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The Rudolf Steiner Archive

a project of Steiner Online Library, a public charity

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The Deeper Mysteries of Human Development
in the Light of the Gospels
GA 117

9 November 1909, Berlin

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4. Die Mission des althebräischen Volkes

4. The Mission of the Ancient Hebrew People

[ 1 ] In der letzten Vortragsstunde wurde bereits auseinandergesetzt, daß wir einige Betrachtungen anstellen wollen über die Evangelien, und es wurde der Grund charakterisiert, warum wir uns jetzt einiges aus dem Matthäus-Evangelium vorhalten wollen. Es ist in gewisser Beziehung die menschlichste Seite des Christus Jesus, die uns in diesem Evangelium entgegentritt. Auf der andern Seite ist darin auch gegeben ein vollständiger Überblick über die geschichtlichen Ereignisse, welche zeigen, wie der Christus Jesus aus der Menschheit selber herauswächst. Da damit gezeigt ist, wie die größte Erscheinung der Erdenentwickelung aus der Geschichte herausgewachsen ist, so liegt es nahe zu vermuten, daß die tieferen Geheimnisse des Menschheitswerdens uns gerade in diesem Evangelium entgegentreten können.

[ 1 ] In the last lecture, we already discussed our intention to reflect on the Gospels, and we outlined the reason why we now wish to focus on certain passages from the Gospel of Matthew. In a certain sense, it is the most human aspect of Christ Jesus that we encounter in this Gospel. On the other hand, it also provides a complete overview of the historical events that show how Christ Jesus grew out of humanity itself. Since this demonstrates how the greatest phenomenon of Earth’s development grew out of history, it stands to reason that the deeper mysteries of humanity’s becoming may be revealed to us precisely in this Gospel.

[ 2 ] Ich möchte auch heute wiederum nicht unterlassen, ausdrücklich zu betonen, daß die Dinge, die bei dieser Gelegenheit gesagt werden, subtil sind, und daß man sehr leicht die geisteswissenschaftliche Bewegung schwer schädigen kann, wenn man in irgendeiner einseitigen Weise das, was diese Geheimnisse anbetrifft, vor die Welt bringt. Daher sollte mit einer jeglichen Mitteilung über diese Dinge die größtdenkbare Vorsicht verknüpft werden. Es wäre nicht einmal zuviel verlangt, wenn ein jeder sich in die Geduld finden würde, erst dann über ein Christus-Bild etwas mitzuteilen, wenn er dasselbe von den vier Seiten her charakterisiert bekommen hat, die in den vier Evangelien gegeben sind. An der Betrachtung über das Lukas-Evangelium ist schon zu ersehen, wie die beiden großen vorchristlichen Geistesströmungen, der Zarathustrismus und das, was im Buddhismus seinen vorchristlichen Abschluß erlangt, zusammengeflossen sind, um sich zu ergießen in den großen christlichen Strom des irdischen Geisteslebens.

[ 2 ] Once again today, I do not wish to fail to emphasize explicitly that the matters discussed on this occasion are subtle, and that one can very easily cause serious harm to the spiritual science movement if one presents to the world, in any one-sided way, what pertains to these mysteries. Therefore, the utmost caution should be exercised in any communication regarding these matters. It would not be too much to ask if everyone would have the patience to speak about an image of Christ only after having had it characterized from the four perspectives presented in the four Gospels. A consideration of the Gospel of Luke already reveals how the two great pre-Christian spiritual currents—Zoroastrianism and that which reached its pre-Christian culmination in Buddhism—converged to flow into the great Christian stream of earthly spiritual life.

[ 3 ] Das Matthäus-Evangelium hat es zuerst mit einem ganz andern Thema zu tun, nämlich zu zeigen, wie jene Körperlichkeit, in der sich inkarnierte die Individualität des Zoroaster, herauswächst aus dem althebräischen Volke. Es setzt sich zur Aufgabe, zu zeigen, welchen Anteil das althebräische Volk an der gesamten Entwickelung der Menschheit hat. Es könnte leicht jemand meinen, wenn die Individualität des Zoroaster sich verkörpert hat in dem bethlehemitischen Jesus, daß dann nur die Körperlichkeit herausgeboren wäre aus dem althebräischen Volke und daß damit nichts anderes gesagt wäre, als daß Zoroaster wiedergeboren wäre in einer Leiblichkeit, die aus dem althebräischen Volke herauswuchs. Wollte man eine solche Gefühlsnuance hineinlegen, so ergäbe sich ein ganz falsches Bild von der Wahrheit.

[ 3 ] The Gospel of Matthew is primarily concerned with an entirely different theme, namely, to show how the physical form in which the individuality of Zoroaster was incarnated grew out of the ancient Hebrew people. It sets out to demonstrate the role the ancient Hebrew people played in the overall development of humanity. One might easily think that, since the individuality of Zoroaster was embodied in the Bethlehemite Jesus, only the physicality was born out of the ancient Hebrew people, and that this would amount to nothing more than saying that Zoroaster was reborn in a physical form that grew out of the ancient Hebrew people. If one were to introduce such a nuance of feeling, it would result in a completely false picture of the truth.

[ 4 ] Durch solche Betrachtungen soll uns immer klarer werden, daß eine solche Individualität, wie die des Zarathustra, die Leiblichkeit als Instrument braucht. Wenn aus den höchsten der Welten, aus der göttlichsten der göttlichen Welten irgendeine Individualität auf die Erde herabstiege und sich in einer ungeeigneten Körperlichkeit inkarnierte, so könnte sie aus einer solchen nichts anderes machen als das, wozu dieselbe das Instrument eben sein kann. Diese falsche Gefühlsnuance, von der eben gesprochen worden ist, könnte leicht mancherlei Mißverständnisse herbeiführen. In der theosophischen Bewegung hat man lange nicht verstanden, daß des Menschen Leiblichkeit der Tempel der Seele ist. Man muß berücksichtigen, was von uns schon so oft betont worden ist: daß das menschliche Ich in drei Hüllen wohnt, von denen eine jede älter ist als das Ich selber. Dieses Ich ist ein Erdenwesen, das jüngste unter den menschlichen Gliedern. Der astralische Leib nahm auf dem alten Monde, der ätherische oder Lebensleib auf der alten Sonne seinen Anfang, hat also drei planetarische Entwickelungsstufen hinter sich; der physische Leib ist in seiner Art der vollkommenste Teil und hat vier planetarische Entwickelungsstufen hinter sich. Der physische Leib ist von Äon zu Äon ausgestaltet worden, so daß er heute dieses vollkommene Werkzeug ist, in dem das menschliche Ich sich entwickeln konnte, um den Menschen allmählich wieder zu den Höhen des Geistigen aufsteigen zu lassen. Wenn der physische Leib so unvollkommen wäre wie der astralische Leib und das Ich, so wäre eine menschliche Entwickelung auf Erden nicht möglich.

[ 4 ] Through such reflections, it should become increasingly clear to us that an individuality such as that of Zarathustra requires physicality as an instrument. If any individuality were to descend to Earth from the highest of the worlds, from the most divine of the divine worlds, and incarnate in an unsuitable physical body, it could make nothing of it other than what that body is capable of being an instrument for. This subtle emotional nuance, which has just been mentioned, could easily lead to various misunderstandings. In the Theosophical Movement, it was long misunderstood that the human physical body is the temple of the soul. One must take into account what we have so often emphasized: that the human ego dwells in three sheaths, each of which is older than the ego itself. This ego is an earthly being, the youngest among the human members. The astral body originated on the ancient Moon, the etheric or life body on the ancient Sun; thus, it has undergone three planetary stages of development; the physical body is, in its kind, the most perfect part and has undergone four planetary stages of development. The physical body has been perfected from eon to eon, so that today it is this perfect instrument in which the human ego could develop, in order to allow humanity to gradually ascend once more to the heights of the spiritual. If the physical body were as imperfect as the astral body and the ego, human development on Earth would not be possible.

[ 5 ] Nehmen Sie das in vollem Ernste, so können Sie nicht mehr eine falsche Gefühlsnuance verbinden mit der Vorstellung, daß der Zoroaster aus dem hebräischen Volke herausgeboren worden sei. Jenes Volk mußte eben so beschaffen sein, wie es war, wenn es die Leiblichkeit liefern sollte für eine Wesenheit wie den Zarathustra. Wenn wir uns vorstellen, daß diese Wesenheit, seit jener Zeit, als sie noch Lehrer des urpersischen Volkes war, sich immer höher entwickelt hat, so müssen wir eben sagen, daß es nötig war, ihr ein Instrument zu geben aus einer Volkheit heraus von einer seiner Wesenheit angemessenen Größe. Ein für ihn taugliches Instrument mußte geschaffen werden. Durch Saturn, Sonne, Mond und Erde hindurch haben sich die Götter bemüht, den physischen Leib des Menschen im allgemeinen auszugestalten. Daraus dürfen wir wohl den Schluß ziehen, daß die intimere Zubereitung eines Menschenleibes manches notwendig machte an geistig-göttlicher Arbeit, um den Menschenleib in der speziellen Form zur Ausbildung zu bringen, wie er dem Zarathustra damals diente.

[ 5 ] If you take this entirely seriously, you can no longer attach any false emotional connotations to the idea that Zoroaster was born of the Hebrew people. That people simply had to be of the nature they were if they were to provide the physical form for a being such as Zarathustra. If we imagine that this being, since the time when it was still a teacher of the ancient Persian people, has developed ever higher, then we must say that it was necessary to provide it with an instrument drawn from a people of a stature commensurate with its nature. An instrument suitable for it had to be created. Through Saturn, the Sun, the Moon, and the Earth, the gods have striven to shape the physical body of humanity in general. From this we may well conclude that the more intimate preparation of a human body required much spiritual-divine work to bring the human body into the specific form of development that served Zarathustra at that time.

[ 6 ] Damit solches möglich war, mußte die ganze Geschichte des althebräischen Volkes so ablaufen, wie sie eben abgelaufen ist. Die Akasha-Chronik zeigt uns, daß das, was im Alten Testament da ist, wirklich mit den geschichtlichen Tatsachen übereinstimmt. Es mußte sozusagen im althebräischen Volke alles so eingerichtet sein, daß es zuletzt in jener einen Persönlichkeit des bethlehemitischen Jesus gipfelte. Dazu aber waren besondere Einrichtungen notwendig. Es war notwendig, daß aus der Gesamtsumme der Kultur der nachatlantischen Zeit dasjenige herausgenommen wurde, was am meisten fähig war, jene Kräfte in der Menschheit zu entwickeln, die entwickelt werden mußten, auf daß die Menschheit etwas an die Stelle des alten hellseherischen Vermögens setzen konnte. Es war gerade das hebräische Volk dazu ausersehen, zunächst eine solche Körperlichkeit darzubieten, die bis in die feinsten Fasern des Gehirns hinein so organisiert war, daß das, was wir Erkenntnis der Welt nennen, ohne den Einfluß des alten Hellsehens zustande kam. Das sollte die Mission dieses Volkes sein. In dem Stammvater dieses Volkes, in Abraham, war auch tatsächlich eine solche Individualität auserlesen, daß dessen Leiblichkeit ein geeignetes Instrument war für das urteilende Denken. Alles, was vorher groß und bedeutend war, stand noch unter den Nachwirkungen alten Hellsehens. Nun sollte aber eine Persönlichkeit ausersehen werden, welche das geeignetste Gehirn hatte, um sich nicht drängen und stoßen zu lassen von den hellseherischen Imaginationen und Intuitionen, sondern berufen war, die Dinge rein mit dem Verstande zu betrachten. Dazu aber bedurfte es eines besonders eingerichteten Gehirnes, und die Persönlichkeit, die dieses Gehirn hatte, mußte ausersehen werden. Diese haben wir zu sehen in Abram oder Abraham.

[ 6 ] For this to be possible, the entire history of the ancient Hebrew people had to unfold exactly as it did. The Akashic Records show us that what is found in the Old Testament truly corresponds to historical facts. Everything among the ancient Hebrew people had to be arranged, so to speak, in such a way that it ultimately culminated in that one personality, the Jesus of Bethlehem. But for this, special arrangements were necessary. It was necessary to extract from the totality of the culture of the post-Atlantean era that which was most capable of developing within humanity those forces that had to be developed so that humanity could replace the old clairvoyant faculty with something else. It was precisely the Hebrew people who were chosen to first offer a physicality so organized down to the finest fibers of the brain that what we call knowledge of the world could come about without the influence of the old clairvoyance. That was to be the mission of this people. In the progenitor of this people, in Abraham, such an individuality was indeed chosen that his physicality served as a suitable instrument for discerning thought. Everything that had previously been great and significant was still under the aftereffects of ancient clairvoyance. Now, however, a personality was to be chosen who possessed the most suitable brain, so as not to be pushed and pulled by clairvoyant imaginations and intuitions, but was called to view things purely with the intellect. This, however, required a specially constituted brain, and the personality possessing this brain had to be chosen. We see this in Abram or Abraham.

[ 7 ] Und auch das stimmt mit den Beobachtungen der Akasha-Chronik überein, daß die Richtung, aus der jener Abraham herkam, von jenseits des Euphrat nach dem Westen ging, gegen Kanaan zunächst. Abraham wurde hergeholt, wie es in der Bibel heißt, aus Ur inChaldäa. Während in der ägyptischen sowohl wie in der chaldäisch-babylonischen Kultur noch die Nachklänge des alten dämmerhaften Hellsehens da waren, wurde aus dem chaldäischen Volke ein Individuum auserlesen, welches nicht mehr darauf aufbaute, sondern auf die Beobachtungen der Erscheinungen der Außenwelt. Damit sollte jene Kultur eingeleitet werden, deren Früchte noch heute unserer ganzen westlichen Kultur und Zivilisation einverleibt sind. Jenes kombinatorische Denken, die mathematische Logik, wurde durch Abraham eingeleitet; ihn sah man bis ins Mittelalter hinein in gewissem Sinne als Vertreter der Arithmetik an. Die ganze Anlage seines Denkens war eben eine solche, die Welt nach dem Verhältnis von Maß und Zahl anzusehen.

[ 7 ] And this also corresponds with the observations in the Akashic Records, which state that the direction from which Abraham came was from beyond the Euphrates toward the west, initially toward Canaan. Abraham was brought forth, as the Bible says, from Ur in Chaldea. While echoes of the ancient, twilight-like clairvoyance still lingered in both Egyptian and Chaldean-Babylonian culture, an individual was chosen from among the Chaldean people who no longer relied on that, but rather on observations of phenomena in the external world. This was to inaugurate the culture whose fruits are still incorporated into our entire Western culture and civilization today. That combinatorial thinking, mathematical logic, was introduced by Abraham; he was regarded, in a certain sense, as a representative of arithmetic well into the Middle Ages. The whole structure of his thinking was precisely one that viewed the world according to the relationship of measure and number.

[ 8 ] Eine derartig beschaffene Persönlichkeit war dazu geeignet, ein lebendiges Verhältnis zu gewinnen zu derjenigen Gottheit, welche sich offenbaren sollte durch das Medium der Außenwelt. Alle andern Gottheiten außer Jahve kündigten sich im Inneren der menschlichen Seele an, und man mußte Imagination, Intuition und so weiter in seiner Seele erwecken, um etwas von ihnen zu wissen. Im alten Indien sah man hinaus, sah die Sonne aufgehen, sah die verschiedenen Reiche der Erde, die Vorgänge des Luftkreises, des Meeres und so weiter, aber all das betrachtete man als eine große Täuschung, als Maja, worin der Inder nichts von einer Göttlichkeit gefunden hätte, wenn er sie nicht durch innere Imagination gewonnen und dann hinterher mit den Erscheinungen der Außenwelt in Beziehung gebracht hätte. Auch bei Zarathustra haben wir es uns so zu denken, daß er nicht hätte hinweisen können auf das große Sonnenwesen, wenn ihm nicht im Inneren aufgegangen wäre das große Wesen des Ahura Mazdao. Besonders aber sehen wir dies an den ägyptischen Gottheiten, die ganz aus inneren Seelenerlebnissen herausgeholt und nachher mit äußeren Dingen in Beziehung gebracht werden.

[ 8 ] A personality of this nature was well-suited to developing a living relationship with the deity who was to reveal himself through the medium of the external world. All other deities except Yahweh made their presence known within the human soul, and one had to awaken imagination, intuition, and so on within one’s soul in order to know anything about them. In ancient India, people looked out, saw the sun rise, observed the various realms of the earth, the processes of the atmosphere, the sea, and so on, but all of this was regarded as a great illusion, as Maya, in which the Indian would have found nothing of a divine nature had he not first gained it through inner imagination and then subsequently related it to the phenomena of the external world. With Zarathustra, too, we must conceive of it in such a way that he could not have pointed to the great solar being if the great being of Ahura Mazdao had not dawned within him. But we see this particularly in the Egyptian deities, who are drawn entirely from inner soul experiences and subsequently related to external things.

[ 9 ] Alles, was an vorhebräischen Gottheiten da war, muß von diesem Gesichtspunkte aus aufgefaßt werden. Jahve jedoch ist diejenige Gottheit, welche einen von außen her anschaut, von außen an den Menschen herankommt, sich in Wind und Wetter offenbart. Wenn der Mensch alles, was in der Außenwelt an Zahl, Maß und Gewicht vorhanden ist, durchdringt, nähert er sich dem Jahvegott. In früherer Zeit war der Gang ein entgegengesetzter. Brahma wurde zuerst im Inneren der Seele erkannt und von da wird dann erst hinausgegangen. Den Jahve jedoch erkennt man zuerst draußen und dann erst kann er auch im eigenen Inneren nachgewiesen werden. Das ist die geistige Seite dessen, was genannt wird: der Bund Jahves mit Abraham. Dieser Mann war eben eine Persönlichkeit, die den Jahve fassen und verstehen konnte. Die Leiblichkeit des Abraham war so, daß dieser den Jahve oder Jehova als den die Welterscheinungen draußen durchlebenden und durchwebenden Gott verstehen konnte.

[ 9 ] All pre-Hebrew deities must be understood from this perspective. Yahweh, however, is the deity who looks upon one from the outside, approaches humanity from the outside, and reveals himself in wind and weather. When a person penetrates everything in the external world that exists in terms of number, measure, and weight, he draws closer to the God Yahweh. In earlier times, the path was the opposite. Brahma was first recognized within the soul, and only then did one move outward from there. Yahweh, however, is first recognized outside, and only then can he also be found within one’s own inner self. This is the spiritual aspect of what is called: Yahweh’s covenant with Abraham. This man was precisely a personality who could grasp and understand Yahweh. Abraham’s physical nature was such that he could understand Yahweh or Jehovah as the God who lives through and weaves through the phenomena of the world.

[ 10 ] Nun handelt es sich darum, aus dieser Eigentümlichkeit jenes einen Mannes, des Abraham, die Mission eines ganzen Volkes zu folgern. Es war notwendig, daß Abrahams Geisteskonstitution sich auch auf andere übertrug. Dieselbe ist aber an die physischen Werkzeuge gebunden; denn alles, was nach außen gebracht werden soll, ist gebunden an eine ganz bestimmte Organisation des physischen Leibes. Die alten auf der Grundlage des dämmerhaften Hellsehens aufgebauten Religionen brauchten nicht so viel Gewicht darauf zu legen, ob die einzelnen Teile des Gehirns so oder so geformt waren; das Verständnis des Jehova aber war streng gebunden an die Konstitution des physischen Gehirnes. Nur auf dem Wege der physischen Vererbung innerhalb eines durch Blutsverwandtschaft zusammenhängenden Volkes konnte eine Übertragung solcher Eigenschaften geschehen.

[ 10 ] The point now is to deduce the mission of an entire people from this particular characteristic of that one man, Abraham. It was necessary for Abraham’s spiritual constitution to be transmitted to others as well. However, this constitution is bound to the physical instruments; for everything that is to be brought forth outwardly is bound to a very specific organization of the physical body. The ancient religions, built upon the foundation of twilight clairvoyance, did not need to place so much emphasis on whether the individual parts of the brain were shaped in one way or another; but the understanding of Jehovah was strictly bound to the constitution of the physical brain. Only through physical heredity within a people united by blood ties could such characteristics be transmitted.

[ 11 ] Da mußte etwas ganz Besonderes geschehen. Abraham mußte eine Nachkommenschaft haben, die weiterbaute jene eigenartige Konstitution des physischen Leibes, die bis dahin die Götter aufgebaut hatten und die in Abraham in höchster Blüte vorhanden war. Es mußte nun als selbständig von den Menschen der Aufbau des physischen Leibes in die Hand genommen werden, damit das weitergeführt wurde, was bislang die Götter getan haben, und zwar durch viele Generationen hindurch mußte dies geschehen. Es mußte ein den Jahve verstehendes Gehirn sich durch physische Vererbung erhalten. Der Bund des Jahve mit Abraham sollte auch auf die Nachkommen übergehen. Dazu aber gehörte eine ungeheure Hingebung der Individualität des Abraham an den Jahve; denn man erlangt die Möglichkeit, eine gewisse Konstitution mehr und mehr auszubilden, nur dann, wenn man dieselbe in dem Sinne gebraucht, wie sie geschaffen ist. Wenn man die Hand zum Beispiel besonders geschickt machen will zu einem gewissen Zwecke, so kann das nur geschehen, indem man sie in dem Sinne weiter ausbildet, in dem sie geschaffen ist. Wollte man die physischen Eigenschaften des Gehirns als eines Jahve-Begreifers ausbilden, so mußte diese Hingabe und dieses Begreifen des Jahve bei Abraham einen denkbar höchsten Grad erreichen.

[ 11 ] Something very special had to happen. Abraham had to have descendants who would continue to build upon that unique constitution of the physical body which the gods had developed up to that point and which was present in Abraham in its highest form. The building of the physical body now had to be taken up by human beings as an independent endeavor, so that what the gods had done up to that point might be continued, and this had to happen through many generations. A mind capable of understanding Yahweh had to be preserved through physical inheritance. Yahweh’s covenant with Abraham was also to pass on to his descendants. But this required an immense surrender of Abraham’s individuality to Yahweh; for one gains the ability to develop a certain constitution more and more only when one uses it in the sense in which it was created. If, for example, one wishes to make the hand particularly dexterous for a certain purpose, this can only be achieved by further developing it in the sense in which it was created. If one were to develop the physical characteristics of the brain as that of one who comprehends Yahweh, this surrender and this comprehension of Yahweh had to reach the highest conceivable degree in Abraham.

[ 12 ] Und das war auch tatsächlich der Fall. In der Bibel wird uns erzählt, wie dies geschah. Eine Hingabe wird dann am größten, wenn man hinopfert, was man selber für die Zukunft werden soll. Abraham soll dem Jahve seinen Sohn Isaak hinopfern. Er würde damit das ganze hebräische Volk hinopfern und alles, was er selber war und was in die Welt durch ihn getragen werden sollte. Abraham war der erste Jehova-Versteher. Wollte er sich diesem ganz ergeben zeigen, so mußte er sich ihm ganz hingeben. Durch Hingabe seines einzigen Sprosses verzichtete er auf jede Fortpflanzung seines Stammes in der Welt.

[ 12 ] And that was indeed the case. The Bible tells us how this came to pass. Devotion reaches its peak when one sacrifices what one is meant to become in the future. Abraham was to sacrifice his son Isaac to Yahweh. In doing so, he would be sacrificing the entire Hebrew people and everything that he himself was and everything that was to be brought into the world through him. Abraham was the first to understand Jehovah. If he wanted to show himself completely devoted to Him, he had to give himself entirely to Him. By sacrificing his only son, he renounced any continuation of his lineage in the world.

[ 13 ] Und er hat es so weit gebracht in der Hingabe, daß er den Isaak hingeopfert hat; sein Wille war es. Und er bekommt den Isaak wieder zurück. Was heißt das? Das heißt etwas ganz Ungeheures. Er bekommt ihn von Jahve selber zurück, das heißt, Abraham geht so weit, die Mission, die er vermöge der Individualität seines Selbstes hat, nicht durch sich auf die Nachwelt weiter zu übertragen, sondern sie als Gabe des Jahve oder Jehova in seinem eigenen Sohn zu empfangen. Wer sich das überlegt, wird bemerken, daß hierin eine weltgeschichtliche Tatsache liegt, die in die Geheimnisse des geschichtlichen Werdens der Menschheit in unbegrenztem Maße hineinleuchtet.

[ 13 ] And he went so far in his devotion that he offered Isaac as a sacrifice; it was his will. And he gets Isaac back. What does that mean? It means something truly immense. He receives him back from Yahweh himself; that is, Abraham goes so far as not to pass on the mission he has by virtue of his own individuality to posterity through himself, but to receive it as a gift from Yahweh or Jehovah in his own son. Anyone who reflects on this will realize that here lies a fact of world history that sheds unlimited light on the mysteries of humanity’s historical development.

[ 14 ] Nun sehen wir zu, wie die Ereignisse weitergehen. Durch jene Hingabe des Abraham an den Jahve wird es möglich, daß wirklich das sich fortsetzt, was bisher die Götter geschaffen haben. Das, was die physische Menschheit ist, wurde aus dem Weltenall herausgeboren. Wir wissen ja, wie das, was die menschliche Leiblichkeit auf der Erde ist, zusammenhängt nach Zahl, Maß und Gewicht mit all den Gesetzen, welche die Sternenwelten beherrschen. Der Mensch ist aus den Sternenwelten herausgeboren; er trägt in sich die Gesetze der Sternenwelten. Es mußten die Gesetze der Sternenwelten sozusagen hineingeschrieben werden in das durch die Generationen des althebräischen Volkes von Abraham aus herunterfließende Blut. In dem althebräischen Volke mußte alles so geordnet sein, daß der Strom von Gesetzmäßigkeit weiterfloß, der aus dem Weltenall heraus nach Maßgabe von Zahl, Maß und Gewicht den menschlichen physischen Leib geordnet hat im Sinne der Sternenordnung. Das finden wir wieder in einem Ausspruch, der in der Bibel so ungeheuer entstellt ist. So heißt es dort, daß Gott die Israeliten so zahlreich machen will wie die Sterne am Himmel. Gemeint ist aber, daß er in der Art, wie sie sich fortpflanzen und verbreiten auf der Erde, die Gesetze, die Zahlenverhältnisse walten lassen will, wie sie in den Sternen am Himmel herrschen. Nach der Zahlenharmonie der Sterne soll das hebräische Volk in seiner Fortpflanzung geordnet sein.

[ 14 ] Now let us see how events unfold. Through Abraham’s devotion to Yahweh, it becomes possible for what the gods have created thus far to truly continue. That which constitutes physical humanity was born out of the universe. We know, after all, how human physicality on Earth is connected in number, measure, and weight to all the laws that govern the starry worlds. Humanity was born out of the starry worlds; it carries within itself the laws of the starry worlds. The laws of the starry worlds had to be, so to speak, inscribed into the blood flowing down through the generations of the ancient Hebrew people from Abraham. In the ancient Hebrew people, everything had to be arranged in such a way that the stream of lawfulness continued to flow, which, from the universe, had ordered the human physical body according to number, measure, and weight in the sense of the order of the stars. We find this again in a saying that is so terribly distorted in the Bible. It states there that God wants to make the Israelites as numerous as the stars in the sky. What is meant, however, is that in the way they procreate and spread across the earth, He wants the laws and numerical ratios to prevail as they do among the stars in the sky. The Hebrew people are to be ordered in their procreation according to the numerical harmony of the stars.

[ 15 ] Wir sehen, wie das geschieht. Isaak hatte zwei Söhne, Jakob und Esau. Wir sehen auch, wie alles das, was da durch das Blut der Generationen hinunterrinnt - während das der Esau-Richtung Angehörige ausgeschaltet und die geeignete Richtung herausgeholt wird -, wie sich das weiter gestaltet. Jakob hatte zwölf Söhne entsprechend den zwölf Teilen des Tierkreises, durch welche die Sonne am Himmel zieht, um die Ordnung der Sterne zu bewirken. Das ist die innere Gesetzmäßigkeit. Es erscheint uns tatsächlich im Leben und in der Fortpflanzungsart des hebräischen Volkes ein Abbild von Zahl und Maß, wie sie am Himmel herrschen. Abraham war bereit, seinen Sohn Isaak zu opfern. Damit hat er seine ganze Mission von Jahve wieder entgegengenommen. An Stelle des Isaak wurde geopfert ein Widder oder Lamm. Was heißt das?

[ 15 ] We see how this happens. Isaac had two sons, Jacob and Esau. We also see how everything that flows down through the blood of the generations—while those belonging to the line of Esau are eliminated and the appropriate line is brought forth—how this continues to unfold. Jacob had twelve sons corresponding to the twelve parts of the zodiac through which the sun travels in the sky to bring about the order of the stars. This is the inner law. Indeed, in the life and mode of reproduction of the Hebrew people, we see a reflection of the numbers and measures that prevail in the heavens. Abraham was ready to sacrifice his son Isaac. In doing so, he accepted his entire mission from Yahweh once again. In place of Isaac, a ram or lamb was sacrificed. What does this mean?

[ 16 ] Hier verbirgt sich etwas ungeheuer Tiefes. Jene menschliche Leiblichkeit, die sich fortpflanzen sollte und an welche jene Fähigkeiten gebunden waren, welche das Begreifen der Welt nach Maß und Zahl, nach mathematischer Logik bedingen, sollte erhalten bleiben und als Geschenk des Jahve entgegengenommen werden. Um sie aber unvermischt durch irgend etwas anderes zu haben, war es notwendig, daß verzichtet wurde auf ein jegliches dämmerhaftes altes Hellsehen, daß verzichtet wurde auf allerlei Imaginationen, Intuitionen, auf jedes Einfließen solcher Offenbarungen, wie sie in allen übrigen Religionen der alten Zeiten bis zur chaldäischen und ägyptischen herauf vorhanden sind. Auf jede Gabe aus der geistigen Welt mußte verzichtet werden. Die letzte Gabe aus der geistigen Welt, die noch bleibt, wenn alle früheren verdunkelt sind, wird in der mystischen Symbolik durch den Widder bezeichnet. Die beiden Widderhörner bedeuten: dasOpfer der zweiblättrigen Lotosblume. Die letzte hellseherische Gabe wird hingeopfert, nachdem die früheren schon früher abgelegt worden sind. Um die Leiblichkeit in dieser Organisation in Isaak zu erhalten, wird die letzte hellseherische Fähigkeit, die Widdergabe, die zweiblättrige Lotosblume hier hingeopfert.

[ 16 ] There lies something immensely profound here. That human physicality, which was meant to reproduce itself and to which were bound those abilities that make possible an understanding of the world in terms of measure and number, according to mathematical logic, was to be preserved and accepted as a gift from Yahweh. But in order to possess it unadulterated by anything else, it was necessary to renounce all dim, ancient clairvoyance, to renounce all manner of imaginings and intuitions, and to reject any influx of such revelations as are found in all other religions of antiquity, up to and including the Chaldean and Egyptian ones. Every gift from the spiritual world had to be renounced. The last gift from the spiritual world that remains when all the earlier ones have been obscured is designated in mystical symbolism by the ram. The two ram’s horns signify: the sacrifice of the two-petaled lotus flower. The last clairvoyant gift is sacrificed after the earlier ones have already been laid aside. In order to preserve the physicality within this organization in Isaac, the last clairvoyant ability—the Aries gift, the two-petaled lotus flower—is sacrificed here.

[ 17 ] Nun lebt das Volk in seiner Mission so weiter, daß gerade diese Abraham-Fähigkeiten sich fortpflanzen von Generation zu Generation. In dem Augenblicke, wo atavistisch wieder auftritt diese Hellsehergabe, wo wieder einer hineinsieht in die geistigen Welten, macht sich eine solche Reaktion geltend, daß diese Persönlichkeit zunächst ausgeschieden wird, daß sie nicht geduldet wird innerhalb der Volksgemeinschaft. Die Antipathie gegen diese Gabe des Widders macht sich geltend in Feindschaft. Das zeigt sich bei Joseph. In seinen Träumen hatte er prophetische Erleuchtungen aus der geistigen Welt. Er wird ganz selbstverständlich herausgeschoben aus dem Volke, weil das, was er hatte, aus der eigentlichen Mission des hebräischen Volkes herausfiel. Von den Brüdern wird er verstoßen, weil in ihm ein Erbstück alter Hellsehergabe wieder auftritt. Deshalb mußte Joseph nach Ägypten gehen, weil er herausfiel aus der Mission seines Volkes.

[ 17 ] Now the people continue to live out their mission in such a way that precisely these Abrahamic abilities are passed down from generation to generation. The moment this clairvoyant gift reappears atavistically—the moment someone once again gains insight into the spiritual worlds—a reaction sets in whereby that individual is initially ostracized and is not tolerated within the community. The antipathy toward this gift of the Ram manifests itself as hostility. This is evident in the case of Joseph. In his dreams, he had prophetic insights from the spiritual world. He is quite naturally cast out from the people because what he possessed fell outside the actual mission of the Hebrew people. He is cast out by his brothers because an ancestral gift of clairvoyance reappears in him. That is why Joseph had to go to Egypt, because he fell outside the mission of his people.

[ 18 ] So bedeutsam sind diese Dinge, die uns da erzählt werden! Nun sehen wir weiter, wie sozusagen gerade durch jene Persönlichkeit, durch welche in einem alten Erbstück erhalten ist das, worauf das alte hebräische Volk nur zurückschauen konnte als auf etwas, was vor Abraham war, wie durch diese Persönlichkeit, durch den Joseph, wiederum das herbeigeführt wird, was zur Entwickelung des althebräischen Volkes so notwendig war zur Erfüllung seiner Mission. Es war in gewisser Weise für das althebräische Volk das Tor geschlossen gegenüber jener Welt, die dazu geführt hatte, durch das alte dämmerhafte Hellsehen dem Indertum, Persertum seine Religion zu geben. Da war das Tor geschlossen. Man sah hinaus in die Welt, ordnete nach Maß und Zahl, und als die Einheit, in die man alles ordnete, erblickte man Jahve oder Jehova. Das einzige, was man noch wußte, war, daß dies, was man draußen erblickte, was in Jahve als Schöpfer der Welterscheinungen einem entgegentrat, eines und dasselbe war mit der menschlichen Ichheit. Aber darüber stiegen keine Imaginationen, keine eigenen inneren Erlebnisse innerhalb dieser Volksgemeinschaften auf. In jener Zeit, sage ich ausdrücklich, gab es darüber keine eigenen Erlebnisse. Deshalb mußte man es auch von außen lernen, das heißt, man mußte es bei einem Volke lernen, das diese Erlebnisse noch hatte.

[ 18 ] These things we are being told are so significant! Now let us see how, as it were, precisely through that personality—through whom is preserved in an ancient heirloom that which the ancient Hebrew people could only look back upon as something that existed before Abraham—how through this personality, through Joseph, is brought about once again that which was so necessary for the development of the ancient Hebrew people in order to fulfill their mission. In a certain sense, the gate was closed for the ancient Hebrew people to that world which had led, through the ancient twilight clairvoyance, to giving the Indus and Persian civilizations their religion. There the gate was closed. They looked out into the world, ordered things according to measure and number, and in the unity into which they ordered everything, they beheld Yahweh or Jehovah. The only thing they still knew was that what they beheld outside, what met them in Yahweh as the creator of worldly phenomena, was one and the same with human individuality. But no imaginings, no inner experiences of their own arose within these communities regarding this. At that time, I say expressly, there were no such experiences of their own. Therefore, one had to learn it from the outside, that is, one had to learn it from a people who still had these experiences.

[ 19 ] So bildet die Persönlichkeit des Joseph das Bindeglied zwischen dem althebräischen Volke und den Ägyptern, also dem Volke, bei dem man das lernen konnte, was das althebräische Volk nicht mehr als Erlebnis hatte. Das, was man heute selber zusammenbringen kann, wenn man die eigenen inneren Erlebnisse gehabt hat — die Erkenntnisse, Erlebnisse der Außenwelt und die der inneren Imagination -, das mußte man zusammenbringen dadurch, daß man sich hinbegab zu einem Volke, das diese Erlebnisse noch in hohem Maße hatte, zu dem ägyptischen Volke. Solche innere Fähigkeiten mußte man in Harmonie bringen mit dem, was man selber durch mathematische Logik gewonnen hatte. Aber hinführen konnte zu diesem ägyptischen Volke nur eine solche Persönlichkeit, die selber etwas hatte von solcher Imagination. Joseph war das richtige Verbindungsglied, weil er selber noch solche Fähigkeiten besaß. Denn er konnte den Ägyptern dienen, weil er zweierlei vermochte: Erstens hatte er die alte Hellsehergabe aus der Zeit vor Abraham. Er konnte sich hineinfinden in das, was das alte ägyptische Volk durch Hellsehergabe erlangte. Aber was dieses Volk nicht hatte, war die mathematische Logik, das heißt, es konnte nicht anwenden im physischen Leben das, was es als Imagination besaß. Der Pharao war darum unfähig, die Dinge richtig anzuordnen, als etwas eintrat, was bisher nicht immer dagewesen war. Imaginationen konnte man haben, aber, wenn eine gewisse Unordnung eingetreten war, in kluger Weise maß- und zahlvoll nachzudenken und die Verhältnisse zu ordnen, dazu brauchte es eine andere Fähigkeit, welche die Ägypter nicht besaßen, und diese hatte Joseph. Daher war er fähig, am ägyptischen Hofe die richtigen Ratschläge zu geben. So war er das richtige Verbindungsglied zwischen dem hebräischen Volke und den Ägyptern. Dadurch konnte er es herbeiführen, daß die Jahve- oder Jehova-Lehre, die bis dahin wie eine Zusammenfassung der äußeren Wirklichkeit, wie ein mathematisches Weltbild war, Farbe und Inhalt bekam von der inneren Imagination, die man in Ägypten hatte.

[ 19 ] Thus, the personality of Joseph serves as the link between the ancient Hebrew people and the Egyptians—that is, the people from whom one could learn what the ancient Hebrew people no longer experienced firsthand. What one can bring together oneself today, having had one’s own inner experiences—the insights, experiences of the outer world, and those of the inner imagination—one had to bring together by going to a people who still had these experiences to a high degree: the Egyptian people. One had to bring such inner abilities into harmony with what one had gained oneself through mathematical logic. But only a personality who possessed something of such imagination could lead one to this Egyptian people. Joseph was the right link because he himself still possessed such abilities. For he could serve the Egyptians because he was capable of two things: First, he had the ancient gift of clairvoyance from the time before Abraham. He could attune himself to what the ancient Egyptian people had attained through the gift of clairvoyance. But what this people lacked was mathematical logic; that is, they could not apply in physical life what they possessed as imagination. The pharaoh was therefore unable to organize things properly when something occurred that had not always been present before. One could have imaginations, but when a certain disorder had arisen, to think in a wise, measured, and systematic way and to organize the circumstances required a different ability, which the Egyptians did not possess, and Joseph had this. Therefore, he was able to give the right advice at the Egyptian court. Thus he was the right link between the Hebrew people and the Egyptians. Through this, he was able to bring about a situation where the teaching of Yahweh or Jehovah—which until then had been like a summary of external reality, like a mathematical worldview—gained color and substance from the inner imagination that existed in Egypt.

[ 20 ] Diesen Zusammenhang und Zusammenklang zwischen altägyptischen Erlebnissen und den Erkenntnissen des Weltzusammenhangs hat Moses gebracht. Als das gemacht war, konnte das Volk wieder zurückgeführt werden, um das in Ägypten Erfahrene, nicht Erlebte, zu verarbeiten nach seiner Art. Denn es handelte sich ja gerade darum, daß diese Gabe unvermischt von andern Völkern erhalten blieb, daß unverfälscht blieb die Blutseigentümlichkeit. Es mußte aber herübergerettet werden das, was die alten Völker hatten gewinnen können. So ist die Erbschaft von alten Zeiten her das, was an Weisheitsgütern im ägyptischen Volke war, durch Moses einverleibt worden dem althebräischen Volke mit seinen mathematisch-logischen Fähigkeiten. Dann aber mußte das Volk wieder herausgerissen werden, denn es sollte ja vererben, was als neue Fähigkeit durch das abrahamitische Volk allein möglich war.

[ 20 ] It was Moses who established this connection and harmony between the experiences of ancient Egypt and the insights into the interconnectedness of the world. Once this was accomplished, the people could be led back to process in their own way what they had experienced—not merely heard about—in Egypt. For the very point was that this gift be preserved unadulterated by other peoples, that the distinctiveness of their bloodline remain unaltered. Yet what the ancient peoples had been able to attain had to be preserved. Thus, the legacy from ancient times—the store of wisdom found among the Egyptian people—was incorporated by Moses into the ancient Hebrew people with their mathematical-logical abilities. But then the people had to be torn away again, for they were to bequeath what was possible as a new ability through the Abrahamic people alone.

[ 21 ] Nun lebte dieses Volk weiter. Dadurch, daß es die Vorbedingungen immer mehr verfeinerte und daß das Blut dieses Volkes sich immer mehr richtete nach diesen Vorbedingungen, daß es sich so ausbildete, wie es sich in der Generationenreihe ausgebildet hat, dadurch war es möglich, in einem bestimmten Zeitpunkte aus dem Blute dieses Volkes die Leiblichkeit des Jesuskindes hervorgehen zu lassen, in die einziehen konnte die Persönlichkeit des Zarathustra oder Zoroaster. Dazu mußte dieses Volk stark und mächtig gemacht werden.

[ 21 ] And so this people continued to live. Because they continually refined the prerequisites, and because the blood of this people increasingly aligned itself with these prerequisites—because it developed as it had developed through the generations—it became possible, at a certain point in time, for the physical form of the infant Jesus to emerge from the blood of this people, into which the personality of Zarathustra or Zoroaster could enter. To this end, this people had to be made strong and powerful.

[ 22 ] Wenn wir im Sinne des Matthäus-Evangeliums weiter die Zeit der Richter und Könige und die verschiedenen Schicksale des althebräischen Volkes verfolgen, so werden wir sehen, wie auch jene Verhältnisse, die uns dieses Volk zeigen so, daß es oftmals abirrt, gerade notwendig waren, um zustande zu bringen, was zustande gekommen ist. Insbesondere war es auch notwendig, daß das Volk das Unglück hatte, das sich ausdrückt in dem Wegführen in die babylonische Gefangenschaft. Wir werden sehen, wie die Volkseigentümlichkeit sich ausgebildet hat, und wie hier notwendig war der Zusammenstoß mit der andern Seite der alten Tradition, die in Babylon vorhanden war, als das Volk reif war, mit dem wieder zusammengeführt zu werden, was es verlassen hatte. Das ist das eine. Das andere ist das, daß gerade in jener Zeit, in welcher das hebräische Volk mit dem babylonischen zusammengeführt wurde, ein großer, gewaltiger Lehrer des Ostens dort lehrte, und daß einige der Besten des hebräischen Volkes noch unter dem Lichte dieses großen Lehrers stehen konnten. Das ist die Zeit, in der Zarathustra als Nazarathos oder Zaratos dort lehrte, in jenen Gegenden, in welche die Juden geführt worden sind. Einige der besten Propheten standen noch unter seinem Einfluß. Da konnte er noch so viel machen an diesem Volke, als man machen muß, wenn das Blut schon eine gewisse Wirkung getan hat, und dann gewisse Einflüsse von außen hinzutreten müssen.

[ 22 ] If we continue to trace the period of the judges and kings and the various fates of the ancient Hebrew people in the spirit of the Gospel of Matthew, we will see how even those circumstances that reveal this people to us as often straying from the right path were precisely necessary to bring about what has come to pass. In particular, it was also necessary for the people to suffer the misfortune expressed in their exile to Babylon. We shall see how the national character developed, and how the clash with the other side of the ancient tradition present in Babylon was necessary at that time, when the people were ripe to be reunited with what they had left behind. That is one point. The other is that precisely at the time when the Hebrew people were reunited with the Babylonians, a great, powerful teacher from the East was teaching there, and that some of the best among the Hebrew people were still able to stand in the light of this great teacher. This is the time when Zarathustra taught there as Nazarathos or Zaratos, in those regions to which the Jews had been led. Some of the finest prophets were still under his influence. There he was still able to do as much for this people as one must do when the blood has already exerted a certain effect, and certain external influences must then come into play.

[ 23 ] Es ist fast so, daß man nicht sehr weit fehlgeht, wenn man diese ganze Entwickelung mit der Entwickelung des einzelnen, allmählich heranwachsenden Menschen vergleicht. Da haben wir zunächst das Kind, das geboren wird. Es wächst heran bis zum siebenten Jahre und steht in der leiblichen Pflege der Eltern. Da sind es vorzugsweise die Einflüsse des physischen Planes, die einwirken müssen. Dann beginnt die Entwickelung, die dadurch einsetzt, daß der Ätherleib erst in richtiger Weise geboren wird. Die Entwickelung basiert darauf, daß das Gedächtnis ausgebildet wird, daß also das, was im Ätherleib sich heranentwickeln kann, in der richtigen Weise sich erkraftet. In der dritten Periode beginnt das, was man nennen kann: der Mensch tritt mit seinem astralischen Leibe jetzt in ein Verhältnis zur Außenwelt; da muß er aufnehmen das, was man nennen kann Urteilsfähigkeit.

[ 23 ] It is almost as if one would not be far off the mark in comparing this entire process of development to the development of an individual human being as they gradually grow up. First, we have the child who is born. It grows up to the age of seven and is in the physical care of its parents. Here it is primarily the influences of the physical plane that must take effect. Then the development begins, which starts with the etheric body being properly born. This development is based on the formation of memory, so that what can develop within the etheric body gains strength in the proper way. In the third period, what might be called the human being’s astral body now enters into a relationship with the external world; here, the human being must acquire what might be called the power of judgment.

[ 24 ] In gewisser Weise machte das althebräische Volk diesen Weg in ganz eigenartiger Weise durch. Es macht zuerst die erste Periode durch, von Abraham bis zur Zeit der ersten Könige. Es ist dies zu vergleichen mit der ersten Periode des einzelnen Lebens bis zum siebenten Jahre. Hier werden alle Dinge getan, die imstande sind, die Bluteigentümlichkeiten zu befestigen. Alles, was da erzählt wird, die Wanderung Abrahams, die Ausbildung der zwölf Stämme, die Eingliederung der mosaischen Gesetzgebung, die Fährlichkeiten in der Wüste, ist zu vergleichen mit dem, was in den ersten sieben Lebensjahren auf den Menschen vom physischen Plane her einfließt. Dann kommt die zweite Periode: die innere Verfestigung, die Königsherrschaft bis zur babylonischen Gefangenschaft. Dann kommt der Einfluß des Chaldäertums, des orientalischen Magiertums auf das hebräische Volk. Und der Leiter, der schon damals, 550 bis 600 vor unserer Zeitrechnung, einfließen ließ in das hebräische Volk diesen orientalischen Einfluß, war schon damals die Individualität des Zarathustra. Und so hat er schon damals vorgearbeitet, um eine geeignete Leiblichkeit zu finden. So entwickeln sich in den Generationen herunter, von Abraham an, immer mehr die Möglichkeit und die Bedingungen, daß herausgeboren werden konnte die geeignete Leiblichkeit, die dann die Wiederverkörperung des Zarathustra sein konnte.

[ 24 ] In a certain sense, the ancient Hebrew people went through this journey in a very unique way. They first went through the first period, from Abraham to the time of the first kings. This can be compared to the first period of an individual’s life, up to the age of seven. During this time, everything is done that is capable of establishing the characteristics of one’s nature. Everything that is recounted there—Abraham’s wanderings, the formation of the twelve tribes, the establishment of Mosaic law, the perils in the desert—can be compared to what flows into a person from the physical plane during the first seven years of life. Then comes the second period: inner consolidation, the reign of the kings up to the Babylonian captivity. Then comes the influence of Chaldeanism, of Oriental magic, upon the Hebrew people. And the guiding force that, even then—between 550 and 600 B.C.—infused this Oriental influence into the Hebrew people was, even then, the individuality of Zarathustra. And so he was already working in advance at that time to find a suitable physical form. Thus, down through the generations, beginning with Abraham, the possibility and the conditions developed more and more for the suitable physical form to be born, which could then be the reincarnation of Zarathustra.

[ 25 ] Das Matthäus-Evangelium stellt insbesondere diese Entwickelung ganz wunderbar getreu dar, indem es eine Dreigliederung eintreten läßt. Wir haben drei mal vierzehn Glieder: von Abraham bis David vierzehn Glieder, von David bis zur babylonischen Gefangenschaft vierzehn Glieder, von der babylonischen Gefangenschaft bis zum Christus Jesus wieder vierzehn Glieder. Das gibt drei mal vierzehn oder zweiundvierzig Glieder, gleichsam zeigend, daß in dieser Leiblichkeit des Jesus der Extrakt da ist von alledem, was von Abraham herunter durch die ganzen Schicksale des althebräischen Volkes zubereitet ist. Und jetzt soll auftreten ein Menschenwesen, welches alle die Eigenschaften, die da sozusagen durch die Generationenfolge zusammengestellt sind, seelisch im seelischen Wirken zum Ausdruck bringt, sie in seiner ganzen Persönlichkeit, in einem Menschen zusammenfaßt. Die ganze hebräische Entwickelung seit Abraham sollte in einem Menschen zusammengefaßt werden. Und das sollte gipfeln in dem Jesus des Matthäus-Evangeliums. Wie konnte das geschehen? Das ist nur möglich, wenn wiederholt wird der ganze Entwickelungsgang in seelischer Art. Zarathustra geht ungefähr aus von der Stelle in Ur in Chaldäa, geistig aus den Mysterien heraus, woher Abraham gekommen ist. Der Goldstern erscheint dort zuerst, geht von da aus, die dortigen Magier folgen ihm. Geistig geschieht dasselbe, was physisch durch Abraham geschehen ist. Den Weg, den Abraham gemacht hat, den geht geistig der Stern, dem die Magier folgen: das ist der sich inkarnierende Zarathustra selber, der da den Weg geht, den Abraham gegangen ist, und er senkt sich nieder über der Geburtsstätte. Das ist der Moment, wo sich die Individualität des Zarathustra inkarniert in dem bethlehemitischen Jesuskinde. Die Magier wissen das. Sie folgen dem Stern, das heißt ihrem großen Lehrer Zarathustra, der sich da inkarniert.

[ 25 ] The Gospel of Matthew portrays this development with remarkable fidelity, particularly by introducing a threefold division. We have three sets of fourteen generations: fourteen generations from Abraham to David, fourteen generations from David to the Babylonian Exile, and fourteen generations from the Babylonian Exile to Christ Jesus. That makes three times fourteen, or forty-two generations, as it were showing that in this physicality of Jesus lies the essence of all that has been prepared from Abraham down through the entire destiny of the ancient Hebrew people. And now a human being is to appear who, in his soul’s activity, expresses all the qualities that have been, so to speak, assembled through the succession of generations, and who unites them in his entire personality, in a single human being. The entire Hebrew development since Abraham was to be united in a single human being. And this was to culminate in the Jesus of the Gospel of Matthew. How could this happen? This is only possible if the entire course of development is repeated in a spiritual sense. Zarathustra sets out, so to speak, from the place in Ur of the Chaldeans, spiritually from the Mysteries, from whence Abraham came. The golden star appears there first, sets out from there, and the Magi of that place follow it. Spiritually, the same thing happens as physically happened through Abraham. The path that Abraham took is spiritually traversed by the star that the Magi follow: this is Zarathustra himself, incarnating, who walks the path that Abraham walked, and he descends upon the birthplace. This is the moment when the individuality of Zarathustra incarnates in the Bethlehem child Jesus. The Magi know this. They follow the star, that is, their great teacher Zarathustra, who is incarnating there.

[ 26 ] Es handelt sich nun darum, daß wirklich der Weg weitergemacht wird, daß wirklich in der Persönlichkeit des einen Jesus darinnen ist der gesamte Extrakt der ganzen hebräischen Entwickelung. Wir schen zunächst, daß im Geiste wiederholt wird ein Opfer, das Isaak-Opfer; wenigstens im Geiste wird es wiederholt durch das Opfer der drei Magier aus dem Morgenlande: Gold, Weihrauch und Myrrhen wurden von ihnen dargebracht. Zu gleicher Zeit sehen wir, daß wiederum etwas eintritt, das erinnert an frühere Ereignisse des althebräischen Volkes. Mit der ganzen Geburt dieses Jesusknaben ist etwas verbunden, das ein Abbild ist der Schicksale des althebräischen Volkes. Da war ein Joseph, der eine Erbschaft hatte im Träumen, und das Verbindungsglied darstellt zwischen dem hebräischen und dem ägyptischen Volke; jetzt ist es wieder ein Joseph, der da Träume hat, und dem im Traume gewiesen wird nicht nur, daß Jesus geboren wird, sondern daß er mit dem Jesus nach Ägypten ziehen solle.

[ 26 ] The point now is that the path must truly be continued, that the entire essence of the whole of Hebrew development is truly contained within the personality of Jesus. We see first of all that a sacrifice—the sacrifice of Isaac—is repeated in spirit; at least in spirit, it is repeated through the offering of the three Magi from the East: gold, frankincense, and myrrh were presented by them. At the same time, we see that something else is taking place that recalls earlier events of the ancient Hebrew people. The very birth of this child Jesus is connected to something that mirrors the fate of the ancient Hebrew people. There was a Joseph who had an inheritance in dreaming, and who represents the link between the Hebrew and the Egyptian peoples; now it is again a Joseph who has dreams, and to whom it is revealed in a dream not only that Jesus will be born, but that he is to go with Jesus to Egypt.

[ 27 ] Und nun geht der Weg des Zarathustra in dem Leibe des Jesusknaben weiter. Wie er verfolgt hat den Weg, den auf dem physischen Plane Abraham genommen hat von Ur in Chaldäa bis Kanaan, so geht er jetzt den Weg weiter nach Ägypten - und das Jesuskind wird wieder zurückgeführt aus Ägypten, wie das hebräische Volk zurückgeführt worden ist. Da haben wir beim Auftreten des bethlehemitischen Jesus, den man erst später den Nazarener genannt hat, eine Wiederholung der ganzen Schicksale des althebräischen Volkes bis zur Rückkehr aus Ägypten in das gelobte Land Palästina. Das, was sich da abgespielt hat durch lange, lange Jahrhunderte als äußere Geschichte des hebräischen Volkes, wiederholt sich jetzt in dem Schicksale jener Menschenwesenheit, die den Zarathustra in dem Leibe des bethlehemitischen Jesus darstellt. Dies ist im Sinne des Matthäus-Evangeliums, im Großen gedacht, das Geheimnis menschlicher Geschichte überhaupt. Man versteht menschliche Geschichte nicht, wenn man nicht die einzelnen großen leitenden Individualitäten, die eine besondere Mission haben, so versteht, daß sich in ihrem einzelnen Schicksale die ganze Entwickelung durch Jahrhunderte hindurch wiederholt; daß sie aufnehmen in einer Inkarnation einen Extrakt dessen, was in der Geschichte durch Jahrhunderte geschaffen worden ist. Der Christus Jesus mußte ja noch viel mehr aufnehmen, aber die Leiblichkeit mußte zunächst besonders zubereitet werden, und das konnte nur durch die geschilderten Einrichtungen geschehen.

[ 27 ] And now the path of Zarathustra continues in the body of the infant Jesus. Just as he followed the path that Abraham took on the physical plane from Ur in Chaldea to Canaan, so now he continues on the path to Egypt—and the infant Jesus is led back from Egypt, just as the Hebrew people were led back. Thus, in the appearance of the Bethlehemite Jesus—who was only later called the Nazarene—we see a repetition of the entire destiny of the ancient Hebrew people up to their return from Egypt to the Promised Land of Palestine. What unfolded there over long, long centuries as the external history of the Hebrew people is now repeating itself in the destiny of that human being who embodies Zarathustra in the body of the Bethlehemite Jesus. This is, in the sense of the Gospel of Matthew and viewed on a grand scale, the mystery of human history itself. One does not understand human history unless one understands the individual great guiding personalities, who have a special mission, in such a way that the entire development over the centuries is repeated in their individual destinies; that they take up in a single incarnation an essence of what has been created in history over the centuries. Christ Jesus, of course, had to take in much more, but the physical body first had to be specially prepared, and this could only be achieved through the arrangements described.

[ 28 ] Wie steht es mit dem Zeitpunkt, in dem gerade jene kurze Rekapitulation der ganzen Geschichte des hebräischen Volkes in der Persönlichkeit des Jesus stattfinden sollte? Was ist das für ein Zeitpunkt in der Geschichte? Dazu nehme man folgende Entwickelungstatsachen zusammen, die ich nun seit Jahren in Ihrer Vorstellungswelt vorzubereiten versucht habe. Nehmen Sie das zusammen: Die Menschheit ging aus von einer uralten Entwickelung, in welcher alles das, was die Menschen zusammenband in Liebe, gebunden war an die Blutsbande. Das liebte sich, was durch Blutsbande verbunden war, und man heiratete nur in engen Blutsverbänden. Eine andere Liebe gab es in den alten Zeiten nicht. Deshalb war die Liebe gebunden an die Blutsverwandtschaft. Das wird genannt Nahehe; von der Nahehe ging die Menschheit aus. Immer mehr sind dann diese einzelnen Verbände in den verschiedensten Gegenden der Erde durcheinandergeworfen worden. Wir können bei allen Völkern verfolgen, wie es als besonderes Ereignis angesehen wird, wenn Männer und Frauen von einem in den andern Stamm hinein heiraten, wenn der Übergang eintritt zur Fernehe. In allen Mythen und Sagen, zum Beispiel im Gudrun-Liede, wird das als besonderes Ereignis charakterisiert. Das machte immer einen besonderen Eindruck. Während dieser Entwickelung der Menschheit sind zwei Strömungen tätig. In diesem Zusammenführen durch Blutsbande wirkte immer schon das göttlichgeistige Prinzip, das die Menschheit zusammenführen soll, das aus der ganzen Menschheit Eines machen soll. Ihm wirkte entgegen das luziferische Prinzip, das jeden Menschen auf sich selbst stellen will, das den einzelnen Menschen so mächtig und groß machen will, als es möglich ist. Beide Prinzipien müssen da sein in der Menschennatur, beide Kräfte müssen in der Menschenentwickelung wirken.

[ 28 ] What about the specific moment when that brief recapitulation of the entire history of the Hebrew people was to take place in the person of Jesus? What kind of moment in history is this? To answer this, consider the following developmental facts, which I have been trying to prepare in your imagination for years now. Consider this: Humanity emerged from an ancient development in which everything that bound people together in love was tied to blood ties. Those connected by blood ties loved one another, and people married only within close blood relations. There was no other kind of love in ancient times. That is why love was bound to blood kinship. This is called “close kinship”; humanity originated from close kinship. Gradually, these individual groups became intermingled in various regions of the earth. We can observe among all peoples how it is regarded as a special event when men and women marry into another tribe, when the transition to exogamy occurs. In all myths and legends, for example in the Gudrun Song, this is characterized as a special event. It always made a special impression. During this development of humanity, two currents are at work. In this uniting through blood ties, the divine-spiritual principle has always been at work—the principle intended to bring humanity together, to make one out of all of humanity. Working against it was the Luciferic principle, which seeks to make every human being self-centered, which seeks to make the individual human being as powerful and great as possible. Both principles must be present in human nature; both forces must be at work in human development.

[ 29 ] Nun waren diese beiden Mächte am Werke im Verlaufe des Fortschritts der Menschheitsentwickelung: die göttlich-geistigen Mächte und die auf dem Monde zurückgebliebenen luziferischen Mächte, die den Menschen abhalten wollten, sich zu verlieren, ihn vielmehr ganz selbständig machen wollten. Diese beiden Mächte waren in der Menschheitsentwickelung immer am Werke. Dadurch wurde das Ich des Menschen, das ja ein Erdenprodukt ist, immer hin und her getissen. Auf der einen Seite wurde es hingelenkt zur Menschenliebe, auf der andern Seite zur inneren Selbständigkeit. Nun, zu einer bestimmten Zeit trat eine Art von Krisis ein in bezug auf das Zusammenwirken dieser beiden Mächte. Diese Krisis, diese Entscheidung in der Menschheit war da, als durch die Taten des Römischen Reiches für einen großen Kreis der Erde die Völker ganz durcheinandergewürfelt waren. Es war das in der Tat ein Entscheidungsmoment in der Menschheitsentwickelung, der Entscheidungsmoment, wo sich klar herausstellen sollte, was werden sollte aus der unentschiedenen Frage von Nahehe und Fernehe. Die Menschen standen vor der Gefahr, entweder ihr Ich zu verlieren durch Verbleiben in den einzelnen Stämmen oder allen Zusammenhang mit der Menschheit zu verlieren und bloß einzelne, selbständige, egoistische Individuen zu werden. Dieser Zeitpunkt war also da.

[ 29 ] Now, these two forces were at work throughout the course of human development: the divine-spiritual forces and the Luciferic forces that remained behind on the Moon, which sought to prevent human beings from losing themselves, but rather to make them entirely independent. These two forces were always at work in human development. As a result, the human ego—which is, after all, a product of the Earth—was constantly torn back and forth. On the one hand, it was directed toward love of humanity; on the other, toward inner independence. Now, at a certain point in time, a kind of crisis arose regarding the interplay of these two forces. This crisis, this decisive moment in human history, occurred when, through the actions of the Roman Empire, the peoples of a vast swath of the earth were thrown into utter disarray. It was indeed a decisive moment in human development, the moment when it would become clear what would become of the unresolved question of proximity and distance. People faced the danger of either losing their sense of self by remaining within their individual tribes or losing all connection with humanity and becoming merely isolated, independent, selfish individuals. That moment had thus arrived.

[ 30 ] Was mußte in diesem Zeitpunkte geschehen? Etwas ganz Bestimmtes. Das menschliche Ich mußte dazu reif werden, das, was man erst Selbständigkeit, Freiheit nennen kann, in sich zu entwickeln, und aus sich heraus frei die seelische Liebe zu entfalten, die nicht mehr an die Blutsbande gebunden war. Das Ich stand vor dem Entscheidungspunkt. Es mußte völlig entfesselt, seiner selbst vollständig bewußt werden. So stand mit Ausnahme der orientalischen Völker die ganze Menschheit der alten Welt vor einer neuen Geburt des Ich, vor einer solchen Geburt des Ich, durch welche dieses Ich zu der aus dem Ich selber herausgeborenen Liebe kommen sollte. Das Ich sollte aus Freiheit heraus die Liebe, und aus der Liebe heraus die Freiheit entwickeln. Und im Grunde genommen ist erst ein solches Wesen ganz Mensch. Der erst ist ein wahrer Mensch, der ein solches Ich entwickelt. Denn der, welcher nur liebt, weil Blutsbande da sind, der wird gestoßen zur Liebe und drückt nur das auf einer höheren Stufe aus, was auf einer niedrigen Stufe auch im Tierreiche vorhanden ist. In dem Momente erst, den wir eben beschrieben haben, ist die volle Menschwerdung dagewesen. In diesem Moment sollte über die Erde hingehen jener Einfluß, der den Menschen zum Menschen machte.

[ 30 ] What had to happen at that moment? Something very specific. The human ego had to mature to the point where it could develop within itself what can truly be called independence and freedom, and freely unfold from within that spiritual love which was no longer bound by blood ties. The ego stood at a crossroads. It had to become completely unbound, fully conscious of itself. Thus, with the exception of the Oriental peoples, the whole of humanity in the ancient world stood before a new birth of the ego, before such a birth of the ego through which this ego was to come to the love born out of the ego itself. The ego was to develop love out of freedom, and freedom out of love. And, fundamentally speaking, only such a being is fully human. Only the one who develops such an ego is a true human being. For the one who loves only because blood ties exist is driven to love and merely expresses on a higher level what is also present on a lower level in the animal kingdom. Only in the moment we have just described has full humanization taken place. In that moment, the influence that made man human was to pass over the earth.

[ 31 ] Erinnern Sie sich daran, was ich Ihnen unzählige Male schon gesagt habe: daß der Mensch seiner Wesenheit nach aus drei Gliedern besteht, aus dem physischen Leib, den er hat in Gemeinschaft mit den Mineralien, aus dem ätherischen Leib, den er mit den Pflanzen gemeinsam hat, und aus dem astralischen Leib, in dem im Grunde genommen auch die Liebe bisher gesessen hat, den er gemeinsam hat mit den Tieren. Durch sein voll entwickeltes Ich ist der Mensch die Krone der Erdenschöpfung. Alle andern Erdenwesen haben Namen, die man ihnen von außen geben kann, sie sind Objekte. Das Ich hat einen Namen, den es nur sich selber geben kann. In dem Ich spricht die Gottheit, in dem Ich sprechen nicht mehr irdische Verhältnisse, in dem Ich spricht das Reich des Geistes. Der Geist aus den Himmeln spricht, wenn dieses Ich vollständig zu sich selber gekommen ist. Man könnte sagen, bisher hat es gegeben drei Reiche: das Mineral-, Pflanzen- und das Tierreich, und ein Reich, das sich zwar heraushob aus diesen, das es aber noch nicht zur Vollkommenheit gebracht hat, das noch nicht seine ganze überirdische Wesenheit in sich hineinbekommen hat. Dieses Reich, welches darin besteht, daß in eine Ichheit das, was sonst nirgends auf Erden zu finden ist, die geistige Welt, die Reiche der Himmel hineingenommen werden, dieses Reich nannte man nach dem Sprachgebrauch der Bibel das Reich oder die Reiche der Himmel; in der Bibel wird es gewöhnlich übersetzt «Reich Gottes».

[ 31 ] Remember what I have told you countless times: that human beings, by their very nature, consist of three parts—the physical body, which they share with minerals; the etheric body, which they share with plants; and the astral body, in which, essentially, love has also resided until now, and which they share with animals. Through his fully developed ego, the human being is the crown of earthly creation. All other earthly beings have names that can be given to them from the outside; they are objects. The ego has a name that it can give only to itself. In the ego, the Godhead speaks; in the ego, earthly conditions no longer speak; in the ego, the realm of the spirit speaks. The Spirit from the heavens speaks when this “I” has fully come into its own. One could say that until now there have been three kingdoms: the mineral, plant, and animal kingdoms, and a kingdom that, while standing apart from these, has not yet attained perfection, has not yet taken in its entire super-earthly essence. This realm, which consists in the fact that within a single “I,” that which is found nowhere else on earth—the spiritual world, the realms of heaven—is taken in; this realm was called, in the language of the Bible, the kingdom or the kingdoms of heaven; in the Bible it is usually translated as “Kingdom of God.”

[ 32 ] Und das Reich der Himmel ist nichts anderes als eine Umschreibung des Ausdrucks «Menschenreich». Wenn wir sagen: mineralisches, pflanzliches, tierisches Reich, so können wir im Sinne der Bibel als viertes Reich anführen: das Reich der Himmel. Das Menschenreich, so können wir im Sinne der Bibel sagen, ist das Reich der Himmel, so daß der, der dazumal im Mysteriensinne hineinschaute in den ganzen Gang der Menschheitsentwickelung, folgendes sagen konnte: Schaut zurück in vergangene Zeiten; da wurde die Menschheit zur Menschheit geführt, da war noch nicht das Reich der Himmel auf Erden. Jetzt ist der Zeitpunkt da, wo das Reich der Himmel auf Erden kommt. — Dies hat der Vorläufer des Christus Jesus und der Christus Jesus selbst gesagt: «Das Reich der Himmel ist nahe herbeigekommen», und dadurch haben sie ihre Zeit in ihrem tiefsten Wesen charakterisiert. In diese Zeit mußte aber gerade die Geburt des Christus Jesus fallen. Er sollte jene Kräfte der Menschheit bringen, durch welche das Ich jene Eigenschaften entwickeln konnte. So ist die ganze Menschheitsentwickelung in zwei Teile geteilt: in einen vorchristlichen, in dem das Reich der Himmel noch nicht auf der Erde war, und in einen Teil, in dem das Reich der Himmel auf Erden war, das Menschenreich in seiner höchsten Bedeutung. Das althebräische Volk war ausersehen, die leibliche Körperlichkeit, die körperlichen Hüllen zu geben, die gewachsen waren als eine Wesenheit, um den Träger dieses Reiches der Himmel aufzunehmen.

[ 32 ] And the Kingdom of Heaven is nothing other than another way of describing the term “Kingdom of Man.” When we speak of the mineral, plant, and animal kingdoms, we can, in the sense of the Bible, cite a fourth kingdom: the Kingdom of Heaven. The human kingdom, we can say in the sense of the Bible, is the Kingdom of Heaven, so that those who, in the past, looked into the entire course of human development in the sense of the Mysteries, could say the following: Look back to times past; there, humanity was led to become humanity; there, the Kingdom of Heaven was not yet on earth. Now the time has come when the Kingdom of Heaven is coming to Earth. — This is what the Forerunner of Christ Jesus and Christ Jesus himself said: “The Kingdom of Heaven has drawn near,” and thereby they characterized their time in its deepest essence. But it was precisely into this time that the birth of Christ Jesus had to fall. He was to bring those forces to humanity through which the I could develop those qualities. Thus, the entire development of humanity is divided into two parts: a pre-Christian part, in which the Kingdom of Heaven was not yet on Earth, and a part in which the Kingdom of Heaven was on Earth—the human kingdom in its highest sense. The ancient Hebrew people were chosen to provide the physical body, the physical sheaths that had grown as a being to receive the bearer of this Kingdom of Heaven.

[ 33 ] Das sind jene Geheimnisse, die sich ergeben, wenn man im tieferen Sinne anknüpfend an das Matthäus-Evangelium geschichtlich die Sachen ins Auge faßt. So daß wir zu den beiden charakterisierten Strömungen, zu den beiden Beiträgen zum Christentum, die wir kennengelernt haben, zum Zarathustrismus und zum Buddhismus, hinzufügen noch als dritte Strömung die althebräische Strömung, den Beitrag des althebräischen Volkes. Wir könnten jetzt das Folgende sagen: Da waren Führer, wie der Buddha und der Zarathustra. Diese wollten die Opfer ihrer religiösen Strömungen darbringen. Und da mußte ein Tempel auferbaut werden. Der Tempel konnte nur auferbaut werden durch das althebräische Volk. Dieses Volk baute den Tempel der Leiblichkeit des Jesus auf. In diesen Tempel konnten diese beiden ersten Strömungen einziehen. Da opferte zunächst der Zarathustra, indem er sich in diesen Leib verkörperte; da opferte später der Buddha, indem er in den andern Jesus seinen Nirmanakaya einfließen ließ. So fließen diese beiden Strömungen zusammen.

[ 33 ] These are the mysteries that emerge when one considers historical events in a deeper sense, building upon the Gospel of Matthew. So that to the two currents we have described—the two contributions to Christianity that we have come to know, Zoroastrianism and Buddhism—we must add, as a third current, the ancient Hebrew current, the contribution of the ancient Hebrew people. We could now say the following: There were leaders such as the Buddha and Zarathustra. They wished to offer the sacrifices of their religious currents. And a temple had to be built. The temple could only be built by the ancient Hebrew people. This people built the temple of the physical body of Jesus. These first two currents were able to enter this temple. First, Zarathustra made his sacrifice by incarnating into this body; later, the Buddha made his sacrifice by allowing his Nirmanakaya to flow into the other Jesus. Thus these two currents flow together.

[ 34 ] Um Ihnen doch etwas zu geben, was in gewisser Beziehung abgeschlossene Gedanken sind, habe ich Ihnen heute nur ganz flüchtig abstrakte Skizzen geben können von diesen tiefen Geheimnissen. Aber um abgeschlossene Gedanken einmal zu geben, habe ich heute im allgemeinen schematisch charakterisiert. Wir werden das später fortsetzen, um ein Bild zu bekommen von der Mission des althebräischen Volkes und von dem ganz eigenartigen Herauswachsen des Christus Jesus aus diesem Volke. Da wird sich uns das Einzigartige ergeben, wie aus der Geschichte, aus dem zeitlichen Verlauf der Entwickelung, eine Wesenheit herauswächst von einer ewigen Geltung, von einer Geltung von unvergänglicher Dauer. So wird sich allmählich zeigen, wie sich aus einer vergänglichen Welt herausentwickeln konnte dasjenige, was einer Ewigkeit standhalten wird.

[ 34 ] In order to offer you at least some thoughts that are, in a certain sense, fully formed, I have been able to provide you today only with very brief, abstract sketches of these profound mysteries. But in order to present fully formed thoughts, I have today outlined them in general terms. We will continue this later to gain a picture of the mission of the ancient Hebrew people and of the very unique emergence of Christ Jesus from this people. There we will see the unique way in which, out of history, out of the temporal course of development, a being of eternal significance, of imperishable duration, emerges. Thus it will gradually become clear how that which will endure for eternity could develop out of a transitory world.