The Gospel of St. John
in comparison with the other three Gospels,
particularly the Gospel of Luke
GA 112
2 July 1909, Kassel
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The Gospel of St. John, tr. SOL
Neunter Vortrag
Ninth Lecture
[ 1 ] Es klangen gestern unsere Darlegungen aus in dem Satz, daß vor uns stehe die Betrachtung des Wichtigsten innerhalb des Christus-Impulses: des Todes und seiner Bedeutung selber. Bevor wir aber zu der Darstellung des Christus-Todes und damit zu dem Höhepunkt dieser unserer Zyklusbetrachtungen kommen, wird es notwendig sein, heute einiges zu sprechen über den eigentlichen Sinn und die Bedeutung von mancherlei in dem Johannes-Evangelium selber und von den Beziehungen des darin Dargestellten zu den anderen Evangelien.
[ 1 ] Yesterday, our explanations ended with the statement that we are now faced with the most important aspect of the Christ impulse: death and its meaning itself. But before we come to the description of Christ's death and thus to the climax of our cycle of lectures, it will be necessary today to say something about the actual meaning and significance of many things in the Gospel of John itself and about the relationship of what is described there to the other Gospels.
[ 2 ] Wir haben in den letzten Tagen versucht, aus ganz anderen Quellen heraus, aus der hellseherischen Betrachtung der Akasha-Chronik den Christus-Impuls zu begreifen und als ein tatsächliches Ereignis in der Entwickelung der Menschheit hinzustellen. Und wir haben uns gewissermaßen nur auf das bezogen, was sich in den Evangelien ausnimmt wie eine Bestätigung dessen, was zuerst durch die hellseherische Forschung als wahr ausgesprochen werden konnte. Heute wollen wir aber um des Fortganges unserer Betrachtungen willen einige Blicke auf das Johannes-Evangelium selber werfen und dieses wichtige Dokument der Menschheit einmal von einer Seite her an sich selbst charakterisieren. Dieses Johannes-Evangelium, von dem wir gestern gesagt haben, daß die theologische Forschung der Gegenwart, soweit sie vom Materialismus angekränkelt ist, keine rechte Stellung ihm gegenüber gewinnen kann, daß sie nicht vermag das Geschichtliche, das Historische einzusehen, dieses Johannes-Evangelium wird sich uns darstellen, wenn wir es mit geisteswissenschaftlichem Blick betrachten, als eines der wunderbarsten Dokumente, welche die Menschheit hat. Man darf sagen, daß das Johannes-Evangelium nicht nur unter den religiösen Dokumenten, sondern unter den gesamten — gebrauchen wir einmal das profane Wort -, unter den gesamten literarisch-schriftstellerischen Dokumenten zu den größten gehört. Wollen wir uns einmal von dieser Seite her dem Inhalte dieses Dokumentes nähern.
[ 2 ] In recent days, we have attempted to understand the Christ impulse from entirely different sources, from the clairvoyant observation of the Akashic Chronicle, and to present it as an actual event in the development of humanity. And we have, so to speak, referred only to what appears in the Gospels as a confirmation of what could first be declared true through clairvoyant research. Today, however, for the sake of furthering our considerations, we want to take a few glances at the Gospel of John itself and characterize this important document of humanity from one perspective. This Gospel of John, of which we said yesterday that contemporary theological research, insofar as it is afflicted by materialism, cannot gain a proper position in relation to it, that it is unable to understand the historical, this Gospel of John will appear to us, when we look at it with a spiritual scientific eye, as one of the most wonderful documents that humanity has. It can be said that the Gospel of John is one of the greatest not only among religious documents, but among all — let us use the profane word — among all literary documents. Let us approach the content of this document from this angle.
[ 3 ] Dieses Johannes-Evangelium ist in bezug auf seine Komposition schon in den allerersten Kapiteln, wenn man sie richtig versteht, wenn man weiß, was eigentlich in den Worten liegt, eines der stilvollsten, der gerundetsten Dokumente, die es gibt in der Welt. Das kann man allerdings nicht bei einer oberflächlichen Betrachtung einsehen. Da zeigt sich zunächst bei einer oberflächlichen Betrachtung, daß der Schreiber des Johannes-Evangeliums - wir kennen ihn nunmehr in bezug auf die Aufzählung der Wunder bis zum eigentlichen Lazarus-Ereignis gerade sieben solcher Wunder aufzählt. - Auf die Bedeutung der Sieben-Zahl soll in den nächsten Tagen noch eingegangen werden. — Welches sind diese sieben Wunder oder Zeichen?
[ 3 ] In terms of its composition, the Gospel of John is, even in its very first chapters, if one understands them correctly, if one knows what actually lies in the words, one of the most stylish, most well-rounded documents that exist in the world. However, this cannot be seen from a superficial examination. At first glance, it appears that the writer of the Gospel of John—we now know him from the list of miracles up to the actual event of Lazarus—lists exactly seven such miracles. The significance of the number seven will be discussed in the next few days. What are these seven miracles or signs?
1. Das Zeichen, das gegeben wird durch die Hochzeit zu Kana in Galiläa,
2. das Zeichen, das gegeben wird durch die Heilung des Sohnes des königlichen Beamten,
3. dasjenige, das gegeben wird durch die Heilung des achtunddreißig Jahre lang Kranken am Teich Bethesda,
4. die Speisung der fünftausend Menschen,
5. das Zeichen, das gegeben wird durch das Anschauen des Wandelns des Christus auf dem Meer, _
6. dasjenige Zeichen, das gegeben wird durch die Heilung des Blindgeborenen, und endlich
7. das größte Zeichen, die Initiation oder Einweihung des Lazarus die Verwandlung des Lazarus zu dem Schreiber des Johannes-Evangeliums selber.
1. The sign given by the wedding at Cana in Galilee,
2. the sign given by the healing of the royal official's son,
3. the sign given by the healing of the man who had been sick for thirty-eight years at the pool of Bethesda,
4. the feeding of the five thousand,
5. the sign given by the walking of Christ on the sea,
6. the sign given by the healing of the man born blind, and finally
7. the greatest sign, the initiation or dedication of Lazarus, the transformation of Lazarus into the writer of the Gospel of John himself.
[ 4 ] Das sind sieben der Zeichen. Nun müssen wir uns allerdings einmal fragen: Wie steht es denn überhaupt mit diesen Zeichen, mit dieser Wunderfrage?
[ 4 ] These are seven of the signs. Now we must ask ourselves: What is the meaning of these signs, of these miracles?
[ 5 ] Wenn Sie aufmerksam gehört haben, was in den letzten Tagen in der mannigfaltigsten Art zu Ihnen gesprochen worden ist, so werden Sie sich erinnern, daß gesagt wurde, daß der Bewußtseinszustand der Menschen sich im Laufe unserer ganzen menschlichen Entwickelung geändert habe. Wir haben den Blick zurückgewendet in ururalte Zeiten. Wir haben gesehen, daß die Menschen nicht ausgegangen sind von einem bloß tierischen Standpunkt in der Entwickelung, sondern von einer Gestalt, in der die Menschen noch Hellsehergabe wie eine natürliche Fähigkeit hatten. Hellseherisch waren die Menschen früher, wenn sie auch ein solches Bewußtsein hatten, daß sie noch nicht «Ich bin » sagen konnten. Die Fähigkeit des Selbstbewußtseins mußten sich die Menschen erst nach und nach erobern; dafür aber mußten sie in Kauf geben das alte Hellsehen. In der Zukunft wird eine Zeit wiederkommen, wo alle Menschen hellseherisch sind, trotzdem sie sich das Ich-bin, das Selbstbewußtsein bewahrt haben. Das sind die drei Stufen, welche die Menschheit zum Teil durchgemacht hat und zum Teil noch durchzumachen hat. In der Atlantis war es noch so, daß die Menschen dort in einer Art Traumbewußtsein lebten, aber in einem hellseherischen Bewußtsein. Dann kam es so, daß sie sich das Selbstbewußtsein, das äußere Gegenstandsbewußtsein allmählich eroberten,wofürsieaberinKauf geben mußten die alte dumpfe Hellsehergabe. Und endlich ein hellseherisches Bewußtsein, das mit diesem Selbstbewußtsein verbunden ist, wird der Mensch in der Zukunft haben. So wandelt der Mensch von einem alten dumpfen Hellsehen durch ein nicht hellsichtiges Gegenstandsbewußtsein und steigt wieder auf zu einem selbstbewußten Hellsehen.
[ 5 ] If you have listened attentively to what has been said to you in the last few days in many different ways, you will remember that it was said that the state of consciousness of human beings has changed in the course of our entire human evolution. We have looked back to ancient times. We have seen that human beings did not start out from a purely animal stage of development, but from a form in which they still possessed clairvoyance as a natural ability. Human beings used to be clairvoyant, even though they had a consciousness that did not yet allow them to say, “I am.” Humans had to gradually acquire the ability of self-consciousness; but in return they had to give up their old clairvoyance. In the future, a time will come again when all humans will be clairvoyant, even though they will have retained the “I am,” the self-consciousness. These are the three stages that humanity has partly gone through and partly still has to go through. In Atlantis, people still lived in a kind of dream consciousness, but in a clairvoyant consciousness. Then it came about that they gradually gained self-consciousness, the consciousness of external objects, but in return they had to give up their old, dull clairvoyant gift. And finally, in the future, humans will have a clairvoyant consciousness connected with this self-consciousness. Thus, humans are moving from an old, dull clairvoyance through a non-clairvoyant consciousness of objects and rising again to a self-conscious clairvoyance.
[ 6 ] Aber außer dem Bewußtsein hat sich auch alles andere in der Menschheit geändert. Es ist wirklich nur menschliche Kurzsichtigkeit, wenn man glaubt, so wie es heute zugeht, müsse es immer zugegangen sein. Alles hat sich entwickelt. Es war nicht immer so. Auch das Verhältnis von Mensch zu Mensch war nicht immer so, wie es heute ist.
[ 6 ] But apart from consciousness, everything else in humanity has also changed. It is really only human short-sightedness to believe that things must always have been as they are today. Everything has developed. It was not always so. Even the relationship between human beings was not always as it is today.
[ 7 ] Wir haben schon aus den Andeutungen der letzten Tage entnehmen können, daß in den alten Zeiten bis in die Zeit hinein, wo der ChristusImpuls in die menschliche Entwickelung eingeschlagen hat, ein vielgröBerer Einfluß vorhanden war von Seele zu Seele. Die Menschen waren dazu veranlagt. Der Mensch hörte nicht nur, was der andere, der ihm gegenübertrat, ihm mit äußerlich hörbaren Worten sagte, sondern wenn der andere etwas lebhaft, lebendig empfand, etwas lebhaft dachte, so konnte das der Mensch, der ihm gegenübertrat, in einer gewissen Weise fühlen, wissen. Liebe war in älteren Zeiten, wo sie allerdings mehr an die Blutsverwandtschaft gebunden war, noch etwas ganz anderes, als sie heute ist. Heute hat sie einen mehr seelischen Charakter angenommen, aber sie ist schwächer geworden. Sie wird erst ihre Stärke wiedergewinnen, wenn der Christus-Impuls in alle Menschenherzen einzieht. Wenn Liebe gewirkt hat in alten Zeiten, so hatte diese Liebe zugleich etwas wie eine heilende, wie eine balsamische Kraft für die andere Seele. Mit der Entwickelung des Intellektes und der Klugheit, die sich ja auch erst nach und nach gebildet haben, sind diese alten Einflüsse von Seele zu Seele dahingeschwunden.
[ 7 ] We have already been able to gather from the hints of the last few days that in ancient times, up until the time when the Christ impulse entered human development, there was a much greater influence from soul to soul. People were predisposed to this. People did not only hear what the other person opposite them said in outwardly audible words, but if the other person felt something vividly, thought something vividly, the person opposite them could feel and know this in a certain way. In earlier times, love was something quite different from what it is today, although it was certainly more closely linked to blood relationship. Today it has taken on a more spiritual character, but it has become weaker. It will only regain its strength when the Christ impulse enters all human hearts. When love worked in ancient times, this love had at the same time something like a healing, balm-like power for the other soul. With the development of the intellect and wisdom, which of course only formed gradually, these ancient influences from soul to soul have faded away.
[ 8 ] Hineinzuwirken in die Seele des anderen, hinüberströmen zu lassen die Kraft, die man in der eigenen Seele hatte, das war eine Gabe, die den Völkern der alten Zeiten durchaus eigen war. Daher müssen Sie auch an eine viel größere Macht denken, die damals Seele von Seele empfangen konnte, müssen an viel größeren Einfluß denken, der von Seele zu Seele ausgeübt werden konnte. Wenn auch keine äußeren historischen Urkunden davon etwas melden, wenn auch die Steine und Denkmäler nichts sagen, so zeigt uns die hellseherische Beobachtung in der AkashaChronik doch, daß in diesen alten Zeiten zum Beispiel Krankenheilungen in umfassender Weise durch psychischen Einfluß von einem Menschen auf den anderen stattfinden konnten. Und vieles andere vermochte die Seele in jenen Zeiten. Was heute dem Menschen wie ein Märchen klingt: daß der Wille des Menschen zum Beispiel die Macht hatte, wenn er es anstrebte, wenn er sich besonders dazu trainierte, besänftigend auf das Pflanzenwachstum zu wirken, das Wachstum der Pflanzen zu beschleunigen oder zu verzögern -, das war in jenen Zeiten eine Tatsache. Heute sind von all dem nur noch spärliche Reste vorhanden.
[ 8 ] To influence the soul of another, to allow the power that one had in one's own soul to flow over to another, was a gift that was entirely characteristic of the peoples of ancient times. Therefore, you must also think of a much greater power that could be received from soul to soul at that time, you must think of a much greater influence that could be exerted from soul to soul. Even if there are no external historical records of this, even if the stones and monuments say nothing, clairvoyant observation in the Akashic Records shows us that in those ancient times, for example, healing of the sick could take place in a comprehensive manner through psychic influence from one person to another. And the soul was capable of much more in those times. What sounds like a fairy tale to people today—that the will of human beings, for example, had the power, if they strove for it and trained themselves especially for it, to have a soothing effect on plant growth, to accelerate or delay the growth of plants—was a fact in those days. Today, only sparse remnants of all this remain.
[ 9 ] Also das Leben des Menschen war damals noch ein ganz anderes. Niemand hätte sich in alten Zeiten darüber gewundert, daß irgendwo, wenn das richtige Verhältnis da war von Mensch zu Mensch, ein solcher seelischer Einfluß von einer Persönlichkeit zur anderen hinübergegangen wäre. Allerdings, das müssen wir festhalten: daß immer zwei oder mehrere dazu gehörten, damit ein solcher seelischer Einfluß ausgeübt werden konnte. Man könnte sich ja auch in unserer Zeit denken, daß ein Mensch mit der Kraft des Christus unter die Menschen träte. Diejenigen aber, welche die Stärke des Glaubens an ihn hätten, sie wären sehr dünn gesät, und er könnte nicht das vollbringen, was durch seelischen Einfluß von einer Seele zu der anderen gewirkt werden kann. Dazu ist nicht nur notwendig, daß gewirkt wird, sondern daß jemand da ist, der reif ist, diese Wirkung zu empfangen. Wenn in alten Zeiten die Menschen häufiger waren, die solche Wirkungen empfangen konnten, so wird es uns nicht wundern, wenn gesagt wird, daß damals für Krankenheilungen gerade die Mittel da waren, durch welche auf dem Wege des psychischen Einflusses gewirkt wurde, daß aber auch andere Einwirkungen, die heute nur auf mechanischem Wege geschehen können, durch psychischen Einfluß geschehen sind.
[ 9 ] So human life was very different back then. In ancient times, no one would have been surprised if, somewhere, when the right relationship existed between people, such a spiritual influence had passed from one personality to another. However, we must note that it always took two or more people for such a spiritual influence to be exerted. One could imagine in our time that a person with the power of Christ would come among people. But those who would have the strength of faith in him would be very few, and he would not be able to accomplish what can be achieved through spiritual influence from one soul to another. For this, it is not only necessary that something be done, but that someone be there who is ready to receive this effect. If in ancient times there were more people who could receive such effects, we should not be surprised to hear that at that time there were means of healing the sick which worked through psychic influence, but that other effects which today can only be achieved by mechanical means were also achieved through psychic influence.
[ 10 ] In welche Zeit fiel denn das Christus-Ereignis innerhalb der menschlichen Entwickelung? In eine ganz bestimmte Zeit fiel es hinein — das müssen wir uns vor Augen halten. Es waren von solchen Seelenströmungen von einem Menschen zum anderen sozusagen nur die letzten Reste vorhanden, die noch aus der atlantischen Zeit wie ein Erbstück hereinragten. Gerade schickte sich die Menschheit an, immer mehr und mehr in das Materielle hineinzugehen und immer weniger die Möglichkeit zu haben, solche seelische Strömungen wirken zu lassen. Dahinein mußte der Christus-Impuls fallen, der gerade durch seine Wesenheit bei denen, die noch dafür empfänglich waren, unendlich viel wirken konnte.
[ 10 ] When did the Christ event occur within human evolution? It occurred at a very specific time — we must keep this in mind. Only the last remnants of such soul currents from one human being to another remained, protruding like a relic from the Atlantean epoch. Humanity was just beginning to enter more and more into the material world and to have less and less opportunity to allow such soul currents to work. It was into this situation that the Christ impulse had to come, which, precisely because of its nature, was able to have an infinite effect on those who were still receptive to it.
[ 11 ] Wer die Entwickelung in der Menschheit wirklich kennt, wird es daher selbstverständlich finden, daß, nachdem die Christus-Wesenheit einmal in den Leib des Jesus von Nazareth eingezogen war, ungefähr im dreißigsten Jahr seines Lebens, sie in diesem Leib, in dieser Hülle ganz besonders wirken konnte. Denn diese Hülle war herangereift aus uralten Zeiten. Wir haben gestern erwähnt, daß die Individualität des Jesus von Nazareth in einem früheren Leben schon einmal verkörpert war im alten Persien, daß sie dann immer wieder durch Verkörperungen durchgegangen ist und in jeder Verkörperung höher und höher gestiegen ist in ihrer geistigen Entwickelung. Davon hing es ab, daß der Christus in einem solchen Leibe wohnen konnte, daß ihm dieser Leib als Opfer dargebracht werden konnte. Das wußten die Evangelisten sehr wohl. Daher haben sie alles so dargestellt, daß es für den geistigen Forscherblick durchaus verständlich ist.
[ 11 ] Anyone who truly understands the development of humanity will therefore find it natural that, once the Christ Being had entered the body of Jesus of Nazareth, at about the age of thirty, it was able to work in this body, in this shell, in a very special way. For this shell had matured from ancient times. We mentioned yesterday that the individuality of Jesus of Nazareth had already been embodied once before in ancient Persia, that it then passed through incarnations again and again, rising higher and higher in its spiritual development with each incarnation. It depended on this that Christ could dwell in such a body, that this body could be offered to him as a sacrifice. The evangelists knew this very well. That is why they presented everything in such a way that it is perfectly understandable to the spiritual researcher.
[ 12 ] Nur müssen wir alles in den Evangelien wörtlich nehmen, das heißt, sie zuerst lesen lernen. Warum wird zum Beispiel gerade in dem ersten der Zeichen - wie gesagt, die tiefere Bedeutung der Wunder werden wir noch kennenlernen -, beider Besprechung der Hochzeit zu Kana in Galiläa besonders betont, daß das geschah «zu Kana in Galiläa»? Es gibt — Sie können forschen, wo Sie wollen — in dem alten Palästina, in dem Umkreise, der damals bekannt sein konnte, kein zweites Kana. Bedarf es aber bei den Orten, die einzig da sind, eines besonderen Zusatzes? Warum sagt trotzdem der Evangelist, wenn er auf dieses Wunder zu sprechen kommt, daß es geschah «zu Kana in Galiläa »? Weil es darauf ankommt, zu betonen, daß da etwas geschah, was in Galiläa geschehen mußte, Das heißt, der Christus hätte die Menschen, die dazu nötig waren, nicht in anderen Gegenden als gerade in Galiläa gefunden. Ich sagte schon, zu einer Wirkung gehört nicht nur der eine, der wirkt, sondern es gehören auch die anderen dazu, die entsprechend geeignet sind, diese Wirkung anzunehmen. Sein erstes Auftreten hätte der Christus nicht haben können innerhalb der jüdischen Gemeinde selber, wohl aber in Galiläa, an demjenigen Orte, wo gemischt waren die verschiedensten Völkerstämme und Völkergruppen. Gerade dadurch, daß an einem Orte zusammengekommen waren aus den verschiedensten Teilen der Welt die verschiedensten Völker, gerade dadurch war hier in Galiläa nicht mehr dieselbe Blutsverwandtschaft und vor allen Dingen nicht mehr der Glaube an diese Blutsverwandtschaft vorhanden wie in Judäa, bei dem engeren hebräischen Volke. Durcheinandergewürfelt waren die Menschen in Galiläa. Wozu aber mußte sich der Christus vermöge seines Impulses gerade besonders berufen fühlen?
[ 12 ] But we must take everything in the Gospels literally, that is, we must first learn to read them. Why, for example, is it emphasized in the first of the signs—as I said, we will learn the deeper meaning of the miracles later—in the account of the wedding at Cana in Galilee that this happened “at Cana in Galilee”? There is no other Cana in ancient Palestine, in the area that was known at that time, no matter where you look. But is a special addition necessary for places that are unique? Why does the evangelist nevertheless say, when he comes to mention this miracle, that it happened “at Cana in Galilee”? Because it is important to emphasize that something happened there that had to happen in Galilee. That is to say, Christ would not have found the people who were necessary for this in any other region than Galilee. I have already said that an effect does not depend only on the one who produces it, but also on others who are suitably disposed to receive it. Christ could not have made his first appearance within the Jewish community itself, but rather in Galilee, where the most diverse tribes and peoples were mixed together. Precisely because people from the most diverse parts of the world had come together in one place, precisely because of this, here in Galilee there was no longer the same blood relationship and, above all, no longer the belief in this blood relationship as in Judea, among the more closely knit Hebrew people. The people in Galilee were mixed together. But why did Christ feel particularly called upon to do this because of his impulse?
[ 13 ] Wir haben ja gesagt, daß eines seiner wichtigsten Worte das war: «Bevor Abraham war, war das Ich-bin», und das andere: «Ich und der Vater sind eins.» Er wollte damit sagen: Bei denjenigen, die an den alten Lebenseinrichtungen hängen, ist das Ich nur geborgen innerhalb einer Blutsverwandtschaft. Derjenige, der ein richtiger Bekenner des Alten Testamentes war, er fühlte etwas ganz Besonderes bei den Worten: «Ich und der Vater Abraham sind eins», etwas, was heute dem Menschen schwer ist nachzufühlen. Was der Mensch sein eigenes Selbst nennt, was eingeschlossen ist zwischen Geburt und Tod, das sieht der Mensch vorübergehen. Derjenige aber, der ein richtiges Bekenntnis zum Alten Testamente hatte, der berührt war von den Lehren, die in der damaligen Zeit durch die Menschheit flossen, er sagte, und zwar nicht bloß als ein allegorisches Wort, sondern als eine Tatsache: Für mich bin ich ein einzelner, aber ich bin ein Glied in einem großen Organismus, in einem großen Lebenszusammenhange, der hinaufgeht bis zu dem Vater Abraham. Wie der Finger als lebendiges Glied nur bestehen kann, solange er an meinem Leibe ist, so habe auch ich nur einen Sinn, solange ich fühle, daß ich ein Glied bin an dem großen Volksorganismus, der hinaufgeht bis zu dem Vater Abraham. Ich hänge genau so an dem großen Volkszusammenhang, wie der Finger an meinem Leibe ist. Trennt man den Finger ab, so ist er bald kein Finger mehr; er ist nur geborgen, wenn er an meiner Hand, die Hand an meinem Arm und der Arm an meinem Leibe ist, er hat keinen Sinn mehr, wenn er von der Hand abgetrennt ist. Ebenso habe ich nur einen Sinn, wenn ich mich fühle als ein Glied aller der Generationen, durch die herunterfließt das Blut von dem Vater Abraham. Da fühle ich mich geborgen! Vorübergehend und vorbeirauschend ist mein einzelnes Ich, aber nicht vorübergehend ist dieser ganze große Volksorganismus bis hinauf zum Vater Abraham. Wenn ich mich ganz darinnen empfinde, mich ganz darinnen fühle, dann überwinde ich mein zeitlich vorübergehendes Ich; dann werde ich geborgen in einem großen Ich, in dem Volks-Ich, das durch das Blut der Generationen vom Vater Abraham bis zu mir heruntergeströmt ist! So sagte sich der Bekenner des Alten Testamentes.
[ 13 ] We have said that one of his most important words was: “Before Abraham was, I am,” and the other: “I and the Father are one.” He meant to say that for those who cling to the old ways of life, the I is only secure within a blood relationship. Those who were true believers in the Old Testament felt something very special in the words, “I and the Father Abraham are one,” something that is difficult for people today to understand. What people call their own self, what is enclosed between birth and death, people see as passing away. But those who truly professed the Old Testament, who were touched by the teachings that flowed through humanity at that time, said, not merely as an allegorical saying, but as a fact: “For me, I am an individual, but I am a member of a large organism, of a large life connection that goes back to Father Abraham.” Just as the finger can only exist as a living limb as long as it is part of my body, so I too have only meaning as long as I feel that I am a limb of the great organic body of the people that goes back to the father Abraham. I am just as attached to the great organic body of the people as the finger is to my body. If you cut off the finger, it is soon no longer a finger; it is only safe when it is on my hand, the hand on my arm, and the arm on my body; it has no meaning when it is separated from the hand. In the same way, I only have meaning when I feel myself to be a member of all the generations through which the blood of Father Abraham flows. Then I feel safe! My individual self is temporary and fleeting, but this whole great national organism, stretching back to Father Abraham, is not temporary. When I feel myself completely within it, when I feel completely at home within it, then I overcome my temporary self; then I am secure in a greater self, in the national self that has flowed down through the blood of generations from Father Abraham to me! So said the confessor of the Old Testament.
[ 14 ] Durch die Kraft dieses innerlichen Erlebnisses, das in den Worten liegt: «Ich und der Vater Abraham sind eins», geschah alles das, was an Großem, an heute noch wunderbar Erscheinendem innerhalb des Alten Testamentes geschehen ist. Weil aber die Zeit kam, in der die Menschen nicht mehr berufen sein sollten, einen solchen Bewußtseinszustand zu haben, so verlor sich das nach und nach. Der Christus mußte daher nicht zu denjenigen gehen, die auf der einen Seite die Fähigkeit verloren hatten, durch jene magische Kraft zu wirken, die in den Blutsbanden liegt, und die auf der anderen Seite noch den Glauben hatten nur an die Gemeinschaft mit dem Vater Abraham. Denn bei denen konnte er jenen Glauben nicht finden, der dazu notwendig war, um das zu wirken, was strömen konnte von seiner Seele in die anderen Seelen; da mußte er zu denjenigen gehen, die dutch ihre Blutmischung nicht mehr einen solchen Glauben hatten, da mußte er zu den Galiläern gehen. Hier mußte er beginnen mit seiner Mission. Wenn auch im allgemeinen der alte Bewußtseinszustand im Schwinden war, so fand er doch bei ihnen gerade eine Volksmischung vor, die im Anfange der Blutmischung stand. Von allen Seiten kamen hier Volksstämme zusammen, welche vor diesem Zusammenströmen noch unter den Kräften deralten Blutsbande gestanden hatten. Sie waren eben dazu gekommen, den Übergang zu finden. Sie hatten noch das lebendige Gefühl in sich: Unsere Väter haben noch die alten Bewußtseinszustände gehabt, sie haben noch die magischen Kräfte gehabt, die von Seele zu Seele wirken. — Bei ihnen konnte er mit seiner neuen Mission wirken, die darin bestand, dem Menschen ein Ich-Bewußtsein zu geben, das nicht mehr an Blutsverwandtschaft geknüpft ist, ein Ich-Bewußtsein, das sagen konnte: In mir selber finde ich den Zusammenhang mit dem geistigen Vater, mit dem Vater, der nicht sein Blut physisch herunterrollen läßt durch die Generationen, sondern der seine geistige Kraft in jede einzelne individuelle Seele hineinsendet. Das Ich, das in mir ist und das eine unmittelbare Beziehung zum geistigen Vater hat, es war, ehe denn Abraham war. Daher bin ich berufen, eine solche Kraft in das Ich hineinzugießen, die da gestärkt wird durch das Bewußtsein des Zusammenhanges mit der geistigen Vater-Kraft der Welt. «Ich und der Vater sind eins », nicht ich und der Vater Abraham, das heißt ein leiblicher Vorfahr, sind eins.
[ 14 ] Through the power of this inner experience, which lies in the words, “I and Father Abraham are one,” everything great that happened within the Old Testament, everything that still seems wonderful today, came to pass. But because the time came when people were no longer called to have such a state of consciousness, this was gradually lost. Christ therefore did not have to go to those who, on the one hand, had lost the ability to work through the magical power that lies in blood ties and, on the other hand, still believed only in communion with Father Abraham. For in them he could not find the faith necessary to bring about what could flow from his soul into other souls; he had to go to those who, through their mixture of blood, no longer had such faith; he had to go to the Galileans. Here he had to begin his mission. Even though the old state of consciousness was generally in decline, he found among them a mixture of peoples who were just at the beginning of their intermingling. Tribes came together here from all sides, which before this convergence had still been under the influence of the old blood ties. They had just come to find the transition. They still had a vivid feeling within themselves: Our fathers still had the old states of consciousness; they still had the magical powers that work from soul to soul. With them he could work with his new mission, which consisted in giving human beings an ego-consciousness that was no longer tied to blood relationship, an ego-consciousness that could say: In myself I find the connection with the spiritual father, with the father who does not physically pass on his blood through the generations, but who sends his spiritual power into each individual soul. The I that is within me and has a direct relationship with the spiritual Father was there before Abraham was. Therefore, I am called to pour such a power into the I, which is strengthened by the awareness of the connection with the spiritual Father power of the world. “I and the Father are one,” not I and the Father Abraham, that is, a physical ancestor, are one.
[ 15 ] Und zu solchen ging der Christus, die eben angekommen waren an dem Punkt, das zu begreifen - die eben notwendig hatten, nicht in den Blutsbanden, die sie gerade durch ihre Vermischung durchbrachen, sondern in der einzelnen Seele die starke Kraft zu finden, die wiederum den Menschen dahin führen kann, nach und nach das Geistige im Physischen zum Ausdruck zu bringen. Sagen Sie nicht: Warum sehen wir denn heute nicht, daß derlei geschieht, wie es damals geschehen ist? Abgesehen davon, daß derjenige, der sehen will, es sehen kann, muß bedacht werden, daß eben die Menschen hinausgeschritten sind aus diesem Bewußtseinszustande, daß sie heruntergestiegen sind in die stoffliche Welt, und daß jene Zeiten damals gerade die Grenzscheide waren und der Christus an den letzten Exemplaren der sich entwickelnden Menschheit zeigte, was der Geist über das Physische vermag. Zu einem Vorbild und Symbol, zu einem Glaubenssymbol wurden diejenigen Zeichen hingestellt, die da geschehen sind, als der alte Bewußtseinszustand noch vorhanden, aber eben im Hinschwinden war.
[ 15 ] And Christ went to those who had just reached the point of understanding this — who needed to find, not in the blood ties that they were breaking through their intermingling, but in the individual soul, the strong force that can lead people to gradually express the spiritual in the physical. Do not say: Why do we not see today that such things are happening as they happened then? Apart from the fact that those who want to see can see, it must be remembered that human beings have stepped out of this state of consciousness, that they have descended into the material world, and that those times were precisely the turning point when Christ showed the last examples of the evolving humanity what the spirit can do above the physical. The signs that occurred when the old state of consciousness still existed but was in the process of disappearing were set up as examples and symbols, as symbols of faith.
[ 16 ] Jetzt schauen wir uns einmal diese. Hochzeit zu Kana in Galiläa selbst an. Wenn ich alle Einzelheiten des Johannes-Evangeliums hier wörtlich vor Ihnen entwickeln würde, das, was wirklich Evangelien-Inhalt ist, dann würden allerdings vierzehn Vorträge nicht ausreichen, sondern ein paar Jahre würden dazu nötig sein. Aber alle diese wörtliche Entwickelung würde nur eine Bestätigung sein für das, was ich Ihnen in kurzen Auseinandersetzungen andeuten kann.
[ 16 ] Now let us take a look at these signs. The wedding at Cana in Galilee itself. If I were to develop all the details of the Gospel of John here before you, word for word, that which is really the content of the Gospels, then fourteen lectures would not suffice; it would take a few years. But all this literal development would only be a confirmation of what I can indicate to you in brief discussions.
[ 17 ] Zuerst wird uns bei diesem ersten Zeichen gesagt: Da war eine Hochzeit zu Kana in Galiläa. Nun müssen wir uns bewußt sein, daß in dem Johannes-Evangelium kein Wort steht, das nicht eine besondere Bedeutung hätte. Warum also eine «Hochzeit»? Weil durch die Hochzeit einmal das bewirkt wird, was durch die Christus-Mission in so eminenter Weise bewirkt wird: durch die Hochzeit werden die Menschen zusammengeführt. Und eine Hochzeit «in Galiläa»? In Galiläa war es, daß die alten Blutsbande getrennt wurden, daß fremdes Blut mit fremdem Blut sich mischte. Was der Christus tun sollte, hing aber gerade zusammen mit der Blutmischung. Also haben wir es zu tun mit einer Verbindung unter Menschen, um Nachkommen zu haben, von Menschen, die nicht mehr blutsverwandt sind. Nun wird Ihnen allerdings recht wunderbar erscheinen, was ich Ihnen jetzt sage. Was hätten Leute in ganz alten Zeiten in einem solchen Falle, wie er da vorlag, gefühlt, in Zeiten, da noch das vorhanden war, was man im geisteswissenschaftlichen Sinne nennen möchte die «nahe Ehe»? Denn das ist durchaus etwas, was zur Menschheitsentwickelung gehört, daß sich eine ursprüngliche «nahe Ehe» verwandelt hat in eine «ferne Ehe». Und es liegt schon in dem, was ich bisher gesagt habe, ausgedrückt, was die nahe Ehe ist. Bei allen Völkern finden Sie in den alten Zeiten das eine, daß es gegen ein Gesetz des Volkes gewesen wäre, aus dem Stamm, aus der Blutsverwandtschaft herauszuheiraten. Was blutsverwandt war, was in denselben Stamm hineingehörte, das heiratete sich; und dieses Heiraten innerhalb desselben Stammes, innerhalb des verwandten Blutes, das hatte eben zur Wirkung das Wunderbare, was durch die geisteswissenschaftliche Forschung jederzeit konstatiert werden kann, daß große magische Kraft ausgeübt werden konnte. Die Nachkommen innerhalb eines blutsverwandten Stammes hatten durch diese Verwandten-Ehe magische Kräfte, die von Seele zu Seele wirkten. Wenn wir zu einer Hochzeit in uralten Zeiten gerufen worden wären, was wäre da der Fall gewesen? Nehmen wir einmal an, es wäre meinetwillen der Trank, den man dazumal gerade brauchte, also der Wein, ausgegangen. Was wäre da geschehen? Es hätte bloß durch die Bande der Blutsverwandtschaft das richtige Verhältnis da zu sein brauchen in dieser blutsverwandten Hochzeitsfamilie, und man hätte durch die magische Gewalt der Blutsliebe erleben können, daß zum Beispiel das Wasser, das in einem späteren Augenblicke des Hochzeitsfestes statt des Weines gereicht worden wäre, durch den seelischen Einfluß dieser Persönlichkeiten von den anderen empfunden worden wäre als Wein. Wein hätten sie getrunken, die anderen, wenn das richtige magische Verhältnis der einen Persönlichkeit zu den anderen dagewesen wäre. Sagen Sie nicht: Dieser Wein wäre ja doch Wasser gewesen! Ein vernünftiger Mensch muß sich darauf die Antwort geben: Für den Menschen sind die Dinge dasjenige, als was sie sich seinem Organismus mitteilen, was sie dem Menschen werden, nicht wie sie aussehen. Ich glaube, noch heute würden manche Weinliebhaber es ganz gern haben, wenn man ihnen Wasser reichte, wenn nur durch irgendeinen Einfluß bewirkt werden könnte, daß das Wasser so schmeckte wie Wein und es in ihrem Organismus die Wirkung des Weines hätte. Mehr ist ja nicht notwendig, als daß für den Menschen Wasser Wein ist. Was war also in alten Zeiten notwendig, damit ein solches Zeichen hat geschehen können, daß in den Gefäßen Wasser war, daß es aber Wein war, wenn es getrunken wurde? Es war die magische Gewalt, die durch die Blutsverwandtschaft bewirkt wurde, notwendig. Aber die Kraft in den Seelen, so etwas zu empfinden, die war da bei den Leuten auf der Hochzeit zu Kana in Galiläa. Ein Übergang mußte nur geschaffen werden.
[ 17 ] First, we are told of this first sign: There was a wedding at Cana in Galilee. Now we must be aware that there is not a single word in the Gospel of John that does not have a special meaning. Why, then, a “wedding”? Because the wedding brings about what is brought about in such an eminent way by the Christ mission: through the wedding, people are brought together. And a wedding “in Galilee”? It was in Galilee that the old blood ties were broken, that foreign blood mixed with foreign blood. But what Christ was to do was precisely connected with the mixing of blood. So we are dealing with a union between people in order to have offspring, between people who are no longer related by blood. Now, what I am about to tell you will seem quite wonderful to you. What would people in ancient times have felt in such a case as this, in times when what we might call “close marriage” in the spiritual-scientific sense still existed? For it is definitely part of human development that an original “close marriage” has transformed into a “distant marriage.” And what I have said so far already expresses what close marriage is. In all peoples in ancient times, you find that it would have been against a law of the people to marry outside the tribe, outside the blood relationship. Those who were related by blood, who belonged to the same tribe, married each other; and this marriage within the same tribe, within the same bloodline, had the wonderful effect, which can be confirmed at any time by spiritual scientific research, that great magical power could be exercised. The descendants within a blood-related tribe had magical powers through these marriages between relatives, which worked from soul to soul. If we had been called to a wedding in ancient times, what would have happened? Let us suppose that, for my sake, the drink that was needed at that time, i.e., wine, had run out. What would have happened? All that would have been needed was the right relationship within this blood-related wedding family, and through the magical power of blood love, we could have experienced, for example, that the water served instead of wine at a later point in the wedding celebration would have been perceived as wine by the others through the spiritual influence of these personalities. The others would have drunk wine if the right magical relationship between the one personality and the others had been present. Don't say: But this wine would have been water! A reasonable person must answer: For human beings, things are what they communicate to their organism, what they become for human beings, not what they look like. I believe that even today, some wine lovers would be quite happy if they were served water, if only some influence could be brought to bear to make the water taste like wine and have the effect of wine on their organism. All that is necessary is that water is wine for human beings. So what was necessary in ancient times for such a sign to occur, that there was water in the vessels, but that it was wine when drunk? It was the magical power brought about by blood relationship that was necessary. But the power in the souls to feel such a thing was present in the people at the wedding in Cana in Galilee. All that was needed was for a transition to be created.
[ 18 ] Es heißt im Johannes-Evangelium (2, 1 ff.) weiter: «Und die Mutter Jesu war da. Jesus aber und seine Jünger wurden auch auf die Hochzeit geladen.» Und da es an Wein mangelte, machte die Mutter des Jesus darauf aufmerksam und sagte zu ihm: «Sie haben nicht Wein.»
[ 18 ] The Gospel of John (2: 1ff.) continues: “And the mother of Jesus was there. Jesus and his disciples were also invited to the wedding.” And since there was no wine, the mother of Jesus pointed this out to him and said to him, “They have no wine.”
[ 19 ] Ein Übergang, sagte ich, mußte geschaffen werden, damit sich so etwas ereignen konnte. Die seelische Kraft mußte durch irgend etwas unterstützt werden. Durch was konnte sie unterstützt werden ? Da kommen wir zu dem Wort, das in der Weise, wie es gewöhnlich übersetzt wird, eigentlich eine Blasphemie ist. Denn ich glaube nicht, daß ein fein empfindender Mensch es nicht als unangenehm empfinden müßte, wenn er sagt: «Sie haben nicht Wein!» und ihm darauf geantwortet wird: «Weib, was habe ich mit dir zu schaffen? Meine Stunde ist noch nicht gekommen!» Es ist überhaupt unmöglich, daß das in einer solchen Urkunde hingenommen wird. Man soll sich denken: Das Ideal der Liebe, wie es uns in den Evangelien geschildert wird, Jesus von Nazareth, er sollte in den Beziehungen zu seiner Mutter den Ausdruck gebrauchen: «Weib, was habe ich mit dir zu schaffen ?» Man braucht nicht mehr darüber zu sagen, denn das übrige muß man empfinden. Aber diese Worte stehen nicht da! Sehen Sie sich diese Stelle im Johannes-Evangelium an. Sie brauchen nur den griechischen Text aufzuschlagen, da haben Sie nichts weiter als die Worte, die da gesagt werden, indem der Jesus von Nazareth auf etwas hindeutet: «O Weib, dieses geht da von mir zu dir!» Gerade auf diese feine intime Kraft von Seele zu Seele, was da hinübergeht von ihm zu der Mutter, darauf weist er hin. Das braucht er aber in diesem Augenblick. Höheres an Zeichen kann er in diesem Augenblick noch nicht wirken, dazu muß seine Zeit erst heranreifen. Daher sagt er: Meine Zeit, wo ich bloß durch eine Kraft wirken werde, die ist noch nicht gekommen! - Denn jetzt ist noch notwendig das magnetische seelische Band, das da von der Seele des Jesus von Nazareth zu der Mutter hinübergeht. «O Weib, das geht da von mir zu dir!» Wie sollte die Mutter sonst nach dieser Rede, «Weib, was habe ich mit dir zu schaffen!» dazu kommen, zu den Dienern zu sagen: «Was er euch saget, das tut!»? Es ist notwendig, daß sie ausgestattet ist mit den alten Kräften, von denen heute die Menschen keine Ahnung mehr haben, und sie weiß, daß er hinweist auf dieses Blutsband zwischen Sohn und Mutter, hinweist auf das Band, das hinüberführen soll zu den anderen. Da weiß sie, daß jetzt etwas waltet wie eine unsichtbare geistige Kraft, die hier etwas bewirken kann. Und nunmehr bitte ich Sie, das Evangelium wirklich zu lesen. Ich möchte wissen, wie diejenigen mit dem Evangelium zurechtkommen, die da glauben, daß etwas — ja, ich weiß nicht, was eigentlich — geschehen sein soll, die da glauben, daß sechs gewöhnliche Krüge dastanden, wie sie sagen, «zur jüdischen Reinigung», und wie dann nach dieser ganz gewöhnlichen Anschauung ohne irgend etwas anderes — das eben in demjenigen lag, was jetzt besprochen worden ist —, wie da das Wasser hätte zu Wein werden sollen, wie das äußerlich nur hätte geschehen sollen?!
[ 19 ] A transition, I said, had to be created so that something like this could happen. The spiritual power had to be supported by something. What could support it? This brings us to the word which, in the way it is usually translated, is actually blasphemy. For I do not believe that a sensitive person would not find it unpleasant to say, “You have no wine!” and receive the reply, “Woman, what have I to do with you? My hour has not yet come!” It is impossible that this could be accepted in such a document. One should imagine: the ideal of love as described to us in the Gospels, Jesus of Nazareth, should use the expression “Woman, what have I to do with you?” in his relationship with his mother. There is no need to say more, for the rest must be felt. But these words are not there! Look at this passage in the Gospel of John. You only need to open the Greek text, and there you have nothing more than the words that are spoken when Jesus of Nazareth points to something: “Woman, this is going from me to you!” It is precisely this subtle, intimate power from soul to soul, which passes from him to his mother, that he is pointing to. But he needs this at this moment. He cannot yet perform a higher sign at this moment; his time must first ripen. That is why he says: My time, when I will work solely through a power, has not yet come! For now the magnetic soul bond that passes from the soul of Jesus of Nazareth to his mother is still necessary. “Woman, this is from me to you!” How else could the mother, after these words, “Woman, what have I to do with you?”, come to say to the servants, “Do whatever he tells you”? It is necessary that she be endowed with the ancient powers of which people today have no idea, and that she knows that he is pointing to this blood bond between son and mother, pointing to the bond that is to lead over to the others. She knows that something is now at work like an invisible spiritual force that can bring about something here. And now I ask you to really read the Gospel. I would like to know how those who believe that something — yes, I don't know what exactly — is supposed to have happened, who believe that there were six ordinary jars there, as they say, “for Jewish purification,” and then, according to this very ordinary view, without anything else—which was precisely what has just been discussed—how could the water have turned into wine, how could this have happened outwardly?
[ 20 ] Was ist es? Und ebenso: Was ist der Glaube, den derjenige, der hier vor Ihnen spricht, zu diesem Wunder hat, den nur irgend jemand zu einem Wunder haben kann, daß sich hier eine Substanz in eine andere für die Menschen gewandelt hat? Aber mit einer gewöhnlichen Interpretation kommt man da nicht zurecht.
[ 20 ] What is it? And likewise: What is the belief that the one speaking here before you has in this miracle, which only someone can have in a miracle, that here one substance has been transformed into another for human beings? But you cannot come to terms with this by means of an ordinary interpretation.
[ 21 ] Man muß sich vorstellen, daß die Krüge, die da standen, vermutlich nicht mit Wasser gefüllt waren. Es ist gar nicht gesagt, daß sie etwa ausgegossen worden wären. Das steht nicht da. Wenn sie aber ausgegossen und wieder gefüllt worden wären - es steht da, sie seien gefüllt worden -, dann müßte man doch eigentlich glauben, daß es sich darum handeln müßte, wenn wirklich das Wasser sozusagen wie durch ein Taschenspielerkunststück in Wein verwandelt worden wäre: daß dann auch das Wasser, das früher darinnen gewesen wäre, in Wein verwandelt worden wäre. Also damit kommt man nicht zurecht. Es stimmt die ganze Sache nicht. Klar muß man sich aber sein, daß diese Krüge offenbar leer gewesen sind, daß sie leer gewesen sind aus dem Grunde, weil ihr Füllen etwas Besonderes zu bedeuten hatte.
[ 21 ] One must imagine that the jars that stood there were probably not filled with water. It is not said that they had been emptied. That is not stated. But if they had been emptied and refilled—it says that they were filled—then one would have to believe that if the water had really been transformed into wine, as if by a conjurer's trick, then the water that had been in them would also have been transformed into wine. So this does not make sense. The whole thing is not right. But it must be clear that these jars were obviously empty, that they were empty for the reason that their filling had a special meaning.
[ 22 ] «Was er euch saget, das tut!» hatte die Mutter zu den Dienern gesagt. Was brauchte der Christus für Wasser? Er brauchte Wasser, das eben aus den Quellen der Natur kam. Daher muß besonders gesagt werden, daß das Wasser soeben geschöpft worden ist. Jenes Wasser, das noch nicht die inneren Kräfte verloren hatte, die irgendein Element hat, solange es noch mit der Natur zusammenhängt, war für seinen Zweck allein geeignet. — Wie gesagt, kein Wort ist in dem JohannesEvangelium ohne tiefe Bedeutung. — Ein Wasser, das soeben frisch geschöpft ist, mußte genommen werden, weil ja der Christus die Wesenheit ist, die sich eben der Erde genähert hat, eben verwandt geworden ist mit den Kräften, die in der Erde selber wirken. Indem die lebendigen Kräfte des Wassers wiederum mit dem zusammenwirken, was da strömt «von mir zu dir», da kann das geschehen, was uns im Evangelium geschildert wird: daß der Speisemeister herbeigerufen wird, und daß er unter dem Eindruck steht, daß hier etwas Besonderes geschehen ist — aber das, was geschehen ist, weiß er nicht; es wird ausdrücklich gesagt: er hat nicht gesehen, was geschehen ist, die Diener haben es gesehen, nicht er —, und daß er nun unter dem Eindruck dessen, was da geschehen ist, das Wasser als Wein empfindet. Das wird ganz klar und deutlich gesagt, so daß also wirklich durch die seelische Kraft hier bis in ein äußeres Element, das heißt bis in das Physische des menschlichen Leibes, hineingewirkt worden ist. Was mußte bei der Mutter des Jesus von Nazareth selber vorhanden sein, damit ihr Glaube in diesem Augenblick stark genug sein konnte, um eine solche Wirkung hervorzubringen? Sie mußte eines haben, was allerdings in ihr vorhanden war, nämlich die Einsicht, daß derjenige, welcher da ihr Sohn genannt wurde, der Geist der Erde geworden war. Dann konnte wiederum ihre starke Kraft des Glaubens in Verbindung mit seiner starken Kraft - was von ihm zu ihr wirkt - so mächtig wirken, daß das geschah, was beschrieben ist.
[ 22 ] “Do whatever he tells you,” the mother had said to the servants. What did Christ need water for? He needed water that came directly from the springs of nature. Therefore, it must be emphasized that the water had just been drawn. That water, which had not yet lost the inner forces that any element has as long as it is still connected with nature, was suitable for his purpose alone. As already said, no word in the Gospel of John is without deep meaning. Water that had just been drawn had to be used because Christ is the being who had just approached the earth, who had just become related to the forces working in the earth itself. As the living forces of the water interact again with what flows “from me to you,” what is described in the Gospel can happen: the steward is called, and he is under the impression that something special has happened here — but he does not know what has happened; it is expressly stated that he did not see what happened, the servants saw it, not he — and that now, under the impression of what has happened, he perceives the water as wine. This is stated very clearly, so that it is evident that the spiritual power has actually penetrated into an external element, that is, into the physical body of the human being. What must have been present in the mother of Jesus of Nazareth herself for her faith to be strong enough at that moment to bring about such an effect? She had to have something that was indeed present in her, namely the insight that the one who was called her son had become the spirit of the earth. Then her strong power of faith, in connection with his strong power—which works from him to her—could work so powerfully that what is described happened.
[ 23 ] So haben wir in dem ersten Zeichen durch die ganze Konstellation der Verhältnisse gezeigt, wie aus den Zusammenstimmungen der Seelen heraus, aus dem, was noch geknüpft ist an die Blutsbande, in die physische Welt hineingewirkt wird. Es war das erste Zeichen, das geschehen ist und wo die Kraft des Christus im Mindestmaße gezeigt wird. Sie brauchte noch die Verstärkung durch den Zusammenhalt mit den seelischen Kräften der Mutter, und sie brauchte die Verstärkung durch die im Wasser mit der Natur noch vereinigten Kräfte, die noch darinnen sind, wenn man das Wasser frisch geschöpft hat. Im Mindestmaße tritt uns hier die wirkende Kraft der Christus-Wesenheit entgegen. Aber besonders wird Wert darauf gelegt, daß die Christus-Kraft hinüberwirkt auf die andere Seele und aus dieser anderen Seele, die dazu geeignet ist, Wirkungen herausruft. Das ist das Wesentliche, daß die Christus-Kraft gerade die Macht hat, die andere Seele geeignet zu machen, so daß die Wirkungen eintreten. Sie hatte die Hochzeitsgäste dazu geeignet gemacht, daß sie auch das Wasser als Wein empfanden. Ein jegliches aber, was eine wirkliche Kraft ist, verstärkt sich in seiner Wirkung selber. Indem der Christus das zweite Mal diese Kraft auszuüben hat, ist sie schon stärker. Wie sich die einfachste Kraft durch Übung verstärkt, so verstärkt sich besonders eine geistige Kraft, wenn sie einmal mit Erfolg angewendet wird.
[ 23 ] Thus, in the first sign, we have shown through the entire constellation of circumstances how, out of the harmony of souls, out of what is still connected to the blood ties, something is brought into the physical world. This was the first sign that occurred, showing the power of Christ in its smallest measure. It still needed to be strengthened by the cohesion with the soul forces of the mother, and it needed to be strengthened by the forces still united with nature in the water, which are still present when the water is freshly drawn. Here we encounter the working power of the Christ Being in its smallest measure. But particular importance is attached to the fact that the Christ power works over to the other soul and, out of this other soul, which is suited to it, brings forth effects. The essential thing is that the Christ power has precisely the power to make the other soul suitable so that the effects occur. It had made the wedding guests suitable so that they also perceived the water as wine. But everything that is a real power strengthens its effect by itself. When Christ has to exercise this power a second time, it is already stronger. Just as the simplest power is strengthened by practice, so a spiritual power is especially strengthened when it is used successfully once.
[ 24 ] Das zweite der Zeichen ist, wie Sie aus dem Johannes-Evangelium wissen, die Heilung des Sohnes eines königlichen Hauptmannes. Wodurch wird der Sohn des königlichen Hauptmannes geheilt? Auch hier werden Sie wiederum nur das Richtige erkennen, wenn Sie das Johannes-Evangelium im richtigen Maße lesen, wenn Sie die Worte, die in dem betreffenden Kapitel das Wichtigste sind, ins Auge fassen. Im 5o. Verse des vierten Kapitels heißt es, nachdem der Hauptmann dem Jesus von Nazareth sein Leid geklagt hat:
[ 24 ] The second of the signs, as you know from the Gospel of John, is the healing of the son of a royal captain. How is the son of the royal captain healed? Here, too, you will only recognize what is correct if you read the Gospel of John in the right way, if you focus on the words that are most important in the relevant chapter. In the 50th verse of the fourth chapter, after the centurion has complained to Jesus of Nazareth about his suffering, it says:
«Jesus spricht zu ihm: «Gehe hin, dein Sohn lebt.» Der Mensch glaubte dem Worte, das Jesus zu ihm sagte, und ging hin.»
“Jesus said to him, 'Go, your son lives.' The man believed the word that Jesus said to him and went away.”
[ 25 ] Wiederum waren zwei Seelen da, welche zusammenstimmten: die Seele des Christus und die Seele vom Vater des Sohnes. Und wie wirkt das Wort des Christus: «Gehe hin, dein Sohn lebt»? Es wirkt so, daß es in der anderen Seele die Kraft entzündet, zu glauben, was als ein solches Wort gesprochen war. Diese zwei Kräfte wirkten zusammen. Das Wort des Christus hatte die Kraft, so zu zünden in der anderen Seele, daß der Hauptmann glaubte. Würde der Mensch nicht geglaubt haben, so würde der Sohn nicht gesund geworden sein. So wirkt die eine Kraft auf die andere. Zwei gehören dazu. Hier aber haben wir bereits ein höheres Maß der Christus-Kraft. Bei der Hochzeit zu Kana brauchte sie noch, um überhaupt wirken zu können, die Verstärkung durch die Kraft der Mutter. Jetzt ist die Zeit so weit gekommen, daß die ChristusKraft das zündende Wort in die Seele des Hauptmannes hinübergießen kann. Eine Steigerung der Christus-Kraft ist da.
[ 25 ] Again, there were two souls that were in agreement: the soul of Christ and the soul of the Father of the Son. And how does the word of Christ work: “Go, your son lives”? It works in such a way that it ignites the power in the other soul to believe what was spoken as such a word. These two powers worked together. The word of Christ had the power to ignite the other soul in such a way that the centurion believed. If the man had not believed, the son would not have been healed. Thus one power acts upon the other. Two are needed. Here, however, we already have a higher degree of Christ's power. At the wedding in Cana, it still needed the reinforcement of the mother's power in order to have any effect at all. Now the time has come when Christ's power can pour the igniting word into the soul of the centurion. There is an increase in Christ's power.
[ 26 ] Gehen wir jetzt zu dem dritten der Zeichen, zu der Heilung des achtunddreißig Jahre lang Kranken am Teich Bethesda. Da müssen wir wieder das wichtigste Wort lesen, das Licht hineinwirft in die ganze Sache. Das ist jene Stelle, welche da heißt:
[ 26 ] Let us now turn to the third of the signs, the healing of the man who had been sick for thirty-eight years at the pool of Bethesda. Here we must again read the most important word, which sheds light on the whole matter. This is the passage which says:
«Jesus spricht zu ihm: Stehe auf, nimm dein Bette und gehe hin!» (5, 8)
“Jesus said to him, 'Get up, take your bed and go!'” (5:8)
[ 27 ] Der Kranke hatte vorher gesagt, als er von seiner Notwendigkeit sprach, liegen zu bleiben, daß er sich nicht bewegen könnte:
[ 27 ] The sick man had previously said, when speaking of his need to remain lying down, that he could not move:
«Herr, ich habe keinen Menschen, wenn das Wasser sich beweget, der mich in den Teich lasse; und wenn ich komme, so steiget ein anderer vor mir hinein.» (5, 7)
“Sir, I have no one to put me into the pool when the water is stirred up; and while I am coming, another steps down before me” (5:7).
[ 28 ] Der Christus aber spricht zu ihm — und das ist nun wiederum wichtig, daß es an einem Sabbat ist, wo überall Festesstimmung ist, eine Zeit eminentester Menschenliebe -, und er kleidet das, was er sagen will, in den Ausdruck: «Stehe auf, nimm dein Bette und gehe hin!» (5, 8). Und wir müssen dieses Wort zusammenhalten mit dem anderen, das er ihm sagt, und das ebenso wichtig ist:
[ 28 ] But Christ says to him—and it is important to note that this is on the Sabbath, when there is a festive atmosphere everywhere, a time of the highest human love—and he clothes what he wants to say in the words: “Get up, take your bed and go!” (5:8). And we must keep this word together with the other one he says to him, which is just as important:
«Siehe zu, du bist gesund geworden; sündige hinfort nicht mehr, daß dir nicht etwas Ärgeres widerfahre.» (5, 14)
“See, you are well; sin no more, lest something worse happen to you” (5:14).
[ 29 ] Was heißt das? Das heißt: Die Krankheit des achtunddreißig Jahre lang Kranken hing zusammen mit seiner Sünde. Ob diese Sünde begangen ist in diesem oder in einem früheren Leben, das wollen wir jetzt nicht erörtern. Für uns handelt es sich darum: Es hat der Christus in seine Seele die Kraft gegossen, etwas zu tun, was hineingreift bis in die moralisch-seelische Natur des anderen. Da haben wir wiederum eine Steigerung der Christus-Kraft. Vorher handelte es sich bloß um etwas, was so weit wirken sollte, daß Physisches geschah. Jetzt aber ist eine Krankheit da, von welcher der Christus selber sagt, daß sie zusammenhängt mit der Sünde des Kranken. Der Christus weiß in diesem Moment einzugreifen in die eigene Seele des Kranken. Vorher bedurfte es des Vaters noch; jetzt wirkt die Christus-Kraft in die Seele des Kranken hinein, was dadurch noch einen besonderen Zauber erhält, daß es am Sabbat geschieht. Der heutige Mensch hat keinen rechten Sinn mehr für solche Dinge. Für einen Bekenner des Alten Testamentes aber hatte es etwas zu sagen, daß es am Sabbat geschah. Das war etwas ganz Besonderes. Daher waren auch die Juden über den Kranken besonders erregt, weil er am Sabbat sein Bett trug. Das ist ein außerordentlich wichtiger Zug. Die Menschen sollten denken lernen, wenn sie die Evangelien lesen! Sie sollten es nicht für etwas Selbstverständliches halten, daß der Kranke geheilt werden konnte, daß derjenige, der seit achtunddreißig Jahren nicht hat gehen können, jetzt geht; sie sollten nachdenken über eine solche Stelle:
[ 29 ] What does this mean? It means that the illness of the man who had been sick for thirty-eight years was connected with his sin. Whether this sin was committed in this life or in a previous life, we will not discuss now. For us, the point is this: Christ poured into his soul the power to do something that reaches into the moral and spiritual nature of the other person. Here we see once again an increase in the power of Christ. Previously, it was merely a matter of something that was to have an effect to the extent that something physical happened. Now, however, there is an illness which Christ himself says is connected with the sin of the sick man. At this moment, Christ knows how to intervene in the sick man's own soul. Previously, the Father was still needed; now the power of Christ works into the soul of the sick man, which is given a special magic by the fact that it happens on the Sabbath. People today no longer have any real sense of such things. But for a believer in the Old Testament, it meant something that it happened on the Sabbath. It was something very special. That is why the Jews were particularly upset about the sick man, because he carried his bed on the Sabbath. This is an extremely important point. People should learn to think when they read the Gospels! They should not take it for granted that the sick man could be healed, that the one who had not been able to walk for thirty-eight years could now walk; they should reflect on such a passage:
«Da sprachen die Juden zu dem, der gesund war worden: Es ist heute Sabbat; es ziemt dir nicht, das Bette zu tragen.» (5, 10)
“Then the Jews said to the man who had been healed, 'It is the Sabbath; it is not lawful for you to carry your bed.'” (5:10)
[ 30 ] Nicht das fiel ihnen auf, daß er gesund geworden war, sondern daß er am Sabbat sein Bette trug! Es gehörte also zu der Heilung dieses Kranken dazu die ganze Situation, gerade an dem geheiligten Tag zu wirken. In dem Christus selber ist der Gedanke: Wenn der Sabbat dem Gotte wirklich heilig sein soll, dann müssen die Seelen durch die Gotteskraft an diesem Tage eine besondere Stärke haben. Durch diese Stärke wirkt er hinüber auf den, der da vor ihm stand, das heißt, sie übertrug sich auf die eigene Seele des Kranken. Und während der Kranke früher in seiner Seele keine Kraft gefunden hat, welche die Folgen der Sünde hat überwinden können, hat er jetzt diese Kraft durch die Wirkung der Christus-Kraft. Wiederum eine Steigerung der Christus-Kraft.
[ 30 ] They did not notice that he had been healed, but that he was carrying his bed on the Sabbath! So part of the healing of this sick man was the whole situation of performing the miracle on the holy day. In Christ himself is the thought: if the Sabbath is truly to be holy to God, then souls must have a special strength on this day through the power of God. Through this strength, he worked on the one standing before him, that is, it was transferred to the sick man's own soul. And while the sick man had previously found no strength in his soul to overcome the consequences of sin, he now had this strength through the effect of Christ's power. Again, an increase in Christ's power.
[ 31 ] Und jetzt gehen wir weiter. Wie gesagt, über die eigentliche Natur der Wunder soll später gesprochen werden.
[ 31 ] And now let us continue. As I said, we will speak later about the actual nature of miracles.
[ 32 ] Das vierte der Zeichen ist die Speisung der fünftausend Mann. Dabei müssen wir wiederum das allerwichtigste Wort ins Auge fassen. Und welches ist das? - Man muß immer bei solchen Dingen bedenken, daß man nicht mit einem heutigen Bewußtsein ein solches Geschehnis überschauen darf. Wenn diejenigen, welche über den Christus geschrieben haben in der Zeit, als das Johannes-Evangelium geschrieben worden ist, geglaubt hätten, was heute unsere materialistische Zeit glaubt, dann hätten sie wirklich anders geschrieben; denn dann wäre ihnen anderes aufgefallen, als ihnen aufgefallen ist. - Das wichtigste Wort aber - das andere fällt ihnen nicht besonders auf, auch nicht, daß Fünftausend gespeist werden können mit dem wenigen, was da ist -, das Wort, das besonders betont wird, ist dieses:
[ 32 ] The fourth of the signs is the feeding of the five thousand. Here again we must consider the most important word. And what is that? - One must always bear in mind with such things that one cannot understand such an event with today's consciousness. If those who wrote about Christ at the time when the Gospel of John was written had believed what our materialistic age believes today, they would have written very differently; for then they would have noticed something different from what they did notice. But the most important word—the others do not particularly strike them, not even that five thousand can be fed with the little that is there—the word that is particularly emphasized is this:
«Jesus aber nahm die Brote, dankte und gab sie den Jüngern, die Jünger aber denen, die sich gelagert‘hatten; desselbigengleichen auch von den Fischen, wieviel sie wollten.» (6, 11)
“But Jesus took the loaves, gave thanks, and distributed them to the disciples, and the disciples to those who were seated; and they ate as much as they wanted.” (6:11)
[ 33 ] Was tut denn da der Christus Jesus? Hier bedient er sich, um das zu tun, was geschehen sollte, der Seelen der Jünger, derjenigen, die mit ihm waren, die herangereift waren zu seiner Größe nach und nach. Die gehören dazu. Sie sind um ihn herum; in ihnen kann er jetzt wachrufen eine seelische Kraft der Wohltat. Seine Kraft strömt hinaus in die der Jünger. Wie dann das hat geschehen können, was hier geschehen ist, darüber wollen wir noch sprechen. Aber eine Steigerung seiner Kraft bemerken wir auch hier wiederum. Früher hat er seine Kraft hinüberströmen lassen in die Seele des achtunddreißig Jahre lang Kranken. Jetzt aber wirkt seine Kraft hinüber in die Kraft der Seelen der Jünger. Hier wirkt jene Spannung der Kräfte hinaus, die da geht von der Seele des Herrn zu der Seele der Jünger. Es hat sich die Kraft erweitert von der Seele des einen auf die Seelen der anderen. Stärker ist die Kraft geworden. Es lebt also schon jetzt in den Seelen der Jünger auch das, was in der Seele des Christus lebt.
[ 33 ] What is Christ Jesus doing here? Here he makes use of the souls of the disciples, those who were with him, who had gradually matured to his greatness, in order to do what was to be done. They belong to him. They are around him; in them he can now awaken a spiritual power of beneficence. His power flows out into that of the disciples. We will talk more about how what happened here could have happened. But we also notice an increase in his power here again. Earlier, he let his power flow into the soul of the man who had been sick for thirty-eight years. But now his power flows into the power of the souls of the disciples. Here, the tension of forces emanating from the soul of the Lord to the souls of the disciples is at work. The power has expanded from the soul of one to the souls of the others. The power has become stronger. So what lives in the soul of Christ now also lives in the souls of the disciples.
[ 34 ] Wenn die Menschen sagen wollten: Was geschieht durch einen solchen Einfluß ? - dann sollten sie sich nur einmal an die Erfahrung halten. Sie sollten einmal versuchen zu beobachten, was geschah, wenn wirklich die starke Kraft, die in dem Christus war, nicht allein wirkte, sondern die Kraft entzündete in den Seelen der anderen Menschen, so daß sie dann weiter wirkte. Es gibt heute nicht Menschen, welche so lebendig glauben - vielleicht glauben sie theoretisch, aber nicht mit der genügenden Kraft. Dann aber erst könnten sie beobachten, was da geschieht. Die Geistesforschung weiß sehr wohl, was da geschieht.
[ 34 ] If people wanted to say, “What happens through such an influence?” they should simply look at the experience. They should try to observe what happened when the powerful force that was in Christ did not act alone, but ignited the power in the souls of other people, so that it then continued to work. There are no people today who believe so vividly—perhaps they believe theoretically, but not with sufficient power. Only then could they observe what happens. Spiritual research knows very well what happens.
[ 35 ] So haben wir eine von Stufe zu Stufe gehende Verstärkung der Christus-Kraft.
[ 35 ] Thus we have a step-by-step strengthening of the power of Christ.
[ 36 ] Und weiter: das fünfte der Zeichen, das in demselben Kapitel erzählt wird und beginnt:
[ 36 ] And further: the fifth of the signs, which is recounted in the same chapter and begins:
«Am Abend aber gingen die Jünger hinab an das Meer, Und traten in das Schiff, und kamen über das Meer gen Kapernaum. Und es war schon finster geworden, und Jesus war nicht zu ihnen gekommen.
Und das Meer er hub sich von einem großen Winde.
Da sie nun gerudert hatten bei fünfundzwanzig oder dreißig Feld Wegs, sahen sie Jesum auf dem Meere dahergehen und nahe zum Schiffe kommen; und sie fürchteten sich.» (6, 16-19)
“In the evening, the disciples went down to the sea, got into the boat, and set out across the sea toward Capernaum. It was already dark, and Jesus had not come to them.
And the sea was stirred up by a strong wind.
When they had rowed about twenty-five or thirty yards, they saw Jesus walking on the sea and coming near the boat, and they were afraid.” (6:16-19)
[ 37 ] Diejenigen, welche heute Evangelien drucken lassen, schreiben zum Beispiel als einen höchst überflüssigen Titel darüber: « Jesus wandelt auf dem Meer», als ob das irgendwo in diesem Kapitel stehen würde. Wo steht: « Jesus wandelt auf dem Meer»? Es steht da: «Die Jünger sahen Jesum auf dem Meere dahergehen.» Das ist es. Wir müssen die Evangelien wörtlich nehmen. Die Christus-Kraft hat sich eben wiederum verstärkt! So stark war sie geworden durch die selbstverständliche Verstärkung in der Übung in den letzten Taten, daß jetzt nicht nur die Christus-Kraft von einer Seele in die andere wirken konnte, daß sich nicht nur die Christus-Seele in ihren Kräften mitteilen konnte den anderen Seelen, sondern daß der Christus in seiner eigenen Gestalt vor der Seele des anderen leben konnte, der dazu geeignet war. Also das Ereignis ist dieses: Irgend jemand ist an einem anderen Orte, seine Kraft ist so stark, daß sie wirkt auf entfernte Menschen, die weit weg sind. So stark wirkt sie aber jetzt, die Christus-Kraft, daß sie nicht bloß in den Jüngern eine Kraft auslöst, wie sie bei denen war, die sich mit ihm auf dem Berge gelagert hatten; da war nur die Kraft übergegangen auf die Jünger, um das Wunder zu wirken. Jetzt haben sie die Kraft, obwohl sie mit physischen Augen nicht da hineinsehen können, wo der Christus ist, den Christus zu sehen und seine eigene Gestalt zu schauen. Der Christus konnte in der Ferne sichtbar werden für diejenigen, zu denen sich sein Seelenband bereits geknüpft hatte. Jetzt ist seine eigene Gestalt so weit, daß sie geistig gesehen werden kann. In dem Augenblick, als die Möglichkeit des physischen Sehens bei den Jüngern schwindet, da taucht die Möglichkeit des geistigen Sehens bei ihnen um so mehr auf, und sie sehen den Christus. Das Sehen in die Ferne ist aber durchaus so, daß man das Bild des Gegenstandes wie in seiner unmittelbaren Nähe hat. Wiederum eine Steigerung der Christus-Kraft. Das nächste Zeichen ist die Heilung des Blindgeborenen.
[ 37 ] Those who print the Gospels today write, for example, as a highly superfluous title: “Jesus walks on the sea,” as if that were written somewhere in this chapter. Where does it say, “Jesus walks on the sea”? It says, “The disciples saw Jesus walking on the sea.” That is all. We must take the Gospels literally. The power of Christ has just been strengthened again! It had become so strong through the natural reinforcement in the practice of the last deeds that now not only could the power of Christ work from one soul to another, not only could the soul of Christ communicate its powers to other souls, but Christ could live in his own form before the soul of another who was suited to it. So the event is this: someone is in another place, his power is so strong that it affects people who are far away. But the power of Christ is now so strong that it does not merely trigger a power in the disciples, as it did in those who had camped with him on the mountain; there, the power had merely passed over to the disciples in order to perform the miracle. Now they have the power, even though they cannot see with their physical eyes where Christ is, to see Christ and to see his own form. Christ could become visible in the distance to those with whom his soul bond had already been formed. Now his own form is so far advanced that it can be seen spiritually. At the moment when the disciples' physical sight disappears, their spiritual sight appears all the more, and they see Christ. Seeing into the distance is such that one has the image of the object as if it were in one's immediate vicinity. This is again an increase in the power of Christ. The next sign is the healing of the man born blind.
[ 38 ] Diese Heilung des Blindgeborenen, wie sie in dem Johannes-Evangelium steht, wird nun wiederum ganz besonders entstellt. Sie haben die Geschichte ja vielleicht öfters im Evangelium gelesen:
[ 38 ] This healing of the man born blind, as it appears in the Gospel of John, is now again particularly distorted. You have probably read the story often in the Gospel:
«Und Jesus ging vorüber und sah einen, der blind geboren war. Und seine Jünger fragten ihn und sprachen: Meister, wer hat gesündigt, dieser oder seine Eltern, daß er ist blind geboren?
Jesus antwortete: Es hat weder dieser gesündiget, noch seine Eltern, sondern daß die Werke Gottes offenbar würden an ihm.» (9, 1-3)
“And Jesus passed by and saw one who was blind from birth. And his disciples asked him, saying, 'Rabbi, who sinned, this man or his parents, that he was born blind?
Jesus answered, 'Neither this man nor his parents sinned; but this happened so that the works of God might be displayed in him.'” (9:1-3)
[ 39 ] Und dann heilt er ihn. Man braucht nur zu fragen: Ist es etwa ein christliches Empfinden, daß man so interpretiert: Hier ist ein Blindgeborener. Gesündigt, so daß er blind geboren ist, haben nicht seine Eltern, gesündigt hat auch nicht er, aber er ist von Gott blind gemacht worden, damit der Christus kommen kann und zum Ruhme Gottes ein Wunder tun kann. Damit also eine Wirkung dem Gotte zugeschrieben werden könnte, mußte erst der Betreffende von dem Gotte blind gemacht werden! Es ist aber nur nicht richtig gelesen. Es heißt auch gar nicht, daß sich «die Werke Gottes bei diesem Blinden offenbaren sollten».
[ 39 ] And then he heals him. One need only ask: Is it a Christian sentiment to interpret this as follows: Here is a man born blind. It is not his parents who have sinned so that he was born blind, nor has he sinned, but he has been made blind by God so that Christ may come and perform a miracle for the glory of God. So in order for an effect to be attributed to God, the person concerned first had to be made blind by God! But this is simply not read correctly. It does not say at all that “the works of God should be revealed in this blind man.”
[ 40 ] Wenn wir dieses Zeichen verstehen wollen, so müssen wir zurückgehen auf den Sprachgebrauch, wie das Wort «Gott» gebraucht wurde. Das werden Sie am leichtesten finden, wenn Sie ein anderes Kapitel aufschlagen, wo der Christus geradezu angeklagt wird, daß er von sich behauptete, er wäre mit dem Gotte eins. Wie antwortet er?
[ 40 ] If we want to understand this sign, we must go back to the usage of the word ”God.” You will find this most easily if you turn to another chapter where Christ is accused of claiming that he is one with God. How does he respond?
«Jesus antwortete ihnen: Stehet nicht geschrieben in eurem Gesetz: Ich habe gesagt: Ihr seid Götter?» (10, 34)
“Jesus answered them, 'Is it not written in your law, “I have said you are gods”?'” (10:34)
[ 41 ] Das heißt, der Christus antwortet: In dem Innersten der Menschenseele ist die Anlage zu einem Gotte. Es ist etwas Göttliches. Wie oft haben wir es ausgesprochen, daß das vierte Glied der menschlichen Wesenheit die Anlage zu dem Göttlichen im Menschen ist. «Ihr seid Götter! », das heißt: ein Göttliches wohnt in euch! Dieses Göttliche ist etwas anderes als der Mensch, als die Person des Menschen, wie er hier zwischen Geburt und Tod lebt; das ist auch etwas anderes als das, was ein Mensch von seinen Eltern ererbt hat. Woher kommt dieses Göttliche, diese Individualität des Menschen? Sie geht von Verkörperung zu Verkörperung, durch wiederholte Erdenleben. Aus einem früheren Erdenleben herüber, aus einer früheren Inkarnation kommt diese Individualität. Also: nicht seine Eltern haben gesündigt, auch nicht seine Persönlichkeit, zu der man gewöhnlich «Ich» sagt. Aber in einem früheren Leben hat dieser Mensch die Ursache dazu gelegt, daß er blind geboren ist in diesem Leben. Blind ist er dadurch geworden, daß sich die Werke des Gottes in ihm von einem früheren Leben her in seiner Blindheit zeigen. Karma, das Gesetz von Ursache und Wirkung, wird hier klar und deutlich von dem Christus Jesus angedeutet. Auf was also muß jetzt gewirkt werden, wenn diese Krankheit geheilt werden sollte? Es muß auf das gewirkt werden, was nicht als ein vergängliches Ich zwischen Geburt und Tod lebt, sondern tiefer müssen sich die Kräfte hineinbohren, in das Ich, das von Leben zu Leben geht. Die Christus-Kraft hat sich abermals gesteigert. Bis jetzt haben wir gesehen, daß sie nur auf das gewirkt hat, was ihr gegenübersteht. Jetzt wirkt sie auf das, was das Menschenleben zwischen Geburt und Tod überlebt, was von Leben zu Leben geht. Der Christus fühlt sich selbst als der Repräsentant des Ich-bin. Indem er seine Kraft hineingießt in das Ich-bin, indem so der hohe Gott des Christus sich mitteilt dem Gotte im Menschen, bekommt der Mensch die Kraft, sich von innen heraus zu heilen. Jetzt ist der Christus hineingedrungen bis in das innerste Wesen der Seele. Seine Kraft hat hineingewirkt in die ewige Individualität des Kranken und hat diese dadurch stark gemacht, daß die eigene Kraft des Christus auftritt in der Individualität des Kranken und dadurch auch hineinwirkt bis in die Folgen der früheren Inkarnationen.
[ 41 ] That is, Christ answers: In the innermost part of the human soul is the potential for a god. It is something divine. How often have we said that the fourth member of the human being is the potential for the divine in man. “You are gods!” means: something divine dwells in you! This divine is something other than the human being, other than the person of the human being as he lives here between birth and death; it is also something other than what a human being has inherited from his parents. Where does this divine, this individuality of the human being, come from? It passes from embodiment to embodiment through repeated earthly lives. This individuality comes from a previous earthly life, from a previous incarnation. So it is not his parents who have sinned, nor his personality, which we usually call “I.” But in a previous life, this human being laid the cause for being born blind in this life. He became blind because the works of God in him from a previous life are manifesting themselves in his blindness. Karma, the law of cause and effect, is clearly indicated here by Christ Jesus. So what must be worked on now if this illness is to be healed? It must be worked on what does not live as a transitory I between birth and death, but the forces must penetrate deeper into the I that goes from life to life. The Christ force has increased once again. Until now, we have seen that it has only worked on what stands opposite it. Now it acts upon that which survives human life between birth and death, that which passes from life to life. Christ feels himself to be the representative of the I-am. By pouring his power into the I-am, by the high God of Christ thus communicating himself to the God in man, man receives the power to heal himself from within. Now Christ has penetrated into the innermost being of the soul. His power has worked into the eternal individuality of the sick person and has strengthened it by allowing Christ's own power to appear in the individuality of the sick person and thus also to work into the consequences of earlier incarnations.
[ 42 ] Welche Steigerung gibt es jetzt noch für die Christus-Kraft? Einzig und allein die Steigerung, daß der Christus an einen Menschen heranrückt und das in ihm auferweckt, wodurch sein eigener Impuls in dem anderen Menschen auferweckt wird, daß der andere Mensch die Christus-Kraft so aufnimmt, daß sein ganzes Wesen davon durchdrungen wird, und er ein anderer Mensch, ein Christus-durchdrungener Mensch wird. Das geschieht bei der Auferweckung des Lazarus! Da haben wir wieder eine Steigerung der Christus-Kraft. Die ChristusKraft steigert sich von Stufe zu Stufe.
[ 42 ] What further increase is there now for the power of Christ? Only the increase that Christ approaches a human being and awakens in him that which awakens his own impulse in the other human being, so that the other human being takes in the power of Christ in such a way that his whole being is permeated by it, and he becomes a different human being, a human being permeated by Christ. This happens in the raising of Lazarus! Here we have another increase in the power of Christ. The power of Christ increases from stage to stage.
[ 43 ] Wo haben Sie in der Welt ein lyrisches Dokument, das so großartig komponiert wäre! Keine anderen Schriftsteller haben solche Kompositionen gehabt. Wer müßte sich nicht in Ehrfurcht beugen, wenn hier die Ereignisse so geschildert sind, daß sie sich steigern von Stufe zu Stufe und in einer so wunderbaren Weise! Wenn wir nur von der Seite der künstlerischen Komposition her das Johannes-Evangelium betrachten, müssen wir uns in Ehrfurcht vor ihm beugen. Hier wächst alles von Stufe zu Stufe hinauf und steigert sich.
[ 43 ] Where in the world do you have a lyrical document that is so magnificently composed? No other writer has had such compositions. Who would not bow in awe when the events are described here in such a way that they increase from stage to stage and in such a wonderful way! If we consider the Gospel of John from the point of view of artistic composition alone, we must bow in awe before it. Here everything grows from stage to stage and increases.
[ 44 ] Noch eines bleibt uns übrig zu zeigen. Wir müssen uns fragen: Wir haben einzelnes herausgegriffen, was uns die Steigerung der Zeichen, der Wunder zeigt. Es steht auch manches dazwischen. Wie gliedert sich das in das Ganze hinein?
[ 44 ] There is one more thing left to show. We must ask ourselves: We have picked out individual examples that show us the intensification of the signs and miracles. There are also many other things in between. How does this fit into the whole?
[ 45 ] Morgen wird es unsere Aufgabe sein, zu zeigen, daß im JohannesEvangelium nicht nur in seinen Wundern eine bewunderungswürdige Steigerung liegt, sondern daß alle die übrigen Zwischenausführungen mit besonderer Absicht sich hineinfügen, so daß man wohl begreift, daß es nicht besser hätte ausgefüllt werden können, als es der Schreiber des Johannes-Evangeliums getan hat.
[ 45 ] Tomorrow it will be our task to show that in the Gospel of John there is not only an admirable intensification in its miracles, but that all the other intermediate passages fit in with a special intention, so that one can well understand that it could not have been filled in better than the writer of the Gospel of John has done.
[ 46 ] Wir haben heute das Johannes-Evangelium künstlerisch betrachtet in bezug auf seine Komposition, und wir sehen, daß es wahrhaftig kaum denkbar ist, daß ein Kunstwerk künstlerisch vollendeter komponiert ist und sich schöner darstellt als das Johannes-Evangelium bis zu seiner Schilderung der Auferweckung des Lazarus.
[ 46 ] Today we have looked at the Gospel of John artistically in terms of its composition, and we see that it is truly almost inconceivable that a work of art could be more artistically composed and more beautifully presented than the Gospel of John up to its description of the raising of Lazarus.
[ 47 ] Aber nur der, der lesen kann und weiß, worauf es ankommt, spürt den großen, gewaltigen Sinn des Johannes-Evangeliums. Die Theosophie ist heute dazu berufen, diesen großen Sinn uns vor die Seele zu rücken. Aber es liegt noch mehr in diesem Johannes-Evangelium. Unseren Ausführungen werden Erklärungen des Johannes-Evangeliums nachfolgen, und diese werden wiederum eine höhere Weisheit haben als die unsrigen. Aber ihre Weisheit wird wiederum dazu dienen, neue Wahrheiten zu finden, wie uns unsere Weisheit seit dreißig Jahren dazu dient, dasjenige zu finden, was ohne Theosophie nicht gefunden werden kann.
[ 47 ] But only those who can read and know what is important can sense the great, powerful meaning of the Gospel of John. Theosophy today is called upon to bring this great meaning to our souls. But there is even more to this Gospel of John. Our explanations will be followed by explanations of the Gospel of John, and these will in turn have a higher wisdom than ours. But their wisdom will in turn serve to find new truths, just as our wisdom has served us for thirty years to find that which cannot be found without theosophy.
