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Spiritual Hierarchies
and their Reflection in the Physical World
GA 110

12 April 1909 afternoon, Düsseldorf

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Spiritual Hierarchies, tr. SOL
  1. Geistige Hierarchien, 7th ed.

Erster Vortrag

First Lecture

[ 1 ] Dieser Vortragszyklus wird uns in hohe Gebiete des geistigen Lebens führen, wird uns sozusagen von unserem Wohnplatze der Erde nicht nur hinausführen in die physischen Raumeswelten, sondern er wird uns auch hinaufführen in die geistigen Welten, aus denen ja die physische Raumeswelt ihren Ursprung genommen hat. Aber gerade ein solcher Vortragszyklus wird Ihnen zeigen, daß alles Wissen und alle Weisheit im Grunde genommen darauf abzielt, uns das große, das größte der Rätsel zu lösen, das Menschenrätsel. Denn um den Menschen verständlich zu machen, müssen die Dinge weit, weit hergeholt werden. Nun ist es ja allerdings notwendig, daß derjenige, der diesen Kursus verfolgen will, mit einigen geisteswissenschaftlichen Grundbegriffen bereits ausgerüstet ist, aber das sind ja im Grunde genommen alle die verehrten Zuhörer. Und so dürfen wir denn in diesem Zyklus einmal vielleicht den Geistesflug ganz besonders hoch gestalten, wenn auch immer die Bemühung vorliegen soll, die Dinge, die ja so weit hergeholt werden müssen, so verständlich wie möglich zu machen.

[ 1 ] This series of lectures will lead us into the higher realms of spiritual life; it will, so to speak, not only take us from our earthly home out into the physical worlds of space, but it will also lead us up into the spiritual worlds from which the physical world of space actually originated. But it is precisely such a lecture series that will show you that all knowledge and all wisdom ultimately aim to solve the great, the greatest of all mysteries: the mystery of humanity. For in order to make things understandable to human beings, they must be drawn from far, far away. Now, it is certainly necessary that those who wish to follow this course are already equipped with some basic concepts of spiritual science, but that is essentially the case for all of you, esteemed listeners. And so, in this cycle, we may perhaps allow our flight of the spirit to soar particularly high, even as we always strive to make these things—which must be drawn from so far afield—as understandable as possible.

[ 2 ] Wenn wir zu sprechen haben von dem, was man geistige Hierarchien nennt, so bedeutet das ja, daß unsere Seelenaugen hinaufsteigen sollen zu denjenigen Wesenheiten, welche ihr Dasein über dem Menschen haben hier auf unserer Erde. Wir können sozusagen für sichtbare Augen nur durch Wesenheiten aufsteigen, welche vier Stufen einer Hierarchie darstellen: die mineralische Welt, die pflanzliche Welt, die tierische Welt, die menschliche Welt. Und über dem Menschen beginnt eine Welt von unsichtbaren Wesenheiten, und es ist dem Menschen durch die Erkenntnisse des Übersinnlichen, soweit sie ihm möglich sind, gegeben, eine Strecke hinaufzusteigen zu denjenigen Mächten und Wesenheiten, die in der übersinnlichen, in der unsichtbaren Welt die Fortsetzung dieser innerhalb der Erde befindlichen viergliedrigen Stufenfolge sind. Dasjenige Wissen und die Forschung, die uns in diese Gebiete führen, sie sind ja, wie Sie alle wissen, nicht etwas, was etwa erst in unserer Zeit hereintritt in die menschliche Entwickelung; es gibt eine - wir können sie so nennen — Urweltweisheit. Denn dasjenige, was der Mensch ergründen kann, was der Mensch wissen und erkennen kann, was er sich erringt an Begriffen und Ideen, was er sich erringt an Imaginationen und Inspirationen und Intuitionen des Hellsehens, alles das wird ja sozusagen vom Menschen nur nacherlebt, und vorgelebt und vorgewußt haben es eben die über dem Menschen stehenden Wesenheiten. Wenn wir einen trivialen Vergleich gebrauchen dürfen, so könnten wir sagen: Erst hat der Uhrmacher die Idee, den Gedanken der Uhr, dann verfertigt er danach die Uhr. Die Uhr ist gebildet nach den Gedanken des Uhrmachers, die vorangegangen sind, und hinterher kann jemand die Uhr zergliedern, analysieren und nachstudieren, welchen Gedanken des Uhrmachers diese Uhr entsprungen ist. Ein solcher denkt dann die Gedanken des Uhrmachers nach. So nur kann sich der Mensch im Grunde genommen in seinem heutigen Entwickelungsstadium verhalten gegenüber der Urweltweisheit - der über ihm stehenden geistigen Wesenheiten. Sie haben sie zuerst gehabt: die Imaginationen, die Inspirationen, die Intuitionen, die Ideen und Gedanken, nach denen unsere Welt, wie sie um uns herum uns vorliegt, gebildet ist. Und der Mensch wiederum findet in dieser Welt diese Gedanken, Ideen; und wenn er sich emporhebt zum hellseherischen Schauen, so findet er auch die Imaginationen, Inspirationen, Intuitionen, durch die er eindringt wiederum in die Welt der geistigen Wesenheiten. Daher können wir sagen: Ehe denn unsere Welt war, war diejenige Weisheit, von der wir eigentlich zu sprechen haben. Sie ist der Plan der Welt.

[ 2 ] When we speak of what are called spiritual hierarchies, this means that our soul-eyes must rise up to those beings whose existence is above that of human beings here on our Earth. We can, so to speak, ascend for visible eyes only through beings that represent four levels of a hierarchy: the mineral world, the plant world, the animal world, and the human world. And above humanity begins a world of invisible beings, and it is given to humanity, through the knowledge of the supersensible—to the extent that it is possible for them—to ascend a certain distance to those powers and beings that, in the supersensible, in the invisible world, are the continuation of this fourfold sequence of stages found within the Earth. The knowledge and research that lead us into these realms are, as you all know, not something that has only recently entered human development in our time; there is what we might call a primordial wisdom. For what human beings can fathom, what they can know and recognize, the concepts and ideas they acquire, the imaginations, inspirations, and intuitions of clairvoyance they attain—all of this is, so to speak, merely relived by human beings; it has already been lived, known, and experienced by the beings standing above humanity. If we may use a trivial comparison, we could say: First the watchmaker has the idea, the thought of the watch, then he crafts the watch accordingly. The watch is formed according to the watchmaker’s thoughts that preceded it, and afterward someone can dissect the watch, analyze it, and study which of the watchmaker’s thoughts gave rise to this watch. Such a person then reflects on the watchmaker’s thoughts. Only in this way can human beings, at their present stage of development, relate to the primordial wisdom of the world—the spiritual beings that stand above them. They were the first to possess them: the imaginations, the inspirations, the intuitions, the ideas, and the thoughts according to which our world, as it lies before us, is formed. And human beings, in turn, find these thoughts and ideas in this world; and when they rise to clairvoyant vision, they also find the imaginations, inspirations, and intuitions through which they penetrate once more into the world of spiritual beings. Therefore, we can say: Before our world existed, there was the wisdom of which we are actually speaking. It is the plan of the world.

[ 3 ] Also bis wohin müssen wir, wenn wir innerhalb der Wirklichkeit bleiben, zurückgehen, wenn wir diese Urweltweisheit antreffen wollen? Müssen wir zurückgehen bis in irgendeine geschichtliche Zeitperiode, wo dieser oder jener große Lehrer gelehrt hat? Gewiß, wir können viel lernen, wenn wir da- oder dorthin zurückgehen in die geschichtlichen Zeitepochen und bei den großen Lehrern Schüler werden. Aber um in ihrer wahren, höchsten Gestalt die Urweltweisheit anzutreffen, müssen wir zurückgehen bis zu jener Zeit, da noch keine äußere sichtbare Erde, keine für die Sinne um uns herum existierende Welt war; denn aus der Weisheit selber heraus ist die Welt entsprungen. Aber diese Weisheit, nach der die göttlich-geistigen Wesenheiten unsere Welt gebildet haben, sie wurde auch dem Menschen nachher zuteil. Der Mensch konnte in seinem Denken hinterher die Gedanken schauen, die Gedanken wahrnehmen, nach denen die Götter die Welt gebildet haben. Und nachdem diese Urweltweisheit, diese Weisheit der Weltenschöpfer, mancherlei Gestalten durchgemacht hat, kam sie in einer Art, wie es ja vielen von Ihnen bekannt ist, nach der großen atlantischen Epoche zu den alten heiligen Rishis unserer ersten nachatlantischen Kultur, zu den großen Lehrern Indiens.

[ 3 ] So, if we are to remain within reality, how far back must we go if we wish to encounter this primordial wisdom? Must we go back to some historical period when this or that great teacher was active? Certainly, we can learn much by going back to this or that historical epoch and becoming disciples of the great teachers. But to encounter primordial wisdom in its true, highest form, we must go back to that time when there was still no outer, visible Earth, no world existing around us that could be perceived by the senses; for the world sprang forth from wisdom itself. But this wisdom, according to which the divine-spiritual beings formed our world, was also bestowed upon humanity afterward. Humanity was subsequently able to perceive in its thinking the thoughts, to grasp the thoughts according to which the gods formed the world. And after this primordial wisdom of the world, this wisdom of the world-creators, had undergone various forms, it came—in a manner familiar to many of you—after the great Atlantean epoch to the ancient holy Rishis of our first post-Atlantean culture, to the great teachers of India.

[ 4 ] Diese Urweltweisheit war damals bei den großen, erhabenen Rishis in einer Gestalt vorhanden, von der sich die heutige Menschheit nur sehr, sehr wenig vorstellen kann. Denn die menschlichen Denkfähigkeiten, die menschlichen Empfindungsfähigkeiten haben sich sehr geändert, seit Indiens große Lehrer zuerst die nachatlantische Menschheit belehrt haben; und wenn ohne weiteres viel von dem heute ausgesprochen würde, was aus dem Munde der heiligen Rishis geklungen hat, die meisten Seelen von heute würden auf der ganzen Erde kaum etwas anderes hören als Worte und wieder Worte. Es gehören eben noch andere Empfindungsfähigkeiten, als sie die Menschheit jetzt hat, dazu, um das wirklich zu verstehen, was zuerst als Weisheit zu der nachatlantischen Menschheit gekommen ist. Denn alles das, was aufgezeichnet worden ist von dieser Weisheit, alles, was in den schönsten und besten Büchern von dieser Urweltweisheit aufgezeichnet worden ist, das ist doch alles nur ein schwacher Nachklang der Urweltweisheit selber. Das ist in vieler Beziehung getrübte, verdunkelte Weisheit. Und wenn sie noch so schön, noch so erhaben sind, die Veden, wenn noch so schön die Lieder des Zarathustra klingen, wenn noch so herrlich zu uns spricht Ägyptens uralte Weisheit - alles, alles das, wir können es gewiß nicht genug bewundern, aber was aufgeschrieben ist, das gibt nur in einem getrübten Lichte die große Weisheit des Hermes, die große Weisheit des Zarathustra oder gar die erhabenen Erkenntnisse, welche die alten Rishis verkündet haben. Doch diese erhabene Weisheit, sie ist der Menschheit aufbewahrt geblieben, sie war immer vorhanden in gewissen, allerdings engen Kreisen, welche die heiligen Geheimnisse, wie man diese Erkenntnisse nennt, behüteten. In den Mysterien Indiens, Persiens, Ägyptens, Chaldäas, in den christlichen Mysterien und so weiter bis herauf in unsere Zeit ist aufbewahrt geblieben alles das, was Urweltweisheit der Menschen ist. Bis vor kürzester Zeit war es eigentlich nur möglich, in diesen engsten Kreisen selber nicht die Buchweisheit, sondern die lebendige Weisheit zu vernehmen. Aus Gründen, die gerade in diesem Vortragszyklus klar werden können, ist in unserer Zeit die Epoche gegeben, in welcher in größerem Umfang herausdringen soll in größere Massen der Menschheit dasjenige, was in kleinen Kreisen als Lebendiges aufbewahrt worden ist. Denn versiegt ist sie niemals, die Urweltweisheit der heiligen Rishis zum Beispiel. Sie ist durchgegangen wie durch einen Jungbrunnen in der Zeit, die wir erkennen als den Beginn unserer Zeit. Diese uralt-heilige Weisheit, die damals der Menschheit erflossen ist, sie wurde fortgesetzt von Zarathustra und seinen Schülern, von den chaldäischen, ägyptischen Lehrern, sie floß aber auch ein in die Verkündigung des Moses, und sie trat sozusagen eben gerade wie aus einem Jungbrunnen neu hervor mit völlig neuem Impuls durch die Erscheinung des Christus auf der Erde. Aber sie wurde damit zunächst auch so tief, sie wurde so innerlich, daß sie wiederum nur allmählich in die Menschheit einfließen kann. Und so sehen wir denn, daß seit den Zeiten der christlichen Verkündigung äußerlich in der Welt die Urweltweisheit einfließt in die Menschheit langsam und allmählich, im elementarsten Anfang.

[ 4 ] This primordial wisdom existed among the great, exalted Rishis of that time in a form that today’s humanity can scarcely imagine. For human powers of thought and human powers of feeling have changed greatly since India’s great teachers first instructed post-Atlantean humanity; and if much of what once sounded from the mouths of the holy Rishis were to be spoken today, most souls throughout the world would hear little more than words and yet more words. It requires sensibilities other than those humanity possesses today to truly understand what first came to post-Atlantean humanity as wisdom. For all that has been recorded of this wisdom, all that has been recorded in the most beautiful and finest books of this primordial wisdom, is after all only a faint echo of the primordial wisdom itself. In many respects, this is clouded, obscured wisdom. And no matter how beautiful, no matter how sublime the Vedas may be, no matter how beautifully the songs of Zarathustra may sound, no matter how magnificently the ancient wisdom of Egypt speaks to us—all of this, we certainly cannot admire it enough, but what has been written down only reflects in a clouded light the great wisdom of Hermes, the great wisdom of Zarathustra, or even the sublime insights proclaimed by the ancient Rishis. Yet this sublime wisdom has been preserved for humanity; it has always existed within certain, albeit narrow, circles that guarded the sacred mysteries, as these insights are called. In the mysteries of India, Persia, Egypt, Chaldea, in the Christian mysteries, and so on right up to our own time, all that constitutes the primordial wisdom of humanity has been preserved. Until very recently, it was actually only possible within these innermost circles to receive not bookish wisdom, but living wisdom. For reasons that can become clear precisely in this lecture series, our time marks the epoch in which what has been preserved as a living reality within small circles is to emerge on a larger scale to reach broader masses of humanity. For it has never dried up, the primordial wisdom of the holy Rishis, for example. It has flowed through time—the time we recognize as the beginning of our era—as if through a fountain of youth. This ancient, sacred wisdom, which flowed to humanity back then, was continued by Zarathustra and his disciples, by the Chaldean and Egyptian teachers; but it also flowed into the proclamation of Moses, and it emerged anew, as it were, from a fountain of youth with a completely new impulse through the appearance of Christ on earth. But with that, it also became so profound, so inner, that it can in turn flow into humanity only gradually. And so we see that since the times of the Christian proclamation, the primordial wisdom has been flowing into humanity in the world, slowly and gradually, in its most elementary beginnings.

[ 5 ] Die Botschaften sind dagewesen, sie liegen vor in den Evangelien, in den anderen christlichen Schriften, welche in erneuerter Gestalt die Weisheit der heiligen Rishis enthielten, enthielten so wie neugeboren aus dem Jungbrunnen. Aber wie konnten diese Botschaften vom Anfange an gerade in dem Zeitalter, für dessen Läuterung das Christentum geschaffen war, verstanden werden? Das aller-, allerwenigste wurde verstanden von der Verkündigung durch die Evangelien, und nach und nach arbeiten diese Evangelien sich erst durch zu einem weiteren Verständnis — in vieler Beziehung zu einer weiteren Verdunkelung. Und heute sind gerade die Evangelien im Grunde genommen diejenigen Bücher, die sozusagen für die Menschheit noch in ihren weitesten Kreisen die versiegeltsten sind; die erst eine Zukunft, die sich erfrischen kann an der Urweltweisheit, wiederum verstehen wird. Bewahrt aber wurden die Schätze, die in den Schächten der christlichen Offenbarung liegen — und die keine anderen Schätze sind als die Schätze der östlichen Weisheit auch, aber eben aus neuen Kräften wieder herausgeboren -—, bewahrt wurden sie wiederum in engeren Kreisen, in jenen engeren Kreisen, die ihre Fortsetzung dann finden in verschiedenen Mysteriengesellschaften wie zum Beispiel in der Bruderschaft vom heiligen Gral, in der Bruderschaft endlich der Rosenkreuzer. Bewahrt wurden da diese Wahrheitsschätze, zugänglich gemacht nur denjenigen, die sich durch scharfe Erprobungen für die lebendige Weisheit vorbereitet hatten. Und so waren die Weisheitsschätze des Ostens und Westens durch Jahrhunderte und Jahrhunderte der Entwickelung vom Beginn unserer Zeitrechnung hindurch den großen Menschenmassen draußen in der Welt ziemlich unzugänglich. Nur einzelnes rieselte da und dort in die große Welt hinein; das meiste blieb Geheimnis der neueren Mysterien.

[ 5 ] The messages have always been there; they are found in the Gospels and in the other Christian writings, which contained the wisdom of the holy Rishis in a renewed form, as if reborn from the fountain of youth. But how could these messages be understood from the very beginning, especially in the age for whose purification Christianity was created? The very, very least was understood from the proclamation through the Gospels, and little by little these Gospels are only now working their way toward a broader understanding—in many respects toward further obscurity. And today, the Gospels are, in essence, the very books that remain, so to speak, the most sealed off for humanity even in its broadest circles; they will only be understood again by a future that can refresh itself with the wisdom of the primordial world. But the treasures lying in the depths of Christian revelation—which are none other than the treasures of Eastern wisdom as well, but reborn through new forces— they were preserved in turn within more restricted circles, those very circles that found their continuation in various mystery societies, such as the Brotherhood of the Holy Grail and, ultimately, the Rosicrucian Brotherhood. There these treasures of truth were preserved, made accessible only to those who had prepared themselves for living wisdom through rigorous trials. And so, through centuries and centuries of development from the beginning of our era, the treasures of wisdom from the East and West remained largely inaccessible to the great masses of people out in the world. Only a few scattered fragments trickled into the wider world here and there; the majority remained a secret of the newer mysteries.

[ 6 ] Da kam die Zeit, in welcher sozusagen von dem Inhalt der Urweltweisheit in einer für die größere Menge verständlichen Sprache gesprochen werden durfte. Das letzte Drittel des 19. Jahrhunderts etwa ist es, in dem in einer mehr oder weniger unverhüllten Gestalt über die Urweltweisheit gesprochen werden kann. Nur dadurch, daß gewisse Dinge gerade in den geistigen Welten vorgegangen sind, ist sozusagen den Behütern der Mysterien die Möglichkeit gegeben worden, einiges hinausdringen zu lassen von der Urweltweisheit. Sie alle kennen ja den Hergang der theosophischen Entwikkelung; Sie wissen, daß sozusagen das Eis der theosophischen Entwickelung zuerst gebrochen worden ist durch diejenigen Weisheiten, die geoffenbart worden sind auf eine Weise, die ich heute nicht zu beschreiben brauche, in den sogenannten Dzyan-Strophen. Diese Dzyan-Strophen der «Geheimlehre» enthalten in der Tat tiefste, bedeutsamste Weisheit, enthalten vieles von dem, was, ausgehend von der Lehre der heiligen Rishis, heruntergeflossen ist durch die Weistümer des Orients. Vieles von dem enthalten sie auch, was dann eingeflossen ist nach der christlichen Verjüngung in den europäischen Westen. Denn nicht bloß solche Weisheit ist in den Dzyan-Strophen enthalten, die etwa bloß im Osten bewahrt geblieben wäre, sondern auch vieles, was sozusagen in einem hellen Lichte erstrahlt durch die Jahrhunderte unserer Zeitrechnung hindurch, durch das Mittelalter, in den Geheimschulen des Westens. Und auch mancherlei von dem, was in den Dzyan-Strophen steht, es wird erst allmählich in seiner Tiefe verstanden werden. Denn hier darf es wohl einmal gesagt werden: In den Dzyan-Strophen ist solche Weisheit enthalten, daß sie in weitesten theosophischen Kreisen heute noch gar nicht verstanden werden kann, ja solche Weisheit, daß heute noch gar nicht mit exoterischen Fähigkeiten die Möglichkeit gegeben ist, die Tiefen auszuschöpfen; daß Aussichtslosigkeit vorliegt für alle exoterischen Fähigkeiten, die Untergründe dieser bedeutsamen Welt offenbaren zu können.

[ 6 ] Then came the time when it became possible, so to speak, to speak of the content of the primordial wisdom in a language that the general public could understand. It was during the last third of the 19th century, more or less, that it became possible to speak of the primordial wisdom in a more or less unveiled form. It is only because certain events took place in the spiritual worlds that the guardians of the mysteries, so to speak, were given the opportunity to allow some of the primordial wisdom to be revealed. You are all familiar, of course, with the course of theosophical development; you know that, so to speak, the ice of theosophical development was first broken by those wisdoms that were revealed in a manner I need not describe today, in the so-called Dzyan stanzas. These Dzyan stanzas of the “Esoteric Doctrine” indeed contain the deepest, most significant wisdom; they contain much of what, stemming from the teachings of the holy Rishis, has flowed down through the wisdom traditions of the Orient. They also contain much of what subsequently flowed into the European West following the Christian renewal. For the Dzyan Stanzas contain not only wisdom that might otherwise have been preserved solely in the East, but also much that, so to speak, shines in a bright light through the centuries of our era, through the Middle Ages, in the secret schools of the West. And much of what is written in the Dzyan Stanzas will only gradually be understood in its depth. For here it may well be said: The Dzyan Stanzas contain such wisdom that even today it cannot be understood in the broadest theosophical circles; indeed, such wisdom that even today exoteric faculties do not provide the means to fathom its depths; that there is no hope for any exoteric faculties to reveal the underlying foundations of this significant world.

[ 7 ] Nachdem auf diese Art sozusagen das erste Eis gebrochen war, kam auch die Zeit, in der gesprochen werden durfte aus den Quellen des westlichen Okkultismus heraus, der aber kein anderer ist als der östliche, wie er sich nur kontinuierlich und alle Vorgänge des geistigen und physischen Lebens berücksichtigend fortgepflanzt hat, wo auch aus den Quellen des lebendigen Okkultismus heraus, der treu behütet worden ist in den Rosenkreuzermysterien, gesprochen werden kann. Es gibt keine Weisheit des Ostens, die nicht eingeflossen wäre in den Okkultismus des Westens, und in der rosenkreuzerischen Lehre und Forschung finden Sie restlos alles, was die großen Weisen des Ostens jemals bewahrt haben. Nichts, nichts von dem, was man wissen kann aus der Weisheit des Ostens, fehlt in der Weisheit des Westens. Es ist der Unterschied, wenn man von einem solchen Unterschied sprechen will, nur der, daß die Weisheit des Westens die gesamte östliche Lehre, die gesamte östliche Weisheit, die gesamte östliche Forschung zusammennehmen muß und, ohne irgend etwas von ihr verlorengehen zu lassen, sie zu beleuchten hat mit dem Lichte, das durch den Christus-Impuls in der Menschheit entzündet worden ist. So sage niemand, wenn von westlichem Okkultismus gesprochen wird, von demjenigen, der in gewisser Beziehung herrührt von den verborgenen Rishis des Westens, die freilich die Augen nicht sehen, es sage niemand, daß in ihm auch nur ein Jota, ein Häkchen fehle vom östlichen Okkultismus. Nichts, aber auch gar nichts fehlt. Er hat nur alle Dinge neu herauszugebären aus dem Jungbrunnen des Christus-Impulses. Alle die großen Weistümer, die zuerst von dem Munde der heiligen Rishis geklungen haben zur Menschheit über die übermenschlichen Welten, über das übersinnliche Dasein, sie müssen wiederum hereinklingen in das, was über die geistigen Hierarchien und ihre Abschattung in der physischen Welt zu sagen ist. Geradesowenig wie die Geometrie des alten Euklid erwas anderes geworden ist, als was sie war, trotzdem man sie mit den neueren menschlichen Fähigkeiten heute lehrt und lernt, ebensowenig ist die Weisheit der heiligen Rishis etwas anderes geworden dadurch, daß wir sie lehren und lernen mit den durch den Christus-Impuls angefachten Fähigkeiten. So also könnten wir einen großen Teil dessen, was wir über die geistigen Welten zu sagen haben, ohne weiteres östliche Weisheit nennen. Denn man darf in diesen Dingen nichts mißverstehen, und das Mißverständnis liegt so nahe.

[ 7 ] Once the ice had been broken, so to speak, the time also came when it became permissible to speak from the sources of Western occultism, which is, however, none other than Eastern occultism, as it has merely continued to develop continuously, taking into account all the processes of spiritual and physical life, where it is also possible to speak from the sources of living occultism, which has been faithfully preserved in the Rosicrucian mysteries. There is no Eastern wisdom that has not flowed into Western occultism, and in Rosicrucian teaching and research you will find absolutely everything that the great sages of the East have ever preserved. Nothing, nothing of what can be known from the wisdom of the East, is missing from the wisdom of the West. The difference, if one wishes to speak of such a difference, is only that the wisdom of the West must take up the entire Eastern teaching, the entire Eastern wisdom, the entire Eastern research, and, without letting anything of it be lost, must illuminate it with the light that has been kindled in humanity through the Christ impulse. So let no one say, when speaking of Western occultism—that which in a certain sense originates from the hidden Rishis of the West, whom the eyes cannot see—let no one say that even a single iota, a single stroke, is missing from Eastern occultism. Nothing, absolutely nothing, is missing. It merely has to bring forth all things anew from the fountain of youth of the Christ impulse. All the great wisdom that first resounded from the mouths of the holy Rishis to humanity—concerning the superhuman worlds, concerning the supersensible existence—must once again resound into what is to be said about the spiritual hierarchies and their reflection in the physical world. Just as the geometry of the ancient Euclid has not become anything other than what it was, even though it is taught and learned today with newer human faculties, so too has the wisdom of the holy Rishis not become anything other than what it was, simply because we teach and learn it with faculties kindled by the Christ impulse. Thus, we could readily call a large part of what we have to say about the spiritual worlds “Eastern wisdom.” For one must not misunderstand these things, and misunderstanding is so easy.

[ 8 ] Diejenigen, welche von den Mißverständnissen nicht zum Verständnis aufrücken wollen, können zum Beispiel etwas, was gestern in dem österlichen Festvortrag gesagt worden ist, sehr leicht mißverstehen. Es könnten da - wir müssen das erwähnen zu unserer Verständigung - solche kommen, die nicht vorrücken wollen zum vollen Verständnis, und könnten sagen: Du hast gestern gesprochen von den großen sogenannten heiligen Wahrheiten des Buddha. Du hast gesagt, daß der Buddha gelehrt und geoffenbart hätte die heiligen Wahrheiten vom Leiden im Leben: Geburt ist Leid, Krankheit ist Leid, Alter ist Leid, Tod ist Leid, von demjenigen getrennt sein, was man liebt, ist Leid, vereint sein mit dem, was man nicht liebt, ist Leid, nicht erhalten, was man begehrt, ist Leid. Und du hast, so könnte mancher sprechen, uns gestern gesagt: Blicken wir einmal in die nachchristliche Zeit zu denjenigen, die den Christus-Impuls wirklich verstanden haben - da sollen wir uns dann zum Bewußtsein bringen, daß durch das Verständnis und die Durchdringung dieses ChristusImpulses die alten heiligen Wahrheiten des Buddha vom Leiden des Lebens nicht mehr ihre volle Gültigkeit hätten, daß sozusagen mit dem Christus-Impuls etwas geschaffen worden ist wie ein Heilmittel gegen das Leid des Lebens. Du hast gesagt, so könnte jemand sprechen, der Buddha lehrt: Geburt ist Leid; aber die Christus-Versteher antworten: Durch die Geburt treten wir ein in ein Leben, das wir mit Christus teilen, und durch den Anteil an Christus wird das Leid des Lebens ausgelöscht; ebenso wird durch die Heilkraft des Christus-Impulses die Krankheit ausgelöscht, und die Krankheit ist nicht mehr Leid für den Christus-Versteher, und Tod ist nicht mehr Leid für den ChristusVersteher und so weiter. Dann aber könnte jemand erwidern: Ja, aber ich weise dir aus dem Evangelium nach, daß in den Evangelien dieselben Sätze stehen wie in den heiligen Schriften des Buddha; auch im Evangelium können wir nachweisen, daß da steht: Leben sei Leid, Krankheit sei Leid und so weiter. Und so könnte man äußerlich sagen: Nun haben wir diese modernen religiösen Urkunden, doch wir finden ihren Inhalt schon im Buddhismus, es gibt also keinen Fortschritt in den Religionen, keine Entwickelung; alle Religionen enthalten dasselbe. Du aber hast von einem Fortschritt gesprochen, du hast dargestellt, wie sozusagen die alten heiligen Wahrheiten des Buddhismus durch das Christentum nicht mehr wahr sein sollen. - Wer so spricht, würde aber doch nur das grausamste Mißverständnis aussprechen. Denn das wurde nicht gesagt; alles, alles, nur nicht der letzte Satz wurde gesagt. Und es ist wichtig, daß man gerade in diesem subtilen Gebiete ganz genau versteht. Niemals kann der Fanatiker genau verstehen, nur der objektive Mensch kann genau verstehen.

[ 8 ] Those who are unwilling to move beyond misunderstandings toward understanding can, for example, very easily misinterpret something that was said yesterday in the Easter lecture. There could be—and we must mention this for the sake of our mutual understanding—those who do not wish to advance toward full understanding, and they might say: Yesterday you spoke of the great so-called noble truths of the Buddha. You said that the Buddha taught and revealed the sacred truths of suffering in life: birth is suffering, illness is suffering, old age is suffering, death is suffering, being separated from what one loves is suffering, being united with what one does not love is suffering, not obtaining what one desires is suffering. And you, some might say, told us yesterday: Let us look to the post-Christian era at those who have truly understood the Christ impulse—there we should then realize that through the understanding and penetration of this Christ impulse, the ancient sacred truths of the Buddha regarding the suffering of life no longer hold their full validity, that, so to speak, with the Christ impulse something has been created like a remedy against the suffering of life. You said that someone teaching the Buddha might speak thus: Birth is suffering; but those who understand Christ reply: Through birth we enter into a life that we share with Christ, and through our participation in Christ, the suffering of life is eradicated; likewise, through the healing power of the Christ impulse, illness is eradicated, and illness is no longer suffering for the one who understands Christ, and death is no longer suffering for the one who understands Christ, and so on. But then someone might reply: Yes, but I will show you from the Gospel that the Gospels contain the same statements as the sacred writings of the Buddha; in the Gospel, too, we can demonstrate that it says: Life is suffering, illness is suffering, and so on. And so one might say superficially: Now we have these modern religious texts, yet we find their content already in Buddhism; there is therefore no progress in the religions, no development; all religions contain the same thing. But you have spoken of progress; you have portrayed how, so to speak, the ancient sacred truths of Buddhism are no longer to be true through Christianity. - Anyone who speaks this way, however, would merely be expressing the most cruel misunderstanding. For that was not said; everything, everything—except for the very last sentence—was said. And it is important to understand precisely in this subtle realm. The fanatic can never understand precisely; only the objective person can understand precisely.

[ 9 ] Niemals wird von irgendeinem, der aus dem Quell der Rosenkreuzer-Weisheit und -Forschung heraus spricht, gesagt werden, daß irgend etwas bekämpft werden soll vom Inhalt der Schriften des großen Buddha, daß irgend etwas nicht wahr sei in den Schriften des großen Buddha. Jeder, der aus dem Quell der Rosenkreuzerei heraus spricht, teilt die Überzeugung Buddhas und der gesamten östlichen Weisheit, keine negiert er. Er sagt: Jawohl, was du, großer Buddha, durch deine Erleuchtung in deinem Innern geschaut hast von den großen Wahrheiten vom Leide des Lebens, es ist restlos wahr; wahr ist es bis zum letzten Häkchen und Jota. — Nichts, aber auch gar nichts wird davon genommen. Es bleibt alles stehen. Und gerade aus dem Grunde, weil alles stehenbleibt, weil es wahr ist, was Buddha gesagt hat, daß Geburt Leid, Krankheit Leid, Alter Leid, Tod Leid und so weiter ist, deshalb ist uns der Christus-Impuls jenes mächtige und wichtige Heilmittel — weil er es ist, der dieses Leid aufhebt, weil es eben wahr ist, daß die Leiden da sind, wenn nicht ein großer Impuls die Welt darüber hinaushebt. Warum hat Christus gewirkt? Weil Buddha die Wahrheit gesprochen hat. Die Menschheit mußte heruntergeführt werden aus geistigen Höhen, wo die Urweltweisheit in reiner Gestalt gewirkt hat; zur Selbständigkeit mußte die Menschheit geführt werden, herunter ins physische Dasein, und damit wurde Leben Leid und Krankheit Leid; aber ebenso mußte in der Fortentwickelung das große Heilmittel kommen gegen diese unumstößlichen Tatsachen. Leugnet derjenige irgendeine Wirklichkeit, der da sagt: Ja, wahr ist es, was über diese Wirklichkeit gesagt wird, aber zu gleicher Zeit wird uns das Heilmittel gegeben, um die Tatsachen, die durch diese Wahrheiten ausgedrückt sind, zu einer gesunden Entwickelung zu bringen. —- Oh, in den Höhen des Daseins, wo wir sie aufsuchen müssen, die Sphären der geistigen Hierarchien, da heißt es nicht: Buddhismus gegen Christentum, Christentum gegen Buddhismus, da reicht der Buddha dem Christus und der Christus dem Buddha die Hand. Aber jedes Verkennen der menschlichen Entwickelung, jedes Verkennen des Aufstieges ist zu gleicher Zeit ein Verkennen der geistigsten Tat, die in unserer Erdenentwickelung geschehen ist, der Christus-Tat. Und so wird es nichts geben, was irgend negiert würde von der Weisheit des Ostens, die in so langen Zeiträumen heruntergebracht hat die Weisheit der heiligen Rishis und damit die Urweltweisheit, aber in diesen langen, langen Zeiträumen, in denen die Weisheit immer geflossen ist in die Menschheit, wurde sozusagen in den großen Massen der Menschen, die nicht in der Lage waren, vorzudringen zu den Quellen der heiligen Mysterien, die Verständigung über diese Weistümer schwer. Gerade die Verständigung wurde schwer.

[ 9 ] No one who speaks from the source of Rosicrucian wisdom and research will ever say that anything in the writings of the Great Buddha should be opposed, or that anything in the writings of the Great Buddha is untrue. Everyone who speaks from the source of Rosicrucianism shares the conviction of the Buddha and of all Eastern wisdom; he negates none of it. He says: Indeed, what you, great Buddha, have seen within yourself through your enlightenment regarding the great truths of the suffering of life is completely true; it is true down to the last iota. — Nothing, absolutely nothing, is taken away from it. Everything remains as it is. And precisely because everything remains as it is, because it is true what Buddha said—that birth is suffering, sickness is suffering, old age is suffering, death is suffering, and so on—that is why the Christ impulse is that powerful and important remedy for us—because it is he who lifts this suffering, for it is indeed true that suffering exists unless a great impulse lifts the world beyond it. Why did Christ act? Because Buddha spoke the truth. Humanity had to be brought down from spiritual heights, where primordial wisdom had worked in its pure form; humanity had to be led to independence, down into physical existence, and with that, life became suffering and illness became suffering; but just as much, in the course of further development, the great remedy had to come against these irrefutable facts. Does the one who says, “Yes, it is true what is said about this reality,” yet at the same time claims that we are given the remedy to bring the facts expressed by these truths to a healthy development, deny any reality? —- Oh, in the heights of existence, where we must seek them out, the spheres of the spiritual hierarchies, there it is not a matter of Buddhism against Christianity, Christianity against Buddhism; there the Buddha extends his hand to Christ, and Christ to the Buddha. But every misunderstanding of human evolution, every misunderstanding of the ascent, is at the same time a misunderstanding of the most spiritual deed that has taken place in our earthly evolution, the Christ deed. And so there will be nothing that is in any way negated by the wisdom of the East, which over such long periods of time has brought down the wisdom of the holy Rishis and thus the primordial wisdom, but during these long, long periods, in which wisdom has always flowed into humanity, understanding of these teachings became difficult, so to speak, among the great masses of people who were unable to penetrate to the sources of the sacred mysteries. It was precisely this understanding that became difficult.

[ 10 ] Oh, in den voratlantischen Zeiten, in den Zeiten vor der großen Katastrophe, als die großen Massen der Menschen hellseherisch noch, in altem, dumpfem Hellsehen, hinausschauten in die Hiimmelsräume, hinaufschauten zu den geistigen Hierarchien, da sahen sie anders als später in den nachatlantischen Zeiten, als das alte Hellsehen verschwunden war für die großen Massen der Menschen und nur das physische Auge hinaussehen konnte in die physischen Himmelsweiten! Daher hätte es auch keinen Sinn gehabt, in der Zeit vor der atlantischen Katastrophe etwa zu sprechen von denjenigen Himmelskörpern, die heute im Raume verteilt sind. Es sah ja das hellseherische Menschenauge hinaus in die Himmelsweiten, und diese waren geistige Welten. Sinnlos wäre es gewesen, in jenen Zeiten so etwa zu sprechen von Merkur oder Neptun oder Saturn und so weiter, wie unsere Astronomie spricht; denn so wie unsere Astronomie von dem Weltenraum und seinem Inhalt spricht, so gibt sie nur dasjenige wieder, was das sinnlich-physische Auge sieht, wenn es hinaufsieht in die Himmelsweiten. Das war gar nicht da in den atlantischen Zeiten bei der alten hellseherischen Menschheit; da sah man gar nicht, wenn man hinaufschaute, physisch begrenzte Lichtsterne. Dasjenige, was heute das physische Auge sieht, ist sozusagen nur ein äußerer Ausdruck von Geistigem, das man damals sah. Wenn heute das physische Auge hinaufblickt, meinetwillen durch Fernrohre, an die Stelle, wo der Jupiter steht, sieht es sozusagen eine physische Weltenkugel, umgeben von ihren Monden. So das heutige physische Auge. Was war es für den Menschen der alten atlantischen Zeit noch, wenn er sein damals noch hellseherisches Auge hinaufrichtete nach demselben Punkt, wohin heute des Menschen physisches Auge schaut? Was das physische Auge sieht, hätte damals das alte atlantische Auge ebensowenig gesehen, wie heute Ihr physisches Auge das Einzellicht sieht, wenn es hineinsieht in einen dichten Herbstnebel. Es sieht etwas wie eine Nebelaura um das Licht, und das Licht verschwindet in den farbigen Ringen um das Licht. Ebenso hätte das Auge des Atlantiers nicht gesehen den physischen Stern Jupiter, aber es hätte das gesehen, was heute auch mit dem Jupiter verbunden ist, was aber nur die Menschen nicht sehen können: die Aura des Jupiter, eine Summe von geistigen Wesenheiten, für die der physische Jupiter nur der Ausdruck ist. Und so schweifte das geistige Auge des Menschen vor der atlantischen Katastrophe herum in den Weltenräumen, überall Geistiges sehend. Man konnte nur von diesem Geistigen sprechen, denn sinnlos wäre es gewesen, damals, als das physische Auge noch nicht so geöffnet war wie heute, von physischen Sternen zu sprechen. Man sah in den Weltenraum hinaus und sah geistige Wesenheiten, geistige Hierarchien. Wesenheiten sah man.

[ 10 ] Oh, in the pre-Atlantean times, in the times before the great catastrophe, when the great masses of people still possessed clairvoyance—an ancient, dim form of it—and gazed out into the heavens, looking up toward the spiritual hierarchies, they saw things differently than they would later in the post-Atlantean era, when the old clairvoyance had vanished for the great masses of people and only the physical eye could look out into the physical expanses of the heavens! Therefore, it would have made no sense, in the time before the Atlantean catastrophe, to speak of the celestial bodies that are scattered throughout space today. For the clairvoyant human eye looked out into the vastness of the heavens, and these were spiritual worlds. It would have been pointless in those times to speak of Mercury or Neptune or Saturn and so on, as our astronomy does; for just as our astronomy speaks of outer space and its contents, so it merely reflects what the physical eye sees when it looks up into the vastness of the heavens. That was not at all the case in Atlantean times among the ancient clairvoyant humanity; when one looked up, one did not see physically limited stars at all. What the physical eye sees today is, so to speak, merely an outer expression of the spiritual that was seen back then. When the physical eye looks up today—say, through a telescope—at the spot where Jupiter stands, it sees, so to speak, a physical globe surrounded by its moons. Such is the physical eye of today. What did it still mean for the people of the ancient Atlantean era when they raised their then still clairvoyant eye to the very same point where the human physical eye looks today? What the physical eye sees, the ancient Atlantean eye would have seen just as little as your physical eye today sees the single light when it looks into a dense autumn fog. It sees something like a misty aura around the light, and the light disappears into the colored rings surrounding it. Likewise, the eye of the Atlantean would not have seen the physical planet Jupiter, but it would have seen what is also connected to Jupiter today, though it is something humans cannot see: the aura of Jupiter, a sum of spiritual beings for whom the physical Jupiter is merely an expression. And so, before the Atlantean catastrophe, the spiritual eye of humanity roamed through the cosmos, seeing spiritual beings everywhere. One could speak only of this spiritual realm, for it would have been meaningless, back then, when the physical eye was not yet as open as it is today, to speak of physical stars. One looked out into the cosmos and saw spiritual beings, spiritual hierarchies. One saw beings.

[ 11 ] Und in der Fortentwickelung war es so, daß wir es wieder mit folgendem vergleichen können: Wir denken uns, wir treten hinaus in dichten Nebel. Wir sehen nicht die einzelnen Lichter. Alles ist umflort von dieser Nebelaura. Dann zerteilt sich der Nebel, physisch sichtbar werden die einzelnen Lichter. Aber die Auren sind unsichtbar. — Hier ist nur ein physischer Vorgang, der zum Vergleich dienen soll. Beim Jupiter war es aber so, daß das alte Auge die Aura sah. Es sah die geistigen Wesenheiten in der Aura, die aus einer gewissen Entwickelungsstufe heraus zum Jupiter gehörten. Die Menschheit entwickelte sich dann zum physischen Schauen. Die Aura blieb. Die Menschen konnten sie nicht mehr sehen, aber der physische Mittelkörper wurde immer deutlicher und deutlicher; es verlor sich, was geistig dazugehört, und es wurde sichtbar, was körperlich an ihm ist. Und das Wissen von diesem Geistigen um die Sterne herum, das Wissen von jenen Wesenheiten, die um die Sterne herum sind, es wurde aufbewahrt in den heiligen Mysterien. Von diesem Wissen sprechen alle die heiligen Rishis. In den Zeiten, wo die Menschen bereits nur physisch sahen, sprachen die heiligen Rishis von den geistigen Atmosphären, von den geistigen Bewohnerschaften dieser Weltenkugeln, die im Raume verteilt sind.

[ 11 ] And as things developed further, we can compare it to the following: Imagine we step out into thick fog. We cannot see the individual lights. Everything is shrouded in this foggy aura. Then the fog clears, and the individual lights become physically visible. But the auras are invisible. — This is merely a physical process intended to serve as a comparison. With Jupiter, however, the ancient eye could see the aura. It saw the spiritual beings in the aura who, from a certain stage of development, belonged to Jupiter. Humanity then developed the ability to see physically. The aura remained. People could no longer see it, but the physical middle body became clearer and clearer; what belonged to it spiritually was lost, and what was physical about it became visible. And the knowledge of this spiritual realm around the stars, the knowledge of those beings that are around the stars, was preserved in the sacred mysteries. All the holy Rishis speak of this knowledge. In the times when people already saw only physically, the holy Rishis spoke of the spiritual atmospheres, of the spiritual inhabitants of these world spheres scattered throughout space.

[ 12 ] Und jetzt nehmen Sie einmal die Situation, die eintrat. In den Stätten des Wissens sprach man von den geistigen Wesenheiten um die Weltenkugeln. Draußen, wo das sinnliche Auge immer schärfer und schärfer wurde, draußen sprach man immer mehr und mehr bloß von der dichten physischen Materie. Wenn die alten heiligen Rishis das Wort Merkur gesprochen hätten — das sie ja nicht gesprochen haben, aber nehmen wir das Wort, damit wir uns verständigen können -, haben sie dann diesen physischen Weltenkörper gemeint? Nein, nicht einmal die alten Griechen haben, wenn sie von dem Merkur gesprochen haben, diesen physischen Körper gemeint, sondern die Gesamtheit der geistigen Wesenheiten dieses Körpers. Geistige Welten, geistige Wesenheiten waren es, wovon man sprach, wenn man in den Stätten der Erkenntnis, sagen wir, das Wort Merkur aussprach. Es sprachen diejenigen, die die Jünger der Lehrer der Erkenntnisstätten waren, die Worte aus: Mond, Merkur, Venus, Sonne, Mars, Jupiter, Saturn, und indem sie in den verschiedenen Sprachen solche Worte aussprachen, bezeichneten sie eine Stufenfolge von geistigen Wesenheiten. Wer das Wort in der heutigen Weise ausspricht und einen physischen Körper bezeichnet, bezeichnet nur das Gröbste dessen, was ursprünglich unter Mond, Merkur, Venus und so weiter verstanden worden ist. Die Hauptsache bezeichnet er gerade nicht. So sagte der alte Weisheitslehrer «Mond», und er schlug an mit diesem Worte die Vorstellung von einer großen geistigen Welt. Und wenn er das Wort «Mond» aussprach und an die Stelle des Himmels wies, wo der Mond ist, und in seinem Bewußtsein hatte: Da ist die unterste Stufe von geistigen Hierarchien -, dann sah derjenige, der sich durch die immer und immer zunehmende Versinnlichung der Menschheit weit entfernt hatte von dieser geistigen Anschauung, hinauf, sah aber den physischen Mond und nannte das «Mond». Ein Wort für zwei Dinge, die allerdings zusammengehörten, die aber ganz verschiedene Vorstellungen im Menschen hervorrufen. Und ebenso war es, wenn die Weisen der Erkenntnisstätten zu Merkur, Sonne, Mars und so weiter hinaufblickten. Die spirituelle Strömung bezeichnete mit ihren Worten etwas ganz anderes als die andere, die materielle Strömung.

[ 12 ] And now consider the situation that arose. In the centers of learning, people spoke of the spiritual beings surrounding the celestial spheres. Outside, where the physical eye was becoming sharper and sharper, people spoke more and more merely of dense physical matter. If the ancient holy Rishis had spoken the word “Mercury”—which they did not, of course, but let us use the word so that we may understand one another—did they then mean this physical world body? No, not even the ancient Greeks, when they spoke of Mercury, meant this physical body, but rather the totality of the spiritual beings of this body. It was of spiritual worlds and spiritual beings that one spoke when, in the places of knowledge, one uttered the word Mercury. It was those who were the disciples of the teachers in the places of knowledge who uttered the words: Moon, Mercury, Venus, Sun, Mars, Jupiter, Saturn; and by uttering such words in the various languages, they designated a sequence of spiritual beings. Whoever utters the word in today’s manner and refers to a physical body is referring only to the coarsest aspect of what was originally understood by Moon, Mercury, Venus, and so on. The main thing is precisely what they do not refer to. Thus the ancient teacher of wisdom said “Moon,” and with this word he evoked the idea of a great spiritual world. And when he spoke the word “Moon” and pointed to the place in the sky where the Moon is, and had in his consciousness: “There is the lowest level of spiritual hierarchies”—then the one who, through humanity’s ever-increasing materialization, had strayed far from this spiritual view, looked up, but saw the physical Moon and called it “Moon” . One word for two things that certainly belonged together, but which evoked quite different ideas in people. And it was the same when the sages of the places of knowledge looked up at Mercury, the Sun, Mars, and so on. The spiritual current designated with its words something quite different from the other, the material current.

[ 13 ] So sehen wir, daß die beiden Strömungen immer mehr und mehr auseinandergingen in der Menschheit. In den Mysterien hat man mit diesen Worten, die dann zu den Bezeichnungen unserer äußeren Weltkörper geworden sind, immer geistige Welten, Stufenfolgen von geistigen Welten verstanden. Die äußere Welt hat immer Materielles darunter verstanden bis auf unsere heutige Mythologie - ich spreche das Wort bewußt aus -, die man moderne Astronomie nennt; und da die Geisteswissenschaft die anderen Mythologien in ihrem vollen Werte anerkannt hat, werden Sie verstehen, daß auch die moderne Mythologie von der Geisteswissenschaft gewürdigt wird - bis zu jener Mythologie, die man die moderne Astronomie nennt, die nur mehr einen Raum sieht und darin physische Weltenkugeln. Aber diese moderne Mythologie ist für denjenigen, der erkennt, nichts anderes als eine besondere Phase aller Mythologien. Eine gerade Linie geht von dem, was die alten europäischen Bewohner in ihren Götter- und Sternen- und Weltensagen gesagt haben, was die Griechen, die Römer in ihren Mythologien gegeben haben, was das Mittelalter in seinen mehr oder weniger getrübten Mythologien gegeben hat, bis herauf zu jener Mythologie, welche, voll geeignet und vollständig zur Bewunderung berechtigt, Kopernikus, Kepler und Galilei gestiftet haben. Es wird eine Zeit kommen, wo man über diese moderne Mythologie so etwa sprechen wird: Es gab einmal Menschen, die haben es für richtig befunden, eine materielle Sonne in den Mittelpunkt einer Ellipse zu stellen, in Ellipsen Planeten herumkreisen zu lassen, diese in verschiedener Weise rotieren zu lassen; sie haben sich da ein Weltensystem zurechtgerückt wie frühere Zeiten eben auch. Heute, so wird natürlich eine zukünftige Zeit sprechen, ist das alles nur mehr Sage und Märchen. - Ja, diese Zeit wird auch kommen, wenn auch der Moderne noch so sehr die alten Mythologien verachtet und auf seine schwört und wenn es ihn auch noch so unmöglich dünkt, daß von einer kopernikanischen Mythologie gesprochen werden kann. Aber das wird es uns gerade verständlich machen, wie sozusagen bei den Worten immer anderes und anderes vorgestellt worden ist. Trotzdem aber wurde das, was Urweltweisheit ist, immer und immer fortgepflanzt, fortgesetzt. Nur wurde diese Urweltweisheit gerade exoterisch immer weniger und weniger verstanden, weil sie materieller interpretiert, erklärt worden ist, weil weniger das Spirituelle gesehen worden ist. Und so kam es denn, daß, um die Menschheit sozusagen nicht verlieren zu lassen den Zusammenhang mit der ursprünglichen, spirituellen Weisheit, bei der Verjüngung der Urweltweisheit im Beginne unserer Zeitrechnung in scharfen Worten wiederum hingewiesen werden mußte darauf, daß da, wo das menschliche Auge sich hinausrichtet und als physisches Auge nur Physisches sieht, daß da Geistiges den Raum geistig erfüllt. Und so wies mit den allerschärfsten Worten derjenige, der der intimste Schüler des Apostels Paulus war, so wies in Athen Dionysius der Areopagite darauf hin: Es gibt nicht nur Materielles draußen im Raume, es gibt, wenn die menschliche Seele ahnend aufsteigt in die Räume des Weltendaseins, Geistiges da draußen in der Welt, das über dem Menschen steht in der Entwickelung des Daseins. —- Und er gebrauchte jetzt Worte, die allerdings anders lauten mußten, denn hätte er die alten Worte gebraucht, niemand hätte darin anderes als Materielles gesehen. Die Rishis haben gesprochen von den geistigen Hierarchien, so daß sie in ihren Worten ausgedrückt haben, was auch griechische und römische Weisheit noch ausgedrückt hat, wenn sie gesprochen hat von der vor ihr aufsteigenden Welt des Mondes, des Merkur, des Mars, der Venus, des Jupiter, des Saturn. Dionysius, der Schüler des Apostels Paulus, hat ganz dieselben Welten im Auge wie die Rishis; nur betonte er scharf, daß man es mit Geistigem zu tun hat, und er nahm Worte, von denen er sicher war, daß sie geistig genommen wurden: Er sprach von Engeln, Erzengeln, Urkräften, Gewalten, Mächten, Herrschaften, Thronen, Cherubim, Seraphim. Und jetzt wurde wiederum von den Menschen vergessen, richtig vergessen dasjenige, was die Menschheit einmal gewußt hat. Hätte man im Zusammenhang verstehen können, was Dionysius der Areopagite und was die alten heiligen Rishis gesehen haben, so hätte man sozusagen gehört von der einen Seite den Mond benennen, von den anderen Mysterien hätte man die Welt der Engel benennen hören, und man hätte gewußt: Das ist dasselbe. Man hätte das Wort Merkur von der einen Seite gehört und von der anderen das Wort Erzengel und gewußt: Das ist dasselbe. Man hätte gehört das Wort Archai auf der einen Seite und das Wort Venus auf der anderen, und man hätte gewußt: Das ist dasselbe. Man hätte gehört das Wort Sonne auf der einen Seite und Gewalten auf der anderen und hätte gewußt: Dieselben Welten sind mit diesen Worten bezeichnet. Hätte man gehört das Wort Mars auf der einen Seite, man hätte gefühlt: Hier steigt man auf zu den Mächten. Hätte man gehört das Wort Jupiter auf der einen Seite, so wäre es dasselbe gewesen, was in der Schule des Dionysius angeschlagen wurde, wenn von Herrschaften die Rede war. Dem Wort Saturn entspricht hier das Wort Throne.

[ 13 ] Thus we see that these two currents have increasingly diverged within humanity. In the Mysteries, these terms—which later became the names of our outer celestial bodies—were always understood to refer to spiritual worlds, a sequence of spiritual realms. The outer world has always understood them to refer to the material realm, right up to our present-day mythology—I use the word deliberately—which is called modern astronomy; and since spiritual science has recognized the other mythologies in their full value, you will understand that modern mythology is also appreciated by spiritual science—up to that mythology called modern astronomy, which sees only space and physical celestial spheres within it. But this modern mythology is, for the discerning person, nothing other than a particular phase of all mythologies. A straight line runs from what the ancient European peoples said in their tales of gods, stars, and worlds, from what the Greeks and Romans presented in their mythologies, from what the Middle Ages offered in its more or less clouded mythologies, all the way up to that mythology which—fully appropriate and fully deserving of admiration—was created by Copernicus, Kepler, and Galileo. A time will come when people will speak of this modern mythology in much the same way: There were once people who deemed it right to place a material sun at the center of an ellipse, to have planets circle around in ellipses, and to have them rotate in various ways; they arranged a world system for themselves just as earlier times had done. Today, so a future generation will naturally say, all of this is nothing more than legend and fairy tale. — Yes, that time will also come, even if modernity still so deeply despises the old mythologies and swears by its own, and even if it seems utterly impossible to it that one could speak of a Copernican mythology. But this will make it clear to us how, so to speak, ever different things have been imagined in connection with the words. Nevertheless, what constitutes primordial wisdom has been perpetuated and continued time and again. It is just that this primordial wisdom has been understood less and less in the exoteric sense, because it has been interpreted and explained in more material terms, because the spiritual aspect has been seen less and less. And so it came to pass that, in order not to let humanity lose, so to speak, its connection with the original, spiritual wisdom, during the rejuvenation of primordial wisdom at the beginning of our era, it had to be pointed out once again in sharp terms that where the human eye looks out and, as a physical eye, sees only the physical, there the spiritual fills space spiritually. And so, in the sharpest terms, the one who was the closest disciple of the Apostle Paul—Dionysius the Areopagite—pointed this out in Athens: There is not only the material out there in space; there is, when the human soul rises intuitively into the realms of world existence, a spiritual realm out there in the world that stands above humanity in the development of existence. —- And he now used words that, of course, had to sound different, for had he used the old words, no one would have seen in them anything other than the material. The Rishis spoke of the spiritual hierarchies, expressing in their words what Greek and Roman wisdom also expressed when it spoke of the world rising before it—the world of the Moon, Mercury, Mars, Venus, Jupiter, and Saturn. Dionysius, the disciple of the Apostle Paul, had exactly the same worlds in mind as the Rishis; only he strongly emphasized that one is dealing with the spiritual, and he chose words of which he was certain would be taken in a spiritual sense: He spoke of angels, archangels, primal forces, powers, authorities, dominions, thrones, cherubim, and seraphim. And now, once again, people have forgotten—truly forgotten—what humanity once knew. If one could have understood in context what Dionysius the Areopagite and what the ancient holy Rishis saw, one would have heard, so to speak, the moon named from one side, and from the other mysteries one would have heard the world of angels named, and one would have known: This is the same thing. One would have heard the word Mercury on one side and the word Archangel on the other, and known: This is the same thing. One would have heard the word Archai on one side and the word Venus on the other, and known: This is the same thing. One would have heard the word Sun on one side and Powers on the other, and known: The same worlds are designated by these words. If one had heard the word “Mars” on one side, one would have felt: Here one ascends to the Powers. If one had heard the word “Jupiter” on one side, it would have been the same as what was taught in the school of Dionysius when speaking of Dominions. The word “Saturn” corresponds here to the word “Thrones.”

[ 14 ] Aber man hat es eben in weiteren Kreisen nicht mehr gewußt, nicht mehr wissen können. So war auf der einen Seite eine Wissenschaft des Materiellen, die materieller und materieller wurde, die die alten Namen, die einstmals auch Geistiges bedeutet haben, für das Materielle beibehalten hat. Und so war auf der anderen Seite ein spirituelles Leben, das gesprochen hat von Geistigem, von Erzengeln, Engeln und so weiter, und das den Zusammenhang verloren hat mit den physischen Ausdrücken dieser geistigen Wesenheiten. Und so sehen wir, wie Urweltweisheit hineindringt in die Schule, die Paulus gestiftet hatte durch Dionysius, und wie es sich nur darum handelt, das neu Gestiftete mit dem alten spirituellen Geiste zu durchdringen. Das aber ist die Aufgabe der modernen Geisteswissenschaft oder Anthroposophie, wiederum zu ziehen das Band, das da laufen soll zwischen dem Physischen und dem Geistigen, zwischen der Welt, der Erde und den geistigen Hierarchien. Unverständlich ist daher denjenigen, die nicht wissen, woher eigentlich die Vorstellungen über die äußere sinnliche Welt kommen, unverständlich ist es für sie, zu erkennen die andere Seite, die spirituelle Seite des Wissens.

[ 14 ] But in wider circles, people simply no longer knew this, or were no longer able to know it. So, on the one hand, there was a science of the material world that became more and more materialistic, retaining the old names—which once also signified spiritual things—for the material. And so, on the other hand, there was a spiritual life that spoke of spiritual things, of archangels, angels, and so on, and which had lost its connection with the physical expressions of these spiritual beings. And so we see how primordial wisdom penetrates the school that Paul had founded through Dionysius, and how it is simply a matter of imbuing the newly founded institution with the ancient spiritual spirit. But this is the task of modern spiritual science or anthroposophy: to re-establish the connection that should exist between the physical and the spiritual, between the world, the Earth, and the spiritual hierarchies. It is therefore incomprehensible to those who do not know where the concepts of the outer sensory world actually come from; it is incomprehensible for them to recognize the other side, the spiritual side of knowledge.

[ 15 ] Das aber wird besonders auffällig, wenn wir herantreten an jene Schriften, die aus den Urweltweisheiten hervorgegangen sind und welche, wenn sie auch einen schwachen Nachklang enthalten, doch nur aus dieser Urweltweisheit heraus wirklich verstanden werden können. Lassen Sie uns gerade in bezug auf die Schwierigkeit des Verständnisses jener Schriften, die aus der Urweltweisheit hervorgegangen sind, als Beispiel eine Stelle anführen, eine Stelle aus dem göttlichen Liede, der Bhagavad Gita, eine Stelle, die bedeutungsvoll tief das Menschenleben in seinem Zusammenhange mit den Hierarchien beleuchtet. Diese Stelle aus der Bhagavad Gita, sie steht im 8. Kapitel, beginnt beim 23. Vers, lautet: «Ich will dir erklären, o wahrheitforschender Mensch» - so wird es gewöhnlich übersetzt - «unter welchen Umständen die Gotterhabenen, wenn sie die Erde durch das Tor des Todes verlassen, um wiedergeboren zu werden oder nicht, gehen. Ich will dir sagen: Sieh Feuer, sieh den Tag, sieh die Zeit des zunehmenden Mondes, sieh das halbe Jahr, in dem die Sonne hoch steht. Diejenigen, welche zu der Zeit sterben, daß sie sterben im Feuer, im Tag, in der Zeit des zunehmenden Mondes, der hoch stehenden Sonne, die gehen durch das Tor des Todes in Brahma ein; diejenigen aber, die da sterben im Zeichen des Rauches, in der Nacht, in der Zeit des abnehmenden Mondes, in dem halben Jahr, wenn die Sonne tief steht, die gehen, wenn sie von der Welt scheiden, durch das Tor des Todes nur ein in das Licht des Mondes und kehren wieder zurück auf diese Welt.»

[ 15 ] This becomes particularly evident when we approach those writings that have emerged from the primordial wisdom and which, even if they contain only a faint echo of it, can truly be understood only in light of this primordial wisdom. Let us cite, precisely in regard to the difficulty of understanding those writings that have emerged from primordial wisdom, a passage as an example—a passage from the divine song, the Bhagavad Gita—a passage that illuminates human life in its connection with the hierarchies with profound significance. This passage from the Bhagavad Gita, found in Chapter 8, beginning with verse 23, reads: “I will explain to you, O seeker of truth”—so it is usually translated—“under what circumstances the god-abiding, when they leave the earth through the gate of death, go forth to be reborn or not. I will tell you: Behold fire, behold the day, behold the time of the waxing moon, behold the half-year when the sun is high. Those who die at the time when they die in fire, in the day, in the time of the waxing moon, when the sun is high, enter Brahma through the gate of death; but those who die there under the sign of smoke, at night, during the waning moon, in the half-year when the sun is low—when they depart from the world, they pass through the Gate of Death only into the light of the moon and return again to this world.”

[ 16 ] Meine lieben Freunde, hier haben Sie eine Stelle in der Bhagavad Gita, in der Ihnen gesagt wird: Es hängt die Art und Weise des Vorwärtsschreitens des Menschen, seiner Wiedergeburt davon ab, ob er stirbt im Zeichen des Lichtes, beim Tag, beim zunehmenden Monde, im Halbjahr, wo die Sonne hoch steht, oder ob er stirbt im Zeichen des Rauches, in der Nacht, wenn der Mond abnimmt oder wenn die Sonne tief steht. Das wird gesagt, das ist der materielle Sinn. Und von denjenigen, die eingehen durch das Tor des Todes im Zeichen des Feuers, bei Tag, bei zunehmendem Monde, da, wo die Sonne hoch steht, von denen wird gesagt, daß sie nicht wieder zurückzukehren brauchen. Von den anderen, die da sterben im Zeichen des Rauches, in der Nacht, bei abnehmendem Mond oder in dem Halbjahr, in welchem die Sonne tief steht, von ihnen wird gesagt, daß sie nicht zu den Höhen des Brahma aufsteigen können, sondern nur zu der Höhe des Mondes und wieder zurückkehren müssen. Es ist eine Stelle in dem göttlichen Liede des Ostens, die allen, fast allen, die sie erklären wollen innerhalb des exoterischen Lebens, die größten Schwierigkeiten macht. Nur dann ist sie zu erklären, wenn sie beleuchtet wird mit dem Lichte spiritueller Erkenntnis, mit dem Lichte, aus dem heraus sie im Grunde genommen geschrieben worden ist, mit dem Lichte, das erstrahlt in den Geheimschulen, das sich fortpflanzt, das seine Verjüngung erfahren hat durch das Christentum, wenn sie beleuchtet wird mit dem Lichte, das uns das Band finden läßt zu den Namen: Mond - Engel, Merkur - Erzengel, Venus — Archai und so weiter. Und wir werden den Schlüssel finden zu solchen Stellen, wir wollen diese eine Stelle als Beispiel wählen, wenn wir sie in das alte spirituelle Licht rücken. Von dem Erklären dieser Stelle im göttlichen Liede, von der Erklärung dieser Stelle der Bhagavad Gita, die im exoterischen Leben unmöglich ist, soll unsere Betrachtung heute abend ausgehen, und dann werden wir, nachdem wir den Schlüssel gefunden haben, aufsteigen in die geistigen Hierarchien.

[ 16 ] My dear friends, here is a passage from the Bhagavad Gita that tells you: The manner of a person’s progress and rebirth depends on whether they die under the sign of light—by day, during the waxing moon, in the half-year when the sun is high—or whether they die under the sign of smoke—at night, during the waning moon, or when the sun is low. This is what is said; this is the material meaning. And of those who pass through the gate of death under the sign of fire, by day, during the waxing moon, when the sun is high, it is said of them that they need not return. Of the others who die there under the sign of smoke, at night, during the waning moon, or in the half-year when the sun is low, it is said of them that they cannot ascend to the heights of Brahma, but only to the height of the moon and must return again. There is a passage in the Divine Song of the East that causes the greatest difficulties for all—almost all—who wish to explain it within the exoteric life. It can only be explained when it is illuminated by the light of spiritual knowledge, by the light from which it was essentially written, by the light that shines in the secret schools, that propagates itself, that has been rejuvenated through Christianity—when it is illuminated by the light that allows us to find the connection to the names: Moon—Angel, Mercury—Archangel, Venus—Archai, and so on. And we will find the key to such passages; let us take this one passage as an example when we place it in the light of ancient spiritual wisdom. Our contemplation this evening shall begin with the explanation of this passage in the Divine Song, with the explanation of this passage from the Bhagavad Gita, which is impossible in exoteric life; and then, having found the key, we shall ascend into the spiritual hierarchies.