The Deeper Mysteries of Human Development
in the Light of the Gospels
GA 117
13 November 1909, Stuttgart
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The Deeper Mysteries of Human Development, tr. SOL
6. Über das rechte Verhältnis zur Anthroposophie
6. On the Proper Relationship to Anthroposophy
[ 1 ] Was oftmals gesagt wird in den verschiedenen Vorträgen über die in der Siebenzahl ablaufenden Zyklen, ist keine Redensart; es entspricht wirklich einem Gesetz des Daseins. Indem wir einen siebenjährigen Zyklus in dem Leben unserer geisteswissenschaftlichen Bewegung nun vollendet haben, darf es gesagt werden, daß wir eigentlich einige Momente ein wenig Einkehr halten sollten in unser ganzes Streben, in unser ganzes Arbeiten. Dieses Arbeiten ist ja nur dann möglich, wenn die spirituelle Bewegung so abläuft, daß sie sozusagen in ihrer inneren Gesetzmäßigkeit etwas von den Gesetzen der großen Weltenordnung enthält. Die Weltenordnung läuft ab in Zyklen, die man nach der Siebenzahl rechnen kann. Wir zählen sieben planetarische Zustände, sieben Zustände innerhalb der planetarischen Welten und so weiter. Aber auch bei einer solchen Bewegung wie der unsrigen spielt die Siebenzahl eine gewisse Rolle, und es kehrt gewissermaßen das Streben nach sieben Jahren zu seinem Anfang zurück, indem es sich einverleibt hat in der Zwischenzeit dasjenige, was erarbeitet worden ist. Es kehrt das Streben auf einer höheren Stufe wiederum nach seinem Anfang zurück. So etwas ist nur dann zu erreichen möglich, wenn auch die tiefere, innere Gesetzmäßigkeit der Sache nicht außer acht gelassen wird.
[ 1 ] What is often said in the various lectures on the cycles that unfold in the number seven is not mere rhetoric; it truly corresponds to a law of existence. Now that we have completed a seven-year cycle in the life of our spiritual scientific movement, it may be said that we should actually take a few moments to reflect a little on our entire endeavor, on all our work. This work is, after all, only possible if the spiritual movement proceeds in such a way that, so to speak, its inner laws contain something of the laws of the great world order. The world order unfolds in cycles that can be calculated according to the number seven. We count seven planetary states, seven states within the planetary worlds, and so on. But even in a movement such as ours, the number seven plays a certain role, and in a sense, the endeavor returns to its beginning after seven years, having in the meantime incorporated what has been worked out. The striving returns to its beginning again on a higher level. Such a thing can only be achieved if the deeper, inner lawfulness of the matter is not disregarded.
[ 2 ] Wenn Sie ein wenig zurückblicken, wie wir gearbeitet haben in diesen sieben Jahren, so werden Sie eines bemerken können: es gab wirklich eine gewisse Regelmäßigkeit in dieser Arbeit. Sie können natürlich diese Dinge, die jetzt gesagt werden, nicht auf den Tag hin nehmen, aber wenn Sie sie im wesentlichen nehmen, so werden Sie sehen, daß sie so sind. Wir haben in den ersten vier Jahren unserer Arbeit sozusagen die Grundanlagen unseres Arbeitens gemacht. In den ersten vier Jahren haben wir uns verschafft eine gewisse Erkenntnis vom Wesen des Menschen, eine gewisse Erkenntnis von den Wegen, die in die höheren Welten hinaufführen, und wir haben uns verschafft etwas über die großen kosmischen Zusammenhänge, über das, was man nennen kann die Prüfung der Ergebnisse der AkashaChronik in bezug auf die Weltengeheimnisse.
[ 2 ] If you look back a little on how we have worked over these seven years, you will notice one thing: there has truly been a certain regularity to this work. Of course, you cannot take what is being said here literally, but if you take it in essence, you will see that it is so. In the first four years of our work, we laid, so to speak, the foundations of our work. In the first four years, we gained a certain understanding of the nature of the human being, a certain understanding of the paths leading up to the higher worlds, and we gained some insight into the great cosmic connections, into what might be called the examination of the findings of the Akashic Records in relation to the mysteries of the world.
[ 3 ] Diejenigen unserer Mitglieder, welche später eingetreten sind, haben ja immer nötig gehabt und werden es immer nötig haben, diese feste Grundlage unseres Strebens, die unerläßlich ist, sich nachher anzueignen. Denn es genügt keineswegs, daß man sich bloß das aneignet, was, um einen Fortschritt einer Bewegung in richtiger Weise möglich zu machen, in den letzten drei Jahren vorgekommen ist. Wenn Sie eine gewisse Rückschau halten, so werden Sie sehen, daß in den letzten drei Jahren in gewisser Beziehung ausgebaut worden sind selbst diejenigen Wahrheiten und Erkenntnisse, die Ihnen in den letzten Jahren, vielleicht etwas frappierend, entgegengetreten sind. Wenn Sie versuchen, den Zusammenhang herzustellen mit dem, was in den ersten vier Jahren unseres Arbeitens gepflegt worden ist, sozusagen in dem viergliedrigen Unterbau des Ganzen, so werden Sie sehen, daß auch das, was frappierend war, was große, umfassende Wahrheiten sind, einen intimen Zusammenhang hat mit dem, was in den ersten vier Jahren geschehen ist. Davon werden Sie sich überzeugen können, wenn Sie Einkehr in sich selber halten. Die jüngeren Mitglieder sollten es sich recht sehr ins Herz geschrieben sein lassen, daß sie durchaus nicht versäumen sollten, für einen gediegenen Grundbau bei sich zu sorgen. Es wird ja immer mehr und mehr, überall wo gearbeitet wird, dafür gesorgt, daß derjenige, der später eintritt, nachholen kann, was in den ersten Jahren hier erarbeitet worden ist. Ohne dieses Nachholen ist ein wirkliches Mitkommen eigentlich nicht möglich. Wir sollen das, was geisteswissenschaftliche Bewegung ist, durchaus im tiefsten Sinne ernst nehmen. Im Zusammenhange damit darf vielleicht heute über ein Thema gesprochen werden, gerade mit Bezug auf unseren wichtigen Zeitabschnitt, über ein Thema, das mehr die Gesinnung und die ganze spirituelle Vorstellungsart betrifft: Welches ist die richtige Art, in der sich der Anthroposoph zur Geisteswissenschaft selber stellen kann?
[ 3 ] Those of our members who joined later have always needed—and will always need—to acquire this solid foundation of our endeavor, which is indispensable. For it is by no means sufficient merely to assimilate what has taken place in the last three years in order to make the progress of a movement possible in the right way. If you look back a bit, you will see that in the last three years, even those truths and insights that may have struck you as somewhat surprising in recent years have, in a certain sense, been further developed. If you try to establish a connection with what has been cultivated in the first four years of our work—in the fourfold foundation of the whole, so to speak—you will see that even what was surprising, what are great, comprehensive truths, has an intimate connection with what happened in the first four years. You will be able to convince yourselves of this if you look within yourselves. The younger members should take it very much to heart that they must by no means neglect to lay a solid foundation within themselves. Indeed, wherever work is being done, more and more care is being taken to ensure that those who join later can catch up on what has been worked out here in the early years. Without this catching up, it is actually impossible to truly keep pace. We must take what the spiritual science movement is in the deepest sense very seriously. In connection with this, perhaps we may speak today about a topic, particularly in relation to our important period of time, a topic that concerns more the attitude and the entire spiritual way of thinking: What is the right way for the anthroposophist to approach spiritual science itself?
[ 4 ] Was hiermit gesagt sein soll, wird uns noch viel klarer werden, wenn wir die Frage etwas anders stellen, wenn wir sie so stellen: Warum wird denn überhaupt heute so, wie es geschieht, Anthroposophie gelehrt? Warum werden Mitteilungen gegeben über die höheren Welten, Mitteilungen, die Ergebnisse der geistigen Forschung, des hellseherischen Bewußtseins sind? Könnte es vielleicht nicht so sein, daß in ganz anderer Weise vorgegangen würde, daß man vielleicht damit begänne, einem jeden gewisse Anweisungen zu geben, wie er seine eigenen, inneren, in der Seele schlummernden Fähigkeiten entwickeln kann, so daß er sozusagen durch diese Anweisungen empfangen würde die Möglichkeit, nach und nach selber hinaufzudringen in die geistigen Welten, auch bevor er irgend etwas, wie es heute geschieht, mitgeteilt erhält von dem, was Tatsachen in den höheren Welten sind? Man muß sagen, es ist in einer gewissen Weise früher die Gepflogenheit so gewesen; sie war so vor unserer geisteswissenschaftlichen Bewegung im modernen Sinne des Wortes. Da hat man lange Zeiten hindurch gesagt: Es nützt ja eigentlich nicht viel, wenn irgend jemand hintritt vor die Welt und die Ergebnisse der geistigen Forschung mitteilt. - Und man hat sich so zurückhaltend wie möglich benommen in bezug auf solche Mitteilungen. Man hat eigentlich sich darauf beschränkt, den Menschen gewisse Regeln zu geben, wie sie die in ihrer Seele schlummernden Fähigkeiten entwickeln sollen, und hat dann, im Grunde genommen, sie nicht mehr wissen lassen als das, was sie sich so selber durch eigene Anschauung langsam in den höheren Welten erworben haben. Es könnte nun die Frage entstehen: Warum wird dieser Weg heute nicht eben ausschließlich eingeschlagen, sondern warum wird heute aus den Ergebnissen der Geistesforschung Anthroposophie mitgeteilt?
[ 4 ] What is meant by this will become much clearer to us if we rephrase the question slightly, if we ask it this way: Why, after all, is anthroposophy taught today in the way it is? Why are messages conveyed about the higher worlds—messages that are the results of spiritual research and clairvoyant consciousness? Could it not perhaps be the case that a completely different approach would be taken, that one might perhaps begin by giving everyone certain instructions on how to develop their own inner abilities, which lie dormant in the soul, so that through these instructions they would, so to speak, be given the opportunity to gradually ascend into the spiritual worlds themselves, even before receiving any communication, as happens today, about what the facts in the higher worlds are? It must be said that, in a certain sense, this was the custom in the past; it was so before our spiritual scientific movement in the modern sense of the word. For a long time, it was said: It is actually of little use if anyone steps before the world and communicates the results of spiritual research. - And people behaved as reservedly as possible regarding such communications. They actually limited themselves to giving people certain rules on how to develop the abilities slumbering in their souls, and then, essentially, let them know no more than what they had slowly acquired for themselves through their own observation in the higher worlds. The question might now arise: Why is this path not pursued exclusively today, but why is Anthroposophy communicated today based on the results of spiritual research?
[ 5 ] Das ist nicht aus irgendeines Menschen Vorliebe oder Willkür entsprungen, sondern das hat seine guten Gründe. Und wir werden besser verstehen, was wir gut verstehen sollten, wenn wir uns immer wiederum eines sagen: Was teilt eigentlich diese Geisteswissenschaft mit? Sie teilt mit Tatsachen, Wahrheiten aus dem Bereich der höheren, der übersinnlichen Welten; sie teilt mit dasjenige, was das hellseherische Bewußtsein in diesen höheren Welten erforschen kann.
[ 5 ] This did not arise from any human preference or whim, but has its good reasons. And we will better understand what we ought to understand if we keep asking ourselves: What does this spiritual science actually reveal? It reveals facts and truths from the realm of the higher, supersensible worlds; it reveals what clairvoyant consciousness can explore in these higher worlds.
[ 6 ] Nun ist es ja richtig, daß derjenige, dem solche Mitteilungen gemacht werden und der nicht selbst hellseherisch ist, sich von den Tatsachen als solchen zunächst nicht durch unmittelbare Anschauung überzeugen kann. Es ist richtig, daß er die Mitteilungen hinnimmt, und daß er sie sozusagen durch den hellseherischen Augenschein nicht prüfen kann. Gewiß, das ist ganz richtig. Aber es wäre ganz falsch, zu glauben, daß der Mensch, der nicht hellseherisch ist, die heute mitgeteilten Erkenntnisse überhaupt nicht prüfen könnte, überhaupt nicht einsehen könnte. Das zu glauben, wäre ganz falsch und es wäre eine unrichtige Meinung, wenn man behaupten wollte, daß man bloß auf Treu und Glauben, auf bloße Autorität hin das aufnehmen müßte, was aus dem hellseherischen Bewußtsein heraus mitgeteilt wird. Es würde geradezu etwas im höchsten Grade Unvollkommenes in diesen Mitteilungen liegen, etwas Mangelhaftes, wenn diese Mitteilungen bloß auf Autorität, bloß auf Glauben Anspruch machen wollten.
[ 6 ] Now, it is true that the person to whom such messages are conveyed—and who is not clairvoyant himself—cannot, at first, verify the facts as such through direct perception. It is true that they accept the messages and that they cannot, so to speak, verify them through clairvoyant perception. Certainly, that is quite true. But it would be entirely wrong to believe that a person who is not clairvoyant could not verify the insights communicated today at all, could not understand them at all. To believe that would be entirely wrong, and it would be a mistaken view to claim that one must accept what is communicated from clairvoyant consciousness solely on the basis of good faith or mere authority. There would indeed be something highly imperfect in these communications, something deficient, if these communications were to claim validity solely on the basis of authority or faith.
[ 7 ] Was mitgeteilt wird auf rechtmäßige Weise, das kann - und das ist ja oft gesagt worden - erforscht werden nur durch das hellseherische Bewußtsein. Ist es aber, und meinetwillen auch nur von einem einzigen, erforscht, ist es einmal geschaut und wird es mitgeteilt, dann kann es jeder einsehen durch seine unbefangene Vernunft, durch das, was ihm zugänglich ist auf dem physischen Plan. Und es darf wohl gesagt werden: Wenn auch nicht jeder von denen, die hier sitzen, immer die Möglichkeit hat, gleich alles im umfänglichsten Sinne zu prüfen, so könnte er sich doch wenigstens diese Möglichkeit verschaffen, wenn er Zeit und Fähigkeit - aber nur Fähigkeiten dieses physischen Planes - dazu hätte.
[ 7 ] What is communicated in a lawful manner can—as has often been said—be explored only through clairvoyant consciousness. But once it has been investigated—even by a single person, for all I care—once it has been perceived and communicated, then everyone can understand it through their unbiased reason, through what is accessible to them on the physical plane. And it may well be said: Even if not everyone sitting here always has the opportunity to examine everything in the most comprehensive sense, they could at least create this opportunity for themselves if they had the time and ability—but only abilities of this physical plane—to do so.
[ 8 ] Nehmen wir selbst so schwierige Dinge, wie sie hier in den letzten Vorträgen berührt worden sind, von den Inkarnationen des Zarathustra, so schwierige Dinge also, die sich darauf bezogen, daß des Zarathustra astralischer Leib übergegangen ist in Hermes, daß des Zarathustra ätherischer Leib übergegangen ist in Moses, dann darf niemand behaupten, daß derjenige, der diese Dinge aus der Geistesforschung heraus kennt, bloß Anspruch machen würde auf den blinden Glauben. Nein, das ist durchaus nicht der Fall! Wenn jemand käme und sagte: Gut, ich habe gar nichts von einem Hellseher. Da behauptet einer diese Sachen von Zarathustra und seinen Inkarnationen. Ich will jetzt alles das, was dem Menschen auf dem physischen Plan zur Verfügung steht, aufgreifen, alles, was die Geschichte überliefert, alles, was in steinernen Dokumenten enthalten ist, alles, was in religiösen Urkunden enthalten ist, alles das will ich in der sorgfältigsten Weise prüfen. - Und ein solcher sagte: Nehmen wir an, daß richtig sei, was der da sagt, stimmt das mit den Tatsachen, die äußerlich konstatiert werden können? - Und dann würde er alles, was äußerlich konstatiert werden kann, durchforschen und würde sehen, daß, je genauer er vorgeht bei seinen Forschungen, er um so mehr die Tatsachen, die der Hellseher mitteilt, bestätigt fände.
[ 8 ] Let us take even such difficult matters as those touched upon here in the recent lectures—the incarnations of Zarathustra— such difficult matters, that is, concerning how Zarathustra’s astral body passed into Hermes, how Zarathustra’s etheric body passed into Moses—then no one may claim that the person who knows these things through spiritual research is merely calling for blind faith. No, that is by no means the case! If someone were to come and say: Well, I don’t believe a word of what a clairvoyant says. Someone is claiming these things about Zarathustra and his incarnations. I now want to take up everything available to humanity on the physical plane, everything handed down by history, everything contained in stone documents, everything contained in religious texts—I want to examine all of that in the most meticulous way. - And such a person would say: “Let’s assume that what he says is true—does that correspond to the facts that can be objectively verified?” - And then he would investigate everything that can be objectively verified and would see that the more meticulously he proceeds with his research, the more he would find confirmation of the facts communicated by the clairvoyant.
[ 9 ] Wenn das Wort Furcht überhaupt eine Bedeutung dabei hätte, so könnte man sagen, die geisteswissenschaftliche Forschung kann eventuell Furcht haben vor einer ungenauen Prüfung, aber vor denjenigen nicht, die alles nehmen wollen, was der physischen Forschung zur Verfügung steht. Diese werden sehen, daß, je genauer sie vorgehen bei ihren Forschungen, sie desto mehr die Tatsachen, die der Hellseher mitteilt, bestätigt finden werden. Für diejenigen Dinge aber, die nicht so ferne liegen und die nicht so schwierig sind, die sich auf Karma und Reinkarnation, auf das Leben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt beziehen, da braucht jemand nur das, was das Leben bietet, unbefangen zu betrachten. Je genauer er das betrachtet, desto mehr wird er bestätigt finden, was der Hellseher mitteilt; das heißt, es gibt genugsam Möglichkeiten, sich zu überzeugen davon, daß das, was gewonnen wird aus den übersinnlichen Welten, sich bestätigt an der äußeren physischen Welt. Und das ist etwas, was nicht so leicht hingenommen werden soll, sondern etwas, was wir als eine unerläßliche Notwendigkeit betrachten sollen. Wir sollen zunächst die Tatsachen, die vielleicht nur wenige erforschen können, an dem Leben prüfen. Wir sollen gar nicht immerfort die Phrase wiederholen: Das muß man auf Treu und Glauben hinnehmen! — Nein, nehmt so wenig als möglich auf Treu und Glauben an, aber prüft, prüft, nur nicht befangen, sondern unbefangen! Das ist dasjenige, was man zunächst betonen kann.
[ 9 ] If the word “fear” had any meaning in this context at all, one might say that spiritual scientific research might possibly fear an inaccurate examination, but not those who wish to make use of everything available to physical research. The latter will see that the more precisely they proceed in their research, the more they will find the facts communicated by the clairvoyant to be confirmed. But for those matters that are not so remote and not so difficult—those relating to karma and reincarnation, to life between death and a new birth—one need only observe what life offers with an open mind. The more closely one observes this, the more one will find confirmation of what the clairvoyant communicates; that is to say, there are ample opportunities to convince oneself that what is gained from the supersensible worlds finds confirmation in the outer physical world. And this is something that should not be accepted so lightly, but rather something we should regard as an indispensable necessity. We should first test the facts—which perhaps only a few can investigate—against life itself. We should not constantly repeat the phrase: “One must accept this on faith!” — No, accept as little as possible on faith, but test, test—not with prejudice, but with an open mind! That is what can be emphasized first.
[ 10 ] Nun aber handelt es sich ja darum, daß eine solche Prüfung, wenn sie vorgenommen wird, in gewisser Beziehung anstrengend ist. Sie erfordert Denken, sie erfordert, daß man sozusagen arbeitet, daß man sich tatsächlich darauf einläßt, Bestätigungen in der physischen Welt zu finden für das, was aus der hellseherischen Forschung heraus gesagt wird. Und da kommen wir auf ein Kapitel, das sehr wohl einmal besprochen werden kann, welches unserer eigentlichen Frage erst entspricht, nämlich darauf: Ist es notwendig oder wenigstens gut für den heutigen Menschen, neben dem Streben, das ja berechtigt ist, selber hineinzudringen in die geistige Welt, ist es notwendig oder wenigstens gut, mit den gewöhnlichen Erkenntnismitteln und den gewöhnlichen Denkmethoden des physischen Planes sich eingehend und energisch zu beschäftigen? Mit andern Worten: Tut der Geistesschüler gut, jene Bequemlichkeit zu überwinden, die er ja heute reichlich mitbringt aus der nichtspirituellen Welt, tut er gut, jene Bequemlichkeit zu überwinden und ernsthaft seine Gedankenwelt auszubauen, sich wirklich der Mittel, mit denen man den Menschen auch vom physischen Plan aus erkennen kann, zu bemächtigen und ihrer sich zu bedienen? Tut er gut, vor allen Dingen recht viel zu lernen, namentlich zu lernen in bezug auf denkerische Art? Es ist sogar recht schwierig, ganz klar und präzis dem heutigen Bewußtsein beizubringen, was man darunter versteht.
[ 10 ] The point, however, is that such an examination, when undertaken, is in a certain sense demanding. It requires thought; it requires, so to speak, that one work at it, that one actually engage in the task of finding confirmation in the physical world for what is stated through clairvoyant research. And this brings us to a topic that is certainly worth discussing, one that truly addresses our original question, namely: Is it necessary, or at least beneficial, for people today—in addition to the legitimate aspiration to penetrate the spiritual world themselves—to engage deeply and energetically with the ordinary means of knowledge and the ordinary methods of thought of the physical plane? In other words: Is the spiritual student well advised to overcome that complacency which he brings with him in abundance today from the non-spiritual world? Is he well advised to overcome that complacency and earnestly expand his world of thought, to truly master the means by which one can also recognize human beings from the physical plane, and to make use of them? Is he well advised, above all, to learn a great deal, particularly with regard to the nature of thought? It is, in fact, quite difficult to explain clearly and precisely to the consciousness of today what is meant by this.
[ 11 ] Da kam es mir vor, daß jemand, der vorwärtskommen wollte auf anthroposophischem Felde, gleichzeitig aber sich schulen wollte, um die spirituellen Gedanken immer genauer zu denken, eine Lektüre von mir angewiesen haben wollte. Ich empfahl dem Betreffenden zu seiner Denktrainierung, damit er immer mehr imstande sein werde, die Gedanken, die er überliefert erhalte, sich in scharfen Konturen hineinzuzeichnen, er solle das Werk von Spinoza «Die Ethik» studieren. Es dauerte nur wenige Wochen, da schrieb mir die betreffende Persönlichkeit: Ja, er wisse eigentlich nicht, warum er das studieren solle; denn es sei verhältnismäßig ein dickes Buch und alles liefe darin doch nur darauf hinaus, das Dasein Gottes zu beweisen. Das habe er aber niemals bezweifelt und brauche deshalb nicht lange Gedankengänge durchzumachen, um das Dasein Gottes zu beweisen. — Sehen Sie, das ist so richtig ein Beispiel für jene Bequemlichkeit, mit der heute viele Menschen an die Geisteswissenschaft herankommen. Sie sind sozusagen schnell zufrieden, wenn sie sich einen Glauben erworben haben, und sie scheuen die Mühe, sich Stück für Stück jene Vorstellungen, die ja unbequem sind, zu erwerben, auszubauen. Dadurch kann aber niemals etwas anderes herauskommen als ein blinder Glaube, während Sie schon sehen werden, daß die Sache aufhört, blinder Glaube zu sein, wenn Sie wirklich Ihr Denken schulen und nicht bloß gierig danach streben, jene Kräfte auszubilden, die sozusagen zu einer elementaren Stufe der Hellsichtigkeit führen.
[ 11 ] It occurred to me that someone who wished to make progress in the field of anthroposophy, but who also wanted to train themselves to think spiritual ideas with ever greater precision, might have wanted me to recommend some reading. I recommended to this person, for the purpose of training his thinking so that he might become increasingly able to sketch out the ideas he received in sharp contours, that he should study Spinoza’s work *Ethics*. It took only a few weeks before the person in question wrote to me: Yes, he didn’t really know why he should study it; for it was a relatively thick book, and everything in it amounted to nothing more than proving the existence of God. But he had never doubted that, and therefore did not need to go through lengthy lines of reasoning to prove the existence of God. — You see, this is a perfect example of the complacency with which many people approach spiritual science today. They are, so to speak, quickly satisfied once they have acquired a belief, and they shy away from the effort of gradually acquiring and developing those ideas that are, after all, uncomfortable. But this can never result in anything other than blind faith, whereas you will see that the matter ceases to be blind faith when you truly train your thinking and do not merely greedily strive to develop those powers that lead, so to speak, to an elementary stage of clairvoyance.
[ 12 ] Gewiß soll heute nichts gesagt werden gegen das Streben, die verborgenen Kräfte in der Seele zu entwickeln. Das ist ein schönes und ein gutes Streben. Aber auf der andern Seite soll auch betont werden, daß damit parallelgehen muß, daß es notwendig ist, daneben die physischen Gedankenkräfte, diejenigen Erkenntnisfähigkeiten, die uns zunächst hier gegeben sind auf dem physischen Plan, diese wenn auch in unbequemer Weise zu schulen, damit wir imstande sind, uns scharfe Vorstellungen und scharfe Begriffe zu machen von dem, was uns mitgeteilt wird aus den höheren Welten. Man könnte schr leicht glauben, daß der geringste Grad des Hellschens besser sei als noch so viel Hören durch vernünftiges Begreifen von den Tatsachen der höheren Welten. Es könnte jemand sagen: Ich weiß gar nicht, warum ich in dieser Gesellschaft bin. Da werden immer Dinge der höheren Welten erzählt; das ist ganz schön, aber mir wäre es lieber, wenn ich auch nur ein klein, klein wenig sehen könnte durch hellsichtiges Schauen.
[ 12 ] Certainly, nothing should be said today against the endeavor to develop the hidden powers within the soul. That is a noble and good endeavor. But on the other hand, it must also be emphasized that this must go hand in hand with the necessity of training, albeit in an uncomfortable way, the physical powers of thought—those cognitive abilities that are initially given to us here on the physical plane—so that we may be able to form clear images and precise concepts of what is communicated to us from the higher worlds. One might easily believe that the slightest degree of clairvoyance is better than hearing as much as one might through rational comprehension of the facts of the higher worlds. Someone might say: I don’t know at all why I am in this society. Things from the higher worlds are always being told here; that is all well and good, but I would prefer it if I could see even just a tiny, tiny bit through clairvoyant vision.
[ 13 ] Ich kenne einen sehr gelehrten Theosophen, der seine inbrünstige Sehnsucht, auch einmal hinauszukommen über die bloße Gelehrsamkeit zum Sehen, damit ausgesprochen hat, daß er sagte: Wenn ich auch nur einmal in der Lage wäre, das Ende des Schwänzchens eines Elementarwesens zu sehen! - Gewiß, es ist das begreiflich. Man kann es durchaus verstehen, daß jemand so sagt. Dieser Theosoph würde ja niemals sagen, daß er die Erkenntnisse der spirituellen Wahrheiten dafür hingeben würde. Aber auch das kann vorkommen, daß einer sie hingeben würde, wenn er dafür auch nur ein wenig Hellsehen eintauschen könnte. Und dennoch, wenn jemand eine solche Empfindung hat, so ist sie ungeheuer irrtümlich, und zwar in jeder Beziehung irrtümlich. Denn wir leben in der Zeit, welche in der Entwickelung der Gesamtheit das Zeitalter des bewußten Denkens ist. Wie oft betont worden ist, bildete das altindische Zeitalter noch eine ganz andere Art des Bewußtseins aus, die an dämmerhaftes, dumpfes Hellsehen erinnert. Nach und nach erst haben sich die heutigen Fähigkeiten entwickelt und erst wir haben mit der eigentlichen Entwickelung der Bewußtseinsseele das menschliche Denken in den Kreis der Erdenentwickelung hereinbekommen. Deshalb muß es auch heute geschehen, daß die Geisteswissenschaft heruntergeholt wird aus der übersinnlichen Welt und daß sie appelliert an das vernünftige Denken des Menschen.
[ 13 ] I know a very learned theosophist who once expressed his fervent longing to go beyond mere scholarship and actually see by saying: “If only I could see the tip of an elemental being’s tail, even just once!” - Certainly, that is understandable. One can certainly understand why someone would say that. This theosophist would never say that he would give up the knowledge of spiritual truths for that. But it can also happen that someone would give them up if he could exchange them for even a little clairvoyance. And yet, if someone has such a feeling, it is tremendously mistaken, and indeed mistaken in every respect. For we live in a time which, in the development of the whole, is the age of conscious thinking. As has often been emphasized, the ancient Indian age still fostered a completely different kind of consciousness, reminiscent of a dim, dull form of clairvoyance. Only gradually have today’s abilities developed, and only with the actual development of the conscious soul have we brought human thinking into the sphere of Earth’s evolution. That is why it must also happen today that spiritual science is brought down from the supersensible world and that it appeals to human rational thinking.
[ 14 ] Wir müssen uns einmal den folgenden Unterschied klarmachen: Bei einem bloß visionären Hellsehen braucht jemand kein besonderer Denker zu sein. Sein Denken kann sehr primitiv sein und er kann doch verhältnismäßig weit sein in bezug auf das Sehen auf dem astralischen und, bis zu einem gewissen Grade sogar devachanischen Plane. Er kann also da ziemlich weit sein, er kann vieles sehen. Der andere mögliche Fall ist, daß jemand sehr, sehr viel weiß von spirituellen Wahrheiten und noch gar nichts sieht, überhaupt nicht in der Lage ist, irgend etwas, wie gesagt auch nur das Ende des Schwänzchens eines Elementarwesens zu sehen. Auch das kann der Fall sein. Nun fragen wir uns einmal: Wie verhalten sich eigentlich diese verschiedenen Fähigkeiten der menschlichen Seele zueinander?
[ 14 ] We must first understand the following distinction: In the case of purely visionary clairvoyance, a person does not need to be a particularly deep thinker. Their thinking may be very primitive, yet they may still be relatively advanced in terms of seeing on the astral plane and, to a certain extent, even on the devachanic plane. So they can be quite advanced there; they can see many things. The other possible case is that someone knows a great deal about spiritual truths and yet sees nothing at all, is completely unable to see anything—as I said, not even the tip of an elemental being’s tail. That, too, can be the case. Now let us ask ourselves: How do these various abilities of the human soul actually relate to one another?
[ 15 ] Da müssen wir vor allen Dingen betonen, daß man nicht verwechseln darf: Etwas haben, und sich dessen, was man hat, bewußt sein. Das ist ungeheuer wichtig, daß man das ins Auge faßt. Sie werden diese Frage richtig verstehen, wenn wir sie etwas anders stellen. Sehen Sie, Sie alle waren einmal hellsehend in uralten Zeiten. Denn alle Menschen waren hellsehend, und zwar gab es Zeiten, in denen die Menschen zurückgesehen haben weit, weit in der Zeitenwende. Und nun können Sie fragen: Ja, warum erinnern wir uns nicht an unsere früheren Inkarnationen, wenn wir doch schon in der Zeitenwende rückwärtsschauen konnten?
[ 15 ] Above all, we must emphasize that one must not confuse having something with being aware of what one has. It is immensely important to keep this in mind. You will understand this question correctly if we phrase it slightly differently. You see, you were all clairvoyant in ancient times. For all people were clairvoyant, and indeed there were times when people looked back far, far into the past. And now you may ask: Yes, why do we not remember our past incarnations, if we were already able to look back into the past?
[ 16 ] Das müßte Ihnen ein Beweis sein für die eine Tatsache, daß es Ihnen gar nichts geholfen hat für diese Fähigkeit, zum Beispiel sich nun zurückzuerinnern, daß Sie früher in Ihre Inkarnationen zurückschauen konnten. Und Sie könnten die Frage aufwerfen: Nützt es uns also zunächst eigentlich etwas für eine folgende Inkarnation, wenn wir jetzt visionär hellsehend werden, für die Rückerinnerung? — Die eine Tatsache können Sie sich ja schon vor Augen halten: daß das alte Hellsehen nichts nützt für das Zurückschauen heute, denn das haben Sie alle gehabt. Warum erinnern sich heute so viele Menschen nicht an ihre vorhergehenden Inkarnationen? Die Frage ist außerordentlich wichtig. Es erinnern sich so viele nicht an ihre früheren Inkarnationen, obwohl sie in höherem oder geringerem Maße hellsichtig waren in früheren Zeiten, weil sie damals nicht ausgebildet hatten diejenigen Fähigkeiten, die gerade die Fähigkeiten des Selbstes, des Ichs sind. Denn nicht darum handelt es sich, daß man hellseherische Fähigkeiten ausgebildet hat, sondern daß man dasjenige, was gesehen werden soll, wirklich schon ausgebildet hat.
[ 16 ] This should serve as proof to you of the fact that it has not helped you at all in developing this ability—for example, to now recall that you were once able to look back on your past incarnations. And you might ask the question: So does it actually benefit us in any way for a future incarnation if we now become clairvoyant, for the purpose of recollection? — You can already keep one fact in mind: that the old clairvoyance is of no use for looking back today, for you all had that. Why do so many people today not remember their previous incarnations? The question is extremely important. So many do not remember their past incarnations, even though they were clairvoyant to a greater or lesser extent in earlier times, because back then they had not developed those very abilities that constitute the abilities of the Self, of the I. For it is not a matter of having developed clairvoyant abilities, but of having truly developed that which is to be seen.
[ 17 ] Wenn nun die Menschen früher noch so hellsichtig gewesen sind und nicht dafür gesorgt haben, gerade diejenigen Fähigkeiten auszubilden, welche die Fähigkeiten des Ichs sind, nämlich die Fähigkeit des Denkens, des Unterscheidungsvermögens, dasjenige, was die besondern Fähigkeiten des menschlichen Selbstes auf dieser Erde sind, so war ja das Ich nicht da in den vorhergehenden Inkarnationen. Es war die Selbstheit nicht da. Woran soll man sich dann erinnern? Man muß in der vorhergehenden Inkarnation dafür sorgen, daß ein in sich geschlossenes Ich da war. Darauf kommt es an! So daß also heute nur diejenigen Menschen sich an frühere Inkarnationen erinnern können, die in diesen früheren Inkarnationen gearbeitet haben mit den Mitteln des Denkens, der Logik, des Unterscheidungsvermögens. Diese können sich erinnern. Es kann also bei jemandem das Hellsehen noch so sehr ausgebildet werden: wenn er nicht in früheren Inkarnationen gearbeitet hat mit den Mitteln des Unterscheidungsvermögens, des logischen Denkens, dann kann er sich an eine frühere Inkarnation nicht erinnern. Damals hat er nicht hingesetzt die Marke, an die er sich erinnern soll. Da werden Sie schen, daß man eigentlich, wenn man Anthroposophie versteht, sich überlegen sollte, daß man nicht schnell genug herangehen kann, diese Fähigkeiten gerade des gründlichen Denkens sich zu erobern. Nun könnten Sie sagen: Wenn ich hellseherisch werde, dann werde ich mir diese Fähigkeit des logischen Denkens schon von selbst erobern. — Das ist nicht richtig. Warum haben die Götter überhaupt Menschen entstehen lassen? Aus dem Grunde, weil sie nur in Menschen Fähigkeiten entwickeln konnten, die sie sonst überhaupt nicht hätten entwickeln können: die Fähigkeit zu denken, in Gedanken sich etwas vorzustellen, so daß diese Gedanken an Unterscheidung gebunden sind. Diese Fähigkeit kann erst auf unserer Erde ausgebildet werden; sie war früher überhaupt nicht da, sie mußte erst dadurch kommen, daß eben Menschen entstanden sind.
[ 17 ] If people in the past were so clairvoyant and failed to cultivate precisely those abilities that are the abilities of the ego—namely, the ability to think, the power of discernment, and those specific abilities of the human self on this earth—then the ego was not present in their previous incarnations. The sense of self was not present. What, then, is there to remember? One must ensure in the previous incarnation that a self-contained ego was present. That is what matters! Thus, only those people today who worked in those earlier incarnations with the tools of thinking, logic, and discernment can remember past incarnations. They are the ones who can remember. So no matter how highly developed a person’s clairvoyance may be: if they have not worked in earlier incarnations with the tools of discernment and logical thinking, then they cannot remember a past incarnation. Back then, they did not plant the seed they are supposed to remember. You will see that, if one understands anthroposophy, one should realize that one cannot approach the task quickly enough to acquire these very abilities of thorough thinking. Now you might say: If I become clairvoyant, then I will acquire this ability of logical thinking all on my own. — That is not correct. Why did the gods create human beings in the first place? For the reason that they could only develop in human beings abilities that they could not have developed otherwise: the ability to think, to imagine something in thought, so that these thoughts are bound to discrimination. This ability can only be developed on our Earth; it did not exist at all before; it had to come about precisely through the emergence of human beings.
[ 18 ] Wenn wir einen Vergleich gebrauchen wollen, so können wir sagen: Nehmen wir an, Sie haben ein Samenkorn, einen Weizensamen etwa. Wenn Sie ihn noch so lange anschauen, da wird kein Weizen daraus. Sie müssen ihn in die Erde hineinlegen und ihn wachsen lassen, die Kräfte des Wachstums auf ihn wirken lassen. Das, was die göttlich-geistigen Wesenheiten vor der Bildung des Menschen gehabt haben, läßt sich dem Weizensamen vergleichen. Sollte der in Form von Gedanken aufgehen, dann mußte er erst auf dem physischen Plan durch Menschen gepflegt werden. Es gibt keine andere Möglichkeit, Gedanken zu züchten von den höheren Welten herunter, als sie in Menscheninkarnationen aufgehen zu lassen. So daß dasjenige, was Menschen hier auf dem physischen Plane denken, ein Einzigartiges ist und zu dem hinzukommen muß, was in den höheren Welten möglich ist. Der Mensch war tatsächlich notwendig, sonst hätten ihn die Götter nicht entstehen lassen. Die Götter haben den Menschen entstehen lassen, um das, was sie gehabt haben, auch noch in der Form des Gedankens durch den Menschen zu erhalten. So also würde überhaupt das, was aus den höheren Welten herunterkommt, nie die Form des Gedankens bekommen, wenn der Mensch ihm nicht diese Form des Gedankens geben könnte. Und wer nicht denken will auf der Erde, der entzieht den Göttern das, worauf sie gerechnet haben, und kann also das, was eigentlich Menschenaufgabe und Menschenbestimmung ist auf der Erde, gar nicht erreichen. Er kann es nur erreichen in derjenigen Inkarnation, wo er sich darauf einläßt, wirklich denkerisch zu arbeiten. Wenn man sich das überlegt, so folgt alles andere daraus. Was Offenbarungen, wirkliche Tatsachen gibt über die geistige Welt, das kann in der mannigfaltigsten Weise in die Menschenseele einziehen. Gewiß ist es möglich und in zahlreichen Fällen heute wirklich so, daß die Menschen zu einem visionären Sehen kommen, ohne scharfe Denker zu sein — viel mehr Leute kommen zum Hellsehen, die keine scharfen Denker sind, als scharfe Denker -, aber es ist ein großer Unterschied zwischen den Erfahrungen in der geistigen Welt derjenigen, die scharfe Denker sind, und derjenigen, die keine scharfen Denker sind. Es ist ein Unterschied, den ich so ausdrücken kann: Was sich aus den höheren Welten offenbart, das prägt sich am allerbesten ein in diejenigen Formen des Vorstellens, die wir als Gedanken diesen höheren Welten entgegenbringen; das ist das beste Gefäß.
[ 18 ] If we want to use a comparison, we can say: Suppose you have a seed, a wheat seed, for example. No matter how long you look at it, it will not turn into wheat. You must plant it in the ground and let it grow, allowing the forces of growth to act upon it. What the divine-spiritual beings possessed before the formation of humanity can be compared to the wheat seed. If it were to sprout in the form of thoughts, it would first have to be nurtured on the physical plane by human beings. There is no other way to cultivate thoughts from the higher worlds than to allow them to sprout in human incarnations. Thus, what human beings think here on the physical plane is unique and must be added to what is possible in the higher worlds. Humanity was indeed necessary; otherwise, the gods would not have brought it into being. The gods brought humanity into being in order to preserve, through human beings, what they had possessed—even in the form of thought. Thus, what comes down from the higher worlds would never take on the form of thought at all if human beings could not give it this form of thought. And whoever does not wish to think on Earth deprives the gods of what they have counted on, and can therefore not at all achieve what is actually humanity’s task and destiny on Earth. They can only achieve it in that incarnation in which they commit themselves to truly working with thought. When one considers this, everything else follows from it. Whatever revelations or real facts there are about the spiritual world can enter the human soul in the most manifold ways. Certainly it is possible, and in many cases today this is indeed the case, that people attain visionary perception without being keen thinkers—far more people who are not keen thinkers attain clairvoyance than keen thinkers do—but there is a great difference between the experiences in the spiritual world of those who are keen thinkers and those who are not. It is a difference I can express as follows: What is revealed from the higher worlds is best imprinted in those forms of imagination that we bring as thoughts toward these higher worlds; that is the best vessel.
[ 19 ] Wenn wir nun keine Denker sind, dann müssen sich die Offenbarungen andere Formen suchen, zum Beispiel die Form des Bildes, die Form des Sinnbildes. Das ist die häufigste Art, wie derjenige, der Nichtdenker ist, die Offenbarungen erhält. Und Sie können dann von solchen, die visionäre Hellseher sind, ohne daß sie zugleich Denker sind, hören, wie von ihnen in Sinnbildern die Offenbarungen erzählt werden. Diese sind ja ganz schön, aber wir müssen uns zu gleicher Zeit bewußt sein, daß das subjektive Erlebnis ein anderes ist, ob Sie als Denker Offenbarungen haben oder als Nichtdenker. Wenn Sie als Nichtdenker Offenbarungen haben, so ist das Sinnbild da; es steht da diese oder jene Figur. Das offenbart sich aus der geistigen Welt heraus. Sagen wir, Sie sehen eine Engelgestalt, dieses oder jenes Symbolum, das dieses oder jenes ausdrückt, meinetwillen ein Kreuz, eine Monstranz, einen Kelch - das ist da im übersinnlichen Felde, das sehen Sie als fertiges Bild. Sie sind sich klar: Das ist keine Wirklichkeit, aber es ist ein Bild.
[ 19 ] If we are not thinkers, then revelations must take other forms, such as the form of an image or a symbol. This is the most common way in which those who are not thinkers receive revelations. And you can then hear from those who are visionary clairvoyants—without being thinkers at the same time—how they recount the revelations in symbols. These are indeed quite beautiful, but we must at the same time be aware that the subjective experience is different depending on whether you receive revelations as a thinker or as a non-thinker. When you have revelations as a non-thinker, the symbol is there; this or that figure stands there. This reveals itself from the spiritual world. Let’s say you see an angelic figure, this or that symbol expressing this or that—for example, a cross, a monstrance, a chalice—it is there in the supersensible realm; you see it as a finished image. You are clear: this is not reality, but it is an image.
[ 20 ] In etwas anderer Weise werden schon für das subjektive Bewußtsein die Erfahrungen aus der geistigen Welt für den Denker erlebt, nicht ganz so wie bei dem Nichtdenker. Da stehen sie nicht sozusagen auf einmal gegeben da, wie aus der Pistole heraus geschossen; da haben Sie sie anders vor sich. Nehmen Sie, ich will sagen, einen nichtdenkenden visionären Hellseher und einen denkenden. Der nichtdenkende visionäre Hellseher und der denkende visionäre Hellseher würden beide dieselben Erfahrungen empfangen. Wollen wir einen bestimmten Fall setzen: Der nichtdenkende visionäre Hellseher sieht diese oder jene Erscheinung der geistigen Welt, der denkende visionäre Hellseher sieht sie noch nicht, sondern etwas später, und in dem Momente, wo er sie sieht, da war sie bereits erfaßt von seinem Denken. Da kann er sie schon unterscheiden, er kann schon wissen, ob sie Wahrheit oder Unwahrheit ist. Er sieht sie etwas später. Es tritt ihm aber, indem er sie etwas später sieht, die Erscheinung aus der geistigen Welt so entgegen, daß er sie gedankendurchdrungen hat und unterscheiden kann, ob sie Täuschung oder Wirklichkeit ist, so daß er sozusagen früher etwas hat, bevor er es sieht. Er hat es natürlich im selben Momente wie der nichtdenkende visionäre Hellseher, aber er sieht es etwas später. Dann aber, wenn er es sieht, dann ist die Erscheinung schon mit dem Urteil, mit dem Gedanken durchsetzt, und er kann genau wissen, ob sie ein Scheinbild ist, ob da seine eigenen Wünsche objektiviert sind, oder ob sie objektive Realität ist. Das ist der Unterschied im subjektiven Erlebnis. Der nichtdenkende visionäre Hellseher sieht die Erscheinung sogleich, der denkende etwas später. Dafür aber wird sie auch beim ersteren so bleiben, wie er sie sieht, er kann sie so beschreiben. Der Denker aber wird sie ganz einreihen können in das, was dann in der gewöhnlichen physischen Welt ist. Er wird sie in Beziehung bringen können zu dieser. Die physische Welt ist eben auch, wie jene Erscheinung, eine Offenbarung aus der geistigen Welt.
[ 20 ] In a somewhat different way, even for subjective consciousness, experiences from the spiritual world are perceived differently by the thinker than by the non-thinker. They do not, so to speak, appear all at once, as if fired from a gun; rather, they present themselves differently. Take, for example, a non-thinking visionary clairvoyant and a thinking one. The non-thinking visionary clairvoyant and the thinking visionary clairvoyant would both receive the same experiences. Let us take a specific case: The non-thinking visionary clairvoyant sees this or that apparition from the spiritual world; the thinking visionary clairvoyant does not see it yet, but somewhat later, and at the moment when he sees it, it has already been grasped by his thinking. Then he can already distinguish it; he can already know whether it is truth or falsehood. He sees it somewhat later. But because he sees it a little later, the phenomenon from the spiritual world presents itself to him in such a way that he has permeated it with thought and can distinguish whether it is illusion or reality, so that he has, so to speak, something earlier than he sees it. He has it, of course, at the same moment as the non-thinking visionary clairvoyant, but he sees it a little later. But then, when he sees it, the phenomenon is already permeated with judgment, with thought, and he can know exactly whether it is an illusion, whether his own desires are objectified there, or whether it is objective reality. That is the difference in subjective experience. The non-thinking visionary clairvoyant sees the phenomenon immediately; the thinking one sees it somewhat later. For the former, however, it will remain exactly as he sees it; he can describe it as such. The thinker, however, will be able to place it entirely within what then exists in the ordinary physical world. He will be able to relate it to that world. The physical world is, just like that apparition, a revelation from the spiritual world.
[ 21 ] Daraus sehen Sie schon, daß Sie dadurch, daß Sie ausgerüstet mit dem Instrument des Gedankens an die geistige Welt herangehen, Sicherheit haben in der Beurteilung dessen, was Ihnen gegeben wird. Nun aber kommt noch hinzu: Man könnte über den Wert von Mitteilungen aus der geistigen Welt streiten, wenn man die entsprechenden Erscheinungen nicht selber gesehen hat. Setzen wir zu den zweien, die wir einander gegenübergestellt haben, einen dritten hinzu, der nun gar kein Hellseher ist, sondern dem nur mitgeteilt werden die Ergebnisse der geistigen Forschung, insofern sie auf dem Wege des scharfen Denkens im Verein mit dem visionären Sehen gewonnen werden. Er nimmt sie und begreift sie als vernünftig. Ja, es sind Tatsachen aus der geistigen Welt. Der visionäre, denkende Scher hat sie und ein jeder hat sie, der sie vernünftigerweise begriffen hat, wenn er sich dessen auch nicht bewußt ist. Sie brauchen lange nicht hellsichtig zu sein und haben dennoch den vollen Wert dessen, was Sie als Mitteilungen empfangen, in sich.
[ 21 ] From this you can already see that, by approaching the spiritual world equipped with the instrument of thought, you have certainty in your assessment of what is given to you. But there is more: one might dispute the value of messages from the spiritual world if one has not witnessed the corresponding phenomena oneself. Let us add to the two we have set against each other a third person who is by no means a clairvoyant, but to whom are merely communicated the results of spiritual research, insofar as they are obtained through the path of keen thinking combined with visionary seeing. He takes them and regards them as reasonable. Yes, they are facts from the spiritual world. The visionary, thinking individual possesses them, and so does everyone who has understood them rationally, even if they are not aware of it. They need not be clairvoyant, and yet they possess within themselves the full value of what they receive as messages.
[ 22 ] Es ist ein Unterschied zwischen dem, etwas zu haben, und sich dessen bewußt zu sein, was man hat. Man kann sich daran sehr leicht das Verhältnis eines solchen nicht sehenden Geistesschülers zum hellsichtigen klarmachen. Denken Sie, Sie hätten eine Erbschaft gemacht, hätten aber noch nichts davon erfahren. Wenn dies der Fall wäre, wenn Sie die Erbschaft gemacht hätten, Ihnen aber noch nichts bekannt wäre, so hat sie auch schon heute den richtigen Wert für Sie. Sie können es erst später erfahren, daß Sie heute diese Erbschaft gemacht haben, Sie besitzen sie aber trotzdem. So ist es auch mit demjenigen, der durch die Anthroposophie Tatsachen der geistigen Welt erfährt. Er hat sie, wenn er sie vernünftigerweise begriffen hat, er besitzt sie und kann nun abwarten die Zeit, wo er sich ihrer bewußt wird. Das ist aber eben etwas, was durchaus nicht gleichbedeutend ist mit dem Besitz der Tatsachen. Insbesondere zeigt sich das nach dem Tode. Was nützt eigentlich - wenn wir dieses triviale Wort anwenden wollen, um uns die Sache zu verdeutlichen —, was nützt dem Menschen mehr nach dem Toode: wenn er ohne Gedanken visionär irgend etwas sieht, oder wenn er rein spirituelle Mitteilungen, ohne visionär zu schauen, empfängt?
[ 22 ] There is a difference between having something and being aware of what one has. This makes it very easy to understand the relationship between a spiritual student who lacks this insight and one who is clairvoyant. Imagine you have inherited something but have not yet heard about it. If this were the case—if you had inherited it but were not yet aware of it—it would already have the proper value for you today. You may only find out later that you inherited it today, but you possess it nonetheless. So it is with the person who, through anthroposophy, comes to know facts of the spiritual world. He has them, once he has grasped them rationally; he possesses them and can now wait for the time when he becomes conscious of them. But this is precisely something that is by no means synonymous with the possession of the facts. This becomes particularly evident after death. What is actually more useful to a person after death—if we are to use this trivial word to clarify the matter—what is more useful: if they see something visionarily without thinking, or if they receive purely spiritual messages without seeing visionarily?
[ 23 ] Da könnte man sehr leicht glauben, das visionäre Sehen sei eine bessere Vorbereitung für den Tod als das bloße Hören der Tatsachen aus der geistigen Welt. Und dennoch! Nach dem Tode nützt dem Menschen recht wenig, was er bloß visionär gesehen hat. Ist dagegen eine Tatsache da, fängt er sofort an, sich dessen bewußt zu werden, was er an Mitteilungen empfangen hat, wenn er diese vernünftigerweise begriffen hat. Gerade das hat den Wert nach dem Tode: was man verstanden hat, gleichgültig, ob es geschaut ist oder nicht. Und nehmen Sie den tiefsten Eingeweihten: durch sein Hellsehen kann er die ganze geistige Welt schauen, aber das erhöht seine Bedeutung nach dem Tode nicht, wenn er nicht in menschlichen Begriffen diese Tatsachen auszudrücken imstande ist. Nach dem Tode helfen ihm nur diejenigen Dinge, die er hier als Begriffe hat. Das sind die Samenkörner für das Leben nach dem Tode. Natürlich, wer visionärer Hellseher ist und Denker, der kann es nutzbringend machen, was er visionär sieht. Aber zwei nichtdenkerische Menschen, von denen der eine hellsichtig ist und der andere nur hört, was dieser sieht, sind nach dem Tode in genau derselben Lage; denn das, was wir mitbringen in das Leben nach dem Tode, das ist dasjenige, was wir uns hier erwerben mit Hilfe des scharfen Denkens. Das geht auf als ein Samen, nicht das, was wir herausholen aus den Welten, wo wir hineingehen. Wir bekommen das, was wir aus den höheren Welten empfangen, nicht als ein freies Geschenk, damit wir es dann bequemer haben, wenn wir den physischen Plan verlassen, sondern dazu, daß wir es hier in die Münze dieser Erde umsetzen. So viel wie wir in die Münze dieser Erde umgesetzt haben, so viel hilft uns nach dem Tode. Das ist das Wesentliche.
[ 23 ] One might very easily believe that visionary seeing is a better preparation for death than merely hearing the facts from the spiritual world. And yet! After death, what a person has merely seen in visions is of very little use to them. If, on the other hand, there is a fact, they immediately begin to become aware of the messages they have received, provided they have understood them rationally. It is precisely this that has value after death: what one has understood, regardless of whether it has been seen or not. And take the most deeply initiated: through his clairvoyance he can see the entire spiritual world, but that does not increase his significance after death if he is not able to express these facts in human terms. After death, only those things that he has here as concepts will help him. These are the seeds for life after death. Of course, one who is a visionary clairvoyant and a thinker can make use of what he sees in his visions. But two non-thinking people, one of whom is clairvoyant and the other merely hears what the first sees, are in exactly the same situation after death; for what we bring with us into the life after death is precisely what we acquire here through the power of keen thinking. That is what takes root as a seed, not what we draw from the worlds into which we enter. We do not receive what we receive from the higher worlds as a free gift so that we may have it more comfortable when we leave the physical plane, but rather so that we may convert it here into the currency of this earth. As much as we have converted into the currency of this earth, so much helps us after death. That is the essential point.
[ 24 ] So ist es in bezug auf das Verhältnis nach dem Tode. Aber auch hier auf dem physischen Plan ist das Verhältnis ein anderes beim visionären Hellseher und bei dem denkenden visionären Hellseher. Gewiß ist es interessant und schön, hineinzusehen in die geistigen Welten; aber es ist trotzdem ein Unterschied, diese geistigen Welten bloß visionär zu sehen, abgesehen davon, daß man, ohne diese Dinge denkerisch zu durchschauen, niemals vor Täuschungen bewahrt bleibt. Es gibt kein anderes Mittel gegen Täuschungen, als das Geschaute erst klar zu denken. Aber selbst abgesehen davon: Nehmen wir an, es habe ein visionärer Hellseher dieses oder jenes geschaut, so wie er es schaut — das können Sie seinen Schilderungen entnehmen -, so ist es doch durchdrungen von Elementen des physischen Planes. Oder hat Ihnen irgendeiner einen Engel beschrieben, der nicht durchdrungen gewesen wäre von Elementen des physischen Planes? Er hat Flügel gehabt, Flügel haben aber die Vögel auch. Er hat einen menschlichen Oberleib gehabt, einen menschlichen Oberleib hat aber auch jeder Mensch auf dem physischen Plan. Gewiß, wie die Dinge zusammengesetzt sind, von denen der visionäre Hellseher erzählt, das ist nicht auf dem physischen Plan vorhanden; aber die Elemente dazu sind auf dem physischen Plan vorhanden. Die Bilder sind durchaus aus Elementen des physischen Planes zusammengesetzt. Das ist nicht unberechtigt. Aber Sie können daraus doch entnehmen, daß ein solches Bild einen Erdenrest hat. Was Sie da in Formen, in Bildern, die dem physischen Plan entnommen sind, an Ihren Schauungen haben, das gehört nicht der geistigen Welt an, das ist nur Versinnbildlichung der geistigen Welt mit Mitteln der physischen Welt. Ich habe das klar auseinandergesetzt in der «Geheimwissenschaft im Umriß». Ich habe da auseinandergesetzt, daß das wirklich für das heutige Hellsehen bis zu dem Punkte gehen muß, daß es zwar zuerst zu seiner Vorentwickelung seine Bildhaftigkeit hat, daß es aber nicht stehenbleiben darf dabei, sondern vorrücken muß bis zu dem Punkte, wo auch der letzte Erdenrest von dem, was geschaut wird, abgeworfen wird. Dann ist allerdings eine gewisse Gefahr vorhanden für den Hellseher, wenn er alle Erdenreste abstreift. Wenn er da zum Beispiel den Engel sieht und alles Irdische abstreift, so ist die Gefahr vorhanden, daß er dann nichts mehr sieht. Wenn er das wegläßt, was hinaufgetragen worden ist an Sinnbildlichkeit, dann besteht die Gefahr, daß er nichts mehr sieht. Was einen dann bewahrt, die Sache ganz zu verlieren, wenn man wirklich in die geistige Welt kommt, das ist der Same, der aus dem Denken aufgehen kann. Die Gedanken geben dann die Substanz her, das, was da ist in der geistigen Welt, zu ergreifen. Dadurch erhalten wir die Fähigkeit, wirklich in der geistigen Welt zu leben, daß wir das ergreifen in unserer sinnlichen Welt, was nicht mehr von Elementen der Sinnlichkeit durchsetzt ist und doch hier auf dem physischen Plane ist. Das sind einzig und allein die Gedanken. Wir dürfen nichts mitbringen in die geistige Welt als lediglich die Gedanken; von einem Kreis zum Beispiel nichts von der Kreide, sondern lediglich die Gedanken von dem Kreise. Mit diesen können Sie aufsteigen in die geistigen Welten. Von dem Bilde dürfen Sie nichts mitbringen.
[ 24 ] This is how it is with regard to the relationship after death. But even here on the physical plane, the relationship is different for the visionary clairvoyant and for the thinking visionary clairvoyant. Certainly, it is interesting and beautiful to look into the spiritual worlds; but there is nevertheless a difference between merely seeing these spiritual worlds in a visionary way, apart from the fact that, without thinking through these things, one is never protected from delusions. There is no other remedy against delusions than to first think clearly about what has been seen. But even setting that aside: Let us suppose that a visionary clairvoyant has seen this or that, just as he sees it—you can gather this from his descriptions—yet it is still permeated by elements of the physical plane. Or has anyone ever described an angel to you who was not permeated by elements of the physical plane? He had wings, but birds have wings too. He had a human upper body, but every human being on the physical plane also has a human upper body. Certainly, the way the things are composed that the visionary clairvoyant describes is not present on the physical plane; but the elements for them are present on the physical plane. The images are entirely composed of elements of the physical plane. That is not without justification. But you can still infer from this that such an image has an earthly basis. What you have in your visions in the form of shapes and images taken from the physical plane does not belong to the spiritual world; it is merely a symbolization of the spiritual world using the means of the physical world. I have clearly explained this in *Outline of Esoteric Science*. There I explained that for clairvoyance today, this must indeed go so far that, while it initially has its pictorial nature as a preliminary stage, it must not remain there but must advance to the point where even the last earthly remnant of what is seen is cast off. Then, however, a certain danger exists for the clairvoyant when he sheds all earthly remnants. If, for example, he sees the angel and sheds everything earthly, there is a danger that he will then see nothing at all. If he omits what has been carried upward in terms of symbolism, then there is a danger that he will see nothing at all. What then preserves one from losing the whole thing when one truly enters the spiritual world is the seed that can sprout from thinking. Thoughts then provide the substance to grasp what is present in the spiritual world. Through this we gain the ability to truly live in the spiritual world, by grasping in our sensory world that which is no longer permeated by elements of the senses and yet is here on the physical plane. These are solely and exclusively thoughts. We may bring nothing into the spiritual world but thoughts alone; from a circle, for example, nothing of the chalk, but only the thoughts of the circle. With these, you can ascend into the spiritual worlds. You may bring nothing of the image with you.
[ 25 ] Jetzt kann ich den früher erwähnten subjektiven Vorgang noch genauer beschreiben. Nehmen wir noch einmal den Fall an, daß irgend etwas, sagen wir meinetwillen eine Monstranz, gesehen wird in dem geistigen Felde. Nun will ich die beiden Hellseher, den bloß visionären und den denkerischen, so charakterisieren, daß ich annehme, der eine sieht es hier, a, der andere, der denkerische Hellseher, erst hier, b.
[ 25 ] Now I can describe the subjective process mentioned earlier in even greater detail. Let us once again assume the case that something—let us say, for the sake of argument, a monstrance—is seen in the mental field. Now I wish to characterize the two clairvoyants—the purely visionary one and the intellectual one—in such a way that I assume one sees it here, at point a, while the other, the intellectual clairvoyant, sees it only here, at point b.
[ 26 ] a———b
[ 26 ] a———b
[ 27 ] Von jetzt ab ist es ihm erst bewußt. Er bekommt es aber dadurch zugleich mit den Gedanken und kann es mit Gedanken durchdringen. In dem Moment allerdings, wo der denkerische Hellseher das Gebilde durchsetzt mit Gedanken, da wird es undeutlich für den visionären Hellseher, da wird es ihm schwarz und undeutlich - hier, b, an dieser Stelle. Es tritt erst nach einiger Zeit wieder auf. Gerade wo der Gedanke sich mit dem Gebilde verbinden kann, da wird es undeutlich für den visionären Hellseher. Er ist eigentlich niemals imstande, den Gedanken damit zu verbinden. Deshalb hat er niemals das Erlebnis: Du bist mit deinem Ich dabeigewesen. — Dieses Erlebnis ist etwas, was dem bloß visionären Hellseher fehlt.
[ 27 ] Only now does he become aware of it. But in doing so, he simultaneously perceives it through his thoughts and can penetrate it with his thoughts. However, the moment the intellectual clairvoyant permeates the form with his thoughts, it becomes indistinct to the visionary clairvoyant; it turns black and indistinct to him—here, b, at this point. It only reappears after some time. Precisely where the thought can connect with the form, it becomes indistinct for the visionary clairvoyant. He is actually never able to connect the thought with it. That is why he never has the experience: “You were there with your I.” — This experience is something that the purely visionary clairvoyant lacks.
[ 28 ] Das alles ist etwas, was sozusagen intimer auf die Sache eingeht und was ungeheuer wichtig ist zu bedenken, was einen darauf führen muß, daß man es wirklich nötig hat, sein Denken auszubilden, die Bequemlichkeit zu überwinden, die darin liegt, daß man sich eben nicht ein erkennendes Wissen aneignen will. Es ist tausendmal besser, die spirituellen Vorstellungen erst denkerisch erfaßt zu haben und dann, je nach seinem Karma später oder früher, selber hinaufsteigen zu können in die geistigen Welten, als zunächst zu sehen und nicht denkerisch erfaßt zu haben, was mitgeteilt wird in der Bewegung, die man die anthroposophische nennt. Tausendmal besser ist es, Geisteswissenschaft zu kennen und noch nichts zu sehen, als etwas zu sehen und nicht die Möglichkeit zu haben, die Dinge auch denkerisch zu durchdringen, weil dadurch Unsicherheit in die Sache hineinkommt.
[ 28 ] All of this delves more deeply into the matter, so to speak, and is immensely important to consider; it must lead one to the realization that it is truly necessary to develop one’s thinking and to overcome the complacency that arises from a reluctance to acquire true, discerning knowledge. It is a thousand times better to have first grasped the spiritual concepts intellectually and then, depending on one’s karma, sooner or later, to be able to ascend oneself into the spiritual worlds, than to have initially believed without having intellectually grasped what is communicated in the movement known as anthroposophy. It is a thousand times better to know spiritual science and not yet see anything than to see something and not have the ability to penetrate things intellectually as well, because this introduces uncertainty into the matter.
[ 29 ] Sie können aber die Sache noch präziser zum Ausdruck bringen, indem Sie sagen: Es gibt in der Gegenwart scharfe Denker, die können vernünftigerweise die geisteswissenschaftliche Weltanschauung einsehen. Warum kommen manchmal gerade diese so schwer zum Hellsehen? — Verhältnismäßig leicht wird es gerade denen, die nicht scharfe Denker sind, zum visionären Hellsehen zu kommen, und sie werden dann leicht hochmütig gegenüber dem Denken, während es schwierig ist für die scharfen Denker, zur Hellsichtigkeit zu kommen. Da ist haarscharf die Klippe vorhanden, wo ein gewisser maskierter Hochmut sich geltend macht. Es gibt ja kaum etwas, was den Hochmut so sehr züchtet, wie ein nicht von Gedanken erhelltes Hellsehen, und es ist deshalb so besonders gefährlich, weil der Betreffende in der Regel gar nicht weiß, daß er hochmütig ist, sondern sich sogar für demütig hält. Er weiß gar nicht zu beurteilen, was für ein ungeheurer Hochmut dazugehört, die denkerische Arbeit der Menschen gering zu achten und auf gewisse Eingebungen den Hauptwert zu legen. Es steckt darin ein maskierter Hochmut, der ungeheuerlich ist.
[ 29 ] However, you can express this even more precisely by saying: There are sharp thinkers today who can reasonably grasp the spiritual-scientific worldview. Why is it that sometimes these very people find it so difficult to attain clairvoyance? — It is relatively easy for those who are not sharp thinkers to attain visionary clairvoyance, and they then easily become arrogant toward thinking, whereas it is difficult for sharp thinkers to attain clairvoyance. There lies a razor-thin precipice where a certain masked arrogance asserts itself. There is hardly anything that breeds arrogance as much as clairvoyance not illuminated by thought, and it is particularly dangerous because the person in question usually does not even realize that they are arrogant, but rather considers themselves humble. They are completely unable to judge what an immense arrogance is involved in disregarding the intellectual work of human beings and placing the greatest value on certain intuitions. Therein lies a masked arrogance that is monstrous.
[ 30 ] Die Frage ist nun diese: Warum ist es — was ja die Erfahrung lehrt gerade manchem Denker so ungeheuer schwierig, es dahin zu bringen, nun auch hellsichtig zu werden? — Das hängt zusammen mit einer wichtigen Tatsache. Was man menschliche Unterscheidungskraft, Urteilskraft nennt, was der Denker gerade ausbildet, das logische Denken, das bewirkt nämlich eine ganz bestimmte Änderung des ganzen Gehirnbaues. Das physische Instrument wird umgeändert durch scharfes Denken. Die physische Forschung weiß zwar wenig davon, aber es ist so; es schaut ein physisches Gehirn anders aus, das ein Denker benützt hat, als eines, das einem Nichtdenker angehörte. Daß einer hellseherisch ist, ändert es nicht viel. Bei einem, der nicht denkt, finden Sie das Gehirn in sehr komplizierten Windungen, beim scharfen Denker dagegen verhältnismäßig einfach, ohne besondere Komplikationen. Gerade in der Vereinfachung der Gehirnwindungen drückt sich das Denken aus. Davon weiß die heutige Forschung nichts.
[ 30 ] The question now is this: Why is it—as experience teaches us—that it is so incredibly difficult for many a thinker to go on to become clairvoyant? This is connected to an important fact. What is called human discernment and judgment—the very qualities that the thinker cultivates, namely logical thinking—brings about a very specific change in the entire structure of the brain. The physical instrument is transformed by sharp thinking. Physical research knows little of this, but it is true; a physical brain used by a thinker looks different from one that belonged to a non-thinker. The fact that someone is clairvoyant does not change this much. In someone who does not think, you will find the brain in very complicated convolutions; in the sharp thinker, on the other hand, it is relatively simple, without any particular complications. It is precisely in the simplification of the brain’s convolutions that thinking expresses itself. Modern research knows nothing of this.
[ 31 ] Scharfes Denken ist das, was überschauen kann, nicht, was sich im Analysieren betätigt. Daher die größere Einfachheit der Gehirnwindungen beim scharfen Denker. Wo die physische Forschung irgendwie nur sich herbeiläßt, bloß einmal das scharfe Denken, das für physische Verhältnisse gilt, zu prüfen, da zeigt sich sehr bald, daß die physische Forschung bestätigt, was die Geisteswissenschaft behauptet. Die Untersuchung des Gehirns von Mendelejew, dem die Wissenschaft die Aufstellung des periodischen Systems der Elemente verdankt, bewahrheitet, was die Geisteswissenschaft sagt: seine Gehirnwindungen waren einfacher. Bei ihm war in gewissen Grenzen ein umfassendes Denken da, und da ergab auch die physische Untersuchung durchaus die Wahrheit dessen, was ich gesagt habe. Das ist nicht von besonderem Wert, das sei nur nebenbei erwähnt. Also, wie gesagt, es ist eine Veränderung des Werkzeuges des Denkens da. Diese Veränderung muß die Tätigkeit des Denkens selber herbeirufen. Es wird ja keiner geboren mit all den Fähigkeiten, die er später hat, vielleicht mit den Anlagen dazu; aber die Fähigkeiten muß er erst ausbilden, so daß tatsächlich mit dem Gehirn während des Lebens eine Veränderung vorgeht. Es ist das Werkzeug des Denkens anders geworden nach dem denkerischen Leben, als es vorher gewesen war.
[ 31 ] Sharp thinking is that which can take in the whole picture, not that which is engaged in analysis. Hence the greater simplicity of the brain’s convolutions in the sharp thinker. Wherever physical research deigns to examine sharp thinking as it applies to physical conditions, it very soon becomes apparent that physical research confirms what spiritual science asserts. The examination of the brain of Mendeleev, to whom science owes the creation of the periodic table of elements, confirms what spiritual science says: his brain convolutions were simpler. He possessed, within certain limits, a comprehensive way of thinking, and the physical examination also fully confirmed the truth of what I have said. This is not of particular value; let me just mention it in passing. So, as I said, there is a change in the instrument of thought. This change must be brought about by the activity of thought itself. After all, no one is born with all the abilities they will later possess, perhaps with the predispositions for them; but they must first develop these abilities, so that a change actually takes place in the brain during the course of life. The instrument of thought has become different after a life of thinking than it was before.
[ 32 ] Die Sache ist nun diese, daß unser Ätherleib, den wir für das hellseherische Bewußtsein loskriegen müssen von unserem physischen Gehirn, durch diese denkerische Betätigung gekettet wird an das physische Gehirn. Diese Arbeit des Denkens kettet, verbindet den Ätherleib stark mit dem Gehirn. Hat einer durch sein Karma noch nicht die Kräfte, ihn wieder loszukriegen zur rechten Zeit, dann kann es sein, daß er in dieser Inkarnation nichts Besonderes auf hellseherischem Gebiete erreichen kann. Nehmen wir an, er habe das Karma, in einer früheren Inkarnation ein scharfer Denker gewesen zu sein. Dann wird das Denken jetzt nicht so stark den Ätherleib mit dem Gehirn engagieren, und er wird verhältnismäßig leicht den Ätherleib bald loskriegen und kann gerade dadurch, daß die denkerischen Elemente die besten Samen sind für das Aufsteigen in die höheren Welten, in feinster Weise die Geheimnisse der höheren Welten erforschen. Er muß natürlich erst wieder loskriegen den Ätherleib von dem Gehirn. Wenn der Ätherleib aber sich so verfangen hat im physischen Gehirn beim Hineinziselieren der denkerischen Tätigkeit, daß er erschöpft ist, dann kann ihn sein Karma vielleicht lange warten lassen, bis er ihn wieder loskriegt. Wenn er aber dann aufsteigt, dann ist er durchgeschritten durch den Punkt des logischen Denkens. Dann ist das unverloren, dann kann ihm niemand wegnehmen, was er sich errungen hat, und das ist ungeheuer wichtig, weil die Hellsichtigkeit sonst immer wieder verlorengehen kann. Ich mache noch einmal darauf aufmerksam, daß Sie alle hellsichtig waren in früheren Zeiten. Warum besitzen Sie die Fähigkeit des Hellsehens jetzt nicht mehr? Weil Sie dazumal nicht mit dem Erdendasein verknüpft und verbunden waren, weil Sie entrückt waren in die geistige Welt, weil Sie diese nicht heruntergeholt haben bis zu Ihren Fähigkeiten, weil das visionäre Hellsehen auf einer Entrücktheit beruhte.
[ 32 ] The fact is that our etheric body—which we must detach from our physical brain in order to develop clairvoyant consciousness—is bound to the physical brain through this mental activity. This work of thinking binds the etheric body strongly to the brain. If, due to their karma, a person does not yet have the strength to detach it at the right time, then it may be that they cannot achieve anything special in the field of clairvoyance in this incarnation. Let us assume that they have the karma of having been a keen thinker in a previous incarnation. Then thinking will not now engage the etheric body so strongly with the brain, and they will be able to detach the etheric body relatively easily and soon; and precisely because the elements of thought are the best seeds for ascending into the higher worlds, they can explore the mysteries of the higher worlds in the most subtle way. Of course, they must first detach the etheric body from the brain. But if the etheric body has become so entangled in the physical brain during the chiseling in of the thinking activity that it is exhausted, then his karma may perhaps make him wait a long time before he can detach it again. But when he then ascends, he has passed through the point of logical thinking. Then it is not lost; then no one can take away from him what he has attained, and that is immensely important, because otherwise clairvoyance can be lost again and again. I would like to point out once again that you were all clairvoyant in earlier times. Why do you no longer possess the ability of clairvoyance now? Because back then you were not linked or connected to earthly existence, because you were raptured into the spiritual world, because you did not bring it down to the level of your abilities, because visionary clairvoyance was based on a state of rapture.
[ 33 ] Das ist, was wir ins Auge fassen müssen. Diese Feinheiten muß man sich in die Seele schreiben. Man muß sich klar sein darüber, daß eine wirkliche Geheimwissenschaft heute die Aufgabe hat, diejenigen Ergebnisse der geistigen Forschung mitzuteilen, die mit dem denkerischen Gehalt durchdrungen sind, so daß man immer die Ergebnisse der hellseherischen Forschung so einkleidet, daß der nicht hellseherische Mensch sie durch sein Denken begreifen kann. Dazu müssen sie aber erst mit dem Gedanken verbunden sein. Daher die Schwierigkeit alten Büchern gegenüber, in denen von Erscheinungen der höheren Welten die Rede ist. Wenn Sie solche alte Bücher hernehmen, so werden Sie überall - wenn Sie mit der Gepflogenheit der heutigen Geisteswissenschaft herantreten - einen Mangel empfinden. Es sind vielleicht großartige Mitteilungen, die Sie in diesen alten Büchern finden, aber es kann der heutige Mensch mit ihnen, wenn er nicht selber Hellscher ist und die Sache richtigstellen kann, nicht viel anfangen, während mit dem, was heute Geisteswissenschaft darbietet, jeder, der sich bemüht, etwas anfangen kann, weil er es durchdringen kann mit dem, was er auf dem physischen Plan an Gedankenelementen gewinnen kann. Denn mit denselben Begriffen wird das erfaßt, was in der geistigen Welt ist und was in der physischen Welt ist. Die heutige Naturwissenschaft redet von Entwickelung und die Geisteswissenschaft redet von Entwickelung. Haben Sie den Begriff der Entwickelung erfaßt, so können Sie verstehen, was in der Geisteswissenschaft mitgeteilt wird. Sie können sich von Karma einen Begriff verschaffen, weil Sie sich ein denkerisches Bild davon verschaffen können. Freilich, wenn Sie einfach sagen, wie dies manche Theosophen tun: Jede geistige Ursache hat eine geistige Wirkung und dies ist Karma -, dann haben Sie keinen Begriff von Karma. Bei einer Billardkugel können Sie auch das Gesetz von Ursache und Wirkung sehen, aber da haben Sie nicht den richtigen Vergleich mit Karma. Nehmen Sie dagegen einmal eine Kugel aus Eisen und werfen Sie diese in ein Gefäß mit Wasser. Wenn die Kugel kalt ist, so bleibt das Wasser, wie es ist. Wenn Sie aber die Kugel heiß machen und dann hineinwerfen, dann wird das Wasser warm. Infolge des Ereignisses, das mit der Kugel geschehen ist, wird das Wasser warm. Das läßt sich mit dem Karma vergleichen, wenn ein späteres Ereignis die Folge ist eines früheren Geschehnisses.
[ 33 ] This is what we must keep in mind. These subtleties must be deeply ingrained in our souls. One must be clear that a true esoteric science today has the task of communicating those results of spiritual research that are imbued with intellectual content, so that the results of clairvoyant research are always presented in such a way that the non-clairvoyant person can grasp them through their thinking. To do this, however, they must first be connected with thought. Hence the difficulty with old books that speak of phenomena of the higher worlds. If you take up such old books, you will find a deficiency everywhere—if you approach them with the standards of today’s spiritual science. You may find magnificent insights in these old books, but modern people cannot make much of them unless they are clairvoyant themselves and can set the record straight, whereas with what spiritual science offers today, anyone who makes an effort can make sense of it because they can penetrate it using the mental elements they can acquire on the physical plane. For the same concepts are used to grasp what exists in the spiritual world and what exists in the physical world. Modern natural science speaks of evolution, and spiritual science speaks of evolution. If you have grasped the concept of evolution, you can understand what is communicated in spiritual science. You can form a concept of karma because you can form a mental image of it. Of course, if you simply say, as some theosophists do: “Every spiritual cause has a spiritual effect, and this is karma”—then you have no concept of karma. You can also see the law of cause and effect in a billiard ball, but that is not the right comparison for karma. Take, on the other hand, an iron ball and throw it into a vessel of water. If the ball is cold, the water remains as it is. But if you heat the ball and then throw it in, the water becomes warm. As a result of what happened to the ball, the water becomes warm. This can be compared to karma, where a later event is the consequence of an earlier occurrence.
[ 34 ] So also müssen wir uns durchaus klar sein darüber, daß jeder, der mit dem Gedanken durchdringt die Tatsachen der geistigen Welt, sie auch mitteilen kann in solcher Weise, daß derjenige, der die Gedanken hier auf dem physischen Plane gewonnen hat, dieselben Gedanken anwenden kann auf das, was mitgeteilt wird aus den geistigen Welten. Dann kann er das begreifen. Das soll sich jeder zu Gemüte führen. Jeder soll verstehen, daß es nicht darauf ankommt, Mitteilungen aus den höheren Welten zu bekommen, sondern es kommt darauf an, daß man sie bekommt auf eine Art, die unseren irdischen Verhältnissen entspricht. Jeder sollte darauf achtgeben, daß er die Mitteilungen aus den höheren Welten nicht anders bekommt. Freilich ist die Bequemlichkeit da, einfach zu glauben, was mitgeteilt wird. Das ist aber von großem Übel. Denn, nicht wahr, wenn jemand glauben will, so ist das ungefähr so, wie wenn er sich erzählen lassen will, daß es ein Licht gibt, während er doch das Licht braucht, um ein Zimmer zu beleuchten. Da muß er das Licht haben, da hilft der bloße Glaube nichts. So ist es wichtig, daß man zunächst die Form ergreift, die Form des gewissenhaften, gründlichen Nachdenkens, um durch diese Form zuerst zu empfangen die Mitteilungen aus der geistigen Welt. Erforscht werden können sie nur, wenn man die Fähigkeit des Hellsehens besitzt, aber begreifen kann sie jeder, wenn sie erforscht sind, der sie in richtiger Weise empfängt.
[ 34 ] We must therefore be fully aware that anyone who penetrates the facts of the spiritual world with their thoughts can also communicate them in such a way that those who have formed these thoughts here on the physical plane can apply them to what is communicated from the spiritual worlds. Then they can understand it. Everyone should take this to heart. Everyone should understand that what matters is not receiving messages from the higher worlds, but rather receiving them in a way that corresponds to our earthly circumstances. Everyone should take care not to receive messages from the higher worlds in any other way. Of course, it is convenient simply to believe what is communicated. But that is a great evil. For, is it not true that if someone wants to believe, it is much like wanting to be told that there is a light, while they actually need the light to illuminate a room? There they must have the light; mere belief is of no help. Thus it is important to first adopt the form—the form of conscientious, thorough reflection—in order to receive the messages from the spiritual world through this form. They can only be investigated if one possesses the ability of clairvoyance, but once investigated, anyone who receives them in the right way can understand them.
[ 35 ] Wenn man so denkt, dann werden alle die Gefahren, die wirklich sonst verknüpft sind mit dem, was man anthroposophische Bewegung nennt, mehr oder weniger dadurch beseitigt sein. Die Gefahren treten aber sofort ein, wenn Leute hellscherische Fähigkeiten entwickeln und nicht darauf halten, zu gleicher Zeit ihr Denken und namentlich ihr Erkennen mit den Mitteln des Denkens zu bereichern. Diese Gier haben viele, nur ja etwas zu erhaschen aus der geistigen Welt und nicht sorgfältig wirklich erkennend vorzugehen mit dem, was auf dem physischen Plan erobert werden muß. Kein Gott kann die Welt in Gedanken erfassen, wenn er sich nicht auf dieser physischen Erde inkarniert. Er kann die Welt erfassen in anderer Form; aber um sie zu erfassen in dieser Form, da muß er sich auf dieser Erde inkarnieren. Das bedenkend, kann sich jeder klarmachen, daß es mit gewissen Gefahren verbunden ist, Fähigkeiten in sich zu entwickeln, die man dann nicht richtig verwendet. Wer ein gewisses visionäres Hellsehen entwickelt und es nicht richtig verwendet, indem er sich die Möglichkeit abschneidet, die Welt damit zu überzeugen, wer nur auf dem astralischen Plan bleibt und seine Erfahrungen nicht herunterbekommt auf den physischen Plan, der setzt sich der Gefahr aus, daß ein Abgrund sich auftut zwischen seinen Visionen und dem physischen Plan.
[ 35 ] If one thinks this way, then all the dangers that are otherwise genuinely associated with what is called the anthroposophical movement will be more or less eliminated. However, the dangers arise immediately when people develop clairvoyant abilities and do not take care to simultaneously enrich their thinking—and especially their understanding—through the means of thought. Many have this eagerness to grasp something from the spiritual world at any cost, rather than proceeding with careful, genuine understanding toward what must be achieved on the physical plane. No god can grasp the world in thought unless he incarnates on this physical earth. He can grasp the world in another form; but to grasp it in this form, he must incarnate on this earth. Bearing this in mind, everyone can realize that there are certain dangers involved in developing abilities within oneself that are then not used properly. Whoever develops a certain visionary clairvoyance and does not use it properly, thereby cutting off the possibility of convincing the world with it; whoever remains only on the astral plane and does not bring his experiences down to the physical plane—such a person exposes himself to the danger that a gulf will open up between his visions and the physical plane.
[ 36 ] Nehmen wir an, jemand habe ganz bedeutende Visionen, die dem astralischen Plane angehören. Diese seien meinetwillen ganz Wirklichkeit - sie können es ja auch beim nichtdenkenden visionären Hellseher sein -, aber nun tut sich zwischen ihm und demjenigen, was dem physischen Plan zugrunde liegt, ein Abgrund auf. Denken Sie sich einmal, dieses Handtuch wäre der physische Plan. Nun stünde der visionäre Hellseher davor; er sieht seine Vision. Hinter dem physischen Plan ist aber die eigentliche geistige Welt. Der physische Plan ist Maja. Diesen physischen Plan, den schafft derjenige, der visionärer Hellseher ist, nicht weg; der verschwindet erst für den, der ihn mit den Mitteln des Gedankens fortschafft. Da erst dringen Sie hinter den physischen Plan, so daß Sie das erst mit dem denkerischen Hellsehen verstehen. Der physische Plan ist da, aber Sie sehen die geistige Welt, die wirkliche geistige Welt nicht. Da tut sich der Abgrund auf, da bleibt der physische Plan als Maja vorhanden. Und diese Unmöglichkeit, den physischen Plan zu durchdringen, beruht darauf, daß das Gehirn nicht dazu fähig ist, sich auszuschalten. Wenn Sie gelernt haben, richtig zu denken, so brauchen Sie zum Denken Ihr Gehirn nicht unmittelbar. Dasjenige, was Denken ist, das arbeitet am Gehirn, aber die denkerische Tätigkeit braucht das Gehirn nicht unmittelbar. Es ist Unsinn, wenn jemand behaupten wollte: Das Gehirn denkt. Ich ging einmal - es ist jetzt vielleicht fünfunddreißig Jahre her - mit einem jungen Manne, der damals studierte, auf der Straße, der damals auf dem besten Wege war, ganz Materialist zu werden. Der sagte: Nun ja, wenn er denke, da schwingen dadrinnen die Gehirnatome; jeder bestimmte Gedanke habe eine bestimmteForm, und er beschrieb, daß das eigentlich Unsinn wäre, so etwas wie eine Seele vorauszusetzen, die da denke. Denn da denke das Gehirn. - Ich sagte ihm: Ja, sage mir einmal, warum bist du denn eigentlich so verlogen? Wenn das so ist, dann kannst du doch nicht sagen: /ch denke. Du mußt dann sagen: Mein Gehirn denkt. Du mußt dann auch sagen: Mein Gehirn ißt, mein Gehirn sieht die Sonne. Das wäre dann die Wahrheit. - Dann würde er bald sehen, welchen Unsinn er mit sich herumträgt.
[ 36 ] Let us suppose that someone has very significant visions that belong to the astral plane. For my sake, let us assume these are entirely real—after all, they may well be so for the non-thinking visionary clairvoyant—but now a gulf opens up between him and that which underlies the physical plane. Imagine for a moment that this towel represents the physical plane. Now the visionary clairvoyant stands before it; he sees his vision. Behind the physical plane, however, lies the actual spiritual world. The physical plane is Maya. The visionary clairvoyant does not eliminate this physical plane; it only disappears for the one who removes it through the power of thought. Only then do you penetrate beyond the physical plane, so that you can understand it only through intellectual clairvoyance. The physical plane is there, but you do not see the spiritual world, the real spiritual world. There the abyss opens up; there the physical plane remains as Maya. And this impossibility of penetrating the physical plane is due to the fact that the brain is not capable of switching itself off. Once you have learned to think correctly, you do not need your brain directly for thinking. That which is thinking works on the brain, but the activity of thinking does not require the brain directly. It is nonsense for anyone to claim: “The brain thinks.” I was once walking down the street—perhaps thirty-five years ago now—with a young man who was a student at the time and was well on his way to becoming a complete materialist. He said: Well, when he thinks, the brain atoms vibrate inside; every specific thought has a specific form, and he described how it would actually be nonsense to assume something like a soul that thinks there. Because the brain is the one that thinks. — I said to him: Yes, tell me, why are you actually being so dishonest? If that’s the case, then you can’t say: “I think.” You would have to say: ‘My brain thinks.’ You would also have to say: ‘My brain eats, my brain sees the sun.’ That would be the truth. — Then he would soon see what nonsense he’s carrying around with him.
[ 37 ] Also das Gehirn ist es nicht, was denkt. Das kann man sich, wie gesagt, durch recht triviale Überlegungen klarmachen - wenn man nicht gerade ein recht moderner Materialist ist. Die denkerische Tätigkeit ist zunächst gar nicht darauf angewiesen, das Gehirn sozusagen als ihr Instrument zu gebrauchen. Wo der Gedanke rein wird, da ist das Gehirn nicht beteiligt. Bloß bei der Versinnbildlichung ist es beteiligt.
[ 37 ] So it is not the brain that thinks. As I said, this can be made clear through quite trivial considerations—unless one happens to be a rather modern materialist. Thought activity does not, at first, depend on using the brain as its instrument, so to speak. Where thought is pure, the brain is not involved. It is involved only in the process of conceptualization.
[ 38 ] Wenn Sie sich einen Kreidekreis vorstellen, so geschieht dies nur durch das Gehirn; wenn Sie sich aber einen reinen, sinnbildlichkeitsfreien Kreis denken, so ist der Kreis selber das Aktive, was das Gehirn erst formt. Dann aber, wenn der Mensch visionäres Hellsehen hat, so bleibt er in seinem Ätherleib und kommt gar nicht bis zum physischen Gehirn. Man kann das ganze Leben lang in visionärer Hellseherei leben. Dadurch wird das Gehirn nicht anders, dadurch wird der Ätherleib ausgearbeitet, aber nicht das Gehirn. Dadurch aber wiederum können Sie niemals diesen Abgrund durchdringen, niemals können Sie Maja wirklich durchdringen. Das können Sie nur, wenn Sie es mit den Gedanken durchdringen.
[ 38 ] When you imagine a chalk circle, this happens solely through the brain; but when you conceive of a pure circle, free of any symbolic meaning, the circle itself is the active force that the brain first forms. But when a person has visionary clairvoyance, they remain in their etheric body and do not reach the physical brain at all. One can live in visionary clairvoyance one’s entire life. This does not change the brain; it develops the etheric body, but not the brain. Consequently, however, you can never penetrate this abyss; you can never truly penetrate Maya. You can only do so if you penetrate it with your thoughts.
[ 39 ] Wer verschmäht, denkerisch vorzugehen, der entwickelt Fähigkeiten, die sozusagen ihr Objekt nicht ergreifen, die nicht wirklich in die geistige Welt hineingreifen. Und die Folge ist, daß ein Mißverhältnis entsteht zwischen dem, was er in seinem Ätherleib fortwährend entwickelt, und dem, was er eigentlich als Mensch ist. Es entsteht ein vollständiges Mißverhältnis: es ist nicht angemessen sein Gehirn seinen hellseherischen Fähigkeiten. Das Gehirn ist grob, denn der Betreffende hat sich nicht Mühe gegeben, es durch Denken zu veredeln. Es bildet sich etwas, wodurch er nicht durch kann, was ihm ein Hindernis ist, mit seinen Visionen an die geistige Wirklichkeit heranzukommen. Er entfernt sich von der Wirklichkeit, statt sich ihr zu nähern. Dann ist jede Möglichkeit, zu entscheiden über die geistige Welt, ausgeschlossen. Ein solcher Mensch wird gewiß viel sehen können, aber niemals ist bei ihm eine Garantie vorhanden, daß das der Wirklichkeit entspricht. Entscheiden könnte nur derjenige, der unterscheiden kann zwischen bloßer Vision und Wirklichkeit. Unterscheiden kann eben nur das Unterscheidungsvermögen. Wenn man das nicht hat, kann man niemals unterscheiden eine bloße Vision von Wirklichkeit. Aber Unterscheidungsvermögen kann man sich nur erarbeiten durch Arbeiten auf dem physischen Plan. So schwebt man immer ohne Untergrund, wenn man die etwas mühsam zu erringende denkerische Arbeit verschmäht.
[ 39 ] Those who reject a thoughtful approach develop abilities that, so to speak, do not grasp their object, that do not truly reach into the spiritual world. And the result is that a disproportion arises between what they continually develop in their etheric body and what they actually are as human beings. A complete imbalance arises: his brain is not suited to his clairvoyant abilities. The brain is coarse, for the person in question has not made the effort to refine it through thinking. Something forms that he cannot penetrate, which acts as an obstacle preventing him from approaching spiritual reality with his visions. He moves away from reality instead of drawing closer to it. Then any possibility of discerning the spiritual world is ruled out. Such a person will certainly be able to see much, but there is never any guarantee that what he sees corresponds to reality. Only one who can distinguish between mere vision and reality can make such a judgment. Only the power of discernment can make such a distinction. If one lacks this, one can never distinguish a mere vision from reality. But the power of discernment can only be acquired through work on the physical plane. Thus, one always hovers without a foundation if one spurns the somewhat arduous intellectual work required to attain it.
[ 40 ] Das ist das, was man sich zu Gemüte führen muß. Dann können nicht die Dinge entstehen, die sonst so sehr leicht entstehen, die immer und immer wieder vorkommen können, daß Menschen dadurch, daß sie visionäres Hellsehen entwickeln, sich einen Damm aufrichten gegen die wirkliche Welt und dann in ihren Träumen leben. Das ist gleichbedeutend mit Sich-nicht-mehr-Auskennen in der physischen Welt, gleichbedeutend eben mit Nicht-vollständig-bei-seinenSinnen-Sein. Besonnenheit kann man sich erringen dadurch, daß man arbeitet da, wo diese Besonnenheit einzig und allein ausgebildet werden kann: durch das Denken des physischen Planes. Verschmäht man es, diese Besonnenheit sich anzueignen, so schwebt man in der Irre. Das ist, was wir uns aneignen müssen, sonst kommen all die Schäden, die notwendigerweise mit dem, was man die anthroposophische Bewegung nennt, verknüpft sein müssen. Wer nur blind glauben will, also alle Mitteilungen aus den höheren Welten auf die bloße Autorität eines andern hin ohne vernünftiges Denken annimmt, der tut etwas, was sehr bequem ist, aber es hat eine Gefahr in sich. Statt in sich die Sachen zu erarbeiten, statt aus sich heraus nachzudenken, nimmt man das Wissen eines andern, die Dinge, die ein anderer gesehen hat, in sich auf. Man verzichtet, denkerisch zu prüfen, was er mitteilt. Das erzeugt dasjenige, was durch die anthroposophische Bewegung an Schäden entstehen kann. Es darf sich natürlich dadurch niemand abschrecken lassen, sich ihr hinzugeben. Es kann vorkommen bei einem solch blindgläubigen Menschen, daß er sich verliert, daß er nicht mehr unterscheiden kann zwischen dem, was wahr ist und was Lüge ist.
[ 40 ] This is what one must take to heart. Then the things that otherwise arise so easily—things that can happen over and over again—will not occur: that people, by developing visionary clairvoyance, erect a barrier against the real world and then live in their dreams. This is tantamount to no longer being at home in the physical world, tantamount, in fact, to not being fully in one’s right mind. One can attain level-headedness by working where this level-headedness can be cultivated solely: through thinking on the physical plane. If one spurns acquiring this level-headedness, one drifts into error. This is what we must acquire; otherwise, all the harms that must necessarily be associated with what is called the anthroposophical movement will ensue. Those who wish only to believe blindly—that is, who accept all communications from the higher worlds on the mere authority of another without rational thought—are doing something that is very convenient, but it carries a danger within it. Instead of working things out for oneself, instead of thinking for oneself, one takes in the knowledge of another, the things that another has seen. One refrains from critically examining what the other person communicates. This is what can lead to the harm caused by the anthroposophical movement. Of course, no one should allow this to deter them from devoting themselves to it. It can happen that such a blindly believing person loses their way, that they can no longer distinguish between what is true and what is false.
[ 41 ] Nichts kann so sehr die Lügenhaftigkeit züchten als ein gewisses bloß visionäres Hellsehen, das nicht am Gedanken sich aufrankt und kontrolliert wird. Und auf der andern Seite wird ein solches Hellsehen wiederum eine andere Eigenschaft noch züchten, nämlich eine gewisse Überhebung, einen gewissen Hochmut, der bis zum Größenwahn führen kann. Und er ist um so gefährlicher, weil er nicht bemerkt wird. Die Gefahr ist sehr groß, daß man sich deshalb für etwas Besseres hält, weil man diese oder jene Dinge sieht, die der andere nicht sieht. Und gewöhnlich weiß man dann gar nicht, wie tief das, was hart an Größenwahn grenzt, wie tief das eigentlich in der Seele sitzt. Es verbirgt sich in gewisser Weise und namentlich hinter dem, daß man mit unbedingter Sicherheit auf seine Visionen schwört und keine Einrede duldet, so daß man es erleben kann, daß die Leute das törichteste Zeug glauben, wenn es ihnen nur vom astralischen Plan aus gesagt wird. Es würde ihnen gar nicht einfallen, von einem Menschen des physischen Planes solche Dinge zu glauben, wenn er es ihnen sagte, aber sie glauben es mit sklavischer Gläubigkeit, wenn es ihnen vom astralischen Plan aus gesagt wird. Wer sich das abgewöhnt, der kann auch nicht auf jeden Schwindel und Humbug hereinfallen. Man fällt aber herein, wenn man nicht den Trieb in sich ausbildet, zu prüfen, und sobald man auf bequeme Weise sich eine Überzeugung verschaffen will. Man soll es sich nicht leicht machen. Man soll es in Betracht ziehen, daß es zu den heiligsten Angelegenheiten des Menschen gehört, sich eine Überzeugung zu verschaffen. Wenn man das in Betracht zieht, dann wird man keine Mühe scheuen, wirklich zu arbeiten, nicht bloß hinzuhorchen auf sensationelle Mitteilungen. An Mitteilungen aus der geistigen Welt heraus haben wir wirklich genug, sozusagen, aber es ist auch notwendig, daß man sich die richtige Gesinnung und die richtige Vorstellungsart aneignet, sich zu diesen Dingen entsprechend zu verhalten.
[ 41 ] Nothing fosters deceitfulness as much as a certain purely visionary clairvoyance that is not rooted in thought and controlled by it. And on the other hand, such clairvoyance in turn fosters yet another trait, namely a certain arrogance, a certain haughtiness that can lead to megalomania. And it is all the more dangerous because it goes unnoticed. There is a very great danger that one will consider oneself superior simply because one sees this or that which others do not see. And usually one has no idea how deeply what borders on megalomania is actually rooted in the soul. It hides itself in a certain way, and specifically behind the fact that one swears by one’s visions with absolute certainty and tolerates no objection, so that one can observe people believing the most foolish nonsense, provided it is told to them from the astral plane. It would never occur to them to believe such things from a person on the physical plane if he told them, but they believe it with slavish faith when it is told to them from the astral plane. Whoever breaks this habit will not fall for every hoax and humbug. But one falls for it if one does not cultivate the impulse within oneself to examine things, and as soon as one seeks to form a conviction in a convenient way. One should not take the easy way out. One should consider that forming a conviction is one of the most sacred matters for a human being. If one takes this into account, then one will spare no effort to truly work, rather than merely listening to sensational reports. We really have enough of reports from the spiritual world, so to speak, but it is also necessary to acquire the right attitude and the right way of thinking in order to relate to these things appropriately.
[ 42 ] Das wollte ich heute einmal aussprechen. Ich wollte es nicht bloß ermahnend aussprechen, wie eine Predigt, sondern aussprechen mit allen Begründungen. Daher war es vielleicht an sich schon etwas schwerere Denkarbeit, da mitzudenken. Aber ich versuche ja immer, auch in meinen Methoden dasjenige einzuhalten, was man als das Richtige in der geisteswissenschaftlichen Bewegung verlangen kann. Viele wollen salbungsvolle Ermahnungen. Darauf verzichte ich. Ich versuche die Dinge so darzustellen, daß sie in wirkliche Gedankenformen sich kleiden können. Wenn man Dinge des physischen Planes erörtert, wie heute, dann ist das natürlich manchmal eine schwierige Denkarbeit, denn sie sind nicht so sensationell, auch nicht so angenehm wie Dinge der höheren Welten, aber doch ungeheuer wichtig. Sie werden die Wichtigkeit dieser Dinge nicht unterschätzen, wenn Sie sich sagen: Soll wirklich eintreten, was eintreten muß, daß nämlich in den nächsten Inkarnationen eine genügend große Anzahl von Menschen sich erinnert an die gegenwärtige Inkarnation, dann muß vorgesorgt werden. Bilden Sie also Ihre Urteilskraft aus, dann sind Sie Kandidaten des Sich-Erinnerns in der folgenden Inkarnation an die gegenwärtige. Sorgen Sie dafür, mit Gedanken die Welt verfolgen zu können. Denn, wenn Sie auch noch so viel sehen können in visionärer Art, so wird Ihnen das nichts helfen zu einer Rückerinnerung an die jetzige Inkarnation. Anthroposophie ist aber dazu da, jenes, was als Notwendigkeit eintreten muß, vorzubereiten: daß es eine genügend große Anzahl von Menschen gibt, die nun wirklich aus eigenem Wissen zurückschauen können auf diese Verkörperung.
[ 42 ] That’s what I wanted to say today. I didn’t want to say it merely as an admonition, like a sermon, but to explain it with all the necessary reasoning. That’s why it was perhaps, in itself, a somewhat more demanding mental exercise to follow along. But I always try, even in my methods, to adhere to what can be expected as the right approach within the spiritual science movement. Many people want unctuous admonitions. I refrain from that. I try to present things in such a way that they can take on the form of real thoughts. When one discusses matters of the physical plane, as we are doing today, it is of course sometimes a difficult mental task, for they are not as sensational, nor as pleasant as matters of the higher worlds, but they are nonetheless immensely important. You will not underestimate the importance of these matters if you tell yourselves: If what must happen is to come to pass—namely, that in the next incarnations a sufficiently large number of people will remember the present incarnation—then precautions must be taken. So develop your power of judgment, and you will be candidates for remembering the present incarnation in the next one. Make sure you are able to follow the world with your thoughts. For even if you can see as much as you like in a visionary way, it will do you no good in recalling this present incarnation. But anthroposophy is there to prepare for what must necessarily come to pass: that there be a sufficiently large number of people who can now truly look back upon this incarnation from their own knowledge.
[ 43 ] Wie viele in dieser Inkarnation dazu kommen, das geisteswissenschaftliche Wissen zu begleiten mit hellseherischem Vermögen, das hängt ab von dem Karma des einzelnen. Viele sitzen gewiß hier, deren Karma so ist, daß sie in dieser Inkarnation nicht dazu kommen, hellseherisch die Welt zu durchschauen. Aber alle diejenigen, die sich aneignen das, was in der wirklichen Geisteswissenschaft so gegeben wird, daß es in die Formen des Denkens gekleidet wird, die werden in der nächsten Inkarnation die Früchte davon haben, denn sie haben sich angeeignet die Grundlagen dazu. Der Mensch kann sozusagen ein Hellseher sein, ohne daß er es weiß, und derjenige, der Geisteswissenschaft ordentlich studiert, ba? das Sehen und kann dann warten, bis ihm sein Karma erlaubt, die Dinge auch zu schauen.
[ 43 ] How many people in this incarnation are able to combine spiritual scientific knowledge with clairvoyant abilities depends on the individual’s karma. There are certainly many sitting here whose karma is such that they will not be able to see through the world clairvoyantly in this incarnation. But all those who assimilate what is presented in true spiritual science—clothed in the forms of thought—will reap the fruits of this in their next incarnation, for they have laid the foundations for it. A person can, so to speak, be a clairvoyant without knowing it, and the one who studies spiritual science properly acquires the ability to see and can then wait until his karma allows him to actually perceive things.
