The Advent of Christ in the Ethereal World
GA 118
15 May 1910, Hamburg
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The Advent of Christ in the Ethereal World, tr. SOL
12. Pfingsten, das Fest der freien Individualität
12. Pentecost, the Feast of Free Individuality
[ 1 ] Ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen.
[ 1 ] You will know the truth, and the truth will set you free.
[ 2 ] Feste lenken als Erinnerungszeichen der Zeit unsere Gedanken und Gefühle nach der Vergangenheit. Durch dasjenige, was sie bedeuten, erwecken sie in uns Vorstellungen, die uns verbinden mit allem dem, was unseren Seelen selber in Zeiten der Vergangenheit heilig war. Durch das Verständnis dessen, was in solchen Festen liegt, werden in uns aber auch andere Vorstellungen erregt, solche, die unseren Blick hinlenken nach der Zukunft der Menschheit, das heißt für uns: nach der Zukunft unserer eigenen Seele. Gefühle werden wachgerufen, die uns Begeisterung verleihen, um uns hineinzuleben in die Zeiten der Zukunft, und Ideale begeistern unseren Willen, die uns Kraft geben, um so zu wirken, daß wir unseren Aufgaben für die Zukunft immer mehr gerecht werden können.
[ 2 ] As commemorations of time, festivals direct our thoughts and feelings toward the past. Through their significance, they awaken within us images that connect us to all that was sacred to our souls in times past. But through an understanding of what such festivals entail, other images are also stirred within us—images that direct our gaze toward the future of humanity, which for us means: toward the future of our own soul. Feelings are evoked that inspire us to live fully into the times of the future, and ideals inspire our will, giving us the strength to act in such a way that we can increasingly fulfill our tasks for the future.
[ 3 ] Im tieferen Sinne des Wortes darf so, mit einem geistigen Gesicht nach vorn und nach rückwärts weisend, das Pfingstfest gekennzeichnet werden. Was dieses Pfingstfest für die Menschen des Abendlandes bedeutet, das stellt sich vor uns hin in einem gewaltigen, in einem tief ins Gemüt sprechenden Bilde. Dieses Bild kennt ja wohl ein jeder der hier Anwesenden. Der Begründer, der Stifter des Christentums weilt noch eine Weile, nachdem er das Mysterium von Golgatha vollzogen hat, unter denen, die ihn zu sehen vermögen in jener Leiblichkeit, die er nach dem Mysterium von Golgatha angenommen hat. Und dann wird uns die weitere Folge der Ereignisse in einer bedeutungsvollen Bilderreihe vor die Seele gerückt. Es löst sich auf, sichtbar in einer gewaltigen Vision für seine nächsten Bekenner, die Leiblichkeit, die der Begründer des Christentums nach dem Mysterium von Golgatha angenommen hat, in der sogenannten Himmelfahrt.
[ 3 ] In the deepest sense of the word, the Feast of Pentecost can thus be characterized as having a spiritual face that looks both forward and backward. What this Feast of Pentecost means for the people of the West is presented to us in a powerful image that speaks deeply to the soul. This image is surely familiar to everyone present here. The founder, the originator of Christianity, remains for a while, after having accomplished the Mystery of Golgotha, among those who are able to see him in that physical form he assumed after the Mystery of Golgotha. And then the further sequence of events is brought before our souls in a meaningful series of images. The physical form that the founder of Christianity assumed after the Mystery of Golgotha dissolves, visibly in a mighty vision for his closest followers, in what is known as the Ascension.
[ 4 ] Und dann folgt nach zehn Tagen das, was uns nun gekennzeichnet wird durch ein Bild, das eine eindringliche Sprache führt für alle Herzen, die es verstehen wollen. Versammelt sind die Bekenner des Christus, versammelt die, welche ihn zuerst verstanden haben. Tief fühlen sie den gewaltigen Impuls, der durch ihn eingezogen ist in die Menschheitsentwickelung, und erwartungsvoll harrt ihre Seele nach der Verheißung, die ihnen geworden ist, der Ereignisse, die sich in diesen Seelen selbst vollziehen sollen. Versammelt sind sie mit tiefer Inbrunst, diese ersten Bekenner und Versteher des Christus-Impulses, an dem Tage des in ihren Gegenden altehrwürdigen Pfingstfestes. Und erhoben werden ihre Seelen zu höherer Anschauung, gerufen werden sie gleichsam durch das, was uns dargestellt wird als «gewaltiges Brausen», um ihr Betrachtungsvermögen nach dem hinzulenken, was da werden soll, was ihnen bevorsteht, wenn sie in immer neuen Wiederverkörperungen mit dem Feuerimpuls, den sie in ihre Herzen empfangen haben, auf dieser unserer Erde leben werden.
[ 4 ] And then, ten days later, comes what is now depicted to us through an image that speaks powerfully to all hearts willing to understand it. Gathered are the followers of Christ, gathered are those who understood him first. They deeply feel the mighty impulse that has entered human development through him, and their souls wait expectantly for the promise that has been given to them, for the events that are to take place within these souls themselves. Gathered with deep fervor are these first confessors and understanders of the Christ impulse, on the day of the Pentecost festival, which is time-honored in their regions. And their souls are lifted to a higher vision; they are called, as it were, by what is described to us as a “mighty roaring,” to direct their powers of contemplation toward what is to come, toward what lies ahead of them when, in ever-new reincarnations, they will live on this earth of ours with the fiery impulse they have received into their hearts.
[ 5 ] Und hingemalt wird vor unsere Seele das Bild der «feurigen Zungen», die sich niederlassen auf das Haupt eines jeglichen Bekenners, und eine gewaltige Vision sagt den Teilnehmenden, wie die Zukunft dieses Impulses sein wird. Denn die also versammelten und die geistige Welt im Geiste schauenden ersten Versteher des Christus fühlen sich so, als ob sie nicht sprechen würden zu denen, die in ihrer unmittelbaren Raumesnähe, in ihrer unmittelbaren Zeitennähe sind: sie fühlen ihre Herzen weit, weit hinausversetzt zu den verschiedensten Völkern des Erdkreises, und sie fühlen, wie wenn in ihren Herzen etwas lebt, was übersetzbar ist in alle Sprachen, in das Verstehen der Herzen aller Menschen. Wie umringt fühlen sich die ersten Bekenner in dieser gewaltigen Vision, die ihnen aufgeht von der Zukunft des Christentums, wie umringt von den zukünftigen Verstehern aus allen Völkern der Erde. Und sie fühlen es so, als ob sie einmal die Macht haben würden, die christlichen Verkündigungen in solche Worte zu kleiden, die nicht nur denen verständlich sind, die gerade in ihrer unmittelbaren Raumes- und Zeitennähe sind, sondern allen Menschen auf Erden, die ihnen in der Zukunft begegnen werden.
[ 5 ] And the image of the “tongues of fire” settling upon the head of every believer is painted before our soul, and a powerful vision reveals to those present what the future of this impulse will be. For the first understanders of Christ, gathered together in this way and beholding the spiritual world in spirit, feel as though they were not speaking to those who are in their immediate spatial proximity, in their immediate temporal proximity: they feel their hearts transported far, far away to the most diverse peoples of the globe, and they feel as if something lives in their hearts that can be translated into all languages, into the understanding of the hearts of all people. How surrounded the first confessors feel in this mighty vision that dawns upon them of the future of Christianity, how surrounded by the future understanders from all the peoples of the earth. And they feel as though they might one day have the power to clothe the Christian message in words that are understandable not only to those who are immediately close to them in space and time, but to all people on earth who will encounter them in the future.
[ 6 ] Das war es, was als ein innerer Gefühls- und Gemütsinhalt sich ergab für die ersten Bekenner des Christentums am ersten christlichen Pfingstfeste. Die Erklärungen aber, die im Sinne des wahrhaft esoterischen Christentums gegeben werden und in Bilder gekleidet wurden, sie sagen: Der Geist, der auch wohl genannt wird der Heilige Geist, der da ist, der seine Kraft zur Erde herniederschickte in der Zeit, als der Christus Jesus in die Erde hinein seinen Geist sandte, der zunächst wiedererschien, als der Jesus getauft wurde von Johannes dem Täufer, derselbe Geist in einer andern Form, in Form vieler einzelner, leuchtend feuriger Zungen, senkte sich nieder zu den einzelnen Individualitäten der ersten christlichen Versteher. — Von diesem Heiligen Geiste wird uns im Pfingstfeste noch in einer ganz besonderen Form gesprochen. Stellen wir einmal die Bedeutung des Wortes «Heiliger Geist», wie es in den Evangelien gemeint ist, vor unsere Seele hin. Wie sprach man denn überhaupt in alten Zeiten, auch in den der christlichen Verkündigung vorangegangenen, von dem Geist?
[ 6 ] This was the inner emotional and spiritual experience that arose for the first followers of Christianity on the first Christian Pentecost. But the explanations given in the spirit of true esoteric Christianity, clothed in imagery, say: The Spirit, who is also rightly called the Holy Spirit, who is present, who sent his power down to earth at the time when Christ Jesus sent his Spirit into the world, who first reappeared when Jesus was baptized by John the Baptist, that same Spirit, in a different form—in the form of many individual, luminous, fiery tongues—descended upon the individual souls of the first Christian disciples. — This Holy Spirit is spoken of to us in a very special way during the Feast of Pentecost. Let us once consider the meaning of the word “Holy Spirit,” as it is understood in the Gospels, in our hearts. How, then, did people speak of the Spirit in ancient times, even in the periods preceding the Christian proclamation?
[ 7 ] Man sprach in alten Zeiten in vieler Beziehung vom «Geist», insbesondere aber in einer Beziehung. Man hatte ja die durch unsere heutige geisteswissenschaftliche Erkenntnis wieder sich rechtfertigende Anschauung: Wenn ein Mensch durch die Geburt ins Dasein tritt, das zwischen Geburt und Tod verfließt, dann wird der Leib, in den diese Individualität sich hineinverkörpert, in zweifacher Weise bestimmt. Diese menschliche Leiblichkeit hat ja im Grunde zweierlei Aufgaben zu erfüllen. Wir sind mit unserer Leiblichkeit Menschen im allgemeinen; wir sind aber auch mit unserer Leiblichkeit vor allen Dingen Menschen dieses oder jenes Volkes, dieser oder jener Rasse oder Familie. In jenen alten Zeiten, die der christlichen Verkündigung vorangegangen waren, verspürte man noch wenig von dem, was man nennen kann «allgemeine Menschheit», von jenem Zusammengehörigkeitsgefühl, das immer mehr und mehr seit der christlichen Verkündigung in dem Menschenherzen gegenwärtig ist, und das uns sagt: Du bist Mensch mit allen Menschen der Erde! — Dagegen hatte man um so mehr von jenem Gefühl, das den einzelnen Menschen zum Angehörigen eines einzelnen Volkes oder Stammes machte.
[ 7 ] In ancient times, people spoke of the “spirit” in many contexts, but particularly in one specific sense. They held the view—which is now vindicated by our modern spiritual scientific understanding—that: When a human being enters existence through birth, the existence that flows between birth and death, then the body into which this individuality incarnates is determined in two ways. This human physicality essentially has two tasks to fulfill. Through our physicality, we are human beings in general; but through our physicality, we are above all human beings of this or that people, this or that race, or family. In those ancient times that preceded the Christian proclamation, there was still little sense of what might be called “universal humanity,” of that feeling of belonging that has become increasingly present in the human heart since the Christian proclamation, and which tells us: You are human with all the people of the earth! — In contrast, people had all the more of that feeling that made the individual a member of a particular people or tribe.
[ 8 ] Das haben wir ja selbst in der altehrwürdigen Hindureligion ausgedrückt in dem Glauben, daß ein wahrer Hindu nur der sein könne, der durch Blutsgemeinschaft ein Hindu ist. In vieler Beziehung hielten daran auch fest — obwohl sie dieses Prinzip vielfach durchbrochen hatten — die Angehörigen des althebräischen Volkes vor der Ankunft des Christus Jesus. Ein Angehöriger seines Volkes war der Mensch nach ihrer Anschauung erst dadurch, daß ein Elternpaar, das diesem Volke angehörte, das heißt blutsverwandt war, ihn hineingestellt hatte in dieses Volk.
[ 8 ] We have expressed this ourselves in the time-honored Hindu religion through the belief that a true Hindu can only be one who is a Hindu by blood. In many respects, the members of the ancient Hebrew people also adhered to this—even though they had frequently violated this principle—before the arrival of Jesus Christ. According to their view, a person was a member of their people only if a pair of parents who belonged to that people—that is, who were blood relatives—had placed him within that people.
[ 9 ] Aber auch etwas anderes wußte man immer zu fühlen. Man war zwar in alten Zeiten bei allen Völkern immer mehr oder weniger sich fühlend wie ein Glied eines Stammes, wie ein Glied des Volkes, doch je weiter wir zurückgehen in urferne Vergangenheit, desto intensiver ist dieses Gefühl vorhanden, sich gar nicht als eine einzelne Individualität zu fühlen, sondern als Glied eines Volkes. Aber man lernte allmählich doch auch als einzelner Mensch sich fühlen, als eine einzelmenschliche Individualität mit individuellen menschlichen Eigenschaften. Das fühlte man gleichsam als die zwei Prinzipien, welche in unserer äußeren Menschlichkeit wirken: die Zugehörigkeit zum Volke und die Individualisierung als einzelner Mensch.
[ 9 ] But there was something else that people always felt as well. In ancient times, people of all nations always felt, to a greater or lesser extent, like a member of a tribe, like a member of the people; yet the further back we go into the distant past, the more intense this feeling becomes—not of being a single individual, but of being a member of a people. But gradually, people also learned to feel themselves as individual human beings, as individual human entities with individual human characteristics. This was felt, as it were, as the two principles at work in our outward humanity: belonging to the people and individualization as a single human being.
[ 10 ] Nun schrieb man die Kräfte, die zu diesen zwei Prinzipien gehörten, in verschiedener Weise den beiden Eltern zu. Das Prinzip, durch das man mehr seinem Volk angehörte, durch das man sich mehr der Allgemeinheit eingliederte, schrieb man der Vererbung durch die Mutter zu. Wenn man im Sinne dieser alten Anschauungen fühlte, sagte man von der Mutter, in ihr walte der Geist des Volkes. Sie war erfüllt von dem Geist des Volkes und hat das allgemein volksmäßig Menschliche vererbt an ihr Kind. Und von dem Vater sagte man, daß er Träger und Vererber jenes Prinzipes sei, das dem Menschen mehr die individuellen, persönlichen Eigenschaften gäbe. Wenn also — auch noch im Sinne des althebräischen Volkes der vorchristlichen Zeit — ein Mensch durch die Geburt ins Dasein trat, konnte man sagen: Er ist eine Persönlichkeit, er ist eine Individualität durch die Kräfte seines Vaters. Erfüllt aber war seine Mutter durch ihre ganze Wesenheit mit dem Geist, der im Volke waltet und den sie auf das Kind übertragen hat. Von der Mutter sprach man, daß in ihr der Geist des Volkes wohne. Und in diesem Zusammenhange sprach man vorzugsweise von dem Geist, der seine Kräfte heruntersendet aus den geistigen Reichen in die Menschheit, indem er auf dem Umwege durch die Mütter in die physische Welt seine Kräfte hineinströmen läßt in die Menschheit.
[ 10 ] The forces associated with these two principles were attributed to the parents in various ways. The principle through which one belonged more to one’s people, through which one integrated more fully into the community, was attributed to inheritance through the mother. When people felt in accordance with these ancient views, they said of the mother that the spirit of the people reigned within her. She was filled with the spirit of the people and bequeathed to her child the qualities common to the people as a whole. And of the father, it was said that he was the bearer and transmitter of that principle which gave human beings their more individual, personal characteristics. Thus, even in the sense of the ancient Hebrew people of pre-Christian times, when a human being came into existence through birth, one could say: He is a personality, he is an individuality through the forces of his father. But his mother was filled throughout her entire being with the spirit that reigns in the people, and which she transmitted to the child. It was said of the mother that the spirit of the people dwelt within her. And in this context, one spoke primarily of the spirit that sends its forces down from the spiritual realms into humanity, allowing its forces to flow into humanity through the physical world via the mothers.
[ 11 ] Nun war aber durch den Christus-Impuls eine neue Anschauung gekommen, eine Anschauung, daß dieser Geist, von dem man früher gesprochen hat, dieser Volksgeist abgelöst werden sollte von einem ihm zwar verwandten, aber viel höher wirkenden Geist, von einem solchen Geiste, der sich verhält zu der ganzen Menschheit, wie sich der alte Geist verhalten hat zu den einzelnen Völkern. Dieser Geist sollte der Menschheit mitgeteilt werden und sie erfüllen mit der inneren Kraft, die da sagt: Ich fühle mich nicht mehr bloß angehörig einem Teile der Menschheit, sondern der ganzen Menschheit; ich bin ein Glied der ganzen Menschheit, und werde immer mehr ein Glied dieser ganzen Menschheit sein! — Diese Kraft, die also ausgoß das allgemein Menschliche über die ganze Menschheit, schrieb man dem Heiligen Geist zu. So erhöhte sich der Geist, der sich aussprach in der Kraft, welche vom Volksgeist in die Mütter floß, vom Geist zum Heiligen Geist.
[ 11 ] Now, however, a new perspective had emerged through the Christ impulse—a perspective that this spirit, of which one had spoken earlier, this national spirit, was to be superseded by a spirit that, while related to it, would have a much higher effect; by a spirit that relates to all of humanity as the old spirit had related to individual nations. This spirit was to be imparted to humanity and fill it with the inner power that says: I no longer feel that I belong merely to a part of humanity, but to all of humanity; I am a member of all of humanity, and will increasingly become a member of all of humanity! — This power, which thus poured out the universal human essence over all of humanity, was attributed to the Holy Spirit. Thus the Spirit, which expressed itself in the power flowing from the national spirit into the mothers, was elevated from Spirit to Holy Spirit.
[ 12 ] Derjenige, der den Menschen die Kraft bringen sollte, das allgemein Menschliche immer mehr und mehr im Erdendasein auszubilden, der konnte nur wohnen, als der Erste, in einem Leibe, der vererbt war im Sinne der Kraft des Heiligen Geistes. Dies aber empfing als Verkündigung die Mutter des Jesus. Und im Sinne des MatthäusEvangeliums hören wir, wie bestürzt Joseph ist — von dem uns gesagt wird, er sei ein frommer Mann, das heißt aber im Sinne des alten Sprachgebrauches ein solcher, der nur glauben konnte, wenn er einmal ein Kind haben werde, dann werde es herausgeboren sein aus dem Geiste seines Volkes —, als er erfährt: die Mutter seines Kindes ist erfüllt, ist «durchdrungen», denn so hat das Wort seine richtige Bedeutung in unserem Sprachgebrauch, von der Kraft eines Geistes, der nicht bloß Volksgeist ist, sondern der Geist der allgemeinen Menschheit! Und er glaubt nicht, daß er mit einer Frau Gemeinschaft haben könnte, die ihm ein Kind gebären könnte, das in sich trägt den Geist der ganzen Menschheit und nicht den Geist, zu dem er in seiner Frömmigkeit gehalten hat. Da wollte er sie denn, wie gesagt wird, «heimlich verlassen». Und erst nachdem ihm auch aus den geistigen Welten eine Mitteilung gegeben worden war, die ihm Kraft gab, konnte er sich entschließen, einen Sohn zu haben von jener Frau, die durchdrungen und erfüllt war von der Kraft des Heiligen Geistes.
[ 12 ] The one who was to bring humanity the power to develop what is universally human more and more in earthly existence could only dwell, as the First, in a body that was inherited in the sense of the power of the Holy Spirit. This, however, was received as a proclamation by the mother of Jesus. And in the Gospel of Matthew, we hear how dismayed Joseph is—of whom we are told that he was a devout man, which, in the sense of the old usage, means one who could only believe that if he were ever to have a child, it would be born of the spirit of his people—when he learns: the mother of his child is with child, is “impregnated,” for that is the true meaning of the word in our usage—by the power of a Spirit that is not merely the spirit of a people, but the Spirit of all humanity! And he does not believe that he could have a relationship with a woman who could bear him a child that carries within itself the Spirit of all humanity and not the spirit to which he, in his piety, had held fast. So he wanted to, as it is said, “divorce her quietly.” And only after he had received a message from the spiritual worlds that gave him strength was he able to resolve to have a son by that woman, who was permeated and filled with the power of the Holy Spirit.
[ 13 ] Dieser Geist ist also schöpferisch betätigt, indem er mit der Geburt des Jesus von Nazareth seine Kräfte einfließen läßt in die Menschheitsentwickelung. Und er ist weiter betätigt bei jenem gewaltigen Akt der Johannestaufe am Jordan. Nun verstehen wir, was die Kraft des Heiligen Geistes ist: Es ist die Kraft, welche den Menschen immer mehr und mehr erheben soll von allem, was ihn differenziert und absondert, zu dem, was ihn zu einem Glied der ganzen, die Erde erfüllenden Menschheit macht, was als Seelenband wirkt von einer je glichen Seele zu einer jeden andern Seele, ganz gleichgültig, in welchem Leibe sie wohnt.
[ 13 ] This Spirit is thus creatively active, infusing its powers into the development of humanity through the birth of Jesus of Nazareth. And it is further active in that mighty act of John’s baptism in the Jordan. Now we understand what the power of the Holy Spirit is: it is the power that is meant to lift human beings ever higher and higher from all that differentiates and separates them, toward that which makes them a member of the whole of humanity filling the earth—a power that acts as a soul-bond from one soul to every other soul, regardless of the body in which they dwell.
[ 14 ] Von diesem selben Heiligen Geist aber wird uns gesagt, daß er es ist, der nun durch eine andere Offenbarung am Pfingstfeste einströmt in die Individualitäten der ersten Versteher des Christentums. Bei der Johannestaufe steht vor uns das Bild des Geistes in der Taube. Jetzt aber tritt ein anderes Bild auf: das Bild der feurigen Zungen. Eine Taube ist es, eine einheitliche Gestalt, in der sich der Heilige Geist bei der Johannestaufe manifestiert; in vielen einzelnen Zungen manifestiert er sich am Pfingstfest! Und jede der einzelnen Zungen ist inspirierend für die Individualitäten, für eine jegliche Individualität der ersten Bekenner des Christentums. Als was steht denn also dieses Pfingstsymbol vor unserer Seele?
[ 14 ] But we are told that it is this very Holy Spirit who, through a different revelation on the day of Pentecost, now pours into the individual beings of the first followers of Christianity. At the baptism of John, we are presented with the image of the Spirit in the form of a dove. Now, however, a different image appears: the image of fiery tongues. It is a dove, a unified form, in which the Holy Spirit manifests itself at the baptism of John; at Pentecost, it manifests itself in many individual tongues! And each of these individual tongues is an inspiration to the individuals, to every single individual among the first professed followers of Christianity. What, then, does this symbol of Pentecost represent before our soul?
[ 15 ] Nachdem der Träger des menschlichen Allgemeingeistes auf der Erde gewirkt hat, nachdem der Christus die letzten Hüllen hat zerfließen lassen ins Allgemeine, nachdem als Einheit aufgegangen ist die einheitliche Hüllennatur des Christus im geistigen Erdendasein, da ist erst die Möglichkeit gegeben, daß aus den Herzen der Versteher des Christus-Impulses hervorgeht die Möglichkeit, zu sprechen von diesem Christus-Impuls, zu wirken im Sinne dieses Christus-Impulses. Untergegangen ist der Christus-Impuls, insofern er sich in äußeren Hüllen manifestiert hat, in der einheitlichen geistigen Welt durch die Himmelfahrt; wieder aufgetaucht ist er zehn Tage danach aus den Herzen heraus der einzelnen Individualitäten, der ersten Versteher. Und dadurch, daß derselbe Geist, der gewirkt hat in der Kraft des Christus-Impulses, in vielfacher Gestalt wiedererschienen ist, dadurch wurden die ersten Bekenner des Christentums die Träger und Verkünder der Christus-Botschaft, damit an den Beginn der christlichen Entwickelung das gewaltige Wahrzeichen setzend, das uns sagen kann: So wie die ersten Bekenner — ein jeder — den Christus-Impuls aufgenommen haben, aufnehmen durften als die ihre eigenen Seelen inspirierenden feurigen Zungen, so könnt ihr Menschen alle, wenn ihr euch bemüht, den Christus-Impuls zu verstehen, die Kräfte individualisieren, den Christus-Impuls aufnehmen in eure Herzen, Kräfte aufnehmen, die euch wirken lassen im Sinne dieses Impulses immer vollkommener und vollkommener.
[ 15 ] After the bearer of the universal human spirit has worked on Earth, after Christ has dissolved the final veils into the universal, after the unified nature of Christ’s veils has merged into a single entity within the spiritual existence of the Earth, only then is the possibility given that from the hearts of those who understand the Christ impulse may arise the ability to speak of this Christ impulse, to act in the spirit of this Christ impulse. The Christ impulse, insofar as it manifested itself in outer forms, passed away into the unified spiritual world through the Ascension; ten days later it reemerged from the hearts of the individual personalities, the first understanders. And because the same Spirit that had worked in the power of the Christ impulse reappeared in manifold forms, the first confessors of Christianity became the bearers and proclaimers of the Christ message, thereby setting at the beginning of Christian development the mighty emblem that can tell us: Just as the first believers—each one—received the Christ impulse, were permitted to receive it as fiery tongues inspiring their own souls, so all of you, if you strive to understand the Christ impulse, can individualize the forces, receive the Christ impulse into your hearts, and take in forces that will enable you to act in accordance with this impulse ever more perfectly and perfectly.
[ 16 ] Eine umfassende Hoffnung kann uns erquellen aus diesem Wahrzeichen, das damals an den Ausgangspunkt des Christentums gesetzt worden ist. Und der Mensch kann fühlen, je mehr er sich vervollkommnet, daß der Heilige Geist aus seinem eigenen Innern in dem Maße spricht, als das Denken, Fühlen und Wollen des Menschen durchdrungen ist von diesem Heiligen Geist, der durch seine Spaltung, seine Vermannigfaltigung ein individueller Geist auch ist in jeder einzelnen Menschenindividualität. Dadurch ist dieser Heilige Geist für uns Menschen in bezug auf unsere Zukunftsentwickelung der Geist der Entwickelung zum freien Menschen, zur freien Menschenseele. Der Geist der Freiheit waltet in dem Geist, der sich ausgegossen hat über die ersten Versteher des Christentums am ersten christlichen Pfingstfest, der Geist, dessen bedeutsamste Eigenschaft von dem Christus Jesus selber angedeutet wird: «Ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen!»
[ 16 ] A profound hope can spring from this symbol, which was established at the very beginning of Christianity. And the more a person perfects themselves, the more they can feel that the Holy Spirit speaks from within them to the extent that the person’s thinking, feeling, and willing are permeated by this Holy Spirit, which, through its division and multiplication, is also an individual spirit within every single human individuality. Thus, for us humans, this Holy Spirit is, in relation to our future development, the Spirit of development toward the free human being, toward the free human soul. The Spirit of freedom reigns in the Spirit that was poured out upon the first understanders of Christianity at the first Christian Pentecost, the Spirit whose most significant characteristic is indicated by Christ Jesus himself: “You will know the truth, and the truth will set you free!”
[ 17 ] Frei werden kann der Mensch nur im Geiste. Solange er abhängig ist von dem, worin sein Geist als in seiner Leiblichkeit wohnt, so lange bleibt er ein Sklave dieser Leiblichkeit. Frei werden kann er nur, wenn er sich im Geiste wiederfindet und aus dem Geiste heraus Herr wird über das, was in ihm ist. «Frei werden» setzt voraus: sich als Geist finden in sich selber. Der wahre Geist, in dem wir uns finden können, ist der allgemeine Menschengeist, den wir als die in uns pfingstlich einziehende Kraft des Heiligen Geistes erkennen, den wir in uns selber gebären müssen, zur Erscheinung kommen lassen müssen. So verwandelt sich für uns das Pfingstsymbol in unser gewaltigstes Ideal der freien Entwickelung der Menschenseele zu einer in sich geschlossenen freien Individualität.
[ 17 ] Human beings can become free only in the spirit. As long as they are dependent on that in which their spirit dwells—namely, their physicality—they remain slaves to that physicality. They can become free only when they find themselves in the spirit and, from the spirit, become masters of what is within them. “Becoming free” presupposes finding oneself as spirit within oneself. The true spirit in which we can find ourselves is the universal human spirit, which we recognize as the power of the Holy Spirit moving into us at Pentecost, which we must give birth to within ourselves and allow to come into being. Thus, for us, the symbol of Pentecost is transformed into our most powerful ideal of the free development of the human soul into a self-contained, free individuality.
[ 18 ] Das haben selbst diejenigen mehr oder weniger dunkel gefühlt, die gar nicht einmal aus ihrem deutlichen Bewußtsein heraus, sondern aus einer Inspiration heraus etwas zu tun gehabt haben mit der Einsetzung des Pfingstfestes an einem bestimmten Tag des Jahres. Merkwürdig tief ist doch selbst diese äußere Festsetzung der Festtage; und der versteht wenig von der Welt, der nicht spüren kann die waltende Weisheit selbst in der Festsetzung solcher Festtage. Nehmen wir die drei Feste: das Weihnachtsfest, das Osterfest und das Pfingstfest. Weihnachten fällt als ein christliches Fest auf einen ganz bestimmten Tag des Jahres. Es ist festgesetzt ein für allemal auf den bestimmten Tag des Dezembers. In jedem Jahre feiern wir das Weihnachtsfest an diesem selben Tage. Anders ist das beim Osterfest. Ostern ist ein bewegliches Fest, welches bestimmt wird durch die Konstellationen am Himmel: am ersten Sonntag nach dem Vollmond, der auf die Frühlings-Tagundnachtgleiche folgt, ist Ostern. Dazu muß der Mensch den Blick hinausrichten in Himmelsweiten, wo die Sterne ihre Bahn gehen und uns aus Himmelsweiten hereinverkünden die Gesetze der Welt. Ein bewegliches Fest ist Ostern, wie in dereinzelnen Menschenindividualität beweglich ist der Zeitpunkt, an dem aufwacht die Kraft des höheren Menschen mit einem höheren Bewußtsein, um frei zu werden von der gewöhnlichen niederen Menschlichkeit. So wie in dem einen Jahre das Osterfest an diesem Tage, in einem andern Jahr an jenem Tage stattfindet, so wird bei dem einzelnen Menschen, je nach seiner Vergangenheit und der Kraft seines Strebens, der Zeitpunkt früher oder später kommen, wo er sich bewußt wird: Ich kann in mir die Kraft finden, einen höheren Menschen aus mir erstehen zu lassen!
[ 18 ] Even those who had something to do with the establishment of the Feast of Pentecost on a specific day of the year—not out of clear consciousness, but out of inspiration—have sensed this, albeit more or less vaguely. Yet even this outward fixing of feast days is strangely profound; and he understands little of the world who cannot sense the prevailing wisdom even in the fixing of such feast days. Let us take the three feasts: Christmas, Easter, and Pentecost. As a Christian feast, Christmas falls on a very specific day of the year. It is fixed once and for all on a specific day in December. Every year we celebrate Christmas on this very same day. It is different with Easter. Easter is a movable feast, determined by the constellations in the sky: Easter falls on the first Sunday after the full moon following the spring equinox. To understand this, one must cast one’s gaze out into the vastness of the heavens, where the stars follow their courses and proclaim to us from the heavens the laws of the world. Easter is a movable feast, just as the moment when the power of the higher human being awakens with a higher consciousness—to become free from ordinary, lower humanity—is variable within the individual’s own being. Just as in one year Easter takes place on this day, and in another year on that day, so too will the moment come sooner or later for the individual, depending on their past and the strength of their striving, when they become aware: I can find within myself the strength to let a higher human being arise from me!
[ 19 ] Das Weihnachtsfest aber ist ein unbewegliches Fest. Das ist jenes Fest, da der Mensch über seinen Jahreslauf hat hingehen lassen Aufblühen und Verblühen der Natur, alle Freuden der quellenden und strömenden Naturkräfte. Da sieht der Mensch das Erdendasein im Schlafzustande, wo es in sich hinuntergenommen hat die Kraft der Keime; zurückgezogen hat sich die äußere Natur mit allem, was in ihr an Quellkräften liegt. Wo die äußere Sinnenwelt am wenigsten sieht an Offenbarungen dieser Quellkräfte, wo die Erde selber zeigt, wie sich in einer bestimmten Zeit die geistigen Kräfte zurückziehen, um sich zu sammeln für ein nächstes Jahresdasein, wo die äußere Natur am meisten schweigt, da soll der Mensch am Weihnachtsfest in sich den Gedanken rege werden lassen, daß es für ihn eine Hoffnung gibt: daß er nicht nur vereint ist mit den Kräften der Erde, die jetzt in der Weihnachtszeit schweigen, sondern daß er mit denjenigen Kräften vereint ist, welche niemals schweigen, mit Kräften, die nicht bloß auf der Erde, sondern in geistigen Reichen wohnen. Diese Hoffnung soll in seiner Seele aufgehen, da er die Erde gleichsam hat einschlafen sehen. Aus dem tiefsten Innern der Seele selber soll diese Hoffnung quellen, und geistig Licht soll es werden, wo es am finstersten ist in der äußeren physischen Natur. Da soll sich der Mensch durch das Wahrzeichen des Weihnachtsfestes erinnern, daß er an seinen Erdenleib mit seinen Ich-Kräften zunächst ebenso gebunden ist, wie das, was an Offenbarungen um ihn herum ist, gebunden ist an den Erdenlauf während des Jahres. Mit dem Einschlafen der Erde, das jedes Jahr zum selben Zeitpunkt erfolgt, ist das Weihnachtsfest auf den gleichen Zeitpunkt angesetzt: an denjenigen, wo der Mensch sich erinnern soll, daß er an einen Leib gebunden, aber nicht dazu verurteilt ist, mit diesem Leib allein vereinigt zu sein, sondern daß er in sich die Hoffnung schöpfen darf, die Kraft zu finden, um in sich selber eine freie Seele zu werden. Was wir in der Bedeutung des Weihnachtsfestes erkennen, soll uns so erinnern an unsere Verbindung mit dem Leib und an unsere Anwartschaft, uns zu befreien von diesem Leib.
[ 19 ] Christmas, however, is a fixed feast day. This is the festival at which humanity has allowed nature’s blossoming and withering, all the joys of the welling and flowing forces of nature, to pass over the course of the year. Here humanity sees earthly existence in a state of sleep, having drawn the power of the seeds into itself; outer nature has withdrawn with all the welling forces within it. Where the outer sensory world perceives the least of the manifestations of these springing forces, where the earth itself shows how, at a certain time, the spiritual forces withdraw to gather themselves for the coming year, where outer nature is most silent—there, at Christmas, a person should allow the thought to stir within them that there is hope for them: that he is not only united with the forces of the earth, which now lie silent during the Christmas season, but that he is united with those forces that never fall silent, with forces that dwell not merely on earth but in spiritual realms. This hope should arise in his soul, for he has, as it were, seen the earth fall asleep. This hope should spring from the deepest innermost part of the soul itself, and it should become spiritual light where it is darkest in the outer physical world. Through the symbol of the Christmas festival, people should remember that they are initially just as bound to their earthly body with its ego forces as the phenomena around them are bound to the course of the earth throughout the year. With the Earth’s slumber, which occurs at the same time each year, Christmas is set for the same moment: the moment when human beings are to remember that they are bound to a body, but are not condemned to be united with this body alone, but rather that they may draw hope within themselves to find the strength to become a free soul within themselves. What we recognize in the meaning of Christmas should thus remind us of our connection to the body and of our hope to free ourselves from this body.
[ 20 ] Von unserem Streben aber hängt es ab, ob wir früher oder später die Kräfte zur Entfaltung bringen, auf die wir hoffen dürfen, und die uns wieder hinauflenken zum Geistigen, zu den Himmeln. Das zu denken, soll uns das Wahrzeichen des Osterfestes bringen.
[ 20 ] It depends on our own efforts, however, whether sooner or later we will bring to fruition the powers we may hope for—powers that will guide us back up toward the spiritual realm, toward the heavens. This is the thought that the symbol of Easter should inspire in us.
[ 21 ] Das Osterfest soll uns erinnern, daß wir nicht nur die Kräfte zur Verfügung haben, die uns aus unserem Leib werden, und die ja auch göttlich-geistige Kräfte sind, sondern es soll uns erinnern, daß wir uns als Menschen erheben können über die Erde. Daher ist es das Osterfest, das uns erinnert an jene Kraft, die früher oder später in uns zum Erwachen gebracht wird. Das Osterfest ist beweglich festgesetzt worden nach den Konstellationen am Himmel. Der Mensch muß die Erinnerung an das, was er sein kann, dadurch wachrufen, daß er den Blick hinaufrichtet an den Himmel, um zu sehen, wie er befreit werden kann von allem Erdendasein und sich über alles Erdendasein erheben kann.
[ 21 ] Easter is meant to remind us that we possess not only the powers that arise from our physical bodies—which are, after all, divine-spiritual powers—but also that we, as human beings, can rise above the earth. That is why it is the Easter festival that reminds us of that power which will sooner or later be awakened within us. The Easter festival has been set as a movable feast according to the constellations in the sky. Human beings must evoke the memory of what they can be by lifting their gaze to the heavens to see how they can be liberated from all earthly existence and rise above all earthly existence.
[ 22 ] In dem, was uns als solche Kraft zukommt, liegt die Möglichkeit unserer inneren Freiheit, unserer inneren Befreiung. Wenn wir in uns fühlen, daß wir über uns selber uns erheben können, dann werden wir streben, diese Erhebung wirklich zu erreichen. Dann werden wir unseren inneren Menschen frei machen wollen, gleichsam losreißen von seiner Gebundenheit an den äußeren Menschen. Dann werden wir in unserem äußeren Menschen zwar wohnen, aber uns voll bewußt werden der innerlichen geistigen Kraft des inneren Menschen. Und von dem Zeitpunkt, wo wir gewahr geworden sind, daß wir uns befreien können, von diesem innerlichen Osterfest hängt es dann ab, ob wir auch die Pfingstzeit erreichen, wenn wir den Geist, der sich in sich selber gefunden hat, jetzt erfüllen mit einem Inhalt, der nicht von dieser Welt ist, sondern der aus den geistigen Welten ist. Dieser Inhalt aus den geistigen Welten allein kann uns frei machen. Er ist die geistige Wahrheit, von der Christus sagt: «Ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen!»
[ 22 ] In the strength that is ours by nature lies the possibility of our inner freedom, our inner liberation. When we feel within ourselves that we can rise above ourselves, then we will strive to truly achieve this elevation. Then we will want to set our inner being free, as it were, tearing it away from its bondage to the outer being. Then we will indeed dwell in our outer being, but we will become fully aware of the inner spiritual power of the inner being. And from the moment we become aware that we can liberate ourselves—from this inner Easter—it then depends on whether we also reach the time of Pentecost, when we now fill the Spirit, which has found itself within itself, with a content that is not of this world, but comes from the spiritual worlds. This content from the spiritual worlds alone can set us free. It is the spiritual truth of which Christ says: “You will know the truth, and the truth will set you free!”
[ 23 ] Darum ist das Pfingstfest abhängig von dem Osterfest. Es ist eine Folge des Osterfestes: das Osterfest, festgesetzt nach den Konstellationen am Himmel, das Pfingstfest etwas, was wie eine notwendige Wirkung nach einer bestimmten Anzahl von Wochen auf das Osterfest folgen muß.
[ 23 ] That is why Pentecost depends on Easter. It is a consequence of Easter: Easter, determined by the constellations in the sky, and Pentecost, something that must follow Easter as a necessary consequence after a certain number of weeks.
[ 24 ] So sehen wir bei tieferem Nachdenken selbst in der Festsetzung der Zeiten für diese Feste waltende Weisheit. Wir sehen, daß mit Notwendigkeit diese Feste gerade so im Jahreslauf festgesetzt sind, und daß sie uns mit jedem neuen Jahr vorführen, was wir als Menschen gewesen sind, sind und werden können. Wenn wir in dieser Weise zu denken verstehen über diese Feste, dann werden sie uns als Feste, die uns mit allem Vergangenen verbinden, etwas, was als Impuls in die Menschheit gelegt ist, damit wir vorwärtskommen. Besonders das Pfingstfest, wenn wir es so verstehen, stattet uns mit Zuversicht, mit Kraft und Hoffnung aus, wenn wir wissen, was wir werden können in unseren Seelen, indem wir Nachfolger derjenigen werden, die durch ihr erstes Verstehen des Christus-Impulses sich würdig gemacht haben, die feurigen Zungen über sich ergießen zu lassen. Die Anwartschaft auf Empfängnis des Heiligen Geistes zaubert sich vor unser geistiges Auge hin, wenn wir das Pfingstfest als ein Zukunftsfest zugleich verstehen. Aber dann müssen wir auch dieses Pfingstfest in wahrhaft christlichem Sinne verstehen lernen. Dann müssen wir verstehenlernen, was zunächst die gewaltigen Zungen, die gewaltigen Pfingstinspirationen sprachen. Was entrang sich als eherne Töne dem « Brausen», das vor sich ging nach jenem Bilde, das uns als das Pfingstbild des ersten christlichen Pfingstfestes vor die Seele gestellt wird? Was waren das für Stimmen, die in einer wunderbaren Sphärenharmonie sagten: Empfunden habt ihr die Kraft des Christus-Impulses, ihr ersten Versteher! Und die Kraft des Christus ist so in euch eine Kraft der eigenen Seele geworden, daß jede einzelne Seele fähig geworden ist, nach dem Ereignis von Golgatha den Christus in Gegenwart zu schauen. So stark hat auf jeden einzelnen von euch der ChristusImpuls gewirkt!
[ 24 ] Thus, upon deeper reflection, we see a prevailing wisdom even in the timing of these festivals. We see that these festivals are necessarily set precisely in this way within the course of the year, and that with each new year they show us what we as human beings have been, are, and can become. If we are able to think in this way about these festivals, then they will become for us festivals that connect us with all that has gone before—something embedded in humanity as an impulse to help us move forward. Pentecost in particular, when we understand it in this way, fills us with confidence, strength, and hope, when we know what we can become in our souls by becoming followers of those who, through their initial understanding of the Christ impulse, made themselves worthy to have the fiery tongues poured out upon them. The prospect of receiving the Holy Spirit appears before our spiritual eye when we understand the Feast of Pentecost as a festival of the future as well. But then we must also learn to understand this Feast of Pentecost in a truly Christian sense. Then we must learn to understand what the mighty tongues, the mighty Pentecostal inspirations, first spoke. What emerged as thunderous sounds from the “roaring” that took place according to that image which is set before our souls as the Pentecost image of the first Christian Pentecost? What were those voices that said, in a wondrous harmony of the spheres: “You have felt the power of the Christ impulse, you first understanders!” And the power of Christ has thus become within you a power of your own soul, so that every single soul has become capable, after the event of Golgotha, of beholding Christ in the present. So strongly has the Christ impulse worked upon each and every one of you!
[ 25 ] Der Christus-Impuls ist aber ein Impuls der Freiheit. Was er wirkt im wahrsten Sinne des Wortes, das zeigt sich nicht, wenn er wirkt außerhalb der menschlichen Seele. Die wahre Wirkung des ChristusImpulses tritt erst auf, wenn er in der individuellen Menschenseele selber wirksam wird. Und die ersten Versteher des Christus fühlten sich durch das Pfingstereignis berufen, zu verkündigen, was in ihrer eigenen Seele war, was sich ihnen offenbarte in ihren Offenbarungen und Inspirationen der eigenen Seele als der Inhalt der Christus-Lehre. Christus gab diese Kraft, in der eigenen Seele aufgehen zu lassen das Wort, das sie als christliche Botschaft verkündigen sollten. Indem sie sich bewußt wurden: der Christus-Impuls hat gewirkt in jener heiligen Vorbereitung, die sie gepflogen haben vor dem Pfingstfest, fühlten sie sich berufen durch die Kraft des in ihnen wirksamen ChristusImpulses, die feurigen Zungen, den individualisierten Heiligen Geist in sich selber sprechen zu lassen und hinzugehen und zu verkündigen die Botschaft des Christus.
[ 25 ] The Christ impulse, however, is an impulse of freedom. What it accomplishes in the truest sense of the word is not evident when it acts outside the human soul. The true effect of the Christ impulse only becomes apparent when it takes effect within the individual human soul itself. And the first followers of Christ felt called by the event of Pentecost to proclaim what was within their own souls—what was revealed to them through the revelations and inspirations of their own souls as the content of the Christ teaching. Christ gave them the power to allow the Word, which they were to proclaim as the Christian message, to arise within their own souls. As they became aware that the Christ impulse had been at work in the sacred preparation they had undertaken before the Feast of Pentecost, they felt called by the power of the Christ impulse active within them to let the fiery tongues, the individualized Holy Spirit, speak within themselves and to go forth and proclaim the message of Christ.
[ 26 ] Nicht etwa bloß das, was der Christus ihnen gesagt hat, nicht allein diejenigen Worte, welche der Christus gesprochen hatte, erkannten sie an, die so den Sinn des Pfingstereignisses verstanden, sondern das erkannten sie an als Christus-Worte, was aus der Kraft einer Seele kommt, die den Christus-Impuls in sich fühlt. Darum ergießt sich der Heilige Geist als ein individualisierter in jede einzelne Menschenseele, die in sich die Kraft entwickelt, den Christus-Impuls zu fühlen. Und dann wird das Wort neu für eine solche Seele: «Ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Welt!»
[ 26 ] Those who understood the meaning of the Pentecost event did not merely acknowledge what Christ had told them, nor only the words that Christ had spoken; rather, they recognized as the words of Christ that which comes from the power of a soul that feels the Christ impulse within itself. That is why the Holy Spirit pours into every single human soul as an individualized presence, into those who develop within themselves the power to feel the Christ impulse. And then the word becomes new for such a soul: “I am with you always, even to the end of the age!”
[ 27 ] Dann dürfen diejenigen, welche sich ernstliche Mühe geben, den Christus-Impuls zu verstehen, sich auch berufen fühlen, durch die Anregungen, die der Christus-Impuls in ihren Herzen wirkt, das Wort des Christus zu verkünden, und klänge es auch immer neu, klänge es auch immer anders in jeglicher Epoche der Menschheit. Nicht, damit wir festhalten an den wenigen Worten der Evangelien, die in dem ersten Jahrzehnt der Begründung des Christentums gesprochen worden sind, ist der Heilige Geist herniedergegossen worden, sondern darum ist er ergossen worden, daß immer Neues und Neues die Botschaft des Christus erzählen kann. Je nachdem die Menschenseelen von Epoche zu Epoche, von Inkarnation zu Inkarnation vorschreiten, muß immer Neues für die Menschenseele gesagt werden. Oder sollten die Seelen, die fortschreiten von Inkarnation zu Inkarnation, darauf angewiesen sein, immer dieselben Worte als Christus-Verkündigung zu hören, welche damals gesprochen worden sind, als diese Seelen in Leibern verkörpert waren, die Zeitgenossen der zeitlichen Erscheinung des Christus auf der Erde waren? Dem Christus-Impuls wohnt die Kraft inne, zu allen Menschen bis ans Ende des Erdenzyklus zu sprechen. Dazu mußte aber kommen, was es möglich machte, daß die Botschaft des Christus in jeder Epoche in einer entsprechenden Weise für die wieder vorgerückten Menschenseelen verkündet werden kann. Und wenn wir die ganze Kraft und Gewalt des Pfingstimpulses fühlen, dann sollen wir fühlen, daß wir verpflichtet sind, hinzuhören auf das Wort: «Ich bin bei euch alle Tage bis an das Ende der Erdenentwickelung!» Wenn ihr euch erfüllt mit dem Christus-Impuls, könnt ihr das Wort, das angeregt worden ist durch den Stifter bei der Begründung des Christentums, forthören durch alle Epochen, das Wort, das der Christus spricht zu allen Zeiten, weil er bei den Menschen ist zu allen Zeiten, hörbar für die, welche ihn hören wollen.
[ 27 ] Then those who make a serious effort to understand the Christ impulse may also feel called to proclaim the Word of Christ through the inspiration that the Christ impulse works in their hearts, even if it sounds ever new, even if it sounds ever different in every epoch of humanity. The Holy Spirit was not poured out so that we might cling to the few words of the Gospels spoken in the first decade of Christianity’s founding, but rather so that the message of Christ might be told in ever-new ways. As human souls progress from epoch to epoch, from incarnation to incarnation, something ever new must be spoken to the human soul. Or should the souls, as they progress from incarnation to incarnation, be dependent on always hearing the same words as the proclamation of Christ—words spoken back when these souls were incarnated in bodies that were contemporaries of Christ’s earthly appearance? The Christ impulse possesses the power to speak to all people until the end of the Earth cycle. But for this to happen, something had to come about that made it possible for the message of Christ to be proclaimed in every epoch in a manner appropriate to the human souls that have advanced once more. And when we feel the full power and might of the Pentecost impulse, then we should feel that we are obliged to heed the word: “I am with you always, even to the end of the Earth’s development!” When you fill yourselves with the Christ impulse, you can hear the word, which was inspired by the Founder at the establishment of Christianity, resounding through all epochs—the word that Christ speaks at all times, because he is with humanity at all times, audible to those who wish to hear him.
[ 28 ] So fassen wir die Kraft des Pfingstimpulses auf als etwas, was uns ein Recht gibt, das Christentum als ein immer wachsendes anzusehen, das uns immer neue Offenbarungen gibt. Wir, die wir uns bewußt sind, mit der heutigen Geisteswissenschaft die aus den geistigen Chören zu uns dringenden Christus-Worte selber zu verkünden, wir sagen denen, die das Christentum in seiner ursprünglichen Form konservieren wollen: Wir sind diejenigen, welche den Christus in Wahrheit verstehen, denn wir verstehen den eigentlichen Sinn des Pfingstfestes.
[ 28 ] Thus we understand the power of the Pentecost impulse as something that gives us the right to view Christianity as an ever-growing reality that continually offers us new revelations. We, who are conscious of proclaiming the very words of Christ that reach us from the spiritual choirs through today’s spiritual science, say to those who wish to preserve Christianity in its original form: We are the ones who truly understand Christ, for we understand the true meaning of the Feast of Pentecost.
[ 29 ] Wenn wir uns so berufen fühlen, aus dem Christentum immer neue Weistümer zu holen, dann holen wir eben jene Weistümer hervor, welche der sich von Inkarnation zu Inkarnation fortentwickelnden Seele gemäß sind.
[ 29 ] If we feel called upon to draw ever new insights from Christianity, then we draw precisely those insights that are in harmony with the soul as it evolves from incarnation to incarnation.
[ 30 ] Das Christentum ist von unendlicher Fülle und von unendlichem Reichtum; aber die Menschen waren nicht immer von unendlicher Fülle und Reichtum in den Jahrhunderten, in denen das Christentum zuerst verkündet werden mußte. Welche Vermessenheit wäre es, heute zu sagen: Die Menschheit ist schon reif, das Christentum zu verstehen in seiner unendlichen Fülle und seiner unendlichen Größe! — Einzig und allein das ist die wahre christliche Demut, welche sagt: Der Umfang der christlichen Weisheit ist ein unendlicher, aber die Aufnahmefähigkeit der Menschen für diese Weisheit war zunächst eine beschränkte, aber sie wird immer vollkommener und reifer werden.
[ 30 ] Christianity is of infinite abundance and infinite richness; but people were not always endowed with infinite abundance and richness during the centuries when Christianity first had to be proclaimed. What presumption it would be to say today: Humanity is already mature enough to understand Christianity in its infinite abundance and infinite greatness! — That alone is true Christian humility, which says: The scope of Christian wisdom is infinite, but humanity’s capacity to receive this wisdom was initially limited; yet it will become ever more perfect and mature.
[ 31 ] Schauen wir hin auf die ersten christlichen Jahrhunderte, ja bis sogar in unsere Zeit hinauf. Ein großer, gewaltiger Impuls, der größte, der während der Erdenentwickelung der Menschheit gegeben worden ist, ist mit dem Christus-Impuls gegeben worden. Das kann sich jeder, der die Erdenevolution in ihren Grundgesetzen erkennen lernt, zum Bewußtsein bringen. Aber eines sollte dabei nicht vergessen werden: Das wenigste von dem, was der Christus-Impuls enthält, ist heute schon verstanden. In den fast zwei Jahrtausenden der christlichen Entwickelung konnte das, was in dem esoterischen Christentum gegeben ist — was aber nur für diejenigen, denen das Christentum gebracht worden ist, eine verborgene Lehre werden konnte —, nicht dem äußeren exoterischen Leben einverleibt werden. Einverleibt werden konnte beispielsweise das nicht, was in der heutigen Epoche als eine christliche Wahrheit verkündet werden kann: die Wiederverkörperung des Menschen oder die Reinkarnation. Und wenn wir heute die Reinkarnation verkünden, sind wir uns eben in dem Sinne, wie wir heute den Sinn des Pfingstfestes charakterisiert haben, dessen bewußt, daß die Reinkarnation eine christliche Wahrheit ist, die heute den zeifer gewordenen Menschenseelen auch exoterisch verkündet werden kann, aber nicht verkündet werden konnte den unteifen Seelen in den ersten Jahrhunderten der christlichen Verkündigung.
[ 31 ] Let us look at the first centuries of Christianity, and even up to our own time. A great, mighty impulse—the greatest ever given during humanity’s earthly evolution—was provided by the Christ impulse. Anyone who learns to recognize the fundamental laws of earthly evolution can bring this to their consciousness. But one thing should not be forgotten: very little of what the Christ impulse contains is understood today. In the nearly two millennia of Christian development, what is given in esoteric Christianity—which, however, could only become a hidden teaching for those to whom Christianity was brought—could not be incorporated into outer exoteric life. For example, what cannot be incorporated is what can be proclaimed as a Christian truth in the present epoch: the reincarnation of the human being. And when we proclaim reincarnation today, we are aware—in the very sense in which we have characterized the meaning of the Feast of Pentecost—that reincarnation is a Christian truth that can now be proclaimed exoterically to human souls who have become mature, but could not be proclaimed to the immature souls of the first centuries of Christian proclamation.
[ 32 ] Damit ist noch wenig getan, daß wir an einzelnen Stellen zeigen: im Christentum ist der Gedanke der Reinkarnation auch enthalten. Von allen Gegnern der Geisteswissenschaft, die sich Christen nennen, kann man lernen, wie wenig man in dem exoterischen Christentum von der Reinkarnation weiß. Das einzige, was man weiß: Die Geisteswissenschaft lehrt so etwas wie eine Wiederverkörperung! — Das genügt den Leuten, um zu sagen, das ist eine indische oder buddhistische Lehre. Man weiß nicht, daß heute der lebendige Christus aus den geistigen Welten heraus der lebendige Lehrer der Reinkarnation ist. Man glaubt, daß nur alte, konservierte Lehren der Menschheit mitgeteilt werden sollen. Reinkarnation und auch die Lehre vom Karma — die uns in den nächsten Tagen beschäftigen werden — sind etwas, was ins exoterische Christentum bisher nicht hat eindringen können. Stückweise, in einzelnen Teilen, mußte der Menschheit erst nach und nach die Fülle der Wahrheit beigebracht werden, die im Christentum liegt.
[ 32 ] It is not enough simply to point out in isolated instances that the idea of reincarnation is also present in Christianity. From all opponents of spiritual science who call themselves Christians, one can learn just how little is known about reincarnation in exoteric Christianity. The only thing people know is that spiritual science teaches something like reincarnation! — That is enough for people to say that it is an Indian or Buddhist teaching. They do not know that today the living Christ, from the spiritual worlds, is the living teacher of reincarnation. It is believed that only ancient, preserved teachings should be communicated to humanity. Reincarnation and also the doctrine of karma—which will occupy us in the coming days—are concepts that have not yet been able to penetrate exoteric Christianity. Bit by bit, in individual parts, the fullness of the truth contained in Christianity had to be taught to humanity little by little.
[ 33 ] Aber mit dem Christus-Impuls selber, der nicht eine Lehre oder eine Doktrin ist, sondern eine Kraft, die im Innersten der Seele erlebt werden muß, mit diesem Impuls selber ist etwas gegeben. Gerade wenn wir den Christus-Impuls in Zusammenhang bringen mit der Lehre von der Reinkarnation, können wir verstehen, was in ihm gegeben ist. Wir wissen, daß nur wenige Jahrhunderte vor der Entstehung des Christentums mehr im Osten eine eigentliche Lehre gegeben worden ist: die Lehre des großen Buddha. Und während die Kraft und der Impuls des Christentums sich ausgebreitet hat von Vorderasien nach dem Westen, hat der Osten gesehen eine weitgehende Ausbreitung des Buddhismus. Von diesem aber wissen wir, daß er in sich birgt die Lehre von der Reinkarnation. Aber wie birgt er sie in sich?
[ 33 ] But with the Christ impulse itself—which is not a teaching or a doctrine, but a force that must be experienced in the innermost depths of the soul—with this impulse itself, something is given. It is precisely when we connect the Christ impulse with the teaching of reincarnation that we can understand what is contained within it. We know that only a few centuries before the emergence of Christianity, a distinct teaching had been established in the East: the teaching of the great Buddha. And while the power and impulse of Christianity spread from the Near East to the West, the East witnessed a widespread expansion of Buddhism. Of this, however, we know that it contains within itself the teaching of reincarnation. But how does it contain it?
[ 34 ] Der Buddhismus stellt sich dar für den, der die Tatsachen kennt, als ein letztes Produkt von Lehren und Offenbarungen, die ihm vorangegangen sind. Daher enthält er alle Größe der Urzeit in sich. Dennoch stellt er etwas dar wie eine letzte Konsequenz der Urweisheit der Menschheit, in der auch enthalten war die Lehre von Reinkarnation. Aber wie kleidet der Buddhismus sie in seine Offenbarungen? So, daß der Mensch hinsieht auf Inkarnationen, die er durchgemacht hat, hinsieht auf Inkarnationen, die er noch durchzumachen hat. Es ist eine ganz exoterische Lehre für den Buddhismus, daß der Mensch sich durch Inkarnationen hindurchlebt. Man rede nicht von einer abstrakten Gleichheit aller Religionen! In Wahrheit sind hohe, gewaltige Unterscheidungen doch gegeben, wie zum Beispiel zwischen dem Christentum, das durch Jahrhunderte hindurch keinen Gedanken an Reinkarnation hegte, und dem exoterischen Buddhismus, der lebte und webte in diesen Gedanken. Da darf man nicht abstrakt Dinge zusammenstellen, sondern man muß anerkennen die Welt der Wirklichkeit. Eine Gewißheit ist es für den Buddhismus, daß der Mensch immer wiederkehren wird auf die Erde. Aber der Buddhist sieht so darauf hin, daß er sich sagt: Bekämpfe den Drang, in diese Inkarnationen zu kommen, denn deine Aufgabe ist, dich sobald als möglich freizumachen von dem Durst nach Durchgang in den Inkarnationen und zu leben in der Befreiung von allen irdischen Inkarnationen in einem geistigen Reiche!
[ 34 ] To those who know the facts, Buddhism appears as the culmination of the teachings and revelations that preceded it. It therefore embodies all the greatness of antiquity. Yet it also represents something like the ultimate consequence of humanity’s primordial wisdom, which included the doctrine of reincarnation. But how does Buddhism incorporate this into its revelations? In such a way that the human being looks back upon the incarnations he has undergone and looks forward to the incarnations he has yet to undergo. It is a thoroughly exoteric teaching of Buddhism that the human being lives through a series of incarnations. Let us not speak of an abstract equality of all religions! In truth, there are indeed profound, vast distinctions, such as between Christianity, which for centuries harbored no thought of reincarnation, and exoteric Buddhism, which lived and breathed this idea. One must not combine things abstractly, but must acknowledge the world of reality. It is a certainty in Buddhism that man will return to Earth again and again. But the Buddhist views this in such a way that he tells himself: Fight the urge to enter these incarnations, for your task is to free yourself as soon as possible from the thirst for passage through incarnations and to live in liberation from all earthly incarnations in a spiritual realm!
[ 35 ] So sieht der Buddhismus auf die menschlichen Inkarnationen hin, die aufeinanderfolgen werden; aber er ist bestrebt, sich so viel als möglich Kräfte anzueignen, um sich diesen Inkarnationen sobald als möglich zu entziehen. Etwas hat der Buddhismus nicht, und das zeigt die exoterische Lehre. Er hat das nicht in sich, was man einen Impuls nennen kann, der so stark ist, daß er immer vollkommener in uns werden kann, so daß der Buddhist sich sagen könnte: Es mögen nur die Inkarnationen kommen! Wir können durch den Christus-Impuls uns so gestalten, daß wir immer mehr aus den Erfahrungen und Erlebnissen innerhalb dieser Inkarnationen heraussaugen. Wir erhalten durch den Christus-Impuls eine Kraft, die diesen Inkarnationen einen immer erhöhten Inhalt geben kann. Durchdringt den Buddhismus oder was in ihm die wahre Lehre der Reinkarnation ist — mit dem Christus-Impuls, und ihr habt ein neues Element, das der Erde einen neuen Sinn gibt in der Menschheitsentwickelung!
[ 35 ] This is how Buddhism views the succession of human incarnations; but it strives to acquire as much power as possible in order to free itself from these incarnations as soon as possible. There is something Buddhism lacks, and this is evident in the exoteric teaching. It lacks within itself what might be called an impulse so powerful that it can become ever more perfect within us, so that the Buddhist might say to himself: Let the incarnations come! Through the Christ impulse, we can shape ourselves in such a way that we draw ever more deeply from the experiences and events within these incarnations. Through the Christ impulse, we receive a power that can give these incarnations an ever-higher content. Infuse Buddhism—or whatever in it constitutes the true teaching of reincarnation—with the Christ impulse, and you will have a new element that gives the Earth a new meaning in the development of humanity!
[ 36 ] Auf der andern Seite das Christentum: den Christus-Impuls hat das Christentum auch als etwas Exoterisches. Aber wie hat es in den verflossenen Jahrhunderten diesen Impuls gehabt? Gewiß sieht der exoterische Christ darin etwas unendlich Vollkommenes, was in ihm selber leben soll als das große Ideal, dem er sich immer mehr und mehr annähert. Aber welche Vermessenheit wäre es für den Christen, zu denken, daß er in einer Inkarnation irgendwelche Kräfte haben kann, um den Keim zur Entwickelung zu bringen, der angefeuert werden kann durch den Christus-Impuls! Welche Vermessenheit wäre es für den exoterischen Christen, zu glauben, daß wir imstande wären, etwas Ausreichendes zu tun, um den Christus-Impuls in einem Leben zur Entfaltung zu bringen! Daher wird der exoterische Christ sagen: Wir gehen eben durch die Todespforte; dann werden wir im geistigen Reiche die Gelegenheit haben, uns weiterzuentwickeln und dort den Christus-Impuls weiter zur Entfaltung zu bringen. — So schließt der exoterische Christ an den Tod ein geistiges Leben an, von dem er nicht wieder zurückkehrt zur Erde. Versteht ein exoterischer Christ, der da glaubt, daß sich ein Dasein in einem geistigen Reiche anschließt dem Leben auf der Erde, versteht er den Christus-Impuls? Er versteht ihn nicht! Denn würde er ihn verstehen, so würde er niemals glauben, daß er dasjenige, was der Christus-Impuls ihm geben soll, sich in einem geistigen Leben erringen kann, das an den Tod — ohne eine Wiederkehr zur Erde — sich anschließt.
[ 36 ] On the other hand, Christianity: Christianity also possesses the Christ impulse as something exoteric. But how has it held this impulse over the past centuries? Certainly, the exoteric Christian sees in it something infinitely perfect, which is to live within him as the great ideal toward which he draws ever closer. But what presumption it would be for the Christian to think that in a single incarnation he could possess any powers to bring to fruition the seed of development that can be kindled by the Christ impulse! What presumption it would be for the exoteric Christian to believe that we are capable of doing anything sufficient to bring the Christ impulse to fruition in a single lifetime! Therefore, the exoteric Christian will say: We are simply passing through the gate of death; then, in the spiritual realm, we will have the opportunity to develop further and to bring the Christ impulse to further fruition there. — Thus the exoteric Christian links death to a spiritual life from which he does not return to Earth. Does an exoteric Christian who believes that an existence in a spiritual realm follows life on Earth understand the Christ impulse? He does not understand it! For if he did understand it, he would never believe that what the Christ impulse is meant to give him can be attained in a spiritual life that follows death—without a return to Earth.
[ 37 ] Damit die Tat auf Golgatha geschehen konnte, damit dieser Sieg über den Tod erreicht werden konnte, mußte der Christus selber in dieses Erdenleben herabsteigen, und zwar mußte er es, um etwas zu vollbringen, was nur auf unserer Erde erfahren und erlebt werden kann. Deshalb ist der Christus auf die Erde herabgekommen, weil die Kraft der Tat des Mysteriums von Golgatha wirken mußte auf die Menschen im physischen Leibe. Daher kann auch nur auf Menschen im physischen Leibe zunächst die Christus-Kraft wirken. Und wenn der Mensch im physischen Leibe die Kraft des Mysteriums von Golgatha empfangen hat, dann kann dieser Impuls weiterwirken, wenn der Mensch durch die Pforte des Todes geht. Aber nur so viel, als der Mensch im Leben zwischen Geburt und Tod von dem ChristusImpuls aufgenommen hat, wird sich durch diesen Impuls bei ihm vervollkommnen. Eine Vervollkommnung des Aufgenommenen muß sich der Mensch erringen, wenn er wieder auf die Erde zurückkehrt. Und nur in den aufeinanderfolgenden späteren Erdenleben kann der Mensch verstehen lernen, was im Christus-Impuls lebt. Nimmermehr könnte der Mensch den Christus-Impuls verstehen, wenn er nur einmal lebte; sondern dieser Impuls muß uns durch wiederholte Erdenleben führen, weil die Erde die Stätte ist zum Verständnis und zum Erleben des Mysteriums von Golgatha.
[ 37 ] In order for the event at Golgotha to take place, in order for this victory over death to be achieved, the Christ Himself had to descend into this earthly life; indeed, He had to do so in order to accomplish something that can only be experienced and lived through on our Earth. That is why the Christ came down to Earth: because the power of the Mystery of Golgotha had to work upon human beings in their physical bodies. Therefore, the Christ-power can initially work only upon human beings in their physical bodies. And once a human being in a physical body has received the power of the Mystery of Golgotha, this impulse can continue to work even after the person passes through the gate of death. But only to the extent that a human being has absorbed the Christ impulse during the life between birth and death will that which has been absorbed be perfected within them through this impulse. A human being must strive to perfect what has been absorbed when they return to Earth. And only in the successive later earthly lives can a human being learn to understand what lives in the Christ impulse. A human being could never understand the Christ impulse if they lived only once; rather, this impulse must guide us through repeated earthly lives, because the Earth is the place for understanding and experiencing the Mystery of Golgotha.
[ 38 ] So ist das Christentum nur verständlich, wenn man den vermessenen Gedanken, man könnte den Christus-Impuls in einer Inkarnation ausleben, ersetzt durch den andern: daß nur durch die wiederholten Erdenleben der Mensch sich so vervollkommnen kann, daß er in sich das Christus-Ideal auszuleben vermag. Dann kann er das, was er daran erlebt hat, hinaufbringen in die geistige Welt. Aber nur so viel kann er hinaufbringen, als er auf der Erde von jenem Impuls begriffen hat, der gerade auf der Erde selber vollbracht werden mußte als der wichtigste Inhalt alles Erdengeschehens.
[ 38 ] Thus, Christianity can only be understood if one replaces the presumptuous notion that one could live out the Christ impulse in a single incarnation with the following: that it is only through repeated earthly lives that a human being can perfect themselves to the point where they are able to live out the Christ ideal within themselves. Then one can bring what one has experienced of it up into the spiritual world. But one can bring up only as much as one has grasped on Earth of that impulse which had to be accomplished precisely on Earth itself as the most important content of all earthly events.
[ 39 ] So sehen wir, daß das nächste Stück, das aus den geistigen Offenbarungen zu dem Christentum hinzugefügt werden muß, ein aus dem Christentum herausgeborener Gedanke der Wiederverkörperung ist. Wenn wir dies verstehen, werden wir einsehen, was für uns auf dem Gebiet der Geisteswissenschaft heute das Bewußtsein bedeutet, das wir uns aus der Pfingstoffenbarung heraus bilden. Es bedeutet für uns die Rechtfertigung dessen, daß wir auf die Offenbarung hören dürfen, daß wir empfinden können eine Erneuerung der Offenbarung jener Kraft, die in den feurigen Zungen lag, die sich auf die ersten Versteher des Christus niederließen.
[ 39 ] Thus we see that the next element that must be added to Christianity from the spiritual revelations is the idea of reincarnation, which has its origins in Christianity itself. When we understand this, we will realize what the consciousness we form from the Pentecost revelation means for us today in the field of spiritual science. For us, it means the justification that we may listen to the revelation, that we may feel a renewal of the revelation of that power which lay in the fiery tongues that descended upon the first understanders of Christ.
[ 40 ] Manches von dem, was in den letzten Zeiten in unserer Bewegung gesagt worden ist, kann heute erneut vor unsere Seele treten. Es nimmt sich aus wie ein Zusammenbringen von Orient und Okzident, von den zwei gewaltigen Offenbarungen des Christentums und des Buddhismus. Wir sehen sie zusammenfließen im Geistigen. Und das richtige Verständnis des christlichen Pfingstgedankens gibt uns die Möglichkeit, das Zusammenfließen dieser zwei größten Religionen zu rechtfertigen, die gegenwärtig auf dem Erdenrund sind. Aber nicht bloß durch äußere Impulse kann man zwei solche Offenbarungen zusammenbringen; das bliebe nur Theorie. Wer etwa nehmen wollte, was das Christentum bis jetzt geboten hat, und was der Buddhismus bis jetzt geboten hat, und beides zusammenschweißen wollte zu einer neuen Religion, der brächte nicht einen neuen Seeleninhalt für die Menschheit zustande, sondern nur eine abstrakte Theorie, die keines Menschen Seele erwärmen könnte. Wenn so etwas geschehen soll, müssen neue Offenbarungen geschehen. Und das ist für uns das, was als die Verkündigung der Geist-Erkenntnis ertönt, heute zwar nur erst vernehmbar für die, die in geisteswissenschaftlicher Schulung sich reif gemacht haben, den Christus in sich sprechen zu lassen, der bei uns ist bis ans Ende der Erde. Aber hingedeutet ist worden, daß wir in einer wichtigen Zeit der Menschheitsentwickelung sind: daß noch vor dem Ablauf dieses Jahrhunderts neue Kräfte sich in der Menschenseele entwickeln, welche den Menschen dazu führen werden, eine Art ätherischen Hellsehens zu entwickeln, wodurch sich für gewisse Menschen wie durch eine natürliche Entwickelung das Ereignis, das Paulus vor Damaskus erlebt hat, erneuern wird. So daß der Christus für die erhöhten geistigen Kräfte des Menschen wiederkommen wird in einem ätherischen Gewande. Dessen, was Paulus sah vor Damaskus, werden immer mehr und mehr Seelen teilhaftig werden. Und dann wird man wahrnehmen in der Welt, daß Geisteswissenschaft etwas ist, was wie die vorherverkündigte Offenbarung einer erneuerten und metamorphosierten Wahrheit des Christus-Impulses da sein wird. Verstehen werden nur diejenigen diese neue Offenbarung, welche da glauben, daß der frische Strom des geistigen Lebens, in das sich einmal — untrennbar für alle Zeiten — der Christus hineinergossen hat, lebendig bleiben wird für alle Zeiten. Wer das nicht glauben will, mag verkündigen ein altgewordenes Christentum. Wer aber an das wirkliche Pfingstereignis glaubt und es versteht, der wird sich auch zum Bewußtsein bringen, daß das, was mit der christlichen Verkündigung begonnen hat, immer weiter und weiter sich entwickeln wird, in immer neuen und neuen Tönen zur Menschheit sprechen wird, daß immer da sein werden die individualisierten Seelenwelten des Heiligen Geistes, die feurigen Zungen, und daß in immer erneutem Feuer und Impuls die menschliche Seele den Christus-Impuls wird erleben und ausleben können.
[ 40 ] Some of what has been said in our movement in recent times may once again come to mind today. It appears to be a coming together of East and West, of the two mighty revelations of Christianity and Buddhism. We see them converging in the spiritual realm. And a proper understanding of the Christian concept of Pentecost gives us the opportunity to justify the convergence of these two greatest religions currently present on Earth. But such revelations cannot be brought together merely through external impulses; that would remain mere theory. Anyone who, for example, were to take what Christianity has offered so far and what Buddhism has offered so far, and were to fuse the two into a new religion, would not bring about a new spiritual content for humanity, but only an abstract theory that could not warm the soul of any human being. If such a thing is to happen, new revelations must occur. And this is what resounds for us as the proclamation of spiritual knowledge—though today it is audible only to those who, through training in spiritual science, have prepared themselves to let Christ speak within them, who is with us to the ends of the earth. But it has been indicated that we are in an important period of human development: that even before the end of this century, new powers will develop in the human soul that will lead people to develop a kind of etheric clairvoyance, through which, for certain individuals, the event that Paul experienced before Damascus will be renewed as if through a natural development. So that Christ will return in an etheric garment for the heightened spiritual powers of humanity. More and more souls will share in what Paul saw on the road to Damascus. And then people in the world will perceive that spiritual science is something that will be present as the foretold revelation of a renewed and transformed truth of the Christ impulse. Only those who believe that the fresh stream of spiritual life, into which Christ once poured Himself—inseparably for all time—will remain alive for all time will understand this new revelation. Whoever does not wish to believe this may proclaim a Christianity that has grown old. But whoever believes in and understands the true event of Pentecost will also come to realize that what began with the Christian proclamation will continue to develop further and further, speaking to humanity in ever-new tones, that the individualized soul-worlds of the Holy Spirit, the fiery tongues, will always be present, and that in ever-renewed fire and impulse, the human soul will be able to experience and live out the Christ impulse.
[ 41 ] An die Zukunft des Christentums können wir glauben, wenn wir den Pfingstgedanken in Wahrheit verstehen. Und dann tritt vor uns mit einer Kraft, die wie eine in der Seele gegenwärtige Kraft selber wirkt, das gewaltige Bild! Dann fühlen wir die Zukunft, wie die ersten Versteher unter der Inspiration des Heiligen Geistes die Zukunft gefühlt haben, wenn wir willens sind, etwas in unseren Seelen lebendig zu machen, was keine Grenzen kennt, die einzelnen menschlichen Teilen gezogen sind, und was eine Sprache führt, die über die ganze Erde hin alle Seelen verstehen können. Wir fühlen den Friedens-, den Liebes-, den Harmoniegedanken, der in dem Pfingstgedanken liegt. Und wir fühlen diesen Pfingstgedanken belebend unser Pfingstfest. Wir fühlen, daß er ein Unterpfand ist für unsere Hoffnung auf Freiheit und Ewigkeit.
[ 41 ] We can believe in the future of Christianity if we truly understand the idea of Pentecost. And then the mighty vision appears before us with a power that acts as if it were a force present within the soul itself! Then we feel the future, just as the first believers felt the future under the inspiration of the Holy Spirit, if we are willing to bring to life within our souls something that knows no boundaries drawn by individual human divisions, and that speaks a language that all souls across the entire earth can understand. We feel the thought of peace, love, and harmony that lies within the Pentecost idea. And we feel this Pentecost idea enlivening our Pentecost celebration. We feel that it is a pledge of our hope for freedom and eternity.
[ 42 ] Weil wir den Geist individualisiert erwachen fühlen in unserer Seele, erwacht in uns die bedeutendste Eigenschaft des Geistes: die Unendlichkeit des Geistigen. In der Teilnahme am Geistigen kann der Mensch sich bewußt werden seiner Unsterblichkeit und seiner Ewigkeit. Und wir fühlen im Pfingstgedanken so recht die Gewalt jener uralten Worte, die Eingeweihter auf Eingeweihter in den verschiedenen Sprachen weiter verpflanzt haben, und die uns den Sinn von Weisheit und Ewigkeit offenbaren. Wir fühlen sie wie einen Pfingstgedanken, der von Epoche zu Epoche überliefert worden ist, in den Worten, die erst heute exoterisch erklingen können, um von der ganzen Menschheit verstanden zu werden:
[ 42 ] Because we feel the Spirit awakening individually within our souls, the most significant quality of the Spirit awakens within us: the infinity of the spiritual. Through participation in the spiritual, human beings can become conscious of their immortality and eternity. And in the thought of Pentecost, we truly feel the power of those ancient words, which initiates have passed down from one to another in various languages, and which reveal to us the meaning of wisdom and eternity. We feel them as a Pentecost thought that has been handed down from epoch to epoch, in words that can only now resound exoterically so as to be understood by all humanity:
Wesen reiht sich an Wesen in Raumesweiten,
Wesen folgt auf Wesen in Zeitenläufen.
Verbleibst du in Raumesweiten, im Zeitenlaufe,
So bist du, o Mensch, im Reiche der Vergänglichkeiten.
Über sie aber erhebt deine Seele sich gewaltiglich,
Wenn sie ahnend oder wissend schaut das Unvergängliche,
Jenseits der Raumesweiten, jenseits der Zeitenläufe.
Beings follow one another across the vastness of space,
Beings follow one another through the flow of time.
If you remain within the vastness of space, within the flow of time,
Then you, O human, are in the realm of transience.
But your soul rises mightily above them,
When, sensing or knowing, it beholds the Imperishable,
Beyond the expanses of space, beyond the flow of time.
