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The Rudolf Steiner Archive

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The Deeper Mysteries of Human Development
in the Light of the Gospels
GA 119

29 March 1910, Vienna

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Neunter Vortrag

Ninth Lecture

[ 1 ] Wir haben gestern gesprochen von dem sogenannten rosenkreuzerischen Weg in die geistigen Welten hinein. Wir haben darauf aufmerksam gemacht, daß dieser Weg derjenige ist, welcher sich nach den Gesetzen der Menschheitsentwickelung für den gegenwärtigen Menschen am besten eignet. Es ist dabei geschildert worden, wie der Mensch durch gewisse Maßnahmen, die er mit seinem Seelenleben vornimmt, aufsteigt zur imaginativen Erkenntnis, zur inspirierten Erkenntnis und zur intuitiven Erkenntnis. Wenn man sonst nichts hätte als dasjenige, was gestern beschrieben worden ist, wenn man nichts zur Verfügung hätte als die Methoden, die man auf seine Seele willkürlich anwendet, so würde das Aufsteigen durch diese drei Erkenntnisstufen so sein, wie es ja gestern auch im wesentlichen angedeutet worden ist. Man würde also zuerst auszubilden haben die geistigen Erkenntnisorgane, und man würde erst nach einer entsagungsvollen Zeit eigentlich von einem gewissen schattenhaften, kaum wahrnehmbaren Erleben zu wirklichen Erfahrungen aufsteigen können. Aber man ist im gegenwärtigen Menschheitszyklus noch nicht allein angewiesen darauf, was man so willkürlich selber mit seiner Seele vornimmt. Und wenn man einmal in einer fernen, fernen Zukunft darauf angewiesen sein wird, dann werden auch die Gesetze der menschlichen Entwickelung schon so andere sein, daß man von Anfang an bewußt in die geistigen Welten eintreten wird. Heute kann man das allerdings auch, aber nur dadurch, daß einem in der Entwickelung etwas zu Hilfe kommt.

[ 1 ] Yesterday we spoke about the so-called Rosicrucian path into the spiritual worlds. We pointed out that this path is the one best suited to modern humanity according to the laws of human evolution. We described how, through certain practices involving the life of the soul, a person ascends to imaginative knowledge, inspired knowledge, and intuitive knowledge. If one had nothing else but what was described yesterday, if one had nothing at one’s disposal but the methods one applies to one’s soul at will, then the ascent through these three stages of knowledge would be as was essentially indicated yesterday. One would therefore first have to train the spiritual organs of knowledge, and only after a period of self-denial would one actually be able to ascend from a certain shadowy, barely perceptible experience to real experiences. But in the present cycle of human development, one is not yet solely dependent on what one arbitrarily undertakes with one’s own soul. And when, in a distant, distant future, one will be dependent on this, the laws of human development will already be so different that one will consciously enter the spiritual worlds from the very beginning. Today, of course, this is also possible, but only because something comes to one’s aid in the course of development.

[ 2 ] Wir haben ja gestern gar nicht davon gesprochen, wie sich für denjenigen, der in einer solchen geistigen Entwickelung darinnen ist, der solche Methoden mit seiner Seele vornimmt, wie sie gestern beschrieben worden sind, dasjenige äußert, was wir die stärkenden Kräfte des Schlaflebens nennen. Wenn der Mensch den Schlaf nicht hätte während seiner Entwickelung, dann würde er eben lange, lange brauchen, bis er aufmerksam werden könnte auf die ganz feinen Erlebnisse, welche sich einstellen durch die Methoden, die gestern beschrieben worden sind. Gerade dadurch aber, daß ja der sich Entwickelnde sein Leben auch abwechseln läßt zwischen Wachen und Schlafen, kommen ihm die Kräfte des Schlafes zugute, während er jene Organe ausbildet, die wir gestern die Lotosblumen genannt haben. Und wenn man auch durch die Lotosblumen zunächst noch nichts wahrnehmen kann, es werden einem im Schlafleben aus den höheren Welten, aus dem Makrokosmos heraus Kräfte zugeführt, und diese Kräfte, die uns im Schlafe zufließen, bewirken, daß in der Tat nach und nach sich ein wirkliches Erleben der geistigen Welt einstellt, so daß man schon etwas sehen kann. Voraussetzung ist, daß man eine kürzere oder längere Zeit an der Ausbildung der Lotosblumen so gearbeitet hat, daß man immer wieder und wieder zu symbolischen Vorstellungen seine Zuflucht genommen hat, immer und immer wieder in solchen Vorstellungen gelebt hat und sich dadurch innerlich so gekräftigt hat, daß man ein reiches Seelenleben hat, auch dann, wenn die äußeren Eindrücke nicht wirken. Die imaginative Erkenntnis setzt also, wenn sie wirklich erreicht wird, den Menschen schon instand, in die geistige Welt in gewisser Weise hineinzusehen.

[ 2 ] Yesterday we did not discuss at all how, for someone who is in the midst of such spiritual development and who applies to his soul the methods described yesterday, what we call the strengthening forces of the life of sleep manifest themselves. If a person did not have sleep during their development, it would take them a very, very long time to become attentive to the very subtle experiences that arise through the methods described yesterday. But precisely because the person undergoing development allows their life to alternate between waking and sleeping, they benefit from the forces of sleep while developing those organs we called the lotus flowers yesterday. And even if one cannot yet perceive anything through the lotus flowers at first, forces are channeled to us in the life of sleep from the higher worlds, from the macrocosm, and these forces, which flow to us in sleep, bring about the fact that, indeed, a genuine experience of the spiritual world gradually sets in, so that one can already see something. The prerequisite is that one has worked for a shorter or longer period on the formation of the lotus flowers in such a way that one has repeatedly taken refuge in symbolic images, has lived in such images over and over again, and has thereby strengthened oneself inwardly to the point of having a rich inner life, even when external impressions are not at work. Imaginative insight, when truly attained, thus enables a person to glimpse into the spiritual world in a certain way.

[ 3 ] Und das geschieht in der folgenden Art. Der Mensch wird verhältnismäßig lange solche zu seinem Gemüt sprechende Sinnbilder, die unmittelbar aus dem Leben heraus gegriffen sind, oder auch gewisse Formeln, welche große Weltengeheimnisse kurz in sich einschließen, in innerer Versenkung erleben müssen. Dann aber wird er eines Tages merken — zuerst am Morgen im Moment des Aufwachens, dann aber auch, wenn er die Aufmerksamkeit ablenkt von den äußeren Erlebnissen während des Tages —, daß vor seiner Seele etwas steht, was im Grunde genommen auch so auftritt wie die Sinnbilder, die er sich gebildet hat, die er aber jetzt so vor sich hat, wie das gewöhnliche Bewußtsein Steine oder Blumen vor sich hat, von denen er weiß, daß er sie nicht selber gebildet hat. Man lernt im Lauf der Zeit, in der man sich vorbereitet, durch die Sorgfalt, mit der man selber Sinnbilder bildet, schon erkennen, woran man Trugbilder, falsche Sinnbilder, von wahren unterscheiden kann. Derjenige, der sich wirklich sorgfältig vorbereitet und der dadurch gelernt hat, seine eigenen persönlichen Meinungen, seine Wünsche, Begierden und Leidenschaften aus seinem höheren Leben auszuschalten, der gelernt hat, etwas nicht deshalb für wahr zu halten, weil es ihm so gefällt, sondern sich geübt hat, die eigene Meinung auszuschalten, der weiß im Anblick eines solchen Sinnbildes unmittelbar zu unterscheiden: Das ist etwas Wahres, das ist etwas Falsches.

[ 3 ] And this happens in the following way. A person must spend a relatively long time in deep contemplation of symbols that speak to their soul—symbols drawn directly from life itself, or certain formulas that briefly encapsulate great cosmic mysteries. But then, one day, they will realize—first in the morning upon waking, and then also when they turn their attention away from external experiences during the day—that something stands before their soul which, in essence, appears just like the symbols they have formed, but which they now have before them just as ordinary consciousness has stones or flowers before it, knowing that they did not form them themselves. Over the course of the time spent preparing, through the care with which one forms one’s own symbols, one learns to recognize how to distinguish illusions and false symbols from true ones. The person who has truly prepared himself with care and who has thereby learned to eliminate his own personal opinions, his wishes, desires, and passions from his higher life—who has learned not to regard something as true simply because it pleases him, but has trained himself to set aside his own opinion—knows, upon seeing such a symbol, how to distinguish immediately: This is something true; this is something false.

[ 4 ] Nun tritt — und das ist wichtig zu beobachten für diese Unterscheidung der wahren und falschen Sinnbilder — etwas ein für den Menschen, der sich so entwickelt, was man nicht anders bezeichnen kann als dadurch, daß man es nennt: Denken mit dem Herzen. Das ist etwas, was sich durchaus im Laufe der Entwickelung ergibt, wie sie gestern beschrieben worden ist. Der Mensch hat ja im gewöhnlichen Leben das Gefühl, daß er mit dem Kopf denkt. Natürlich ist das nur ein bildlicher Ausdruck, man denkt mit den geistigen Organen, die dem Gehirn zugrunde liegen; aber es versteht jeder, was es heißt, mit dem Kopf denken. Fin ganz anderes Gefühl hat man gegenüber jenem Denken, das dann eintritt, wenn man ein wenig weitergekommen ist auf dem Weg der Entwickelung, den wir charakterisiert haben. Man hat wirklich das Gefühl, als ob das, was sonst im Kopf lokalisiert ist, jetzt im Herzen lokalisiert wäre. Es ist allerdings nicht das physische Herz, welches denkt, sondern jenes Organ, das sich als geistiges Organ in der Nähe des Herzens ausbildet, die sogenannte zwölf-blätterige Lotosblume. Sie wird eine Art Denkorgan; und dieses Denken, das da auftritt, das unterscheidet sich von dem gewöhnlichen Denken sehr stark. Beim gewöhnlichen Denken weiß jeder, daß er Überlegung anwenden muß, um zu einer Wahrheit zu kommen. Man muß gehen von Begriff zu Begriff. Man geht von einem Punkt aus, geht dann logisch weiter zu anderen Punkten, und das, wozu man kommt im Lauf der Zeit, indem man logische Erwägungen anstellt, nennt man Wahrheit, Erkenntnis. Das ist eine durch gewöhnliches Denken errungene Erkenntnis. Anders ist das, wenn man die Wahrheit erkennen will gegenüber dem, was beschrieben worden ist als reale, als wirkliche Sinnbilder. Diese wirklichen Sinnbilder hat man vor sich wie äußere Gegenstände, aber das Denken über diese Sinnbilder kann nicht mit dem gewöhnlichen Kopfdenken verwechselt werden. Denn ob etwas wahr oder falsch ist, ob man dieses oder jenes zu sagen hat über ein Ding oder eine Tatsache der höheren Welten, dazu sind nicht Überlegungen notwendig wie beim gewöhnlichen Denken, sondern das ergibt sich unmittelbar. Sobald man die Bilder vor sich hat, weiß man, was man sich selber und anderen darüber zu sagen hat. Dieses Unmittelbare, das ist das Charakteristische des Herzdenkens.

[ 4 ] Now—and this is important to note for the distinction between true and false symbols—something occurs in the person who develops in this way that can only be described as “thinking with the heart.” This is something that arises quite naturally in the course of the development described yesterday. In everyday life, people have the feeling that they think with their heads. Of course, this is only a figurative expression; one thinks with the spiritual organs that underlie the brain; but everyone understands what it means to think with one’s head. One has a completely different feeling toward the kind of thinking that arises when one has progressed a little further along the path of development we have described. One truly has the feeling that what is usually located in the head is now located in the heart. It is, however, not the physical heart that thinks, but that organ which develops as a spiritual organ near the heart, the so-called twelve-petaled lotus flower. It becomes a kind of thinking organ; and this thinking that arises there differs very greatly from ordinary thinking. In ordinary thinking, everyone knows that they must apply reasoning to arrive at a truth. One must proceed from concept to concept. One starts from a point, then proceeds logically to other points, and what one arrives at over time by making logical considerations is called truth, knowledge. This is knowledge attained through ordinary thinking. It is different when one wishes to recognize the truth in relation to what has been described as real, as actual symbols. One has these real symbols before one as external objects, but thinking about these symbols cannot be confused with ordinary intellectual thinking. For whether something is true or false, whether one has this or that to say about a thing or a fact of the higher worlds, this does not require deliberation as in ordinary thinking, but rather it arises immediately. As soon as one has the images before one, one knows what one has to say to oneself and to others about them. This immediacy is the characteristic of heart-thinking.

[ 5 ] Im gewöhnlichen Leben gibt es nicht viele Dinge, welche sich damit vergleichen lassen, aber wir wollen doch etwas einzelnes zum Vergleich heranziehen, um das verständlich zu machen. Im gewöhnlichen Leben sind es vorzugsweise diejenigen Ereignisse, die uns begegnen, bei denen uns sozusagen der Verstand stehenbleibt, die wir empfinden wie Dinge aus einer höheren Welt. Nehmen Sie zum Beispiel einmal an, Sie treten irgendeinem Ereignis gegenüber, das blitzartig vor Ihnen steht, und Sie erschrecken darüber. Da mischt sich kein Gedanke zwischen den äußeren Eindruck und Ihr Erschrecken; das Ereignis ruft unmittelbar den Schreck hervor. Ihr inneres Erlebnis, der Schreck, ist etwas, was Ihnen sozusagen den Verstand stillstehen lassen kann. Das ist ein ganz guter Ausdruck, den die Menschen da gebrauchen, denn sie fühlen bei einem solchen Erlebnis richtig das Stille stehen des Verstandes. Und ebenso kann es sein, wenn man meinetwillen durch den Anblick irgendeiner Handlung auf der Straße in Zorn gerät. Da ist es auch der unmittelbare Eindruck, der das innere Seelenerlebnis hervorruft. In den meisten solchen Fällen wird man bemerken, daß man dann, wenn man anfängt zu überlegen, anders urteilt, als man auf den ersten Eindruck hin geurteilt hat. Diese Erlebnisse, wo auf den ersten Eindruck ein Seelenerlebnis folgt, lassen allein aus dem gewöhnlichen Leben heraus sich mit jenen Erlebnissen vergleichen, welche der Geistesforscher hat, wenn er etwas sagen soll über das, was er in den höheren Welten erlebt. Es ist sogar so, daß man, wenn man anfängt, viel logisch zu kritisieren über diese Erlebnisse, die man hat in den höheren Welten, sie erst vertreibt; durch vieles Spintisieren nach der gewöhnlichen Denkmethode laufen diese Erlebnisse fort, man hat sie dann nicht mehr. Das ist das eine. Das andere aber ist, daß man durch Anwendung des gewöhnlichen Denkens meistens das Falsche herausbringt über diese Sachen.

[ 5 ] In everyday life, there aren’t many things that can be compared to this, but let’s take a specific example to make it clearer. In everyday life, these are primarily the events we encounter that, so to speak, leave us speechless—events we perceive as coming from a higher world. Take, for example, a situation where you are confronted with an event that appears before you in a flash, and you are startled by it. No thought intervenes between the external impression and your startle; the event immediately triggers the startle. Your inner experience—the startle—is something that can, so to speak, make your mind stand still. That is a very apt expression people use here, for in such an experience they truly feel the mind coming to a standstill. And the same can happen when, for instance, one becomes angry at the sight of some action on the street. There, too, it is the immediate impression that evokes the inner soul experience. In most such cases, one will notice that when one begins to reflect, one judges differently than one did based on the first impression. These experiences, where a soul experience follows the first impression, can be compared—even from ordinary life alone—to the experiences the spiritual researcher has when he is to speak about what he experiences in the higher worlds. In fact, when one begins to critically analyze these experiences from the higher worlds using logic, one drives them away; through excessive speculation based on ordinary thinking, these experiences fade away, and one no longer has them. That is one aspect. The other, however, is that by applying ordinary thinking, one usually arrives at the wrong conclusions regarding these matters.

[ 6 ] So notwendig es ist — das ist ja schon betont worden —, daß man zuerst durch die Schulung eines guten, vernünftigen Denkens hindurchgeht, wo man erst die Dinge begreifen gelernt hat, bevor man aufsteigt zu höheren Welten, so notwendig ist es, daß man über dieses gewöhnliche Denken sich wiederum erhebt zu einem unmittelbaren Erfassen. Und gerade weil das so notwendig ist, daß man unmittelbar erfassen lernt in der höheren Welt, muß man auf der andern Seite jene logische Grundlegung vornehmen. Man muß sie aus dem Grunde vornehmen, weil man sonst mit seinen Gefühlen und Empfindungen ganz sicher irren würde. Man ist nicht fähig, in der höheren Welt zu urteilen, wenn man das gewöhnliche verstandesmäßige Denken da hinaufträgt; man ist nicht fähig, in der höheren Welt zu urteilen, wenn man nicht erst in der physischen Welt ausgebildet hat das verstandesmäßige Denken. Es finden manche Menschen allerdings vielleicht einen Grund, aus der Eigentümlichkeit des höheren Denkens, des Herzdenkens heraus, sich der gewöhnlichen Logik überhaupt ganz zu entschlagen. Sie sagen, da man die gewöhnliche Logik des physischen Planes doch wieder vergessen müsse, so brauche man sie Ja nicht erst zu lernen. — Dabei wird aber außer acht gelassen, daß man ein anderer Mensch wird, wenn man das logische Denken auf dem physischen Plan als Schulung, als Übung durchgemacht hat. Nicht um mit diesem Denken die höheren Welten zu begreifen, macht man es durch, sondern um aus sich selber einen anderen Menschen zu machen. Man erlebt ja auch an dem logischen Denken etwas. Man erlebt an dem logischen Denken vor allen Dingen eine Art von Gewissen. Es gibt eine Art logischen Gewissens, und wenn man dieses ausbildet, dann bekommt man in seiner Seele ein gewisses Verantwortungsgefühl gegenüber Wahrheit und Unwahrheit, und ohne dieses Verantwortungsgefühl gegenüber Wahrheit und Unwahrheit ist nicht vie l anzufangen in den höheren Welten.

[ 6 ] Just as it is necessary—as has already been emphasized—to first undergo training in sound, rational thinking, where one first learns to grasp things before ascending to higher worlds, so too is it necessary to rise above this ordinary thinking to a level of direct perception. And precisely because it is so necessary to learn to perceive directly in the higher world, one must, on the other hand, lay that logical foundation. One must do so because otherwise one would certainly be led astray by one’s feelings and sensations. One is not capable of judging in the higher world if one carries ordinary intellectual thinking up there; one is not capable of judging in the higher world unless one has first developed intellectual thinking in the physical world. Some people, however, may perhaps find a reason, based on the peculiarity of higher thinking—heart-thinking—to renounce ordinary logic entirely. They say that since one must forget the ordinary logic of the physical plane anyway, there is no need to learn it in the first place. — But this overlooks the fact that one becomes a different person when one has undergone logical thinking on the physical plane as training, as practice. One does not go through this process in order to comprehend the higher worlds with this thinking, but to transform oneself into a different person. One does, after all, experience something through logical thinking. Above all, one experiences a kind of conscience through logical thinking. There is a kind of logical conscience, and when one develops this, one acquires in one’s soul a certain sense of responsibility toward truth and untruth; and without this sense of responsibility toward truth and untruth, one cannot accomplish much in the higher worlds.

[ 7 ] Es ist ja richtig, daß für das Leben viel Ursache vorliegt, das Denken beim Aufstieg in die höheren Welten außer acht zu lassen. Denn der Mensch erlebt im gewöhnlichen Leben häufig diese drei Stufen: Die weitaus größte Zahl der Menschen steht heute auf derjenigen Stufe — die daher durchaus in das normale Bewußtsein hineinfällt —, wo ihnen ein unmittelbares, natürliches Gefühl den Dingen gegenüber sagt: Das ist recht, das ist unrecht, das sollst du tun, das sollst du lassen. — Der Mensch läßt sich zumeist leiten von einem solchen unmittelbaren Gefühle in bezug auf das, was er für wahr oder für falsch halten soll.

[ 7 ] It is indeed true that there are many reasons in life to disregard thinking when ascending to the higher worlds. For in ordinary life, people frequently experience these three stages: The vast majority of people today are at the stage—which therefore falls entirely within normal consciousness—where an immediate, natural feeling toward things tells them: This is right, this is wrong, you should do this, you should not do that. — People are usually guided by such an immediate feeling regarding what they should consider true or false.

[ 8 ] Fragen Sie einmal in der Gegenwart an, wie viele Menschen sich die Mühe nehmen, wirklich nachzudenken über das, was ihnen die heiligsten Güter sind. Dadurch, daß sie in bestimmte Verhältnisse, in eine bestimmte Gemeinschaft hineingeboren sind, meinetwillen nicht in der Türkei, sondern in Mitteleuropa geboren sind, haben sie ein unmittelbares, ursprüngliches Gefühl anerzogen erhalten, das Christentum für das Richtige zu halten und nicht den Mohammedanismus; sie halten — durch ein gewisses Gefühl — deshalb nicht die mohammedanischen Wahrheiten für richtig, sondern dasjenige, was sie im Christentum haben. So etwas darf man nicht mißverstehen, darüber nachzudenken führt zu wirklicher Lebenserkenntnis. Also wir müssen uns darüber klar sein, daß über dasjenige, was die Menschen für wahr oder falsch halten, bei weitaus den meisten Menschen heute noch ein unmittelbares Gefühl entscheidet. Das ist die eine Entwickelungsstufe.

[ 8 ] Ask people today how many of them take the trouble to really think about what they consider their most sacred possessions. By virtue of having been born into certain circumstances, into a certain community—not, for my part, in Turkey, but in Central Europe—they have been instilled with an immediate, innate sense that Christianity is the right path and not Islam; they therefore—through a certain feeling—do not consider the truths of Islam to be correct, but rather what they have in Christianity. One must not misunderstand this; reflecting on it leads to a true understanding of life. So we must be clear that, for the vast majority of people today, an immediate feeling still determines what they consider to be true or false. That is one stage of development.

[ 9 ] Die zweite Entwickelungsstufe ist die, auf der der Mensch anfängt nachzudenken. Immer mehr und mehr werden heute diejenigen Menschen, die anfangen herauszugehen aus dem ursprünglichen Gefühl und nachdenken über die Dinge, in die sie hineingeboren sind. Aus diesem Grund sehen wir heute so viel Kritik an uralt-heiligen Überlieferungen und Glaubensbekenntnissen. Das ist die Reaktion des Verstandes und Intellekts gegenüber dem, was man aus dem Gefühl, aus der Empfindung heraus ungeprüft durch den Verstand hingenommen hat. Dieselbe Fähigkeit der menschlichen Seele, die sich da kritisierend über das, was einem anerzogen oder angeboren ist, ergeht, sehen wir herrschen in demjenigen, was wir die Wissenschaft nennen. Wissenschaft im heutigen Sinne ist ja im wesentlichen eine Arbeit derselben Seelenkräfte, welche eben charakterisiert worden sind. Die äußeren Erfahrungen, die äußeren Wahrnehmungen, seien sie nun unmittelbar durch die Sinne oder durch jene Verfeinerungen der Sinne gewonnen, wie sie das Teleskop, das Mikroskop oder dergleichen bieten, sie werden mit Hilfe des Verstandes zu Gesetzen kombiniert, und daraus entsteht die intellektuelle Wissenschaft.

[ 9 ] The second stage of development is the one in which human beings begin to think. Today, more and more people are beginning to move beyond their original feelings and reflect on the things into which they were born. This is why we see so much criticism today of ancient, sacred traditions and creeds. This is the reaction of the mind and intellect to what has been accepted uncritically by the mind out of feeling, out of sensation. We see the same capacity of the human soul, which here exercises itself critically upon what is instilled or innate, prevailing in what we call science. Science in the modern sense is essentially the work of the very same soul forces that have just been described. External experiences and perceptions—whether gained directly through the senses or through the refinements of the senses offered by the telescope, the microscope, or similar instruments—are combined into laws with the aid of the intellect, and from this arises intellectual science.

[ 10 ] Sie sehen also diese zwei Entwickelungsmomente der menschlichen Seele. In bezug auf das Für-Wahrhalten gewisser Dinge steht der Mensch auf einer solchen Stufe, wo ein ursprüngliches, nicht entwickeltes Gefühl spricht, ein Gefühl, das ihm angeboren oder durch Erziehung eigen ist. Auf der zweiten Stufe spricht außer dem Gefühl der Verstand, die Intelligenz. Nun aber weiß jeder, der ein wenig Selbstschau hält in der Seele, daß diese Intelligenz eine ganz bestimmte Eigenschaft hat. Sie muß diese Eigenschaft haben, die ertötend, auslöschend wirkt auf das Gefühl. Wer würde nicht wissen bei einer guten Seelenbeobachtung, daß alle bloße Intelligenztätigkeit, alle bloße Verstandestätigkeit das Gefühl, die Empfindung ertötet. Daher auch die Scheu derjenigen Menschen, welche aus gewissen ursprünglichen Gefühlen heraus, die ja auf einer gewissen Stufe der Menschheitsentwickelung durchaus berechtigt sind, einen Zug nach dieser oder jener Wahrheit haben, sich verderben zu lassen ihre Glaubensbekenntnisse, ihre Glaubenswahrheiten durch das Versengende, das Verderbende der Intelligenz. Das ist eine berechtigte Scheu. Wenn aber diese Scheu so weit geht, daß die Betreffenden sagen: Wir wollen, um in die höheren Welten hinaufzukommen, uns überhaupt hüten vor allem Denken, wir wollen in unserem Gefühlsleben bleiben —, dann können sie niemals in die höheren Welten hinaufkommen, sondern bleiben im unmittelbaren, unentwickelten Gefühlsleben. Man kann allerlei Erlebnisse haben; diese werden aber auf niedriger Stufe bleiben. Die Unbequemlichkeit muß man schon auf sich nehmen, wirklich sein Denken zu schulen. Damit erwirbt man sich etwas, was auch für die äußere Welt von höchstem Nutzen ist. Um in die höheren Welten hinaufzukommen, ist das Denken nicht nötig, es dient zur Vorbereitung, als Übung. Wer das versteht, wird deshalb niemals der gewöhnlichen Intelligenz ein Loblied singen, weil man durch bloße Logik die Wahrheiten der höheren Welten nicht entscheiden kann. Das kann man nicht, das ist eine Unmöglichkeit. Dasjenige Denken, das man in der Naturwissenschaft anwendet, kann man nicht in derselben Weise anwenden auf die Erlebnisse und Erfahrungen der höheren Welten. Und derjenige, der anfangen würde, über die höheren Welten zu kombinieren mit logischem Denken, mit seinem Verstande, mit seiner Intelligenz, der würde nur billige Wahrheiten zustande bringen können, die wenig tief gegründet sind. Während also für die äußere physische Welt das Denken unmittelbar notwendig ist — denn wir können keine Maschine konstruieren, keine Brücke bauen ohne die Intelligenz, wir können keine Botanik, keine Zoologie betreiben ohne die Intelligenz, wir können nicht Medizin studieren ohne die Anwendung der Intelligenz an dem unmittelbaren Objekte —, hat für die höhere Entwickelung die Intelligenz etwa die Bedeutung, die das Schreibenlernen in der Jugend hat. Das Schreibenlernen hat erst dann eine Bedeutung, wenn man es überwunden hat. Wenn man darüber hinaus ist, dann blickt man darauf zurück als auf die Voraussetzung des Schreibenkönnens. Solange wir schreiben lernen, können wir noch nicht unsere Gedanken durch die Schrift ausdrücken. Das können wir erst dann, wenn wir das Schreibenlernen überwunden haben. Das Schreibenlernen ist das Üben einer Fähigkeit, das fertig sein muß, wenn das, was man erlernen will, ausgeübt werden soll. So ist es auch mit der Logik. Wer eine Höherentwickelung durchmachen will, muß schon eine gewisse Zeit verwenden auf eine Schulung im logischen Denken; aber er muß das alles wiederum abstreifen können, um dann zu dem Denken des Herzens zu kommen. Es bleibt ihm dann von seiner logischen Schulung zurück die Gewöhnung an Gewissenhaftigkeit in bezug auf das Für-Wahrhalten in den höheren Welten. Wer diese Schulung durchgemacht hat, wird nicht jedes Trugbild, jedes beliebige Sinnbild als eine wirkliche Imagination für wahr halten oder in irgendwelchem Sinne deuten, sondern er wird die innerliche Kraft haben, an die Realität heranzutreten und sie im rechten Sinne zu sehen und zu deuten. Gerade deshalb ist eine so subtile und gute Vorbereitung notwendig, weil man ja wieder zu unmittelbarem Empfinden kommen muß, ein Gefühl dafür haben muß, ob etwas wahr oder falsch ist. Genau gesprochen muß folgendes geschehen. Während man im gewöhnlichen Leben Überlegungen anstellt, muß man seine Seele so geschult haben gegenüber den höheren Dingen, daß man ihnen gegenüber unmittelbar zu entscheiden vermag, was wahr oder falsch ist.

[ 10 ] So you see these two stages of development in the human soul. When it comes to believing certain things to be true, human beings are at a stage where an original, undeveloped feeling speaks—a feeling that is either innate or acquired through upbringing. At the second stage, in addition to feeling, reason and intelligence come into play. But now, anyone who engages in a little self-observation within the soul knows that this intelligence has a very specific quality. It must possess this quality, which has a stifling, extinguishing effect on feeling. Who, upon careful observation of the soul, would not know that all mere intellectual activity, all mere activity of the mind, stifles feeling and sensation? Hence also the reluctance of those people who, out of certain primal feelings—which are, after all, entirely justified at a certain stage of human development—have a tendency toward this or that truth, to allow their creeds, their truths of faith, to be corrupted by the scorching, corrupting power of intelligence. This is a justified reluctance. But if this reluctance goes so far that those concerned say: “In order to ascend to the higher worlds, we want to guard ourselves against all thinking whatsoever; we want to remain in our emotional life”—then they can never ascend to the higher worlds, but remain in the immediate, undeveloped emotional life. One can have all sorts of experiences; but these will remain at a low level. One must be willing to endure the inconvenience of truly training one’s thinking. In doing so, one acquires something that is also of the utmost benefit to the outer world. Thinking is not necessary to ascend to the higher worlds; it serves as preparation, as an exercise. Whoever understands this will therefore never sing the praises of ordinary intelligence, because the truths of the higher worlds cannot be determined by mere logic. That is impossible. The kind of thinking applied in the natural sciences cannot be applied in the same way to the experiences of the higher worlds. And anyone who were to begin to reason about the higher worlds using logical thinking, their intellect, or their intelligence, would only be able to arrive at superficial truths that lack depth. So while thinking is immediately necessary for the outer physical world—for we cannot construct a machine or build a bridge without intelligence, we cannot practice botany or zoology without intelligence, we cannot study medicine without applying intelligence to the immediate object—for higher development, intelligence has roughly the same significance as learning to write in youth. Learning to write only has meaning once one has mastered it. Once one has moved beyond it, one looks back on it as the prerequisite for being able to write. As long as we are learning to write, we cannot yet express our thoughts through writing. We can only do so once we have mastered the process of learning to write. Learning to write is the practice of a skill that must be completed before one can apply what one wishes to learn. The same is true of logic. Anyone who wishes to undergo higher development must devote a certain amount of time to training in logical thinking; but they must also be able to shed all of that in order to then arrive at the thinking of the heart. What remains for them from their logical training is the habit of conscientiousness regarding what is held to be true in the higher worlds. Anyone who has undergone this training will not regard every illusion, every arbitrary symbol, as a true imagination or interpret it in any sense, but will possess the inner strength to approach reality and see and interpret it in the right sense. It is precisely for this reason that such subtle and thorough preparation is necessary, because one must return to direct perception, must have a sense of whether something is true or false. To be precise, the following must occur. While engaging in reflection in ordinary life, one must have trained one’s soul in relation to higher matters to such an extent that one is able to decide immediately what is true or false.

[ 11 ] Außerdem ist es eine gute Vorbereitung für eine solche unmittelbare Entscheidung, wenn man sich ein wenig etwas aneignet, was im gewöhnlichen Leben nur in einem sehr geringen Maße vorhanden ist. Im gewöhnlichen Leben werden die meisten Menschen Schmerz empfinden, vielleicht sogar aufschreien, wenn man sie mit einer Nadel sticht oder heißes Wasser über ihren Kopf gießt oder in ähnlichen Fällen. Aber fragen wir einmal, wie viele Menschen etwas ähnliches empfinden wie Schmerz, wenn irgendeiner etwas Törichtes, etwas Absurdes behauptet? Das ist für viele Menschen etwas recht Erträgliches. Wer aber sich zu jenem unmittelbaren Gefühle entwickeln will, von dem jetzt gesprochen worden ist, so daß er der imaginativen Welt gegenüber das unmittelbare Erlebnis haben kann: das ist wahr, das ist falsch — der muß sich so trainieren, daß ihm ein Irrtum wirklich weh tut, Schmerz bereitet, und daß ihm die Wahrheit, die ihm entgegentritt, auch schon hier im physischen Leben Lust und Freude macht. Das zu erlernen ist allerdings ermüdend und strapaziös, abgesehen von allem anderen; damit hängt in gewisser Weise das Aufreibende der Vorbereitung für das Hineingehen in die höheren Welten zusammen. Gleichgültig vorüberzugehen an Irrtum oder Wahrheit ist allerdings für unsere Gesundheit bequemer, als Schmerz am Irrtum und Lust an der Wahrheit zu empfinden. Man hat ja heute reichlich Gelegenheit dazu, wenn man dieses oder jenes Buch oder Zeitungsblatt in die Hand nimmt, über das Törichte, was da steht, Schmerz zu empfinden. Leid und Schmerz gegenüber dem Unwahren, dem Häßlichen, dem Bösen zu empfinden, auch wenn es nicht uns selbst zugefügt wird, und Lust zu empfinden gegenüber dem Schönen, Wahren, Guten, auch wenn es uns gar nicht persönlich angeht, das gehört zur Trainierung für denjenigen, der sich Denken des Herzens anlernen will, der dann zu der Stufe emporsteigen will, auf der er ein solch unmittelbares Gefühl gegenüber einer Imagination hat, wie es beschrieben worden ist.

[ 11 ] Furthermore, it is good preparation for such an immediate decision to acquire a little of something that is present only to a very limited extent in everyday life. In everyday life, most people will feel pain, perhaps even cry out, if you prick them with a needle or pour hot water over their head, or in similar situations. But let us ask ourselves: how many people feel something akin to pain when someone asserts something foolish or absurd? For many people, this is quite tolerable. But anyone who wishes to develop that immediate feeling we have just spoken of—so that they can have an immediate experience of the imaginative world: this is true, that is false—must train themselves so that an error truly hurts them, causes them pain, and so that the truth that confronts them also brings them pleasure and joy here in physical life. Learning this is, of course, tiring and exhausting, apart from everything else; the grueling nature of the preparation for entering the higher worlds is connected to this in a certain way. To pass by error or truth with indifference is, of course, more comfortable for our health than to feel pain at error and delight in the truth. After all, we have ample opportunity for this today when we pick up this or that book or newspaper and feel pain at the foolishness contained therein. To feel sorrow and pain in the face of the untrue, the ugly, and the evil, even when it is not inflicted upon us personally, and to take pleasure in the beautiful, the true, and the good, even when it does not concern us personally—this is part of the training for those who wish to learn to think with the heart, who then wish to ascend to the level where they have such an immediate feeling toward an imagination as has been described.

[ 12 ] Dann aber gehört noch etwas anderes zur Vorbereitung dazu, wenn man in die imaginative Welt aufsteigt. Wenn man in Bildern dasjenige empfindet, was einer höheren Welt angehört, dann muß man noch etwas sich aneignen, was man im gewöhnlichen Leben nicht hat: man muß lernen, in neuer Weise zu denken über das, was man im gewöhnlichen Leben einen Widerspruch nennt oder über etwas Zusammenstimmendes. Im gewöhnlichen Leben wird mancher finden, wenn dieses oder jenes behauptet wird, daß zwei Behauptungen einander widersprechen. Wenn wir auch nicht auf das triviale Sprichwort reflektieren: Wenn zwei dasselbe sagen, ist es nicht dasselbe —, so kann uns doch schon im gewöhnlichen Leben das entgegentreten, daß zwei Menschen unter denselben Verhältnissen etwas ganz Verschiedenes erleben. Wenn der eine sein Erlebnis schildert, so kann es ganz anders sein, als wenn es der andere schildert, auch wenn es unter denselben Verhältnissen sich vollzogen hat, und dennoch können beide recht haben von ihrem Standpunkte aus. Nehmen wir an, einer erzählt uns: Ich war an einem Orte, dort ist gesunde Luft, da bin ich aufgelebt, da bin ich frisch geworden. — Wir hören ihm zu und müssen ihm zunächst glauben. Dann kommt ein anderer, der kommt von demselben Orte und sagt: Ja, mit diesem Orte ist es eigentlich doch gar nichts, da bin ich ganz von Kräften gekommen, da bin ich ganz schwach geworden, das ist ein höchst ungesunder Ort. — Wir können ihm nur wieder glauben. Beide können im Grunde genommen recht haben. Nehmen wir an, der erste ist ein robuster Mensch, der nur abgearbeitet und ermüdet war; er kann die scharfe Luft als außerordentlich erfrischend empfinden. Aber nehmen wir an, es kommt ein kränklicher Mensch an diesen Ort, ein Mensch, der gerade die frische Luft nicht vertragen kann. Er kommt erst recht herunter, kommt herunter durch dasjenige, was für den anderen gesundend war. Beide haben recht, weil beide mit verschiedenen Voraussetzungen an den Ort gekommen sind. Diese entgegengesetzten Behauptungen lassen sich, wenn man alle Dinge berücksichtigt, schon im gewöhnlichen Leben miteinander vereinigen.

[ 12 ] But there is something else that is part of the preparation when one ascends into the world of the imagination. When one perceives in images that which belongs to a higher world, one must acquire something that one does not have in ordinary life: one must learn to think in a new way about what one calls a contradiction in ordinary life, or about something that is in harmony. In ordinary life, many will find that when this or that is asserted, two statements contradict each other. Even if we do not reflect on the trivial saying, “When two people say the same thing, it is not the same thing,” we can still encounter in ordinary life the fact that two people experience something quite different under the same circumstances. When one person describes their experience, it can be quite different from how the other describes it, even if it took place under the same circumstances, and yet both can be right from their own point of view. Let’s suppose someone tells us: “I was in a place where the air is healthy; there I felt revitalized, there I felt refreshed.” — We listen to him and must believe him at first. Then another person comes along, who comes from the same place and says: “Yes, but this place is actually no good at all; I lost all my strength there, I became completely weak; it is a highly unhealthy place.” — We can only believe him as well. Both can, in essence, be right. Let’s assume the first is a robust person who was simply worn out and tired; he may find the crisp air extraordinarily refreshing. But let’s assume a sickly person comes to this place, a person who simply cannot tolerate the fresh air. He feels even worse, is brought down by the very thing that was healing for the other. Both are right, because both came to the place with different conditions. These opposing claims can, when all things are taken into account, be reconciled even in ordinary life.

[ 13 ] Nun wird aber die Sache viel komplizierter, wenn man in die höheren Welten hinaufsteigt. Da kommt es zum Beispiel vor, daß jemand irgendeine Äußerung, sagen wir, in einem Vortrag über dieses oder jenes hört, und in einem andern Vortrag hört er etwas davon scheinbar Verschiedenes, und nun legt er an die Sache den Maßstab an, den man im gewöhnlichen Leben anwendet und sagt: Ja,.eines davon kann nicht wahr sein, denn es widerspricht die eine Aussage der anderen. — Ich will an etwas Naheliegendes unmittelbar anknüpfen: Jemand hat in einem meiner früheren Vortragszyklen die Äußerung gehört, daß der Mensch, wenn er heruntersteigt zu einer neuen Geburt, zu beobachten ist, wie er gleichsam mit einer riesigen Geschwindigkeit den astralischen Raum durchmißt und den Ort aufsucht, wo er sich verkörpern will. Diese Beobachtung, die durchaus so zu machen ist, wurde einmal erwähnt im Verlaufe eines Vortragszyklus. In diesem jetzigen Zyklus nun wurde gesagt, daß der Mensch schon lange, lange mitarbeitet an dem, was er zuletzt bei der Geburt als seine vererbten Eigenschaften erhält, daß er mitarbeitet an den Eigenschaften, die er zuletzt antrifft in der Familie und dem Volk, in die er hineingeboren wird. Wenn man über so etwas auf die gewöhnliche Weise urteilen will, so kann man darin selbstverständlich leicht etwas Widersprechendes finden. Dennoch ist das eine wie das andere ein wirkliches Erlebnis. Weil nicht immer alles erzählt werden kann, so kann natürlich nicht immer, wenn das eine Erlebnis geschildert wird, auch das auf der anderen Seite Korrespondierende geschildert werden. Beides ist richtig. Wenn man einen Vergleich wählen will, so kann man durch folgendes den Widerspruch lösen. Haben Sie es noch nicht erlebt, daß sich zum Beispiel jemand sorgfältig durch fünf, sechs Tage dieses oder jenes zurechtgeschnitzelt hat, und am siebenten Tage kann er es nicht mehr finden. Dann muß er im Zimmer herumsuchen, wo er das denn hingelegt hat. Da können Sie in der Tat dann sehen: Fünf bis sechs Tage lang bereitet er sich das Ding ganz genau vor, und am siebenten können Sie zuschauen, wie er dasselbe Ding, das er vorbereitet hat, dann sucht. Etwas Ähnliches kann in den höheren Welten der Fall sein. Es findet eine solche Vorbereitung der Verkörperung durchaus statt; weil aber die Erlebnisse sehr kompliziert sind, so ist es möglich, daß der Mensch allerdings unmittelbar in dem Momente, wo er heruntersteigt aus den höheren Welten und sich mit dem physischen Leibe und Ätherleibe vereinigen will, diese suchen muß, weil eine Art von Verdunkelung des Bewußiseins eintritt. Und weil diese Verdunkelung des Bewußtseins eintritt, muß der Mensch mit einem niedrigeren Grade von Bewußtsein dasjenige suchen, was er in einem höheren Grade des Bewußtseins sich vorbereitet hat.

[ 13 ] However, things become much more complicated when one ascends into the higher worlds. For example, it happens that someone hears a certain statement—let’s say, in a lecture on this or that—and in another lecture hears something that seems different from it, and now he applies the standard used in ordinary life to the matter and says: “Well, one of them can’t be true, because one statement contradicts the other.” — I would like to take up a related point immediately: Someone heard in one of my earlier lecture series the statement that when a human being descends to a new birth, one can observe how he traverses astral space at tremendous speed, as it were, and seeks out the place where he wishes to incarnate. This observation, which can certainly be made, was once mentioned in the course of a lecture series. In this current series, however, it was said that human beings have long, long been contributing to what they ultimately receive at birth as their inherited characteristics, that they contribute to the characteristics they ultimately encounter in the family and the people into which they are born. If one wishes to judge such matters in the usual way, one can of course easily find something contradictory in them. Nevertheless, both are genuine experiences. Because not everything can always be told, it is naturally not always possible, when one experience is described, to also describe its counterpart on the other side. Both are correct. If one wishes to draw a comparison, the following can resolve the contradiction. Have you not yet experienced, for example, that someone has carefully carved out this or that over five or six days, and on the seventh day he can no longer find it? Then they have to search around the room to see where they put it. There you can indeed see: for five or six days they prepare the object very precisely, and on the seventh day you can watch as they search for the very same object they had prepared. Something similar can occur in the higher worlds. Such preparation for incarnation certainly takes place; but because the experiences are very complex, it is possible that the human being, at the very moment when he descends from the higher worlds and wishes to unite with the physical and etheric bodies, must search for them, because a kind of darkening of consciousness occurs. And because this darkening of consciousness occurs, the human being must, with a lower degree of consciousness, seek that which he has prepared for himself in a higher degree of consciousness.

[ 14 ] An einem solchen Beispiel sehen wir, daß etwas notwendig sein kann, wenn man in diese höheren Welten hinaufsteigt: Man muß immer gewärtig sein des Umstandes, daß in der Welt der Imaginationen sich einem diese oder jene Sache in einem bestimmten Bilde vorstellt. Hat man nun ein genügend starkes Gefühl sich erworben, so daß man aus dem Denken des Herzens heraus der Wahrheit des Bildes zustimmen kann, so kann es vorkommen, wenn man zu einer anderen Zeit einen anderen Weg verfolgt, daß man dann zu einer anderen Imagination kommt, die ganz anders aussieht; und wiederum spricht das unmittelbare Gefühl: Das ist wahr. — Das hat selbstverständlich für denjenigen, der die höhere Welt, die Welt der Imagination betritt, zunächst etwas Verwirrendes. Aber dieses Verwirrende wird dadurch gelöst, daß man im gehörigen Momente darauf aufmerksam gemacht wird.

[ 14 ] This example shows us that there is something essential to keep in mind when ascending into these higher worlds: one must always be aware of the fact that, in the world of the imagination, this or that thing presents itself to us in a specific image. Once one has developed a sufficiently strong feeling so that, through the thinking of the heart, one can affirm the truth of the image, it may happen that, when following a different path at another time, one arrives at a different imagination that looks entirely different; and again, the immediate feeling says: This is true. — This is, of course, initially somewhat confusing for those who enter the higher world, the world of imagination. But this confusion is resolved by the fact that one is made aware of it at the appropriate moment.

[ 15 ] Man wird die richtige Stellung, das richtige Verhältnis zu dieser ganzen Sache erhalten, wenn man sein Ich selber in der imaginativen Welt sucht. Wir haben geschildert, wie man außerhalb seines Ich stehend auf dasselbe zurückschaut. Beim Vorübergehen an dem Hüter der Schwelle hat man es objektiv vor sich; aber man kann dieses Ich einmal aufsuchen, kann es zweimal, dreimal aufsuchen, und man kommt immer zu verschiedenen Bildern. Man könnte nun, wenn man mit den Forderungen, die man sich in der physischen Welt angewöhnt hat, an diese Dinge herantreten würde, in äußerste Verwirrung kommen und könnte sagen: Nun habe ich eingesehen, wie ich bin in der höheren Welt, und beim zweitenmal habe ich mich wiedergefunden und bin ganz etwas anderes, beim drittenmal wiederum etwas anderes. — Das ist durchaus der Fall. Die Sache verhält sich so, daß in dem Augenblicke, wo man durch jene Schulung, die wir beschrieben haben, in die imaginative Welt eintritt und sein Ich im Bilde sieht, sich klar darüber sein muß, daß man zwölf verschiedene Bilder seines Ich sehen kann. Es gibt zwölf verschiedene Bilder des einzelnen Ich. Und erst dann im Grunde genommen, wenn man von zwölf verschiedenen Standpunkten aus, auf denen man außerhalb seines Ich gestanden hat, zurückgeschaut hat auf sich selber, hat man sein vollständiges Ich begriffen. Es verhält sich mit dieser Anschauung des Ich von außerhalb genau so, wie etwas, was sich abbildet in dem Verhältnis der zwölf Sternbilder des Tierkreises zur Sonne. Wie die Sonne durch die zwölf Sternbilder hindurchgeht und in jedem Sternbild eine andere Kraft hat, wie sie im Frühling in einem bestimmten Sternbild erscheint, dann weiterrückt und im Laufe eines Jahres die zwölf Sternbilder des Tierkreises durchläuft und so von zwölf verschiedenen Standpunkten aus unsere Erde bescheint, so bescheint sich auch das menschliche Ich von zwölf verschiedenen Standpunkten aus, beleuchtet sich von zwölf verschiedenen Standpunkten aus, wenn es zurückblickt aus der höheren Welt.

[ 15 ] One will gain the proper perspective, the proper relationship to this whole matter, by seeking one’s own “I” within the world of the imagination. We have described how one looks back upon one’s “I” while standing outside of it. When passing by the Guardian of the Threshold, one has it objectively before one; but one can seek out this “I” once, twice, or three times, and one always arrives at different images. Now, if one were to approach these things with the expectations one has become accustomed to in the physical world, one could become utterly confused and might say: Now I have seen how I am in the higher world, and the second time I found myself again and am something entirely different, the third time yet something else. — That is certainly the case. The fact is that the moment one enters the imaginative world through the training we have described and sees one’s I in the image, one must be clear that one can see twelve different images of one’s I. There are twelve different images of the individual ‘I’. And only then, in essence, when one has looked back upon oneself from twelve different vantage points from which one stood outside one’s ‘I’, has one grasped one’s complete ‘I’. This view of the ‘I’ from the outside is exactly like something that is reflected in the relationship of the twelve constellations of the zodiac to the sun. Just as the sun passes through the twelve constellations and has a different power in each constellation, just as it appears in a certain constellation in the spring, then moves on and passes through the twelve constellations of the zodiac over the course of a year, thus shining upon our Earth from twelve different vantage points, so too does the human ego shine upon itself from twelve different vantage points, illuminating itself from twelve different vantage points when it looks back from the higher world.

[ 16 ] Daher müssen wir uns sagen: Es ist notwendig beim Aufstieg in die höheren Welten, daß wir nicht zufrieden sind mit einem Standpunkt. — Dazu muß man sich trainieren, um in die Lage zu kommen, der Verwirrung auszuweichen. Das kann man nur, wenn man sich schon in der physischen Welt daran gewöhnt, daß nicht das einseitige Betrachten von einem Standpunkt aus das einzige Heil des Menschenlebens bedeutet. Unter den Menschen unserer Gegenwart gibt es solche, die Materialisten sind, andere sind Spiritualisten, andere Monisten und andere Monadologen. Die Materialisten behaupten, alles sei Materie und deren Gesetze. Die Spiritualisten behaupten, alles sei Geist, und legen nur dem Geist Bedeutung bei. Die Monisten behaupten, man müsse alles aus der Einheit erklären. Und die Monadologen suchen die Mannigfaltigkeit der Erscheinungen aus dem Zusammenwirken von vielen einzelnen zu erklären. Die Menschen streiten sich herum in Diskussionen in der äußeren Welt, die Materialisten gegen die Spiritualisten, die Monisten gegen die Monadologen oder gegen die Dualisten. Sie streiten sich und raufen sich womöglich. Wer sich aber zur wirklichen Erkenntnis der höheren Welten vorbereiten will, muß sich sagen: Der Materialismus hat eine gewisse Berechtigung. Wir müssen uns dieses Denken in materiellen Gesetzen aneignen, aber wir dürfen es nur anwenden auf die materielle Welt; diese begreifen wir mit diesen Gesetzen, nicht aber die geistige Welt. Die materielle Welt müssen wir mit materiellen Gesetzen begreifen, sonst kommen wir nicht zurecht, und wer die materielle Welt anders erklären will, der wird nicht weit kommen. Wenn zum Beispiel jemand eine Uhr damit erklären wollte, daß er sagt: Da sitzen zwei kleine Dämonen drin, die lassen die Zeiger vorwärtsrücken, an Mechanik glaube ich nicht —, den würden wir auslachen. So ist auch die Erklärung, daß die äußeren Bewegungen der Sterne nach mechanischen Gesetzen verlaufen, voll berechtigt. Der Fehler der Materialisten liegt nicht darin, daß diese Erklärung falsch ist, sondern darin, daß sie meinen, damit die ganze Welt erklären zu können. Haeckel zum Beispiel macht nicht dadurch einen Fehler, daß er die Morphologie mit materialistischen Gesetzen erklärt — damit hat er Großes und Wertvolles für die Menschheit geleistet. Der Irrtum der materialistischen Denkweise besteht darin, sie auf alles, auch auf Geistiges zu übertragen. |

[ 16 ] Therefore, we must tell ourselves: As we ascend to the higher worlds, it is essential that we not be content with a single perspective. — To do this, one must train oneself to be able to avoid confusion. This is possible only if one becomes accustomed, even in the physical world, to the fact that a one-sided view from a single standpoint is not the sole salvation of human life. Among the people of our time, there are those who are materialists, others who are spiritualists, others who are monists, and others who are monadologists. The materialists claim that everything is matter and its laws. The spiritualists claim that everything is spirit, and attach significance only to the spirit. The monists claim that everything must be explained from the perspective of unity. And the monadologists seek to explain the diversity of phenomena through the interaction of many individuals. People argue back and forth in discussions in the outer world, the materialists against the spiritualists, the monists against the monadologists or against the dualists. They argue and perhaps even come to blows. But anyone who wishes to prepare themselves for a true understanding of the higher worlds must tell themselves: Materialism has a certain validity. We must adopt this way of thinking in terms of material laws, but we may apply it only to the material world; we understand the material world through these laws, but not the spiritual world. We must understand the material world through material laws, otherwise we cannot cope, and whoever seeks to explain the material world differently will not get very far. If, for example, someone were to explain a clock by saying, “There are two little demons inside that make the hands move forward; I don’t believe in mechanics”—we would laugh at them. So too is the explanation that the external movements of the stars follow mechanical laws fully justified. The mistake of the materialists does not lie in the fact that this explanation is false, but in the fact that they think they can explain the whole world with it. Haeckel, for example, does not make a mistake by explaining morphology with materialistic laws—in doing so, he has accomplished something great and valuable for humanity. The error of the materialistic way of thinking consists in applying it to everything, including the spiritual. |

[ 17 ] So also müssen wir sagen: Es ist nützlich, sich materialistisches Denken anzueignen, aber es ist notwendig zu wissen, daß materialistisches Denken nur Berechtigung hat für ein bestimmtes Gebiet. Ebenso wie für das materielle Gebiet die materialistische Denk weise berechtigt ist, ist es aber, für das geistige Gebiet sich ein spirituelles Denken anzueignen. Was nach Gesetzen der Spiritualität verläuft, kann nicht mit mechanischen Gesetzen erklärt werden. Wenn jemand sagt: Da kommst du mit einer besonderen Psychologie, die ihre eigenen Gesetze haben soll; ich weiß aber, daß im Gehirn gewisse Vorgänge ausgeführt werden, die das Denken erklären! —, so müssen wir sagen: Er mischt in die Erklärung des Denkens Dinge hinein, die anderer Natur sind, die für ein anderes Gebiet gelten. Er macht denselben Fehler wie der, der das Vorwärtsrücken der Uhrzeiger mit dem Wirken zweier Dämonen erklären will. Ebensowenig wie man das kann, ebensowenig kann man auch das Denken mit Vorgängen im Gehirn erklären. — Oder wer die Ermüdung, die sich am Abend einstellt, damit erklären will, daß er sagt, Vergiftungsstoffe sammeln sich an, der mag für das äußere die richtige Erklärung geben; für die Seele erklärt er gar nichts, da müssen wir die Sache von der anderen Seite, von der Seite der Seelenerlebnisse beleuchten.

[ 17 ] So we must say: It is useful to adopt materialistic thinking, but it is necessary to know that materialistic thinking is valid only within a specific realm. Just as materialistic thinking is valid for the material realm, so too is it necessary to adopt spiritual thinking for the spiritual realm. What proceeds according to the laws of spirituality cannot be explained by mechanical laws. If someone says: “Here you come with a special psychology that is supposed to have its own laws; but I know that certain processes take place in the brain that explain thinking!”—then we must say: He is mixing into the explanation of thinking things that are of a different nature, that apply to a different realm. They are making the same mistake as someone who tries to explain the movement of the clock hands by the workings of two demons. Just as that is impossible, so too is it impossible to explain thinking through processes in the brain. — Or whoever seeks to explain the fatigue that sets in in the evening by saying that toxins accumulate may be giving the correct explanation for the physical aspect; but for the soul, he explains nothing at all; there we must illuminate the matter from the other side, from the side of soul experiences.

[ 18 ] So ist es auch mit dem Monismus. Es ist durchaus richtig, daß man, wenn man versucht die Welt zu erklären von der Seite der Harmonie, zu einer Einheit kommen muß, aber es ist eine abstrakte Einheit, und man verarmt dabei, denn wenn man alles auf eine abstrakte Einheit zurückführen will, wie manche Philosophen, hat man schließlich gar nichts mehr. Ich habe einen gescheiten Herrn gekannt, der ging nur darauf aus, logisch monistisch die ganze Welt aus ein paar Sätzen zu erklären. Er kam einmal in einer riesigen Freude zu mir und sagte: Jetzt habe ich zwei ganz einfache Sätze, und damit erkläre ich den ganzen Kram. — Er meinte mit dem «Kram» die ganze Welt. Er war riesig erfreut darüber, daß er in zwei abstrakten Gedankensätzen die Erscheinungen der ganzen Welt zusammenfassen konnte. Das ist etwas, was die Einseitigkeit einer monistischen Erklärung zeigt. Der Monismus muß etwas sein, was uns als großes Ziel vorschwebt, so daß alle Gedanken zur Welterklärung zuletzt in einer großen Harmonie zusammenstimmen. Der Monismus muß ergänzt werden durch den monadologischen Gedanken, dadurch daß man ausgeht von den verschiedensten Punkten und zuletzt zur Einheit kommt.

[ 18 ] The same is true of monism. It is certainly true that if one tries to explain the world from the perspective of harmony, one must arrive at a unity, but it is an abstract unity, and one is impoverished in the process; for if one seeks to reduce everything to an abstract unity, as some philosophers do, one ultimately ends up with nothing at all. I knew a clever fellow who was determined to explain the whole world logically and monistically in just a few sentences. He once came to me in great joy and said: “Now I have two very simple sentences, and with them I can explain the whole lot.” — By “stuff” he meant the whole world. He was immensely pleased that he could summarize the phenomena of the entire world in two abstract propositions. This is something that reveals the one-sidedness of a monistic explanation. Monism must be something we envision as a grand goal, so that all thoughts regarding the explanation of the world ultimately harmonize in a great unity. Monism must be supplemented by the monadological idea, by proceeding from the most diverse points and ultimately arriving at unity.

[ 19 ] Indem man gleichsam hineinkriecht in die verschiedensten Standpunkte, gewöhnt man sich, das objektiv Berechtigte eines jeden Standpunktes herauszufinden. Durch das Anschauen der Dinge von den verschiedensten Gesichtspunkten aus erzieht man sich zu demjenigen, was man so notwendig braucht, um in den höheren Welten auch sein Ich von den verschiedensten Standpunkten aus zu betrachten. Man kann nicht genug tun, wenn man sich dazu vorbereiten will. Aber es ist wirklich in der heutigen Zeit wenig Verständnis vorhanden für ein solches Sich-Hineinbegeben in das Objektive, in das Sachliche der verschiedenen Standpunkte. Derjenige, der versucht hat, objektiv sich hineinzubegeben in die verschiedenen Standpunkte, kann gerade heute ein Liedchen davon singen, wie merkwürdig sich die Welt verhält, wenn man versucht, den Standpunkt der bloßen persönlichen Meinung zu verleugnen und sich hineinbegibt in die Anschauungsweise eines anderen.

[ 19 ] By, as it were, immersing oneself in the most diverse points of view, one becomes accustomed to discerning the objectively valid aspects of each one. By viewing things from the most varied perspectives, one trains oneself in what is so necessary for being able to observe one’s own self from the most diverse perspectives in the higher worlds as well. One cannot do enough to prepare oneself for this. But in today’s world, there is truly little understanding for such an immersion into the objective, into the factual aspects of the various viewpoints. Anyone who has tried to immerse themselves objectively in the various points of view can certainly tell a thing or two today about how strangely the world behaves when one tries to set aside the standpoint of mere personal opinion and enter into another person’s perspective.

[ 20 ] So habe ich selbst zum Beispiel versucht, Nietzsche zu schildern, nicht so, wie meine Meinung ist — denn was geht die Welt meine persönliche Meinung über Nietzsche an —, sondern so, wie man ihn schildern muß, wenn man sozusagen aus sich selbst herausgeht und in ihn hineinfährt. Die Leute, die das gelesen haben, haben, als mein nächstes Buch erschien, mir das übelgenommen und gesagt, ich sei unbeständig. Sie konnten nicht begreifen, daß man nicht NietzscheAnhänger sein muß, wenn man positiv, von innen heraus, Nietzsches Standpunkt schildert. Ebenso war es, als ich über Haeckel geschrieben habe; jeder urteilte: Das ist ein Haeckelianer, der das geschrieben hat.

[ 20 ] For example, I myself have tried to portray Nietzsche—not according to my own opinion—for what does the world care about my personal opinion of Nietzsche?—but rather as one must portray him when, so to speak, one steps outside oneself and enters into him. The people who read that took it amiss when my next book came out and said I was inconsistent. They couldn’t grasp that one doesn’t have to be a Nietzschean to describe Nietzsche’s point of view positively, from the inside out. It was the same when I wrote about Haeckel; everyone judged: “That’s a Haeckelian who wrote that.”

[ 21 ] Das ist etwas, was man sich notwendig erwerben muß: aus sich herausgehen zu können, sozusagen mit den Augen eines andern, von einem anderen Standpunkte aus sehen zu können. Dann erst ergibt sich das, was wirklich zur umfassenden Wahrheit führt. Das ist so, wie wenn man einen Rosenstrauch nicht nur von einer Seite ansieht, sondern sich einmal hierhin, einmal woanders hinstellt und ihn von allen Seiten ansieht oder photographisch aufnimmt. Dadurch schult man sich, um in die Möglichkeit zu kommen, dasjenige auch wirklich zu haben, was man haben muß, sobald man in die höheren Welten hinaufkommt. In der physischen Welt kann man sich so etwas angewöhnen. In den höheren Welten wirkt es verwirrend, wenn man mit einem persönlichen Standpunkt hineinkommt. Man hat dann sofort ein Trugbild statt der Wahrheit vor sich, weil man seine eigene persönliche Meinung hineinträgt.

[ 21 ] This is something one must necessarily learn to do: to be able to step outside oneself, so to speak, to see through the eyes of another, from a different perspective. Only then does what truly leads to comprehensive truth emerge. It is like looking at a rosebush not just from one side, but standing here one moment, there the next, and viewing it from all sides or photographing it. In this way, one trains oneself to be able to truly possess what one must have as soon as one ascends into the higher worlds. In the physical world, one can get used to doing this. In the higher worlds, it is confusing if one enters with a personal point of view. One then immediately has an illusion instead of the truth before one, because one brings one’s own personal opinion into it.

[ 22 ] Um zum Denken des Herzens zu kommen, müssen wir die Kraft haben, aus uns herauszugehen, wirklich uns selber ganz fremd zu werden und von außen auf uns zurückzublicken. Wer im normalen Bewußtsein ist, der steht an einem bestimmten Platz und weiß, wenn er sagt: Das bin ich! —, dann meint er die Summe dessen, was er glaubt, was er vertritt. Wer aber in die höheren Welten hinaufsteigt, muß seine gewöhnliche Persönlichkeit an ihrem Platze stehenlassen können, er muß aus sich selber herausgehen können, auf sich zurückschauen und mit demselben Gefühl zu sich selber sagen können: Das bist du! — Das frühere Ich muß ganz im richtigen Sinne ein Du werden. So wie man zu einem anderen «du» sagt, so muß man zu sich selber «du» sagen können. Das darf keine Theorie sein, sondern muß ein Erlebnis werden. Daß dies durch Schulung zu erreichen ist, haben wir schon gesehen. Es gehört gar nicht so viel dazu, man muß verhältnismäßig einfache Dinge tun; dann erwirbt man sich das Recht, mit dem Herzen denken zu dürfen. Die wahren Darstellungen von den höheren Welten gehen aus solchem Herzdenken hervor. Auch wenn es äußerlich oft so aussieht, als ob sie logische Erörterungen wären, nichts ist in den Darstellungen, die wirklich aus den höheren Welten heruntergetragen werden, darin, was nicht mit dem Herzen gedacht wäre. Was da geschildert wird vom Gesichtspunkt der Geisteswissenschaft, ist ein mit dem Herzen Erlebtes. Derjenige, der schildern muß, was er mit dem Herzen erlebt, der muß es allerdings umgießen in solche Gedankenformen, daß es für die anderen Menschen verständlich ist.

[ 22 ] To arrive at the thinking of the heart, we must have the strength to step outside ourselves, to truly become completely alien to ourselves, and to look back at ourselves from the outside. Those who are in normal consciousness stand in a certain place, and when they say, “This is me!”—they mean the sum of what they believe and what they stand for. But whoever ascends into the higher worlds must be able to leave their ordinary personality in its place; they must be able to step outside of themselves, look back at themselves, and say to themselves with the same feeling: “That is you!”—The former “I” must, in the truest sense, become a “you.” Just as one says “you” to another, so must one be able to say “you” to oneself. This must not be a theory, but must become an experience. We have already seen that this can be achieved through training. It does not require much at all; one must do relatively simple things; then one earns the right to think with the heart. The true descriptions of the higher worlds arise from such thinking with the heart. Even if it often appears outwardly as though they were logical arguments, there is nothing in the descriptions that are truly brought down from the higher worlds that has not been thought with the heart. What is described there from the perspective of spiritual science is an experience lived through the heart. However, the person who must describe what they have experienced with the heart must cast it into such thought forms that it is understandable to other people.

[ 23 ] Das ist der Unterschied von wirklicher Geisteswissenschaft und demjenigen, was subjektiv erlebte Mystik ist. Subjektiv erlebte Mystik kann ein jeder für sich haben; die schließt sich innerhalb der Persönlichkeit ab, die läßt sich nicht einem andern mitteilen, geht einen andern im Grund genommen auch nichts an. Dasjenige aber, was echte, wahre Mystik ist, ist entstanden aus der Möglichkeit, Imaginationen zu haben, Eindrücke in den höheren Welten zu haben und diese Eindrücke klassifizieren, ordnen zu können mit dem Denken des Herzens, so wie man die Dinge der physischen Welt mit dem Verstand ordnet.

[ 23 ] That is the difference between genuine spiritual science and what is subjectively experienced mysticism. Anyone can have their own subjectively experienced mysticism; it remains confined within the individual, cannot be communicated to another, and, strictly speaking, is none of another’s business. But what constitutes genuine, true mysticism arises from the ability to have imaginations, to receive impressions in the higher worlds, and to classify and organize these impressions with the thinking of the heart, just as one organizes the things of the physical world with the intellect.

[ 24 ] Damit ist allerdings das andere verknüpft, daß an den Wahrheiten, die aus den höheren Welten gegeben sind, in der Tat etwas hängt wie Herzblut, daß sie die Färbung haben von dem Denken des Herzens. Mögen sie sich abstrakt ausnehmen und noch so sehr in Gedankenformen gegossen sein, es hängt an ihnen Herzblut, denn sie sind unmittelbar aus der Seele erlebt. Von dem Momente an, wo das Denken des Herzens ausgebildet ist, weiß der Mensch, der in die imaginative Welt kommt: Das, was du vor dir hast und was aussieht wie eine Vision, ist keine Vision, sondern ist Ausdruck eines Geistig-Seelischen, das dahintersteht, ebenso wie die rote Farbe der Rose hier der äußere Ausdruck ist für die materielle Rose. Der geistig Schauende richtet das geistige Auge in die imaginative Welt, er hat den Eindruck des Blauen oder Violetten, oder er hört irgendeinen Ton, oder er hat ein Gefühl von Wärme oder Kälte —, er weiß durch sein Denken des Herzens, daß das nicht bloße Einbildung, nicht bloße Vision ist, sondern Ausdruck eines geistig-seelischen Wesens, wie das Rot der Rose der Ausdruck der materiellen Rose ist. So lebt man sich in die Wesenheiten hinein; man muß aus sich herausgehen und sich mit den Wesenheiten selber verbinden. Daher ist alles Forschen in der geistigen Welt zu gleicher Zeit mit der Hingabe der eigenen Persönlichkeit verknüpft, in einem viel höheren Grad, als das bei den äußeren Erlebnissen der Fall ist. Man wird intensiver mitgenommen, man steckt ja in den Dingen selber drinnen. Was sie Gutes und Böses, Schönes und Häßliches, Wahres und Falsches haben, muß man in den Wesenheiten erleben. Wo andere Menschen in der physischen Welt einen Irrtum gleichgültig ansehen, muß der Geistesforscher in der imaginativen Welt den Irrtum nicht nur anschauen, er muß ihn mit Schmerz durchleben. Er muß das Häßliche, das Abscheuliche nicht nur anschauen, ob es ihm nichts tut, sondern er muß es innerlich miterleben. Durch die geschilderte Schulung, die der heutigen Menschheit besonders angemessen ist, kommt er dazu, das Gute, das Wahre, das Schöne, aber auch das Böse, das Häßliche, den Irrtum mitzuerleben, ohne davon gefangengenommen zu werden oder sich zu verlieren, denn das durch richtige Vorbereitung erworbene Denken des Herzens führt dazu, daß er durch das unmittelbare Gefühl unterscheiden kann.

[ 24 ] This, however, is linked to the fact that the truths given from the higher worlds are indeed imbued with a kind of heartfelt passion, that they bear the imprint of the heart’s thinking. However abstract they may seem, and however much they may be cast in thought-forms, they are imbued with heartfelt passion, for they are experienced directly from the soul. From the moment the thinking of the heart is developed, the person who enters the imaginative world knows: What you have before you and what looks like a vision is not a vision, but is an expression of a spiritual-soul aspect that lies behind it, just as the red color of the rose here is the outward expression of the material rose. The spiritual seer directs the spiritual eye into the imaginative world; he has the impression of blue or violet, or he hears some sound, or he has a feeling of warmth or cold—he knows through his thinking of the heart that this is not mere imagination, not mere vision, but the expression of a spiritual-soul being, just as the red of the rose is the expression of the material rose. In this way one lives oneself into the beings; one must step out of oneself and connect with the beings themselves. Therefore, all exploration in the spiritual world is at the same time linked to the surrender of one’s own personality, to a much greater degree than is the case with external experiences. One is more intensely affected, for one is actually immersed within the things themselves. Whatever good and evil, beauty and ugliness, truth and falsehood they possess, one must experience within the beings themselves. Where other people in the physical world view an error with indifference, the spiritual researcher in the imaginative world must not only look at the error, but must live through it with pain. He must not only look at the ugly and the abominable to see if they affect him, but must experience them inwardly. Through the training described, which is particularly suited to humanity today, he comes to experience the good, the true, and the beautiful, but also the evil, the ugly, and the error, without being captivated by them or losing himself, for the thinking of the heart acquired through proper preparation enables him to distinguish through direct feeling.

[ 25 ] Wer aus dieser geistigen Welt heraus schildert, muß die Sprache des logischen Denkens benutzen. Wenn man dasjenige, was in der geistigen Welt erlebt wird, umgießen will in logische Gedanken, dann fühlt man etwa so, wie wenn man an einen Hügel herantritt, der eine wunderbare Konfiguration von Felsbildungen zeigt, und daraus Steine ausbrechen muß, weil man sie braucht, um Häuser für die Menschen zu bauen. So fühlt man, wenn man die Erlebnisse in der geistigen Welt umformen muß in logische Gedanken des Verstandes. So wie ein Mensch in der gewöhnlichen Welt das, was er in der Seele erlebt, in Worten aussprechen muß, wenn er es anderen Menschen mitteilen will — und wie man nicht verwechseln darf die Worte mit den Gedanken —, so muß der Geistesforscher, wenn er das mit dem Herzen Erlebte mitteilen will, es kleiden in die Sprache des logischen Denkens. Logisches Denken ist nicht die Sache selber, logisches Denken ist nur die Sprache, in der der Geistesforscher mitteilt, was er in den geistigen Welten erlebt hat. Wer sich an der logischen Gedankenform stößt und nicht fühlt, daß mehr dahinterliegt, der ist in derselben Lage wie ein Zuhörer, der nur die Worte eines Redners hört und nicht die darin eingekleideten Gedanken aufnimmt. Das kann die Schuld desjenigen sein, der spricht, wenn jemand angebliche geisteswissenschaftliche Wahrheiten in solche Gedanken kleidet, daß der Zuhörer darin keine Wahrheiten und Erkenntnisse des Herzens findet. Es braucht aber nicht so zu sein, es kann auch die Schuld dessen sein, der zuhört, wenn er nur den Schall der Worte hört und nicht in der Lage ist, zu den dahinterliegenden Gedanken zu dringen.

[ 25 ] Anyone who describes the spiritual world must use the language of logical thought. When one attempts to translate what is experienced in the spiritual world into logical thoughts, it feels somewhat like approaching a hill with a marvelous formation of rock formations and having to break stones out of it because one needs them to build houses for people. That is how one feels when one must transform the experiences of the spiritual world into logical thoughts of the intellect. Just as a person in the ordinary world must express in words what they experience in the soul if they wish to communicate it to others—and just as one must not confuse the words with the thoughts—so too must the spiritual researcher, if they wish to communicate what they have experienced with the heart, clothe it in the language of logical thinking. Logical thinking is not the thing itself; logical thinking is merely the language in which the spiritual researcher communicates what he has experienced in the spiritual worlds. Anyone who takes offense at the logical form of thought and does not sense that there is more behind it is in the same position as a listener who hears only the words of a speaker and does not take in the thoughts clothed within them. This may be the fault of the speaker if someone clothes so-called spiritual-scientific truths in such thoughts that the listener finds no truths or insights of the heart within them. But it need not be so; it may also be the fault of the listener if he hears only the sound of the words and is unable to penetrate to the thoughts lying behind them.

[ 26 ] Aus dieser Forschung des Herzens heraus kann nur das der Menschheit mitgeteilt werden, was in klar formulierte logische Gedanken umgegossen werden kann. Was nicht in logische Gedanken umgegossen werden kann, das ist nicht reif, der Menschheit mitgeteilt zu werden. Das ist der Probierstein, daß es in klare Worte, in klar formulierbare Gedanken umgegossen werden kann, die scharfe Konturen haben. So müssen wir uns gewöhnen, auch wenn wir die tiefsten Wahrheiten des Herzens hören, sie in Gedankenformen zu vernehmen und hinter diesen Formen auf den Inhalt zu schauen.

[ 26 ] From this exploration of the heart, only that which can be cast into clearly formulated, logical thoughts can be communicated to humanity. That which cannot be cast into logical thoughts is not yet ready to be communicated to humanity. The touchstone is whether it can be cast into clear words, into clearly formulable thoughts that have sharp contours. Thus, we must accustom ourselves, even when we hear the deepest truths of the heart, to perceive them in thought forms and to look beyond these forms to the content.

[ 27 ] Das muß sich der Theosoph angewöhnen, wenn er wirklich etwas beitragen will dazu, daß verbreitet wird in der Menschheit dasjenige, was aus dem Geiste heraus geoffenbart werden kann. Es wäre Egoismus, wenn jemand nur eigene mystische Erlebnisse haben wollte, die nur für ihn gelten. Die Ergebnisse der wahren mystischen Forschung müssen Gemeingut der Menschheit werden und ihre Resultate werden in Zukunft mehr und mehr veröffentlicht werden, geradeso wie die Ergebnisse der Verstandesforschung Allgemeingut sind. Nur wenn wir uns in diesem Sinne zu den Offenbarungen der wahren mystischen Forschung zu stellen vermögen, können wir die Mission der Geisteswissenschaft für die Menschheit begreifen.

[ 27 ] Theosophists must make this a habit if they truly wish to contribute to the dissemination among humanity of that which can be revealed through the spirit. It would be selfish for anyone to seek only their own mystical experiences, which apply only to them. The findings of true mystical research must become the common heritage of humanity, and their results will be published more and more in the future, just as the findings of intellectual research are common knowledge. Only when we are able to approach the revelations of true mystical research in this spirit can we comprehend the mission of spiritual science for humanity.