Das Johannes-Evangelium
und die drei anderen Evangelien
GA 117a
11 Januar 1910, Stockholm
Siebter Vortrag
[ 1 ] Ein gemeinsamer Zug aller Religionen der Vorzeit ist der Gedanke, dass ein Mensch, wenn er im Leben harmonisch wirken will, erst einen gewissen Kampf in seinem Inneren ausfechten muss. Wenn er dies nicht tun will, das heißt diesen inneren Kampf ausfechten, dann spiegelt sich das als Disharmonie und Streit in der äußeren Welt. [Diese Idee spielt sich ab in der niederen Erkenntnis. Die Erkenntniskraft sagt uns:] Wenn das individuelle menschliche Ich sich entwickeln können soll, muss der Mensch Herr über Begierden und Leidenschaften in seinem Astralleib werden. Den Kampf, der einmal zwischen dem Ich und der niederen Natur entstehen muss, muss der Mensch in seinem Inneren zu Ende führen, sonst kommt er in Streit mit der äußeren Welt. Symbolisch wird das von den alten Hebräern in der Geschichte von Kains Brudermord dargestellt. [Sehet, was der Mensch erlangt, wenn er mit seinem guten Gliede nicht ertötet die bösen Leidenschaften, den Bruder in seiner Seele. Dieser Kampf — das, was uns geschildert wird in Kain und Abel — muss sich in der Seele abspielen, sonst lebt er sich nach außen aus. Das war die eine Mahnung. Die andere bezog sich auf die tiefere Erkenntnis, die wir die okkulte hellseherische nennen. ]
[ 2 ] Denn in den religiösen Urkunden verbergen sich oft tiefe Symbole in beschriebenen Ereignissen. Alles, was auf dem physischen Plan hervortritt, ist immer zuerst auf dem Astralplan Wirklichkeit gewesen. Dieselben Gedanken, die wir in der Erzählung von Kain finden, finden wir bei einem anderen Volk wieder, in anderer Form, auf die tiefere Erkenntnis aufgebaut, die das Hellsehen den anderen Völkern des Orients gab. Damit ein Mensch als Eingeweihter in einer bestimmten Richtung in der Welt wirken können soll, muss er erst durch die Einweihung zur Harmonie kommen. Und damit sind wir zu einem sehr wichtigen Kapitel in den Initiationsmythen der alten Religionen gekommen.
[ 3 ] Wir wissen, dass der Mensch aus vier Leibern besteht, aus dem physischen Leib, dem Ätherleib, dem Astralleib und dem Ich, welche sich im Laufe der Evolution allmählich entwickelt haben. In der lemurischen Zeit, in der nur der physische und der Ätherleib sich entwickelt hatten, gab es schon die Anlage zu dem Ichleib, obwohl dieser erst nach dem Ende der atlantischen Periode beim Menschen hervortreten sollte. Zu dieser Zeit entstand ein naher Zusammenhang zwischen dem Ich und dem physischen Leib einerseits und zwischen Astralleib und Ätherleib andererseits.
[ 4 ] Der physische Leib ist aus dem Geiste des Kosmos entsprungen; gleichsam wie Eis kondensiertes Wasser ist, so ist der physische Leib zusammengepresster Geist. Wollen wir den Ursprung des Menschen finden und den physischen Leib verstehen, müssen wir den Geist im Kosmos suchen.
[ 5 ] In dem physischen Leibe ist das Vaterprinzip des Kosmos kristallisiert. Aufgrund dieser Tatsache erbt der Mensch alles, was im Zusammenhang mit dem physischen Leibe steht, vom Vater her, von den Großeltern väterlicherseits.
[ 6 ] Das Ich ist nahe verbunden mit dem physischen Leib, daher [erbt] der Mensch seine ganze Struktur vonseiten des Vaters. Das Ich ist nämlich abhängig von bestimmten Eigenschaften des physischen Leibes und wird in seiner Wirksamkeit gehemmt, wenn die physischen Anlagen schwach sind. Nur durch den physischen Leib kann sich das Ich hier [auf der Erde] zum Ausdruck bringen.
[ 7 ] Der Ätherleib wiederum ist aus dem Mutterprinzip des Kosmos herauskristallisiert, die Eigenschaften, die damit im Zusammenhang stehen, werden daher mütterlicherseits vererbt, von den Großeltern mütterlicherseits. Dasselbe ist der Fall mit den astralen Fähigkeiten, aufgrund des nahen Zusammenhanges mit dem Ätherleib werden auch diese von der Mutterseite her vererbt.
[ 8 ] [Das ist das Geheimnis der Vererbung: Das Gestaltende, Formende kommt vom Mütterlichen, weil das Ätherische sich kristallisiert aus dem Mutterprinzip des Kosmos. Weil das Ich enger verbunden ist mit dem Physischen, erbt die Ich-Struktur der Mensch aus der Vaterlinie; das Astralische dagegen mit dem Ätherischen mehr aus dem Mutterprinzip. Das Ich selbst nun kommt aus vorhergehenden Inkarnationen, aber es ist angewiesen auf die besondere Eigentümlichkeit des physischen Leibes, um sich auszuleben. Wenn unser physischer Leib schwach ist, wird sich zum Beispiel das Ich weniger Mut-voll zeigen.]
[ 9 ] Menschen, die Einblick in die Gesetze der geistigen Welt hatten, haben dieses betont, wenn sie es auch nicht auf dieselbe Weise ausgedrückt haben. So sagt unter anderem Goethe: «Vom Vater hab ich die Statur, des Lebens ernstes Führen, vom Mütterchen die Frohnatur, die Lust zum Fabulieren.» Wenn wir diese Regel recht anwenden, werden wir viel verstehen, was uns in Bezug auf das Verhältnis zwischen Kindern und Eltern begegnet. Künstler und Dichter, deren Eigenschaften ihre Wurzeln im Astralen haben, erben ihre Begabung meistens von der Mutterseite her.
[ 10 ] Wenn der Mensch als Eingeweihter in der Welt wirken will, tritt bei ihm ein neues Verhalten ein, eine Veränderung in Bezug auf das Verhältnis der Leiber zueinander tritt ein. Der physische Leib muss vor allem seine Gewalt über den Menschen verlieren. Sei es, dass der Eingeweihte sich zum Seher, zum Magier oder etwas anderem entwickeln will, so muss er in erster Linie mit allen Kräften den physischen Leib in sich bekämpfen, den physischen Leib in sich töten. In der alten Weltanschauung wird das symbolisch ausgedrückt mit den Worten: Ertöte in dir das Vaterprinzip — das heißt den physischen Leib — und vereine dich mit dem Mutterprinzip. Erst, wenn wir das Physische überwunden haben, können wir uns mit dem ätherischen Prinzip vereinen, das heißt mit dem Mutterprinzip. Wenn wir das physische Leben in uns besiegt haben, fangen wir an, mit den Organen des Ätherleibes zu leben, beginnen wir mit geistigen Augen und Ohren zu sehen und zu hören. Der Mensch, der das Vaterprinzip tötet, vereint sich mit dem Mutterprinzip.
[ 11 ] Bei der Einweihung lag in dieser Tatsache eine furchtbare Gefahr, besonders in den Zeiten, in denen man es nicht so genau mit den alten strengen Regeln nahm. Der hellseherische Mensch in der Vorzeit musste wissen, womit er es zu tun hatte. Denn wenn ein unreifer Mensch, dessen Ich nicht entwickelt war oder dessen Astralleib nicht rein war, das Physische überwunden und sich mit dem Mutterprinzip vereint hatte, so wurde sein Geschick in der Welt wahrhaft tragisch. Die Disharmonie, die er in seinem eigenen Inneren bekämpft und überwunden haben sollte, zeigt sich jetzt in der äußeren Welt, wo seine Gedanken wirkliche Bilder werden.
[ 12 ] An Ödipus haben wir ein Beispiel eines Menschen, der mit nicht so ganz reinen Mitteln astral hellsichtig wurde. Das Astrale war bei ihm verdunkelt, sodass er nicht schauen, nicht zu dem Geistigen vordringen konnte. Das Wort des Orakels, dass er ein Eingeweihter werden sollte, aber dass er erst seinen Vater töten und seine Mutter ehelichen sollte, hatte Ödipus nicht durchschaut, weil er in seinem Inneren nicht rein genug war, er verstand nicht, was mit einem Eingeweihten gemeint war. In seinem Drama hat der Dichter die Erlebnisse im Innern als Ereignisse in der physischen Welt dargestellt.
[ 13 ] Die Folgen einer degenerierten unvollkommenen Einweihung spiegeln sich im Ödipus-Drama ebenso wie in Kains Brudermord. Ödipus beraubt sich selbst des Gesichts — ein Symbol dafür, dass die alte Einweihung sich ihrem Ende naht. Derselbe Gedanke drückt sich symbolisch aus in der Erzählung vom «Blindgeborenem. Durch die alte Einweihung waren die Menschen für die äußere Welt blind geworden, mit der alten Hellseherkunst konnten die Menschen sich nicht mehr zur Geisteswelt erheben. Statt zu Klarheit und Entwicklung führte der alte Weg nunmehr nur zu Dunkel und Verwirrung. In Ödipus, der sich selbst des Augenlichtes beraubte, sehen wir, wie das alte, degenerierte Einweihungsschicksal erfüllt wird.
[ 14 ] Mit Jesus sollte ein neues Licht über der Menschheit aufgehen, und die Einweihung sollte eine neue Form bekommen. Die Menschen waren blind für die physische Welt geworden und für die Kräfte, die dieser zugrunde liegen. Aber die Einweihung sollte eine neue Form bekommen, und ein neues Licht sollte über der Menschheit aufgehen. Mit dem Ich sollte ein neuer Impuls gegeben werden, und dieser Impuls sollte die Augen für das neue Licht öffnen, das in die Welt gekommen war. In Jesus sollte die zurückgehende alte Welt mit der aufsteigenden neuen vereint werden. Wie das alte Dunkel, die alte Geistigkeit vor dem aufgehenden Licht, vor Jesus verschwanden und wie sie an diesem aufsteigenden Licht ihre letzte Tat vollbrachten, wird in den Evangelien nicht erzählt, aber ist immer in den esoterisch-christlichen Einweihungsschulen geschildert worden.
[ 15 ] [Wie sich in Kains Brudermord der nicht geschlichtete Kampf zwischen Astralleib und Ich auslebt, so im Drama von Laios und Jokaste: die ungeläuterte Initiation.] Diese Legende, in der eine tiefe Wahrheit verborgen liegt, lautet folgendermaßen: Es war einmal in Asien ein Ehepaar, das keine Kinder hatte. Da verkündete ihnen das Orakel, dass sie einen Sohn bekommen würden, aber dass sie gezwungen werden würden, ihn zu begraben, denn er würde seinen Vater töten und seine Mutter ehelichen, nachdem er erst auch seinen Bruder getötet haben würde. Er würde nämlich alle Geistigkeit, die in der Welt war, besitzen, aber in Disharmonie mit allem und allen in der äußeren Welt stehen. Die Eltern wollten natürlich dieses Kind nicht haben, das so viel Unglück über sie und sich selbst bringen würde, aber zufolge ihrer eigenen Schwachheit bekamen sie es doch. Da setzten sie das Kind auf der Insel Skarioth aus, wo die Königin es fand und zu sich nahm, weil sie selbst keine Kinder hatte. Später bekam sie indessen einen Sohn, da fühlte sich das angenommene Kind beiseitegeschoben und tötete seinen Bruder. So musste er fliehen und wurde bei Pilatus aufgenommen. Dort kam er in Streit mit einem Nachbarn, einem alten Mann, tötete diesen und verheiratete sich mit dessen Frau. Später erfuhr er, dass er seinen Vater getötet habe und sich mit seiner Mutter verheiratet habe. Da floh er auch von dort und wurde von ihm aufgenommen, der voller Erbarmen ist, von dem Christus Jesus. Dieser Mann war Judas Iskariot.
[ 16 ] Diese Legende ist ein Ausdruck der ganzen alten Weltanschauung; das Vaterprinzip oder das Besiegen des physischen Leibes und die Vereinigung mit dem Mutterprinzip sind in der Vergangenheit eine innere Wirklichkeit gewesen.
[ 17 ] Die Seele war dabei gereift, aber je nachdem das Ich sich entwickelte, war das Hellsehen allmählich geschwunden, und Dunkel und Verwirrung im Verhältnis zur äußeren Welt waren an seine Stelle getreten, und dieses Dunkel wirkte mit am Tode des neuen aufgehenden Lichtes. Wie die alte Weltanschauung das neue Licht töten konnte, und wie dieses dennoch im Streite siegen konnte und die äußere Disharmonie in Harmonie verwandeln konnte durch Vergeistigung alles dessen — alles dies wird im Johannes-Evangelium dargestellt.
[ 18 ] Dieses Evangelium ist schon in rein äußerlicher, technischer Hinsicht eine wunderbare Komposition. Als wäre es von einem wirklichen Künstler geschrieben, zeigt es in einer einzigen fortlaufenden Steigerung von der Hochzeit zu Kana bis zur Auferweckung des Lazarus, wie die seelischen und geistigen Kräfte Jesu in demselben Maße wuchsen, wie der physische Körper Zoll für Zoll abstarb, und wie das Ersterben des Körpers, das schon bei der Taufe anfing, in intimem Zusammenhang mit den sogenannten Wundern stand, die Jesus vollbrachte. Denn das Besiegen der niederen Natur musste auf dem physischen Plane wie ein Sterben erscheinen. Das war ein symbolischer Ausdruck dafür, dass das Vaterprinzip, das physische Leben, überwunden war.
[ 19 ] Darauf deutet auch die Tatsache hin, dass der physische Vater Jesu tot war. Die Vereinigung mit dem Mutterprinzip wird symbolisch im Verhältnis zwischen Jesus und seiner Stiefmutter dargestellt, die bei der Taufe Jesu eine neue Geburt erlebte, indem der reine, vergeistigte Äther- und Astralleib seiner eigenen Mutter sich da mit ihr einverleibte. Aus Jesu Worten an sie bei der Hochzeit von Kana geht deutlich hervor, dass er das Band zwischen ihnen fühlte: Was geht hier vor zwischen dir und mir? Wie herrlich fühle ich die mütterlichen Kräfte in mir, wie herrlich verbinden sich meine Kräfte mit deinen, das heißt mit den Kräften der Allmutter! Auf rein geistige Weise macht sich hier das alte Initiationsprinzip geltend. Der physische Körper ist im Absterben. Durch das Seelenband, das ihn mit der Mutter verbindet, verbindet er sich mit den ätherischen Kräften, und so wird der physische [Leib] eine Quelle von heilenden Wirkungen. Dass dieses bei einer Hochzeit geschah, hat auch seine große symbolische Bedeutung.
[ 20 ] Das Zeichen, das Jesus in Kana tat, war im Zusammenhang mit dem alten Initiationsprinzip, wenn auch in einer neuen Form. Es war eine direkte Wirkung von Seele zu Seele durch eine auf das Höchste gesteigerte Liebeskraft, die von seiner eigenen Seele auf die anderen überführt wurde und auf sie einwirkte, sodass sogar ihre Geschmacksorgane verändert wurden und das Wasser in ihrem Munde wie Wein schmeckte. Und dies war keine Illusion, sondern das Wasser hatte auf die Gäste denselben Effekt, als wäre es Wein. Der Materialist, der an nichts anderes als an die Materie glaubt, würde vor allem eine chemische Analyse fordern, aber für den geistig entwickelten Menschen wiederum ist die chemische Reaktion bloß Maya und eine Folge nur von überführter geistiger Kraft. Hier war die Frage nicht von bloßer Suggestion, sondern die Wirkung von dem, was getrunken wurde, war in allem gleich der des Weines.
[ 21 ] Aber sollte denn Jesus durch dieses Zeichen die Menschen dazu ermuntert haben wollen, den Wein als bloßes Genussmittel zu verwenden? Einige Bibelforscher glauben das und bezeichnen das Verwandeln des Wassers in Wein als symbolisch für Jesu Mission, das geschmacklose, fade Wasser des Alten Testaments in den frischen Wein des Neuen Testaments zu verwandeln. Aber wenn sie diese Stelle deuten, haben sie ein wichtiges Wort nicht verstanden. Als Jesu Mutter ihn darauf aufmerksam macht, dass kein Wein da war, antwortet er: «Meine Stunde ist noch nicht gekommen», das heißt die Stunde, in der Christus eigentlich wirken sollte.
[ 22 ] Wie alle großen Führer und Vorbilder musste auch der Christus seine Zeit abwarten, eine Übergangszeit müssen die Menschen haben, wenn sie etwas Neues entgegennehmen können sollen. In aller Materie sind geistige Kräfte wirksam, so hat auch der Wein seine Mission zu erfüllen gehabt.
[ 23 ] Einige Völker trinken niemals Wein, andere wieder benützen ihn als Opfergabe beim Gottesdienst. In den alten Mysterien wurde kein Wein gebraucht, aber von einem bestimmten Zeitpunkt ab wurde er bei den Opfergaben des Dionysoskultes verwendet und dann mit diesem Kultus über die ganze Welt verbreitet.
[ 24 ] In ältesten Zeiten war das Blutsband das Einzige, was die Menschen miteinander vereinte, und dieses war da viel stärker als jetzt. Aber als die Ich-Kraft sich entwickeln sollte, wurde ein physisches Mittel gebraucht, um die Lebensgeister zu lieben und die Menschen, die nicht durch Blutsbande vereint waren, zusammenzuführen. Zu diesem Zweck war der Wein zu gebrauchen, und darin lag seine Mission in der Vergangenheit. Aber auf dem Plan der Maya gibt es nichts, was absolut gut ist, alles hat nur eine Aufgabe zu erfüllen, entweder auf dem physischen oder dem psychischen Gebiet. Was einmal für die Entwicklung notwendig war und da ein Gutes war, wird schädlich, wenn diese Zeit vorbei ist und es nicht länger gebraucht wird. Zur Zeit Jesu war diese Mission des Weines erfüllt. Das Ich war entwickelt, und durch den Gebrauch des Weines war das alte Hellsehen allmählich unmöglich gemacht worden. Jesu Zeichen in Kana drückt diese Wahrheit symbolisch aus. Aber diese Mission des Weines, die Menschen zusammenzuführen und die Lebensgeister zu erhöhen, sodass der physische Leib ein Instrument für geistige Kräfte wird, sollte hernach durch rein geistige Mittel ausgeführt werden. Jesus trinkt selbst Wasser und gibt auch den Gästen Wasser, aber verleiht diesem eine solche Kraft, dass es auf sie wie Wein wirkt. Damit war dem alten Dionysoskult eine neue Form, eine neue Kraft gegeben. Das Zeichen in Kana weist auch auf kommende Zeiten hin. In unseren Tagen ist der Gebrauch von Wein schädlich. Wenn wir auf diese Weise den Dionysoskult betrachten, finden wir auch da den tiefen Inhalt der Evangelien. Denn die Evangelien sprechen nicht nur zu den Naiven und Unwissenden, sondern auch zu dem hochentwickelten Menschen.
[ 25 ] Je tiefer man in sie eindringt, desto mehr wird man dort finden, und noch kommende Generationen werden in ihnen eine nie versiegende Quelle der Erkenntnis und Entwicklung finden. Und je tiefer die Menschen in die geistige Welt eindringen, desto besser werden sie diese Urkunden verstehen, die aus der Welt der Engel zu uns herniedergekommen sind. In den sieben Zeichen, die im Anfang des Johannes-Evangeliums berichtet werden, finden wir, wie die Individualität Jesu Schritt für Schritt wächst und sich vergeistigt. Und in dem späteren Teil finden wir eine praktische Anleitung für unsere eigene Entwicklung.
