Anthroposophy's Response
to Universal Questions
GA 108
8 November 1908, Munich
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Die Beantwortung von Welt- und Lebensfragen, 3rd ed.
14. Über Philosophie und formale Logik
14. Über Philosophie und formale Logik
[ 1 ] Wir werden heute ein kleines Intermezzo in unseren Vorträgen haben. Es soll nämlich heute nicht über ein anthroposophisches Thema, sondern über einen rein philosophischen Gegenstand gesprochen werden. Dadurch wird der heutige Abend den wesentlichen Charakter der Langweiligkeit tragen müssen. Aber es ist vielleicht gut, daß sich die Anthroposophen ab und zu in solch langweilige Themen vertiefen, daß sie sie an sich herankommen lassen - aus dem Grunde, weil sie ja immer und immer wieder hören müssen, die Wissenschaften, insbesondere auch die philosophische Wissenschaft, könnten sich nicht mit der Anthroposophie befassen, da sich damit nur dilettantische Menschen beschäftigten, die keine Lust hätten, sich der ernsten, strengen Forschung, dem ernsten, strengen Denken hinzugeben. Dilettantismus, Laientum, das ist es, was von seiten der gelehrten Philosophen der Anthroposophie immer wiederum zum Vorwurfe gemacht wird. Nun wird Ihnen der Vortrag, den ich in Stuttgart gehalten habe und der am nächsten Mittwoch hier gedruckt ausgegeben wird, von einer gewissen Seite her beleuchten können, wie gerade der Philosophie es erst möglich gemacht werden wird, den Weg, die Brücke zur Anthroposophie herüberzufinden, wenn sie erst selber ihre Vertiefung in sich finden wird. In diesem Vortrag wird Ihnen gezeigt werden, daß die Philosophen, die von dem Dilettantismus der Anthroposophen sprechen, einfach aus dem Grunde keine Brücke schlagen können von ihrer vermeintlichen Wissenschaftlichkeit zu der von ihnen so verachteten Anthroposophie, weil sie die Philosophie selber nicht haben, weil sie sozusagen auf ihrem eigenen Gebiete sich dem ärgsten Dilettantismus hingeben.
[ 1 ] Wir werden heute ein kleines Intermezzo in unseren Vorträgen haben. Es soll nämlich heute nicht über ein anthroposophisches Thema, sondern über einen rein philosophischen Gegenstand gesprochen werden. Dadurch wird der heutige Abend den wesentlichen Charakter der Langweiligkeit tragen müssen. Aber es ist vielleicht gut, daß sich die Anthroposophen ab und zu in solch langweilige Themen vertiefen, daß sie sie an sich herankommen lassen - aus dem Grunde, weil sie ja immer und immer wieder hören müssen, die Wissenschaften, insbesondere auch die philosophische Wissenschaft, könnten sich nicht mit der Anthroposophie befassen, da sich damit nur dilettantische Menschen beschäftigten, die keine Lust hätten, sich der ernsten, strengen Forschung, dem ernsten, strengen Denken hinzugeben. Dilettantismus, Laientum, das ist es, was von seiten der gelehrten Philosophen der Anthroposophie immer wiederum zum Vorwurfe gemacht wird. Nun wird Ihnen der Vortrag, den ich in Stuttgart gehalten habe und der am nächsten Mittwoch hier gedruckt ausgegeben wird, von einer gewissen Seite her beleuchten können, wie gerade der Philosophie es erst möglich gemacht werden wird, den Weg, die Brücke zur Anthroposophie herüberzufinden, wenn sie erst selber ihre Vertiefung in sich finden wird. In diesem Vortrag wird Ihnen gezeigt werden, daß die Philosophen, die von dem Dilettantismus der Anthroposophen sprechen, einfach aus dem Grunde keine Brücke schlagen können von ihrer vermeintlichen Wissenschaftlichkeit zu der von ihnen so verachteten Anthroposophie, weil sie die Philosophie selber nicht haben, weil sie sozusagen auf ihrem eigenen Gebiete sich dem ärgsten Dilettantismus hingeben.
[ 2 ] Es ist in der Tat eine gewisse Misere auf dem Gebiet der Philosophie vorhanden. Wir haben in unserem heutigen Geistesleben eine fruchtbare, außerordentlich bedeutsame Naturwissenschaft. Wir haben auch auf anderen Gebieten des Geisteslebens rein wissenschaftliche Fortschritte aufzuweisen, dadurch, daß es der positiven Wissenschaft gelungen ist, exakte, in verschiedene Gebiete hineinführende Instrumente zu konstruieren, welche die Räume durchmessen und die kleinsten Teilchen bloßlegen können. Hierdurch und durch verschiedene andere Mittel, die ihr zur Verfügung stehen, ist es dahin gekommen, die äußere Forschung zu etwas zu bringen, was in Zukunft durch die eintretende Erweiterung der Methoden noch ungeheuer vermehrt werden wird. Aber es liegt auch die Tatsache vor, daß dieser äußeren Forschung gegenübersteht eine philosophische Unbildung gerade derjenigen, die da Forscher sind, so daß es zwar mit Hilfe der heutigen Werkzeuge möglich ist, auf dem äußeren Tatsachengebiet große, gewaltige Errungenschaften zu erzielen, daß es aber denjenigen, denen gerade die Mission zukommt, diese Errungenschaften zu machen, nicht möglich ist, Schlüsse zu ziehen aus diesen äußeren Ergebnissen für die Erkenntnis des Geistes, eben einfach aus dem Grunde, weil die mit der äußeren Mission der Wissenschaften Betrauten auf gar keiner bedeutenden Bildungshöhe in bezug auf philosophisches Denken stehen. Es ist etwas ganz anderes, in der Forschung mit dem Werkzeuge und der äußeren Methode im Laboratorium, im Kabinett zu arbeiten, und etwas anderes, sein Denken so gebildet, so geschult zu haben, daß man aus dem, was man also erforschen kann, gültige Schlüsse zu ziehen vermag, die dann ein Licht zu verbreiten in der Lage sind über die Urgründe des Daseins.
[ 2 ] Es ist in der Tat eine gewisse Misere auf dem Gebiet der Philosophie vorhanden. Wir haben in unserem heutigen Geistesleben eine fruchtbare, außerordentlich bedeutsame Naturwissenschaft. Wir haben auch auf anderen Gebieten des Geisteslebens rein wissenschaftliche Fortschritte aufzuweisen, dadurch, daß es der positiven Wissenschaft gelungen ist, exakte, in verschiedene Gebiete hineinführende Instrumente zu konstruieren, welche die Räume durchmessen und die kleinsten Teilchen bloßlegen können. Hierdurch und durch verschiedene andere Mittel, die ihr zur Verfügung stehen, ist es dahin gekommen, die äußere Forschung zu etwas zu bringen, was in Zukunft durch die eintretende Erweiterung der Methoden noch ungeheuer vermehrt werden wird. Aber es liegt auch die Tatsache vor, daß dieser äußeren Forschung gegenübersteht eine philosophische Unbildung gerade derjenigen, die da Forscher sind, so daß es zwar mit Hilfe der heutigen Werkzeuge möglich ist, auf dem äußeren Tatsachengebiet große, gewaltige Errungenschaften zu erzielen, daß es aber denjenigen, denen gerade die Mission zukommt, diese Errungenschaften zu machen, nicht möglich ist, Schlüsse zu ziehen aus diesen äußeren Ergebnissen für die Erkenntnis des Geistes, eben einfach aus dem Grunde, weil die mit der äußeren Mission der Wissenschaften Betrauten auf gar keiner bedeutenden Bildungshöhe in bezug auf philosophisches Denken stehen. Es ist etwas ganz anderes, in der Forschung mit dem Werkzeuge und der äußeren Methode im Laboratorium, im Kabinett zu arbeiten, und etwas anderes, sein Denken so gebildet, so geschult zu haben, daß man aus dem, was man also erforschen kann, gültige Schlüsse zu ziehen vermag, die dann ein Licht zu verbreiten in der Lage sind über die Urgründe des Daseins.
[ 3 ] Es gab Zeiten philosophischer Vertiefung, in denen die Menschen, die dazu berufen waren, ihr Denken ganz besonders geschult hatten, in denen die äußere Forschung nicht so weit war wie heute. Heute ist das Gegenteil der Fall. Da steht bewunderungswürdig eine äußere Tatsachenforschung einem Unvermögen des Denkens und der philosophischen Begriffsdurcharbeitung im weitesten Sinne gegenüber. Ja, wir haben es eigentlich nicht nur zu tun mit einem solchen Unvermögen derer, die da arbeiten sollen in der Forschung, sondern mit einer gewissen Verachtung des philosophischen Denkens. Der Botaniker, der Physiker, der Chemiker findet es heute gar nicht nötig, sich irgendwie über die elementarsten Grundlagen der Gedankentechnik den Kopf zu zerbrechen. Wenn er an seine Arbeit im Laboratorium, im Kabinette herangeht, dann ist es so, daß man sagen kann: Ja, da arbeitet die Methode eigentlich von selber. - Wer ein wenig vertraut ist mit diesen Dingen, der weiß, wie die Methode von selber arbeitet, der weiß, daß es im Grunde genommen gar nichts so Welterschütterndes ist, wenn einer eine vielleicht tief einschneidende Tatsachenentdeckung macht; denn seit langer Zeit arbeitet die Methode vor. Stößt der empirische Forscher auf das, worauf es ankommt, kommt solch ein Physiker oder Chemiker und will nunmehr über die eigentlichen Gründe, die dem zugrunde liegen, was er erforscht, irgend etwas berichten, dann fängt er es an mit seinem Denken, und die Folge davon ist, daß etwas «Schönes» herauskommt, weil er eben im Denken gar nicht geschult ist. Und durch dieses ungeschulte, durch dieses innerlich verwahrloste Denken, das den heutigen Gelehrten ebenso anhaftet wie Laien, haben wir es dahin gebracht, daß gewisse Lehrsätze autoritativ die Welt durchschwirren, die die Laien dann gläubig hinnehmen und für etwas halten, das unbedingt sichergestellt ist, während eigentlich der Urgrund, daß diese Lehrsätze überhaupt entstanden sind, nur in dem verwahrlost genannten Denken liegt. Gewisse Schlüsse werden in unglaublicher Art gezogen.
[ 3 ] Es gab Zeiten philosophischer Vertiefung, in denen die Menschen, die dazu berufen waren, ihr Denken ganz besonders geschult hatten, in denen die äußere Forschung nicht so weit war wie heute. Heute ist das Gegenteil der Fall. Da steht bewunderungswürdig eine äußere Tatsachenforschung einem Unvermögen des Denkens und der philosophischen Begriffsdurcharbeitung im weitesten Sinne gegenüber. Ja, wir haben es eigentlich nicht nur zu tun mit einem solchen Unvermögen derer, die da arbeiten sollen in der Forschung, sondern mit einer gewissen Verachtung des philosophischen Denkens. Der Botaniker, der Physiker, der Chemiker findet es heute gar nicht nötig, sich irgendwie über die elementarsten Grundlagen der Gedankentechnik den Kopf zu zerbrechen. Wenn er an seine Arbeit im Laboratorium, im Kabinette herangeht, dann ist es so, daß man sagen kann: Ja, da arbeitet die Methode eigentlich von selber. - Wer ein wenig vertraut ist mit diesen Dingen, der weiß, wie die Methode von selber arbeitet, der weiß, daß es im Grunde genommen gar nichts so Welterschütterndes ist, wenn einer eine vielleicht tief einschneidende Tatsachenentdeckung macht; denn seit langer Zeit arbeitet die Methode vor. Stößt der empirische Forscher auf das, worauf es ankommt, kommt solch ein Physiker oder Chemiker und will nunmehr über die eigentlichen Gründe, die dem zugrunde liegen, was er erforscht, irgend etwas berichten, dann fängt er es an mit seinem Denken, und die Folge davon ist, daß etwas «Schönes» herauskommt, weil er eben im Denken gar nicht geschult ist. Und durch dieses ungeschulte, durch dieses innerlich verwahrloste Denken, das den heutigen Gelehrten ebenso anhaftet wie Laien, haben wir es dahin gebracht, daß gewisse Lehrsätze autoritativ die Welt durchschwirren, die die Laien dann gläubig hinnehmen und für etwas halten, das unbedingt sichergestellt ist, während eigentlich der Urgrund, daß diese Lehrsätze überhaupt entstanden sind, nur in dem verwahrlost genannten Denken liegt. Gewisse Schlüsse werden in unglaublicher Art gezogen.
[ 4 ] Wir wollen als Beispiel einen solchen Schluß, der eine gewisse historische Bedeutung hat, uns vor die Seele führen. Wenn eine Glocke läutet, dann sagen sich die Leute: Ich höre einen Ton; ich gehe ihm nach, um zu sehen, welches der äußere objektive Grund desselben ist. - Und nun finden sie, und zwar in diesem Fall durch exaktes Experiment, durch etwas, was äußerlich durch Tatsachen konstatierbar ist, daß, wenn von einem Gegenstand ein Ton ausgeht, dann der Gegenstand in gewisser Weise innerlich erschüttert ist, daß, wenn eine Glocke ertönt, ihr Metall in Schwingungen ist. Es kann durch das exakte Experiment nachgewiesen werden, daß, wenn die Glocke schwingt, sie auch die Luft in gewisse Schwingungen versetzt, die sich fortpflanzen und auf mein Trommelfell treffen. Und als Folge dieser Schwingungen - so ist zunächst der Schluß, recht plausibel! - entstehen die Töne. Ich weiß, wenn ich eine Saite habe, daß diese schwingt; ich kann das nachweisen in der Tatsachenwelt, indem ich der Saite kleine Papierreiterchen aufsetze, die beim Anstreichen abspringen. Ebenso kann natürlich nachgewiesen werden, daß die Saite wiederum die Luft in Schwingungen versetzt, die Luft, die dann an mein Ohr schlägt und den Ton hervorruft. Für den Schall ist das etwas, was der Tatsachenwelt angehört, und es ist nicht schwierig, das zu verfolgen, wenn es einem auseinandergesetzt wird. Man braucht nur die Tatsachen zusammenzustellen und Denkschlüsse daraus zu ziehen, dann wird sich ergeben, was gesagt worden ist. Aber nun geht die Sache weiter, und da hapert es gewaltig. Die Leute sagen: Ja, mit dem Ohr nehmen wir Schall wahr, mit dem Auge Licht und Farben. - Nun scheint es ihnen so, daß, weil der Schall sozusagen als eine Wirkung von etwas Äußerem erscheint, auch die Farbe als solche die Wirkung von etwas Äußerem sei. Schön! Das Äußere der Farbe könne man sich ähnlich vorstellen, als etwas Schwingendes, wie beim Ton die Luft. Und so wie, sagen wir, einer gewissen Tonhöhe eine gewisse Anzahl von Schwingungen entspricht, so könnte man sagen, also wird auch etwas in einer bestimmten Schwingungszahl sich bewegen, was diese oder jene Farbe hervorruft. Warum sollte es nicht gleich der Luft, die an mein Trommelfell pumpert, draußen etwas geben, was schwingt, und nicht etwas geben, was diese Schwingungen fortpflanzt bis an mein Auge und hier den Lichteindruck hervorruft? Sehen, wahrnehmen durch irgendein Instrument kann man natürlich das nicht, was in diesem Fall schwingt. Beim Tone schon. Da kann festgestellt werden, daß etwas schwingt; bei der Farbe nicht, da kann es nicht wahrgenommen werden. Aber die Sache scheint so einleuchtend, daß es keinem Menschen einfällt, daran zu zweifeln, daß auch dann etwas schwingen muß, wenn wir einen Lichteindruck haben, wie etwas schwingt, wenn wir Toneindrücke haben. Und da man das, was da schwingt, nicht wahrnehmen kann, so erfindet man es eben. Man sagt: Die Luft ist ein dichter Stoff, der in Schwingungen kommt beim Tone; die Schwingungen des Lichts sind im «Äther». Dieser füllte den ganzen Weltenraum aus. Wenn nun die Sonne uns Licht zukommen läßt, so beruhe das darauf, daß die Sonnenmaterie in Schwingungen komme, daß diese im Äther sich fortpflanzten, am Auge anpumperten und den Eindruck des Lichtes hervorriefen.
[ 4 ] Wir wollen als Beispiel einen solchen Schluß, der eine gewisse historische Bedeutung hat, uns vor die Seele führen. Wenn eine Glocke läutet, dann sagen sich die Leute: Ich höre einen Ton; ich gehe ihm nach, um zu sehen, welches der äußere objektive Grund desselben ist. - Und nun finden sie, und zwar in diesem Fall durch exaktes Experiment, durch etwas, was äußerlich durch Tatsachen konstatierbar ist, daß, wenn von einem Gegenstand ein Ton ausgeht, dann der Gegenstand in gewisser Weise innerlich erschüttert ist, daß, wenn eine Glocke ertönt, ihr Metall in Schwingungen ist. Es kann durch das exakte Experiment nachgewiesen werden, daß, wenn die Glocke schwingt, sie auch die Luft in gewisse Schwingungen versetzt, die sich fortpflanzen und auf mein Trommelfell treffen. Und als Folge dieser Schwingungen - so ist zunächst der Schluß, recht plausibel! - entstehen die Töne. Ich weiß, wenn ich eine Saite habe, daß diese schwingt; ich kann das nachweisen in der Tatsachenwelt, indem ich der Saite kleine Papierreiterchen aufsetze, die beim Anstreichen abspringen. Ebenso kann natürlich nachgewiesen werden, daß die Saite wiederum die Luft in Schwingungen versetzt, die Luft, die dann an mein Ohr schlägt und den Ton hervorruft. Für den Schall ist das etwas, was der Tatsachenwelt angehört, und es ist nicht schwierig, das zu verfolgen, wenn es einem auseinandergesetzt wird. Man braucht nur die Tatsachen zusammenzustellen und Denkschlüsse daraus zu ziehen, dann wird sich ergeben, was gesagt worden ist. Aber nun geht die Sache weiter, und da hapert es gewaltig. Die Leute sagen: Ja, mit dem Ohr nehmen wir Schall wahr, mit dem Auge Licht und Farben. - Nun scheint es ihnen so, daß, weil der Schall sozusagen als eine Wirkung von etwas Äußerem erscheint, auch die Farbe als solche die Wirkung von etwas Äußerem sei. Schön! Das Äußere der Farbe könne man sich ähnlich vorstellen, als etwas Schwingendes, wie beim Ton die Luft. Und so wie, sagen wir, einer gewissen Tonhöhe eine gewisse Anzahl von Schwingungen entspricht, so könnte man sagen, also wird auch etwas in einer bestimmten Schwingungszahl sich bewegen, was diese oder jene Farbe hervorruft. Warum sollte es nicht gleich der Luft, die an mein Trommelfell pumpert, draußen etwas geben, was schwingt, und nicht etwas geben, was diese Schwingungen fortpflanzt bis an mein Auge und hier den Lichteindruck hervorruft? Sehen, wahrnehmen durch irgendein Instrument kann man natürlich das nicht, was in diesem Fall schwingt. Beim Tone schon. Da kann festgestellt werden, daß etwas schwingt; bei der Farbe nicht, da kann es nicht wahrgenommen werden. Aber die Sache scheint so einleuchtend, daß es keinem Menschen einfällt, daran zu zweifeln, daß auch dann etwas schwingen muß, wenn wir einen Lichteindruck haben, wie etwas schwingt, wenn wir Toneindrücke haben. Und da man das, was da schwingt, nicht wahrnehmen kann, so erfindet man es eben. Man sagt: Die Luft ist ein dichter Stoff, der in Schwingungen kommt beim Tone; die Schwingungen des Lichts sind im «Äther». Dieser füllte den ganzen Weltenraum aus. Wenn nun die Sonne uns Licht zukommen läßt, so beruhe das darauf, daß die Sonnenmaterie in Schwingungen komme, daß diese im Äther sich fortpflanzten, am Auge anpumperten und den Eindruck des Lichtes hervorriefen.
[ 5 ] Es wird auch sehr bald vergessen, daß man in rein phantastischer Weise diesen Äther erfunden hat, daß man ihn erspekuliert hat. Das hat sich historisch abgespielt. Man trägt das mit großer Sicherheit vor. Man spricht ganz sicher davon, daß ein solcher Äther sich ausdehne und in Schwingung sei, so sicher, daß sich das Urteil in der Öffentlichkeit bildet: Ja, das ist von der Wissenschaft festgestellt! Wie häufig werden Sie heute dieses Urteil finden: Die Wissenschaft hat festgestellt, daß es einen solchen Äther gibt, dessen Schwingungen die Lichtempfindungen in unserem Auge hervorrufen. Sie können sogar in sehr netten Büchern lesen, daß auf solchen Schwingungen alles beruhe. Das geht so weit, daß man in solchen Schwingungen des Äthers die Urgründe des menschlichen Denkens sucht: Ein Gedanke ist die Wirkung des Äthers auf die Seele. Was ihm zugrunde liegt, sind Schwingungen im Gehirn, ist schwingender Äther und so weiter. - Und so stellt sich für sehr viele das, was sie so ausgedacht, erspekuliert haben, als das eigentlich Reale der Welt vor, an dem man gar nicht zweifeln könne, und dennoch liegt nichts anderes zugrunde als der charakterisierte Denkfehler. Sie dürfen nicht das, was hier Äther genannt wird, mit dem verwechseln, was wir Äther heißen. Da sprechen wir von etwas Übersinnlichem; die Physik spricht aber von dem Äther als von etwas, was wie ein anderer Körper im Raum ist, dem Eigenschaften zugesprochen werden wie den sinnlichen Körpern. Man hat nur ein Recht, von etwas als realer Tatsache zu sprechen, wenn man diese konstatiert hat, wenn sie draußen wirklich ist, wenn man sie erfahren kann. Tatsachen darf man nicht ausdenken. Der Äther des modernen Wissenschafters ist ausgedacht, das ist es, worauf es ankommt.
[ 5 ] Es wird auch sehr bald vergessen, daß man in rein phantastischer Weise diesen Äther erfunden hat, daß man ihn erspekuliert hat. Das hat sich historisch abgespielt. Man trägt das mit großer Sicherheit vor. Man spricht ganz sicher davon, daß ein solcher Äther sich ausdehne und in Schwingung sei, so sicher, daß sich das Urteil in der Öffentlichkeit bildet: Ja, das ist von der Wissenschaft festgestellt! Wie häufig werden Sie heute dieses Urteil finden: Die Wissenschaft hat festgestellt, daß es einen solchen Äther gibt, dessen Schwingungen die Lichtempfindungen in unserem Auge hervorrufen. Sie können sogar in sehr netten Büchern lesen, daß auf solchen Schwingungen alles beruhe. Das geht so weit, daß man in solchen Schwingungen des Äthers die Urgründe des menschlichen Denkens sucht: Ein Gedanke ist die Wirkung des Äthers auf die Seele. Was ihm zugrunde liegt, sind Schwingungen im Gehirn, ist schwingender Äther und so weiter. - Und so stellt sich für sehr viele das, was sie so ausgedacht, erspekuliert haben, als das eigentlich Reale der Welt vor, an dem man gar nicht zweifeln könne, und dennoch liegt nichts anderes zugrunde als der charakterisierte Denkfehler. Sie dürfen nicht das, was hier Äther genannt wird, mit dem verwechseln, was wir Äther heißen. Da sprechen wir von etwas Übersinnlichem; die Physik spricht aber von dem Äther als von etwas, was wie ein anderer Körper im Raum ist, dem Eigenschaften zugesprochen werden wie den sinnlichen Körpern. Man hat nur ein Recht, von etwas als realer Tatsache zu sprechen, wenn man diese konstatiert hat, wenn sie draußen wirklich ist, wenn man sie erfahren kann. Tatsachen darf man nicht ausdenken. Der Äther des modernen Wissenschafters ist ausgedacht, das ist es, worauf es ankommt.
[ 6 ] Es ist daher in der Grundlage unserer Physik eine ungeheure Phantastik, eine willkürliche Erdichtung von geheimnisvollen Ätherschwingungen, Atom- und Molekülschwingungen, die alle unmöglich angenommen werden dürfen, weil nichts anderes als tatsächlich angesehen werden darf als das, was auch tatsächlich wahrzunehmen ist. Kann irgendeine solche Ätherschwingung wahrgenommen werden, wie sie die Physik annimmt? Eine erkenntnistheoretische Berechtigung hätten wir nur, sie anzunehmen, wenn wir sie mit den Mitteln konstatieren könnten, mit denen man andere Dinge wahrnimmt. Wir haben keine anderen Mittel, Dinge zu konstatieren, als die sinnliche Wahrnehmung. Kann das Licht oder Farbe sein, was im Äther schwingt? Unmöglich, denn es soll erst die Farbe hervorbringen und das Licht. Kann es durch andere Sinne wahrgenommen werden? Unmöglich; es ist etwas, was alle Wahrnehmungen hervorbringen soll, das aber gleichzeitig unmöglich wahrgenommen werden kann durch den Begriff, den man hineingelegt hat. Es ist etwas, was sehr ähnlich sieht dem Messer, das keinen Griff und keine Klinge hat, etwas, wo sozusagen der vordere Teil des Begriffs den hinteren Teil von selber aufzehrt. Nun wird aber da ganz Merkwürdiges geleistet, und Sie können darin einen Beleg sehen, wie sehr berechtigt - so frech der Ausdruck auch klingt - der Ausdruck «verwahrlost» in bezug auf das philosophische Denken ist. Die Menschen vergessen dabei vollständig, auf die einfachsten Denknotwendigkeiten Rücksicht zu nehmen.
[ 6 ] Es ist daher in der Grundlage unserer Physik eine ungeheure Phantastik, eine willkürliche Erdichtung von geheimnisvollen Ätherschwingungen, Atom- und Molekülschwingungen, die alle unmöglich angenommen werden dürfen, weil nichts anderes als tatsächlich angesehen werden darf als das, was auch tatsächlich wahrzunehmen ist. Kann irgendeine solche Ätherschwingung wahrgenommen werden, wie sie die Physik annimmt? Eine erkenntnistheoretische Berechtigung hätten wir nur, sie anzunehmen, wenn wir sie mit den Mitteln konstatieren könnten, mit denen man andere Dinge wahrnimmt. Wir haben keine anderen Mittel, Dinge zu konstatieren, als die sinnliche Wahrnehmung. Kann das Licht oder Farbe sein, was im Äther schwingt? Unmöglich, denn es soll erst die Farbe hervorbringen und das Licht. Kann es durch andere Sinne wahrgenommen werden? Unmöglich; es ist etwas, was alle Wahrnehmungen hervorbringen soll, das aber gleichzeitig unmöglich wahrgenommen werden kann durch den Begriff, den man hineingelegt hat. Es ist etwas, was sehr ähnlich sieht dem Messer, das keinen Griff und keine Klinge hat, etwas, wo sozusagen der vordere Teil des Begriffs den hinteren Teil von selber aufzehrt. Nun wird aber da ganz Merkwürdiges geleistet, und Sie können darin einen Beleg sehen, wie sehr berechtigt - so frech der Ausdruck auch klingt - der Ausdruck «verwahrlost» in bezug auf das philosophische Denken ist. Die Menschen vergessen dabei vollständig, auf die einfachsten Denknotwendigkeiten Rücksicht zu nehmen.
[ 7 ] So also kommen gewisse Leute durch Ausspinnen solcher Theorien dazu, daß sie sagen: Alles, was uns erscheint, was ist das anderes als etwas, dem zugrunde liegt schwingende Materie, schwingender Äther, Bewegung? Würdest du alles in der Welt untersuchen, so würdest du finden, daß, wo Farbe und so weiter ist, nichts ist als schwingende Materie. Wenn zum Beispiel eine Lichtwirkung sich fortpflanzt, so geht nicht irgend etwas über von einem Raumteil zum anderen, es strömt nichts von der Sonne zu uns. - Man stellt sich in den betreffenden Kreisen vor: Zwischen uns und der Sonne ist der Äther, die Moleküle der Sonne tanzen; weil sie tanzen, so bringen sie die nächsten Ätherteile ins Tanzen; jetzt tanzen die angrenzenden auch; weil sie tanzen, so tanzen wiederum die nächsten, und so setzt es sich fort bis herunter zu unserem Auge, und wenn es angetanzt kommt, so nimmt unser Auge Licht und Farbe wahr. Also, sagt man, strömt nichts herunter; was tanzt, bleibt droben, es regt nur wieder zum Tanzen an. Nur der Tanz pflanzt sich fort. Es ist nicht im Lichte irgend etwas vorhanden, was herunterströmen würde. - Das ist, wie wenn eine lange Reihe von Menschen dastünde, von denen einer dem anderen, dem nächsten, einen Schlag gibt, den dieser wieder weiterschickt zum dritten und dieser zum vierten. Der erste geht nicht fort, der zweite auch nicht; der Schlag pflanzt sich fort. So pflanzt sich, sagt man, der Tanz der Atome fort. In einer fleißig und gelehrt geschriebenen Broschüre, die man insofern anerkennen muß, als sie auf der völligen Höhe der Wissenschaft steht, hat einer etwas zuwege gebracht, was nett war. Er hat geschrieben: Es ist die Grundlage aller Erscheinungen, daß sich nichts in einen anderen Raumteil begibt; nur die Bewegungen pflanzen sich fort. Wenn also ein Mensch vorwärtsgeht, so ist es eine falsche Vorstellung, zu meinen, daß er seine Materialität hinübertrage in einen anderen Raumteil. Er macht einen Schritt, bewegt sich; die Bewegung erzeugt sich wieder, beim nächsten Schritt wieder und so weiter. Das ist ganz konsequent gedacht. Nun ist aber solch einem Gelehrten zu raten, wenn er ein paar Schritte macht und sich im nächsten Raumteile wieder erzeugen muß, weil nichts von seinem Körper mit hinüberkommt, daß er nur ja nicht vergißt, sich wieder zu erzeugen, sonst könnte er ins Nichts hinein verschwinden. Hier haben Sie ein Beispiel, wie die Dinge zu Konsequenzen führen! Diese ziehen die Leute nur nicht. Was in der Öffentlichkeit vorgeht, ist, daß die Leute sich sagen: Nun ja, da ist ein Buch erschienen, da hat jemand diese Theorien auseinandergesetzt, der hat vieles gelernt, und da hat er diese Dinge ausgeheckt, und das steht fest! - Daß da irgend etwas noch ganz anderes in der Sache drinnen sein könne, darauf kommen die Menschen nicht.
[ 7 ] So also kommen gewisse Leute durch Ausspinnen solcher Theorien dazu, daß sie sagen: Alles, was uns erscheint, was ist das anderes als etwas, dem zugrunde liegt schwingende Materie, schwingender Äther, Bewegung? Würdest du alles in der Welt untersuchen, so würdest du finden, daß, wo Farbe und so weiter ist, nichts ist als schwingende Materie. Wenn zum Beispiel eine Lichtwirkung sich fortpflanzt, so geht nicht irgend etwas über von einem Raumteil zum anderen, es strömt nichts von der Sonne zu uns. - Man stellt sich in den betreffenden Kreisen vor: Zwischen uns und der Sonne ist der Äther, die Moleküle der Sonne tanzen; weil sie tanzen, so bringen sie die nächsten Ätherteile ins Tanzen; jetzt tanzen die angrenzenden auch; weil sie tanzen, so tanzen wiederum die nächsten, und so setzt es sich fort bis herunter zu unserem Auge, und wenn es angetanzt kommt, so nimmt unser Auge Licht und Farbe wahr. Also, sagt man, strömt nichts herunter; was tanzt, bleibt droben, es regt nur wieder zum Tanzen an. Nur der Tanz pflanzt sich fort. Es ist nicht im Lichte irgend etwas vorhanden, was herunterströmen würde. - Das ist, wie wenn eine lange Reihe von Menschen dastünde, von denen einer dem anderen, dem nächsten, einen Schlag gibt, den dieser wieder weiterschickt zum dritten und dieser zum vierten. Der erste geht nicht fort, der zweite auch nicht; der Schlag pflanzt sich fort. So pflanzt sich, sagt man, der Tanz der Atome fort. In einer fleißig und gelehrt geschriebenen Broschüre, die man insofern anerkennen muß, als sie auf der völligen Höhe der Wissenschaft steht, hat einer etwas zuwege gebracht, was nett war. Er hat geschrieben: Es ist die Grundlage aller Erscheinungen, daß sich nichts in einen anderen Raumteil begibt; nur die Bewegungen pflanzen sich fort. Wenn also ein Mensch vorwärtsgeht, so ist es eine falsche Vorstellung, zu meinen, daß er seine Materialität hinübertrage in einen anderen Raumteil. Er macht einen Schritt, bewegt sich; die Bewegung erzeugt sich wieder, beim nächsten Schritt wieder und so weiter. Das ist ganz konsequent gedacht. Nun ist aber solch einem Gelehrten zu raten, wenn er ein paar Schritte macht und sich im nächsten Raumteile wieder erzeugen muß, weil nichts von seinem Körper mit hinüberkommt, daß er nur ja nicht vergißt, sich wieder zu erzeugen, sonst könnte er ins Nichts hinein verschwinden. Hier haben Sie ein Beispiel, wie die Dinge zu Konsequenzen führen! Diese ziehen die Leute nur nicht. Was in der Öffentlichkeit vorgeht, ist, daß die Leute sich sagen: Nun ja, da ist ein Buch erschienen, da hat jemand diese Theorien auseinandergesetzt, der hat vieles gelernt, und da hat er diese Dinge ausgeheckt, und das steht fest! - Daß da irgend etwas noch ganz anderes in der Sache drinnen sein könne, darauf kommen die Menschen nicht.
[ 8 ] Also es handelt sich darum, daß die Sache wirklich nicht so schlimm liegt mit dem Dilettantismus der Anthroposophie. Es ist wahr, daß diejenigen, die auf solchem Boden stehen, auf dem die denkerische Gelehrsamkeit steht, die Anthroposophie nur als Dilettantismus ansehen können; aber worum es sich handelt, ist, daß die Leute auf ihrem eigenen Boden sich eingesponnen haben in Begriffe, die ihnen Denkgewohnheiten sind. Man kann ja Nachsicht üben, wenn jemand durch seine Denkgewohnheiten dazu geführt wird, daß er sich immer und immer wieder erzeugen muß; aber trotzdem muß betont werden, daß auf dieser Seite keine Berechtigung besteht, von ihrem theoretischen Standpunkt herab vom Dilettantismus der Anthroposophie zu sprechen, die sich gewiß, wenn sie ihr Ideal erfüllt, nicht solche Fehler zuschulden kommen ließe, daß sie nicht versuchen würde, die Konsequenzen aus den Voraussetzungen zu ziehen und zu prüfen, ob sie absurd sind. Aus der Anthroposophie können Sie überall die Konsequenzen ziehen. Die Schlüsse sind anwendbar auf das Leben, während sie es dort nicht sind, nicht auf das Leben angewendet werden können, nur gelten für die Gelehrtenstuben!
[ 8 ] Also es handelt sich darum, daß die Sache wirklich nicht so schlimm liegt mit dem Dilettantismus der Anthroposophie. Es ist wahr, daß diejenigen, die auf solchem Boden stehen, auf dem die denkerische Gelehrsamkeit steht, die Anthroposophie nur als Dilettantismus ansehen können; aber worum es sich handelt, ist, daß die Leute auf ihrem eigenen Boden sich eingesponnen haben in Begriffe, die ihnen Denkgewohnheiten sind. Man kann ja Nachsicht üben, wenn jemand durch seine Denkgewohnheiten dazu geführt wird, daß er sich immer und immer wieder erzeugen muß; aber trotzdem muß betont werden, daß auf dieser Seite keine Berechtigung besteht, von ihrem theoretischen Standpunkt herab vom Dilettantismus der Anthroposophie zu sprechen, die sich gewiß, wenn sie ihr Ideal erfüllt, nicht solche Fehler zuschulden kommen ließe, daß sie nicht versuchen würde, die Konsequenzen aus den Voraussetzungen zu ziehen und zu prüfen, ob sie absurd sind. Aus der Anthroposophie können Sie überall die Konsequenzen ziehen. Die Schlüsse sind anwendbar auf das Leben, während sie es dort nicht sind, nicht auf das Leben angewendet werden können, nur gelten für die Gelehrtenstuben!
[ 9 ] Das sind solche Dinge, die Sie auf die Denkfehler aufmerksam machen sollen, die ja für denjenigen, der sich nicht damit befaßt, nicht so leicht sichtbar werden. Es wirkt heute das autoritative Gefühl im Verkehr zwischen Gelehrten und Publikum in allen Kreisen viel zu stark; aber das autoritative Gefühl hat heute wenig gute Grundlagen. Man sollte sich darauf verlassen können. Nicht jeder ist in der Lage, die Geschichte der Wissenschaft zu verfolgen, um von da aus sich die Dinge holen zu können, die ihn unterrichten über die Tragweite der rein äußeren Forschung und der denkerischen Forschung. So ist es durchaus berechtigt, sagen wir, Helmholtz bloß wegen der Erfindung des Augenspiegels eine große Bedeutung zuzuschreiben. Wenn Sie aber diese Entdeckung historisch verfolgen, wenn Sie verfolgen können, was schon dagewesen ist und wie man nur noch hat draufgestoßen zu werden brauchen, so werden Sie sehen, daß hier die Methoden gearbeitet haben. Man kann eigentlich im Grunde heute ein sehr kleiner Denker sein und große, gewaltige Errungenschaften zuwege bringen, wenn einem die betreffenden Mittel mit ihren Methoden zur Verfügung stehen. Damit ist nicht alle Arbeit auf diesem Gebiete kritisiert, aber was gesagt worden ist, gilt.
[ 9 ] Das sind solche Dinge, die Sie auf die Denkfehler aufmerksam machen sollen, die ja für denjenigen, der sich nicht damit befaßt, nicht so leicht sichtbar werden. Es wirkt heute das autoritative Gefühl im Verkehr zwischen Gelehrten und Publikum in allen Kreisen viel zu stark; aber das autoritative Gefühl hat heute wenig gute Grundlagen. Man sollte sich darauf verlassen können. Nicht jeder ist in der Lage, die Geschichte der Wissenschaft zu verfolgen, um von da aus sich die Dinge holen zu können, die ihn unterrichten über die Tragweite der rein äußeren Forschung und der denkerischen Forschung. So ist es durchaus berechtigt, sagen wir, Helmholtz bloß wegen der Erfindung des Augenspiegels eine große Bedeutung zuzuschreiben. Wenn Sie aber diese Entdeckung historisch verfolgen, wenn Sie verfolgen können, was schon dagewesen ist und wie man nur noch hat draufgestoßen zu werden brauchen, so werden Sie sehen, daß hier die Methoden gearbeitet haben. Man kann eigentlich im Grunde heute ein sehr kleiner Denker sein und große, gewaltige Errungenschaften zuwege bringen, wenn einem die betreffenden Mittel mit ihren Methoden zur Verfügung stehen. Damit ist nicht alle Arbeit auf diesem Gebiete kritisiert, aber was gesagt worden ist, gilt.
[ 10 ] Nun möchte ich Ihnen von einer gewissen Seite her auch die Gründe angeben, warum dies alles hat geschehen können. Dieser Gründe sind ungeheuer viele; aber es wird genügen, wenn wir den einen oder anderen uns vor Augen halten. Wenn wir in der Geschichte des Geisteslebens zurückblicken, dann finden wir, daß das, was wir Denktechnik, Begriffstechnik nennen, seinen Ursprung genommen hat im griechischen Geistesleben, seinen ersten klassischen Vertreter gehabt hat in Aristoteles. Er hat eines für die Menschheit geleistet, für die gelehrte Menschheit, was dieser gelehrten Menschheit zweifellos ungeheuer notwendig wäre, was aber in Mißkredit gekommen ist: die rein formale Logik. Viel Diskussion in der Öffentlichkeit wird darüber geführt, ob man nicht aus dem Gymnasium die philosophische Propädeutik herauswerfen solle. Man hält sie für überflüssig, man könne sie nebenher im Deutschen betreiben, aber als besondere Disziplin brauche man das nicht. Selbst bis zu dieser Konsequenz hat das hochnäsige Herabschauen auf so etwas wie die Denktechnik schon geführt. Diese Denktechnik ist so fest begründet worden von Aristoteles, daß sie wenig Fortschritte hat machen können. Sie braucht es nicht. Was in neuerer Zeit beigebracht worden ist, ist nur beigebracht worden, weil man den eigentlichen Begriff der Logik sogar verloren hat.
[ 10 ] Nun möchte ich Ihnen von einer gewissen Seite her auch die Gründe angeben, warum dies alles hat geschehen können. Dieser Gründe sind ungeheuer viele; aber es wird genügen, wenn wir den einen oder anderen uns vor Augen halten. Wenn wir in der Geschichte des Geisteslebens zurückblicken, dann finden wir, daß das, was wir Denktechnik, Begriffstechnik nennen, seinen Ursprung genommen hat im griechischen Geistesleben, seinen ersten klassischen Vertreter gehabt hat in Aristoteles. Er hat eines für die Menschheit geleistet, für die gelehrte Menschheit, was dieser gelehrten Menschheit zweifellos ungeheuer notwendig wäre, was aber in Mißkredit gekommen ist: die rein formale Logik. Viel Diskussion in der Öffentlichkeit wird darüber geführt, ob man nicht aus dem Gymnasium die philosophische Propädeutik herauswerfen solle. Man hält sie für überflüssig, man könne sie nebenher im Deutschen betreiben, aber als besondere Disziplin brauche man das nicht. Selbst bis zu dieser Konsequenz hat das hochnäsige Herabschauen auf so etwas wie die Denktechnik schon geführt. Diese Denktechnik ist so fest begründet worden von Aristoteles, daß sie wenig Fortschritte hat machen können. Sie braucht es nicht. Was in neuerer Zeit beigebracht worden ist, ist nur beigebracht worden, weil man den eigentlichen Begriff der Logik sogar verloren hat.
[ 11 ] Nun möchte ich Ihnen, damit Sie sehen können, was damit gemeint ist, einen Begriff vom Formallogischen geben. Die Logik ist die Lehre von Begriff, Urteil und Schluß. Zuerst müssen wir darauf ein wenig kommen, wie sich Begriff zu Urteil und zu Schluß verhält. Der Mensch kommt zunächst auf dem physischen Plan zu seinen Erkenntnissen durch die Wahrnehmung. Das erste ist die Empfindung, aber die Empfindung als solche würde zum Beispiel ein Eindruck sein, ein einzelner Farbeneindruck. Es erscheinen uns aber die Gegenstände nicht als solche einzelne, sondern als kombinierte Eindrücke, so daß wir immer nicht bloß einzelne Empfindungen vor uns haben, sondern kombinierte, und das sind die Wahrnehmungen. Wenn Sie einen Gegenstand vor sich haben, den Sie wahrnehmen, so können Sie von dem Gegenstande Ihre Wahrnehmungsorgane abwenden und es bleibt ein Bild in Ihnen. Wenn dieses bleibt, so werden Sie das sehr gut unterscheiden können vom Gegenstand selber. Sie können diesen Hammer anschauen, er ist Ihnen so wahrnehmbar. Drehen Sie sich um, so bleibt Ihnen ein Nachbild. Das nennen wir die Vorstellung.
[ 11 ] Nun möchte ich Ihnen, damit Sie sehen können, was damit gemeint ist, einen Begriff vom Formallogischen geben. Die Logik ist die Lehre von Begriff, Urteil und Schluß. Zuerst müssen wir darauf ein wenig kommen, wie sich Begriff zu Urteil und zu Schluß verhält. Der Mensch kommt zunächst auf dem physischen Plan zu seinen Erkenntnissen durch die Wahrnehmung. Das erste ist die Empfindung, aber die Empfindung als solche würde zum Beispiel ein Eindruck sein, ein einzelner Farbeneindruck. Es erscheinen uns aber die Gegenstände nicht als solche einzelne, sondern als kombinierte Eindrücke, so daß wir immer nicht bloß einzelne Empfindungen vor uns haben, sondern kombinierte, und das sind die Wahrnehmungen. Wenn Sie einen Gegenstand vor sich haben, den Sie wahrnehmen, so können Sie von dem Gegenstande Ihre Wahrnehmungsorgane abwenden und es bleibt ein Bild in Ihnen. Wenn dieses bleibt, so werden Sie das sehr gut unterscheiden können vom Gegenstand selber. Sie können diesen Hammer anschauen, er ist Ihnen so wahrnehmbar. Drehen Sie sich um, so bleibt Ihnen ein Nachbild. Das nennen wir die Vorstellung.
[ 12 ] Es ist ungeheuer wichtig, daß man unterscheidet zwischen Wahrnehmung und Vorstellung. Die Sache ginge sehr gut, wenn nicht dadurch, daß so wenig Denktechnik vorhanden ist, von vornherein diese Sachen ungeheuer verwickelt würden. So beruht zum Beispiel schon der Satz, der heute in vielen Erkenntnistheorien vertreten wird: daß wir nichts anderes gegeben haben als unsere Vorstellung -, auf Irrtum. Denn man sagt: Das Ding an sich nimmst du nicht wahr. - Die meisten Leute glauben, hinter dem, was sie wahrnehmen, sind die tanzenden Moleküle. Was sie wahrnehmen, ist nur der Eindruck auf ihre eigene Seele. Freilich, weil ja sonst die Seele geleugnet wird, so ist es sonderbar, daß sie erst sprechen von den Eindrücken auf die Seele und dann die Seele erklären als etwas, was wiederum nur in tanzenden Atomen besteht.
[ 12 ] Es ist ungeheuer wichtig, daß man unterscheidet zwischen Wahrnehmung und Vorstellung. Die Sache ginge sehr gut, wenn nicht dadurch, daß so wenig Denktechnik vorhanden ist, von vornherein diese Sachen ungeheuer verwickelt würden. So beruht zum Beispiel schon der Satz, der heute in vielen Erkenntnistheorien vertreten wird: daß wir nichts anderes gegeben haben als unsere Vorstellung -, auf Irrtum. Denn man sagt: Das Ding an sich nimmst du nicht wahr. - Die meisten Leute glauben, hinter dem, was sie wahrnehmen, sind die tanzenden Moleküle. Was sie wahrnehmen, ist nur der Eindruck auf ihre eigene Seele. Freilich, weil ja sonst die Seele geleugnet wird, so ist es sonderbar, daß sie erst sprechen von den Eindrücken auf die Seele und dann die Seele erklären als etwas, was wiederum nur in tanzenden Atomen besteht.
[ 13 ] Wenn man so den Dingen zu Leibe geht, dann hat man das Bild vor sich von dem wackeren Münchhausen, der sich am eigenen Schopf in der Luft hält. Es wird nicht unterschieden zwischen der Wahrnehmung und der Vorstellung. Würde man unterscheiden, so würde man gar nicht mehr versucht werden können, diese erkenntnistheoretische Gedankenlosigkeit zu begehen, die darin liegt, daß man sagt: Die Welt ist meine Vorstellung -, abgesehen davon, daß es schon eine erkenntnistheoretische Gedankenlosigkeit ist, wenn man den Versuch macht, die Wahrnehmung mit der Vorstellung zu vergleichen und dann die Wahrnehmung als Vorstellung anspricht. Ich möchte jemand ein Stück glühendes Eisen berühren und ihn dann konstatieren lassen, daß er sich brennt. Nun soll er die Vorstellung vergleichen mit der Wahrnehmung und dann sagen, ob sie ebenso brennt wie diese. Also die Dinge sind so, daß man sie nur logisch anfassen muß; dann zeigt sich, worum es sich handelt. Wir müssen also unterscheiden zwischen Wahrnehmung, bei der wir ein Objekt vor uns haben, und der Vorstellung, bei der dies nicht der Fall ist.
[ 13 ] Wenn man so den Dingen zu Leibe geht, dann hat man das Bild vor sich von dem wackeren Münchhausen, der sich am eigenen Schopf in der Luft hält. Es wird nicht unterschieden zwischen der Wahrnehmung und der Vorstellung. Würde man unterscheiden, so würde man gar nicht mehr versucht werden können, diese erkenntnistheoretische Gedankenlosigkeit zu begehen, die darin liegt, daß man sagt: Die Welt ist meine Vorstellung -, abgesehen davon, daß es schon eine erkenntnistheoretische Gedankenlosigkeit ist, wenn man den Versuch macht, die Wahrnehmung mit der Vorstellung zu vergleichen und dann die Wahrnehmung als Vorstellung anspricht. Ich möchte jemand ein Stück glühendes Eisen berühren und ihn dann konstatieren lassen, daß er sich brennt. Nun soll er die Vorstellung vergleichen mit der Wahrnehmung und dann sagen, ob sie ebenso brennt wie diese. Also die Dinge sind so, daß man sie nur logisch anfassen muß; dann zeigt sich, worum es sich handelt. Wir müssen also unterscheiden zwischen Wahrnehmung, bei der wir ein Objekt vor uns haben, und der Vorstellung, bei der dies nicht der Fall ist.
[ 14 ] In der Vorstellungswelt unterscheiden wir wieder zwischen Vorstellung im engeren Sinn und Begriff. Den Begriff des Begriffes können Sie sich machen am mathematischen Begriff. Denken Sie sich, Sie zeichnen sich einen Kreis auf. Das ist kein Kreis im mathematischen Sinn. Sie können sich, wenn Sie das Aufgezeichnete anschauen, die Vorstellung von einem Kreis bilden, den Begriff aber nicht. Da müssen Sie sich einen Punkt denken und darum herum viele Punkte, die alle gleich weit von dem einen, dem Mittelpunkt, entfernt sind. Dann haben Sie den Begriff Kreis. Mit dieser Gedankenkonstruktion stimmt das; was aufgezeichnet ist, was da besteht aus vielen kleinen Kreidebergen, durchaus nicht überein. Der eine Kreideberg ist weiter weg vom Mittelpunkt als der andere.
[ 14 ] In der Vorstellungswelt unterscheiden wir wieder zwischen Vorstellung im engeren Sinn und Begriff. Den Begriff des Begriffes können Sie sich machen am mathematischen Begriff. Denken Sie sich, Sie zeichnen sich einen Kreis auf. Das ist kein Kreis im mathematischen Sinn. Sie können sich, wenn Sie das Aufgezeichnete anschauen, die Vorstellung von einem Kreis bilden, den Begriff aber nicht. Da müssen Sie sich einen Punkt denken und darum herum viele Punkte, die alle gleich weit von dem einen, dem Mittelpunkt, entfernt sind. Dann haben Sie den Begriff Kreis. Mit dieser Gedankenkonstruktion stimmt das; was aufgezeichnet ist, was da besteht aus vielen kleinen Kreidebergen, durchaus nicht überein. Der eine Kreideberg ist weiter weg vom Mittelpunkt als der andere.
[ 15 ] Sie haben also, wenn Sie von Begriff und Vorstellung reden, den Unterschied zu machen, daß die Vorstellung gewonnen wird an äußeren Gegenständen, daß der Begriff aber durch innerliche Geisteskonstruktion entsteht. Sie können aber in unzähligen Psychologiebüchern heute lesen, daß der Begriff nur dadurch entstehe, daß wir abstrahieren von diesem oder jenem, was in der Außenwelt uns entgegentritt. Man glaubt, in der Außenwelt treten uns nur weiße, schwarze, braune, gelbe Pferde entgegen und daraus soll man den Begriff des Pferdes bilden. Wie, das schildert die Logik so: Man läßt, was verschieden ist, weg; zunächst die weiße, schwarze und so weiter Farbe, dann, was sonst verschieden ist und wiederum verschieden ist und schließlich bleibt etwas Verschwommenes; das nennt man den Begriff «Pferd». Man hat abstrahiert. So, meint man, bilden sich Begriffe.
[ 15 ] Sie haben also, wenn Sie von Begriff und Vorstellung reden, den Unterschied zu machen, daß die Vorstellung gewonnen wird an äußeren Gegenständen, daß der Begriff aber durch innerliche Geisteskonstruktion entsteht. Sie können aber in unzähligen Psychologiebüchern heute lesen, daß der Begriff nur dadurch entstehe, daß wir abstrahieren von diesem oder jenem, was in der Außenwelt uns entgegentritt. Man glaubt, in der Außenwelt treten uns nur weiße, schwarze, braune, gelbe Pferde entgegen und daraus soll man den Begriff des Pferdes bilden. Wie, das schildert die Logik so: Man läßt, was verschieden ist, weg; zunächst die weiße, schwarze und so weiter Farbe, dann, was sonst verschieden ist und wiederum verschieden ist und schließlich bleibt etwas Verschwommenes; das nennt man den Begriff «Pferd». Man hat abstrahiert. So, meint man, bilden sich Begriffe.
[ 16 ] Diejenigen, welche die Sache so schildern, vergessen, daß die eigentliche Natur des Begriffes für die heutige Menschheit nur am mathematischen Begriff wirklich erfaßt werden kann, weil dieser zunächst das zeigt, was innerlich konstruiert ist und dann in der Außenwelt wiederum gefunden wird. Der Begriff des Kreises kann nicht so gebildet werden, daß man verschiedene Kreise, grüne, blaue, große und kleine, durchläuft und dann alles das wegläßt, was nicht gemeinsam ist, und sich dann ein Abstraktum bildet. Der Begriff wird von innen heraus gebildet. Man muß sich die Gedankenkonstruktion bilden. Die Menschen sind nur heute nicht so weit, daß sie sich so den Begriff auch des Pferdes bilden können. Goethe hat sich bemüht, solche innerliche Konstruktionen auch für höhere Gebiete des Naturdaseins zu bilden. Das ist bedeutungsvoll, daß er aufzusteigen sucht von der Vorstellung zum Begriff. Wer etwas versteht von der Sache, weiß, daß man auch zum Begriff des Pferdes nicht dadurch kommt, daß man die Verschiedenheiten wegläßt und das Übrigbleibende behält. So wird der Begriff nicht gebildet, sondern durch innerliche Konstruktion, wie der Begriff des Kreises, nur nicht so einfach. Da tritt eben das ein, was ich im gestrigen Vortrag erwähnt habe von dem Wolfe, der sein ganzes Leben lang Lämmer frißt und doch kein Lamm wird. Wenn man den Begriff des Wolfes so hat, so hat man, was Aristoteles die Form des Wolfes nennt. Auf die Materie des Wolfes kommt es nicht an. Wenn er auch lauter Lämmer frißt, wird er doch kein Lamm. Wenn man bloß auf die Materie sieht, müßte man wohl sagen, daß, wenn er lauter Lämmer verzehrt, er eigentlich ein Lamm werden müßte. Er wird kein Lamm, weil es auf das ankommt, wie er die Materie organisiert, und das ist dasjenige, was in ihm als die «Form» lebt und was man im reinen Begriff konstruieren kann.
[ 16 ] Diejenigen, welche die Sache so schildern, vergessen, daß die eigentliche Natur des Begriffes für die heutige Menschheit nur am mathematischen Begriff wirklich erfaßt werden kann, weil dieser zunächst das zeigt, was innerlich konstruiert ist und dann in der Außenwelt wiederum gefunden wird. Der Begriff des Kreises kann nicht so gebildet werden, daß man verschiedene Kreise, grüne, blaue, große und kleine, durchläuft und dann alles das wegläßt, was nicht gemeinsam ist, und sich dann ein Abstraktum bildet. Der Begriff wird von innen heraus gebildet. Man muß sich die Gedankenkonstruktion bilden. Die Menschen sind nur heute nicht so weit, daß sie sich so den Begriff auch des Pferdes bilden können. Goethe hat sich bemüht, solche innerliche Konstruktionen auch für höhere Gebiete des Naturdaseins zu bilden. Das ist bedeutungsvoll, daß er aufzusteigen sucht von der Vorstellung zum Begriff. Wer etwas versteht von der Sache, weiß, daß man auch zum Begriff des Pferdes nicht dadurch kommt, daß man die Verschiedenheiten wegläßt und das Übrigbleibende behält. So wird der Begriff nicht gebildet, sondern durch innerliche Konstruktion, wie der Begriff des Kreises, nur nicht so einfach. Da tritt eben das ein, was ich im gestrigen Vortrag erwähnt habe von dem Wolfe, der sein ganzes Leben lang Lämmer frißt und doch kein Lamm wird. Wenn man den Begriff des Wolfes so hat, so hat man, was Aristoteles die Form des Wolfes nennt. Auf die Materie des Wolfes kommt es nicht an. Wenn er auch lauter Lämmer frißt, wird er doch kein Lamm. Wenn man bloß auf die Materie sieht, müßte man wohl sagen, daß, wenn er lauter Lämmer verzehrt, er eigentlich ein Lamm werden müßte. Er wird kein Lamm, weil es auf das ankommt, wie er die Materie organisiert, und das ist dasjenige, was in ihm als die «Form» lebt und was man im reinen Begriff konstruieren kann.
[ 17 ] Wenn man nun Begriffe oder Vorstellungen verbindet, dann entstehen Urteile. Verbindet man die Vorstellung «Pferd» mit der Vorstellung «schwarz» zu «das Pferd ist schwarz», so hat man ein Urteil. Die Verbindung von Begriffen bildet also Urteile. Nun handelt es sich darum, daß dieses Urteilebilden durchaus zusammenhängt mit der formalen Begriffstechnik, die man lernen kann, und die lehrt, wie man gültige Begriffe miteinander verbinden, also Urteile bilden kann. Die Lehre davon ist ein Kapitel der formalen Logik. Wir werden sehen, wie das, was ich auseinandergesetzt habe, etwas ist, das zur formalen Logik gehört. Nun ist also die formale Logik das, was auseinandersetzt die innere Denktätigkeit nach ihren Gesetzen, gleichsam die Naturgeschichte des Denkens, was uns liefert die Möglichkeit, gültige Urteile, gültige Schlüsse zu ziehen.
[ 17 ] Wenn man nun Begriffe oder Vorstellungen verbindet, dann entstehen Urteile. Verbindet man die Vorstellung «Pferd» mit der Vorstellung «schwarz» zu «das Pferd ist schwarz», so hat man ein Urteil. Die Verbindung von Begriffen bildet also Urteile. Nun handelt es sich darum, daß dieses Urteilebilden durchaus zusammenhängt mit der formalen Begriffstechnik, die man lernen kann, und die lehrt, wie man gültige Begriffe miteinander verbinden, also Urteile bilden kann. Die Lehre davon ist ein Kapitel der formalen Logik. Wir werden sehen, wie das, was ich auseinandergesetzt habe, etwas ist, das zur formalen Logik gehört. Nun ist also die formale Logik das, was auseinandersetzt die innere Denktätigkeit nach ihren Gesetzen, gleichsam die Naturgeschichte des Denkens, was uns liefert die Möglichkeit, gültige Urteile, gültige Schlüsse zu ziehen.
[ 18 ] Wenn wir hier zu der Urteilsbildung kommen, dann müssen wir wiederum finden, daß die neuere denkerische Arbeit in eine Art von Mausefalle geraten ist. Denn es steht an der Pforte der neueren denkerischen Arbeit Kant, und er bildet eine der größten Autoritäten. Gleich im Beginne der Kantschen Werke finden wir die Urteile im Gegensatz zu Aristoteles. Heute wollen wir darauf hinweisen, wie Gedankenfehler gemacht werden. Gleich im Beginne der Kantschen «Kritik der reinen Vernunft» finden wir die Rede von analytischen und synthetischen Urteilen. Was sollen die analytischen Urteile sein? Sie sollen das sein, wo ein Begriff an den anderen gereiht wird so, daß in dem Subjektbegriff schon der Prädikatbegriff drinnenliegt und man ihn nur herausschält. Kant sagt: Denke ich den Begriff des Körpers und sage, der Körper ist ausgedehnt, so ist das ein analytisches Urteil; denn kein Mensch kann den Begriff des Körpers denken, ohne sich den Körper ausgedehnt zu denken. - Er löst aus dem Subjekt den Begriff des Prädikats nur heraus. So ist ein analytisches Urteil ein solches, das gebildet wird, indem man den Prädikatbegriff aus dem Subjektbegriff herausholt. Ein synthetisches Urteil dagegen ist ein Urteil, in dem der Prädikatbegriff noch nicht so eingewickelt im Subjektbegriff liegt, daß man ihn bloß auswickeln dürfte. Wenn jemand den Begriff des Körpers denkt, so denkt er nicht dazu den Begriff der Schwere. Wenn also der Begriff der Schwere zu dem des Körpers gefügt wird, so hat man ein synthetisches Urteil. Das ist ein Urteil, welches nicht nur Erläuterungen bringt, sondern unsere Gedankenwelt bereichern würde.
[ 18 ] Wenn wir hier zu der Urteilsbildung kommen, dann müssen wir wiederum finden, daß die neuere denkerische Arbeit in eine Art von Mausefalle geraten ist. Denn es steht an der Pforte der neueren denkerischen Arbeit Kant, und er bildet eine der größten Autoritäten. Gleich im Beginne der Kantschen Werke finden wir die Urteile im Gegensatz zu Aristoteles. Heute wollen wir darauf hinweisen, wie Gedankenfehler gemacht werden. Gleich im Beginne der Kantschen «Kritik der reinen Vernunft» finden wir die Rede von analytischen und synthetischen Urteilen. Was sollen die analytischen Urteile sein? Sie sollen das sein, wo ein Begriff an den anderen gereiht wird so, daß in dem Subjektbegriff schon der Prädikatbegriff drinnenliegt und man ihn nur herausschält. Kant sagt: Denke ich den Begriff des Körpers und sage, der Körper ist ausgedehnt, so ist das ein analytisches Urteil; denn kein Mensch kann den Begriff des Körpers denken, ohne sich den Körper ausgedehnt zu denken. - Er löst aus dem Subjekt den Begriff des Prädikats nur heraus. So ist ein analytisches Urteil ein solches, das gebildet wird, indem man den Prädikatbegriff aus dem Subjektbegriff herausholt. Ein synthetisches Urteil dagegen ist ein Urteil, in dem der Prädikatbegriff noch nicht so eingewickelt im Subjektbegriff liegt, daß man ihn bloß auswickeln dürfte. Wenn jemand den Begriff des Körpers denkt, so denkt er nicht dazu den Begriff der Schwere. Wenn also der Begriff der Schwere zu dem des Körpers gefügt wird, so hat man ein synthetisches Urteil. Das ist ein Urteil, welches nicht nur Erläuterungen bringt, sondern unsere Gedankenwelt bereichern würde.
[ 19 ] Nun werden Sie aber einsehen können, daß dieser Unterschied zwischen analytischen und synthetischen Urteilen überhaupt kein logischer ist. Denn ob jemand bei einem Subjektbegriff den Prädikatbegriff schon denkt, hängt davon ab, wie weit er es gebracht hat. Wer sich den Körper so vorstellt, daß er nicht schwer ist, für den ist der Begriff «schwer» in bezug auf den Körper fremd; wer aber schon durch seine denkerische und sonstige Arbeit es dahin gebracht hat, die Schwere sich mit dem Körper verbunden zu denken, der braucht auch aus seinem Begriff «Körper» nur diesen hineingewickelten Begriff wieder herauszuwickeln. Das ist also ein rein subjektiver Unterschied.
[ 19 ] Nun werden Sie aber einsehen können, daß dieser Unterschied zwischen analytischen und synthetischen Urteilen überhaupt kein logischer ist. Denn ob jemand bei einem Subjektbegriff den Prädikatbegriff schon denkt, hängt davon ab, wie weit er es gebracht hat. Wer sich den Körper so vorstellt, daß er nicht schwer ist, für den ist der Begriff «schwer» in bezug auf den Körper fremd; wer aber schon durch seine denkerische und sonstige Arbeit es dahin gebracht hat, die Schwere sich mit dem Körper verbunden zu denken, der braucht auch aus seinem Begriff «Körper» nur diesen hineingewickelten Begriff wieder herauszuwickeln. Das ist also ein rein subjektiver Unterschied.
[ 20 ] Bei all diesen Dingen muß man gründlich zu Werke gehen. Man muß die Fehlerquellen genau aufsuchen. Mir scheint tatsächlich, daß derjenige, der also doch dasjenige als rein subjektiv in Wirklichkeit erfaßt, was man herausschälen kann aus einem Begriff, daß der eigentlich eine Grenze zwischen analytischen und synthetischen Urteilen gar nicht finden wird und daß er in Verlegenheit kommen könnte, eine Definition davon zu geben. Es kommt auf etwas ganz anderes an. Worauf kommt es an? Das nachher! Mir erscheint in der Tat recht bezeichnend, was sich zugetragen hat, als bei einem Examen die Rede war von den beiden Urteilen. Da gab es einen Doktor, der sollte im Nebenfach über Logik geprüft werden. Er war in seinem Fache tüchtig gesattelt, doch in der Logik wußte er gar nichts. Er sagte vor der Prüfung zu einem Freunde, dieser sollte ihm noch einiges aus der Logik sagen. Aber der Freund, der dies etwas ernster nahm, sprach: Wenn du jetzt noch nichts weißt, so ist es schon gescheiter, du verläßt dich auf dein Glück. - Nun kam er zum Examen. Da ging, wie gesagt, alles sehr gut in den Hauptfächern; da war er sattelfest. Aber in der Logik wußte er nichts. Der Professor fragte ihn: Also sagen Sie mir, was ist ein synthetisches Urteil? - Er wußte keine Antwort und war nun sehr verlegen. Ja, Herr Kandidat, wissen Sie gar nicht, was das ist? - fragte der Professor. Nein! - lautete die Antwort. Eine vortreffliche Antwort! - rief der Examinator -, sehen Sie, man forscht schon so lange nach dem, was das ist, und’ kann nicht dahinterkommen, was eigentlich ein synthetisches Urteil ist. Sie hätten eine bessere Antwort gar nicht geben können. Und können Sie mir noch sagen, Herr Kandidat, was ein analytisches Urteil ist? - Der Kandidat war nun schon frecher geworden und antwortete zuversichtlich: Nein! - O ich sehe, Sie sind - fuhr der Professor fort -, in den Geist der Sache eingedrungen. Man hat so lange geforscht nach dem, was ein analytisches Urteil ist und ist nicht dahintergekommen. Das weiß man nicht. Eine vortreffliche Antwort! - Die Tatsache hat sich wirklich zugetragen; sie erschien mir immer, wenn sie auch nicht unbedingt als solche genommen werden darf, als recht gute Charakteristik dafür, was beide Urteile unterscheidet. Es unterscheidet sie in der Tat nichts, es fließt das eine in das andere über.
[ 20 ] Bei all diesen Dingen muß man gründlich zu Werke gehen. Man muß die Fehlerquellen genau aufsuchen. Mir scheint tatsächlich, daß derjenige, der also doch dasjenige als rein subjektiv in Wirklichkeit erfaßt, was man herausschälen kann aus einem Begriff, daß der eigentlich eine Grenze zwischen analytischen und synthetischen Urteilen gar nicht finden wird und daß er in Verlegenheit kommen könnte, eine Definition davon zu geben. Es kommt auf etwas ganz anderes an. Worauf kommt es an? Das nachher! Mir erscheint in der Tat recht bezeichnend, was sich zugetragen hat, als bei einem Examen die Rede war von den beiden Urteilen. Da gab es einen Doktor, der sollte im Nebenfach über Logik geprüft werden. Er war in seinem Fache tüchtig gesattelt, doch in der Logik wußte er gar nichts. Er sagte vor der Prüfung zu einem Freunde, dieser sollte ihm noch einiges aus der Logik sagen. Aber der Freund, der dies etwas ernster nahm, sprach: Wenn du jetzt noch nichts weißt, so ist es schon gescheiter, du verläßt dich auf dein Glück. - Nun kam er zum Examen. Da ging, wie gesagt, alles sehr gut in den Hauptfächern; da war er sattelfest. Aber in der Logik wußte er nichts. Der Professor fragte ihn: Also sagen Sie mir, was ist ein synthetisches Urteil? - Er wußte keine Antwort und war nun sehr verlegen. Ja, Herr Kandidat, wissen Sie gar nicht, was das ist? - fragte der Professor. Nein! - lautete die Antwort. Eine vortreffliche Antwort! - rief der Examinator -, sehen Sie, man forscht schon so lange nach dem, was das ist, und’ kann nicht dahinterkommen, was eigentlich ein synthetisches Urteil ist. Sie hätten eine bessere Antwort gar nicht geben können. Und können Sie mir noch sagen, Herr Kandidat, was ein analytisches Urteil ist? - Der Kandidat war nun schon frecher geworden und antwortete zuversichtlich: Nein! - O ich sehe, Sie sind - fuhr der Professor fort -, in den Geist der Sache eingedrungen. Man hat so lange geforscht nach dem, was ein analytisches Urteil ist und ist nicht dahintergekommen. Das weiß man nicht. Eine vortreffliche Antwort! - Die Tatsache hat sich wirklich zugetragen; sie erschien mir immer, wenn sie auch nicht unbedingt als solche genommen werden darf, als recht gute Charakteristik dafür, was beide Urteile unterscheidet. Es unterscheidet sie in der Tat nichts, es fließt das eine in das andere über.
[ 21 ] Nun müssen wir uns noch klarmachen, wie denn überhaupt von gültigen Urteilen gesprochen werden kann, was ein solches ist. Das ist eine sehr wichtige Sache.
[ 21 ] Nun müssen wir uns noch klarmachen, wie denn überhaupt von gültigen Urteilen gesprochen werden kann, was ein solches ist. Das ist eine sehr wichtige Sache.
[ 22 ] Ein Urteil ist zunächst nichts anderes als die Verbindung von Vorstellungen oder Begriffen. «Die Rose ist rot», ist ein Urteil. Ob nun dadurch, daß ein solches Urteil richtig ist, es auch schon gültig ist, darauf kommt es an. Da müssen wir uns klarmachen: wenn ein Urteil richtig ist, so braucht es noch lange kein gültiges Urteil zu sein. Bei diesem kommt es nicht nur darauf an, daß man einen Subjektbegriff mit einem Prädikatbegriff verbindet. Lassen Sie uns ein Beispiel nehmen! «Diese Rose ist rot», ist ein richtiges Urteil. Ob es nun auch gültig ist, ist nicht ausgemacht; denn wir können auch andere richtige Urteile bilden, welche deshalb noch lange nicht gültig sind. Nach der formalen Logik brauchte gegen die Richtigkeit eines Urteils nichts eingewendet werden zu müssen; es könnte ganz richtig sein, aber mit der Gültigkeit könnte es doch hapern. Es könnte zum Beispiel jemand die Vorstellung eines Wesens ausdenken, das halb Pferd, zu einem Viertel Walfisch und zum letzten Viertel Kamel ist. Dieses Tier wollen wir nun - «Taxu» nennen. Jetzt ist es zweifellos richtig, daß dieses Tier häßlich wäre. Das Urteil: «Das Taxu ist häßlich», ist also richtig und kann durchaus nach allen Regeln der Richtigkeit so gefällt werden; denn das Taxu, halb Pferd, viertels Walfisch und viertels Kamel ist häßlich, das ist zweifellos, und wie das Urteil «Diese Rose ist rot» richtig ist, so auch dieses. Nun darf man niemals ein richtiges Urteil auch als gültig ansprechen. Dazu ist etwas anderes notwendig: Sie müssen das richtige Urteil umwandeln können. Sie müssen erst dann das richtige Urteil als gültig ansehen, wenn Sie sagen können: «Diese rote Rose ist», wenn Sie das Prädikat wiederum in das Subjekt hineinnehmen können, wenn Sie umwandeln können das richtige Urteil in ein Existentialurteil. In diesem Fall also haben Sie ein gültiges Urteil. «Diese rote Rose ist». Anders geht es nicht, als daß man den Prädikatbegriff hineinzunehmen vermag in den Subjektbegriff. Dann ist das Urteil gültig. «Das Taxu ist häßlich», kann man nicht zu einem gültigen Urteil machen. Sie können nicht sagen: «Ein häßliches Taxu ist». Das zeigt Ihnen die Probe, durch die man erfahren kann, ob ein Urteil überhaupt gefällt werden kann; das zeigt Ihnen, wie die Probe gemacht werden muß. Die Probe muß dadurch gemacht werden, daß man sieht, ob man das Urteil in ein Existentialurteil umzuwandeln in der Lage ist.
[ 22 ] Ein Urteil ist zunächst nichts anderes als die Verbindung von Vorstellungen oder Begriffen. «Die Rose ist rot», ist ein Urteil. Ob nun dadurch, daß ein solches Urteil richtig ist, es auch schon gültig ist, darauf kommt es an. Da müssen wir uns klarmachen: wenn ein Urteil richtig ist, so braucht es noch lange kein gültiges Urteil zu sein. Bei diesem kommt es nicht nur darauf an, daß man einen Subjektbegriff mit einem Prädikatbegriff verbindet. Lassen Sie uns ein Beispiel nehmen! «Diese Rose ist rot», ist ein richtiges Urteil. Ob es nun auch gültig ist, ist nicht ausgemacht; denn wir können auch andere richtige Urteile bilden, welche deshalb noch lange nicht gültig sind. Nach der formalen Logik brauchte gegen die Richtigkeit eines Urteils nichts eingewendet werden zu müssen; es könnte ganz richtig sein, aber mit der Gültigkeit könnte es doch hapern. Es könnte zum Beispiel jemand die Vorstellung eines Wesens ausdenken, das halb Pferd, zu einem Viertel Walfisch und zum letzten Viertel Kamel ist. Dieses Tier wollen wir nun - «Taxu» nennen. Jetzt ist es zweifellos richtig, daß dieses Tier häßlich wäre. Das Urteil: «Das Taxu ist häßlich», ist also richtig und kann durchaus nach allen Regeln der Richtigkeit so gefällt werden; denn das Taxu, halb Pferd, viertels Walfisch und viertels Kamel ist häßlich, das ist zweifellos, und wie das Urteil «Diese Rose ist rot» richtig ist, so auch dieses. Nun darf man niemals ein richtiges Urteil auch als gültig ansprechen. Dazu ist etwas anderes notwendig: Sie müssen das richtige Urteil umwandeln können. Sie müssen erst dann das richtige Urteil als gültig ansehen, wenn Sie sagen können: «Diese rote Rose ist», wenn Sie das Prädikat wiederum in das Subjekt hineinnehmen können, wenn Sie umwandeln können das richtige Urteil in ein Existentialurteil. In diesem Fall also haben Sie ein gültiges Urteil. «Diese rote Rose ist». Anders geht es nicht, als daß man den Prädikatbegriff hineinzunehmen vermag in den Subjektbegriff. Dann ist das Urteil gültig. «Das Taxu ist häßlich», kann man nicht zu einem gültigen Urteil machen. Sie können nicht sagen: «Ein häßliches Taxu ist». Das zeigt Ihnen die Probe, durch die man erfahren kann, ob ein Urteil überhaupt gefällt werden kann; das zeigt Ihnen, wie die Probe gemacht werden muß. Die Probe muß dadurch gemacht werden, daß man sieht, ob man das Urteil in ein Existentialurteil umzuwandeln in der Lage ist.
[ 23 ] Hier sehen Sie schon etwas sehr Wichtiges, was man wissen muß: daß also die bloße Zusammenfügung der Begriffe zu einem logisch richtigen Urteil noch nicht etwas ist, was nunmehr auch als maßgebend für die reale Welt angesehen werden darf. Es muß etwas anderes dazukommen. Man darf nicht übersehen, daß für die Gültigkeit des Begriffes und Urteils noch etwas anderes in Frage kommt. Auch für die Gültigkeit unserer Schlüsse kommt noch etwas anderes in Betracht.
[ 23 ] Hier sehen Sie schon etwas sehr Wichtiges, was man wissen muß: daß also die bloße Zusammenfügung der Begriffe zu einem logisch richtigen Urteil noch nicht etwas ist, was nunmehr auch als maßgebend für die reale Welt angesehen werden darf. Es muß etwas anderes dazukommen. Man darf nicht übersehen, daß für die Gültigkeit des Begriffes und Urteils noch etwas anderes in Frage kommt. Auch für die Gültigkeit unserer Schlüsse kommt noch etwas anderes in Betracht.
[ 24 ] Ein Schluß ist die Verbindung von Urteilen. Der einfachste Schluß lautet: Alle Menschen sind sterblich. Cajus ist ein Mensch -, also: Cajus ist sterblich. - Der Obersatz heißt: Alle Menschen sind sterblich -, der Untersatz: Cajus ist ein Mensch -, der Schlußsatz: Cajus ist sterblich. - Dieser Schluß ist gebildet nach der ersten Schlußfigur, nach der man den Subjektbegriff und Prädikatbegriff durch einen Mittelbegriff verbindet. Der Mittelbegriff heißt hier: «Mensch», der Prädikatbegriff: «sterblich», und der Subjektbegriff: «Cajus». Man verbindet sie mit demselben Mittelbegriff. Dann kommen Sie zu dem Schluß: Cajus ist sterblich. - Dieser Schluß ist auf Grund ganz bestimmter Gesetzmäßigkeit aufgebaut. Diese dürfen Sie nicht ändern. Sobald Sie etwas umstellen, kommen Sie zu einem nicht mehr möglichen Gedankenzusammenhang. Es könnte niemand einen richtigen Schlußsatz finden, wenn er das umwandeln würde. Das würde nicht gehen. Weil das so nicht geht, so können Sie sich überzeugen, daß dem Denken Gesetze zugrunde liegen. Wenn Sie sagen würden: Das Porträt ist ein Ebenbild des Menschen die Photographie ist ein Ebenbild des Menschen -, so dürften Sie daraus nicht den Schlußsatz bilden: Die Photographie ist ein Porträt. - Unmöglich können Sie einen richtigen Schlußsatz ziehen, wenn Sie die Begriffe anders anordnen als nach den bestimmten Gesetzen.
[ 24 ] Ein Schluß ist die Verbindung von Urteilen. Der einfachste Schluß lautet: Alle Menschen sind sterblich. Cajus ist ein Mensch -, also: Cajus ist sterblich. - Der Obersatz heißt: Alle Menschen sind sterblich -, der Untersatz: Cajus ist ein Mensch -, der Schlußsatz: Cajus ist sterblich. - Dieser Schluß ist gebildet nach der ersten Schlußfigur, nach der man den Subjektbegriff und Prädikatbegriff durch einen Mittelbegriff verbindet. Der Mittelbegriff heißt hier: «Mensch», der Prädikatbegriff: «sterblich», und der Subjektbegriff: «Cajus». Man verbindet sie mit demselben Mittelbegriff. Dann kommen Sie zu dem Schluß: Cajus ist sterblich. - Dieser Schluß ist auf Grund ganz bestimmter Gesetzmäßigkeit aufgebaut. Diese dürfen Sie nicht ändern. Sobald Sie etwas umstellen, kommen Sie zu einem nicht mehr möglichen Gedankenzusammenhang. Es könnte niemand einen richtigen Schlußsatz finden, wenn er das umwandeln würde. Das würde nicht gehen. Weil das so nicht geht, so können Sie sich überzeugen, daß dem Denken Gesetze zugrunde liegen. Wenn Sie sagen würden: Das Porträt ist ein Ebenbild des Menschen die Photographie ist ein Ebenbild des Menschen -, so dürften Sie daraus nicht den Schlußsatz bilden: Die Photographie ist ein Porträt. - Unmöglich können Sie einen richtigen Schlußsatz ziehen, wenn Sie die Begriffe anders anordnen als nach den bestimmten Gesetzen.
[ 25 ] So sehen Sie, daß wir sozusagen ein wirkliches formales Bewegen der Begriffe, der Urteile haben, daß dem Denken ganz bestimmte Gesetzmäßigkeiten zugrunde liegen. Aber niemals kommt man durch diese reine Bewegung der Begriffe an die Realität heran. Beim Urteil haben wir gesehen, wie man das richtige in das gültige erst umwandeln muß. Beim Schluß wollen wir uns in einer anderen Form überzeugen, daß es unmöglich ist, durch den formalen Schluß an die Realität heranzukommen. Denn es kann ein Schluß nach allen formalen Gesetzen richtig und doch wiederum nicht gültig sein, das heißt, er kann nicht an die Realität herankommen. Das ganz Einfache des Trugschlusses wird Ihnen das Folgende klarmachen: Alle Kretenser sind Lügner -, sagt ein Kretenser. Nehmen Sie an, dieser sagt es. Da werden Sie nach ganz logischen Schlußfiguren vorgehen können und doch zu einer Unmöglichkeit kommen. Wenn der Kretenser das sagt, so muß, wenn man den Obersatz auf ihn anwendet, er gelogen haben, dann darf das nicht wahr sein. Warum kommen Sie da in eine Unmöglichkeit hinein? Weil Sie die Schlußfolgerung auf sich selbst anwenden, weil Sie den Gegenstand zusammenfallen lassen mit rein formalen Schlußfolgerungen, und das darf man nicht. Wo man das Formale des Denkens auf sich selbst anwendet, da vernichtet sich die reine Formalität des Denkens. Das geht nicht.
[ 25 ] So sehen Sie, daß wir sozusagen ein wirkliches formales Bewegen der Begriffe, der Urteile haben, daß dem Denken ganz bestimmte Gesetzmäßigkeiten zugrunde liegen. Aber niemals kommt man durch diese reine Bewegung der Begriffe an die Realität heran. Beim Urteil haben wir gesehen, wie man das richtige in das gültige erst umwandeln muß. Beim Schluß wollen wir uns in einer anderen Form überzeugen, daß es unmöglich ist, durch den formalen Schluß an die Realität heranzukommen. Denn es kann ein Schluß nach allen formalen Gesetzen richtig und doch wiederum nicht gültig sein, das heißt, er kann nicht an die Realität herankommen. Das ganz Einfache des Trugschlusses wird Ihnen das Folgende klarmachen: Alle Kretenser sind Lügner -, sagt ein Kretenser. Nehmen Sie an, dieser sagt es. Da werden Sie nach ganz logischen Schlußfiguren vorgehen können und doch zu einer Unmöglichkeit kommen. Wenn der Kretenser das sagt, so muß, wenn man den Obersatz auf ihn anwendet, er gelogen haben, dann darf das nicht wahr sein. Warum kommen Sie da in eine Unmöglichkeit hinein? Weil Sie die Schlußfolgerung auf sich selbst anwenden, weil Sie den Gegenstand zusammenfallen lassen mit rein formalen Schlußfolgerungen, und das darf man nicht. Wo man das Formale des Denkens auf sich selbst anwendet, da vernichtet sich die reine Formalität des Denkens. Das geht nicht.
[ 26 ] Daß die Richtigkeit des Denkens streikt, wenn man das Denken auf sich selbst anwendet, das heißt, wenn man das, was man ausgedacht hat, auf sich selbst anwendet, das können Sie an einem anderen Beispiel sehen: Ein alter Rechtslehrer nahm sich einen Schüler. Es wurde ausgemacht, daß ihm dieser ein bestimmtes Honorar zahlen soll, und’zwar einen Teil davon sogleich und den Rest erst, wenn er seinen ersten Prozeß gewonnen habe. So wurde es ausgemacht. Der Schüler bezahlt den zweiten Teil nicht. Nun sagt der Rechtslehrer zu ihm: Du wirst mir unter allen Umständen das Honorar bezahlen. - Der Schüler aber behauptet: Ich werde es unter keinen Umständen bezahlen. - Und er will das so machen, daß er einen Prozeß gegen den Lehrer anstrengt, einen Prozeß um das Honorar. Da sagt der Lehrer: Dann wirst du mir erst recht bezahlen; denn entweder verurteilen dich die Richter zum Zahlen - nun, dann hast du zu zahlen -, oder aber die Richter urteilen so, daß du nicht zu zahlen brauchst, dann hast du den Prozeß gewonnen und zahlst deshalb wiederum. - Der Schüler antwortet: Ich werde unter keinen Umständen zahlen; denn gewinne ich den Prozeß, dann sprechen mir die Richter das Recht zu, daß ich nicht bezahle, und verliere ich, dann habe ich meinen ersten Prozeß verloren und wir haben doch ausgemacht, wenn dies der Fall sei, hätte ich nicht zu bezahlen. - Es ist nichts herausgekommen aus einer ganz richtigen formalen Verbindung, weil diese auf das Subjekt selbst zurückgeht. Da streikt die formale Logik immer. Die Richtigkeit hat nichts mit der Gültigkeit zu tun.
[ 26 ] Daß die Richtigkeit des Denkens streikt, wenn man das Denken auf sich selbst anwendet, das heißt, wenn man das, was man ausgedacht hat, auf sich selbst anwendet, das können Sie an einem anderen Beispiel sehen: Ein alter Rechtslehrer nahm sich einen Schüler. Es wurde ausgemacht, daß ihm dieser ein bestimmtes Honorar zahlen soll, und’zwar einen Teil davon sogleich und den Rest erst, wenn er seinen ersten Prozeß gewonnen habe. So wurde es ausgemacht. Der Schüler bezahlt den zweiten Teil nicht. Nun sagt der Rechtslehrer zu ihm: Du wirst mir unter allen Umständen das Honorar bezahlen. - Der Schüler aber behauptet: Ich werde es unter keinen Umständen bezahlen. - Und er will das so machen, daß er einen Prozeß gegen den Lehrer anstrengt, einen Prozeß um das Honorar. Da sagt der Lehrer: Dann wirst du mir erst recht bezahlen; denn entweder verurteilen dich die Richter zum Zahlen - nun, dann hast du zu zahlen -, oder aber die Richter urteilen so, daß du nicht zu zahlen brauchst, dann hast du den Prozeß gewonnen und zahlst deshalb wiederum. - Der Schüler antwortet: Ich werde unter keinen Umständen zahlen; denn gewinne ich den Prozeß, dann sprechen mir die Richter das Recht zu, daß ich nicht bezahle, und verliere ich, dann habe ich meinen ersten Prozeß verloren und wir haben doch ausgemacht, wenn dies der Fall sei, hätte ich nicht zu bezahlen. - Es ist nichts herausgekommen aus einer ganz richtigen formalen Verbindung, weil diese auf das Subjekt selbst zurückgeht. Da streikt die formale Logik immer. Die Richtigkeit hat nichts mit der Gültigkeit zu tun.
[ 27 ] Den Fehler, sich nicht klargemacht zu haben, daß man unterscheiden muß zwischen Richtigkeit und Gültigkeit, den hat der große Kant gemacht, und zwar indem er den sogenannten ontologischen Gottesbeweis widerlegen wollte. Dieser Beweis ging ungefähr so: Wenn man sich das allervollkommenste Wesen vorstellt, würde diesem zu seiner Vollkommenheit eine Eigenschaft fehlen, wenn man ihm nicht das Sein zuschriebe. Also kann man sich das allervollkommenste Wesen nicht ohne das Sein vorstellen. Folglich ist es. Kant sagt: Das gilt nicht, denn es kommt dadurch, daß das Sein zu einem Dinge hinzukommt, keine Eigenschaft mehr hinzu. - Und dann sagt er: Hundert mögliche Taler, in Gedanken erfaßte Taler, haben keinen Pfennig mehr oder weniger als hundert wirkliche. Aber die wirklichen unterscheiden sich beträchtlich von den gedachten, nämlich durch das Sein! - So schließt er: Man kann niemals aus dem bloß in Gedanken erfaßten Begriffe das Sein folgern. Denn - so meint er -, man kann noch so viele gedachte Taler in die Brieftasche tun, sie werden niemals seiend. Also darf man auch beim Gottesbegriff nicht so verfahren, daß man den Seinsbegriff aus dem Denken herausschälen will. - Da ist aber vergessen, wenn man das rein Logisch-Formale von dem einen zum anderen überträgt, daß man unterscheiden müßte, daß Taler etwas sind, was nur äußerlich wahrgenommen werden kann, und daß Gott etwas ist, was innerlich wahrgenommen werden kann, und daß wir gerade im Gottesbegriff von dieser Eigenschaft des Äußerlich-Wahrgenommenseins absehen müssen. Wenn die Menschen übereinkommen würden, sich mit gedachten Talern zu bezahlen, so würden sie nicht darauf angewiesen sein, einen Unterschied zu machen zwischen den wirklichen und den gedachten Talern. Wenn also im Denken einem Sinnesding sein Sein zugeschrieben werden könnte, dann würde das Urteil auch für dieses Sinnesding gelten. Aber man muß sich klarmachen, daß ein richtiges Urteil noch kein gültiges zu sein braucht, daß da noch etwas hinzukommen muß.
[ 27 ] Den Fehler, sich nicht klargemacht zu haben, daß man unterscheiden muß zwischen Richtigkeit und Gültigkeit, den hat der große Kant gemacht, und zwar indem er den sogenannten ontologischen Gottesbeweis widerlegen wollte. Dieser Beweis ging ungefähr so: Wenn man sich das allervollkommenste Wesen vorstellt, würde diesem zu seiner Vollkommenheit eine Eigenschaft fehlen, wenn man ihm nicht das Sein zuschriebe. Also kann man sich das allervollkommenste Wesen nicht ohne das Sein vorstellen. Folglich ist es. Kant sagt: Das gilt nicht, denn es kommt dadurch, daß das Sein zu einem Dinge hinzukommt, keine Eigenschaft mehr hinzu. - Und dann sagt er: Hundert mögliche Taler, in Gedanken erfaßte Taler, haben keinen Pfennig mehr oder weniger als hundert wirkliche. Aber die wirklichen unterscheiden sich beträchtlich von den gedachten, nämlich durch das Sein! - So schließt er: Man kann niemals aus dem bloß in Gedanken erfaßten Begriffe das Sein folgern. Denn - so meint er -, man kann noch so viele gedachte Taler in die Brieftasche tun, sie werden niemals seiend. Also darf man auch beim Gottesbegriff nicht so verfahren, daß man den Seinsbegriff aus dem Denken herausschälen will. - Da ist aber vergessen, wenn man das rein Logisch-Formale von dem einen zum anderen überträgt, daß man unterscheiden müßte, daß Taler etwas sind, was nur äußerlich wahrgenommen werden kann, und daß Gott etwas ist, was innerlich wahrgenommen werden kann, und daß wir gerade im Gottesbegriff von dieser Eigenschaft des Äußerlich-Wahrgenommenseins absehen müssen. Wenn die Menschen übereinkommen würden, sich mit gedachten Talern zu bezahlen, so würden sie nicht darauf angewiesen sein, einen Unterschied zu machen zwischen den wirklichen und den gedachten Talern. Wenn also im Denken einem Sinnesding sein Sein zugeschrieben werden könnte, dann würde das Urteil auch für dieses Sinnesding gelten. Aber man muß sich klarmachen, daß ein richtiges Urteil noch kein gültiges zu sein braucht, daß da noch etwas hinzukommen muß.
[ 28 ] Also wir haben einiges von dem Gebiete der Philosophie heute an uns vorüberziehen lassen, was nichts schadet. Es gab uns eine Ahnung, daß die Autorität der heutigen Wissenschafter etwas Unbegründetes ist und man sich nicht zu fürchten braucht, wenn die Anthroposophie als Dilettantismus hingestellt wird. Denn, was diese Autoritäten selber zu sagen verstehen, wenn sie anfangen von den Tatsachen überzugehen zu dem, was durch eine Schlußfolgerung führen könnte zu einem Hinweis auf die geistige Welt, das ist wirklich recht fadenscheinig. Und so wollte ich Ihnen heute erst zeigen, wie angreifbar dieses Denken ist, und dann eine Vorstellung hervorrufen davon, daß es wirklich eine Wissenschaft des Denkens gibt. Freilich konnte das nur skizzenhaft geschehen. Wir können später einmal tiefer darauf eingehen, aber Sie müssen sich gefaßt machen, daß dabei wirklich etwas von Langweiligkeit mit unterlaufen wird.
[ 28 ] Also wir haben einiges von dem Gebiete der Philosophie heute an uns vorüberziehen lassen, was nichts schadet. Es gab uns eine Ahnung, daß die Autorität der heutigen Wissenschafter etwas Unbegründetes ist und man sich nicht zu fürchten braucht, wenn die Anthroposophie als Dilettantismus hingestellt wird. Denn, was diese Autoritäten selber zu sagen verstehen, wenn sie anfangen von den Tatsachen überzugehen zu dem, was durch eine Schlußfolgerung führen könnte zu einem Hinweis auf die geistige Welt, das ist wirklich recht fadenscheinig. Und so wollte ich Ihnen heute erst zeigen, wie angreifbar dieses Denken ist, und dann eine Vorstellung hervorrufen davon, daß es wirklich eine Wissenschaft des Denkens gibt. Freilich konnte das nur skizzenhaft geschehen. Wir können später einmal tiefer darauf eingehen, aber Sie müssen sich gefaßt machen, daß dabei wirklich etwas von Langweiligkeit mit unterlaufen wird.
