Anthroposophy's Response
to Universal Questions
GA 108
18 January 1909, Karlsruhe
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Anthroposophy's Response to Universal Questions, tr. SOL
16. Praktische Ausbildung des Denkens
16. Practical Training of Thinking
[ 1 ] Es könnte sonderbar erscheinen, wenn gerade Anthroposophie sich berufen fühlt, über praktische Ausbildung des Denkens zu sprechen, denn von den Außenstehenden wird sehr häufig die Meinung vertreten, Anthroposophie sei etwas im eminentesten Sinne Unpraktisches, sie habe mit dem Leben nichts zu tun. Solche Anschauung kann nur bestehen, wenn man die Dinge äußerlich, oberflächlich betrachtet. In Wahrheit aber soll das in Betracht Kommende ein Leitfaden sein fürs alleralltäglichste Leben; es soll sich in jedem Augenblick umwandeln können in Empfindung und Gefühl und es uns möglich machen, dem Leben sicher gegenüberzutreten und darin fest zu stehen.
[ 1 ] It may seem strange that anthroposophy should feel called upon to speak about the practical training of thinking, for outsiders very often hold the opinion that anthroposophy is something eminently impractical, that it has nothing to do with life. Such a view can only exist if one looks at things externally, superficially. In truth, however, what is to be considered should be a guide for the most everyday life; it should be able to transform itself into sensation and feeling at any moment and enable us to face life with confidence and stand firm in it.
[ 2 ] Es bilden sich die Leute, die sich praktisch nennen, ein, nach den allerpraktischsten Grundsätzen zu handeln. Geht man der Sache aber näher, so wird man finden, daß das sogenannte «praktische Denken» oft überhaupt kein Denken ist, sondern ein Fortwursteln in anerzogenen Urteilen und Denkgewohnheiten. Wenn Sie absolut objektiv das Denken der Praktiker beobachten und das, was man gewöhnlich Denkpraxis nennt, prüfen, so werden Sie finden, daß da zum Teil sehr wenig wirkliche Praxis dahintersteckt, sondern was man Praxis nennt, besteht darin, daß man gelernt hat: Wie hat der Lehrmeister gedacht, wie hat derjenige gedacht, der dieses oder jenes vorher fabriziert hat, und wie richtet man sich nach dem? - Und wer anders denkt, den hält man für einen unpraktischen Menschen; denn das Denken stimmt ja nicht überein mit dem, was einem nun einmal anerzogen ist.
[ 2 ] People who call themselves practical imagine that they act according to the most practical principles. But if you look more closely, you will find that so-called “practical thinking” is often not thinking at all, but merely muddling through with learned judgments and habits of thought. If you observe the thinking of practical people with absolute objectivity and examine what is commonly called practical thinking, you will find that in some cases there is very little real practice behind it, but that what is called practice consists of having learned how the teacher thought, how the person who previously produced this or that thought, and how one should act accordingly. And anyone who thinks differently is considered impractical, because their thinking does not correspond to what they have been taught.
[ 3 ] Wenn aber wirklich einmal etwas Praktisches erfunden wurde, so wurde das zunächst keineswegs von einem Praktiker gemacht. Betrachten wir zum Beispiel unsere heutige Briefmarke. Es wäre doch das Allernächstliegende, zu meinen, daß diese von einem Praktiker des Postwesens erfunden worden wäre. Dem ist aber nicht so. Anfang des letzten Jahrhunderts, da war es noch eine sehr umständliche Sache, einen Brief aufzugeben. Wollte jemand einen Brief fortschicken, so mußte er an die betreffende Stelle gehen, wo die Briefe aufgegeben werden konnten, und es mußten hier verschiedene Bücher nachgeschlagen werden, und allerlei Umständlichkeiten waren damit verknüpft. Daß man ein solches einheitliches Porto haben kann, wie man es heute gewohnt ist, das ist kaum etwas über sechzig Jahre her. Und unsere heutige Briefmarke, die das ermöglicht, ist nicht erfunden worden von einem praktischen Postmenschen, sondern von einem Menschen, der der Post ferne stand, von dem Engländer Hill.
[ 3 ] But when something practical was actually invented, it was by no means done by a practitioner. Take our modern postage stamp, for example. It would be most natural to assume that it was invented by a practitioner of the postal service. But that is not the case. At the beginning of the last century, it was still a very complicated business to post a letter. If someone wanted to send a letter, they had to go to the appropriate place where letters could be posted, and various books had to be consulted, and all sorts of complications were involved. It is only just over sixty years ago that we gained the uniform postage we are accustomed to today. And our modern postage stamp, which makes this possible, was not invented by a practical postal worker, but by someone who was far removed from the postal service, the Englishman Hill.
[ 4 ] Und als die Briefmarke erfunden war, da sagte der betreffende Minister im englischen Parlament, der für das Postwesen damals in Betracht kam: Ja, erstens kann man nicht annehmen, daß wirklich durch diese Vereinfachung der Verkehr sich so ungeheuer vermehrt, wie dies dieser unpraktische Hill sich ausmalt, und zweitens, angenommen selbst, es wäre so, dann würde das Postgebäude in London ja nicht ausreichen für diesen Verkehr. - Diesem großen Praktiker ist es aber nicht im entferntesten eingefallen, daß das Postgebäude sich nach dem Verkehr und nicht der Verkehr sich nach dem Postgebäude richten müsse. Nun hat sich in verhältnismäßig denkbar kürzester Zeit das durchgesetzt, was damals von einem «Unpraktiker» gegenüber einem «Praktiker» erkämpft werden mußte: ganz selbstverständlich ist es heute, daß der Brief mit der Briefmarke befördert wird.
[ 4 ] And when the postage stamp was invented, the minister responsible for the postal service at the time said in the English Parliament: Yes, firstly, one cannot assume that this simplification will really increase traffic as enormously as this impractical Hill imagines, and secondly, even if it were the case, the post office building in London would not be large enough for this traffic. It did not occur to this great practitioner that the post office building should be designed to accommodate traffic, rather than traffic being designed to accommodate the post office building. Now, in a relatively short period of time, what had to be fought for at the time by an “impractical” person against a “practical” person has become the norm: today, it is taken for granted that letters are transported with postage stamps.
[ 5 ] Ähnlich verhält es sich bei der Eisenbahn. Als im Jahre 1835 die erste Eisenbahn in Deutschland von Nürnberg nach Fürth gebaut werden sollte, wurde von dem bayrischen Medizinalkollegium, das darüber gehört wurde, ein Sachverständigen-Gutachten dahin abgegeben, daß es nicht ratsam sei, Eisenbahnen zu bauen; sollte es aber doch beabsichtigt werden, so müsse wenigstens rechts und links der Eisenbahn eine hohe Bretterwand hergestellt werden, damit vorübergehende Menschen nicht etwa Nerven- und Gehirnerschütterungen erlitten.
[ 5 ] The situation is similar with the railroad. When the first railroad in Germany was to be built from Nuremberg to Fürth in 1835, the Bavarian Medical Council, which was consulted on the matter, issued an expert opinion stating that it was not advisable to build railroads; but if it were to be built, high wooden walls should be erected on both sides of the tracks to prevent passers-by from suffering nervous shocks and concussions.
[ 6 ] Als die Bahnlinie Potsdam-Berlin gebaut werden sollte, sagte Generalpostmeister Nagler: Ich lasse täglich zwei Postwagen nach Potsdam fahren, und die sind nicht besetzt; wenn die Leute ihr Geld absolut zum Fenster hinauswerfen wollen, dann sollen sie es doch gleich unmittelbar tun. - Die realen Tatsachen des Lebens gehen eben über die «Praktiker» hinweg, über diejenigen, die da glauben, sie seien Praktiker. Man muß unterscheiden, was wahres Denken ist, von der sogenannten Denkpraxis, die nur ein Urteilen nach anerzogenen Denkgewohnheiten ist.
[ 6 ] When the Potsdam-Berlin railway line was to be built, Postmaster General Nagler said: “I have two mail cars running to Potsdam every day, and they are empty; if people want to throw their money out the window, they might as well do it right away.” The real facts of life simply go over the heads of the “practitioners,” those who believe they are practitioners. One must distinguish between true thinking and so-called practical thinking, which is merely judging according to ingrained habits of thought.
[ 7 ] Eine kleine Erfahrung, die ich selbst einmal gemacht habe, will ich Ihnen erzählen und sie an die Spitze unserer heutigen Betrachtung stellen: Während meiner Studienzeit kam einmal ein junger Kollege zu mir voll Freude, wie man sie gerade bei Leuten, die eine recht pfiffige Idee gehabt haben, bemerkt, und sagte: Ich muß jetzt gerade zum Professor Radinger gehen - der damals an der Hochschule den Maschinenbau vertrat -, denn ich habe eine großartige Erfindung gemacht: Ich habe erfunden, wie man mit Aufwendung von ganz wenig Dampfkraft, die man einmal aufwendet, durch Umsetzen eine ungeheure Arbeitsmenge leisten kann mittels einer Maschine. - Mehr konnte er mir nicht sagen, er hatte es sehr eilig, zu dem Professor zu gehen. Nun traf er aber den betreffenden Professor nicht, und er kam zurück und setzte mir die ganze Sache auseinander. Die Geschichte hatte mir gleich etwas nach Perpetuum mobile gerochen - aber, nicht wahr, warum sollte auch so etwas nicht schließlich einmal möglich sein? - Doch nachdem er mir alles erklärt hatte, mußte ich ihm sagen: Ja, sieh einmal, die Sache ist zwar recht scharfsinnig ausgedacht, aber im Praktischen ist das ein Verhältnis, das sich genau vergleichen läßt damit, daß sich jemand in einen Eisenbahnwagen hineinstellt, furchtbar stark anschiebt und meint, der Wagen führe dann fort. So ist das Prinzip des Denkens bei deiner Erfindung. - Er hat es dann auch eingesehen und ist nicht wieder zu dem Professor gegangen.
[ 7 ] I would like to tell you about a little experience I once had myself, and put it at the forefront of our discussion today: During my studies, a young colleague came up to me full of joy, as you often see in people who have had a really clever idea, and said: “I have to go and see Professor Radinger right now – he was teaching mechanical engineering at the university at the time – because I've made a fantastic invention: I've invented a way to use a tiny bit of steam power once to do a huge amount of work with a machine.” He couldn't tell me any more because he was in a hurry to see the professor. However, he did not find the professor in question, so he returned and explained the whole thing to me. The story immediately smacked of perpetual motion to me – but, well, why shouldn't something like that be possible one day? - But after he had explained everything to me, I had to say to him: Yes, look, the idea is quite ingenious, but in practice it's like someone standing in a railway carriage, pushing it really hard and thinking that the carriage will then move. That's the principle behind your invention. He then understood and did not go back to the professor.
[ 8 ] So kann man sich gewissermaßen einkapseln mit seinem Denken. An ganz besonderen seltenen Fällen zeigt sich dieses Einkapseln auch deutlich; aber im Leben kapseln sich viele Menschen so ein, und es zeigt sich nicht immer so auffällig wie in unserem Beispiel. Derjenige aber, der die Sache etwas intimer beobachten kann, weiß, daß so eine große Anzahl menschlicher Denkprozesse verläuft: er sieht oft, wie sozusagen die Menschen im Wagen stehen und von innen schieben und nun meinen, daß sie es sind, die den Wagen vorwärtsbringen. Vieles von dem, was im Leben vor sich geht, würde ganz anders vor sich gehen, wenn die Menschen nicht solche im Wagen stehende Schieber wären.
[ 8 ] In this way, one can, in a sense, encapsulate oneself with one's thinking. In very special, rare cases, this encapsulation is also clearly evident; but in life, many people encapsulate themselves in this way, and it is not always as noticeable as in our example. However, those who are able to observe the matter more closely know that a large number of human thought processes proceed in this way: they often see how people stand in the car, pushing from inside, and believe that they are the ones moving the car forward. Much of what happens in life would be very different if people were not like these pushers standing in the car.
[ 9 ] Wirkliche Praxis des Denkens setzt voraus, daß man die richtige Gesinnung, das richtige Gefühl zum Denken gewinnt. Wie kann man eine richtige Stellung zum Denken gewinnen? Niemand kann das richtige Gefühl zum Denken haben, der glaubt, daß das Denken etwas sei, das sich nur innerhalb des Menschen, in seinem Kopf oder in seiner Seele abspiele. Wer diesen Gedanken hat, der wird fortwährend von einem falschen Gefühl davon abgelenkt werden, eine richtige Denkpraxis zu suchen, die nötigen Anforderungen an sein Denken zu stellen. Wer das richtige Gefühl erlangen will gegenüber dem Denken, der muß sich sagen: Wenn ich mir Gedanken machen kann über die Dinge, wenn ich durch Gedanken etwas ergründen kann über die Dinge, so müssen die Gedanken erst darinnen sein in den Dingen. Die Dinge müssen nach den Gedanken aufgebaut sein, nur dann kann ich die Gedanken auch herausholen aus den Dingen.
[ 9 ] The real practice of thinking requires that one acquire the right attitude, the right feeling for thinking. How can one acquire the right attitude toward thinking? No one who believes that thinking is something that takes place only within the human being, in his head or in his soul, can have the right feeling for thinking. Anyone who has this idea will be constantly distracted by a false feeling from seeking the right way of thinking and making the necessary demands on their thinking. If you want to gain the right feeling for thinking, you must say to yourself: if I can think about things, if I can fathom something about things through thinking, then the thoughts must first be in the things themselves. Things must be constructed according to thoughts; only then can I extract the thoughts from the things.
[ 10 ] Der Mensch muß sich vorstellen, daß es mit den Dingen draußen in der Welt so ist wie mit einer Uhr. Der Vergleich des menschlichen Organismus mit einer Uhr wird sehr häufig gebraucht; aber die Leute vergessen dabei meist das Wichtigste, daß auch ein Uhrmacher vorhanden ist. Man muß sich klar darüber sein, daß nicht von selber zusammengelaufen sind die Räder und sich zusammengefügt haben und machen, daß die Uhr geht, sondern daß es einmal einen Uhrmacher zuvor gegeben hat, der diese Uhr zusammmengefügt hat. Den Uhrmacher darf man nicht vergessen. Durch Gedanken ist die Uhr zustande gekommen, die Gedanken sind gleichsam ausgeflossen in die Uhr, in das Ding. Auch alles, was Naturwerke, Naturgeschehnisse sind, muß man sich so vorstellen. Bei dem, was Menschenwerk ist, da läßt sich das schnell veranschaulichen, bei Naturwerken dagegen, da kann das der Mensch nicht so leicht bemerken, und doch sind auch sie geistige Wirksamkeiten, und dahinter stehen spirituelle Wesenheiten. Und wenn der Mensch denkt über die Dinge, so denkt er nur über das nach, was zuerst in sie hineingelegt worden ist. Der Glaube, daß die Welt durch Denken hervorgebracht worden ist und sich noch fortwährend so hervorbringt, der erst macht die eigentliche innere Denkpraxis fruchtbar.
[ 10 ] People must imagine that things outside in the world are like a clock. The comparison of the human organism with a clock is very often used, but people usually forget the most important thing, that there is also a clockmaker. One must be clear that the wheels did not come together by themselves and fit together to make the clock work, but that there was once a watchmaker who put the clock together. One must not forget the watchmaker. The clock came into being through thoughts; the thoughts flowed, as it were, into the clock, into the thing. Everything that is a work of nature, a natural phenomenon, must be imagined in the same way. In the case of human works, this can be illustrated quickly, but in the case of natural works, it is not so easy for humans to notice, and yet they too are spiritual activities, and behind them are spiritual beings. And when humans think about things, they only think about what was first put into them. It is the belief that the world was brought into being through thinking and continues to do so that makes the actual inner practice of thinking fruitful.
[ 11 ] Es ist immer der Unglaube gegenüber dem Geistigen in der Welt, der selbst auf wissenschaftlichem Boden die schlimmste Unpraxis des Denkens hervorbringt. Zum Beispiel, wenn jemand sagt: Unser Planetensystem ist so entstanden, daß zuerst ein Urnebel da war, der fing an zu rotieren, ballte sich zusammen zu einem Zentralkörper, von ihm spalteten sich ab Ringe und Kugeln, und so entstand mechanisch das ganze Planetensystem -, so macht der, der das sagt, einen großen Denkfehler. Schön niedlich bringt man das heute den Menschen bei. In einem niedlichen Experiment zeigt man es heute in jeder Schule: In ein Glas Wasser bringt man einen Tropfen Fett, schiebt eine Nadel durch diesen Fettropfen und bringt das Ganze in Rotation. Da sondern sich dann vom großen Tropfen kleine Tröpfchen ab, und man hat da ein Planetensystem im kleinen, und dem Schüler - so meint man - anschaulich gezeigt, wie rein mechanisch sich das bilden kann. Unpraktisches Denken nur kann an diesen niedlichen Versuch solche Folgerungen anknüpfen, denn der Betreffende, der das überträgt auf das große Weltensystem, der vergißt nur meist etwas, was sonst vielleicht ganz gut ist zu vergessen, er vergißt sich selbst, er vergißt, daß er selbst ja die Sache in Rotation gebracht hat. Wäre er nicht dagewesen und hätte das Ganze gemacht, so wäre niemals die Teilung des Fettropfens in die Tröpfchen entstanden. Wenn der Mensch das auch beobachtete und auf das Planetensystem übertrüge, dann erst wäre vollständiges Denken aufgewendet. Solche Denkfehler spielen heute, besonders auch in dem, was man heute Wissenschaft nennt, eine ungeheuer große Rolle. Diese Dinge sind viel wichtiger, als man gewöhnlich denkt.
[ 11 ] It is always disbelief in the spiritual in the world that produces the worst impracticality of thinking, even on scientific ground. For example, when someone says: Our planetary system came into being in such a way that first there was a primordial nebula, which began to rotate, clumped together into a central body, from which rings and spheres split off, and thus the entire planetary system came into being mechanically — the person who says this is making a great error in thinking. Today, this is taught to people in a nice and cute way. It is demonstrated in a cute experiment in every school today: a drop of fat is placed in a glass of water, a needle is pushed through the drop of fat, and the whole thing is set in rotation. Small droplets then separate from the large drop, and you have a miniature planetary system, which, it is believed, clearly shows the student how this can be formed purely mechanically. Only impractical thinking can draw such conclusions from this cute experiment, because the person who transfers this to the large world system usually forgets something that is perhaps best forgotten: he forgets himself, he forgets that he himself set the thing in rotation. If he had not been there and had not done the whole thing, the division of the drop of fat into droplets would never have occurred. Only if man observed this and transferred it to the planetary system would complete thinking have been applied. Such errors in thinking play an enormously important role today, especially in what is now called science. These things are much more important than is usually thought.
[ 12 ] Wenn man von wirklicher Denkpraxis reden will, muß man wissen, daß Gedanken nur aus einer Welt herauszuholen sind, in der auch wirklich schon Gedanken darinnen sind. Wie man Wasser nur aus einem Glase schöpfen kann, in dem Wasser wirklich darinnen ist, so kann man Gedanken nur aus Dingen schöpfen, in denen sie darinnen sind. Die Welt ist nach Gedanken aufgebaut; nur deshalb kann man Gedanken auch herausholen aus ihr. Wenn das nicht wäre, dann könnte überhaupt keine Denkpraxis zustande kommen. Dann aber, wenn der Mensch zu Ende empfindet, was hier ausgesprochen worden ist, dann wird er über alles abstrakte Denken leicht hinwegzubringen sein. Wenn der Mensch das volle Vertrauen hat, daß hinter den Dingen Gedanken stehen, daß die realen Tatsachen des Lebens nach Gedanken verlaufen, dann, wenn er diese Empfindung hat, dann wird er leicht sich bekehren zu einer Denkpraxis, die auf Wirklichkeit, Realität gebaut ist.
[ 12 ] If one wants to talk about real thinking practice, one must know that thoughts can only be extracted from a world in which thoughts already exist. Just as one can only scoop water from a glass in which there is actually water, so one can only extract thoughts from things in which they exist. The world is built on thoughts; that is the only reason why thoughts can be extracted from it. If this were not the case, then no thinking practice could ever come about. But then, when people fully understand what has been said here, it will be easy to lead them away from all abstract thinking. When people have complete confidence that thoughts lie behind things, that the real facts of life proceed according to thoughts, then, when they have this feeling, they will easily convert to a practice of thinking that is built on reality.
[ 13 ] Wir wollen nun etwas von jener Denkpraxis hinstellen, die insbesondere für diejenigen, die auf anthroposophischem Boden stehen, wichtig ist. Wer davon durchdrungen ist, daß die Welt der Tatsachen in Gedanken verläuft, der wird die Wichtigkeit der Ausbildung richtigen Denkens einsehen. Nehmen wir nun an, es sagt sich jemand: Ich will mein Denken so befruchten, daß es wirklich im Leben sich immer zurechtfindet -, so muß er sich an das halten, was jetzt gesagt werden soll. Und was nun angegeben wird, das ist so aufzufassen, daß es tatsächlich praktische Grundsätze sind, und daß es, wenn man immer wieder und wieder danach trachtet, sein Denken danach einzurichten, gewisse Wirkungen hat, daß das Denken dann praktisch wird, wenn es vielleicht auch anfangs nicht so ausschaut. Ja, es stellen sich für das Denken noch ganz andere Erfahrungen ein, wenn man solche Grundsätze durchführt.
[ 13 ] We will now present something of the practice of thinking that is particularly important for those who stand on anthroposophical ground. Anyone who is convinced that the world of facts proceeds in thoughts will understand the importance of training right thinking. Let us now suppose that someone says: I want to enrich my thinking so that it always finds its way in life. Then he must adhere to what is now to be said. What is now stated should be understood as practical principles which, if one strives again and again to organize one's thinking according to them, will have certain effects, so that thinking becomes practical, even if it may not appear so at first. Indeed, quite different experiences arise for thinking when one carries out such principles.
[ 14 ] Nehmen wir an, jemand versucht folgendes: Er beobachtet heute sorgfältig einen Vorgang in der Welt, der ihm zugänglich ist, den er möglichst genau beobachten kann, sagen wir zum Beispiel die Witterung. Er beobachtet die Wolkenkonfiguration am Abend, die Art, wie die Sonne untergegangen ist und so weiter, und er bildet sich nun genau das Bild ein von dem, was er beobachtet hat. Er versucht die Vorstellung, dieses Bild eine Zeitlang festzuhalten in allen Einzelheiten; er hält soviel wie möglich von dieser Vorstellung fest und sucht sie sich zu bewahren bis morgen. Morgen beobachtet er ungefähr um dieselbe Zeit, oder aber auch zu einer anderen Zeit, wiederum die Witterungsverhältnisse, und er versucht, sich wiederum ein genaues Bild von den Verhältnissen zu machen.
[ 14 ] Let us assume that someone tries the following: Today, he carefully observes a process in the world that is accessible to him, that he can observe as accurately as possible, let us say, for example, the weather. He observes the configuration of the clouds in the evening, the way the sun set, and so on, and he now forms a precise picture of what he has observed. He tries to hold on to this image in all its details for a while; he holds on to as much of this image as possible and tries to preserve it until tomorrow. Tomorrow, at about the same time, or at a different time, he observes the weather conditions again and tries to form an accurate picture of the conditions.
[ 15 ] Wenn er auf diese Weise sich genaue Bilder von aufeinanderfolgenden Zuständen macht, so wird es für ihn außerordentlich deutlich werden, wie er sein Denken allmählich innerlich bereichert und intensiv macht, denn dasjenige, was das Denken unpraktisch macht, das ist, daß der Mensch gewöhnlich zu sehr geneigt ist, in den aufeinanderfolgenden Vorgängen in der Welt das, was die Einzelheiten sind, wegzulassen und nur ganz allgemeine, verschwommene Vorstellungen zu behalten. Das Wertvolle, das Wesentliche, was das Denken befruchtet, ist, gerade in aufeinanderfolgenden Vorgängen sich genaue Bilder zu formen und sich dann zu sagen: Gestern war die Sache so, heute ist sie so -, und dabei die beiden Bilder, die in der wirklichen Welt auseinanderliegen, sich möglichst bildlich auch vor die Seele zu rücken.
[ 15 ] If he forms accurate pictures of successive states in this way, it will become extremely clear to him how he gradually enriches and intensifies his thinking, for what makes thinking impractical is that people are usually too inclined to omit the details in the successive processes in the world and retain only very general, vague ideas. What is valuable, what is essential, what fertilizes thinking, is precisely to form precise images in successive processes and then to say to oneself: Yesterday the thing was like this, today it is like that—and in doing so to bring the two images, which lie apart in the real world, as vividly as possible before the mind.
[ 16 ] Es ist dies zunächst nichts anderes als ein spezieller Ausdruck für das Vertrauen in die Gedanken der Realität. Der Mensch soll nicht etwa sofort irgendwelche Schlüsse ziehen und aus dem, was er heute beobachtete, schließen, was nun morgen für Witterung sein wird. Das würde sein Denken korrumpieren. Er soll vielmehr das Vertrauen haben, daß draußen in der Realität die Dinge ihren Zusammenhang haben, daß das Morgige mit dem Heutigen irgendwie zusammenhängt. Er soll nicht spekulieren darüber, sondern das, was zeitlich aufeinanderfolgt, nur zuerst in möglichst genauen Vorstellungsbildern in sich selbst nachdenken und dann diese Bilder zunächst nebeneinanderstehen und sie ineinander übergehen lassen. Dies ist ein ganz bestimmter Denkgrundsatz, den man ausführen muß, wenn man wirklich sachgemäßes Denken entwickeln will. Es ist gut, diesen Grundsatz gerade an solchen Dingen durchzuführen, die man noch nicht versteht, bei denen man noch nicht eingedrungen ist in den inneren Zusammenhang. Deshalb soll man gerade bei solchen Vorgängen, von denen man noch nichts versteht, wie zum Beispiel die Witterung, das Vertrauen haben, daß sie, die draußen zusammenhängen, auch in uns Zusammenhänge bewirken; und das soll mit Enthaltung vom Denken geschehen, nur in Bildern. Man muß sich sagen: Ich weiß noch nicht den Zusammenhang, aber ich werde diese Dinge in mir leben lassen, und sie werden in mir etwas bewirken, wenn ich gerade die Enthaltung vom Spekulieren übe. Sie werden leicht glauben können, daß, wenn der Mensch so, mit Enthaltung vom Denken, sich möglichst genaue Bildvorstellungen macht von aufeinanderfolgenden Vorgängen, daß da etwas vorgehen kann in den unsichtbaren Gliedern des Menschen.
[ 16 ] This is initially nothing more than a special expression of trust in the thoughts of reality. People should not immediately draw any conclusions and infer from what they observed today what the weather will be like tomorrow. That would corrupt their thinking. Rather, they should have confidence that things are connected in reality, that tomorrow is somehow connected to today. They should not speculate about it, but rather first think about what follows each other in time in as accurate mental images as possible, and then let these images stand side by side and merge into one another. This is a very specific principle of thinking that must be followed if one really wants to develop proper thinking. It is good to apply this principle to things that one does not yet understand, where one has not yet penetrated the inner connection. Therefore, especially in the case of processes that one does not yet understand, such as the weather, one should have confidence that they, which are connected outside, also bring about connections within us; and this should be done by refraining from thinking, only in images. One must say to oneself: I do not yet know the connection, but I will let these things live within me, and they will have an effect on me if I practice refraining from speculation. You will easily be able to believe that when a person, refraining from thinking, forms as accurate as possible images of successive processes, something can happen in the invisible members of the human being.
[ 17 ] Der Mensch hat den astralischen Leib als Träger des Vorstellungslebens. Dieser astralische Leib ist, solange der Mensch spekuliert, der Sklave des Ich. Aber er geht nicht in dieser bewußten Tätigkeit auf, er steht auch in einer gewissen Beziehung zum ganzen Kosmos.
[ 17 ] Human beings have the astral body as the carrier of their imaginative life. As long as human beings speculate, this astral body is the slave of the ego. But it is not absorbed in this conscious activity; it also stands in a certain relationship to the whole cosmos.
[ 18 ] In demselben Maße nun, in dem wir uns enthalten, unsere Denkwillkür wirken zu lassen, in dem wir ganz enthaltsam bloß Bildvorstellungen von aufeinanderfolgenden Ereignissen uns machen, in demselben Maße wirken die inneren Gedanken der Welt in uns und prägen sich unserem Astralleib ein, ohne daß wir es wissen. Wie wir uns fügen in den Gang der Welt durch Beobachtung der Vorgänge in der Welt und die Bilder möglichst ungetrübt in unsere Gedanken aufnehmen und in uns wirken lassen, in demselben Maße werden wir in den Gliedern, die unserem Bewußtsein entzogen sind, immer gescheiter. Wenn wir es dann einmal können, bei solchen Vorgängen, die in einem inneren Zusammenhang stehen, das neue Bild in das andere übergehen zu lassen, so wie sich dieser Übergang in der Natur volizogen hat, dann werden wir nach einiger Zeit sehen, daß unser Denken so etwas bekommen hat wie eine gewisse Geschmeidigkeit.
[ 18 ] To the same extent that we refrain from letting our arbitrary thoughts take effect, to the same extent that we abstain from forming images of successive events, the inner thoughts of the world work within us and imprint themselves on our astral body without our knowing it. To the extent that we conform to the course of the world by observing the processes in the world and allowing the images to enter our thoughts as unclouded as possible and to work within us, to the same extent we become increasingly intelligent in the members that are withdrawn from our consciousness. Once we are able to allow the new image to merge into the old in such processes that are internally connected, just as this transition takes place in nature, then after some time we will see that our thinking has acquired a certain flexibility.
[ 19 ] So sollen wir vorgehen bei Dingen, die wir noch nicht verstehen; aber Dingen gegenüber, die wir verstehen, sollen wir uns etwas anders verhalten, zum Beispiel Vorgängen unseres alltäglichen Lebens gegenüber, die sich um uns abspielen. Es habe zum Beispiel irgend jemand, vielleicht der Nachbar, dieses oder jenes getan. Wir denken nach: Warum hat er das getan? - Wir denken uns, er habe es vielleicht heute getan als Vorbereitung für etwas, das er morgen tun wolle. Nun sagen wir nichts weiter, sondern wir stellen uns genau vor, was er getan hat und versuchen nun, uns ein Bild auszumalen von dem, was er morgen tun werde. Wir stellen uns vor: Das wird er morgen tun - und warten ab, was er wirklich tun werde. Es kann sein, daß wir morgen bemerken, er tut wirklich das, was wir uns ausgemalt haben. Es kann auch sein, daß er etwas anderes tut. Wir werden sehen, was geschieht, und suchen unsere Gedanken danach zu verbessern.
[ 19 ] This is how we should proceed with things we do not yet understand; but we should behave somewhat differently toward things we do understand, for example, toward processes in our everyday life that take place around us. For example, suppose someone, perhaps a neighbor, has done this or that. We think: Why did he do that? We think that perhaps he did it today in preparation for something he wants to do tomorrow. Now we say nothing more, but imagine exactly what he has done and try to picture what he will do tomorrow. We imagine: That's what he'll do tomorrow—and wait to see what he really does. It may be that tomorrow we notice that he really does what we imagined. It may also be that he does something else. We'll see what happens and try to improve our thoughts accordingly.
[ 20 ] So suchen wir uns in der Gegenwart Ereignisse, die wir in Gedanken in die Zukunft hinein verfolgen, und warten ab, was sich ereignet. Wir können das machen mit dem, was Menschen tun, und mit anderen Dingen. Wo wir eben etwas verstehen, da versuchen wir uns ein Bild zu machen von dem, was nach unserer Meinung geschehen wird. Tritt das Erwartete ein, so war unser Denken richtig; und es ist gut. Geschieht etwas anderes als was wir erwartet haben, dann versuchen wir darüber nachzudenken, worin wir den Fehler gemacht haben, und versuchen so, unsere falschen Gedanken zu korrigieren durch ruhiges Beobachten und Prüfen, woran der Fehler lag, woraus es entspringt, daß es so gekommen ist. Haben wir das Richtige getroffen, dann wollen wir uns aber ganz besonders sorgfältig davor hüten, zu prunken mit unserer Prophetie: Ja, das habe ich gestern schon gewußt, daß das so kommt!
[ 20 ] In this way, we look for events in the present that we can follow in our minds into the future, and wait to see what happens. We can do this with what people do and with other things. Where we understand something, we try to form a picture of what we think will happen. If what we expected happens, then our thinking was correct, and that is good. If something different happens than what we expected, then we try to think about where we made a mistake and thus try to correct our wrong thoughts by calmly observing and examining what the mistake was and what caused it to happen. If we have done the right thing, then we must be especially careful not to boast about our prophecy: “Yes, I knew yesterday that this would happen!”
[ 21 ] Das war wiederum ein Grundsatz, aus dem Vertrauen entspringend, daß eine innere Notwendigkeit in den Dingen und Ereignissen selbst liegt, daß in den Tatsachen selbst etwas liegt, das die Dinge vorwärtstreibt. Und was da drinnen arbeitet von heute auf morgen, das sind Gedankenkräfte. Vertiefen wir uns in die Dinge, dann werden wir dieser Gedankenkräfte uns bewußt. Diese Gedankenkräfte machen wir in unserem Bewußtsein gegenwärtig durch solche Übungen, und wir stimmen dann überein mit ihnen, wenn sich das erfüllt, was wir vorausgesehen haben; dann stehen wir durch unsere Denktätigkeit mit der realen Sache in einem inneren Zusammenhang. So gewöhnen wir uns daran, nicht willkürlich, sondern aus der inneren Notwendigkeit, der Natur der Dinge heraus, zu denken.
[ 21 ] This was again a principle arising from the confidence that there is an inner necessity in things and events themselves, that there is something in the facts themselves that drives things forward. And what works there from one day to the next are thought forces. If we delve deeply into things, we become aware of these thought forces. We make these thought forces present in our consciousness through such exercises, and we then agree with them when what we have foreseen comes to pass; then, through our thinking activity, we stand in an inner connection with the real thing. In this way we accustom ourselves to thinking not arbitrarily, but out of inner necessity, out of the nature of things.
[ 22 ] Aber auch nach anderer Richtung können wir unsere Denkpraxis schulen. Irgendein Ereignis, das heute geschieht, steht auch in Beziehung zu dem, was gestern geschehen ist, zum Beispiel irgendein Junge ist ungezogen gewesen; welches können die Ursachen sein? Wir verfolgen die Ereignisse zurück von heute auf gestern, wir konstruieren uns die Ursachen, die wir nicht wissen. Wir sagen uns: Ich glaube, weil heute dies geschieht, so hat sich das gestern oder vorgestern durch dieses oder jenes vorbereitet.
[ 22 ] But we can also train our thinking practice in another direction. Any event that happens today is also related to what happened yesterday. For example, a boy has been naughty; what could be the causes? We trace the events back from today to yesterday and construct the causes that we do not know. We say to ourselves: I believe that because this is happening today, it was prepared yesterday or the day before by this or that.
[ 23 ] Man unterrichtet sich dann darüber, was wirklich geschehen ist, und erkennt dadurch, ob man richtig gedacht hat. Hat man die richtige Ursache gefunden, so ist es gut; hat man sich eine falsche Vorstellung gemacht, so versuche man, sich die Fehler klarzumachen und zu finden, wie der Gedankenprozeß sich entwickelt hat und wie die Sache in der Wirklichkeit abgelaufen ist.
[ 23 ] We then learn about what really happened and thereby recognize whether we thought correctly. If we have found the right cause, that is good; if we have formed a false idea, we try to clarify the errors and find out how the thought process developed and how things actually happened.
[ 24 ] Diese Grundsätze auszuführen, ist das Bedeutsame: daß wir wirklich Zeit finden, die Dinge so zu betrachten, als ob wir in den Dingen drin wären mit unserem Denken, daß wir uns hineinversenken in die Dinge, in die innere Gedankentätigkeit der Dinge. Wenn wir das tun, dann merken wir nach und nach, wie wir förmlich zusammenwachsen mit den Dingen, wie wir gar nicht mehr das Gefühl haben, daß die Dinge draußen sind und wir drinnen und über sie nachdenken, sondern ein Gefühl bekommen, wie wenn unser Denken sich in den Dingen drinnen bewegte. Wenn der Mensch das in hohem Grade erreicht hat, so kann ihm manches klarwerden.
[ 24 ] The important thing is to carry out these principles: that we really find the time to look at things as if we were inside them with our thinking, that we immerse ourselves in things, in the inner thought activity of things. When we do this, we gradually notice how we literally grow together with things, how we no longer have the feeling that things are outside and we are inside thinking about them, but rather get a feeling as if our thinking were moving inside things. When a person has achieved this to a high degree, many things can become clear to them.
[ 25 ] Ein Mensch, der in hohem Grade erreicht hatte, was so zu erreichen ist, ein solcher Denker, der immer in den Dingen drinnenstand mit seinen Gedanken, das war Goethe. Der Psychologe Heinroth hat 1822 in seinem «Lehrbuch der Anthropologie» gesagt, daß Goethes Denken ein gegenständliches Denken sei. Goethe selbst hat sich über diese Bemerkung gefreut. Sie sollte besagen, solches Denken sondere sich nicht ab von den Dingen; es bleibe in den Dingen drinnen, es bewege sich innerhalb der Notwendigkeit der Dinge. Goethes Denken war zugleich ein Anschauen, sein Anschauen zugleich ein Denken.
[ 25 ] A person who had achieved to a high degree what can be achieved, such a thinker who always stood inside things with his thoughts, that was Goethe. The psychologist Heinroth said in his 1822 “Textbook of Anthropology” that Goethe's thinking was concrete thinking. Goethe himself was pleased with this remark. It meant that such thinking does not separate itself from things; it remains within things, it moves within the necessity of things. Goethe's thinking was at the same time a way of seeing, and his seeing was at the same time a way of thinking.
[ 26 ] Goethe hat es sehr weit gebracht in solchem entwickelten Denken. So ist es mehr als einmal vorgekommen: Goethe hatte irgend etwas vor, ging zum Fenster und sagte zu dem, der gerade da war: In drei Stunden wird es regnen -, und es geschah so. Er konnte aus dem kleinen Ausschnitt des Himmels, den er durchs Fenster sah, sagen, was in den nächsten Stunden vorgehen werde in den Witterungsverhältnissen. Sein treues, in den Dingen bleibendes Denken hatte es ihm möglich gemacht, zu spüren, was sich da vorbereitete aus dem vorhergehenden als das spätere Ereignis.
[ 26 ] Goethe achieved a great deal with this kind of developed thinking. It happened more than once that Goethe had something in mind, went to the window, and said to whoever happened to be there: “In three hours it will rain” – and so it happened. From the small section of sky he could see through the window, he was able to predict what the weather would be like in the next few hours. His faithful thinking, which remained constant in all things, enabled him to sense what was preparing itself from the preceding as the subsequent event.
[ 27 ] Wirklich viel mehr kann man erreichen durch ein praktisches Denken, als man gewöhnlich meint. - Wenn man das hat, was nun geschildert wurde, an Grundsätzen für das Denken, dann wird man bemerken, daß nun wirklich das Denken praktisch wird, daß der Blick sich erweitert und man die Dinge der Welt ganz anders ergreift als ohne dies. Der Mensch wird nach und nach sich ganz anders stellen zu den Dingen und auch zu den Menschen. Es ist ein wirklicher Prozeß, der in ihm vorgeht, der sein ganzes Verhalten verändert. Es kann von ungeheurer Wichtigkeit sein, daß der Mensch tatsächlich versucht, so mit den Dingen durch sein Denken zusammenzuwachsen; denn es ist ein im eminentesten Sinne praktischer Grundsatz für das Denken, solche Übungen zu machen.
[ 27 ] One can achieve much more through practical thinking than one usually thinks. If one has what has now been described as principles for thinking, then one will notice that thinking really becomes practical, that one's view broadens and one grasps the things of the world quite differently than without this. Gradually, people will relate to things and also to other people in a completely different way. It is a real process that takes place within them, changing their entire behavior. It can be of tremendous importance for people to actually try to grow together with things through their thinking, because doing such exercises is a practical principle for thinking in the most eminent sense.
[ 28 ] Eine andere Sache ist eine Übung, die insbesondere diejenigen Leute machen sollten, denen gewöhnlich im rechten Moment nicht das Rechte einfällt. Dasjenige, was solche Menschen machen sollten, das besteht darin, daß sie vor allen Dingen versuchen sollen, nicht bloß so zu denken, daß sie sich in jedem Augenblick dem hingeben, was der Weltenlauf so mit sich bringt, was die Dinge so mit sich bringen. Es ist ja das Allerhäufigste, daß, wenn der Mensch einmal eine halbe Stunde sich hinlegen kann, um sich auszuruhen, daß er dann seine Gedanken spielen läßt. Dann spinnt sich das so aus ins Hundertste und Tausendste. Oder es beschäftigt ihn vielleicht diese oder jene Sorge im Leben - flugs ist sie in sein Bewußtsein geschlichen und er ist ganz in Anspruch genommen von ihr. Macht der Mensch dieses, so wird er niemals dazu kommen, im richtigen Moment den richtigen Einfall zu haben. Will er das erreichen, so muß er sich folgendermaßen verhalten. Hat er eine halbe Stunde Zeit sich auszuruhen, so muß er sich sagen: Ich will, so oft ich Zeit habe, über etwas nachdenken, was ich mir selbst auswähle, was ich nur durch meine Willkür in mein Bewußtsein hereinbringe. Ich will jetzt zum Beispiel über irgend etwas, was ich vielleicht früher erlebt habe, vielleicht bei einem Spaziergang vor zwei Jahren, nachdenken, ich will die damaligen Erlebnisse ganz willkürlich in mein Denken hereinbringen und will darüber - sei es vielleicht nur fünf Minuten - nachdenken. Alles übrige, fort damit für diese fünf Minuten! Selbst wähle ich mir das, worüber ich nachdenken will. Die Wahl braucht nicht einmal so schwierig zu sein, wie ich gerade gesagt habe. Darauf kommt es zunächst gar nicht an, daß man durch schwierige Übungen in seinen Denkprozeß hineinwirkt, sondern daß man sich herausreißt aus dem, in was man hineingezogen wird durch das Leben. Es muß nur etwas sein, was herausfällt aus dem, wohinein man gesponnen wird durch den gewöhnlichen Tagesverlauf. Und wenn man an Einfallslosigkeit leidet, wenn einem gerade nichts anderes einfällt, so kann man sich zu Hilfe kommen, indem man ein Buch aufschlägt und über das nachdenkt, was man gerade liest auf den ersten Blick. Oder auch, man sagt sich: Ich werde heute einmal über das nachdenken, was ich sah, als ich zu bestimmter Zeit vormittags ins Geschäft gegangen bin und das ich sonst würde unberücksichtigt gelassen haben. Es muß eben etwas sein, was aus dem gewöhnlichen Tageslauf herausfällt, worüber man sonst nicht nachgedacht hätte. Macht man solche Übungen systematisch immer und immer wieder, dann tritt das ein, daß man Einfälle kriegt zur rechten Zeit, daß einem zur richtigen Zeit das einfällt, was einem einfallen soll. Das Denken wird dadurch in Beweglichkeit kommen, und das ist ungeheuer bedeutungsvoll für den Menschen im praktischen Leben. Eine andere Übung ist besonders geeignet, auf das Gedächtnis zu wirken. Man versucht zunächst, sich in der groben Art, wie man sich gewöhnlich an Dinge erinnert, an irgendein Ereignis, sagen wir von gestern, zu erinnern. Gewöhnlich sind die Erinnerungen der Menschen ja grau in grau; in der Regel ist man ja zufrieden, wenn einem nur der Name des Menschen einfällt, dem man gestern begegnet ist. Aber damit dürfen wir nicht zufrieden sein, wenn wir unser Gedächtnis ausbilden wollen. Das müssen wir uns klarmachen. Wir müssen systematisch folgendes treiben, wir müssen uns sagen: Ich will mich ganz genau erinnern an den Menschen, den ich gestern gesehen habe, auch an welcher Hausecke ich ihn gesehen habe; was noch um ihn herum war. Das Bild will ich mir genau ausmalen, auch seinen Rock, seine Weste will ich mir bildlich genau vorstellen. - Da werden die meisten Menschen bemerken, daß sie das gar nicht können, daß ihnen das gar nicht möglich ist. Sie werden bemerken, wieviel ihnen fehlt, um eine wirkliche bildhafte Vorstellung zu bekommen von dem, was ihnen gestern begegnet ist und was sie gestern erlebt haben.
[ 28 ] Another thing is an exercise that should be done especially by those people who usually do not think of the right thing at the right moment. What such people should do is, above all, try not to think in such a way that they surrender themselves at every moment to what the course of the world brings with it, to what things bring with them. It is very common that when a person has half an hour to lie down and rest, they let their thoughts run wild. Then these thoughts spin out into a hundred and a thousand different directions. Or perhaps they are preoccupied with this or that worry in their life—it quickly creeps into their consciousness and they are completely absorbed by it. If people do this, they will never come up with the right idea at the right moment. If they want to achieve this, they must behave as follows. If they have half an hour to rest, they must say to themselves: Whenever I have time, I will think about something that I choose myself, something that I bring into my consciousness solely through my own will. For example, I now want to think about something I may have experienced earlier, perhaps on a walk two years ago. I want to bring those experiences into my thinking quite arbitrarily and think about them, even if only for five minutes. Everything else must be put aside for those five minutes! I choose for myself what I want to think about. The choice does not even have to be as difficult as I have just said. It is not important at first to influence your thought process through difficult exercises, but rather to tear yourself away from what you are drawn into by life. It just has to be something that falls outside of what you are caught up in during the ordinary course of the day. And if you suffer from a lack of imagination, if nothing else comes to mind, you can help yourself by opening a book and thinking about what you are reading at first glance. Or you can say to yourself: Today I will think about what I saw when I went to the store at a certain time in the morning and which I would otherwise have ignored. It has to be something that falls outside the ordinary course of the day, something you wouldn't normally think about. If you do such exercises systematically over and over again, you will find that you get ideas at the right time, that what you need to think of comes to mind at the right time. This will make your thinking more flexible, which is extremely important for people in practical life. Another exercise is particularly suitable for improving memory. First, try to remember some event, say from yesterday, in the rough way you usually remember things. Usually, people's memories are gray and dull; as a rule, we are satisfied if we can remember the name of the person we met yesterday. But we must not be satisfied with that if we want to train our memory. We must make that clear to ourselves. We must systematically do the following: we must say to ourselves: I want to remember exactly the person I saw yesterday, including the corner of the house where I saw them and what else was around them. I want to paint a precise picture of them in my mind, including their skirt or vest. Most people will realize that they are unable to do this, that it is impossible for them. They will notice how much they are lacking in order to form a real mental image of what they encountered and experienced yesterday.
[ 29 ] Wir müssen nun zunächst ausgehen von den weitaus meisten Fällen, in denen der Mensch nicht in der Lage ist, sich das wieder in Erinnerung zu rufen, was er gestern erlebt hat. Die Beobachtung der Menschen ist eine wirklich im höchsten Maße ungenaue. - Ein Versuch eines Universitätsprofessors mit seinen Hörern hat gezeigt, daß von dreißig Anwesenden nur zwei den Vorgang richtig, die anderen achtundzwanzig dagegen falsch beobachtet hatten. - Ein gutes Gedächtnis ist nun aber das Kind einer treuen Beobachtung. Zur Entwickelung des Gedächtnisses kommt es also gerade darauf an, daß man genau beobachte. Ein gutes Gedächtnis erringt man durch treue Beobachtung, auf einem gewissen seelischen Umwege wird das treue Gedächtnis als Kind einer guten Beobachtung geboren.
[ 29 ] We must now start from the vast majority of cases in which people are unable to recall what they experienced yesterday. Observation of human beings is extremely inaccurate. An experiment conducted by a university professor with his students showed that out of thirty people present, only two had observed the process correctly, while the other twenty-eight had observed it incorrectly. - However, a good memory is the result of faithful observation. The development of memory therefore depends precisely on careful observation. A good memory is achieved through faithful observation; through a certain mental detour, faithful memory is born as the child of good observation.
[ 30 ] Wenn man nun aber das nicht kann, zunächst sich genau erinnern an das, was man gestern erlebt hat, was tut man da? Zunächst versuche man, sich möglichst genau zu erinnern, und wo man sich nicht erinnert, da versuche man nun tatsächlich sich etwas Falsches vorzustellen, nur etwas Ganzes soll es sein. Nehmen wir an, Sie hätten ganz vergessen, ob jemand, der Ihnen begegnet ist, einen braunen oder einen schwarzen Rock angehabt hat, so stellen Sie sich vielleicht vor, er habe einen braunen Rock und braune Beinkleider angehabt; er habe solche und solche Knöpfe an der Weste gehabt, die Halsbinde war gelb - und da war jene Situation, die Wand war gelb, links ist ein großer, rechts ein kleiner Mensch vorbeigegangen und so weiter.
[ 30 ] But if you are unable to do this, to remember exactly what you experienced yesterday, what should you do? First, try to remember as accurately as possible, and where you cannot remember, try to imagine something false, but it must be something complete. Let us assume that you have completely forgotten whether someone you met was wearing a brown or black skirt, you might imagine that they were wearing a brown skirt and brown leggings; that they had buttons like this and like that on their waistcoat, that their necktie was yellow – and there was that situation, the wall was yellow, a tall person walked past on the left and a short person on the right, and so on.
[ 31 ] Das, woran man sich erinnert, das stellt man sich hinein in das Bild; nur das, woran man sich nicht erinnern kann, das ergänzt man, um nur im Geiste ein vollständiges Bild zu gewinnen. Das Bild ist ja dann zunächst falsch, aber dadurch, daß Sie sich bemühen, ein vollständiges Bild zu bekommen, dadurch werden Sie angeleitet, von jetzt ab genauer zu beobachten. Und das setzen Sie fort, solche Übungen zu machen. Und wenn Sie das fünfzigmal gemacht haben, so werden Sie das einundfünfzigste Mal ganz genau wissen, wie derjenige, der Ihnen begegnet ist, ausgesehen hat, was er angehabt hat; Sie werden sich genau an alles erinnern, bis auf die Westenknöpfe. Sie werden dann nichts mehr übersehen, und es prägt sich Ihnen jede Einzelheit ein. Sie haben so zuerst Ihren Beobachtungssinn geschärft durch die Übungen und dann eine Aufbesserung in der Treue Ihres Gedächtnisses als das Kind des Beobachtungssinnes hinzubekommen.
[ 31 ] You put what you remember into the picture; only what you cannot remember do you add in order to obtain a complete picture in your mind. The picture is initially incorrect, but by striving to obtain a complete picture, you are guided to observe more closely from now on. And you continue to do such exercises. And when you have done this fifty times, the fifty-first time you will know exactly what the person you met looked like, what he was wearing; you will remember everything exactly, down to the buttons on his waistcoat. You will then overlook nothing, and every detail will be imprinted on your mind. In this way, you will first sharpen your powers of observation through the exercises and then improve the accuracy of your memory as the child of your powers of observation.
[ 32 ] Besonders gut ist, darauf zu sehen, nicht bloß Namen und einzelne Hauptzüge dessen zu behalten, an was man sich erinnern will, sondern möglichst bildhafte Vorstellungen zu erhalten suchen, die sich auf alle Einzelheiten erstrecken; und wenn man sich an etwas nicht erinnern kann, so sucht man das Bild zunächst zu ergänzen, es zu einem Ganzen zu konstruieren. - Dann werden wir bald sehen wie auf Umwegen scheint es -, daß unser Gedächtnis nach und nach treu wird.
[ 32 ] It is particularly good to try not only to remember names and individual main features of what you want to remember, but also to try to obtain as vivid an image as possible, covering all the details; and if you cannot remember something, try first to complete the picture, to construct it into a whole. Then we will soon see, as if by a roundabout route, that our memory gradually becomes faithful.
[ 33 ] So sehen wir, wie man tatsächlich - wie Handgriffe - angeben kann dasjenige, wodurch der Mensch sein Denken immer praktischer und praktischer machen kann. Besonders wichtig ist noch das Folgende: Der Mensch hat eine gewisse Sehnsucht, wenn er sich etwas überlegt, zu einem Resultat zu kommen. Er überlegt sich, wie er dieses oder jenes machen soll, und er kommt zu diesem oder jenem Resultat. Das ist ein sehr begreiflicher Trieb. Das ist aber nicht dasjenige, was einen zum praktischen Denken führt. Jedes Überhasten im Denken bringt nicht vorwärts, sondern bringt zurück. Man muß Geduld haben in diesen Dingen.
[ 33 ] Thus we see how one can actually specify, as if they were manual tasks, the things that enable human beings to make their thinking more and more practical. The following is particularly important: when thinking about something, human beings have a certain desire to arrive at a result. They think about how to do this or that, and they arrive at this or that result. This is a very understandable impulse. However, it is not what leads to practical thinking. Any hastiness in thinking does not move us forward, but backward. One must be patient in these matters.
[ 34 ] Du sollst zum Beispiel dieses oder jenes ausführen: Du kannst das nun so oder so machen, es liegen verschiedene Möglichkeiten vor. Nun habe man die Geduld und versuche sich vorzustellen, was da werden würde, wenn man es so ausführte, und versuche sich auch vorzustellen, wie es anders aussehen würde. Nun wird es ja immer Gründe geben, warum man das eine oder das andere vorziehen möchte, aber nun enthalte man sich, sofort einen Entschluß zu fassen, sondern bemühe sich, zwei Möglichkeiten auszumalen und sich dann zu sagen: $o, jetzt Schluß, jetzt höre ich auf, über die Sache nachzudenken.
[ 34 ] For example, you are supposed to do this or that: you can do it one way or another; there are various possibilities. Now have patience and try to imagine what would happen if you did it that way, and also try to imagine how it would look different. Now there will always be reasons why you might prefer one thing or the other, but refrain from making a decision immediately. Instead, try to imagine two possibilities and then say to yourself: “That's it, now I'll stop thinking about it.”
[ 35 ] Es wird Menschen geben, die werden zapplig werden dabei; und es ist dann schwierig, die Zappligkeit zu überwinden, aber es ist ungeheuer nützlich, sie zu überwinden und sich zu sagen: Es geht so und es geht so, und nun denke ich eine Weile nicht daran. Wenn man kann, so hebe man die Sache, das Handeln bis zum nächsten Tage auf und halte sich dann die zwei Möglichkeiten wieder vor, und man wird finden, daß die Dinge sich mittlerweile verändert haben, daß wir am nächsten Tage anders, gründlicher wenigstens uns entscheiden, als wir am Vortage uns entschieden hätten. Die Dinge haben eine innere Notwendigkeit in sich, und wenn wir nicht ungeduldig willkürlich handeln, sondern diese innere Notwendigkeit arbeiten lassen in uns - und sie wird in uns arbeiten -, so wird sie unser Denken bereichert erscheinen lassen am nächsten Tage und uns eine richtigere Entscheidung ermöglichen. Das ist ungeheuer nützlich!
[ 35 ] There will be people who will become fidgety in the process, and it will then be difficult to overcome the fidgetiness, but it is immensely useful to overcome it and say to yourself: It can be done this way and it can be done that way, and now I won't think about it for a while. If you can, put the matter, the action, off until the next day and then consider the two possibilities again, and you will find that things have changed in the meantime, that the next day we will decide differently, at least more thoroughly than we would have decided the day before. Things have an inner necessity, and if we do not act impatiently and arbitrarily, but allow this inner necessity to work in us—and it will work in us—it will enrich our thinking the next day and enable us to make a more correct decision. This is extremely useful!
[ 36 ] Man wird zum Beispiel um Rat gefragt über dieses oder jenes, man hat irgend etwas zu entscheiden. Da habe man die Geduld, nicht gleich hineinzuplatzen mit seinen Entscheidungen, sondern sich zunächst verschiedene Möglichkeiten vorzulegen und bei sich selbst keine Entscheidung darüber zu treffen, sondern ruhig die Möglichkeiten walten zu lassen. Man sagt ja auch im Volksmunde, man müsse eine Sache beschlafen, ehe man sie entscheide. Das Beschlafen allein tut es aber nicht. Es ist notwendig, zwei oder besser mehrere Möglichkeiten zu bedenken, die dann in einem fortarbeiten, wenn man sozusagen nicht mit seinem bewußten Ich dabei ist, und dann später wieder auf die Sache zurückzukommen. Man wird sehen, daß man auf diese Weise innere Denkkräfte rege macht und das Denken dadurch immer sachgemäßer und praktischer wird.
[ 36 ] For example, you are asked for advice about this or that, you have something to decide. Have the patience not to jump in with your decisions right away, but first consider various possibilities and do not make a decision for yourself, but calmly let the possibilities take their course. It is also said in popular parlance that one must sleep on a matter before deciding. But sleeping on it alone is not enough. It is necessary to consider two or, better still, several possibilities, which then continue to work on you when you are not consciously thinking about them, so to speak, and then to come back to the matter later. You will see that in this way you activate your inner powers of thought and that your thinking becomes more and more appropriate and practical.
[ 37 ] Und was der Mensch auch immer ist in der Welt, ob er am Schraubstock oder hinter dem Pflug steht oder ob er einer der sogenannten bevorzugten Berufsklassen angehört -, über die alleralltäglichsten Dinge wird er ein praktischer Denker werden, wenn er diese Dinge übt. So übend greift und sieht er die Dinge in der Welt ganz anders an. Und so innerlich sich diese Übungen zuerst auch ansehen, sie taugen gerade für die Außenwelt, sie tragen gerade für die Außenwelt die denkbar größte Bedeutung in sich; sie haben wichtige Folgen.
[ 37 ] And whatever a person is in the world, whether they stand at a workbench or behind a plow, or whether they belong to one of the so-called privileged professions, they will become a practical thinker about the most everyday things if they practice these things. By practicing in this way, they will approach and see things in the world in a completely different way. And however internal these exercises may seem at first, they are particularly suitable for the outside world; they are of the greatest possible importance for the outside world; they have important consequences.
[ 38 ] Ich will Ihnen an einem Beispiel zeigen, wie notwendig es ist, wirklich praktisch über die Dinge zu denken: Irgend jemand ist auf einer Leiter hinaufgestiegen auf einen Baum und hat da irgend etwas gemacht; er fällt herunter, schlägt auf und ist tot. Nun, nicht wahr, es ist ein naheliegender Gedanke, daß der sich da durch den Fall totgeschlagen hat. Man wird sagen, daß der Fall die Ursache, der Tod die Wirkung war. Da scheinen Ursache und Wirkung zusammenzuhängen. Darinnen können nun greuliche Verwechslungen vorliegen. - Es kann den da oben ein Herzschlag getroffen haben, so daß er infolge des Herzschlages heruntergefallen ist. Es ist genau dasselbe eingetroffen, wie wenn er lebendig heruntergefallen wäre, er hat dieselben Dinge durchgemacht, die wirklich seine Todesursache hätten sein können. - So kann man Ursache und Wirkung vollständig verwechseln. Hier in diesem Beispiel ist es auffällig; oft aber ist es nicht so auffällig, was man verfehlt hat. Solche Denkfehler kommen ungeheuer häufig vor, ja es muß gesagt werden, daß in der Wissenschaft heute tagtäglich solche Urteile gefällt werden, wo wirklich in einer solchen Art Ursache und Wirkung verwechselt werden. Das begreifen die Menschen nur nicht, weil sie sich nicht die Denkmöglichkeiten vorhalten.
[ 38 ] I will give you an example to show you how necessary it is to think about things in a truly practical way: Someone climbed a ladder to get up into a tree and was doing something there; he fell down, hit the ground and died. Now, it is an obvious thought that he killed himself by falling. One would say that the fall was the cause and death was the effect. Cause and effect seem to be connected. But there can be terrible confusion here. The man up there may have had a heart attack, causing him to fall down. The same thing would have happened if he had fallen down while still alive; he went through the same things that could have been the cause of his death. In this way, cause and effect can be completely confused. Here in this example it is striking, but often it is not so obvious what has been missed. Such errors in thinking occur extremely frequently; indeed, it must be said that in science today, judgments are made every day where cause and effect are confused in this way. People simply do not understand this because they do not consider the possibilities of thinking.
[ 39 ] Ein Beispiel soll noch gegeben werden, das Ihnen ganz anschaulich machen kann, wie solche Denkfehler zustande kommen, und das Ihnen zeigt, daß sie einem Menschen, der solche Übungen gemacht hat, wie sie heute angegeben wurden, nicht mehr passieren werden. Nehmen Sie folgendes an: Ein Gelehrter sagt sich, daß der Mensch, wie er heute ist, vom Affen abstammt; also: das, was ich in den Affen kennenlerne, die Kräfte im Affen, die vervollkommnen sich, und daraus wird dann der Mensch. - Nun, um jetzt die Gedankenbedeutung der Sache darzutun, wollen wir einmal folgende Voraussetzung machen: Denken wir einmal, der Mensch, der diesen Schluß anstellen soll, der wäre durch irgendeinen Umstand ganz allein auf die Erde versetzt. Außer ihm wären nur diejenigen Affen da, von denen seine Theorie sagt, daß Menschen aus ihnen entstehen können. Er studiert nun diese Affen ganz genau, er bildet sich bis in die Einzelheiten einen Begriff von dem, was da ist in den Affen. Nun soll er versuchen, aus dem Begriff des Affen den Begriff des Menschen entstehen zu lassen, wenn er noch nie einen Menschen gesehen hat. Er wird sehen, daß er das nie zustande bringt: Sein Begriff «Affe» verwandelt sich nie in den Begriff des Menschen.
[ 39 ] Let me give you another example that will illustrate very clearly how such errors in thinking arise and show you that they will no longer happen to someone who has done the exercises described today. Consider the following: A scholar says to himself that human beings as they are today are descended from apes; therefore, what I recognize in apes, the powers in apes, are perfected and become human beings. Now, in order to explain the meaning of this idea, let us make the following assumption: Let us imagine that the person who is supposed to come to this conclusion has been transported to Earth all alone by some circumstance. Apart from him, there would only be those monkeys from which, according to his theory, humans can evolve. He now studies these monkeys very carefully, forming a detailed concept of what is present in the monkeys. Now he should try to develop the concept of man from the concept of the monkey, even though he has never seen a human being. He will see that he can never achieve this: his concept of “monkey” never transforms into the concept of man.
[ 40 ] Wenn er richtige Denkgewohnheiten hätte, so müßte er sich sagen: Also, mein Begriff, der wandelt sich in mir nicht so um, daß aus dem Affenbegriff der Menschenbegriff wird, also kann dasjenige, was ich sehe im Affen, nicht zum Menschen werden, denn sonst müßte mein Begriff auch übergehen. Es muß also noch etwas hinzukommen, was ich nicht sehen kann. - Dieser Mensch also müßte hinter dem sinnlichen Affen etwas Übersinnliches sehen, was er nicht wahrnehmen kann, was dann erst zum Menschen übergehen könnte.
[ 40 ] If he had the right way of thinking, he would have to say to himself: Well, my concept does not change within me in such a way that the concept of ape becomes the concept of human being, so what I see in the ape cannot become a human being, because otherwise my concept would also have to change. So there must be something else that I cannot see. This person would therefore have to see something supersensible behind the sensory monkey, something he cannot perceive, which could then pass over into man.
[ 41 ] Wir wollen auf die Unmöglichkeit der Sache nicht eingehen, sondern nur den Denkfehler zeigen, der hinter jener Theorie liegt. Wenn der Mensch richtig denken würde, so würde er darauf geführt werden, daß er nicht so denken darf, wenn er nicht etwas Übersinnliches voraussetzen will. Wenn Sie über die Sache nachdenken, so werden Sie schon sehen, daß hier von einer ganzen Reihe von Menschen ein überwältigender Denkfehler gemacht worden ist. Solche Fehler werden nicht mehr gemacht werden von dem, der in der angegebenen Weise sein Denken schult.
[ 41 ] We do not want to go into the impossibility of the matter, but only to show the error in thinking that lies behind this theory. If humans thought correctly, they would be led to conclude that they cannot think this way unless they presuppose something supernatural. If you think about it, you will see that a whole series of people have made an overwhelming error in thinking. Such errors will no longer be made by those who train their thinking in the manner indicated.
[ 42 ] Ein großer Teil unserer ganzen heutigen Literatur, besonders auch der naturwissenschaftlichen, wird für den, der wirklich richtig zu denken vermag, durch solche krummen, verkehrten Gedanken eine Quelle von Wirkungen bis zu physischen Schmerzen, wenn er sich durch sie hindurchlesen muß. - Es soll dadurch absolut nichts gesagt werden gegen die ungeheure Summe von Beobachtungen, die durch diese Naturwissenschaft und ihre objektiven Methoden gewonnen worden ist. Nun kommen wir auf ein Kapitel, das zusammenhängt mit der Kurzsichtigkeit des Denkens. Es ist wirklich so, daß der Mensch gewöhnlich nicht weiß, daß sein Denken gar nicht sehr sachgemäß, sondern zum größten Teil nur eine Folge von Denkgewohnheiten ist. So werden denn auch die Urteile für den, der die Welt und das Leben durchschaut, sich ganz anders gestalten als für den, der diese nicht oder nur wenig durchschaut, zum Beispiel für einen materialistischen Denker. - Durch Gründe so jemanden zu überzeugen, wenn sie auch noch so gediegen und noch so gut sind, das geht nicht leicht. Denjenigen, der das Leben wenig kennt, durch Gründe zu überzeugen suchen, ist oft vergebliche Mühe, weil er ja gar nicht die Gründe einsieht, aus denen dieses oder jenes behauptet werden kann. Wenn er sich angewöhnt hat, in allem zum Beispiel nur Materie zu sehen, so haftet er eben an dieser Denkgewohnheit.
[ 42 ] A large part of our entire literature today, especially scientific literature, is a source of effects, even physical pain, for those who are truly capable of thinking correctly, when they have to read through it. This is not meant to say anything against the enormous amount of observations that have been gained through this natural science and its objective methods. Now we come to a chapter that is related to the short-sightedness of thinking. It is really the case that people usually do not know that their thinking is not very appropriate, but for the most part is only a consequence of habits of thinking. Thus, judgments will be very different for those who see through the world and life than for those who do not see through them, or see through them only a little, for example, for a materialistic thinker. It is not easy to convince such a person with reasons, no matter how sound and good they may be. Trying to convince someone who knows little about life with reasons is often a futile effort, because they do not understand the reasons why this or that can be asserted. If they have become accustomed to seeing only matter in everything, for example, they are stuck in this habit of thinking.
[ 43 ] Es sind heute im allgemeinen nicht die Gründe, die jemanden zu Behauptungen führen, sondern hinter den Gründen sind es die Denkgewohnheiten, die er sich angeeignet hat und die sein ganzes Fühlen und Empfinden beeinflussen. Wenn er Gründe vorbringt, da stellt sich nur vor sein Fühlen und Empfinden die Maske des gewohnten Denkens. So ist oft nicht nur der Wunsch der Vater des Gedankens, sondern es sind alle Gefühle und Denkgewohnheiten die Eltern der Gedanken. Derjenige, der das Leben kennt, weiß, wie wenig durch logische Gründe jemand zu überzeugen ist im Leben. Da entscheidet viel Tieferes in der Seele als die logischen Gründe.
[ 43 ] Today, it is generally not reasons that lead someone to make assertions, but rather the habits of thinking that they have acquired and that influence their entire feeling and perception. When they put forward reasons, it is only the mask of habitual thinking that stands before their feelings and perceptions. Thus, it is often not only desire that is the father of thought, but all feelings and habits of thinking that are the parents of thoughts. Those who know life know how little logical reasons can convince anyone in life. Something much deeper in the soul decides than logical reasons.
[ 44 ] Wenn wir zum Beispiel unsere anthroposophische Bewegung haben, so hat es gewiß seine guten Gründe, daß wir sie haben und daß sie arbeitet in ihren Zweigen. Jeder merkt dadurch, daß er eine Zeitlang mitarbeitet an der Bewegung, daß er sich ein anderes Denken, Fühlen und Empfinden angeeignet hat. Denn durch das Arbeiten in den Zweigen beschäftigt man sich nicht bloß damit, die logischen Gründe zu finden für etwas, sondern ein umfassenderes Fühlen und Empfinden eignet man sich an.
[ 44 ] When we have our anthroposophical movement, for example, there are certainly good reasons why we have it and why it works in its various branches. Everyone who works with the movement for a while notices that they have acquired a different way of thinking, feeling, and sensing. For through working in the branches, one does not merely concern oneself with finding logical reasons for something, but acquires a more comprehensive feeling and sense.
[ 45 ] Wie spottete unter Umständen vor ein paar Jahren ein Mensch, der zum ersten Male einen geisteswissenschaftlichen Vortrag hörte und heute, wieviel Dinge sind ihm nun durchaus klar und durchsichtig, die er vielleicht vor einiger Zeit noch für etwas höchst Absurdes gehalten hätte! Wir wandeln, indem wir an der anthroposophischen Bewegung mitarbeiten, nicht bloß unsere Gedanken um, sondern wir lernen, unsere ganze Seele in eine weitere Perspektive hineinzubringen. Wir müssen uns klar darüber sein, daß die Färbung unserer Gedanken aus viel tieferen Untergründen herauskommt, als man gewöhnlich meint. Es sind gewisse Empfindungen, gewisse Gefühle, die dem Menschen eine Meinung aufdrängen. Die logischen Gründe sind oft nur eine Verbrämung, sind nur die Masken für Gefühle, Empfindungen und Denkgewohnheiten.
[ 45 ] How, for example, did someone who heard a spiritual scientific lecture for the first time a few years ago mock it, and how many things are now completely clear and transparent to him that he might have considered highly absurd some time ago! By participating in the anthroposophical movement, we do not merely transform our thoughts, but we learn to bring our whole soul into a broader perspective. We must be clear that the coloring of our thoughts comes from much deeper sources than is usually thought. It is certain sensations, certain feelings that impose opinions on people. The logical reasons are often just a veneer, just masks for feelings, sensations, and habits of thought.
[ 46 ] Sich dahin zu bringen, daß einem die logischen Gründe etwas bedeuten, dazu gehört, daß man die Logik selbst lieben lernt. Erst wenn man die Objektivität, das Sachgemäße lieben lernt, werden die logischen Gründe entscheidend werden. Man lernt allmählich, sozusagen unabhängig von der Vorliebe für diesen oder jenen Gedanken, objektiv denken, und dann erweitert sich der Blick, und man wird praktisch; nicht so praktisch, daß man nur in ausgefahrenen Bahnen weiter urteilen kann, sondern so, daß man aus den Dingen heraus denken lernt.
[ 46 ] To bring oneself to the point where logical reasons mean something to one, one must learn to love logic itself. Only when one learns to love objectivity and what is appropriate will logical reasons become decisive. You gradually learn to think objectively, independently of your preference for this or that idea, so to speak, and then your view broadens and you become practical; not so practical that you can only judge along well-trodden paths, but in such a way that you learn to think your way out of things.
[ 47 ] Wirkliche Praxis ist ein Kind des sachgemäßen Denkens, des aus den Dingen herausfließenden Denkens. Wir lernen erst, uns von den Dingen anregen zu lassen, wenn wir solche Übungen machen; und zwar an gesunden Dingen müssen solche Übungen gemacht werden. Das sind solche Dinge, an denen die menschliche Kultur möglichst wenig Anteil hat, die am wenigsten verkehrt sind: an Naturobjekten. Und an Naturobjekten so üben, wie wir das heute beschrieben haben, das macht uns zu praktischen Denkern. Das ist wirklich praktisch. Die alleralltäglichste Beschäftigung wird praktisch angegriffen werden, wenn wir das Grundelement schulen: das Denken. Indem wir die menschliche Seele so üben, wie das ausgeführt worden ist, bildet sich praktische Denkorientierung.
[ 47 ] Real practice is a child of objective thinking, of thinking that flows from things themselves. We only learn to let ourselves be inspired by things when we do such exercises; and such exercises must be done on healthy things. These are things in which human culture has as little influence as possible, which are the least distorted: natural objects. And practicing on natural objects as we have described today makes us practical thinkers. That is truly practical. The most everyday activities will be tackled practically if we train the basic element: thinking. By practicing the human soul as has been described, a practical orientation toward thinking is formed.
[ 48 ] Es muß die Frucht der geisteswissenschaftlichen Bewegung sein, daß sie wirklich Praktiker ins Leben stellt. Es ist nicht so wichtig, daß der Mensch dieses oder jenes für wahr halten kann, sondern daß er es dahin bringe, die Dinge richtig zu überschauen. Viel wichtiger ist die Art und Weise, wie Anthroposophie eindringt in unsere Seele und uns anleitet zur Tätigkeit unserer Seele und unseren Blick erweitert, als daß wir bloß über die sinnlichen Dinge hinaus- und ins Geistige hineintheoretisieren. Darin ist die Anthroposophie etwas wahrhaft Praktisches.
[ 48 ] It must be the fruit of the spiritual scientific movement that it truly brings practitioners into life. It is not so important that people believe this or that to be true, but that they bring themselves to see things correctly. Much more important than theorizing about things beyond the senses and into the spiritual realm is the way in which anthroposophy penetrates our souls, guides us to soul activity, and broadens our view. In this, anthroposophy is something truly practical.
[ 49 ] Das ist eine wichtige Mission der anthroposophischen Bewegung, daß durch sie des Menschen Denken in Bewegung gebracht wird, so geschult wird, daß er denkt, daß der Geist hinter den Dingen steht. Wenn die anthroposophische Bewegung diese Gesinnung entfacht, dann wird sie eine Kultur begründen, aus der nie ein solches Denken hervorgehen wird, daß die Leute von innen den Wagen anschieben wollen. Das fließt ganz von selbst in die Seele hinein. Wenn die Seele gelernt hat, über die großen Tatsachen des Lebens zu denken, dann denkt sie auch über den Suppenlöffel richtig. Und nicht nur in bezug auf das, was den Suppenlöffel betrifft, werden die Menschen praktischer werden, sie werden auch lernen, einen Nagel praktischer einzuschlagen, ein Bild praktischer aufzuhängen, als sie das sonst getan hätten. Das ist von großer Bedeutung, daß wir das seelisch-geistige Leben als ein Ganzes betrachten lernen und daß wir durch solche Anschauung alles praktischer und praktischer gestalten lernen.
[ 49 ] It is an important mission of the anthroposophical movement to set human thinking in motion, to train it so that people think that the spirit is behind things. If the anthroposophical movement kindles this attitude, then it will establish a culture from which such thinking will never emerge that people want to push the cart from within. This flows quite naturally into the soul. Once the soul has learned to think about the great facts of life, it also thinks correctly about the soup spoon. And it is not only in relation to the soup spoon that people become more practical; they also learn to hammer in a nail more practically, to hang a picture more practically than they would otherwise have done. It is of great importance that we learn to view the spiritual life as a whole and that through such a view we learn to make everything more practical and more practical.
