Donate books to help fund our work. Learn more→

The Rudolf Steiner Archive

a project of Steiner Online Library, a public charity

Support the Archive

The Christ Impulse
and the Development of Self-Awareness
GA 116

22 December 1909, Berlin

Translate the original German text into any language:

Zweiter Vortrag

Zweiter Vortrag

[ 1 ] Die heutige Betrachtung möge gewidmet sein Dingen, welche den Anthroposophen im weiteren Sinne des Wortes interessieren können und die dazu bestimmt sein sollen, denen, welche schon längere Zeit an diesen Zweigabenden teilgenommen haben, diese oder jene Sache genauer zu beleuchten. Vor allem ist es gut, wenn wir uns ab und zu wieder in die Erinnerung rufen, daß es in der Geisteswissenschaft nicht allein darauf ankommt, dieses oder jenes so im allgemeinen als Theorie, als Lehre zu wissen, sondern daß es darauf ankommt, immer wieder und wieder sich genauer und eingehender mit den entsprechenden Fragen und Lebensrätseln zu beschäftigen. Es könnte ja vielleicht jemand sagen: Was man zunächst für das Leben aus der Geistesforschung zu wissen braucht, das ließe sich bequem in ein kleines Heftchen von vielleicht sechzig Seiten, wenn man alles unterbringen will, hineinbringen, und dann könnte sich jeder dieses Heftchen von sechzig Seiten zu eigen machen; er hätte dann eine Überzeugung über das Wesen des Menschen, über Reinkarnation und Karma, über die Entwickelung der Menschheit und der Erde, und könnte nun mit dieser Überzeugung durch das Leben wandern. Und jemand, der das gern hätte, könnte vielleicht sagen: Ja, warum macht es denn eigentlich diese anthroposophische Bewegung nicht so, daß sie in möglichst vielen Exemplaren diese hauptsächlichsten Gesichtspunkte in die Welt hinausstreut, damit jeder Mensch sich eine Überzeugung darüber aneignen kann? Warum tut diese Bewegung das zunächst merkwürdig Scheinende, daß sie jede Woche einmal diejenigen, welche sich mit Geisteswissenschaft beschäftigen wollen, zusammenruft, um immer von neuem das zu beschreiben, was sich bequem auf sechzig Seiten unterbringen ließe? Was haben denn, könnte man fragen, diese Anthroposophen jede Woche immer wieder und wieder ihren Leuten zu sagen?

[ 1 ] Die heutige Betrachtung möge gewidmet sein Dingen, welche den Anthroposophen im weiteren Sinne des Wortes interessieren können und die dazu bestimmt sein sollen, denen, welche schon längere Zeit an diesen Zweigabenden teilgenommen haben, diese oder jene Sache genauer zu beleuchten. Vor allem ist es gut, wenn wir uns ab und zu wieder in die Erinnerung rufen, daß es in der Geisteswissenschaft nicht allein darauf ankommt, dieses oder jenes so im allgemeinen als Theorie, als Lehre zu wissen, sondern daß es darauf ankommt, immer wieder und wieder sich genauer und eingehender mit den entsprechenden Fragen und Lebensrätseln zu beschäftigen. Es könnte ja vielleicht jemand sagen: Was man zunächst für das Leben aus der Geistesforschung zu wissen braucht, das ließe sich bequem in ein kleines Heftchen von vielleicht sechzig Seiten, wenn man alles unterbringen will, hineinbringen, und dann könnte sich jeder dieses Heftchen von sechzig Seiten zu eigen machen; er hätte dann eine Überzeugung über das Wesen des Menschen, über Reinkarnation und Karma, über die Entwickelung der Menschheit und der Erde, und könnte nun mit dieser Überzeugung durch das Leben wandern. Und jemand, der das gern hätte, könnte vielleicht sagen: Ja, warum macht es denn eigentlich diese anthroposophische Bewegung nicht so, daß sie in möglichst vielen Exemplaren diese hauptsächlichsten Gesichtspunkte in die Welt hinausstreut, damit jeder Mensch sich eine Überzeugung darüber aneignen kann? Warum tut diese Bewegung das zunächst merkwürdig Scheinende, daß sie jede Woche einmal diejenigen, welche sich mit Geisteswissenschaft beschäftigen wollen, zusammenruft, um immer von neuem das zu beschreiben, was sich bequem auf sechzig Seiten unterbringen ließe? Was haben denn, könnte man fragen, diese Anthroposophen jede Woche immer wieder und wieder ihren Leuten zu sagen?

[ 2 ] Nun, es entspricht vielleicht gewissen Glaubensbekenntnissen unserer Zeit, auch in bezug auf die Geistesforschung einen solchen kurzen Abriß für die Westentasche zu haben, um sich auf diese Weise das Wichtigste aneignen zu können. Aber das ist es ja, was wir uns immer mehr und mehr ins Gedächtnis rufen sollten, daß es mit einem solchen «Abriß-Wissen» in der Geistesforschung nicht getan ist — daß es überhaupt im Grunde nicht auf das Wissen ankommt, obwohl Geistesforschung in einem Wissen, in einer Erkenntnis besteht -, daß es nicht genügt, in allgemeinen Phrasen das Wesen der Geistesforschung zu sehen, sondern in ganz bestimmten Erkenntnissen. Aber wiederum genügt es doch nicht, sich diese Erkenntnisse etwa im Sinne der heutigen Zeit als eine allgemeine Überzeugung angeeignet zu haben und dann damit zufrieden zu sein. Denn nicht darum handelt es sich, eine solche Überzeugung einmal zu haben, zu wissen: Der Mensch lebt nicht nur einmal, es gibt Ursachenverhältnisse, welche von einem Leben in das andere hinübergehen, es gibt Reinkarnation und Karma. Das ist nicht das eigentlich Heilsame der Geistesforschung, diese Lehren zu verbreiten, sondern sich eingehend und intim mit diesen Lehren, namentlich in bezug auf ihre Einzelheiten immer wieder und wieder zu beschäftigen, sie unausgesetzt auf seine Seele wirken zu lassen. Denn man hat im Grunde von der Überzeugung gar nichts, die uns einfach glauben läßt: Ja, der Mensch lebt nicht nur einmal zwischen Geburt und Tod, er lebt öfter; es gibt eine Reinkarnation, ein Karma und so weiter. Von dem Glauben an diese Dinge hat man im Grunde nicht viel. Und es ist im Grunde zwischen der Seele eines Menschen, der nicht weiß, daß es eine Reinkarnation und ein Karma gibt, und zwischen der Seele eines solchen Menschen, der das weiß, kein sehr großer Unterschied in bezug auf die wirklichen Tiefen des Lebens. Unsere Seele wird im anthroposophischen Sinne erst dann eine andere, wenn wir uns immer wieder und wieder nicht nur mit den Allgemeinheiten, sondern mit den besonderen Tiefen beschäftigen, die uns die Geistesforschung zu sagen hat. So kommt es, daß es gut ist, wenn wir uns immer wieder verständigen in bezug auf die anthroposophische Auffassung dieser oder jener Lebenseinzelheit. Nur im allgemeinen zu wissen, daß es ein großes Schicksalsgesetz gibt, welches einen Zusammenhang schafft zwischen vergangenen Taten, vergangenen Empfindungen, vergangenen Gedanken eines Menschen und zwischen gegenwärtigen und zukünftigen Erlebnissen, dieses nur im allgemeinen zu wissen, genügt eben durchaus nicht. Erst dann wird Geisteswissenschaft eine Lebenssache, wenn wir diese allgemeinen Lehren anwenden können auf die einzelnen Erfahrungen des Lebens, wenn wir imstande sind, unsere ganze Seele sozusagen einzustellen auf den Gesichtswinkel, durch den wir das Leben in einer neuen Art ansehen. Daher soll heute zunächst eine kleine Betrachtung angestellt werden über das Karmagesetz, jenes große Schicksalsgesetz in bezug auf Einzelheiten des Lebens. Dinge sollen zusammengefaßt werden vom Gesichtspunkte des Karmagesetzes, welche den meisten von Ihnen bereits bekannt sind, die aber auch einmal unter den Gesichtswinkel des Karma gerückt werden müssen.

[ 2 ] Nun, es entspricht vielleicht gewissen Glaubensbekenntnissen unserer Zeit, auch in bezug auf die Geistesforschung einen solchen kurzen Abriß für die Westentasche zu haben, um sich auf diese Weise das Wichtigste aneignen zu können. Aber das ist es ja, was wir uns immer mehr und mehr ins Gedächtnis rufen sollten, daß es mit einem solchen «Abriß-Wissen» in der Geistesforschung nicht getan ist — daß es überhaupt im Grunde nicht auf das Wissen ankommt, obwohl Geistesforschung in einem Wissen, in einer Erkenntnis besteht -, daß es nicht genügt, in allgemeinen Phrasen das Wesen der Geistesforschung zu sehen, sondern in ganz bestimmten Erkenntnissen. Aber wiederum genügt es doch nicht, sich diese Erkenntnisse etwa im Sinne der heutigen Zeit als eine allgemeine Überzeugung angeeignet zu haben und dann damit zufrieden zu sein. Denn nicht darum handelt es sich, eine solche Überzeugung einmal zu haben, zu wissen: Der Mensch lebt nicht nur einmal, es gibt Ursachenverhältnisse, welche von einem Leben in das andere hinübergehen, es gibt Reinkarnation und Karma. Das ist nicht das eigentlich Heilsame der Geistesforschung, diese Lehren zu verbreiten, sondern sich eingehend und intim mit diesen Lehren, namentlich in bezug auf ihre Einzelheiten immer wieder und wieder zu beschäftigen, sie unausgesetzt auf seine Seele wirken zu lassen. Denn man hat im Grunde von der Überzeugung gar nichts, die uns einfach glauben läßt: Ja, der Mensch lebt nicht nur einmal zwischen Geburt und Tod, er lebt öfter; es gibt eine Reinkarnation, ein Karma und so weiter. Von dem Glauben an diese Dinge hat man im Grunde nicht viel. Und es ist im Grunde zwischen der Seele eines Menschen, der nicht weiß, daß es eine Reinkarnation und ein Karma gibt, und zwischen der Seele eines solchen Menschen, der das weiß, kein sehr großer Unterschied in bezug auf die wirklichen Tiefen des Lebens. Unsere Seele wird im anthroposophischen Sinne erst dann eine andere, wenn wir uns immer wieder und wieder nicht nur mit den Allgemeinheiten, sondern mit den besonderen Tiefen beschäftigen, die uns die Geistesforschung zu sagen hat. So kommt es, daß es gut ist, wenn wir uns immer wieder verständigen in bezug auf die anthroposophische Auffassung dieser oder jener Lebenseinzelheit. Nur im allgemeinen zu wissen, daß es ein großes Schicksalsgesetz gibt, welches einen Zusammenhang schafft zwischen vergangenen Taten, vergangenen Empfindungen, vergangenen Gedanken eines Menschen und zwischen gegenwärtigen und zukünftigen Erlebnissen, dieses nur im allgemeinen zu wissen, genügt eben durchaus nicht. Erst dann wird Geisteswissenschaft eine Lebenssache, wenn wir diese allgemeinen Lehren anwenden können auf die einzelnen Erfahrungen des Lebens, wenn wir imstande sind, unsere ganze Seele sozusagen einzustellen auf den Gesichtswinkel, durch den wir das Leben in einer neuen Art ansehen. Daher soll heute zunächst eine kleine Betrachtung angestellt werden über das Karmagesetz, jenes große Schicksalsgesetz in bezug auf Einzelheiten des Lebens. Dinge sollen zusammengefaßt werden vom Gesichtspunkte des Karmagesetzes, welche den meisten von Ihnen bereits bekannt sind, die aber auch einmal unter den Gesichtswinkel des Karma gerückt werden müssen.

[ 3 ] «Karma» sagt im allgemeinen, daß es einen Zusammenhang gibt in der geistigen Welt zwischen dem, was heute geschieht und in der Zukunft geschehen wird, und dem, was in der Vergangenheit geschehen ist. Es ist nicht einmal ganz besonders gut, das Karma- oder Schicksalsgesetz das Gesetz der Verursachung zu nennen und es dann zu vergleichen mit dem Gesetz von Ursache und Wirkung in der äußeren Welt. Wenn wir einen Vergleich haben wollen für dieses große Schicksalsgesetz, so müssen wir immer auch darauf sehen, daß dieser Vergleich als solcher stimmt, daß er auch wirklich dasjenige veranschaulicht, was das Schicksalsgesetz sagt.

[ 3 ] «Karma» sagt im allgemeinen, daß es einen Zusammenhang gibt in der geistigen Welt zwischen dem, was heute geschieht und in der Zukunft geschehen wird, und dem, was in der Vergangenheit geschehen ist. Es ist nicht einmal ganz besonders gut, das Karma- oder Schicksalsgesetz das Gesetz der Verursachung zu nennen und es dann zu vergleichen mit dem Gesetz von Ursache und Wirkung in der äußeren Welt. Wenn wir einen Vergleich haben wollen für dieses große Schicksalsgesetz, so müssen wir immer auch darauf sehen, daß dieser Vergleich als solcher stimmt, daß er auch wirklich dasjenige veranschaulicht, was das Schicksalsgesetz sagt.

[ 4 ] Nehmen wir einmal als Vergleich folgendes. Wir haben zwei Gefäße mit Wasser und außerdem zwei Metallkugeln, die gewöhnliche Zimmerwärme haben. Wir werfen die eine Kugel in das eine Wassergefäß: Das Wasser bleibt, wie es ist. Jetzt nehmen wir die andere Kugel, und nachdem wir sie glühend gemacht haben, werfen wir sie in das andere Wassergefäß: Das Wasser darinnen wird heiß! Warum ist das Wasser in dem zweiten Gefäß heißer geworden? Warum nicht in dem ersten? Es ist heißer geworden aus dem Grunde, weil die Kugel selber, bevor sie in das Wasser hineingeworfen wurde, eine Veränderung durchgemacht hat, und die Veränderung durch das Glühendmachen hatte zur Folge die Erhitzung des Wassers. Es trat ein Geschehnis auf, das die Folge war eines anderen Freignisses, nämlich des Glühendmachens. Mit dem, was in der vorhergehenden Zeit Erlebnis, was Tätigkeit war, hängt dasjenige zusammen, was in der Gegenwart oder Zukunft als Erlebnis, als Erscheinung uns entgegentritt.

[ 4 ] Nehmen wir einmal als Vergleich folgendes. Wir haben zwei Gefäße mit Wasser und außerdem zwei Metallkugeln, die gewöhnliche Zimmerwärme haben. Wir werfen die eine Kugel in das eine Wassergefäß: Das Wasser bleibt, wie es ist. Jetzt nehmen wir die andere Kugel, und nachdem wir sie glühend gemacht haben, werfen wir sie in das andere Wassergefäß: Das Wasser darinnen wird heiß! Warum ist das Wasser in dem zweiten Gefäß heißer geworden? Warum nicht in dem ersten? Es ist heißer geworden aus dem Grunde, weil die Kugel selber, bevor sie in das Wasser hineingeworfen wurde, eine Veränderung durchgemacht hat, und die Veränderung durch das Glühendmachen hatte zur Folge die Erhitzung des Wassers. Es trat ein Geschehnis auf, das die Folge war eines anderen Freignisses, nämlich des Glühendmachens. Mit dem, was in der vorhergehenden Zeit Erlebnis, was Tätigkeit war, hängt dasjenige zusammen, was in der Gegenwart oder Zukunft als Erlebnis, als Erscheinung uns entgegentritt.

[ 5 ] Wenn wir das Gesetz der geistigen Zusammenhänge zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft in dieser Weise ins Auge fassen, so werden wir es schon im gewöhnlichen Leben, in dem Leben, das rings um uns herum abläuft und das wir beobachten können, wenn wir nur wollen, bestätigt finden, auch wenn wir noch lange nicht irgendwelche hellseherischen Fähigkeiten entwickelt haben. Denn das müssen wir ja immer wieder als eine goldene Regel feststellen: Richtig bewiesen werden kann ein Gesetz der geistigen Welt nur mit der hellseherischen Beobachtung, nur von dem Geistesforscher; dagegen belegt werden durch äußere Bestätigungen kann ein solches Gesetz durch die Erlebnisse der äußeren Welt immer. Allerdings, um das Karmagesetz im Leben bestätigt zu finden, dazu werden sich die Menschen angewöhnen müssen, schon das äußere Leben ein wenig genauer zu beobachten als das gewöhnlich geschieht. Denn die Menschen beobachten das Leben gewöhnlich nicht weiter als, bildlich gesprochen, ihre Nase reicht. Was etwas weiter weg liegt, das beobachten sie schon nicht mehr. Wer aber das äußere Leben tiefer beobachtet, der wird schon zwischen Geburt und Tod im Menschendasein das Karmagesetz wohl hinlänglich da oder dort bestätigt finden können.

[ 5 ] Wenn wir das Gesetz der geistigen Zusammenhänge zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft in dieser Weise ins Auge fassen, so werden wir es schon im gewöhnlichen Leben, in dem Leben, das rings um uns herum abläuft und das wir beobachten können, wenn wir nur wollen, bestätigt finden, auch wenn wir noch lange nicht irgendwelche hellseherischen Fähigkeiten entwickelt haben. Denn das müssen wir ja immer wieder als eine goldene Regel feststellen: Richtig bewiesen werden kann ein Gesetz der geistigen Welt nur mit der hellseherischen Beobachtung, nur von dem Geistesforscher; dagegen belegt werden durch äußere Bestätigungen kann ein solches Gesetz durch die Erlebnisse der äußeren Welt immer. Allerdings, um das Karmagesetz im Leben bestätigt zu finden, dazu werden sich die Menschen angewöhnen müssen, schon das äußere Leben ein wenig genauer zu beobachten als das gewöhnlich geschieht. Denn die Menschen beobachten das Leben gewöhnlich nicht weiter als, bildlich gesprochen, ihre Nase reicht. Was etwas weiter weg liegt, das beobachten sie schon nicht mehr. Wer aber das äußere Leben tiefer beobachtet, der wird schon zwischen Geburt und Tod im Menschendasein das Karmagesetz wohl hinlänglich da oder dort bestätigt finden können.

[ 6 ] Wir wollen uns möglichst an Konkretes halten; nehmen wir einmal den folgenden Fall an. Irgendein junger Mensch wäre im fünfzehnten Jahre seines Lebens durch irgendein Ereignis aus seiner bisherigen Lebensbahn herausgerissen worden. Sagen wir, er hätte durch die Lage seiner Eltern bis zum fünfzehnten Jahre studieren können, und er wäre im fünfzehnten Jahre genötigt worden, vielleicht dadurch, daß der Vater sein Vermögen verloren hat, den Kaufmannsstand zu ergreifen. Er ist also aus einem Lebensberuf heraus und in einen anderen hineingeworfen worden. Selbstverständlich handelt es sich nicht darum, irgendeinen Lebensberuf für wertvoller zu halten als einen anderen, sondern darum, daß eine Veränderung im Leben eintritt, wenn so etwas vor sich geht. Nun wird man wahrscheinlich, wenn man das Leben in dem heute gewöhnlichen, materialistischen Sinne betrachtet, nichts Erhebliches unter dem Einfluß einer solchen Erscheinung in dem Leben eines Menschen suchen und dann auch nicht finden. Wer aber genauer beobachtet, der wird finden, daß ein Mensch, der so in einen andern Beruf hineinkommt, zunächst durch die Abwechselung, die ihm der neue Beruf darbietet, Freude, Sympathie haben kann für seinen Beruf, daß er sozusagen mit Interesse hineinwächst in diesen seinen Beruf. Dann kann aber etwas Merkwürdiges auftreten. Was Seelenerlebnisse sind, was Sympathien und Antipathien sind im Berufe, das kann mit dem achtzehnten bis neunzehnten Jahre anfangen, eine andere Gestalt anzunehmen. Die Freude am Berufe kann aufhören, der Mensch kann anfangen, sich ganz anders zu verhalten zu seinem Beruf. Man wird in gewisser Weise ratlos sein gegenüber dem, was sich dann in der Seele eines solchen Menschen zuträgt, wenn man niemals etwas gehört hat von der Anthroposophie.

[ 6 ] Wir wollen uns möglichst an Konkretes halten; nehmen wir einmal den folgenden Fall an. Irgendein junger Mensch wäre im fünfzehnten Jahre seines Lebens durch irgendein Ereignis aus seiner bisherigen Lebensbahn herausgerissen worden. Sagen wir, er hätte durch die Lage seiner Eltern bis zum fünfzehnten Jahre studieren können, und er wäre im fünfzehnten Jahre genötigt worden, vielleicht dadurch, daß der Vater sein Vermögen verloren hat, den Kaufmannsstand zu ergreifen. Er ist also aus einem Lebensberuf heraus und in einen anderen hineingeworfen worden. Selbstverständlich handelt es sich nicht darum, irgendeinen Lebensberuf für wertvoller zu halten als einen anderen, sondern darum, daß eine Veränderung im Leben eintritt, wenn so etwas vor sich geht. Nun wird man wahrscheinlich, wenn man das Leben in dem heute gewöhnlichen, materialistischen Sinne betrachtet, nichts Erhebliches unter dem Einfluß einer solchen Erscheinung in dem Leben eines Menschen suchen und dann auch nicht finden. Wer aber genauer beobachtet, der wird finden, daß ein Mensch, der so in einen andern Beruf hineinkommt, zunächst durch die Abwechselung, die ihm der neue Beruf darbietet, Freude, Sympathie haben kann für seinen Beruf, daß er sozusagen mit Interesse hineinwächst in diesen seinen Beruf. Dann kann aber etwas Merkwürdiges auftreten. Was Seelenerlebnisse sind, was Sympathien und Antipathien sind im Berufe, das kann mit dem achtzehnten bis neunzehnten Jahre anfangen, eine andere Gestalt anzunehmen. Die Freude am Berufe kann aufhören, der Mensch kann anfangen, sich ganz anders zu verhalten zu seinem Beruf. Man wird in gewisser Weise ratlos sein gegenüber dem, was sich dann in der Seele eines solchen Menschen zuträgt, wenn man niemals etwas gehört hat von der Anthroposophie.

[ 7 ] Was ist denn da geschehen? Es ist das geschehen, daß der Mensch von dem fünfzehnten Jahre an, als er in einen neuen Beruf versetzt worden ist, sich mit Interesse in diesen Beruf hineingefunden hat. Dieses Interesse hat zunächst jene Empfindungen und Seelenstimmungen, die sich herangebildet haben, als dieser Mensch sich ganz anders betätigt hatte, zurückgeschoben. Dann kommt aber eine Zeit, wo das alles mit um so größerer Kraft durchbricht. Geradeso wie wenn man einen elastischen Körper gedrückt hat — man kann eine Weile drücken, dann aber schnellt die Masse um so stärker zurück -, so kann die Folge sein, daß die Interessen, die eine Weile zurückgeschoben worden sind, jetzt ganz besonders ausbrechen. Im achtzehnten bis neunzehnten Jahre bricht dann alles hervor, was sich an Empfindungen, an Stimmungen in die Seele hineingedrängt hat drei Jahre vor jener Veränderung, das heißt im achtzehnten bis neunzehnten Jahre alles dasjenige, was sich im elften bis zwölften Jahre in die Seele hineingedrängt hatte und so weiter. Und man findet sich nur zurecht im Leben eines Menschen, wenn man sich sagen kann: Da ist mit dem fünfzehnten Jahre ein Lebensknotenpunkt eingetreten, und es treten nach diesem Zeitpunkt Geschehnisse auf, welche in ihren Wirkungen nach außen ebenso viele Jahre später liegen, als ihre Ursachen ebenso viele Jahre vor diesem Knotenpunkt liegen.

[ 7 ] Was ist denn da geschehen? Es ist das geschehen, daß der Mensch von dem fünfzehnten Jahre an, als er in einen neuen Beruf versetzt worden ist, sich mit Interesse in diesen Beruf hineingefunden hat. Dieses Interesse hat zunächst jene Empfindungen und Seelenstimmungen, die sich herangebildet haben, als dieser Mensch sich ganz anders betätigt hatte, zurückgeschoben. Dann kommt aber eine Zeit, wo das alles mit um so größerer Kraft durchbricht. Geradeso wie wenn man einen elastischen Körper gedrückt hat — man kann eine Weile drücken, dann aber schnellt die Masse um so stärker zurück -, so kann die Folge sein, daß die Interessen, die eine Weile zurückgeschoben worden sind, jetzt ganz besonders ausbrechen. Im achtzehnten bis neunzehnten Jahre bricht dann alles hervor, was sich an Empfindungen, an Stimmungen in die Seele hineingedrängt hat drei Jahre vor jener Veränderung, das heißt im achtzehnten bis neunzehnten Jahre alles dasjenige, was sich im elften bis zwölften Jahre in die Seele hineingedrängt hatte und so weiter. Und man findet sich nur zurecht im Leben eines Menschen, wenn man sich sagen kann: Da ist mit dem fünfzehnten Jahre ein Lebensknotenpunkt eingetreten, und es treten nach diesem Zeitpunkt Geschehnisse auf, welche in ihren Wirkungen nach außen ebenso viele Jahre später liegen, als ihre Ursachen ebenso viele Jahre vor diesem Knotenpunkt liegen.

[ 8 ] Denken Sie einmal, wie man einem Menschen helfen kann in bezug auf Seelenstimmungen und Schwierigkeiten im Leben, wenn man in der Lage ist, sich zu fragen: Wo liegt ein solcher seelischer Knotenpunkt im Leben dieses Menschen? — Er kann sehr intim liegen. Wenn man aber auf einen solchen Knotenpunkt kommt, dann kann man zurückrechnen und hat dann eine geistige Wirkung ebenso viele Jahre nach diesem Lebensknotenpunkt, als man eine Ursache hat ebenso viele Jahre vor demselben. So bekommt man eine Anschauung von dem Karma. Die Erkenntnis hilft uns im Leben weiter und wir können uns sagen: Solche Ursachen und Wirkungen im Leben eines Menschen hängen nach bestimmten Zeiträumen zusammen, so daß sie sich nach einem bestimmten Zeitpunkt im Leben richten; und wenn wir von diesem Zeitpunkt vorwärts- und zurückzählen, so können wir den Zusammenhang von Ursache und Wirkung finden.

[ 8 ] Denken Sie einmal, wie man einem Menschen helfen kann in bezug auf Seelenstimmungen und Schwierigkeiten im Leben, wenn man in der Lage ist, sich zu fragen: Wo liegt ein solcher seelischer Knotenpunkt im Leben dieses Menschen? — Er kann sehr intim liegen. Wenn man aber auf einen solchen Knotenpunkt kommt, dann kann man zurückrechnen und hat dann eine geistige Wirkung ebenso viele Jahre nach diesem Lebensknotenpunkt, als man eine Ursache hat ebenso viele Jahre vor demselben. So bekommt man eine Anschauung von dem Karma. Die Erkenntnis hilft uns im Leben weiter und wir können uns sagen: Solche Ursachen und Wirkungen im Leben eines Menschen hängen nach bestimmten Zeiträumen zusammen, so daß sie sich nach einem bestimmten Zeitpunkt im Leben richten; und wenn wir von diesem Zeitpunkt vorwärts- und zurückzählen, so können wir den Zusammenhang von Ursache und Wirkung finden.

[ 9 ] Nun kann sich so etwas natürlich durch den Eintritt anderer Ereignisse verdecken. Es könnte zum Beispiel jemand kommen und sagen: Das Beispiel, das du uns da gegeben hast, stimmt nicht! Ich habe das gerade bei einem jungen Menschen erlebt, bei dem das nicht der Fall ist. — Ja, ich habe es auch schon erlebt, daß zwei Leute zusammen Billard spielten, da kam gerade der Kellner vorbei und stieß denjenigen an, der gerade am Spiel war, und die Kugel flog in einer ganz anderen Richtung, als sie sonst geflogen wäre. Aber deshalb ist das Gesetz der Verursachung nicht falsch, sondern es sind eben andere Verhältnisse eingetreten. Wir müssen aber dabei bedenken, daß wir das Gesetz niemals kennenlernen, wenn wir nicht von denjenigen Dingen absehen, welche das Gesetz stören. Es können nach dem fünfzehnten Jahre wiederum andere Umstände eintreten, welche das Gesetz durchkreuzen. Gesetze lernt man nicht dadurch kennen, daß man das Leben bloß beobachtet, sondern dadurch, daß man sich zunächst die richtige Art aneignet, die Erscheinungen des Lebens zusammenzubringen. Denn im Leben werden die Dinge fortwährend gestört, da zeigen sich die Gesetze nicht so leicht. Dennoch kann man das Leben nur regeln, wenn man die Gesetze so kennt, wie sie gefunden werden müssen. Wenn man die Einzelheiten kennt, so kann man sich bei einem jungen Menschen, der eine solche Umknickung des Lebens erfahren hat, sagen: Es ist eine Aufgabe des Erziehers, jetzt darauf zu achten! — Da wird das Karma ein Lebensgesetz, da tritt der Fall ein, wo man das Gesetz im Leben handhaben kann, da wird es erst nütze. Man wird vielleicht in einem solchen Fall dem Kinde, nachdem man ihm nicht mehr das geben kann, was man ihm vorher gegeben hat, jetzt erst ein Berater sein können. Aber das kann man nur sein, wenn man solche Zusammenhänge kennt, wenn man weiß, was dem Menschen fehlt und gerade dort eingreifen und wirken kann, wo der betreffende Mangel im Leben einsetzt. Wenn man das nicht weiß, kann man dem jungen Menschen kein Berater sein. Da wird das Karmagesetz zu einem Einschlag des Lebens, da lernt man ein Berater sein im Leben, wenn man das Karmagesetz als ein Lebensgesetz betrachtet.

[ 9 ] Nun kann sich so etwas natürlich durch den Eintritt anderer Ereignisse verdecken. Es könnte zum Beispiel jemand kommen und sagen: Das Beispiel, das du uns da gegeben hast, stimmt nicht! Ich habe das gerade bei einem jungen Menschen erlebt, bei dem das nicht der Fall ist. — Ja, ich habe es auch schon erlebt, daß zwei Leute zusammen Billard spielten, da kam gerade der Kellner vorbei und stieß denjenigen an, der gerade am Spiel war, und die Kugel flog in einer ganz anderen Richtung, als sie sonst geflogen wäre. Aber deshalb ist das Gesetz der Verursachung nicht falsch, sondern es sind eben andere Verhältnisse eingetreten. Wir müssen aber dabei bedenken, daß wir das Gesetz niemals kennenlernen, wenn wir nicht von denjenigen Dingen absehen, welche das Gesetz stören. Es können nach dem fünfzehnten Jahre wiederum andere Umstände eintreten, welche das Gesetz durchkreuzen. Gesetze lernt man nicht dadurch kennen, daß man das Leben bloß beobachtet, sondern dadurch, daß man sich zunächst die richtige Art aneignet, die Erscheinungen des Lebens zusammenzubringen. Denn im Leben werden die Dinge fortwährend gestört, da zeigen sich die Gesetze nicht so leicht. Dennoch kann man das Leben nur regeln, wenn man die Gesetze so kennt, wie sie gefunden werden müssen. Wenn man die Einzelheiten kennt, so kann man sich bei einem jungen Menschen, der eine solche Umknickung des Lebens erfahren hat, sagen: Es ist eine Aufgabe des Erziehers, jetzt darauf zu achten! — Da wird das Karma ein Lebensgesetz, da tritt der Fall ein, wo man das Gesetz im Leben handhaben kann, da wird es erst nütze. Man wird vielleicht in einem solchen Fall dem Kinde, nachdem man ihm nicht mehr das geben kann, was man ihm vorher gegeben hat, jetzt erst ein Berater sein können. Aber das kann man nur sein, wenn man solche Zusammenhänge kennt, wenn man weiß, was dem Menschen fehlt und gerade dort eingreifen und wirken kann, wo der betreffende Mangel im Leben einsetzt. Wenn man das nicht weiß, kann man dem jungen Menschen kein Berater sein. Da wird das Karmagesetz zu einem Einschlag des Lebens, da lernt man ein Berater sein im Leben, wenn man das Karmagesetz als ein Lebensgesetz betrachtet.

[ 10 ] Es liegen ja natürlich nicht nur solche Zusammenhänge im Leben vor, sondern das Karmagesetz zwischen Geburt und Tod lebt sich auch noch in einer anderen Weise aus. So besteht ein merkwürdiger Zusammenhang zwischen den Erlebnissen eines Menschen in der ersten Hälfte seines Lebens und denen in der zweiten Lebenshälfte, nur beobachten ihn die Menschen nicht. Beispielsweise lernt man einen Menschen kennen; er ist jung und man verliert ihn aus den Augen, bevor er in ein bestimmtes Alter gekommen ist. Oder man lernt einen Menschen in einem späteren Alter kennen und kennt dann nicht seine Jugend; oder wenn man vielleicht auch die Jugend kennt, so vergißt man das, was sich vor vielen Jahren zugetragen hat. Anfang und Ende des Lebens zu betrachten in den Fällen, wo einem das möglich ist, das würde die schönste Bestätigung des Karmagesetzes schon im Dasein zwischen Geburt und Tod liefern.

[ 10 ] Es liegen ja natürlich nicht nur solche Zusammenhänge im Leben vor, sondern das Karmagesetz zwischen Geburt und Tod lebt sich auch noch in einer anderen Weise aus. So besteht ein merkwürdiger Zusammenhang zwischen den Erlebnissen eines Menschen in der ersten Hälfte seines Lebens und denen in der zweiten Lebenshälfte, nur beobachten ihn die Menschen nicht. Beispielsweise lernt man einen Menschen kennen; er ist jung und man verliert ihn aus den Augen, bevor er in ein bestimmtes Alter gekommen ist. Oder man lernt einen Menschen in einem späteren Alter kennen und kennt dann nicht seine Jugend; oder wenn man vielleicht auch die Jugend kennt, so vergißt man das, was sich vor vielen Jahren zugetragen hat. Anfang und Ende des Lebens zu betrachten in den Fällen, wo einem das möglich ist, das würde die schönste Bestätigung des Karmagesetzes schon im Dasein zwischen Geburt und Tod liefern.

[ 11 ] Dabei erinnern Sie sich vielleicht an etwas, was in den öffentlichen Vorträgen gesagt worden ist, zum Beispiel über den Zorn, der als ein edler Zorn in der Jugend auftritt. Wir haben damals charakterisiert, wie ein junger Mensch noch nicht durchschauen kann eine Ungerechtigkeit, die sich in seiner Umgebung abspielt; sein Intellekt ist noch nicht reif genug dazu, um eine Ungerechtigkeit, die sich abspielt, vollständig zu durchschauen. Aber es ist durch die weise Weltenlenkung dafür gesorgt, daß wir ein Gefühlsurteil haben, bevor wir zu einem Verstandesurteil kommen können. Es regt sich bei einem guten Menschen, wenn die Anlagen dazu vorhanden sind, in der Kindheit, wenn eine Ungerechtigkeit vor sieht geht, ein edler Zorn, der einfach als Gefühl da ist, und der das einzige ist, wodurch die Seele die Ungerechtigkeit empfinden kann. Die Ungerechtigkeit mit dem Intellekt zu durchschauen, dazu ist der Mensch noch nicht reif. Wenn diese edle Zornesregung aber im Charakter eines Menschen vorhanden ist, dann sollen wir sie wohl beachten. Denn alles, was so als ein Gefühlsurteil gegenüber einer Ungerechtigkeit erlebt wird, das bleibt in der Seele. Dieser edle Zorn der Jugendjahre durchdringt die Seele und wandelt sich im Laufe des Lebens um. Und was sich so im Verlaufe des Lebens umwandelt, das tritt in einer anderen Gestalt in der zweiten Lebenshälfte wieder auf: Es tritt auf in einer Gefühlsneigung zur liebenden Milde und zum Segnen. Es wandelt sich also der edle Zorn der Jugend, der ersten Lebenshälfte um, so daß er im späteren Leben auftritt als liebende Milde, als segnende Gesinnung. Und wir werden nicht leicht finden — wenn alle anderen Dinge so stimmen, daß nichts die Sache stört —, daß in der zweiten Lebenshälfte des Menschen jene liebende, segenspendende Milde auftritt, ohne daß sie sich nicht in den Jugendjahren ausgedrückt hat durch einen edlen Zorn, verursacht über Torheit, über Dummheit, über Häßlichkeit im Leben. So haben wir einen karmischen Zusammenhang im gewöhnlichen Leben, und wir könnten ihn in ein Bild kleiden und sagen: Jene Hand, die sich nicht einmal auch in der ersten Lebenshälfte in edlem Zorn ballen konnte, wird sich nicht leicht zum Segnen ausstrecken können in der zweiten Lebenshälfte.

[ 11 ] Dabei erinnern Sie sich vielleicht an etwas, was in den öffentlichen Vorträgen gesagt worden ist, zum Beispiel über den Zorn, der als ein edler Zorn in der Jugend auftritt. Wir haben damals charakterisiert, wie ein junger Mensch noch nicht durchschauen kann eine Ungerechtigkeit, die sich in seiner Umgebung abspielt; sein Intellekt ist noch nicht reif genug dazu, um eine Ungerechtigkeit, die sich abspielt, vollständig zu durchschauen. Aber es ist durch die weise Weltenlenkung dafür gesorgt, daß wir ein Gefühlsurteil haben, bevor wir zu einem Verstandesurteil kommen können. Es regt sich bei einem guten Menschen, wenn die Anlagen dazu vorhanden sind, in der Kindheit, wenn eine Ungerechtigkeit vor sieht geht, ein edler Zorn, der einfach als Gefühl da ist, und der das einzige ist, wodurch die Seele die Ungerechtigkeit empfinden kann. Die Ungerechtigkeit mit dem Intellekt zu durchschauen, dazu ist der Mensch noch nicht reif. Wenn diese edle Zornesregung aber im Charakter eines Menschen vorhanden ist, dann sollen wir sie wohl beachten. Denn alles, was so als ein Gefühlsurteil gegenüber einer Ungerechtigkeit erlebt wird, das bleibt in der Seele. Dieser edle Zorn der Jugendjahre durchdringt die Seele und wandelt sich im Laufe des Lebens um. Und was sich so im Verlaufe des Lebens umwandelt, das tritt in einer anderen Gestalt in der zweiten Lebenshälfte wieder auf: Es tritt auf in einer Gefühlsneigung zur liebenden Milde und zum Segnen. Es wandelt sich also der edle Zorn der Jugend, der ersten Lebenshälfte um, so daß er im späteren Leben auftritt als liebende Milde, als segnende Gesinnung. Und wir werden nicht leicht finden — wenn alle anderen Dinge so stimmen, daß nichts die Sache stört —, daß in der zweiten Lebenshälfte des Menschen jene liebende, segenspendende Milde auftritt, ohne daß sie sich nicht in den Jugendjahren ausgedrückt hat durch einen edlen Zorn, verursacht über Torheit, über Dummheit, über Häßlichkeit im Leben. So haben wir einen karmischen Zusammenhang im gewöhnlichen Leben, und wir könnten ihn in ein Bild kleiden und sagen: Jene Hand, die sich nicht einmal auch in der ersten Lebenshälfte in edlem Zorn ballen konnte, wird sich nicht leicht zum Segnen ausstrecken können in der zweiten Lebenshälfte.

[ 12 ] Solche Dinge kann allerdings nur derjenige beobachten, der, wie gesagt, etwas weiter die Lebensbeobachtungen anstellt, als gerade seine Nase reicht. Aber man tut das ja im gewöhnlichen Leben nicht. Ich könnte an einem ganz trivialen Beispiel zeigen, wie wenig man dazu geneigt ist, solche Dinge im Leben zu beobachten.

[ 12 ] Solche Dinge kann allerdings nur derjenige beobachten, der, wie gesagt, etwas weiter die Lebensbeobachtungen anstellt, als gerade seine Nase reicht. Aber man tut das ja im gewöhnlichen Leben nicht. Ich könnte an einem ganz trivialen Beispiel zeigen, wie wenig man dazu geneigt ist, solche Dinge im Leben zu beobachten.

[ 13 ] Ich habe schon öfter erwähnt: Für denjenigen, der intime Lebenserkenntnisse sich erwerben will, gerade um okkulte Seelenverhältnisse zu vertiefen, für den ist es außerordentlich günstig, zum Beispiel unter anderem als Erzieher durch bestimmte Jahre hindurch gewirkt zu haben. Da lernt man in ganz anderer Weise die Seelen kennen als durch die gewöhnliche Schulpsychologie, die gewöhnlich für eine Seelenerkenntnis ganz wertlos ist. Seelenerkenntnis eignet man sich an, wenn man die Seele nicht nur beobachtet, sondern wenn man das Leben anderer unter eigener Verantwortung Jahre für Jahre selber zu leiten hat. Da lernt man auch intimer beobachten. Während meiner langjährigen Erziehertätigkeit konnte ich nicht nur diejenigen Kinder beobachten, welche mir gerade zur Erziehung anvertraut waren, sondern Sie wissen ja, da kommen bei Gelegenheiten verschiedene Familien zusammen, und dabei lernt man auch andere Kinder kennen, nicht nur Kinder in den verschiedensten Lebensaltern, sondern auch Kinder sozusagen von dem ersten Moment an, wo sie in die Welt treten.

[ 13 ] Ich habe schon öfter erwähnt: Für denjenigen, der intime Lebenserkenntnisse sich erwerben will, gerade um okkulte Seelenverhältnisse zu vertiefen, für den ist es außerordentlich günstig, zum Beispiel unter anderem als Erzieher durch bestimmte Jahre hindurch gewirkt zu haben. Da lernt man in ganz anderer Weise die Seelen kennen als durch die gewöhnliche Schulpsychologie, die gewöhnlich für eine Seelenerkenntnis ganz wertlos ist. Seelenerkenntnis eignet man sich an, wenn man die Seele nicht nur beobachtet, sondern wenn man das Leben anderer unter eigener Verantwortung Jahre für Jahre selber zu leiten hat. Da lernt man auch intimer beobachten. Während meiner langjährigen Erziehertätigkeit konnte ich nicht nur diejenigen Kinder beobachten, welche mir gerade zur Erziehung anvertraut waren, sondern Sie wissen ja, da kommen bei Gelegenheiten verschiedene Familien zusammen, und dabei lernt man auch andere Kinder kennen, nicht nur Kinder in den verschiedensten Lebensaltern, sondern auch Kinder sozusagen von dem ersten Moment an, wo sie in die Welt treten.

[ 14 ] Es ist jetzt vielleicht fünfundzwanzig bis dreißig Jahre her, da hatte man eine bestimmte Zeitlang in der Medizin - bei der Sie vielleicht auch schon bemerkt haben, wie sie eine von fünf zu fünf Jahren stetig sich ändernde Auffassung hat von dem, was dem Menschen «gesund» ist — eine ganz besondere Anschauung: nämlich die Anschauung, daß es besonders stärkend wäre für schwache Kinder, wenn man ihnen im Alter von drei, vier, fünf Jahren täglich ein tüchtiges Glas Rotwein verabreicht. Ich habe Kinder gesehen, die dieses Glas Rotwein bekommen haben, und auch solche, die es nicht bekommen haben. Ich konnte nun warten mit meinem Beobachten — denn selbstverständlich, die Medizin ist ja zunächst unfehlbar; gegen sie etwas auszusprechen, würde unter den Vorurteilen einer jeweiligen Gegenwart gar nicht viel fruchten -, ich konnte also mit meinen Beobachtungen warten. Die Kinder nun, welche damals von zwei bis fünf Jahren zu ihrer Stärkung täglich ihr Glas Rotwein bekommen haben, sind jetzt jüngere Leute von fünfundzwanzig bis siebenundzwanzig Jahren, und ich habe gefunden — denn ich habe wohl darauf geachtet, denn da erst zeigen sich die Wirkungen einer solchen Anschauung -, ich habe gefunden: alle die Kinder, welche ihren Rotwein bekommen haben, sind «Zappel-Philippe» geworden, ihr astralischer Leib zappelt, und sie können nicht viel mit ihm anfangen, sie wissen nicht, wie sie mit ihrem unwillkürlich sich regenden Seelenleben sich zurechtfinden sollen. Diejenigen dagegen, welche damals «leider», wie man sagte, nicht mit jenem Glas Rotwein gestärkt werden konnten, sind jetzt ganz in sich gefestigte Naturen geworden, die nun nicht so zappelig sind in ihrem astralischen Leib oder in ihrem Nervensystem, wie man es materialistisch ausdrückt.

[ 14 ] Es ist jetzt vielleicht fünfundzwanzig bis dreißig Jahre her, da hatte man eine bestimmte Zeitlang in der Medizin - bei der Sie vielleicht auch schon bemerkt haben, wie sie eine von fünf zu fünf Jahren stetig sich ändernde Auffassung hat von dem, was dem Menschen «gesund» ist — eine ganz besondere Anschauung: nämlich die Anschauung, daß es besonders stärkend wäre für schwache Kinder, wenn man ihnen im Alter von drei, vier, fünf Jahren täglich ein tüchtiges Glas Rotwein verabreicht. Ich habe Kinder gesehen, die dieses Glas Rotwein bekommen haben, und auch solche, die es nicht bekommen haben. Ich konnte nun warten mit meinem Beobachten — denn selbstverständlich, die Medizin ist ja zunächst unfehlbar; gegen sie etwas auszusprechen, würde unter den Vorurteilen einer jeweiligen Gegenwart gar nicht viel fruchten -, ich konnte also mit meinen Beobachtungen warten. Die Kinder nun, welche damals von zwei bis fünf Jahren zu ihrer Stärkung täglich ihr Glas Rotwein bekommen haben, sind jetzt jüngere Leute von fünfundzwanzig bis siebenundzwanzig Jahren, und ich habe gefunden — denn ich habe wohl darauf geachtet, denn da erst zeigen sich die Wirkungen einer solchen Anschauung -, ich habe gefunden: alle die Kinder, welche ihren Rotwein bekommen haben, sind «Zappel-Philippe» geworden, ihr astralischer Leib zappelt, und sie können nicht viel mit ihm anfangen, sie wissen nicht, wie sie mit ihrem unwillkürlich sich regenden Seelenleben sich zurechtfinden sollen. Diejenigen dagegen, welche damals «leider», wie man sagte, nicht mit jenem Glas Rotwein gestärkt werden konnten, sind jetzt ganz in sich gefestigte Naturen geworden, die nun nicht so zappelig sind in ihrem astralischen Leib oder in ihrem Nervensystem, wie man es materialistisch ausdrückt.

[ 15 ] Da haben wir einen solchen Zusammenhang im Leben. Er ist ja ein trivialer, nicht ein besonders das Karma illustrierender, aber er ist ein solcher, an dem wir sehen, daß Lebensbeobachtung nicht bloß so weit gehen soll, wie unsere Nase reicht, sondern daß sie weitere Zeiträume überschauen muß, und daß es nicht genügt, wenn man einmal festgestellt hat: Dieses oder jenes Mittel wirkt so oder so. Denn dasjenige, was da eigentlich angeregt wird, kann der wirkliche Beobachter erst nach vielen Jahren konstatieren. Nur die großen Lebenszusammenhänge, und alles, was uns anweist, die großen Lebenszusammenhänge zu suchen, kann uns in Wahrheit aufklären über die Art, wie Ursache und Wirkung im Menschenleben zusammenhängen. So muß man versuchen, auch in bezug auf die eigentlichen Seeleneigenschaften weiter auseinanderliegende Lebenserscheinungen zusammenzuhalten. Dann kann man das Gesetz vom Karma auch schon zwischen Geburt und Tod sehen, dann findet man sehr häufig, wie die Ereignisse des späteren Alters zusammenhängen mit dem, was in der ersten Lebenshälfte erlebt worden ist.

[ 15 ] Da haben wir einen solchen Zusammenhang im Leben. Er ist ja ein trivialer, nicht ein besonders das Karma illustrierender, aber er ist ein solcher, an dem wir sehen, daß Lebensbeobachtung nicht bloß so weit gehen soll, wie unsere Nase reicht, sondern daß sie weitere Zeiträume überschauen muß, und daß es nicht genügt, wenn man einmal festgestellt hat: Dieses oder jenes Mittel wirkt so oder so. Denn dasjenige, was da eigentlich angeregt wird, kann der wirkliche Beobachter erst nach vielen Jahren konstatieren. Nur die großen Lebenszusammenhänge, und alles, was uns anweist, die großen Lebenszusammenhänge zu suchen, kann uns in Wahrheit aufklären über die Art, wie Ursache und Wirkung im Menschenleben zusammenhängen. So muß man versuchen, auch in bezug auf die eigentlichen Seeleneigenschaften weiter auseinanderliegende Lebenserscheinungen zusammenzuhalten. Dann kann man das Gesetz vom Karma auch schon zwischen Geburt und Tod sehen, dann findet man sehr häufig, wie die Ereignisse des späteren Alters zusammenhängen mit dem, was in der ersten Lebenshälfte erlebt worden ist.

[ 16 ] Erinnern Sie sich auch noch an das, was über die Mission der Andacht gesagt worden ist, über die Wichtigkeit, mit dem Gefühl der Verehrung hinaufschauen zu können zu irgendeinem Wesen, zu irgendeiner Erscheinung, die man noch nicht versteht, die man verehrt gerade deshalb, weil man ihr mit dem Verstande noch nicht gewachsen ist. Und immer gern mache ich darauf aufmerksam, wie schön es ist, wenn der Mensch sich sagen kann: Ich habe einmal als Kind gehört von einem besonders verehrungswürdigen Familienmitgliede, das man ungeheuer verehrt hatte. Ich hatte es noch nicht gesehen, aber eine tiefe Ehrfurcht war in mir für diese Persönlichkeit vorhanden. Dann wurde ich einmal, als die Gelegenheit gekommen war, zu diesem verehrten Familienmitgliede hingeführt. Und mit innerster, heiliger Scheu legte ich die Hand auf die Türklinke zu dem Zimmer, wo diese bedeutsame Persönlichkeit erscheinen sollte!

[ 16 ] Erinnern Sie sich auch noch an das, was über die Mission der Andacht gesagt worden ist, über die Wichtigkeit, mit dem Gefühl der Verehrung hinaufschauen zu können zu irgendeinem Wesen, zu irgendeiner Erscheinung, die man noch nicht versteht, die man verehrt gerade deshalb, weil man ihr mit dem Verstande noch nicht gewachsen ist. Und immer gern mache ich darauf aufmerksam, wie schön es ist, wenn der Mensch sich sagen kann: Ich habe einmal als Kind gehört von einem besonders verehrungswürdigen Familienmitgliede, das man ungeheuer verehrt hatte. Ich hatte es noch nicht gesehen, aber eine tiefe Ehrfurcht war in mir für diese Persönlichkeit vorhanden. Dann wurde ich einmal, als die Gelegenheit gekommen war, zu diesem verehrten Familienmitgliede hingeführt. Und mit innerster, heiliger Scheu legte ich die Hand auf die Türklinke zu dem Zimmer, wo diese bedeutsame Persönlichkeit erscheinen sollte!

[ 17 ] Jenem Gefühl andächtiger Verehrung wird man dankbar sein im späteren Leben, denn man verdankt ungeheuer viel dem, daß man in der ersten Hälfte des Lebens hat verehren können. Und andächtige Verehrung ist ganz besonders gut in jedem Leben. Ich habe schon Menschen gekannt, die aufmerksam gemacht worden sind auf das Gefühl andächtiger Verehrung gegenüber einem Geistig-Göttlichen, und die dagegen einwandten: Ich bin Atheist, ich kann kein Geistiges verehren. — Solchen Menschen kann man sagen: Sieh dir einmal den Sternenhimmel an! Kannst du ihn machen? Sieh dir den weisheitsvollen Bau an und denke dir: Da kann man hineinsenken ein Gefühl wahrer echter Ehrfurcht! — Es gibt viel in der Welt, dem wir nicht mit dem Verstande gewachsen sind, aber zu dem wir verehrend aufschauen können. Und besonders in der Jugend ist viel vorhanden, zu dem wir andächtig hinaufschauen können, ohne daß wir es zu erkennen vermögen.

[ 17 ] Jenem Gefühl andächtiger Verehrung wird man dankbar sein im späteren Leben, denn man verdankt ungeheuer viel dem, daß man in der ersten Hälfte des Lebens hat verehren können. Und andächtige Verehrung ist ganz besonders gut in jedem Leben. Ich habe schon Menschen gekannt, die aufmerksam gemacht worden sind auf das Gefühl andächtiger Verehrung gegenüber einem Geistig-Göttlichen, und die dagegen einwandten: Ich bin Atheist, ich kann kein Geistiges verehren. — Solchen Menschen kann man sagen: Sieh dir einmal den Sternenhimmel an! Kannst du ihn machen? Sieh dir den weisheitsvollen Bau an und denke dir: Da kann man hineinsenken ein Gefühl wahrer echter Ehrfurcht! — Es gibt viel in der Welt, dem wir nicht mit dem Verstande gewachsen sind, aber zu dem wir verehrend aufschauen können. Und besonders in der Jugend ist viel vorhanden, zu dem wir andächtig hinaufschauen können, ohne daß wir es zu erkennen vermögen.

[ 18 ] Andacht in der ersten Lebenshälfte verwandelt sich nun wieder in eine ganz besondere Lebenseigenschaft in der zweiten Hälfte. Wir haben wohl alle schon von Persönlichkeiten gehört, die durch das, was sie sind, etwas wie eine Wohltat sind für ihre Umgebung. Sie brauchen gar nicht etwas Besonderes zu reden, sie brauchen nur da zu sein. Es ist, wie wenn durch die ganze Art und Weise ihres Wesens etwas Unsichtbares von ihnen ausströmte und sich den anderen Seelen mitteilte. Ihre ganze Art wirkt wohltuend und beseligend auf die Umgebung. Wem verdanken solche Menschen diese Kraft, durch ihre seelischen Eigenschaften wohltuend auf ihre Umgebung zu wirken? Dem Umstande verdanken sie es, daß sie in der Jugend haben erleben dürfen ein Leben der Andacht, daß sie viel Andacht gehabt haben in der ersten Lebenshälfte. Andacht in der ersten Lebenshälfte verwandelt sich in die Kraft, unsichtbar segnend und wohltuend zu wirken in der zweiten Lebenshälfte.

[ 18 ] Andacht in der ersten Lebenshälfte verwandelt sich nun wieder in eine ganz besondere Lebenseigenschaft in der zweiten Hälfte. Wir haben wohl alle schon von Persönlichkeiten gehört, die durch das, was sie sind, etwas wie eine Wohltat sind für ihre Umgebung. Sie brauchen gar nicht etwas Besonderes zu reden, sie brauchen nur da zu sein. Es ist, wie wenn durch die ganze Art und Weise ihres Wesens etwas Unsichtbares von ihnen ausströmte und sich den anderen Seelen mitteilte. Ihre ganze Art wirkt wohltuend und beseligend auf die Umgebung. Wem verdanken solche Menschen diese Kraft, durch ihre seelischen Eigenschaften wohltuend auf ihre Umgebung zu wirken? Dem Umstande verdanken sie es, daß sie in der Jugend haben erleben dürfen ein Leben der Andacht, daß sie viel Andacht gehabt haben in der ersten Lebenshälfte. Andacht in der ersten Lebenshälfte verwandelt sich in die Kraft, unsichtbar segnend und wohltuend zu wirken in der zweiten Lebenshälfte.

[ 19 ] Da haben wir wiederum einen karmischen Zusammenhang, der sich zwischen Geburt und Tod klar und deutlich ausdrückt, wenn man ihn nur beobachtet. Und im Grunde genommen war es aus einem schönen karmischen Gefühl heraus gesprochen, als Goethe zum Motto eines seiner Werke die schönen Worte wählte: «Was man in der Jugend wünscht, hat man im Alter die Fülle!» — Freilich, wenn man nur kurze Zusammenhänge im Leben beobachtet, wird man oft von unbefriedigten Wünschen sprechen können; wenn man große Zusammenhänge betrachtet, weniger.

[ 19 ] Da haben wir wiederum einen karmischen Zusammenhang, der sich zwischen Geburt und Tod klar und deutlich ausdrückt, wenn man ihn nur beobachtet. Und im Grunde genommen war es aus einem schönen karmischen Gefühl heraus gesprochen, als Goethe zum Motto eines seiner Werke die schönen Worte wählte: «Was man in der Jugend wünscht, hat man im Alter die Fülle!» — Freilich, wenn man nur kurze Zusammenhänge im Leben beobachtet, wird man oft von unbefriedigten Wünschen sprechen können; wenn man große Zusammenhänge betrachtet, weniger.

[ 20 ] Alle diese Dinge, die so charakterisiert worden sind, können nun wiederum übergehen in echte Lebenspraxis. Und im Grunde kann nur der, welcher das Leben so geisteswissenschaftlich ansieht, ein richtiger Erzieher sein. Denn er wird in der ersten Lebenshälfte dem Menschen dasjenige geben können, von dem er weiß, daß dieser es in der zweiten Hälfte anwenden kann. Heute weiß man nichts von jener Verantwortung, die man übernimmt, wenn man dieses oder jenes dem jungen Menschen einimpft. Aber heute ist es so gebräuchlich geworden, über diese Dinge von oben herab zu sprechen, sozusagen von dem hohen Pferd des materialistischen Denkens aus über diese Dinge zu sprechen. Und ich möchte Ihnen diese eben getane Behauptung illustrieren durch eine kleine Erfahrung, welche hier in Berlin von uns selber gemacht worden ist.

[ 20 ] Alle diese Dinge, die so charakterisiert worden sind, können nun wiederum übergehen in echte Lebenspraxis. Und im Grunde kann nur der, welcher das Leben so geisteswissenschaftlich ansieht, ein richtiger Erzieher sein. Denn er wird in der ersten Lebenshälfte dem Menschen dasjenige geben können, von dem er weiß, daß dieser es in der zweiten Hälfte anwenden kann. Heute weiß man nichts von jener Verantwortung, die man übernimmt, wenn man dieses oder jenes dem jungen Menschen einimpft. Aber heute ist es so gebräuchlich geworden, über diese Dinge von oben herab zu sprechen, sozusagen von dem hohen Pferd des materialistischen Denkens aus über diese Dinge zu sprechen. Und ich möchte Ihnen diese eben getane Behauptung illustrieren durch eine kleine Erfahrung, welche hier in Berlin von uns selber gemacht worden ist.

[ 21 ] Da kam einmal ein Besucher, so einer, der glaubt, wenn er nur einmal, einmal im Leben, eine oder zwei Versammlungen sich anhört, dann hat er ein Urteil über die Sache. Insbesondere suchen solche Leute ein Urteil über ähnliche geistige Bewegungen, wie die unsere es ist, in der Art zu gewinnen, daß sie nachher «sachgemäß» über die Sache schreiben können. Diejenigen, welche heute die Welt mit Zeitungsartikeln versorgen wollen, sie haben gerade den Glauben, daß man sich in dieser Weise ein Urteil über etwas verschafft. Man geht einmal hin, und dann weiß man, was los ist! — Dieser Besucher, den ich meine, der hat auch geschrieben, und es war putzig, als einmal in einer amerikanischen Zeitschrift über eine Zweigversammlung bei uns gelesen werden konnte. Natürlich war auch die Beschreibung recht merkwürdig zutreffend. Aber wie gesagt: Was man geisteswissenschaftlich wirklich erfassen will, das kann man sich natürlich auf diese Weise durchaus nicht aneignen, sondern man muß sich klar sein, daß man nur dann in das spirituelle Leben hineinkommt, wenn man den Willen hat, die Einzelheiten wirklich mitzuerleben und durchzumachen.

[ 21 ] Da kam einmal ein Besucher, so einer, der glaubt, wenn er nur einmal, einmal im Leben, eine oder zwei Versammlungen sich anhört, dann hat er ein Urteil über die Sache. Insbesondere suchen solche Leute ein Urteil über ähnliche geistige Bewegungen, wie die unsere es ist, in der Art zu gewinnen, daß sie nachher «sachgemäß» über die Sache schreiben können. Diejenigen, welche heute die Welt mit Zeitungsartikeln versorgen wollen, sie haben gerade den Glauben, daß man sich in dieser Weise ein Urteil über etwas verschafft. Man geht einmal hin, und dann weiß man, was los ist! — Dieser Besucher, den ich meine, der hat auch geschrieben, und es war putzig, als einmal in einer amerikanischen Zeitschrift über eine Zweigversammlung bei uns gelesen werden konnte. Natürlich war auch die Beschreibung recht merkwürdig zutreffend. Aber wie gesagt: Was man geisteswissenschaftlich wirklich erfassen will, das kann man sich natürlich auf diese Weise durchaus nicht aneignen, sondern man muß sich klar sein, daß man nur dann in das spirituelle Leben hineinkommt, wenn man den Willen hat, die Einzelheiten wirklich mitzuerleben und durchzumachen.

[ 22 ] Nun habe ich das ganze nur erzählt, um das Urteil des betreffenden Besuchers zu charakterisieren, das er gefällt hat und mit dem er nicht hinter dem Berge gehalten hat. Dieser Besucher sagte: An der Geisteswissenschaft gefalle ihm das nicht, daß sie alles so einteile; daß man die Welt einteile in physische Welt, astralische Welt, devachanische Welt und so weiter. Warum solle man das tun, alles so einteilen? — Das hatte er alles aus ein oder zwei Besuchen. Wie erschrecklich müßte es erst auf ihn gewirkt haben, wenn er auch noch die andern Einteilungen gehört hätte! Der betreffende Besucher war der Anschauung, man brauche nicht die Dinge so zu betrachten, sondern man rede «im allgemeinen» über die geistige Welt, warum soll man da erst in Klassen unterscheiden? — So redet man heute auf dem Gebiet der Erziehung, so redet man auf allen Gebieten des Lebens, so redet im Grunde genommen auch die heutige Wissenschaft. Aus der Willkür der Lebensbeobachtung, nicht aus der sachgemäßen Erforschung der einzelnen Lebenserscheinungen redet die Welt herum. Daher ist es auch so schrecklich, wie auf jemanden, der die Welt wirklich betrachten kann, solche Reformen und Programmreden wirken müssen, denn sie verursachen etwas, was man vergleichen kann mit einem furchtbaren physischen Schmerz. Man braucht heute nur ein gewöhnliches wissenschaftliches Buch in die Hand zu nehmen. Da mögen die Beobachtungen noch so gewissenhaft ausgeführt sein, die Art und Weise, wie die Dinge dargestellt sind, ist einfach furchtbar, weil gar kein Begriff dafür vorhanden ist, wie die Erscheinungen beobachtet werden sollen. Und so bewundert man heute auch mancherlei Menschen, die aus der Willkür dies oder jenes, weil es ihnen gerade einfällt, in die Welt hinausschreien. | Das gerade ist wichtig, daß sich der Anthroposoph das Bewußtsein aneignet, daß das Leben bis in die Einzelheiten genau nach jenen Methoden beobachtet werden sollte, welche uns das Karma und die anderen Lebensgesetze für die Lebenspraxis an die Hand geben. Daher können wir einen Segen für die zukünftige Entwickelung der Menschheit, auch in bezug auf Erziehungsfragen, nur dann erhoffen, wenn die anthroposophische Anschauung eindringt auch in die Grundsätze der Erziehung. Karma ist etwas, was zugleich eine feste Stütze gibt zum Beispiel für alle Lebensbeobachtung, die auf Erziehung eingeht.

[ 22 ] Nun habe ich das ganze nur erzählt, um das Urteil des betreffenden Besuchers zu charakterisieren, das er gefällt hat und mit dem er nicht hinter dem Berge gehalten hat. Dieser Besucher sagte: An der Geisteswissenschaft gefalle ihm das nicht, daß sie alles so einteile; daß man die Welt einteile in physische Welt, astralische Welt, devachanische Welt und so weiter. Warum solle man das tun, alles so einteilen? — Das hatte er alles aus ein oder zwei Besuchen. Wie erschrecklich müßte es erst auf ihn gewirkt haben, wenn er auch noch die andern Einteilungen gehört hätte! Der betreffende Besucher war der Anschauung, man brauche nicht die Dinge so zu betrachten, sondern man rede «im allgemeinen» über die geistige Welt, warum soll man da erst in Klassen unterscheiden? — So redet man heute auf dem Gebiet der Erziehung, so redet man auf allen Gebieten des Lebens, so redet im Grunde genommen auch die heutige Wissenschaft. Aus der Willkür der Lebensbeobachtung, nicht aus der sachgemäßen Erforschung der einzelnen Lebenserscheinungen redet die Welt herum. Daher ist es auch so schrecklich, wie auf jemanden, der die Welt wirklich betrachten kann, solche Reformen und Programmreden wirken müssen, denn sie verursachen etwas, was man vergleichen kann mit einem furchtbaren physischen Schmerz. Man braucht heute nur ein gewöhnliches wissenschaftliches Buch in die Hand zu nehmen. Da mögen die Beobachtungen noch so gewissenhaft ausgeführt sein, die Art und Weise, wie die Dinge dargestellt sind, ist einfach furchtbar, weil gar kein Begriff dafür vorhanden ist, wie die Erscheinungen beobachtet werden sollen. Und so bewundert man heute auch mancherlei Menschen, die aus der Willkür dies oder jenes, weil es ihnen gerade einfällt, in die Welt hinausschreien. | Das gerade ist wichtig, daß sich der Anthroposoph das Bewußtsein aneignet, daß das Leben bis in die Einzelheiten genau nach jenen Methoden beobachtet werden sollte, welche uns das Karma und die anderen Lebensgesetze für die Lebenspraxis an die Hand geben. Daher können wir einen Segen für die zukünftige Entwickelung der Menschheit, auch in bezug auf Erziehungsfragen, nur dann erhoffen, wenn die anthroposophische Anschauung eindringt auch in die Grundsätze der Erziehung. Karma ist etwas, was zugleich eine feste Stütze gibt zum Beispiel für alle Lebensbeobachtung, die auf Erziehung eingeht.

[ 23 ] Da ist es zum Beispiel unendlich wichtig, daß wir wissen, wie eine gewisse Erscheinung in der Erziehung karmisch zusammenhängt, die sich in der Ansicht ausdrückt: Wenn ein Kind sich richtig entwickelt, muß es so oder so werden. Mir gefällt das für das Leben! Und jetzt denkt man, das Kind sei ein Sack, und da könnte man alles hineinstopfen, was man gerade für das Richtige hält. Man prägt seine Wesenheit und was man selbst als Sympathie oder Antipathie empfindet, dem Kinde auf. Würde man wissen, was das im karmischen Zusammenhange ergibt, so würde man die Sache anders ansehen. Man würde sehen, daß dasjenige, was so in das Kind wie in einen Sack hineingestopft worden ist, sich karmisch dahin erfüllt, daß es den Menschen dürr und trocken macht, daß es das Kind frühzeitig altern macht und gerade das Zentrum seines Wesens ertötet. Wir müssen, falls wir ein Kind erziehen wollen, sozusagen indirekt an das Kind herantreten, wenn wir glauben, daß es diese oder jene Eigenschaft sich aneignen soll. Da sollte man nicht dafür sorgen, diese oder jene Eigenschaft dem Kinde einzupfropfen, sondern man muß zuerst ein Bedürfnis erregen für diese Eigenschaft, ein Verlangen in dem Kinde erregen, diese Eigenschaft sich anzueignen. Wir müssen also dabei um einen Grad weiter zurückgehen. Wir müssen sogar, wenn wir wissen, es ist einem Kinde dieses oder jenes als Speise gut, sie ihm nicht aufzwingen, sondern dafür sorgen, daß es zuerst Geschmack dafür empfindet, so daß es selbst diese Speise verlangt. Wir müssen Verlangen und Begierde regeln, damit das Kind von sich aus verlangt, was für es gut ist. Das ist eine andere Art als die, alles wie in einen Sack hineinzupacken und zu sagen: Also hinein damit! Wenn wir also zuerst die Bedürfnisse regeln, treffen wir den Lebenskern des Kindes, und dann werden wir sehen, daß sich das in der zweiten Hälfte des Lebens karmisch erfüllt, indem’ der Mensch wiederum Lebensfreude, Lebenskraft ausstrahlt, so daß ein solcher Mensch in der zweiten Lebenshälfte nicht dürr und trocken ist, sondern lebendig bleibt aus dem Zentrum seines Wesens heraus.

[ 23 ] Da ist es zum Beispiel unendlich wichtig, daß wir wissen, wie eine gewisse Erscheinung in der Erziehung karmisch zusammenhängt, die sich in der Ansicht ausdrückt: Wenn ein Kind sich richtig entwickelt, muß es so oder so werden. Mir gefällt das für das Leben! Und jetzt denkt man, das Kind sei ein Sack, und da könnte man alles hineinstopfen, was man gerade für das Richtige hält. Man prägt seine Wesenheit und was man selbst als Sympathie oder Antipathie empfindet, dem Kinde auf. Würde man wissen, was das im karmischen Zusammenhange ergibt, so würde man die Sache anders ansehen. Man würde sehen, daß dasjenige, was so in das Kind wie in einen Sack hineingestopft worden ist, sich karmisch dahin erfüllt, daß es den Menschen dürr und trocken macht, daß es das Kind frühzeitig altern macht und gerade das Zentrum seines Wesens ertötet. Wir müssen, falls wir ein Kind erziehen wollen, sozusagen indirekt an das Kind herantreten, wenn wir glauben, daß es diese oder jene Eigenschaft sich aneignen soll. Da sollte man nicht dafür sorgen, diese oder jene Eigenschaft dem Kinde einzupfropfen, sondern man muß zuerst ein Bedürfnis erregen für diese Eigenschaft, ein Verlangen in dem Kinde erregen, diese Eigenschaft sich anzueignen. Wir müssen also dabei um einen Grad weiter zurückgehen. Wir müssen sogar, wenn wir wissen, es ist einem Kinde dieses oder jenes als Speise gut, sie ihm nicht aufzwingen, sondern dafür sorgen, daß es zuerst Geschmack dafür empfindet, so daß es selbst diese Speise verlangt. Wir müssen Verlangen und Begierde regeln, damit das Kind von sich aus verlangt, was für es gut ist. Das ist eine andere Art als die, alles wie in einen Sack hineinzupacken und zu sagen: Also hinein damit! Wenn wir also zuerst die Bedürfnisse regeln, treffen wir den Lebenskern des Kindes, und dann werden wir sehen, daß sich das in der zweiten Hälfte des Lebens karmisch erfüllt, indem’ der Mensch wiederum Lebensfreude, Lebenskraft ausstrahlt, so daß ein solcher Mensch in der zweiten Lebenshälfte nicht dürr und trocken ist, sondern lebendig bleibt aus dem Zentrum seines Wesens heraus.

[ 24 ] Wenn wir so das Karmagesetz betrachten, werden wir uns sagen, es genügt nicht, wenn wir in ein Büchelchen hineingeschrieben haben: Es gibt ein Karmagesetz, einen Zusammenhang zwischen Früherem und Späterem -, sondern wir müssen das Leben unter dem Gesichtspunkt des Karmagesetzes betrachten. Erst wenn man in die Einzelheiten des Lebens hinaufkommt, ist Anthroposophie in der wahren Gestalt da, dann muß man aber auch den Willen haben, immer wieder und wieder zu arbeiten, das heißt, niemals wieder von ihr abzukommen. Man muß Zeit finden, die Erscheinungen des Lebens in den Gesichtspunkt der Anthroposophie zu rücken.

[ 24 ] Wenn wir so das Karmagesetz betrachten, werden wir uns sagen, es genügt nicht, wenn wir in ein Büchelchen hineingeschrieben haben: Es gibt ein Karmagesetz, einen Zusammenhang zwischen Früherem und Späterem -, sondern wir müssen das Leben unter dem Gesichtspunkt des Karmagesetzes betrachten. Erst wenn man in die Einzelheiten des Lebens hinaufkommt, ist Anthroposophie in der wahren Gestalt da, dann muß man aber auch den Willen haben, immer wieder und wieder zu arbeiten, das heißt, niemals wieder von ihr abzukommen. Man muß Zeit finden, die Erscheinungen des Lebens in den Gesichtspunkt der Anthroposophie zu rücken.

[ 25 ] Das waren einige solche Gesichtspunkte, die Zusammenhänge innerhalb des Lebens zwischen Geburt und Tod zeigen sollten. Nun können wir allerdings das Karmagesetz auch hinreichend verfolgen bis jenseits von Geburt und Tod, ein Leben mit dem anderen, oder den anderen verbindend. Was wir heute in diesem Leben zwischen Geburt und Tod erfahren, das müssen wir auch anknüpfen an Dinge, die früher von uns erlebt wurden, oder im späteren Leben von uns erlebt werden. Da könnten wieder unzählige Einzelheiten angeführt werden. Ich möchte mich heute damit begnügen, eine wichtige Lebensfrage vom karmischen Gesichtspunkte aus zu beleuchten, insofern Karma hineinreicht von einem Leben in das andere, und zwar die Frage nach Gesundheit und Krankheit, und namentlich nach der letzteren.

[ 25 ] Das waren einige solche Gesichtspunkte, die Zusammenhänge innerhalb des Lebens zwischen Geburt und Tod zeigen sollten. Nun können wir allerdings das Karmagesetz auch hinreichend verfolgen bis jenseits von Geburt und Tod, ein Leben mit dem anderen, oder den anderen verbindend. Was wir heute in diesem Leben zwischen Geburt und Tod erfahren, das müssen wir auch anknüpfen an Dinge, die früher von uns erlebt wurden, oder im späteren Leben von uns erlebt werden. Da könnten wieder unzählige Einzelheiten angeführt werden. Ich möchte mich heute damit begnügen, eine wichtige Lebensfrage vom karmischen Gesichtspunkte aus zu beleuchten, insofern Karma hineinreicht von einem Leben in das andere, und zwar die Frage nach Gesundheit und Krankheit, und namentlich nach der letzteren.

[ 26 ] Es könnte mancher glauben, wenn er von irgendeiner Krankheit befallen wird, so wäre es im Sinne des Karma richtig, zu sagen: Ich habe sie eben verdient, das ist mein Schicksal! — Aber damit allein ist das Karmagesetz gar nicht immer in der richtigen Weise charakterisiert. Bei einer Krankheit müssen wir uns erst klar sein, worinnen eigentlich ihr Wesen, geistig erfaßt, liegt. Da tun wir gut, wenn wir uns zunächst einmal damit beschäftigen, worinnen zum Beispiel das Wesen eines Schmerzes besteht. Von da aus werden wir dann überleiten können zu einem geistigen Verständnis der Krankheit.

[ 26 ] Es könnte mancher glauben, wenn er von irgendeiner Krankheit befallen wird, so wäre es im Sinne des Karma richtig, zu sagen: Ich habe sie eben verdient, das ist mein Schicksal! — Aber damit allein ist das Karmagesetz gar nicht immer in der richtigen Weise charakterisiert. Bei einer Krankheit müssen wir uns erst klar sein, worinnen eigentlich ihr Wesen, geistig erfaßt, liegt. Da tun wir gut, wenn wir uns zunächst einmal damit beschäftigen, worinnen zum Beispiel das Wesen eines Schmerzes besteht. Von da aus werden wir dann überleiten können zu einem geistigen Verständnis der Krankheit.

[ 27 ] Worinnen besteht das Wesen des Schmerzes? Wir wollen jetzt einen ganz äußeren physischen Schmerz betrachten, zum Beispiel, wenn wir uns in den Finger geschnitten haben. Warum schmerzt es? Wir werden niemals geistig uns über das Wesen des Schmerzes aufklären können, wenn wir nicht wissen, daß dieser physische Finger durchdrungen ist von einem Ätherfinger und von einem astralischen Finger. Was nun der physische Finger darstellt, wie er geformt ist, wie das Blut in ihm fließt, wie die Nerven verlaufen, das hat alles der Ätherfinger geformt. Er ist der Bildner und besorgt heute noch immer, daß die Nerven in der entsprechenden Weise angeordnet sind, daß das Blut richtig fließt und so weiter. Wie nun der Ätherleib daran formt, das wird geregelt durch den astralischen Leib, der das Ganze durchdringt. Warum es uns nun schmerzt, wenn wir uns in den Finger geschnitten haben, das wollen wir uns durch einen äußeren Vergleich klarmachen.

[ 27 ] Worinnen besteht das Wesen des Schmerzes? Wir wollen jetzt einen ganz äußeren physischen Schmerz betrachten, zum Beispiel, wenn wir uns in den Finger geschnitten haben. Warum schmerzt es? Wir werden niemals geistig uns über das Wesen des Schmerzes aufklären können, wenn wir nicht wissen, daß dieser physische Finger durchdrungen ist von einem Ätherfinger und von einem astralischen Finger. Was nun der physische Finger darstellt, wie er geformt ist, wie das Blut in ihm fließt, wie die Nerven verlaufen, das hat alles der Ätherfinger geformt. Er ist der Bildner und besorgt heute noch immer, daß die Nerven in der entsprechenden Weise angeordnet sind, daß das Blut richtig fließt und so weiter. Wie nun der Ätherleib daran formt, das wird geregelt durch den astralischen Leib, der das Ganze durchdringt. Warum es uns nun schmerzt, wenn wir uns in den Finger geschnitten haben, das wollen wir uns durch einen äußeren Vergleich klarmachen.

[ 28 ] Nehmen Sie an, es wäre eine Lieblingsbeschäftigung von Ihnen, jeden Tag einmal Ihre Blumen im Garten zu begießen, Sie fühlen darin eine gewisse Befriedigung. Eines Morgens aber ist Ihre Gießkanne ruiniert oder gestohlen worden, und Sie können jetzt nicht Ihre Blumen im Garten begießen. Sie sind darüber betrübt. Das ist kein physischer Schmerz; aber in der Entbehrung Ihrer Lieblingsbeschättigung können Sie so etwas wie einen physischen Schmerz empfinden. Sie können eine Tätigkeit, weil das Instrument nicht da ist, nicht ausüben. Was hier äußerlich mangelhaft ist und was deshalb auch nur einen moralischen Schmerz hervorrufen kann, das wird zu einem physischen Schmerz durch folgendes.

[ 28 ] Nehmen Sie an, es wäre eine Lieblingsbeschäftigung von Ihnen, jeden Tag einmal Ihre Blumen im Garten zu begießen, Sie fühlen darin eine gewisse Befriedigung. Eines Morgens aber ist Ihre Gießkanne ruiniert oder gestohlen worden, und Sie können jetzt nicht Ihre Blumen im Garten begießen. Sie sind darüber betrübt. Das ist kein physischer Schmerz; aber in der Entbehrung Ihrer Lieblingsbeschättigung können Sie so etwas wie einen physischen Schmerz empfinden. Sie können eine Tätigkeit, weil das Instrument nicht da ist, nicht ausüben. Was hier äußerlich mangelhaft ist und was deshalb auch nur einen moralischen Schmerz hervorrufen kann, das wird zu einem physischen Schmerz durch folgendes.

[ 29 ] Der Ätherleib und der astralische Leib sind darauf eingerichtet, daß sie den Finger in der Art in Ordnung halten, wie er jetzt ist. Den Ätherfinger und den astralischen Finger kann ich niemals zerschneiden. Wenn ich meinen Finger entzweischneide, so geschieht das, daß der Ätherfinger nicht mehr richtig eingreifen kann. Er ist gewohnt, den richtigen Zusammenhang des Fingers zu haben und dieser Zusammenhang ist jetzt gestört, ebenso wie vorher meine Tätigkeit, als ich den Garten begießen wollte. Der astralische Leib und der Ätherleib können also nicht eingreifen, und das macht sich geltend im astralischen Leibe als Schmerz, als Entbehrung. Die gewohnten Tätigkeiten nicht ausüben, in der gewohnten Weise nicht eingreifen zu können, das gibt sich im astralischen Leib als Schmerz kund. Im Augenblick aber, wo der Ätherleib und der astralische Leib nicht mehr richtig eingreifen können, macht sich auch eine größere Anstrengung geltend. Geradeso wie wir in unserem Falle, wenn wir den Garten begießen wollen, Anstrengungen machen, die Gießkanne zu suchen oder dergleichen, so müssen jetzt auch astralischer Leib und Ätherleib eine größere Tätigkeit aufwenden, um die Sache wiederum in Ordnung zu bringen. Und diese größere Tätigkeit, welche da aufgewendet werden muß, ist das eigentlich Heilende. Da wird das Geistige zu einer energischeren Tätigkeit aufgerufen, und das ist das eigentlich Heilende. Dasjenige, was die geistigen Glieder des Menschen zu einer größeren Tätigkeit aufrufen kann, das bringt die Heilung hervor. Nun beruht jede Krankheit darauf, daß durch irgendeine Unordnung im physischen Leib oder auch im Ätherleib des Menschen die geistigen Teile nicht in der richtigen Weise eingreifen können, sozusagen daran gehindert sind, und die Heilung besteht in der Aufrufung einer stärkeren Widerstandskraft gegen die Unordnung. Nun kann eine Krankheit entweder so verlaufen, daß sie geheilt wird, oder wir können daran sterben. Betrachten wir beide Fälle einmal karmisch.

[ 29 ] Der Ätherleib und der astralische Leib sind darauf eingerichtet, daß sie den Finger in der Art in Ordnung halten, wie er jetzt ist. Den Ätherfinger und den astralischen Finger kann ich niemals zerschneiden. Wenn ich meinen Finger entzweischneide, so geschieht das, daß der Ätherfinger nicht mehr richtig eingreifen kann. Er ist gewohnt, den richtigen Zusammenhang des Fingers zu haben und dieser Zusammenhang ist jetzt gestört, ebenso wie vorher meine Tätigkeit, als ich den Garten begießen wollte. Der astralische Leib und der Ätherleib können also nicht eingreifen, und das macht sich geltend im astralischen Leibe als Schmerz, als Entbehrung. Die gewohnten Tätigkeiten nicht ausüben, in der gewohnten Weise nicht eingreifen zu können, das gibt sich im astralischen Leib als Schmerz kund. Im Augenblick aber, wo der Ätherleib und der astralische Leib nicht mehr richtig eingreifen können, macht sich auch eine größere Anstrengung geltend. Geradeso wie wir in unserem Falle, wenn wir den Garten begießen wollen, Anstrengungen machen, die Gießkanne zu suchen oder dergleichen, so müssen jetzt auch astralischer Leib und Ätherleib eine größere Tätigkeit aufwenden, um die Sache wiederum in Ordnung zu bringen. Und diese größere Tätigkeit, welche da aufgewendet werden muß, ist das eigentlich Heilende. Da wird das Geistige zu einer energischeren Tätigkeit aufgerufen, und das ist das eigentlich Heilende. Dasjenige, was die geistigen Glieder des Menschen zu einer größeren Tätigkeit aufrufen kann, das bringt die Heilung hervor. Nun beruht jede Krankheit darauf, daß durch irgendeine Unordnung im physischen Leib oder auch im Ätherleib des Menschen die geistigen Teile nicht in der richtigen Weise eingreifen können, sozusagen daran gehindert sind, und die Heilung besteht in der Aufrufung einer stärkeren Widerstandskraft gegen die Unordnung. Nun kann eine Krankheit entweder so verlaufen, daß sie geheilt wird, oder wir können daran sterben. Betrachten wir beide Fälle einmal karmisch.

[ 30 ] Wenn die Krankheit so verläuft, daß wir gesund werden, so haben wir in unsere Glieder, die wir uns aus früheren Inkarnationen mitgebracht haben, damals jene starken Lebenskräfte hineingelegt, die wirklich heilend eingreifen können. Und wenn wir auf unsere früheren Inkarnationen zurückblicken, so können wir sagen: Wir waren damals nicht nur imstande, unseren Körper in der richtigen Weise zu versorgen durch das, was wir normalerweise im Leben haben, sondern wir haben uns noch einen Reservefonds mitgebracht, den wir herausholen können aus den geistigen Lebensgliedern.

[ 30 ] Wenn die Krankheit so verläuft, daß wir gesund werden, so haben wir in unsere Glieder, die wir uns aus früheren Inkarnationen mitgebracht haben, damals jene starken Lebenskräfte hineingelegt, die wirklich heilend eingreifen können. Und wenn wir auf unsere früheren Inkarnationen zurückblicken, so können wir sagen: Wir waren damals nicht nur imstande, unseren Körper in der richtigen Weise zu versorgen durch das, was wir normalerweise im Leben haben, sondern wir haben uns noch einen Reservefonds mitgebracht, den wir herausholen können aus den geistigen Lebensgliedern.

[ 31 ] Nun nehmen wir an, wir sterben. Was ist dann der Fall? Dann werden wir sagen müssen: Wenn der Versuch gemacht worden ist zur Heilung, so haben wir auch die stärkeren Kräfte in uns aufgerufen. Aber sie reichten nicht aus, sie waren nicht hinlänglich. Aber immer, wenn wir Kräfte aufrufen, so daß sie sich stark geltend machen, ist es nicht nutzlos. Wir haben dazu in der Tat stärkere Anstrengungen machen müssen. Sind wir in diesem Leben noch nicht in der Lage gewesen, Ordnung herzustellen in irgendeinem Gebiete unseres Organismus, so sind wir wenigstens stärker geworden. Wir haben Widerstand leisten wollen. Es hat nur nicht gereicht. Aber wenn es auch nicht gereicht hat, so geht es doch nicht verloren, was wir da an Kräften aufgerufen haben. Das geht mit hinüber in die nächste Inkarnation, und das betreffende Organ wird stärker, als wenn wir die Krankheit nicht gehabt hätten. Und wir werden dann imstande sein, dasjenige Organ, das uns in diesem Leben vorzeitig zu Tode gebracht hat, mit einer besonderen Stärke und Regelmäßigkeit auszubilden. Es wird also auch dann eine günstigere Wirkung da sein, wenn wir bei richtiger Behandlung der Krankheit diese nicht zur Heilung bringen können. Karmisch müssen wir auch in diesem Falle in einer Krankheit etwas sehen, was sich im ferneren Leben in einer günstigeren Weise ausleben kann. Im kommenden Leben können wir dann in diesem oder jenem Falle dadurch eine besondere Stärke haben, daß wir eine Krankheit zwar bekämpften, aber sie nicht überwunden haben. Deshalb darf man aber nicht sagen: Dann ist es vielleicht gerade gut, die Krankheit zu lassen; denn wenn wir die Krankheit sich recht ausleben lassen und nicht heilend eingreifen, dann werden die Kräfte in unserm Innern stärker, und das Karma wird sich um so besser erfüllen! — Das wäre ein Unsinn. Es handelt sich gerade darum, die Heilung so zu veranstalten, daß möglichst günstig die ausgleichenden Kräfte eingreifen können; das heißt also, daß wir so viel als nur möglich ist, zur wirklichen Heilung tun, ganz gleichgültig, ob eine Heilung eintritt oder nicht. Das Karma ist immer lebensfreundlich, niemals lebensfeindlich!

[ 31 ] Nun nehmen wir an, wir sterben. Was ist dann der Fall? Dann werden wir sagen müssen: Wenn der Versuch gemacht worden ist zur Heilung, so haben wir auch die stärkeren Kräfte in uns aufgerufen. Aber sie reichten nicht aus, sie waren nicht hinlänglich. Aber immer, wenn wir Kräfte aufrufen, so daß sie sich stark geltend machen, ist es nicht nutzlos. Wir haben dazu in der Tat stärkere Anstrengungen machen müssen. Sind wir in diesem Leben noch nicht in der Lage gewesen, Ordnung herzustellen in irgendeinem Gebiete unseres Organismus, so sind wir wenigstens stärker geworden. Wir haben Widerstand leisten wollen. Es hat nur nicht gereicht. Aber wenn es auch nicht gereicht hat, so geht es doch nicht verloren, was wir da an Kräften aufgerufen haben. Das geht mit hinüber in die nächste Inkarnation, und das betreffende Organ wird stärker, als wenn wir die Krankheit nicht gehabt hätten. Und wir werden dann imstande sein, dasjenige Organ, das uns in diesem Leben vorzeitig zu Tode gebracht hat, mit einer besonderen Stärke und Regelmäßigkeit auszubilden. Es wird also auch dann eine günstigere Wirkung da sein, wenn wir bei richtiger Behandlung der Krankheit diese nicht zur Heilung bringen können. Karmisch müssen wir auch in diesem Falle in einer Krankheit etwas sehen, was sich im ferneren Leben in einer günstigeren Weise ausleben kann. Im kommenden Leben können wir dann in diesem oder jenem Falle dadurch eine besondere Stärke haben, daß wir eine Krankheit zwar bekämpften, aber sie nicht überwunden haben. Deshalb darf man aber nicht sagen: Dann ist es vielleicht gerade gut, die Krankheit zu lassen; denn wenn wir die Krankheit sich recht ausleben lassen und nicht heilend eingreifen, dann werden die Kräfte in unserm Innern stärker, und das Karma wird sich um so besser erfüllen! — Das wäre ein Unsinn. Es handelt sich gerade darum, die Heilung so zu veranstalten, daß möglichst günstig die ausgleichenden Kräfte eingreifen können; das heißt also, daß wir so viel als nur möglich ist, zur wirklichen Heilung tun, ganz gleichgültig, ob eine Heilung eintritt oder nicht. Das Karma ist immer lebensfreundlich, niemals lebensfeindlich!

[ 32 ] Das Karmagesetz, wie es von einem Leben ins andere reicht, hat sich dadurch an einem besonderen Beispiel als lebensstärkend gezeigt. Und wir können sagen: Wenn wir auf diesem oder jenem Organ besonders stark sind, so weist uns das hin auf ein vorhergehendes Leben, in welchem dieses Organ, in dem wir jetzt besonders stark sind, einmal besonders krank war. Wir haben es damals nicht ganz heilen können. Dafür wurden aber die Kräfte aufgerufen, welche dieses Organ jetzt als ein besonders starkes erscheinen lassen. — So sehen wir, wie aus einem Leben in das andere die Ereignisse, die Tatsachen, hineinreichen, wie unser Wesenskern immer stärker und stärker wird, wenn wir uns auch in der richtigen Weise bewußt sind, wie wir ihn stärker machen können. Und wir können auf diese Weise immer mehr und mehr zu einem lebendigen Verständnis unseres geistigen Wesenskernes durch das Karmagesetz kommen.

[ 32 ] Das Karmagesetz, wie es von einem Leben ins andere reicht, hat sich dadurch an einem besonderen Beispiel als lebensstärkend gezeigt. Und wir können sagen: Wenn wir auf diesem oder jenem Organ besonders stark sind, so weist uns das hin auf ein vorhergehendes Leben, in welchem dieses Organ, in dem wir jetzt besonders stark sind, einmal besonders krank war. Wir haben es damals nicht ganz heilen können. Dafür wurden aber die Kräfte aufgerufen, welche dieses Organ jetzt als ein besonders starkes erscheinen lassen. — So sehen wir, wie aus einem Leben in das andere die Ereignisse, die Tatsachen, hineinreichen, wie unser Wesenskern immer stärker und stärker wird, wenn wir uns auch in der richtigen Weise bewußt sind, wie wir ihn stärker machen können. Und wir können auf diese Weise immer mehr und mehr zu einem lebendigen Verständnis unseres geistigen Wesenskernes durch das Karmagesetz kommen.

[ 33 ] Nun kommen wir zu einer Antwort auf die Frage: Warum versammeln wir uns so oft? — Wir versammeln uns so oft, weil wir nicht nur unsere Erkenntnis bereichern wollen, wenn wir Lehren aufnehmen, sondern weil die Lehren, wenn sie in der richtigen Weise gegeben sind, geeignet sind, unseren Wesenskern immer stärker und kräftiger zu machen. Wir gießen einen geistigen Lebenssaft in unsere Angelegenheiten, wenn wir zusammenkommen und uns mit Anthroposophie beschäftigen. So ist Anthroposophie nicht eine Theorie, sondern ein Lebenstrank, ein Lebenselixier, das sich uns immer wieder in die Seele gießt, und von dem wir wissen, es macht die Seele immer stärker und immer kräftiger. Und wenn Anthroposophie nicht mehr das sein wird für die Menschen, was sie heute ist durch den Unverstand der äußeren Welt, wenn sie einmal eingreifen wird in unser ganzes geistiges Leben, dann werden die Menschen sehen, wie das Heil, auch des physischen Lebens, des ganzen äußeren Lebens von der Stärkung abhängt, die durch die anthroposophische Betrachtung, durch das anthroposophische Miterleben gewonnen werden kann. Es wird die Zeit kommen, wo solche anthroposophischen Versammlungen das wichtigste Stärkungsmittel für die Menschen werden können, so daß sie hinausgehen und sagen: Wir verdanken das, was wir können, unsere Gesundheit, unsere Kraft im Leben, dem Umstande, daß wir uns in unserem eigentlichen Wesenskern, in unserem Wesenszentrum immer aufs neue stärken! — Erst wenn die Menschen fühlen: Anthroposophie gibt ihnen durch die Einzelbetrachtungen dasjenige, was sie bis in den physischen Leib hinein kraftvoll und gesund macht, erst dann werden sie fühlen diese Mission der Anthroposophie. Und heute sollen diejenigen, welche sich mit der Anthroposophie beschäftigen, sich als Pioniere betrachten für die Anthroposophie als etwas Lebenstärkendes! Dann wird sie erst das rechte sein und erst den richtigen Angriffspunkt gewinnen können gegen etwas, was heute so vielfach lebenschwächend ist.

[ 33 ] Nun kommen wir zu einer Antwort auf die Frage: Warum versammeln wir uns so oft? — Wir versammeln uns so oft, weil wir nicht nur unsere Erkenntnis bereichern wollen, wenn wir Lehren aufnehmen, sondern weil die Lehren, wenn sie in der richtigen Weise gegeben sind, geeignet sind, unseren Wesenskern immer stärker und kräftiger zu machen. Wir gießen einen geistigen Lebenssaft in unsere Angelegenheiten, wenn wir zusammenkommen und uns mit Anthroposophie beschäftigen. So ist Anthroposophie nicht eine Theorie, sondern ein Lebenstrank, ein Lebenselixier, das sich uns immer wieder in die Seele gießt, und von dem wir wissen, es macht die Seele immer stärker und immer kräftiger. Und wenn Anthroposophie nicht mehr das sein wird für die Menschen, was sie heute ist durch den Unverstand der äußeren Welt, wenn sie einmal eingreifen wird in unser ganzes geistiges Leben, dann werden die Menschen sehen, wie das Heil, auch des physischen Lebens, des ganzen äußeren Lebens von der Stärkung abhängt, die durch die anthroposophische Betrachtung, durch das anthroposophische Miterleben gewonnen werden kann. Es wird die Zeit kommen, wo solche anthroposophischen Versammlungen das wichtigste Stärkungsmittel für die Menschen werden können, so daß sie hinausgehen und sagen: Wir verdanken das, was wir können, unsere Gesundheit, unsere Kraft im Leben, dem Umstande, daß wir uns in unserem eigentlichen Wesenskern, in unserem Wesenszentrum immer aufs neue stärken! — Erst wenn die Menschen fühlen: Anthroposophie gibt ihnen durch die Einzelbetrachtungen dasjenige, was sie bis in den physischen Leib hinein kraftvoll und gesund macht, erst dann werden sie fühlen diese Mission der Anthroposophie. Und heute sollen diejenigen, welche sich mit der Anthroposophie beschäftigen, sich als Pioniere betrachten für die Anthroposophie als etwas Lebenstärkendes! Dann wird sie erst das rechte sein und erst den richtigen Angriffspunkt gewinnen können gegen etwas, was heute so vielfach lebenschwächend ist.

[ 34 ] Da sei zum Schluß noch auf eines aufmerksam gemacht. Man hört heute kein Wort öfter als das Wort «erbliche Belastung». Wie könnte heute derjenige, der das Wort «erbliche Belastung» nicht mindestens alle Wochen drei- oder viermal im Munde führt, als ein gebildeter Mensch gelten? Ein gebildeter Mensch muß doch mindestens wissen, daß die gelehrte Medizin festgestellt hat, was erbliche Belastung im Menschenleben bedeutet! Wer nicht sagen kann, wenn da oder dort jemand nichts mit sich anzufangen weiß, der Betreffende sei erblich belastet, der ist kein gebildeter Mensch, sondern irgend etwas anderes, und unter diesem anderen vielleicht auch ein Anthroposoph. Hier beginnt das, wo die Wissenschaft des heutigen Lebens anfängt, nicht nur theoretisch zu irren, sondern wo sie anfängt, das Leben zu schädigen. Hier ist die Grenze, wo das Theoretische herankommt an das Moralische, wo es unmoralisch ist, eine falsche Theorie zu haben. Hier hängt die Lebenskraft, die Lebenssicherheit davon ab, gerade das Richtige zu wissen. Wer sich stärkt und kräftigt aus einer richtigen geistigen Anschauung in seiner Seele, indem er sich ein Lebenselixier zuführt, wozu wird der imstande sein?

[ 34 ] Da sei zum Schluß noch auf eines aufmerksam gemacht. Man hört heute kein Wort öfter als das Wort «erbliche Belastung». Wie könnte heute derjenige, der das Wort «erbliche Belastung» nicht mindestens alle Wochen drei- oder viermal im Munde führt, als ein gebildeter Mensch gelten? Ein gebildeter Mensch muß doch mindestens wissen, daß die gelehrte Medizin festgestellt hat, was erbliche Belastung im Menschenleben bedeutet! Wer nicht sagen kann, wenn da oder dort jemand nichts mit sich anzufangen weiß, der Betreffende sei erblich belastet, der ist kein gebildeter Mensch, sondern irgend etwas anderes, und unter diesem anderen vielleicht auch ein Anthroposoph. Hier beginnt das, wo die Wissenschaft des heutigen Lebens anfängt, nicht nur theoretisch zu irren, sondern wo sie anfängt, das Leben zu schädigen. Hier ist die Grenze, wo das Theoretische herankommt an das Moralische, wo es unmoralisch ist, eine falsche Theorie zu haben. Hier hängt die Lebenskraft, die Lebenssicherheit davon ab, gerade das Richtige zu wissen. Wer sich stärkt und kräftigt aus einer richtigen geistigen Anschauung in seiner Seele, indem er sich ein Lebenselixier zuführt, wozu wird der imstande sein?

[ 35 ] Was er auch vererbt erhalten haben mag, es sind Vererbungen im physischen Leibe, oder höchstens im Ätherleibe. Durch seine richtige Lebensanschauung wird er sich in seinem eigentlichen Wesenskern immer stärker und stärker machen und er wird besiegen, was erbliche Belastung ist, denn das Geistige, wenn es im richtigen Sinne vorhanden ist, ist imstande, das Körperliche auszugleichen. Wer sich aber nicht in seinem geistigen Wesenskern stärkt, wer da sagt: Das Geistige ist nur ein Produkt des Körperlichen -, der ist dann, weil er kein starkes Inneres hat, ausgeliefert den erblichen Belastungen, bei dem müssen sie schädlich wirken.

[ 35 ] Was er auch vererbt erhalten haben mag, es sind Vererbungen im physischen Leibe, oder höchstens im Ätherleibe. Durch seine richtige Lebensanschauung wird er sich in seinem eigentlichen Wesenskern immer stärker und stärker machen und er wird besiegen, was erbliche Belastung ist, denn das Geistige, wenn es im richtigen Sinne vorhanden ist, ist imstande, das Körperliche auszugleichen. Wer sich aber nicht in seinem geistigen Wesenskern stärkt, wer da sagt: Das Geistige ist nur ein Produkt des Körperlichen -, der ist dann, weil er kein starkes Inneres hat, ausgeliefert den erblichen Belastungen, bei dem müssen sie schädlich wirken.

[ 36 ] Es ist gar kein Wunder, daß heute dasjenige, was man erbliche Belastung nennt, so furchtbare Wirkungen hat, weil man den Leuten erst die Macht der erblichen Belastung einredet und ihnen das nimmt, was dagegen wirkt. Man züchtet erst den Glauben an die erbliche Belastung und nimmt dann dem Menschen mit einer geistigen Weltanschauung die beste Kampfmethode gegen die erbliche Belastung. Man erfindet erst die Allmacht der erblichen Belastung, und dadurch wirkt sie dann. Man hat nicht nur eine falsche Ansicht, die Lebensfeindliches zur Wirksamkeit bringt, die dem Menschen die Waffen aus der Hand windet, sondern hier beginnt eine Theorie, die ganz und gar auf materialistischen Anschauungen fußt. Hier beginnt eine materialistische Weltanschauung ins Moralische hineinzuspielen und sie wirkt hier nicht bloß theoretisch falsch, sondern unmoralisch. Darüber kommt man auch nicht dadurch hinweg, daß man nur sagt: Diejenigen, welche solche Behauptungen aufstellen, irren eben. Man braucht nicht zu stark mit denjenigen ins Gericht zu gehen, die solche Theorien aufstellen. Die einzelnen Vertreter der Wissenschaft sollen hier niemals getroffen werden, bei denen wird es verstanden; liebevoll kann es auch verstanden werden, daß sie darinnenstecken, daß sie zu solchen Irrtümern kommen müssen. Der eine kann sich nicht aus einer wissenschaftlichen Tradition herauswinden; bei dem anderen kann man es auch verzeihlich finden, denn er hat Weib und Kind und würde sich vielleicht in eine schiefe Lage bringen, wenn er sich nicht mehr zu den herrschenden Anschauungen bekennen wollte. Aber auf das Ganze als eine Zeiterscheinung muß aufmerksam gemacht werden, weil da die Wissenschaft anfängt, nicht nur falsche Theorien zu verbreiten, sondern dem Menschen die lebenfördernden Mittel aus der Hand zu winden, die als geistige Weltanschauung das Leben mit Kraft versorgen sollen, und die allein imstande sind, gegenüber der Macht, die sonst den Menschen überwältigen muß, gegen das Physische aufzukommen. Dieses Physische ist nur so lange eine überwältigende Macht, solange der Mensch in seinem Geistigen keine Kraft dagegen ausbildet. Bildet er diese Kraft aus, dann wird in ihm ein Kämpfer gegen alles Physische erwachsen.

[ 36 ] Es ist gar kein Wunder, daß heute dasjenige, was man erbliche Belastung nennt, so furchtbare Wirkungen hat, weil man den Leuten erst die Macht der erblichen Belastung einredet und ihnen das nimmt, was dagegen wirkt. Man züchtet erst den Glauben an die erbliche Belastung und nimmt dann dem Menschen mit einer geistigen Weltanschauung die beste Kampfmethode gegen die erbliche Belastung. Man erfindet erst die Allmacht der erblichen Belastung, und dadurch wirkt sie dann. Man hat nicht nur eine falsche Ansicht, die Lebensfeindliches zur Wirksamkeit bringt, die dem Menschen die Waffen aus der Hand windet, sondern hier beginnt eine Theorie, die ganz und gar auf materialistischen Anschauungen fußt. Hier beginnt eine materialistische Weltanschauung ins Moralische hineinzuspielen und sie wirkt hier nicht bloß theoretisch falsch, sondern unmoralisch. Darüber kommt man auch nicht dadurch hinweg, daß man nur sagt: Diejenigen, welche solche Behauptungen aufstellen, irren eben. Man braucht nicht zu stark mit denjenigen ins Gericht zu gehen, die solche Theorien aufstellen. Die einzelnen Vertreter der Wissenschaft sollen hier niemals getroffen werden, bei denen wird es verstanden; liebevoll kann es auch verstanden werden, daß sie darinnenstecken, daß sie zu solchen Irrtümern kommen müssen. Der eine kann sich nicht aus einer wissenschaftlichen Tradition herauswinden; bei dem anderen kann man es auch verzeihlich finden, denn er hat Weib und Kind und würde sich vielleicht in eine schiefe Lage bringen, wenn er sich nicht mehr zu den herrschenden Anschauungen bekennen wollte. Aber auf das Ganze als eine Zeiterscheinung muß aufmerksam gemacht werden, weil da die Wissenschaft anfängt, nicht nur falsche Theorien zu verbreiten, sondern dem Menschen die lebenfördernden Mittel aus der Hand zu winden, die als geistige Weltanschauung das Leben mit Kraft versorgen sollen, und die allein imstande sind, gegenüber der Macht, die sonst den Menschen überwältigen muß, gegen das Physische aufzukommen. Dieses Physische ist nur so lange eine überwältigende Macht, solange der Mensch in seinem Geistigen keine Kraft dagegen ausbildet. Bildet er diese Kraft aus, dann wird in ihm ein Kämpfer gegen alles Physische erwachsen.

[ 37 ] Wir können das nicht von heute auf morgen erhoffen. Aber diejenigen, welche die Dinge im wahren Sinne verstehen, sie werden nach und nach kennenlernen die geisteswissenschaftliche Auffassung in bezug auf Erscheinungen, denen gegenüber sich der Mensch zunächst ohnmächtig zeigt. Was sich da nicht ausgleicht in einem Leben, das gleicht sich aus im Gesamtleben. Und wenn wir das einzelne Leben, wie auch das Leben von Verkörperung zu Verkörperung betrachten, dann wird das Karmagesetz, richtig verstanden, nicht ein Gesetz sein, das uns jetzt niederdrücken kann, sondern-ein Gesetz, das uns Trost und Kraft geben wird und uns immer stärker machen wird. Ein Lebenskraftgesetz ist das Karmagesetz, und als solches sollen wir es auffassen. Es handelt sich nicht darum, daß wir einzelne Abstraktionen wissen, sondern daß wir die spirituellen Lebenswahrheiten im einzelnen im Leben verfolgen, und daß wir nie müde werden in der Erarbeitung der Geist-Erkenntnis, indem wir uns durchdringen mit den Einzelwahrheiten der Geistesforschung.

[ 37 ] Wir können das nicht von heute auf morgen erhoffen. Aber diejenigen, welche die Dinge im wahren Sinne verstehen, sie werden nach und nach kennenlernen die geisteswissenschaftliche Auffassung in bezug auf Erscheinungen, denen gegenüber sich der Mensch zunächst ohnmächtig zeigt. Was sich da nicht ausgleicht in einem Leben, das gleicht sich aus im Gesamtleben. Und wenn wir das einzelne Leben, wie auch das Leben von Verkörperung zu Verkörperung betrachten, dann wird das Karmagesetz, richtig verstanden, nicht ein Gesetz sein, das uns jetzt niederdrücken kann, sondern-ein Gesetz, das uns Trost und Kraft geben wird und uns immer stärker machen wird. Ein Lebenskraftgesetz ist das Karmagesetz, und als solches sollen wir es auffassen. Es handelt sich nicht darum, daß wir einzelne Abstraktionen wissen, sondern daß wir die spirituellen Lebenswahrheiten im einzelnen im Leben verfolgen, und daß wir nie müde werden in der Erarbeitung der Geist-Erkenntnis, indem wir uns durchdringen mit den Einzelwahrheiten der Geistesforschung.

[ 38 ] Wenn Sie sich das vor Augen halten, leben Sie im rechten Sinne anthroposophisch. Dann wissen Sie, warum wir uns nicht damit begnügen, dieses oder jenes Buch gelesen zu haben, sondern Anthroposophie als eine Herzensangelegenheit betrachten, die nicht aufhört, uns zu beschäftigen, auf die wir immer wieder gern zurückkommen, und von der wir wissen, daß, je öfter wir auf sie zurückkommen, sie uns immer mehr und mehr Lebensbereicherung geben kann.

[ 38 ] Wenn Sie sich das vor Augen halten, leben Sie im rechten Sinne anthroposophisch. Dann wissen Sie, warum wir uns nicht damit begnügen, dieses oder jenes Buch gelesen zu haben, sondern Anthroposophie als eine Herzensangelegenheit betrachten, die nicht aufhört, uns zu beschäftigen, auf die wir immer wieder gern zurückkommen, und von der wir wissen, daß, je öfter wir auf sie zurückkommen, sie uns immer mehr und mehr Lebensbereicherung geben kann.