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The Rudolf Steiner Archive

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Die Tieferen Geheimnisse des Menschheitswerdens
im Lichte der Evangelien
GA 117

23 November 1909, Berlin

5. Die Vorbereitung für das Verständnis des Christus-Ereignisses. Die Sendung des althebräischen Volkes

[ 1 ] Als einen Beitrag, der anknüpfte an das Matthäus-Evangelium, haben wir das letzte Mal etwas zu sagen gehabt in unserer Betrachtung über die Sendung des alten hebräischen Volkes, über das Hervorgehen des Christus Jesus aus diesem Volke. Denn es soll uns ja in Anknüpfung an die Evangelien unsere Betrachtung allmählich darüber Klarheit verschaffen, wie die verschiedenen Geistesströmungen zusammengeflossen sind, um dann in der großen christlichen Geistesströmung gemeinsam für die Weiterentwickelung der Erde zu sorgen. Nun konnte in einer kurzen Betrachtung nur ganz skizzenhaft gezeigt werden, welcher Teil in der Gesamtmenschheitsentwickelung zugefallen ist dem althebräischen Volke. Man kann aber das MatthäusEvangelium nicht verstehen, wenn man nicht wenigstens auf einzelne andere Glieder dieses Volkes ein wenig eingeht. Um uns ganz deutlich verstehen zu können, müssen wir uns noch einmal ganz genau vor die Seele rücken, worin die Sendung jenes Volkes eigentlich besteht. Sie haben gesehen, daß sie sich von den Missionen der andern vorchristlichen Völker unterscheidet. Diese sind noch verknüpft mit dem, was man nennen könnte die Ergebnisse des alten Hellsehens der Menschheit. Solche Ergebnisse finden wir bei allen Völkern des Altertums; man könnte dieselben nennen eine uralte Weisheit.

[ 2 ] Wollen wir hier ganz sinngemäß charakterisieren, so können wir sagen, in der alten Atlantis haben die Menschen noch allgemein in die geistige Welt hineingesehen. Wenn auch nur die Eingeweihten die höheren Erlebnisse haben konnten, so hatte doch ein jeder wenigstens einen Begriff von der geistigen Welt, weil in gewissen Zwischenzuständen der Mensch der atlantischen Zeit noch hineinschauen konnte in ein geistiges Gebiet. Es sollte diese Fähigkeit aber ersetzt werden durch diejenige, welche heutzutage die hauptsächlichste Fähigkeit des Menschen ist: Verstandestätigkeit, Begreifen der Außenwelt mit den physischen Sinnen, kurz, Leben in der physischen Außenwelt. Langsam und allmählich wurde dies im Laufe der vorchristlichen Zeit heranentwickelt, so daß wir sagen können, beim alten indischen Volke war im Grunde genommen noch ein ausgiebiger Rest des alten Hellsehens vorhanden. Was die heiligen Rishis gelehrt hatten, war auch ein Erbstück aus alter Zeit, war uralte Weisheit. Auch noch in der zweiten Kulturepoche der nachatlantischen Zeit, in der persischen, war das, was die Schüler und Bekenner des Zarathustra wußten, gestützt auf die Erbstücke des alten Hellsehens. Ähnlich ist auch die chaldäische Astronomie von der alten Weisheit durchdrungen, ebenso das, was die alten Ägypter hatten. Eine solche Wissenschaft, welche rechnet mit den nachatlantischen Fähigkeiten des Menschen, wäre sowohl den Ägyptern wie den Chaldäern noch ganz unverständlich geblieben. Wissenschaft, welche in Begriffs- und Ideenbildern sich ausdrückt, die physischer Art sind, gab es damals noch nicht. Solch ein Nachdenken, wie wir es haben, existierte nicht.

[ 3 ] Es ist gar nicht unnötig, sich einmal klarzumachen, welches der Unterschied ist zwischen einem wirklichen Seher unserer Zeit und etwa einem altchaldäischen oder altägyptischen Seher. Wer heute, und zwar wirklich aus den naturgemäßen Voraussetzungen unserer Zeit, zum Sehertume kommt, bei dem verhält sich die Sache so: Er bekommt das, was man nennt die Offenbarungen aus der geistigen Welt, was man nennen kann seine Eingebungen, Erfahrungen und Erlebnisse aus der geistigen Welt so, daß er aus seinem gewöhnlichen irdischen Denken heraus durchdringen muß diese Eingebungen mit dem, was er als logisches, vernünftiges Denken hier in der physischen Welt gewinnen kann. Vollständig zu verstehen sind die der heutigen Zeit angehörigen Erfahrungen des Sehers gar nicht, wenn ihnen nicht entgegengekommen wird von einer Seele, die sich erst ordentlich geschult hat an logischem und vernünftigem Denken. Diese heutigen Eingebungen und Offenbarungen bleiben unverständlich; sie verlangen, daß die Seele ihnen sich nähert mit dem logischen Denken. Wer sie heute hat, ohne daß er den Willen hat zum logischen Denken, ohne daß er den Willen hat zur entsagungsvollen, vernünftigen Ausbildung seiner irdischen Kräfte, der kann nur zu dem kommen, was man nennt visionäres Hellsehen, das durchaus nicht vollständig verstanden werden könnte, ein Hellsehen, welches unverständlich bleibt und daher auch irreführend ist. Nur eine Seele, welche den wirklich intensiven Willen hat, zu lernen in einer vernünftigen Weise, kommt in der richtigen Weise den heutigen Eingebungen des Sehertums entgegen. Deshalb muß in einer solchen geistigen Bewegung, wie es die unsere ist, der größte Wert darauf gelegt werden, daß nicht etwa in einseitiger Weise das Sehertum ausgebildet wird und die Offenbarungen der geistigen Welt in einseitiger Weise verkündigt werden, sondern es muß auch darauf hingearbeitet werden, daß die Seele den Eingebungen und Offenbarungen etwas entgegenbringt. Es muß wirklich ebenso logische Arbeit geleistet werden, wenn die Ausbildung des Sehertums gewollt wird. Beide können in unserer Zeit nicht getrennt werden.

[ 4 ] Für den ägyptischen oder chaldäischen Seher war das ganz anders. Er bekam mit seinen Eingebungen, die einen ganz andern Weg machten, zugleich die logischen Gesetze. Daher brauchte er keine besondere Logik. Ihrn wurden, wenn er durch eine geistige Schulung durchgegangen war, die fertigen Gesetze schon in den Eingebungen gegeben. Dazu taugt der heutige Organismus nicht mehr. Darüber hat er sich hinausentwickelt, denn die Menschheit schreitet vorwärts.

[ 5 ] Wenn man diesen Unterschied genau ins Auge faßt, dann wird es erst ganz verständlich, was es heißt, daß immer noch Reste alten Hellsehens in der vorchristlichen Zeit vorhanden waren, mit der einzigen Ausnahme des althebräischen Volkes, das zuerst ausersehen war, solch einen menschlichen Organismus zu entwickeln, welcher dazu veranlagt war, die äußere physische Welt nach Maß, Zahl und so weiter zu durchschauen und so allmählich von der physischen Welt aufzusteigen zur Erkenntnis des Geistigen, das sich zusammenschloß in dem Bilde des Jahve oder Jehova. Das war das Wesentliche, daß in Abraham ein Mensch auserwählt worden war, dessen Gehirn so gebaut war, daß er der Stammyater eines ganzen Volkes werden konnte, das von ihm aus diese Eigenschaften weiter vererbte. Nicht nur sollten die Eingebungen, die im Inneren aufsteigen, empfangen werden, sondern sie sollten wie eine Gabe angesehen werden, die von außen kommt. Es bekam alles das, was von Abraham stammt, zunächst nicht von innen, sondern alles wie eine Offenbarung zunächst von außen. Damit ist etwas außerordentlich Wichtiges gegeben für die Unterscheidung der ganzen Anlage jenes Volkes von den übrigen Völkern des Altertums; es unterscheidet sich radikal von den übrigen Völkern.

[ 6 ] Sie können sich denken, daß nicht auf einmal die alten Fähigkeiten, die alten Erbstücke verlorengehen konnten, sondern daß auch bei diesem Volke noch alte Reste vorhanden blieben. Dies ist angedeutet bei Joseph, der noch mancherlei gemein hatte mit den andern Völkern. Dadurch konnte er das Verbindungsglied bilden zwischen dem alten hebräischen und dem ägyptischen Volke, welches noch ganz in der Geistesströmung der vorchristlichen Völker drinnensteckte. Erst nach und nach konnten sich die neuen Fähigkeiten entwickeln.

[ 7 ] Warum wurde ein Volk gerade so vorbereitet? Warum mußte ein Volk dazu ausersehen werden, herausgetrennt zu werden aus dem gesamten übrigen vorchristlichen Geistesleben, und warum sollte es ganz besondere Fähigkeiten bekommen? Aus dem Grunde mußte dies geschehen, damit die Möglichkeit gegeben war, Menschen vorzubereiten auf den großen Zeitpunkt, der gerade damals eintrat, als der Christus Jesus auf die Erde kam. Es war das der Zeitpunkt, wo alle alte Hellsichtigkeit und Blutsverwandtschaft ihre Bedeutung eingebüßt hatte und etwas Neues eintrat für den Menschen, nämlich der völlige Gebrauch des Ich. Durch die radikale Blutsmischung ging verloren, was in alten Zeiten große Bedeutung hatte, dafür aber trat der volle Gebrauch des menschlichen Ich ein. So ward das eigentliche Menschenreich oder das Reich der Himmel zu den übrigen Reichen noch hinzugeboren.

[ 8 ] Nun sind im allgemeinen die Menschen durchaus nicht geneigt, wenn etwas Neues geboren wird, das auch wirklich zu erkennen. Diejenigen Ereignisse, die im Geistigen vorgehen, erkennen die Menschen nicht so ohne weiteres. Sie reden zwar immer leicht von irgendwelchen künftigen Propheten, die da kommen sollten. Das war üblich in der vorchristlichen wie in der nachchristlichen Zeit. Im 12. und 13. Jahrhundert gab es eine wahre Sucht nach Prophetie. An verschiedenen Orten traten Menschen auf, verkündigten, daß der Christus in der nächsten Zeit wiederkommen werde, wiesen hin auf die Orte, wo er erscheinen werde. Auch in andern Zeiten traten vereinzelt solche Erscheinungen auf. Man sprach davon, daß dieser oder jener die Inkarnation eines neuen Christus sein werde. Selbstverständlich brauchen keine Worte verloren zu werden über solche Prophezeiungen, denn selbst wenn sie eingetroffen wären, so würden sie deutlich die Mängel an sich getragen haben. Solche Prophezeiungen haben nämlich einen ständigen Mangel: sie reden prophetisch von dem, was da erscheinen soll, aber sie versäumen, die Menschen so vorzubereiten, daß diese erkennen, was da kommen wird, und die Gemüter in solch eine Verfassung zu bringen, daß sie das Erscheinende wirklich verstehen könnten.

[ 9 ] Den Menschen, denen solches verkündet wurde, mußte es ergangen sein wie jenem Gymnasiallehrer, von dem Hebbel in seinen Tagebuchnotizen berichtet: der Lehrer prügelt nämlich einen Schüler, weil er den Plato nicht verstehen konnte. Hebbel fügt witzig hinzu, daß dieser Schüler der reinkarnierte Plato sei. So ergeht es tatsächlich den Menschen, die immer reden von einem wiedererscheinenden Christus. Es würde ihnen so ergehen, daß sie wenig vorbereitet wären auf den Inhalt, selbst wenn er erschiene. Solche Menschen würden den Christus für etwas ganz anderes halten als für den Christus.

[ 10 ] Es sollte nun aber vorgesorgt werden. Und das muß man zum Verständnis des Matthäus-Evangeliums wissen, damit wenigstens einige Menschen da seien, welche das Christus-Ereignis verstehen können, das ja, wenn wir es von dieser Seite charakterisieren wollen, darin besteht, zu wissen, daß der Christus derjenige war, der den Menschen die Möglichkeit brachte, nunmehr nicht bloß physische Eindrücke zu empfangen, sondern von außen zu empfangen den Geist. Dazu sollten einzelne Menschen vorbereitet werden. So wurden denn in der Tat im ganzen hebräischen Altertum in einer gewissen Beziehung einzelne Menschen darauf vorbereitet, ein Verständnis zu gewinnen für das Christus-Ereignis. Diese Menschen - es waren ihrer nur wenige im alten hebräischen Volke - muß man sich einmal näher betrachten, wenn man verstehen will, wie die Vorbereitungen auf den kommenden Christus gepflogen wurden, wie das Volk mit seinen von Abraham herunter vererbten Eigenschaften fähig gemacht wurde, prophetisch zu verstehen das durch den Heiland gebrachte Menschen-Ich. Diejenigen Menschen, welche vorbereitet wurden, hellseherisch wissen und erkennen zu können, was der Christus eigentlich bedeutet, nennt man Nasiräer. Diese konnten hellseherisch einsehen, was sich im alten hebräischen Volke vorbereitete, damit aus diesem Volke heraus der Christus geboren und verstanden werden konnte. Diese Nasiräer waren in bezug auf ihre Lebensweise, die in Hinsicht auf ihre innere Gestaltung durch ihre hellseherische Entwickelung gegeben war, an strenge Regeln gebunden, an Regeln, welche, weil sie einer ganz andern Zeit angehörten, ziemlich stark sich unterscheiden etwa von den Regeln, durch die man heute zur Entwickelung geistiger Erkenntnisse kommt, die mit jenen doch noch eine gewisse Ähnlichkeit haben. Manches ist beim Nasiräat wichtig, was heute nur Nebenbedingung ist, manches ist nebensächlich, was heute Hauptsache wäre. Daher soll niemand glauben, daß das, was früher dazu führte, hellsichtig ein Christus-Kenner zu werden, im Sinne eines heutigen Menschen zu demselben wichtigen und ausgiebigen Erkennen führen würde.

[ 11 ] Das erste, was vom Nasiräer verlangt ward, war die völlige Enthaltung von allen alkoholischen Getränken. Es war ferner strengstens verpönt, etwas zu genießen, was mit Essig zubereitet war. Für die, welche die Vorschriften sehr strenge hielten, war es ferner nötig, zu meiden alles das, was von der Weinbeere kam, weil man sich sagen konnte, in der Weinbeere sei das pflanzenbildende Prinzip über einen gewissen Punkt hinausgeschritten, über den Punkt nämlich, der dadurch gegeben ist, daß die Sonnenkräfte bloß auf die Pflanze wirken. In der Weinrebe aber wirken nicht bloß die Sonnenkräfte, sondern schon etwas, das sich innerlich entwickelt, was reift schon bei jener jährlich schwächer werdenden Sonnenkraft, die im Herbste waltet. Daher gab, was mit der Weinrebe zusammenhing, nur einen Trank für diejenigen, die nicht hellseherisch im höheren Sinne werden wollten, die bloß den Gott Dionysos verehrten und gleichsam aus der Erde aufsteigen ließen ihre Fähigkeiten.

[ 12 ] Ferner war der Nasiräer gebunden, solange seine Vorbereitung im Nasiräat dauerte, nicht in Berührung zu kommen mit alldem, was sterben kann und im Besitz eines astralischen Leibes ist; kurz, alles was tierisch ist, das sollte der Nasiräer vermeiden, mit sich in Berühtung zu bringen. Er mußte Vegetarier sein im strengsten Sinne des Wortes; daher haben in gewissen Gegenden die strengsten Nasiräer zu ihrer einzigen Nahrung das Johannisbrot gewählt. Dieses Johannisbrot war ein besonders häufiger Nahrungsartikel für diejenigen, welche das Nasiräat anstrebten. Dann ernährten sie sich aber auch von dem Honig wilder Bienen, nicht der Zuchtbienen, und sonstiger honigsuchender Insekten. Eine solche Lebensweise wählte später auch der Täufer Johannes zu seiner eigenen, indem er sich nährte von Johannisbrot und wildem Honig. In den Evangelien steht, er hätte Heuschrecken und wilden Honig gegessen; dies ist aber als ein Übersetzungsfehler anzusehen, denn in der Wüste hätte er schwerlich Heuschrecken fangen können. Auf ähnliche Fehler habe ich Sie früher schon aufmerksam gemacht.

[ 13 ] Bei den Nasiräern war es eine Hauptsache, zur Vorbereitung auf ihr Hellsehertum die Haare nicht schneiden zu lassen, solange sie in dieser Vorbereitung waren. Das hängt intim zusammen mit der ganzen Entwickelung der Menschheit. Man muß eben den Zusammenhang des Haarwuchses mit der gesamten Menschheitsentwickelung ins Auge fassen können. Alles, was am Menschen an Wesenheit vorhanden ist, kann nur verstanden werden, wenn man es aus dem Geiste heraus zu begreifen sucht. So sonderbar es für den Menschen klingt: in unseren Haaren haben wir einen Rest gewisser Strahlungen zu sehen, durch die vorher Sonnenkraft in den Menschen hineingetragen wurde. Früher war dies etwas Lebendiges, was die Sonnenkraft in den Menschen hineintrug. Daher finden Sie dies da, wo man ein Bewußtsein an tiefere Dinge noch hatte, in gewisser Beziehung noch ausgedrückt: bei alten Löwenplastiken sieht man oft deutlich, daß der Bildhauer nicht einfach einen heutigen Löwen mit seiner mehr oder weniger pudelähnlichen Mähne kopieren wollte. Derjenige, welcher noch die gute Tradition aus alten Erkenntnissen hatte, stellte den Löwen so dar, daß man den Eindruck hatte, hier seien die Haare gleichsam wie von außen in den Körper hineingesteckt, ähnlich wie Sonnenstrahlen, die hineindringen und in den Haaren gleichsam verhärtet wären. So konnte sich also der Mensch sagen, daß es vielleicht in alten Zeiten durchaus noch möglich war, durch das Stehenlassen der Haare Kräfte in sich aufzunehmen, besonders wenn die Haare frisch und gesund sind. Aber schon im hebräischen Altertum, bei den Nasiräern, hat man darin kaum noch mehr als ein Symbolum gesehen.

[ 14 ] Daß man das, was geistig hinter der Sonne liegt, in sich einströmen ließ, darin bestand wirklich in einer gewissen Beziehung der Fortschritt der Menschheit. In dem Fortschritt von den alten im Menschen aufsteigenden hellseherischen Gaben zu dem Kombinieren und Denken über die Außenwelt war bedingt, daß er immer weniger als ein behaartes Wesen auftrat. Die Menschen der atlantischen und der ersten nachatlantischen Zeit hat man sich vorzustellen mit reichem Haarwuchs, ein Zeichen dafür, daß sie von dem Geisteslicht noch stark überstrahlt worden sind. Die Wahl wurde getroffen, wie die Bibel erzählt, zwischen dem unbehaarten Jakob und dem behaarten Esau. In dem letztern sehen wir einen Menschen, der abstammte von Abraham und letzte Reste einer alten Menschheitsentwickelung in sich hatte, die zum Ausdruck kamen in seinem Haarwuchs. Derjenige Mensch, der solche Eigenschaften hatte, daß er sich in die Welt hinausentwickelte, war in Jakob dargestellt. Er besaß die Gaben der Klugheit mit all ihren Schattenseiten; Esau wird von ihm beiseite geschoben. So wird in Esau wiederum ein Sproß von der Hauptlinie abgeschoben. Von Esau stammen die Edomiter ab, in welchen sich noch alte menschliche Erbschaften fortpflanzten.

[ 15 ] In der Bibel sind tatsächlich alle diese Dinge sehr schön ausgedrückt. Es sollte nun wieder ein Bewußtsein im Menschen entstehen von dem, was Geistesleben ist, und auf eine neue Art sollte es entstehen im Nasiräer, dadurch daß er die langen Haare trug während seiner Vorbereitungszeit. Im Altertum ist das Verhältnis der Haare zum Licht des Geistes sogar dadurch ausgedrückt, daß Licht und Haar mit Ausnahme eines geringfügigen Zeichens durch dasselbe Wort dargestellt werden. Überhaupt weist die althebräische Sprache auf die tiefsten Geheimnisse der Menschheit hin. Sie muß als so etwas wie eine gewaltige Sprachoffenbarung der Weisheit betrachtet werden. Das war der Sinn der Tatsache, daß die Nasiräer sich lange Haare wachsen ließen. Heute braucht dies allerdings nicht mehr als Hauptsache betrachtet zu werden.

[ 16 ] Während der Vorbereitungszeit sollte der Nasiräer zu einer ganz bestimmten hellseherischen Erfahrung gebracht werden, welche eine Vorstellung davon verschaffen sollte, wie nahe die Menschheit schon dem Zeitpunkt des Herannahens des Christus sei. Derjenige, welcher zur Zeit des Christus der letzte große Nasiräer war, wird genannt Johannes der Täufer. Er hatte den Abschluß des Nasiräats nicht nur an sich erlebt, sondern ihn auch alle diejenigen erleben lassen, die er zu Menschen machen wollte. Dieser Abschluß ist aber nichts anderes als die Johannestaufe. Wir müssen sie nur so recht in ihrem Entwickelungswerte verstehen lernen. Was ist nun diese Taufe und wozu führte sie? Sie bestand zunächst darin, daß der Mensch unter Wasser getaucht wurde, wodurch sich sein Ätherleib am Kopfe etwas vom physischen Leibe lockerte, während sonst der Mensch den Ätherleib fest mit dem physischen Leib verbunden hat. Sie wissen ja, daß der Mensch beim Ertrinken infolge Lockerung seines Ätherleibes auf einmal sein ganzes Lebenstableau vor sich sieht. So sah der Mensch bei der Johannestaufe auch sein Lebenstableau; er sah die Eigentümlichkeiten seines ganzen Lebens, was sonst vergessen geblieben wäre. Er sah aber auch, was eigentlich der Mensch in dem betreffenden Zeitalter war. Der physische Leib wird herausentwickelt aus dem Ätherleibe als seinem Bildner. Dieses Glied der menschlichen Wesenheit jedoch, das den physischen Körper bildet, konnte nur beobachtet werden, wenn man es herauslockerte aus dem physischen Leibe. Dies geschah bei der Johannestaufe.

[ 17 ] Wenn ein Mensch diese Taufe dreitausend Jahre vor unserer Zeitrechnung erlebt hätte, so würde er sich bewußt geworden sein, daß das beste Geistige, das dem Menschen gegeben werden kann, kommen muß als ein altes Erbstück, denn es war ja eigentlich noch Erbstück, was aus den geistigen Welten in alten Zeiten gegeben wurde. Dieses war als Bild im Ätherleib und formte an dem physischen Leib. Gerade auch bei denjenigen, die über das normale Menschentum hinaus entwickelt waren, würde es sich bei dieser Taufe gezeigt haben, daß all ihr Wissen auf alter Eingebung beruht hätte. Solches bezeichnete man als das Erblicken der ätherischen Seelennatur in Form der Schlange. Man nannte die, welche das erlebt hatten, die Kinder der Schlange, weil sie durchschaut hatten, wie sich die luziferischen Wesenheiten in die Menschen hinuntergesenkt haben. Was den physischen Leib formte, war ein Geschöpf der Schlange.

[ 18 ] Jetzt aber, bei einer Johannestaufe nicht dreitausend Jahre vor Johannes dem Täufer, sondern zu seiner Zeit, stellte sich etwas ganz anderes heraus: daß nämlich unter denen, die getauft wurden, schon solche waren, die in ihrer Natur zeigten, daß die Entwickelung der Menschheit fortgeschritten ist, daß das Ich, welches von der Außenwelt befruchtet ist, jene große Gewalt hatte. Da zeigte sich auch ein ganz anderes Bild, als es sich früher bei der Johannestaufe gezeigt hatte: der Mensch sah die schöpferischen Kräfte des Ätherleibes nicht mehr in dem Bilde der Schlange, sondern in dem Bilde des Lammes. Dieser Ätherleib war nicht mehr durchdrungen von innen her mit dem, was von den luziferischen Kräften kam, sondern er war ganz hingegeben der geistigen Welt, die durch die Erscheinungen der Außenwelt hineinscheint in die Seele des Menschen. Dieses Erblicken des Lammes war das Erlebnis bei der Johannestaufe, das diejenigen hatten, welche wirklich verstehen konnten, was die Johannestaufe damals bedeutete. Diese waren es aber auch, die sich sagen konnten, der Mensch sei ein ganz anderer, ein neues Wesen geworden. Die wenigen, die das erlebten bei der Johannestaufe, konnten sagen: Ein großes, gewaltiges Ereignis ist eingetreten, der Mensch ist ein anderer geworden; das Ich hat jetzt die Herrschaft gewonnen auf Erden! — Es waren die Leute, die Johannes taufte, dazu vorbereitet worden, die Zeichen der Zeit zu verstehen, zu verstehen, daß ein solch großes Ereignis gekommen ist.

[ 19 ] Dies war immer die Aufgabe der Nasiräer. Sie wurden durch die Taufe dahin gebracht, daß sie immer wußten, wie nahe das Kommen des Christus ist. Dies erkannten sie an der Beschaffenheit des Ätherleibes bei der Lockerung während der Taufe. Johannes der Täufer sollte zeigen, daß nun die Zeit gekommen war, wo das Ich sich einleben konnte in die Menschennatur. Dadurch war er der Erfüller der alten Zeit. Er durfte eine Gemeinde um sich sammeln, welcher er zeigen konnte, daß das Christus-Prinzip durch die Wendung zum Ich nun einziehen konnte in die Menschheit. Johannes der Täufer hat das Nasiräat im höchsten Sinne ausgebildet, so daß es von einer Prophetie zur Erfüllung wurde. Er bildete eine Gemeinde um sich, die das nahende Christus-Ereignis verstehen konnte. So nur sind jene Worte zu verstehen, die der Täufer spricht. Gerade solche Worte sind unendlich tief zu nehmen, und es geziemt sich wahrhaftig nicht mehr von einem Menschen, der heute sich mit solchen Dingen beschäftigen will, in Johannes dem Täufer nichts anderes zu sehen als einen zeternden, fanatischen Menschen, der nur über die Pharisäer schimpft, sie ein Otterngezücht nennt und ihnen zuruft: «Bildet euch nichts darauf ein, daß ihr Abraham zu eurem Vater habt, Gott kann dem Abraham aus diesen Steinen Kinder erwecken.» Johannes der Täufer wäre wahrlich ein sonderbarer Keifer gewesen, wenn er sich nicht auch darüber gefreut hätte, daß auch Pharisäer und Sadduzäer zu ihm kamen, um sich taufen zu lassen. Indessen, beschimpft er sie sofort bei ihrer Ankunft? Wozu das?

[ 20 ] Wenn man die Dinge aus ihrem Inneren heraus versteht, so zeigt sich sehr bald, daß nicht bloß fanatische Schimpferei dahinter liegt, sondern daß in der Tat eine hohe Bedeutung und ein tiefer Sinn dahinter liegt. Diesen Sinn aber kann man nur verstehen, wenn man auf einen besondern Zug des althebräischen Volkes eingeht. Schon aus dem Gesagten können Sie entnehmen, daß in Abraham ein solcher Mensch ausgewählt worden ist, der so organisiert war, daß im rechten Zeitmomente aus seinen Nachkommen der Jesus herausgeboren werden konnte. Dazu aber mußte das, was erst Anlage bei Abraham war, entwickelt werden. Wir müssen uns darüber klar sein, daß zur Entfaltung dieser Anlage nötig war, daß immer einiges ausgestoßen wurde. Wir haben schon gesehen, wie Joseph abgestoßen worden ist. Aber auch schon früher war manches abgestoßen worden, zum Beispiel Esau, der Stammvater der Edomiter, weil in ihm auch ein altes Erbstück übriggeblieben war. Nur das sollte nämlich erhalten bleiben, was in der gekennzeichneten Richtung veranlagt war. Dies ist in wunderbarer Weise darin ausgedrückt, daß Abraham zwei Söhne hatte, Isaak, den Sohn der Sarah auf der einen Seite, und Ismael. Von Isaak stammt das althebräische Volk ab. In Abraham waren aber noch andere Eigenschaften. Würden diese sich durch die Generationen hinunter vererben, so käme nicht das Richtige zustande. Daher mußte jenes andere radikal hinausgestoßen werden in eine andere Nachkommenschaft, in die Ismaels, den Sohn der ägyptischen Magd Hagar. Zwei Abstammungslinien gehen also von Abraham aus, die eine über Isaak und die andere über den verstoßenen Ismael, der das Blut einer Ägypterin in sich hat und die für die Mission des hebräischen Volkes nicht tauglichen Eigenschaften auf sich nehmen mußte.

[ 21 ] Nun aber geschieht etwas ganz Besonderes. Das hebräische Volk sollte in der Vererbungslinie das Richtige fortpflanzen, und das, was altes Erbgut, alte Weisheit ist, muß ihm von außen übermittelt werden. Die alten Hebräer mußten nach Ägypten gehen, um das aufzunehmen, was sie dort aufnehmen konnten. Moses konnte dies dem Volke geben, weil er ein ägyptischer Eingeweihter war. Er hätte es freilich nicht geben können, wenn er es nur in der ägyptischen Form gehabt hätte. Es wäre falsch, sich vorzustellen, daß einfach die altägyptische Weisheit hineingepfropft worden sei in das, was von Abraham herunterströmte. Das würde sich nicht vertragen haben mit der Kultur des hebräischen Volkes, dies würde eine Kulturmißgeburt gegeben haben. Moses brachte noch etwas ganz anderes zu seiner ägyptischen Einweihung hinzu. Daher konnte er auch das, was er aus der ägyptischen Einweihung heraus bekam, nicht so einfach den Israeliten geben. Er gab ihnen erst etwas, als er die Offenbarung am Sinai erhalten hatte, also erst außerhalb Ägyptens.

[ 22 ] Was ist denn die Offenbarung vom Sinai? Was bekam Moses da, und was gab er dem Volke? Er gab ihm etwas, das wohl auf den Stamm dieses Volkes gepfropft werden konnte, weil es mit ihm in einer ganz bestimmten Weise verwandt war. Es waren einst die Nachkommen des Ismael ausgewandert und hatten sich angesiedelt in den Gegenden, welche nun von Moses mit seinem Volke durchzogen wurden. Jene Eigenschaften, die über Hagar zu den Ismaeliten gingen, welche zwar noch verwandt waren mit Abraham, aber dazu viele alte Erbstücke sich mit bewahrt hatten, die fand Moses dort bei den Ismaeliten, welche eine Art von Eingeweihten hatten. Aus den Offenbarungen dieses Zweiges entnahm er die Möglichkeit, den Israeliten die Offenbarung vom Sinai verständlich zu machen. Daher lautet eine alte Legende des hebräischen Volkes: Es ward hinausgestoßen ein Sproß des Abraham in Ismael nach Araba. Das heißt in die Wüste, Was innerhalb dieses Stammes erwuchs, war ebenfalls enthalten in dem Lehrgut des Moses. Das althebräische Volk bekam auf dem Sinai das als Lehre wieder zurück durch Moses, was es ausgestoßen hatte aus seinem Blute; von außen bekam es dieses wieder zurück.

[ 23 ] Darin sieht man wieder die wunderbare Sendung des hebräischen Volksstammes, daß ihm alles so gegeben werden sollte, daß er es nachher als ein Geschenk wieder zurückzuerhalten hat. Als ein Geschenk von außen empfing Abraham in Isaak das gesamte hebräische Volk; wiederum bekommt Moses und sein Volk von den Nachkommen des Ismael das, was es ausgestoßen hatte, wieder zurück. Es sollte in Absonderung nur diese seine ihm eigene Organisation ausbilden und als Geschenk seines Gottes zurückempfangen, was es ausgestoßen hatte. So versöhnte sich später auch Jakob mit Esau wieder, wodurch das hebräische Volk wiederum das zurück erhielt, was es einst in Esau ausgeschieden hatte.

[ 24 ] Man muß eben die Bibel sehr sorgfältig lesen, um die Tragweite der Worte darin richtig würdigen zu können. Solche Dinge ziehen sich als charakteristischer Zug durch die ganze Geschichte des hebräischen Volkes hin. Von den Nachkommen der Hagar stammt etwas ab, das mit der Gesetzgebung des Moses zusammenhängt, während abstammt das Blut, das die eigentlich israelitischen Fähigkeiten des Moses repräsentiert, von der Sarah. Agar oder Hagar heißt im Hebräischen auch Sinai, was bedeutet der Steinberg, der große Stein. Man könnte auch sagen, von dem großen Stein, der eine äußere Ausprägung war von Hagar, bekam Moses seine Gesetzesoffenbarung. Das, was dieses jüdische Volk als Gesetzgebung hatte, stammte nicht aus den besten Eigenschaften des Abraham, das stammte ab von Hagar, vom Sinai. So daß diejenigen, welche die Anhänger der bloßen Gesetzgebung sind, wie sie vom Sinai herstammte, die Pharisäer und Sadduzäer, der Gefahr ausgesetzt sind, in ihrer Entwickelung stehenzubleiben. Sie sind diejenigen, welche bei der Johannestaufe nicht das Lamm sehen wollen, sondern die Schlange.

[ 25 ] So verwandelt sich das, was sonst bloß Gekeife des Täufers wäre, in eine schöne Ermahnung der Pharisäer und Sadduzäer, wenn er ihnen zuruft: Ihr, die ihr Anhänger der Schlange seid, gebt acht, daß ihr wirklich in der Taufe das Richtige schaut. - Nämlich nicht die Schlange, sondern das Lamm. Er sagte ihnen ferner, sie brauchten sich nichts darauf einzubilden, daß sie Abraham zum Vater hätten, denn dies sei bei ihnen ein bloßes Wort; sie schwörten auf das, was vom Stein Sinai käme, aber das hätte aufgehört, eine Bedeutung zu haben. Nun aber wird aus der Welt etwas herantreten als neugeborenes Ich, und dieses Ich zeige ich euch, sagte der Täufer: Ich zeige euch, wie das aus dem Judentum herauswachsen wird, was wirklich durch die Generationen heruntergetragen worden ist und was nicht mehr auf den einzigen Stein Sinai schwören wird, sondern auf das, was überall um uns herum ist. Gottes Kinder können dadurch erscheinen, daß hinter dem Sinnlichen das Geistige erschaut wird. Aus diesen Steinen kann Gottes Wort dem Abraham Kinder erwecken! Ihr versteht jenen Ausspruch gar nicht: «Wir haben Abraham zum Vater.»

[ 26 ] Erst aus dem hier Gesagten heraus gewinnt jenes Wort seine volle Bedeutung. So etwas braucht nicht nur aus der Akasha-Chronik herausgeholt zu werden, sondern es steht schon in der Bibel. Vergleichen Sie, was im Galaterbrief der Apostel Paulus darüber sagt. Hier ist dasjenige, was eben ausgesprochen worden ist, auch vom Apostel Paulus bestätigt. Auch er sagt, daß Hagar oder Agar dasselbe Wort sei wie Sinai, und daß das, was dort am Sinai gegeben worden ist, ein Testament ist, über das diejenigen hinauswachsen sollen, die durch Heranbildung der eigentlichen Anlagen des Abraham durch die Generationen hindurch verstehen sollen, was durch Christus in die Welt gekommen ist.

[ 27 ] Damit ist zu gleicher Zeit wiederum auf ein Wort hingewiesen, das man künftig verstehen muß. Es ist so schade, daß man in einer Zeit, wo scheinbar die Intelligenz so hoch gewachsen ist, über so wenig noch nachgedacht hat, so zum Beispiel über das Wort: «Tut Buße!» Seiner Bedeutung nach würde es etwa zu übersetzen sein: Bewirkt in euch die Änderung des Sinnes. An den verschiedensten Stellen wird gesagt, daß Johannes taufte zur Buße, das heißt zur Änderung des Sinnes, mit Wasser. Als die Täuflinge aus dem Wasser herausstiegen, sollten sie den Sinn ändern, nicht mehr zurückschauen auf die alten Traditionen, sondern vorausblicken auf das, was das frei gewordene Ich, das gegeben ward in Christo Jesu, besaß. Der Sinn sollte aus der Richtung der alten Götter nach der Richtung der neuen geistigen Wesenheiten oder Götter gelenkt werden. In dieser Weise war Sinnesänderung das Ziel der Johannestaufe. Johannes taufte deshalb mit Wasser, um in einigen Menschen die Kraft hervorzurufen, daß sie erkannten, daß das Reich der Himmel nahe herbeigekommen sei, und damit sie verstehen konnten, wer der Christus Jesus sei.

[ 28 ] Hiemit ist noch einiges hinzugefügt zu dem, was wir kennengelernt haben als die Sendung des althebräischen Volkes. Das alles wird dazu führen, nach und nach auch den Christus besser zu verstehen. Gar wunderbar gliedert sich diese Sendung zusammen. Wir haben gesehen, wie in Abraham das veranlagt war, was sich in dem Volke durch Generationen hindurch weiter entwickelte. Dazu mußte manches abgestoßen werden, und die geeigneten Fähigkeiten mußten im Blute, in der Vererbung weiterentwickelt werden. Man konnte solche Fähigkeiten nur von außen hereinbekommen. Das aber, wozu dieses Volk von Abraham her veranlagt und ausersehen war, wurde konzentriert in einem Wesen, in Jesus.

[ 29 ] Die Juden brauchten das, woran sie sich halten konnten, als eine Lehre; immer mußte es ihnen von außen kommen, und zwar kam es aus dem, was von ihnen selber abgestoßen worden ist. Im Blute durfte das nicht bleiben, was auf Ismael überging, bloß in den Erkenntnissen durfte es sein. Daher empfing es das hebräische Volk in der Gesetzgebung des Moses am Sinai wieder. Diese hatte ihren Sinn erfüllt, als die Zeit gekommen war, in der man nicht mehr brauchte, was von dem Stein gekommen war, sondern wo man das hatte, was aus der ganzen Welt der Menschheit zukommen sollte. So wurde langsam vorbereitet die Zeit, in der aus den Steinen die Söhne Gottes, das heißt die Menschen entstehen konnten, wo hinter allen Steinen, ja hinter der ganzen Erde die geistige Welt sich eröffnete.

[ 30 ] Alles dies sind nur Teilstücke zum Verständnis der Mission des hebräischen Volkes. Nur wenn man diese Mission ganz versteht, kann man auch verstehen die große Gestalt des Christus Jesus, wie sie im Matthäus-Evangelium vor uns steht.