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The Rudolf Steiner Archive

a project of Steiner Online Library, a public charity

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The Deeper Mysteries of Human Development
in the Light of the Gospels
GA 117

21 December 1909, Berlin

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11. Der Weihnachtsbaum — Ein Symbolum

11. The Christmas Tree — A Symbol

[ 1 ] An diesem Tage, der uns das Fest der Weihnacht darstellen soll, ist es wohl angemessen, ein wenig unsere sonstigen Gepflogenheiten dahin zu ändern, daß wir absehen von dem Suchen nach Erkenntnis und nach Wahrheit und statt dessen Einkehr halten in jene Gefühls- und Empfindungswelt, welche auferweckt werden soll durch jenes Licht, das wir aus der Geisteswissenschaft heraus erhalten.

[ 1 ] On this day, which is meant to symbolize the feast of Christmas, it is surely fitting that we alter our usual customs somewhat, so that we refrain from seeking knowledge and truth and instead turn our attention to that world of feelings and sensations which is to be awakened by the light we receive through spiritual science.

[ 2 ] Jenes Fest, das nun wieder herannaht und das unzähligen Menschen ein Fest der Beseligung im schönsten Sinne des Wortes ist, es ist in dem Sinne, wie es aufgefaßt werden muß durch unsere anthroposophische Weltanschauung, noch nicht ein sehr altes Fest. Was man die christliche Weihnacht nennt, war nicht sogleich da, als das Christentum in die Welt eingezogen ist. Die ersten Christen hatten ein solches Weihnachtsfest noch nicht. Sie feierten nicht die Geburt des Christus Jesus. Und es vergingen fast drei Jahrhunderte, bevor das Geburtsfest des Christus Jesus innerhalb der Christenheit gefeiert worden ist.

[ 2 ] That festival, which is now approaching once again and which is a celebration of joy in the truest sense of the word for countless people, is not yet a very old festival in the sense that it must be understood through our anthroposophical worldview. What is called Christian Christmas was not immediately present when Christianity entered the world. The first Christians did not yet have such a Christmas celebration. They did not celebrate the birth of Christ Jesus. And nearly three centuries passed before the feast of the birth of Christ Jesus was celebrated within Christianity.

[ 3 ] In den ersten Jahrhunderten, als das Christentum sich durch die Welt verbreitete, da war es entsprechend den Empfindungen und Gefühlen in den Seelen derer, welche den Christus-Impuls gefühlt hatten, daß sich diese Menschen recht sehr zurückzogen von dem in der damaligen Zeit statthabenden äußeren Leben, wie es sich seit alten Zeiten heraufverpflanzt hatte und wie es zur Zeit des ChristusImpulses geworden war. Denn als eine dunkle Ahnung stieg es in den Seelen der ersten Christen auf, daß sie entstehen lassen sollten den Impuls zu einer Neugestaltung der Erdendinge, zu einer solchen Gestaltung der Erdendinge, welche durchzogen ist gegenüber dem Früheren von neuen Empfindungen, neuen Gefühlen, vor allem aber von einer neuen Hoffnung und einer neuen Zuversicht für die Menschheitsentwickelung. Und was dann heraustreten sollte auf den Horizont des großen Weltendaseins, das sollte seinen Ausgangspunkt nehmen wie ein geistiger Keim - wir können sagen «buchstäblich» — im Innern der Erde.

[ 3 ] In the early centuries, as Christianity spread throughout the world, the sentiments and feelings in the souls of those who had sensed the Christ impulse led these people to withdraw quite significantly from the outward life that prevailed at that time—a life that had been handed down from ancient times and had taken shape by the time of the Christ impulse. For a dark premonition arose in the souls of the first Christians that they should give rise to the impulse for a new shaping of earthly things—a shaping of earthly things that, in contrast to the past, is permeated by new sensations, new feelings, and above all by a new hope and a new confidence in the development of humanity. And what was then to emerge on the horizon of the great world existence was to take its starting point—we might say “literally”—as a spiritual seed within the Earth.

[ 4 ] Wir haben uns ja schon öfter im Geiste versetzt in die römischen Katakomben, wo abgeschlossen von dem damaligen Leben die ersten Christen feierten die Feier ihrer Herzen und die Feier ihrer Seelen. Wir haben uns im Geiste hineinversetzt in diese Andachtsstätten. Da wurden zuerst nicht Geburtsfeste gefeiert; höchstens waren es die Sonntagsfeste jeder Woche, um jede Woche einmal zu gedenken des großen Ereignisses von Golgatha. Und außerdem wurden noch gefeiert in den ersten Jahrhunderten die Totenfeiern derjenigen, die mit besonderer Begeisterung, mit tiefem Gefühl von diesem Ereignis von Golgatha gesprochen hatten, und die in bedeutungsvoller Weise eingegriffen hatten in den Gang der Menschheitsentwickelung, so daß sie verfolgt wurden von der altgewordenen Welt. Die Todestage der Märtyrer, da diese Märtyrer eingezogen waren in das Geistesleben, wurden in den ersten Jahrhunderten als die Geburtstage der Menschheit von den ersten Christen gefeiert.

[ 4 ] We have often imagined ourselves in the Roman catacombs, where, cut off from the life of that time, the first Christians celebrated the feast of their hearts and the feast of their souls. We have transported ourselves in spirit to these places of worship. At first, no birthdays were celebrated there; at most, there were the Sunday services each week, to commemorate the great event of Golgotha once a week. And in addition, during the first centuries, memorial services were held for those who had spoken of the event at Golgotha with particular enthusiasm and deep feeling, and who had significantly influenced the course of human development, so that they were persecuted by the world that had grown old. The anniversaries of the martyrs’ deaths—since these martyrs had entered into the spiritual life—were celebrated by the first Christians in the early centuries as the birthdays of humanity.

[ 5 ] Damals gab es auch noch kein Christgeburtstagsfest. Aber gerade die Entstehung dieses Christgeburtstagsfestes kann uns zeigen, wie wir auch heute noch ein volles Recht haben, zu sagen: Das Christentum ist nicht mit diesem oder jenem Dogma, mit dieser oder jener Einrichtung einmal da, und diese Einrichtungen und diese Dogmen haben sich nur fortzupflanzen von Geschlecht zu Geschlecht -, sondern wir haben ein Recht, uns zu berufen auf Christi Ausspruch, daß er bei uns ist, daß er uns mit seinem Geiste erfüllt alle Tage. Wenn wir diesen Geist bei uns erfüllt fühlen, so dürfen wir uns berufen halten zu einer stetigen und nimmer aufhörenden Fortentwickelung des christlichen Geistes. Und gerade durch die anthroposophische Geistesentwickelung sind wir berufen, nicht ein totes, starres Christentum fortzupflanzen, sondern ein immer neues Christentum, das immer neue Weistümer und Erkenntnisse hervortreibt aus sich selber, in die Zukunft hinein zu entwickeln. Niemals sprechen wir von dem gewesenen Christus, sondern immer von dem ewig lebendigen Christus. Und wir dürfen uns an den ewig lebendigen, den ewig wirksamen Christus, an den in uns arbeitenden Christus insbesondere dann erinnern, da wir sprechen von dem Geburtsfest des Christus Jesus. Schon in den ersten Jahrhunderten fühlten es die Christen, daß sie durften Neues einprägen dem Organismus der christlichen Entwickelung, daß sie hinzufügen durften dasjenige, was ihnen aus dem Geiste Christi wirklich zuströmt.

[ 5 ] Back then, there was no Christmas celebration either. But the very origins of this Christmas celebration can show us how we still have every right today to say: Christianity does not consist merely in this or that dogma, in this or that institution—which simply must be passed down from generation to generation—but we have the right to rely on Christ’s promise that he is with us, that he fills us with his Spirit every day. If we feel this Spirit filling us, then we may consider ourselves called to a constant and never-ending further development of the Christian spirit. And it is precisely through anthroposophical spiritual development that we are called not to perpetuate a dead, rigid Christianity, but to develop into the future an ever-new Christianity that brings forth ever-new wisdom and insights from within itself. We never speak of the Christ who once was, but always of the eternally living Christ. And we may recall the eternally living, the eternally active Christ, the Christ working within us, especially when we speak of the feast of the Nativity of Christ Jesus. Already in the first centuries, Christians felt that they were permitted to imprint something new upon the organism of Christian development, that they were permitted to add that which truly flows to them from the Spirit of Christ.

[ 6 ] So ist denn das Weihnachtsfest erst eine Einrichtung des 4. christlichen Jahrhunderts. Wir können sagen, im Jahre 354 wurde in Rom die erste christliche Weihnacht gefeiert. Und es zeigt sich uns insbesondere, daß in einer weniger kritischen Zeit als die unsrige es ist, die Bekenner des Christentums durchdrungen waren von der richtig ahnenden Erkenntnis, daß sie dem großen christlichen Lebensbaum immer neue Früchte entlocken sollten. Deshalb dürfen wir vielleicht dabei auch gedenken eines äußeren Symbols der Weihnacht, des Symbols des Weihnachtsbaumes, das wir hier vor uns haben, das unzählige Menschen in den nächsten Tagen vor sich haben werden und welches die Geisteswissenschaft berufen ist, immer tiefer und tiefer in seiner besonderen Bedeutung den Herzen und Seelen der Menschen einzuprägen.

[ 6 ] Thus, the celebration of Christmas is actually a tradition dating back to the 4th century. We can say that the first Christian Christmas was celebrated in Rome in the year 354. And it becomes particularly clear to us that, in an era less critical than our own, the followers of Christianity were imbued with the intuitive realization that they should continually draw fresh fruit from the great Christian tree of life. Therefore, we may perhaps also reflect on an outward symbol of Christmas, the symbol of the Christmas tree, which we have here before us, which countless people will have before them in the coming days, and which spiritual science is called upon to impress ever more deeply into the hearts and souls of people in its special significance.

[ 7 ] Wir könnten fast mit der Zeitentwickelung in Widerspruch kommen, wenn wir uns gerade an dieses Symbolum hielten. Es wäre ein Irrtum, zu glauben, daß dieses Symbolum ein altes sei. Es könnte ja leicht in der Seele des heutigen Menschen der Glaube entstehen, der poetische Tannenbaum in der Weihnacht sei eine uralte Einrichtung. Es gibt ein Bild, welches darstellt den Weihnachtsbaum in der Familienstube Luthers. Dieses Bild, das natürlich erst im 19. Jahrhundert gemalt worden ist, stellt etwas durchaus Falsches dar, denn im weiten Umkreis der deutschen Lande wie auch in den andern Gegenden Europas gab es einen solchen Weihnachtsbaum zu Luthers Zeit noch nicht. Er ist erst ein späteres Symbolum. Gerade dieser Weihnachtsbaum zeigt uns vielleicht etwas ganz Merkwürdiges. Können wir nicht vielleicht auch so sagen, daß der Weihnachtsbaum heute etwas ist, was in dem Sinne als zukunftverheißend aufgefaßt werden könnte, daß die Menschen immer mehr in diesem Weihnachtsbaum sehen könnten, vielleicht nach und nach sehen könnten ein Sinnbild für etwas außerordentlich Bedeutungsvolles und Wichtiges?

[ 7 ] We might almost find ourselves at odds with the course of history if we were to cling strictly to this symbol. It would be a mistake to believe that this symbol is an ancient one. Indeed, the belief could easily take root in the minds of people today that the poetic Christmas tree is an age-old tradition. There is a painting depicting a Christmas tree in Luther’s family parlor. This painting, which of course was not created until the 19th century, depicts something entirely false, for in the vast expanse of the German lands as well as in other regions of Europe, such a Christmas tree did not yet exist in Luther’s time. It is only a later symbol. This very Christmas tree, however, may reveal something quite remarkable to us. Might we not also say that the Christmas tree today is something that could be viewed as promising for the future, in the sense that people might increasingly see in this Christmas tree—perhaps gradually—a symbol of something extraordinarily significant and important?

[ 8 ] Da dürfen wir die Blicke auf diesen Weihnachtsbaum richten, wenn wir uns keiner Illusion in bezug auf sein historisches Alter hingeben und dürfen uns dabei in gewisser Weise in Erinnerung rufen, was uns schon öfter vor die Seele getreten ist, die sogenannte Heilige Legende. Sie erzählt uns: Als Adam aus dem Paradiese vertrieben worden war — die Legende erzählt es in der mannigfaltigsten Weise, wir wollen es jetzt nur so kurz als möglich wiedergeben -, da habe er mitgenommen drei Samenkörner von dem Baume des Lebens, wovon die Menschen nicht essen sollten, nachdem sie von dem Baume der Erkenntnis des Guten und Bösen gegessen hatten. Als Adam dann gestorben war, nahm Seth diese drei Samenkörner und senkte sie in Adams Grab, und daraus wuchs aus dem Grabe Adams heraus ein Baum. Aus dem Holze dieses Baumes - so erzählt die Legende - ist mancherlei gebildet worden: Moses habe aus diesem Holze seinen Stab gebildet, und später sei aus diesem Baume auch das Holz genommen worden zu dem Kreuze von Golgatha.

[ 8 ] We may turn our gaze to this Christmas tree, provided we do not delude ourselves regarding its historical age, and in doing so we may, in a certain sense, recall what has often come to mind: the so-called Holy Legend. It tells us: When Adam was driven out of Paradise—the legend recounts it in many different ways, but let us now summarize it as briefly as possible—he took with him three seeds from the Tree of Life, which humans were not to eat after they had eaten from the Tree of the Knowledge of Good and Evil. When Adam had died, Seth took these three seeds and placed them in Adam’s grave, and from them a tree grew out of Adam’s grave. From the wood of this tree—so the legend tells—many things were made: Moses fashioned his staff from this wood, and later the wood for the cross of Golgotha was also taken from this tree.

[ 9 ] So erinnert uns eine Legende in bedeutsamer Weise an jenen Paradiesesbaum, der als der zweite dastand: Die Menschen hatten genossen von dem Baume der Erkenntnis, entzogen wurde ihnen der Genuß vom Baume des Lebens. Aber es blieb in den Herzen der Menschen immerdar eine Sehnsucht, ein Trieb nach jenem Baum. Hinausgetrieben aus den geistigen Welten, die mit dem «Paradiese» bezeichnet werden, in die äußere Erscheinungswelt, fühlten die Menschen in ihren Herzen den Trieb hin zu dem Baume des Lebens. Was sie nicht haben durften ohne ihr Verdienst, ohne ihre Entwickelung, das sollten sie sich dadurch erringen, daß sie sich nach und nach mit Hilfe der Erkenntnis Verdienste erwarben, daß sie nach und nach durch ihre Arbeit auf dem physischen Plan sich reif und fähig machten, die Früchte des Baumes des Lebens zu empfangen.

[ 9 ] Thus, a legend reminds us in a significant way of that tree of paradise, which stood as the second: People had eaten from the tree of knowledge, and the enjoyment of the tree of life was taken from them. But a longing, a yearning for that tree, remained forever in the hearts of people. Driven out of the spiritual worlds designated as “Paradise” into the outer world of phenomena, people felt in their hearts the urge toward the Tree of Life. What they were not permitted to have without merit, without their own development, they were to attain by gradually earning merit through knowledge, by gradually making themselves ripe and capable, through their work on the physical plane, to receive the fruits of the Tree of Life.

[ 10 ] Jene drei Samenkörner repräsentieren uns die Sehnsucht nach den Früchten des Baumes des Lebens. Die Legende erzählt uns, daß in dem Holze des Kreuzes dasjenige enthalten war, was aus dem Baume des Lebens stammte. Und man hat ein Bewußtsein dafür gehabt durch die ganze Entwickelung hindurch, daß das dürre Kreuzesholz dennoch den Keim des neuen geistigen Lebens enthält, daß daraus hervorwachsen soll dasjenige, was die Menschen, wenn sie es in der richtigen Weise genießen, mit ihrer Seele vereinigen können als die Frucht vom Baum des Lebens, als die Frucht, die ihnen Unsterblichkeit gibt im wahren Sinne des Wortes, die ihnen das Licht der Seele anzündet und die Seele so erleuchtet, daß sie den Weg findet aus den dunklen Tiefen der physischen Welt in die lichten Höhen des geistigen Daseins und sich dort fühlt als Angehörige eines unsterblichen Lebens.

[ 10 ] Those three seeds symbolize our longing for the fruits of the Tree of Life. The legend tells us that the wood of the cross contained that which originated from the Tree of Life. And throughout the entire course of evolution, there has been an awareness that the dry wood of the cross nevertheless contains the seed of new spiritual life, that from it shall grow that which, when people partake of it in the right way, can unite with their soul as the fruit of the Tree of Life, as the fruit that grants them immortality in the true sense of the word, that kindles the light of the soul within them and illuminates the soul so that it finds the way from the dark depths of the physical world to the luminous heights of spiritual existence and feels itself there as a member of an immortal life.

[ 11 ] Ohne daß wir uns einer Illusion hingeben, dürfen wir - wenn auch nicht als Historiker, so doch als fühlende Menschen - in dem Baume, der als Weihnachtsbaum vor uns steht, etwas fühlen wie ein Symbolum jenes Lichtes, das im Inneren unserer Seele aufgehen soll, damit es uns die Unsterblichkeit im geistigen Dasein erwerbe. Wir blicken in unser Inneres, und wir fühlen uns durch die anthroposophische Geistesströmung durchdrungen von jener Kraft, die uns in die geistige Welt hinaufblicken läßt. Wir sehen dann auf jenes äußere Symbolum, das wir als den Weihnachtsbaum vor uns stehen haben, und dürfen uns sagen: Er sei uns ein Symbolum für das, was in unseren Seelen leuchten und brennen soll, um uns hinaufzutragen in die geistige Welt!

[ 11 ] Without succumbing to illusion, we may—if not as historians, then at least as sentient human beings—perceive in the tree standing before us as a Christmas tree something akin to a symbol of that light which is to dawn within our souls, so that it may secure for us immortality in the spiritual realm. We look within ourselves, and through the anthroposophical spiritual current we feel permeated by that power which enables us to look up into the spiritual world. We then look at that outward symbol standing before us as the Christmas tree and may say to ourselves: May it be a symbol for what is to shine and burn within our souls, to carry us up into the spiritual world!

[ 12 ] Dieser Baum ist sozusagen auch entsprossen wie aus dunklen Tiefen. Nur jene Menschen mögen eine solche unhistorische Anschauungsweise tadeln, wie sie eben gekennzeichnet worden ist, die nicht wissen, daß dasjenige, dessen äußere Gründe physisches Erkennen nicht einsieht, dennoch seine tieferen geistigen Gründe hat. Dem äußeren Auge mag es sich entziehen, wie dieser Weihnachtsbaum sich merkwürdig hineinschleicht in das äußere menschliche Leben. Er hat sich in verhältnismäßig kurzer Zeit als ein beseligender Brauch eingeführt in den allgemeinen Weltenverkehr. Äußerlich mag es sich dem Auge entziehen; aber wer da weiß, daß alle äußeren Ereignisse Abdrücke eines geistigen Werdeganges sind, der muß fühlen, daß auch vielleicht ein besonderer tieferer Grund im äußeren physischen Plan vorlag für das Auftreten des Weihnachtsbaumes: daß das Auftreten des Weihnachtsbaumes herausgekommen ist wie aus einem tiefen geistigen Impuls, der unsichtbar die Menschen führt und vielleicht sogar unfühlbar einzelnen recht empfindenden Seelen die Inspiration eingegeben hat, das innere Licht, das in der Welt leuchten soll, in dem wunderschönen Weihnachtsbaum zum äußeren Ausdruck zu bringen. Und wenn ein solches Wissen zur Weisheit erwacht, dann kann dieser Baum durch unseren Willen ein äußeres Symbolum auch für das Höchste werden.

[ 12 ] This tree, so to speak, has also sprung up as if from dark depths. Only those who do not realize that what physical perception cannot grasp has deeper spiritual reasons might criticize such an ahistorical view as has just been described. To the outward eye, it may remain hidden how this Christmas tree has strangely crept into outward human life. In a relatively short time, it has established itself as a joyful custom in the general course of world affairs. Outwardly, it may elude the eye; but whoever knows that all outward events are imprints of a spiritual process must feel that perhaps there was also a special, deeper reason on the outer physical plane for the emergence of the Christmas tree: that the emergence of the Christmas tree arose as if from a deep spiritual impulse that invisibly guides humanity and may even have imperceptibly inspired certain highly sensitive souls to express outwardly, in the beautiful Christmas tree, the inner light that is meant to shine in the world. And when such knowledge awakens into wisdom, then through our will this tree can also become an outward symbol of the Highest.

[ 13 ] Soll Anthroposophie Weisheit sein, so darf sie tätige Weisheit sein und weisheitsvoll durchdringen, das heißt, vergolden die äußeren Eindrücke und Gebräuche. So darf vielleicht Anthroposophie, indem sie nach und nach erwärmend und erleuchtend sich ausbreitet über die Herzen und Seelen der Menschen der Gegenwart und der Zukunft, auch den so materialistisch gewordenen äußerlichen Gebrauch des Weihnachtsbaumes vergolden, mit ihrer Weisheit durchdringen, und mag ihn zu einem wichtigsten Symbolum machen, nachdem er wie aus dunklen Untergründen der Seele im Laufe der allerletzten Zeiten in das Erdenleben seinen Einzug gehalten hat. Und wenn wir dennoch vielleicht etwas tiefer schürfen und voraussetzen, daß eine tiefere geistige Leitung die Impulse gelegt hat in die menschlichen Herzen, erweist es sich uns auch nicht ganz ohne Grund, wenn die Menschen die Gedanken, die ihnen von einer geistigen Leitung eingegeben sind, ausleben in tieferen Empfindungen an dem brennenden Baum.

[ 13 ] If anthroposophy is to be wisdom, it must be active wisdom that permeates everything with wisdom—that is, it must imbue external impressions and customs with a golden glow. Thus, perhaps, as anthroposophy gradually spreads, warming and enlightening the hearts and souls of people in the present and the future, it may also gild the now so materialistic external custom of the Christmas tree, permeate it with its wisdom, and make it a most important symbol, after it has made its way into earthly life from the dark depths of the soul in the course of the very latest times. And if we nevertheless dig a little deeper and assume that a deeper spiritual guidance has planted the impulses in human hearts, it does not seem entirely without reason to us that people live out the thoughts inspired in them by a spiritual guidance in deeper feelings as they gaze upon the burning tree.

[ 14 ] Es ist ja ein alter Gebrauch auch schon in den verschiedensten Ländern Europas gewesen, daß man die ganzen Wochen vor dem Weihnachtsfest gesucht hat nach allerlei Baumsprossen, nach allerlei Sträuchern, die meistens Laubpflanzen entnommen waren, welche in der Christnacht zum Aufbrechen oder wenigstens zum Sprossentreiben gebracht werden konnten. Und in gar mancher Seele entstand etwas von der Ahnung des niemals besiegbaren Lebens, jenes Lebens, das Sieger sein soll über allen Tod, wenn in der Christweihnacht die sorgfältig gesammelten Sprossen oder Zweige der Bäume in der Stube feierlich standen und künstlich in der Nacht des tiefsten Sonnenstandes zum Aufbrechen gebracht worden sind. Das war ein alter Gebrauch. Aber der Weihnachtsbaum selber ist jüngeren Datums. Wo haben wir den Gebrauch des Weihnachtsbaumes zuerst zu suchen?

[ 14 ] It has long been a custom in many different countries of Europe to spend the weeks leading up to Christmas searching for all manner of tree shoots and shrubs—mostly deciduous plants—that could be brought to bloom or at least to sprout by Christmas Eve. And in many a soul, a sense of the indomitable life arose—that life which is to triumph over all death—when, on Christmas Eve, the carefully gathered shoots or branches of the trees stood solemnly in the living room and were artificially brought to bud on the night of the winter solstice. That was an old custom. But the Christmas tree itself is of more recent origin. Where should we first look for the origin of the Christmas tree?

[ 15 ] Wir wissen von der eindringlichen Sprache, die unsere großen deutschen Mystiker geführt haben, insbesondere von Johannes Tauler, der im Elsaß gewirkt hat. Wer die Predigten Johannes Taulers mit ihrer tiefen Innerlichkeit, mit ihrem unendlichen Gefühlswert auf sich wirken läßt, der wird sich sagen, daß dazumal im Elsaß, als Tauler die Vertiefung und Vergeistigung, sogar die Verherzlichung des Christentumes anstrebte, ein ganz besonderer Geist umging, der überall die Seele suchte, die erfüllt war von dem Mysterium von Golgatha. Als Tauler seine Predigten zu Straßburg gehalten hat, da haben sich seine eindringlichen Feuerworte tief in die Seelen hinein versenkt, und mancher bleibende Eindruck mag manchmal in den Seelen der Menschen ersprossen sein. Mancher Eindruck mag von dem gekommen sein, was Johannes Tauler auch oft in seinen wunderschönen Weihnachtspredigten gesagt hat. Dreimal, so sagte er, wird der Gott für die Menschen geboren: zuerst, indem er abstammt von dem Vater, von dem großen Weltenall; dann, indem er zu den Menschen heruntergedrungen ist und menschliche Hüllen angenommen hat, und zum drittenmal wird der Christus in jeder menschlichen Seele geboren, die in sich selber die Möglichkeit findet, dasjenige, was Gottesweisheit ist, mit sich zu vereinigen und in sich einen höheren Menschen zu gebären.

[ 15 ] We are familiar with the powerful language used by our great German mystics, particularly Johannes Tauler, who was active in Alsace. Anyone who allows Johannes Tauler’s sermons—with their profound inwardness and their infinite emotional depth—to take effect upon them will realize that back then in Alsace, when Tauler sought the deepening, spiritualization, and even the heartening of Christianity, a very special spirit was at work, seeking everywhere the soul that was filled with the mystery of Golgotha. When Tauler delivered his sermons in Strasbourg, his powerful, fiery words sank deep into people’s souls, and many lasting impressions may have taken root there. Some of these impressions may have stemmed from what Johannes Tauler often said in his beautiful Christmas sermons. Three times, he said, is God born for humanity: first, by descending from the Father, from the great universe; then, by coming down to humanity and taking on human form; and for the third time, Christ is born in every human soul that finds within itself the capacity to unite with that which is God’s wisdom and to give birth to a higher human being within itself.

[ 16 ] In allen möglichen schönen, feierlichen Wendungen sprach Johannes Tauler gerade in der Gegend von Straßburg die tiefste Weisheit aus, insbesondere am Weihnachtstage. Gerade eine solche tiefe Weisheit mag sich in die Seelen gesenkt haben, und sie mag geblieben sein und nachgewirkt haben. Auch die Gefühle haben ihre Traditionen. Von Jahrhundert zu Jahrhundert mag nachgewirkt haben, was dazumal in die Seelen gesenkt worden ist. So mag das Gefühl, das sich dazumal in die Menschenseelen gesenkt hat, es mag wie alle wirklichen, vom Geist durchdrungenen Gefühle sich gedrängt haben in Auge und Hand, mag dem Auge das Gefühl eingegeben haben, auch im äußeren Sinnbild zu schauen die Auferstehung, die Geburt des menschlichen Geisteslichtes. Deshalb ist es vielleicht für das materialistische Denken ein schöner Zufall, aber für den, der weiß, wie die geistige Führung durch alles Physische durchgeht, ist es mehr als ein bloßer Zufall, wenn wir hören, daß die ersten Nachrichten von einem Weihnachtsbaum, der in einer deutschen Stube gestanden habe, aus dem Elsaß stammen, und zwar aus Straßburg. 1642 haben wir die allererste Nachricht darüber, daß ein solcher Weihnachtsbaum in einem Hause gestanden habe zur inneren Beseligung derer, die an einem äußeren Sinnbild sehen wollten das Licht, das in uns selber erweckt werden soll durch die Aufnahme der geistigen Weisheit.

[ 16 ] Using all manner of beautiful, solemn expressions, Johannes Tauler conveyed the deepest wisdom, particularly in the Strasbourg region, and especially on Christmas Day. It is precisely such profound wisdom that may have sunk into people’s souls, and it may have remained there and continued to have an effect. Feelings, too, have their traditions. What was once instilled in people’s souls may have continued to have an effect from century to century. Thus, the feeling that sank into people’s souls back then—like all true feelings imbued with the spirit—may have found its way into the eye and the hand, may have inspired the eye to see, even in the outer symbol, the Resurrection, the birth of the light of the human spirit. Therefore, while it may be a pleasant coincidence for materialistic thinking, for those who know how spiritual guidance permeates all physical things, it is more than a mere coincidence when we hear that the first reports of a Christmas tree standing in a German living room come from Alsace, specifically from Strasbourg. In 1642 we have the very first record that such a Christmas tree stood in a home for the inner delight of those who wished to see in an outward symbol the light that is to be awakened within ourselves through the reception of spiritual wisdom.

[ 17 ] Wie die deutsche Mystik von jenem Christentum, das an den äußeren Formen klebt, schlimm aufgenommen ist, das sehen wir zum Beispiel an Meister Eckhart, dem großen Vorgänger Johannes Taulers: er wurde noch nach dem Tode zum Ketzer erklärt, nachdem man vergessen hatte, es bei seinen Lebzeiten zu tun. Und die Feuerworte Johannes Taulers, die aus einem wirklichen christerfüllten Herzen hervorgegangen sind, fanden auch wenig Anerkennung. Wie jenes äußere Christentum, das nicht an den wirklichen Geist glaubt, zu der Vertiefung des Christentums durch Meister Eckhart, Johannes Tauler und so weiter sich gestellt hat, das sehen wir daraus, daß uns die erste Nachricht vom Weihnachtsbaum verkündet wird von einem geistigen Gegner. Der Betreffende meinte, das wäre ein Kinderspiel; die Leute sollten lieber dahin gehen, wo sie hörten, wie ihnen die richtige Lehre verkündet wird.

[ 17 ] We can see just how poorly German mysticism was received by that form of Christianity which clings to outward forms, for example, in the case of Meister Eckhart, the great predecessor of Johannes Tauler: he was declared a heretic even after his death, after people had forgotten to do so during his lifetime. And Johannes Tauler’s fiery words, which sprang from a heart truly filled with Christ, also found little recognition. We can see how that external Christianity, which does not believe in the true Spirit, reacted to the deepening of Christianity by Meister Eckhart, Johannes Tauler, and others from the fact that the first mention of the Christmas tree is reported to us by a spiritual opponent. The person in question thought this was child’s play; people should rather go where they could hear the true doctrine being preached to them.

[ 18 ] Langsam hat sich zunächst dieser Weihnachtsbaum verbreitet. Wir sehen ihn in Mitteldeutschland auftreten um die Mitte des 18. Jahrhunderts, aber auch da nur an einzelnen Orten. Erst gegen das 19. Jahrhundert zu wird der Weihnachtsbaum dieser immer häufigere geistige Schmuck der Weihnacht, ein neueres Symbolum für etwas, was durch Jahrhunderte hindurch gelebt hat. Bei denjenigen, welche so recht fühlen konnten alle Dinge im Glanze, nicht des Wortchristentums, sondern im Glanze des echten geistigen Christentums, bei denen war es immer so, daß der Weihnachtsbaum auslösen konnte schöne menschliche Gefühle. Und Sie werden es ohne weiteres glauben, daß der Weihnachtsbaum so jungen Datums ist, wenn Sie sich vor die Seele führen, daß die größten deutschen Dichter kein Gedicht geschrieben haben über den Weihnachtsbaum. Wäre er schon früher dagewesen, so würde ein Klopstock zum Beispiel sich gewiß über dieses Symbolum haben dichterisch vernehmen lassen. Daher sei uns auch dieser Weihnachtsbaum eine Bürgschaft dafür, daß Symbole für das Höchste und das Größte neu erstehen können. Und diese Symbole können uns besonders dann vor die Seele treten, wenn wir fühlen die geistige Wahrheit von der Auferweckung des Ich in der Menschenseele, jenes Ich, das die geistigen Bande fühlt von Seele zu Seele, und sie besonders dann recht fühlt, wenn edle Menschen zusammen wirken.

[ 18 ] At first, the Christmas tree spread slowly. We see it appearing in central Germany around the middle of the 18th century, but even then only in isolated places. It was not until the 19th century that the Christmas tree became the increasingly common spiritual adornment of Christmas, a newer symbol of something that has been cherished for centuries. For those who were truly able to feel all things in the radiance—not of nominal Christianity, but in the radiance of genuine spiritual Christianity—it was always the case that the Christmas tree could evoke beautiful human feelings. And you will readily believe that the Christmas tree is of such recent origin if you consider that the greatest German poets have not written a single poem about the Christmas tree. Had it existed earlier, a poet like Klopstock, for example, would certainly have expressed himself poetically on this symbol. Therefore, let this Christmas tree also be a guarantee to us that symbols for the highest and the greatest can arise anew. And these symbols can come to the fore in our souls especially when we feel the spiritual truth of the awakening of the “I” in the human soul—that “I” which feels the spiritual bonds from soul to soul, and feels them most keenly when noble people work together.

[ 19 ] Nur ein Beispiel sei erwähnt, an dem wir sehen können, wie in die Seele eines großen Menschheitsführers das Licht des Weihnachtsbaumes hineingeleuchtet hat. Im Jahre 1822 war es, daß Goethe, dem wir so oft schon da begegneten, wo wir das Geistesleben im Lichte der Anthroposophie betrachteten, beim Abschlusse seines «Faust» so recht fühlte, wie die christlichen Symbole die einzig möglichen waren, um seine poetischen Intentionen darzustellen. Und er fühlte auch so recht, wie das Christentum die edelsten Bande schlingen muß von Menschenseele zu Menschenseele, wie es jene Bande der Bruderliebe zu begründen hat, die nicht an das Blut, sondern die an die Seele gebunden sind, die an den Geist gefügt sind. Wir fühlen, was in dem Christentum noch als Impuls liegt, wenn wir an den Schluß der Evangelien denken. Vom Kreuz von Golgatha herab sieht der Christus Jesus die Mutter, sieht den Sohn, und da stiftet er jene Gemeinschaft, die vorher nur durch das Blut gestiftet worden ist. Ein Sohn wurde der Mutter, eine Mutter wurde dem Sohn vorher nur durch das Blut gegeben. Die Blutsbande sollen nicht durch das Christentum aufgehoben werden. Bleiben sollen die Blutsbande. Aber die geistigen Bande sollen hinzukommen, welche die Blutsbande überstrahlen mit geistigem Lichte. Daher sprach der Christus Jesus vom Kreuz herab die Worte: «Weib, siehe, das ist dein Sohn!», und zu dem Jünger: «Siehe, das ist deine Mutter!» Was früher nur die Blutsbande gestiftet haben, das wird vom Kreuz herab gestiftet durch geistige Bande.

[ 19 ] Let us mention just one example that shows how the light of the Christmas tree shone into the soul of a great leader of humanity. It was in 1822 that Goethe, whom we have so often encountered when considering spiritual life in the light of anthroposophy, felt so deeply at the conclusion of his *Faust* that Christian symbols were the only possible means of expressing his poetic intentions. And he also truly felt how Christianity must forge the noblest bonds from human soul to human soul, how it must establish those bonds of brotherly love that are not bound by blood, but by the soul, joined to the spirit. We sense what still lies as an impulse within Christianity when we think of the conclusion of the Gospels. From the cross on Golgotha, Christ Jesus sees the mother, sees the son, and there he establishes that communion which had previously been established only through blood. A son was given to the mother, a mother was given to the son, previously only through blood. The bonds of blood are not to be abolished by Christianity. The bonds of blood are to remain. But spiritual bonds are to be added, which outshine the blood ties with spiritual light. Therefore, Christ Jesus spoke from the cross the words: “Woman, behold, this is your son!” and to the disciple: “Behold, this is your mother!” What was previously established only by blood ties is now established from the cross through spiritual bonds.

[ 20 ] Wo der Geist in edler geistiger Gemeinschaft lebt, da fühlte sich auch Goethe immerdar gedrängt, hinzublicken zum echten christlichen Geist. Für ihn war es auch ein Bedürfnis, diesen christlichen Geist vom Herzen in die Augen dringen zu lassen. 1822 hatte er einen besonderen Anlaß dazu. Die Menschen jenes Fürstentums, dem Goethe so viel seiner Kraft gewidmet hat, hatten sich zusammengetan, um eine höhere Bürgerschule zu begründen. Es war gleichsam ein Geschenk, das dem Fürsten von Weimar gemacht wurde. Goethe hat nicht besser gewußt diesen kleinen Impuls des geistigen Fortschrittes zu feiern, als daß er vor dem Weihnachtsfest eine Anzahl von Menschen aufrief, diesen Fortschritt des Geistes in einzelnen Dichtungen zu feiern, wie sie es nach ihrem Können imstande waren. Dann sammelte er diese aus dem Volke entsprungenen Dichtungen, gab ihnen selber eine poetische Vorrede, und der spätere Großherzog Karl Alexander, der damals ein dreijähriger Knabe war, mußte das Büchlein dem Fürsten Karl August unter dem Weihnachtsbaum überreichen. Denn der Weihnachtsbaum war 1822 bereits ein ständiges Symbolum.

[ 20 ] Wherever the spirit thrives in noble intellectual fellowship, Goethe always felt compelled to look toward the true Christian spirit. For him, it was also a necessity to let this Christian spirit flow from his heart into his eyes. In 1822, he had a special occasion to do so. The people of that principality, to which Goethe had devoted so much of his energy, had come together to establish a higher civic school. It was, as it were, a gift presented to the Prince of Weimar. Goethe could think of no better way to celebrate this small impulse of intellectual progress than to call upon a number of people before Christmas to celebrate this progress of the spirit in individual poems, as best they could. He then collected these poems, which had sprung from the people, wrote a poetic preface for them himself, and the future Grand Duke Karl Alexander, who was a three-year-old boy at the time, was to present the little book to Prince Karl August under the Christmas tree. For by 1822, the Christmas tree had already become a permanent symbol.

[ 21 ] Goethe hat mit dieser kleinen Tat angezeigt, daß ihm der Weihnachtsbaum ein Symbolum ist für das Fühlen und Empfinden des geistigen Fortschrittes im Kleinen und im Großen. Und in der poetischen Vorrede, die er diesem kleinen Büchlein gegeben hat, das heute noch in der Bibliothek zu Weimar vorhanden ist, hat Goethe den Weihnachtsbaum als dieses Symbol besungen mit den Worten:

[ 21 ] With this small gesture, Goethe indicated that the Christmas tree was for him a symbol of the feeling and perception of spiritual progress, both on a small and a large scale. And in the poetic preface he wrote for this little book—which is still preserved today in the library in Weimar—Goethe celebrated the Christmas tree as this symbol with the words:

Bäume leuchtend, Bäume blendend,
Überall das Süße spendend,
In dem Glanze sich bewegend,
Alt- und junges Herz erregend —
Solch ein Fest ist uns bescheret,
Mancher Gaben Schmuck verehret;
Staunend schaun wir auf und nieder,
Hin und her und immer wieder.

Aber, Fürst, wenn dir’s begegnet
Und ein Abend so dich segnet,
Daß als Lichter, daß als Flammen
Vor dir glänzten allzusammen
Alles, was du ausgerichtet,
Alle, die sich dir verpflichtet:
Mit erhöhten Geistesblicken
Fühltest herrliches Entzücken.

Trees glowing, trees dazzling,
Bestowing sweetness everywhere,
Moving in the radiance,
Stirring hearts both old and young —
Such a feast is bestowed upon us,
Adorned with many gifts;
In wonder we look up and down,
Back and forth, again and again.

But, Prince, if it should happen to you
And an evening should bless you so,
That like lights, like flames
All together shone before you
All that you have accomplished,
All who are devoted to you:
With a spirit’s gaze lifted high
You felt a glorious rapture.

[ 22 ] Wir dürfen dieses Gedicht unseres Goethe sozusagen mit unter die ersten Weihnachtsdichtungen zählen. Wenn wir auf dem Felde der Geisteswissenschaft von Sinnbildern reden, dürfen wir auch davon sprechen, daß Sinnbilder, die wie unbewußt oder unterbewußt heraufdringen in die Seelen der Menschen, hineintreten in den Lauf der Zeit, vergoldet, mit Weisheit umkleidet werden dürfen.

[ 22 ] We may, so to speak, count this poem by Goethe among the earliest Christmas poems. When we speak of symbols in the field of spiritual science, we may also say that symbols which rise up into the souls of human beings—as if unconsciously or subconsciously—enter the flow of time, gilded and clothed in wisdom.

[ 23 ] So sehen wir im 4. Jahrhundert erst die christliche Weihnacht entstehen, sehen, wie sie dazumal zuerst in Rom gefeiert wurde. Und fast wiederum wie eine Schickung muß es angesehen werden, daß in ein uraltes Fest hinein — nicht auf äußerliche materialistische Weise, sondern durch eine geheimnisvolle Schickung — das Weihnachtsfest hineingeschoben wird für die Gegenden Mittel- und Nordeuropas in eine Zeit hinein, wo seit alters her der tiefste Sonnenstand gefeiert wurde: das Wintersonnenfest. Man darf nicht glauben, daß etwa das Weihnachtsfest in Mittel- und Nordeuropa in dieses Fest, in diese Zeit verlegt worden wäre, weil man das alte Fest hätte umwandeln wollen in das Weihnachtsfest, sozusagen um die Völker zu versöhnen. Das Weihnachtsfest wurde rein herausgeboren aus dem Christentum. Gerade durch die Aufnahme des Weihnachtsfestes in den nordischen Gegenden hat sich gezeigt die tiefe geistige Verwandtschaft dieser Völker und ihrer Sinnbilder zu dem Christentum. Während zum Beispiel in Armenien das Weihnachtsfest gar nicht als Gebrauch aufgenommen wurde, und selbst in Palästina die Christen sich lange dagegen ablehnend verhalten haben, hat es sich in Europa schnell eingebürgert.

[ 23 ] Thus, in the 4th century, we see the emergence of the Christian Christmas and observe how it was first celebrated in Rome at that time. And it must be regarded almost as a providential arrangement that Christmas—not in an outwardly materialistic way, but through a mysterious providential arrangement—was incorporated into an ancient festival in the regions of Central and Northern Europe at a time when, since time immemorial, the lowest point of the sun’s course had been celebrated: the winter solstice. One must not believe that Christmas in Central and Northern Europe was transferred to this festival, to this time, because one wanted to transform the old festival into Christmas, so to speak, in order to reconcile the peoples. Christmas was born purely out of Christianity. It is precisely through the adoption of Christmas in the Nordic regions that the deep spiritual kinship of these peoples and their symbols with Christianity has become evident. While, for example, in Armenia Christmas was not adopted as a custom at all, and even in Palestine Christians long resisted it, it quickly became established in Europe.

[ 24 ] Versuchen wir, durch die anthroposophische Betrachtung das Weihnachtsfest selber richtig zu verstehen, um den Weihnachtsbaum als ein Sinnbild aufzufassen. Das Jahr hindurch, wenn wir hier zusammen sind, lassen wir aus den geistigen Quellen heraus zu uns dringen diejenigen Worte, die nicht bloß Worte, sondern Kraft sein sollen, die in unserer Seele immer mehr und mehr wirksam sein sollen, damit die Seele zu einem Bürger der Ewigkeit werden kann. Das ganze Jahr versammeln wir uns, um diese Worte, diesen Logos in der mannigfaltigsten Weise in diesem Raum ertönen zu lassen: daß der Christus immerfort bei uns ist und daß, wenn wir zusammen sind, der Geist des Christus hineinwirkt, so daß unsere Worte durchdrungen werden von dem Geiste des Christus. Wenn wir die Dinge nur aussprechen mit dem Bewußtsein, daß das Wort ein Flügelträger ist für die Offenbarungen des Geistes an die Menschheit, dann lassen wir einfließen in unsere Seele dasjenige, was das Wort des Geistes ist. Aber wir wissen, daß das Wort des Geistes nicht von uns ganz ergriffen wird, nicht uns alles sein kann, was es sein soll, wenn wir es bloß in äußerlich-abstrakter Form als Erkenntnis aufnehmen. Wir wissen, daß es erst das sein kann, was es sein soll, wenn es jene innerliche Wärme erzeugt, wodurch sich die Seele ausdehnt und fühlt, sich ausdehnt durch innere Wärme, und endlich, sich ergießend in alle Erscheinungen des Weltendaseins, sich eins fühlen lernt mit demjenigen Geiste, der über alle Erscheinungen ausgegossen ist.

[ 24 ] Let us try, through an anthroposophical perspective, to truly understand the Christmas festival itself, so that we may perceive the Christmas tree as a symbol. Throughout the year, when we are gathered here, we allow those words to flow to us from spiritual sources—words that are not merely words, but are meant to be a force that grows ever more potent within our souls, so that the soul may become a citizen of eternity. Throughout the year we gather to let these words, this Logos, resound in this room in the most manifold ways: that Christ is always with us and that, when we are together, the Spirit of Christ works within us, so that our words are permeated by the Spirit of Christ. If we speak these things only with the awareness that the word is a vehicle for the Spirit’s revelations to humanity, then we allow into our soul that which is the word of the Spirit. But we know that the Word of the Spirit is not fully grasped by us, cannot be for us all that it is meant to be, if we merely take it in as knowledge in an external, abstract form. We know that it can only be what it is meant to be when it generates that inner warmth through which the soul expands and feels itself expanding through inner warmth, and finally, pouring out into all the phenomena of worldly existence, learns to feel itself one with that Spirit which is poured out over all phenomena.

[ 25 ] Fühlen wir, daß in uns Kraft, Leben werden muß, was als Geisteswort an unser Ohr dringt, indem wir, wenn die Zeit dazu da ist, das Symbolum vor uns hinstellen, das uns bekräftigend in die Seele rufen kann: Lasse in dir erstehen als ein Neues, als den Geistesmenschen, dasjenige, was als Wärme entzünden, als Licht erleuchten kann das Wort, das aus geistigen Quellen, aus geistigen Untergründen zu uns kommt -, dann fühlen wir auch, daß es eine Bedeutung hat, was da als Geisteswort zu uns tönt. Fühlen wir in einem solchen Augenblick, wie es der heutige ist, einmal ernsthaft, was die Geisteswissenschaft an solchem Seelenlicht und solcher Seelenwärme uns geben kann! Fühlen wir es etwa in der folgenden Weise:

[ 25 ] Let us feel that what reaches our ears as a spiritual word must become strength and life within us, by placing before us, when the time is right, the symbol that can call out to our soul with affirmation: Let arise within you as something new, as the spiritual human being, that which the word—coming to us from spiritual sources, from spiritual depths—can kindle as warmth and illuminate as light; then we will also feel that what resounds to us as a spiritual word has meaning. Let us, in a moment such as today’s, seriously feel what spiritual science can give us in terms of such soul light and such soul warmth! Let us feel it, for example, in the following way:

[ 26 ] Schauen wir uns die heutige materialistische Welt an mit ihrem Getriebe, wie die Menschen hasten und treiben vom Morgen bis zum Abend, und wie sie alles beurteilen im Sinne des materialistischen Nutzens, nach dem Maßstabe des äußeren physischen Planes, wie sie gar nicht ahnen, daß hinter allem der Geist lebt und webt. Die Menschen schlafen des Abends ein, ahnungslos gegenüber etwas anderem, als daß sie glauben, sie seien eben ohne Bewußtsein, und daß sie morgens wiederum aufwachen in das Bewußtsein des physischen Planes hinein. Ahnungslos schläft der Mensch ein, nachdem er am Tage gehastet und gearbeitet hat, ohne sich aufzuklären über den Sinn des Lebens. Wenn der nach spiritueller Erkenntnis Strebende aufgenommen hat die Worte des Geistes, dann weiß er etwas, was nicht bloß Theorie und Lehre ist. Er weiß etwas, was ihm Seelenlicht und Seelenwärme gibt, er weiß: Würdest du am Tage nur aufnehmen die Vorstellungen des physischen Lebens, du würdest vertrocknen. Öde wäre dein ganzes Leben, ersterben würde alles, was du gewinnst, wenn du nur die Vorstellungen des physischen Planes hättest. Wenn du dich abends zum Schlummer hinlegst, gehst du hinein in eine Welt des Geistes, tauchst unter mit allen deinen Seelenkräften in eine Welt von höheren geistigen Wesenheiten, zu denen du mit deinem Sein hinaufwachsen sollst. Und indem du morgens aufwachst, kommst du neu gestärkt heraus aus einer geistigen Welt und gießest über das, was du aus dem physischen Plan empfängst, göttlich-geistiges Leben aus, ob bewußt oder unbewußt. Aus dem Ewigen verjüngst du selber das Zeitliche deines Daseins an jedem Morgen.

[ 26 ] Let us look at today’s materialistic world with all its hustle and bustle, how people rush about from morning till night, and how they judge everything in terms of materialistic utility, according to the standards of the outer physical plane, completely unaware that behind it all the Spirit lives and works. People fall asleep at night, completely unaware of anything beyond the belief that they are simply unconscious, and that they will wake up again in the morning into the consciousness of the physical plane. Unaware, a person falls asleep after having rushed about and worked during the day, without seeking enlightenment regarding the meaning of life. When the seeker of spiritual knowledge has taken in the words of the Spirit, then he knows something that is not merely theory and doctrine. He knows something that gives him the light and warmth of the soul; he knows: If you were to take in only the concepts of physical life during the day, you would wither away. Your whole life would be barren; everything you gain would wither away if you had only the concepts of the physical plane. When you lie down to sleep in the evening, you enter a world of the spirit, diving with all your soul’s powers into a world of higher spiritual beings, to whom you are meant to grow in your being. And as you wake up in the morning, you emerge anew, strengthened from a spiritual world, and pour divine-spiritual life over what you receive from the physical plane, whether consciously or unconsciously. From the Eternal, you yourself rejuvenate the temporal aspect of your existence every morning.

[ 27 ] Wenn wir das Wort des Geistes so verwandeln in das Gefühl, das wir an jedem Abend haben können: Ich gehe nicht bloß in die Bewußtlosigkeit, sondern ich tauche ein in die Welt, wo die Wesen des Ewigen sind, denen meine eigene Wesenheit angehören soll. Ich schlafe ein mit dem Gefühl: Hinein in die geistige Welt! - und ich erwache mit dem Gefühl: Heraus aus dem Geist! - dann durchdringen wir uns mit jenem Gefühl, in das sich verwandeln soll das Wort des Geistes, das wir hier in einem der spirituellen Erkenntnis gewidmeten Leben aufgenommen haben, von Tag zu Tag, von Woche zu Woche. Dann wird der Geist in uns Leben, dann wachen wir anders auf und schlafen anders ein.

[ 27 ] When we transform the word of the Spirit into the feeling we can have every evening: I am not merely slipping into unconsciousness, but I am immersing myself in the world where the beings of the Eternal dwell, to whom my own being is meant to belong. I fall asleep with the feeling: Into the spiritual world! —and I awaken with the feeling: Out of the spirit!—then we imbue ourselves with that feeling into which the word of the Spirit, which we have taken in here in a life dedicated to spiritual knowledge, is to be transformed, day by day, week by week. Then the Spirit will live within us; then we will awaken differently and fall asleep differently.

[ 28 ] Fühlen wir uns verbunden mit dem Geiste des Weltenalls, fühlen wir uns als Missionare des Weltengeistes an jedem Morgen, fühlen wir uns nach und nach verbunden mit dem, was als Weltengeist alles äußere Sein durchsetzt und durchwebt, dann fühlen wir auch, wenn die Sonne im Sommer hochsteht und ihre lebenspendenden Strahlen der Erde zusendet, wie der Geist wirkt auf äußerliche Art und wie er, weil er uns sein Antlitz, sein äußerliches Antlitz in den äußeren Sonnenstrahlen zusendet, seine innere Wesenheit gleichsam zurücktreten läßt.

[ 28 ] When we feel connected to the spirit of the universe, when we feel like missionaries of the world spirit every morning, when we gradually feel connected to that which, as the world spirit, permeates and interweaves all external existence, then we also feel, when the sun stands high in the summer sky and sends its life-giving rays to the earth, how the Spirit works in an outward way and how, because it sends us its face—its outward face—in the outward rays of the sun, it allows its inner essence to recede, as it were.

[ 29 ] Wo sehen wir diesen Geist des Weltenalls, den schon Zarathustra in der Sonne verkündet hat, wenn uns nur die äußeren physischen Sonnenstrahlen entgegenstrahlen? Wir sehen diesen Geist des Weltenalls, wenn wir erkennen können, wo er sich selber sieht. Wahrhaftig, dieser Geist des Weltenalls schafft sich seine Sinnesorgane, durch die er sich schen kann während des Sommers. Äußere Sinnesorgane schafft er sich. Lernen wir verstehen, was als grüne Pflanzendecke vom Frühling an die Erde bedeckt, die Erde mit einem neuen Antlitz bekleidet! Was ist das? Spiegel für den Weltengeist der Sonne. Wenn die Sonne uns ihre physischen Strahlen zusendet, schaut der Weltengeist zur Erde hernieder. Was da an Pflanzenwachstum, an Blüten und Blättern herausquillt, nichts anderes ist es als die Ebenbildlichkeit des reinen, keuschen Weltengeistes, der sich selber gespiegelt sieht in seinem Werke, das er hervorsprießen läßt aus der Erde. Sinnesorgane des Weltengeistes sind enthalten in der Pflanzendecke.

[ 29 ] Where do we see this spirit of the universe, which Zarathustra already proclaimed in the sun, when only the sun’s external physical rays shine upon us? We see this spirit of the universe when we can recognize where it sees itself. Truly, this spirit of the universe creates its own sensory organs through which it can reveal itself during the summer. It creates external sensory organs for itself. Let us learn to understand what covers the earth from spring onward as a green blanket of plants, clothing the earth with a new face! What is this? A mirror for the world spirit of the sun. When the sun sends us its physical rays, the world spirit looks down upon the earth. What springs forth there in plant growth, in blossoms and leaves, is nothing other than the likeness of the pure, chaste World Spirit, who sees himself reflected in his work, which he causes to sprout from the earth. The sensory organs of the World Spirit are contained within the plant cover.

[ 30 ] Wir sehen dann, wenn die Pflanzendecke zum Herbst verschwindet, wie die äußere Kraft der Sonne sich verringert, wie das Antlitz des Weltengeistes sich zurückzieht. Sind wir vorbereitet in der rechten Weise, so fühlen wir den Geist, der durch das Weltenall pulst, in uns selber. Dann können wir jetzt dem Weltengeist auch folgen, wenn er sich dem äußeren Anblick entzieht. Dann fühlen wir, wenn unsere Augen nicht ruhen können auf der Pflanzendecke, wie der Geist in dem Maße in uns erwacht, als er sich aus den äußeren Welterscheinungen zurückzieht. Und der erwachende Geist wird uns ein Führer für die Tiefen, in die sich das Geistesleben zurückzieht, da hinein, wo wir dem Geiste übergeben die Keime für den nächsten Frühling. Da lernen wir mit unserem geistigen Blick schauen und uns sagen: Wenn das äußere Leben für die äußeren Sinne nach und nach unsichtbar wird, wenn die Herbsteswehmut in unsere Seele schleicht, folgt die Seele dem Geiste in das tote Gestein, um daraus herauszuziehen jene Kräfte, die im Frühling die Erde mit neuen Sinnesorganen für den Weltengeist bedecken.

[ 30 ] When the vegetation disappears in the fall, we see how the sun’s external power diminishes, how the face of the World Spirit withdraws. If we are prepared in the right way, we feel within ourselves the Spirit that pulses through the universe. Then we can follow the World Spirit even when it withdraws from external view. Then, when our eyes can no longer rest on the vegetation, we feel how the spirit awakens within us to the same extent that it withdraws from the outer phenomena of the world. And the awakening spirit becomes our guide into the depths into which spiritual life withdraws, into that place where we entrust to the spirit the seeds for the coming spring. There we learn to see with our spiritual gaze and say to ourselves: When external life gradually becomes invisible to the external senses, when the melancholy of autumn creeps into our soul, the soul follows the spirit into the dead rock to draw from it those forces that in spring cover the earth with new sensory organs for the world spirit.

[ 31 ] So fühlten diejenigen Menschen, die den Geist im Geiste erfaßten, ihr Mitgehen mit dem Weltengeist, ihr Mitgehen mit dem Samenkorn hinunter im Winter. Wenn die äußere Sonne am wenigsten Kraft hat, am wenigsten leuchtet, wenn die äußere Finsternis am stärksten ist, fühlt sich der Geist in uns durch den Geist aus dem Weltenall, mit dem er sich verbunden hat, unten verbunden hat, mit jenen Kräften vereinigt, die am deutlichsten wahrnehmbar und sichtbar werden, indem sie das Samenkorn einem neuen Dasein zuführen.

[ 31 ] This is how those who grasped the Spirit in spirit felt their journey alongside the world spirit, their journey alongside the seed as it descended into winter. When the outer sun has the least power, shines the least, when the outer darkness is at its strongest, the spirit within us feels, through the spirit of the universe with which it has united itself, connected to the lower realms, united with those forces that become most clearly perceptible and visible as they lead the seed to a new existence.

[ 32 ] So leben wir uns gleichsam mit der Kraft des Samens wörtlich in die Erde hinein, durchdringen die Erde. Während wir uns zur Sommerszeit dem leuchtenden Luftkreis zugewendet haben, den sprießenden und sprossenden Früchten der Erde, wenden wir uns nun zu dem toten Gestein, wissen aber jetzt: In diesem toten Gestein ruht das, was wiederum als äußeres Dasein erscheinen soll. - Wir folgen mit unserer eigenen Seele im Geiste der sprießenden, sprossenden Kraft, die sich entzieht dem äußeren Anblick und ganz in den Stein hinein verborgen wird durch die Winterzeit hin. Und wenn diese Winterzeit an ihrer Mitte angekommen ist, wenn die stärkste Dunkelheit herrscht, dann fühlen wir gerade dadurch, daß uns die Außenwelt nicht abhält, uns mit dem Geiste verbunden zu fühlen, wie in den Tiefen, in die wir uns zurückgezogen haben, das Geisteslicht ersprießt, jenes Geisteslicht, für das der Menschheit den gewaltigsten Impuls der Christus Jesus gegeben hat. Da fühlen wir nach, was die Menschen empfunden haben zu alten Zeiten, die davon sprachen, daß sie heruntersteigen müssen da, wo das Samenkorn im Winter ruht, um den Geist in seinen verborgenen Kräften zu erkennen. Da fühlen wir, daß wir den Christus im Verborgenen zu suchen haben, in jenem Verborgenen, das dunkel und finster ist, wenn wir uns in der Seele nicht selber erst erleuchtet haben, das aber hell und leuchtend wird, wenn wir das Christus-Licht in der Seele aufgenommen haben. Da finden wir, daß wir uns in jeder Weihnacht stärken und kräftigen durch jenen Impuls, der durch das Mysterium von Golgatha in die Menschheit hineingedrungen ist.

[ 32 ] In this way, we literally live ourselves into the earth, as it were, with the power of the seed, permeating the earth. Whereas in the summer we turned toward the radiant sphere of the air, toward the sprouting and budding fruits of the earth, we now turn toward the dead rock, knowing full well: within this dead rock lies that which is to appear once more as an outer existence. - With our own soul, we follow in spirit the sprouting, budding power that withdraws from external sight and remains wholly hidden within the stone throughout the winter. And when this winter season has reached its midpoint, when the deepest darkness reigns, then precisely because the outer world does not prevent us from feeling connected to the spirit, we sense how, in the depths into which we have withdrawn, the light of the spirit springs forth—that light of the spirit for which Christ Jesus gave humanity the most powerful impulse. There we sense what people felt in ancient times, who spoke of having to descend to where the seed rests in winter in order to recognize the Spirit in its hidden powers. There we feel that we must seek the Christ in the hidden, in that hidden realm which is dark and gloomy if we have not first enlightened ourselves in the soul, but which becomes bright and radiant when we have received the Christ-light into the soul. There we find that we are strengthened and invigorated at every Christmas by that impulse which has penetrated humanity through the Mystery of Golgotha.

[ 33 ] So fühlen wir jedes Jahr wie eine Bekräftigung unseres Strebens wirklich den Christus-Impuls und nehmen von diesem Impuls die Gewähr und Bürgschaft dafür, daß wir von Jahr zu Jahr jenes Leben in uns verstärken, das uns hineinführt in eine geistige Welt, in welcher es einen Tod, wie er in der physischen Welt vorhanden ist, nicht geben kann. Dann können wir vergeistigen und beseligen, was dem heutigen materialistischen Menschen gar kein Symbolum ist, sondern nur eine äußerliche materialistische Sinnesfreude. Und wir ahnen dann in dem Symbolum die Wirklichkeit, wir ahnen dasselbe, was Johannes Tauler zum Beispiel meint, wenn er davon spricht, daß der Christus dreimal geboren wird: einmal von dem ewigen Vatergott, der die Welt durchwebt und durchlebt, einmal als Mensch zur Zeit der Begründung des Christentums, und dann immer wieder und wieder in den Seelen derer, die das geistige Wort in sich zur Erweckung bringen. Ohne diese letzte Geburt wäre das Christentum nicht vollständig und die Anthroposophie nicht fähig, den christlichen Geist zu erfassen, wenn sie nicht versteht, was es heißt, daß das Wort, das von Jahr zu Jahr uns ertönt, nicht Theorie und Lehre bleiben soll, sondern Wärme und Licht und Leben wird, damit wir durch diese Kraft uns einfügen Leben der Geistigkeit der Welt, aufgenommen werden von ihr und mit ihr selber der Ewigkeit einverleibt werden.

[ 33 ] Thus, every year we truly feel the Christ impulse as a confirmation of our striving, and from this impulse we draw the assurance and guarantee that, year by year, we are strengthening within ourselves that life which leads us into a spiritual world where there can be no death as it exists in the physical world. Then we can spiritualize and ennoble what for today’s materialistic human being is not a symbol at all, but merely an external, materialistic sensual pleasure. And we then sense in the symbol the reality we sense the same thing that Johannes Tauler, for example, means when he speaks of Christ being born three times: once from the eternal Father God who weaves through and lives within the world, once as a human being at the time of the founding of Christianity, and then again and again in the souls of those who awaken the spiritual Word within themselves. Without this final birth, Christianity would not be complete, and anthroposophy would be unable to grasp the Christian spirit if it did not understand what it means that the Word, which resounds to us year after year, is not to remain theory and doctrine, but becomes warmth and light and life, so that through this power we may be integrated into the spiritual life of the world, be received by it, and be incorporated with it into eternity.

[ 34 ] Das sollen wir fühlen, wenn wir vor dem Symbolum der Weihnacht stehen, uns gleichsam untertauchen fühlen in die tiefe, frostige, scheinbar tote Welt unter der Erde, ahnend nicht nur, sondern erkennend, daß der Geist neues Leben weckt aus dem Tode. Auf welcher Stufe der Entwickelung wir auch stehen, wir können nachfühlen, was zu allen Zeiten diejenigen gefühlt haben, welche da eingeweiht waren, die wirklich dann in dieser Weihnacht hinuntergestiegen sind um die Mitternachtsstunde, um dort zu schauen die Geistessonne um die Weihnachtmitternacht, wo die Geistessonne der Weihnachtmitternacht hervorruft aus dem scheinbar toten Gestein zuerst das sprieBende, sprossende Leben, damit es erscheinen kann im neuen Frühling.

[ 34 ] This is what we should feel when we stand before the symbol of Christmas, feeling as if we are plunging into the deep, frosty, seemingly lifeless world beneath the earth, not merely sensing but recognizing that the Spirit awakens new life from death. No matter what stage of development we are at, we can empathize with what those who were initiated have felt throughout the ages—those who truly descended at midnight on this Christmas, to behold there the spiritual sun at Christmas midnight, where the spiritual sun of Christmas midnight first evokes from the seemingly dead rock the sprouting, budding life, so that it may appear in the new spring.

[ 35 ] Wir selber fühlen uns vereint mit jenen Kräften der Welt, die da walten, auch wenn sie sich äußerlich physisch in Frost und Lichtlosigkeit zurückgezogen haben. Das wollen wir fühlen, wie es alle diejenigen empfinden werden, welche um die Weihnachtszeit wirklich immer gedenken der geistigen Sonne, jener Christus-Sonne, die hinter der physischen Sonne steht. Wir wollen ihnen nachfühlen, um nach und nach emporzusteigen, erleben und dann schauen zu können dasjenige, was der Mensch schauen kann, wenn er in sich immer neue Kräfte entwickelt, die ihn mit dem Geistigen verbinden. Und wovon wir schon vor einigen Jahren sprachen, als wir das Weihnachtsfest feierten, das möge auch diese Betrachtung beschließen als das Wichtigste, was wir im Jahr aufnehmen und in unsere Seele gießen können:

[ 35 ] We ourselves feel united with those forces of the world that are at work, even though outwardly and physically they have withdrawn into frost and darkness. Let us feel this, just as all those will feel it who, around Christmas time, truly and constantly remember the spiritual sun—that Christ-sun which stands behind the physical sun. Let us empathize with them so that we may gradually ascend, experience, and then be able to see what a human being can see when they continually develop new inner forces that connect them to the spiritual. And what we spoke of several years ago when we celebrated Christmas may also conclude this reflection as the most important thing we can take in during the year and pour into our souls:

Die Sonne schaue
Um mitternächtige Stunde.
Mit Steinen baue<
Im lebenlosen Grunde.

So finde im Niedergang
Und in des Todes Nacht
Der Schöpfung neuen Anfang,
Des Morgens junge Macht.

Die Höhen laß offenbaren
Der Götter ewiges Wort,
Die Tiefen sollen bewahren
Den friedensvollen Hort.

Im Dunkel lebend
Erschaffe eine Sonne
Im Stoffe webend
Erkenne Geistes Wonne.

The sun shines
At the stroke of midnight.
I build with stones
On lifeless ground.

Thus, in the twilight
And in the night of death
Find creation’s new beginning,
The young power of the morning.

Let the heights be revealed
The eternal word of the gods,
Let the depths preserve
The peaceful haven.

Living in the Dark
Create a Sun
Weaving in the Fabric
Recognize the Joy of the Spirit.