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The Rudolf Steiner Archive

a project of Steiner Online Library, a public charity

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The Deeper Mysteries of Human Development
in the Light of the Gospels
GA 117

2 November 1909, Berlin

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3. Die vier Verschiedenen Aspekte in der Christus-Darstellung der vier Evangelien

3. The Four Different Aspects of the Depiction of Christ in the Four Gospels

[ 1 ] Die Betrachtungen, die in Anknüpfung an das Johannes- und das Lukas-Evangelium gehalten worden sind, und die Gesinnung, von welcher aus sie ins Auge gefaßt worden sind, können nicht anders charakterisiert werden, als indem man sagt, diese Betrachtungen sind ausgegangen von folgendem Gesichtspunkt: Das, was wir als die Christus Jesus-Wesenheit bezeichnen, ist - soweit von ihr ein menschliches Verständnis überhaupt in unserer gegenwärtigen Zeit möglich ist - ein so Großes, so Umfassendes, Gewaltiges, daß eine Betrachtung nicht davon ausgehen kann, in irgendeiner einseitigen Weise zu sagen, wer der Christus Jesus war und welche Bedeutung seine Wesenheit für jeden einzelnen Menschengeist und für jede einzelne Seele hat. Das würde innerhalb unserer Betrachtungen geschienen haben wie eine Unehrerbietung gegenüber dem größten Weltenproblem, das es gibt. Ehrerbietung und Ehrfurcht, das sind die Worte, welche jene Gesinnungen bezeichnen, von denen aus unsere Betrachtungen durchaus gegeben worden sind. Ehrfurcht und Ehrerbietung, die etwa sich ausdrücken könnten in der Stimmung: Versuche selber dasjenige, was menschliches Begreifen ist, gar nicht zu hoch zu stellen, wenn du dem größten Problem gegenübertrittst. Versuche alles das, selbst was dir eine noch so hohe Geisteswissenschaft geben kann, niemals zu hoch zu stellen, und ginge es auch in die höchsten Regionen hinauf, wenn es sich darum handelt, dem größten Problem des Lebens gegenüberzutreten. Und glaube nicht, daß ein menschliches Wort ausreichen würde, etwas anderes zunächst zu sagen als das, was dieses große und gewaltige Problem von einer Seite aus charakterisiert. Alle diejenigen Vorträge, die jemals im Verlauf der letzten drei Jahre gehalten worden sind, hatten zum Mittelpunkte ein Wort, das uns im Johannes-Evangelium selber erscheint. «Ich bin das Licht der Welt» ist dieses Wort. Dieses Wort des Johannes-Evangeliums zu verstehen, waren alle Vorträge gehalten, welche über das Johannes-Evangelium ausgeführt worden sind. Und es reichen die Vorträge, welche in Anknüpfung an das Johannes-Evangelium gehalten wurden, ungefähr dazu aus, nach und nach zu verstehen, wenn man sie sich zu eigen macht, diese Worte, die gesprochen worden sind, vielleicht nur ahnend zu verstehen, was es heißt im Johannes-Evangelium selber: «Ich bin das Licht der Welt.»

[ 1 ] The reflections offered in connection with the Gospels of John and Luke, and the mindset from which they were conceived, can only be characterized by stating that these reflections were based on the following perspective: What we refer to as the Christ Jesus Being is—insofar as human understanding is at all possible in our present time—so great, so all-encompassing, and so mighty that any reflection cannot presume to say, in any one-sided way, who Christ Jesus was and what significance his Being holds for every individual human spirit and for every individual soul. That would have appeared within our reflections as a lack of reverence toward the greatest problem facing the world today. Reverence and awe—these are the words that describe the attitudes from which our reflections have been offered. Awe and reverence, which might be expressed in the following sentiment: Try not to place human understanding too highly when you face the greatest problem. Try never to place too high a value on anything—not even what the highest spiritual science can offer you—even if it ascends to the highest realms, when it comes to facing the greatest problem of life. And do not believe that a human word would suffice to say anything other than what characterizes this great and mighty problem from one perspective. All the lectures that have been given over the course of the last three years have centered on a word that appears in the Gospel of John itself. “I am the light of the world” is this word. All the lectures delivered on the Gospel of John were intended to help us understand this word from the Gospel of John. And the lectures given in connection with the Gospel of John are sufficient, if one makes them one’s own, to gradually come to understand—perhaps only intuitively—what it means in the Gospel of John itself: “I am the light of the world.”

[ 2 ] Wenn Sie ein Licht leuchten sehen, haben Sie dadurch, daß Sie in dieses Licht hineinschauen, verstanden, daß das, was da leuchtet, ein Licht ist? Und wenn Sie einiges begriffen haben über die Färbung und Eigenheit dieses Lichtes, haben Sie da verstanden, was da leuchtet? Kennen Sie die Sonne, weil Sie hinaufblicken zum Sonnenlicht und das weiße Sonnenlicht als eine Offenbarung empfangen? Könnten Sie sich nicht vorstellen, daß es noch etwas anderes heißt, das Leuchtende zu begreifen als das Licht in dem Leuchtenden? Weil das Wesen, von dem wir gesprochen haben, von sich sagen kann: «Ich bin das Licht der Welt», waren wir genötigt, dieses Wort zu verstehen, und damit haben wir von jenem Wesen nicht mehr als diese seine Lebensäußerung verstanden: «Ich bin das Licht der Welt.» Alles das, was an Betrachtungen aufgeboten worden ist in Anknüpfung an das Johannes-Evangelium, war notwendig, um zu zeigen, daß jenes Wesen, welches in sich enthält die Weltenweisheit, das Licht der Welt ist. Aber dieses Wesen ist weit mehr als das, was im Johannes-Evangelium charakterisiert werden konnte. Und wer da glaubt, aus den Vorträgen über das Johannes-Evangelium den Christus Jesus verstehen zu wollen oder ihn umfaßt zu haben, der glaubt, aus einer einzelnen Lebensäußerung, die er ahnend erkennt, das ganze leuchtende Wesen zu verstehen.

[ 2 ] When you see a light shining, do you understand, simply by looking into that light, that what is shining there is a light? And once you have grasped something about the color and nature of that light, have you then understood what is shining there? Do you know the sun because you look up at the sunlight and receive the white sunlight as a revelation? Could you not imagine that there is something else involved in comprehending the luminous than merely the light within the luminous? Because the being of whom we have spoken can say of himself, “I am the light of the world,” we were compelled to understand this word, and thus we have understood of that being no more than this expression of his life: “I am the light of the world.” All the reflections that have been offered in connection with the Gospel of John were necessary to show that this being, who contains within himself the wisdom of the world, is the light of the world. But this being is far more than what could be characterized in the Gospel of John. And whoever believes that they can understand Christ Jesus or have grasped him from the lectures on the Gospel of John believes that they can understand the entire luminous being from a single expression of life that they intuitively recognize.

[ 3 ] Dann kamen die Vorträge über das Lukas-Evangelium, und wir haben daraus ein anderes ersehen. Konnte man ungefähr dasjenige, was in allen unseren Betrachtungen über das Johannes-Evangelium gesagt worden ist, wie ein Mittel zum Verständnis der Worte «Ich bin das Licht der Welt» betrachten, so könnte eventuell, wenn man sie nur tief genug gefaßt hat, die Betrachtung über das LukasEvangelium aufgefaßt werden als eine Umschreibung der Worte: «Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun», oder: «Vater, in Deine Hände befehle ich meinen Geist.» Dasjenige, was der Christus Jesus ist - jetzt nicht bloß als Licht der Welt, sondern was er ist als die Wesenheit, die das größte Opfer der Hingebung bringt, die alles in sich vereinigen darf, ohne sich selber zu verlieren, was charakterisiert worden ist als das Opfer der Hingebung -, die Wesenheit, die in sich selber schließt die Möglichkeit des größten Opfers, der größtdenkbaren Hingabe und dadurch der Quell ist von Mitleid und Liebe, der sich warm ergießt durch alles zukünftige Menschen- und Erdenleben, alles, was in diese Worte gefaßt werden konnte, gibt eine zweite Seite von dem, was wir die Wesenheit des Christus Jesus nennen.

[ 3 ] Then came the lectures on the Gospel of Luke, and we gained a different perspective from them. Just as we could regard what was said in all our reflections on the Gospel of John as a means of understanding the words “I am the light of the world,” so too, if one has grasped them deeply enough, the reflection on the Gospel of Luke could be understood as a paraphrase of the words: “Father, forgive them, for they know not what they do,” or: “Father, into Your hands I commend my spirit.” That which Christ Jesus is—not merely as the light of the world, but as the Being who makes the greatest sacrifice of self-surrender, who is able to unite all things within himself without losing himself, which has been characterized as the sacrifice of self-surrender— the Being who encompasses within himself the possibility of the greatest sacrifice, the greatest conceivable devotion, and is thereby the source of compassion and love that pours forth warmly through all future human and earthly life—everything that could be expressed in these words—reveals a second aspect of what we call the Being of Christ Jesus.

[ 4 ] So haben wir charakterisiert diese Wesenheit als diejenige, welche in ihrem Mitleid das große Opfer realisieren kann, und welche leuchtet durch die Kraft ihres Lichtes über alles Menschendasein. Licht und Liebe haben wir geschildert, wie sie waren in der Wesenheit des Christus Jesus. Und wer im vollständigen Umfang die Johannes- und Lukas-Evangelienbetrachtungen nimmt, der kann in gewisser Beziehung eine Ahnung von dem erhalten, was in dem Christus Jesus «Licht» war und was in ihm «Liebe und Mitleid» war. Zwei Eigenschaften in ihrer universellen Bedeutung haben wir versucht zu verstehen in Christus Jesus. Was über den Christus zu sagen war als das geistige Licht der Welt, das als urewige Weisheit sich in alle Dinge hineinergießt, um in ihnen zu leben und zu weben, das kann sich der geistigen Betrachtung ergeben, das glänzt uns wiederum entgegen aus dem Johannes-Evangelium, und es gibt keine Weisheit, die man erreichen kann, die nicht in gewisser Weise im Johannes-Evangelium enthalten wäre. Alle Weisheit der Welt ist in diesem JohannesEvangelium enthalten, weil derjenige, der die Weisheit der Welt im Christus Jesus betrachtet, sie betrachtet, wie sie sich nicht nur realisiert hat in urferner Vergangenheit, sondern auch realisieren wird in urferne Zukunft hinein. Daher schwebt man in den Betrachtungen, die sich an das Johannes-Evangelium anknüpfen, hoch in den Lüften wie der Adler über allem menschlichen Dasein. So schwebt man, wenn man die großen Ideen zu entfalten hat, die ein Verständnis des Johannes-Evangeliums ermöglichen, mit den umspannenden und umfassenden Ideen über dem, was in der einzelnen menschlichen Seele vorgeht. Die umspannenden Weltideen beschäftigen jene Sophia, welche uns fließt, wenn wir in Anknüpfung an das Johannes-Evangelium Betrachtungen anstellen. Und dann erscheint uns das, was aus dem Johannes-Evangelium fließt, selber in Adlerhöhe kreisend über alledem, was im täglichen und stündlichen und augenblicklichen Menschenschicksal vor sich geht.

[ 4 ] Thus we have characterized this being as one who, through compassion, is able to make the great sacrifice, and who, through the power of his light, shines upon all human existence. We have described light and love as they were in the being of Christ Jesus. And whoever takes in the full scope of the reflections on the Gospels of John and Luke can, in a certain sense, gain a glimpse of what was “light” in Christ Jesus and what was “love and compassion” in him. We have sought to understand two qualities in their universal significance in Christ Jesus. What can be said about Christ as the spiritual light of the world—which, as primeval wisdom, pours itself into all things to live and weave within them—can be revealed through spiritual contemplation; this shines forth to us once again from the Gospel of John, and there is no wisdom that can be attained that is not, in a certain sense, contained within the Gospel of John. All the wisdom of the world is contained in this Gospel of John, because the one who contemplates the wisdom of the world in Christ Jesus contemplates it as it has not only been realized in the distant past, but will also be realized into the distant future. Therefore, in the contemplations that connect to the Gospel of John, one soars high in the air like an eagle above all human existence. Thus, when one has to unfold the great ideas that make an understanding of the Gospel of John possible, one soars with the all-encompassing and comprehensive ideas above what is taking place in the individual human soul. These all-encompassing world ideas engage that Sophia which flows to us when we engage in contemplation in connection with the Gospel of John. And then what flows from the Gospel of John appears to us, itself circling at eagle’s height above all that takes place in the daily, hourly, and momentary fate of humanity.

[ 5 ] Und wenn man dann heruntersteigt und betrachtet das einzelne menschliche Leben von Stunde zu Stunde, von Tag zu Tag, von Jahr zu Jahr, von Jahrhundert zu Jahrhundert, von Jahrtausend zu Jahrtausend, wenn man darin betrachtet insbesondere jene Kräfte, welche man die menschliche Liebe nennt, dann sieht man diese Liebe durch Jahrtausende wallen und weben in den lebenden menschlichen Herzen und Seelen. Dann sieht man, wie diese Liebe auf der einen Seite die größten, bedeutsamsten, heroischsten Taten innerhalb der Menschheit vollbringt, dann sieht man, wie die größten Opfer der Menschheit geflossen sind aus der Liebe zu dem oder jenem Wesen, zu der oder jener Sache. Dann sieht man, wie diese Liebe in den menschlichen Herzen das Höchste vollbringt, wie sie aber zu gleicher Zeit etwas ist wie ein zweischneidiges Schwert: Da haben wir eine Mutter; sie liebt ihr Kind innig, tief. Das Kind begeht irgendeine Ausschreitung; die Mutter liebt ihr Kind, sie kann es nicht über das Herz bringen in ihrer tiefen, inbrünstigen Liebe, das Kind zu strafen. Und eine zweite Ausschreitung begeht dieses Kind, und die Mutter kann es abermals in ihrer tiefen Liebe nicht über das Herz bringen, das Kind zu bestrafen. Und so geht es weiter, und das Kind wächst heran, wird unbrauchbar, ein Störenfried für das Leben. Wenn man solche bedeutungsvolle Dinge berührt, ist es nicht gut, Beispiele aus der Gegenwart zu nehmen, und es soll deshalb ein fernerliegendes Beispiel angeführt werden. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts war eine Mutter, welche innig, innig ihr Kind liebte. Ausdrücklich soll es gesagt werden: nichts kann diese Liebe hoch genug preisen, unter allen Umständen ist Liebe etwas, was zu den höchsten menschlichen Eigenschaften gehört. Jene Mutter nun liebte ihr Kind und konnte es nicht über das Herz bringen, ihr Kind zu strafen wegen eines kleinen Diebstahls, den es in der Familie beging. Dann beging es einen zweiten Diebstahl, und sie konnte es wieder nicht bestrafen — das Kind wurde eine berüchtigte Giftmischerin. Sie wurde es aus der nicht von Weisheit geleiteten Mutterliebe. Die Liebe vollführt die größten Taten, wenn sie von Weisheit durchflossen ist. Das aber war gerade die Bedeutung jener Liebe, die von Golgatha geflossen ist in die Welt, daß sie in einem Wesen vereint ist mit dem Licht der Welt, mit der Weisheit. Daher ist das Hinblicken auf den Christus Jesus, wenn wir die beiden Eigenschaften betrachten so, daß wir erkennen, daß die Liebe das Höchste ist in der Welt, aber zu gleicher Zeit erkennen, wie Liebe und Weisheit im tiefsten Sinne zusammengehören.

[ 5 ] And when one then looks down and observes individual human life hour by hour, day by day, year by year, century by century, millennium by millennium—when one observes, in particular, those forces we call human love—then one sees this love surging and weaving through the living human hearts and souls across the millennia. Then one sees how this love, on the one hand, accomplishes the greatest, most significant, and most heroic deeds within humanity; then one sees how humanity’s greatest sacrifices have flowed from love for this or that being, for this or that cause. Then one sees how this love accomplishes the highest in human hearts, yet how it is at the same time something like a double-edged sword: Here we have a mother; she loves her child dearly, deeply. The child commits some misdeed; the mother loves her child, and in her deep, fervent love, she cannot bring herself to punish the child. And the child commits a second misdeed, and once again, in her deep love, the mother cannot bring herself to punish the child. And so it goes on, and the child grows up, becomes useless, a troublemaker in life. When dealing with such significant matters, it is not good to draw on examples from the present, and so a more distant example shall be cited. In the first half of the 19th century, there was a mother who loved her child deeply, deeply. It must be stated explicitly: nothing can praise this love highly enough; under all circumstances, love is one of the highest human qualities. Now, that mother loved her child and could not bring herself to punish her child for a petty theft the child committed within the family. Then the child committed a second theft, and again she could not punish it—the child became a notorious poisoner. She became so because of a motherly love not guided by wisdom. Love accomplishes the greatest deeds when it is imbued with wisdom. But that was precisely the significance of the love that flowed from Golgotha into the world: that it is united in one being with the light of the world, with wisdom. Therefore, when we look to Christ Jesus and consider these two qualities, we recognize that love is the highest thing in the world, yet at the same time we recognize how love and wisdom belong together in the deepest sense.

[ 6 ] Was haben wir aber verstanden, wenn man nun alle diese Betrachtungen über das Johannes- und Lukas-Evangelium angestellt hat? Man hat nichts weiter verstanden als jene Eigenschaft des Christus Jesus, die man nennen kann das universelle Licht der Weisheit, die universelle Wärme der Liebe, die in ihm so geflossen sind wie in keinem andern Wesen in der Welt, die keiner menschlichen Erkenntniskraft jemals zugänglich sein kann. Und während man in Anknüpfung an das Johannes-Evangelium von großen, gewaltigen Ideen spricht, welche wie in Adlerhöhen über die menschlichen Köpfe hinweggehen, findet man in Anlehnung an das Lukas-Evangelium das, was in jedes einzelne Menschenherz in jedem Augenblicke hineinspricht. Das ist das Bedeutsame des Lukas-Evangeliums, daß es uns mit solcher Wärme erfüllt, welche der äußere Ausdruck der Liebe ist, mit dem Verständnis für jene Liebe, die bereit ist zum größten Opfer, die bereit ist, sich selbst hinzugeben und nichts anderes will, als sich selber hingeben.

[ 6 ] But what have we understood after considering all these reflections on the Gospels of John and Luke? We have understood nothing more than that quality of Christ Jesus which can be called the universal light of wisdom, the universal warmth of love, which flowed through him as through no other being in the world, and which can never be grasped by human understanding. And while, in connection with the Gospel of John, we speak of great, mighty ideas that soar above human heads like eagles, in the Gospel of Luke we find that which speaks into every single human heart at every moment. This is the significance of the Gospel of Luke: that it fills us with such warmth, which is the outward expression of love, with an understanding of that love which is ready for the greatest sacrifice, which is ready to give itself up and desires nothing other than to give itself up.

[ 7 ] Maan fühlt so ungefähr - will man ein Bild haben für jene Stimmung, für jene Gemütslage, in der man ist bei der Betrachtung, die anknüpft an das Lukas-Evangelium, wenn man es im richtigen Sinne betrachtet — dasjenige, was uns in jenen Mithrasbildern entgegentritt, wo man den dahineilenden Opferstier hat. Auf ihm sieht man den Menschen sitzen, oben den Gang der großen Weltenereignisse und unten den Gang der irdischen Ereignisse. Der Mensch stößt sein Beil hinein in den Leib des verblutenden Opferstieres, der sein Leben hingibt, damit der Mensch dasjenige überwinden kann, was er überwinden muß. Wenn man diesen unter dem Menschen befindlichen Opferstier betrachtet, der hingeopfert werden muß, damit der Mensch seinen Lebensweg gehen kann, dann hat man ungefähr die Gefühls- und Gemütslage, welche die richtige Grundstimmung abgibt für eine an das Lukas-Evangelium anknüpfende Betrachtung. Was der Opferstier zu allen Zeiten den Menschen war, die das verstanden haben, was im Opferstier liegt, in dem Ausdruck der in sich selber zu vertiefenden Liebe, die verstehen etwas von der Schilderung der Eigenschaften der Liebe, die gegeben werden soll durch die Betrachtung des LukasEvangeliums. Denn nichts anderes als eine zweite Eigenschaft des Christus Jesus sollte geschildert werden. Kennt aber der, der zwei Eigenschaften an einem Wesen kennt, das ganze Wesen? Weil uns in diesem Wesen das größte Rätsel entgegentritt, sind die Ausführungen zum Verständnis zweier Eigenschaften nötig gewesen. Niemand aber sollte sich vermessen, aus der Betrachtung zweier Eigenschaften dieses Wesen selber ins Auge fassen zu können.

[ 7 ] Maan feels something like this—if one wants to picture that mood, that state of mind one is in when contemplating the Gospel of Luke, if one considers it in the proper sense—that which confronts us in those Mithras images where the sacrificial bull is depicted rushing forward. Upon it one sees the human being seated, with the course of great world events above and the course of earthly events below. The human being plunges his axe into the body of the bleeding sacrificial bull, which gives its life so that the human being may overcome what he must overcome. When one contemplates this sacrificial bull beneath the human being, which must be sacrificed so that the human being may walk his path of life, then one has roughly the emotional and mental state that provides the proper underlying mood for a meditation linked to the Gospel of Luke. What the sacrificial bull has always been to those who have understood what lies within the sacrificial bull—in the expression of love to be deepened within oneself—they understand something of the description of the qualities of love that is to be conveyed through the contemplation of the Gospel of Luke. For nothing other than a second quality of Christ Jesus was to be described. But does the one who knows two attributes of a being know the whole being? Because the greatest mystery confronts us in this being, the explanations regarding the understanding of two attributes have been necessary. Yet no one should presume to be able to grasp this being itself from the contemplation of two attributes.

[ 8 ] Zwei Eigenschaften des Christus Jesus haben wir geschildert und nicht unterlassen, alles das zu tun, was uns zu einem ahnenden Verständnis der hohen Bedeutung dieser zwei Eigenschaften hat bringen können. Aber wir haben zu viel Ehrerbietung und Ehrfurcht vor diesem Wesen selber, als daß wir glauben wollten, wir hätten schon etwas begriffen von den andern Eigenschaften, die dieses Wesen noch in sich birgt. Nun wäre noch ein Drittes möglich, und dieses dritte, da es ja anknüpft an etwas, was in den Betrachtungen innerhalb unserer Bewegung noch nicht gegeben ist, kann nur im allgemeinen charakterisiert werden. Man könnte sagen: Wenn man den Christus des Johannes-Evangeliums schildert, schildert man ihn, wie er wirkt zwar als eine hohe Wesenheit, aber wie eine Wesenheit, die sich bedient des Reiches der weisheitsvollen Cherubim. So schildert man ihn im Sinne des Johannes-Evangeliums mit der Stimmung, die hervorgerufen wird durch die in Adlerhöhen schwebenden Cherubim. Schildert man ihn im Sinne des Lukas-Evangeliums, dann schildert man das, was als das warme Liebesfeuer aus dem Herzen des Christus quillt. Man schildert das, was er der Welt dadurch war, daß er wirkte in jener Höhe, in der die Seraphim sind. Das Liebefeuer der Seraphim strömt durch die Welt, und unserer Erde wurde es mitgeteilt durch den Christus Jesus.

[ 8 ] We have described two attributes of Christ Jesus and have spared no effort to do everything that might lead us to a glimpse of the profound significance of these two attributes. But we have too much reverence and awe for this Being Himself to believe that we have already grasped anything of the other attributes that this Being still holds within Himself. Now a third characteristic is still possible, and since this third characteristic relates to something not yet addressed in the reflections within our movement, it can only be characterized in general terms. One could say: When one describes the Christ of the Gospel of John, one depicts him as acting indeed as a high being, but as a being who makes use of the realm of the wise cherubim. Thus, one depicts him in the spirit of the Gospel of John with the mood evoked by the cherubim soaring in the heights of the eagle. If one depicts him in the spirit of the Gospel of Luke, then one depicts that which wells up from the heart of Christ as the warm fire of love. One describes what he was to the world by virtue of his working at that height where the seraphim dwell. The fire of love of the seraphim flows through the world, and it was imparted to our earth through Christ Jesus.

[ 9 ] Nun hätten wir ein Drittes zu schildern: dasjenige, was der Christus der Erdenwelt dadurch geworden ist, daß er nicht nur das Licht der Weisheit, die Wärme der Liebe, nicht nur das cherubimische und seraphische Element innerhalb des Erdendaseins war, sondern daß er «war» und «ist» in unserem Erdendasein, wenn wir ihn in seiner ganzen Kraft betrachten, was man bezeichnen kann als «wirkend durch das Reich der Throne», durch welches alles Starke und alle Kraft in die Welt kommt, um das auszuführen, was im Sinne der Weisheit, im Sinne der Liebe ist. Dies sind die drei höchsten der geistigen Hierarchien: Cherubim, Seraphim und Throne. Die Seraphim führen uns hinein in die Tiefen des menschlichen Herzens mit ihrer Liebe, die Cherubim führen uns hinauf in Adlerhöhen. Weisheit strahlt heraus aus dem Reich der Cherubim. Zum Opfer wird die ergebungsvolle Liebe, das symbolisiert uns der Opferstier. Stärke, die durch die Welt pulst, Stärke, welche die Kraft entwickelt, um alles zu realisieren, schöpferische Kraft, die durch die Welt pulst, das symbolisiert uns in aller Symbolik der Löwe. Jene Stärke, welche eingezogen ist in unsere Erde durch den Christus Jesus, jene Stärke, welche alles ordnet und richtet, welche ein Höchstes an Macht bedeutet, wenn es entwickelt wird: das schildert uns als dritte Eigenschaft am Christus Jesus der Schreiber des Markus-Evangeliums.

[ 9 ] Now we have a third aspect to describe: that which Christ has become for the earthly world not only by being the light of wisdom and the warmth of love, not only by embodying the cherubic and seraphic elements within earthly existence, but by the fact that he “was” and “is” in our earthly existence, when we contemplate him in all his power—what can be described as “acting through the realm of the Thrones,” through which all strength and power comes into the world to carry out what is in the sense of wisdom, in the sense of love. These are the three highest of the spiritual hierarchies: Cherubim, Seraphim, and Thrones. The Seraphim lead us into the depths of the human heart with their love; the Cherubim lead us up to eagle heights. Wisdom radiates from the realm of the Cherubim. Self-sacrificing love becomes a sacrifice; this is symbolized for us by the sacrificial bull. Strength that pulses through the world, strength that develops the power to realize everything, creative power that pulses through the world—this is symbolized for us in all its symbolism by the lion. That strength which has entered our earth through Christ Jesus, that strength which orders and judges all, which signifies the highest power when it is developed: this is described to us as the third attribute of Christ Jesus by the writer of the Gospel of Mark.

[ 10 ] Wenn wir im Sinne des Johannes-Evangeliums von dem hohen Sonnenwesen, das wir als den Christus bezeichnen, sprechen als vom Lichte der Erdensonne im geistigen Sinne, wenn wir im Sinne des Lukas-Evangeliums von der Wärme der Liebe sprechen, die ausquillt von der Erdensonne des Christus, dann sprechen wir, wenn wir im Sinne des Markus-Evangeliums sprechen, von der Kraft der Erdensonne im geistigen Sinne selber. Alles das, was an Kräften in der Erde vorhanden ist, was da und dort webt an geheimen und offenen Erdenkräften und -mächten, das würde uns entgegentreten bei einer Betrachtung, die im Hinblick auf das Markus-Evangelium geschieht. Kann man sich vermessen, wenn auch nur ahnend, die Ideen, die auf die Erde gekommen sind, wie die Erdengedanken des Christus zu verstehen, wenn man sich zu ihm emporhebt im Sinne des JohannesEvangeliums, kann man den Wärmehauch der Opferliebe fühlen, wenn man die Wärme des Lukas-Evangeliums durch sich selber strömen läßt, kann man das Denken des Christus ahnen im JohannesEvangelium, das Fühlen des Christus durch das Lukas-Evangelium, so lernt man das Wollen des Christus durch das Markus-Evangelium kennen. Die einzelnen Kräfte, durch die er Liebe und Weisheit realisiert, lernt man da kennen.

[ 10 ] When we speak, in the spirit of the Gospel of John, of the exalted solar being whom we call the Christ, as the light of the Earth’s sun in a spiritual sense, and when we speak, in the sense of the Gospel of Luke, of the warmth of love that wells up from the Earth’s sun of Christ, then, when we speak in the sense of the Gospel of Mark, we are speaking of the power of the Earth’s sun in a spiritual sense itself. All the forces present in the earth, all the secret and open earthly forces and powers that weave here and there—all of this would confront us in a contemplation undertaken in the light of the Gospel of Mark. If one dares, even if only intuitively, to understand the ideas that have come to Earth as the Earth-thoughts of Christ—when one lifts oneself up to him in the spirit of the Gospel of John—one can feel the warm breath of sacrificial love; when one allows the warmth of the Gospel of Luke to flow through oneself, one can intuit the thinking of Christ in the Gospel of John; and the feeling of Christ through the Gospel of Luke, then one comes to know the will of Christ through the Gospel of Mark. There one comes to know the individual powers through which he realizes love and wisdom.

[ 11 ] Drei Eigenschaften würde man ahnend erfaßt haben, wenn man zu den Betrachtungen über das Johannes- und Lukas-Evangelium hinzugefügt hätte die Betrachtungen über das Markus-Evangelium. Man würde dann sagen: In Ehrfurcht haben wir uns Dir genahet und haben eine Ahnung bekommen von Deinem Denken, Fühlen und Wollen, wie uns diese drei Eigenschaften Deiner Seele vorschweben als die größten Erdenvorbilder.

[ 11 ] One would have intuitively grasped three qualities if one had added the reflections on the Gospel of Mark to the reflections on the Gospels of John and Luke. One would then say: In reverence we have drawn near to You and have gained an inkling of Your thinking, feeling, and willing, as these three qualities of Your soul stand before us as the greatest earthly models.

[ 12 ] So haben wir unsere Betrachtungen angestellt, wie wenn wir im ganz Kleinen einen Menschen betrachten und sagen, er besteht aus Empfindungs-, Verstandes- und Bewußtseinsseele, und betrachten jetzt die Eigentümlichkeiten der Empfindungs-, Verstandes- oder Gemüts- und Bewußtseinsseele. Wenn wir das Wort Bewußtseinsseele auf den Christus anwenden, so können wir sagen: sie wird uns ahnend zum Verständnis gebracht im Johannes-Evangelium; Gemütsseele des Christus: sie wird uns zum Verständnis gebracht durch das Lukas-Evangelium; Empfindungsseele mit all ihren Kräften des Wollens: durch das Markus-Evangelium. Dieses wird uns, wenn wir es einmal betrachten können, Aufschluß geben über die offenen und verborgenen Naturkräfte, die in unserer Welt sind, konzentriert in der einzigen Individualität des Christus; es wird uns Aufschluß geben über das Wesen aller Kräfte, die in der Welt sind. Im JohannesEvangelium haben wir uns in die Gedanken, im Lukas-Evangelium in die Gefühle dieser Wesenheit vertieft, und weil hierbei der Mensch nicht so tief in diese Individualität hineinzugehen braucht, sind diese Betrachtungen einfach gegenüber dem, was uns im Markus-Evangelium entgegentritt — als das System aller verborgenen Natur- und Geisteskräfte der Welt. Das alles steht in der Akasha-Chronik. Das alles wird sich uns widerspiegeln, wenn wir das gewaltige Dokument des Markus-Evangeliums auf uns wirken lassen. Dann werden wir ahnend verstehen, was in der einzelnen Wesenheit des Christus konzentriert ist: dasjenige, was sonst verteilt ist über die einzelnen Wesenheiten der Welt. Wir werden verstehen können, und es wird uns in einem höheren Glanze und Lichte erscheinen, was wir als die elementaren Richt- und Grundlinien der verschiedenen Wesenheiten kennengelernt haben. Wenn wir das Markus-Evangelium, das die Geheimnisse des ganzen Weltenwillens enthält, uns enthüllen, so nähern wir uns in Ehrerbietung dem Weltenmittelpunkt, dem Christus Jesus, indem wir nach und nach sein Denken, Fühlen und Wollen erfassen.

[ 12 ] We have thus conducted our reflections, as if we were observing a human being on a very small scale and saying that he consists of a sensory soul, an intellectual soul, and a conscious soul; and we now consider the characteristics of the sensory soul, the intellectual or emotional soul, and the conscious soul. When we apply the term “consciousness soul” to Christ, we can say: it is brought to our understanding in a sense of foreboding through the Gospel of John; the emotional soul of Christ: it is brought to our understanding through the Gospel of Luke; the sensory soul with all its powers of will: through the Gospel of Mark. This will, once we are able to contemplate it, shed light for us on the open and hidden forces of nature that exist in our world, concentrated in the unique individuality of Christ; it will shed light for us on the nature of all the forces that exist in the world. In the Gospel of John we have delved into the thoughts, in the Gospel of Luke into the feelings of this being, and because here the human being does not need to penetrate so deeply into this individuality, these contemplations are simple compared to what confronts us in the Gospel of Mark—as the system of all the hidden natural and spiritual forces of the world. All of this is contained in the Akashic Records. All of this will be reflected back to us when we allow the mighty document of the Gospel of Mark to take effect upon us. Then we will intuitively understand what is concentrated in the individual being of Christ: that which is otherwise distributed among the individual beings of the world. We will be able to understand, and it will appear to us in a higher radiance and light, what we have come to know as the fundamental and guiding principles of the various beings. When we allow the Gospel of Mark, which contains the mysteries of the entire world will, to reveal itself to us, we approach the center of the world, Christ Jesus, with reverence, gradually grasping his thinking, feeling, and willing.

[ 13 ] Wenn wir Denken, Fühlen und Wollen ineinanderwirkend betrachten, so gibt das uns ungefähr ein Bild des ganzen Menschen. Aber wir können nicht umhin, auch beim einzelnen Menschen Denken, Fühlen und Wollen getrennt zu betrachten. Wenn wir alles zusammenfassen, wird unser Blick auch hier nicht mehr ausreichen, um alles überschauen zu können. Während wir uns verhältnismäßig unsere Aufgabe erleichtern dadurch, daß wir die drei Eigenschaften getrennt und jede für sich betrachten, so wird unser Bild erblassen, wenn wir diese drei Eigenschaften in der menschlichen Seele zusammenfassend betrachten. Unsertwegen tun wir das, weil unsere Kraft nicht ausreicht, alles zusammen zu betrachten, denn wenn wir die Eigenschaften zusammenfassen, so erblaßt das Bild.

[ 13 ] When we consider thinking, feeling, and willing as interacting with one another, this gives us a rough picture of the whole human being. But we cannot help but also consider thinking, feeling, and willing separately in the individual human being. If we take everything together, our perspective will still not be sufficient to take in the whole picture. While we make our task relatively easier by considering the three qualities separately and each on its own, our picture fades when we consider these three qualities together in the human soul. We do this for our own sake, because our strength is not sufficient to consider everything together; for when we bring the qualities together, the picture fades.

[ 14 ] Hat man die drei Evangelien, das Johannes-, Lukas- und MarkusEvangelium betrachtet und dadurch eine Ahnung bekommen von dem Denken, Fühlen und Wollen des Christus Jesus, dann kann man zusammenfassen, was diese drei Eigenschaften wiederum in eine Harmonie bringen kann. Da wird dann notwendigerweise das Bild undeutlich und blaß werden müssen, denn keine menschliche Kraft kann ausreichend das zusammenfassen, was von uns auseinandergehalten wurde. Denn im Wesen ist eine Einheit und keine Trennung vorhanden; zuletzt erst dürfen wir es in eine Einheit zusammenfassen. Dann aber wird es vor uns erblassen. Dafür wird aber zuletzt dasjenige vor uns stehen, was der Christus Jesus als Erdenmensch, als Mensch erst war.

[ 14 ] Once one has examined the three Gospels—those of John, Luke, and Mark—and thereby gained some insight into the thoughts, feelings, and will of Christ Jesus, one can then synthesize these three aspects into a harmonious whole. The image will then necessarily become blurred and pale, for no human power can adequately summarize what we have kept separate. For in essence there is unity and no separation; only in the end may we summarize it into a unity. But then it will fade before us. Instead, what will ultimately stand before us is what Christ Jesus was first and foremost as an earthly human being, as a human being.

[ 15 ] Die Betrachtung, was der Christus Jesus als Mensch war, wie er als Mensch gewirkt hat in den dreiunddreißig Jahren seines Erdendaseins, kann entwickelt werden in Anknüpfung an das Matthäus-Evangelium. Das, was im Matthäus-Evangelium enthalten ist, gibt uns ein in sich harmonisches Menschenbild. Wenn wir im Johannes-Evangelium geschildert haben einen dem gesamten Weltenall angehörigen kosmischen Gottesmenschen, wenn wir im Lukas-Evangelium schildern mußten ein sich hinopferndes einzelnes Liebewesen, und im MarkusEvangelium den Weltenwillen in einer einzelnen Individualität zu schildern hätten, so haben wir im Matthäus-Evangelium die wahre Gestalt des einzelnen Menschen von Palästina, jenes Menschen, der da gelebt hat dreiunddreißig Jahre, in dem eine Einheit ist von alledem, was wir durch die Betrachtung der drei andern Evangelien gewinnen können. In Anknüpfung an das Matthäus-Evangelium tritt uns die Gestalt des Christus Jesus ganz menschlich, als der einzelne Erdenmensch entgegen, den man aber nicht verstehen kann, wenn die andern Betrachtungen nicht vorausgegangen sind. Wenn auch der einzelne Erdenmensch dann verblaßt, so ist doch in diesem blassen Bilde wiedergegeben, was durch die andern Betrachtungen gewonnen worden ist. Ein Bild von der Persönlichkeit des Christus kann erst eine Betrachtung geben, die anknüpft an das Matthäus-Evangelium.

[ 15 ] A consideration of who Christ Jesus was as a human being, and how he acted as a human being during the thirty-three years of his earthly life, can be developed in connection with the Gospel of Matthew. What is contained in the Gospel of Matthew gives us a harmonious picture of humanity. Whereas in the Gospel of John we have described a cosmic God-man belonging to the entire universe, and in the Gospel of Luke we had to portray a self-sacrificing individual being of love, and in the Gospel of Mark we had to portray the world-will in a single individual, then in the Gospel of Matthew we have the true form of the individual human being from Palestine, that human being who lived there for thirty-three years, in whom there is a unity of all that we can gain through the contemplation of the other three Gospels. In connection with the Gospel of Matthew, the figure of Christ Jesus appears to us in a wholly human way, as the individual earthly human being, whom one cannot understand, however, unless the other contemplations have preceded it. Even if the individual earthly human being then fades into the background, what has been gained through the other contemplations is nevertheless reflected in this faded image. Only a meditation that builds upon the Gospel of Matthew can provide a picture of the personality of Christ.

[ 16 ] So stellt sich jetzt die Sache dar, die wir vorher anders charakterisieren mußten, als wir an das erste Evangelium herangingen. Da wir jetzt die Betrachtung zweier Evangelien hinter uns haben, können wir sagen, wie diese Evangelien innerlich zueinander stehen, und wie wir ein Bild des Christus Jesus erst gewinnen können, wenn wir, in entsprechender Weise vorbereitet, herangehen an den Menschen, der da geworden ist auf der Erde durch den Christus Jesus. Der Gottmensch tritt uns entgegen in den Betrachtungen, anknüpfend an das JohannesEvangelium, und in Anknüpfung an das Lukas-Evangelium dasjenige Wesen, das in sich vereinigt die Strömungen, die da flossen von allen Seiten in dem, was sich auf der Erde entwickelt hat im Zarathustrismus, Buddhismus, in der Lehre von Mitleid und Liebe. Alles, was vorher da war, trat uns entgegen, als wir an die Betrachtungen herangingen im Hinblick auf das Lukas-Evangelium. Wenn das MatthäusEvangelium betrachtet wird, dann wird uns vor allen Dingen intim und genau entgegentreten dasjenige, was herausgeboren wird aus seinem eignen Volke, aus dem althebräischen Volke: der Mensch Jesus, wie er wurzelt in seinem Volke, der Mensch Jesus, wie er so sein mußte gerade innerhalb des althebräischen Volkes. Und wir werden erkennen, warum das Blut des althebräischen Volkes in einer ganz bestimmten Weise verwendet werden mußte, um beizutragen für die Erdenmenschheit gerade dieses Blut des Christus Jesus.

[ 16 ] This is how the matter now presents itself, which we had to characterize differently when we first approached the first Gospel. Now that we have completed our examination of the two Gospels, we can say how these Gospels relate to one another internally, and how we can only gain a picture of Christ Jesus when, having prepared ourselves appropriately, we approach the human being who came into being on earth through Christ Jesus. The God-man comes to meet us in these meditations, building upon the Gospel of John, and, building upon the Gospel of Luke, that being who unites within himself the currents that flowed from all sides into what developed on earth in Zoroastrianism, Buddhism, and the teachings of compassion and love. Everything that existed before came before us as we approached the meditations with regard to the Gospel of Luke. When the Gospel of Matthew is considered, what will meet us above all intimately and precisely is that which is born out of its own people, out of the ancient Hebrew people: the human being Jesus, as he is rooted in his people, the human being Jesus, as he had to be precisely within the ancient Hebrew people. And we will recognize why the blood of the ancient Hebrew people had to be used in a very specific way in order to contribute this very blood of Christ Jesus to humanity on earth.

[ 17 ] Es wird uns bei der Betrachtung des Matthäus-Evangeliums das Wesen des althebräischen Altertums entgegentreten; aber nicht nur das Wesen des althebräischen Altertums, sondern die Mission dieses Volkes für die ganze Welt, die Geburt der neuen Zeit, die Geburt des Christentums aus der althebräischen Welt heraus. Und wenn man lernen kann große, bedeutsame, umfassende Ideen durch das Johannes-Evangelium, wenn man gewinnen kann ein Gefühl für die wärmste, grenzenlos warme Opferliebe durch das Lukas-Evangelium, wenn man gewinnen kann eine Erkenntnis von den Kräften aller Wesen und Reiche durch die Betrachtung des Markus-Evangeliums, so bekommt man nun eine Erkenntnis und ein Gefühl von dem, was da lebt innerhalb der Menschheit und innerhalb der menschlichen Entwickelung auf der Erde durch den Christus Jesus in Palästina. Was der Christus Jesus als Mensch war, was er als Mensch ist, alle Geheimnisse der menschlichen Geschichte und menschlichen Entwickelung sind im Matthäus-Evangelium enthalten. Sind im MarkusEvangelium die Geheimnisse enthalten von allen Reichen und Wesenheiten der Erde und des Kosmos, der zur Erde gehört, so sind im Matthäus-Evangelium die Geheimnisse der menschlichen Geschichte zu suchen. Lernt man die Ideen der Sophia durch das JohannesEvangelium, lernt man die Mysterien des Opfers und der Liebe durch das Lukas-Evangelium, lernt man die Kräfte der Erde und der Welt durch das Markus-Evangelium, so lernt man Menschenleben, menschliche Geschichte, Menschenschicksal kennen durch die Betrachtung im Hinblick auf das Matthäus-Evangelium.

[ 17 ] As we contemplate the Gospel of Matthew, we will encounter the essence of ancient Hebrew antiquity; but not only the essence of ancient Hebrew antiquity, but also the mission of this people for the whole world, the birth of a new era, the birth of Christianity from within the ancient Hebrew world. And if one can learn great, significant, comprehensive ideas through the Gospel of John, if one can gain a sense of the warmest, boundlessly warm sacrificial love through the Gospel of Luke, if one can gain an understanding of the forces of all beings and realms through contemplation of the Gospel of Mark, then one gains an understanding and a sense of what lives within humanity and within human development on Earth through Christ Jesus in Palestine. What Christ Jesus was as a human being, what he is as a human being, all the mysteries of human history and human development are contained in the Gospel of Matthew. If the Gospel of Mark contains the mysteries of all the realms and beings of the Earth and the cosmos that belongs to the Earth, then the mysteries of human history are to be found in the Gospel of Matthew. If one learns the ideas of Sophia through the Gospel of John, the mysteries of sacrifice and love through the Gospel of Luke, and the forces of the Earth and the world through the Gospel of Mark, then one comes to know human life, human history, and human destiny through contemplation of the Gospel of Matthew.

[ 18 ] Hätte man in den sieben Jahren unserer geisteswissenschaftlichen Bewegung vier Jahre zur Verarbeitung der Richt- und Grundlinien und drei Jahre zu ihrer Vertiefung verwendet, als ein Licht, das auf die verschiedenen Gebiete des Lebens geworfen werden soll, so würde jetzt folgen können die Betrachtung des Markus-Evangeliums. Dann hätte zuletzt das ganze Gebäude gekrönt werden können durch die Betrachtung des Christus Jesus im Hinblick auf das MatthäusEvangelium. Da aber das Menschenleben unvollkommen ist, und das nicht der Fall war, mindestens nicht bei allen, die in der geisteswissenschaftlichen Bewegung stehen, so ist es nicht möglich, sogleich, ohne Mißverständnis zu erwecken, zur Betrachtung des Markus-Evangeliums überzugehen. Man würde die Gestalt des Christus völlig verkennen, wenn man glaubte, aus der Betrachtung des Johannes- oder Lukas-Evangeliums könnte folgen irgendein Wissen über das Wesen des Christus Jesus. Man würde wiederum glauben, daß man einseitig alles anwenden darf, was in bezug auf das Markus-Evangelium gesagt werden müßte. Und die Mißverständnisse würden noch größer sein, als sie schon gewesen sind. Daher muß mit Rücksicht darauf der andere Weg gewählt werden. Es muß jetzt folgen, so gut es möglich ist, in der nächsten Zeit eine Betrachtung im Hinblick auf das Matthäus-Evangelium. Damit wird zunächst verzichtet auf die großen Tiefen des Markus-Evangeliums, es wird aber dafür vermieden werden, daß wieder jemand glaubt, daß mit einer Eigenschaft der ganze Mensch bereits geschildert sei. Dadurch wird es möglich, Mißverständnisse zu beseitigen. Und es wird zunächst eine Betrachtung angestellt werden, soweit es möglich ist, über den Hervorgang des Christus Jesus aus dem althebräischen Volke, über dasjenige, was man nennen kann die Geburt des Christentums in Palästina. Darüber sollen im Hinblick auf das Matthäus-Evangelium in nächster Zeit unsere Betrachtungen angestellt werden, und dadurch soll vermieden werden, daß wiederum verwechselt wird eine der Eigenschaften mit der Betrachtung der ganzen Wesenheit. Dann wird leichter das folgen können, was im Hinblick auf das Markus-Evangelium wird zu sagen sein.

[ 18 ] If, during the seven years of our spiritual science movement, four years had been devoted to working through the guiding principles and three years to deepening our understanding of them—as a light to be shed upon the various areas of life—then we could now proceed to a study of the Gospel of Mark. Then, finally, the entire edifice could have been crowned by a contemplation of Christ Jesus in light of the Gospel of Matthew. But since human life is imperfect, and that was not the case—at least not for everyone involved in the spiritual science movement—it is not possible to proceed immediately to a contemplation of the Gospel of Mark without giving rise to misunderstanding. One would completely misjudge the figure of Christ if one believed that any knowledge of the nature of Christ Jesus could be derived from a consideration of the Gospel of John or Luke. One would, in turn, believe that one could apply everything that ought to be said regarding the Gospel of Mark in a one-sided manner. And the misunderstandings would be even greater than they already have been. Therefore, in light of this, the other path must be chosen. What must now follow, as best as possible in the near future, is a study of the Gospel of Matthew. In doing so, we will initially set aside the great depths of the Gospel of Mark, but we will thereby avoid anyone again believing that a single characteristic is sufficient to describe the whole person. This will make it possible to eliminate misunderstandings. And we will first undertake a study, as far as possible, of the emergence of Christ Jesus from the ancient Hebrew people, of what one might call the birth of Christianity in Palestine. Our reflections will focus on this in the near future with regard to the Gospel of Matthew, thereby preventing the confusion of a single characteristic with the consideration of the entire being. Then it will be easier to follow what needs to be said regarding the Gospel of Mark.