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The Rudolf Steiner Archive

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Anthroposophy Psychosophy Pneumatosophy
GA 115

23 October 1909, Berlin

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Erster Vortrag

1. The Position of Anthroposophy in Relation to Theosophy and Anthropology. The Human Senses.

[ 1 ] Wir haben hier in Berlin und an andern Orten, an denen unsere Theosophische Gesellschaft verbreitet ist, in den letzten Jahren so vieles gehört aus dem Gesamtgebiete der Theosophie, das entnommen war aus sozusagen hohen Regionen der hellseherischen Forschung, daß einmal das Bedürfnis entstehen mußte, oder besser gesagt, müßte, einiges zu tun für eine ernste und würdige Fundamentierung unserer geistigen Strömung. Und es wird wohl gerade die jetzige Generalversammlung, welche unsere lieben Mitglieder vereinigt nach dem siebenjährigen Bestande unserer Deutschen Sektion, ein richtiger Anlaß dazu sein, etwas beizutragen zu einer festeren Fundamentierung, zum Schaffen einer festeren Ordnung unserer Sache. Dies soll von mir in den vier Vorträgen unter dem Titel «Anthroposophie» in diesen Tagen versucht werden.

[ 1 ] Here in Berlin, as well as in other localities where our Society has spread, much has been discussed that concerns the comprehensive realm of theosophy, that emanates, so to speak, from the high regions of clairvoyant consciousness, and it is natural that a desire should have arisen to do something toward a serious and adequate substantiation of our spiritual current. The present General Assembly, which brings our members together here at the seventh anniversary of our German Section, may be taken as the proper occasion for contributing something toward strengthening the foundations of our cause. This I shall attempt to do at this time in the four lectures on Anthroposophy.

[ 2 ] Die Kasseler Vorträge über das Johannes-Evangelium, die Düsseldorfer Vorträge über die Hierarchien, die Basler über das LukasEvangelium, die Münchner über die Lehren der orientalischen Theosophie, sie alle haben uns Veranlassung gegeben, in hohe Regionen der geistigen Forschung hinaufzusteigen und herunterzuholen schwer zugängliche geistige Wahrheiten. Es war das, was uns da immer beschäftigt hat, Theosophie, war, zum Teil wenigstens, ein Hinaufsteigen zu hohen Gipfeln der spirituellen menschlichen Erkenntnis.

[ 2 ] The lectures in Kassel on The Gospel of St. John, those in Düsseldorf on the hierarchies, those in Basel on The Gospel of St. Luke, and those in Munich on the teachings of oriental theosophy, were all occasions for rising to high altitudes of spiritual research and for bringing back spiritual truths difficult of access. What occupied us there was theosophy and, at least in part, its ascent to exalted spiritual peaks of human cognition.

[ 3 ] Und nun, da wir am Beginne eines neuen Zyklus unserer Bewegung stehen, müssen wir bedenken, daß man wirklich in dem, was man den zyklischen Verlauf der Ereignisse der Welt nennt — wenn man sich allmählich ein Gefühl dafür aneignet —, mit Berechtigung etwas Tieferes sehen kann. Es war gerade in den Tagen unserer allerersten Generalversammlung, da wir die Deutsche Sektion zu begründen hatten; da hielt ich damals vor einem Publikum, das nur zu einem sehr geringen Teil aus Theosophen bestand, Vorträge, welche dazumal auch als ein Kapitel aus der Anthroposophie bezeichnet wurden, als ein historisches Kapitel der Anthroposophie. Jetzt, nach sieben Jahren, scheint wiederum die Zeit gekommen zu sein, wo sozusagen auch in dieser Beziehung ein Zyklus erfüllt ist und wo wieder gesprochen werden darf in einem umfassenderen Sinne von dem, was man unter Anthroposophie verstehen soll.

[ 3 ] It does not seem unjustifiable, given a gradually acquired feeling in the matter, to see something deeper in what is called the cyclical course of world events. At the time of our first General Assembly, when the German Section was founded, I delivered lectures to an audience composed only in part of theosophists; those lectures may be characterized as the historical chapter of anthroposophy. Now, after a lapse of seven years that constitute a cycle, the time seems ripe for speaking in a more comprehensive sense on the nature of anthroposophy.

[ 4 ] Wir wollen uns zuerst durch einen Vergleich klarmachen, was Anthroposophie ist. Man kann, wenn man eine Gegend kennenlernen will, alles das, was sich da ausbreitet an Dörfern, Wäldern, Auen, Straßen und so weiter, anschauen, indem man unten herumgeht von Dorf zu Dorf, durch Straße um Straße, durch Auen und Wälder, von Ort zu Ort. Man wird dann jedesmal, je nachdem man sich da oder dort befindet, immer einen kleinen, einen ganz geringen Teil des ganzen Gebietes vor Augen haben. Man kann aber auch hinaufsteigen auf einen Bergesgipfel und kann von diesem hohen Bergesgipfel aus das ganze Land überschauen. Dann werden sich für den gewöhnlichen Blick die Einzelheiten nur sehr undeutlich ausnehmen; dafür wird man aber eine Überschau haben über das Ganze. So etwa könnte man das Verhältnis bezeichnen, welches besteht zwischen dem, was man im gewöhnlichen Leben menschliche Erkenntnis, menschliche Wissenschaft nennt, zu dem, was Theosophie ist. Das gewöhnliche menschliche Erkennen geht in der Welt der Tatsachen herum von Einzelheit zu Einzelheit.

[ 4 ] First, I should like to make clear through a comparison what should be understood by the term anthroposophy. If we wish to observe a section of country, together with all that is spread out there in the way of fields, meadows, woods, villages, roads, we can do so by going about from village to village, through streets and meadows and woods, and we will always have a small section of the whole region in view. Again, we can climb to a mountain top and from there overlook the whole landscape. The details will be indistinct for the ordinary eye, but we have a comprehensive view of the whole. That approximately describes the relation between what in ordinary life is called human cognition or human science, and what theosophy stands for.

[ 5 ] Die Theosophie steigt auf einen hohen Bergesgipfel hinauf, und je höher sie hinaufsteigt, desto größer wird der Umkreis, den sie überschaut. Sie muß aber dann besondere Mittelanwenden, um überhaupt noch etwas von dem Unteren zu sehen. Die Mittel, die da angewendet werden müssen, sind oft und oft beschrieben worden, auch in meiner Schrift «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?». Da ist gezeigt, wie es dem Menschen möglich ist, zu diesem idealen Gipfel emporzudringen, ohne daß er die Möglichkeit verliert, unten überhaupt noch etwas zu sehen.

[ 5 ] While the ordinary search for human knowledge goes about from detail to detail in the world of facts, theosophy ascends to a high vantage point. This extends the visible horizon, but without the employment of quite special means the possibility of seeing anything at all would vanish. In my book, Knowledge of the Higher Worlds and Its Attainment, is set forth how one can reach this ideal peak without losing the power of clear vision.

[ 6 ] Nun gibt es aber - und das kann unmittelbar hervorgehen aus diesem Vergleich - noch eine dritte Möglichkeit: Man steigt nicht ganz zum Bergesgipfel hinauf, man bleibt sozusagen in der Mitte stehen. Wenn man unten ist, so sieht man lauter Einzelheiten vor sich; man hat keinen Überblick, und. man sieht das Obere von unten her. Wenn man oben ist, hat man nichts über sich außer dem göttlichen Himmel, und man sieht unter sich alles nur undeutlich, verschwommen, in Dunst gehüllt. Wenn man in der Mitte ist, so ist das ein besonderer Standpunkt: man hat etwas unter sich und etwas über sich, und man kann die beiden Aussichten miteinander vergleichen.

[ 6 ] But there is a third possibility, lying between the two described. It is to ascend part way, remaining half-way up. At the bottom you cannot survey the whole; you observe only details and see the top from below. At the top, everything is beneath you, and above you have only the divine heavens. In the middle you have something above and something below you, and you can compare the two views.

[ 7 ] Jeder Vergleich hinkt selbstverständlich, aber es war auch nur beabsichtigt, Ihnen vor Augen zu führen, wodurch Theosophie zunächst sich von Anthroposophie unterscheidet. Theosophie ist das Stehen auf dem Bergesgipfel, Anthroposophie das Stehen in der Mitte, so daß man hinauf- und hinunterschaut. Der Standort und der Gesichtspunkt ist nur ein anderer. Jetzt aber reicht der Vergleich nicht mehr aus, um das Folgende zu bezeichnen. Wenn man sich der Theosophie ergibt, so ist es notwendig, daß man über die menschliche Anschauung hinaufsteigt, daß man sich vom niederen Selbst zum höheren Selbst erhebt, und daß man mit den Organen des höheren Selbst zu schauen vermag. Denn der Gipfel, von dem aus die Theosophie zu schauen vermag, liegt über dem Menschen, das gewöhnliche menschliche Erkennen hingegen liegt eigentlich unterhalb des Menschen, und der Mensch selber steht mitten zwischen Natur- und Geisteswelt drinnen. Das Obere reicht in ihn hinein, denn er ist durchsetzt, erfüllt vom Geiste. Er kann den Geist über sich sehen; er nimmt aber nicht seinen Ausgangspunkt vom Geiste, vom Gipfel, sondern so, daß er den Gipfel über sich hat. Zugleich aber sieht er das, was bloß Natur ist, unter sich, denn das ragt von unten in ihn hinein. Theosophie unterliegt der Gefahr, daß, wenn nicht jene Mittel angewendet werden, die zum Beispiel in meiner Schrift «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» beschrieben worden sind, das Menschliche überflogen wird und daß der Mensch die Möglichkeit verliert, überhaupt noch etwas Zureichendes zu erkennen. Bei der Theosophie liegt die Gefahr nahe, zu ihren Füßen nicht mehr die Wirklichkeit zu sehen. Sie braucht die Möglichkeit selbstverständlich nicht zu verlieren, wenn jene richtigen Mittel angewendet werden zur Entwickelung derjenigen Organe, mit welchen gesehen wird durch das höhere Selbst.

[ 7 ] Any comparison lags and limps, but all that was intended at the moment was to place before you the manner in which in the first instance theosophy differs from anthroposophy. The latter stands in the middle, the former on the summit: it is the point of departure that is different. Thus far the comparison is helpful, but it is inadequate in characterizing what follows. Devotion to theosophy necessitates rising above human points of view, above the middle, from self to higher self, and it implies the ability to see with the organs of this higher self. The peak attained by theosophy lies above man, ordinary human knowledge, below, and what lies half-way between, that is the human being himself: between nature and the spiritual world. What is above reaches down to him; he is permeated by the spirit. In contemplating the world from a purely human angle, he does not take his point of departure from the summit, but he can see it—see the spirit above. At the same time he sees what is merely nature beneath him; it reaches into him from below. There is a risk connected with theosophy; unless the above-mentioned means are employed to see with the higher self—not with the ordinary self—there is danger of losing contact with the human element, and this results in forfeiting the ability to see anything at all adequate, of recognizing reality below. This danger disappears, however, as soon as those means are employed.

[ 8 ] Dann aber können wir sagen: Theosophie ist dasjenige, was erforscht wird, wenn der Gott im Menschen spricht. - Das ist im Grunde die wirkliche Definition der Theosophie: Laß den Gottin dir sprechen, und was er dir dann über die Welt sagt, ist Theosophie. Anthroposophie ist damit zu charakterisieren, daß man sagt: Stelle dich in die Mitte zwischen Gott und Natur, laß den Menschen in dir sprechen über das, was über dir ist und in dich hineinleuchtet, und über das, was von unten in dich hineinragt, dann hast du Anthroposophie, die Weisheit, die der Mensch spricht. - Diese Weisheit, die der Mensch spricht, wird einem aber ein wichtiger Stützpunkt und Schlüssel sein können zu dem Gesamigebiete der Theosophie. Und Sie können, nachdem Sie einige Zeit Theosophie aufgenommen haben, kaum etwas Besseres tun, als diesen festen Stützpunkt gewinnen, indem Sie ihn wirklich suchen. Daher werde ich dafür sorgen, daß so schnell als möglich im Anschluß an diese Vorträge ein kurzer Abriß dessen, was Anthroposophie ist, zu haben sein wird.

[ 8 ] Then we can say that theosophy is what comes to light when the God within man says, “Let the God within you speak; what He reveals of the world is theosophy.” Take your stand between God and Nature and let the human being in you speak. Speak of what is beneath as well as what is above you, and you have anthroposophy. It is the wisdom spoken by man. This wisdom will prove an important fulcrum, a key to the whole realm of theosophy. After a period of immersion in theosophy, nothing could be more profitable than seriously to seek the firm center of gravity provided by anthroposophy.

[ 9 ] Dasjenige, was ich hier gesagt habe, kann auch nach den verschiedensten Seiten hin geschichtlich belegt werden. Wir brauchen gar nicht weit zu gehen. Wir haben da zum Beispiel eine Wissenschaft - Sie können sich darüber aus den verschiedensten populären Handbüchern informieren -, diese Wissenschaft nennt man gewöhnlich Anthropologie. Sie umfaßt, so wie sie heute betrieben wird, nicht bloß den Menschen, sondern, wenn der Ausdruck richtig verstanden wird, alles das, was zum Menschen gehört, alles was man in der Natur erfahren kann, was man braucht, um den Menschen zu verstehen. Aber wie verfährt die Anthropologie? Diese Wissenschaft nimmt ihren Ausgangspunkt von dem Herumwandeln unter den Dingen, sie ist selbst ganz unten. Sie geht von Einzelheit zu Einzelheit. Es ist die Forschung, die mit den Sinnen das Menschliche betrachtet mit Hilfe des Mikroskops. Diese Wissenschaft, die Anthropologie, die ja in den weitesten Kreisen heute allein als Wissenschaft vom Menschen gelten gelassen wird, sie nimmt wirklich ihren Standpunkt unterhalb der Fähigkeiten des Menschen. Sie wendet nicht alles an, was der Mensch an Fähigkeiten zur Erforschung hat. Halten Sie zusammen mit dieser Anthropologie, die sozusagen am Boden haftet, die nicht dringen kann zu irgendeiner Antwort auf die brennenden Rätselfragen des Daseins, halten Sie sie zusammen mit dem, was einem gebracht wird als Theosophie. Da wird hinaufgestiegen in die höchsten Höhen, da handelt es sich darum, eine Antwort zu finden auf die brennendsten Fragen des Daseins. Doch werden Sie die Erfahrung gemacht haben, daß die Menschen, die nicht langsam und allmählich sich in sie hineingefunden haben, die nicht die Geduld gehabt haben, mitzugehen bei alldem, was wir in den letzten Jahren sagen konnten, welche nicht Schritt für Schritt haben mitkommen können, daß die Menschen, die auf dem Standpunkt der Anthropologie stehengeblieben sind, die Theosophie als ein luftiges Gebäude empfinden, als etwas betrachten, dem aller Untergrund fehlt. Sie können nicht einsehen, wie die Seele hinaufsteigt von Stufe zu Stufe, von Imagination zu Inspiration und der Intuition. Sie können sich nicht erheben zu dem Gipfel, können nicht überschauen, was das Ziel alles Menschen- und Weltenwerdens ist.

[ 9 ] All that has been said so far can be historically substantiated in many directions. We have, for example, the science calling itself anthropology. As it is practised, anthropology comprises not only the human being, but everything pertaining to him; all that can be gleaned from nature, everything necessary for understanding man. This science is based on moving about among objects, passing from detail to detail, observing the human being under a microscope. In short, this science, which in the widest circles is regarded as the only one dealing authoritatively with man, takes its view from a point beneath human capacities. It is chained to the ground; it fails to employ all the faculties at the disposal of man, and for this reason it cannot solve the riddles of existence. Now contrast all this with what you encounter as theosophy. There one searches the most rarefied regions for answers to the burning questions of life. But all those who are unable to keep pace, whose standpoint is anthropology, consider theosophy an air-castle, lacking foundation. They are not able to understand how the soul can ascend step by step to that summit from which all is spread out beneath it. They cannot rise to the planes of imagination, inspiration, and intuition. They cannot ascend to the peak that is the final goal of human evolution.

[ 10 ] So steht gleichsam auf der untersten Stufenleiter die Anthropologie, auf der obersten, wo vielen schwindet die Fähigkeit, zu erkennen, die Theosophie, in der Mitte die Anthroposophie.

[ 10 ] Thus we find anthropology on the lowest step, theosophy on the summit. What becomes of theosophy when it wants to reach the top but is not in a position to do so with the right means?

[ 11 ] Wir wollen zum Verständnis ein geschichtliches Beispiel zu Hilfe nehmen, woran wir erkennen können, was Theosophie dann wird, wenn sie hinaufdringen will zum Gipfel und nicht in der Lage ist, mit den Mitteln hinaufzudringen, die wir angegeben finden in dem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?». Ein solches Beispiel haben wir an dem deutschen Theosophen Solger, der in der Zeit von 1780 bis 1819 lebte. Wir haben in seinen Anschauungen durchaus das, was dem Begriffe nach Theosophie ist. Aber mit welchen. Mitteln suchte Solger hinaufzukommen in die höchsten Höhen? Mit den Begriffen der Philosophie, mit den ausgesogenen und ausgezehrten Begriffen des menschlichen Denkens! Das ist wirklich so, wie wenn jemand hinaufsteigt auf einen Gipfel, um Umschau zu halten, und sein Fernrohr vergißt und unten nichts mehr unterscheiden kann. Das Fernrohr ist in diesem Falle ein geistiges, es ist die Imagination, Inspiration und Intuition. So suchte Solger mit unzulänglichen Mitteln hinaufzusteigen auf den Gipfel.

[ 11 ] We can find the answer in the historic example of the German theosophist, Solger, who lived from 1770–1819. Conceptually, his views are theosophical, but what means does he employ to attain the summit? Philosophical concepts, concepts of human cerebration long since sucked dry and emaciated! That is like climbing a mountain for the purpose of observation, and forgetting to take your field-glasses; you can distinguish nothing whatever down below. In our case the field-glasses are spiritual, and they are called imagination, inspiration, and intuition.

[ 12 ] Man hat lange gefühlt, daß die menschlichen Fähigkeiten im Laufe der Jahrhunderte immer unfähiger wurden, auf diesen Gipfel hinaufzusteigen. Im ganzen Mittelalter hat man es gefühlt und es sich eingestanden. In neuerer Zeit fühlt man es zwar auch, aber gesteht es sich nicht mehr so recht ein. Man hat lange gefühlt, daß die menschlichen Fähigkeiten einstmals hinaufsteigen konnten zu dem Gipfel, von dem aus so gesprochen werden konnte, wie tatsächlich eine alte Theosophie gesprochen hat. Eine solche alte Theosophie gab es. Dann aber sollte einmal das, was da sich offenbarte auf dem Gipfel, abgeschlossen werden. Es sollte bewahrt werden davor, daß man es mit den gewöhnlichen Mitteln der Erkenntnis in Empfang nehmen konnte. Diese alte Theosophie wurde zur Theologie, die die Offenbarung als abgeschlossen betrachtete. Und so steht neben der Anthropologie, die mit den gewöhnlichen Erkenntnismitteln nur von Einzelheit zu Einzelheit geht, die Theologie, die zwar hinaufsteigen und etwas wissen will von dem, was in den Höhen zu schauen ist, aber sich wiederum verläßt auf etwas, was mit gewöhnlichen Menschenmitteln zu erlangen ist, auf die historische Überlieferung nämlich, auf das, was einmal offenbart worden ist und was sich nicht immer von neuem und immer wieder von neuem der aufstrebenden Menschenseele offenbaren soll. Anthropologie und Theologie standen sich das ganze Mittelalter hindurch gegenüber, ohne sich abzulehnen. Auch in der neueren Zeit stehen sie sich gegenüber, nur in einer andern Form. Die neuere Zeit lehnt vom Standpunkt der Anthropologie die Theologie als etwas Wissenschaftliches in der Regel schroff ab. Wenn Sie nicht stehenbleiben bei den Einzelheiten, sondern hinaufgehen, hinaufsteigen bis zu jener Ihnen charakterisierten Mitte, dann können Sie neben die Theosophie die Anthroposophie stellen, ähnlich wie im Mittelalter neben die Theologie die Anthropologie.

[ 12 ] Man's ability to reach that peak diminished more and more through the centuries—a fact that was clearly felt and acknowledged as early as the Middle Ages. Today it is felt too, but not acknowledged. In olden times that capacity to ascend existed, as you know, though only to a minor degree. It was based on a clairvoyant twilight condition in man. There really was an ancient theosophy of that sort, but it was written that such revelations from the summit should come to a close, that they should no longer be open to the ordinary means of cognition. This old theosophy, which considers revelation a thing of the past, became theology, and thus we find theology running parallel with anthropology. Theology's ambition is to climb the heights, but for its means it depends upon something that was once revealed, was then handed down, and is now rigid; something incapable of continually revealing itself anew to the striving soul. Throughout the Middle Ages, anthropology and theology frequently opposed without rejecting each other, but in recent times the contrast is sharp. Nowadays theology is admitted along with anthropology as something scientific, but no bridge is found between the two. If we do not stop with the details but ascend half-way, we can establish anthroposophy by the side of theosophy.

[ 13 ] Auch Anthroposophie zu begründen wurde schon versucht innerhalb des neuzeitlichen Geisteslebens, aber wiederum mit völlig unzulänglichen Mitteln, nämlich bloß mit den Mitteln der abstrakten, ausgesogenen Begriffe der Philosophie. Wenn man verstehen will, um was es sich dabei handelt, so muß man erst verstehen, was überhaupt Philosophie ist. Was Philosophie eigentlich ist, können heute im Grunde nur die Theosophen verstehen, nicht aber können es die Philosophen selber verstehen. Was ist Philosophie? Man kann sie nur verstehen, wenn man sie zunächst geschichtlich betrachtet in ihrem Werdegang. Ein Beispiel soll dies erläutern. Es gab in alten Zeiten die sogenannten Mysterien als Pflegestätten des höheren geistigen Lebens. Da konnten die Schüler durch Entwickelung ihrer Fähigkeiten zu geistigem Anschauen geführt werden. Ein solches Mysterium war zum Beispiel in Ephesus, wo die Geheimnisse der Diana von Ephesus erkundet wurden. Da schauten die Schüler hinein in die geistigen Welten. So viel nun von dem dort Aufgenommenen öffentlich mitgeteilt werden konnte, wurde tatsächlich auch mitgeteilt. Dann empfingen es die andern als etwas in den Mysterien Geschautes, als etwas ihnen Mitgeteiltes, als Gabe. Es gab da Menschen, welche sich bewußt waren, daß sie mitgeteilt erhalten hatten aus den Mysterien heraus die höheren Geheimnisse. Ein solcher Mann war zum Beispiel der große Weise Heraklit. Zu ihm waren insbesondere gedrungen die Geheimnisse des Mysteriums von Ephesus, die Tatsachen, welche dort die hellsichtigen Menschen ergründen konnten. Das, was er dort als Mitteilung erhalten hatte und was er seiner teilweisen Einweihung verdankte, hat er so verkündet, daß es allgemein verstanden werden konnte. Daher sieht der, welcher die Lehren des Heraklit, des sogenannten «Dunklen», liest, daß da etwas ’Tieferes zugrunde liegt, so daß man in diesen ursprünglichen Lehren noch durchscheinen sehen kann das unmittelbare Erlebnis, die Erfahrung der höheren Welten. Dann kamen die Nachfolger Heraklits. Sie hatten keine Ahnung mehr, daß dieses Mitgeteilte herausstammte aus den unmittelbaren Erlebnissen der höheren Welten. Sie fingen an, mit dem Verstande zu spekulieren, sie glaubten, mit ihrem bloßen philosophischen Verstande da und dort etwas Unrichtiges zu finden, und besserten daran herum. Das wurde so in Begriffen fortgesponnen und vererbte sich von Geschlecht zu Geschlecht weiter. Und wenn wir heute irgend etwas von Philosophie vor uns haben, so haben wir nichts anderes vor uns als ein Erbstück alter Lehren, aus dem das Leben herausgeblasen, herausgepreßt ist und von dem nur das tote Begriffsgerippe übriggeblieben ist. Die Philosophen sind sich nicht bewußt, woher die Begriffe stammen. Philosophien sind Abstraktionen, Erbstücke der alten Weisheit, die bis zum ausgepreßten Begriff gekommen sind. Es gibt keinen Philosophen, der irgend etwas aus sich selber ausdenken kann. Dazu gehört der Gang in die höheren Welten hinauf.

[ 13 ] Within modern spiritual life attempts have been made to practise anthroposophy, among other things, but again, as in the case of theosophy, with the wrong, inadequate means of a defunct philosophy. The meaning of philosophy can really no longer be understood by philosophers—only by theosophists. Historical contemplation alone yields this understanding. Philosophy can be comprehended only by contemplating its origin, as can be seen by an illustration. In former times there were the so-called Mysteries, abodes where the higher spiritual life was cultivated, where the neophytes were guided by special methods to spiritual vision. One such Mystery, for example, was in Ephesus, where the neophytes could learn through their training the secrets of Diana of Ephesus; they learned to look into the spiritual worlds. As much of such matters as could be made public was communicated to the profane and received by them, but not all of these realized that higher secrets had been revealed to them. One of those to whom such communications from the Mysteries of Ephesus had penetrated was Heraclitus. He then proclaimed these, by means of his partial initiation, in a way that could be generally understood. In reading the doctrines of Heraclitus, “The Obscure,” we still find immediate experience, the experience of the higher worlds, shining through between the lines. Then came his successors who no longer realized that those doctrines originated in direct experience. They no longer understood them, so they began to improve them, to spin them out in concepts. They began to speculate intellectually, and this method persisted through the generations. Everything we have in the way of philosophy today is but a heritage of ancient doctrines squeezed out and sucked dry of all life, leaving only the skeleton of the concepts. Yet the philosophers take that skeleton for a living reality, for something created by human thinking. There is, as a matter of fact, no such thing as a philosopher who can think creatively without having recourse to the higher worlds.

[ 14 ] Und nur ein solches Gerippe von Philosophie, solche ausgepreßten Begriffe standen im Grunde genommen eben den Philosophen des 19. Jahrhunderts zur Verfügung, wenn sie das in Angriff nahmen, was man Anthroposophie nennen kann. Das Wort ist schon einmal gebraucht worden. Robert Zimmermann hat eine «Anthroposophie» geschrieben, aber er unternahm sie mit höchst unzulänglichen Mitteln, wie Solger die Theosophie. Er hat sie herausgesponnen mit den ausgesogensten, abstraktesten Begriffen, und dieses Gespinst war dann seine Anthroposophie. Man hat da wirklich das abstrakteste, trockenste, die Sache gar nicht mehr berührende Begriffsgespinst. Das ist überhaupt das Charakteristische, daß, was im 19. Jahrhundert über das äußere, einzelne Erlebnis, über die Anthropologie hinausgehen und Anthroposophie sein wollte, trockenes Begriffsgespinst geworden ist.

[ 14 ] Just such a skeleton of concepts was all that the philosophers of the nineteenth century had to work with when they took up what may be called anthroposophy. The term actually occurred. Robert Zimmermann wrote a so-called Anthroposophy, but he constructed it of arid, empty concepts. Indeed, everything that has attempted to transcend anthropology without employing the right means has remained a shriveled web of concepts no longer connected with the subject.

[ 15 ] Theosophie muß wiederum dadurch, daß sie die Mittel herbeischafft, die Wirklichkeit innerhalb des geistigen Lebens zu erkennen, auch vertiefen die Menschheitserkenntnis, die man Anthroposophie nennen kann. Die Anthroposophie ist eine geistige Erkenntnis der Welt, die sich rein auf den mittleren, menschlichen Standpunkt stellt, und nicht auf den untermenschlichen, wie etwa die Anthropologie. Die Theosophie Solgers steht auf einem übermenschlichen Standpunkte, hat aber keinen Inhalt. Die Begriffe wollen dort oben nur die Menschheit überfliegen. Weil solche Leute aus ihrer Welt heraus oben nichts sehen können, so spinnen sie fein an dem Webstuhl der Begriffe. So an dem Webstuhl der Begriffe spinnen, wollen wir nicht. Wir wollen auf die Wirklichkeit gehen. Und Sie werden sehen, daß uns die Wirklichkeit des gesamten menschlichen Lebens entgegentreten wird. Sie werden die alten Freunde, die alten Objekte unserer Betrachtungen wiedererkennen, aber von einem andern Gesichtspunkte aus beleuchtet, nämlich von dem Gesichtspunkte, der zugleich hinauf- und hinunterschaut.

[ 15 ] Like philosophy, anthroposophy too must be deepened through theosophy; the latter must provide the means for recognizing reality within the spiritual life. Anthroposophy takes the human, the middle standpoint, not the subhuman, as does anthropology. A theosophy, on the other hand, as practised by Solger, though spiritual in its point of view, employs only inflated concepts, and when Solger arrives at the summit he sees nothing. That is spinning at the loom of concepts, not living, spiritual observation. It is something we do not intend to do. We aim in these lectures to confront the reality of human life in its entirety. We shall encounter the old subjects of observation, now illuminated, however, from a different point whence the view is both upward and downward.

[ 16 ] Der Mensch ist wirklich das wichtigste Objekt unserer Betrachtung. Schon wenn wir auf das erste Glied des menschlichen Wesens, den physischen Leib, eingehen, wenn wir darüber nachdenken, was wir durch die Theosophie gewonnen haben und näher darauf eingehen, dann werden wir gewahr, was für ein kompliziertes Gebilde dieser physische Leib eigentlich ist. Damit Sie sich zunächst wenigstens eine gefühlsmäßige Erkenntnis dessen verschaffen, was Anthroposophie eigentlich will, so denken Sie einmal über folgendes nach: Das, was wir heute den physischen Menschenleib nennen, ist sozusagen ein altes Produkt. Wir wissen, daß seine erste keimhafte Anlage auf dem alten Saturn entstanden ist und sich verändert hat auf der alten Sonne, auf dem alten Monde und auf der Erde. Der Ätherleib ist hinzugekommen auf der Sonne, der astralische Leib auf dem Monde. Immer haben sich diese Glieder der menschlichen Wesenheit im Verlaufe der Entwickelung geändert. Was uns heute entgegentritt als der komplizierte Menschenleib mit Herz und Nieren, Augen und Ohren und so weiter, das ist das Produkt einer langen Entwickelung. Alles ist entstanden aus einer Form, die auf dem alten Saturn in höchst einfacher Gestalt im Keime vorhanden war. Das hat sich durch Jahrmillionen immer wieder verändert und verwandelt, so daß es endlich zur heutigen Vollkommenheit und Kompliziertheit aufsteigen konnte. Betrachten Sie heute irgendein Glied dieses physischen Leibes, das Herz oder die Lunge, so können Sie es nicht verstehen, wenn Sie nicht jenen tieferen Einblick haben, wie diese Glieder entstanden sind und sich gebildet haben. Von dem, was heute die Form des Herzens, die Form der Lunge ist, war auf dem alten Saturn natürlich noch nichts vorhanden. Ganz nach und nach haben diese Organe ihre heutige Form angenommen. Eines hat sich früher, das andere später gebildet und ist dem physischen Leibe eingegliedert worden. Ein Organ können wir geradezu ansprechen als ein Sonnenorgan, weil es sich während des alten Sonnenzustandes zuerst angegliedert und gezeigt hat. Ein anderes können wir ansprechen als Mondenorgan und so weiter. So können wir uns die Begriffe holen aus dem Weltenall, aus der Betrachtung der ganzen Welt, wenn wir verstehen wollen, wie dieses komplizierte Gebilde, der physische Menschenleib, eigentlich entstanden ist und was er heute bedeutet.

[ 16 ] The human being is the most important subject of our observation. We need but to contemplate his physical body to realize what a complicated being he is. In order to gain a sentient understanding of anthroposophy's aims, let us first ponder the following. The complicated physical body as we encounter it today is the product of a long evolution. Its first germinal potentiality came into being on old Saturn, and it evolved further on the old Sun, the old Moon, and the Earth. The etheric body was added to it on the Sun, the astral body on the Moon. Now, these members of the human being have changed in the course of evolution, and what we encounter today as the complicated physical human body, with heart, kidneys, eyes, ears and so forth, is the product of a long development. It has all grown out of a simple germinal form that originated on Saturn. Through millions and millions of years it has continually changed and been transformed in order that it might achieve its present perfection. If today we wish to understand a member or an organ of this physical body—say, the heart or the lungs—we can do so only on the basis of this evolution. Nothing of what we encounter today as the heart existed on the old Saturn. Only gradually did these organs assume their present form, one being developed and incorporated earlier, another later. Some organs we can actually designate Sun-organs, as having first appeared during the Sun evolution, others Moon-organs, and so on. If we would understand the present physical body of man we must assemble our concepts from the whole Universe—that is the theosophical method of observation.

[ 17 ] Das ist eine theosophische Betrachtung des Menschen. Was ist dagegen die anthropologische Betrachtung des Menschen? Wenn man ihn anthropologisch betrachtet, so nimmt man das Herz und betrachtet es für sich, man nimmt den Magen und betrachtet ihn für sich. Man untersucht sie in ihrem Nebeneinander, als ob es gleichgültig wäre, welches Organ jünger und welches älter ist. Darauf nimmt man keine Rücksicht, da wird alles als Einzelheit mechanisch nebeneinandergestellt. Theosophie geht auf die höchsten Höhen hinauf und erklärt aus dem Geistigen alles Einzelne. Anthropologie bleibt ganz unten stehen, geht aus von dem Einzelnen und ist heute bei dem äußersten Extrem angekommen: sie betrachtet die einzelnen Zellen in ihrem Nebeneinander, als ob es gleichgültig wäre, daß ein Zellenkomplex zur alten Mondenzeit, ein anderer auf der alten Sonne entstanden ist. Die eiinzelnen Zellenkomplexe sind wirklich zu verschiedenen Zeiten entstanden. Man kann äußerlich die Einzelheiten anführen, aber man wird sie nicht verstehen, wenn man sie nicht vom geistigen Gesichtspunkte aus betrachtet. So wandelt Anthropologie ganz unten herum, und Theosophie nimmt den höchsten Gipfel ein.

[ 17 ] How does anthropology set to work? Theosophy ascends to the ultimate heights and from this spiritual summit examines individual phenomena. Anthropology remains on the ground, takes its point of departure from the details, and now even investigates individual cells in their juxtaposition. Everything is mechanically lined up and the cells are studied individually, but this does not reveal their relative age. Yet, far from being immaterial, it is important to know whether a given group of cells developed on the Sun or on the Moon. Much more could be said concerning these complicated conditions.

[ 18 ] Nun denken Sie, daß sich die Sache noch mehr kompliziert. Das menschliche Herz zählt zu den Organen, die zu den allerältesten gehören, wenigstens in der Keimanlage. So wie es heute aussieht, hat es sich freilich erst in späterer Zeit ausgebildet. Und nun betrachten wir die alte Sonnenzeit. Da war zum Beispiel diese Keimanlage des menschlichen Herzens abhängig von den Kräften, die auf der alten Sonne herrschten. Dann ging die Entwickelung weiter. In der ersten Periode der Mondenzeit war der alte Mond mit der Sonne vereinigt, da machte das Herz wieder eine Entwickelung durch. Da trat aber das große Ereignis ein, daß die Sonne sich trennte. Sie wirkte nun von außen, so daß von da ab das Herz eine ganz andere Entwickelung durchmachte. Die Entwickelung verlief von jener Zeit ab so, daß ein Sonnen- und ein Mondenanteil da war, und man kann das Herz nur verstehen, wenn man unterscheiden kann den Sonnen- und den Mondenanteil. Dann vereinigte sich die Sonne wieder mit dem Monde. Während der Erdenentwickelung trat die Sonne zuerst wiederum heraus und wirkte von außen schärfer auf die Entwickelung ein. Dann trat die Mondentrennung ein und der Mond wirkte von außen, so daß wir eine neue Phase in der Entwickelung dieses alten Organs haben.

[ 18 ] Consider, for example, the human heart. True, as constituted today it evolved late, but as regards its first germinal potentiality it is one of the oldest human organs. During the period of the old Sun, the heart was dependent upon the forces governing there. During the Moon period its development continued; then the Sun withdrew from the Moon, with which it had been united, and henceforth its forces acted upon the heart from without. Here the heart underwent a different development, so that from then on a Sun element and a Moon element can be observed in its tendencies. Then Earth, Sun, and Moon were united again and worked upon the heart. After a pralaya the Earth evolution followed, during which the Sun first withdrew again. This separation resulted in an intensification of the Sun's influence from without. Then the Moon withdrew as well and also acted upon the heart from without. So, being among the oldest human organs, the heart comprises a Sun element, a Moon element, a second Sun element during the Earth evolution, a second Moon element during the Earth evolution, and finally, after the withdrawal of the Earth, an Earth element—all corresponding to cosmic evolution.

[ 19 ] So sehen wir hineinscheinen in den menschlichen physischen Leib die verschiedensten Kräfte von den verschiedensten Standpunkten aus. Weil das Herz zu den ältesten Organen gehört, so haben wir da wirklich einen Sonnenanteil, einen Mondenanteil, einen zweiten Sonnenanteil und einen zweiten Mondenanteil und dann noch extra einen Erdenanteil nach der Herausgliederung der Erde. Wenn alle diese Anteile an einem Organ oder an dem menschlichen physischen Leib so zusammenstimmen, wie sie in der Harmonie des Kosmos zusammenstimmen, dann ist Gesundheit beim Menschen vorhanden. Sobald einer der Anteile überwiegt, sagen wir zum Beispiel, es werde der Sonnenanteil zu groß gegenüber dem Mondenanteil in bezug auf das Herz, dann wird das Herz krank. Und Sie verstehen diese Krankheit, wenn Sie wissen, wie durch irgendwelche Umstände der Mondenanteil sozusagen ins Hintertreffen gekommen ist. Alle Krankheit der Menschen beruht darauf, daß diese verschiedenen Anteile in Unordnung kommen, unregelmäßig geworden sind. Alle Heilung bestände darin, daß die Harmonie wieder hervorgebracht werde. Aber nur sprechen davon genügt nicht, man muß diese Harmonie wirklich kennen, man muß wirklich in die Weisheit der Welt hineinsteigen, um an jedem Organ die verschiedenen Anteile finden zu können.

[ 19 ] If these elements of the heart accord, as in the cosmic harmony, the heart is healthy; if any one element preponderates, it is sick. All human sickness derives from disharmony among the elements within the organ in question while their cosmic counterparts are in harmony. All healing depends upon strengthening the element that lacks its share, or subduing superfluous activity, as the case may be, thereby bringing the elements into harmony again. But talking about this harmony is not enough. In order to effect it one must really penetrate into the wisdom of the universe; one must be able to recognize the different elements in each organ. That will suffice to give an idea of genuine occult physiology and anatomy, which comprehend the whole human being out of the whole cosmos and explain the details out of the spirit.

[ 20 ] So ist der physische Leib ein ungeheuer kompliziertes Gebilde. Das können Sie schon ahnen aus dem, was wir bisher betrachtet haben. Sie können ahnen, was eine wirklich okkulte Physiologie und Anatomie ist, die mit allen diesen Faktoren rechnen muß und welche den Menschen aus dem ganzen Kosmos heraus begreift. Sie spricht vom Sonnen- und Mondenanteil im Herzen, Kehlkopf, Gehirn und so weiter. Da aber alle diese Anteile im Menschen selber wirken, so wie der Mensch heute vor uns steht, so ist er sozusagen das verfestigte, kristallisierte Produkt all der Vorgänge, die geschehen sind vom Saturn aus auf Sonne, Mond und Erde. So steht im Menschen etwas vor uns, worin verfestigt sind alle diese Anteile. |

[ 20 ] Occult physiology speaks of Sun and Moon elements of the heart, larynx, brain, and so forth, but since all these elements are at work upon man himself, something in him confronts us today in which all these elements are consolidated. If we look into the human being himself and understand these elements, we also understand the etheric body, the astral body, etc., the sentient soul, the intellectual soul and the consciousness soul, as man is constituted today. That is anthroposophy, and in anthroposophy, too, we must start at the lowest step, gradually ascending to the highest.

[ 21 ] Sieht man nun nicht hinaus in die Welt, sondern in den Menschen selber hinein und versteht die einzelnen Organe, den physischen Leib, Ätherleib, astralischen Leib, Empfindungsseele, Verstandesseele, Bewußtseinsseele, so wie der Mensch heute ist, so ist das Anthroposophie. Wir werden auch bei der Anthroposophie auszugehen haben von dem Untersten, um allmählich zum Höchsten aufzusteigen. Das Unterste für den Menschen ist die sinnlich-physische Welt, das, was durch die Sinne und den sinnlich-physischen Verstand gegeben ist. Sie betrachten wir in der Theosophie, ausgehend vom Weltganzen, in den kosmischen Zusammenhängen mit den sinnlich-physischen, den äußeren Erscheinungen. Das ist theosophische Betrachtungsweise. Anthroposophische Betrachtung muß in bezug auf die sinnlich-physische Welt vom Menschen ausgehen, muß das betrachten an dem Menschen, was an ihm sinnlich-physisch ist. Sie muß ausgehen vom Menschen und ihn betrachten, insofern er ein Sinneswesen ist. Das wird das erste sein. Dann werden wir den menschlichen Ätherleib zu betrachten haben, dann den astralischen Leib und das Ich, das, was an ihm selber zu finden ist.

[ 21 ] Man's lowest member is the physical body that he has in common with the sensory world that is perceived through the senses and the sensory-physical mind. The theosophical point of view, starting from the universe, contemplates man in his cosmic contexts. In the matter of the sensory-physical world, anthroposophy must start from man, in so far as he is a sensory being. Only then can we deal appropriately with the etheric body, then the astral body, the ego, and so forth, and what is to be learned from them. Observing the human being in this anthroposophical sense, we ask what it is that must first engage our interest. It is his senses, and it is through these that he acquires knowledge of the physical-sensory world. Starting from the physical plane, it is therefore these that anthroposophy must consider first. Let the study of the human senses then constitute our first chapter. Thereafter we will ascend to the study of the individual spiritual regions in man's nature.

[ 22 ] Was muß uns insbesondere interessieren, wenn die physisch-sinnliche Welt in Betracht kommt? Was am Menschen selber ist. Das sind zunächst die Sinne, denn sie sind es eigentlich, durch welche er Erkenntnis erhält von der physisch-sinnlichen Welt. Man muß zunächst von den menschlichen Sinnen, wenn man vom physischen Plane ausgeht, in der Anthroposophie sprechen, denn sie sind das, wodurch der Mensch überhaupt etwas weiß von der physisch-sinnlichen Welt. Und wir werden sehen, wie wichtig es ist, um wirklich den Menschen zu erkennen, von der Betrachtung seiner Sinne auszugehen. Das sei also unser erstes Kapitel. Dann werden wir aufsteigen zur Betrachtung der einzelnen geistigen Gebiete in der menschlichen Natur.

[ 22 ] Not translated

[ 23 ] Wenn man nun die menschlichen Sinne betrachtet, dann kommt man als Anthroposoph schon ins Gehege mit der Anthropologie, denn Anthroposophie muß immer ausgehen von dem, was sinnlich wirklich ist, aber sie muß sich klar sein, daß der Geist von oben hereinwirkt. Die Anthropologie geht nur ein auf das, was sie unten erforschen kann und wirft alles durcheinander. Gerade in dem Kapitel über die menschlichen Sinne ist alles in der äußeren Anthropologie durcheinandergeworfen, und wichtige Dinge sind gerade außer Betracht gelassen, weil die Menschen keinen Leitfaden haben, um die entsprechenden Tatsachen wirklich und richtig zu finden. Wenn der Faden fehlt, der durch das Labyrinth der Tatsachen führen soll, dann ist es nicht möglich, aus diesem Labyrinth herauszukommen. Den Fadenknäuel, der in der Sage den Theseus aus dem Labyrinth des Minotaurus führt, den muß die geistige Forschung spinnen. Die gewöhnliche Anthropologie bleibt drinnen in dem Labyrinth und fällt dem Minotaurus zum Opfer. So werden wir sehen, daß Anthroposophie allerdings über die Sinne etwas anderes zu sagen hat als die gewöhnliche äußere Betrachtung.

[ 23 ] Beginning with the study of the human senses, we at once find anthroposophy invading the territory of anthropology, for anthroposophy must invariably start from all that the senses tell us is real. But it must keep in mind that what is spiritual, influences man from above. In this sense it is genuine anthropology. Ordinary anthropology has thrown everything pertaining to the human senses into complete confusion, groping its way from detail to detail and examining only what is on the ground, so to speak. Important matters are disregarded because men have no Ariadne-thread to lead them out of the labyrinth of facts into the light. Anthropology cannot find its way out of this maze and must fall a victim to the Minotaur of illusion, for the saving thread can be spun only by spiritual research.

[ 24 ] Aber es ist auch interessant zu sehen, wie die heutige Wissenschaft schon durch die äußeren Tatsachen gezwungen wird, ein wenig gründlicher und ernster die Dinge zu betrachten, als dies früher geschehen ist. Das Trivialste ist ja immer, daß man spricht von den fünf menschlichen Sinnen: Tastsinn, Geruchs-, Geschmacks-, Gehör- und Gesichtssinn. Wir werden sehen, daß bei dieser ganzen Aufzählung der fünf Sinne wirklich schon alles drunter und drüber geworfen ist. Zu diesen Sinnen hat die heutige Wissenschaft allerdings schon drei andere Sinne hinzugefügt, mit denen sie freilich nichts Rechtes anzufangen weiß. Heute werden wir die allerersten Fundamente legen zu einer anthroposophischen Sinneslehre. Wir werden die Sinne aufzählen, insofern sie anhand des oben besprochenen Fadens wirklich Bedeutung haben.

[ 24 ] Even in the matter of the human senses, anthroposophy has a different story to tell than has external observation. At the same time it is interesting to note how external science has lately been forced by material facts to go to work more thoroughly, seriously and carefully. There is nothing more trivial than the enumeration of the five senses: feeling (touch), smell, taste, hearing, and sight. We shall see what confusion reigns in this enumeration. Science, it is true, has now added three more senses to the list, but as yet doesn't seem to know what to do about them. We will now list the human senses according to their real significance, and we will endeavor in the following to start laying the foundations of an anthroposophical doctrine of the senses.

[ 25 ] Der erste Sinn des Menschen, der in Betracht kommt, ist derjenige, den man in der Geisteswissenschaft nennen kann den Lebenssinn. Das ist ein wirklicher Sinn, und ebenso wie man vom Gesichtssinn spricht, hat man vom Lebenssinn zu sprechen. Was ist der Lebenssinn? Er ist etwas im Menschen, was er eigentlich, wenn alles in Ordnung ist, nicht fühlt, sondern nur dann fühlt, wenn etwas in ihm nicht in Ordnung ist. Der Mensch fühlt Mattigkeit, die er wahrnimmt als ein inneres Erlebnis, wie er eine Farbe wahrnimmt. Und das, was im Hunger- oder Durstgefühl zum Ausdruck kommt, oder was man ein besonderes Kraftgefühl nennen kann, das müssen Sie auch innerlich wahrnehmen wie eine Farbe oder einen Ton. Man nimmt dies in der Regel nur wahr, wenn irgend etwas nicht in Ordnung ist. Die erste menschliche Eigenwahrnehmung wird durch den Lebenssinn gegeben, durch den der Mensch als ein Ganzes sich seiner Körperlichkeit nach bewußt wird. Das ist der erste wirkliche Sinn, und er muß ebenso berücksichtigt werden wie der Gesichts- oder Gehörsinn oder der Geruchssinn. Niemand kann die Sinne verstehen, der nicht weiß, daß es eine Möglichkeit gibt, sich als ein Ganzes innerlich zu fühlen, sich als einer innerlich geschlossenen, körperlichen Gesamtheit bewußt zu werden.

[ 25 ] The first sense in question is the one that in spiritual science can be called the sense of life. That is a real sense and must be as fully acknowledged as the sense of sight. What is it? It is something in the human being of which, when it functions normally he is not aware. He feels it only when it is out of order. We feel lassitude, or hunger and thirst, or a sense of strength in the organism; we perceive these as we do a color or a tone. We are aware of them as an inner experience. But as a rule we are conscious of this feeling only when something is out of order, otherwise it remains unobserved. The sense of life furnishes the first human self-perception; it is the sense through which the whole inner man becomes conscious of his corporeality. That is the first sense, and it must figure in the list just as does hearing or smell. Nobody can understand the human being and the senses who knows nothing of this sense that enables him to feel himself an inner entity.

[ 26 ] Das zweite, was als ein Sinn von diesem Lebenssinn wieder ganz verschieden ist, das ist das, was Sie herausfinden können, wenn Sie irgendeines Ihrer Glieder bewegen. Sie bewegen Ihren Arm oder Ihr Bein. Sie würden kein menschliches Wesen sein, wenn Sie nicht Ihre eigenen Bewegungen wahrnehmen könnten. Eine Maschine nimmt ihre Eigenbewegung nicht wahr, das kann nur ein lebendiges Wesen, vermöge eines wirklichen Sinnes. Der Sinn dafür, was wir in uns selber bewegen, vom Augenzwinkern bis zur Bewegung der Beine, ist ein wirklicher zweiter Sinn, der Eigenbewegungssinn.

[ 26 ] We discover the second sense when we move a limb—say, raise an arm. We would not be human beings if we could not perceive our own movements. A machine is not aware of its own motion; that is possible only for a living being through the medium of a real sense. The sense of perceiving our own movements—anything from blinking to walking or running—we call the sense of our own movements.

[ 27 ] Ein dritter Sinn wird uns bewußt werden, wenn wir daran denken, daß der Mensch unterscheidet zwischen oben und unten. Wenn er solches nicht mehr wahrnehmen kann, so ist das für ihn sehr gefährlich, er kann sich dann nicht mehr halten und sinkt um. Wir können hinweisen auf ein Organ, das viel mit diesem Sinn zu tun hat, nämlich auf die drei halbzirkelförmigen Kanäle im Ohr. Bei Verletzung dieses Organs verliert der Mensch seinen Orientierungssinn. Auch im Tierreiche läßt sich dieser Sinn verfolgen. Da zeigt er sich als gewisse Gleichgewichtsorgane. Wenn da gewisse kleine, steinchenförmige Gebilde, die sogenannten Otolithen, in gewisser Weise an einem bestimmten Orte liegen, so haben wir die Gleichgewichtslage, im andern Falle nur ein Taumeln. Das ist der Gleichgewichts- oder der statische Sinn.

[ 27 ] We become aware of a third sense by realizing that the human being distinguishes within himself between above and below. It is dangerous for him to lose this perception, for in that case he totters and falls over. The human body contains a delicate organ connected with this sense: the three semicircular canals in the ear. When these are injured we lose our sense of balance. This third sense is the static sense, or sense of balance. (In the animal kingdom there is something analogous: the otoliths, tiny stones that must lie in a certain position if the animal is to maintain its equilibrium.)

[ 28 ] Mit diesen Sinnen, die wir bis jetzt aufgezählt haben, nimmt der Mensch etwas in sich selber wahr, fühlt etwas in sich selber. Jetzttreten wir heraus aus dem Menschen, wo er in Wechselwirkung zu treten beginnt mit der äußeren Welt. Das erste Wechselverhältnis mit der Welt ist dasjenige, wo der Mensch den Stoff mit sich vereinigt und diesen Stoff wahrnimmt. Dies kann man nur dann, wenn sich wirklich dieser Stoff mit dem menschlichen Leibe vereinigen läßt. Dies trifft nur für gasförmige Stoffe zu. Durch die Organe des Geruchssinnes werden solche aufgenommen. Da beginnt zuerst der Verkehr mit der Außenwelt. Ohne daß ein Körper gasförmige Stoffe aussendet, kann er nicht gerochen werden. Die Rose muß gasförmigen Stoff aussenden, damit sie gerochen werden kann. Der vierte Sinn ist also der Geruchssinn.

[ 28 ] These are the three senses through which man perceives something within himself, as it were; by their means he feels something within himself. Now we emerge from the inner man to the point at which an interaction with the outer world begins. The first of such reciprocal relations arises when man assimilates physical matter and, by doing so, perceives it. Matter can be perceived only when it really unites with the body. This cannot be done by solid or fluid matter, but only by gaseous substances that then penetrate the bodily matter. You can perceive smell only when some body sends out gaseous matter that penetrates the organs of the mucous membrane of the nose. The fourth sense, then, is the sense of smell, and it is the first one through which the human being enters into reciprocal relationship with the outer world.

[ 29 ] Der fünfte Sinn entsteht dann, wenn der Mensch nicht mehr bloß wahrnimmt die Stofflichkeit, sondern schon den ersten Schritt macht in die Stofflichkeit hinein, also in ein tieferes Verhältnis tritt zum Stoffe. Da muß der Stoff schon irgendeine Wirkung in ihm ausüben. Das ist dann der Fall, wenn ein fester oder wäßriger Körper an unsere Geschmacksorgane gelangt. Da nimmt man nicht direkt die Stofflichkeit wahr, sondern der Körper muß zuerst aufgelöst werden durch die Flüssigkeit des Mundes. Hier kann bloß ein Wechselverhältnis wahrgenommen werden zwischen der Zunge und dem Körper. Es sagen uns die Dinge nicht nur, was sie sind als Stoff, sondern was sie bewirken können. Das Wechselverhältnis zwischen Mensch und Natur ist ein intimeres geworden. Das ist der fünfte Sinn, der Geschmackssinn.

[ 29 ] When we no longer merely perceive matter but take the first step into matter itself, we have the fifth sense. We enter into a deeper relationship with such matter. Here matter must be active, which implies that it must have some effect upon us. This takes place when a liquid or a dissolved solid comes in contact with the tongue and unites with what the tongue itself secretes. The reciprocal relationship between man and nature has become a more intimate one. We become aware not only of what things are, as matter, but of what they can induce. That is the sense of taste, the fifth sense.

[ 30 ] Der sechste Sinn ist der, wo das, was der Mensch an den Dingen wahrnimmt, noch intimer das Wesen der Dinge kundgibt. Die Dinge sagen hier dem Menschen mehr, als sie ihm bloß durch den Geschmackssinn sagen. Das geschieht nun so, daß besondere Vorkehrungen getroffen sind, damit die Dinge sich dem Menschen in ganz gewisser Weise ankündigen können. Beim Geruch nimmt der menschliche Leib die Dinge so, wie sie sind. Der Geschmackssinn ist schon komplizierter, dafür geben die Dinge hier schon etwas mehr von ihrer Innerlichkeit kund. Beim sechsten Sinn aber können wir noch tiefer in die Welt eindringen. Das ist dann der Falle, wenn wir unterscheiden, ob etwas äußeres Stoffliches Licht durchläßt oder nicht. Daß es in einer bestimmten Weise Licht durchläßt, zeigt sich darin, ob und wie es gefärbt ist. Ein Ding, welches das grüne Licht durchstrahlen läßt, zeigt damit, daß es eben gerade innerlich so ist, daß es dieses Licht durchstrahlen lassen kann. Während die äußerste Oberfläche im Geruchssinne sich offenbart, wird schon etwas von der innern Natur eines Dinges uns durch den Geschmackssinn bekannt; im Gesichtssinn hingegen wird etwas offenbar von dem Durch und Durch der Dinge. Dies ist das Wesen des sechsten Sinnes, des Gesichtssinnes. Das Auge ist deshalb ein so wunderbares Organ, weil es viel tiefer in die Natur der Dinge einzudringen gestattet als die eben besprochenen Sinnesorgane. Beim Gesichtssinn haben wir etwas sehr Eigentümliches. Wenn wir mit dem Auge zum Beispiel die Rose rot sehen, so kündigt sich ihr Inneres durch die Oberfläche an. Wir sehen nur die Oberfläche, und weil sie bedingt ist durch das Innere, lernen wir durch sie dieses Innere bis zu einem gewissen Grade kennen.

[ 30 ] Now we come to the sixth sense. Again there is an increase in the intimacy of the interaction. We penetrate still deeper into matter, things reveal more of their essence. This can only occur, however, through special provisions. The sense of smell is the more primitive of these two kinds of senses. In the case of smell, the human body takes matter as it is and makes no effort to penetrate it. Taste, where man and matter unite more intimately, is more complicated; then, matter yields more. The next step offers the possibility of penetrating still more deeply into the outer world. This takes place by reason of an external material substance being either transparent or opaque, or by the manner in which it permits light to pass through it, that is, how it is colored. An object that rays out green light is internally so constituted that it can reflect green light and no other. The outermost surface of things is revealed to us in the sense of smell, something of their inner nature in taste, something of their inner essence in sight. Hence the complicated structure of the eye, which leads us much deeper into the essence of things than does the nose or the tongue. The sixth sense, then, is the sense of sight.

[ 31 ] Beim siebenten Sinn muß der Mensch noch intimere Bekanntschaft machen mit dem Ding. Greifen wir ein Stück Eis oder ein Stück heißen Stahl mit der Hand an, so dringen wir noch tiefer in das Innere einer Sache ein. Bei der Farbe haben wir bloß das, was sich an der Oberfläche abspielt. Eis hingegen ist durch und durch kalt, und auch beim heißen Stahl geht die Wärme durch den ganzen Körper. Bei Wärme und Kälte haben wir also eine noch intimere Bekanntschaft mit der Natur der Dinge als beim Gesichtssinn, der uns nur über die Oberflächenbeschaffenheit aufklärt. Der Wärmesinn greift intimer in die Untergründe der Dinge. Solches wäre der Wärmesinn oder der siebente Sinn.

[ 31 ] We proceed, penetrating still deeper into matter. For example, when the eye sees a rose as red, the inner nature of the rose is proclaimed by its surface. We see only the surface, but since this is conditioned by the inner nature of the rose we become acquainted, to a certain extent, with this inner nature. If we touch a piece of ice or some hot metal, not only the surface and thereby the inner nature are revealed, but the real consistency as well because what is externally cold or hot is cold or hot through and through. The sense of temperature, the seventh, carries us still more intimately into the fundamental conditions of objects.

[ 32 ] Nun versuchen wir, wie die Sache sich weiter stellen wird. Kann der Mensch vermittels seiner Sinne noch tiefer in die Untergründe der Dinge gelangen? Kann er das intime Innere der Dinge noch genauer kennenlernen als durch den Wärmesinn? Ja, das kann er, indem die Dinge ihm zeigen, wie sie in ihrer Innerlichkeit sind, wenn sie zu tönen anfangen. Die Wärme ist in den Dingen ganz gleichmäßig verteilt. Was Ton in den Dingen ist, ist nicht gleichmäßig verteilt. Der Ton bringt die Innerlichkeit der Dinge zum Erzittern. Dadurch zeigt sich eine gewisse innere Beschaffenheit. Wie das Ding im Innern beweglich ist, nehmen Sie wahr durch den intimeren Gehörsinn. Er liefert uns eine intimere Kenntnis der Außenweltals der Wärmesinn. Das ist der achte Sinn, der Gehörsinn. Im Ton offenbart uns ein Ding, wie es innerlich ist, wenn wir dieses Ding anschlagen. Wir unterscheiden die Dinge nach ihrer inneren Natur, nach der Art, wie sie innerlich erzittern und erbeben können, wenn wir sie zum Tönen bringen. Die Seele der Dinge spricht in gewisser Weise da zu uns.

[ 32 ] Now we ask ourselves if it is possible to penetrate into the nature of objects still more deeply than through this seventh sense. Yes, that can be done when objects show us not only their nature through and through, as in the case of temperature, but their most inner essence; that is what they do when they begin to sound. The temperature is even throughout objects. Tone causes their inner nature to vibrate, and it is through tone that we perceive the inner mobility of objects. When we strike an object its inner nature is revealed to us in tone, and we can distinguish among objects according to their inner nature, according to their inner vibration, when we open our inner ear to their tone. It is the soul of objects that speaks to our own soul in tones. That is the eighth sense, the sense of hearing.

[ 33 ] Gibt es nun noch höhere Sinne als den Gehörsinn? Hier müssen wir noch viel behutsamer zu Werke gehen, um die höheren Sinne zu erforschen; denn wir dürfen die Sinne nicht mit etwas anderem verwechseln. Im gewöhnlichen Leben, da wo man unten stehenbleibt, wo man alles durcheinanderwirft, spricht man noch von andern Sinnen, zum Beispiel vom Nachahmungssinn, vom Verheimlichungssinn und so weiter. Da ist das Wort Sinn aber falsch angewendet, Sinn ist das, wodurch wir uns eine Erkenntnis verschaffen ohne Mitwirken des Verstandes. Wo wir uns durch das Urteil eine Erkenntnis verschaffen, da sprechen wir nicht von Sinn, sondern nur da, wo unsere Urteilsfähigkeit noch nicht in Kraft getreten ist. Nehmen Sie eine Farbe wahr, so gebrauchen Sie einen Sinn. Wollen Sie urteilen zwischen zwei Farben, so gebrauchen Sie keinen Sinn.

[ 33 ] If we would find an answer to the question as to whether there exist still higher senses, we must proceed cautiously. We must beware of confusing what is really a sense with other terms and expressions. For example, in ordinary life—down below, where much confusion exists—we hear of a sense of imitation, a sense of secrecy, and others. That is wrong. A sense becomes effective at the moment when we achieve perception and before mental activity sets in. We speak of a sense as of something that functions before our capacity for reasoning has come into action. To perceive color you need a sense, but for judging between two colors you do not.

[ 34 ] Gibt es in diesem Sinn - hier das Wort Sinn schon nicht richtig gebraucht - noch andere Sinne als die acht bisher genannten? Ja, es gibt noch einen neunten Sinn. Wir finden ihn, wenn wir uns überlegen, daß es allerdings im Menschen noch eine gewisse Wahrnehmungsfähigkeit gibt. Das ist ganz besonders wichtig für die Fundamentierung der Anthroposophie. Es gibt eine Wahrnehmungsfähigkeit, die nicht auf dem Urteil beruht, aber doch in ihm vorhanden ist. Es ist dasjenige, was wir wahrnehmen, wenn wir durch die Sprache uns mit unseren Mitmenschen verständigen. In dem Wahrnehmen dessen, was uns durch die Sprache gegeben ist, liegt nicht nur ein Ausdruck des Urteilens, sondern es liegt ein wirklicher Sprachsinn da zugrunde. Dieser Sprachsinn ist der neunte Sinn. Von ihm muß man sprechen, wie man von einem Gesichts- oder Geruchssinn spricht. Das Kind lernt sprechen, bevor es urteilen lernt. Das ganze Volk hat eine Sprache; das Urteilen obliegt dem einzelnen Menschen. Was zum Sinne spricht, unterliegt nicht der Seelentätigkeit des einzelnen Menschen. Das Hören kündet einem das innere Erzittern an. Die Wahrnehmung, daß ein Laut dieses oder jenes bedeutet, ist nicht bloßes Hören. Der Sinn, der sich darin als Sinn der Sprache ausdrückt, gibt sich eben einem andern Sinne kund, dem Sprachsinn. Daher kann das Kind lange, bevor es urteilen lernt, sprechen oder Gesprochenes verstehen. Erst an der Sprache lernt es urteilen. Welcher Erzieher ist der Sprachsinn, geradeso wie der Gesichtssinn und der Gehörsinn solche Erzieher sind, während der ersten Lebensjahre! Man kann an dem nichts ändern, was der Sinn wahrnimmt; man kann nichts daran verderben. Das ist ebenso bei der Farbe wie beim Wahrnehmen des Innern des Sprachlautes. Der Sprachsinn ist notwendig als ein besonderer Sinn zu bezeichnen. Er ist der neunte Sinn.

[ 34 ] This brings us to the ninth sense. We arrive at it by realizing that in truth there is in man a certain power of perception—one that is especially important in substantiating anthroposophy—a power of perception not based on reasoning, yet present in him. It is what men perceive when they understand each other through speech. A real sense underlies the perception of what is transmitted to us through speech. That is the ninth sense, the sense of speech. The child learns to speak before he learns to reason. A whole people has a language in common, but reasoning is a matter for the individual. What speaks to the senses is not subject to the mental activity of the individual. The perception of the meaning of a sound is not mere hearing because the latter tells us only of the inner oscillations of the object. There must be a special sense for the meaning of what is expressed in speech. That is why the child learns to speak, or at least to understand what is spoken, before he learns to reason. It is, in fact, only through speech that he learns to reason. The sense of speech is an educator during the child's first years, exactly like hearing and sight. We cannot alter what a sense perceives, cannot impair anything connected with it. We perceive a color, but our judgment can neither change nor vitiate it; the same thing is true of the sense of speech when we perceive the inner significance of the speech sound. It is indispensable to designate the sense of speech as such. It is the ninth.

[ 35 ] Dann kommen wir zum zehnten der Sinne. Das ist derjenige, der für das gewöhnliche Menschenleben der höchste ist. Durch ihn wird der Mensch fähig, den Begriff, der nicht in Sprachlaute sich kleidet, wahrnehmend zu verstehen. Der Begriffssinn ist geradeso ein Sinn wie jeder andere. Damit wir urteilen können, müssen wir Begriffe haben. Soll die Seele sich regen durch den Begriff, so muß sie Begriffe wahrnehmen können. Dies vermag sie durch den Begriffssinn. So haben wir in ihm einen zehnten Sinn aufgezählt.

[ 35 ] Finally we come to the tenth sense, the highest in the realm of ordinary life. It is the concept sense, which enables us perceptively to comprehend concepts not expressed through speech sounds. In order to reason we must have concepts. If the mind is to become active, it must first be able to perceive the concept in question, and this calls for the concept sense, which is exactly as much a sense by itself as is taste or smell.

[ 36 ] Aber ein Sinn ist ganz vergessen, könnten Sie sagen, der Tastsinn. Allerdings! Der Tastsinn wird gewöhnlich zusammengeworfen mit dem Wärmesinn. Daß so gesprochen werden kann, kommt von dem Durcheinanderwerfen durch diejenigen, die den geistigen Faden nicht haben. Zunächst hat der Tastsinn freilich nur als Wärmesinn Bedeutung. Als solcher Sinn ist sozusagen im groben zu bezeichnen die ganze Haut. Diese ist auch in gewisser Weise für den Tastsinn da. Doch ist, richtig betrachtet, nicht nur das ein Tasten, was wir tun, wenn wir einen Gegenstand anrühren, seine Oberfläche abfühlen; Tasten ist es auch, wenn wir mit den Augen etwas suchen. Auch Geruchssinn und Geschmackssinn können tasten. Wenn wir schnüffeln, so tasten wir mit dem Geruchssinn. Bis herauf zum Wärmesinn ist das Tasten eine gemeinschaftliche Eigenschaft der Sinne vier bis sieben. Von diesen Sinnen können wir also sprechen als von Sinnen des Tastens. Nur unsere grobklotzige Betrachtungsweise der Physiologie kann einem Sinn etwas zuschreiben, was einer ganzen Reihe von Sinnen zukommt, dem Geruchssinn, Geschmackssinn, Gesichtssinn und Wärmesinn. Beim Gehörsinn können wir kaum mehr von einem Tasten sprechen, es ist in ganz geringem Maße nur vorhanden; noch weniger beim Sprachsinn und wiederum weniger beim Begriffssinn. Diese Sinne werden daher bezeichnet als Sinne des Begreifens. Während wir beim Tastsinn etwas haben, was an der Oberfläche bleibt, was nicht in die Dinge hineindringen kann, so dringen wir beim Wärmesinn zunächst in die Dinge ein und dann immer tiefer und tiefer. Diese oberen Sinne liefern uns das Verstehen und Begreifen der Dinge in ihrem Innern, und sie werden daher als Sinne des Begreifens bezeichnet.

[ 36 ] Now I have enumerated ten senses and have not mentioned the sense of touch. What about it? Well, a method of observation lacking the spiritual thread confuses everything. Touch is usually tossed in with our seventh sense, temperature. Only in this meaning, however, as the sense of temperature, has it in the first instance any significance. True, the skin can be called the organ of the temperature sense—the same skin that serves also as the organ of the touch sense. But we touch not only when we touch the surface of an object. We touch when the eye seeks something, when the tongue tastes something, when the nose smells something. Touching is a quality common to the fourth to seventh senses. All of these are senses of touch.1TRANSLATOR'S NOTE: The verb tasten can mean “to touch.” Indeed, the sense of touch is der Tastsinn, but more often it signifies something like our “groping,” as one gropes in the dark by means of the sense of touch: “feeling around for something.” In this sentence the first “touch” is to be understood in this sense, the second (berühren) as meaning “to come in contact with.” Up to and including the sense of temperature we can speak of touching. Hearing we can no longer describe as touching; at least, the quality is present only to a small degree. In the senses of speech and concepts it is wholly absent.

[ 37 ] Sie sehen nun daraus, daß wir, bevor wir zum Geruchssinn kommen, drei andere Sinne aufzuzählen haben, die uns unterrichten über das eigene menschliche Innere. Aus ihm heraus holen sie ihre Kundschaften. Dann kommen wir zur Grenze zwischen Innen- und Außenwelt zunächst durch den Geruchssinn, und dann gelangen wir durch die höheren Sinne immer tiefer und tiefer in die Außenwelt hinein.

[ 37 ] These three senses we therefore designate as the senses of comprehension and understanding. The first three senses inform us concerning the inner man. Reaching the boundary between the inner and the outer world, the fourth sense leads us into this outer world, and by means of the other three we penetrate it ever more deeply. Through the senses of touch we perceive the outer world on the surface, and through those of comprehension we learn to understand things, we reach their soul. Later we will deal with other senses transcending these.

[ 38 ] Liegt etwas darunter und darüber? Das, was aufgezählt worden ist, istnur ein Ausschnitt. Darüber und darunter liegen andere Sinne. Vom Begriffssinn könnten wir aufsteigen zum ersten astralischen Sinne und würden dann kommen zu den Sinnen, die ins Geistige eindringen können. Da würden wir zunächst finden einen elften, zwölften und dreizehnten Sinn. Diese drei unbekannten Sinne sollen hier zunächst nur erwähnt werden. Wir werden genauer davon sprechen, wenn wir morgen oder übermorgen aus dem Physischen ins Geistige aufsteigen. Sie werden uns tiefer hineinführen in die Untergründe des geistigen Lebens, in die der Begriff nicht eindringt. Der Begriff macht Halt an einer bestimmten Stelle. Jenseits des Begriffs liegt das, was erst durch die höheren Sinne wahrgenommen werden kann. Der Geruch macht Halt vor dem eigenen Innern. Wie Sie unter dem Geruch noch drei Sinne haben, so über dem Begriff noch drei höhere Sinne, durch die wir eindringen in das Äußere der geistigen Dinge, wie mit jenen unteren Sinnen in das Äußere der physischen Dinge.

[ 38 ] Below the sense of smell, then, there are three senses that bring us messages out of our own human inner being. The sense of smell is the first to lead us into the outer world, into which we then penetrate deeper and deeper by means of the others. But what I have described to you today does not exhaust the list of senses. It was only an excerpt from the whole, and there is something below and something above the ten mentioned. From the concept sense we can continue upward to a first astral sense, arriving at the senses that penetrate the spiritual world. There we find an eleventh, a twelfth and a thirteenth sense. These three astral senses will lead us deeper into the fundamentals of external objects, deep down where concepts cannot penetrate. The concept halts before the external, just as the sense of smell halts before the inner man.

[ 39 ] Aber heute werden wir auf dem physischen Plane bleiben. Deshalb haben wir das aufgezählt, was zum Wahrnehmen des Physischen gehört. Es war nicht unnötig, uns so auf eine Fundamentierung der Dinge einzulassen. Weil sie vergessen worden ist, ist in den Wissenschaften alles in der entsetzlichsten Weise durcheinandergeworfen worden, bis hinein in Philosophie und Erkenntnistheorie. Man spricht im allgemeinen: Was kann der Mensch erkennen durch die einzelnen Sinne? — Man kann nicht den Unterschied angeben, der zwischen Gehör- und Gesichtssinn ist. Man spricht von Schallwellen geradeso wie von Lichtwellen, ohne zu berücksichtigen, daß der Gesichtssinn weniger tief in das Wesen der Dinge eindringt als der Gehörsinn, der etwas von der Seelennatur der äußeren Welt offenbart. Durch die drei noch höheren Sinne, den elften, zwölften und dreizehnten Sinn, werden wir auch in den Geist der Dinge eindringen. Jeder Sinn hat eine andere Natur und Wesenheit. Dies ist zunächst zu berücksichtigen. Daher können Sie eine große Anzahl von Ausführungen, die heute über die Natur des Gesichtssinnes und sein Verhältnis zur Umwelt, namentlich die Physik bringt, von vorneherein als etwas betrachten, was niemals gerechnet hat mit der Natur der Sinne überhaupt. Unzählige Irrtümer haben sich auf diese Verkennung des Wesens der Sinne aufgebaut. Dies muß betont werden, weil dem hier Gesagten die populären Darstellungen gar nicht gerecht werden. Ja, populäre Bücher können gerade das Gegenteil davon sagen. Sie lesen dort Dinge, die von Leuten geschrieben sind, die nicht einmal eine Ahnung haben können von der inneren Natur der Sinnenwesenheit. Wir müssen uns klarmachen, daß die Wissenschaft von ihrem Standpunkte aus anders sprechen muß, daß sie dem Irrtum verfallen muß, weil die Entwickelung so war, daß das Richtige vielfach vergessen worden ist. Das ist das erste Kapitel der Anthroposophie: die wirkliche Natur und Wesenheit unserer Sinne.

[ 39 ] What I have given you is an urgently needed foundation upon which to build cognition of the human being. Through its neglect in the nineteenth century, everything pertaining even to philosophy and the theory of knowledge has been most horribly jumbled. Merely generalizing, people ask what the human being can learn by means of the individual sense, and they cannot even explain the difference between hearing and sight. Scientists talk about light waves in the same way they do about sound waves, without taking into account that sight does not penetrate as deeply as hearing. Through hearing we enter the soul-nature of things, and we shall see that by means of the eleventh, twelfth, and thirteenth senses we penetrate their spirit as well: we enter the spirit of nature. Each sense has a different nature and a different character. For this reason a great number of expositions given today, especially in physics, concerning the nature of sight and its relation to its surroundings may be regarded unhesitatingly as theories that have never reckoned with the true nature of the senses. Countless errors have arisen from this misconception of the nature of the senses. That must be emphasized, because it is quite impossible for popular representations to do justice to what has here been set forth. You read things written by people who can have no possible inkling of the inner nature of the senses. We must understand that science, from its standpoint, cannot do other than take a different attitude. It is inevitable that science should spread errors, because in the course of evolution the real nature of the senses was forgotten. This true nature of the senses is the first chapter of anthroposophy.