Das Johannes-Evangelium
und die drei anderen Evangelien
GA 117a
15 Januar 1910, Stockholm
Elfter Vortrag
[ 1 ] Das Johannes-Evangelium ist folglich nicht nur eine historische Darstellung des Ereignisses von Palästina, sondern auch eine Schilderung der sieben Stadien der christlichen Initiation. Der, der diese durchgemacht hat, braucht keine äußeren Beweise für das historische Ereignis, denn er kennt es schon durch die Akasha-Chronik. Das ist auch der Weg von dem historischen zu dem mystischen Christus.
[ 2 ] Mithilfe dieser Urkunden ist es nicht mehr schwer für uns, die scheinbaren Gegensätze in den Evangelien zu lösen. Die Männer, die sie geschrieben haben, schildern die Ereignisse in Palästina gemäß dem, was sie schon jeder für sich von ihrer eigenen Einweihung her kannten. Deswegen wird auch, was die inneren Erlebnisse betrifft, das Evangelium am wichtigsten, das von dem Mann geschrieben wurde, den der Christus selbst einweihte. Die anderen Evangelisten waren in verschiedene Mysterientempel eingeweiht. Wenn sie also dasselbe große Drama, das in den Einweihungstempeln vorbildlich dargestellt worden war, auf Golgatha als ein wirkliches Ereignis im physischen Leben sich abspielen sahen, so wussten sie, dass der große Initiator der Menschheit gekommen war, und dass sie jetzt das Initiationsdrama beschreiben und es auf den Christus Jesus anwenden konnten. Je nachdem sie dann ihre Aufmerksamkeit auf das eine oder andere in seinem Leben wendeten, sahen und verstanden sie verschiedene Seiten davon.
[ 3 ] Aber das Initiationszeremoniell war nicht dasselbe in den verschiedenen Tempeln, deshalb gaben sie oft auf verschiedene Weise und mit verschiedenen Worten dieselben Ereignisse wieder. So haben sie auch die letzten Worte Jesu am Kreuz verschieden wiedergegeben. Bei Matthäus und Markus lauten diese folgendermaßen: «Eli, Eli, lama sabachthani!» - Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? [Elohai, Elohai lama sabachthani! - Meine Götter, warum seid ihr von mir gewichen, warum habt ihr mich verlassen?]
[ 4 ] Diese Worte sind bei Matthäus und Markus keine Initiationsformel im eigentlichen Sinn. Nachdem der Eingeweihte in den ägyptischen oder den pythagoreischen Mysterien von Hierophanten in einen Sarg gelegt worden oder auf einem Kreuz ausgestreckt worden war, lebte er dreieinhalb Tage in der geistigen Welt. Wenn er wieder auferweckt wurde, stand alles, was er erlebt hatte, klar vor seinem Bewusstsein. Es war ein tief ergreifender Augenblick für ihn, wenn alle diese Erlebnisse wie gewaltige, lebende Bilder aus seinem Inneren aufstiegen. In diesem Augenblick drängten sich über seine Lippen Worte wie zum Beispiel: «Mein Gott, wie hast du mich verherrlicht!»
[ 5 ] In den nordischen Mysterien, in denen der Eingeweihte gewissermaßen sein eigenes Seelenleben ausgelöscht hatte und im Kosmos aufgegangen war, entrang sich ihm ein anderer Ausruf wie zum Beispiel: «Mein Gott, warum hast du mich verlassen!» Die Erlebnisse, die er dann in der geistigen Welt hatte, gaben ihm Antwort auf diese Frage. Diese Worte sind deshalb nicht ein Ausruf des Schmerzes, sondern eine Wiederholung des Initiationszeremoniells und ein Ausdruck für die überwältigenden Eindrücke, die der Eingeweihte in der geistigen Welt empfangen hat.
[ 6 ] [Es sollten ja die beiden Initiationen zusammenfließen: Das Erlöschen des eigenen Inneren, Aufgehen in den großen Kosmos, presste sich in die Worte zusammen: «Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?» Die Antwort gab ihm die geistige Welt draußen.)
[ 7 ] Dass die Evangelisten die Worte Jesu vom Kreuz auf verschiedene Weise wiedergegeben haben, beruht auf ihrer verschiedenen Einweihung. Das Golgatha-Mysterium wurde von ihnen als ein Akt im Initiationsdrama angesehen, und jeder von ihnen hatte seine Aufmerksamkeit auf Worte und Ausdrücke gerichtet, die mit dem übereinstimmten, was man bei dieser Gelegenheit gewöhnt war zu sehen und zu hören. Deswegen konnte Markus, der in die nördlichen Mysterien eingeweiht war, die Worte hören. «Mein Gott, mein Gott warum hast du mich verlassen?» Während Lukas, der Therapeut, der nun als ein Werkzeug für die heilenden Kräfte des Kosmos bei sich besonders die große Selbstüberwindung entwickelt hatte, naturgemäß andere Worte hören musste. In den Tempeln, wo die Therapeuten ausgebildet wurden, hatte man verstanden, dass das eigene Innere des Eingeweihten zuallererst zum Schweigen gebracht werden musste, wenn die geistigen Kräfte des Kosmos durch ihn wirken können sollten, und der Erfolg seiner Arbeit beruhte gerade auf dieser seiner Fähigkeit, sich selbst ganz zu vergessen und nur ein Werkzeug für höhere Mächte zu sein. Deshalb hörte Lukas vom Kreuz die Worte: «Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist.» - «Vater, in deine Hände lege ich alles das, was an eigenem Geiste in mir ist», denn diese Worte waren die Worte des initiierten Therapeuten beim letzten Akt der Einweihung - und die Lukas gewöhnt war zu hören.
Überschauen der Denkkräfte - Johannes.
Überschauen der Gefühlskräfte - Lukas.
Ausbildung der magischen Willenskräfte - Markus.
Harmonie - Matthäus.
[ 8 ] In dem Christus als dem größten aller Eingeweihten waren MagieHeilkunst und Weisheit vereint, und deshalb konnte jeder der Evangelisten in seinen Mund die Worte, die er schon von seinem eigenen Einweihungstempel her kannte, legen.
[ 9 ] Johannes, als der von dem Christus selbst Eingeweihte, hat indessen tiefer in sein Wesen geblickt als jemand anders und daher auch besser als irgendein anderer seine Mission auf Erden verstanden. Um Jesu Mission zu verstehen, müssen wir uns erst das Ziel unserer Erde klarmachen. Welches ist wohl die eigentliche Mission der Erde? Unsere Erde ist ja, wie wir wissen, eine Reinkarnation anderer planetarischer Wesen. [Die letzte Mondkatastrophe tötete ihr Wesen durch Cyanverbindung, durch Blausäure (was die Mondmenschen atmeten).] In einer vorhergehenden Inkarnation war sie Mond, davor Sonne, und vor der Sonnenperiode war sie Saturn gewesen. Blicken wir zurück auf die letzte, die Mondperiode, so finden wir dort keinerlei Anzeichen von dem, was wir Liebe nennen können - weder auf den niederen, noch auf den höheren Entwicklungsstadien. Eine innere Anziehung von Wesen zu Wesen, eine geistige Liebe, gab es auf dem Monde nicht, sondern die Wesen, die da lebten, wurden durch ein unbewusstes, instinktartiges Gesetz dahin getrieben, zusammenzuwirken. Wenn ein Gewicht eine Waage herunterdrückt, spricht man nicht von Liebe. Ebenso wenig darf man dieses Gesetz Liebe nennen, das diese Wesen zueinander trieb. Langsam wurde dagegen Weisheit in der Mondentwicklung eingepflanzt, und deshalb finden wir auf unserer Erde die Weisheit überall.
[ 10 ] Auf dieselbe Art soll die Liebe während der Erdenentwicklung eingepflanzt werden, sodass bei der nächsten Erdinkarnation die Liebe allen Wesen entgegenstrahlen soll - so wie uns jetzt überall die Weisheit begegnet. Diese Liebe, die während der lemurischen Zeit nur erst auf dem niedersten Stadium als physische Liebe wirkte, soll mit der Erdevolution immer mehr vervollkommnet und vergeistigt werden, sodass in der nächsten Erdeninkarnation als Jupiter alles von Liebe durchdrungen sein und strahlen soll, so wie jetzt alles von Weisheit getragen wird.
[ 11 ] 600 Jahre vor Christus bekam die Menschheit durch Buddha zum ersten Male die Lehre von Mitleid und Liebe. Aber wenn in unseren Tagen einige Menschen reif genug sind, diese Lehre verwirklichen zu können, so ist das durch die geistige Kraft, die der Christus dem Menschengeschlecht zugeführt hat. Lassen Sie uns das mit einem Beispiel belegen. Wenn wir uns zum Beispiel die Sixtinische Madonna denken: Wir können das Bild in unserer Erinnerung hervorrufen, wir können es auch teilweise verstehen. Aber können wir es deshalb malen? Es ist ein großer Unterschied zwischen dem Verstehen einer Sache und deren Ausführung. Und so, wie es größer ist, das Bild malen zu können, als es bloß zu verstehen, so ist auch die Kraft der Liebe mehr als nur die Lehre von Liebe und Mitleid.
[ 12 ] Diese Kraft zu Liebe und Mitleid hat der Christus in die Menschheit ergossen, aber das konnte nicht ohne das Golgatha-Mysterium geschehen. Den Menschen den ersten Impuls zu Liebe im geistigen Sinn zu geben, war die große Mission des Christus. Und der Jünger, den er selbst eingeweiht hat, war natürlich der Nächste, das zu verstehen und anzuerkennen. Ihm konnte er sein tiefstes Geheimnis anvertrauen. Bis dahin hatte nur das Blutsband die Menschen miteinander vereint. Jetzt sollte ein geistiges Band gestiftet werden, das Seele mit Seele ebenso intim und innig verband wie das Blutsband zwischen Mutter und Sohn. In den Worten, die der Christus vom Kreuze an seine Mutter richtet: «Mutter, siehe deinen Sohn», und an den Jünger: «Siehe deine Mutter», stiftete er ein ganz neues Verhältnis der Menschen zueinander. [Die ganze Zukunft der Erdenliebe redet herab von dem Kreuze in diesem Augenblick.] Das war die große Bruderliebe der Menschen, das Band der allgemeinen Bruderschaft, das hier als Vorbild für die künftige Entwicklung der Erde eingestiftet wurde. Es war ein geistiges Verhältnis zwischen einer Mutter im Geiste und einem Sohn im Geiste; und in den Worten, die in diesem Augenblick vom Kreuze gesprochen wurden, liegt die ganze Zukunft der Liebe. Diese Worte musste Johannes niederschreiben, damit die Menschen den großen Impuls verstehen können sollten, den der Christus ihnen gegeben hat.
[ 13 ] Jesus konnte zu seiner Zeit den Jüngern nicht alles mitteilen. «Ich habe euch noch vieles zu sagen; aber ihr könnt es jetzt nicht tragen.»
[ 14 ] Aber der Geist sollte offenbaren, was in dem in die Erde vergrabenen Samenkorn liegt, was aus der Nacht des Todes hervorsprießt; und dann wird verstanden werden, was in der Seele des Menschen verborgen liegt.
[ 15 ] Um das Jahr 3101 vor Christus hatte, wie wir schon wissen, das alte Hellsehen langsam bei den einzelnen Menschen aufzuhören angefangen; und die geistige Welt war ihnen immer mehr unerreichbar geworden. In demselben Maße, wie das Hellsehen verschwand, war indessen das Ichbewusstsein entwickelt worden - und zur Zeit Jesu hatte es seine volle Entwicklung erreicht. Aber damit es aufrechterhalten werden könnte, war die Botschaft Christi notwendig, dass das Himmelreich gekommen war.
[ 16 ] Aber die Zeit des Kali-Yuga, das dunkle Zeitalter der Menschheit, das im Jahre 3101 vor Christus begann, hat mit dem Jahr 1899 geendet. Und in unserer Zeit gehen wir einer anderen Entwicklung entgegen. Neue Seelenkräfte sollen entwickelt werden beim Menschen, und im Jahre 1932 bis 1933 soll der Zeitpunkt da sein, an dem gewisse hellseherische Kräfte gewissermaßen von selbst aus den Tiefen der Seele bei einer größeren Anzahl von Menschen auftreten werden. Aber damit in dieser Zeit Bestürzung und Verwirrung nicht allzu sehr um sich greifen sollen, ist es nötig, dass es Führer gibt, die den Menschen sagen können, was sie mit diesen ihren neuen Kräften machen sollen. Denn nur die geistig Vorbereiteten wissen, was sie zu suchen haben. Nur diese wissen und erkennen an, dass es eine geistige Welt gibt.
[ 17 ] Durch okkultes Trainieren kann ein Mensch zwar schon jetzt geistige Augen bekommen und kann dann das geistige Wesen des Christus in der astralen Atmosphäre der Erde schauen, denn wahr sind diese Worte: «Ich bin euch nahe alle Tage bis an das Ende der Welt.» Aber an einem gewissen Zeitpunkt wird eine Menge von Menschen auf natürliche Weise in die geistige Welt hineinschauen können. Und werden sie dann nicht von geistig vorbereiteten Menschen unterwiesen, können sie leicht aus Angst und Schrecken zum Wahnsinn getrieben werden, weil sie nicht wissen und verstehen, was sie schauen. [Wenn man es ihnen sagt, wenn sie wissen werden, dass es eine geistige Welt gibt, werden sie es erkennen können und Einklang schaffen. Was erscheinen wird den geistigen Augen in der astralischen Sphäre der Erde für eine Anzahl von Menschen, ist die geistige Erscheinung des Christus. Das ist das, was man nennt das Wiederkommen des Christus.]
[ 18 ] So wie der Christus einmal in einem physischen Leibe auf der Erde wanderte und da von einer Anzahl Menschen mit ihren physischen Augen gesehen wurde, so wird er in der nächsten Zeitperiode in der Astralwelt allen Menschen sichtbar sein. Dieses Zeitalter wird ungefähr fünfhundert Jahre dauern von 1899 bis 2500. In dieser Zeit werden die Menschen anfangen, zu der geistigen Welt aufzusteigen, wo er ist, und aller Augen werden geöffnet werden, sodass die Menschheit in ihrer Ganzheit verstehen und erkennen wird, wer der Christus ist.
[ 19 ] Aber schon jetzt müssen wir anfangen, die Menschen auf diesen großen Augenblick vorzubereiten, gleich wie Johannes der Täufer seinerzeit die Menschen auf die Ankunft des Christus auf der Erde vorbereiten sollte, so muss die Theosophie in unseren Tagen den Menschen helfen, den Zeiten, die bevorstehen, zu begegnen. Denn die Zeiten sind nahe, wo die Menschen Kraft bekommen sollen, hier auf der Erde das Reich des Christus zu verwirklichen. Fassen wir unsere Mission in diesem Geist, so wird die Theosophie mehr und mehr Frieden und Toleranz in der Welt verbreiten. Und wenn dann die Fähigkeit, den Christus zu sehen, mehr allgemein wird, werden auch andere Fähigkeiten erwachsen. Dann werden auch die großen Helfer des Christus allmählich wieder hervortreten. Zuallererst der große Buddha, der der Erste war, die Lehre von Mitleid und Liebe zu verbreiten. Nach ihm kommen die Boten der großen Loge, die zwölf Führer der Erdenevolution, die in dem Christus den Dreizehnten und Vornehmsten sehen, um den sie sich scharen. Andere Lehrer sind diesen vorausgegangen, um die Menschen vorzubereiten, und nach ihnen werden andere kommen, um die große Mission des Christus deutlich zu erklären.
[ 20 ] Die Menschen, die in einer Inkarnation Buddha verehrt haben, werden in der folgenden Inkarnation verstehen, dass Buddha auf den Christus hingewiesen hat. Was Buddha selbst sechshundert Jahre vor Christus gesagt hat, ist nicht dasselbe, was er in unseren Tagen zu sagen hat. Jede dieser Lehren soll ihr Wort über den großen Christusimpuls sagen. Alle Religionen haben ihre Wurzeln, aber auch alle Religionen haben ihre Entwicklung. Und alle haben dieselbe Botschaft an die Menschheit gehabt. So Zarathustra, so das Alte Testament, so auch die chaldäisch-ägyptischen Urkunden, so auch die Theosophie in unseren Tagen. Alle diese Sendboten des Himmels sollen wir entgegennehmen, sodass die große Weisheitslehre sich auf die mannigfaltigste Weise entwickeln kann. Die großen Eingeweihten waren sich alle einig, denn sie wussten, dass jeder seinen Beitrag zu liefern hatte und dass alle diese Beiträge zusammenfließen sollten. So hatte auch jeder Rishi seine besondere Mission, aber das, was die sieben Rishis jeder für sich verkündeten, schmolz zu einer einzigen großen Botschaft an die Menschheit zusammen.
[ 21 ] Aber das, was geeignet war, harmonisch zusammenzuklingen, haben die Menschen in Disharmonien verändert. Die Söhne der Götter hatten den Menschen das gebracht, was sie jeder für sich ihnen zu geben hatten. Aber unter ihnen gab es einige, die sich mit dem menschlichen Egoismus verbanden, um die Harmonie zu stören. Und so wurde die Disharmonie immer größer und größer. Dieses geschah, als die Söhne der Götter an den Töchtern der Menschen Gefallen fanden. Mit anderen Worten: als die göttliche Weisheit hernieder auf die Erde stieg und sich mit dem menschlichen Egoismus verband. Wir müssen uns der Wahrheit nähern und uns durch die Liebe entwickeln.
[ 22 ] Nicht nur die Seelen, auch die Weltanschauungen müssen einander lieben. Der Christus hat den Impuls zu der großen Bruderschaft gegeben, die alle Menschen und alle Religionen vereinen soll. Wenn die menschliche Weisheit für die göttliche Weisheit geopfert worden ist, dann werden wir die Töchter der Götter wiederfinden, die geistige Weisheit. Dann werden die Söhne der Menschen sich zu den Töchtern der Götter erheben. Und damit beginnt die andere Hälfte der Erdenevolution. Der Christusimpuls ist die große einende und harmonisierende Kraft, die wir auf unser Seelenleben wirken lassen müssen. Nicht nur auf unseren Verstand, auch auf unser Gefühl müssen wir diesen Impuls wirken lassen, und dann werden wir fühlen, welche unendliche Wärme uns entgegenströmt, dann werden wir empfinden, wie sogar der tote Buchstabe die Kraft hat, den Impuls auf uns überzuführen, der von Golgatha sich über alle Welt ergossen hat, um die Menschheit immer höher und höher zu führen.
[ 23 ] Durch die Theosophie und die Geisteswissenschaft sollen die Menschen die Evangelien immer besser verstehen. Und je tiefer wir in sie eindringen, desto mehr Wärme wird uns von dorther zuströmen. Nicht die Theorie, sondern das Gefühl ist das Wesentliche. Aber es ist vergebliche Liebe zu predigen, wenn die Menschen nicht durch die Geisteswissenschaft Weisheit bekommen, denn ohne Weisheit kann niemand zur Liebe kommen. Wie am Anfang der Zeiten die Göttersöhne herunterstiegen und sich mit den Töchtern der Erde verbanden, so sollen in der Vollendung der Zeiten die Menschensöhne die Göttersöhne wiederfinden und zu ihnen aufsteigen.
[ 24 ] [Der Aufstieg wird dann als die zweite Hälfte der Erdenmission erscheinen. Das Johannes-Evangelium hat die Kraft, uns den Impuls des Christus unmittelbar zu übermitteln. Desto mehr werden wir durchglüht werden von jenem Feuer im Geiste, von dem Christus sprach, [je mehr] wir das Johannes-Evangelium lesen.]
