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The Rudolf Steiner Archive

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Anthroposophy Psychosophy Pneumatosophy
GA 115

25 October 1909, Berlin

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Zweiter Vortrag

Second Lecture

[ 1 ] Wir haben vorgestern bei unserem ersten Vortrag über Anthroposophie die menschlichen Sinne gewissermaßen nur aufgezählt, allerdings in solcher Weise, wie sich das ergibt aus der menschlichen Wesenheit selber. Wir haben sie nicht bunt durcheinandergeworfen, wie das in der Sinnesphysiologie meist geschieht, weil da die entsprechenden Zusammenhänge nicht erkannt werden können, sondern haben sie aufgezählt und aufgereiht in einer vollständigen Weise, entsprechend der Wirklichkeit der menschlichen Wesenheit. Und heute wird es uns obliegen, weil das Gebiet der menschlichen Sinne zu dem Wichtigsten gehört, das wir brauchen werden bei der weiteren Ergründung der menschlichen Wesenheit, eben diese menschliche Sinneswelt etwas eingehender noch zu betrachten.

[ 1 ] In our first lecture on anthroposophy the day before yesterday, we merely listed the human senses, so to speak, but in such a way as they arise from the human being itself. We did not throw them all together in a colorful jumble, as is usually done in sensory physiology, because the corresponding connections cannot be recognized there. Instead, we listed and arranged them in a complete manner, corresponding to the reality of the human being. And today, because the realm of the human senses is one of the most important things we will need in our further exploration of human nature, it will be our task to examine this human sensory world in even greater depth.

[ 2 ] Wir haben begonnen mit dem Sinn, den wir Lebensgefühl oder Lebenssinn, Vitalsinn, nannten. Wir werden uns fragen müssen: Worauf beruht eigentlich im wahren Geiste des Wortes dieser Lebenssinn? - Da müssen wir ziemlich tief hinuntersteigen in die unterbewußten Untergründe des menschlichen Organismus, wenn wir uns ein Bild von dem machen wollen, woraus das entspringt, was Lebenssinn genannt wird. Wir können hier natürlich alles nur skizzieren. Zunächst ist vorhanden ein eigenartiges Zusammenwirken des physischen Leibes mit dem Ätherleib. Diese Tatsache ergibt sich, wenn man mit geisteswissenschaftlicher Forschung versucht festzustellen, was dem Lebenssinn zugrunde liegt. Es ist wirklich so, daß das unterste Glied der menschlichen Wesenheit, der physische Leib, und der Lebensleib in ein ganz bestimmtes Verhältnis treten zueinander. Das geschieht dadurch, daß im Ätherleibe etwas anderes auftritt und sich in ihn hineinsetzt, ihn sozusagen durchtränkt. Der Ätherleib wird durchzogen und durchflossen von etwas anderem. Dieses andere ist etwas, was der Mensch im Grunde genommen heute bewußterweise in sich noch gar nicht kennt. Die Geisteswissenschaft jedoch kann uns sagen, was dadrinnen im Ätherleibe wirkt und ihn durchtränkt wie Wasser einen Schwamm, bildlich gesprochen. Wenn man dies geisteswissenschaftlich untersucht, so findet man, daß es gleich ist dem, was der Mensch einstmals in ferner Zukunft als den Geistesmenschen oder das Atma entwickeln wird. Heute hat er dieses Atma noch nicht von sich selber aus in sich; es muß ihm noch aus der umliegenden geistigen Welt sozusagen erst verliehen werden. Es wird ihm verliehen, ohne daß er bewußten Anteil daran nehmen kann. Später, in einer fernen Zukunft, wird er es in sich selbst entwickelt haben. Der Geistesmensch oder Atma ist es also, was da den Ätherleib durchdringt und durchsetzt. Was tut nun dieses Atma im Ätherleib? Heute ist der Mensch noch nicht in der Lage, einen Geistesmenschen oder Atma in sich zu haben, denn in der gegenwärtigen Zeit ist dies noch eine übermenschliche Wesenheit in dem Menschen. Dieses Übermenschliche, das Atma, drückt sich dadurch aus, daß es den Ätherleib zusammenzieht, ja zusammenkrampft. Wenn wir dafür ein Bild aus der äußeren Sinneswelt gebrauchen wollen, so könnten wir es etwa vergleichen mit der frostigen Wirkung der Kälte. Was einst das höchste Glied des Menschen sein wird, wozu er heute noch nicht reif ist, das krampft ihn zusammen. Die Folge davon, daß eben der Ätherleib sich zusammenkrampft, ist, daß der Astralleib des Menschen, das Astralische, wie ausgepreßt wird, und in dem Maße, wie der Ätherleib zusammengepreßt wird, wird auch der physische Leib gespannt. Es treten in ihm frostige Spannungen auf. Es ist also so, wie wenn Sie einen Schwamm ausdrücken. Der astralische Leib macht sich sozusagen Luft, wird herausgepreßt, herausgedrückt. Die Vorgänge im astralischen Leibe sind nun Gefühlserlebnisse, Erlebnisse der Lust und Unlust, der Freude und des Schmerzes und so weiter. Dieser Vorgang des Herausgedrücktwerdens ist es, was sich als Lebensgefühl in uns kundgibt, als Freiheitsgefühl zum Beispiel, als Kraftgefühl, als Gefühl von Mattigkeit,

[ 2 ] We began with the sense we called the feeling for life or the meaning of life, the vital sense. We must ask ourselves: What is the true meaning of this meaning of life? To answer this question, we must descend quite deeply into the subconscious foundations of the human organism if we want to form a picture of the source of what is called the meaning of life. Of course, we can only sketch this out here. First of all, there is a peculiar interaction between the physical body and the etheric body. This fact emerges when one attempts to determine, through spiritual scientific research, what underlies the meaning of life. It is really the case that the lowest member of the human being, the physical body, and the life body enter into a very specific relationship with each other. This happens because something else appears in the etheric body and settles into it, saturating it, so to speak. The etheric body is permeated and flowed through by something else. This something else is something that human beings today are basically not yet consciously aware of within themselves. Spiritual science, however, can tell us what is at work within the etheric body, saturating it like water saturates a sponge, figuratively speaking. When we investigate this spiritually, we find that it is the same as what human beings will one day develop in the distant future as the spiritual human being or the Atma. Today, humans do not yet have this Atma within themselves; it must first be imparted to them, so to speak, from the surrounding spiritual world. It is imparted to them without their conscious participation. Later, in the distant future, they will have developed it within themselves. It is therefore the spiritual human being, or Atma, that permeates and penetrates the etheric body. What does this Atma do in the etheric body? Today, human beings are not yet capable of having a spiritual human being, or Atma, within themselves, for at the present time this is still a superhuman entity within human beings. This superhuman being, the Atma, expresses itself by contracting, even cramping, the etheric body. If we want to use an image from the outer sensory world to describe this, we could compare it to the frosty effect of cold. What will one day be the highest member of the human being, for which he is not yet ready today, is cramping him together. The consequence of the etheric body contracting is that the astral body of the human being, the astral, is squeezed out, and to the extent that the etheric body is compressed, the physical body is also stretched. Frosty tensions arise in it. It is like squeezing a sponge. The astral body, so to speak, vents itself, is squeezed out, pressed out. The processes in the astral body are now emotional experiences, experiences of pleasure and displeasure, of joy and pain, and so on. It is this process of being pressed out that manifests itself in us as a feeling of life, as a feeling of freedom, for example, as a feeling of strength, as a feeling of weariness.

[ 3 ] Nun steigen wir zu dem zweiten Sinn hinauf. Als zweiten Sinn haben wir den Eigenbewegungssinn angeführt. Hier wirkt im Ätherleib des Menschen wiederum etwas, was wir heute auch noch nicht bewußt besitzen. Und wieder können wir das Gleichnis vom Schwamm gebrauchen. Der Ätherleib wird nämlich auch hier durchtränkt und durchsetzt wie ein Schwamm vom Wasser, und was ihn jetzt durchsetzt und durchzieht, das ist der Lebensgeist oder die Budhi, welche er einstentwickeln wird aus sich heraus. Heute freilich ist dies erst gleichsam vorläufig aus der geistigen Welt uns gegeben. Die Budhi oder der Lebensgeist wirkt anders als der Geistesmensch. Er wirkt so, daß ein Gleichgewicht wie in dem in sich ruhenden Wasser im astralischen Leibe eintritt. Das Gleichgewicht im Ätherleibe und dann im physischen Leibe haben zur Folge ein Gleichmaß, ein Gleichgewicht im astralischen Leibe. Wenn dieses Gleichmaß von außen gestört wird, so sucht es sich von selber wieder auszugleichen. Führen wir eine Bewegung aus, so stellt sich das, was ins Ungleiche gekommen ist, wieder ins Gleichgewicht. Strecken wir zum Beispiel die Hand aus, so fließt ein astralischer Strom zurück in entgegengesetzter Richtung der ausgestreckten Hand, und so ist es bei allen Bewegungen in unserem Organismus. Immer wenn in einer physischen Lage eine Veränderung geschieht, so bewegt sich im Organismus in entgegengesetzter Richtung ein astralischer Strom. So ist es beim Augenzwinkern, so ist es beim Bewegen der Beine. In diesem innerlich erlebten Vorgang eines Ausgleichs im Astralleib offenbart sich der Eigenbewegungssinn.

[ 3 ] Now we ascend to the second sense. We have mentioned the sense of self-movement as the second sense. Here, something is at work in the etheric body of the human being that we do not yet possess consciously. And again we can use the analogy of the sponge. For here, too, the etheric body is saturated and permeated like a sponge with water, and what now permeates and penetrates it is the life spirit or budhi, which it will one day develop out of itself. Today, of course, this is only provisionally given to us from the spiritual world. The budhi or life spirit works differently from the spiritual human being. It works in such a way that a balance is established in the astral body, as in water at rest. The balance in the etheric body and then in the physical body results in a balance in the astral body. When this balance is disturbed from outside, it seeks to restore itself. When we make a movement, whatever has been thrown out of balance is restored to equilibrium. For example, when we stretch out our hand, an astral current flows back in the opposite direction of the outstretched hand, and this is true of all movements in our organism. Whenever a change occurs in a physical situation, an astral current moves in the opposite direction within the organism. This is the case when we blink our eyes or move our legs. The sense of movement reveals itself in this inner process of balancing within the astral body.

[ 4 ] Wir kommen nun zu einem dritten Element, das den Ätherleib des Menschen durchsetzen kann. Dieses dritte Element ist auch etwas, was der Mensch heute zwar teilweise schon besitzt, aber nur zum allergeringsten Teil in sein Bewußtsein gebracht hat, nämlich Manas oder Geistselbst. Aber weil es die Erdenaufgabe des Menschen ist, dieses Manas zu entwickeln, so ist es begreiflich, daß es anders auf den Ätherleib wirkt als der Lebensgeist oder Geistesmensch, die erst in ferner Zukunft entwickelt werden sollen. Es wirkt ausdehnend auf den Ätherleib, nicht zusammenkrampfend, und die Folge davon ist, daß das Gegenteil von dem eintritt, was beim Lebenssinn als das Frostige bezeichnet worden ist. Man könnte die Wirkung von Manas auf den Ätherleib vergleichen mit dem Einströmen von Wärme in einen Raum. Etwas wie ein Wärmestrom ergießt sich beim Eintreten von Manas in den Ätherleib und dehnt ihn elastisch aus. Die Folge davon ist, daß nun auch der astralische Leib verdünnt wird, sich mit ausdehnen kann, aber ohne herausgepreßt zu werden; er kann in dem sich ausdehnenden Ätherleib drinnenbleiben. Während die Sinnesempfindung beim Lebensgefühl darauf beruht, daß der Astralleib herausgedrückt wird, entsteht das, was statischer Sinn oder Gleichgewichtssinn genannt worden ist, dadurch, daß der Ätherleib ausgedehnt wird und dann zugleich der astralische Leib innerlich mehr Platz bekommt. Der astralische Leib wird in sich weniger dicht, er wird dünner. Als Folge dieser Verdünnung des Astral- und Ätherleibes ist nun auch für die physische Substanz die Möglichkeit geboten, irgendwie sich zu strecken und auszudehnen. Durch die Wirkung von Atma wurde der physische Leib zusammengekrampft, durch die Wirkung von Budhi wurde er im Gleichgewicht erhalten, durch die Wirkung von Manas aber wird der physische Leib entlastet, und da auch der Ätherleib sich ausdehnt, so kann er seine Partikelchen an gewissen Stellen hinausschieben. Durch solches Hinausschieben sind auch jene Organe, die drei kleinen halbzirkelförmigen Kanäle im Ohr entstanden, die aufeinander senkrecht stehen, entsprechend den drei Richtungen des Raumes. Es sind sozusagen Ausspreizungen der sinnlichen Materie des physischen Leibes. Solche Organe entstehen in der verschiedensten Weise als Neubildungen, als wunderbare Gebilde, welche nicht dadurch entstehen, daß von innen her getrieben wird, sondern dadurch, daß der Druck von außen aufhört, das heißt geringer wird und Entlastung eintritt. Dadurch, daß der Astralleib sich weiter ausdehnen kann, vermag er in Beziehung zur Außenwelt zu treten. Er muß sich mit dieser Außenwelt ins Gleichgewicht setzen. Geschieht das nicht, dann steht der Mensch schief oder er fällt sogar um. Für die beiden ersten Sinne kam das nicht in Betracht, aber diesem Sinne kommt die Aufgabe zu, sich ins Gleichgewicht zu setzen. Streben wir irgendwo hinein, so müssen wir so hinein, wie wir können; zum Beispiel in den Raum müssen wir in seinen drei Richtungen hineinstreben. Daher wachsen jene drei halbzirkelförmigen Kanäle im Ohr in den drei Richtungen des Raumes senkrecht aufeinander. Werden diese Organe verletzt, so hört der statische Sinn auf zu funktionieren und der Mensch erleidet Schwindelgefühle, Ohnmachtsanfälle und dergleichen. Wo man es mit Tieren zu tun hat, liegt die Sache so, daß die Tiere zu früh in die physische Materie heruntergestiegen sind, so daß sich bei ihnen die physische Materie noch mehr verhärtet hat. Es treten geradezu Steinbildungen auf, die Otolithen. Sie lagern sich so, daß daran das Gleichgewicht abgemessen und empfunden werden kann.

[ 4 ] We now come to a third element that can permeate the etheric body of the human being. This third element is also something that human beings already possess to some extent today, but have brought only to the slightest degree into their consciousness, namely manas or the spirit self. But because it is the earthly task of human beings to develop this manas, it is understandable that it acts differently on the etheric body than the life spirit or spirit man, which are to be developed only in the distant future. It has an expansive effect on the etheric body, not a constricting one, and the result is that the opposite of what has been described as the frostiness of the meaning of life occurs. One could compare the effect of manas on the etheric body with the inflow of warmth into a room. Something like a stream of warmth pours into the etheric body when manas enters it and expands it elastically. The result is that the astral body is now also diluted and can expand without being squeezed out; it can remain inside the expanding etheric body. While sensory perception in the feeling of life is based on the astral body being pressed out, what has been called the static sense or sense of equilibrium arises from the etheric body expanding and the astral body simultaneously gaining more space within. The astral body becomes less dense within itself, it becomes thinner. As a result of this dilution of the astral and etheric bodies, the physical substance now also has the possibility of stretching and expanding in some way. Through the action of Atma, the physical body was contracted; through the action of Budhi, it was kept in balance; but through the action of Manas, the physical body is relieved, and since the etheric body also expands, it can push its particles out at certain points. Through this pushing out, those organs, the three small semicircular canals in the ear, which are perpendicular to each other, corresponding to the three directions of space, have also come into being. They are, so to speak, outgrowths of the sensory matter of the physical body. Such organs arise in the most diverse ways as new formations, as wonderful structures, which do not arise from an inner impulse, but rather from the cessation of external pressure, that is, from a reduction in pressure and the resulting relief. By expanding further, the astral body is able to enter into relationship with the external world. It must establish equilibrium with this external world. If this does not happen, the human being stands crooked or even falls over. This was not a consideration for the first two senses, but this sense has the task of establishing equilibrium. If we strive toward something, we must do so as best we can; for example, we must strive toward space in its three directions. This is why the three semicircular canals in the ear grow vertically in the three directions of space. If these organs are damaged, the static sense ceases to function and the person suffers from dizziness, fainting spells, and the like. When dealing with animals, the situation is such that the animals descended into physical matter too early, so that the physical matter has hardened even more in them. Stone formations, the otoliths, appear. They are positioned in such a way that balance can be measured and felt.

[ 5 ] Damit hätten wir besprochen, sozusagen von innen nach außen gehend, drei Sinne. Der letzte Sinn steht hart an der Grenze zwischen dem, was der Mensch innerlich erlebt, und dem, was er erleben muß, um sich in die Außenwelt hineingliedern zu können. In jüngster Zeit ist die äußere, an den sinnlichen Tatsachen haftende Wissenschaft sozusagen mit der Nase daraufgestoßen worden, diese drei Gebiete unserer Sinnesorganisation endlich einmal anzuerkennen. Wir müssen dabei scharf unterscheiden, wie wir es hier immer tun, zwischen dem, was tatsächliches Ergebnis der Forschung ist, und den Meinungen, die gegenwärtig die Gelehrtengruppenseele mit ihrem unzulänglichen Denken hat. Sie hat gerade auf diesem Gebiete gezeigt, wie sie irren muß, wenn sie den Leitfaden nicht hat, der durch das Labyrinth führt, denn gerade hier hapert es ganz gewaltig. So hat man verglichen diese Bildungen, die ein menschliches Sinnesorgan bedeuten, mit gewissen Organen im Pflanzenreiche, wo auch eine Art von Gleichgewicht bei einem Neigen der Pflanzen durch Umlagerung solcher Körperchen bewirkt wird. Weil aber der moderne Denker in der Regel immer dann von der Logik verlassen wird, wenn er eine richtige Anschauung über die Dinge haben sollte, so ist er zu dem sonderbaren Resultat gekommen, daß auch die Pflanzen einen Gleichgewichtssinn hätten. Solch eine Logik aber beruht auf dem Standpunkt, den ich schon oft durch ein Bild charakterisiert und angeführt habe. Weil eine gewisse Pflanze, wenn sich irgendein Insekt ihr nähert, zum Fangen desselben ihre Blätter zusammenzieht, so sagt man in dieser oberflächlichen Weise, es müsse von einem entsprechenden Sinn der Pflanze gesprochen werden. Ich kenne jedoch ein Gebilde, das dies in vorzüglicherer Weise tun kann, es geht sogar so weit, daß es die kleinen Tiere heranlockt und aufschnappt, nämlich die Mäusefalle. Mit demselben Recht, wie man das, was von den menschlichen Sinnen gesagt wird, auf die Pflanzen überträgt, könnte es auch auf die Mäusefalle übertragen werden. Ebenso töricht könnten wir es auch auf die Waage mit ihrem Gleichgewichte anwenden und von einem Gleichgewichtssinn der Waage sprechen. Solche Verkehrtheiten rühren her von einem ungenügenden Denken, das sich nicht genügend dehnen, das die Wesenheit der Sache nicht ordentlich durchdringen kann. .

[ 5 ] We have now discussed three senses, so to speak from the inside out. The last sense stands at the boundary between what humans experience internally and what they must experience in order to integrate themselves into the external world. In recent times, external science, which is concerned with sensory facts, has been forced to finally acknowledge these three areas of our sensory organization. In doing so, we must make a sharp distinction, as we always do here, between what is the actual result of research and the opinions currently held by the scholarly community with its inadequate thinking. In this field in particular, it has shown how it must err when it lacks the guide that leads through the labyrinth, for it is precisely here that there is a tremendous shortcoming. Thus, these formations, which represent a human sense organ, have been compared to certain organs in the plant kingdom, where a kind of equilibrium is also brought about by the rearrangement of such small bodies when the plants incline. But because modern thinkers are generally abandoned by logic whenever they should have a correct view of things, they have arrived at the strange conclusion that plants also have a sense of balance. Such logic, however, is based on the standpoint that I have often characterized and cited with an example. Because a certain plant, when an insect approaches it, draws its leaves together to catch it, it is said in this superficial way that there must be a corresponding sense in the plant. However, I know of a structure that can do this in a more excellent way, even going so far as to lure small animals and snap them up, namely the mouse trap. With the same right that we transfer what is said about the human senses to plants, we could also transfer it to the mouse trap. We could just as foolishly apply it to the scales with their equilibrium and speak of a sense of equilibrium in the scales. Such absurdities stem from inadequate thinking that cannot stretch far enough to properly penetrate the essence of things.

[ 6 ] So haben wir drei Sinne, über welche die Wissenschaft heute in gewisser Weise ihre Fangarme ausbreitet, die sie aber erst beherrschen lernen wird, wenn sie den Faden der Geisteswissenschaft findet und anzuwenden vermag. Dann erst wird sie auch den Bau des menschlichen Organismus richtig begreifen, so wie er wirklich ist, gerade unter dem Einflusse der Wechselwirkungen, die geschildert worden sind. Dazu ist aber nötig, daß man den ganzen Menschen aus dem Innern heraus geisteswissenschaftlich zu beobachten und zu erfassen vermag.

[ 6 ] Thus, we have three senses over which science today extends its tentacles in a certain way, but which it will only learn to master when it finds the thread of spiritual science and is able to apply it. Only then will it also correctly understand the structure of the human organism as it really is, precisely under the influence of the interactions that have been described. To do this, however, it is necessary to be able to observe and comprehend the whole human being from within, using spiritual science.

[ 7 ] Wir kommen nun zum Geruchssinn. Hier kann die Frage entstehen: Warum wird eigentlich das ausgelassen, was die Wissenschaft den Tastsinn nennt und worüber gewöhnlich am meisten verhandelt wird’? — Bei der beschränkten Anzahl von Vorträgen, die über dieses ganze Gebiet gehalten werden können, muß über manches mit einer gewissen Schnelligkeit hinweggegangen werden, und manches wird dann etwas paradox klingen. Der Tastsinn wurde ausgelassen, weil er so, wie er gewöhnlich geschildert wird, eine Erfindung, ein Phantasiegebilde der Physiologie ist. Er existiert als solcher gar nicht, denn man kann eine ganze Reihe von Sinnen als solche des Tastens bezeichnen. Nicht aber darf man von einem eigentlichen Sinn des Tastens sprechen. Was geht denn da vor, wenn getastet wird? Angenommen, man fasse einen Gegenstand an. Was da vorgeht, erschöpft sich eigentlich ganz im Gleichgewichtssinn. Wenn man einen Körperteil drückt, wird nämlich das Gleichgewicht in dem Körperteil gestört, und es geht nichts anderes vor, als was innerhalb des Gleichgewichtssinnes geschieht. Dasselbe ist der Fall, wenn man auf einen Tisch drückt, über eine Sammetfläche hinstreicht, an einem Stricke zieht. Es sind nur Veränderungen im Gleichgewicht in uns selber, wenn Druck, Zug oder Streichen und so weiter als Tastvorgänge sich vollziehen. Der Tastsinn muß immer dort gesucht werden, wo der Gleichgewichtssinn tätig ist.

[ 7 ] We now come to the sense of smell. Here the question may arise: Why is what science calls the sense of touch, which is usually discussed most, omitted? — Given the limited number of lectures that can be given on this entire subject, some things must be dealt with rather quickly, and some things will then sound somewhat paradoxical. The sense of touch has been omitted because, as it is usually described, it is an invention, a figment of the imagination of physiology. It does not exist as such, because a whole series of senses can be described as senses of touch. However, one cannot speak of an actual sense of touch. What happens when we touch something? Suppose you touch an object. What happens is actually entirely limited to the sense of balance. When you press a part of your body, the balance in that part of the body is disturbed, and nothing else happens except what occurs within the sense of balance. The same is true when you press on a table, stroke a velvet surface, or pull on a string. These are merely changes in the balance within ourselves when pressure, pulling, stroking, and so on take place as tactile processes. The sense of touch must always be sought where the sense of balance is at work.

[ 8 ] Über den Tastsinn existieren in der Wissenschaft die falschesten Anschauungen. Man spricht vom Drücken, ohne weiter auf das Wesen dieser Tatsache einzugehen. Für den gewöhnlichen Menschen ist ein Druck etwas, wonach er gar nicht weiter frägt. Ein Druck aber hängt für den, der geisteswissenschaftlich die Sache betrachtet, zusammen mit der Frage: Was für eine Störung im Gleichgewicht entsteht da im Organismus und was für eine Ausgleichung ist infolgedessen im astralischen Leibe nötig? — Wie dieser Drucksinn, der ein Teil des Tastsinnes sein würde, mißverstanden wird, kann man daraus entnehmen, daß man frägt: Warum werden die Menschen von dem ungeheuren Atmosphärendruck, der auf ihnen lastet, nicht erdrückt? -— Wenn die Sache mit dem äußern Drucke sich so verhielte, so würde ein ungeheurer Druck auf unseren Körper ausgeübt. Ein wißbegieriger Junge frägt dann etwa im Physikunterricht darnach, und da wird ihm gesagt, Druck und Gegendruck, der von innen nach außen wirkt, seien in unserem Körper gleich und würden sich gegenseitig aufheben. Der Mensch, so sagt man, istja innen ebenso mit Luft angefüllt, und die Folge ist ein ebenso großer Druck nach außen, so daß die beiden gleich großen, entgegengesetzt gerichteten Druckwirkungen sich ausgleichen. Es tritt Gleichgewicht ein, und der Mensch kann nicht erdrückt werden. Ist der betreffende Junge aber ein aufgeweckter, so wird er einen Einwand machen und sagen: Ich habe schon oft tief ins Wasser getaucht und bin ganz von Wasser umgeben gewesen und bin nicht erdrückt worden, trotzdem ich im Innern meines Leibes doch nicht mit Wasser angefüllt war; sonst wäre ich ja ersoffen! - Hierin liegt das Absurde, wohin die Dinge führen, wenn wir sie rein äußerlich materialistisch auslegen. In Wahrheit handelt es sich um einen eminent geistigen Vorgang, wenn Druck auf uns ausgeübt wird. Bis in unseren Astralleib führt uns das hinein, wenn Störungen des Gleichgewichts ausgeglichen werden müssen. Wenn auf uns ein Druck ausgeübt wird, so verändert sich das Gleichgewicht, wir schieben in den zusammengedrückten Teil den astralischen Leib hinein und stellen so das gestörte Gleichgewicht wieder her, ja, man läßt ihn sogar etwas darüber vorstehen. Es ist sozusagen astralisch immer eine kleine Beule da, wo gedrückt wird. Diese ausgleichende, rein astrale Wirkung ist so stark, daß sie von innen her den ganzen Druck der Luft von außen zu überwinden vermag. Hier ist buchstäblich der Geist mit Händen zu greifen; man merkt es nur nicht.

[ 8 ] The most erroneous views exist in science about the sense of touch. People speak of pressing without going into the nature of this fact. For the ordinary person, pressure is something they do not question further. But for those who view the matter from a spiritual scientific perspective, pressure is connected with the question: What kind of disturbance in equilibrium arises in the organism and what kind of compensation is consequently necessary in the astral body? How this sense of pressure, which is part of the sense of touch, is misunderstood can be seen from the question: Why are people not crushed by the enormous atmospheric pressure that weighs upon them? If this were the case with external pressure, an enormous pressure would be exerted on our bodies. An inquisitive boy might ask about this in physics class, and he would be told that pressure and counterpressure, which act from the inside out, are equal in our bodies and cancel each other out. The human being, it is said, is filled with air on the inside, and the result is an equally great pressure outward, so that the two equal and opposite pressures balance each other out. Equilibrium is established, and humans cannot be crushed. But if the boy in question is bright, he will object and say: I have often dived deep into water and been completely surrounded by water, and I have not been crushed, even though I was not filled with water inside my body; otherwise I would have drowned! This is the absurdity of where things lead when we interpret them in a purely external, materialistic way. In truth, when pressure is exerted on us, it is an eminently spiritual process. It leads us into our astral body when disturbances of the equilibrium have to be compensated. When pressure is exerted on us, the equilibrium changes, we push the astral body into the compressed part and thus restore the disturbed equilibrium; indeed, we even allow it to protrude slightly. There is, so to speak, always a small astral bulge where the pressure is exerted. This balancing, purely astral effect is so strong that it is able to overcome all the pressure of the air from outside from within. Here, the spirit is literally tangible; we just don't notice it.

[ 9 ] Was geschieht nun aber beim Geruchssinn? Da ergreift den menschlichen Organismus etwas, das unserem Bewußtsein schon näher liegt, nämlich die Bewußtseinsseele selber. Was in der Geisteswissenschaft Bewußtseinsseele genannt wird, tritt in Aktion, wenn gerochen wird. Sie bewirkt an einer bestimmten Stelle des Organismus, daß nicht bloß Ausdehnung, Verdünnung eintritt, sondern daß hier der astralische Leib seine Wirkung nach außen sendet und diese Wirkung also über den Organismus hinaustritt. Während beim Riechen die luftförmige Substanz in die Schleimhaut der Nase dringt, drängt sich in dem gleichen Maße die astralische Substanz nach außen. Immer verläßt diese astralische Substanz beim Riechen den Organismus, taucht hinein in das Ding und erlebt etwas nicht nur in sich, sondern in diesem Dinge, das wir als Wohlgeruch, Duft, Gestank oder dergleichen benennen und erleben. Es ist wie ein Fühler des astralischen Leibes, was durch die Bewußtseinsseele entsteht.

[ 9 ] But what happens with the sense of smell? Something that is closer to our consciousness takes hold of the human organism, namely the consciousness soul itself. What is called the consciousness soul in spiritual science comes into action when we smell. It causes not only expansion and rarefaction at a certain point in the organism, but also the astral body to send its effect outward, thus extending beyond the organism. While the airy substance penetrates the mucous membrane of the nose during smelling, the astral substance pushes outward to the same extent. During smelling, this astral substance always leaves the organism, plunges into the thing, and experiences something not only within itself but also in this thing, which we name and experience as a pleasant smell, fragrance, stench, or the like. It is like a sensor of the astral body, which is created by the consciousness soul.

[ 10 ] Der Geschmackssinn wirkt in seiner Weise, weil in ihm der Ätherleib von der Verstandes- oder Gemütsseele bearbeitet wird. Diese ergießt die astralischen Strömungen durch das Geschmacksorgan nach außen und schickt sie den Substanzen auf der Zunge entgegen. Was im Astralleib beim Riechen vor sich geht, ist von ganz besonderer Natur. Was strömt denn da aus dem astralischen Leibe heraus, wenn gerochen wird? Das ist nichts anderes als willensartiger Natur. Was wir innerlich als Willensimpuls fühlen, das quillt beim Riechen der einströmenden Materie entgegen. Der Vorgang des Riechens ist ein Sich-Wehren, ein Zurückdrängen-Wollen von einströmender Substanz. Die geistige Forschung kann sagen, daß jene einströmende Substanz nicht nur eine luftartige Substanz ist — das ist nur Maja, Täuschung -, sondern das ist von außen einströmender Wille. Es vollzieht sich ein Spiel von Willenskräften beim Riechen. Die Folge davon ist, wie einmal jemand geahnt hat, daß hier Wille von innen und Wille von außen sich gegenseitig bekämpfen und hemmen. Auf dieser Ahnung hat jener - es ist Schopenhauer - eine Willensphilosophie begründet. Das ist aber eine falsche Metaphysik. Was Schopenhauer da sagt über jene Willenskräfte, trifft eigentlich nur zu für das Riechen; alles andere ist einfach hineininterpretiert.

[ 10 ] The sense of taste works in its own way because the etheric body is processed by the intellectual or emotional soul. This pours the astral currents outwards through the taste organ and sends them towards the substances on the tongue. What happens in the astral body during smelling is of a very special nature. What flows out of the astral body when we smell? It is nothing other than of a volitional nature. What we feel inwardly as a volitional impulse wells up toward the inflowing matter when we smell. The process of smelling is a defense, a desire to push back the incoming substance. Spiritual research can tell us that this incoming substance is not just an air-like substance—that is only Maya, illusion—but rather will flowing in from outside. A play of will forces takes place when we smell. The result of this, as someone once suspected, is that will from within and will from without fight and inhibit each other. Based on this suspicion, Schopenhauer founded a philosophy of will. But this is a false metaphysics. What Schopenhauer says about these forces of will actually only applies to smelling; everything else is simply interpreted into it.

[ 11 ] Wie beim Geruchssinn willensartig ist, was sich hinausergießt, ist das, was beim Geschmackssinn, der Nahrung entgegen, herausströmt, gefühlsartiger Natur, und auch das Hereinströmende ist gefühlsartiger Natur. Hier, beim Schmecken, gelangt also Gefühl mit Gefühl in Wechselwirkung. Alles andere daran ist bloß Maja, bloß äußeres Zeichen. Hier zeigt sich eine Gefühlswirkung als Sinn, nämlich das Schmecken wird als angenehm, unangenehm, widrig und so weiter empfunden. Allerdings nicht mit dem Gefühl selber hat man es da zu tun, sondern nur mit entsprechenden Wechselwirkungen von Gefühlen.

[ 11 ] Just as in the sense of smell, what is volitional is what flows out, so in the sense of taste, what flows out in response to food is of an emotional nature, and what flows in is also of an emotional nature. Here, in tasting, emotion interacts with emotion. Everything else is merely Maya, merely an external sign. Here, an emotional effect manifests itself as a sense, namely, tasting is perceived as pleasant, unpleasant, repulsive, and so on. However, it is not the emotion itself that we are dealing with here, but only the corresponding interactions of emotions.

[ 12 ] Der nächste Sinn ist der Gesichtssinn. Hier ist es so, daß das, was . jetzt den Ätherleib bearbeitet und sich in ihn ergießt, die Empfindungsseele ist. Das Geschehen ist hier von gedankenartiger Natur. Ein denkerisches Prinzip waltet da. Die Empfindungsseele hat schon in sich, was in der Bewußtseinsseele bewußt wird; allerdings ist der Gedanke in ihr noch unterbewußt. Es ist ein Denken in der Empfindungsseele, das da hinausströmt durch die Augen. Hier strömt also richtige Gedankensubstanz hinaus. Sie hat eine weit größere Elastizität als die andern beiden Substanzen, die beim Geruchs- und Geschmackssinn ausströmen, und sie reicht deshalb auch viel weiter. Es ist so, daß wirklich von dem Menschen Astralisches ausströmt und zu den Dingen hinströmt. Nicht etwa begeben sich Ätherwellen des Lichts ins Auge, das dann das empfangene Bild nach außen projiziert! Da müßte doch jemand dadrinnen sitzen, der diese Projektionsarbeit besorgt. Dies wäre doch eine greulich abergläubische Vorstellung, dieses Etwas, was da projiziert. Die Wissenschaft, die so stolz ist auf ihren Naturalismus, läßt sich im gegebenen Fall in grotesker Weise aushelfen durch die vielgeschmähte Phantasie. Also dem Ding strömt ein Astralisches als Gedankensubstanz zu und dringt so weit, bis ihm irgendwo in der Ferne Widerstand geboten wird und sich ihm ein anderes Astralisches entgegensetzt. Der sich draußen so abspielende Widerstreit von Astralischem und Astralischem bildet die Farbe, die wir an den Dingen empfinden. Die Farbe entsteht an der Grenze der Dinge, wo das aus dem Menschen ausströmende Astralische mit dem Astralischen der Dinge zusammentrifft. An der Grenze des äußeren und inneren Astralischen entsteht die Farbe.

[ 12 ] The next sense is the sense of sight. Here, what now acts upon the etheric body and pours into it is the soul of sensation. The process here is of a thought-like nature. A thinking principle is at work here. The sentient soul already has within itself what becomes conscious in the consciousness soul; however, the thought is still subconscious in it. It is a thinking in the sentient soul that flows out through the eyes. So here, real thought substance flows out. It has far greater elasticity than the other two substances that flow out in the sense of smell and taste, and therefore it also reaches much further. It is really the case that something astral flows out of the human being and flows toward things. It is not that ether waves of light enter the eye, which then projects the received image outward! There would have to be someone sitting inside doing the work of projection. This would be a horribly superstitious idea, this something that projects. Science, which is so proud of its naturalism, allows itself to be grotesquely aided in this case by the much-maligned imagination. So something astral flows toward the thing as a thought substance and penetrates until it encounters resistance somewhere in the distance and is opposed by another astral entity. The conflict between astral and astral that takes place outside forms the color that we perceive in things. Color arises at the boundary between things, where the astral emanating from humans meets the astral of things. Color arises at the boundary between the outer and inner astral.

[ 13 ] Es ist sehr merkwürdig, wenn man zum Beispiel in Betracht zieht, daß eigentlich schon in der Empfindungsseele unterbewußt ein Denken ist, das erst in der Verstandesseele zum Vorschein kommt und uns erst in der Bewußtseinsseele bewußt wird. Was in der Tat, wenn wir die Dinge mit den beiden Augen anschauen, als zwei Eindrücke erscheint, das wird bewirkt durch ein Gedankliches, das zunächst nicht ins Bewußtsein gelangt. Wenn dieses ins Bewußtsein treten soll, müssen beide Gedankenmomente zusammenarbeiten; sie müssen den Weg machen von der Empfindungsseele herauf in die Bewußtseinsseele hinein. Diesen Weg können wir uns wieder gut durch ein Gleichnis veranschaulichen: Hier sind die beiden Hände. Jede Hand kann empfinden für sich, aber nur wenn die beiden Hände sich kreuzen, kommt diese Empfindung, daß die eine Hand die andere empfindet, einem zum Bewußtsein, wie ein äußerer Gegenstand erst durch die Berührung einem ins wirkliche Bewußtsein gehoben wird. Sollen die Eindrücke, die durch Gedankenarbeit in der Empfindungsseele gewonnen werden, ins Bewußtsein des Menschen treten, dann müssen sie gekreuzt werden. Das ist beim Sehen die Folge davon, daß die beiden Sehnerven im Gehirn sich kreuzen. Diese Kreuzung der Sehnerven hat ihren Grund darin, daß eine im Unterbewußten, in der Empfindungsseele geleistete Denkarbeit durch die Kreuzung in die Bewußtseinsseele heraufgehoben wird, dadurch, daß nun die eine Arbeit an der andern empfunden werden kann. So baut sich das Physische aus dem Geistigen heraus auf, und bis in die feinsten anatomischen Einzelheiten hinein kann durch Anthroposophie der Mensch erst verstanden werden.

[ 13 ] It is very strange when one considers, for example, that there is actually already a thought in the sentient soul that only comes to the fore in the intellectual soul and only becomes conscious to us in the conscious soul. What in fact appears as two impressions when we look at things with both eyes is brought about by a thought that does not initially reach consciousness. If this is to enter consciousness, both moments of thought must work together; they must make their way from the sentient soul up into the conscious soul. We can illustrate this path well with a parable: Here are two hands. Each hand can feel for itself, but only when the two hands cross does the sensation that one hand feels the other become conscious, just as an external object is only brought into real consciousness through touch. If the impressions gained through thought work in the sentient soul are to enter human consciousness, they must be crossed. In the case of seeing, this is the result of the two optic nerves crossing in the brain. The reason for this crossing of the optic nerves is that the thinking activity carried out in the subconscious, in the sentient soul, is raised into the conscious soul through the crossing, in that one activity can now be felt by the other. In this way, the physical is built up from the spiritual, and it is only through anthroposophy that the human being can be understood down to the finest anatomical details.

[ 14 ] Nun folgt als nächster der Wärmesinn. Hier ist wiederum etwas, das durch seine Wirkung im Menschen den Wärmesinn vermittelt. Dies ist der Empfindungsleib selber, der seine astralische Substanz in Wirksamkeit bringt und nach außen strömen läßt, wenn ein Wärmeerlebnis eintreten soll. Dies tritt dann ein, wenn der Mensch wirklich imstande ist, seine astralische Substanz nach außen zu senden, ohne daran gehindert zu sein. Im Bade fühlen wir uns nicht erwärmt, wenn es ebenso warm ist wie wir, wenn also Gleichgewicht besteht zwischen uns und unserer Umgebung und von uns nichts aufgenommen wird. Nur wenn von uns Wärme ausströmt oder solche in uns einfließen kann, empfinden wir Wärme oder Kälte. Ist die äußere Umgebung wärmearm, so lassen wir Wärme in sie ausströmen. Sind wir wärmearm, so lassen wir Wärme in uns einströmen. Hier hat man es wieder handgreiflich, daß ein Aus- und Einströmen stattfindet. Beim Ausgeglichensein jedoch von außen und innen wird die Wärme nicht empfunden. Das Wärmeerlebnis hat immer zu tun mit der Wirkung des menschlichen Empfindungsleibes. Dieser wird, wenn wir einen Gegenstand berühren, der immer wärmer und wärmer wird, immer stärker ausströmen. Es drängt sich uns immer mehr auf von dem, was hinein will, und der Empfindungsleib muß dann entsprechend mehr ausströmen. Dies geht aber nur bis zu einer bestimmten Grenze. Wenn nicht mehr die Möglichkeit besteht, aus dem Empfindungsleib Kraft ausströmen zu lassen, dann ertragen wir die Hitze nicht mehr und wir verbrennen uns. Es müßte auch so sein, daß wir jedesmal ein Verbrennen empfinden, wenn wir nicht mehr Substanz aus unserem Empfindungsleib ausströmen können beim Berühren von etwas sehr Kaltem. Fassen wir einen sehr kalten Körper an, der uns verhindert, Substanz aus dem Empfindungsleib ausströmen zu lassen, weil er nichts an uns abgibt, so erscheint uns die übermäßige Kälte auch als ein Brennen und erzeugt Blasen. Beides beruht auf derselben Wirkung.

[ 14 ] Next comes the sense of warmth. Here again is something that conveys the sense of warmth through its effect in the human being. This is the sentient body itself, which brings its astral substance into action and allows it to flow outward when a sensation of warmth is to occur. This occurs when the human being is truly capable of sending their astral substance outward without being hindered. In the bath, we do not feel warm if it is as warm as we are, i.e., if there is equilibrium between us and our surroundings and nothing is being absorbed by us. Only when heat flows out of us or can flow into us do we feel warmth or cold. If the external environment is cold, we allow heat to flow out of us. If we are cold, we allow heat to flow into us. Here we see again that there is a tangible flow in and out. However, when we are in balance between the external and internal, we do not perceive heat. The experience of heat always has to do with the effect of the human sentient body. When we touch an object that becomes warmer and warmer, it radiates more and more strongly. What wants to enter pushes itself upon us more and more, and the sentient body must then radiate more accordingly. However, this only goes up to a certain limit. When it is no longer possible to allow energy to flow out of the sensory body, we can no longer tolerate the heat and we burn ourselves. It would also have to be the case that we feel a burning sensation every time we touch something very cold when we can no longer allow substance to flow out of our sensory body. If we touch a very cold body that prevents us from letting substance flow out of the sentient body because it does not give anything to us, the excessive cold also appears to us as a burning sensation and causes blisters. Both are based on the same effect.

[ 15 ] Nunmehr wenden wir uns dem Gebiet zu, das wir als das des Gehörsinnes bezeichnen. Da ist beteiligt der Ätherleib des Menschen. Dieser Ätherleib, so wie der Mensch ihn heute hat, ist aber außerstande, in Wahrheit etwas abzugeben, ohne dauernden Verlust für uns, wie das der Empfindungsleib noch kann. Der Ätherleib ist schon so geformt seit der atlantischen Zeit, daß er nichts mehr abgeben kann, denn solches müßte dann der Mensch in seiner Lebenskraft entbehren. Es muß also auf einem ganz andern Wege geschehen, wenn eine Gehörwirkung zustande kommen soll. Hier kann der Mensch also nichts mehr abgeben. Aus sich heraus kann der Mensch keinen höheren Sinn entwickeln, als es der Wärmesinn ist. Würde hier nicht etwas, das der Mensch selber nicht hat, in den Menschen eintreten, so könnte kein Hörsinn zustande kommen. Der Mensch muß deshalb durchsetzt werden von Wesenheiten, die ihre eigene Substanz ihm zur Verfügung stellen. Daher ist der menschliche Organismus durchzogen von Wesenheiten, die ihn wie einen Schwamm durchdringen. Es sind dies die Wesen, welche wir Angeloi nennen, die in der Vergangenheit schon die Menschheitsstufe durchgemacht haben. Sie schicken ihre Astralsubstanz in uns Menschen hinein als eine fremde Astralsubstanz, welche sich der Mensch aneignet und in sich wirken und ausströmen läßt. Sie strömt durch die Ohren dem entgegen, was uns durch den Ton zugetragen wird. Gleichsam auf den Flügeln dieser Wesenheiten schreiten wir in jenes Innere hinein, das wir als die Seele der Dinge erkennen lernen. Hier hat man es also zu tun mit Wesen, die über dem Menschen stehen, welche den Menschen ausfüllen, die aber gleicher Natur sind mit seiner eigenen astralischen Substanz.

[ 15 ] Now we turn to the realm we call the sense of hearing. The etheric body of the human being is involved here. However, this etheric body, as the human being has it today, is incapable of actually giving anything away without permanent loss to us, as the sentient body still can. The etheric body has been shaped since the Atlantean epoch in such a way that it can no longer give anything away, for then human beings would have to do without it in their life force. Something else must therefore happen if a hearing effect is to come about. Here, then, human beings can give nothing more. Out of themselves, human beings cannot develop any higher sense than the sense of warmth. If something that humans do not possess did not enter into them, no sense of hearing could come about. Humans must therefore be permeated by beings that make their own substance available to them. That is why the human organism is permeated by beings that penetrate it like a sponge. These are the beings we call Angeloi, who have already passed through the human stage in the past. They send their astral substance into us humans as a foreign astral substance, which humans appropriate and allow to work and flow out of themselves. It flows through the ears toward what is conveyed to us through sound. As it were, on the wings of these beings, we step into that inner realm which we come to recognize as the soul of things. Here, then, we are dealing with beings that stand above human beings, that fill human beings, but that are of the same nature as their own astral substance.

[ 16 ] Nun aber gibt es noch einen höheren Sinn, nämlich den Sprachoder Wort- oder Lautsinn. Wo dieser in Betracht kommt, hat der Mensch wiederum nichts, das er von sich aus abgeben könnte. Hier müssen deshalb Wesenheiten eingreifen, welche ihrer Substanz nach ähnlich sind mit dem, woraus der menschliche Ätherleib besteht. Sie haben natürlich auch die entsprechende astralische Substanz; diese wird aber hierbei in die Umwelt hinausgedrängt. Sie müssen in den Menschen eintreten, sie geben ihren Ätherleib und diese Kraft kann dann der Mensch wieder in die Umgebung ausströmen lassen. Es sind dies die Archangeloi, die Erzengel. Diese spielen noch eine ganz andere Rolle als die Engel. Sie bewirken, daß der Mensch den Laut nicht nur hören kann, sondern ihn auch verstehend zu erleben vermag. Sie machen, daß der Mensch nicht nur imstande ist, einen Ton, ein g oder cis zu hören, sondern auch, daß er, wenn er einen Laut hört, dabei etwas erlebt, nämlich das, was das Innere des Lautes ist; daß er ein A zum Beispiel dem Lautsinne nach vernimmt. Diese Wesenheiten sind nichts anderes, als was man auch etwa die Volksgeister nennt, die Geister der einzelnen Völkerindividualitäten. Während beim Gehörsinn die Engel ihre Arbeit äußerlich ausdrücken durch Luftwirkungen, dadurch, daß sie die Luft im Ohre behandeln, stellen die Erzengel dem, was in der Luft draußen geschieht, andere Wirkungen entgegen. Durch sie werden Säftewirkungen hervorgerufen wie die Wirkung in einer wäßrigen Substanz. Durch das, was sie bewirken, wird der Säfteumlauf in eine gewisse Richtung gebracht. Daß zum Beispiel der Mensch im A den entsprechenden Sinn des Lautes wahrnimmt, bewirken auch die feineren Säfte. Der äußere Ausdruck für diese Arbeit liegt darin, daß die Volksphysiognomien geformt werden, der besondere Ausdruck des menschlichen Organismus, sofern er dem besonderen Volke angehört. Darinnen wirken insbesondere diese Wesenheiten. Daher können wir sagen, daß die Säfte in einem Menschen anders fließen und der ganze Organismus anders wirkt, je nachdem jenes Erzengelwesen dem Volke, dem es zugehört, dieses oder jenes als Lautsinn beibringt. Wenn beispielsweise ein Volk «Aham» — «Ich» im Sanskrit — sagt für Ich, was immer es auch sonst noch für Theorien über das menschliche Ich haben möge, so spielen diese Theorien keine Rolle, aber die zwei A hintereinander geben eine ursprüngliche Organisation, und der Angehörige dieses Volkes muß eine solche Empfindung vom Ich haben, wie sie diesen zwei aufeinanderfolgenden A entspricht. Wenn ein Volk I mit ch verbindet, so tritt eine ganz andere Wirkung ein. Ein solches Volk muß eine andere Vorstellung vom Ich haben. Im I liegt eine besondere Nuance, eine besondere Färbung; es ist das, was der Volksgeist dem Organismus einimpft in bezug auf die Auffassung des Ich:

[ 16 ] But there is still a higher sense, namely the sense of language or words or sounds. Where this comes into play, human beings again have nothing they can give of themselves. Here, therefore, beings must intervene which are similar in substance to that of which the human etheric body is composed. They also have the corresponding astral substance, of course, but this is pushed out into the environment. They must enter into human beings, giving them their etheric body, and this power can then flow out again into the environment. These are the archangels. They play a completely different role from the angels. They enable human beings not only to hear sounds, but also to experience them with understanding. They enable human beings not only to hear a sound, a G or a C sharp, but also, when they hear a sound, to experience something, namely what is inside the sound; for example, they perceive an A according to the sense of sound. These beings are nothing other than what are also called folk spirits, the spirits of individual peoples' individualities. While the angels express their work in the sense of hearing externally through effects on the air, by treating the air in the ear, the archangels counteract what happens in the air outside with other effects. Through them, sap effects are brought about, like the effect in a watery substance. Through what they bring about, the circulation of sap is directed in a certain direction. For example, the fact that a person in A perceives the corresponding meaning of a sound is also brought about by the finer juices. The external expression of this work lies in the formation of the physiognomies of peoples, the special expression of the human organism insofar as it belongs to a particular people. These beings work in this in particular. We can therefore say that the juices flow differently in a human being and the whole organism works differently, depending on whether the archangel being teaches this or that sound meaning to the people to whom it belongs. If, for example, a people says “Aham” — “I” in Sanskrit — for “I,” whatever theories they may have about the human “I,” these theories are irrelevant, but the two A's in succession give an original organization, and the member of this people must have a sense of the “I” that corresponds to these two successive A's. If a people combines I with ch, a completely different effect occurs. Such a people must have a different conception of the self. There is a special nuance, a special coloring in I; it is what the spirit of the people instills in the organism with regard to the conception of the self:

[ 17 ] Es ist auch ein großer Unterschied, ob etwas bezeichnet wird durch die Aufeinanderfolge von A und O oder von Iund E. Darnach muß sich das ganze Volksgefühl ändern. «Amor» zum Beispiel hat eine andere Empfindungsnuance, als wenn « Liebe» gesagt wird. Hier sieht man typisch den Volksgeist an der Arbeit. Nicht gleichgültig ist es, daß zum Beispiel das Wort «Adam» bei den Israeliten gebraucht wird für die erste Menschenform, im alten Persien aber für das Ich. Es sind eben ganz andere Gefühlswerte, die so bei den verschiedenen Völkern geweckt werden. Wir haben hier das Mysterium der Sprache angedeutet oder vielmehr seine ersten Elemente.

[ 17 ] There is also a great difference between whether something is designated by the succession of A and O or by I and E. The whole feeling of the people must change accordingly. “Amor,” for example, has a different nuance of feeling than when “love” is said. Here we see the folk spirit at work in a typical way. It is not insignificant that the word “Adam,” for example, is used by the Israelites for the first human form, but in ancient Persia for the ego. These are completely different emotional values that are awakened in different peoples. We have hinted here at the mystery of language, or rather at its first elements.

[ 18 ] Es handelt sich dabei um die Wirkung von Geistern, die in der Hierarchienreihe auf der Stufe der Erzengel stehen und die den Menschen durchdringen mit dem, was Lautsinn ist und seine wäßrige Substanz durchbeben. Es gehört auch zu den größten Erlebnissen für den zum Übersinnlichen aufsteigenden Menschen, wenn er anfängt zu fühlen, was für ein Unterschied in der gestaltenden Kraft der Laute liegt. Die Lautekraft zeigt ihre vorzüglichste Wirkung im wäßrigen Element, die Tonkraft zeigt sie in der Luft.

[ 18 ] This is the effect of spirits who stand in the hierarchical order at the level of the archangels and who permeate human beings with what is sound sense and vibrate its watery substance. It is also one of the greatest experiences for the person ascending to the supersensible when they begin to feel what a difference there is in the formative power of sounds. The power of sound shows its most excellent effect in the watery element, the power of tone shows it in the air.

[ 19 ] Dann kann auch gefühlt werden, was für eine Bedeutung darin liegt, wenn sich jemand gedrängt fühlt, irgendein Wesen zu bezeichnen mit dem Namen «Eva». Will der Betreffende etwas anderes ausdrücken, das sich dazu verhält wie das Geistige zum Sinnlichen, so könnte er das Spiegelbild davon anwenden und bekäme so «Ave» als eine Silbenfolge für den Gruß an Maria. Dies erzeugt ein gegenteiliges Gefühl im menschlichen Organismus, als wenn er «Eva» spricht.

[ 19 ] Then one can also feel what significance lies in someone feeling compelled to designate a being with the name “Eva.” If the person concerned wants to express something else that relates to the spiritual as the sensual does, they could use the mirror image of it and thus obtain “Ave” as a syllable sequence for the greeting to Mary. This produces a feeling in the human organism that is the opposite of when they say “Eva.”

[ 20 ] Noch eine andere Umkehrung von «Eva» wäre mit dem J davor das Wort «Jahve», als Bezeichnung für Gott im Alten Testament. Alle Beziehungen zwischen Jahve und Eva kann der, welcher in den Laut eindringt, erkennen, wenn er zu höheren Erkenntnissen fortschreitet.

[ 20 ] Another reversal of “Eva” would be the word “Yahweh” with a J in front of it, as the name for God in the Old Testament. Anyone who penetrates the sound can recognize all the relationships between Yahweh and Eva as they progress to higher knowledge.

[ 21 ] Die Sprache ist nicht in Willkür zustande gekommen; sie ist ein geistiges Produkt. Um sie in ihrem Geist wahrzunehmen, haben wir den Lautsinn, der im ganzen System der Sinne dieselbe Berechtigung hat wie die andern Sinne. Und es gibt tiefere Gründe, warum die Sinne gerade in dieser Reihenfolge aufgezählt werden müssen.

[ 21 ] Language did not come about arbitrarily; it is a spiritual product. In order to perceive it in its spirit, we have the sense of sound, which has the same validity in the entire system of the senses as the other senses. And there are deeper reasons why the senses must be listed in this particular order.

[ 22 ] Das nächste Mal werden wir dann aufsteigen zu dem Begriffssinn und den höheren Sinnen, um uns dann so geisteswissenschaftlich den Mikrokosmos erklären zu können.

[ 22 ] Next time, we will ascend to the conceptual sense and the higher senses, so that we can then explain the microcosm to ourselves in a spiritual-scientific way.