahre ist verhüllt. - Und diese Stimmung wurde immer lebendiger, daß der Mensch, der Wahrheit entsprossen, in dem Geistigen seine Heimat hat; daß das Sinnliche unwahr, Maja ist, daß die physische Welt der Sinne ihn umnachtete.
[ 12 ] Wer so stark den Gegensatz des Geistigen und des unwahren Physischen fühlt, für den wird die religiöse Stimmung dahin gehen, wenig Interesse zu empfinden in bezug auf die physische Welt und immer mehr den Geist zu lenken zu dem, was die Eingeweihten schauen, und von dem Kunde geben können die heiligen Rishis. Heraus sehnte sich der Inder aus dieser Wirklichkeit, aus der harten Wirklichkeit, die doch für ihn nichts war als Illusion. Denn das Wahre ist nicht das, was die Sinne wahrnehmen, das Wahre fühlte er erst dahinter. Und wenig Interesse wandte die erste nachatlantische Kulturperiode dem zu, was äußerlich auf dem physischen Plane geschah.
[ 12 ] Wer so stark den Gegensatz des Geistigen und des unwahren Physischen fühlt, für den wird die religiöse Stimmung dahin gehen, wenig Interesse zu empfinden in bezug auf die physische Welt und immer mehr den Geist zu lenken zu dem, was die Eingeweihten schauen, und von dem Kunde geben können die heiligen Rishis. Heraus sehnte sich der Inder aus dieser Wirklichkeit, aus der harten Wirklichkeit, die doch für ihn nichts war als Illusion. Denn das Wahre ist nicht das, was die Sinne wahrnehmen, das Wahre fühlte er erst dahinter. Und wenig Interesse wandte die erste nachatlantische Kulturperiode dem zu, was äußerlich auf dem physischen Plane geschah.
[ 13 ] Anders war es schon in der zweiten Kulturperiode, bei den Persern, aus der dann Zarathustra hervorgegangen ist, der große Schüler des Manu. Wenn wir durch ein paar Striche charakterisieren wollen, worin der Übergang der indischen zu der Perserkultur bestand, so können wir sagen: Der Angehörige der persischen Kultur fühlte das Physische nicht bloß wie eine Fügung, er fühlte es wie eine Aufgabe. Zwar sah auch er noch hinauf in die Regionen des Lichtes, er sah hinauf in die geistigen Welten, aber er wandte den Blick wieder zurück in die physische Welt, und vor seiner Seele stand, wie alles in die Lichtgewalten und in die dunkeln Gewalten zerfiel. Die physische Welt wurde ihm ein Arbeitsfeld. Der Perser sagte sich: Es gibt die gute Lichtfülle, die Gottheit Ahura Mazdao oder Ormuzd, und es gibt die dunkeln Mächte, unter der Führung des Angramainyush oder Ahriman. Von Ahura Mazdao kommt das Heil der Menschen, von Ahriman die physische Welt. Wir müssen das, was kommt von Ahriman, umwandeln, wir müssen uns mit den guten Göttern verbinden und Ahriman, den bösen Gott in der Materie besiegen, indem wir die Erde umarbeiten, indem wir solche Wesen werden, daß wir die Erde bearbeiten können. Indem wir so den Ahriman besiegen, machen wir die Erde zu einem Mittel für das Gute. — Den ersten Schritt, die Erde zu erlösen, taten die Angehörigen der persischen Kultur, und sie hatten die Hoffnung, daß die Erde auch einstmals ein guter Planet sein werde, daß sie erlöst sein würde, und daß eine Verherrlichung eintreten werde Ahura Mazdaos, des höchsten Wesens.
[ 13 ] Anders war es schon in der zweiten Kulturperiode, bei den Persern, aus der dann Zarathustra hervorgegangen ist, der große Schüler des Manu. Wenn wir durch ein paar Striche charakterisieren wollen, worin der Übergang der indischen zu der Perserkultur bestand, so können wir sagen: Der Angehörige der persischen Kultur fühlte das Physische nicht bloß wie eine Fügung, er fühlte es wie eine Aufgabe. Zwar sah auch er noch hinauf in die Regionen des Lichtes, er sah hinauf in die geistigen Welten, aber er wandte den Blick wieder zurück in die physische Welt, und vor seiner Seele stand, wie alles in die Lichtgewalten und in die dunkeln Gewalten zerfiel. Die physische Welt wurde ihm ein Arbeitsfeld. Der Perser sagte sich: Es gibt die gute Lichtfülle, die Gottheit Ahura Mazdao oder Ormuzd, und es gibt die dunkeln Mächte, unter der Führung des Angramainyush oder Ahriman. Von Ahura Mazdao kommt das Heil der Menschen, von Ahriman die physische Welt. Wir müssen das, was kommt von Ahriman, umwandeln, wir müssen uns mit den guten Göttern verbinden und Ahriman, den bösen Gott in der Materie besiegen, indem wir die Erde umarbeiten, indem wir solche Wesen werden, daß wir die Erde bearbeiten können. Indem wir so den Ahriman besiegen, machen wir die Erde zu einem Mittel für das Gute. — Den ersten Schritt, die Erde zu erlösen, taten die Angehörigen der persischen Kultur, und sie hatten die Hoffnung, daß die Erde auch einstmals ein guter Planet sein werde, daß sie erlöst sein würde, und daß eine Verherrlichung eintreten werde Ahura Mazdaos, des höchsten Wesens.
[ 14 ] So hatte der gefühlt, der nicht in die erhabenen Höhen sah wie der Inder, der aber festen Fuß faßte auf dieser physischen Welt. So aber dachte nicht der Angehörige der indischen Kultur, der den festen Boden unter den Füßen verlor.
[ 14 ] So hatte der gefühlt, der nicht in die erhabenen Höhen sah wie der Inder, der aber festen Fuß faßte auf dieser physischen Welt. So aber dachte nicht der Angehörige der indischen Kultur, der den festen Boden unter den Füßen verlor.
[ 15 ] Und weiter ging die Eroberung des physischen Plans in der dritten Kulturstufe, in der ägyptisch-babylonisch-assyrisch-chaldäischen Kultur. Da war kaum mehr etwas vorhanden von dem uralten Widerwillen, mit dem die physische Welt als Maja gefühlt wurde. Die Chaldäer blickten zu dem Sternenhimmel hinauf, und der Lichtesglanz der Sterne war für sie nicht bloß Maja, sondern das waren für sie die Schriftzeichen, die die Götter dem physischen Plan eingeprägt hatten. Und auf den Wegen der Sterne verfolgte der chaldäische Priesterweise den Weg zurück in die geistigen Welten, und als er eingeweiht wurde, als er kennenlernte alle die Wesen, welche die Planeten, die Gestirne bewohnten, da erhob er seine Augen hinauf und sagte sich: Was ich sehe mit meinen Augen, wenn ich zum Sternenhimmel den Blick erhebe, das ist der äußere Ausdruck dessen, was mir das okkulte Schauen, die Einweihung gibt. Wenn der einweihende Priester mir die Gnade des Schauens des Gottes verleiht, dann sehe ich den Gott. Aber alles Äußere, was ich sche, ist nicht bloß Illusion; in ihm sehe ich die Schrift der Götter.
[ 15 ] Und weiter ging die Eroberung des physischen Plans in der dritten Kulturstufe, in der ägyptisch-babylonisch-assyrisch-chaldäischen Kultur. Da war kaum mehr etwas vorhanden von dem uralten Widerwillen, mit dem die physische Welt als Maja gefühlt wurde. Die Chaldäer blickten zu dem Sternenhimmel hinauf, und der Lichtesglanz der Sterne war für sie nicht bloß Maja, sondern das waren für sie die Schriftzeichen, die die Götter dem physischen Plan eingeprägt hatten. Und auf den Wegen der Sterne verfolgte der chaldäische Priesterweise den Weg zurück in die geistigen Welten, und als er eingeweiht wurde, als er kennenlernte alle die Wesen, welche die Planeten, die Gestirne bewohnten, da erhob er seine Augen hinauf und sagte sich: Was ich sehe mit meinen Augen, wenn ich zum Sternenhimmel den Blick erhebe, das ist der äußere Ausdruck dessen, was mir das okkulte Schauen, die Einweihung gibt. Wenn der einweihende Priester mir die Gnade des Schauens des Gottes verleiht, dann sehe ich den Gott. Aber alles Äußere, was ich sche, ist nicht bloß Illusion; in ihm sehe ich die Schrift der Götter.
[ 16 ] So kam sich ein solcher Eingeweihter vor, wie wir uns vorkommen, wenn wir einem Freunde gegenüberstehen, dann lange voneinander getrennt sind und dann einen Brief von ihm bekommen und die Schriftzeichen des entfernten Freundes vor uns sehen, Wir sehen, das war seine Hand, die diese Schriftzeichen geformt hat, wir nehmen wahr die Gefühle des Herzens, die darinnen ausgedrückt sind. So fühlte ungefähr der chaldäische und auch der ägyptische Eingeweihte, der in die heiligen Mysterien eingeweiht war, der, während er im Mysterientempel war, mit seinem geistigen Auge sah die geistigen Wesenheiten, die mit unserer Erde verbunden sind. Und wenn er das alles sah und er dann hinausging, und wenn er dann die Welt der Sterne sah, so kam ihm das vor wie ein Brief der geistigen Wesen. Er vernahm eine Schrift der Götter, wenn die Blitze leuchteten, wenn der Donner rollte; im Sturmwind vernahm er eine Offenbarung der Götter. Die Götter hatten sich manifestiert für ihn in allem, was er äußerlich sah. So wie wir dem Briefe des Freundes gegenüber fühlen, so fühlte er die äußerliche Welt, so fühlte er, wenn er die Welt der Elemente, die Welt der Pflanzen, der Tiere, der Berge, die Welt der Wolken, die Welt der Sterne sah. Alles das wurde entziffert als eine Götterschrift.
[ 16 ] So kam sich ein solcher Eingeweihter vor, wie wir uns vorkommen, wenn wir einem Freunde gegenüberstehen, dann lange voneinander getrennt sind und dann einen Brief von ihm bekommen und die Schriftzeichen des entfernten Freundes vor uns sehen, Wir sehen, das war seine Hand, die diese Schriftzeichen geformt hat, wir nehmen wahr die Gefühle des Herzens, die darinnen ausgedrückt sind. So fühlte ungefähr der chaldäische und auch der ägyptische Eingeweihte, der in die heiligen Mysterien eingeweiht war, der, während er im Mysterientempel war, mit seinem geistigen Auge sah die geistigen Wesenheiten, die mit unserer Erde verbunden sind. Und wenn er das alles sah und er dann hinausging, und wenn er dann die Welt der Sterne sah, so kam ihm das vor wie ein Brief der geistigen Wesen. Er vernahm eine Schrift der Götter, wenn die Blitze leuchteten, wenn der Donner rollte; im Sturmwind vernahm er eine Offenbarung der Götter. Die Götter hatten sich manifestiert für ihn in allem, was er äußerlich sah. So wie wir dem Briefe des Freundes gegenüber fühlen, so fühlte er die äußerliche Welt, so fühlte er, wenn er die Welt der Elemente, die Welt der Pflanzen, der Tiere, der Berge, die Welt der Wolken, die Welt der Sterne sah. Alles das wurde entziffert als eine Götterschrift.
[ 17 ] Und indem die Ägypter vertrauten auf die Gesetze, die der Mensch finden konnte in der physischen Welt, wodurch der Mensch die Materie beherrschen kann, da entstand die Geometrie, die Mathematik. Mit ihrer Hilfe konnte der Mensch die Elemente beherrschen, weil er vertraute auf das, was sein Geist finden konnte, weil er glaubte, daß man einprägen konnte den Geist der Materie. Da konnte er die Pyramiden schaffen, die Tempel und die Sphingen. Das war ein gewaltiger Schritt für die Eroberung des physischen Planes, der in dieser dritten Kulturperiode getan wurde. Und damit war der Mensch so weit gekommen, überhaupt erst richtig den physischen Plan zu respektieren; die physische Welt war ihm jetzt erst etwas geworden. Aber was für Lehrer hatte er vorher gebraucht?
[ 17 ] Und indem die Ägypter vertrauten auf die Gesetze, die der Mensch finden konnte in der physischen Welt, wodurch der Mensch die Materie beherrschen kann, da entstand die Geometrie, die Mathematik. Mit ihrer Hilfe konnte der Mensch die Elemente beherrschen, weil er vertraute auf das, was sein Geist finden konnte, weil er glaubte, daß man einprägen konnte den Geist der Materie. Da konnte er die Pyramiden schaffen, die Tempel und die Sphingen. Das war ein gewaltiger Schritt für die Eroberung des physischen Planes, der in dieser dritten Kulturperiode getan wurde. Und damit war der Mensch so weit gekommen, überhaupt erst richtig den physischen Plan zu respektieren; die physische Welt war ihm jetzt erst etwas geworden. Aber was für Lehrer hatte er vorher gebraucht?
[ 18 ] Vorher hatte der Mensch Lehrer gebraucht; auch die Eingeweihten haben Lehrer gebraucht, sagen wir in der alten indischen Zeit. Was für Lehrer haben die Eingeweihten gebraucht? Es war notwendig, daß der Eingeweihte künstlich dazu geführt wurde, in den Einweihungszuständen das wieder zu sehen, was früher der Mensch in seinem dumpfen Hellseherbewußtsein hat sehen können. Zurückgeführt werden mußte der Einzuweihende. Er mußte in die geistige Welt, in die frühere geistige Heimat wieder hinaufgeführt werden, damit er das, was er durch seine Erlebnisse erfahren konnte, den anderen vermitteln konnte. Dazu brauchte er Lehrer. So brauchten die Schüler der Rishis Lehrer, die ihnen vorwiesen, was geschah im alten Lemurien, was geschah in der alten Atlantis, als der Mensch noch hellsehen konnte. Und ebenso war es noch bei den Persern.
[ 18 ] Vorher hatte der Mensch Lehrer gebraucht; auch die Eingeweihten haben Lehrer gebraucht, sagen wir in der alten indischen Zeit. Was für Lehrer haben die Eingeweihten gebraucht? Es war notwendig, daß der Eingeweihte künstlich dazu geführt wurde, in den Einweihungszuständen das wieder zu sehen, was früher der Mensch in seinem dumpfen Hellseherbewußtsein hat sehen können. Zurückgeführt werden mußte der Einzuweihende. Er mußte in die geistige Welt, in die frühere geistige Heimat wieder hinaufgeführt werden, damit er das, was er durch seine Erlebnisse erfahren konnte, den anderen vermitteln konnte. Dazu brauchte er Lehrer. So brauchten die Schüler der Rishis Lehrer, die ihnen vorwiesen, was geschah im alten Lemurien, was geschah in der alten Atlantis, als der Mensch noch hellsehen konnte. Und ebenso war es noch bei den Persern.
[ 19 ] Anders wurde das bei den Chaldäern, anders besonders bei den Ägyptern. Oh, auch da gab es solche Lehrer, die den Schüler dahin brachten, daß er seine Kräfte so entwickelte, daß er durch hellsichtiges Schauen hineinsah in die geistige Welt, hinter die physische Welt. Das waren die Initiatoren, die zeigten das, was hinter dem Physischen liegt. Aber eine neue Lehre, eine ganz neue Methode wurde notwendig in Ägypten. Im alten Indien hatte man sich wenig gekümmert um das, wie dasjenige, was in der geistigen Welt vorgeht, eingeschrieben ist in den physischen Plan, um die Korrespondenz zwischen Göttern und Menschen; darum hatte man sich wenig gekümmert. In Ägypten aber war etwas anderes nötig: nicht nur daß der Schüler durch die Einweihung die Götter sah, sondern auch, wie ‚diese die Hände bewegten, um die Sternenschrift zu vollziehen, wie sich alle physischen Formen herausgebildet hatten. Die alten Ägypter hatten Schulen, ganz nach dem Muster der Inder, aber sie lernten noch hinzu, wie die geistigen Kräfte mit der physischen Welt korrespondieren. Jetzt hatten sie einen neuen Lehrstoff. In Indien würde man den Schüler gewiesen haben auf die geistigen Kräfte durch das Hellsehen; in Ägypten kam hinzu, daß man zeigte, was physisch korrespondiert mit den geistigen Taten. Man zeigte es an jedem Gliede des physischen Leibes, welcher geistigen Arbeit es entsprach; zum Beispiel wie das Herz einer geistigen Arbeit entspricht, das wurde gelehrt. Und der Stifter der Schule, durch welche nicht nur das Geistige gezeigt wurde, sondern auch seine Arbeit am Physischen, der Stifter dieser Schule war der große Initiator Hermes Trismegistos. So haben wir in ihm, dem dreimal großen Thoth, den ersten zu sehen, welcher den Menschen zeigte die ganze physische Welt als eine Schrift der Götter. So sehen wir Stück für Stück unsere nachatlantischen Kulturen ihre Impulse der Menschheitsevolution einverleiben. Wie ein göttlicher Gesandter erschien den Ägyptern Hermes. Er gab ihnen das, was man zu entziffern hatte als die Tat der Götter in der physischen Welt.
[ 19 ] Anders wurde das bei den Chaldäern, anders besonders bei den Ägyptern. Oh, auch da gab es solche Lehrer, die den Schüler dahin brachten, daß er seine Kräfte so entwickelte, daß er durch hellsichtiges Schauen hineinsah in die geistige Welt, hinter die physische Welt. Das waren die Initiatoren, die zeigten das, was hinter dem Physischen liegt. Aber eine neue Lehre, eine ganz neue Methode wurde notwendig in Ägypten. Im alten Indien hatte man sich wenig gekümmert um das, wie dasjenige, was in der geistigen Welt vorgeht, eingeschrieben ist in den physischen Plan, um die Korrespondenz zwischen Göttern und Menschen; darum hatte man sich wenig gekümmert. In Ägypten aber war etwas anderes nötig: nicht nur daß der Schüler durch die Einweihung die Götter sah, sondern auch, wie ‚diese die Hände bewegten, um die Sternenschrift zu vollziehen, wie sich alle physischen Formen herausgebildet hatten. Die alten Ägypter hatten Schulen, ganz nach dem Muster der Inder, aber sie lernten noch hinzu, wie die geistigen Kräfte mit der physischen Welt korrespondieren. Jetzt hatten sie einen neuen Lehrstoff. In Indien würde man den Schüler gewiesen haben auf die geistigen Kräfte durch das Hellsehen; in Ägypten kam hinzu, daß man zeigte, was physisch korrespondiert mit den geistigen Taten. Man zeigte es an jedem Gliede des physischen Leibes, welcher geistigen Arbeit es entsprach; zum Beispiel wie das Herz einer geistigen Arbeit entspricht, das wurde gelehrt. Und der Stifter der Schule, durch welche nicht nur das Geistige gezeigt wurde, sondern auch seine Arbeit am Physischen, der Stifter dieser Schule war der große Initiator Hermes Trismegistos. So haben wir in ihm, dem dreimal großen Thoth, den ersten zu sehen, welcher den Menschen zeigte die ganze physische Welt als eine Schrift der Götter. So sehen wir Stück für Stück unsere nachatlantischen Kulturen ihre Impulse der Menschheitsevolution einverleiben. Wie ein göttlicher Gesandter erschien den Ägyptern Hermes. Er gab ihnen das, was man zu entziffern hatte als die Tat der Götter in der physischen Welt.
[ 20 ] Damit haben wir ein wenig charakterisiert die drei Kulturepochen der nachatlantischen Zeit. Die Menschen hatten den physischen Plan schätzen gelernt.
[ 20 ] Damit haben wir ein wenig charakterisiert die drei Kulturepochen der nachatlantischen Zeit. Die Menschen hatten den physischen Plan schätzen gelernt.
[ 21 ] Die vierte Kulturperiode, die griechisch-lateinische, ist die Epoche, in welcher der Mensch noch mehr mit dem physischen Plan in Berührung kommt. In dieser Zeit kommt der Mensch so weit, nicht nur die Schrift der Götter in der physischen Welt zu sehen, sondern auch sein Selbst, seine geistige Individualität in die objektive Welt zu setzen. Solche Schöpfungen der Kunst wie in Griechenland gab es vorher nicht. Daß der Mensch sich selbst hinaussetzte aus sich in der Skulptur, in den Bildwerken, daß er darin etwas wie sein physisches Selbst geschaffen hat, das war in der vierten Kulturperiode erreicht.
[ 21 ] Die vierte Kulturperiode, die griechisch-lateinische, ist die Epoche, in welcher der Mensch noch mehr mit dem physischen Plan in Berührung kommt. In dieser Zeit kommt der Mensch so weit, nicht nur die Schrift der Götter in der physischen Welt zu sehen, sondern auch sein Selbst, seine geistige Individualität in die objektive Welt zu setzen. Solche Schöpfungen der Kunst wie in Griechenland gab es vorher nicht. Daß der Mensch sich selbst hinaussetzte aus sich in der Skulptur, in den Bildwerken, daß er darin etwas wie sein physisches Selbst geschaffen hat, das war in der vierten Kulturperiode erreicht.
[ 22 ] In dieser Zeit sehen wir das Innere, das Geistige des Menschen, hinaussteigen aus dem Menschen auf den physischen Plan und einfließen in die Materie. Am reinsten sehen wir dieses Eingehen einer Ehe zwischen dem Geistigen und der Materie in dem griechischen Tempel. Dieser Tempel ist für jeden, der ihn rückblickend schauen kann, ein wunderbares Werk. Die griechische Architektonik ist Urarchitektonik. Jede Kunst hat ihren Höhepunkt irgendwo. Hier hatte die Architektur ihren Höhepunkt. Die Plastik, die Malerei, auch sie haben irgendwo einmal ihren Höhepunkt erreicht. Trotz der gigantischen Pyramide ist in dem griechischen Tempel das Wunderbarste an Architektur geschaffen worden. Denn was ist in ihm erreicht?
[ 22 ] In dieser Zeit sehen wir das Innere, das Geistige des Menschen, hinaussteigen aus dem Menschen auf den physischen Plan und einfließen in die Materie. Am reinsten sehen wir dieses Eingehen einer Ehe zwischen dem Geistigen und der Materie in dem griechischen Tempel. Dieser Tempel ist für jeden, der ihn rückblickend schauen kann, ein wunderbares Werk. Die griechische Architektonik ist Urarchitektonik. Jede Kunst hat ihren Höhepunkt irgendwo. Hier hatte die Architektur ihren Höhepunkt. Die Plastik, die Malerei, auch sie haben irgendwo einmal ihren Höhepunkt erreicht. Trotz der gigantischen Pyramide ist in dem griechischen Tempel das Wunderbarste an Architektur geschaffen worden. Denn was ist in ihm erreicht?
[ 23 ] Einen schwachen Nachklang mag der empfinden, der ein künstlerisches Raumgefühl hat, das heißt, der empfindet, wie eine Linie, die horizontal ist, sich verhält zu einer Linie, die vertikal geht. Und eine ganze Summe von kosmischen Wahrheiten lebt in der Seele auf, die bloß fühlen kann, wie die Säule trägt dasjenige, was über der Säule liegt. Man muß es fühlen können, daß alle diese Linien schon vorher unsichtbar im Raum sich befinden. Der griechische Künstler sah gleichsam hellseherisch die Säule und fügte nur Materie hinein in das, was er sah. Er sah den Raum als lauter Lebendes, er sah ihn von lebendigen Kräften durchzogen. Wie könnte der heutige Mensch einigermaßen nur nachfühlen, welche Lebendigkeit dieses Raumgefühl hatte?
[ 23 ] Einen schwachen Nachklang mag der empfinden, der ein künstlerisches Raumgefühl hat, das heißt, der empfindet, wie eine Linie, die horizontal ist, sich verhält zu einer Linie, die vertikal geht. Und eine ganze Summe von kosmischen Wahrheiten lebt in der Seele auf, die bloß fühlen kann, wie die Säule trägt dasjenige, was über der Säule liegt. Man muß es fühlen können, daß alle diese Linien schon vorher unsichtbar im Raum sich befinden. Der griechische Künstler sah gleichsam hellseherisch die Säule und fügte nur Materie hinein in das, was er sah. Er sah den Raum als lauter Lebendes, er sah ihn von lebendigen Kräften durchzogen. Wie könnte der heutige Mensch einigermaßen nur nachfühlen, welche Lebendigkeit dieses Raumgefühl hatte?
[ 24 ] Einen schwachen Nachklang können wir bei den alten Malern sehen. Man kann noch Darstellungen sehen, wo man zum Beispiel Engel im Raume schwebend sieht, und wir haben das Gefühl, die Engel halten sich gegenseitig. Wenig ist heute von diesem Gefühl des Raumes noch vorhanden. Ich will nichts einwenden gegen die Farbenkunst des Böcklin, aber jedes okkulte Raumgefühl geht ihm ab. Solch ein Wesen, wie es sich über seiner Pietà befindet —- man weiß nicht, ob es ein Engel sein soll oder sonst ein Wesen -, das muß unbedingt im Beschauer das Gefühl erwecken, daß es jeden Augenblick herunterfallen muß auf die Gruppe unter ihm. Das muß betont werden, wenn man hinweisen will auf etwas, wovon heute kaum eine Vorstellung hervorgerufen werden kann: auf das Raumgefühl der Griechen, von dem ausdrücklich betont werden muß, daß es okkulter Natur ist. Ein griechischer Tempel war etwas, als ob der Raum aus seinen Linien sich selber geboren hätte. Die Folge davon war, daB göttliche Wesenheiten, die der Grieche als Hellseher kannte, für die der 'Tempel errichtet war, wirklich in den Tempel sich hinunterneigten, wirklich sich darin wohl fühlten. Und es ist wahr: Pallas Athene, Zeus und so weiter waren wirklich in den Tempeln darinnen; sie hatten ihre Körper, ihre materiellen Körper in diesen Tempeln. Denn, da solche Wesenheiten sich nur bis in einen Ätherleib inkarnieren konnten, fanden sie in diesen Tempeln eine wirkliche Wohnstätte in der physischen Welt. Ihr physischer Leib konnte ein solcher Tempel werden, in dem sich ihr Ätherleib wohlbefand.
[ 24 ] Einen schwachen Nachklang können wir bei den alten Malern sehen. Man kann noch Darstellungen sehen, wo man zum Beispiel Engel im Raume schwebend sieht, und wir haben das Gefühl, die Engel halten sich gegenseitig. Wenig ist heute von diesem Gefühl des Raumes noch vorhanden. Ich will nichts einwenden gegen die Farbenkunst des Böcklin, aber jedes okkulte Raumgefühl geht ihm ab. Solch ein Wesen, wie es sich über seiner Pietà befindet —- man weiß nicht, ob es ein Engel sein soll oder sonst ein Wesen -, das muß unbedingt im Beschauer das Gefühl erwecken, daß es jeden Augenblick herunterfallen muß auf die Gruppe unter ihm. Das muß betont werden, wenn man hinweisen will auf etwas, wovon heute kaum eine Vorstellung hervorgerufen werden kann: auf das Raumgefühl der Griechen, von dem ausdrücklich betont werden muß, daß es okkulter Natur ist. Ein griechischer Tempel war etwas, als ob der Raum aus seinen Linien sich selber geboren hätte. Die Folge davon war, daB göttliche Wesenheiten, die der Grieche als Hellseher kannte, für die der 'Tempel errichtet war, wirklich in den Tempel sich hinunterneigten, wirklich sich darin wohl fühlten. Und es ist wahr: Pallas Athene, Zeus und so weiter waren wirklich in den Tempeln darinnen; sie hatten ihre Körper, ihre materiellen Körper in diesen Tempeln. Denn, da solche Wesenheiten sich nur bis in einen Ätherleib inkarnieren konnten, fanden sie in diesen Tempeln eine wirkliche Wohnstätte in der physischen Welt. Ihr physischer Leib konnte ein solcher Tempel werden, in dem sich ihr Ätherleib wohlbefand.
[ 25 ] Wer den griechischen Tempel versteht, der weiß, daß er sich ganz bedeutsam unterscheidet von einem gotischen Dom. Darin soll keine Kritik gegen die gotische Baukunst liegen, denn der gotische Dom ist auch ein erhabenes Kunstwerk. Von einem griechischen Tempel aber kann derjenige, der in die Dinge hineinschaut, sich wohl vorstellen, daß, auch wenn er in seiner Einsamkeit dasteht, wenn weit und breit kein Mensch da ist, wenn er ganz allein ist, nur der Tempel da ist, er als ein Ganzes dasteht. Ein griechischer 'Tempel ist doch vollständig, auch wenn kein Mensch darinnen betet. Er ist nicht seelenlos, er ist nicht leer, denn der Gott ist in ihm, er wird bewohnt von dem Gott.
[ 25 ] Wer den griechischen Tempel versteht, der weiß, daß er sich ganz bedeutsam unterscheidet von einem gotischen Dom. Darin soll keine Kritik gegen die gotische Baukunst liegen, denn der gotische Dom ist auch ein erhabenes Kunstwerk. Von einem griechischen Tempel aber kann derjenige, der in die Dinge hineinschaut, sich wohl vorstellen, daß, auch wenn er in seiner Einsamkeit dasteht, wenn weit und breit kein Mensch da ist, wenn er ganz allein ist, nur der Tempel da ist, er als ein Ganzes dasteht. Ein griechischer 'Tempel ist doch vollständig, auch wenn kein Mensch darinnen betet. Er ist nicht seelenlos, er ist nicht leer, denn der Gott ist in ihm, er wird bewohnt von dem Gott.
[ 26 ] Aber ein gotischer Dom ist nur halb, ist nicht vollständig, wenn keine Gläubigen, keine Beter darinnen sind. Den gotischen Dom kann sich derjenige, der das versteht, nicht so denken, daß er einsam, allein, ohne die gläubige Menge dastehe, die mit ihren Gedanken sich hineinbewegt in ihn. Und all die gotischen Formen und Zierate gehören zu dem, was von ihm ausgeht. Kein Gott, kein geistiges Wesen ist beim gotischen Dom, wenn nicht die Gebete der Gläubigen darinnen sind. Erst wenn die betende Gemeinde versammelt ist, dann ist er erfüllt von dem Göttlichen. Das drückt sich selbst in dem Worte «Dom» aus, denn es ist verwandt mit dem «tum» in Deutschtum, Volkstum und so weiter, das immer etwas Sammelndes hat, und das Wort «Duma» ist sogar damit verwandt. Der griechische Tempel ist kein Haus der Gläubigen. Er ist geformt als ein Haus, das der Gott selbst bewohnt; er kann allein stehen. Im gotischen Dom aber fühlte man sich nur heimisch, wenn die gläubige Menge ihn füllte, wenn die andächtige Gemeinde versammelt war, wenn durch die farbigen Fensterscheiben das Licht der Sonne schien und die Farben sich spalteten an den feinen Stäubchen, und dann, wie es oft und oft geschah, der Prediger auf der Kanzel im Dom sagte: Ebenso wie sich das Licht spaltet in die vielen Farben, so teilt sich auch das eine geistige Licht, die göttliche Kraft, unter die Menge der Seelen und in die vielen Kräfte des physischen Plans. — Oft sagte der Prediger so etwas. Wenn Anschauung und geistiges Erleben so zusammenflossen, dann war der Dom etwas Vollständiges.
[ 26 ] Aber ein gotischer Dom ist nur halb, ist nicht vollständig, wenn keine Gläubigen, keine Beter darinnen sind. Den gotischen Dom kann sich derjenige, der das versteht, nicht so denken, daß er einsam, allein, ohne die gläubige Menge dastehe, die mit ihren Gedanken sich hineinbewegt in ihn. Und all die gotischen Formen und Zierate gehören zu dem, was von ihm ausgeht. Kein Gott, kein geistiges Wesen ist beim gotischen Dom, wenn nicht die Gebete der Gläubigen darinnen sind. Erst wenn die betende Gemeinde versammelt ist, dann ist er erfüllt von dem Göttlichen. Das drückt sich selbst in dem Worte «Dom» aus, denn es ist verwandt mit dem «tum» in Deutschtum, Volkstum und so weiter, das immer etwas Sammelndes hat, und das Wort «Duma» ist sogar damit verwandt. Der griechische Tempel ist kein Haus der Gläubigen. Er ist geformt als ein Haus, das der Gott selbst bewohnt; er kann allein stehen. Im gotischen Dom aber fühlte man sich nur heimisch, wenn die gläubige Menge ihn füllte, wenn die andächtige Gemeinde versammelt war, wenn durch die farbigen Fensterscheiben das Licht der Sonne schien und die Farben sich spalteten an den feinen Stäubchen, und dann, wie es oft und oft geschah, der Prediger auf der Kanzel im Dom sagte: Ebenso wie sich das Licht spaltet in die vielen Farben, so teilt sich auch das eine geistige Licht, die göttliche Kraft, unter die Menge der Seelen und in die vielen Kräfte des physischen Plans. — Oft sagte der Prediger so etwas. Wenn Anschauung und geistiges Erleben so zusammenflossen, dann war der Dom etwas Vollständiges.
[ 27 ] So wie es mit den großen Tempelbauten war, so war es in allem Künstlerischen bei den Griechen. Der Marmor ihrer Skulpturen nahm den Schein des Lebendigen an, der Grieche drückte das im Physischen aus, was in seinem Geistigen lebte; eine Ehe des Geistigen mit dem Physischen war bei den Griechen vorhanden.
[ 27 ] So wie es mit den großen Tempelbauten war, so war es in allem Künstlerischen bei den Griechen. Der Marmor ihrer Skulpturen nahm den Schein des Lebendigen an, der Grieche drückte das im Physischen aus, was in seinem Geistigen lebte; eine Ehe des Geistigen mit dem Physischen war bei den Griechen vorhanden.
[ 28 ] Der Römer aber war noch einen Schritt weiter gegangen in der Besiegung des physischen Planes. Der Grieche hatte die Fähigkeit, das Seelisch-Geistige in seine Kunstwerke hineinzuschaffen, er fühlte sich aber noch als Glied eines Ganzen, der Polis, des Stadtstaates; er fühlte sich noch nicht als Persönlichkeit. So war es auch bei den früheren Kulturen: Der Ägypter fühlte sich nicht als einzelner Mensch, er fühlte sich als Ägypter, als Glied eines Volkes. So finden wir auch in Griechenland, wie der Mensch nicht Wert darauf legte, sich als Mensch zu fühlen, sondern wie es sein höchster Stolz war, ein Spartaner, ein Athener zu sein. Eine Persönlichkeit zu sein, selbst etwas zu sein in der Welt, das wurde zum ersten Male durch das Römertum empfunden.
[ 28 ] Der Römer aber war noch einen Schritt weiter gegangen in der Besiegung des physischen Planes. Der Grieche hatte die Fähigkeit, das Seelisch-Geistige in seine Kunstwerke hineinzuschaffen, er fühlte sich aber noch als Glied eines Ganzen, der Polis, des Stadtstaates; er fühlte sich noch nicht als Persönlichkeit. So war es auch bei den früheren Kulturen: Der Ägypter fühlte sich nicht als einzelner Mensch, er fühlte sich als Ägypter, als Glied eines Volkes. So finden wir auch in Griechenland, wie der Mensch nicht Wert darauf legte, sich als Mensch zu fühlen, sondern wie es sein höchster Stolz war, ein Spartaner, ein Athener zu sein. Eine Persönlichkeit zu sein, selbst etwas zu sein in der Welt, das wurde zum ersten Male durch das Römertum empfunden.
[ 29 ] Daß eine Persönlichkeit etwas für sich ist, das wurde erst für den Römer wahr. Der Römer erfand den Begriff «Bürger», daher entstand bei ihm dafür die Grundlage, die Jurisprudenz, das Recht, das man mit Recht eine römische Erfindung genannt hat. Nur heutige Juristen, die keine Ahnung von diesen Tatsachen haben, haben die Geschmacklosigkeit gehabt, davon zu sprechen, daß es schon vorher ein Recht in diesem Sinne gegeben habe. Die Leute reden Unsinn, die von orientalischen Rechtsschöpfern sprechen, wie zum Beispiel von Hammurabi. Es gab vorher keine Rechtsgebote, es gab nur göttliche Gebote. Man müßte harte Worte sprechen, wenn man objektiv sprechen wollte über diese Wissenschaft; man müßte, wollte man gerecht sein, furchtbar harte Worte sprechen, und jede Kritik ist nur eine mitleidige Kritik. Der Begriff des Bürgers wurde im alten Rom erst wirklich gefühlt. Da hatte der Mensch bis zu seiner eigenen Individualität das Geistige in die physische Welt gebracht. Im alten Rom wurde zuerst das Testament erfunden; da wurde der Wille der einzelnen Persönlichkeit so stark, daß sie sogar über den Tod hinaus bestimmen konnte, was mit ihrem Besitz, ihrem Eigentum geschehen sollte. Jetzt sollte der einzelne, persönliche Mensch maßgebend sein. Damit hatte der Mensch in seiner eigenen Individualität das Geistige bis auf den physischen Plan heruntergebracht. Das war der tiefste Punkt der Entwickelung.
[ 29 ] Daß eine Persönlichkeit etwas für sich ist, das wurde erst für den Römer wahr. Der Römer erfand den Begriff «Bürger», daher entstand bei ihm dafür die Grundlage, die Jurisprudenz, das Recht, das man mit Recht eine römische Erfindung genannt hat. Nur heutige Juristen, die keine Ahnung von diesen Tatsachen haben, haben die Geschmacklosigkeit gehabt, davon zu sprechen, daß es schon vorher ein Recht in diesem Sinne gegeben habe. Die Leute reden Unsinn, die von orientalischen Rechtsschöpfern sprechen, wie zum Beispiel von Hammurabi. Es gab vorher keine Rechtsgebote, es gab nur göttliche Gebote. Man müßte harte Worte sprechen, wenn man objektiv sprechen wollte über diese Wissenschaft; man müßte, wollte man gerecht sein, furchtbar harte Worte sprechen, und jede Kritik ist nur eine mitleidige Kritik. Der Begriff des Bürgers wurde im alten Rom erst wirklich gefühlt. Da hatte der Mensch bis zu seiner eigenen Individualität das Geistige in die physische Welt gebracht. Im alten Rom wurde zuerst das Testament erfunden; da wurde der Wille der einzelnen Persönlichkeit so stark, daß sie sogar über den Tod hinaus bestimmen konnte, was mit ihrem Besitz, ihrem Eigentum geschehen sollte. Jetzt sollte der einzelne, persönliche Mensch maßgebend sein. Damit hatte der Mensch in seiner eigenen Individualität das Geistige bis auf den physischen Plan heruntergebracht. Das war der tiefste Punkt der Entwickelung.
[ 30 ] Am höchsten stand der Mensch in der indischen Kultur. Der Inder schwebte noch in spiritueller Höhe, auf dem höchsten Punkt. In der zweiten Kultur, der urpersischen, stieg der Mensch schon hinunter. In der dritten Kultur, der ägyptischen, noch mehr. In der vierten Kultur stieg der Mensch ganz hinunter auf den physischen Plan, in die Materie. Da gab es einen Punkt, wo der Mensch am Scheidewege stand; entweder konnte er tiefer und tiefer steigen, oder er mußte auf dem tiefsten Punkt die Möglichkeit gewinnen, sich wieder heraufzuarbeiten, wieder zurückzukehren in die geistige Welt. Dazu mußte aber ein geistiger Impuls auf den physischen Plan selbst kommen, ein mächtiger Ruck, der den Menschen zurückführen konnte in die geistige Welt. Dieser mächtige Ruck aber wurde gegeben durch die Erscheinung des Christus Jesus auf Erden. Der göttlich-geistige Christus mußte zu den Menschen in einem physischen Menschenleibe kommen, mußte die physische Erscheinung in der physischen Welt durchmachen. Jetzt, wo der Mensch ganz in der physischen Welt war, mußte der Gott zu ihm heruntersteigen, damit er den Weg zurückfinde in die geistige Welt. Das wäre vorher nicht möglich gewesen. Wir haben heute die Entwickelung der Kulturen der nachatlantischen Zeit bis zu ihrem tiefsten Punkte verfolgt; wir haben angedeutet gesehen, wie der geistige Impuls durch den Christus im tiefsten Punkte geschah. Jetzt soll der Mensch wieder heraufsteigen, durchgeistigt und durchsetzt von dem Christus-Prinzip. Wir werden so sehen, wie zum Beispiel die ägyptische Kultur in unserem Zeitraum wieder auftaucht, aber durchsetzt von dem Christus-Prinzip.
[ 30 ] Am höchsten stand der Mensch in der indischen Kultur. Der Inder schwebte noch in spiritueller Höhe, auf dem höchsten Punkt. In der zweiten Kultur, der urpersischen, stieg der Mensch schon hinunter. In der dritten Kultur, der ägyptischen, noch mehr. In der vierten Kultur stieg der Mensch ganz hinunter auf den physischen Plan, in die Materie. Da gab es einen Punkt, wo der Mensch am Scheidewege stand; entweder konnte er tiefer und tiefer steigen, oder er mußte auf dem tiefsten Punkt die Möglichkeit gewinnen, sich wieder heraufzuarbeiten, wieder zurückzukehren in die geistige Welt. Dazu mußte aber ein geistiger Impuls auf den physischen Plan selbst kommen, ein mächtiger Ruck, der den Menschen zurückführen konnte in die geistige Welt. Dieser mächtige Ruck aber wurde gegeben durch die Erscheinung des Christus Jesus auf Erden. Der göttlich-geistige Christus mußte zu den Menschen in einem physischen Menschenleibe kommen, mußte die physische Erscheinung in der physischen Welt durchmachen. Jetzt, wo der Mensch ganz in der physischen Welt war, mußte der Gott zu ihm heruntersteigen, damit er den Weg zurückfinde in die geistige Welt. Das wäre vorher nicht möglich gewesen. Wir haben heute die Entwickelung der Kulturen der nachatlantischen Zeit bis zu ihrem tiefsten Punkte verfolgt; wir haben angedeutet gesehen, wie der geistige Impuls durch den Christus im tiefsten Punkte geschah. Jetzt soll der Mensch wieder heraufsteigen, durchgeistigt und durchsetzt von dem Christus-Prinzip. Wir werden so sehen, wie zum Beispiel die ägyptische Kultur in unserem Zeitraum wieder auftaucht, aber durchsetzt von dem Christus-Prinzip.
