Egyptian Myths and Mysteries
in Relation to the Active Spiritual Forces of the Present
GA 106
14 September 1908, Leipzig
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Egyptian Myths and Mysteries, tr. SOL
Zwölfter Vortrag
Twelfth Lecture
[ 1 ] Um unsere Aufgabe zu vollenden, soweit sie beabsichtigt war, haben wir jetzt ein wenig in demselben Sinne den Charakter unserer Zeit zu studieren, wie wir den Charakter der verflossenen vier nachatlantischen Zeiträume studiert haben bis zum Erscheinen des Christentums. Wir haben gesehen, wie sich nach der atlantischen Katastrophe entwickelt hat der alte urindische Zeitraum, der urpersische Zeitraum, der ägyptisch-chaldäische Zeitraum. Und wir haben bei der Charakteristik des vierten Zeitraumes, des griechisch-lateinischen, gesehen, daß in einer gewissen Beziehung da der Mensch in den physischen Plan hineinarbeitete und daß da das Hineinarbeiten des Menschen in die physische Welt einen Tiefpunkt erreicht hatte.
[ 1 ] In order to complete our task as far as it was intended, we must now study the character of our time in the same way as we studied the character of the four post-Atlantean periods that preceded the advent of Christianity. We have seen how, after the Atlantic catastrophe, the ancient Indian period, the Persian period, and the Egyptian-Chaldean period developed. And in characterizing the fourth epoch, the Greek-Latin epoch, we have seen that in a certain sense the human being worked his way into the physical plane and that the human being's working into the physical world had reached a low point.
[ 2 ] Der Grund, warum diese Zeit, die wir auf der einen Seite einen Tiefstand der Menschheitsentwickelung nennen, auf der anderen Seite so anziehend, so sympathisch ist für den heutigen Betrachter, ist der, daß dieser Tiefstand der Ausgangspunkt für viele bedeutsame Ereignisse der heutigen Kulturepoche wurde. Wir haben gesehen, wie in dieser Zeit der griechisch-lateinischen Kultur eine Ehe zwischen Geist und Materie eingegangen worden war in der griechischen Kunst. Wir haben gesehen, daß der griechische Tempel ein Bauwerk war, in dem der Gott wohnen konnte, und der Mensch konnte sich sagen: Ich habe die Materie soweit gebracht, daß die Materie für mich ein Abdruck des Geistes ist, daß ich in jedem Teile etwas von diesem Geiste spüren kann. So ist es mit allen griechischen Kunstwerken. So ist es mit allem, was wir vom Leben der Griechen zu erzählen haben. Und diese Welt der Kunstschöpfungen, in die der Geist eingepflanzt war, machte die Materie so ungeheuer anziehend, daß bei uns in Mitteleuropa der große Goethe die Vereinigung seiner selbst mit dieser Kulturepoche in der Helena-Tragödie im «Faust» darzustellen suchte.
[ 2 ] The reason why this period, which we call a low point in human development, is so attractive and appealing to today's observers is that this low point became the starting point for many significant events in our present cultural epoch. We have seen how, during this period of Greek-Latin culture, a marriage between spirit and matter was entered into in Greek art. We have seen that the Greek temple was a building in which God could dwell, and man could say to himself: I have brought matter to such a point that matter is for me an imprint of the spirit, that I can feel something of this spirit in every part of it. This is true of all Greek works of art. This is true of everything we have to say about the life of the Greeks. And this world of artistic creations, into which the spirit was implanted, made matter so immensely attractive that here in Central Europe, the great Goethe sought to portray his own union with this cultural epoch in the Helena tragedy in Faust.
[ 3 ] Wenn nun die Kultur in der Folgezeit den Fortgang in derselben Richtung genommen haben würde, was würde die Folge gewesen sein? Wir können das durch eine einfache Skizze verdeutlichen. Im griechisch-lateinischen Kulturzeitraum ist der Mensch am tiefsten heruntergestiegen, aber so, daß er in keinem Stück Materie den Geist verloren hatte. Es war in allen Schöpfungen dieser Zeit der Geist in der Materie verkörpert. Betrachten wir eine griechische Göttergestalt, so erblicken wir überall, wie der griechische Schöpfergenius dem äußeren Stoffe eingeprägt hat das Geistige. Der Grieche hatte zwar die Materie sich erobert, aber den Geist nicht dabei verloren. Der normale Fortgang der Kultur wäre nun in der Folge gewesen, daß man unter das Niveau heruntergestiegen wäre, unter die Materie heruntergetaucht wäre, so daß der Geist geworden wäre zum Sklaven der Materie.
[ 3 ] If culture had continued in the same direction in the following period, what would have been the result? We can illustrate this with a simple sketch. In the Greek-Latin cultural period, man descended to his lowest level, but in such a way that he did not lose his spirit in any piece of matter. In all the creations of this period, the spirit was embodied in matter. If we look at a Greek deity, we see everywhere how the Greek creative genius imprinted the spiritual on the outer substance. The Greeks had conquered matter, but they did not lose the spirit in the process. The normal course of culture would then have been to descend below that level, to plunge beneath matter, so that the spirit would have become the slave of matter.
[ 4 ] Wir brauchen nur einen unbefangenen Blick auf die Umgebung, die um uns ist, zu richten, und wir werden erkennen, daß auf der einen Seite in der Tat das geschehen ist. Der Ausdruck dieses Niederstieges ist der Materialismus. Es ist wahr, daß sich in keinem Zeitraum der Mensch die Materie mehr erobert hat als in unserer Zeit, aber nur zur Befriedigung leiblicher Bedürfnisse. Wir brauchen bloß zu betrachten, mit welch primitiven Mitteln die gigantischen Pyramiden aufgebaut worden sind und brauchen das nur zu vergleichen mit dem Schwung und dem Hochflug, den der ägyptische Geist in die Geheimnisse des Weltendaseins nehmen konnte. Wir brauchen bloß daran zu denken, in welch tiefstem Sinne für die Ägypter ihre Götterbilder Abdrücke, Abbilder waren von demjenigen, was im Kosmos und auf Erden in der Vergangenheit vorgegangen war. Derjenige, der in Ägypten damals hineinschauen konnte in die geistige Welt, der lebte in dem, was unsichtbar geworden ist in der atlantischen Zeit, was aber Tatsache der Erdenentwickelung war in der lemurischen Zeit. Und derjenige, der nicht Eingeweihter wurde, der zum Volke gehörte, der konnte mit seiner ganzen Empfindung, mit seiner ganzen Seele Anteil nehmen an diesen geistigen Welten. Doch primitiv waren die Mittel, mit denen man äußerlich auf dem physischen Plan arbeiten mußte. Vergleichen wir das mit unserer Zeit. Wir brauchen nur die heutigen zahlreichen Lobreden zu lesen von unseren Zeitgenossen, die über die großen Fortschritte unserer Zeit handeln. Es braucht ja von seiten der Geisteswissenschaft gar nichts dagegen eingewendet zu werden. Immer mehr erreicht der Mensch durch die Eroberung der Elemente. Aber betrachten wir die Sache von einer anderen Seite.
[ 4 ] We need only cast an unbiased glance at our surroundings to recognize that this has indeed happened on the one hand. The expression of this descent is materialism. It is true that at no time in history has man conquered matter more than in our time, but only to satisfy physical needs. We need only consider the primitive means by which the gigantic pyramids were built and compare this with the momentum and flight of fancy that the Egyptian spirit was able to bring to bear on the mysteries of the world's existence. We need only think of the profound meaning that the Egyptian gods had for the Egyptians as impressions, images of what had happened in the cosmos and on earth in the past. Those who were able to look into the spiritual world in Egypt at that time lived in what had become invisible in the Atlantean era, but which was a fact of Earth's development in the Lemurian era. And those who were not initiated, who belonged to the people, were able to participate in these spiritual worlds with their whole feeling, with their whole soul. But the means with which one had to work outwardly on the physical plane were primitive. Let us compare this with our own time. We need only read the numerous eulogies of our contemporaries about the great progress of our age. There is nothing to be objected to on the part of spiritual science. Man is achieving more and more through the conquest of the elements. But let us look at the matter from another angle.
[ 5 ] Sehen wir hin auf weit zurückliegende Zeiten, wo die Menschen mit einfachen Reibsteinen das Korn der Erde zerrieben und daneben in ungeheure Höhen des geistigen Lebens hinaufschauen konnten. Von den Höhen, in die da geschaut wurde, davon hat die Menschheit heute in ihrer Mehrzahl gar keine Ahnung. Gar keine Ahnung hat sie von dem, was ein chaldäischer Eingeweihter erlebte, wenn er in seiner Art die Sterne, Tiere, Pflanzen, Mineralien im Zusammenhang mit dem Menschen sah, wenn er die Heilkräfte erkannte. Die ägyptischen Priesterweisen waren Menschen, denen die heutigen Ärzte nicht das Wasser reichen können. In diese Höhen des geistigen Lebens können sich die heutigen Menschen nicht hineinleben. Erst die Geisteswissenschaft wird in der Lage sein, einen Begriff zu bilden von demjenigen, was die alten chaldäisch-ägyptischen Eingeweihten sahen. Dasjenige, was zum Beispiel heute als Auslegung der Inschriften gegeben wird, in denen tiefe Mysterien lagen, das ist nur eine Karikatur gegenüber der alten Bedeutung. So finden wir in alten Zeiten wenig Macht der Menschen über die Mittel zur Arbeit auf dem physischen Plan, dagegen gewaltige Kräfte in bezug auf die geistige Welt.
[ 5 ] Let us look back to times long past, when people ground the grain of the earth with simple grinding stones and yet were able to look up to tremendous heights of spiritual life. The majority of humanity today has no idea of the heights that were then attained. It has no idea of what a Chaldean initiate experienced when he saw the stars, animals, plants, and minerals in relation to human beings, when he recognized their healing powers. The Egyptian priest-wise men were people whom today's doctors cannot hold a candle to. People today cannot imagine these heights of spiritual life. Only spiritual science will be able to form a concept of what the ancient Chaldean-Egyptian initiates saw. What is given today, for example, as an interpretation of inscriptions that contained profound mysteries is only a caricature of the ancient meaning. Thus, in ancient times, we find little power of human beings over the means of work on the physical plane, but enormous powers in relation to the spiritual world.
[ 6 ] Und immer tiefer steigt der Mensch in die Materie, immer mehr verwendet er die Geisteskräfte, um den physischen Plan zu erobern. Ist es nicht etwa so, daß man sagen könnte, der menschliche Geist wird ein Sklave des physischen Plans? Und in gewisser Weise steigt er noch unter den physischen Plan herunter. Wenn der heutige Mensch ungeheure Geisteskräfte verwendet hat, um das Dampfschiff, die Eisenbahn, das Telephon zu bilden, wozu braucht er dieser Welche Unsumme von Geist ist dadurch abgezogen worden von dem Leben für die höheren Welten! Der Geisteswissenschafter ist aber vollständig damit einverstanden, er will nicht Kritik an unserer Zeit üben, weil er weiß, daß es nötig war, den physischen Plan zu erobern, aber dabei bleibt es doch wahr, daß der Geist in die physische Welt heruntergetaucht ist. Bedeutet es für den Geist irgend etwas Besonderes, Bedeutenderes, irgend etwas mehr, wenn man anstatt daß man selbst Körner mit Reibsteinen zerreibt, wenn man heute mit dem Telephon nach Hamburg spricht, um dort zu bestellen, was man braucht, damit es per Dampfschiff von Amerika gesendet werden kann? Welch ungeheure Geisteskraft ist darauf verwendet worden, wenn heute eine Dampfschiffverbindung mit Amerika und mit vielen anderen fernen Ländern besteht! Wir fragen uns, wenn wir so eine Verbindung zwischen allen Erdteilen hergestellt haben, ist es nicht nur zur Befriedigung des materiellen Lebens, unserer körperlichen Bedürfnisse, für die eine Unsumme von Geist verwendet worden ist? Und da alles verteilt ist in der Welt, so ist dem Menschen nicht viel Geisteskraft übriggeblieben außer der, welche er verwendet hat für die materielle Welt, um hinaufzusteigen in die geistige Welt. Der Geist ist der Sklave der Materie geworden. Hat der Grieche in seinen Kunstwerken den Geist verkörpert gesehen, heute ist der Geist tief heruntergestiegen, und wir haben ein Zeugnis dafür in den vielen technischen und maschinellen Einrichtungen unserer Industrie, welche nur den materiellen Bedürfnissen dienen. Und nun fragen wir uns, ist es wirklich geschehen, daß der Mensch zu tief hinuntergestiegen ist?
[ 6 ] And the deeper human beings descend into matter, the more they use their spiritual powers to conquer the physical plane. Is it not perhaps the case that one could say that the human spirit is becoming a slave to the physical plane? And in a certain sense, it is descending even below the physical plane. If modern man has used enormous spiritual powers to create the steamship, the railroad, and the telephone, what does he need these things for? What an enormous amount of spirit has been drawn away from life for the higher worlds! The spiritual scientist, however, agrees completely with this; he does not want to criticize our time, because he knows that it was necessary to conquer the physical plane, but it remains true that the spirit has descended into the physical world. Does it mean anything special, anything more significant, to the spirit if, instead of grinding grain with a mortar and pestle, we use the telephone to call Hamburg and order what we need so that it can be sent by steamship from America? What tremendous mental power has been expended to establish a steamship connection with America and many other distant countries today! We ask ourselves, if we have established such a connection between all parts of the world, is it not only for the satisfaction of material life, of our physical needs, for which an enormous amount of spirit has been used? And since everything is distributed throughout the world, there is not much mental power left to man except that which he has used for the material world in order to ascend to the spiritual world. The spirit has become the slave of matter. Did the Greeks see the spirit embodied in their works of art? Today, the spirit has descended deeply, and we have proof of this in the many technical and mechanical devices of our industry, which serve only material needs. And now we ask ourselves, has man really descended so deeply?
[ 7 ] Es wäre geschehen, und es wäre so gekommen, daß der Mensch in der Zukunft die größten, gewaltigsten Eroberungen gemacht hätte auf dem physischen Plan, wenn nicht das eingetreten wäre, wovon wir in der vorigen Betrachtung gesprochen haben. Auf dem Tiefpunkt der Menschheitsentwickelung wurde der Menschheit durch den Christus-Impuls etwas einverleibt, was ihr den Anstoß zu einem neuen Aufstieg gab. Das Eintreten des Christus-Impulses in die Menschheitsentwickelung bildet die andere Seite der Kultur fortan. Er hat den Weg gezeigt zur Überwindung der Materie. Er brachte die Kraft, durch welche der Tod überwunden werden kann. Dadurch hat er der Menschheit weiter die Möglichkeit geboten, wieder hinauf sich zu erheben über das Niveau des physischen Plans. Es mußte dieser gewaltigste Impuls gegeben werden, ein Impuls, der so wirkungsvoll wurde, daß die Materie in so grandioser Weise überwunden ward, wie das dargestellt worden ist im Johannes-Evangelium, in der Taufe im Jordan und im Mysterium von Golgatha. Christus Jesus, der vorherverkündet worden war von den Propheten, hat den gewaltigsten Impuls der ganzen Menschheitsevolution gegeben. So mußte sich erst der Mensch trennen von den spirituellen Welten, um erst wieder an diese anzuknüpfen mit der Christus-Wesenheit. Aber wir können das noch nicht vollständig verstehen, wenn wir nicht noch tiefer eindringen in die Zusammenhänge der ganzen Menschheitsentwickelung.
[ 7 ] It would have happened, and it would have come to pass that man would have made the greatest and most powerful conquests on the physical plane in the future, if what we spoke of in the previous consideration had not occurred. At the lowest point of human development, the Christ impulse was incorporated into humanity, giving it the impetus for a new ascent. The entry of the Christ impulse into human development forms the other side of culture from then on. It showed the way to overcome matter. It brought the power through which death can be overcome. In this way, it offered humanity the opportunity to rise again above the level of the physical plane. This most powerful impulse had to be given, an impulse that became so effective that matter was overcome in such a magnificent way as has been described in the Gospel of John, in the baptism in the Jordan and in the mystery of Golgotha. Christ Jesus, who had been foretold by the prophets, gave the most powerful impulse to the entire evolution of humanity. Thus, human beings first had to separate themselves from the spiritual worlds in order to reconnect with the Christ Being. But we cannot yet fully understand this unless we delve deeper into the connections of the entire evolution of humanity.
[ 8 ] Wir haben darauf hinzuweisen, daß das, was wir die Erscheinung des Christus auf der Erde nennen, ein Ereignis ist, das nur auf dem Tiefpunkt, als der Mensch soweit gesunken war, eintreten konnte. Der griechisch-lateinische Zeitraum steht mitten drinnen in den sieben nachatlantischen Epochen. Kein anderer Zeitpunkt wäre der richtige gewesen. Wo der Mensch Persönlichkeit wurde, da mußte auch zu seiner Rettung der Gott Persönlichkeit werden, um ihm die Möglichkeit zu geben, wieder hinaufzusteigen. Wir haben gesehen, daß der Römer erst im römischen Bürgertum seiner Persönlichkeit sich bewußt wurde. Früher hatte der Mensch doch noch in den Höhen der geistigen Welt gelebt; jetzt war er ganz heruntergestiegen bis zum physischen Plan. Und nun mußte er durch den Gott selbst wieder hinaufgeführt werden.
[ 8 ] We must point out that what we call the appearance of Christ on earth is an event that could only occur at the lowest point, when humanity had sunk so low. The Greek-Latin period stands in the middle of the seven post-Atlantean epochs. No other time would have been right. Where man became a personality, God also had to become a personality in order to save him and give him the opportunity to ascend again. We have seen that the Roman only became conscious of his personality in the Roman bourgeoisie. Earlier, man had still lived in the heights of the spiritual world; now he had descended completely to the physical plane. And now he had to be led back up again by God himself.
[ 9 ] Tiefer müssen wir uns noch einlassen auf den dritten, den fünften und den mittleren Zeitraum. Wir dürfen nicht in schulmäßiger Weise ägyptische Mythologie treiben, aber wir müssen die charakteristischen Punkte hervorheben, welche uns tiefer hineinführen in das Gefühls- und Empfindungsleben der alten Ägypter, um uns dann zu fragen, wie dieses in unserer Zeit wieder aufleuchtet. Da müssen wir etwas bedenken.
[ 9 ] We must delve even deeper into the third, fifth, and middle periods. We must not engage in Egyptian mythology in a schoolish manner, but we must highlight the characteristic points that lead us deeper into the emotional and sensory life of the ancient Egyptians, in order to then ask ourselves how this reappears in our time. We must consider something here.
[ 10 ] Wir haben gesehen, wie alle die gewaltigen Bilder von der Sphinx, von der Isis und dem Osiris in den ägyptischen Mythen und Mysterien Erinnerungen an alte Menschheitszustände waren. Alles das war wie eine Spiegelung in den Seelen, eine Spiegelung alter Vorgänge der Erde. Der Mensch sah zurück in seine uralte Vergangenheit, sah seinen Ursprung. Das geistige Dasein seiner Vorfahren, seiner Väter konnte der Eingeweihte wieder erleben. Wir haben gesehen, wie der Mensch sich heraufentwickelt hat ursprünglich aus einer Gruppenseelenhaftigkeit. Wir konnten darauf hinweisen, wie diese Gruppenseelen in den vier Gestalten der apokalyptischen Tiere erhalten geblieben sind. Der Mensch entwickelte sich auch aus einer solchen Gruppenseelenhaftigkeit heraus, aber so, daß er nach und nach seinen Körper verfeinert hat und zur Entwickelung der Individualität gekommen ist. Wir können das historisch verfolgen. Lesen wir die «Germania» des Tacitas. In den Zeiten, die da geschildert werden, die für die germanischen Gegenden die Zustände in dem ersten Jahrhunderte nach Christus wiedergeben, finden wir, wie das Bewußtsein des einzelnen vielmehr noch im Gemeinsamkeitsbewußtsein aufgeht, wie noch der Stammesgeist herrscht, wie der Cherusker zum Beispiel sich noch als Glied seines Stammes fühlte. Dieses Bewußtsein ist noch so stark vorhanden, daß der einzelne für einen anderen derselben Gruppe Rache nimmt. Es findet in der Sitte der Blutrache seinen Ausdruck. Da war also noch eine Art Gruppenseelenhaftigkeit vorhanden. Diese Gruppenseelenhaftigkeit hat sich bis in späte nachatlantische Zeiten erhalten. Alles das sind aber nur Nachklänge. In der letzten Zeit der Atlantis verschwand im allgemeinen das Gruppenbewußtsein im wesentlichen. Nur die Nachzügler haben wir eben geschildert. In Wahrheit wußten damals die Menschen nichts mehr von der Gruppenseele. In der atlantischen Zeit aber wußte der Mensch noch davon. Da sagte er noch nicht «Ich» von sich. Dieses Gefühl der Gruppenseelenhaftigkeit übertrug sich dann nur in etwas auf die folgenden Generationen.
[ 10 ] We have seen how all the powerful images of the Sphinx, Isis, and Osiris in Egyptian myths and mysteries were memories of ancient states of humanity. All of this was like a reflection in the souls, a reflection of ancient events on Earth. Man looked back into his ancient past and saw his origin. The initiate could relive the spiritual existence of his ancestors, his fathers. We have seen how human beings originally developed from a group soul state. We have been able to point out how these group souls have been preserved in the four figures of the apocalyptic beasts. Human beings also developed out of such a group soul state, but in such a way that they gradually refined their bodies and came to develop individuality. We can trace this historically. Let us read Tacitus' Germania. In the times described there, which reflect the conditions in the Germanic regions in the first centuries after Christ, we find how the consciousness of the individual is still absorbed in a sense of community, how the tribal spirit still prevails, how the Cherusci, for example, still felt themselves to be members of their tribe. This consciousness is still so strong that the individual takes revenge for another member of the same group. It finds expression in the custom of blood feuds. So there was still a kind of group soul consciousness. This group soul consciousness persisted until late post-Atlantean times. But all these are only echoes. In the last period of Atlantis, group consciousness disappeared for the most part. We have just described the stragglers. In truth, people at that time knew nothing more about the group soul. In the Atlantean era, however, people still knew about it. They did not yet say “I” about themselves. This feeling of group soulhood was then only partially transferred to subsequent generations.
[ 11 ] So sonderbar das scheinen mag, es ist so, daß das Gedächtnis in älteren Zeiten eine ganz andere Bedeutung und Kraft hatte. Was ist heute denn das Gedächtnis? Denken Sie einmal nach, ob Sie sich noch erinnern an einzelne Vorgänge ihrer ersten Kindheit? Es wird nur wenig sein. Weiter als bis zur Kindheit geht es aber nicht. An nichts werden Sie sich erinnern, was vor Ihrer Geburt liegt. So war es damals noch nicht in der atlantischen Zeit. Auch noch in der ersten nachatlantischen Zeit erinnerte sich der Mensch an dasjenige, was sein Vater, Großvater, Urgroßvater erlebt hatten. Und es hatte gar keinen Sinn davon zu sprechen, daß zwischen Geburt und Tod ein Ich ist. Da ging das in der Erinnerung bis in die Jahrhunderte zurück. Soweit das Blut herunterfloß von dem Urahnen auf die Nachkommen, so weit reichte das Ich. Das Gruppen-Ich ist damals nun nicht räumlich ausgebreitet über die Zeitgenossen zu denken, sondern hinaufgehend in die Generationen. Deshalb wird der heutige Mensch nie verstehen, was als Nachklang davon in den alten Patriarchenerzählungen gegeben ist: daß Noah, Abraham und so weiter so alt geworden sind. Sie zählten ihre Vorfahren durch mehrere Generationen hinauf noch zu ihrem Ich. Davon kann sich der heutige Mensch keinen Begriff mehr machen. Es hätte in diesen Zeiten keinen Sinn gehabt, einen einzelnen Menschen zwischen Geburt und Tod zu benennen. Es setzte sich das Gedächtnis in der ganzen Ahnenreihe aufwärts durch Jahrhunderte hindurch fort. Soweit der Mensch sich erinnerte durch Jahrhunderte hindurch, soweit gab man ihm seinen Namen. Adam war sozusagen das Ich, das mit dem Blute durch die Generationen floß. Erst wenn man diese realen Tatsachen kennt, dann weiß man, wie es mit solchen Dingen steht. In dieser Generationenreihe fühlte sich der Mensch geborgen. Das ist in der Bibel gemeint, wenn es heißt «Ich und der Vater Abraham sind eins». Wenn das der Bekenner des Alten Testaments sagte, dann fühlte er sich erst recht als Mensch innerhalb der Generationenreihe. Auch noch bei den ersten nachatlantischen Menschen, selbst bei den Ägyptern, war dieses Bewußtsein vorhanden. Man fühlte die Gemeinsamkeit des Blutes. Und das bewirkte auch für das geistige Leben etwas Besonderes,
[ 11 ] As strange as it may seem, memory had a completely different meaning and power in earlier times. What is memory today? Think about whether you can still remember individual events from your early childhood. It will be very little. But you cannot go further back than childhood. You will not remember anything that happened before you were born. This was not the case in the Atlantean era. Even in the first post-Atlantean era, people remembered what their fathers, grandfathers, and great-grandfathers had experienced. And it made no sense at all to speak of an “I” between birth and death. Memory stretched back centuries. The “I” extended as far as the blood flowed from the ancestors to their descendants. At that time, the group ego was not to be thought of as spatially spread out among contemporaries, but rather extending upward through the generations. That is why people today will never understand what echoes in the old patriarchal stories: that Noah, Abraham, and so on lived to such an old age. They counted their ancestors back through several generations to their ego. People today can no longer comprehend this. In those days, it would have made no sense to name an individual human being between birth and death. Memory continued through the entire ancestral line, up through the centuries. As far back as people could remember through the centuries, that was how far back they gave their names. Adam was, so to speak, the “I” that flowed through the generations with the blood. Only when one knows these real facts does one know how such things stand. In this line of generations, man felt secure. This is what is meant in the Bible when it says, “I and the Father Abraham are one.” When the confessor of the Old Testament said this, he felt all the more that he was a human being within the line of generations. Even among the first post-Atlantean humans, even among the Egyptians, this consciousness was still present. People felt the commonality of their blood. And this also had a special effect on spiritual life.
[ 12 ] Wenn heute der Mensch stirbt, so hat er ein Leben in Kamaloka, an das sich ein verhältnismäßig langes Devachanleben anschließt. Das aber ist schon eine Folge des Christus-Impulses. Das gab es damals in den vorchristlichen Zeiten nicht, damals fühlte sich der Mensch gebunden bis in die Stammväterzeit. Heute muß sich der Mensch in Kamaloka abgewöhnen die Begierden und Wünsche, an die er in der physischen Welt sich gewöhnt hatte; davon hängt die Dauer dieses Zustandes ab. Der Mensch hängt an seinem Dasein zwischen Geburt und Tod; in alten Zeiten hing man noch an viel mehr. Da hing man mit dem physischen Plan so zusammen, daß man sich als ein Glied der ganzen physischen Generationenreihe fühlte. Da hatte man in Kamaloka nicht bloß das Hängen an dem individuellen physischen Dasein durchzumachen, man mußte wirklich durchlaufen in Kamaloka all das, was zusammenhängt mit den Generationen bis zum Urahn hinauf. Man durchlebte dieses rückwärts. Das hatte das zur Folge, was als tiefe Wahrheit dem Ausspruche zugrunde liegt: Sich geborgen fühlen in Abrahams Schoß. — Der Mensch fühlte: Nach dem Tode geht es hinauf durch die ganze Reihe der Ahnen. Und der Weg, den man da durchzumachen hatte, wurde genannt: Der Weg zu den Vätern. — Erst wenn der Mensch diesen Weg durchgemacht hatte, erst dann konnte er hinaufgehen in die geistigen Welten, dann erst konnte er den Götterweg gehen. Es machte die Seele damals den Väterweg und den Götterweg durch.
[ 12 ] When people die today, they have a life in Kamaloka, followed by a relatively long devachan life. But that is already a consequence of the Christ impulse. That did not exist in pre-Christian times; back then, people felt bound to their ancestral fathers. Today, people in Kamaloka must wean themselves of the desires and wishes they had become accustomed to in the physical world; the duration of this state depends on this. People are attached to their existence between birth and death; in ancient times, they were attached to much more. They were so connected to the physical plane that they felt themselves to be a member of the entire physical line of generations. In Kamaloka, one did not merely have to go through the clinging to one's individual physical existence; one really had to go through everything in Kamaloka that was connected with the generations back to the great-grandfather. One lived through this backwards. This had as its consequence what lies at the bottom of the saying: to feel secure in Abraham's bosom. — People felt that after death they ascended through the entire line of ancestors. And the path one had to go through was called the path to the fathers. — Only when people had gone through this path could they ascend to the spiritual worlds, only then could they walk the path of the gods. At that time, the soul went through the path of the fathers and the path of the gods.
[ 13 ] Nun haben sich die Kulturen ja nicht so schroff abgelöst. Das Wesen der indischen Kultur ist ja geblieben, aber es hat sich geändert. Es ist geblieben neben den folgenden Kulturen. In der der ägyptischen gleichzeitigen Fortsetzung der indischen Kultur ist auch etwas Ähnliches aufgetaucht. Heute verwechselt man so leicht dasjenige, was später und dasjenige, was früher ist. Daher ist so stark betont worden, daß ich nur Andeutungen aus der allerältesten Zeit machte. Unter anderem haben nun die Inder auch aufgenommen die Anschauung von dem Väterweg und dem Götterweg.
[ 13 ] Now, cultures did not replace each other so abruptly. The essence of Indian culture has remained, but it has changed. It has remained alongside subsequent cultures. Something similar emerged in the Egyptian continuation of Indian culture. Today, it is easy to confuse what came later with what came earlier. That is why I have emphasized so strongly that I have only made allusions to the most ancient times. Among other things, the Indians have also adopted the view of the path of the fathers and the path of the gods.
[ 14 ] Je mehr der Mensch nun eingeweiht worden ist, je mehr er sich frei gemacht hat von dem Hangen an der Heimat und an den Vätern, je mehr er heimatlos geworden war, desto länger wurde der Götterweg, desto kürzer der Väterweg. Derjenige, der mit allen Fasern an den Vätern hing, hatte einen langen Väterweg, einen kurzen Götterweg. In der Terminologie des Orients nannte man den Väterweg Pitriyana und den Götterweg Devayana. Wenn wir heute den Ausdruck Devachan gebrauchen, so sollen wir uns klar sein, daß das nur ein Ausdruck ist, den wir gebrauchen mußten. Ein alter Vedantist würde uns einfach auslachen, wenn wir ihm mit Darstellungen kämen, die wir geben vom Devachan. Es ist nicht so leicht, sich in die orientalische Denk- und Anschauungsweise hineinzufinden. Wir müssen manchmal gegen diejenigen, die vorgeben, die orientalischen Wahrheiten zu geben, diese Wahrheiten geradezu in Schutz nehmen. Gar mancher, der heute irgendwelche Darstellungen als sogenannte indische Lehre erhält, hat kein Bewußtsein davon, daß er eine recht konfuse Lehre erhält. Die heutige Geisteswissenschaft braucht doch keinen Anspruch darauf zu machen, eine orientalisch-indische Lehre zu sein. In gewissen Kreisen liebt man zwar das, was recht weit, zum Beispiel aus Amerika herkommt. Aber die Wahrheit ist überall zu Hause. Die antiquarische Forschung gehört den Gelehrten, aber Geisteswissenschaft ist Leben. Die geisteswissenschaftliche Wahrheit kann jeden Augenblick erforscht werden und überall. Das müssen wir uns vor die Seele halten.
[ 14 ] The more a person was initiated, the more he freed himself from attachment to his homeland and his fathers, the more he became homeless, the longer the path of the gods became and the shorter the path of the fathers. Those who clung to their fathers with every fiber of their being had a long path of the fathers and a short path of the gods. In Eastern terminology, the path of the fathers was called Pitriyana and the path of the gods Devayana. When we use the term Devachan today, we should be clear that this is only an expression we have had to use. An old Vedantist would simply laugh at us if we came to him with the descriptions we give of Devachan. It is not so easy to find one's way into the Eastern way of thinking and viewing things. We sometimes have to defend these truths against those who claim to give the Eastern truths. Many who today receive any kind of description as so-called Indian teaching are not aware that they are receiving a rather confused teaching. Today's spiritual science does not need to claim to be an Eastern-Indian teaching. In certain circles, people love what comes from far away, for example from America. But the truth is at home everywhere. Antiquarian research belongs to scholars, but spiritual science is life. Spiritual scientific truth can be researched at any moment and anywhere. We must keep this in mind.
[ 15 ] Nun war bei den alten Ägyptern dasjenige, was wit eben anführten, nicht nur Theorie, sondern auch Praxis. Praktisch war auch das, was in den großen Mysterien der Ägypter gelehrt wurde. Es hatte damit eine besondere Bewandtnis, die wir bei tieferem Eindringen in dieselben noch kennenlernen werden. Die Mysterien der alten Ägypter erstrebten etwas ganz Besonderes. Heute kann der Mensch leicht darüber lächeln, wenn ihm gesagt wird, daß der Pharao in einer bestimmten Zeit eine Art Eingeweihter war, wenn ihm erzählt wird, wie der Ägypter stand zu seinem Pharao, wie er stand zu seinen Staatseinrichtungen. Für den europäischen Gelehrten der Gegenwart ist es ganz besonders lächerlich, wenn sich der Pharao den Namen «Sohn des Horus» oder sogar «Horus» selbst beilegte. Sonderbar erscheint uns heute, nicht wahr, wie der Mensch als Gott verehrt werden kann; etwas Abstruseres kann man sich ja nicht denken. Der heutige Mensch kennt eben den Pharao und seine Mission nicht. Man weiß eben nicht, was die Pharao-Einweihung wirklich war. Heute sieht man in einem Volke nur eine Gruppe von Menschen, die man zählen kann. Ein Volk ist dem heutigen Menschen ein wesenloses Abstraktum, Realität ist einzig eine gewisse Summe von Menschen, die ein gewisses Gebiet erfüllen. Das ist das «Volk» nicht für denjenigen, der auf dem Standpunkte des Okkultismus steht. Wie der Finger als einzelnes Glied zum ganzen Leibe gehört, so gehören die einzelnen Menschen des Volkes zu einer Volksseele. Sie sind sozusagen in sie eingebettet, nur ist die Volksseele nicht physisch, sie ist nur als Äthergestalt real. Sie ist eine absolute Realität: der Eingeweihte kann sich mit dieser Seele unterhalten. Sie ist sogar viel realer für ihn als die einzelnen Individualitäten eines Volkes, viel realer als ein einzelner Mensch. Für den Okkultisten gelten auch die geistigen Erfahrungen, da ist die Volksseele etwas durchaus Reales. Betrachten wir einmal ganz schematisch diesen Zusammenhang der Volksseele mit den Individuen.
[ 15 ] Now, among the ancient Egyptians, what we have just mentioned was not only theory, but also practice. What was taught in the great mysteries of Egypt was also practical. There was a special reason for this, which we will learn about when we delve deeper into them. The mysteries of the ancient Egyptians aspired to something very special. Today, people easily smile when they are told that the pharaoh was a kind of initiate at a certain time, when they are told how the Egyptians regarded their pharaoh, how they regarded their state institutions. For the European scholar of today, it is particularly ridiculous when the pharaoh gave himself the name “Son of Horus” or even “Horus” himself. It seems strange to us today, does it not, how a human being can be worshipped as a god; one cannot imagine anything more abstruse. The people of today do not know the pharaoh and his mission. They simply do not know what the initiation of the pharaoh really was. Today, a people is seen as nothing more than a group of people who can be counted. For modern man, a people is an abstract concept without substance; reality is merely a certain number of people who occupy a certain area. This is not what a “people” is for those who stand on the standpoint of occultism. Just as the finger belongs to the whole body as a single limb, so the individual people of a nation belong to a national soul. They are, so to speak, embedded in it, only the national soul is not physical, it is only real as an etheric form. It is an absolute reality: the initiate can converse with this soul. It is even more real to him than the individual personalities of a people, much more real than a single human being. For the occultist, spiritual experiences are also valid; the soul of a people is something entirely real. Let us consider this connection between the soul of a people and individuals in a very schematic way.
[ 16 ] Wenn wir die einzelnen Individuen als kleine Kreise denken, die einzelnen Iche, so sind diese nur für die äußere physische Betrachtung Einzelwesen. Wer geistig sie betrachtet, der sieht diese einzelnen Individualitäten eingebettet wie in einen ätherischen Nebel, und das ist die Verkörperung der Volksseele. Nun denkt, tut, fühlt und will der einzelne Mensch etwas. Er strahlt seine Gefühle und Gedanken in die gemeinsame Volksseele hinein. Diese wird gefärbt von dieser Ausstrahlung. Dadurch wird die Volksseele durchsetzt von den Gedanken und Gefühlen der einzelnen Menschen. Und wenn wir absehen vom physischen Menschen und nur seinen Ätherleib und Astralleib betrachten, und dann den Astralleib eines ganzen Volkes betrachten, dann schen wir, daß der Astralleib eines ganzen Volkes seine Farbenschattierungen von den einzelnen Menschen erhält.
[ 16 ] If we think of the individual beings as small circles, the individual egos, then they are only individual beings from an external, physical point of view. Those who view them spiritually see these individual personalities embedded as if in an ethereal mist, and this is the embodiment of the national soul. Now, the individual human being thinks, acts, feels, and wants something. He radiates his feelings and thoughts into the collective national soul. This is colored by this radiation. In this way, the soul of the people is permeated by the thoughts and feelings of the individual human beings. And if we disregard the physical human being and consider only his etheric body and astral body, and then consider the astral body of an entire people, we see that the astral body of an entire people receives its shades of color from the individual human beings.
[ 17 ] Das wußte der alte ägyptische Eingeweihte, aber er wußte noch etwas mehr. Der alte Ägypter fragte sich, wenn er diese Volkssubstanz betrachtete: Was lebt denn eigentlich in der Volksseele? — Was sah er darin? Er sah in seiner Volksseele die Wiederverkörperung der Isis. Er sah, wie sie gewandelt war einst unter den Menschen selbst. Die Isis wirkte in der Volksseele. Er sah in ihr dieselben Wirkungen wie die vom Monde ausgehenden: diese Kräfte wirkten in der Volksseele. Und dasjenige, was der Ägypter als Osiris sah, wirkte in den individuellen geistigen Strahlen; darin erkannte er die Osiriswirkung. Die Isis aber sah er in dieser Volksseele.
[ 17 ] The ancient Egyptian initiate knew this, but he knew something more. When he looked at this national substance, the ancient Egyptian asked himself: What actually lives in the national soul? What did he see there? He saw in his national soul the reincarnation of Isis. He saw how she had once walked among human beings. Isis was working in the national soul. He saw in her the same effects as those emanating from the moon: these forces were at work in the soul of the people. And what the Egyptian saw as Osiris was at work in the individual spiritual rays; in this he recognized the Osiris effect. But he saw Isis in this soul of the people.
[ 18 ] Osiris war also für den physischen Plan nicht sichtbar. Osiris war gestorben für den physischen Plan. Nur wenn der Mensch gestorben war, wurde Osiris ihm wieder vor Augen gestellt. Daher lesen wir im ägyptischen Totenbuche, wie der Ägypter fühlte, er werde im Tode mit Osiris vereint, er werde selbst ein Osiris. Osiris und Isis wirkten zusammen im Staat und in dem einzelnen Menschen als seinen Gliedern. Nun betrachten wir den Pharao wieder und bedenken, daß das für ihn eine Realität war. Es bekam der einzelne Pharao vor der Initiation einen Unterricht, damit er das nicht nur mit dem Verstande begriff, sondern damit für ihn das eine Wahrheit, eine Realität wurde. Er mußte soweit gebracht werden, daß er sich sagen konnte: Will ich regieren das Volk, so muß ich hinopfern von meiner Geistigkeit einen Teil, muß einen Teil meines Astralleibes, einen Teil meines Ätherleibes auslöschen. In mir müssen wirken das Osiris- und das Isisprinzip. Ich persönlich darf nichts wollen: wenn ich etwas spreche, muß Osiris sprechen; wenn ich etwas tue, muß Osiris es tun; wenn ich die Hand bewege, muß Isis und Osiris wirken. Darstellen muß ich den Sohn der Isis und des Osiris, den Horus.
[ 18 ] Osiris was therefore not visible on the physical plane. Osiris had died for the physical plane. Only when a person had died was Osiris presented to them again. That is why we read in the Egyptian Book of the Dead how the Egyptians felt that they would be united with Osiris in death, that they themselves would become Osiris. Osiris and Isis worked together in the state and in the individual human being as its members. Now let us look again at the pharaoh and consider that this was a reality for him. Before initiation, the individual pharaoh received instruction so that he not only understood this with his intellect, but so that it became a truth, a reality for him. He had to be brought to the point where he could say to himself: If I want to rule the people, I must sacrifice part of my spirituality, I must destroy part of my astral body, part of my etheric body. The principles of Osiris and Isis must work within me. I personally must not want anything: when I speak, Osiris must speak; when I do something, Osiris must do it; when I move my hand, Isis and Osiris must work. I must represent the son of Isis and Osiris, Horus.
[ 19 ] Initiation ist keine Gelehrsamkeit. Aber so etwas zu können, sich so hinopfern zu können wie der Pharao, das hängt mit der Initiation zusammen. Denn, was er hinopferte von sich, das konnte ausgefüllt werden mit Teilen der Voiksseele. Der Teil, dessen sich der Pharao begab, den er hinopferte, dieser Teil gab ihm gerade Macht. Denn die berechtigte Macht entsteht nicht dadurch, daß man die Persönlichkeit als eigene Persönlichkeit erhöht, sondern die berechtigte Macht entsteht dadurch, daß man in sich aufnimmt, was überragt die Grenzen der Persönlichkeit: eine höhere geistige Macht. Der Pharao hatte in sich aufgenommen eine solche Macht, und die wurde repräsentiert nach außen durch die Uräusschlange.
[ 19 ] Initiation is not scholarship. But to be able to do something like this, to be able to sacrifice oneself like the Pharaoh, is connected with initiation. For what he sacrificed of himself could be filled with parts of the soul of the people. The part that the Pharaoh gave up, that he sacrificed, was precisely what gave him power. For legitimate power does not arise from elevating one's personality as one's own personality, but from taking into oneself that which transcends the limits of personality: a higher spiritual power. The pharaoh had taken such a power into himself, and it was represented outwardly by the Uraeus serpent.
[ 20 ] So haben wir wiederum in ein Mysterium hineingeschaut. Wir haben etwas viel Höheres gesehen, als gegeben wird heute als Erklärungen, wenn man heute von den Pharaogestalten spricht.
[ 20 ] Thus we have again looked into a mystery. We have seen something much higher than what is given today as explanations when people speak of the pharaoh figures.
[ 21 ] Wenn nun der Ägypter solche Gefühle hegte, woran mußte ihm da im besonderen liegen? Es mußte ihm daran liegen, daß die Volksseele so stark wie möglich wurde, daß sie möglichst reich an guten Kräften wurde, daß sie nicht vermindert wurde. Mit dem, was die Menschen durch die Blutsverwandtschaft hatten, mit dem konnten die ägyptischen Eingeweihten nicht rechnen. Aber dasjenige, was als geistige Güter die Vorväter gesammelt hatten, das sollte Gut werden der einzelnen Seele. Das wird uns angedeutet im Totengericht da, wo der Mensch den zweiundvierzig Totenrichtern gegenübergestellt wird. Da werden abgewogen die Taten der einzelnen. Wer sind die zweiundvierzig Totenrichter? Es sind die Ahnen. Man hatte den Glauben, daß das Leben des Menschen sich verwoben habe mit dem von zweiundvierzig Ahnen. Drüben sollte er sich vor ihnen verantworten, ob er wirklich aufgenommen hatte, was sie ihm geistig geboten hatten. So war das, was die ägyptischen Mysterienlehren enthielten, etwas, was praktisch werden sollte für das Leben, was aber auch verwertet werden sollte für die Zeit jenseits des Todes, für das Leben zwischen Tod und einer neuen Geburt. In der ägyptischen Epoche hatte sich der Mensch schon verstrickt mit der physischen Welt. Zugleich aber mußte er aufschauen zu seinen Ahnen in der anderen Welt und mußte das von ihnen Ererbte in der physischen Welt kultivieren. Durch dies Interesse wurde er an den physischen Plan gefesselt, indem er mitwirken mußte an dem, was die Väter gewirkt hatten.
[ 21 ] If the Egyptians harbored such feelings, what must have been particularly important to them? It must have been important to them that the soul of the people became as strong as possible, that it became as rich as possible in good forces, that it was not diminished. The Egyptian initiates could not count on what people had through blood relationship. But what the forefathers had gathered as spiritual goods was to become the good of the individual soul. This is hinted at in the Last Judgment, where man is confronted by the forty-two judges of the dead. There the deeds of each individual are weighed. Who are the forty-two judges of the dead? They are the ancestors. It was believed that the life of man was interwoven with that of forty-two ancestors. Over there, he had to answer to them whether he had truly accepted what they had spiritually commanded him. Thus, what the Egyptian mystery teachings contained was something that was to become practical for life, but which was also to be used for the time beyond death, for the life between death and a new birth. In the Egyptian epoch, human beings had already become entangled with the physical world. At the same time, however, they had to look up to their ancestors in the other world and cultivate what they had inherited from them in the physical world. Through this interest, they became bound to the physical plane, having to participate in what their fathers had wrought.
[ 22 ] Nun müssen wir bedenken, daß die heutigen Seelen Wiederverkörperungen der alten ägyptischen Seelen sind. Was bedeutet nun das, was damals geschah, den heute lebenden Seelen, die es in ihrer ägyptischen Inkarnation erlebt haben? Alles was damals die Seele erlebt hat zwischen Tod und einer neuen Geburt, alles dasjenige hat sich verwoben mit der Seele, ist in dieser Seele und ist wiedererstanden in dem Zeitraume, der der unsrige, der fünfte ist, der die Früchte des dritten Zeitraumes wiederbringt, die in den Neigungen, in den Ideen auftreten der heutigen Zeit, die ihre Ursache haben in der alten ägyptischen Welt. Heute kommen wieder heraus alle Ideen, die damals keimartig in die Seelen hineingelegt worden sind. Deshalb ist es leicht einzusehen, daß dasjenige, was die Menschen sich heute erobern auf dem physischen Plan, nichts weiter ist als eine Vergröberung des Hinauslegens des Interesses auf den physischen Plan, wie es im alten Ägypten vorhanden war, nur sind heute die Menschen noch tiefer in die Materie verstrickt worden. Wir haben schon in der Mumifizierung der Toten eine Ursache gesehen dessen, was als materielle Auffassung auf dem physischen Plan ausgelebt wird.
[ 22 ] Now we must consider that today's souls are reincarnations of the ancient Egyptian souls. What does what happened then mean for the souls living today who experienced it in their Egyptian incarnation? Everything that the soul experienced between death and a new birth has become interwoven with the soul, is in this soul, and has been resurrected in the period that is ours, the fifth, which brings back the fruits of the third period, which appear in the inclinations and ideas of the present time, which have their origin in the ancient Egyptian world. Today, all the ideas that were planted in the souls back then are coming out again. That's why it's easy to see that what people are conquering today on the physical plane is nothing more than a coarsening of the focus on the physical plane that existed in ancient Egypt, only today people have become even more entangled in matter. We have already seen in the mummification of the dead a cause of what is lived out as a material conception on the physical plane.
[ 23 ] Denken wir uns eine Seele der damaligen Zeit. Denken wir uns eine Seele, die damals als Schüler eines alten Eingeweihten gelebt hat. Ein solcher Schüler hat den geistigen Blick hinaufgelenkt bekommen durch wirkliche Anschauung zu dem Kosmos. Wie im Monde Osiris und Isis wandelten, das war geistige Anschauung für ihn geworden. Alles war durchtränkt von geistig-göttlichen Wesenheiten. Das hat er in seine Seele aufgenommen. Er wird wieder verkörpert im vierten und fünften Zeitraum. Im fünften Zeitraum erlebt ein solcher Mensch das alles wieder. Es kommt ihm als eine Erinnerung zurück. Was geschieht nun damit? Zu allem, was da in der Sternenwelt lebt, blickte der Schüler auf. Dieser Aufblick lebt wieder auf in irgendeinem Menschen des fünften Zeitraums. Er erinnert sich an das, was er damals gesehen und gehört hat. Er kann es nicht wiedererkennen, weil es eine materielle Färbung bekommen hat. Das Geistige ist es nicht mehr, was er sieht, aber die materiell-mechanischen Beziehungen entstehen wieder, und er schafft sich den Gedanken in materialistischer Form als Erinnerung wieder. Wo er früher gesehen hatte göttliche Wesenheiten, Isis und Osiris, da sieht er jetzt nur noch abstrakte Kräfte ohne das geistige Band. Diese geistigen Beziehungen erscheinen ihm wieder in Gedankenform. Es ersteht alles wieder, aber in materieller Gestalt.
[ 23 ] Let us imagine a soul of that time. Let us imagine a soul that lived then as a disciple of an ancient initiate. Such a disciple had his spiritual gaze directed upward through actual contemplation of the cosmos. The way Osiris and Isis walked on the moon had become spiritual contemplation for him. Everything was imbued with spiritual-divine beings. He took this into his soul. He is reincarnated in the fourth and fifth periods. In the fifth epoch, such a person experiences all this again. It comes back to him as a memory. What happens now? The disciple looked up at everything that lives in the starry world. This upward gaze lives again in some human being of the fifth epoch. He remembers what he saw and heard at that time. He cannot recognize it because it has taken on a material coloring. What he sees is no longer spiritual, but the material-mechanical relationships arise again, and he recreates the thought in materialistic form as a memory. Where he had previously seen divine beings, Isis and Osiris, he now sees only abstract forces without the spiritual bond. These spiritual relationships reappear to him in thought form. Everything arises again, but in material form.
[ 24 ] Wenden wir das auf eine bestimmte Seele an, die damals einen Einblick erhielt in die großen kosmischen Zusammenhänge; denken wir uns, es ersteht dasjenige, was früher in Ägypten geistig gesehen worden ist, vor dieser Seele. Es ersteht heute wieder in dieser Seele, im fünften nachatlantischen Zeitraum: und wir haben die Seele des Kopernikus. Das kopernikanische Weltsystem ist so entstanden als eine Erinnerungsanschauung an die geistigen Erlebnisse im alten Ägypten. Ebenso steht es mit dem Weltsystem Keplers. Diese Menschen haben aus ihrer Erinnerung diese großen Gesetze wiedergeboren aus dem, was sie in der ägyptischen Zeit erlebt hatten. Und nun denken wir daran, wie so etwas in der Seele als eine leise Erinnerung auflebt, denken wir daran, daß dasjenige, was eigentlich ein solcher Geist denkt, im alten Ägypten in spiritueller Form von ihm erlebt worden ist. Was kann uns ein solcher Geist dann sagen? Daß es ihm ist, wie wenn er zurückblickte ins alte Ägypterland. Es ist so, wie wenn er das in neuer Gestalt nun wiederbringt, wenn ein solcher Geist sagt: «Nunmehr aber, nachdem mir seit anderthalb Jahren das erste Morgenrot, seit wenigen Monaten der volle Tag, seit wenigen Tagen endlich die reine Sonne der wundervollsten Betrachtungen aufgegangen, hält mich nichts mehr zurück; ich will schwärmen in heiliger Glut; ich will die Menschenkinder höhnen mit dem einfachen Geständnis, daß ich die goldenen Gefäße der Ägypter entwende, um meinem Gott ein Gezelt daraus zu bauen, weit entfernt von Ägyptens Grenzen.» Ist es nicht wie eine wirkliche Erinnerung, die der Wahrheit entspricht? Und diesen Ausspruch hat Kepler getan. Bei ihm finden wir auch den Ausspruch: «Es pocht die alte Erinnerung an mein Herz.» So wunderbar hängen die Dinge in der Menschheitsevolution zusammen. In so manchen sinnvollen, rätselhaften Ausspruch kommt Licht und Bedeutung, wenn man die geistigen Zusammenhänge verspürt. Dann erst wird das Leben groß und gewaltig, dann fühlen die Menschen sich hinein in ein großes Ganzes, wenn sie verstehen, daß der einzelne nur eine individuelle Ausgestaltung des durch die Welt ziehenden Spirituellen ist.
[ 24 ] Let us apply this to a particular soul that at that time gained insight into the great cosmic connections; let us imagine that what was once seen spiritually in Egypt arises before this soul. It arises again today in this soul, in the fifth post-Atlantean period: and we have the soul of Copernicus. The Copernican world system arose as a memory image of the spiritual experiences in ancient Egypt. The same is true of Kepler's world system. These people reborn from their memory these great laws from what they had experienced in Egyptian times. And now let us think of how something like this revives in the soul as a faint memory; let us think that what such a spirit actually thinks was experienced by him in ancient Egypt in spiritual form. What can such a spirit then tell us? That it is as if he were looking back to ancient Egypt. It is as if he is now bringing this back in a new form when such a spirit says: “But now, after the first dawn has risen for me a year and a half ago, the full day a few months ago, and finally, a few days ago, the pure sun of the most wonderful contemplations, nothing holds me back any longer; I want to rave in holy fervor; I want to mock the children of men with the simple confession that I am stealing the golden vessels of the Egyptians to build a tent for my God, far away from the borders of Egypt.” Is it not like a real memory that corresponds to the truth? And Kepler made this statement. We also find the statement: ”The old memory knocks at my heart.” This is how wonderfully things are connected in human evolution. In many meaningful, enigmatic statements, light and meaning emerge when one senses the spiritual connections. Only then does life become great and powerful, only then do people feel themselves part of a great whole when they understand that the individual is only an individual manifestation of the spiritual that moves through the world.
[ 25 ] Ich habe auch schon einmal darauf aufmerksam gemacht, daß es eine materialistische Vergröberung dessen ist, was die Ägypter als Götter dargestellt haben in Tiergestalt, was auferstanden ist in unserer Zeit als Darwinismus. So konnte ich auch zeigen, daß, wenn man richtig Paracelsus versteht, man erkennen kann, daß seine Heilkunde ein Wiederaufleben dessen ist, was in den Tempeln des alten Ägyptens gelehrt wurde. Betrachten wir einen solchen Geist, wie Paracelsus war. Einen merkwürdigen Ausspruch finden wir bei ihm. Wer sich hineinvertieft in Paracelsus, der weiß, welch hoher Geist in ihm lebte. Er hat einen merkwürdigen Ausspruch getan, er sagte: In vielem habe er vieles gelernt, am wenigsten zwar habe er auf Akademien gelernt, er habe aber auf seinem Zuge durch die Länder viel von dem Volke und aus alten Traditionen gelernt. - Es entzieht sich uns .die Möglichkeit, auf Beispiele nur hinzuweisen, wie tiefe Wahrheiten in unserem Volke noch vorhanden sind, die gar nicht mehr verstanden werden, die Paracelsus aber verwerten konnte. Er sagte, er habe ein Buch gefunden mit tiefen medizinischen Wahrheiten. Und welches Buch nennt er da? Die Bibel! Er meint damit nicht nur das Alte, im wesentlichen meint er das Neue Testament. Man muß nur die Bibel lesen können, um das darin zu finden, was Paracelsus darin fand. Und was wurde aus der Medizin des Paracelsus? Wahr ist es, sie ist eine alte Erinnerung an die alte ägyptische Heilmethode. Dadurch aber, daß er die Geheimnisse des Christentums aufnahm, den Impuls nach oben, sind seine Werke von spiritueller Weisheit durchdrungen worden, sie sind durchchristet worden. Das ist der Gang in die Zukunft. Das ist dasjenige, was alle tun müßten, welche den Rückweg immer mehr bahnen wollen aus dem Fall in die Materie in der neuesten Zeit. Es gibt da eine Möglichkeit, die großen materiellen Fortschritte nicht zu unterschätzen. Es gibt aber auch die Möglichkeit, das Spirituelle in sie einfließen zu lassen.
[ 25 ] I have already pointed out that what the Egyptians depicted as gods in animal form is a materialistic coarsening of what has been resurrected in our time as Darwinism. I was also able to show that if one understands Paracelsus correctly, one can recognize that his medicine is a revival of what was taught in the temples of ancient Egypt. Let us consider a spirit such as Paracelsus. We find a remarkable statement from him. Anyone who delves deeply into Paracelsus knows what a high spirit lived in him. He made a remarkable statement, saying that he had learned much in many ways, but that he had learned least at academies; rather, he had learned much from the people and from ancient traditions during his travels through the countries. It is impossible for us to give examples of how profound truths still exist among our people, truths that are no longer understood, but which Paracelsus was able to utilize. He said he had found a book containing profound medical truths. And what book did he name? The Bible! He did not mean only the Old Testament, but essentially the New Testament. One only needs to be able to read the Bible to find what Paracelsus found in it. And what became of Paracelsus' medicine? It is true that it is an ancient reminder of the ancient Egyptian healing method. But because he took in the secrets of Christianity, the upward impulse, his works have been imbued with spiritual wisdom; they have been permeated by Christianity. That is the path to the future. That is what everyone should do who wants to find their way back out of the fall into matter in the most recent times. There is a way not to underestimate the great material advances. But there is also the possibility of allowing the spiritual to flow into them.
[ 26 ] Wer heute studiert, was die materielle Wissenschaft bieten kann, wer in die materielle Wissenschaft hinuntersteigt und nicht zu bequem ist, sich in sie zu vertiefen, der tut auch als Geisteswissenschafter gut daran. Viel kann man lernen von den rein materialistischen Forschern. Wir können dasjenige, was wir da finden, durchdringen mit dem reinen Geist, den die Geisteswissenschaft bieten kann. Wenn wir so alles durchdringen mit dem Spirituellen, dann ist das richtig verstandenes Christentum. Es ist nichts anderes als eine Verleumdung der Geisteswissenschaft, wenn die Menschen sagen, sie sei eine phantastische Weltanschauung. Sie kann stehen ganz fest und sicher auf dem Boden - aller Realität. Und es wäre nur ein elementarster Anfang der Geisteswissenschaft, wenn man sich vertiefen wollte in ein schematisches Darstellen der höheren Welten. Nicht so sehr darauf kommt es an, daß der Geisteswissenschafter die Dinge bloß weiß und auswendig lernt die geisteswissenschaftlichen Begriffe. Darauf kommt es nicht allein an. Sondern darauf kommt es an, daß die Lehren und Anschauungen über die höheren Welten fruchtbar werden im Menschen, daß in alles, in das alltägliche Leben hineingetragen werden die wahren geisteswissenschaftlichen Lehren.
[ 26 ] Anyone who studies what material science has to offer today, who delves into material science and is not too comfortable to immerse themselves in it, is also doing well as a spiritual scientist. Much can be learned from purely materialistic researchers. We can permeate what we find there with the pure spirit that spiritual science can offer. When we permeate everything with the spiritual in this way, then that is Christianity properly understood. It is nothing but a slander against spiritual science when people say that it is a fantastical worldview. It can stand firmly and securely on the ground—on the ground of all reality. And it would be only the most elementary beginning of spiritual science to delve into a schematic representation of the higher worlds. It is not so important that the spiritual scientist merely knows things and learns the terms of spiritual science by heart. That is not the only thing that matters. What matters is that the teachings and views about the higher worlds become fruitful in human beings, that the true teachings of spiritual science are carried into everything, into everyday life.
[ 27 ] Nicht darauf kommt es an, daß man predigt von der allgemeinen Bruderliebe. Es ist am besten, so wenig wie möglich davon zu reden. Es ist mit einer solchen Phrase so, wie wenn man zum Ofen sagt: Lieber Ofen, deine Aufgabe ist, das Zimmer zu wärmen. Erfülle deine Aufgabe. — So ist es mit den Lehren, die durch solche Phrasen gegeben werden. Es kommt auf die Mittel an. Der Ofen bleibt kalt, wenn ich ihm bloß sage, er solle warm sein. Er wird warm, wenn er Heizmaterial hat. Der Mensch bleibt auch kalt bei Ermahnungen. Was ist aber Heizmaterial für den modernen Menschen? Die Einzeltatsachen der spirituellen Lehren sind Heizmaterial für den Menschen. Man darf nicht bequem sein und bei der «allgemeinen Bruderschaft» stehenbleiben. Heizmaterial muß den Menschen gegeben werden. Die Brüderlichkeit ergibt sich dann schon von selbst. Wie die Pflanzen ihre Blüten der Sonne entgegenstrecken, so müssen wir alle aufschauen zur Sonne des spirituellen Lebens.
[ 27 ] It is not important to preach about universal brotherhood. It is best to speak as little as possible about it. Such phrases are like saying to a stove: Dear stove, your job is to heat the room. Do your job. The same is true of teachings given through such phrases. It depends on the means. The stove remains cold if I merely tell it to be warm. It becomes warm when it has fuel. Human beings also remain cold when admonished. But what is fuel for modern human beings? The individual facts of the spiritual teachings are fuel for human beings. One must not be complacent and remain with the “general brotherhood.” Fuel must be given to people. Brotherhood will then arise of its own accord. Just as plants stretch their flowers toward the sun, so must we all look up to the sun of spiritual life.
[ 28 ] Es kommt darauf an, daß wir solche Dinge, in die wir hineingeschaut haben, nicht nur als theoretische Lehren aufnehmen, sondern daß sie Kraft werden in unseren Seelen. Für jeden Menschen, auf jedem Posten im praktischen Leben können sie Impulse geben zu dem, was er zu schaffen hat. Die Menschen, die heute mit einem gewissen Hohn auf die Geisteswissenschaft herabschauen, die fühlen sich erhaben über die «phantastischen» Lehren der Geisteswissenschaft. Sie finden darin «nicht zu beweisende Behauptungen» und sagen, man solle sich halten an die Tatsachen. — Es könnte leicht, wenn der Geisteswissenschafter nicht stark, sondern kleinmütig gemacht würde durch das Leben in der Geisteswissenschaft, es könnte leicht geschehen, daß er beirrt würde in seiner Sicherheit und Energie, wenn er sieht, wie gerade diejenigen, welche die Geisteswissenschaft verstehen sollten, wie gerade die sie absolut nicht begreifen.
[ 28 ] It is important that we do not merely accept the things we have looked into as theoretical teachings, but that they become a force in our souls. For every person, in every position in practical life, they can provide impulses for what they have to accomplish. People who today look down with a certain scorn on spiritual science feel superior to the “fantastic” teachings of spiritual science. They find in it “unprovable assertions” and say that one should stick to the facts. — It could easily happen, if the spiritual scientist were not strong but made timid by life in spiritual science, that he would be shaken in his confidence and energy when he sees how precisely those who should understand spiritual science absolutely do not understand it.
[ 29 ] Unsere Zeit blickt so leicht herab auf das, was die Ägypter ihre Götter genannt haben. «Wesenlose Abstraktion», sagt man. Der moderne Mensch ist aber viel abergläubischer. Er hängt an ganz anderen Göttern, die für ihn Autorität sind. Weil er gerade nicht die Knie beugt vor ihnen, merkt er nicht, was für einen Aberglauben er treibt.
[ 29 ] Our age looks down so easily on what the Egyptians called their gods. “Insignificant abstractions,” people say. But modern man is much more superstitious. He clings to completely different gods, who are his authority. Because he does not bow down before them, he does not realize what superstition he is practicing.
[ 30 ] Meine lieben Freunde, wenn wir so wieder zusammengewesen sind, sollen wir immer eingedenk sein, daß, wenn wir auseinandergehen, wir nicht nur mitnehmen sollen eine Summe von Wahrheiten, sondern daß wir mitnehmen sollen einen Gesamteindruck, einen Empfindungseindruck, der am richtigsten die Form annimmt, die der Geisteswissenschafter als Willensimpuls kennt: daß er die Geisteswissenschaft hineintragen will in das Leben und durch nichts in seiner Sicherheit sich beirren lassen will.
[ 30 ] My dear friends, when we meet again, let us always remember that when we part, we should not only take with us a sum of truths, but that we should take with us an overall impression, an emotional impression that most accurately takes the form known to the spiritual scientist as the impulse of the will: that he wants to carry spiritual science into life and not allow anything to shake his confidence.
[ 31 ] Stellen wir uns ein Bild vor die Seele. Man hört so oft: Ach diese Geistsucher! Die setzen sich da zusammen in ihre Loge, da treiben sie allerlei phantastisches Zeug. Darauf kann sich der Mensch, der auf der Höhe der heutigen Zeit steht, nicht einlassen. -— Die Anhänger der Geisteswissenschaft nehmen sich heute manchmal aus wie eine verachtete Klasse von Menschen, wie ungebildet und ungelehrt. Braucht uns daraus Kleinmut zu ersprießen? Nein! Wir wollen ein Bild uns vor die Seele führen und die Gefühle, die sich daran knüpfen, wekken. Wir erinnern uns an Ähnliches in verflossenen Zeiten, wir erinnern uns, wie im alten Rom etwas ganz Ähnliches geschah. Wir sehen, wie das erste Christentum sich ausbreitet gerade im alten Rom in einer ganz verachteten Klasse von Menschen. Wir schauen heute mit berechtigtem Entzücken zum Beispiel auf das Kolosseum, das das kaiserliche Rom erbaut hat. Wir können aber auch auf die Leute, die sich damals auf der Höhe der Zeit dünkten, den Blick werfen, wie sie in dem Zirkus saßen und zuschauten, wie die Christen auf der Arena verbrannt wurden und wie Weihrauch angezündet wurde, damit der Geruch der verbrannten Leichen nicht hinaufsteige.
[ 31 ] Let us picture this scene in our minds. We so often hear people say: Oh, those spiritual seekers! They sit there in their lodges and engage in all kinds of fantastic nonsense. People who are at the height of modern life cannot get involved in that. — The followers of spiritual science sometimes appear today as a despised class of people, uneducated and uninstructed. Should this cause us to become timid? No! Let us bring a picture before our soul and awaken the feelings associated with it. We remember something similar in times past; we remember how something very similar happened in ancient Rome. We see how early Christianity spread in ancient Rome among a completely despised class of people. Today, we look with justified delight, for example, at the Colosseum built by imperial Rome. But we can also look at the people who thought they were at the height of their power at that time, sitting in the circus and watching Christians being burned in the arena and incense being lit so that the smell of burning corpses would not rise.
[ 32 ] Und jetzt richten wir den Blick auf die Reihe der Verachteten. Sie lebten in den Katakomben, in unterirdischen Gängen. Da mußte sich verkriechen das sich eben ausbreitende Christentum. Da unten errichteten die ersten Christen Altäre auf den Gräbern ihrer Toten. Da unten hatten sie ihre wunderbaren Zeichen, ihre Heiligtümer. Wir werden von einer sonderbaren Stimmung ergriffen, wenn wir heute durch die Katakomben schreiten, durch das unterirdische, verachtete Rom. Die Christen wußten, was ihnen vorbehalten war. Verachtet war das, was der erste Keim des Christus-Impulses war, auf der Erde eingeschlossen in die unterirdischen Katakomben. Was ist von dem kaiserlichen Rom geblieben? Das ist von der Erde verschwunden. Aber was damals in den Katakomben lebte, ist erhoben worden.
[ 32 ] And now let us turn our gaze to the ranks of the despised. They lived in the catacombs, in underground passages. This is where the spreading Christianity had to hide. Down there, the first Christians erected altars on the graves of their dead. Down there they had their wonderful signs, their sanctuaries. We are seized by a strange mood when we walk through the catacombs today, through the underground, despised Rome. The Christians knew what was in store for them. Despised was what was the first seed of the Christ impulse, enclosed on earth in the underground catacombs. What remains of imperial Rome? It has disappeared from the earth. But what lived in the catacombs at that time has been exalted.
[ 33 ] Mögen heute die, die sich zu Trägern einer spirituellen Weltanschauung machen wollen, mögen sie die Sicherheit der ersten Christen erhalten. Mögen die Vertreter der Geisteswissenschaft leben, verachtet von der zeitgenössischen Gelehrsamkeit, mögen sie aber wissen, daß sie eben arbeiten für das, was blühen und gedeihen wird in der Zukunft. Mögen sie ertragen lernen alles Widerwärtige der Gegenwart. Wir arbeiten in die Zukunft hinein. Das kann man auch in Bescheidenheit und auch in Sicherheit, ohne Überhebung fühlen, stark gegen die Mißverständnisse in unserer Zeit.
[ 33 ] May those who today want to become bearers of a spiritual worldview obtain the security of the first Christians. May the representatives of spiritual science live, despised by contemporary scholarship, but may they know that they are working for what will blossom and flourish in the future. May they learn to endure all the unpleasantness of the present. We are working toward the future. This can be done with modesty and security, without arrogance, but with strength against the misunderstandings of our time.
[ 34 ] Mit solchen Gefühlen versuchen wir das, was vor unsere Seele getreten ist, zum Bleibenden zu machen. Nehmen wir es mit hinaus als Kraft, und wirken wir brüderlich untereinander im rechten Sinne weiter!
[ 34 ] With these feelings, we try to make what has come before our souls into something lasting. Let us take it with us as a source of strength, and let us continue to work together in a spirit of brotherhood in the true sense of the word!
