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The Rudolf Steiner Archive

a project of Steiner Online Library, a public charity

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The Deeper Mysteries of Human Development
in the Light of the Gospels
GA 117

18 October 1909, Berlin

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The Deeper Mysteries of Human Development, tr. SOL
  1. Die Tieferen Geheimnisse des Menschheitswerdens, 3rd ed.

2. Die Evangelien, Buddha und die zwei Jesusknaben

2. The Gospels, Buddha, and the Two Jesus Boys

[ 1 ] Das letzte Mal erzählte ich hier den Inhalt des Basler Vortragszyklus, wo es sich um das Lukas-Evangelium gehandelt hat. Wir haben dabei auf die Frage hingewiesen, die jemand stellen könnte: Ja, wenn nun schon so vieles gesagt ist in bezug auf das Johannes-Evangelium und im Anschluß daran über das Bild des Christus Jesus, kann es da möglich sein, daß auch im Hinblick auf die andern Evangelien etwas zu sagen ist, daß man in gewissem Sinne ein ebensolches Verständnis bekäme, wie wenn man das tiefste, das Johannes-Evangelium, hat auf sich wirken lassen?

[ 1 ] Last time, I summarized here the content of the lecture series in Basel, which focused on the Gospel of Luke. In doing so, we pointed out a question that someone might ask: “Yes, now that so much has been said regarding the Gospel of John and, following that, about the image of Christ Jesus, is it possible that there is also something to be said with regard to the other Gospels—that one might, in a certain sense, arrive at a similar understanding as when one has allowed the deepest of them all, the Gospel of John, to take effect upon oneself?”

[ 2 ] Wenn das so wäre, dann wäre eine Erklärung der drei andern Evangelien nicht etwa im Sinne der Geistesforschung. Denn was wir suchen innerhalb der geisteswissenschaftlichen Forschung, das soll nicht genommen sein aus irgendeiner Urkunde; es soll nicht an uns herantreten als irgend etwas Überliefertes, sondern als etwas, was mit den Mitteln der Geistesforschung erforscht werden kann.

[ 2 ] If that were the case, then an interpretation of the other three Gospels would not be in keeping with spiritual research. For what we seek within spiritual research is not to be taken from some document; it is not to come to us as something handed down, but as something that can be investigated using the methods of spiritual research.

[ 3 ] Der Geistesforscher stellt sich die Aufgabe, zu erkunden, wie sich das Ereignis von Palästina darstellt, ohne daß er irgendeine Urkunde zu Hilfe zieht. Ohne Berücksichtigung irgendeiner Urkunde stellt er seine Forschung an. Dann versucht er nachher zu zeigen, wie uns aus den Urkunden dieselben Wahrheiten und Berichte entgegenleuchten.

[ 3 ] The scholar of the humanities sets out to explore the nature of the events in Palestine without relying on any historical documents. He conducts his research without taking any documents into account. He then attempts to demonstrate how the same truths and accounts emerge from the documents.

[ 4 ] Wir haben den Weg gewählt beim Lukas-Evangelium und beim Johannes-Evangelium, daß wir aus dem ungeheuren Umfange der Akasha-Chronik herausgeholt haben, was man wiederfinden kann im Lukas-Evangelium und im Johannes-Evangelium. Dadurch, daß man die Forschungen der Geistesforscher auf diese Evangelien in dieser Weise anwendet, lernt man sie im gewissen Sinne erst kennen. Ich habe gezeigt, daß man da bei dem Lukas-Evangelium Gelegenheit hat, etwas anderes zu besprechen als bei dem Johannes-Evangelium. Es beginnt das Johannes-Evangelium mit der Persönlichkeit des Jesus von Nazareth in der Zeit, als er dreißig Jahre alt war. Es tritt uns da in ihm die hohe Sonnenwesenheit entgegen, die Christus-Wesenheit. Wir haben es hier zu tun mit den drei letzten Lebensjahren des Christus Jesus.

[ 4 ] In the case of the Gospel of Luke and the Gospel of John, we have chosen to extract from the vast expanse of the Akashic Records those elements that can be found in the Gospel of Luke and the Gospel of John. By applying the research of spiritual scientists to these Gospels in this way, one comes to truly understand them in a certain sense. I have shown that the Gospel of Luke offers an opportunity to discuss something different than the Gospel of John. The Gospel of John begins with the personality of Jesus of Nazareth at the time when he was thirty years old. There we encounter in him the high solar being, the Christ being. We are dealing here with the last three years of the life of Christ Jesus.

[ 5 ] Das Lukas-Evangelium dagegen gestattet uns, jene bedeutungsvollen Vorgänge kennenzulernen, welche möglich gemacht haben, daß diese bedeutende Wesenheit des Christus einfließen konnte in die Persönlichkeit des Jesus von Nazareth, zu zeigen das Zusammenströmen des Zarathustrismus und des Buddhismus, und wir haben gesehen, wie sich diese zwei gewaltigen Geistesströmungen begegnen und sich vereinigen gerade im Jesus von Nazareth. Er trat uns das letzte Mal entgegen als menschliche Persönlichkeit, die da geboren ward als ein Kind mit ganz besonderen innerlichen Anlagen, aber zunächst nicht mit jenen Anlagen, die den Menschen besonders zum Verständnis der äußeren, gegenwärtigen physischen Welt geführt hätten. Über dieser Persönlichkeit, die als Kind uns entgegengetreten ist in dem nathanischen Jesuskinde, dem eigentlichen Jesus von Nazareth, über ihr sehen wir strahlen das, was wir den Nirmanakaya des Buddha nannten, was wir als Aura dieses Kindes sehen. Es ist diejenige Gestalt, welche der Buddha annahm nach seiner letzten Inkarnation, in welcher er Buddha wurde. Wir konnten hervorheben, daß dasjenige, was wir unsere abendländische esoterische Lehre nennen, voll rechtfertigt das, was in den morgenländischen Schriften enthalten ist: daß die Individualität vor der Verkörperung des Buddha, in der sie im 6. Jahrhundert vor Christus auftrat, ein Bodhisattva war.

[ 5 ] The Gospel of Luke, on the other hand, allows us to gain insight into those significant events that made it possible for this great being, the Christ, to flow into the personality of Jesus of Nazareth; it reveals the convergence of Zoroastrianism and Buddhism, and we have seen how these two powerful spiritual currents meet and unite precisely in Jesus of Nazareth. He appeared before us for the last time as a human personality who was born as a child with very special inner dispositions, but initially not with those dispositions that would have led human beings specifically to an understanding of the outer, present physical world. Above this personality, who appeared to us as a child in the Nathanic Jesus-child, the actual Jesus of Nazareth, we see radiating what we called the Nirmanakaya of the Buddha, what we see as the aura of this child. It is the form that the Buddha assumed after his last incarnation, in which he became the Buddha. We could emphasize that what we call our Western esoteric teaching fully justifies what is contained in the Eastern scriptures: that the Individuality, prior to the Buddha’s incarnation in the 6th century B.C., was a Bodhisattva.

[ 6 ] Solch ein Bodhisattva wird in einer ganz bestimmten Verkörperung ein Buddha. Damit hatte jene Individualität eine solche Entwickelungsstufe erlangt, daß sie nun nicht mehr in einem physischen Leib auf der Erde verkörpert zu werden brauchte. Das ist eine große Errungenschaft, daß eine Individualität nicht mehr verkörpert zu werden braucht. Daß dieses sein kann, hängt aber nicht nur von der Höhe der Entwickelung einer Individualität ab, sondern auch von der Art einer Individualität. Nach dieser Verkörperung hatte der Bodhisattva-Buddha keine irdisch-fleischliche Verkörperung mehr durchzumachen. Er verkörperte sich dann nicht mehr in einem irdisch-fleischlichen Leibe, sondern nur noch in dem, als unterste körperlich-leibliche Wesenheit, was wir den Äther- oder Lebensleib nennen. Darin verkörperte sich hinfort eine solche Individualität. Er stieg nicht mehr herunter zu einer fleischlichen Verkörperung, dieser Buddha, sondern nur zu einer solchen im Ätherleibe.

[ 6 ] Such a Bodhisattva becomes a Buddha in a very specific incarnation. By then, that individuality had reached such a stage of development that it no longer needed to be incarnated in a physical body on Earth. It is a great achievement for an individuality to no longer need to be incarnated. Whether this is possible, however, depends not only on the level of development of an individuality, but also on the nature of that individuality. After this incarnation, the Bodhisattva-Buddha no longer had to undergo any further earthly, physical incarnations. He no longer incarnated in an earthly, physical body, but only in what we call the etheric or life body, the lowest physical entity. From then on, such an individuality incarnated in this form. This Buddha no longer descended into a physical incarnation, but only into one in the etheric body.

[ 7 ] Ein solcher ätherischer Leib, in dem sich eine Individualität vorwärtsentwickelt hat, sieht - wenn er gesehen wird — nicht wie ein anderer Leib aus, der als physischer Leib auf der Erde besteht. Was wir als physischen Leib sehen bei einer Individualität, die bis zur Verkörperung im physischen Leib heruntersteigt, das ist da eine geschlossene Einheit. Da ist nirgends eine Unterbrechung. Ein solcher ätherischer Leib aber, in dem sich eine Individualität wie der Buddha verkörpert, ist nicht eine geschlossene Raumeinheit. Er ist eine Vielheit von nicht zusammenhängenden Gliedern. Erinnern wir uns an die sogenannte Spaltung der Persönlichkeit, die eintritt, wenn der Mensch sich immer mehr hinaufentwickelt. Dieser Vorgang ist beschrieben in «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?». Was zusammenhängt als ein Ganzes bei dem gewöhnlichen Menschen, die Kräfte, die wir Denken, Fühlen und Wollen nennen, das steht dann sozusagen jedes für sich da. Der Mensch wird über diese einst Herrscher werden; er ist nachher eine Dreiheit, man könnte sogar sagen eine Vielheit, wie es in meiner «Geheimwissenschaft im Umriß» ausgeführt ist.

[ 7 ] Such an etheric body, in which an individuality has developed, does not—when seen—resemble any other body that exists on Earth as a physical body. What we see as the physical body of an individuality that descends to incarnate in a physical body is a closed unity. There is no break anywhere. But such an etheric body, in which an individuality like the Buddha incarnates, is not a closed spatial unity. It is a multiplicity of unconnected parts. Let us recall the so-called splitting of the personality that occurs as a human being develops ever higher. This process is described in *How to Attain Knowledge of the Higher Worlds*. What is connected as a whole in the ordinary human being—the forces we call thinking, feeling, and willing—then stands, so to speak, each on its own. The human being will eventually become master of these; he will subsequently be a triad, one might even say a multiplicity, as is explained in my *Outline of Esoteric Science*.

[ 8 ] In einem solchen Fall, wie bei der Verkörperung des Buddha in späteren Zeiten, haben wir einen solchen ätherischen Leib, der aus nicht zusammenhängenden Wesen besteht. Bei den gewöhnlichen Menschen ist es auch nur das Prinzip des physischen Leibes, welches den ätherischen Leib zusammenhält.

[ 8 ] In such a case, as with the Buddha’s incarnation in later times, we have an etheric body composed of disjointed entities. In ordinary people, it is only the principle of the physical body that holds the etheric body together.

[ 9 ] Wenn ein solcher Bodhisattva-Buddha im ätherischen Leib verkörpert wieder erscheint, so erscheint er dann, wenn er sichtbar wird, als eine Vielheit, als eine Schar von Wesenheiten. Von dieser Schar von Wesenheiten erzählt der Schreiber des Lukas-Evangeliums, wenn er von den Engeln spricht, die den Hirten auf dem Felde erschienen. Dieser ätherische Leib, den man den Nirmanakaya des Buddha nennt, der schwebte über jenem nazarenischen Jesuskinde. Er ist es, welcher der Inspirator wird, der alles das, was der Buddha war, einträufelt in das Christentum auf diese Weise. So sehen wir, wie hier der Buddhismus einströmt in das Christentum. Ganz konkret muß man sich das denken, nicht nur im Abstrakten. Wer verstehen will, wie sich das in Wirklichkeit abspielt, der muß hinweisen können auf das konkrete Ereignis, wo der bis zu jener nächsten Stufe fortgeschrittene Buddha sich dem Christentum einfügt. Das ist beschrieben im Lukas-Evangelium, in der Engelschar, die der Nirmanakaya des Buddha ist.

[ 9 ] When such a Bodhisattva-Buddha reappears in an etheric body, he appears—when he becomes visible—as a multitude, as a host of beings. The writer of the Gospel of Luke speaks of this host of beings when he refers to the angels who appeared to the shepherds in the fields. This etheric body, which is called the Nirmanakaya of the Buddha, hovered over that Nazarene child Jesus. It is this body that becomes the inspirer, infusing all that the Buddha was into Christianity in this way. Thus we see how Buddhism flows into Christianity here. One must conceive of this in very concrete terms, not merely in the abstract. Anyone who wants to understand how this actually takes place must be able to point to the concrete event where the Buddha, having advanced to that next stage, integrates himself into Christianity. This is described in the Gospel of Luke, in the host of angels that is the Nirmanakaya of the Buddha.

[ 10 ] Dann haben wir beschrieben, wie ein zweiter Jesusknabe da ist, den wir den bethlehemitischen Jesusknaben nennen können, und haben gesagt, wie der nichts anderes ist als der wiederverkörperte Zarathustra. Es ist ein außerordentlich frühreifes Kind. In jenem Kinde ist wiederverkörpert der Zarathustra. Das ist ausgedrückt im MatthäusEvangelium. Denn im Matthäus-Evangelium soll geschildert werden die Individualität, die besonders verständlich war für den Schreiber des Matthäus-Evangeliums, die hinzubrachte zu dem Christentum den Strom des Zarathustrismus. Daher wird auch geschildert, daß dieser Knabe abstammte aus der salomonisch-königlichen Linie des Hauses David, während der Jesus des Lukas-Evangeliums abstammte aus der nathanischen Linie des Hauses David, der priesterlichen Linie.

[ 10 ] We then described how there is a second Jesus child, whom we might call the Bethlehem Jesus child, and explained how he is nothing other than Zarathustra reincarnated. He is an extraordinarily precocious child. In that child, Zarathustra is reincarnated. This is expressed in the Gospel of Matthew. For the Gospel of Matthew is intended to depict the individuality that was particularly understandable to the writer of the Gospel of Matthew, the one who brought the current of Zarathustrianism into Christianity. That is why it is also described that this boy descended from the Solomonic-royal line of the House of David, whereas the Jesus of the Gospel of Luke descended from the Nathanic line of the House of David, the priestly line.

[ 11 ] Wenn wir das Christentum uns in seiner ganzen tiefen Bedeutung verständlich machen wollen, dann müssen wir uns klarmachen, daß zusammenströmen mußten die wichtigsten Strömungen aus der Welt. Wir sehen, daß die davidische Königslinie sich spaltet in eine salomonische und in eine nathanische Linie. In der salomonischen Linie pflanzen sich fort die königlichen Eigenschaften, in der nathanischen Linie die priesterlichen Eigenschaften. Die königlichen Eigenschaften kommen besonders in den ersten zwei Lebensperioden des menschlichen Lebens heraus; die Eigenschaften, die vor allen Dingen sozusagen hinausgehen auf ein verständnisvolles Beherrschen der Weltverhältnisse, auf alles das, was den Menschen mit den Weltverhältnissen in Harmonie bringt. Das kann nur geschehen, wenn die Kräfte des physischen und des ätherischen Leibes richtig entwickelt sind. Da der Zarathustra vorzugsweise diese Eigenschaften in innerlicher Weise vollendet ausgebildet hatte, so mußte er sich jetzt gerade bis zum zwölften Jahre all der Anlagen bedienen, die im physischen und Ätherleibe herauskamen. Solche Anlagen konnten ihm im besonderen gegeben werden durch die im salomonischen Hause vererbten Eigenschaften. Für die Aufgabe, die er hatte, brauchte er aber auch die großen Anlagen des Ich-Trägers, die großen Anlagen des Astralleibes. Sie konnten ihm nur gegeben werden von einer Linie, die aus Generationen heraus gerade diese Anlagen vererbte. Wäre der Zarathustra bis zu dem dreißigsten Jahre in dem Leibe geblieben, wo der Ätherleib und der physische Leib besonders ausgebildet waren, so hätte er seine Wesenheit nicht so vertiefen können. Darum zog er im zwölften Jahre hinüber in den nazarenischen Jesus, so daß in demselben Kinde, worin der Nirmanakaya des Buddha wohnte, vom zwölften Jahre an aufgenommen wurde die Individualität des Zarathustra. So sind diese beiden Strömungen zusammengeflossen in diesem nazarenischen Jesus in seinem zwölften Jahre.

[ 11 ] If we wish to understand Christianity in all its profound significance, we must realize that the most important currents from the world had to converge. We see that the Davidic royal line splits into a Solomonic and a Nathanic line. In the Solomonic line, the royal qualities are perpetuated; in the Nathanic line, the priestly qualities. The royal qualities come to the fore especially in the first two periods of human life; these are the qualities that, above all, lead, so to speak, to an understanding mastery of world affairs, to everything that brings the human being into harmony with world affairs. This can only happen if the forces of the physical and etheric bodies are properly developed. Since Zarathustra had perfected these qualities primarily in an inner way, he now had to make use, especially up to the age of twelve, of all the predispositions that emerged in the physical and etheric bodies. Such predispositions could be given to him in particular through the qualities inherited in the Solomonic house. For the task he had, however, he also needed the great aptitudes of the ego-bearer, the great aptitudes of the astral body. These could only be given to him by a lineage that had passed down precisely these aptitudes through generations. Had Zarathustra remained until the age of thirty in the body where the etheric body and the physical body were particularly developed, he would not have been able to deepen his being to such an extent. That is why, at the age of twelve, he passed over into the Nazarene Jesus, so that from the age of twelve onward, the individuality of Zarathustra was received into the very same child in whom the Nirmanakaya of the Buddha dwelt. Thus these two currents merged in this Nazarene Jesus at the age of twelve.

[ 12 ] Als dritte Strömung sollte hinzukommen die althebräische Strömung. Nur durch dieses Zusammentreffen konnte jene Individualität auftreten, die den Christus in sich aufnahm.

[ 12 ] A third current—the ancient Hebrew current—should be added to this. It was only through this convergence that the individuality capable of embracing Christ within itself could emerge.

[ 13 ] Wir fragen uns nun, wie ist das dazu eingeflossen, was die althebräische Geistesströomung war? Wir wollen sehen, wie wir aufzufassen haben das Ureigenste der althebräischen Geistesströmung. Denken wir auch einmal daran, was wir als das Wesen der Buddhaentwickelung angesehen haben. Was ist dadurch geschehen, daß aus dem Bodhisattva ein Buddha geworden ist?

[ 13 ] We now ask ourselves: How did the ancient Hebrew spiritual current influence this? Let us see how we are to understand the very essence of the ancient Hebrew spiritual current. Let us also consider what we have regarded as the essence of the Buddha’s development. What happened as a result of the Bodhisattva becoming a Buddha?

[ 14 ] Diese Individualität, die in dem Bodhisattva-Buddha verkörpert war, hatte die Aufgabe, von Epoche zu Epoche zu überliefern, was man nennen kann die Lehre von Mitleid und Liebe. Wenn wir dies verstehen wollen, so müssen wir uns sagen, daß der Mensch früher in einem ganz andern Bewußtseinszustande war. Wir dürfen nicht kurzsichtig sein wie die heutige Wissenschaft, die glaubt, daß immer dieselben Fähigkeiten da waren, die sich aus primitiven Anfängen nach und nach entwickelten, und daß der Mensch vorher auf der Stufe der Tierheit war. So war es eben nicht. Was wir heute menschliches Denken, Fühlen und Wollen nennen, das war nicht immer da. Je weiter wir zurückgehen in der Entwickelung der Menschheit, desto mehr wird dieser heutige Bewußtseinszustand ein traumhaftes, dämmerhaftes Hellsehen. Darum mußte auch alles das, was in alten Zeiten als Lehre gegeben werden sollte, anders gegeben werden als heute. Heute kann man gewisse moralische Prinzipien aussprechen; die versteht der Mensch dann. Wenn er solche Prinzipien hört, kann er heute sagen: Gewiß, meine eigene Vernunft sagt mir das. - Aber dazu mußten erst die Vernunft und das Gewissen entwickelt sein. Es ist handgreiflich aus der äußeren Geschichte nachzuweisen, daß das Gewissen einmal angefangen hat. Äschylos spricht davon noch nicht. Diese besondere Seelenkraft trat erst in einer bestimmten Zeit ein, vorher war sie nicht da.

[ 14 ] This individuality, embodied in the Bodhisattva-Buddha, had the task of passing down from one epoch to the next what might be called the teaching of compassion and love. If we wish to understand this, we must realize that human beings were once in a completely different state of consciousness. We must not be short-sighted like modern science, which believes that the same abilities have always existed, developing gradually from primitive beginnings, and that human beings were previously at the level of animality. That is simply not how it was. What we today call human thinking, feeling, and willing was not always there. The further back we go in the development of humanity, the more this present state of consciousness becomes a dreamlike, twilight clairvoyance. That is why everything that was to be taught in ancient times had to be presented differently than it is today. Today one can articulate certain moral principles; people then understand them. When people hear such principles today, they can say: Certainly, my own reason tells me that. — But for this to be possible, reason and conscience first had to be developed. It can be clearly demonstrated from external history that conscience had to have a beginning. Aeschylus does not yet speak of it. This particular power of the soul only emerged at a specific time; before that, it did not exist.

[ 15 ] Bevor es im Menschen ein Gewissen gegeben hat, bevor es ein logisches Denken gegeben hat, wenn man da an sein Gewissen, an sein Denken appelliert hätte, so wäre es gewesen, als ob man zu einem Stein oder zu einer Pflanze spräche.

[ 15 ] Before humans had a conscience, before logical thinking existed, if one had appealed to one’s conscience or to one’s reasoning, it would have been as if one were speaking to a stone or a plant.

[ 16 ] Es brauchte damals die Seele Kraft, Impulse, und die mußten der Seele eingeflößt werden. Was zum Beispiel sich auf die Liebe bezieht, wurde wie suggestiv eingegeben durch die Individualität, die man den Bodhisattva nennt, als diese Individualität, die man Bodhisattva nennt, als der Buddha da war. Da war die Zeit gekommen, wo die Menschen aus sich selber heraus die Lehre von Mitleid und Liebe nach und nach gewinnen konnten, die Lehre von dem sogenannten achtgliedrigen Pfad. Diese Lehre, die ihm früher von oben herunter gegeben werden mußte, konnte ihm erst als Lehre gegeben werden, als der Buddha da war. Darum mußte der Bodhisattva Buddha werden.

[ 16 ] At that time, the soul needed strength and inspiration, and these had to be instilled in it. For example, what pertains to love was instilled in a suggestive manner by the individuality known as the Bodhisattva, when this individuality—the Bodhisattva—was present as the Buddha. The time had come when human beings could gradually grasp the teaching of compassion and love—the teaching of the so-called Eightfold Path—from within themselves. This teaching, which previously had to be handed down to them from above, could only be given to them as a teaching once the Buddha was present. That is why the Bodhisattva had to become the Buddha.

[ 17 ] Jegliches, was vorgeht in der menschlichen Entwickelung, muß vorgehen an seinem bestimmten Ort und in einem bestimmten Volke, aus dem eine Anzahl von Menschen herausgegriffen werden, die Verständnis haben für die Lehre. Vielleicht wird man einen Widerspruch finden zwischen diesem und dem, was früher gesagt worden ist, weil früher gesagt wurde, daß es die Mission des Christus war, die Liebe zu verbreiten. Aber wenn so etwas gesagt wird, ist es notwendig, ganz genau zuzuhören. Es lag in der Mission des Buddha, die Lehre von Mitleid und Liebe zu bringen; aber Christus ist die Kraft der Liebe. Er brachte die Liebe selbst. Es ist etwas anderes, die Lehre von etwas zu bringen, als die Sache selbst zu bringen. Gerade damit war die Möglichkeit gegeben, daß die Kraft der Liebe herunterströmte und sich offenbarte durch dieses hohe Sonnenwesen auf der Erde, daß diese Lehre gebracht wurde durch den Buddha. Aber wiederum war es notwendig, daß diese Kraft der Liebe sich irdisch offenbarte innerhalb eines Volkes, das eineandere Entwickelung durchgemacht hatte als dasjenige, in welchem der Buddha lebte.

[ 17 ] Everything that takes place in human evolution must occur in its specific place and among a specific people, from whom a number of individuals are chosen who have an understanding of the teaching. Perhaps one will find a contradiction between this and what has been said previously, because it was previously stated that Christ’s mission was to spread love. But when something like this is said, it is necessary to listen very carefully. It was part of the Buddha’s mission to bring the teaching of compassion and love; but Christ is the power of love. He brought love itself. It is one thing to bring the teaching of something, and quite another to bring the thing itself. It was precisely this that made it possible for the power of love to flow down and manifest itself through this high solar being on Earth, that this teaching was brought by the Buddha. But again, it was necessary for this power of love to manifest itself on Earth within a people who had undergone a different development than the one in which the Buddha lived.

[ 18 ] Wodurch unterscheidet sich das, was der Welt gebracht worden ist durch den Buddha, von dem, was gebracht worden ist durch die Individualität des Moses? Man nennt mit Recht das, was der Buddha gebracht hat, das große Gesetz, Dharma. Der Buddha hat das Gesetz so gebracht, in einer bestimmten Form, so daß es von der Seele in dieser Form erkannt werden konnte, daß die Menschen es innerhalb der eigenen Seele finden konnten. Moses hat ein Gesetz gebracht in einer ganz andern Art und Weise; er brachte es als Gebot. Es konnte nicht bei diesem Volke, dem er es brachte, als ein in der Seele selbst wurzelndes Gesetz angesehen werden, sondern als ein göttliches, aus den Höhen gegebenes Gesetz. Buddha sagte: Ihr werdet in der tiefsten Kraft der Seele selber finden das Gesetz, das ich euch sage. - Aber Moses sagte: Es gibt das Gesetz der Gott, der da kommen wird.

[ 18 ] How does what the Buddha brought to the world differ from what was brought by the individuality of Moses? What the Buddha brought is rightly called the great law, Dharma. The Buddha brought the law in a specific form so that the soul could recognize it in that form, so that people could find it within their own souls. Moses brought a law in a completely different way; he brought it as a commandment. It could not be regarded by the people to whom he brought it as a law rooted in the soul itself, but rather as a divine law given from on high. The Buddha said: “You will find within the deepest power of the soul itself the law that I tell you.”—But Moses said: “There is the law of the God who is to come.”

[ 19 ] Es mußte sozusagen einem Volke ein Gesetz gegeben werden unter der Voraussetzung, daß man rechnete, dieses Volk steht auf einer jüngeren Stufe als das andere. Es hat gewisse Kräfte noch nicht ausgebildet. Darauf beruht alle Entwickelung, daß die Dinge nicht in gerader Linie weitergehen.

[ 19 ] A law had to be given to a people, so to speak, on the assumption that this people was at a less advanced stage than another. It had not yet developed certain capacities. All development is based on the fact that things do not proceed in a straight line.

[ 20 ] Man faßt gewöhnlich als Entwickelung auf, daß das Folgende immer aus dem Früheren hervorgeht. So geht aber die Entwickelung nicht vor sich. Entwickelung kommt durch ganz andere Voraussetzungen zustande. Wenn wir die Pflanze beobachten in ihrem Wachstum, so sehen wir zuerst den Keim, dann den Stengel emporwachsen, und wie sie dann ansetzt Blatt an Blatt und schließlich die Blüte. Jetzt kommt ein Punkt, wo nicht mehr das Spätere aus dem Früheren sich nach und nach einfach entwickelt, sondern es tritt die Befruchtung ein. Es muß etwas anderes einströmen, ein Staubkörnchen von einer andern Pflanze. Insbesondere im Geistesleben müssen nun die mannigfaltigsten Umstände und Strömungen zusammenfließen. In Palästina mußte sich vereinigen der Zarathustrismus, der Buddhismus und dann eine ganz andere Strömung. Diese Strömung konnte unter gewissen Verhältnissen jüngere Lebenskräfte zuführen. Lange, lange Zeit hatten gewirkt innerhalb dieses Volkes die Gebote Jahves. Hätte dieses Volk auch auf der Stufe gestanden, daß Buddha sechshundert Jahre vor Christus auch hätte an die eigene Seele dieser Menschen appellieren können, dann hätte das Volk später nicht die jugendlichen Kräfte gehabt. Daher mußte es von seinem Gesetzgeber erhalten Gebote, bei denen man nicht an die eigene Seele appellierte. Es mußte dieses Volk in Vorderasien auf einer früheren Stufe zurückgehalten werden.

[ 20 ] Development is usually understood to mean that what comes later always arises from what came before. But that is not how development actually takes place. Development arises from entirely different conditions. When we observe a plant as it grows, we first see the seed, then the stem growing upward, and how it then produces leaf after leaf and finally the flower. Now there comes a point where what comes later no longer simply develops gradually from what came before, but fertilization takes place. Something else must flow in—a pollen grain from another plant. In spiritual life in particular, the most diverse circumstances and currents must now converge. In Palestine, Zoroastrianism, Buddhism, and then a completely different current had to unite. Under certain conditions, this current could bring in younger life forces. For a long, long time, the commandments of Yahweh had been at work within this people. Had this people also been at a stage where Buddha, six hundred years before Christ, could have appealed to the very souls of these people, then the people would not have possessed those youthful forces later on. Therefore, they had to receive commandments from their lawgiver that did not appeal to their own souls. This people in the Near East had to be held back at an earlier stage.

[ 21 ] Wir können Ähnliches hypothetisch für das einzelne Menschenleben anführen. Denke man sich, es wolle jemand künstlich einen Menschen dazu bringen, daß dieser in einem gewissen Lebensalter besonders schöpferische Fähigkeiten entwickelt. Aber man möge das nicht etwa probieren! Dann müßte ein Kind ganz anders entwickelt werden, als das sonst geschieht. Denn wenn ich versuche, ihm im siebenten Jahre das beizubringen, was ihm heute die Schule beibringt, dann habe ich dadurch die Seele unfähig gemacht, daß später gewisse Kräfte herauskommen. Ich will daher warten bis zum zehnten Jahre. Dann tritt dieses Kind mit ganz andern Kräften heran. Dann hat es etwas an jugendfrischer Kraft bewahrt. Eskommen dann Kräfte heraus, die schöpferische Kräfte sind, die sonst etwa getötet worden wären.

[ 21 ] We can apply a similar line of reasoning hypothetically to the life of an individual. Imagine someone trying to artificially induce a person to develop particularly creative abilities at a certain age. But one should certainly not try this! Then a child would have to be raised in a completely different way than is usually the case. For if I try to teach a child at the age of seven what school teaches today, I have thereby rendered the soul incapable of developing certain powers later on. I therefore want to wait until the age of ten. Then this child will approach with entirely different powers. Then it will have retained something of youthful vitality. Then powers will emerge that are creative powers, which otherwise might have been stifled.

[ 22 ] Sie sehen, wie in Vorderasien das ausgeführt worden ist. Es ist das hebräische Volk zurückgehalten worden. Es konnte noch nicht aufnehmen die Lehren des Buddha von Mitleid und Liebe. Das ist ihm als ein Gebot gegeben worden. Es hatte nicht den Appell des Buddha bekommen, aus sich heraus zu entwickeln die Lehre von Mitleid und Liebe. Nur an einer Stelle der Erdentwickelung, wo die Menschen am meisten vorgeschritten waren, konnte der Bodhisattva-Buddha diese Lehre bringen. Als dann ganz andere Kräfte entwickelt worden waren, wurde an einer andern Stelle diese Strömung mit der andern vereinigt.

[ 22 ] You can see how this was carried out in the Near East. The Hebrew people were held back. They were not yet ready to embrace the Buddha’s teachings of compassion and love. These were given to them as commandments. They had not received the Buddha’s call to develop the teachings of compassion and love from within themselves. Only at a point in Earth’s evolution where humanity had advanced the most could the Bodhisattva-Buddha bring this teaching. When entirely different forces had then developed, this current was united with the other at a different point.

[ 23 ] Worinnen haben wir nun zu suchen das, was da herunterfließt durch die Generationen eines Volkes? Woran hängt das? Womit nimmt der Mensch dasjenige auf, was am ganzen Volke hängt? Vom ersten bis zum siebenten Jahre ist der Mensch noch eingehüllt in eine Ätherhülle, die er dann abstreift. Dann umgibt ihn noch die Astralhülle, die er mit der Geschlechtsreife abwirft. Der Astralleib wird dann erst geboren. Wenn dann beim Menschen in der Zeit vom zwölften bis fünfzehnten Jahre der Astralleib geboren ist, so ist das dasjenige, worin all die Kräfte sind, die der Mensch gemeinsam hat mit dem Volkstum. Diese astrale Hülle, die der Mensch nun abstreift, die enthält alle die Eigenschaften, die der Mensch bis dahin in seinem Inneren haben konnte. Diese Hülle macht es also, daß der Mensch einem bestimmten Volkstum angehört. Was geschieht nun mit dieser Hülle, wenn sie abgestreift wird? Diese Hülle, die da abgestreift wird, in der drinnen ist alles das, was der Mensch mit seinem Volkstum gemeinschaftlich hat. Sie vereinigt sich dann mit all den Hüllen, die auch die Vorfahren abgestreift haben. Wir haben gleichsam so eine Kette.

[ 23 ] Where, then, are we to look for that which flows down through the generations of a people? What does it depend on? How does a human being absorb that which pertains to the entire people? From the first to the seventh year, a human being is still enveloped in an etheric sheath, which they then shed. Then they are still surrounded by the astral sheath, which they shed upon reaching sexual maturity. Only then is the astral body born. When the astral body is born in a person between the ages of twelve and fifteen, it is the vessel containing all the forces that the individual shares with the national character. This astral sheath, which the individual now sheds, contains all the qualities that the individual could have held within until then. This sheath is what makes a person belong to a particular national character. What happens to this sheath when it is shed? This sheath that is shed contains everything that the person shares with their national character. It then unites with all the sheaths that the ancestors have also shed. We have, as it were, a chain.

[ 24 ] Während der Mensch bis zu seinem vierzehnten Jahre das in sich hat, da hängt er an einer Kette, die hinaufgeht zu den Vorfahren. Bis zu welchem Glied der Vorfahren geht sie hinauf? Sie geht hinauf bis zum zweiundvierzigsten Glied, dem sechsmal siebenten Gliede! Es hängt der Mensch mit seinen Vorfahren so zusammen. Das wußte man in alten Zeiten. Das weiß man auch heute innerhalb der Geisteswissenschaft. Weil der Mensch in dieser Weise mit seinen Vorfahren zusammenhängt, deshalb ließen die alten Ägypter in ihrem Totenbuch den Menschen nach dem Tode vor zweiundvierzig Totenrichtern erscheinen.

[ 24 ] Until the age of fourteen, a person carries this within them; they are linked by a chain that extends back to their ancestors. How far back does this chain go? It goes back to the forty-second generation—the sixth generation of the seventh! This is how a person is connected to their ancestors. This was known in ancient times. It is also known today within spiritual science. Because a person is connected to their ancestors in this way, the ancient Egyptians had people appear before forty-two judges of the dead after death in their Book of the Dead.

[ 25 ] Soll eine bestimmte Eigenschaft des Menschen herauskommen, so daß sie in das Volk hineingehört, dann müssen diese Vorfahren so liegen, daß alle diese einzelnen Glieder diese bestimmten Eigenschaften des Volkes zum Ausdruck bringen. Sollte der Zarathustra sich verkörpern, so mußte es sein in einer Hülle, die die wesentlichen Eigenschaften seines Volkes hatte.

[ 25 ] If a particular human trait is to emerge so that it becomes part of the people, then these ancestors must be such that all these individual members embody those specific traits of the people. If Zarathustra were to incarnate, it would have to be in a vessel that possessed the essential traits of his people.

[ 26 ] Darum läßt Matthäus den Zarathustra hineingeboren werden in das zweiundvierzigste Glied nach Abraham, das alle die Eigenschaften des Volkes hatte. Dadurch sind diese Einflüsse hineingekommen in die dritte Strömung.

[ 26 ] That is why Matthew has Zarathustra born into the forty-second generation after Abraham, a line that possessed all the characteristics of the people. In this way, these influences found their way into the third current.