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The Rudolf Steiner Archive

a project of Steiner Online Library, a public charity

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The Gospel of St. John
in comparison with the other three Gospels,
particularly the Gospel of Luke
GA 112

2 July 1909, Kassel

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Neunter Vortrag

Neunter Vortrag

[ 1 ] Es klangen gestern unsere Darlegungen aus in dem Satz, daß vor uns stehe die Betrachtung des Wichtigsten innerhalb des Christus-Impulses: des Todes und seiner Bedeutung selber. Bevor wir aber zu der Darstellung des Christus-Todes und damit zu dem Höhepunkt dieser unserer Zyklusbetrachtungen kommen, wird es notwendig sein, heute einiges zu sprechen über den eigentlichen Sinn und die Bedeutung von mancherlei in dem Johannes-Evangelium selber und von den Beziehungen des darin Dargestellten zu den anderen Evangelien.

[ 1 ] Es klangen gestern unsere Darlegungen aus in dem Satz, daß vor uns stehe die Betrachtung des Wichtigsten innerhalb des Christus-Impulses: des Todes und seiner Bedeutung selber. Bevor wir aber zu der Darstellung des Christus-Todes und damit zu dem Höhepunkt dieser unserer Zyklusbetrachtungen kommen, wird es notwendig sein, heute einiges zu sprechen über den eigentlichen Sinn und die Bedeutung von mancherlei in dem Johannes-Evangelium selber und von den Beziehungen des darin Dargestellten zu den anderen Evangelien.

[ 2 ] Wir haben in den letzten Tagen versucht, aus ganz anderen Quellen heraus, aus der hellseherischen Betrachtung der Akasha-Chronik den Christus-Impuls zu begreifen und als ein tatsächliches Ereignis in der Entwickelung der Menschheit hinzustellen. Und wir haben uns gewissermaßen nur auf das bezogen, was sich in den Evangelien ausnimmt wie eine Bestätigung dessen, was zuerst durch die hellseherische Forschung als wahr ausgesprochen werden konnte. Heute wollen wir aber um des Fortganges unserer Betrachtungen willen einige Blicke auf das Johannes-Evangelium selber werfen und dieses wichtige Dokument der Menschheit einmal von einer Seite her an sich selbst charakterisieren. Dieses Johannes-Evangelium, von dem wir gestern gesagt haben, daß die theologische Forschung der Gegenwart, soweit sie vom Materialismus angekränkelt ist, keine rechte Stellung ihm gegenüber gewinnen kann, daß sie nicht vermag das Geschichtliche, das Historische einzusehen, dieses Johannes-Evangelium wird sich uns darstellen, wenn wir es mit geisteswissenschaftlichem Blick betrachten, als eines der wunderbarsten Dokumente, welche die Menschheit hat. Man darf sagen, daß das Johannes-Evangelium nicht nur unter den religiösen Dokumenten, sondern unter den gesamten — gebrauchen wir einmal das profane Wort -, unter den gesamten literarisch-schriftstellerischen Dokumenten zu den größten gehört. Wollen wir uns einmal von dieser Seite her dem Inhalte dieses Dokumentes nähern.

[ 2 ] Wir haben in den letzten Tagen versucht, aus ganz anderen Quellen heraus, aus der hellseherischen Betrachtung der Akasha-Chronik den Christus-Impuls zu begreifen und als ein tatsächliches Ereignis in der Entwickelung der Menschheit hinzustellen. Und wir haben uns gewissermaßen nur auf das bezogen, was sich in den Evangelien ausnimmt wie eine Bestätigung dessen, was zuerst durch die hellseherische Forschung als wahr ausgesprochen werden konnte. Heute wollen wir aber um des Fortganges unserer Betrachtungen willen einige Blicke auf das Johannes-Evangelium selber werfen und dieses wichtige Dokument der Menschheit einmal von einer Seite her an sich selbst charakterisieren. Dieses Johannes-Evangelium, von dem wir gestern gesagt haben, daß die theologische Forschung der Gegenwart, soweit sie vom Materialismus angekränkelt ist, keine rechte Stellung ihm gegenüber gewinnen kann, daß sie nicht vermag das Geschichtliche, das Historische einzusehen, dieses Johannes-Evangelium wird sich uns darstellen, wenn wir es mit geisteswissenschaftlichem Blick betrachten, als eines der wunderbarsten Dokumente, welche die Menschheit hat. Man darf sagen, daß das Johannes-Evangelium nicht nur unter den religiösen Dokumenten, sondern unter den gesamten — gebrauchen wir einmal das profane Wort -, unter den gesamten literarisch-schriftstellerischen Dokumenten zu den größten gehört. Wollen wir uns einmal von dieser Seite her dem Inhalte dieses Dokumentes nähern.

[ 3 ] Dieses Johannes-Evangelium ist in bezug auf seine Komposition schon in den allerersten Kapiteln, wenn man sie richtig versteht, wenn man weiß, was eigentlich in den Worten liegt, eines der stilvollsten, der gerundetsten Dokumente, die es gibt in der Welt. Das kann man allerdings nicht bei einer oberflächlichen Betrachtung einsehen. Da zeigt sich zunächst bei einer oberflächlichen Betrachtung, daß der Schreiber des Johannes-Evangeliums - wir kennen ihn nunmehr in bezug auf die Aufzählung der Wunder bis zum eigentlichen Lazarus-Ereignis gerade sieben solcher Wunder aufzählt. - Auf die Bedeutung der Sieben-Zahl soll in den nächsten Tagen noch eingegangen werden. — Welches sind diese sieben Wunder oder Zeichen?

[ 3 ] Dieses Johannes-Evangelium ist in bezug auf seine Komposition schon in den allerersten Kapiteln, wenn man sie richtig versteht, wenn man weiß, was eigentlich in den Worten liegt, eines der stilvollsten, der gerundetsten Dokumente, die es gibt in der Welt. Das kann man allerdings nicht bei einer oberflächlichen Betrachtung einsehen. Da zeigt sich zunächst bei einer oberflächlichen Betrachtung, daß der Schreiber des Johannes-Evangeliums - wir kennen ihn nunmehr in bezug auf die Aufzählung der Wunder bis zum eigentlichen Lazarus-Ereignis gerade sieben solcher Wunder aufzählt. - Auf die Bedeutung der Sieben-Zahl soll in den nächsten Tagen noch eingegangen werden. — Welches sind diese sieben Wunder oder Zeichen?

1. Das Zeichen, das gegeben wird durch die Hochzeit zu Kana in Galiläa,
2. das Zeichen, das gegeben wird durch die Heilung des Sohnes des königlichen Beamten,
3. dasjenige, das gegeben wird durch die Heilung des achtunddreißig Jahre lang Kranken am Teich Bethesda,
4. die Speisung der fünftausend Menschen,
5. das Zeichen, das gegeben wird durch das Anschauen des Wandelns des Christus auf dem Meer, _
6. dasjenige Zeichen, das gegeben wird durch die Heilung des Blindgeborenen, und endlich
7. das größte Zeichen, die Initiation oder Einweihung des Lazarus die Verwandlung des Lazarus zu dem Schreiber des Johannes-Evangeliums selber.

1. Das Zeichen, das gegeben wird durch die Hochzeit zu Kana in Galiläa,
2. das Zeichen, das gegeben wird durch die Heilung des Sohnes des königlichen Beamten,
3. dasjenige, das gegeben wird durch die Heilung des achtunddreißig Jahre lang Kranken am Teich Bethesda,
4. die Speisung der fünftausend Menschen,
5. das Zeichen, das gegeben wird durch das Anschauen des Wandelns des Christus auf dem Meer, _
6. dasjenige Zeichen, das gegeben wird durch die Heilung des Blindgeborenen, und endlich
7. das größte Zeichen, die Initiation oder Einweihung des Lazarus die Verwandlung des Lazarus zu dem Schreiber des Johannes-Evangeliums selber.

[ 4 ] Das sind sieben der Zeichen. Nun müssen wir uns allerdings einmal fragen: Wie steht es denn überhaupt mit diesen Zeichen, mit dieser Wunderfrage?

[ 4 ] Das sind sieben der Zeichen. Nun müssen wir uns allerdings einmal fragen: Wie steht es denn überhaupt mit diesen Zeichen, mit dieser Wunderfrage?

[ 5 ] Wenn Sie aufmerksam gehört haben, was in den letzten Tagen in der mannigfaltigsten Art zu Ihnen gesprochen worden ist, so werden Sie sich erinnern, daß gesagt wurde, daß der Bewußtseinszustand der Menschen sich im Laufe unserer ganzen menschlichen Entwickelung geändert habe. Wir haben den Blick zurückgewendet in ururalte Zeiten. Wir haben gesehen, daß die Menschen nicht ausgegangen sind von einem bloß tierischen Standpunkt in der Entwickelung, sondern von einer Gestalt, in der die Menschen noch Hellsehergabe wie eine natürliche Fähigkeit hatten. Hellseherisch waren die Menschen früher, wenn sie auch ein solches Bewußtsein hatten, daß sie noch nicht «Ich bin » sagen konnten. Die Fähigkeit des Selbstbewußtseins mußten sich die Menschen erst nach und nach erobern; dafür aber mußten sie in Kauf geben das alte Hellsehen. In der Zukunft wird eine Zeit wiederkommen, wo alle Menschen hellseherisch sind, trotzdem sie sich das Ich-bin, das Selbstbewußtsein bewahrt haben. Das sind die drei Stufen, welche die Menschheit zum Teil durchgemacht hat und zum Teil noch durchzumachen hat. In der Atlantis war es noch so, daß die Menschen dort in einer Art Traumbewußtsein lebten, aber in einem hellseherischen Bewußtsein. Dann kam es so, daß sie sich das Selbstbewußtsein, das äußere Gegenstandsbewußtsein allmählich eroberten,wofürsieaberinKauf geben mußten die alte dumpfe Hellsehergabe. Und endlich ein hellseherisches Bewußtsein, das mit diesem Selbstbewußtsein verbunden ist, wird der Mensch in der Zukunft haben. So wandelt der Mensch von einem alten dumpfen Hellsehen durch ein nicht hellsichtiges Gegenstandsbewußtsein und steigt wieder auf zu einem selbstbewußten Hellsehen.

[ 5 ] Wenn Sie aufmerksam gehört haben, was in den letzten Tagen in der mannigfaltigsten Art zu Ihnen gesprochen worden ist, so werden Sie sich erinnern, daß gesagt wurde, daß der Bewußtseinszustand der Menschen sich im Laufe unserer ganzen menschlichen Entwickelung geändert habe. Wir haben den Blick zurückgewendet in ururalte Zeiten. Wir haben gesehen, daß die Menschen nicht ausgegangen sind von einem bloß tierischen Standpunkt in der Entwickelung, sondern von einer Gestalt, in der die Menschen noch Hellsehergabe wie eine natürliche Fähigkeit hatten. Hellseherisch waren die Menschen früher, wenn sie auch ein solches Bewußtsein hatten, daß sie noch nicht «Ich bin » sagen konnten. Die Fähigkeit des Selbstbewußtseins mußten sich die Menschen erst nach und nach erobern; dafür aber mußten sie in Kauf geben das alte Hellsehen. In der Zukunft wird eine Zeit wiederkommen, wo alle Menschen hellseherisch sind, trotzdem sie sich das Ich-bin, das Selbstbewußtsein bewahrt haben. Das sind die drei Stufen, welche die Menschheit zum Teil durchgemacht hat und zum Teil noch durchzumachen hat. In der Atlantis war es noch so, daß die Menschen dort in einer Art Traumbewußtsein lebten, aber in einem hellseherischen Bewußtsein. Dann kam es so, daß sie sich das Selbstbewußtsein, das äußere Gegenstandsbewußtsein allmählich eroberten,wofürsieaberinKauf geben mußten die alte dumpfe Hellsehergabe. Und endlich ein hellseherisches Bewußtsein, das mit diesem Selbstbewußtsein verbunden ist, wird der Mensch in der Zukunft haben. So wandelt der Mensch von einem alten dumpfen Hellsehen durch ein nicht hellsichtiges Gegenstandsbewußtsein und steigt wieder auf zu einem selbstbewußten Hellsehen.

[ 6 ] Aber außer dem Bewußtsein hat sich auch alles andere in der Menschheit geändert. Es ist wirklich nur menschliche Kurzsichtigkeit, wenn man glaubt, so wie es heute zugeht, müsse es immer zugegangen sein. Alles hat sich entwickelt. Es war nicht immer so. Auch das Verhältnis von Mensch zu Mensch war nicht immer so, wie es heute ist.

[ 6 ] Aber außer dem Bewußtsein hat sich auch alles andere in der Menschheit geändert. Es ist wirklich nur menschliche Kurzsichtigkeit, wenn man glaubt, so wie es heute zugeht, müsse es immer zugegangen sein. Alles hat sich entwickelt. Es war nicht immer so. Auch das Verhältnis von Mensch zu Mensch war nicht immer so, wie es heute ist.

[ 7 ] Wir haben schon aus den Andeutungen der letzten Tage entnehmen können, daß in den alten Zeiten bis in die Zeit hinein, wo der ChristusImpuls in die menschliche Entwickelung eingeschlagen hat, ein vielgröBerer Einfluß vorhanden war von Seele zu Seele. Die Menschen waren dazu veranlagt. Der Mensch hörte nicht nur, was der andere, der ihm gegenübertrat, ihm mit äußerlich hörbaren Worten sagte, sondern wenn der andere etwas lebhaft, lebendig empfand, etwas lebhaft dachte, so konnte das der Mensch, der ihm gegenübertrat, in einer gewissen Weise fühlen, wissen. Liebe war in älteren Zeiten, wo sie allerdings mehr an die Blutsverwandtschaft gebunden war, noch etwas ganz anderes, als sie heute ist. Heute hat sie einen mehr seelischen Charakter angenommen, aber sie ist schwächer geworden. Sie wird erst ihre Stärke wiedergewinnen, wenn der Christus-Impuls in alle Menschenherzen einzieht. Wenn Liebe gewirkt hat in alten Zeiten, so hatte diese Liebe zugleich etwas wie eine heilende, wie eine balsamische Kraft für die andere Seele. Mit der Entwickelung des Intellektes und der Klugheit, die sich ja auch erst nach und nach gebildet haben, sind diese alten Einflüsse von Seele zu Seele dahingeschwunden.

[ 7 ] Wir haben schon aus den Andeutungen der letzten Tage entnehmen können, daß in den alten Zeiten bis in die Zeit hinein, wo der ChristusImpuls in die menschliche Entwickelung eingeschlagen hat, ein vielgröBerer Einfluß vorhanden war von Seele zu Seele. Die Menschen waren dazu veranlagt. Der Mensch hörte nicht nur, was der andere, der ihm gegenübertrat, ihm mit äußerlich hörbaren Worten sagte, sondern wenn der andere etwas lebhaft, lebendig empfand, etwas lebhaft dachte, so konnte das der Mensch, der ihm gegenübertrat, in einer gewissen Weise fühlen, wissen. Liebe war in älteren Zeiten, wo sie allerdings mehr an die Blutsverwandtschaft gebunden war, noch etwas ganz anderes, als sie heute ist. Heute hat sie einen mehr seelischen Charakter angenommen, aber sie ist schwächer geworden. Sie wird erst ihre Stärke wiedergewinnen, wenn der Christus-Impuls in alle Menschenherzen einzieht. Wenn Liebe gewirkt hat in alten Zeiten, so hatte diese Liebe zugleich etwas wie eine heilende, wie eine balsamische Kraft für die andere Seele. Mit der Entwickelung des Intellektes und der Klugheit, die sich ja auch erst nach und nach gebildet haben, sind diese alten Einflüsse von Seele zu Seele dahingeschwunden.

[ 8 ] Hineinzuwirken in die Seele des anderen, hinüberströmen zu lassen die Kraft, die man in der eigenen Seele hatte, das war eine Gabe, die den Völkern der alten Zeiten durchaus eigen war. Daher müssen Sie auch an eine viel größere Macht denken, die damals Seele von Seele empfangen konnte, müssen an viel größeren Einfluß denken, der von Seele zu Seele ausgeübt werden konnte. Wenn auch keine äußeren historischen Urkunden davon etwas melden, wenn auch die Steine und Denkmäler nichts sagen, so zeigt uns die hellseherische Beobachtung in der AkashaChronik doch, daß in diesen alten Zeiten zum Beispiel Krankenheilungen in umfassender Weise durch psychischen Einfluß von einem Menschen auf den anderen stattfinden konnten. Und vieles andere vermochte die Seele in jenen Zeiten. Was heute dem Menschen wie ein Märchen klingt: daß der Wille des Menschen zum Beispiel die Macht hatte, wenn er es anstrebte, wenn er sich besonders dazu trainierte, besänftigend auf das Pflanzenwachstum zu wirken, das Wachstum der Pflanzen zu beschleunigen oder zu verzögern -, das war in jenen Zeiten eine Tatsache. Heute sind von all dem nur noch spärliche Reste vorhanden.

[ 8 ] Hineinzuwirken in die Seele des anderen, hinüberströmen zu lassen die Kraft, die man in der eigenen Seele hatte, das war eine Gabe, die den Völkern der alten Zeiten durchaus eigen war. Daher müssen Sie auch an eine viel größere Macht denken, die damals Seele von Seele empfangen konnte, müssen an viel größeren Einfluß denken, der von Seele zu Seele ausgeübt werden konnte. Wenn auch keine äußeren historischen Urkunden davon etwas melden, wenn auch die Steine und Denkmäler nichts sagen, so zeigt uns die hellseherische Beobachtung in der AkashaChronik doch, daß in diesen alten Zeiten zum Beispiel Krankenheilungen in umfassender Weise durch psychischen Einfluß von einem Menschen auf den anderen stattfinden konnten. Und vieles andere vermochte die Seele in jenen Zeiten. Was heute dem Menschen wie ein Märchen klingt: daß der Wille des Menschen zum Beispiel die Macht hatte, wenn er es anstrebte, wenn er sich besonders dazu trainierte, besänftigend auf das Pflanzenwachstum zu wirken, das Wachstum der Pflanzen zu beschleunigen oder zu verzögern -, das war in jenen Zeiten eine Tatsache. Heute sind von all dem nur noch spärliche Reste vorhanden.

[ 9 ] Also das Leben des Menschen war damals noch ein ganz anderes. Niemand hätte sich in alten Zeiten darüber gewundert, daß irgendwo, wenn das richtige Verhältnis da war von Mensch zu Mensch, ein solcher seelischer Einfluß von einer Persönlichkeit zur anderen hinübergegangen wäre. Allerdings, das müssen wir festhalten: daß immer zwei oder mehrere dazu gehörten, damit ein solcher seelischer Einfluß ausgeübt werden konnte. Man könnte sich ja auch in unserer Zeit denken, daß ein Mensch mit der Kraft des Christus unter die Menschen träte. Diejenigen aber, welche die Stärke des Glaubens an ihn hätten, sie wären sehr dünn gesät, und er könnte nicht das vollbringen, was durch seelischen Einfluß von einer Seele zu der anderen gewirkt werden kann. Dazu ist nicht nur notwendig, daß gewirkt wird, sondern daß jemand da ist, der reif ist, diese Wirkung zu empfangen. Wenn in alten Zeiten die Menschen häufiger waren, die solche Wirkungen empfangen konnten, so wird es uns nicht wundern, wenn gesagt wird, daß damals für Krankenheilungen gerade die Mittel da waren, durch welche auf dem Wege des psychischen Einflusses gewirkt wurde, daß aber auch andere Einwirkungen, die heute nur auf mechanischem Wege geschehen können, durch psychischen Einfluß geschehen sind.

[ 9 ] Also das Leben des Menschen war damals noch ein ganz anderes. Niemand hätte sich in alten Zeiten darüber gewundert, daß irgendwo, wenn das richtige Verhältnis da war von Mensch zu Mensch, ein solcher seelischer Einfluß von einer Persönlichkeit zur anderen hinübergegangen wäre. Allerdings, das müssen wir festhalten: daß immer zwei oder mehrere dazu gehörten, damit ein solcher seelischer Einfluß ausgeübt werden konnte. Man könnte sich ja auch in unserer Zeit denken, daß ein Mensch mit der Kraft des Christus unter die Menschen träte. Diejenigen aber, welche die Stärke des Glaubens an ihn hätten, sie wären sehr dünn gesät, und er könnte nicht das vollbringen, was durch seelischen Einfluß von einer Seele zu der anderen gewirkt werden kann. Dazu ist nicht nur notwendig, daß gewirkt wird, sondern daß jemand da ist, der reif ist, diese Wirkung zu empfangen. Wenn in alten Zeiten die Menschen häufiger waren, die solche Wirkungen empfangen konnten, so wird es uns nicht wundern, wenn gesagt wird, daß damals für Krankenheilungen gerade die Mittel da waren, durch welche auf dem Wege des psychischen Einflusses gewirkt wurde, daß aber auch andere Einwirkungen, die heute nur auf mechanischem Wege geschehen können, durch psychischen Einfluß geschehen sind.

[ 10 ] In welche Zeit fiel denn das Christus-Ereignis innerhalb der menschlichen Entwickelung? In eine ganz bestimmte Zeit fiel es hinein — das müssen wir uns vor Augen halten. Es waren von solchen Seelenströmungen von einem Menschen zum anderen sozusagen nur die letzten Reste vorhanden, die noch aus der atlantischen Zeit wie ein Erbstück hereinragten. Gerade schickte sich die Menschheit an, immer mehr und mehr in das Materielle hineinzugehen und immer weniger die Möglichkeit zu haben, solche seelische Strömungen wirken zu lassen. Dahinein mußte der Christus-Impuls fallen, der gerade durch seine Wesenheit bei denen, die noch dafür empfänglich waren, unendlich viel wirken konnte.

[ 10 ] In welche Zeit fiel denn das Christus-Ereignis innerhalb der menschlichen Entwickelung? In eine ganz bestimmte Zeit fiel es hinein — das müssen wir uns vor Augen halten. Es waren von solchen Seelenströmungen von einem Menschen zum anderen sozusagen nur die letzten Reste vorhanden, die noch aus der atlantischen Zeit wie ein Erbstück hereinragten. Gerade schickte sich die Menschheit an, immer mehr und mehr in das Materielle hineinzugehen und immer weniger die Möglichkeit zu haben, solche seelische Strömungen wirken zu lassen. Dahinein mußte der Christus-Impuls fallen, der gerade durch seine Wesenheit bei denen, die noch dafür empfänglich waren, unendlich viel wirken konnte.

[ 11 ] Wer die Entwickelung in der Menschheit wirklich kennt, wird es daher selbstverständlich finden, daß, nachdem die Christus-Wesenheit einmal in den Leib des Jesus von Nazareth eingezogen war, ungefähr im dreißigsten Jahr seines Lebens, sie in diesem Leib, in dieser Hülle ganz besonders wirken konnte. Denn diese Hülle war herangereift aus uralten Zeiten. Wir haben gestern erwähnt, daß die Individualität des Jesus von Nazareth in einem früheren Leben schon einmal verkörpert war im alten Persien, daß sie dann immer wieder durch Verkörperungen durchgegangen ist und in jeder Verkörperung höher und höher gestiegen ist in ihrer geistigen Entwickelung. Davon hing es ab, daß der Christus in einem solchen Leibe wohnen konnte, daß ihm dieser Leib als Opfer dargebracht werden konnte. Das wußten die Evangelisten sehr wohl. Daher haben sie alles so dargestellt, daß es für den geistigen Forscherblick durchaus verständlich ist.

[ 11 ] Wer die Entwickelung in der Menschheit wirklich kennt, wird es daher selbstverständlich finden, daß, nachdem die Christus-Wesenheit einmal in den Leib des Jesus von Nazareth eingezogen war, ungefähr im dreißigsten Jahr seines Lebens, sie in diesem Leib, in dieser Hülle ganz besonders wirken konnte. Denn diese Hülle war herangereift aus uralten Zeiten. Wir haben gestern erwähnt, daß die Individualität des Jesus von Nazareth in einem früheren Leben schon einmal verkörpert war im alten Persien, daß sie dann immer wieder durch Verkörperungen durchgegangen ist und in jeder Verkörperung höher und höher gestiegen ist in ihrer geistigen Entwickelung. Davon hing es ab, daß der Christus in einem solchen Leibe wohnen konnte, daß ihm dieser Leib als Opfer dargebracht werden konnte. Das wußten die Evangelisten sehr wohl. Daher haben sie alles so dargestellt, daß es für den geistigen Forscherblick durchaus verständlich ist.

[ 12 ] Nur müssen wir alles in den Evangelien wörtlich nehmen, das heißt, sie zuerst lesen lernen. Warum wird zum Beispiel gerade in dem ersten der Zeichen - wie gesagt, die tiefere Bedeutung der Wunder werden wir noch kennenlernen -, beider Besprechung der Hochzeit zu Kana in Galiläa besonders betont, daß das geschah «zu Kana in Galiläa»? Es gibt — Sie können forschen, wo Sie wollen — in dem alten Palästina, in dem Umkreise, der damals bekannt sein konnte, kein zweites Kana. Bedarf es aber bei den Orten, die einzig da sind, eines besonderen Zusatzes? Warum sagt trotzdem der Evangelist, wenn er auf dieses Wunder zu sprechen kommt, daß es geschah «zu Kana in Galiläa »? Weil es darauf ankommt, zu betonen, daß da etwas geschah, was in Galiläa geschehen mußte, Das heißt, der Christus hätte die Menschen, die dazu nötig waren, nicht in anderen Gegenden als gerade in Galiläa gefunden. Ich sagte schon, zu einer Wirkung gehört nicht nur der eine, der wirkt, sondern es gehören auch die anderen dazu, die entsprechend geeignet sind, diese Wirkung anzunehmen. Sein erstes Auftreten hätte der Christus nicht haben können innerhalb der jüdischen Gemeinde selber, wohl aber in Galiläa, an demjenigen Orte, wo gemischt waren die verschiedensten Völkerstämme und Völkergruppen. Gerade dadurch, daß an einem Orte zusammengekommen waren aus den verschiedensten Teilen der Welt die verschiedensten Völker, gerade dadurch war hier in Galiläa nicht mehr dieselbe Blutsverwandtschaft und vor allen Dingen nicht mehr der Glaube an diese Blutsverwandtschaft vorhanden wie in Judäa, bei dem engeren hebräischen Volke. Durcheinandergewürfelt waren die Menschen in Galiläa. Wozu aber mußte sich der Christus vermöge seines Impulses gerade besonders berufen fühlen?

[ 12 ] Nur müssen wir alles in den Evangelien wörtlich nehmen, das heißt, sie zuerst lesen lernen. Warum wird zum Beispiel gerade in dem ersten der Zeichen - wie gesagt, die tiefere Bedeutung der Wunder werden wir noch kennenlernen -, beider Besprechung der Hochzeit zu Kana in Galiläa besonders betont, daß das geschah «zu Kana in Galiläa»? Es gibt — Sie können forschen, wo Sie wollen — in dem alten Palästina, in dem Umkreise, der damals bekannt sein konnte, kein zweites Kana. Bedarf es aber bei den Orten, die einzig da sind, eines besonderen Zusatzes? Warum sagt trotzdem der Evangelist, wenn er auf dieses Wunder zu sprechen kommt, daß es geschah «zu Kana in Galiläa »? Weil es darauf ankommt, zu betonen, daß da etwas geschah, was in Galiläa geschehen mußte, Das heißt, der Christus hätte die Menschen, die dazu nötig waren, nicht in anderen Gegenden als gerade in Galiläa gefunden. Ich sagte schon, zu einer Wirkung gehört nicht nur der eine, der wirkt, sondern es gehören auch die anderen dazu, die entsprechend geeignet sind, diese Wirkung anzunehmen. Sein erstes Auftreten hätte der Christus nicht haben können innerhalb der jüdischen Gemeinde selber, wohl aber in Galiläa, an demjenigen Orte, wo gemischt waren die verschiedensten Völkerstämme und Völkergruppen. Gerade dadurch, daß an einem Orte zusammengekommen waren aus den verschiedensten Teilen der Welt die verschiedensten Völker, gerade dadurch war hier in Galiläa nicht mehr dieselbe Blutsverwandtschaft und vor allen Dingen nicht mehr der Glaube an diese Blutsverwandtschaft vorhanden wie in Judäa, bei dem engeren hebräischen Volke. Durcheinandergewürfelt waren die Menschen in Galiläa. Wozu aber mußte sich der Christus vermöge seines Impulses gerade besonders berufen fühlen?

[ 13 ] Wir haben ja gesagt, daß eines seiner wichtigsten Worte das war: «Bevor Abraham war, war das Ich-bin», und das andere: «Ich und der Vater sind eins.» Er wollte damit sagen: Bei denjenigen, die an den alten Lebenseinrichtungen hängen, ist das Ich nur geborgen innerhalb einer Blutsverwandtschaft. Derjenige, der ein richtiger Bekenner des Alten Testamentes war, er fühlte etwas ganz Besonderes bei den Worten: «Ich und der Vater Abraham sind eins», etwas, was heute dem Menschen schwer ist nachzufühlen. Was der Mensch sein eigenes Selbst nennt, was eingeschlossen ist zwischen Geburt und Tod, das sieht der Mensch vorübergehen. Derjenige aber, der ein richtiges Bekenntnis zum Alten Testamente hatte, der berührt war von den Lehren, die in der damaligen Zeit durch die Menschheit flossen, er sagte, und zwar nicht bloß als ein allegorisches Wort, sondern als eine Tatsache: Für mich bin ich ein einzelner, aber ich bin ein Glied in einem großen Organismus, in einem großen Lebenszusammenhange, der hinaufgeht bis zu dem Vater Abraham. Wie der Finger als lebendiges Glied nur bestehen kann, solange er an meinem Leibe ist, so habe auch ich nur einen Sinn, solange ich fühle, daß ich ein Glied bin an dem großen Volksorganismus, der hinaufgeht bis zu dem Vater Abraham. Ich hänge genau so an dem großen Volkszusammenhang, wie der Finger an meinem Leibe ist. Trennt man den Finger ab, so ist er bald kein Finger mehr; er ist nur geborgen, wenn er an meiner Hand, die Hand an meinem Arm und der Arm an meinem Leibe ist, er hat keinen Sinn mehr, wenn er von der Hand abgetrennt ist. Ebenso habe ich nur einen Sinn, wenn ich mich fühle als ein Glied aller der Generationen, durch die herunterfließt das Blut von dem Vater Abraham. Da fühle ich mich geborgen! Vorübergehend und vorbeirauschend ist mein einzelnes Ich, aber nicht vorübergehend ist dieser ganze große Volksorganismus bis hinauf zum Vater Abraham. Wenn ich mich ganz darinnen empfinde, mich ganz darinnen fühle, dann überwinde ich mein zeitlich vorübergehendes Ich; dann werde ich geborgen in einem großen Ich, in dem Volks-Ich, das durch das Blut der Generationen vom Vater Abraham bis zu mir heruntergeströmt ist! So sagte sich der Bekenner des Alten Testamentes.

[ 13 ] Wir haben ja gesagt, daß eines seiner wichtigsten Worte das war: «Bevor Abraham war, war das Ich-bin», und das andere: «Ich und der Vater sind eins.» Er wollte damit sagen: Bei denjenigen, die an den alten Lebenseinrichtungen hängen, ist das Ich nur geborgen innerhalb einer Blutsverwandtschaft. Derjenige, der ein richtiger Bekenner des Alten Testamentes war, er fühlte etwas ganz Besonderes bei den Worten: «Ich und der Vater Abraham sind eins», etwas, was heute dem Menschen schwer ist nachzufühlen. Was der Mensch sein eigenes Selbst nennt, was eingeschlossen ist zwischen Geburt und Tod, das sieht der Mensch vorübergehen. Derjenige aber, der ein richtiges Bekenntnis zum Alten Testamente hatte, der berührt war von den Lehren, die in der damaligen Zeit durch die Menschheit flossen, er sagte, und zwar nicht bloß als ein allegorisches Wort, sondern als eine Tatsache: Für mich bin ich ein einzelner, aber ich bin ein Glied in einem großen Organismus, in einem großen Lebenszusammenhange, der hinaufgeht bis zu dem Vater Abraham. Wie der Finger als lebendiges Glied nur bestehen kann, solange er an meinem Leibe ist, so habe auch ich nur einen Sinn, solange ich fühle, daß ich ein Glied bin an dem großen Volksorganismus, der hinaufgeht bis zu dem Vater Abraham. Ich hänge genau so an dem großen Volkszusammenhang, wie der Finger an meinem Leibe ist. Trennt man den Finger ab, so ist er bald kein Finger mehr; er ist nur geborgen, wenn er an meiner Hand, die Hand an meinem Arm und der Arm an meinem Leibe ist, er hat keinen Sinn mehr, wenn er von der Hand abgetrennt ist. Ebenso habe ich nur einen Sinn, wenn ich mich fühle als ein Glied aller der Generationen, durch die herunterfließt das Blut von dem Vater Abraham. Da fühle ich mich geborgen! Vorübergehend und vorbeirauschend ist mein einzelnes Ich, aber nicht vorübergehend ist dieser ganze große Volksorganismus bis hinauf zum Vater Abraham. Wenn ich mich ganz darinnen empfinde, mich ganz darinnen fühle, dann überwinde ich mein zeitlich vorübergehendes Ich; dann werde ich geborgen in einem großen Ich, in dem Volks-Ich, das durch das Blut der Generationen vom Vater Abraham bis zu mir heruntergeströmt ist! So sagte sich der Bekenner des Alten Testamentes.

[ 14 ] Durch die Kraft dieses innerlichen Erlebnisses, das in den Worten liegt: «Ich und der Vater Abraham sind eins», geschah alles das, was an Großem, an heute noch wunderbar Erscheinendem innerhalb des Alten Testamentes geschehen ist. Weil aber die Zeit kam, in der die Menschen nicht mehr berufen sein sollten, einen solchen Bewußtseinszustand zu haben, so verlor sich das nach und nach. Der Christus mußte daher nicht zu denjenigen gehen, die auf der einen Seite die Fähigkeit verloren hatten, durch jene magische Kraft zu wirken, die in den Blutsbanden liegt, und die auf der anderen Seite noch den Glauben hatten nur an die Gemeinschaft mit dem Vater Abraham. Denn bei denen konnte er jenen Glauben nicht finden, der dazu notwendig war, um das zu wirken, was strömen konnte von seiner Seele in die anderen Seelen; da mußte er zu denjenigen gehen, die dutch ihre Blutmischung nicht mehr einen solchen Glauben hatten, da mußte er zu den Galiläern gehen. Hier mußte er beginnen mit seiner Mission. Wenn auch im allgemeinen der alte Bewußtseinszustand im Schwinden war, so fand er doch bei ihnen gerade eine Volksmischung vor, die im Anfange der Blutmischung stand. Von allen Seiten kamen hier Volksstämme zusammen, welche vor diesem Zusammenströmen noch unter den Kräften deralten Blutsbande gestanden hatten. Sie waren eben dazu gekommen, den Übergang zu finden. Sie hatten noch das lebendige Gefühl in sich: Unsere Väter haben noch die alten Bewußtseinszustände gehabt, sie haben noch die magischen Kräfte gehabt, die von Seele zu Seele wirken. — Bei ihnen konnte er mit seiner neuen Mission wirken, die darin bestand, dem Menschen ein Ich-Bewußtsein zu geben, das nicht mehr an Blutsverwandtschaft geknüpft ist, ein Ich-Bewußtsein, das sagen konnte: In mir selber finde ich den Zusammenhang mit dem geistigen Vater, mit dem Vater, der nicht sein Blut physisch herunterrollen läßt durch die Generationen, sondern der seine geistige Kraft in jede einzelne individuelle Seele hineinsendet. Das Ich, das in mir ist und das eine unmittelbare Beziehung zum geistigen Vater hat, es war, ehe denn Abraham war. Daher bin ich berufen, eine solche Kraft in das Ich hineinzugießen, die da gestärkt wird durch das Bewußtsein des Zusammenhanges mit der geistigen Vater-Kraft der Welt. «Ich und der Vater sind eins », nicht ich und der Vater Abraham, das heißt ein leiblicher Vorfahr, sind eins.

[ 14 ] Durch die Kraft dieses innerlichen Erlebnisses, das in den Worten liegt: «Ich und der Vater Abraham sind eins», geschah alles das, was an Großem, an heute noch wunderbar Erscheinendem innerhalb des Alten Testamentes geschehen ist. Weil aber die Zeit kam, in der die Menschen nicht mehr berufen sein sollten, einen solchen Bewußtseinszustand zu haben, so verlor sich das nach und nach. Der Christus mußte daher nicht zu denjenigen gehen, die auf der einen Seite die Fähigkeit verloren hatten, durch jene magische Kraft zu wirken, die in den Blutsbanden liegt, und die auf der anderen Seite noch den Glauben hatten nur an die Gemeinschaft mit dem Vater Abraham. Denn bei denen konnte er jenen Glauben nicht finden, der dazu notwendig war, um das zu wirken, was strömen konnte von seiner Seele in die anderen Seelen; da mußte er zu denjenigen gehen, die dutch ihre Blutmischung nicht mehr einen solchen Glauben hatten, da mußte er zu den Galiläern gehen. Hier mußte er beginnen mit seiner Mission. Wenn auch im allgemeinen der alte Bewußtseinszustand im Schwinden war, so fand er doch bei ihnen gerade eine Volksmischung vor, die im Anfange der Blutmischung stand. Von allen Seiten kamen hier Volksstämme zusammen, welche vor diesem Zusammenströmen noch unter den Kräften deralten Blutsbande gestanden hatten. Sie waren eben dazu gekommen, den Übergang zu finden. Sie hatten noch das lebendige Gefühl in sich: Unsere Väter haben noch die alten Bewußtseinszustände gehabt, sie haben noch die magischen Kräfte gehabt, die von Seele zu Seele wirken. — Bei ihnen konnte er mit seiner neuen Mission wirken, die darin bestand, dem Menschen ein Ich-Bewußtsein zu geben, das nicht mehr an Blutsverwandtschaft geknüpft ist, ein Ich-Bewußtsein, das sagen konnte: In mir selber finde ich den Zusammenhang mit dem geistigen Vater, mit dem Vater, der nicht sein Blut physisch herunterrollen läßt durch die Generationen, sondern der seine geistige Kraft in jede einzelne individuelle Seele hineinsendet. Das Ich, das in mir ist und das eine unmittelbare Beziehung zum geistigen Vater hat, es war, ehe denn Abraham war. Daher bin ich berufen, eine solche Kraft in das Ich hineinzugießen, die da gestärkt wird durch das Bewußtsein des Zusammenhanges mit der geistigen Vater-Kraft der Welt. «Ich und der Vater sind eins », nicht ich und der Vater Abraham, das heißt ein leiblicher Vorfahr, sind eins.

[ 15 ] Und zu solchen ging der Christus, die eben angekommen waren an dem Punkt, das zu begreifen - die eben notwendig hatten, nicht in den Blutsbanden, die sie gerade durch ihre Vermischung durchbrachen, sondern in der einzelnen Seele die starke Kraft zu finden, die wiederum den Menschen dahin führen kann, nach und nach das Geistige im Physischen zum Ausdruck zu bringen. Sagen Sie nicht: Warum sehen wir denn heute nicht, daß derlei geschieht, wie es damals geschehen ist? Abgesehen davon, daß derjenige, der sehen will, es sehen kann, muß bedacht werden, daß eben die Menschen hinausgeschritten sind aus diesem Bewußtseinszustande, daß sie heruntergestiegen sind in die stoffliche Welt, und daß jene Zeiten damals gerade die Grenzscheide waren und der Christus an den letzten Exemplaren der sich entwickelnden Menschheit zeigte, was der Geist über das Physische vermag. Zu einem Vorbild und Symbol, zu einem Glaubenssymbol wurden diejenigen Zeichen hingestellt, die da geschehen sind, als der alte Bewußtseinszustand noch vorhanden, aber eben im Hinschwinden war.

[ 15 ] Und zu solchen ging der Christus, die eben angekommen waren an dem Punkt, das zu begreifen - die eben notwendig hatten, nicht in den Blutsbanden, die sie gerade durch ihre Vermischung durchbrachen, sondern in der einzelnen Seele die starke Kraft zu finden, die wiederum den Menschen dahin führen kann, nach und nach das Geistige im Physischen zum Ausdruck zu bringen. Sagen Sie nicht: Warum sehen wir denn heute nicht, daß derlei geschieht, wie es damals geschehen ist? Abgesehen davon, daß derjenige, der sehen will, es sehen kann, muß bedacht werden, daß eben die Menschen hinausgeschritten sind aus diesem Bewußtseinszustande, daß sie heruntergestiegen sind in die stoffliche Welt, und daß jene Zeiten damals gerade die Grenzscheide waren und der Christus an den letzten Exemplaren der sich entwickelnden Menschheit zeigte, was der Geist über das Physische vermag. Zu einem Vorbild und Symbol, zu einem Glaubenssymbol wurden diejenigen Zeichen hingestellt, die da geschehen sind, als der alte Bewußtseinszustand noch vorhanden, aber eben im Hinschwinden war.

[ 16 ] Jetzt schauen wir uns einmal diese. Hochzeit zu Kana in Galiläa selbst an. Wenn ich alle Einzelheiten des Johannes-Evangeliums hier wörtlich vor Ihnen entwickeln würde, das, was wirklich Evangelien-Inhalt ist, dann würden allerdings vierzehn Vorträge nicht ausreichen, sondern ein paar Jahre würden dazu nötig sein. Aber alle diese wörtliche Entwickelung würde nur eine Bestätigung sein für das, was ich Ihnen in kurzen Auseinandersetzungen andeuten kann.

[ 16 ] Jetzt schauen wir uns einmal diese. Hochzeit zu Kana in Galiläa selbst an. Wenn ich alle Einzelheiten des Johannes-Evangeliums hier wörtlich vor Ihnen entwickeln würde, das, was wirklich Evangelien-Inhalt ist, dann würden allerdings vierzehn Vorträge nicht ausreichen, sondern ein paar Jahre würden dazu nötig sein. Aber alle diese wörtliche Entwickelung würde nur eine Bestätigung sein für das, was ich Ihnen in kurzen Auseinandersetzungen andeuten kann.

[ 17 ] Zuerst wird uns bei diesem ersten Zeichen gesagt: Da war eine Hochzeit zu Kana in Galiläa. Nun müssen wir uns bewußt sein, daß in dem Johannes-Evangelium kein Wort steht, das nicht eine besondere Bedeutung hätte. Warum also eine «Hochzeit»? Weil durch die Hochzeit einmal das bewirkt wird, was durch die Christus-Mission in so eminenter Weise bewirkt wird: durch die Hochzeit werden die Menschen zusammengeführt. Und eine Hochzeit «in Galiläa»? In Galiläa war es, daß die alten Blutsbande getrennt wurden, daß fremdes Blut mit fremdem Blut sich mischte. Was der Christus tun sollte, hing aber gerade zusammen mit der Blutmischung. Also haben wir es zu tun mit einer Verbindung unter Menschen, um Nachkommen zu haben, von Menschen, die nicht mehr blutsverwandt sind. Nun wird Ihnen allerdings recht wunderbar erscheinen, was ich Ihnen jetzt sage. Was hätten Leute in ganz alten Zeiten in einem solchen Falle, wie er da vorlag, gefühlt, in Zeiten, da noch das vorhanden war, was man im geisteswissenschaftlichen Sinne nennen möchte die «nahe Ehe»? Denn das ist durchaus etwas, was zur Menschheitsentwickelung gehört, daß sich eine ursprüngliche «nahe Ehe» verwandelt hat in eine «ferne Ehe». Und es liegt schon in dem, was ich bisher gesagt habe, ausgedrückt, was die nahe Ehe ist. Bei allen Völkern finden Sie in den alten Zeiten das eine, daß es gegen ein Gesetz des Volkes gewesen wäre, aus dem Stamm, aus der Blutsverwandtschaft herauszuheiraten. Was blutsverwandt war, was in denselben Stamm hineingehörte, das heiratete sich; und dieses Heiraten innerhalb desselben Stammes, innerhalb des verwandten Blutes, das hatte eben zur Wirkung das Wunderbare, was durch die geisteswissenschaftliche Forschung jederzeit konstatiert werden kann, daß große magische Kraft ausgeübt werden konnte. Die Nachkommen innerhalb eines blutsverwandten Stammes hatten durch diese Verwandten-Ehe magische Kräfte, die von Seele zu Seele wirkten. Wenn wir zu einer Hochzeit in uralten Zeiten gerufen worden wären, was wäre da der Fall gewesen? Nehmen wir einmal an, es wäre meinetwillen der Trank, den man dazumal gerade brauchte, also der Wein, ausgegangen. Was wäre da geschehen? Es hätte bloß durch die Bande der Blutsverwandtschaft das richtige Verhältnis da zu sein brauchen in dieser blutsverwandten Hochzeitsfamilie, und man hätte durch die magische Gewalt der Blutsliebe erleben können, daß zum Beispiel das Wasser, das in einem späteren Augenblicke des Hochzeitsfestes statt des Weines gereicht worden wäre, durch den seelischen Einfluß dieser Persönlichkeiten von den anderen empfunden worden wäre als Wein. Wein hätten sie getrunken, die anderen, wenn das richtige magische Verhältnis der einen Persönlichkeit zu den anderen dagewesen wäre. Sagen Sie nicht: Dieser Wein wäre ja doch Wasser gewesen! Ein vernünftiger Mensch muß sich darauf die Antwort geben: Für den Menschen sind die Dinge dasjenige, als was sie sich seinem Organismus mitteilen, was sie dem Menschen werden, nicht wie sie aussehen. Ich glaube, noch heute würden manche Weinliebhaber es ganz gern haben, wenn man ihnen Wasser reichte, wenn nur durch irgendeinen Einfluß bewirkt werden könnte, daß das Wasser so schmeckte wie Wein und es in ihrem Organismus die Wirkung des Weines hätte. Mehr ist ja nicht notwendig, als daß für den Menschen Wasser Wein ist. Was war also in alten Zeiten notwendig, damit ein solches Zeichen hat geschehen können, daß in den Gefäßen Wasser war, daß es aber Wein war, wenn es getrunken wurde? Es war die magische Gewalt, die durch die Blutsverwandtschaft bewirkt wurde, notwendig. Aber die Kraft in den Seelen, so etwas zu empfinden, die war da bei den Leuten auf der Hochzeit zu Kana in Galiläa. Ein Übergang mußte nur geschaffen werden.

[ 17 ] Zuerst wird uns bei diesem ersten Zeichen gesagt: Da war eine Hochzeit zu Kana in Galiläa. Nun müssen wir uns bewußt sein, daß in dem Johannes-Evangelium kein Wort steht, das nicht eine besondere Bedeutung hätte. Warum also eine «Hochzeit»? Weil durch die Hochzeit einmal das bewirkt wird, was durch die Christus-Mission in so eminenter Weise bewirkt wird: durch die Hochzeit werden die Menschen zusammengeführt. Und eine Hochzeit «in Galiläa»? In Galiläa war es, daß die alten Blutsbande getrennt wurden, daß fremdes Blut mit fremdem Blut sich mischte. Was der Christus tun sollte, hing aber gerade zusammen mit der Blutmischung. Also haben wir es zu tun mit einer Verbindung unter Menschen, um Nachkommen zu haben, von Menschen, die nicht mehr blutsverwandt sind. Nun wird Ihnen allerdings recht wunderbar erscheinen, was ich Ihnen jetzt sage. Was hätten Leute in ganz alten Zeiten in einem solchen Falle, wie er da vorlag, gefühlt, in Zeiten, da noch das vorhanden war, was man im geisteswissenschaftlichen Sinne nennen möchte die «nahe Ehe»? Denn das ist durchaus etwas, was zur Menschheitsentwickelung gehört, daß sich eine ursprüngliche «nahe Ehe» verwandelt hat in eine «ferne Ehe». Und es liegt schon in dem, was ich bisher gesagt habe, ausgedrückt, was die nahe Ehe ist. Bei allen Völkern finden Sie in den alten Zeiten das eine, daß es gegen ein Gesetz des Volkes gewesen wäre, aus dem Stamm, aus der Blutsverwandtschaft herauszuheiraten. Was blutsverwandt war, was in denselben Stamm hineingehörte, das heiratete sich; und dieses Heiraten innerhalb desselben Stammes, innerhalb des verwandten Blutes, das hatte eben zur Wirkung das Wunderbare, was durch die geisteswissenschaftliche Forschung jederzeit konstatiert werden kann, daß große magische Kraft ausgeübt werden konnte. Die Nachkommen innerhalb eines blutsverwandten Stammes hatten durch diese Verwandten-Ehe magische Kräfte, die von Seele zu Seele wirkten. Wenn wir zu einer Hochzeit in uralten Zeiten gerufen worden wären, was wäre da der Fall gewesen? Nehmen wir einmal an, es wäre meinetwillen der Trank, den man dazumal gerade brauchte, also der Wein, ausgegangen. Was wäre da geschehen? Es hätte bloß durch die Bande der Blutsverwandtschaft das richtige Verhältnis da zu sein brauchen in dieser blutsverwandten Hochzeitsfamilie, und man hätte durch die magische Gewalt der Blutsliebe erleben können, daß zum Beispiel das Wasser, das in einem späteren Augenblicke des Hochzeitsfestes statt des Weines gereicht worden wäre, durch den seelischen Einfluß dieser Persönlichkeiten von den anderen empfunden worden wäre als Wein. Wein hätten sie getrunken, die anderen, wenn das richtige magische Verhältnis der einen Persönlichkeit zu den anderen dagewesen wäre. Sagen Sie nicht: Dieser Wein wäre ja doch Wasser gewesen! Ein vernünftiger Mensch muß sich darauf die Antwort geben: Für den Menschen sind die Dinge dasjenige, als was sie sich seinem Organismus mitteilen, was sie dem Menschen werden, nicht wie sie aussehen. Ich glaube, noch heute würden manche Weinliebhaber es ganz gern haben, wenn man ihnen Wasser reichte, wenn nur durch irgendeinen Einfluß bewirkt werden könnte, daß das Wasser so schmeckte wie Wein und es in ihrem Organismus die Wirkung des Weines hätte. Mehr ist ja nicht notwendig, als daß für den Menschen Wasser Wein ist. Was war also in alten Zeiten notwendig, damit ein solches Zeichen hat geschehen können, daß in den Gefäßen Wasser war, daß es aber Wein war, wenn es getrunken wurde? Es war die magische Gewalt, die durch die Blutsverwandtschaft bewirkt wurde, notwendig. Aber die Kraft in den Seelen, so etwas zu empfinden, die war da bei den Leuten auf der Hochzeit zu Kana in Galiläa. Ein Übergang mußte nur geschaffen werden.

[ 18 ] Es heißt im Johannes-Evangelium (2, 1 ff.) weiter: «Und die Mutter Jesu war da. Jesus aber und seine Jünger wurden auch auf die Hochzeit geladen.» Und da es an Wein mangelte, machte die Mutter des Jesus darauf aufmerksam und sagte zu ihm: «Sie haben nicht Wein.»

[ 18 ] Es heißt im Johannes-Evangelium (2, 1 ff.) weiter: «Und die Mutter Jesu war da. Jesus aber und seine Jünger wurden auch auf die Hochzeit geladen.» Und da es an Wein mangelte, machte die Mutter des Jesus darauf aufmerksam und sagte zu ihm: «Sie haben nicht Wein.»

[ 19 ] Ein Übergang, sagte ich, mußte geschaffen werden, damit sich so etwas ereignen konnte. Die seelische Kraft mußte durch irgend etwas unterstützt werden. Durch was konnte sie unterstützt werden ? Da kommen wir zu dem Wort, das in der Weise, wie es gewöhnlich übersetzt wird, eigentlich eine Blasphemie ist. Denn ich glaube nicht, daß ein fein empfindender Mensch es nicht als unangenehm empfinden müßte, wenn er sagt: «Sie haben nicht Wein!» und ihm darauf geantwortet wird: «Weib, was habe ich mit dir zu schaffen? Meine Stunde ist noch nicht gekommen!» Es ist überhaupt unmöglich, daß das in einer solchen Urkunde hingenommen wird. Man soll sich denken: Das Ideal der Liebe, wie es uns in den Evangelien geschildert wird, Jesus von Nazareth, er sollte in den Beziehungen zu seiner Mutter den Ausdruck gebrauchen: «Weib, was habe ich mit dir zu schaffen ?» Man braucht nicht mehr darüber zu sagen, denn das übrige muß man empfinden. Aber diese Worte stehen nicht da! Sehen Sie sich diese Stelle im Johannes-Evangelium an. Sie brauchen nur den griechischen Text aufzuschlagen, da haben Sie nichts weiter als die Worte, die da gesagt werden, indem der Jesus von Nazareth auf etwas hindeutet: «O Weib, dieses geht da von mir zu dir!» Gerade auf diese feine intime Kraft von Seele zu Seele, was da hinübergeht von ihm zu der Mutter, darauf weist er hin. Das braucht er aber in diesem Augenblick. Höheres an Zeichen kann er in diesem Augenblick noch nicht wirken, dazu muß seine Zeit erst heranreifen. Daher sagt er: Meine Zeit, wo ich bloß durch eine Kraft wirken werde, die ist noch nicht gekommen! - Denn jetzt ist noch notwendig das magnetische seelische Band, das da von der Seele des Jesus von Nazareth zu der Mutter hinübergeht. «O Weib, das geht da von mir zu dir!» Wie sollte die Mutter sonst nach dieser Rede, «Weib, was habe ich mit dir zu schaffen!» dazu kommen, zu den Dienern zu sagen: «Was er euch saget, das tut!»? Es ist notwendig, daß sie ausgestattet ist mit den alten Kräften, von denen heute die Menschen keine Ahnung mehr haben, und sie weiß, daß er hinweist auf dieses Blutsband zwischen Sohn und Mutter, hinweist auf das Band, das hinüberführen soll zu den anderen. Da weiß sie, daß jetzt etwas waltet wie eine unsichtbare geistige Kraft, die hier etwas bewirken kann. Und nunmehr bitte ich Sie, das Evangelium wirklich zu lesen. Ich möchte wissen, wie diejenigen mit dem Evangelium zurechtkommen, die da glauben, daß etwas — ja, ich weiß nicht, was eigentlich — geschehen sein soll, die da glauben, daß sechs gewöhnliche Krüge dastanden, wie sie sagen, «zur jüdischen Reinigung», und wie dann nach dieser ganz gewöhnlichen Anschauung ohne irgend etwas anderes — das eben in demjenigen lag, was jetzt besprochen worden ist —, wie da das Wasser hätte zu Wein werden sollen, wie das äußerlich nur hätte geschehen sollen?!

[ 19 ] Ein Übergang, sagte ich, mußte geschaffen werden, damit sich so etwas ereignen konnte. Die seelische Kraft mußte durch irgend etwas unterstützt werden. Durch was konnte sie unterstützt werden ? Da kommen wir zu dem Wort, das in der Weise, wie es gewöhnlich übersetzt wird, eigentlich eine Blasphemie ist. Denn ich glaube nicht, daß ein fein empfindender Mensch es nicht als unangenehm empfinden müßte, wenn er sagt: «Sie haben nicht Wein!» und ihm darauf geantwortet wird: «Weib, was habe ich mit dir zu schaffen? Meine Stunde ist noch nicht gekommen!» Es ist überhaupt unmöglich, daß das in einer solchen Urkunde hingenommen wird. Man soll sich denken: Das Ideal der Liebe, wie es uns in den Evangelien geschildert wird, Jesus von Nazareth, er sollte in den Beziehungen zu seiner Mutter den Ausdruck gebrauchen: «Weib, was habe ich mit dir zu schaffen ?» Man braucht nicht mehr darüber zu sagen, denn das übrige muß man empfinden. Aber diese Worte stehen nicht da! Sehen Sie sich diese Stelle im Johannes-Evangelium an. Sie brauchen nur den griechischen Text aufzuschlagen, da haben Sie nichts weiter als die Worte, die da gesagt werden, indem der Jesus von Nazareth auf etwas hindeutet: «O Weib, dieses geht da von mir zu dir!» Gerade auf diese feine intime Kraft von Seele zu Seele, was da hinübergeht von ihm zu der Mutter, darauf weist er hin. Das braucht er aber in diesem Augenblick. Höheres an Zeichen kann er in diesem Augenblick noch nicht wirken, dazu muß seine Zeit erst heranreifen. Daher sagt er: Meine Zeit, wo ich bloß durch eine Kraft wirken werde, die ist noch nicht gekommen! - Denn jetzt ist noch notwendig das magnetische seelische Band, das da von der Seele des Jesus von Nazareth zu der Mutter hinübergeht. «O Weib, das geht da von mir zu dir!» Wie sollte die Mutter sonst nach dieser Rede, «Weib, was habe ich mit dir zu schaffen!» dazu kommen, zu den Dienern zu sagen: «Was er euch saget, das tut!»? Es ist notwendig, daß sie ausgestattet ist mit den alten Kräften, von denen heute die Menschen keine Ahnung mehr haben, und sie weiß, daß er hinweist auf dieses Blutsband zwischen Sohn und Mutter, hinweist auf das Band, das hinüberführen soll zu den anderen. Da weiß sie, daß jetzt etwas waltet wie eine unsichtbare geistige Kraft, die hier etwas bewirken kann. Und nunmehr bitte ich Sie, das Evangelium wirklich zu lesen. Ich möchte wissen, wie diejenigen mit dem Evangelium zurechtkommen, die da glauben, daß etwas — ja, ich weiß nicht, was eigentlich — geschehen sein soll, die da glauben, daß sechs gewöhnliche Krüge dastanden, wie sie sagen, «zur jüdischen Reinigung», und wie dann nach dieser ganz gewöhnlichen Anschauung ohne irgend etwas anderes — das eben in demjenigen lag, was jetzt besprochen worden ist —, wie da das Wasser hätte zu Wein werden sollen, wie das äußerlich nur hätte geschehen sollen?!

[ 20 ] Was ist es? Und ebenso: Was ist der Glaube, den derjenige, der hier vor Ihnen spricht, zu diesem Wunder hat, den nur irgend jemand zu einem Wunder haben kann, daß sich hier eine Substanz in eine andere für die Menschen gewandelt hat? Aber mit einer gewöhnlichen Interpretation kommt man da nicht zurecht.

[ 20 ] Was ist es? Und ebenso: Was ist der Glaube, den derjenige, der hier vor Ihnen spricht, zu diesem Wunder hat, den nur irgend jemand zu einem Wunder haben kann, daß sich hier eine Substanz in eine andere für die Menschen gewandelt hat? Aber mit einer gewöhnlichen Interpretation kommt man da nicht zurecht.

[ 21 ] Man muß sich vorstellen, daß die Krüge, die da standen, vermutlich nicht mit Wasser gefüllt waren. Es ist gar nicht gesagt, daß sie etwa ausgegossen worden wären. Das steht nicht da. Wenn sie aber ausgegossen und wieder gefüllt worden wären - es steht da, sie seien gefüllt worden -, dann müßte man doch eigentlich glauben, daß es sich darum handeln müßte, wenn wirklich das Wasser sozusagen wie durch ein Taschenspielerkunststück in Wein verwandelt worden wäre: daß dann auch das Wasser, das früher darinnen gewesen wäre, in Wein verwandelt worden wäre. Also damit kommt man nicht zurecht. Es stimmt die ganze Sache nicht. Klar muß man sich aber sein, daß diese Krüge offenbar leer gewesen sind, daß sie leer gewesen sind aus dem Grunde, weil ihr Füllen etwas Besonderes zu bedeuten hatte.

[ 21 ] Man muß sich vorstellen, daß die Krüge, die da standen, vermutlich nicht mit Wasser gefüllt waren. Es ist gar nicht gesagt, daß sie etwa ausgegossen worden wären. Das steht nicht da. Wenn sie aber ausgegossen und wieder gefüllt worden wären - es steht da, sie seien gefüllt worden -, dann müßte man doch eigentlich glauben, daß es sich darum handeln müßte, wenn wirklich das Wasser sozusagen wie durch ein Taschenspielerkunststück in Wein verwandelt worden wäre: daß dann auch das Wasser, das früher darinnen gewesen wäre, in Wein verwandelt worden wäre. Also damit kommt man nicht zurecht. Es stimmt die ganze Sache nicht. Klar muß man sich aber sein, daß diese Krüge offenbar leer gewesen sind, daß sie leer gewesen sind aus dem Grunde, weil ihr Füllen etwas Besonderes zu bedeuten hatte.

[ 22 ] «Was er euch saget, das tut!» hatte die Mutter zu den Dienern gesagt. Was brauchte der Christus für Wasser? Er brauchte Wasser, das eben aus den Quellen der Natur kam. Daher muß besonders gesagt werden, daß das Wasser soeben geschöpft worden ist. Jenes Wasser, das noch nicht die inneren Kräfte verloren hatte, die irgendein Element hat, solange es noch mit der Natur zusammenhängt, war für seinen Zweck allein geeignet. — Wie gesagt, kein Wort ist in dem JohannesEvangelium ohne tiefe Bedeutung. — Ein Wasser, das soeben frisch geschöpft ist, mußte genommen werden, weil ja der Christus die Wesenheit ist, die sich eben der Erde genähert hat, eben verwandt geworden ist mit den Kräften, die in der Erde selber wirken. Indem die lebendigen Kräfte des Wassers wiederum mit dem zusammenwirken, was da strömt «von mir zu dir», da kann das geschehen, was uns im Evangelium geschildert wird: daß der Speisemeister herbeigerufen wird, und daß er unter dem Eindruck steht, daß hier etwas Besonderes geschehen ist — aber das, was geschehen ist, weiß er nicht; es wird ausdrücklich gesagt: er hat nicht gesehen, was geschehen ist, die Diener haben es gesehen, nicht er —, und daß er nun unter dem Eindruck dessen, was da geschehen ist, das Wasser als Wein empfindet. Das wird ganz klar und deutlich gesagt, so daß also wirklich durch die seelische Kraft hier bis in ein äußeres Element, das heißt bis in das Physische des menschlichen Leibes, hineingewirkt worden ist. Was mußte bei der Mutter des Jesus von Nazareth selber vorhanden sein, damit ihr Glaube in diesem Augenblick stark genug sein konnte, um eine solche Wirkung hervorzubringen? Sie mußte eines haben, was allerdings in ihr vorhanden war, nämlich die Einsicht, daß derjenige, welcher da ihr Sohn genannt wurde, der Geist der Erde geworden war. Dann konnte wiederum ihre starke Kraft des Glaubens in Verbindung mit seiner starken Kraft - was von ihm zu ihr wirkt - so mächtig wirken, daß das geschah, was beschrieben ist.

[ 22 ] «Was er euch saget, das tut!» hatte die Mutter zu den Dienern gesagt. Was brauchte der Christus für Wasser? Er brauchte Wasser, das eben aus den Quellen der Natur kam. Daher muß besonders gesagt werden, daß das Wasser soeben geschöpft worden ist. Jenes Wasser, das noch nicht die inneren Kräfte verloren hatte, die irgendein Element hat, solange es noch mit der Natur zusammenhängt, war für seinen Zweck allein geeignet. — Wie gesagt, kein Wort ist in dem JohannesEvangelium ohne tiefe Bedeutung. — Ein Wasser, das soeben frisch geschöpft ist, mußte genommen werden, weil ja der Christus die Wesenheit ist, die sich eben der Erde genähert hat, eben verwandt geworden ist mit den Kräften, die in der Erde selber wirken. Indem die lebendigen Kräfte des Wassers wiederum mit dem zusammenwirken, was da strömt «von mir zu dir», da kann das geschehen, was uns im Evangelium geschildert wird: daß der Speisemeister herbeigerufen wird, und daß er unter dem Eindruck steht, daß hier etwas Besonderes geschehen ist — aber das, was geschehen ist, weiß er nicht; es wird ausdrücklich gesagt: er hat nicht gesehen, was geschehen ist, die Diener haben es gesehen, nicht er —, und daß er nun unter dem Eindruck dessen, was da geschehen ist, das Wasser als Wein empfindet. Das wird ganz klar und deutlich gesagt, so daß also wirklich durch die seelische Kraft hier bis in ein äußeres Element, das heißt bis in das Physische des menschlichen Leibes, hineingewirkt worden ist. Was mußte bei der Mutter des Jesus von Nazareth selber vorhanden sein, damit ihr Glaube in diesem Augenblick stark genug sein konnte, um eine solche Wirkung hervorzubringen? Sie mußte eines haben, was allerdings in ihr vorhanden war, nämlich die Einsicht, daß derjenige, welcher da ihr Sohn genannt wurde, der Geist der Erde geworden war. Dann konnte wiederum ihre starke Kraft des Glaubens in Verbindung mit seiner starken Kraft - was von ihm zu ihr wirkt - so mächtig wirken, daß das geschah, was beschrieben ist.

[ 23 ] So haben wir in dem ersten Zeichen durch die ganze Konstellation der Verhältnisse gezeigt, wie aus den Zusammenstimmungen der Seelen heraus, aus dem, was noch geknüpft ist an die Blutsbande, in die physische Welt hineingewirkt wird. Es war das erste Zeichen, das geschehen ist und wo die Kraft des Christus im Mindestmaße gezeigt wird. Sie brauchte noch die Verstärkung durch den Zusammenhalt mit den seelischen Kräften der Mutter, und sie brauchte die Verstärkung durch die im Wasser mit der Natur noch vereinigten Kräfte, die noch darinnen sind, wenn man das Wasser frisch geschöpft hat. Im Mindestmaße tritt uns hier die wirkende Kraft der Christus-Wesenheit entgegen. Aber besonders wird Wert darauf gelegt, daß die Christus-Kraft hinüberwirkt auf die andere Seele und aus dieser anderen Seele, die dazu geeignet ist, Wirkungen herausruft. Das ist das Wesentliche, daß die Christus-Kraft gerade die Macht hat, die andere Seele geeignet zu machen, so daß die Wirkungen eintreten. Sie hatte die Hochzeitsgäste dazu geeignet gemacht, daß sie auch das Wasser als Wein empfanden. Ein jegliches aber, was eine wirkliche Kraft ist, verstärkt sich in seiner Wirkung selber. Indem der Christus das zweite Mal diese Kraft auszuüben hat, ist sie schon stärker. Wie sich die einfachste Kraft durch Übung verstärkt, so verstärkt sich besonders eine geistige Kraft, wenn sie einmal mit Erfolg angewendet wird.

[ 23 ] So haben wir in dem ersten Zeichen durch die ganze Konstellation der Verhältnisse gezeigt, wie aus den Zusammenstimmungen der Seelen heraus, aus dem, was noch geknüpft ist an die Blutsbande, in die physische Welt hineingewirkt wird. Es war das erste Zeichen, das geschehen ist und wo die Kraft des Christus im Mindestmaße gezeigt wird. Sie brauchte noch die Verstärkung durch den Zusammenhalt mit den seelischen Kräften der Mutter, und sie brauchte die Verstärkung durch die im Wasser mit der Natur noch vereinigten Kräfte, die noch darinnen sind, wenn man das Wasser frisch geschöpft hat. Im Mindestmaße tritt uns hier die wirkende Kraft der Christus-Wesenheit entgegen. Aber besonders wird Wert darauf gelegt, daß die Christus-Kraft hinüberwirkt auf die andere Seele und aus dieser anderen Seele, die dazu geeignet ist, Wirkungen herausruft. Das ist das Wesentliche, daß die Christus-Kraft gerade die Macht hat, die andere Seele geeignet zu machen, so daß die Wirkungen eintreten. Sie hatte die Hochzeitsgäste dazu geeignet gemacht, daß sie auch das Wasser als Wein empfanden. Ein jegliches aber, was eine wirkliche Kraft ist, verstärkt sich in seiner Wirkung selber. Indem der Christus das zweite Mal diese Kraft auszuüben hat, ist sie schon stärker. Wie sich die einfachste Kraft durch Übung verstärkt, so verstärkt sich besonders eine geistige Kraft, wenn sie einmal mit Erfolg angewendet wird.

[ 24 ] Das zweite der Zeichen ist, wie Sie aus dem Johannes-Evangelium wissen, die Heilung des Sohnes eines königlichen Hauptmannes. Wodurch wird der Sohn des königlichen Hauptmannes geheilt? Auch hier werden Sie wiederum nur das Richtige erkennen, wenn Sie das Johannes-Evangelium im richtigen Maße lesen, wenn Sie die Worte, die in dem betreffenden Kapitel das Wichtigste sind, ins Auge fassen. Im 5o. Verse des vierten Kapitels heißt es, nachdem der Hauptmann dem Jesus von Nazareth sein Leid geklagt hat:

[ 24 ] Das zweite der Zeichen ist, wie Sie aus dem Johannes-Evangelium wissen, die Heilung des Sohnes eines königlichen Hauptmannes. Wodurch wird der Sohn des königlichen Hauptmannes geheilt? Auch hier werden Sie wiederum nur das Richtige erkennen, wenn Sie das Johannes-Evangelium im richtigen Maße lesen, wenn Sie die Worte, die in dem betreffenden Kapitel das Wichtigste sind, ins Auge fassen. Im 5o. Verse des vierten Kapitels heißt es, nachdem der Hauptmann dem Jesus von Nazareth sein Leid geklagt hat:

«Jesus spricht zu ihm: «Gehe hin, dein Sohn lebt.» Der Mensch glaubte dem Worte, das Jesus zu ihm sagte, und ging hin.»

«Jesus spricht zu ihm: «Gehe hin, dein Sohn lebt.» Der Mensch glaubte dem Worte, das Jesus zu ihm sagte, und ging hin.»

[ 25 ] Wiederum waren zwei Seelen da, welche zusammenstimmten: die Seele des Christus und die Seele vom Vater des Sohnes. Und wie wirkt das Wort des Christus: «Gehe hin, dein Sohn lebt»? Es wirkt so, daß es in der anderen Seele die Kraft entzündet, zu glauben, was als ein solches Wort gesprochen war. Diese zwei Kräfte wirkten zusammen. Das Wort des Christus hatte die Kraft, so zu zünden in der anderen Seele, daß der Hauptmann glaubte. Würde der Mensch nicht geglaubt haben, so würde der Sohn nicht gesund geworden sein. So wirkt die eine Kraft auf die andere. Zwei gehören dazu. Hier aber haben wir bereits ein höheres Maß der Christus-Kraft. Bei der Hochzeit zu Kana brauchte sie noch, um überhaupt wirken zu können, die Verstärkung durch die Kraft der Mutter. Jetzt ist die Zeit so weit gekommen, daß die ChristusKraft das zündende Wort in die Seele des Hauptmannes hinübergießen kann. Eine Steigerung der Christus-Kraft ist da.

[ 25 ] Wiederum waren zwei Seelen da, welche zusammenstimmten: die Seele des Christus und die Seele vom Vater des Sohnes. Und wie wirkt das Wort des Christus: «Gehe hin, dein Sohn lebt»? Es wirkt so, daß es in der anderen Seele die Kraft entzündet, zu glauben, was als ein solches Wort gesprochen war. Diese zwei Kräfte wirkten zusammen. Das Wort des Christus hatte die Kraft, so zu zünden in der anderen Seele, daß der Hauptmann glaubte. Würde der Mensch nicht geglaubt haben, so würde der Sohn nicht gesund geworden sein. So wirkt die eine Kraft auf die andere. Zwei gehören dazu. Hier aber haben wir bereits ein höheres Maß der Christus-Kraft. Bei der Hochzeit zu Kana brauchte sie noch, um überhaupt wirken zu können, die Verstärkung durch die Kraft der Mutter. Jetzt ist die Zeit so weit gekommen, daß die ChristusKraft das zündende Wort in die Seele des Hauptmannes hinübergießen kann. Eine Steigerung der Christus-Kraft ist da.

[ 26 ] Gehen wir jetzt zu dem dritten der Zeichen, zu der Heilung des achtunddreißig Jahre lang Kranken am Teich Bethesda. Da müssen wir wieder das wichtigste Wort lesen, das Licht hineinwirft in die ganze Sache. Das ist jene Stelle, welche da heißt:

[ 26 ] Gehen wir jetzt zu dem dritten der Zeichen, zu der Heilung des achtunddreißig Jahre lang Kranken am Teich Bethesda. Da müssen wir wieder das wichtigste Wort lesen, das Licht hineinwirft in die ganze Sache. Das ist jene Stelle, welche da heißt:

«Jesus spricht zu ihm: Stehe auf, nimm dein Bette und gehe hin!» (5, 8)

«Jesus spricht zu ihm: Stehe auf, nimm dein Bette und gehe hin!» (5, 8)

[ 27 ] Der Kranke hatte vorher gesagt, als er von seiner Notwendigkeit sprach, liegen zu bleiben, daß er sich nicht bewegen könnte:

[ 27 ] Der Kranke hatte vorher gesagt, als er von seiner Notwendigkeit sprach, liegen zu bleiben, daß er sich nicht bewegen könnte:

«Herr, ich habe keinen Menschen, wenn das Wasser sich beweget, der mich in den Teich lasse; und wenn ich komme, so steiget ein anderer vor mir hinein.» (5, 7)

«Herr, ich habe keinen Menschen, wenn das Wasser sich beweget, der mich in den Teich lasse; und wenn ich komme, so steiget ein anderer vor mir hinein.» (5, 7)

[ 28 ] Der Christus aber spricht zu ihm — und das ist nun wiederum wichtig, daß es an einem Sabbat ist, wo überall Festesstimmung ist, eine Zeit eminentester Menschenliebe -, und er kleidet das, was er sagen will, in den Ausdruck: «Stehe auf, nimm dein Bette und gehe hin!» (5, 8). Und wir müssen dieses Wort zusammenhalten mit dem anderen, das er ihm sagt, und das ebenso wichtig ist:

[ 28 ] Der Christus aber spricht zu ihm — und das ist nun wiederum wichtig, daß es an einem Sabbat ist, wo überall Festesstimmung ist, eine Zeit eminentester Menschenliebe -, und er kleidet das, was er sagen will, in den Ausdruck: «Stehe auf, nimm dein Bette und gehe hin!» (5, 8). Und wir müssen dieses Wort zusammenhalten mit dem anderen, das er ihm sagt, und das ebenso wichtig ist:

«Siehe zu, du bist gesund geworden; sündige hinfort nicht mehr, daß dir nicht etwas Ärgeres widerfahre.» (5, 14)

«Siehe zu, du bist gesund geworden; sündige hinfort nicht mehr, daß dir nicht etwas Ärgeres widerfahre.» (5, 14)

[ 29 ] Was heißt das? Das heißt: Die Krankheit des achtunddreißig Jahre lang Kranken hing zusammen mit seiner Sünde. Ob diese Sünde begangen ist in diesem oder in einem früheren Leben, das wollen wir jetzt nicht erörtern. Für uns handelt es sich darum: Es hat der Christus in seine Seele die Kraft gegossen, etwas zu tun, was hineingreift bis in die moralisch-seelische Natur des anderen. Da haben wir wiederum eine Steigerung der Christus-Kraft. Vorher handelte es sich bloß um etwas, was so weit wirken sollte, daß Physisches geschah. Jetzt aber ist eine Krankheit da, von welcher der Christus selber sagt, daß sie zusammenhängt mit der Sünde des Kranken. Der Christus weiß in diesem Moment einzugreifen in die eigene Seele des Kranken. Vorher bedurfte es des Vaters noch; jetzt wirkt die Christus-Kraft in die Seele des Kranken hinein, was dadurch noch einen besonderen Zauber erhält, daß es am Sabbat geschieht. Der heutige Mensch hat keinen rechten Sinn mehr für solche Dinge. Für einen Bekenner des Alten Testamentes aber hatte es etwas zu sagen, daß es am Sabbat geschah. Das war etwas ganz Besonderes. Daher waren auch die Juden über den Kranken besonders erregt, weil er am Sabbat sein Bett trug. Das ist ein außerordentlich wichtiger Zug. Die Menschen sollten denken lernen, wenn sie die Evangelien lesen! Sie sollten es nicht für etwas Selbstverständliches halten, daß der Kranke geheilt werden konnte, daß derjenige, der seit achtunddreißig Jahren nicht hat gehen können, jetzt geht; sie sollten nachdenken über eine solche Stelle:

[ 29 ] Was heißt das? Das heißt: Die Krankheit des achtunddreißig Jahre lang Kranken hing zusammen mit seiner Sünde. Ob diese Sünde begangen ist in diesem oder in einem früheren Leben, das wollen wir jetzt nicht erörtern. Für uns handelt es sich darum: Es hat der Christus in seine Seele die Kraft gegossen, etwas zu tun, was hineingreift bis in die moralisch-seelische Natur des anderen. Da haben wir wiederum eine Steigerung der Christus-Kraft. Vorher handelte es sich bloß um etwas, was so weit wirken sollte, daß Physisches geschah. Jetzt aber ist eine Krankheit da, von welcher der Christus selber sagt, daß sie zusammenhängt mit der Sünde des Kranken. Der Christus weiß in diesem Moment einzugreifen in die eigene Seele des Kranken. Vorher bedurfte es des Vaters noch; jetzt wirkt die Christus-Kraft in die Seele des Kranken hinein, was dadurch noch einen besonderen Zauber erhält, daß es am Sabbat geschieht. Der heutige Mensch hat keinen rechten Sinn mehr für solche Dinge. Für einen Bekenner des Alten Testamentes aber hatte es etwas zu sagen, daß es am Sabbat geschah. Das war etwas ganz Besonderes. Daher waren auch die Juden über den Kranken besonders erregt, weil er am Sabbat sein Bett trug. Das ist ein außerordentlich wichtiger Zug. Die Menschen sollten denken lernen, wenn sie die Evangelien lesen! Sie sollten es nicht für etwas Selbstverständliches halten, daß der Kranke geheilt werden konnte, daß derjenige, der seit achtunddreißig Jahren nicht hat gehen können, jetzt geht; sie sollten nachdenken über eine solche Stelle:

«Da sprachen die Juden zu dem, der gesund war worden: Es ist heute Sabbat; es ziemt dir nicht, das Bette zu tragen.» (5, 10)

«Da sprachen die Juden zu dem, der gesund war worden: Es ist heute Sabbat; es ziemt dir nicht, das Bette zu tragen.» (5, 10)

[ 30 ] Nicht das fiel ihnen auf, daß er gesund geworden war, sondern daß er am Sabbat sein Bette trug! Es gehörte also zu der Heilung dieses Kranken dazu die ganze Situation, gerade an dem geheiligten Tag zu wirken. In dem Christus selber ist der Gedanke: Wenn der Sabbat dem Gotte wirklich heilig sein soll, dann müssen die Seelen durch die Gotteskraft an diesem Tage eine besondere Stärke haben. Durch diese Stärke wirkt er hinüber auf den, der da vor ihm stand, das heißt, sie übertrug sich auf die eigene Seele des Kranken. Und während der Kranke früher in seiner Seele keine Kraft gefunden hat, welche die Folgen der Sünde hat überwinden können, hat er jetzt diese Kraft durch die Wirkung der Christus-Kraft. Wiederum eine Steigerung der Christus-Kraft.

[ 30 ] Nicht das fiel ihnen auf, daß er gesund geworden war, sondern daß er am Sabbat sein Bette trug! Es gehörte also zu der Heilung dieses Kranken dazu die ganze Situation, gerade an dem geheiligten Tag zu wirken. In dem Christus selber ist der Gedanke: Wenn der Sabbat dem Gotte wirklich heilig sein soll, dann müssen die Seelen durch die Gotteskraft an diesem Tage eine besondere Stärke haben. Durch diese Stärke wirkt er hinüber auf den, der da vor ihm stand, das heißt, sie übertrug sich auf die eigene Seele des Kranken. Und während der Kranke früher in seiner Seele keine Kraft gefunden hat, welche die Folgen der Sünde hat überwinden können, hat er jetzt diese Kraft durch die Wirkung der Christus-Kraft. Wiederum eine Steigerung der Christus-Kraft.

[ 31 ] Und jetzt gehen wir weiter. Wie gesagt, über die eigentliche Natur der Wunder soll später gesprochen werden.

[ 31 ] Und jetzt gehen wir weiter. Wie gesagt, über die eigentliche Natur der Wunder soll später gesprochen werden.

[ 32 ] Das vierte der Zeichen ist die Speisung der fünftausend Mann. Dabei müssen wir wiederum das allerwichtigste Wort ins Auge fassen. Und welches ist das? - Man muß immer bei solchen Dingen bedenken, daß man nicht mit einem heutigen Bewußtsein ein solches Geschehnis überschauen darf. Wenn diejenigen, welche über den Christus geschrieben haben in der Zeit, als das Johannes-Evangelium geschrieben worden ist, geglaubt hätten, was heute unsere materialistische Zeit glaubt, dann hätten sie wirklich anders geschrieben; denn dann wäre ihnen anderes aufgefallen, als ihnen aufgefallen ist. - Das wichtigste Wort aber - das andere fällt ihnen nicht besonders auf, auch nicht, daß Fünftausend gespeist werden können mit dem wenigen, was da ist -, das Wort, das besonders betont wird, ist dieses:

[ 32 ] Das vierte der Zeichen ist die Speisung der fünftausend Mann. Dabei müssen wir wiederum das allerwichtigste Wort ins Auge fassen. Und welches ist das? - Man muß immer bei solchen Dingen bedenken, daß man nicht mit einem heutigen Bewußtsein ein solches Geschehnis überschauen darf. Wenn diejenigen, welche über den Christus geschrieben haben in der Zeit, als das Johannes-Evangelium geschrieben worden ist, geglaubt hätten, was heute unsere materialistische Zeit glaubt, dann hätten sie wirklich anders geschrieben; denn dann wäre ihnen anderes aufgefallen, als ihnen aufgefallen ist. - Das wichtigste Wort aber - das andere fällt ihnen nicht besonders auf, auch nicht, daß Fünftausend gespeist werden können mit dem wenigen, was da ist -, das Wort, das besonders betont wird, ist dieses:

«Jesus aber nahm die Brote, dankte und gab sie den Jüngern, die Jünger aber denen, die sich gelagert‘hatten; desselbigengleichen auch von den Fischen, wieviel sie wollten.» (6, 11)

«Jesus aber nahm die Brote, dankte und gab sie den Jüngern, die Jünger aber denen, die sich gelagert‘hatten; desselbigengleichen auch von den Fischen, wieviel sie wollten.» (6, 11)

[ 33 ] Was tut denn da der Christus Jesus? Hier bedient er sich, um das zu tun, was geschehen sollte, der Seelen der Jünger, derjenigen, die mit ihm waren, die herangereift waren zu seiner Größe nach und nach. Die gehören dazu. Sie sind um ihn herum; in ihnen kann er jetzt wachrufen eine seelische Kraft der Wohltat. Seine Kraft strömt hinaus in die der Jünger. Wie dann das hat geschehen können, was hier geschehen ist, darüber wollen wir noch sprechen. Aber eine Steigerung seiner Kraft bemerken wir auch hier wiederum. Früher hat er seine Kraft hinüberströmen lassen in die Seele des achtunddreißig Jahre lang Kranken. Jetzt aber wirkt seine Kraft hinüber in die Kraft der Seelen der Jünger. Hier wirkt jene Spannung der Kräfte hinaus, die da geht von der Seele des Herrn zu der Seele der Jünger. Es hat sich die Kraft erweitert von der Seele des einen auf die Seelen der anderen. Stärker ist die Kraft geworden. Es lebt also schon jetzt in den Seelen der Jünger auch das, was in der Seele des Christus lebt.

[ 33 ] Was tut denn da der Christus Jesus? Hier bedient er sich, um das zu tun, was geschehen sollte, der Seelen der Jünger, derjenigen, die mit ihm waren, die herangereift waren zu seiner Größe nach und nach. Die gehören dazu. Sie sind um ihn herum; in ihnen kann er jetzt wachrufen eine seelische Kraft der Wohltat. Seine Kraft strömt hinaus in die der Jünger. Wie dann das hat geschehen können, was hier geschehen ist, darüber wollen wir noch sprechen. Aber eine Steigerung seiner Kraft bemerken wir auch hier wiederum. Früher hat er seine Kraft hinüberströmen lassen in die Seele des achtunddreißig Jahre lang Kranken. Jetzt aber wirkt seine Kraft hinüber in die Kraft der Seelen der Jünger. Hier wirkt jene Spannung der Kräfte hinaus, die da geht von der Seele des Herrn zu der Seele der Jünger. Es hat sich die Kraft erweitert von der Seele des einen auf die Seelen der anderen. Stärker ist die Kraft geworden. Es lebt also schon jetzt in den Seelen der Jünger auch das, was in der Seele des Christus lebt.

[ 34 ] Wenn die Menschen sagen wollten: Was geschieht durch einen solchen Einfluß ? - dann sollten sie sich nur einmal an die Erfahrung halten. Sie sollten einmal versuchen zu beobachten, was geschah, wenn wirklich die starke Kraft, die in dem Christus war, nicht allein wirkte, sondern die Kraft entzündete in den Seelen der anderen Menschen, so daß sie dann weiter wirkte. Es gibt heute nicht Menschen, welche so lebendig glauben - vielleicht glauben sie theoretisch, aber nicht mit der genügenden Kraft. Dann aber erst könnten sie beobachten, was da geschieht. Die Geistesforschung weiß sehr wohl, was da geschieht.

[ 34 ] Wenn die Menschen sagen wollten: Was geschieht durch einen solchen Einfluß ? - dann sollten sie sich nur einmal an die Erfahrung halten. Sie sollten einmal versuchen zu beobachten, was geschah, wenn wirklich die starke Kraft, die in dem Christus war, nicht allein wirkte, sondern die Kraft entzündete in den Seelen der anderen Menschen, so daß sie dann weiter wirkte. Es gibt heute nicht Menschen, welche so lebendig glauben - vielleicht glauben sie theoretisch, aber nicht mit der genügenden Kraft. Dann aber erst könnten sie beobachten, was da geschieht. Die Geistesforschung weiß sehr wohl, was da geschieht.

[ 35 ] So haben wir eine von Stufe zu Stufe gehende Verstärkung der Christus-Kraft.

[ 35 ] So haben wir eine von Stufe zu Stufe gehende Verstärkung der Christus-Kraft.

[ 36 ] Und weiter: das fünfte der Zeichen, das in demselben Kapitel erzählt wird und beginnt:

[ 36 ] Und weiter: das fünfte der Zeichen, das in demselben Kapitel erzählt wird und beginnt:

«Am Abend aber gingen die Jünger hinab an das Meer, Und traten in das Schiff, und kamen über das Meer gen Kapernaum. Und es war schon finster geworden, und Jesus war nicht zu ihnen gekommen.

Und das Meer er hub sich von einem großen Winde.

Da sie nun gerudert hatten bei fünfundzwanzig oder dreißig Feld Wegs, sahen sie Jesum auf dem Meere dahergehen und nahe zum Schiffe kommen; und sie fürchteten sich.» (6, 16-19)

«Am Abend aber gingen die Jünger hinab an das Meer, Und traten in das Schiff, und kamen über das Meer gen Kapernaum. Und es war schon finster geworden, und Jesus war nicht zu ihnen gekommen.

Und das Meer er hub sich von einem großen Winde.

Da sie nun gerudert hatten bei fünfundzwanzig oder dreißig Feld Wegs, sahen sie Jesum auf dem Meere dahergehen und nahe zum Schiffe kommen; und sie fürchteten sich.» (6, 16-19)

[ 37 ] Diejenigen, welche heute Evangelien drucken lassen, schreiben zum Beispiel als einen höchst überflüssigen Titel darüber: « Jesus wandelt auf dem Meer», als ob das irgendwo in diesem Kapitel stehen würde. Wo steht: « Jesus wandelt auf dem Meer»? Es steht da: «Die Jünger sahen Jesum auf dem Meere dahergehen.» Das ist es. Wir müssen die Evangelien wörtlich nehmen. Die Christus-Kraft hat sich eben wiederum verstärkt! So stark war sie geworden durch die selbstverständliche Verstärkung in der Übung in den letzten Taten, daß jetzt nicht nur die Christus-Kraft von einer Seele in die andere wirken konnte, daß sich nicht nur die Christus-Seele in ihren Kräften mitteilen konnte den anderen Seelen, sondern daß der Christus in seiner eigenen Gestalt vor der Seele des anderen leben konnte, der dazu geeignet war. Also das Ereignis ist dieses: Irgend jemand ist an einem anderen Orte, seine Kraft ist so stark, daß sie wirkt auf entfernte Menschen, die weit weg sind. So stark wirkt sie aber jetzt, die Christus-Kraft, daß sie nicht bloß in den Jüngern eine Kraft auslöst, wie sie bei denen war, die sich mit ihm auf dem Berge gelagert hatten; da war nur die Kraft übergegangen auf die Jünger, um das Wunder zu wirken. Jetzt haben sie die Kraft, obwohl sie mit physischen Augen nicht da hineinsehen können, wo der Christus ist, den Christus zu sehen und seine eigene Gestalt zu schauen. Der Christus konnte in der Ferne sichtbar werden für diejenigen, zu denen sich sein Seelenband bereits geknüpft hatte. Jetzt ist seine eigene Gestalt so weit, daß sie geistig gesehen werden kann. In dem Augenblick, als die Möglichkeit des physischen Sehens bei den Jüngern schwindet, da taucht die Möglichkeit des geistigen Sehens bei ihnen um so mehr auf, und sie sehen den Christus. Das Sehen in die Ferne ist aber durchaus so, daß man das Bild des Gegenstandes wie in seiner unmittelbaren Nähe hat. Wiederum eine Steigerung der Christus-Kraft. Das nächste Zeichen ist die Heilung des Blindgeborenen.

[ 37 ] Diejenigen, welche heute Evangelien drucken lassen, schreiben zum Beispiel als einen höchst überflüssigen Titel darüber: « Jesus wandelt auf dem Meer», als ob das irgendwo in diesem Kapitel stehen würde. Wo steht: « Jesus wandelt auf dem Meer»? Es steht da: «Die Jünger sahen Jesum auf dem Meere dahergehen.» Das ist es. Wir müssen die Evangelien wörtlich nehmen. Die Christus-Kraft hat sich eben wiederum verstärkt! So stark war sie geworden durch die selbstverständliche Verstärkung in der Übung in den letzten Taten, daß jetzt nicht nur die Christus-Kraft von einer Seele in die andere wirken konnte, daß sich nicht nur die Christus-Seele in ihren Kräften mitteilen konnte den anderen Seelen, sondern daß der Christus in seiner eigenen Gestalt vor der Seele des anderen leben konnte, der dazu geeignet war. Also das Ereignis ist dieses: Irgend jemand ist an einem anderen Orte, seine Kraft ist so stark, daß sie wirkt auf entfernte Menschen, die weit weg sind. So stark wirkt sie aber jetzt, die Christus-Kraft, daß sie nicht bloß in den Jüngern eine Kraft auslöst, wie sie bei denen war, die sich mit ihm auf dem Berge gelagert hatten; da war nur die Kraft übergegangen auf die Jünger, um das Wunder zu wirken. Jetzt haben sie die Kraft, obwohl sie mit physischen Augen nicht da hineinsehen können, wo der Christus ist, den Christus zu sehen und seine eigene Gestalt zu schauen. Der Christus konnte in der Ferne sichtbar werden für diejenigen, zu denen sich sein Seelenband bereits geknüpft hatte. Jetzt ist seine eigene Gestalt so weit, daß sie geistig gesehen werden kann. In dem Augenblick, als die Möglichkeit des physischen Sehens bei den Jüngern schwindet, da taucht die Möglichkeit des geistigen Sehens bei ihnen um so mehr auf, und sie sehen den Christus. Das Sehen in die Ferne ist aber durchaus so, daß man das Bild des Gegenstandes wie in seiner unmittelbaren Nähe hat. Wiederum eine Steigerung der Christus-Kraft. Das nächste Zeichen ist die Heilung des Blindgeborenen.

[ 38 ] Diese Heilung des Blindgeborenen, wie sie in dem Johannes-Evangelium steht, wird nun wiederum ganz besonders entstellt. Sie haben die Geschichte ja vielleicht öfters im Evangelium gelesen:

[ 38 ] Diese Heilung des Blindgeborenen, wie sie in dem Johannes-Evangelium steht, wird nun wiederum ganz besonders entstellt. Sie haben die Geschichte ja vielleicht öfters im Evangelium gelesen:

«Und Jesus ging vorüber und sah einen, der blind geboren war. Und seine Jünger fragten ihn und sprachen: Meister, wer hat gesündigt, dieser oder seine Eltern, daß er ist blind geboren?

Jesus antwortete: Es hat weder dieser gesündiget, noch seine Eltern, sondern daß die Werke Gottes offenbar würden an ihm.» (9, 1-3)

«Und Jesus ging vorüber und sah einen, der blind geboren war. Und seine Jünger fragten ihn und sprachen: Meister, wer hat gesündigt, dieser oder seine Eltern, daß er ist blind geboren?

Jesus antwortete: Es hat weder dieser gesündiget, noch seine Eltern, sondern daß die Werke Gottes offenbar würden an ihm.» (9, 1-3)

[ 39 ] Und dann heilt er ihn. Man braucht nur zu fragen: Ist es etwa ein christliches Empfinden, daß man so interpretiert: Hier ist ein Blindgeborener. Gesündigt, so daß er blind geboren ist, haben nicht seine Eltern, gesündigt hat auch nicht er, aber er ist von Gott blind gemacht worden, damit der Christus kommen kann und zum Ruhme Gottes ein Wunder tun kann. Damit also eine Wirkung dem Gotte zugeschrieben werden könnte, mußte erst der Betreffende von dem Gotte blind gemacht werden! Es ist aber nur nicht richtig gelesen. Es heißt auch gar nicht, daß sich «die Werke Gottes bei diesem Blinden offenbaren sollten».

[ 39 ] Und dann heilt er ihn. Man braucht nur zu fragen: Ist es etwa ein christliches Empfinden, daß man so interpretiert: Hier ist ein Blindgeborener. Gesündigt, so daß er blind geboren ist, haben nicht seine Eltern, gesündigt hat auch nicht er, aber er ist von Gott blind gemacht worden, damit der Christus kommen kann und zum Ruhme Gottes ein Wunder tun kann. Damit also eine Wirkung dem Gotte zugeschrieben werden könnte, mußte erst der Betreffende von dem Gotte blind gemacht werden! Es ist aber nur nicht richtig gelesen. Es heißt auch gar nicht, daß sich «die Werke Gottes bei diesem Blinden offenbaren sollten».

[ 40 ] Wenn wir dieses Zeichen verstehen wollen, so müssen wir zurückgehen auf den Sprachgebrauch, wie das Wort «Gott» gebraucht wurde. Das werden Sie am leichtesten finden, wenn Sie ein anderes Kapitel aufschlagen, wo der Christus geradezu angeklagt wird, daß er von sich behauptete, er wäre mit dem Gotte eins. Wie antwortet er?

[ 40 ] Wenn wir dieses Zeichen verstehen wollen, so müssen wir zurückgehen auf den Sprachgebrauch, wie das Wort «Gott» gebraucht wurde. Das werden Sie am leichtesten finden, wenn Sie ein anderes Kapitel aufschlagen, wo der Christus geradezu angeklagt wird, daß er von sich behauptete, er wäre mit dem Gotte eins. Wie antwortet er?

«Jesus antwortete ihnen: Stehet nicht geschrieben in eurem Gesetz: Ich habe gesagt: Ihr seid Götter?» (10, 34)

«Jesus antwortete ihnen: Stehet nicht geschrieben in eurem Gesetz: Ich habe gesagt: Ihr seid Götter?» (10, 34)

[ 41 ] Das heißt, der Christus antwortet: In dem Innersten der Menschenseele ist die Anlage zu einem Gotte. Es ist etwas Göttliches. Wie oft haben wir es ausgesprochen, daß das vierte Glied der menschlichen Wesenheit die Anlage zu dem Göttlichen im Menschen ist. «Ihr seid Götter! », das heißt: ein Göttliches wohnt in euch! Dieses Göttliche ist etwas anderes als der Mensch, als die Person des Menschen, wie er hier zwischen Geburt und Tod lebt; das ist auch etwas anderes als das, was ein Mensch von seinen Eltern ererbt hat. Woher kommt dieses Göttliche, diese Individualität des Menschen? Sie geht von Verkörperung zu Verkörperung, durch wiederholte Erdenleben. Aus einem früheren Erdenleben herüber, aus einer früheren Inkarnation kommt diese Individualität. Also: nicht seine Eltern haben gesündigt, auch nicht seine Persönlichkeit, zu der man gewöhnlich «Ich» sagt. Aber in einem früheren Leben hat dieser Mensch die Ursache dazu gelegt, daß er blind geboren ist in diesem Leben. Blind ist er dadurch geworden, daß sich die Werke des Gottes in ihm von einem früheren Leben her in seiner Blindheit zeigen. Karma, das Gesetz von Ursache und Wirkung, wird hier klar und deutlich von dem Christus Jesus angedeutet. Auf was also muß jetzt gewirkt werden, wenn diese Krankheit geheilt werden sollte? Es muß auf das gewirkt werden, was nicht als ein vergängliches Ich zwischen Geburt und Tod lebt, sondern tiefer müssen sich die Kräfte hineinbohren, in das Ich, das von Leben zu Leben geht. Die Christus-Kraft hat sich abermals gesteigert. Bis jetzt haben wir gesehen, daß sie nur auf das gewirkt hat, was ihr gegenübersteht. Jetzt wirkt sie auf das, was das Menschenleben zwischen Geburt und Tod überlebt, was von Leben zu Leben geht. Der Christus fühlt sich selbst als der Repräsentant des Ich-bin. Indem er seine Kraft hineingießt in das Ich-bin, indem so der hohe Gott des Christus sich mitteilt dem Gotte im Menschen, bekommt der Mensch die Kraft, sich von innen heraus zu heilen. Jetzt ist der Christus hineingedrungen bis in das innerste Wesen der Seele. Seine Kraft hat hineingewirkt in die ewige Individualität des Kranken und hat diese dadurch stark gemacht, daß die eigene Kraft des Christus auftritt in der Individualität des Kranken und dadurch auch hineinwirkt bis in die Folgen der früheren Inkarnationen.

[ 41 ] Das heißt, der Christus antwortet: In dem Innersten der Menschenseele ist die Anlage zu einem Gotte. Es ist etwas Göttliches. Wie oft haben wir es ausgesprochen, daß das vierte Glied der menschlichen Wesenheit die Anlage zu dem Göttlichen im Menschen ist. «Ihr seid Götter! », das heißt: ein Göttliches wohnt in euch! Dieses Göttliche ist etwas anderes als der Mensch, als die Person des Menschen, wie er hier zwischen Geburt und Tod lebt; das ist auch etwas anderes als das, was ein Mensch von seinen Eltern ererbt hat. Woher kommt dieses Göttliche, diese Individualität des Menschen? Sie geht von Verkörperung zu Verkörperung, durch wiederholte Erdenleben. Aus einem früheren Erdenleben herüber, aus einer früheren Inkarnation kommt diese Individualität. Also: nicht seine Eltern haben gesündigt, auch nicht seine Persönlichkeit, zu der man gewöhnlich «Ich» sagt. Aber in einem früheren Leben hat dieser Mensch die Ursache dazu gelegt, daß er blind geboren ist in diesem Leben. Blind ist er dadurch geworden, daß sich die Werke des Gottes in ihm von einem früheren Leben her in seiner Blindheit zeigen. Karma, das Gesetz von Ursache und Wirkung, wird hier klar und deutlich von dem Christus Jesus angedeutet. Auf was also muß jetzt gewirkt werden, wenn diese Krankheit geheilt werden sollte? Es muß auf das gewirkt werden, was nicht als ein vergängliches Ich zwischen Geburt und Tod lebt, sondern tiefer müssen sich die Kräfte hineinbohren, in das Ich, das von Leben zu Leben geht. Die Christus-Kraft hat sich abermals gesteigert. Bis jetzt haben wir gesehen, daß sie nur auf das gewirkt hat, was ihr gegenübersteht. Jetzt wirkt sie auf das, was das Menschenleben zwischen Geburt und Tod überlebt, was von Leben zu Leben geht. Der Christus fühlt sich selbst als der Repräsentant des Ich-bin. Indem er seine Kraft hineingießt in das Ich-bin, indem so der hohe Gott des Christus sich mitteilt dem Gotte im Menschen, bekommt der Mensch die Kraft, sich von innen heraus zu heilen. Jetzt ist der Christus hineingedrungen bis in das innerste Wesen der Seele. Seine Kraft hat hineingewirkt in die ewige Individualität des Kranken und hat diese dadurch stark gemacht, daß die eigene Kraft des Christus auftritt in der Individualität des Kranken und dadurch auch hineinwirkt bis in die Folgen der früheren Inkarnationen.

[ 42 ] Welche Steigerung gibt es jetzt noch für die Christus-Kraft? Einzig und allein die Steigerung, daß der Christus an einen Menschen heranrückt und das in ihm auferweckt, wodurch sein eigener Impuls in dem anderen Menschen auferweckt wird, daß der andere Mensch die Christus-Kraft so aufnimmt, daß sein ganzes Wesen davon durchdrungen wird, und er ein anderer Mensch, ein Christus-durchdrungener Mensch wird. Das geschieht bei der Auferweckung des Lazarus! Da haben wir wieder eine Steigerung der Christus-Kraft. Die ChristusKraft steigert sich von Stufe zu Stufe.

[ 42 ] Welche Steigerung gibt es jetzt noch für die Christus-Kraft? Einzig und allein die Steigerung, daß der Christus an einen Menschen heranrückt und das in ihm auferweckt, wodurch sein eigener Impuls in dem anderen Menschen auferweckt wird, daß der andere Mensch die Christus-Kraft so aufnimmt, daß sein ganzes Wesen davon durchdrungen wird, und er ein anderer Mensch, ein Christus-durchdrungener Mensch wird. Das geschieht bei der Auferweckung des Lazarus! Da haben wir wieder eine Steigerung der Christus-Kraft. Die ChristusKraft steigert sich von Stufe zu Stufe.

[ 43 ] Wo haben Sie in der Welt ein lyrisches Dokument, das so großartig komponiert wäre! Keine anderen Schriftsteller haben solche Kompositionen gehabt. Wer müßte sich nicht in Ehrfurcht beugen, wenn hier die Ereignisse so geschildert sind, daß sie sich steigern von Stufe zu Stufe und in einer so wunderbaren Weise! Wenn wir nur von der Seite der künstlerischen Komposition her das Johannes-Evangelium betrachten, müssen wir uns in Ehrfurcht vor ihm beugen. Hier wächst alles von Stufe zu Stufe hinauf und steigert sich.

[ 43 ] Wo haben Sie in der Welt ein lyrisches Dokument, das so großartig komponiert wäre! Keine anderen Schriftsteller haben solche Kompositionen gehabt. Wer müßte sich nicht in Ehrfurcht beugen, wenn hier die Ereignisse so geschildert sind, daß sie sich steigern von Stufe zu Stufe und in einer so wunderbaren Weise! Wenn wir nur von der Seite der künstlerischen Komposition her das Johannes-Evangelium betrachten, müssen wir uns in Ehrfurcht vor ihm beugen. Hier wächst alles von Stufe zu Stufe hinauf und steigert sich.

[ 44 ] Noch eines bleibt uns übrig zu zeigen. Wir müssen uns fragen: Wir haben einzelnes herausgegriffen, was uns die Steigerung der Zeichen, der Wunder zeigt. Es steht auch manches dazwischen. Wie gliedert sich das in das Ganze hinein?

[ 44 ] Noch eines bleibt uns übrig zu zeigen. Wir müssen uns fragen: Wir haben einzelnes herausgegriffen, was uns die Steigerung der Zeichen, der Wunder zeigt. Es steht auch manches dazwischen. Wie gliedert sich das in das Ganze hinein?

[ 45 ] Morgen wird es unsere Aufgabe sein, zu zeigen, daß im JohannesEvangelium nicht nur in seinen Wundern eine bewunderungswürdige Steigerung liegt, sondern daß alle die übrigen Zwischenausführungen mit besonderer Absicht sich hineinfügen, so daß man wohl begreift, daß es nicht besser hätte ausgefüllt werden können, als es der Schreiber des Johannes-Evangeliums getan hat.

[ 45 ] Morgen wird es unsere Aufgabe sein, zu zeigen, daß im JohannesEvangelium nicht nur in seinen Wundern eine bewunderungswürdige Steigerung liegt, sondern daß alle die übrigen Zwischenausführungen mit besonderer Absicht sich hineinfügen, so daß man wohl begreift, daß es nicht besser hätte ausgefüllt werden können, als es der Schreiber des Johannes-Evangeliums getan hat.

[ 46 ] Wir haben heute das Johannes-Evangelium künstlerisch betrachtet in bezug auf seine Komposition, und wir sehen, daß es wahrhaftig kaum denkbar ist, daß ein Kunstwerk künstlerisch vollendeter komponiert ist und sich schöner darstellt als das Johannes-Evangelium bis zu seiner Schilderung der Auferweckung des Lazarus.

[ 46 ] Wir haben heute das Johannes-Evangelium künstlerisch betrachtet in bezug auf seine Komposition, und wir sehen, daß es wahrhaftig kaum denkbar ist, daß ein Kunstwerk künstlerisch vollendeter komponiert ist und sich schöner darstellt als das Johannes-Evangelium bis zu seiner Schilderung der Auferweckung des Lazarus.

[ 47 ] Aber nur der, der lesen kann und weiß, worauf es ankommt, spürt den großen, gewaltigen Sinn des Johannes-Evangeliums. Die Theosophie ist heute dazu berufen, diesen großen Sinn uns vor die Seele zu rücken. Aber es liegt noch mehr in diesem Johannes-Evangelium. Unseren Ausführungen werden Erklärungen des Johannes-Evangeliums nachfolgen, und diese werden wiederum eine höhere Weisheit haben als die unsrigen. Aber ihre Weisheit wird wiederum dazu dienen, neue Wahrheiten zu finden, wie uns unsere Weisheit seit dreißig Jahren dazu dient, dasjenige zu finden, was ohne Theosophie nicht gefunden werden kann.

[ 47 ] Aber nur der, der lesen kann und weiß, worauf es ankommt, spürt den großen, gewaltigen Sinn des Johannes-Evangeliums. Die Theosophie ist heute dazu berufen, diesen großen Sinn uns vor die Seele zu rücken. Aber es liegt noch mehr in diesem Johannes-Evangelium. Unseren Ausführungen werden Erklärungen des Johannes-Evangeliums nachfolgen, und diese werden wiederum eine höhere Weisheit haben als die unsrigen. Aber ihre Weisheit wird wiederum dazu dienen, neue Wahrheiten zu finden, wie uns unsere Weisheit seit dreißig Jahren dazu dient, dasjenige zu finden, was ohne Theosophie nicht gefunden werden kann.