The Deeper Mysteries of Human Development
in the Light of the Gospels
GA 117
23 November 1909, Berlin
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The Deeper Mysteries of Human Development, tr. SOL
5. Die Vorbereitung für das Verständnis des Christus-Ereignisses. Die Sendung des althebräischen Volkes
5. Preparing to Understand the Christ Event: The Mission of the Ancient Hebrew People
[ 1 ] Als einen Beitrag, der anknüpfte an das Matthäus-Evangelium, haben wir das letzte Mal etwas zu sagen gehabt in unserer Betrachtung über die Sendung des alten hebräischen Volkes, über das Hervorgehen des Christus Jesus aus diesem Volke. Denn es soll uns ja in Anknüpfung an die Evangelien unsere Betrachtung allmählich darüber Klarheit verschaffen, wie die verschiedenen Geistesströmungen zusammengeflossen sind, um dann in der großen christlichen Geistesströmung gemeinsam für die Weiterentwickelung der Erde zu sorgen. Nun konnte in einer kurzen Betrachtung nur ganz skizzenhaft gezeigt werden, welcher Teil in der Gesamtmenschheitsentwickelung zugefallen ist dem althebräischen Volke. Man kann aber das MatthäusEvangelium nicht verstehen, wenn man nicht wenigstens auf einzelne andere Glieder dieses Volkes ein wenig eingeht. Um uns ganz deutlich verstehen zu können, müssen wir uns noch einmal ganz genau vor die Seele rücken, worin die Sendung jenes Volkes eigentlich besteht. Sie haben gesehen, daß sie sich von den Missionen der andern vorchristlichen Völker unterscheidet. Diese sind noch verknüpft mit dem, was man nennen könnte die Ergebnisse des alten Hellsehens der Menschheit. Solche Ergebnisse finden wir bei allen Völkern des Altertums; man könnte dieselben nennen eine uralte Weisheit.
[ 1 ] In our last reflection, which built upon the Gospel of Matthew, we discussed the mission of the ancient Hebrew people and the emergence of Christ Jesus from among them. For, in connection with the Gospels, our reflection is intended to gradually clarify for us how the various spiritual currents have converged, so that they may then work together within the great Christian spiritual current to ensure the further development of the Earth. Now, in a brief meditation, we could only sketch out very roughly what part in the overall development of humanity fell to the ancient Hebrew people. But one cannot understand the Gospel of Matthew without at least touching upon a few other members of this people. To understand this clearly, we must once again bring to mind exactly what the mission of that people actually consists of. You have seen that it differs from the missions of the other pre-Christian peoples. These are still linked to what one might call the results of humanity’s ancient clairvoyance. We find such results among all peoples of antiquity; one could call them an ancient wisdom.
[ 2 ] Wollen wir hier ganz sinngemäß charakterisieren, so können wir sagen, in der alten Atlantis haben die Menschen noch allgemein in die geistige Welt hineingesehen. Wenn auch nur die Eingeweihten die höheren Erlebnisse haben konnten, so hatte doch ein jeder wenigstens einen Begriff von der geistigen Welt, weil in gewissen Zwischenzuständen der Mensch der atlantischen Zeit noch hineinschauen konnte in ein geistiges Gebiet. Es sollte diese Fähigkeit aber ersetzt werden durch diejenige, welche heutzutage die hauptsächlichste Fähigkeit des Menschen ist: Verstandestätigkeit, Begreifen der Außenwelt mit den physischen Sinnen, kurz, Leben in der physischen Außenwelt. Langsam und allmählich wurde dies im Laufe der vorchristlichen Zeit heranentwickelt, so daß wir sagen können, beim alten indischen Volke war im Grunde genommen noch ein ausgiebiger Rest des alten Hellsehens vorhanden. Was die heiligen Rishis gelehrt hatten, war auch ein Erbstück aus alter Zeit, war uralte Weisheit. Auch noch in der zweiten Kulturepoche der nachatlantischen Zeit, in der persischen, war das, was die Schüler und Bekenner des Zarathustra wußten, gestützt auf die Erbstücke des alten Hellsehens. Ähnlich ist auch die chaldäische Astronomie von der alten Weisheit durchdrungen, ebenso das, was die alten Ägypter hatten. Eine solche Wissenschaft, welche rechnet mit den nachatlantischen Fähigkeiten des Menschen, wäre sowohl den Ägyptern wie den Chaldäern noch ganz unverständlich geblieben. Wissenschaft, welche in Begriffs- und Ideenbildern sich ausdrückt, die physischer Art sind, gab es damals noch nicht. Solch ein Nachdenken, wie wir es haben, existierte nicht.
[ 2 ] If we were to characterize this in general terms, we could say that in ancient Atlantis, people generally still had insight into the spiritual world. Even though only the initiates could have the higher experiences, everyone still had at least some concept of the spiritual world, because in certain intermediate states, people of the Atlantean era could still glimpse into a spiritual realm. However, this ability was to be replaced by the one that is now humanity’s primary faculty: intellectual activity, the comprehension of the external world through the physical senses—in short, life in the physical external world. Slowly and gradually, this developed over the course of the pre-Christian era, so that we can say that among the ancient Indian people, there was essentially still a substantial remnant of the old clairvoyance. What the holy Rishis had taught was also a legacy from ancient times, was ancient wisdom. Even in the second cultural epoch of the post-Atlantean era, the Persian one, what the disciples and followers of Zarathustra knew was based on the legacies of ancient clairvoyance. Similarly, Chaldean astronomy is also permeated by ancient wisdom, as is what the ancient Egyptians possessed. Such a science, which takes into account the post-Atlantean capacities of human beings, would have remained entirely incomprehensible to both the Egyptians and the Chaldeans. Science, which expresses itself in concepts and ideas of a physical nature, did not yet exist at that time. Such thinking, as we have it, did not exist.
[ 3 ] Es ist gar nicht unnötig, sich einmal klarzumachen, welches der Unterschied ist zwischen einem wirklichen Seher unserer Zeit und etwa einem altchaldäischen oder altägyptischen Seher. Wer heute, und zwar wirklich aus den naturgemäßen Voraussetzungen unserer Zeit, zum Sehertume kommt, bei dem verhält sich die Sache so: Er bekommt das, was man nennt die Offenbarungen aus der geistigen Welt, was man nennen kann seine Eingebungen, Erfahrungen und Erlebnisse aus der geistigen Welt so, daß er aus seinem gewöhnlichen irdischen Denken heraus durchdringen muß diese Eingebungen mit dem, was er als logisches, vernünftiges Denken hier in der physischen Welt gewinnen kann. Vollständig zu verstehen sind die der heutigen Zeit angehörigen Erfahrungen des Sehers gar nicht, wenn ihnen nicht entgegengekommen wird von einer Seele, die sich erst ordentlich geschult hat an logischem und vernünftigem Denken. Diese heutigen Eingebungen und Offenbarungen bleiben unverständlich; sie verlangen, daß die Seele ihnen sich nähert mit dem logischen Denken. Wer sie heute hat, ohne daß er den Willen hat zum logischen Denken, ohne daß er den Willen hat zur entsagungsvollen, vernünftigen Ausbildung seiner irdischen Kräfte, der kann nur zu dem kommen, was man nennt visionäres Hellsehen, das durchaus nicht vollständig verstanden werden könnte, ein Hellsehen, welches unverständlich bleibt und daher auch irreführend ist. Nur eine Seele, welche den wirklich intensiven Willen hat, zu lernen in einer vernünftigen Weise, kommt in der richtigen Weise den heutigen Eingebungen des Sehertums entgegen. Deshalb muß in einer solchen geistigen Bewegung, wie es die unsere ist, der größte Wert darauf gelegt werden, daß nicht etwa in einseitiger Weise das Sehertum ausgebildet wird und die Offenbarungen der geistigen Welt in einseitiger Weise verkündigt werden, sondern es muß auch darauf hingearbeitet werden, daß die Seele den Eingebungen und Offenbarungen etwas entgegenbringt. Es muß wirklich ebenso logische Arbeit geleistet werden, wenn die Ausbildung des Sehertums gewollt wird. Beide können in unserer Zeit nicht getrennt werden.
[ 3 ] It is by no means unnecessary to clarify the difference between a true seer of our time and, say, an ancient Chaldean or ancient Egyptian seer. For anyone today who attains the gift of seership—truly based on the natural conditions of our time—the situation is as follows: They receive what are called revelations from the spiritual world—what might be called their inspirations, experiences, and encounters from the spiritual world—in such a way that they must penetrate these inspirations from their ordinary earthly thinking with what they can gain through logical, rational thinking here in the physical world. The seer’s experiences of the present day cannot be fully understood unless they are met by a soul that has first properly trained itself in logical and rational thinking. These modern inspirations and revelations remain incomprehensible; they demand that the soul approach them with logical thinking. Anyone who possesses them today without the will to think logically, without the will to engage in the self-sacrificing, rational training of their earthly powers, can only arrive at what is called visionary clairvoyance—a form of clairvoyance that cannot be fully understood, one that remains incomprehensible and is therefore also misleading. Only a soul that possesses the truly intense will to learn in a rational manner can properly respond to the present-day inspirations of clairvoyance. Therefore, in a spiritual movement such as ours, the greatest emphasis must be placed not on training clairvoyance in a one-sided manner and proclaiming the revelations of the spiritual world in a one-sided manner, but rather on ensuring that the soul contributes something to the inspirations and revelations. Equally logical work must truly be done if the development of clairvoyance is desired. In our time, the two cannot be separated.
[ 4 ] Für den ägyptischen oder chaldäischen Seher war das ganz anders. Er bekam mit seinen Eingebungen, die einen ganz andern Weg machten, zugleich die logischen Gesetze. Daher brauchte er keine besondere Logik. Ihrn wurden, wenn er durch eine geistige Schulung durchgegangen war, die fertigen Gesetze schon in den Eingebungen gegeben. Dazu taugt der heutige Organismus nicht mehr. Darüber hat er sich hinausentwickelt, denn die Menschheit schreitet vorwärts.
[ 4 ] For the Egyptian or Chaldean seer, it was quite different. Along with his intuitions, which took a completely different path, he also received the laws of logic. Therefore, he had no need for a special logic. Once he had undergone spiritual training, the fully formed laws were already given to him in his intuitions. Today’s human organism is no longer suited for this. It has evolved beyond that, for humanity is moving forward.
[ 5 ] Wenn man diesen Unterschied genau ins Auge faßt, dann wird es erst ganz verständlich, was es heißt, daß immer noch Reste alten Hellsehens in der vorchristlichen Zeit vorhanden waren, mit der einzigen Ausnahme des althebräischen Volkes, das zuerst ausersehen war, solch einen menschlichen Organismus zu entwickeln, welcher dazu veranlagt war, die äußere physische Welt nach Maß, Zahl und so weiter zu durchschauen und so allmählich von der physischen Welt aufzusteigen zur Erkenntnis des Geistigen, das sich zusammenschloß in dem Bilde des Jahve oder Jehova. Das war das Wesentliche, daß in Abraham ein Mensch auserwählt worden war, dessen Gehirn so gebaut war, daß er der Stammyater eines ganzen Volkes werden konnte, das von ihm aus diese Eigenschaften weiter vererbte. Nicht nur sollten die Eingebungen, die im Inneren aufsteigen, empfangen werden, sondern sie sollten wie eine Gabe angesehen werden, die von außen kommt. Es bekam alles das, was von Abraham stammt, zunächst nicht von innen, sondern alles wie eine Offenbarung zunächst von außen. Damit ist etwas außerordentlich Wichtiges gegeben für die Unterscheidung der ganzen Anlage jenes Volkes von den übrigen Völkern des Altertums; es unterscheidet sich radikal von den übrigen Völkern.
[ 5 ] If one examines this difference closely, it becomes fully understandable what it means that remnants of ancient clairvoyance still existed in pre-Christian times, with the sole exception of the ancient Hebrew people, who were the first to be chosen to develop such a human organism, one that was predisposed to perceive the external physical world in terms of and so on, and thus gradually to ascend from the physical world to the knowledge of the spiritual, which coalesced in the image of Yahweh or Jehovah. This was the essential point: that in Abraham a human being had been chosen whose brain was structured in such a way that he could become the progenitor of an entire people, who in turn passed these qualities on from him. Not only were the inspirations rising from within to be received, but they were to be regarded as a gift coming from without. Everything that originated with Abraham was initially received not from within, but rather, like a revelation, from without. This provides something extraordinarily important for distinguishing the entire character of that people from the other peoples of antiquity; it differs radically from the other peoples.
[ 6 ] Sie können sich denken, daß nicht auf einmal die alten Fähigkeiten, die alten Erbstücke verlorengehen konnten, sondern daß auch bei diesem Volke noch alte Reste vorhanden blieben. Dies ist angedeutet bei Joseph, der noch mancherlei gemein hatte mit den andern Völkern. Dadurch konnte er das Verbindungsglied bilden zwischen dem alten hebräischen und dem ägyptischen Volke, welches noch ganz in der Geistesströmung der vorchristlichen Völker drinnensteckte. Erst nach und nach konnten sich die neuen Fähigkeiten entwickeln.
[ 6 ] You can imagine that the ancient skills and heirlooms could not have been lost all at once, but that remnants of them remained even among this people. This is hinted at in the case of Joseph, who still had much in common with the other peoples. This enabled him to serve as the connecting link between the ancient Hebrew and Egyptian peoples, who were still fully immersed in the spiritual current of the pre-Christian peoples. Only gradually could the new abilities develop.
[ 7 ] Warum wurde ein Volk gerade so vorbereitet? Warum mußte ein Volk dazu ausersehen werden, herausgetrennt zu werden aus dem gesamten übrigen vorchristlichen Geistesleben, und warum sollte es ganz besondere Fähigkeiten bekommen? Aus dem Grunde mußte dies geschehen, damit die Möglichkeit gegeben war, Menschen vorzubereiten auf den großen Zeitpunkt, der gerade damals eintrat, als der Christus Jesus auf die Erde kam. Es war das der Zeitpunkt, wo alle alte Hellsichtigkeit und Blutsverwandtschaft ihre Bedeutung eingebüßt hatte und etwas Neues eintrat für den Menschen, nämlich der völlige Gebrauch des Ich. Durch die radikale Blutsmischung ging verloren, was in alten Zeiten große Bedeutung hatte, dafür aber trat der volle Gebrauch des menschlichen Ich ein. So ward das eigentliche Menschenreich oder das Reich der Himmel zu den übrigen Reichen noch hinzugeboren.
[ 7 ] Why was a particular people prepared in this way? Why did a people have to be chosen to be set apart from the entire pre-Christian spiritual life, and why were they to be given very special abilities? This had to happen so that people could be prepared for the great moment that occurred precisely when Jesus Christ came to Earth. It was the moment when all ancient clairvoyance and blood kinship had lost their significance and something new dawned for humanity, namely the full use of the ego. Through radical intermingling of bloodlines, what had been of great importance in ancient times was lost, but in its place came the full use of the human ego. Thus the true human kingdom, or the kingdom of heaven, was born alongside the other kingdoms.
[ 8 ] Nun sind im allgemeinen die Menschen durchaus nicht geneigt, wenn etwas Neues geboren wird, das auch wirklich zu erkennen. Diejenigen Ereignisse, die im Geistigen vorgehen, erkennen die Menschen nicht so ohne weiteres. Sie reden zwar immer leicht von irgendwelchen künftigen Propheten, die da kommen sollten. Das war üblich in der vorchristlichen wie in der nachchristlichen Zeit. Im 12. und 13. Jahrhundert gab es eine wahre Sucht nach Prophetie. An verschiedenen Orten traten Menschen auf, verkündigten, daß der Christus in der nächsten Zeit wiederkommen werde, wiesen hin auf die Orte, wo er erscheinen werde. Auch in andern Zeiten traten vereinzelt solche Erscheinungen auf. Man sprach davon, daß dieser oder jener die Inkarnation eines neuen Christus sein werde. Selbstverständlich brauchen keine Worte verloren zu werden über solche Prophezeiungen, denn selbst wenn sie eingetroffen wären, so würden sie deutlich die Mängel an sich getragen haben. Solche Prophezeiungen haben nämlich einen ständigen Mangel: sie reden prophetisch von dem, was da erscheinen soll, aber sie versäumen, die Menschen so vorzubereiten, daß diese erkennen, was da kommen wird, und die Gemüter in solch eine Verfassung zu bringen, daß sie das Erscheinende wirklich verstehen könnten.
[ 8 ] Generally speaking, when something new comes into being, people are not at all inclined to truly recognize it. People do not readily recognize the events that take place in the spiritual realm. They do, however, readily speak of some future prophets who are supposed to come. This was common in both pre-Christian and post-Christian times. In the 12th and 13th centuries, there was a veritable craze for prophecy. In various places, people appeared, proclaiming that Christ would return in the near future and pointing out the places where he would appear. Such phenomena also occurred sporadically in other eras. It was said that this or that person would be the incarnation of a new Christ. Of course, no words need be wasted on such prophecies, for even if they had come true, they would have clearly revealed their own shortcomings. Such prophecies, in fact, have a constant flaw: they speak prophetically of what is to appear, but they fail to prepare people so that they may recognize what is to come, and to bring their minds into such a state that they might truly understand what is appearing.
[ 9 ] Den Menschen, denen solches verkündet wurde, mußte es ergangen sein wie jenem Gymnasiallehrer, von dem Hebbel in seinen Tagebuchnotizen berichtet: der Lehrer prügelt nämlich einen Schüler, weil er den Plato nicht verstehen konnte. Hebbel fügt witzig hinzu, daß dieser Schüler der reinkarnierte Plato sei. So ergeht es tatsächlich den Menschen, die immer reden von einem wiedererscheinenden Christus. Es würde ihnen so ergehen, daß sie wenig vorbereitet wären auf den Inhalt, selbst wenn er erschiene. Solche Menschen würden den Christus für etwas ganz anderes halten als für den Christus.
[ 9 ] The people to whom such things were proclaimed must have fared like that high school teacher whom Hebbel describes in his diary entries: the teacher beats a student because he could not understand Plato. Hebbel wittily adds that this student is the reincarnated Plato. This is indeed what happens to people who are always talking about a returning Christ. They would find themselves so unprepared for the content that even if it were to appear, they would not recognize it. Such people would mistake the Christ for something entirely different from the Christ.
[ 10 ] Es sollte nun aber vorgesorgt werden. Und das muß man zum Verständnis des Matthäus-Evangeliums wissen, damit wenigstens einige Menschen da seien, welche das Christus-Ereignis verstehen können, das ja, wenn wir es von dieser Seite charakterisieren wollen, darin besteht, zu wissen, daß der Christus derjenige war, der den Menschen die Möglichkeit brachte, nunmehr nicht bloß physische Eindrücke zu empfangen, sondern von außen zu empfangen den Geist. Dazu sollten einzelne Menschen vorbereitet werden. So wurden denn in der Tat im ganzen hebräischen Altertum in einer gewissen Beziehung einzelne Menschen darauf vorbereitet, ein Verständnis zu gewinnen für das Christus-Ereignis. Diese Menschen - es waren ihrer nur wenige im alten hebräischen Volke - muß man sich einmal näher betrachten, wenn man verstehen will, wie die Vorbereitungen auf den kommenden Christus gepflogen wurden, wie das Volk mit seinen von Abraham herunter vererbten Eigenschaften fähig gemacht wurde, prophetisch zu verstehen das durch den Heiland gebrachte Menschen-Ich. Diejenigen Menschen, welche vorbereitet wurden, hellseherisch wissen und erkennen zu können, was der Christus eigentlich bedeutet, nennt man Nasiräer. Diese konnten hellseherisch einsehen, was sich im alten hebräischen Volke vorbereitete, damit aus diesem Volke heraus der Christus geboren und verstanden werden konnte. Diese Nasiräer waren in bezug auf ihre Lebensweise, die in Hinsicht auf ihre innere Gestaltung durch ihre hellseherische Entwickelung gegeben war, an strenge Regeln gebunden, an Regeln, welche, weil sie einer ganz andern Zeit angehörten, ziemlich stark sich unterscheiden etwa von den Regeln, durch die man heute zur Entwickelung geistiger Erkenntnisse kommt, die mit jenen doch noch eine gewisse Ähnlichkeit haben. Manches ist beim Nasiräat wichtig, was heute nur Nebenbedingung ist, manches ist nebensächlich, was heute Hauptsache wäre. Daher soll niemand glauben, daß das, was früher dazu führte, hellsichtig ein Christus-Kenner zu werden, im Sinne eines heutigen Menschen zu demselben wichtigen und ausgiebigen Erkennen führen würde.
[ 10 ] But precautions must now be taken. And this is what one must know in order to understand the Gospel of Matthew, so that there may at least be some people who can understand the Christ event, which, if we wish to characterize it from this perspective, consists in knowing that Christ was the one who brought humanity the ability to receive not merely physical impressions, but to receive the Spirit from without. Individual people were to be prepared for this. Thus, in fact, throughout the entire Hebrew antiquity, individual people were, in a certain sense, prepared to gain an understanding of the Christ event. These people—there were only a few of them among the ancient Hebrew people—must be examined more closely if one wishes to understand how the preparations for the coming Christ were made, how the people, with their characteristics inherited from Abraham, were enabled to understand prophetically the human ego brought by the Savior. Those individuals who were prepared to know and recognize clairvoyantly what Christ actually signifies are called Nazirites. They were able to perceive clairvoyantly what was being prepared within the ancient Hebrew people so that Christ might be born and understood from among them. These Nazirites were bound by strict rules regarding their way of life, which, in terms of their inner constitution, was determined by their clairvoyant development—rules which, because they belonged to a completely different era, differ quite significantly from the rules by which one attains spiritual knowledge today, though these still bear a certain resemblance to those of the past. Many things are important in the Nazirite tradition that are merely secondary conditions today, while many things are secondary that would be primary today. Therefore, no one should believe that what formerly led to becoming a clairvoyant knower of Christ would lead to the same important and extensive knowledge in the sense of a modern person.
[ 11 ] Das erste, was vom Nasiräer verlangt ward, war die völlige Enthaltung von allen alkoholischen Getränken. Es war ferner strengstens verpönt, etwas zu genießen, was mit Essig zubereitet war. Für die, welche die Vorschriften sehr strenge hielten, war es ferner nötig, zu meiden alles das, was von der Weinbeere kam, weil man sich sagen konnte, in der Weinbeere sei das pflanzenbildende Prinzip über einen gewissen Punkt hinausgeschritten, über den Punkt nämlich, der dadurch gegeben ist, daß die Sonnenkräfte bloß auf die Pflanze wirken. In der Weinrebe aber wirken nicht bloß die Sonnenkräfte, sondern schon etwas, das sich innerlich entwickelt, was reift schon bei jener jährlich schwächer werdenden Sonnenkraft, die im Herbste waltet. Daher gab, was mit der Weinrebe zusammenhing, nur einen Trank für diejenigen, die nicht hellseherisch im höheren Sinne werden wollten, die bloß den Gott Dionysos verehrten und gleichsam aus der Erde aufsteigen ließen ihre Fähigkeiten.
[ 11 ] The first thing required of a Nazirite was complete abstinence from all alcoholic beverages. It was also strictly forbidden to consume anything prepared with vinegar. For those who took the rules very strictly, it was also necessary to avoid everything derived from the grapevine, because one could say that in the grapevine the plant-forming principle had advanced beyond a certain point—namely, the point determined by the fact that the forces of the sun act solely upon the plant. In the grapevine, however, it is not merely the forces of the sun that act, but something that develops internally; this matures even under the annually weakening solar power that prevails in the autumn. Therefore, anything associated with the grapevine provided only a drink for those who did not wish to become clairvoyant in the higher sense, who merely worshipped the god Dionysus and, as it were, allowed their abilities to rise from the earth.
[ 12 ] Ferner war der Nasiräer gebunden, solange seine Vorbereitung im Nasiräat dauerte, nicht in Berührung zu kommen mit alldem, was sterben kann und im Besitz eines astralischen Leibes ist; kurz, alles was tierisch ist, das sollte der Nasiräer vermeiden, mit sich in Berühtung zu bringen. Er mußte Vegetarier sein im strengsten Sinne des Wortes; daher haben in gewissen Gegenden die strengsten Nasiräer zu ihrer einzigen Nahrung das Johannisbrot gewählt. Dieses Johannisbrot war ein besonders häufiger Nahrungsartikel für diejenigen, welche das Nasiräat anstrebten. Dann ernährten sie sich aber auch von dem Honig wilder Bienen, nicht der Zuchtbienen, und sonstiger honigsuchender Insekten. Eine solche Lebensweise wählte später auch der Täufer Johannes zu seiner eigenen, indem er sich nährte von Johannisbrot und wildem Honig. In den Evangelien steht, er hätte Heuschrecken und wilden Honig gegessen; dies ist aber als ein Übersetzungsfehler anzusehen, denn in der Wüste hätte er schwerlich Heuschrecken fangen können. Auf ähnliche Fehler habe ich Sie früher schon aufmerksam gemacht.
[ 12 ] Furthermore, for the duration of his preparation for the Nazirite vow, the Nazirite was bound not to come into contact with anything that can die and possesses an astral body; in short, the Nazirite was to avoid coming into contact with anything of an animal nature. He had to be a vegetarian in the strictest sense of the word; therefore, in certain regions, the strictest Nazirites chose carob as their sole food. This carob was a particularly common food item for those who aspired to the Nazirite vow. They also fed on the honey of wild bees—not domesticated bees—and other honey-gathering insects. John the Baptist later adopted this way of life as his own, nourishing himself on carob and wild honey. The Gospels state that he ate locusts and wild honey; however, this must be regarded as a translation error, for he could hardly have caught locusts in the desert. I have already drawn your attention to similar errors in the past.
[ 13 ] Bei den Nasiräern war es eine Hauptsache, zur Vorbereitung auf ihr Hellsehertum die Haare nicht schneiden zu lassen, solange sie in dieser Vorbereitung waren. Das hängt intim zusammen mit der ganzen Entwickelung der Menschheit. Man muß eben den Zusammenhang des Haarwuchses mit der gesamten Menschheitsentwickelung ins Auge fassen können. Alles, was am Menschen an Wesenheit vorhanden ist, kann nur verstanden werden, wenn man es aus dem Geiste heraus zu begreifen sucht. So sonderbar es für den Menschen klingt: in unseren Haaren haben wir einen Rest gewisser Strahlungen zu sehen, durch die vorher Sonnenkraft in den Menschen hineingetragen wurde. Früher war dies etwas Lebendiges, was die Sonnenkraft in den Menschen hineintrug. Daher finden Sie dies da, wo man ein Bewußtsein an tiefere Dinge noch hatte, in gewisser Beziehung noch ausgedrückt: bei alten Löwenplastiken sieht man oft deutlich, daß der Bildhauer nicht einfach einen heutigen Löwen mit seiner mehr oder weniger pudelähnlichen Mähne kopieren wollte. Derjenige, welcher noch die gute Tradition aus alten Erkenntnissen hatte, stellte den Löwen so dar, daß man den Eindruck hatte, hier seien die Haare gleichsam wie von außen in den Körper hineingesteckt, ähnlich wie Sonnenstrahlen, die hineindringen und in den Haaren gleichsam verhärtet wären. So konnte sich also der Mensch sagen, daß es vielleicht in alten Zeiten durchaus noch möglich war, durch das Stehenlassen der Haare Kräfte in sich aufzunehmen, besonders wenn die Haare frisch und gesund sind. Aber schon im hebräischen Altertum, bei den Nasiräern, hat man darin kaum noch mehr als ein Symbolum gesehen.
[ 13 ] For the Nazirites, it was of paramount importance, as part of their preparation for clairvoyance, not to have their hair cut while they were undergoing this training. This is closely linked to the entire development of humanity. One must be able to grasp the connection between hair growth and the overall development of humanity. Everything that exists in the human being as essence can only be understood if one seeks to grasp it from the spirit. As strange as it may sound to us: in our hair we can see a remnant of certain radiations through which solar power was previously carried into the human being. In the past, this was a living force that carried the power of the sun into human beings. That is why you find this expressed in a certain way where people still had an awareness of deeper things: in ancient lion sculptures, one often sees clearly that the sculptor did not simply want to copy a modern lion with its more or less poodle-like mane. The artist who still upheld the good tradition of ancient insights depicted the lion in such a way that one had the impression the hair was, as it were, inserted into the body from the outside, much like sunbeams penetrating and becoming, as it were, solidified within the hair. Thus, people could tell themselves that in ancient times it was perhaps still possible to absorb forces into oneself by letting the hair stand free, especially when the hair is fresh and healthy. But even in ancient Hebrew times, among the Nazirites, this was seen as little more than a symbol.
[ 14 ] Daß man das, was geistig hinter der Sonne liegt, in sich einströmen ließ, darin bestand wirklich in einer gewissen Beziehung der Fortschritt der Menschheit. In dem Fortschritt von den alten im Menschen aufsteigenden hellseherischen Gaben zu dem Kombinieren und Denken über die Außenwelt war bedingt, daß er immer weniger als ein behaartes Wesen auftrat. Die Menschen der atlantischen und der ersten nachatlantischen Zeit hat man sich vorzustellen mit reichem Haarwuchs, ein Zeichen dafür, daß sie von dem Geisteslicht noch stark überstrahlt worden sind. Die Wahl wurde getroffen, wie die Bibel erzählt, zwischen dem unbehaarten Jakob und dem behaarten Esau. In dem letztern sehen wir einen Menschen, der abstammte von Abraham und letzte Reste einer alten Menschheitsentwickelung in sich hatte, die zum Ausdruck kamen in seinem Haarwuchs. Derjenige Mensch, der solche Eigenschaften hatte, daß er sich in die Welt hinausentwickelte, war in Jakob dargestellt. Er besaß die Gaben der Klugheit mit all ihren Schattenseiten; Esau wird von ihm beiseite geschoben. So wird in Esau wiederum ein Sproß von der Hauptlinie abgeschoben. Von Esau stammen die Edomiter ab, in welchen sich noch alte menschliche Erbschaften fortpflanzten.
[ 14 ] The fact that humanity allowed what lies spiritually behind the sun to flow into itself truly constituted, in a certain sense, the progress of humanity. The progression from the ancient clairvoyant gifts rising within the human being to the ability to combine and think about the external world necessitated that the human being appear less and less as a hairy creature. One must imagine the people of the Atlantean and early post-Atlantean periods as having abundant hair growth, a sign that they were still strongly illuminated by the light of the spirit. The choice was made, as the Bible tells us, between the hairless Jacob and the hairy Esau. In the latter we see a human being who descended from Abraham and carried within himself the last remnants of an ancient phase of human development, which found expression in his hair growth. The human being who possessed such qualities that he developed outward into the world was represented by Jacob. He possessed the gifts of cleverness with all their dark sides; Esau is pushed aside by him. Thus, in Esau, a scion is again cast aside from the main line. The Edomites descend from Esau, in whom ancient human legacies were still perpetuated.
[ 15 ] In der Bibel sind tatsächlich alle diese Dinge sehr schön ausgedrückt. Es sollte nun wieder ein Bewußtsein im Menschen entstehen von dem, was Geistesleben ist, und auf eine neue Art sollte es entstehen im Nasiräer, dadurch daß er die langen Haare trug während seiner Vorbereitungszeit. Im Altertum ist das Verhältnis der Haare zum Licht des Geistes sogar dadurch ausgedrückt, daß Licht und Haar mit Ausnahme eines geringfügigen Zeichens durch dasselbe Wort dargestellt werden. Überhaupt weist die althebräische Sprache auf die tiefsten Geheimnisse der Menschheit hin. Sie muß als so etwas wie eine gewaltige Sprachoffenbarung der Weisheit betrachtet werden. Das war der Sinn der Tatsache, daß die Nasiräer sich lange Haare wachsen ließen. Heute braucht dies allerdings nicht mehr als Hauptsache betrachtet zu werden.
[ 15 ] In the Bible, all these things are indeed expressed very beautifully. A renewed awareness of what spiritual life is should arise in people, and it should arise in a new way in the Nazirite through his wearing of long hair during his period of preparation. In ancient times, the relationship between hair and the light of the spirit was even expressed by the fact that light and hair are represented by the same word, with the exception of a minor distinction. In general, the ancient Hebrew language points to the deepest mysteries of humanity. It must be regarded as something like a mighty linguistic revelation of wisdom. That was the significance of the fact that the Nazirites let their hair grow long. Today, however, this no longer needs to be regarded as the main point.
[ 16 ] Während der Vorbereitungszeit sollte der Nasiräer zu einer ganz bestimmten hellseherischen Erfahrung gebracht werden, welche eine Vorstellung davon verschaffen sollte, wie nahe die Menschheit schon dem Zeitpunkt des Herannahens des Christus sei. Derjenige, welcher zur Zeit des Christus der letzte große Nasiräer war, wird genannt Johannes der Täufer. Er hatte den Abschluß des Nasiräats nicht nur an sich erlebt, sondern ihn auch alle diejenigen erleben lassen, die er zu Menschen machen wollte. Dieser Abschluß ist aber nichts anderes als die Johannestaufe. Wir müssen sie nur so recht in ihrem Entwickelungswerte verstehen lernen. Was ist nun diese Taufe und wozu führte sie? Sie bestand zunächst darin, daß der Mensch unter Wasser getaucht wurde, wodurch sich sein Ätherleib am Kopfe etwas vom physischen Leibe lockerte, während sonst der Mensch den Ätherleib fest mit dem physischen Leib verbunden hat. Sie wissen ja, daß der Mensch beim Ertrinken infolge Lockerung seines Ätherleibes auf einmal sein ganzes Lebenstableau vor sich sieht. So sah der Mensch bei der Johannestaufe auch sein Lebenstableau; er sah die Eigentümlichkeiten seines ganzen Lebens, was sonst vergessen geblieben wäre. Er sah aber auch, was eigentlich der Mensch in dem betreffenden Zeitalter war. Der physische Leib wird herausentwickelt aus dem Ätherleibe als seinem Bildner. Dieses Glied der menschlichen Wesenheit jedoch, das den physischen Körper bildet, konnte nur beobachtet werden, wenn man es herauslockerte aus dem physischen Leibe. Dies geschah bei der Johannestaufe.
[ 16 ] During the preparatory period, the Nazirite was to be led to a very specific clairvoyant experience, which was intended to give him an idea of how close humanity already was to the time of Christ’s coming. The one who was the last great Nazarite at the time of Christ is called John the Baptist. He had not only experienced the culmination of the Nazarite path himself, but had also enabled all those whom he wished to transform into human beings to experience it. This culmination, however, is nothing other than the baptism of John. We must simply learn to understand it properly in terms of its developmental significance. What, then, is this baptism, and to what did it lead? It consisted, first of all, in the person being immersed in water, whereby their etheric body became somewhat detached from the physical body at the head, whereas otherwise the person has the etheric body firmly connected to the physical body. You know, of course, that when a person is drowning, as a result of the loosening of their etheric body, they suddenly see the entire tableau of their life before them. So, during the baptism of John, the person also saw the tableau of their life; they saw the peculiarities of their entire life, which would otherwise have remained forgotten. But they also saw what humanity actually was in that particular age. The physical body is developed out of the etheric body as its formative principle. However, this aspect of the human being that forms the physical body could only be observed when it was loosened from the physical body. This occurred during the baptism of John.
[ 17 ] Wenn ein Mensch diese Taufe dreitausend Jahre vor unserer Zeitrechnung erlebt hätte, so würde er sich bewußt geworden sein, daß das beste Geistige, das dem Menschen gegeben werden kann, kommen muß als ein altes Erbstück, denn es war ja eigentlich noch Erbstück, was aus den geistigen Welten in alten Zeiten gegeben wurde. Dieses war als Bild im Ätherleib und formte an dem physischen Leib. Gerade auch bei denjenigen, die über das normale Menschentum hinaus entwickelt waren, würde es sich bei dieser Taufe gezeigt haben, daß all ihr Wissen auf alter Eingebung beruht hätte. Solches bezeichnete man als das Erblicken der ätherischen Seelennatur in Form der Schlange. Man nannte die, welche das erlebt hatten, die Kinder der Schlange, weil sie durchschaut hatten, wie sich die luziferischen Wesenheiten in die Menschen hinuntergesenkt haben. Was den physischen Leib formte, war ein Geschöpf der Schlange.
[ 17 ] If a person had experienced this baptism three thousand years before our era, he would have realized that the finest spiritual gift that can be given to a human being must come as an ancient heirloom, for what was bestowed from the spiritual worlds in ancient times was, in fact, still an heirloom. This existed as an image in the etheric body and shaped the physical body. Especially for those who had developed beyond ordinary humanity, this baptism would have revealed that all their knowledge was based on ancient inspiration. This was described as the beholding of the etheric soul nature in the form of a serpent. Those who had experienced this were called the children of the serpent, because they had seen through how the Luciferic beings had descended into human beings. What shaped the physical body was a creature of the serpent.
[ 18 ] Jetzt aber, bei einer Johannestaufe nicht dreitausend Jahre vor Johannes dem Täufer, sondern zu seiner Zeit, stellte sich etwas ganz anderes heraus: daß nämlich unter denen, die getauft wurden, schon solche waren, die in ihrer Natur zeigten, daß die Entwickelung der Menschheit fortgeschritten ist, daß das Ich, welches von der Außenwelt befruchtet ist, jene große Gewalt hatte. Da zeigte sich auch ein ganz anderes Bild, als es sich früher bei der Johannestaufe gezeigt hatte: der Mensch sah die schöpferischen Kräfte des Ätherleibes nicht mehr in dem Bilde der Schlange, sondern in dem Bilde des Lammes. Dieser Ätherleib war nicht mehr durchdrungen von innen her mit dem, was von den luziferischen Kräften kam, sondern er war ganz hingegeben der geistigen Welt, die durch die Erscheinungen der Außenwelt hineinscheint in die Seele des Menschen. Dieses Erblicken des Lammes war das Erlebnis bei der Johannestaufe, das diejenigen hatten, welche wirklich verstehen konnten, was die Johannestaufe damals bedeutete. Diese waren es aber auch, die sich sagen konnten, der Mensch sei ein ganz anderer, ein neues Wesen geworden. Die wenigen, die das erlebten bei der Johannestaufe, konnten sagen: Ein großes, gewaltiges Ereignis ist eingetreten, der Mensch ist ein anderer geworden; das Ich hat jetzt die Herrschaft gewonnen auf Erden! — Es waren die Leute, die Johannes taufte, dazu vorbereitet worden, die Zeichen der Zeit zu verstehen, zu verstehen, daß ein solch großes Ereignis gekommen ist.
[ 18 ] But now, at a baptism of John—not three thousand years before John the Baptist, but in his own time—something quite different came to light: namely, that among those who were baptized there were already some who, by their very nature, showed that the evolution of humanity had advanced, that the “I,” which is nourished by the outer world, possessed that great power. A picture quite different from what had previously been seen at the baptism of John also emerged: human beings no longer saw the creative forces of the etheric body in the image of the serpent, but in the image of the lamb. This etheric body was no longer permeated from within by what came from the Luciferic forces, but was entirely devoted to the spiritual world, which shines into the human soul through the phenomena of the external world. This vision of the Lamb was the experience at the baptism of John that was had by those who could truly understand what the baptism of John meant at that time. But these were also the ones who could say to themselves that the human being had become a completely different, a new being. The few who experienced this at the baptism of John could say: A great, momentous event has taken place; the human being has become a different being; the I has now gained dominion on earth! — The people whom John baptized had been prepared to understand the signs of the times, to understand that such a great event had come.
[ 19 ] Dies war immer die Aufgabe der Nasiräer. Sie wurden durch die Taufe dahin gebracht, daß sie immer wußten, wie nahe das Kommen des Christus ist. Dies erkannten sie an der Beschaffenheit des Ätherleibes bei der Lockerung während der Taufe. Johannes der Täufer sollte zeigen, daß nun die Zeit gekommen war, wo das Ich sich einleben konnte in die Menschennatur. Dadurch war er der Erfüller der alten Zeit. Er durfte eine Gemeinde um sich sammeln, welcher er zeigen konnte, daß das Christus-Prinzip durch die Wendung zum Ich nun einziehen konnte in die Menschheit. Johannes der Täufer hat das Nasiräat im höchsten Sinne ausgebildet, so daß es von einer Prophetie zur Erfüllung wurde. Er bildete eine Gemeinde um sich, die das nahende Christus-Ereignis verstehen konnte. So nur sind jene Worte zu verstehen, die der Täufer spricht. Gerade solche Worte sind unendlich tief zu nehmen, und es geziemt sich wahrhaftig nicht mehr von einem Menschen, der heute sich mit solchen Dingen beschäftigen will, in Johannes dem Täufer nichts anderes zu sehen als einen zeternden, fanatischen Menschen, der nur über die Pharisäer schimpft, sie ein Otterngezücht nennt und ihnen zuruft: «Bildet euch nichts darauf ein, daß ihr Abraham zu eurem Vater habt, Gott kann dem Abraham aus diesen Steinen Kinder erwecken.» Johannes der Täufer wäre wahrlich ein sonderbarer Keifer gewesen, wenn er sich nicht auch darüber gefreut hätte, daß auch Pharisäer und Sadduzäer zu ihm kamen, um sich taufen zu lassen. Indessen, beschimpft er sie sofort bei ihrer Ankunft? Wozu das?
[ 19 ] This was always the task of the Nazirites. Through baptism, they were led to a state where they always knew how near the coming of the Christ was. They recognized this in the nature of the etheric body as it relaxed during baptism. John the Baptist was to show that the time had now come when the I could take root in human nature. In this way, he was the fulfiller of the ancient times. He was permitted to gather a community around him to whom he could show that the Christ principle could now enter into humanity through the turning toward the I. John the Baptist developed the Nazirite tradition in the highest sense, so that it transformed from a prophecy into its fulfillment. He formed a community around him that could understand the approaching Christ event. Only in this way can the words spoken by the Baptist be understood. Precisely such words must be taken with infinite depth, and it is truly no longer fitting for a person who wishes to engage with such matters today to see in John the Baptist nothing other than a ranting, fanatical man who merely rails against the Pharisees, calls them a brood of vipers, and cries out to them: “ Do not boast that you have Abraham as your father; God can raise up children for Abraham from these stones.” John the Baptist would truly have been a strange grumbler if he had not also rejoiced that even Pharisees and Sadducees came to him to be baptized. Yet does he immediately berate them upon their arrival? What is the point of that?
[ 20 ] Wenn man die Dinge aus ihrem Inneren heraus versteht, so zeigt sich sehr bald, daß nicht bloß fanatische Schimpferei dahinter liegt, sondern daß in der Tat eine hohe Bedeutung und ein tiefer Sinn dahinter liegt. Diesen Sinn aber kann man nur verstehen, wenn man auf einen besondern Zug des althebräischen Volkes eingeht. Schon aus dem Gesagten können Sie entnehmen, daß in Abraham ein solcher Mensch ausgewählt worden ist, der so organisiert war, daß im rechten Zeitmomente aus seinen Nachkommen der Jesus herausgeboren werden konnte. Dazu aber mußte das, was erst Anlage bei Abraham war, entwickelt werden. Wir müssen uns darüber klar sein, daß zur Entfaltung dieser Anlage nötig war, daß immer einiges ausgestoßen wurde. Wir haben schon gesehen, wie Joseph abgestoßen worden ist. Aber auch schon früher war manches abgestoßen worden, zum Beispiel Esau, der Stammvater der Edomiter, weil in ihm auch ein altes Erbstück übriggeblieben war. Nur das sollte nämlich erhalten bleiben, was in der gekennzeichneten Richtung veranlagt war. Dies ist in wunderbarer Weise darin ausgedrückt, daß Abraham zwei Söhne hatte, Isaak, den Sohn der Sarah auf der einen Seite, und Ismael. Von Isaak stammt das althebräische Volk ab. In Abraham waren aber noch andere Eigenschaften. Würden diese sich durch die Generationen hinunter vererben, so käme nicht das Richtige zustande. Daher mußte jenes andere radikal hinausgestoßen werden in eine andere Nachkommenschaft, in die Ismaels, den Sohn der ägyptischen Magd Hagar. Zwei Abstammungslinien gehen also von Abraham aus, die eine über Isaak und die andere über den verstoßenen Ismael, der das Blut einer Ägypterin in sich hat und die für die Mission des hebräischen Volkes nicht tauglichen Eigenschaften auf sich nehmen mußte.
[ 20 ] If one understands things from within, it soon becomes clear that there is more to this than mere fanatical ranting; in fact, there is profound significance and deep meaning behind it. However, this meaning can only be understood by examining a particular characteristic of the ancient Hebrew people. From what has been said, you can already infer that Abraham was chosen as a man who was so constituted that, at the right moment in time, Jesus could be born from his descendants. For this to happen, however, what was initially only a potential in Abraham had to be developed. We must be clear that for this potential to unfold, it was necessary that certain things be cast out. We have already seen how Joseph was cast out. But even earlier, certain things had been cast out, for example, Esau, the progenitor of the Edomites, because an old legacy remained within him. For only that which was predisposed in the designated direction was to be preserved. This is wonderfully expressed in the fact that Abraham had two sons: Isaac, the son of Sarah, on the one hand, and Ishmael. The ancient Hebrew people are descended from Isaac. But there were other qualities in Abraham as well. If these were to be passed down through the generations, the right outcome would not be achieved. Therefore, that other aspect had to be radically cast out into a different line of descent, that of Ishmael, the son of the Egyptian maidservant Hagar. Thus, two lines of descent stem from Abraham: one through Isaac and the other through the cast-out Ishmael, who carries the blood of an Egyptian woman and had to take upon himself the traits unsuitable for the mission of the Hebrew people.
[ 21 ] Nun aber geschieht etwas ganz Besonderes. Das hebräische Volk sollte in der Vererbungslinie das Richtige fortpflanzen, und das, was altes Erbgut, alte Weisheit ist, muß ihm von außen übermittelt werden. Die alten Hebräer mußten nach Ägypten gehen, um das aufzunehmen, was sie dort aufnehmen konnten. Moses konnte dies dem Volke geben, weil er ein ägyptischer Eingeweihter war. Er hätte es freilich nicht geben können, wenn er es nur in der ägyptischen Form gehabt hätte. Es wäre falsch, sich vorzustellen, daß einfach die altägyptische Weisheit hineingepfropft worden sei in das, was von Abraham herunterströmte. Das würde sich nicht vertragen haben mit der Kultur des hebräischen Volkes, dies würde eine Kulturmißgeburt gegeben haben. Moses brachte noch etwas ganz anderes zu seiner ägyptischen Einweihung hinzu. Daher konnte er auch das, was er aus der ägyptischen Einweihung heraus bekam, nicht so einfach den Israeliten geben. Er gab ihnen erst etwas, als er die Offenbarung am Sinai erhalten hatte, also erst außerhalb Ägyptens.
[ 21 ] But now something quite extraordinary is happening. The Hebrew people were meant to pass on the true legacy through their lineage, and that which constitutes ancient heritage and wisdom had to be transmitted to them from outside. The ancient Hebrews had to go to Egypt to absorb what they could there. Moses was able to give this to the people because he was an Egyptian initiate. Of course, he could not have given it to them if he had possessed it only in its Egyptian form. It would be wrong to imagine that ancient Egyptian wisdom was simply grafted onto what flowed down from Abraham. That would not have been compatible with the culture of the Hebrew people; it would have resulted in a cultural monstrosity. Moses added something entirely different to his Egyptian initiation. Therefore, he could not simply give to the Israelites what he had received from the Egyptian initiation. He gave them something only after he had received the revelation at Sinai—that is, only after leaving Egypt.
[ 22 ] Was ist denn die Offenbarung vom Sinai? Was bekam Moses da, und was gab er dem Volke? Er gab ihm etwas, das wohl auf den Stamm dieses Volkes gepfropft werden konnte, weil es mit ihm in einer ganz bestimmten Weise verwandt war. Es waren einst die Nachkommen des Ismael ausgewandert und hatten sich angesiedelt in den Gegenden, welche nun von Moses mit seinem Volke durchzogen wurden. Jene Eigenschaften, die über Hagar zu den Ismaeliten gingen, welche zwar noch verwandt waren mit Abraham, aber dazu viele alte Erbstücke sich mit bewahrt hatten, die fand Moses dort bei den Ismaeliten, welche eine Art von Eingeweihten hatten. Aus den Offenbarungen dieses Zweiges entnahm er die Möglichkeit, den Israeliten die Offenbarung vom Sinai verständlich zu machen. Daher lautet eine alte Legende des hebräischen Volkes: Es ward hinausgestoßen ein Sproß des Abraham in Ismael nach Araba. Das heißt in die Wüste, Was innerhalb dieses Stammes erwuchs, war ebenfalls enthalten in dem Lehrgut des Moses. Das althebräische Volk bekam auf dem Sinai das als Lehre wieder zurück durch Moses, was es ausgestoßen hatte aus seinem Blute; von außen bekam es dieses wieder zurück.
[ 22 ] What, then, is the revelation at Sinai? What did Moses receive there, and what did he give to the people? He gave them something that could be grafted onto the stock of this people, because it was related to them in a very specific way. The descendants of Ishmael had once migrated and settled in the regions that were now being traversed by Moses and his people. Those characteristics that had passed through Hagar to the Ishmaelites—who were still related to Abraham but had also preserved many ancient heirlooms—Moses found there among the Ishmaelites, who had a kind of inner circle. From the revelations of this branch, he derived the means to make the revelation from Sinai comprehensible to the Israelites. Hence an ancient legend of the Hebrew people goes: A scion of Abraham in Ishmael was cast out into Araba. That is, into the desert. What grew within this tribe was likewise contained in the teachings of Moses. On Sinai, the ancient Hebrew people received back through Moses as a teaching what they had cast out from their own blood; they received this back from outside.
[ 23 ] Darin sieht man wieder die wunderbare Sendung des hebräischen Volksstammes, daß ihm alles so gegeben werden sollte, daß er es nachher als ein Geschenk wieder zurückzuerhalten hat. Als ein Geschenk von außen empfing Abraham in Isaak das gesamte hebräische Volk; wiederum bekommt Moses und sein Volk von den Nachkommen des Ismael das, was es ausgestoßen hatte, wieder zurück. Es sollte in Absonderung nur diese seine ihm eigene Organisation ausbilden und als Geschenk seines Gottes zurückempfangen, was es ausgestoßen hatte. So versöhnte sich später auch Jakob mit Esau wieder, wodurch das hebräische Volk wiederum das zurück erhielt, was es einst in Esau ausgeschieden hatte.
[ 23 ] Here we see once again the wonderful mission of the Hebrew people: that everything was to be given to them in such a way that they would later receive it back as a gift. Abraham received the entire Hebrew people in Isaac as a gift from outside; in turn, Moses and his people receive back from the descendants of Ishmael what they had cast out. It was to develop, in isolation, only this organization of its own and to receive back, as a gift from its God, what it had cast out. Thus Jacob later reconciled with Esau, whereby the Hebrew people in turn received back what they had once cast out in Esau.
[ 24 ] Man muß eben die Bibel sehr sorgfältig lesen, um die Tragweite der Worte darin richtig würdigen zu können. Solche Dinge ziehen sich als charakteristischer Zug durch die ganze Geschichte des hebräischen Volkes hin. Von den Nachkommen der Hagar stammt etwas ab, das mit der Gesetzgebung des Moses zusammenhängt, während abstammt das Blut, das die eigentlich israelitischen Fähigkeiten des Moses repräsentiert, von der Sarah. Agar oder Hagar heißt im Hebräischen auch Sinai, was bedeutet der Steinberg, der große Stein. Man könnte auch sagen, von dem großen Stein, der eine äußere Ausprägung war von Hagar, bekam Moses seine Gesetzesoffenbarung. Das, was dieses jüdische Volk als Gesetzgebung hatte, stammte nicht aus den besten Eigenschaften des Abraham, das stammte ab von Hagar, vom Sinai. So daß diejenigen, welche die Anhänger der bloßen Gesetzgebung sind, wie sie vom Sinai herstammte, die Pharisäer und Sadduzäer, der Gefahr ausgesetzt sind, in ihrer Entwickelung stehenzubleiben. Sie sind diejenigen, welche bei der Johannestaufe nicht das Lamm sehen wollen, sondern die Schlange.
[ 24 ] One must read the Bible very carefully in order to properly appreciate the significance of the words within it. Such themes run as a characteristic thread through the entire history of the Hebrew people. Something connected to the lawgiving of Moses descends from the descendants of Hagar, while the bloodline that represents Moses’s true Israelite qualities descends from Sarah. In Hebrew, Hagar is also called Sinai, which means “the stone mountain,” the great stone. One could also say that from the great stone, which was an outward manifestation of Hagar, Moses received his revelation of the law. What this Jewish people had as legislation did not stem from the best qualities of Abraham; it descended from Hagar, from Sinai. Thus, those who are followers of mere legislation, as it originated from Sinai—the Pharisees and Sadducees—are in danger of stagnating in their development. They are the ones who, at the baptism of John, do not want to see the Lamb, but the serpent.
[ 25 ] So verwandelt sich das, was sonst bloß Gekeife des Täufers wäre, in eine schöne Ermahnung der Pharisäer und Sadduzäer, wenn er ihnen zuruft: Ihr, die ihr Anhänger der Schlange seid, gebt acht, daß ihr wirklich in der Taufe das Richtige schaut. - Nämlich nicht die Schlange, sondern das Lamm. Er sagte ihnen ferner, sie brauchten sich nichts darauf einzubilden, daß sie Abraham zum Vater hätten, denn dies sei bei ihnen ein bloßes Wort; sie schwörten auf das, was vom Stein Sinai käme, aber das hätte aufgehört, eine Bedeutung zu haben. Nun aber wird aus der Welt etwas herantreten als neugeborenes Ich, und dieses Ich zeige ich euch, sagte der Täufer: Ich zeige euch, wie das aus dem Judentum herauswachsen wird, was wirklich durch die Generationen heruntergetragen worden ist und was nicht mehr auf den einzigen Stein Sinai schwören wird, sondern auf das, was überall um uns herum ist. Gottes Kinder können dadurch erscheinen, daß hinter dem Sinnlichen das Geistige erschaut wird. Aus diesen Steinen kann Gottes Wort dem Abraham Kinder erwecken! Ihr versteht jenen Ausspruch gar nicht: «Wir haben Abraham zum Vater.»
[ 25 ] Thus, what would otherwise be merely John the Baptist’s scolding is transformed into a beautiful admonition to the Pharisees and Sadducees when he calls out to them: “You who are followers of the serpent, take care that you truly see what is right in baptism.” —Namely, not the serpent, but the Lamb. He further told them that they need not pride themselves on having Abraham as their father, for this was merely an empty phrase to them; they swore by what came from Mount Sinai, but that had ceased to have any meaning. But now something will emerge from the world as a newborn Self, and I will show you this Self, said the Baptist: I will show you how that which has truly been carried down through the generations will grow out of Judaism, and which will no longer swear by the single Stone of Sinai, but by what is all around us. God’s children can appear through the spiritual being perceived behind the sensory. From these stones, God’s Word can raise up children to Abraham! You do not understand that saying at all: “We have Abraham as our father.”
[ 26 ] Erst aus dem hier Gesagten heraus gewinnt jenes Wort seine volle Bedeutung. So etwas braucht nicht nur aus der Akasha-Chronik herausgeholt zu werden, sondern es steht schon in der Bibel. Vergleichen Sie, was im Galaterbrief der Apostel Paulus darüber sagt. Hier ist dasjenige, was eben ausgesprochen worden ist, auch vom Apostel Paulus bestätigt. Auch er sagt, daß Hagar oder Agar dasselbe Wort sei wie Sinai, und daß das, was dort am Sinai gegeben worden ist, ein Testament ist, über das diejenigen hinauswachsen sollen, die durch Heranbildung der eigentlichen Anlagen des Abraham durch die Generationen hindurch verstehen sollen, was durch Christus in die Welt gekommen ist.
[ 26 ] It is only in light of what has been said here that this word takes on its full meaning. Such knowledge does not need to be drawn solely from the Akashic Records; it is already found in the Bible. Compare what the Apostle Paul says about this in his Epistle to the Galatians. Here, what has just been stated is also confirmed by the Apostle Paul. He, too, says that Hagar is the same word as Sinai, and that what was given there on Sinai is a testament that those who, through the cultivation of Abraham’s inherent qualities across the generations, are to understand what came into the world through Christ, must transcend.
[ 27 ] Damit ist zu gleicher Zeit wiederum auf ein Wort hingewiesen, das man künftig verstehen muß. Es ist so schade, daß man in einer Zeit, wo scheinbar die Intelligenz so hoch gewachsen ist, über so wenig noch nachgedacht hat, so zum Beispiel über das Wort: «Tut Buße!» Seiner Bedeutung nach würde es etwa zu übersetzen sein: Bewirkt in euch die Änderung des Sinnes. An den verschiedensten Stellen wird gesagt, daß Johannes taufte zur Buße, das heißt zur Änderung des Sinnes, mit Wasser. Als die Täuflinge aus dem Wasser herausstiegen, sollten sie den Sinn ändern, nicht mehr zurückschauen auf die alten Traditionen, sondern vorausblicken auf das, was das frei gewordene Ich, das gegeben ward in Christo Jesu, besaß. Der Sinn sollte aus der Richtung der alten Götter nach der Richtung der neuen geistigen Wesenheiten oder Götter gelenkt werden. In dieser Weise war Sinnesänderung das Ziel der Johannestaufe. Johannes taufte deshalb mit Wasser, um in einigen Menschen die Kraft hervorzurufen, daß sie erkannten, daß das Reich der Himmel nahe herbeigekommen sei, und damit sie verstehen konnten, wer der Christus Jesus sei.
[ 27 ] This also draws attention to a word that must be understood in the future. It is such a pity that, in an age when intelligence seems to have reached such heights, so little thought has been given to such things—for example, to the phrase: “Repent!” In terms of its meaning, it could be translated roughly as: “Bring about a change of heart within yourselves.” In various places it is said that John baptized for repentance, that is, for a change of heart, with water. When the baptized emerged from the water, they were to change their hearts, no longer looking back to the old traditions, but looking forward to what the liberated self, which was given in Christ Jesus, possessed. The mind was to be directed away from the old gods and toward the new spiritual beings or gods. In this way, a change of heart was the goal of John’s baptism. John therefore baptized with water in order to awaken in some people the power to recognize that the Kingdom of Heaven had drawn near, and so that they might understand who Christ Jesus was.
[ 28 ] Hiemit ist noch einiges hinzugefügt zu dem, was wir kennengelernt haben als die Sendung des althebräischen Volkes. Das alles wird dazu führen, nach und nach auch den Christus besser zu verstehen. Gar wunderbar gliedert sich diese Sendung zusammen. Wir haben gesehen, wie in Abraham das veranlagt war, was sich in dem Volke durch Generationen hindurch weiter entwickelte. Dazu mußte manches abgestoßen werden, und die geeigneten Fähigkeiten mußten im Blute, in der Vererbung weiterentwickelt werden. Man konnte solche Fähigkeiten nur von außen hereinbekommen. Das aber, wozu dieses Volk von Abraham her veranlagt und ausersehen war, wurde konzentriert in einem Wesen, in Jesus.
[ 28 ] This adds further insight to what we have come to know as the mission of the ancient Hebrew people. All of this will gradually lead to a better understanding of Christ as well. This mission comes together in a truly wonderful way. We have seen how what was inherent in Abraham continued to develop within the people over the generations. To achieve this, certain things had to be cast aside, and the appropriate abilities had to be further developed through blood and heredity. Such abilities could only be acquired from outside. But that for which this people was predisposed and chosen from the time of Abraham was concentrated in one being, in Jesus.
[ 29 ] Die Juden brauchten das, woran sie sich halten konnten, als eine Lehre; immer mußte es ihnen von außen kommen, und zwar kam es aus dem, was von ihnen selber abgestoßen worden ist. Im Blute durfte das nicht bleiben, was auf Ismael überging, bloß in den Erkenntnissen durfte es sein. Daher empfing es das hebräische Volk in der Gesetzgebung des Moses am Sinai wieder. Diese hatte ihren Sinn erfüllt, als die Zeit gekommen war, in der man nicht mehr brauchte, was von dem Stein gekommen war, sondern wo man das hatte, was aus der ganzen Welt der Menschheit zukommen sollte. So wurde langsam vorbereitet die Zeit, in der aus den Steinen die Söhne Gottes, das heißt die Menschen entstehen konnten, wo hinter allen Steinen, ja hinter der ganzen Erde die geistige Welt sich eröffnete.
[ 29 ] The Jews needed something to hold onto as a teaching; it always had to come to them from outside, and indeed it came from that which they themselves had rejected. What had passed on to Ishmael was not to remain in the bloodline, but was to exist only in knowledge. Therefore, the Hebrew people received it again in the law given by Moses on Mount Sinai. This had fulfilled its purpose when the time came when what had come from the stone was no longer needed, but when they had what was to come to them from the entire world of humanity. Thus, the time was slowly prepared when the sons of God—that is, human beings—could emerge from the stones, when behind all stones, indeed behind the entire earth, the spiritual world opened up.
[ 30 ] Alles dies sind nur Teilstücke zum Verständnis der Mission des hebräischen Volkes. Nur wenn man diese Mission ganz versteht, kann man auch verstehen die große Gestalt des Christus Jesus, wie sie im Matthäus-Evangelium vor uns steht.
[ 30 ] All of these are merely fragments that help us understand the mission of the Hebrew people. Only by fully understanding this mission can we also understand the great figure of Christ Jesus as presented to us in the Gospel of Matthew.
