Introduction to the Basics of Theosophy
GA 111
28 March 1909, Rome
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Introduction to the Basics of Theosophy, tr. SOL
29. Einführung in die Theosophie IV
29. Introduction to Theosophy IV
[ 1 ] Heute Abend werden wir von der Sünde sprechen, der Erbsünde, der Krankheit und so weiter. Schauen wir zuerst rückwärts, auf die Vergangenheit, und lassen wir danach die Zukunft vor dem geistigen Auge vorüberziehen. Vor unserer Zeit haben wir die Zeit von Rom und von Athen, der vorangegangen ist die ägyptisch-chaldäische Zeit; weiter zurück fehlen die eigentlichen historischen Urkunden. Für die noch älteren Zeitepochen haben wir zwei Quellen, aus denen wir Auskunft schöpfen können: Die alten Religionslehren, wenn man sie zu entziffern versteht, und die retrospektiven Bilder, die das hellsichtige Bewusstsein schauen kann. Von diesen Letzteren wollen wir reden.
[ 1 ] Tonight we will speak of sin, original sin, illness, and so on. Let us first look back at the past, and then let the future pass before our mind’s eye. Before our own time, we have the era of Rome and Athens, preceded by the Egyptian-Chaldean period; further back, actual historical records are lacking. For even older eras, we have two sources from which we can draw information: the ancient religious teachings, if one knows how to decipher them, and the retrospective images that the clairvoyant consciousness can perceive. Let us speak of the latter.
[ 2 ] Alles auf Erden unterliegt den Gesetzen der Evolution, in ganz besonderer Weise gilt das für das menschliche Seelenleben. In alten Zeiten war das Leben der Seele verschieden von dem jetzigen Seelenleben. Die Menschen in Europa, Asien und Afrika hatten in dem vorhistorischen Zeitalter ein Seelenleben, das ganz verschieden war von der heutigen Menschenseele. Wenn wir Jahrtausende zurückschauen, finden wir, dass die Vorläufer der heutigen Menschheit einen viel umfangreicheren seelischen Gesichtskreis hatten wie den, den wir jetzt haben. Sie hatten zwar nicht den Verstand, der uns befähigt zum Lesen und Rechnen, aber sie hatten dagegen eine primitive Hellsichtigkeit und außerdem ein ungeheures Gedächtnis, von dem das unsrige nicht einmal eine blasse Ahnung geben kann. Wir werden noch sehen, wodurch das möglich war. Um Ihnen eine Ahnung zu geben davon, wie ihnen die Welt erschien, werde ich zum Beispiel sagen, dass sie, als sie in ihrem Tagesbewusstsein aufwachten, alles sahen wie von einer Aura umgeben. Eine Blume zum Beispiel erschien ihnen umgeben von einem Lichtkreis ähnlich dem, den wir um die Laternen im Abendnebel sehen. Während des Schlafes aber konnten diese Menschen seelisch-geistige Wesenheiten in Wirklichkeit wahrnehmen. Allmählich lernte der Mensch, die Umrisse der Dinge bestimmter zu sehen. Zu gleicher Zeit aber wurde der bewusste Verkehr mit der geistigen Welt und den sich in ihr befindenden Wesenheiten immer weniger, um endlich ganz aufzuhören, als das Ich sich in jedes einzelne Wesen individualisierte. Vor dieser Individualisierung waren die Menschen nicht voneinander getrennt.
[ 2 ] Everything on earth is subject to the laws of evolution; this applies in a very special way to human spiritual life. In ancient times, the life of the soul was different from what it is today. In prehistoric times, people in Europe, Asia, and Africa had a spiritual life that was quite different from that of the modern human soul. If we look back thousands of years, we find that the forebears of modern humanity had a much broader spiritual horizon than the one we have today. Although they did not possess the intellect that enables us to read and calculate, they did, on the other hand, possess a primitive clairvoyance and, moreover, an immense memory of which ours cannot even give a faint inkling. We shall yet see how this was possible. To give you an idea of how the world appeared to them, I will say, for example, that when they awoke in their waking consciousness, they saw everything as if surrounded by an aura. A flower, for instance, appeared to them surrounded by a circle of light similar to the one we see around streetlamps in the evening mist. During sleep, however, these people could actually perceive spiritual beings. Gradually, humans learned to see the outlines of things more clearly. At the same time, however, conscious contact with the spiritual world and the beings within it became increasingly rare, until it finally ceased entirely as the “I” became individualized within each individual being. Before this individualization, people were not separated from one another.
[ 3 ] Auch die Erde hatte in jenen Zeiten eine ganz andere Konfiguration als jetzt. Die Menschheit lebte auf anderen Gebieten - Kontinenten —, und gerade unsere Vorfahren lebten auf einem Erdteil, der jetzt vom Atlantischen Ozean eingenommen wird. Die Tradition nennt diesen Kontinent Atlantis. Das Verschwinden dieses Erdteiles erzählen uns die Mythen von allen Völkern, und die Legende von der universellen Sintflut bezieht sich eben darauf. Die atlantische Kultur war großartig, und durch ihren Untergang verlor die Menschheit viele wichtige Erkenntnisse, die sie jetzt mühevoll wiedererobern muss. Wie wir für den Handel und die Industrie die in den fossilen Pflanzen - Kohlen - verborgenen Kräfte zu gebrauchen wissen, so verstanden es die Atlantier, die treibenden Kräfte in den Samenkörnern zu gebrauchen, um zum Beispiel ihre Luftschiffe zu bewegen, die sich etwas über dem Boden fortbewegten, in jener Luft, die viel dichter war als die unsere.
[ 3 ] The Earth, too, had a completely different configuration in those times than it does now. Humanity lived on other regions—continents—and our ancestors in particular lived on a continent that is now occupied by the Atlantic Ocean. Tradition calls this continent Atlantis. The myths of all peoples tell us of the disappearance of this part of the world, and the legend of the universal flood refers precisely to this. The Atlantean culture was magnificent, and through its downfall, humanity lost many important insights that it must now laboriously regain. Just as we know how to use the forces hidden in fossilized plants—coal—for trade and industry, so the Atlanteans knew how to use the driving forces in seeds to propel, for example, their airships, which moved slightly above the ground in an atmosphere that was much denser than our own.
[ 4 ] Schauen wir uns jetzt den physischen Organismus der Atlantier an. Er zeigte eine bedeutungsvolle Eigentümlichkeit, dass nämlich der Ätherleib nicht vollkommen dem physischen Leib ähnlich war und der Ätherkopf über den physischen Kopf hinausragte. Diese Eigentümlichkeit ist eben verbunden mit den hellseherischen Fähigkeiten der Atlantier, mit ihrem außerordentlichen Gedächtnis und ihren magischen Kräften. Der Ätherkopf hatte einen besonderen Wahrnehmungspunkt [...].
[ 4 ] Let us now look at the physical organism of the Atlanteans. It exhibited a significant peculiarity, namely that the etheric body was not entirely similar to the physical body, and the etheric head extended beyond the physical head. This peculiarity is precisely connected to the clairvoyant abilities of the Atlanteans, to their extraordinary memory, and to their magical powers. The etheric head had a special point of perception [...].
[ 5 ] Im Laufe der Evolution zog sich dieser Ätherkopf immer mehr in den physischen Kopf zurück, wodurch das Profil geändert wurde. Jetzt haben wir an dem betreffenden Punkt das Organ, dessen Entwicklung der Menschheit die Hellsichtigkeit zurückgeben wird: die Zirbeldrüse. So verschwand allmählich die hellsehende Kraft der Atlantier und zugleich ihr ungeheures Gedächtnis und ihre magischen Kräfte, und es entwickelte sich unsere Denk- und Zahlenfähigkeit.
[ 5 ] In the course of evolution, this etheric head withdrew more and more into the physical head, thereby altering its profile. Now, at that very point, we have the organ whose development will restore clairvoyance to humanity: the pineal gland. Thus, the clairvoyant power of the Atlanteans gradually disappeared, along with their immense memory and magical powers, and our capacity for thought and calculation developed.
[ 6 ] Wenn wir noch weiter zurückgehen, finden wir andere Katastrophen. Da wurden ganze Erdteile durch Feuer vernichtet. Unsere heutigen Vulkane sind die letzten Reste von jener Zeitepoche. Der Kontinent, der damals zugrunde ging, wird mit dem Namen «Lemurien» bezeichnet und war das Gebiet, das jetzt zum größten Teil von dem großen Ozean und dem Indischen Ozean eingenommen wird. Die Bewohner jenes Kontinentes hatten eine Gestalt, die sehr verschieden von der unseren war, die uns sogar für unsere Auffassungen grotesk erscheinen würde. Ihr physischer und ihr Astralleib verhielten sich anders zueinander. Der Scheitel war geöffnet, und in diese Öffnung drangen die Lichtstrahlen hinein, sodass der Kopf von einer strahlenden Aura umgeben war und die Menschen so aussahen, als ob sie oben eine Laterne hätten.
[ 6 ] If we go back even further, we find other catastrophes. Entire continents were destroyed by fire. Our present-day volcanoes are the last remnants of that epoch. The continent that perished at that time is known as “Lemuria” and was the region now largely occupied by the Pacific and Indian Oceans. The inhabitants of that continent had a form very different from our own, one that would even seem grotesque to us by our standards. Their physical and astral bodies related to one another differently. The crown of the head was open, and rays of light penetrated this opening, so that the head was surrounded by a radiant aura and the people looked as if they had a lantern on top of their heads.
[ 7 ] Der Leib war riesengroß und von einer feinen, beinahe gelatineartigen Substanz gebildet. Die letzte Andeutung von dem Scheitelbau der Lemurier sehen wir an dem Kopf eines eben geborenen Kindes, und zwar die kleine Öffnung oben, die offen bleibt bis ungefähr ein Jahr oder etwas mehr.
[ 7 ] The body was enormous and formed of a fine, almost gelatinous substance. We see the last trace of the Lemurians’ cranial structure in the head of a newborn child, namely the small opening at the top, which remains open until about one year of age or slightly longer.
[ 8 ] Der Mensch war damals gar nicht selbstständig; er konnte nur das tun, was ihm durch die geistigen Kräfte eingegeben wurde, in deren Mitte er sozusagen eingebettet war. Alles bekam er von ihnen, und er handelte wie durch einen seelischen Instinkt getrieben. Da offenbarte sich die Kraftwirkung von geistigen Wesenheiten, die nicht zur physischen Inkarnation heruntergestiegen waren. Es waren dies Wesenheiten, die der Menschheit nicht gut gesinnt waren und die so auf sie wirkten, dass sie die ihr fehlende Unabhängigkeit erlangte. Dem göttlichen Plan gemäß sollte die Menschheit einmal diese Unabhängigkeit sicher erlangen, aber diese Wesenheiten brachten sie früher zustande. Zusammen mit den anderen Kräften schlüpften sie in den Astralleib des Menschen hinein, der noch nicht in enger Verbindung mit seinem Wesen getreten war, und gaben dem Menschen eine Art Willenskraft, die, weil sie nur astralisch war und nicht von der Vernunft geführt war, ihn fähig machte, das Böse zu tun. Diese Kräfte werden die luziferischen Kräfte genannt. Wie wir sehen, hat der Einfluss dieser Kräfte eine gute und eine böse Seite, weil sie die Menschheit verführten einerseits, ihr aber andererseits die Freiheit gaben.
[ 8 ] At that time, human beings were not at all independent; they could only do what was inspired in them by the spiritual forces in whose midst they were, so to speak, embedded. They received everything from them and acted as if driven by a spiritual instinct. This revealed the power of spiritual beings who had not descended into physical incarnation. These were beings who were not well-disposed toward humanity and who acted upon it in such a way that it attained the independence it lacked. According to the divine plan, humanity was eventually to attain this independence, but these beings brought it about earlier. Together with the other forces, they slipped into the astral body of the human being, who had not yet entered into close connection with his own being, and gave the human being a kind of willpower which, because it was only astral and not guided by reason, enabled him to do evil. These forces are called the Luciferic forces. As we can see, the influence of these forces has a good and an evil side, because on the one hand they seduced humanity, but on the other hand they gave it freedom.
[ 9 ] Unser heutiges Bewusstsein entstammt dem hellsehenden Bewusstsein, und wir finden Letzteres immer mehr ausgebildet, je weiter wir zurückgehen in der Menschheitsevolution. Die Lemurier konnten nur seelisch wahrnehmen. Von einer Blume zum Beispiel nahmen sie weder die Form noch die Farbe wahr, noch ihre äußerlichen Eigenschaften. Es zeigte sich ihnen ein leuchtendes astralisches Gebilde, das sie mit einer Art innerlichem Organ wahrnahmen. Nach dem göttlichen Plan sollten die Menschen erst in der Mitte der atlantischen Zeit angefangen haben, mit den äußeren Sinnesorganen wahrzunehmen. Aber die luziferischen Kräfte verursachten diese Tatsache schon früher, während die menschlichen Instinkte noch rein waren. Darin besteht der ‹Fall der Menschheit›. Die religiösen Urkunden sagen, dass die Schlange die Augen des Menschen öffnete. Ohne die Einmischung von dem luziferischen Einfluss wäre der menschliche Körper nicht so fest geworden, wie er jetzt ist, und die atlantische Menschheit hätte die geistige Seite von allen Dingen gesehen. Stattdessen verfiel der Mensch der Sünde, der Illusion und dem Irrtum.
[ 9 ] Our present-day consciousness stems from clairvoyant consciousness, and we find the latter becoming increasingly developed the further back we go in human evolution. The Lemurians could perceive only through their souls. Of a flower, for example, they perceived neither its form nor its color, nor its external characteristics. What appeared to them was a luminous astral form, which they perceived with a kind of inner organ. According to the divine plan, human beings were not supposed to begin perceiving with the external sense organs until the middle of the Atlantean epoch. But the Luciferic forces brought this about earlier, while human instincts were still pure. This is the “Fall of Humanity.” The religious texts say that the serpent opened the eyes of man. Without the interference of the Luciferic influence, the human body would not have become as solid as it is now, and Atlantean humanity would have seen the spiritual side of all things. Instead, humanity fell into sin, illusion, and error.
[ 10 ] Um die Sache noch schlimmer zu machen, kam gegen die Mitte der atlantischen Zeit der Einfluss von ahrimanischen Kräften hinzu. Die luziferischen Kräfte hatten auf den Astralleib gewirkt, die ahrimanischen Kräfte dagegen wirkten auf den Ätherleib, insbesondere auf den Ätherkopf. Dadurch verfielen die Menschen in den Irrtum, die äußere physische Welt für die wahre Welt zu halten. «Ahrimanisch» kommt von Ahriman her, von dem Namen, den die Perser diesem Prinzip gaben. Zoroaster sprach seinem Volke von ihm und sagte, es solle sich vor ihm hüten und die Vereinigung mit Ahura Mazdao — Ormuzd - anstreben. Ahriman ist derselbe wie Mephistopheles und hat nichts mit Luzifer zu tun. Mephistopheles stammt von dem hebräischen Worte: Me-phis-to-phel, das heißt «der Lügner, «der Betrüger. Auch Satan in der Bibel ist Ahriman und nicht Luzifer.
[ 10 ] To make matters worse, the influence of Ahrimanic forces was added around the middle of the Atlantean era. The Luciferic forces had acted upon the astral body, whereas the Ahrimanic forces acted upon the etheric body, particularly the etheric head. As a result, human beings fell into the error of regarding the outer physical world as the true world. “Ahrimanic” comes from Ahriman, the name the Persians gave to this principle. Zoroaster spoke of him to his people and told them to guard against him and to strive for union with Ahura Mazda—Ormuzd. Ahriman is the same as Mephistopheles and has nothing to do with Lucifer. Mephistopheles derives from the Hebrew words: Me-phis-to-phel, meaning “the liar,” “the deceiver.” Satan in the Bible is also Ahriman and not Lucifer.
[ 11 ] Die alte Atlantis ging im Laufe von Jahrhunderten allmählich durch Fluten zugrunde, und die übrig gebliebenen Bewohner zogen sich zurück in Gebiete, die vor der Katastrophe bewahrt blieben, in Asien, in Afrika und in Amerika. Das erste Gebiet, in dem sich die atlantische Kultur weiterentwickelte, war dasjenige, das später «Indien» genannt wurde. Da behielten die Menschen eine deutliche Erinnerung an das frühere Hellsehen und von der Anschauung der geistigen Welt. Es war dadurch ihren Lehrern, den Rishis, nicht schwer, ihre Aufmerksamkeit auf die geistige Seite der Welt zu lenken, und die Einweihung war eine leichte Sache. Das Hellsehen ging nie vollständig verloren, und bis zu Christus gab es immer Hellseher. Ein Überbleibsel dieses primitiven Hellsehens sehen wir in der Mythologie, deren Kern sich bezieht auf Wesenheiten, die wirklich gelebt haben, wie Apollo, Zeus und so weiter. Obwohl der ahrimanische Einfluss, wie wir gesagt haben, in der atlantischen Zeitepoche seinen Anfang nahm, machte er sich erst später völlig in der Menschheit geltend. Die alten Inder waren genügend gegen ihn geschützt, und die physische Welt war für sie nie etwas anderes als Maya, Illusion. Erst in der Zeitepoche von Zarathustra, der urpersischen, fing die physische Welt an, einen Wert zu haben für die Menschen, die dadurch der Macht von Ahriman verfielen. In dieser Weise wird uns klar die Mahnung des Zarathustra, von der wir schon gesprochen haben.
[ 11 ] Over the course of centuries, ancient Atlantis gradually perished in floods, and the surviving inhabitants retreated to regions that had been spared from the catastrophe—in Asia, Africa, and the Americas. The first region where Atlantean culture continued to develop was the one later called “India.” There, people retained a clear memory of their former clairvoyance and perception of the spiritual world. Consequently, it was not difficult for their teachers, the Rishis, to direct their attention to the spiritual side of the world, and initiation was an easy matter. Clairvoyance was never completely lost, and there were always clairvoyants up until the time of Christ. We see a remnant of this primitive clairvoyance in mythology, the core of which refers to beings who truly lived, such as Apollo, Zeus, and so on. Although the Ahrimanic influence, as we have said, began in the Atlantean epoch, it did not fully assert itself in humanity until later. The ancient Indians were sufficiently protected against it, and the physical world was never anything other than Maya, illusion, to them. It was not until the era of Zarathustra, the ancient Persian era, that the physical world began to have value for people, who thereby fell prey to the power of Ahriman. In this way, Zarathustra’s warning, of which we have already spoken, becomes clear to us.
[ 12 ] So ging die Menschheitsevolution weiter bis zur griechischen Zeit. Da kam an den Menschen heran eine andere Kraft, die anfing, ihn wieder hinaufzutreiben zu der geistigen Welt, aus der er sozusagen verjagt worden war seit der lemurischen Zeit. Die neue Kraft war das Christus-Prinzip, das sich in den Jesus von Nazareth hineinbegab, seine drei Leiber — physischen, ätherischen und astralischen Leib — durchdringend. Wenn die menschliche Seele ganz erfüllt ist von dem Christus-Prinzip, werden die ahrimanischen und die luziferischen Kräfte besiegt, und durch dieses Prinzip vollzieht sich eine Umkehr in der Evolution. Doch der Christus hätte nicht auf die Menschen einwirken können, wäre sein Erscheinen ihnen nicht schon lange Zeit vorher verkündigt worden. Er hat sie aber immer innerlich geführt; das sehen wir an den großartigen Bildern, in denen den Menschen prophezeit wurde, dass er kommen würde. Wer hätte ihnen sonst die Kraft gegeben, solche mächtigen Imaginationen zu bilden?
[ 12 ] Thus the evolution of humanity continued until the Greek era. Then a different force approached humanity, which began to drive it back up toward the spiritual world from which it had, so to speak, been driven out since the Lemurian era. This new force was the Christ principle, which entered into Jesus of Nazareth, permeating his three bodies—physical, etheric, and astral. When the human soul is fully imbued with the Christ principle, the Ahrimanic and Luciferic forces are overcome, and through this principle a reversal in evolution takes place. Yet Christ could not have influenced humanity had his coming not been foretold to them long beforehand. He has, however, always guided them inwardly; we see this in the magnificent images through which it was prophesied to humanity that he would come. Who else could have given them the power to form such powerful imaginings?
[ 13 ] Eine großartige Änderung vollzieht sich im physischen, ätherischen und astralischen Leib der Menschheit durch die Inkarnation des Christus, gleich nachdem das Mysterium von Golgatha vollbracht worden ist, als das Blut aus den fünf Wunden rann und der Christus bis in die untersten Reiche hineindrang. Sein Äther- und sein Astralleib vermannigfaltigten sich wie ein Samenkorn, und die geistige Welt erfüllte sich mit diesen Abbildern. Sodass zum Beispiel im fünften, sechsten Jahrhundert bis zum zehnten Jahrhundert diejenigen Menschen, die einen genügenden Grad von Entwicklung erreicht hatten, bei der Geburt einverleibt bekamen solch ein Abbild der Christus-Inkarnation des Jesus von Nazareth. Der Mensch, in welchem am deutlichsten ein derartiges Anteilhaben am ätherischen Leib des Christus zutage tritt, ist Augustinus. Dieser Tatsache ist die große Bedeutung seines Lebens zuzuschreiben. Vom zehnten Jahrhundert bis ungefähr zum sechzehnten Jahrhundert wird der Astralleib des Christus einverleibt. Dem verdanken wir die Erscheinung von Menschen wie dem Heiligen Franz von Assisi und wie den großen Dominikanern voller Demut und Tugend, die eben die großen astralischen Eigenschaften des Christus widerspiegeln. Daher hatten sie ein so klares Bild der großen Wahrheiten in sich, die sie in ihrem Leben übten, im Gegensatz zu Augustinus, der nie frei blieb von Zweifeln und immer in Streit geriet zwischen der Theorie und der Praxis. Von den großen Dominikanern soll besonders genannt werden der Heilige Thomas, in dem der Einfluss von dem astralischen Leib des Christus sich in hohem Maße zeigte, wie wir später noch sehen werden. Mit dem sechzehnten Jahrhundert fängt die Zeit an, in der sich bereitfinden, sich in das Ich einzelner Individualitäten zu verweben, die Abbilder des Christus-Ich. Einer dieser war eben Christian Rosenkreutz, der erste Rosenkreuzer.
[ 13 ] A magnificent transformation takes place in the physical, etheric, and astral bodies of humanity through the incarnation of the Christ, immediately after the Mystery of Golgotha was accomplished, as the blood flowed from the five wounds and the Christ penetrated into the lowest realms. His etheric and astral bodies multiplied like a seed, and the spiritual world was filled with these images. So that, for example, from the fifth and sixth centuries up to the tenth century, those human beings who had attained a sufficient degree of development received at birth such an image of the Christ incarnation of Jesus of Nazareth. The person in whom such a participation in the etheric body of Christ is most clearly evident is Augustine. The great significance of his life is attributable to this fact. From the tenth century until about the sixteenth century, the astral body of Christ is incorporated. To this we owe the appearance of people such as Saint Francis of Assisi and the great Dominicans, full of humility and virtue, who precisely reflect the great astral qualities of Christ. Therefore, they possessed such a clear image of the great truths within themselves, which they practiced in their lives, in contrast to Augustine, who was never free from doubts and was always caught in a conflict between theory and practice. Among the great Dominicans, St. Thomas deserves special mention, in whom the influence of the astral body of Christ was manifested to a high degree, as we shall see later. With the sixteenth century begins the era in which the images of the Christ-I are ready to weave themselves into the I of individual personalities. One of these was Christian Rosenkreutz, the first Rosicrucian.
[ 14 ] Dieser Tatsache verdanken wir es eben, dass eine innigere Verbindung mit dem Christus möglich wurde, wie uns das die esoterische Lehre offenbart. Die Christus-Kraft wird den Menschen immer vollkommener machen, wird ihn vergeistigen und zurückführen in die geistige Welt. Die Menschheit entwickelte ihre Vernunft auf Kosten der Hellsichtigkeit; die Christus-Kraft wird den Menschen befähigen, hier auf Erden zu lernen und wieder emporzusteigen mit dem, was er erworben haben wird. Der Mensch stammt vom Vater her und die Christus-Kraft führt ihn zum Vater zurück.
[ 14 ] It is precisely to this fact that we owe the possibility of a deeper connection with Christ, as the esoteric teaching reveals to us. The Christ-force will make humanity ever more perfect, will spiritualize it, and lead it back into the spiritual world. Humanity developed its reason at the expense of clairvoyance; the Christ-force will enable humanity to learn here on Earth and to ascend again with what it has acquired. Humanity originates from the Father, and the Christ-force leads it back to the Father.
