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The Rudolf Steiner Archive

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Der Orient im Lichte des Okzidents
Die Kinder des Luzifer und die Brüder Christi
GA 113

31 August 1909, München

Neunter Vortrag

[ 1 ] Die Tatsache, mit der wir gestern unsere Betrachtungen geschlossen haben, muß notwendigerweise, wenn sie zum erstenmal an den Menschen herantritt, etwas unverständlich bleiben. Sie gehört zu den Geheimnissen der Zahl. Und die Geheimnisse der Zahl sind diejenigen, zu denen verhältnismäßig am schwierigsten hin zu gelangen ist.

[ 2 ] Es ist gesagt worden, daß zwischen den Zahlen Sieben und Zwölf ein gewisses Verhältnis besteht, und daß dieses Verhältnis etwas zu tun hat mit Zeit und Raum. Nun ist es zwar möglich, daß das Geheimnis, das damit ausgesprochen ist, nach und nach von allen Menschen verstanden werden kann, aber im Sinne der gegenwärtig allein anerkannten Erkenntnis ist dieSache eine bloße Behauptung. Sie soll zunächst erläutert werden. Man findet sich im Weltengetriebe, darauf konnte schon hingewiesen werden, zurecht, wenn man unterscheidet zwischen denjenigen Verhältnissen, die vorzugsweise räumlich sind, und denjenigen die vorzugsweise zeitlich sind. Man begreift die Welt, wie sie uns umgibt, zunächst in Raum und Zeit. Wenn man sich aber nicht darauf beschränkt, abstrakt von Raum und Zeit zu sprechen, sondern verstehen will, wie sich die Verhältnisse in der Zeit ordnen, und wie sich die einzelnen Wesenheiten im Raum zueinander stellen, dann gibt es einen Faden, der hindurchführt auf der einen Seite durch die Verhältnisse der Zeit und auf der anderen Seite durch die Verhältnisse des Raumes. Wir betrachten geisteswissenschaftlich zunächst den Werdegang der Welterscheinungen. Wir blicken zurück auf frühere Verkörperungen des Menschen, auf frühere Verkörperungen der Rassen, der Kulturen, auf frühere Verkörperungen der Erde selbst. Wir verschaffen uns eine Ahnung von demjenigen, was in der Zukunft, also auch zeitlich geschehen soll. Aber wir finden uns immer zurecht, wenn wir uns sagen: Wir werden die zeitliche Entwickelung von einem Gerüste aus beurteilen, das wir uns bauen durch die Zahl Sieben. - Man darf da nicht konstruieren oder spekulieren und mit der Zahl Sieben allerlei Deutungen vornehmen, sondern man soll zunächst einmal die Tatsachen unter dem Gesichtspunkt der Siebenzahl verfolgen. Es ist dies zunächst nur eine Erleichterung des Betrachtens. Nehmen Sie zum Beispiel den Menschen an, dessen Geistesauge geöffnet ist, so weit, daß er die Tatsachen der Akasha-Chronik in der Vergangenheit prüfen kann, so wird ihn die Siebenzahl dadurch leiten können, daß er sich sagt: Was in der Zeit verläuft, baut sich nach dem Gerüste der Siebenzahl auf; was sich wiederholt in verschiedenen Formen, das betrachtet man gut dadurch, daß man die Sieben zugrunde legt und die entsprechenden Gestaltungen dann aufsucht. — So ist es gut, sich zu sagen: Weil die Erde verschiedene Verkörperungen durchmacht, suchen wir ihre sieben Verkörperungen: Saturn, Sonne, Mond, Erde, Jupiter, Venus und Vulkan. Weil die menschlichen Kulturen sieben Verkörperungen durchmachen, suchen wir ihren Zusammenhang, indem wir wiederum die Siebenzahl zugrunde legen. — Wir gehen zum Beispiel zur ersten Kultur in der nachatlantischen Zeit. Die altindische Kulturperiode ist die erste, die zweite ist die urpersische, die dritte die chaldäisch-ägyptische, die vierte die griechisch-lateinische, die fünfte unsere eigene, und wir erwarten die zwei folgenden, welche als die sechste und siebente die unsere ablösen werden. Da haben wir wiederum die Siebenzahl in aufeinanderfolgenden Kulturverkörperungen zugrunde gelegt. Wir können aber auch in dem Karma eines Menschen uns zurecht finden, wenn wir zurückzublicken suchen auf seine drei vorhergehenden Inkarnationen. Wenn man die Inkarnation eines Menschen der Gegenwart nimmt und überblickt von dieser Gegenwart ausgehend die drei vorhergehenden Inkarnationen, dann ist es möglich, gewisse Schlüsse zu ziehen für die drei nächstfolgenden Inkarnationen. Die drei vorhergehenden Inkarnationen und die jetzige mit den drei folgenden geben wiederum sieben. So ist die Siebenzahl ein Leitfaden für alles zeitliche Geschehen.

[ 3 ] Dagegen ist die Zahl Zwölf ein Leitfaden für alles, was im Raume nebeneinander besteht. Das hat eine Wissenschaft, die zu gleicher Zeit Weisheit war, immer gefühlt. Daher hat sie bei Welterscheinungen, die unserer Erde angehören, gesagt: Wir finden uns zurecht, wenn wir die räumlichen Beziehungen von irgend etwas, was auf der Erde geschieht, auf zwölf Dauerpunkte, die im Raume verteilt sind, beziehen. — Diese zwölf Dauerpunkte sind durch die zwölf Tierkreis-Zeichen im Weltenraum angegeben. Das sollten zwölf Grundpunkte sein, auf die alles im Raume bezogen wird. Das liegt aber nicht bloß in einer Willkür der menschlichen Denk weise, sondern diese hat an der Wirklichkeit gelernt und sich dieses Verhältnis, daß man im Raum sich am besten zurechtfindet, wenn man sich auf zwölf Glieder bezieht, als orientierend ausgebildet. Wo es sich um Veränderungen handelt, das heißt um Zeitliches, da werden die sieben Planeten von einer älteren Wissenschaft zugrunde gelegt. Da ist die Siebenzahl der Leitfaden.

[ 4 ] Nun fragen wir uns: Wie wendet sich das auf dieses menschliche Leben in seiner Entwickelung an? — Wir haben gesagt, daß bis zu dem Zeitpunkt in der Menschheitsentwickelung, der durch den Eintritt des Christus-Prinzipes bezeichnet wird, es sich darum handelt, daß der Mensch, wenn er in sein Inneres hineinblickte, den Weg zu der Götterwelt durch den Schleier seines Inneren suchte, in die luziferische Welt hineinkam. Und wir haben alles dasjenige, was da der Mensch findet, mit einem Sammelnamen als die luziferische Welt bezeichnen können. Das war auch in diesen älteren Zeiten der Weg, auf dem der Mensch seine Weisheit gesucht hat, auf dem er eine höhere Erkenntnis über die Welt gesucht hat, als man hinter dem Teppich der äußeren Sinneswelt finden kann. Der Mensch hat gesucht, indem er sich in seine innere Welt versenkt hat; aus dieser heraus mußten weitere Intuitionen und Inspirationen des moralischen und ethischen Lebens geradeso aufsteigen, wie die Intuitionen des Gewissens aus dieser inneren Welt aufgestiegen sind. Es sind auch alle anderen Intuitionen und Inspirationen, die sich auf das Moralische, auf das Seelische überhaupt bezogen, selbstverständlich aus dem Seelischen aufgestiegen. Daher mußten sich diejenigen hohen Individualitäten, welche Führer waren der Menschheit in diesen alten Zeiten, zunächst, wenn sie über das Höchste die Menschen aufklären wollten, an das menschliche Innere wenden. An das menschliche Seelenleben, an das menschliche Innere mußten sich wenden die heiligen Rishis, mußten sich wenden bei allen älteren Kulturen die großen Lehrer der Menschheit. Das menschliche Innere aber ist kein Räumliches, es ist ein Zeitliches. Das Seelenleben verläuft in der Zeit. Dasjenige, was uns außen umgibt, gruppiert sich im Raum; was innerlich verläuft, gruppiert sich in der Zeit. Daher wird alles dasjenige, was zum menschlichen Innern sprechen will, geprüft an dem Leitfaden der Zahl Sieben. Wie kann man daher ein Wesen am besten verstehen, das zum menschlichen Innern sprechen will? Wie könnte man jene Wesen in ihren Grundeigentümlichkeiten am besten verstehen, die wir zum Beispiel die heiligen Rishis nennen? Dann könnte man sie am besten verstehen, wenn man sie erfaßt in demjenigen Verhältnis, das verwandt ist mit dem zeitlichen Seelenleben. Daher erstand in diesen älteren Zeiten, wo die großen Weisen gesprochen haben, vor allen Dingen diese Frage: Woher stammen sie? — wie wir fragen bei einem Sohne: Wer ist Vater und Mutter? Nach dem Zeitlichen, nach dem Abstammungsverhältnis frug man. Wenn man einen Weisen vor sich hatte, da interessierte man sich vor allen Dingen für die Frage: Woher kommt er? Welches war die Wesenheit, die früher da war? Woher stammt er? Wessen Sohn ist er? Indem man also über die luziferische Welt spricht, muß man dieSiebenzahl zugrunde legen und muß sich interessieren, wessen Kind der ist, der da spricht zu der menschlichen Seele. Von den Kindern des Luzifer sprechen wir in diesem Sinne, wenn wir von den älteren Verkündigern der spirituellen Welt sprechen, die hinter dem Schleier des Seelenlebens, die hinter dem Zeitlichen verborgen liegt.

[ 5 ] Anders aber liegt die Frage bei dem Christus. Der Christus ist nicht zur Erde heruntergekommen auf einem zeitlichen Wege, der Christus ist, indem er zeitlich erschienen ist, auch dem Raume nach, von außen in die irdische Welt gekommen. Der Zarathustra hat ihn gesehen, indem er den Blick nach der Sonne hinaus gerichtet hat, und hat ihn angesprochen als Ahura Mazdao. Immer mehr und mehr hat sich für das menschliche Schauen im Raum dieser Ahura Mazdao genähert, bis er heruntergestiegen und Mensch geworden ist. Da interessiert also auch das räumliche Herankommen, nicht nur die zeitliche Folge. Das räumliche Herankommen, dieses Herankommen des Christus aus der Unendlichkeit des Raumes auf unsere Erde zu, das hat einen Ewigkeitswert, nicht bloß einen zeitlichen Wert. Damit hängt es dann auch zusammen, daß der Christus nicht auf der Erde so zu wirken hat, wie es dem Zeitenverhältnis allein entspricht, daß der Christus nicht auf die Erde so etwas bringt, wie es dem Verhältnis von Vater und Kind, von Mutter und Kind entspricht, was in der Zeit sich abspielt, sondern er bringt etwas in die Welt, was im Nebeneinander sich abspielt. Nebeneinander leben Brüder. Vater und Mutter und Enkel leben nacheinander in der Zeit, und das zeitliche Verhältnis drückt ihr eigentliches Verhältnis aus. Der Christus bringt aber als der Geist des Raumes etwas Räumliches auch in die Erdenkultur hinein. Was er hineinbringt, ist die Nebeneinanderstellung der Menschen im Raum, und das Verhältnis, das nun von einer Seele zur anderen immer mehr und mehr hinüberziehen soll im Nebeneinanderleben, gleichgültig wie sich das zeitliche Verhältnis regelt. Unsere Erde ist der Planet in unserem kosmischen System, der die Mission hat, in die Welt die Liebe einzuführen. Es war in alten Zeiten die Aufgabe der Erde, die Liebe einzuführen mit Hilfe der Zeit. Indem sich durch die Abstammungsverhältnisse das "Blut von Generation zu Generation, vom Vater auf Kind und Enkel herunter ergoß, war dasjenige, was durch die Zeit verwandt war, zugleich dasjenige, was sich liebte. Der Familienzusammenhang, der Blutzusammenhang, das Herabströmen des Blutes durch die in der Zeit aufeinanderfolgenden Generationen, das war dasjenige, was die Liebe begründete in den älteren Zeiten. Und auch da, wo die Liebe einen mehr moralischen Charakter annahm, da begründete sie sich auf ein zeitliches Verhältnis. Man liebte die Ahnherren, diejenigen, die in der Zeit vorangegangen sind. Durch Christus kam die Liebe von Seele zu Seele, so daß dasjenige, was räumlich nebeneinander steht, in ein Verhältnis kommt, wie es die gleichzeitig nebeneinander stehenden Geschwister zunächst vorgebildet haben als die Bruderliebe, die die Menschen im Raume von Seele zu Seele einander entgegenbringen sollen. Hier beginnt das räumliche Nebeneinanderleben seine besondere Bedeutung zu gewinnen.

[ 6 ] Daher redet man in älteren Zeiten, wenn es sich um die großen Angelegenheiten der Menschheit handelt, von demjenigen, was nach der Regel der Siebenzahl zusammenhängt: Sieben Rishis, sieben Weise! Daher ist der Christus umgeben von zwölf Aposteln als den Vorbildern der im Raume nebeneinander lebenden Menschen. Und diese Liebe, die alles dasjenige, was im Raume nebeneinander ist, unabhängig von der Zeitenfolge umspannen wird, soll durch das Christus-Prinzip in das soziale Leben der Erde hineinkommen. Derjenige ist ein Nachfolger des Christus, der das, was um ihn herum ist, liebt in Brüderlichkeit. Sprechen wir daher in älteren Zeiten von den Kindern desLuzifer, so ist das Christus-Prinzip die Veranlassung, daß wir sagen: Christus ist der Erstgeborene unter vielen Brüdern. — Und das Bruderschaftsverhältnis zu dem Christus, das Sich-hingezogen-Fühlen nicht wie zu einem Vater, sondern wie zu einem Bruder, den man als den ersten der Brüder, aber doch als einen Bruder liebt, das ist das Grundverhältnis zu Christus.

[ 7 ] Das sind wiederum natürlich nur Anführungen, welche belegen, nicht beweisen, aber belegen und verdeutlichen dasjenige, was das Verhältnis der Zahlen Sieben und Zwölf ausmacht. Je mehr also das Christus-Verhältnis in die Welt herunterleuchtet, desto mehr sprichtman von Gruppierungen im Sinne der zwölf Stämme Israels, der zwölf Apostel und so weiter. Die Zwölfzahl gewinnt also von da aus ihre mystische, geheimnisvolle Bedeutung für die Erdenentwickelung.

[ 8 ] Damit ist sozusagen der äußere Aspekt, der äußere Anblick dieser großen Veränderung angedeutet, die sich durch das Christus-Prinzip in bezug auf die Erdenentwickelung abgespielt hat. Wir könnten nun lange reden über das Verhältnis der Zahl Sieben zu der Zahl Zwölf und würden mancherlei noch unverständlich lassen müssen in diesem tiefen Geheimnis unseres Weltendaseins. Wenn Sie sich das Gesagte wie eine Verdeutlichung der Zahl Sieben und der Zahl Zwölf als Leitfaden für Zeit- und Raumverhältnisse gesagt sein lassen, so können Sie tiefer hineindringen in die Geheimnisse des Universums. Für uns soll aber zunächst dieses Verhältnis der Zahlen Sieben und Zwölf dasjenige sein, welches zu allem anderen dazu uns noch darauf hinweist, wie tief einschneidend das Christus-Ereignis für die Welt war, wie man selbst sozusagen einen anderen Zahlenleitfaden suchen muß, wenn man sich da zurechtfinden will.

[ 9 ] Aber es ist auch ein inneres Verhältnis in bezug auf Raum und Zeit; dieses kann ich Ihnen nur ganz skizzenhaft andeuten. Und das will ich so machen, wie man es in der Regel in den Mysterien gemacht hat, um anzudeuten das Kosmische in dem Verhältnis von Zwölf und Sieben. Man hat gesagt: Wenn man den Weltenraum nicht betrachtet als etwas Abstraktes, sondern so, daß man die irdischen Verhältnisse wirklich auf diesen Weltenraum bezieht, so muß man diese Verhältnisse auf jenen Umkreis beziehen, indem man sich die zwölf Grundpunkte des Tierkreises denkt als Widder, Stier, Zwillinge, Krebs, Löwe, Jungfrau, Waage, Skorpion, Schütze, Steinbock, Wassermann, Fische. Diese zwölf Grundpunkte des Tierkreises, sie waren zu gleicher Zeit das wirkliche, reale Weltensymbolum für die urältesten göttlich-geistigen Wesenheiten, in dem man sich in einer gewissen Weise die Wirklichkeit entsprechend gedacht hat. Schon als die Erde verkörpert war im alten Saturn, wirkten diejenigen Kräfte, die aus diesen zwölf Richtungen herkommen, auf diesen alten Saturn ein; sie wirkten wiederum ein während der alten Sonnenzeit, während der alten Mondenzeit und werden weiter wirken. Sie sind also gewissermaßen ein Dauerndes und sind über dasjenige weit erhaben, was innerhalb unseres Erdenwerdens entsteht und vergeht. Erhaben ist dasjenige, was symbolisiert wird durch die zwölf Zeichen des Tierkreises, über dasjenige, was übergeht im Laufe des Werdens unseres Planeten vom alten Saturn auf die Sonne, von der alten Sonne zum alten Mond und so weiter. Während dasjenige, was da vorgeht, entsteht und vergeht, hat das vom Tierkreis Bedingte die Planetengeschehnisse überdauert, also überdauert die Verhältnisse auf dem alten Saturn, auf der alten Sonne, auf dem alten Mond. Es ist auch dasjenige, was durch die Grundpunkte des Tierkreises symbolisiert wird, erhaben über dasjenige, was sich auf unserer Erde abspielt als der Gegensatz von Gut und Böse. Erinnern Sie sich, daß ich in der ersten Stunde dieses Zyklus aufmerksam gemacht habe darauf, wie, wenn man in das astralische Gebiet eindringt, man es zu tun hat mit einer Welt der Verwandlung, wie das, was von einem Gesichtspunkt aus als ein Gutes wirken kann, von dem anderen als böse erscheinen kann. Diese Unterschiede zwischen Gut und Böse, sie haben ihre Bedeutung innerhalb des Werdens. Und für diese Bedeutung ist die Siebenzahl ein orientierender Leitfaden. Dasjenige, was an Göttern symbolisiert wird in den zwölf Raumpunkten, in den zwölf Dauerpunkten, das ist erhaben über Gut und Böse. Und daher haben wir im Umkreis innerhalb der zwölf Dauerpunkte das über Gutes und Böses Erhabene. Da draußen haben wir gleichsam die Symbole für jene göttlich-geistigen Wesenheiten zu suchen, die, wenn sie an sich betrachtet werden, ohne daß sie hereingreifen in unsere irdische Sphäre, erhaben sind über die Unterschiede von Gut und Böse.

[ 10 ] Nun aber beginnt sich einmal in der Zeit zu regen dasjenige, das zu unserer Erde wird. Das kann nur dadurch geschehen, daß gleichsam eine Zweiteilung innerhalb dieser Dauergöttlichkeiten eintritt und dasjenige, was vorgeht, in ein verschiedenes Verhältnis tritt zu diesen Dauergöttern, daß sich diese in zwei Sphären gliedern, in eine Sphäre des Guten und in eine Sphäre des Bösen. An sich ist weder das eine noch das andere gut oder böse, aber indem es wirkt auf die Erde in ihrem Werden, wirkt es einmal als gut, einmal als böse, so daß also alles dasjenige, was an dem einen teilnimmt, als die Sphäre des Guten, und was am anderen teilnimmt, als die Sphäre des Bösen bezeichnet werden darf. Nur liegt die Vorstellung zugrunde, daß dasjenige, was nur ein wenig teilnimmt an der Sphäre des Guten, auch gut genannt werden muß. Sobald dasjenige, was in der geistigen Welt, wie ich gesagt habe, Dauer hat, was mit der Zeit nichts zu tun hat, sobald das in die Zeit eingreift, gliedert es sich in ein Gutes und in ein Böses. Für das Gute bleiben von den zwölf Dauerpunkten übrig die fünf rein in der Sphäre des Guten befindlichen und die zwei an der Grenze; das sind sieben. Daher sprechen wir von demjenigen, was als Sieben übrig bleibt von den Zwölf. Wenn wir das Gute, das Vortreflliche, das Führende in der Zeit suchen wollen, müssen wir sprechen von sieben Weisen, von sieben Rishis; und dem entspricht dann auch die Wirklichkeit. Daher auch die Vorstellung, daß der lichten Welt, der oberen Welt sieben Zeichen des Tierkreises angehören; daß die unteren fünf, vom Skorpion angefangen, der finsteren Welt angehören.

[ 11 ] Das soll nur ein skizzenhafter Hinweis sein darauf, daß der Raum, wenn er sozusagen seine Sphäre der Ewigkeit verläßt und Schöpfungen in sich aufnimmt, die in der Zeit verlaufen, sich gliedert in ein Gutes und ein Böses und daß, indem man das Gute heraushebt, die Sieben heraushebt aus der Zwölf, die Sieben die gute Zahl für die Zeitverhältnisse ist. Wollen wir die Wahrheiten der Zeit suchen, so müssen wir die Siebenzahl als Leitfaden betrachten; denn was als Fünfzahl übrigbleibt, würde uns in den Irrtum führen. Da haben Sie die innere Bedeutung dieser Sache.

[ 12 ] Sagen Sie sich nicht in diesem Augenblick, daß dies schwer verständlich ist, sondern sagen Sie sich: Die Welt ist tief, und es muß auch Dinge geben, die schwierig zu verstehen sind.

[ 13 ] Der Christus aber ist in die Welt gekommen, um auch zu sitzen mit den Zöllnern und Sündern. Er ist gekommen, um auch aufzunehmen dasjenige, was sonst aus dem Weltgange ausgeschieden werden müßte. In Odipus mußte dasselbe ausgeschieden werden, was in das Christusleben aufgenommen worden ist wie ein Ferment; das wurde Ihnen erhärtet durch die Judas-Sage. Wie das neue Brot einen kleinen Teil des alten als ein Ferment aufnehmen muß, um weiter zu gedeihen, so mußte die neue Welt, um zu gedeihen, um recht gut zu werden, etwas aufnehmen als ein Ferment, das aus dem Bösen heraus ist. Daher konnte Judas, der überall ausgeschlossen war, der sich auch am Hofe des Pilatus unmöglich gemacht hatte, aufgenommen werden da, wo der Christus wirkte, der gekommen ist, die Welt wiederum so zu heilen, daß die Sieben in die Zwölf umgewandelt werden kann, daß dasjenige, was unter der Siebenzahl begriffen worden ist, nunmehr unter dem Symbolum der Zwölfzahl begriffen werden kann. Zunächst ist uns die Zwölfzahl repräsentiert durch die zwölf Brüder des Christus, durch die zwölf Apostel.

[ 14 ] Das alles, wie gesagt, sollte nur besprochen werden als ein Hinweis darauf, wie tief die Veränderung war, die damit für unser ganzes Erdenwerden eintrat. Diese Bedeutung des Christus-Prinzipes und seines Einschlages in das Erdenwerden kann man von vielen Gesichtspunkten aus erläutern und der, den wir damit berührt haben, ist einer davon.

[ 15 ] Nunmehr wollen wir das noch einmal so recht vor unsere Seele stellen, was uns aus alledem hervorging. Daß mit dem Christus etwas ganz Besonderes eingeschlagen hat in die Erdenentwickelung, das ist etwas, was in der Geisteswissenschaft da, wo sie ihre wahren Pflegestätten hat, gefühlt und erkannt wird. Gefühlt und erkannt wird in den Stätten wahrer Geisteswissenschaft, daß es eines gibt, was zunächst geht durch alleKulturen der nachatlantischen Zeit; was schon gegangen ist durch die uraltindische, die urpersische, die chaldäisch-ägyptische Kultur und so weiter, was gehen wird auch durch diejenigen Kulturen, die auf diese folgen bis zur nächsten großen Katastrophe und darüber hinaus. Wenn wir uns fragen: Wo können wir eine wahrere Gestalt dessen finden, was durch die ganze Menschheitsentwickelung durchgeht, als wir sie finden können durch die Sinnesanschauung oder den menschlichen Verstand? — so müssen wir bei der Geisteswissenschaft anfragen und sagen: Wie nennt man das, was in der spirituellen Welt zu entdecken ist, und was sich gewissermaßen wie eine fortlaufende Geistesströmung durch alle diese sieben Kulturen durchbewegt? — Man hat gerade in der orientalischen Weisheit ein Wort geprägt für dasjenige, was sich durch alle diese Kulturen durchzieht; es ist, wenn man es in Wirklichkeit betrachtet, nicht etwas Abstraktes, sondern etwas Konkretes, ein Wesen. Und will man dieses Wesen näher bezeichnen, von dem im Grunde genommen alle anderen Wesen, seien es die sieben heiligen Rishis oder selbst höhere Wesenheiten, die gar nicht heruntersteigen bis zur physischen Verkörperung, Sendboten sind, so können wir es bezeichnen mit einem Namen, den der Orient richtig geprägt hat. Alle Verkündigung, jegliche Weisheit in der Welt führt zunächst auf diese eine Quelle zurück, auf die Quelle der Urweisheit, welche ein Wesen besitzt, das durch alle Kulturen der nachatlantischen Zeit sich hindurchentwickelt, das in jeder Epoche in dieser oder jener Form erscheint, das aber immer ein Wesen ist, ein Grundträger der Weisheit, die in den verschiedensten Gestalten erschienen ist. Wenn ich Ihnen gestern beschrieben habe, wie — gleichsam einatmend — die heiligen Rishis diese Weisheit konkret erfaßt haben, so war dasjenige, was da draußen wie die Seele des Lichtes ausgebreitet war und als Lichtweisheit eingeatmet wurde von den heiligen Rishis, der Ausfluß jener erhabenen Wesenheit, von der hier die Rede ist. Und für die anderen Zeitalter ist dasjenige, was wir gestern erwähnen konnten als ihre Weisheit — zum Beispiel in jener ganz anderen Anschauung, wie sie in der urpersischen Kulturepoche zum Ausdruck kam -, wiederum herabgeströmt von dieser einen Wesenheit, die der große Lehrer aller Kulturen ist. Jene Wesenheit, die der Lehrer der heiligen Rishis, die der Lehrer des Zarathustra, der Lehrer des Hermes war, die man als den großen Lehrer bezeichnen kann und die in den verschiedensten Epochen in der verschiedensten Weise sich manifestierte, die natürlich für den äußeren Blick zunächst tief verborgen bleibt, bezeichnet man mit einem aus dem Orientalischen heraus geprägten Ausdrucke als Gesamtheit der Bodhisattvas. Die christliche Anschauung würde sie als Heiligen Geist bezeichnen. Wenn man vom Bodhisattva spricht, spricht man von einer über alle Kulturen hin sich ziehenden Wesenheit, die sich auf die eine oder andere Weise kundgeben und manifestieren kann für die Menschen. Das ist der Geist der Bodhisattvas. Zu den Bodhisattvas haben sie alle aufgeblickt, haben die heiligen Rishis, hat der Zarathustra, der Hermes, der Moses aufgeblickt, gleichgültig wie sie die betreffende Wesenheit empfunden und genannt haben. Man kann sie mit diesem einen Namen belegen, sie ist «der große Lehrer», und zu ihm blicken auf diejenigen, die die Lehren der nachatlantischen Zeit empfangen wollen und können. Dieser Bodhisattva-Geist unserer nachatlantischen Zeit hat mehrmals Menschengestalt angenommen, eine derselben interessiert uns aber vor allen Dingen. Ein Bodhisattva hat die weithin leuchtende Menschengestalt angenommen, gleichgültig wie er sich sonst manifestiert hat, in jener Wesenheit, die man als Gautama Buddha bezeichnet. Und es war ein Fortschritt des entsprechenden Bodhisattva, als er nicht mehr bloß zu bleiben brauchte in den oberen geistigen Regionen, sondern es so weit gebracht hatte durch seine Ausbildung innerhalb der geistigen Regionen, daß er die physische Leiblichkeit so weit bezwingen konnte, um in Buddha Mensch zu werden. So also haben wir in dem Buddha eine der Menschwerdungen eines Bodhisattva zu sehen, eine der Menschwerdungen der allumfassenden Weisheitsgestalten, wie sie dem Erdenwerden zugrunde liegen. In dem Buddha haben wir sozusagen die Verkörperung jenes großen Lehrers, der einfach die wesenhafte Weisheit selber genannt werden kann. So sehen wir den Buddha in der richtigen Weise an: Er ist die Erdenwerdung des Bodhisattva. Und es braucht dann nicht geglaubt zu werden, daß ein Bodhisattva nur in dem Buddha sich verkörpert hat, sondern es hat sich ganz oder teilweise ein solcher auch in anderen menschlichen Persönlichkeiten verkörpert. Aber solche Verkörperungen müssen wir nicht alle nach der Schablone auffassen, sondern wir müssen uns klar sein darüber, daß so, wie ein Bodhisattva lebte im Ätherleib des Gautama Buddha, ein solcher auch in Leibesgliedern anderer menschlicher Individuen lebte. Und weil die Wesenheit desjenigen Bodhisattva, welcher den Astralleib des Zarathustra geerbt hatte, einströmte in die Glieder anderer Individualitäten, zum Beispiel des Hermes, so kann man - aber nur wenn man die Sache so versteht- auch andere Individualitäten, die wiederum große Lehrer sind, eine Verkörperung eines Bodhisattva nennen. Man kann von einer immer und immer wiederkehrenden Verkörperung des Bodhisattva sprechen, muß aber wissen, daß der Bodhisattva hinter all den Menschen, in denen er sich verkörpert, gestanden hat als Teil derjenigen Wesenheit, die selber die personifizierte Allweisheit unserer Welt ist.

[ 16 ] So also blicken wir auf das Weisheitselement, das in älteren Zeiten aus den luziferischen Welten heraus der Menschheit sich mitteilte. Wenn wir auf dieses schauen, schauen wir auf die Bodhisattvas. Nun gibt es aber in bezug auf die nachatlantische Entwickelung eine Wesenheit, die grundverschieden ist von den Bodhisattvas, die etwas prinzipiell anderes ist als ein Bodhisartva, und die man nicht mit dem Bodhisattva verwechseln darf, deshalb, weil sie einmal in einer menschlichen Individualität verkörpert war, die auch zu gleicher Zeit die Einströmungen des Bodhisattva als Buddha hatte. Weil einmal ein Mensch lebte, in dem der Christus sich verkörperte und zu gleicher Zeit in diese Menschenindividualität dieStrahlen des Bodhisattva hineingingen, darf man es bei dieser Verkörperung nicht als Hauptsache betrachten, daß der Bodhisattva sich bei jener Persönlichkeit verkörpert hat. Das ist Jesus von Nazareth. Da überwiegt gerade während der drei letzten Jahre das grundsätzlich vomBodhisattva verschiedene Christus-Prinzip. Wodurch können wir den Unterschied nun angeben von Christus-Prinzip und Bodhisattva-Prinzip? Das ist außerordentlich wichtig, daß man weiß, wodurch der Christus, der einmal in einem menschlichen Leib verkörpert war, nur einmal, nicht vorher und nicht nachher als Christus in einem Menschenleib verkörpert sein kann. Er ist seit jener Zeit zu erreichen auf dem Wege in das Innere der menschlichen Seele; er war vorher zu erreichen, wenn der Blick hinausgerichtet wurde in die Welt, wie ihn Zarathustra hinausgerichtet hat. Wodurch unterscheidet sich der Christus, dieses Prinzip, dieses Wesen, dem wir eine solche Mittelpunktstellung zuschreiben müssen, von einem Bodhisattva? Der grundsätzliche Unterschied des Christus von dem Bodhisattva ist der, daß wir den Bodhisattva nennen müssen den großen Lehrer, die Verkörperung der Weisheit, die durch alle Kulturen durchgeht, die in der verschiedensten Weise sich verkörpert. Der Christus aber ist nicht bloß Lehrer, das ist das Wesentliche! Der Christus lehrt nicht bloß die Menschen, der Christus ist eine Wesenheit, die wir am besten verstehen, wenn wir sie aufsuchen da, wo wir in schwindelnder Geisteshöhe sie finden können als ein Objekt der Initiation, und wo wir sie vergleichen können mit anderen geistigen Wesenheiten.

[ 17 ] Wir können sie am besten in folgender Weise charakterisieren: Es gibt Regionen des Geisteslebens, wo man sozusagen, entledigt alles Erdenstaubes, diese hohe Wesenheit, den Bodhisattva, in seiner spirituellen Eigentümlichkeit finden kann, und wo man finden kann den Christus, entkleidet von alledem, was er geworden ist auf der Erde und in deren Nähe. Da findet man dann das Folgende: Man findet sozusagen die Grundlage der Menschheit, dasjenige, wovon alles Leben ausgeht: den spirituellen Urquell. Man findet nicht nur einen Bodhisattva, sondern eine Reihe von Bodhisattvas. Wie wir hingewiesen haben auf denjenigen Bodhisattva, der unseren aufeinanderfolgenden sieben Kulturen zugrunde liegt, so gibt es einen Bodhisattva, der den atlantischen Kulturen zugrunde liegt und so weiter. Sie finden in spirituellen Höhen eine Reihe von Bodhisattvas, die für ihre Zeiten die großen Lehrer, die Unterweiser sind nicht nur der Menschen, sondern die Unterweiser auch derjenigen Wesenheiten, die nicht heruntersteigen in die Region des physischen Lebens. Sie finden wir da alle sitzen, wenn wir vergleichsweise sprechen dürfen, als die großen Lehrer; sie sammeln sich dasjenige, was sie lehren sollen, und in ihrer Mitte finden wir eine Wesenheit, die nicht nur dadurch etwas ist, daß sie lehrt: und das ist der Christus. Er ist nicht nur dadurch etwas, daß er lehrt, sondern er ist in der Mitte der Bodhisattvas als eine Wesenheit, die auf die umgebenden Bodhisattvas dadurch wirkt, daß diese ihren Anblick haben; angeschaut wird sie von den Bodhisattvas, denen sie ihre eigene Herrlichkeit offenbart. Sind die anderen dasjenige, was sie sind, dadurch, daß sie große Lehrer sind, so ist der Christus dasjenige, was er der Welt ist, durch das, was er in sich selbst ist, durch sein Wesen. Ihn braucht man nur anzuschauen; und die Offenbarung seines eigenen Wesens, die ist etwas, was sich bloß zu spiegeln braucht in seiner Umgebung; dann entsteht daraus die Lehre. Er ist nicht bloß Lehrer, er ist Leben, ein Leben, das sich eingießt in die anderen Wesenheiten, die dann die Lehrer werden. So sind die Bodhisattvas diejenigen, die ihre Lehre davon herhaben, daß sie die Seligkeit genießen, die Anschauung des Christus zu haben in ihrer spirituellen Höhe. Und finden wir im Verlaufe unserer Erdenentwickelung Verkörperungen der Bodhisattvas, so nennen wir solche, weil in ihnen der Bodhisattva das Wesentliche ist, große Lehrer der Menschheit. Der Christus lehrt nicht bloß. Über den Christus lernt man, um ihn zu verstehen, um das zu erkennen, was in ihm ist. Der Christus ist mehr Objekt als Subjekt des Lernens. Er ist daher eine Wesenheit von ganz grundsätzlich anderer Bedeutung als die Bodhisattvas, die durch die Welt gehen. Das ist der Unterschied des Christus von den Bodhisattvas, daß er dasjenige ist, was er der Welt ist, dadurch, daß die Welt seinen Anblick genießt. Die Bodhisattvas sind dasjenige, was sie der Welt sind, dadurch, daß sie die großen Lehrer sind.

[ 18 ] Wollen wir daher zu der lebendigen Wesenheit, zu dem Lebensquell auf unserer Erde hinblicken, so müssen wir zu derjenigen Verkörperung hinblicken, wo nicht bloß ein Bodhisattva sich verkörperthat, so daß dies das Wesentliche ist, sondern wo dasjenige sich verkörpert hat, was selber kein Schriftwerk zu hinterlassen brauchte, was nicht selber eine Lehre von sich hinterlassen hat, sondern um sich diejenigen gesammelt hat, die über es Botschaften und Lehren in die Welt verbreitet haben. Das ist wesentlich, daß von dem Christus selber nicht ein Schriftstück vorhanden ist, sondern daß die Lehrer um ihn herum sind und über ihn reden, so daß er das Objekt der Lehre ist, nicht nur das Subjekt. Das drückt sich aus in dem eigentümlichen Umstande, der hier eine Notwendigkeit bedeutet bei dem Christus-Ereignis, daß von ihm selber nichts erhalten ist, sondern daß die anderen seine Wesenheit aufgeschrieben haben. Es ist daher gar kein Wunder, wenn gesagt wird, daß wir alles, was wir als Lehren des Christus finden, auch in anderen Bekenntnissen finden können, weil Christus gar nicht bloß Lehrer ist, weil er eine Wesenheit ist, die als Wesenheit begriffen werden will, weil er nicht bloß durch seine Lehren in uns etwas hineinversenken will, sondern durch sein Leben. Daher können wir aber auch alle Lehren der Welt, die uns zugänglich sind, zusammenbringen, und wir werden noch nicht alles haben, was den Christus begreifen kann. Wenn die gegenwärtige Menschheit sich nicht direkt hinaufwenden kann zu den Bodhisattvas, um mit den geistigen Augen der Bodhisattvas den Christus anzuschauen, so muß die Menschheit eben noch bei diesen Bodhisattvas in die Schule gehen, um dasjenige zu lernen, was dann den Christus zuletzt begreiflich machen kann. Wollen wir also nicht nur des Christus teilhaftlig werden, sondern wollen wir den Christus verstehen, dann müssen wir nicht nur bequem hinblicken darauf, was der Christus für uns getan hat, sondern dann müssen wir bei allen Lehrern des Westens und des Ostens in die Schule gehen, und es muß uns ein Heiliges sein, die Lehren des ganzen Blickkreises uns anzueignen; und das andere Heilige muß uns sein, diese Lehren so zu verwenden, daß wir durch die höchsten Lehren den Christus vollständig begreifen.

[ 19 ] Das aber, was die Menschen tun sollen, das wird in den Mysterien entsprechend vorbereitet. Eine jede Zeit hat ihre besondere Aufgabe; einer jeden Zeit obliegt es, die Wahrheit gerade in derjenigen Gestalt zu empfangen, die diese Wahrheit für die betreffende Menschheitsepoche annehmen muß. Dem alten Inder konnte man nicht eine solche Wahrheitsform geben, wie sie heute gegeben wird, ebensowenig dem alten Perser. Man mußte ihm die Wahrheit in der Gestalt geben, in welcher sie für seine Empfindungsfähigkeiten geeignet war. Daher mußte in der Zeit, die durch ihre sonstige Eigentümlichkeit geeignet war, den Christus auf der Erde zu empfangen - das ist im vierten Zeitraume, im griechischlateinischen -, die Wahrheit über den Christus und über die mit dem Christus zusammenhängende Welt auch in derjenigen Form an die Menschheit gebracht werden, wie es der damaligen Menschheit angemessen war. Zu glauben, daß in der Zeit, die unmittelbar auf die Christus-Offenbarung folgte, die ganze Wahrheit schon vorhanden war über den Christus, das heißt: überhaupt nichts wissen von dem Fortschritte des Menschengeschlechtes. Wer nur die Lehren der ersten Jahrhunderte nach dem Christus-Ereignis bewahren will, wer nur das, was da geschrieben und aufbewahrt ist, ansehen wollte als echte christliche Lehre, der weiß nichts von menschlichem Fortschritt, der weiß nicht, daß der höchste Lehrer der ersten christlichen Jahrhunderte den Menschen über den Christus nichts anderes hätte sagen können als dasjenige, was sie aufnehmen konnten. Weil aber die Menschen der ersten christlichen Jahrhunderte vor allem diejenigen waren, die sozusagen am tiefsten heruntergestiegen sind in die physische Welt, so konnten sie auch mit ihrem Verständnis verhältnismäßig sehr wenig aufnehmen an höheren Lehren über den Christus. Verhältnismäßig wenig konnte begriffen werden von der großen breiten Masse der Christen über die Christus-Wesenheit.

[ 20 ] Wir haben gesehen, daß im alten Indien ein hohes hellseherisches Anschauen vorhanden war durch die damalige Stellung des Atherleibes zu den anderen Gliedern des Menschen, aber es war für dieses Anschauen noch nicht die Zeit gekommen, den Christus als etwas anderes zu sehen als einen in fernen Regionen jenseits der Sinnenwelt liegenden Geist, ihn als den Vishvakarman zu begreifen. In der Zeit der urpersischen Kultur war erst die Möglichkeit, den Christus zu ahnen hinter der physischen Sonne. Und so ging es weiter. Bei Moses war es möglich, den Christus zu schauen als Jehova in Blitz und Donner, das heißt schon ganz nahe der Erde. Und im Jesus von Nazareth sah man den Christus als Menschen verkörpert. Die Menschheit ist so fortgeschritten, daß im alten Indien noch die Weisheit aufgenommen worden ist durch den Ätherleib, in der urpersischen Periode durch den Empfindungsleib, in der chaldäisch-ägyptischen Periode durch die Empfindungsseele, in der griechisch-lateinischen Periode durch dasjenige, was wir Verstandesseele nennen. Und die Verstandesseele ist schon mit ihrem Verständnisse an die Sinneswelt gebunden. Ihr ging daher verloren der Blick über dasjenige, was über die Sinneswelt hinausgeht. Daher erblickte man in den ersten nachchristlichen Jahrhunderten kaum mehr als dasjenige, was zwischen Geburt und Tod liegt und was sich unmittelbar nachher als das nächste Geistgebiet anreiht. Man wußte nichts von demjenigen, was durch viele Inkarnationen hindurchgeht. Das lag am menschlichen Verständnis. Man konnte nur das eine Stück des gesamten Lebens des Menschen begreiflich machen: sein Erdenleben und das sich anschließende Stück Geistesleben. Das finden Sie daher für die breiten Massen beschrieben. Das durfte aber nicht konserviert werden. Es mußte vorgesorgt werden, daß der Blick der Menschen sich hinaus erweitern könne über dieses Stück des Verständnisses; es mußte vorgesorgt werden, daß die umfassende Weisheit, die man damals hat haben können in der Hermeszeit, in der Moseszeit, in der Zeit des Zarathustra, in der Zeit der alten indischen Rishis, nach und nach wieder aufleben kann, daß wieder dieMöglichkeit geboten werde, den Christus in immer breiterem Verständnisse zu begreifen.

[ 21 ] So war der Christus zwar in die Welt gekommen, aber die Mittel des Verständnisses waren gerade zu seiner Zeit die eingeschränktesten. Es mußte vorgesorgt werden für die folgenden Zeiten; esmußten wiederum alle alten Weisheiten aufleben, damit diese Weisheiten nach und nach in den Dienst des Christus-Verständnisses gestellt werden konnten. Das konnte nur geschehen auf folgende Weise. Es mußte eine Mysterienweisheit geschaffen werden. Es hatten sich große Weistümer mitgebracht die Menschen, die aus der alten Atlantis herübergezogen sind nach Europa und weiter. In der alten Atlantis waren die meisten Menschen instinktiv hellseherisch, sie konnten hineinsehen in die Gebiete des Geistigen. Diese Hellsichtigkeit konnte sich nicht fortentwickeln, sie mußte sich zurückziehen zu einzelnen Persönlichkeiten des Westens. Sie wurde da geleitet von einem Wesen, das in tiefer Verborgenheit lebte einstweilen, zurückgezogen selbst hinter denen, die auch schon zurückgezogen und Schüler waren eines großen Eingeweihten, das sozusagen zurückgeblieben war, bewahrend dasjenige, was aus der alten Atlantis herübergebracht werden konnte, bewahrend es für spätere Zeiten. Diesen hohen Initiierten, diesen Bewahrer der uralten atlantischen Weisheit, die tief hineinging sogar in alles dasjenige, was die Geheimnisse des physischen Leibes sind, kann man Skythianos nennen, wie es im frühen Mittelalter üblich war. Und es blickt derjenige, der das europäische Mysterienwesen kennt, zu einem der höchsten Eingeweihten der Erde hinauf, wenn der Name Skythianos genannt wird.

[ 22 ] Dann lebte aber auch innerhalb dieser Welt lange Zeit dieselbe Wesenheit, die man, wenn man sie von ihrem spirituellen Aspekte betrachtet, als den Bodhisattva bezeichnen kann. Dieser Bodhisattva war dieselbe Wesenheit, die, nachdem sie im Westen ihre Aufgabe vollendet hatte, sechshundert Jahre ungefähr vor unserer Zeitrechnung in dem Gautama Buddha verkörpert worden ist. Also diejenige Wesenheit, die dann als Lehrer weiter nach dem Osten gezogen ist, war sozusagen schon auf einem vorgeschritteneren Posten. Er war ein zweiter großer Lehrer, ein zweiter großer Siegelbewahrer der Weisheit der Menschheit und wurde der Gautama Buddha.

[ 23 ] Dann aber war eine dritte Individualität, die zu Großem vorausbestimmt war.1Es wird hier von diesen Wesen so gesprochen, wie sie im Geiste älterer- Weltanschauungen aufgefaßt worden sind, und wie es, in gewissem Sinne, vom geisteswissenschaftlichen Gesichtspunkte auch heute berechtigt ist. Und diese dritte Individualität kennen wir aus verschiedensten Vorträgen. Das ist derjenige, der der Lehrer des alten Persiens war, der große Zarathustra. Wir sprechen drei wichtige geistige Wesenheiten und Individualitäten an, wenn wir dieNamen Zarathustra, Gautama Buddha und Skythianos aussprechen. Wir sprechen von Verkörperungen von Bodhisattvas, wenn wir die Namen Skythianos, Zarathustra und Buddha nennen. Dasjenige, was in ihnen lebte, war nicht der Christus.

[ 24 ] Nun mußte der Menschheit Zeit gelassen werden, die Ankunft des Christus zu erleben, der sich vorher verkündigt hatte dem Moses auf dem Sinai, denn das ist dieselbe Wesenheit: Jahve und Christus, nur in anderer Form. Nun mußte Zeit gelassen werden der Menschheit, den Christus zu empfangen. Das geschah in der Zeit, als das Verständnis für solche Dinge das denkbar geringste war. Aber vorgesorgt werden mußte dafür, daß das Verständnis, daß die Weisheit immer größer und größer wieder wurde; und dafür hat auch der Christus auf der Erde vorgesorgt.

[ 25 ] Es wird nun eine vierte Individualität in der Geschichte genannt, hinter der sich für viele etwas verbirgt, das noch höher, noch gewaltiger ist als die drei genannten Wesenheiten, als Skythianos, als Buddha und als Zarathustra. Es ist Manes, der wie ein hoher Sendbote des Christus genannt wird von vielen, die mehr im Manichäismus sehen, als gewöhnlich gesehen wird. Manes, so sagen viele, versammelte nun wenige Jahrhunderte, nachdem Christus auf der Erde gelebt hatte, in einer der größten Versammlungen, diein der zur Erde gehörigen spirituellen Welt überhaupt stattgefunden haben, drei wichtige Persönlichkeiten des vierten Jahrhunderts der nachchristlichen Zeit um sich. In dieser bildhaften Schilderung soll eine wichtige spirituelle Kulturtatsache ausgedrückt werden. Manes versammelte diese Persönlichkeiten aus dem Grunde, um mit ihnen zu beraten, wie allmählich jene Weisheit, die gelebt hat durch die Zeitwende in der nachatlantischen Zeit, wiederum aufleben kann in die Zukunft hinein immer weiter und weiter, immer glorreicher und glorreicher. Welche Persönlichkeiten versammelte Manes in jener denkwürdigen Versammlung, die nur zu erreichen ist durch spirituelles Schauen? Die eine ist jene Persönlichkeit, in welcher in der damaligen Zeit Skythianos lebte, der wiederverkörperte Skythianos der Maneszeit. Die zweite Persönlichkeit ist ein physischer Abglanz des damals wiedererschienenen Buddha, und die dritte ist der damals wiederverkörperte Zarathustra. So haben wir ein Kollegium um Manes herum, Manes in der Mitte, um ihn herum Skythianos, Buddha und Zarathustra. Damals wurde in diesem Kollegium festgestellt der Plan, wie alle Weisheit der Bodhisattvas der nachatlantischen Zeit immer stärker und stärker hineinfließen kann in die Zukunft der Menschheit. Und was damals als der Plan zukünftiger Erdenkulturentwickelung beschlossen worden ist, das wurde bewahrt und dann herübergetragen in jene europäischen Mysterien, welche die Mysterien des Rosenkreuzes sind. In den Mysterien des Rosenkreuzes verkehrten immer die Individualitäten des Skythianos, des Buddha, des Zarathustra. Sie waren in den Schulen des Rosenkreuzes die Lehrer; Lehrer, die ihre Weisheit deshalb der Erde als Gaben schickten, weil durch diese Weisheit der Christus in seiner Wesenheit begriffen werden sollte. Daher ist es in aller Geistesschulung des Rosenkreuzes so, daß man hinaufblickt mit tiefster Verehrung zu jenen alten Eingeweihten, die die uralte Weisheit der Atlantis bewahrten: zu dem wiederverkörperten Skythianos, in ihm sah man den großen verehrten Bodhisattva des Westens; zu dem jeweilig verkörperten Abglanz des Buddha, den man ebenfalls verehrte als einen der Bodhisattvas, und endlich zu Zarathas, dem wiederverkörperten Zarathustra. Zu ihnen blickte man hinauf als zu den großen Lehrern der europäischen Eingeweihten. Es dürfen solche Darstellungen nicht wie äußerlich geschichtliche genommen werden, trotzdem sie den geschichtlichen Verlauf als Tatbestand treffender charakterisieren als eine äußerliche Darstellung das könnte.

[ 26 ] Um nur eines zu erwähnen, muß gesagt werden, daß Sie kaum finden irgendein Landgebiet im Mittelalter, wo nicht eine bestimmte Legende überall verbreitet ist. Als in Europa niemand etwas wußte von dem Gautama Buddha, als die Tradition von dem Gautama Buddha vollständig verschollen war, erzählte man folgendes. Sie finden das in vielen Büchern des Mittelalters; es gehört zu den verbreitetsten Erzählungen des Mittelalters. Es war in Indien einstmals einem König ein Sohn geboren mit Namen Josaphat. Von diesem Josaphat wurde bei seiner Geburt Wichtiges geweissagt. Daher wurde er besonders behütet von seinem Vater; er sollte nur das Allerkostbarste kennenlernen, sollte in voller Seligkeit schwelgen, sollte nicht die Schmerzen und Leiden und das Unglück des Lebens kennenlernen. Bewahrt wurde Josaphat von alledem. Da aber findet es sich doch, daß Josaphat eines Tages hinausging aus dem Palaste, und er fand einen Kranken, einen Aussätzigen, er fand einen gealterten Menschen und einen Leichnam; das erzählte man von Josaphat! Da ging er tief erschüttert in den Königspalast zurück, und es fand sich ein Mann, der ergriffen war im tiefsten Herzen von den Geheimnissen des Christentums, Barlaam, der gewann den Josaphat für das Christentum. Und es wurde Josaphat, der dies erlebt hatte, ein Christ. So erzählte die Legende des Mittelalters. Und nun brauchen Sie nicht einmal die Akasha-Chronik zu Hilfe zunehmen, sondern der gewöhnliche Philologe genügt da schon, um den Namen Josaphat zu untersuchen. Josaphat geht zurück auf ein altes Wort Joasaph; Joasaph geht wieder zurück auf Jodasaph; Jodasaph auf Yudasaf, was identisch ist mit Budasaf — beide letzten Formen sind arabisch-und Budasaf das ist derselbe Name wie Bodhisattva. So kennt die europäische Geheimlehre nicht nur den «Bodhisattva», sondern sie kennt, wenn sie den Namen Josaphat entziffern kann, auch den Begriff dieses Wortes. Diese legendenhafte Ausbildung der Geheimlehre im Westen weiß, daß es eine Zeit gegeben hat, wo dieselbe Wesenheit, die im Gautama Buddha gelebt hat, ein Christ geworden ist. Das kann man entweder wissen oder man kann es nicht wissen; wahr bleibt es doch! Gerade so wie Traditionen hinter der Zeit zurückbleiben können, wie die Menschen heute das glauben können, was man vor Jahrtausenden geglaubt hat und was sich in Traditionen fortpflanzen kann, so kann man auch glauben, daß es den höheren Welten entspricht, daß der Gautama Buddha dasselbe geblieben ist, was er sechshundert Jahre vor unserer Zeitrechnung war. Doch ist es nicht so. Er ist aufgestiegen, er hat sich entwickelt. Und in den wahren Lehren des Rosenkreuzes ist aufbewahrt dasjenige, was sich davon legendenhaft zum Ausdruck gebracht hat, wie ich Ihnen das eben erzählt habe. Man darf nur nicht mit diesen wahren Lehren des Rosenkreuzes verwechseln all das Törichte, das durch eine bedenkliche Literatur fließt.

[ 27 ] So finden wir innerhalb des Geisteslebens Europas denjenigen, der der Träger des Christus war, Zaratas oder Nazarathos, den Zarathustra, von Zeit zu Zeit wieder; so finden wir Skythianos wieder; so finden wir auch den dritten großen Schüler des Manes, auch Buddha wieder, wie er war, nachdem er die späteren Zeiten miterlebt hat.

[ 28 ] So blickte der europäische Kenner der Initiation immer hinein in der Zeiten Wende, zu den wahren Gestalten der großen Lehrer aufschauend. Von Zaratas, von Buddha, von Skythianos, von ihnen wußte er, daß durch sie einströmte in die Kultur der Zukunft diejenige Weisheit, die immerdar von den Bodhisattvas gekommen ist und die verwendet werden soll, um zu begreifen das würdigste Objekt alles Verstehens, den Christus, der ein von den Bodhisattvas grundverschiedenes Wesen ist, den man nur verstehen kann, wenn man alle Weisheit der Bodhisattvas zusammennimmt. Daher istin den Geistesweisheiten der Europäer außer allem andern auch ein synthetischer Zusammenschluß aller Lehren enthalten, die der Welt gegeben worden sind durch die drei großen Schüler des Manes und den Manes selbst. Wenn man auch nicht verstanden hat den Manes, es wird eine Zeit kommen, wo die europäische Kultur sich so gestalten wird, daß man wieder einen Sinn verbinden wird mit den Namen Skythianos, Buddha und Zarathustra. Sie werden den Menschen das Lehrmaterial geben, um den Christus zu verstehen. Immer besser und besser werden die Menschen durch sie den Christus verstehen. Angefangen hat das Mittelalter allerdings mit einer sonderbaren Verehrung und Anbetung gegenüber dem Skythianos, gegenüber dem Buddha und gegenüber dem Zarathustra, als ihre Namen ein wenig durchgesickert waren; angefangen hat es damit, daß derjenige, der sich in gewissen christlichen Religionsgemeinschaften als ein echter Christ bekennen wollte, die Formel sprechen mußte: «Ich verfluche Skythianos, ich verfluche Buddha, ich verfluche Zaratas!» Das war eine über viele Gebiete des christlichen Zeitalters verbreitete Formel, durch die man sich als rechter Christ bekannte, Was man aber damals glaubte verfluchen zu müssen, das wird das Kollegium der Lehrer sein, die der Menschheit den Christus am allerbesten verständlich machen werden, zu denen die Menschheit emporblicken wird als zu den großen Bodhisattvas, durch die der Christus wird begriffen werden.

[ 29 ] Heute kann kaum die Menschheit als das wenigste zweierlei entgegenbringen diesen großen Lehrern des Rosenkreuzes, zweierlei, was nur einen Anfang bedeuten kann von dem, was in der Zukunft groß und mächtig als Verständnis des Christentums dastehen soll. Das soll gemacht werden durch die heutige Geisteswissenschaft; sie soll beginnen, die Lehren des Skythianos, des Zarathustra und des Gautama Buddha in die Welt zu bringen, nicht in ihrer alten, sondern in einer durchaus neuen, heute aus sich selbst erforschbaren Form. Wir beginnen damit, daß wir zunächst das Elementare, welches wir von ihnen lernen können, der Kultur einverleiben. Von dem Buddha hat das Christentum hinzuzulernen die Lehre von der Wiederverkörperung und dem Karma, wenn auch nicht in einer alten, heute nicht mehr zeitgemäßen Art. Warum fließen heute in das Christentum die Lehren von der Wiederverkörperung und dem Karma? Sie fließen ein, weil sie die Eingeweihten verstehenlernen können im Sinne unserer Zeit, wie sie Buddha, der große Lehrer der Wiederverkörperung in seiner Art verstanden hat. So wird man auch anfangen den Skythianos zu verstehen, der nicht nur dieWiederverkörperung des Menschen zu lehren hat, sondern der das zu lehren hat, was von Ewigkeit zu Ewigkeit waltet. So wird immer mehr und mehr das Wesen der Welt, immer mehr und mehr das Wesen des Zentrums unserer Erdenwelt, das Wesen des Christus begriffen werden. So fließen immer mehr und mehr die Lehren der Initiierten in die Menschheit hinein. Heute kann der angehende Geistesforscher nur zweierlei als Elementaranfang zu demjenigen bringen, was die beiden Elemente sein müssen der zukünftigen Geistesentwickelung der Menschheit. Was sich ins Innere hineinsenkt als das Christus-Leben, wird das erste Element sein; was in umfassender Weise als die geistige Kosmologie Verständnis bringen wird für den Christus, das wird das zweite sein. Christus-Leben im Innern des Herzens, Weltverständnis, das zu Christus-Verständnis führt, das werden die beiden Elemente sein. Heute, wo wir am Anfang stehen, können wir beginnen damit, daß wir die richtige Gesinnung haben im Innern. Daher versammeln wir uns, um die richtige Gesinnung gegenüber der geistigen Welt und all dessen, was daraus geboren ist, gegenüber dem Menschen zu pflegen. Damit, daß wir die richtige Gesinnung pflegen, machen wir unsere Geisteskräfte allmählich geeignet, den Christus im Innern aufzunehmen, denn je höher und edler sich die Gesinnung ausprägt, desto edler wird sich Christus ausleben können. Und wir machen den Anfang damit, daß wir die elementaren Zusammenhänge unserer Erdenentwickelung lehren, daß wir erneut suchen dasjenige, was von Skythianos, Zarathustra und Buddha stammt, daß wir es nehmen so, wie sie es lehren können in unserer Zeit, so wie diese Lehrer selbst es wissen, nachdem sie sich entwickelt haben bis in unsere Zeit herein. Wir sind so weit, daß wir anfangen, die elementaren Lehren der Einweihung zu verbreiten.