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The Revelations of Karma
GA 120

18 May 1910, Hamburg

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Dritter Vortrag

3. Karma in Relation to Disease and Health

[ 1 ] Solche Betrachtungen, wie wir sie heute und in den allernächsten Tagen anzustellen haben, können sehr leicht einem gewissen Mißverständnis unterworfen sein. Wir werden es zu tun haben mit mancherlei Krankheits- und Gesundheitsfragen vom Gesichtspunkte des Karma, und bei der Gegensätzlichkeit unserer heutigen Zeitströmungen gerade auf diesem Gebiete könnte leicht eine mißverständliche Auffassung der geisteswissenschaftlichen Grundlagen Platz greifen, wenn dieses Kapitel — der Zusammenhang von Krankheit und Gesundheit mit dem Karma — berührt wird. Sie wissen ja, daß in den weitesten Kreisen die Diskussion mit ziemlicher Heftigkeit und Leidenschaftlichkeit wogt, wenn Gesundheits- und Krankheitsfragen in Betracht kommen. Es ist Ihnen ja allen bekannt, wie sehr von seiten der Laien sowohl als auch von seiten dieser oder jener Ärzte Partei ergriffen wird gegen das, was man die wissenschaftliche Medizin nennt. Auf der andern Seite kann leicht bemerkt werden, wie die Vertreter der wissenschaftlichen Medizin vielleicht gerade herausgefordert werden durch manchen ungerechten Angriff, so daß sie nicht nur in eine Art von Leidenschaft verfallen, wenn es sich darum handelt — was ihr gutes Recht ist —, einzutreten für das, was die Wissenschaft dazu zu sagen hat, sondern daß von dieser Seite heute auch ein zum Teil recht arger Kampf geführt wird gegen das, was von andern Gesichtspunkten als den in der offiziellen Medizin vertretenen irgendwie gesagt wird über das in Betracht kommende Gebiet. Theosophie oder Geisteswissenschaft wird nur dann ihren hohen Aufgaben gerecht werden können, wenn sie auf einem solchen, von Diskussionen vielfach verdunkelten Gebiet das unbefangene und objektive Urteil wahrt. Wer ähnliche Vorträge von mir gehört hat, wird wissen, wie wenig es mir darum zu tun ist, einzustimmen in den Chor, der heute das, was man als «Schulmedizin» bezeichnet, diskreditieren will. Von einem Einstimmen in diese oder jene Parteirichtung kann bei der Geisteswissenschaft auch nicht im entferntesten die Rede sein.

[ 1 ] The observations we shall have to make in this and succeeding lectures may be exposed to a certain misunderstanding. We shall have to deal with various questions about disease and health from the standpoint of karma, but owing to the contrary nature of present currents of thought on this subject a wrong idea of the spiritually scientific basis may easily be formed when this subject is touched upon. We know that the most varied circles discuss these questions of health and disease, and that the discussion is often carried on with considerable vehemence and passion. Sides are taken by the laity quite as much as by certain physicians against what is called scientific medicine, and it can easily be seen how the partisans of scientific medicine are perhaps provoked by many an unjustified attack, so that they not only fall into a kind of passion when they feel called upon, and rightly too, to enter the lists on behalf of what science has to say on this matter, but they also wage war against what is said contrary to their own views on the subject in question. Anthroposophy or Spiritual Science will be able to do justice to its high task only if it succeeds in maintaining an unprejudiced and objective judgement in this field which has been so much darkened by discussions. Those who have often heard lectures from me will know how little I am disposed to join the chorus of those who wish to discredit what is described as academic medicine; in Spiritual Science there is no question of agreement with one particular party or another.

[ 2 ] Es darf vielleicht gerade bei dieser Gelegenheit einleitend betont werden, daß die Leistungen in bezug auf die Tatsachen und tatsächlichen Erforschungen der Erscheinungen gerade auf dem Gebiet des Krankheitswesens und der Gesundheitsfragen der Menschheit in den letzten Jahren und Jahrzehnten wahrhaftig zu ebensolchem Lobreden, Anerkennen und Bewundern herausfordern wie zahlreiche andere naturwissenschaftliche Ergebnisse. Und von dem, was auf diesem Gebiete an Tatsächlichem geleistet worden ist, darf auch gesagt werden: Wenn sich irgend jemand freuen darf über das, was die Medizin in den letzten Jahren geleistet hat, so kann dies gerade die Geisteswissenschaft sein. Auf der andern Seite muß aber auch betont werden, was gerade für die Naturwissenschaft gilt, daß die Errungenschaften und tatsächlichen Erkenntnisse und Entdeckungen zuweilen recht wenig richtige und befriedigende Interpretationen und Erklärungen finden durch das, was heute wissenschaftliche Meinungen sind. Das ist ja das Hervorstechendste in unserer Zeit für viele Gebiete naturwissenschaftlicher Forschung, daß die Meinungen, die Theorien nicht gewachsen sind den zuweilen wunderbaren Tatsachenergebnissen. Und erst das Licht, das von der Geisteswissenschaft ausgeht, wird Klarheit über das bringen, was auf diesem Gebiet in den letzten Jahren errungen worden ist.

[ 2 ] As a preliminary observation we may say that the achievements of recent years in regard to health and the actual investigations into the phenomena of disease really arouse praise, recognition, and admiration, just as do numerous other scientific discoveries. Concerning what has been actually accomplished in this realm, it may be said that if anyone may rejoice at all about what medicine has accomplished in recent years it is Spiritual Science that should do so. On the other hand, we must point out that the achievements and actual knowledge and discoveries of Natural Science are by no means always truly and satisfactorily interpreted and explained by present-day scientific opinion. It is indeed most patent in many fields of scientific investigation that the opinions and theories have not grown in accordance with the positive ideas and facts which are sometimes marvellous. The light which proceeds from Spiritual Science will also successfully illuminate the scientific conquests of recent years.

[ 3 ] Nachdem das vorausgeschickt worden ist, wird es klar sein, daß es sich nicht um irgendwelches Einstimmen in billige Bekämpfung dessen handelt, was auf dem Gebiet der wissenschaftlichen Medizin heute geleistet werden kann. Dann darf aber auch gesagt werden, daß die bewundernswerten Tatsachen, die zutage getreten sind, nicht fruchtbar werden können in unserer Zeit zum Heile der Menschheit, weil auf der andern Seite geradezu materialistisch gefärbte Meinungen und Theorien diese Fruchtbarkeit verhindern. Daher ist es für die Theosophie viel besser, daß sie anspruchslos das sagt, was sie zu sagen hat, als in irgendeinen Parteikampf einzugreifen. Es werden dadurch viel weniger die Leidenschaften aufgeregt werden, als sie es heute schon sind.

[ 3 ] After this preliminary observation it will be seen that we are not concerned with any sort of an agreement in a paltry skirmish regarding what can be done at the present time in the field of scientific medicine. It may be said, however, that the most admirable facts which have so far been brought to light cannot bear fruit for the good of humanity in our day because the materialistically coloured opinions and theories prevalent to-day render them sterile. So it is much better for Anthroposophy modestly to say what it has to say than to take part in any sort of party war. In this way it will arouse much less the passions already so excited at the present time.

[ 4 ] Wenn wir überhaupt einen Gesichtspunkt gewinnen wollen zu den Fragen, die uns beschäftigen sollen, dann müssen wir uns damit bekanntmachen, daß die Ursachen zu irgendeiner Erscheinung in der mannigfaltigsten Weise gesucht werden müssen, nähere und entferntere Ursachen, und daß die Theosophie, wenn es sich darum handeln wird, karmische Ursachen zu Gesundheitsfragen zu suchen, es ein wenig zu tun haben wird mit den entfernteren Ursachen, die nicht an der Oberfläche liegen. Machen wir uns das durch einen Vergleich klar. Wenn Sie den Vergleich überdenken, werden Sie schon auf das kommen, was eigentlich gemeint ist.

[ 4 ] If we wish to obtain a point of view from which to consider the questions that are to occupy us, we must first realise that the cause of any phenomena has to be sought for in a variety of ways; there are nearer and more remote causes, and where Anthroposophy wishes to discover the karmic cause of health, it will have to occupy itself a little with the more remote causes not on the surface. We will give an illustration of this, which upon reflection will soon be understood.

[ 5 ] Nehmen wir an, irgend jemand stehe auf dem Standpunkt, «wie wir es heute so herrlich weit gebracht haben» auf diesem Gebiete, und er verachte ganz die Meinungen, welche in den vergangenen Jahrhunderten über Gesundheit und Krankheit zutage getreten sind. Wenn Sie versuchen, einen Überblick über die Krankheits- und Gesundheitsfragen zu finden, werden Sie den Eindruck bekommen, daß die Darsteller eines solchen Gebietes gewöhnlich das Urteil haben: Was in den letzten zwanzig bis dreißig Jahren auf diesem Gebiete zutage getreten ist, das ist eine Art absoluter Wahrheit, die zwar ergänzt werden kann, aber nie ein solches absprechendes Urteil erfahren kann wie das, welches solche Beurteiler leider selbst abgeben über das meiste, was auf diesem Gebiete vorangegangen ist an menschlichem Sinnen und Trachten. Es wird zum Beispiel häufig gesagt: Wir finden gerade auf diesem Gebiete in den verflossenen Zeiten den krassesten Aberglauben —, und es werden dann recht abschreckende Beispiele angeführt, wie in den verflossenen Jahrhunderten versucht worden sei, dies oder das zu heilen. Insbesondere schlimm findet man, wenn man irgendwo auf Ausdrücke stößt, welche in der damaligen Bedeutung dem heutigen Bewußtsein längst verlorengegangen sind, sich aber dennoch in das heutige Bewußtsein eingeschlichen haben, und mit denen so, wie sie der heutige Mensch denkt, nichts anzufangen ist. So sagen einige: Da gab es Zeiten, in denen man eine jede Krankheit Gott oder dem Teufel zuschrieb! So schlimm, wie es solche Darsteller machen, liegt es deshalb nicht, weil sie nicht wissen, welcher Komplex von Anschauungen bei einem solchen Begriff «Gott» oder «Teufel» gemeint war. Durch einen Vergleich können wir uns das klarmachen.

[ 5 ] Let us take the standpoint of one who thinks that we are gloriously advanced at the present day in this field, and who altogether despises the opinions on health and disease which were advanced in previous centuries. If we survey the questions of disease and health, we gain the impression that the representatives of this view usually conclude that what has come to light in this field within the last twenty or thirty years is a kind of absolute truth which may, indeed, be supplemented, but can never be gainsaid as can the knowledge which has been acquired in past ages. For example it is often said: ‘In this field we find the grossest superstition in bygone times!’ And then truly startling examples are given of the way in which in past centuries they tried to heal one complaint or another. It is considered to be exceptionally bad when one comes across terms which for the modern consciousness have lost the meaning they possessed at that time. Thus some say: ‘There were times when every illness was ascribed to God or the devil!’ This was not so bad as these people make it out to be, because they can form no idea of what was intended by the expression ‘God’ or ‘devil.’ We can make this very clear by means of an illustration.

[ 6 ] Nehmen wir an, zwei Leute reden miteinander. Da erzählt der eine dem andern: Eben habe ich eine Stube gesehen, die ganz voller Fliegen ist. Nun sagt mir jemand, das sei ganz natürlich; und das glaube ich auch, denn die Stube ist sehr schmutzig, und dadurch finden die Fliegen ihr Fortkommen. Es ist ganz erklärlich, daß man das als Grund für das Vorhandensein der Fliegen annimmt, und ich glaube auch, daß derjenige ganz recht hat, der da sagt, die Fliegen werden nicht mehr in der Stube sein, wenn man einmal gründlich reinemacht! — Nun hat aber ein anderer erzählt, daß er noch etwas anderes wüßte, warum so viele Fliegen in dem Zimmer wären; und die Ursache könne er nicht anders bezeichnen, als daß in jenem Zimmer seit langem eine grundfaule Hausfrau hause. — Aber nun sieh einmal, was das für ein grenzenloser Aberglaube ist: daß die Faulheit wie eine Art Persönlichkeit sei, die nur zu winken brauchte, und dann kämen die Fliegen herein! Da ist die andere Erklärung doch richtiger, die das Vorhandensein der Fliegen durch den angehäuften Schmutz erklärt!

[ 6 ] Let us suppose that two persons are speaking together. One says to the other: ‘I have just seen a room full of flies. Someone said it was quite natural the room should be full of flies, and I thought so too, for the room was very dirty and so the flies thrive.’ It is quite natural that one should accept this as a reason for the existence of the flies and it will be quite reasonable to say that if the room were thoroughly cleaned the flies would disappear. But there was another person who said that he knew a different reason for the flies in the room, and that the real cause was that for a long time a very lazy housewife had lived there. Now what boundless superstition to think that laziness was a kind of personality which needed only to beckon, and then in came the flies! Surely the explanation which attributes the presence of flies to the dirt is a better one.

[ 7 ] Nicht viel anders ist es auf einem andern Gebiete, wenn man sagt: Es ist jemand von einer Krankheit befallen, da er eben eine Infektion durch irgendeine Bazillenart erhalten hat; treibt man die Bazillen aus, so ist die Heilung da. Nun reden aber da noch Leute von irgendeiner geistigen Ursache, die tiefer liege! Man braucht doch nichts anderes zu tun, als die Bazillen fortzutreiben! — Es ist nicht mehr Aberglaube, von einer geistigen Ursache zu sprechen bei Erkrankungen, doch alles übrige anzuerkennen, als in dem Falle, wo die Ursache für das Dasein der Fliegen in einer grundfaulen Hausfrau gesehen wird. Und man braucht nicht zu wettern, wenn man sagt: Die Fliegen werden nicht mehr da sein, wenn einmal reinegemacht wird. Nicht darum handelt es sich, daß der eine den andern bekämpft, sondern daß man lernt, sich gegenseitig zu verstehen und einzugehen auf das, was der eine will und was der andere will. Das muß man durchaus berücksichtigen, wenn von den unmittelbar naheliegenden Ursachen mit Recht gesprochen wird und wenn von den entfernteren Ursachen gesprochen wird. Der objektive Theosoph wird sich durchaus nicht auf den Standpunkt stellen, daß die Faulheit nur eine Art von Wink zu geben brauche, damit die Fliegen in das Zimmer kommen; er wird wissen, daß auch andere materielle Dinge dabei in Betracht kommen, daß aber alles, was materiell zum Ausdruck kommt, seine geistigen Hintergründe hat und daß diese geistigen Hintergründe zum Heile der Menschheit gesucht werden müssen. Diejenigen aber, welche in den Kampf gern einstimmen möchten, die sollen auch daran erinnert werden, daß die geistigen Ursachen nicht immer in. derselben Weise aufgefaßt werden dürfen und auch nicht in der gleichen Art bekämpft werden können wie die gewöhnlichen materiellen Ursachen. Und man darf auch nicht denken, daß man durch das Bekämpfen der geistigen Ursachen enthoben wäre der Bekämpfung der materiellen Ursachen; denn sonst könnte man die Stube schmutzig lassen und brauchte nur gegen die Faulheit der Hausfrau zu Felde zu ziehen.

[ 7 ] There happens almost the same thing when one says: ‘Someone has fallen ill through being infected by some sort of bacillus; if this is driven out, the person will be well again.’ Others talk about a spiritual cause which lies deeper down, but to effect a cure they still think it necessary only to drive out the bacillus. To talk of a spiritual cause of illness while admitting all the rest is no more superstitious than to say as in the first case that the presence of the flies was due to a lazy housewife. And there is no need to be angry if someone says that the flies would not be there if the room were clean. It is not a question of one view being in opposition to the other; rather the holder of each view should learn to understand the other and study his meaning. One must carefully take into consideration whether only the immediate causes are spoken of, or whether indirect causes are referred to. The objective Anthroposophist will never take this standpoint that laziness needs only to beckon for the flies to come into the room; he will know that other material things also come into consideration. But everything which has a material expression has its spiritual background, and for the welfare of humanity this spiritual background has to be sought. Those, however, who would like to take part in the combat should also be reminded that spiritual causes will not always be understood in the same way and also cannot be combated in the same way as ordinary material causes; and one must not always think that by fighting the spiritual causes there would be no need to combat the material causes; for then one might allow the room to remain dirty, and seek to cure the idleness of the housewife. What is necessary is that each of these two parties should understand the other's point of view and not quarrel with him about it.

[ 8 ] Wenn wir nun das Karma betrachten, müssen wir sprechen von Zusammenhängen zwischen Ereignissen, wie sie im Menschenleben eintreten in einer früheren Zeit und wie sie ihre Wirkung auf dasselbe Menschenwesen zeigen in einer späteren Zeit. Wenn wir sprechen von Gesundheit und Krankheit vom Gesichtspunkte des Karma aus, so heißt das nichts anderes als: Wie können wir uns vorstellen, daß der gesunde oder kranke Zustand eines Menschen seine Begründung findet in früheren Taten, Verrichtungen und Erlebnissen dieses Menschen? Und wie können wir uns vorstellen, daß sein gegenwärtiger Gesundheits- oder Krankheitszustand mit zukünftigen Wirkungen, die auf dasselbe Wesen zurückfallen, im Zusammenhang steht?

[ 8 ] Now when we are considering karma we must speak of connections of events which came into human life in former times, and how they manifest themselves later in their after-effects on the same human being. If we speak of health and disease from the standpoint of karma we must ask: ‘Can we connect the healthy and diseased condition with the former deeds and experiences of this person, and how will his present condition of health or disease later react upon him?’

[ 9 ] Am liebsten wird der heutige Mensch überhaupt glauben, daß eine Krankheit mit den allernächsten Ursachen nur im Zusammenhange stehe. Denn der Grundnerv unserer heutigen Weltanschauung auf allen Gebieten ist ja der, daß man Bequemlichkeit sucht; und stehenbleiben bei den allernächsten Ursachen ist eine bequeme Sache. Daher werden gerade in bezug auf Erkrankungen nur die allernächsten Ursachen berücksichtigt — und am meisten geschieht das von den Kranken selbst. Denn wie wäre es zu leugnen, daß die Kranken selbst veranlaßt sind, solche Bequemlichkeit zu üben? Aus diesem Umstande heraus ergibt sich so viel Unzufriedenheit, wenn ein solcher Glaube existiert, die Krankheit müsse die allernächsten Ursachen haben, welche von dem kundigen Arzt gefunden werden müssen; und wenn der Arzt dann nicht helfen kann, hat er irgend etwas verpfuscht. Aus dieser Bequemlichkeit des Urteils geht vieles von dem hervor, was heute auf diesem Gebiete gesagt wird. Wer Karma in seinen weitverzweigten Wirkungen zu betrachten versteht, der wird immer mehr seinen Blick erweitern von dem, was heute geschieht, zu Ereignissen, die verhältnismäßig sehr weit zurückliegen. Und er wird vor allen Dingen die Überzeugung gewinnen, daß eine durchgreifende Erkenntnis eines Sachverhaltes, der den Menschen trifft, nur möglich ist, wenn man den Blick erweitern kann über das, was weiter zurückliegt. Insbesondere beim erkrankten Menschen ist das der Fall.

[ 9 ] The man of the present day would far rather believe that disease is connected only with immediate causes. For the fundamental tendency in the modern view of life is always to seek what is most convenient. And it is certainly convenient to go no further than the immediate cause. Therefore in considering human diseases, only the immediate causes are taken into consideration, and most of all is this the case with the invalid himself. For it cannot be denied that the patients themselves are led to take this standpoint, and because of this there exists so much dissatisfaction. When there is the belief that the disease must have an immediate cause which must be found by the skilled physician, and when he cannot help, he is accused of having bungled somewhere. From this convenient method of judgement proceeds much of what is said at the present day on this subject. One who knows how to observe the wide-spreading effects of karma will always extend his gaze more and more from what happens now to events which lie comparatively far back. Above all, he will be convinced that a complete understanding of some circumstance in a person's life is only possible when an extended view over what lies further back can be obtained. Especially is this so in the case of illness.

[ 10 ] Wenn wir vom kranken und auch vom gesunden Menschen sprechen, drängt sich uns die Frage auf die Lippen: Wie können wir uns von dem Kranksein überhaupt einen Begriff machen?

[ 10 ] When speaking of people who are ill, and also of those who are well, the question arises, ‘How can we form an idea of the nature of disease?’

[ 11 ] Wenn die geisteswissenschaftliche Forschung direkt vorgeht und den hellseherischen Blick zu Hilfe nimmt, wird sie immer, wenn es sich um Erkrankungen des Menschen handelt, Unregelmäßigkeiten bemerken, nicht nur im physischen Leibe des Menschen, sondern auch in den höheren Wesensgliedern des Menschen, im Ätherleibe und im astralischen Leibe. Und der hellseherische Forscher wird bei einem Krankheitsfall immer in Betracht ziehen müssen, welches in dem betreffenden Falle der Anteil sein kann des physischen Leibes auf der einen Seite und des Ätherleibes und des astralischen Leibes auf der andern Seite; denn alle drei Wesensglieder des Menschen können an der Erkrankung beteiligt sein. Nun entsteht die Frage: Welche Vorstellungen können wir über das Wie der Krankheit gewinnen? — Dem kommt man am leichtesten bei, wenn man in Betracht zieht, wieweit man den Begriff «Krankheit» überhaupt ausdehnen darf. Diejenigen, die gern in allerlei allegorisch-symbolischen Begriffen sprechen, auch da, wo sie nicht hingehören, denen mag es überlassen bleiben, wenn sie auch bei Mineralien oder Metallen von Erkrankungen sprechen, indem sie zum Beispiel sagen, wenn der Rost das Eisen frißt, sei das eine Krankheit des Eisens. Man muß sich dabei nur darüber klar sein, daß man durch solche abstrakten Begriffe zu einem wirklichen gedeihlichen Erfassen des Lebens nicht kommen kann; man kann nur kommen zu einer Art spielerischen Erkenntnis des Lebens, nicht aber zu einem Erkennen, das wirklich eingreift in die Tatsachen. Wer zu einem realen Krankheitsbegriff und auch zu einem realen Gesundheitsbegriff kommen will, muß sich hüten, davon zu sprechen, daß Mineralien und Metalle auch erkranken können.

[ 11 ] When spiritual investigation is carried on directly with the aid of the spiritual organs of perception, it will always—when dealing with the diseases of man—notice irregularities, not only in the physical body, but also in the higher principles, in the etheric and astral bodies. The spiritual investigator must always in the case of illness consider, on the one hand the share the physical body may have in this particular case, and, on the other, the share of the etheric body and the astral body; for all three principles may be involved in the disease. The question now arises: ‘What ideas can we form about the processes of disease?’ The answer to this question may be found most easily by first considering how far the idea of disease may be extended. Let us leave it to those who enjoy using such allegorical and symbolic language to talk about diseases of minerals or metals. Let them talk about rust as disease of the iron. We must be quite clear that if we use purely abstract ideas we can gain no practical knowledge of life but can arrive at only a fantastic view, and not one which really penetrates into the facts. If we wish to arrive at a real idea of disease and also a real idea of health, we shall have to guard against saying that minerals and metals can also have diseases.

[ 12 ] Nun ist die Sache schon anders, wenn wir ins Pflanzenreich hinaufgehen. Da dürfen wir gewiß von Erkrankungen der Pflanzen sprechen. Aber gerade Pflanzenkrankheiten sind für das reale Erfassen der Vorstellung «Krankheit» von einem ganz besonderen Interesse und von ganz besonderer Wichtigkeit. Bei Pflanzen wird man, wenn man wieder nicht spielerisch zu Werke geht, nicht leicht sprechen können von inneren Krankheitsursachen. In demselben Maße, wie man bei Tier und Mensch von inneren Krankheitsursachen sprechen kann, kann man bei Pflanzen nicht davon sprechen. Die Erkrankungen im Pflanzenreiche werden Sie immer zurückzuführen haben auf äußere Veranlassungen, auf diese oder jene schädlichen Einflüsse des Bodens, ungenügende Belichtungen, auf diese oder jene Wirkungen des Windes und auf sonstige elementare und Naturwirkungen. Oder Sie werden solche Erkrankungen von Pflanzen zurückzuführen haben auf Einflüsse von Parasiten, die sich an die Pflanzen heranmachen und sie schädigen. Und wir werden innerhalb des Pflanzenreiches mit Recht davon sprechen, daß der Begriff «innere Krankheitsursache» im Grunde gar keine Berechtigung hat. — Es ist natürlich nicht möglich, da ich nicht ein halbes Jahr über dieses Thema sprechen kann, daß ich mit unzähligen Belegen versehe, was ich jetzt angedeutet habe. Aber je tiefer wir in die Pflanzenpathologie eindringen, desto mehr werden wir sehen, daß von dem Begriff «innere Krankheitsursache» bei den Pflanzen nicht die Rede sein kann, sondern daß es sich da um äußere Veranlassungen und Schädigungen, um äußere Einflüsse handelt.

[ 12 ] But matters are quite different when we come to the vegetable kingdom. We may certainly speak of the diseases of plants, for a real comprehension of the idea of disease these diseases of plants are especially interesting and important. In the case of plants, if again one does not go to work in a fantastic way, one cannot well speak of ‘inner causes of diseases,’ in the same way as with animals and men. The diseases of plants can always be traced to outer causes, such as some detrimental influence in the ground, insufficient light, this or that effect of the wind and other elementary activities in nature. Or they may be traced to the influence of parasites which live upon the plants and injure them. In the vegetable kingdom the idea of ‘inner causes of disease’ cannot be justified. It is, of course, impossible in the short space of time at our disposal to furnish innumerable proofs of what I have just indicated, but the deeper one goes into the pathology of plants the more it can be seen that in their case inner causes of disease do not exist, but that we have to deal with external injuries or other external influences.

[ 13 ] Nun haben wir in der Pflanze, wie sie uns zunächst in der äußeren Welt entgegentritt, ein Wesen vor uns, das uns ein Gefüge von einem physischen Leibe und einem Ätherleibe zeigt. Und wir haben damit zugleich ein Wesen vor uns, das uns sozusagen aufmerksam darauf macht, daß ein solches Wesen mit physischem Leib und Ätherleib im Grunde dem Prinzip nach gesund ist und daß es warten muß, bis es eine äußere Schädigung erfährt, wenn es krank werden soll. Damit stimmt auch durchaus der geisteswissenschaftliche Tatbestand. Während wir durch die Methoden der hellseherischen Forschung im Tier- und Menschenreich bei Erkrankungen ganz entschieden im Inneren des Wesens — in den übersinnlichen Teilen — Veränderungen erblicken, können wir innerhalb einer erkrankten Pflanze niemals davon sprechen, daß der ursprüngliche Ätherleib selber verändert wäre, sondern nur davon, daß sich von außen allerlei Störungen und schädliche Einflüsse in den physischen Leib und namentlich in den ÄÄtherleib hineingedrängt haben. Der geisteswissenschaftliche Tatbestand rechtfertigt durchaus das, was wir als allgemeinen Schluß gewinnen: daß in dem, was bei den Pflanzen in Betracht kommt — nämlich physischer Leib und Ätherleib —, etwas ursprünglich Gesundes vorliegt. Aber etwas anderes ist es, wie die Pflanze imstande ist, wenn sie äußere Schädigungen erfährt, alles mögliche aufzuwenden, um in Wachstum und Entwickelung sich gegen die Schädigungen zu wehren, sich zu heilen. Beobachten Sie einmal, wenn Sie eine Pflanze anschneiden, wie sie versucht, die beschädigte Stelle zu umwachsen, zu umgehen, was ihr da im Wege liegt und sie schädigt. Und wir können es fast mit Händen greifen, wie in der Pflanze eine innere Abwehr, eine Heilkraft vorhanden ist, wenn eine äußere Schädigung eintritt.

[ 13 ] Now a plant such as we see in the external world is a being which is made up of a physical and etheric body. At the same time it is a being which brings to our notice the fact that what we call the physical and etheric body are in principle healthy, and that it has to wait until it meets with an external injury before it can become diseased. The researches of Spiritual Science confirm that this is the true state of affairs. Whereas through spiritual scientific research into the diseases of animal and human being we are able to see quite decided changes in the inner or super-sensible part of the being, in the case of a diseased plant we are never able to say that the original etheric body itself is changed, but only that all kinds of disturbances and harmful influences from outside have penetrated into the physical body and especially into the etheric body. Spiritual Science entirely confirms the following general conclusion: In the constituent parts of the plant, namely, physical and etheric bodies, we have before us something which is in essence healthy. But it is another thing to see how when it has suffered external damage it can safeguard by all sorts of means its growth and development, and heal the injury. Notice for instance how, if you cut a plant, it tries to grow round the injured part, and to get round what then interferes with and injures it. We can see when an external injury occurs, the clear manifestation of the healing power which the plant has in its inner organisation. In the etheric and physical bodies of the plant exist healing forces which are brought into play when some exterior injury is inflicted.

[ 14 ] So sehen wir, daß wir in dem Ätherleib und physischen Leib der Pflanze etwas vor uns haben, was imstande ist, mit inneren Heilkräften zu antworten auf äußere Schädigungen. Das ist eine außerordentlich wichtige Tatsache, wenn man auf diesem Gebiete zur Klarheit kommen will. Ein Wesen wie die Pflanze mit physischem Leibe und Ätherleib zeigt uns also nicht nur, daß der physische Leib und der Ätherleib ursprünglich Prinzipien der Gesundheit in sich haben, soviel notwendig ist zur Entwickelung und zum Wachstum des betreffenden Wesens, sondern es zeigt uns ein solches Wesen sogar, daß ein Überschuß vorhanden ist von solchen Kräften, die sich in den Heilkräften ausleben können, wenn von außen Schädigungen kommen. — Woher müssen denn diese Heilkräfte stammen?

[ 14 ] This is an extremely important fact if we wish to come to a clear understanding in this realm. A being such as a plant, having physical and etheric body thus shows that these principles are fundamentally healthy. There is in them sufficient force not only for the development and growth of the plant, but also there is a super-abundance of these forces which manifest themselves as healing powers when injuries come from outside. Whence, then, do these healing forces come?

[ 15 ] Wenn Sie in einen bloß physischen Körper hineinschneiden, wird die Schädigung bleiben. Er wird aus sich heraus nichts tun können, um die Schädigung sozusagen zu heilen. Deshalb können wir bei einem bloß physischen Körper nicht von einer Erkrankung sprechen, und am wenigsten davon, daß Krankheit und Heilung in Beziehung zueinander stehen können. Das können wir am besten sehen, wenn eine Krankheit bei einer Pflanze zutage tritt. Da haben wir das Prinzip der inneren Heilkraft zu suchen im Ätherleibe. Das zeigt wiederum im eminentesten Maße der geisteswissenschaftliche Tatbestand.

[ 15 ] If you wound a merely physical body the injury will remain; it is unable of itself to repair the injury. For this reason, we cannot talk of a disease in the case of a merely physical body, and least of all can we talk of a relation between disease and healing. This we can best see when a disease appears in a plant. Here we have to look for the principle of the inner healing power in the etheric body.

[ 16 ] Denn um die Wunde einer Pflanze herum beginnt der Ätherleib der Pflanze ein viel regeres Leben, als er vorher dort entfaltete. Er bringt ganz andere Formen aus sich heraus, entwickelt ganz andere Strömungen. Das ist das außerordentlich Interessante, daß wir geradezu den Ätherleib der Pflanze herausfordern zu einer erhöhten Tätigkeit, wenn wir der Pflanze in bezug auf den physischen Leib eine Schädigung beibringen.

[ 16 ] Spiritual investigation shows us this very clearly, for the activity of the etheric body of the plant is much intensified round the part where the wound has been inflicted. It brings forth from itself entirely different forms, and develops entirely different currents. It is an extremely interesting fact that we call on the etheric body of a plant to exercise increased activity when we injure its physical body.

[ 17 ] Damit haben wir zwar nicht den Begriff der Krankheit definiert; aber wir haben etwas getan, um zum Wie der Krankheit zu kommen, und wir haben etwas erreicht, was uns eine Ahnung verschafft über das innere Wie der Heilung.

[ 17 ] We have not indeed defined the concept of disease but we have done something to arrive at its nature, and we have gained something which gives us an inkling of the inward process of healing.

[ 18 ] Jetzt gehen wir einmal — immer am Leitfaden der inneren, hellseherischen Beobachtung — weiter und versuchen wir, die äußeren Erscheinungen vernunftgemäß zu begreifen, zu denen uns die Geisteswissenschaft führt. Dann können wir jetzt aufsteigen von den Schädigungen, welche wir Pflanzen beibringen, zu gewissen Schädigungen, welche wir Tieren beibringen, die also Wesen sind, die schon einen astralischen Leib haben. Wenn wir da im groben Sinne zu Werke gehen, so werden wir sehen, daß wir bei den höheren Tieren verhältnismäßig sehr wenig und immer weniger, je höher das Tier steht — von dem erblicken können, was bei den Pflanzen in umfassendem Maße hervortritt: nämlich jenes Antworten des Ätherleibes auf äußere Schädigungen. Wenn wir grobe Schädigungen dem physischen Leibe eines niederen oder auch eines höheren Säugetieres beibringen, reißen wir zum Beispiel einem Hunde ein Bein aus oder dergleichen, dann werden wir finden, daß der Ätherleib des Hundes nicht so leicht mit seiner Heilkraft antworten kann, wie der Ätherleib der Pflanze antwortet auf eine Schädigung, die in ähnlicher Weise der Pflanze zugefügt worden ist. Aber auch im Tierreich ist das noch in großem Maße zu sehen. — Nehmen wir an, wir steigen hinunter bis zu ganz niedrigen tierischen Wesen, zu den Tritonen oder ähnlichen. Solche niederen Tierwesen können Sie zerschneiden; schneiden wir einem solchen Wesen gewisse Organe ab, so ist das, könnte man sagen, dem Tiere gar nicht besonders unangenehm. Die Organe wachsen mit großer Schnelligkeit wieder nach, und das Tier sieht bald wieder so aus wie früher. Da ist etwas Ähnliches wie bei der Pflanze geschehen: Wir haben eine gewisse Heilkraft im ÄÄtherleibe herausgefordert. Wer würde leugnen, daß die Herausforderung, Heilkräfte im Ätherleib zu entwickeln, beim Menschen oder beim höheren Tier eine erhebliche Gefährdung der Gesundheit bedeuten würde? Das niedere Tier dagegen wird in seinem Ätherleibe nur herausgefordert, ein anderes Glied aus seinem Inneren durch seinen Ätherleib herauswachsen zu lassen. Nun steigen wir etwas weiter hinauf.

[ 18 ] Following the clue given by inward spiritual observation let us go further and try to understand the external phenomena to which Spiritual Science leads us. Then we may pass from the consideration of the injuries we give to plants to those we give to animals which, in addition to the etheric body, have also an astral body. If we carry our observations further we shall see that the etheric body of a higher animal reacts correspondingly less to an external injury. The higher the animal is in the scale of evolution so much the less will be the action of the etheric body. If we cause a severe injury to the physical body of a lower or even a higher mammal; if, for instance, we tear a leg from a dog or some such animal, we find that the etheric body cannot answer with its healing power in the same measure as the etheric body of a plant replies to a similar injury to itself. But even in the animal kingdom this action of the etheric body can still be seen to a great extent. Let us descend to a very low order of animals—to the tritons. If we cut off certain organs from such a being they do not experience anything particularly painful. The organs quickly grow again, and the animal soon looks as it did before. In this case something similar has taken place to that which occurred in the case of the plant; we have called forth a certain healing power in the etheric body. But we should not deny that such provocation to develop healing powers in the etheric body of man or of higher animals would mean a considerable risk to health. The lower animal on the contrary will only be stimulated from its inner being to put forth another member by means of its etheric body.

[ 19 ] Wenn wir jetzt zum Beispiel bei Krebsen ein Glied abschneiden, so sind die Krebse nicht sogleich imstande, ein anderes Glied aus sich herauswachsen zu lassen. Aber wenn sie sich das nächste Mal häuten, wenn sie bei der nächsten Übergangsstufe ihres Lebens ankommen, dann schon treibt für das abgebrochene Glied ein Stumpf heraus; beim zweitenmal wird er schon größer sein, und wenn sich das Tier genügend oft häuten würde, so würde das Glied ersetzt werden durch ein neues. — Da haben Sie die Erscheinung, daß in solchem Ätherleib schon mehr dazu gehört, damit die innere Heilkraft herausgefordert wird. Und bei den höheren Tieren ist das nun gar nicht mehr in diesem Maße der Fall. Wenn wir ein höheres Tier verstümmeln, kann es zunächst nicht diese Heilkraft aus seinem Ätherleibe heraus aufbringen. Aber es muß immer wieder betont werden, was heute in einen bedeutsamen naturwissenschaftlichen Streit hineinspielt: Wenn Sie das Tier verstümmeln, und das Tier hat Nachkommen, so übertragen sich diese Verstümmelungen nicht auf die Nachkommen; die nächste Generation hat wieder die vollen Glieder. Wenn der Ätherleib seine Eigenschaften auf die Nachkommen überträgt, wird er wieder angeregt, einen vollständigen Organismus herauszusetzen. Beim Tritonen wirkt der Ätherleib noch in demselben Tiere, beim Krebs erst in der Häutung; bei den höheren Tieren tritt dasselbe erst bei den Nachkommen ein; da ersetzt der Ätherleib, was in der vorhergehenden Generation verstümmelt worden ist. Wir müssen also solche Erscheinungen in der Natur gradweise betrachten, dann wird es uns klarwerden, daß selbst dann noch von einer Heilkraft im Ätherleibe gesprochen werden muß, wenn die Vererbungen von den Vorfahren auf die Nachkommen gehen, und daß der Ätherleib sich so vererbt, daß er wieder das ganze, ungeteilte Tier hervorbringt. Da haben Sie sozusagen ein Aufsuchen des Wie der Heilkräfte im Ätherleib.

[ 19 ] Now if one of the limbs of a crab is severed, the animal cannot at once renew it. But when it casts its shell the next time and arrives at the next transition stage of its life, a stump appears; the second time the stump grows larger, and if the animal were to cast its shell often enough, the limb would be replaced by a new one. These facts show us that the etheric body must make greater efforts to call forth the inner forces of healing; and in the higher animals the healing power is still less. If you mutilate a higher animal it can do nothing towards replacing the limb. Here we must allude to a fact which at the present time is the subject of an important dispute in the field of Natural Science: If you mutilate an animal, and the animal has progeny, the deformities are not transmitted to the offspring; the next generation has again the complete parts. When the etheric body carries its qualities over to the offspring it is again stimulated to form a complete organism. The etheric body of a triton still acts in the same animal; in a crab it acts only when it casts its shell; in the higher animals the same phenomenon appears only in the offspring, and there the etheric body replaces what had been mutilated in the previous generation. If we observe these phenomena rightly we shall clearly perceive that we must still speak of the healing forces in the etheric body even if these forces are manifested only in the succeeding generation when the offspring is born without the mutilation which the parent suffered. Here we have, as it were, a research into the why and wherefore of the healing powers of the etheric body.

[ 20 ] Nun können wir die Frage aufwerfen: Woran liegt es denn, je weiter wir in der Tierreihe hinaufsteigen — und wenn wir das Menschenreich äußerlich betrachten, gilt das auch —, daß der Ätherleib immer mehr Anstrengungen machen muß, um überhaupt die Heilkräfte herauszubekommen? — Das liegt daran, daß der Ätherleib in der verschiedensten Weise mit dem physischen Leibe verbunden sein kann. Es gibt zwischen dem physischen Leibe und dem Ätherleibe sozusagen eine innigere Gemeinschaft und eine losere. Nehmen wir zum Beispiel ein niederes Tier, den Triton, bei dem ein abgeschnittenes Glied sich sogleich wieder ansetzt. Da müssen wir eine lose Verbindung annehmen zwischen Ätherleib und physischem Leib. Und in noch höherem Maße gilt das bei der Pflanzenwelt. Da müssen wir sagen: Die Verbindung ist eine derartige, daß der physische Leib nicht imstande ist, auch auf den Ätherleib zurückzuwirken, so daß der Ätherleib ungeschoren bleibt durch das, was im physischen Leibe geschieht, und daß der Ätherleib in gewisser Beziehung unabhängig ist vom physischen Leibe. Nun ist das Wesen des Ätherleibes das des Tätigseins, des Hervorbringens, des Wachstumförderns. Er fördert das Wachstum bis zu einer bestimmten Grenze. In dem Augenblick, da wir bei Pflanzen oder niederen Tieren ein Glied abschneiden, ist der Ätherleib gleich wieder bereit, das Glied zu ergänzen, das heißt, die volle Tätigkeit zu entfalten. Was muß aber vorliegen, wenn er die volle Tätigkeit nicht entfalten kann? Dann müßte er mehr gebunden sein an die Tätigkeit des betreffenden Gliedes. Und das ist in der Tat bei den höheren Tieren der Fall. Da ist eine viel innigere, dichtere Verbindung zwischen Ätherleib und physischem Leib vorhanden. Wenn der physische Leib seine Formen ausbildet, wirken diese Formen — also was in der physischen Natur ist — wieder zurück auf den Ätherleib.

[ 20 ] We might now ask the question: How is it, then, that the higher we rise in the animal kingdom—and this applies externally to the human kingdom also—we find that the healing forces of the etheric body have to make greater efforts to manifest themselves? This depends upon the fact that the etheric body may be bound to the physical body in very different ways. Between the physical body and the etheric body there may be a more intimate union or a loose one. For example, let us take the triton, in which the severed member is replaced very quickly. Here we must assume a loose connection between the physical body and the etheric body, and this applies in the vegetable kingdom to a still higher degree. This union, let us say, is such that the physical body is unable to react upon the etheric body, and the latter remains untouched by what happens to the physical body and is in a certain sense independent of it. Now the nature of the etheric body is that of activity, of generation and growth. It encourages growth up to a certain point. When we cut off a part, the etheric body is immediately prepared to restore that part, and to that end unfolds all its activities. But what is the reason if it cannot develop all its activities? The reason is to be found in a closer dependence on the physical body. This is the case with the higher animals. There is here a much more intimate union between the etheric body and the physical body, and when the physical body develops its form and organises the forces of physical nature, these forces react upon the etheric body.

[ 21 ] Wenn wir anschaulich sprechen wollen: Bei ganz niederen Tieren oder bei Pflanzen wirkt das, was draußen ist, nicht zurück auf den Ätherleib, läßt ihn ungeschoren, führt ein selbständiges Dasein. Sobald wir zu höheren Tieren kommen, drängen die Formen des physischen Leibes rückwärts sich dem Ätherleibe auf; da ist der Ätherleib ganz angepaßt dem physischen Leibe, und wir verletzen mit dem physischen Leibe zugleich den Ätherleib. Dann muß natürlich der Ätherleib tiefere Kräfte anwenden, weil er zuerst sich selber wieder herstellen muß und dann erst die betreffenden Gliedmaßen. Daher müssen wir an tiefere Heilkräfte appellieren, wenn wir an den Ätherleib eines höheren Tieres herangehen. Womit hängt das aber zusammen? Warum ist der Ätherleib eines höheren Tieres so abhängig von den Formen des physischen Leibes?

[ 21 ] To put it clearly: In the lower animals or the plants, that which is outside does not react on the etheric body but leaves it untouched, carrying on an independent existence. When we come to the higher animals, reactions of the physical body are imposed upon the etheric body which adapts itself completely to the physical body; so that if we injure the physical body, we injure the etheric body at the same time. Hence the etheric body has to exercise greater powers if it has first to heal itself and then the corresponding member in the physical body. Therefore in the case of the etheric body of a higher animal, deeper healing forces must be called forth. But what is the connection? Why is the etheric body of a higher animal so dependant upon the forms of the physical body?

[ 22 ] Je weiter wir in der Tierreihe vorschreiten, um so mehr haben wir zu berücksichtigen nicht nur die Tätigkeit des physischen Leibes und des Ätherleibes, sondern auch die des astralischen Leibes. Der astralische Leib kommt bei den niederen Tieren in seiner Wirksamkeit noch außerordentlich wenig in Betracht. Daher haben die niederen Tiere noch so viel Pflanzenähnliches. Je höher wir hinaufsteigen, desto mehr kommt der astralische Leib in Betracht. Der wirkt aber nun so, daß er den Ätherleib von sich abhängig macht. Ein Wesen wie die Pflanze, das nur physischen Leib und Ätherleib hat, hat mit der Außenwelt wenig zu tun; es werden Reize ausgeübt, aber die drücken sich nicht aus in inneren Vorgängen. Wo dagegen ein astralischer Leib wirksam ist, da spiegeln sich die äußeren Eindrücke in inneren Vorgängen. Ein Wesen, das den astralischen Leib nicht wirksam hat, ist innerlich mehr abgeschlossen der Außenwelt gegenüber. Es öffnet sich ein Wesen um so mehr der Außenwelt, als der astralische Leib wirksam ist. Also verbindet der astralische Leib das Innere eines Wesens mit der Außenwelt. Die zunehmende Wirksamkeit des astralischen Leibes macht, daß der ÄÄtherleib viel stärkere Kräfte aufwenden muß, um auftretende Schädigungen wieder auszugleichen.

[ 22 ] The higher we advance in the animal creation the more do we have to consider, not only the activity of the etheric body and the physical body, but also that of the astral body. In the case of the lower animals the activity of the astral body comes but little into consideration. For this reason the lower animals still have so many qualities in common with the plants. The higher we ascend, the more does the astral body come into action, and this action is such that it makes the etheric body subservient to itself. A being such as a plant, which has only physical body and etheric body, has little to do with the external world; an action may be exercised upon the plant from outside, but this is not reflected as an inward experience. Where an astral body is active, external impressions are reflected into inner experiences, but a being in which the astral body is inactive is more shut off from the external world. The more the astral body is active the more does a being open itself to the external world. Thus the astral body unites the inner nature of a being with the outer world, and the increasing activity of the astral body brings it about that the etheric body has to use much stronger forces to make injuries good.

[ 23 ] Wenn wir aber jetzt hinaufsteigen vom Tier zum Menschen, ist noch etwas anderes zu berücksichtigen. Da werden in diesen astralischen Leib nicht nur hineingeprägt, hineingetragen die vorgeschriebenen Verrichtungen, wie es mehr beim Tiere der Fall ist: das Tier lebt mehr mit einer gebundenen Marschroute, lebt mehr mit einem gebundenen Lebensprogramm. Sie werden nicht leicht beim Tiere davon sprechen können, daß es in besonderem Maße gegenüber seinen Instinkten ausschweifend wäre oder sich mehr in seinen Instinkten der Mäßigkeit hingeben könne. Es folgt seinem Lebensprogramm. Was sich beim Tier ausdrückt, ist einer Art von typischem Programm unterworfen. Der Mensch aber ist in der Lage, gerade dadurch, daß er höher hinaufgestiegen ist in der Stufenleiter der Entwickelung, alle möglichen Unterschiede — zwischen Richtig und Unrichtig, Wahrheit und Lüge, Gut und Böse — auszuleben. In der verschiedensten Weise kommt er durch nur individuelle Anlässe mit der Außenwelt in Berührung. Alle diese Arten von Berührungen fallen zurück, machen Eindruck auf seinen astralischen Leib. Und die Folge ist, daß auch die Wechselwirkung zwischen astralischem Leib und Ätherleib jetzt nach diesen äußeren Erlebnissen ausfallen muß. Wenn also ein Mensch in irgendeiner Beziehung ein ausschweifendes Leben führt, so bedeutet das einen Eindruck auf seinen astralischen Leib. Wir haben aber gesehen, daß der astralische Leib wieder den Ätherleib beeinflußt — wie, das wird abhängen von dem, was in den astralischen Leib hineingelegt worden ist. Daher werden wir jetzt verstehen können, daß der Ätherleib des Menschen geändert wird, je nachdem der Mensch dieses oder jenes Leben führt in den Grenzen von Gut und Böse, Richtig oder Unrichtig, von Wahrheit oder Lüge und so weiter. Das übt einen Einfluß auf den Ätherleib des Menschen aus.

[ 23 ] If we now pass on from animals to man, a new element arises. Man does not simply conform to certain prescribed functions inspired by the astral body as is the case with the animals which have, as it were, a course outlined for them in advance, and which live more according to an established programme. We could scarcely say of an animal that it departs to any great extent from its instincts, or that it follows its instincts with more or less moderation. It follows its plan of life, and all its actions are submitted to a sort of general programme. But man, having risen higher on the ladder of evolution, is able to discern between right and wrong, truth and falsehood, good and evil. Through purely individual motives he comes into touch with the outer world in various ways. These contacts react and make an impression upon his astral body, and as a consequence of the interaction between his astral body and etheric body, both now suffer these reactions. Thus if a person leads a dissolute life in any respect it will make an impression on his astral body which in its turn influences the etheric body. How it will do this will depend upon what has been laid down in the astral body. Therefore we shall now be able to understand that the etheric body of man alters, according as he leads this or that life within the limits of good or evil, right or wrong, truth or falsehood, etc. All these exercise an influence on his etheric body.

[ 24 ] Nun erinnern wir uns, wie die Vorgänge sind, wenn der Mensch durch die Pforte des Todes tritt. Wir wissen, daß der physische Leib abgelegt wird und daß zurückbleibt der Ätherleib, der nun mit dem astralischen Leib und dem Ich verbunden ist. Wenn nun nach dem Tode eine Zeit vergangen ist, die sich nur nach Tagen bemißt, wird das Hauptsächlichste des Ätherleibes als ein zweiter Leichnam abgeworfen; es bleibt jedoch ein Extrakt des Ätherleibes zurück, der mitgenommen wird und erhalten bleibt für alle kommenden Zeiten. In diesem Extrakt des Ätherleibes ist nun alles wie in einer Essenz darinnen, was im Leben hineingekommen ist zum Beispiel von einem ausschweifenden Leben, oder was der Mensch aufgenommen hat als das Ergebnis eines richtigen oder unrichtigen Denkens, Handelns und Fühlens. Das enthält der Ätherleib, und das nimmt der. Mensch mit in die Zeit bis zur neuen Geburt. Weil das Tier solche Erlebnisse überhaupt nicht hat, kann es natürlich nichts in derselben Weise hinter die Pforte des Todes hinüberbringen. Wenn nun der Mensch wieder durch eine Geburt ins Dasein tritt, ist die Essenz seines früheren Ätherleibes etwas, was sich wieder hineinergießt in seinen neuen Ätherleib, was den neuen Ätherleib beim Aufbau durchdringt. Daher hat der Mensch in seinem neuen Dasein im Ätherleib darinnen die Ergebnisse dessen, wie er im früheren Leben gelebt hat. Und da der Ätherleib der Auferbauer ist einer ganz neuen Organisation nach einer neuen Geburt, so prägt sich das jetzt alles auch in seinen physischen Leib hinein. Warum kann sich das in den physischen Leib hineinprägen?

[ 24 ] Let us now remember what takes place when a human being passes through the portal of death. We know that the physical body is laid aside and that the etheric body, now united with the astral body and the Ego, remains. When a certain length of time has passed after death, a time which is measured only by days, the etheric body is thrown aside as a second corpse; an extract, however, of the etheric body is left over and this is taken along and kept permanently. In this extract of the etheric body is contained as if in an essence, all that has penetrated the etheric body, for example, from a dissolute life, or from true or false thinking, feeling and action. This is contained in the etheric body and he takes it with him in the period up to a new birth. As an animal does not have such experiences, it cannot, of course, take anything over in the same way beyond the portal of death. When the person again comes into existence by birth, the essence of his previous etheric body is something which now impregnates his new etheric body, and permeates its structure. Therefore in his new existence the person has in his etheric body the results of what he had experienced in his previous life, and as the etheric body is the builder of an entirely new organisation at a new birth, all this now imprints itself on his physical body also. How does this come about?

[ 25 ] Die geisteswissenschaftliche Forschung zeigt uns, daß wir in der Form eines Menschenleibes, der durch die Geburt ins Dasein tritt, ungefähr sehen können, welche Taten der Mensch in einem früheren Leben verrichtet hat. Aber werden wir auch eine ganz vernunftgemäße Erklärung finden für das, was sich uns dargestellt hat als abnehmende Heilkraft in der aufsteigenden Entwickelungsreihe der Tiere? Da wir bei einem Tiere nicht davon sprechen können, daß es bei seiner Geburt eine wiederverkörperte Individualität aus einem früheren Erdendasein mitbringt, so werden wir nur den allgemeinen astralischen Leib dieser Tiergattung wirksam finden, und der wird bei diesem Tier die Heilkräfte des Ätherleibes beschränken. Beim Menschen aber finden wiir, daß nicht nur sein astralischer Leib, sondern auch sein Ätherleib imprägniert ist mit den Ergebnissen der Taten des vorhergehenden Lebens. Und weil der Ätherleib für sich die Kraft hat, das hervorzubringen, was er von früher her in sich hat, so werden wir auch begreifen, daß er, wenn jetzt eine andere Kraft in ihm auftritt, auch imstande sein wird, in den ganzen Aufbau der Organisation das hineinzulegen, was er aus früheren Verkörperungen sich mitbringt. Und wir werden jetzt verstehen, wie hinüberwirken können unsere Taten aus einem Leben in unseren Gesundheitszustand in dem nächsten Leben und wie wir in unserem Gesundheitszustande vielfach eine karmische Wirkung unserer Taten aus einem vorhergehenden Leben zu suchen haben. Wir können aber noch auf eine andere Weise der Sache beikommen.

[ 25 ] Spiritual investigation shows us that in the form of a human body which enters into existence by birth, we are able to see approximately what deeds a person did in a previous life. In the case of an animal we cannot say that at its birth it brings with it a reincarnated individuality from a previous earth life. Only the common astral body of this species of animal is active, and this will limit the healing power of the etheric body of this animal. In man we find that not only his astral body but also his etheric body is impregnated with the results of the deeds of his previous life: and as the etheric body has within itself the power to bring forth what it formerly had, we shall also understand that this etheric body will also build into the new organism that which it brings with it from previous incarnations. We shall now understand how our deeds in one life can work over into our conditions of health in the next life, and how in our state of health we have often to seek a karmic effect of deeds of a previous life.

[ 26 ] Wir können fragen: Wirkt nun alles, was wir in dem Leben zwischen Geburt und Tod verrichten, in gleicher Art zurück auf unseren Ätherleib? — Schon im gewöhnlichen Leben können Sie einen gewaltigen Unterschied wahrnehmen zwischen dem Zurückwirken dessen, was wir als bewußte Menschen erleben, und mancherlei andern Erlebnissen auf unsere eigentliche innere Organisation. Da ergibt sich eine höchst interessante Tatsache, die durch die Geisteswissenschaft so recht aufgeklärt werden kann, die aber auch ganz vernunftgemäß zu begreifen ist. Der Mensch hat im Verlaufe seines Lebens eine ganze Summe von Erlebnissen, welche er bewußt aufnimmt und mit seinem Ich verbindet. Die werden in ihm zu Vorstellungen, und er verarbeitet diese Vorstellungen. Aber nun besinnen Sie sich einmal, wie unendlich viele Erlebnisse, Erfahrungen und Eindrücke es gar nicht bis zur Vorstellung bringen und eigentlich doch im Grunde beim Menschen da sind und auf ihn wirken. Es wird Ihnen oft passieren, daß Ihnen jemand sagt: Ich habe dich heute auf der Straße gesehen; du hast mich sogar angeschaut! — und Sie wissen gar nichts davon. So ist es vielfach. Eindruck hat so etwas natürlich gemacht. Ihr Auge hat zwar den andern gesehen; aber der unmittelbare Eindruck ist nicht bis zur Vorstellung gekommen. — Solcher Eindrücke gibt es unzählige, so daß unser Leben eigentlich in zwei Teile zerfällt: in eine solche Lebensseelenreihe, welche aus bewußten Vorstellungen besteht, und in eine solche, welche wir niemals ganz zum klaren Bewußtsein gebracht haben. Aber es sind noch weitere Unterschiede: Sie werden leicht unterscheiden können zwischen solchen Eindrücken, die Sie in Ihrem Leben gehabt haben und die für Sie zu erinnern sind, also Eindrücke, die so auf Sie gemacht worden sind, daß sie immer in die Erinnerung hineinfallen können; und Sie werden solche Eindrücke gehabt haben, an welche Sie sich nicht erinnern können.

[ 26 ] We may approach the matter in still another way. We may ask: Does everything that we do in the life between birth and death react in the same manner on our etheric body? Even in ordinary life we can perceive a great difference on our inner organisation between the reaction of what we experience as conscious beings, and many other experiences. Here comes a very interesting fact which can be fully explained by Spiritual Science and which can also be quite reasonably understood. In the course of his life a person has a great number of experiences which he receives consciously and unites them with his Ego. Within him they develop into concepts which he works upon, etc. But a great many experiences and impressions do not come as far as to concepts, and yet they are really there in man and act upon him. If you walk along the street it often happens that someone says to you: ‘I saw you today, and you even looked at me!’ And yet you know nothing about it! This is often the case. Of course, this has made an impression; your eyes indeed saw the other person but the direct impression did not come as far as a concept. There are innumerable cases of this sort, so that our life is really divided into two parts—into a realm of soul-life which consists of concepts, and another realm that we have never brought really into clear consciousness. There are again other differences. You will easily be able to distinguish between impressions which you have in your life and can remember, and those which you cannot remember.

[ 27 ] Also unser Seelenleben zerfällt in ganz verschiedene Kategorien. Und es ist tatsächlich ein ganz beträchtlicher Unterschied zwischen den verschiedenen Kategorien, wenn wir die Wirkung auf das innere Wesen des Menschen betrachten. — Bleiben wir jetzt für ein paar Minuten beim Leben des Menschen zwischen Geburt und Tod. Wenn wir da genau beobachten, zeigt sich uns, daß ein gewaltiger Unterschied ist zwischen denjenigen Vorstellungen, die immer wieder in unser Bewußtsein hineinfallen können, und solchen, die wieder vergessen worden sind, so daß sie eine Erinnerungsfähigkeit nicht eigentlich entwickelt haben. Dieser Unterschied kann am leichtesten durch folgendes klargemacht werden. Denken Sie einen Eindruck, der bei Ihnen eine klare Vorstellung hervorrief. Nehmen wir an, es sei ein Eindruck, der in Ihnen Freude oder Schmerz erregte, also ein Eindruck, der von einem Gefühl begleitet war. Halten wir das fest, daß die meisten Eindrücke — eigentlich alle Eindrücke, die auf uns gemacht werden — von Gefühlen begleitet sind. Und die Gefühle drücken sich nicht nur an der bewußten Oberfläche des Lebens aus, sondern sie wirken tief hinein bis in den physischen Leib. Sie brauchen nur daran wieder zu denken, wie ein Eindruck Sie erblassen läßt, ein anderer Sie erröten macht. Bis in die Umlagerung des Blutes wirken da die Eindrücke. Und nun gehen Sie über zu dem, was entweder überhaupt nicht oder nur flüchtig zum Bewußtsein kommt — und es nicht bis zur Erinnerung bringt. Da zeigt uns die Geisteswissenschaft, daß solche Eindrücke keineswegs weniger von ähnlichen Erregungen begleitet sind als die bewußten. Wenn Sie einen Eindruck empfangen von der Außenwelt, der, wenn Sie ihn bewußt empfangen hätten, Sie erschreckt hätte, daß vielleicht Ihr Herz gepocht hätte, so bleibt derselbe Eindruck, wenn er nicht bewußt wird, doch nicht ohne Wirkung. Er macht aber nicht nur einen Eindruck, sondern er geht auch bis in den physischen Leib. Es tritt da sogar das Eigentümliche auf, daß ein Eindruck, der eine bewußte Vorstellung hervorruft, eine Art von Widerstand findet beim Hineinwirken in die tiefere menschliche Organisation; wenn aber der Eindruck auf uns einfach wirkt, ohne daß wir es zur bewußten Vorstellung bringen, dann hemmt ihn nichts, aber er ist deshalb nicht weniger wirksam. Es ist das menschliche Leben ein viel reicheres als das, was uns davon bewußt wird.

[ 27 ] Thus our soul-life is divided into entirely different categories, and there is, indeed, a very considerable difference between these various categories if we consider the effect upon the inner being of man. Let us now consider for a few minutes the life of man between birth and death. First of all we observe this great difference between the concepts which come again and again into our consciousness, and those which have been forgotten. This difference can be most easily exemplified by the following. Think of an impression which called forth a clear idea within you. Let it be an impression which aroused joy or pain, an impression which was accompanied by a feeling. Let us bear in mind that most impressions, really all the impressions that are made upon us are accompanied by feelings and these feelings express themselves not only on the conscious surface of life, but they work down into the physical body. You need only remember how one impression will cause us to become pale, and another causes us to blush. These impressions affect the circulation of the blood. And now let us pass over to what on the whole does not come to consciousness, or only fleetingly so, and is not remembered. In this case Spiritual Science shows how these impressions are none the less accompanied by emotions in the same way as are the conscious impressions. If you receive an impression from the outer world which, if received consciously, would have frightened you so much that it would have made your heart beat, that same impression is not, however, without effect, even when unconsciously received. It not only makes an impression, but it also goes down into the physical body. It is remarkable that an impression which produces a conscious idea, finds a kind of resistance when working into the deeper human organisation; but if the impression simply acts upon us without our bringing it to a conscious idea, then nothing hinders it, and for this reason it is even more effective. Human life is much richer than the conscious human life.

[ 28 ] Es gibt eine Zeit im menschlichen Leben, wo solche Eindrücke, die so lebendig auf die menschliche Organisation wirken und keine Erinnerungsfähigkeit haben, in besonders reichen Maße erlebt werden. In der ganzen Zeit von der Geburt bis zu dem Zeitpunkt, an dem die Erinnerung beginnt, sind unzählige reiche Eindrücke auf den Menschen gemacht worden, welche alle im Menschen drinnensitzen und auch in dieser Zeit den Menschen verändert haben. Sie wirken ebenso wie die bewußten Eindrücke; aber ihnen steht, besonders wenn sie vergessen sind, nichts entgegen von dem, was sich sonst einordnet in das Seelenleben als bewußte Vorstellungen und dadurch gleichsam einen Damm bildet. Und diese unbewußten Eindrücke dringen am allertiefsten. Nun kann man schon durch das äußere Leben vielfach die Bestätigung finden, daß es Momente im menschlichen Leben gibt, wo die zweite Sorte von inneren Wirkungen zum Ausdruck kommt. Manche Ereignisse des späteren Menschenlebens können Sie sich nicht erklären. Sie finden gar nicht, wie Sie dazu kommen, gerade in dieser Weise jetzt dieses oder jenes erleben zu müssen. Sie erleben zum Beispiel etwas, das macht auf Sie einen so erschütternden Eindruck, daß Sie sich gar nicht erklären können, wie ein verhältnismäßig so gleichgültiges Erlebnis einen so erschütternden Eindruck machen kann. Wenn Sie nun nachforschen, werden Sie vielleicht finden, daß Sie gerade in der kritischen Zeit — zwischen der Geburt und dem letzten Zeitpunkt, bis zu dem man sich erinnern kann — ein ähnliches Erlebnis hatten, das Sie aber vergessen haben. Keine Vorstellung ist davon zurückgeblieben. Damals hatten Sie einen erschütternden Eindruck gehabt; der lebt fort und verbindet sich mit dem jetzigen und verstärkt ihn. Und was Sie sonst jetzt viel weniger erschüttert hätte, das macht nun einen besonders starken Eindruck. — Wer das einsieht, wird sich eine Vorstellung davon bilden, wie unendlich verantwortungsvoll die Erziehung in der ersten Kindheit ist und wie etwas seine ganz bedeutungsvollen Schatten oder auch Lichter auf das spätere Leben wirft. Da wirkt also etwas vom Früheren hinüber auf das spätere Leben.

[ 28 ] There is a period in our life when we experience a great number of impressions which act very strongly upon the human organisation and which we are unable to remember. In the whole of the period from birth up to the moment when a person can first remember, a great number of impressions are made upon him which are all there, and which have been transformed during this time. They work, just as do the conscious impressions, but there is nothing opposed to them, especially when they are forgotten. Nothing that is otherwise contained in the soul-life in the way of conscious conception can thereby form a dam as it were, and the sub-conscious impressions are those which act most profoundly. Now in the external life one can often find proof that there are moments in human life when the second kind of inner effect is manifested. We are unable to explain many of the events in later life and we cannot discover why we have to experience one thing or another in this particular way. For example, we experience something which has such a tremendous impression upon us that we cannot explain how such a comparatively insignificant experience could make such a great impression. Now if we investigate, we shall perhaps find that exactly in that critical time between birth and the time back to which we can remember, we had a remotely similar experience, but which we have forgotten. No idea of it has remained behind, but at the time we had an impression which affected us very much. This has lived on and now unites with the present impression, strengthening it so that what would otherwise have moved us much less or perhaps not at all now makes a particularly strong impression. If we perceive this clearly we shall be able to form an idea of the extreme importance of the impression made upon a child in its earliest years and how something may throw its very significant shadow or light on the later life. Here again, something from the earlier life works into the later life.

[ 29 ] Nun kann sich herausstellen, daß solche Eindrücke der Kindheit besonders wenn sie sich wiederholt haben — die ganze Lebensstimmung so beeinflussen, daß von einem gewissen Zeitpunkt an eine Gemütsverstimmung eintritt, die unerklärlich ist und die nur erklärlich wird, wenn man zurückgeht und weiß, welche Eindrücke aus der früheren Zeit ihre Lichter oder Schatten hineinwerfen in das spätere Leben; denn die sind es, die jetzt in einer dauernden Gemütsverstimmung zum Ausdruck kommen. Man wird dann finden, daß die Ereignisse besonders stark wirken, die nicht gleichgültig an dem Kind vorübergegangen sind und die schon damals besonderen Eindruck auf das Kind gemacht haben. — Wir werden also sagen können: Wenn Affekte, Gefühle und Empfindungen besonders mitwirkend sind an den Eindrücken, die später vergessen werden, dann sind diese Affekte und Gefühlsergüsse ganz besonders wirksam in dem Hervortreiben solch ähnlicher Erlebnisse.

[ 29 ] It may happen that these impressions of childhood—particularly if they are repeated—influence the whole disposition in such a way that from a certain point of time on, an inexplicable depression of spirit comes. This can only be accounted for when one goes back and discovers the impressions received during childhood which throw their lights or shadows into the later life, and which are now expressed in a permanent depression of spirits. Now we shall find that those events which then made particular impressions upon him work the more strongly on the child. We may say that if emotions, particularly feelings and sensations, were connected with the impressions which were later forgotten, these emotions and overflowings of feeling are particularly effective in producing later similar experiences.

[ 30 ] Nun erinnern Sie sich an die Darstellungen, die von mir öfters gegeben worden sind über das Leben während der Kamalokazeit. Nachdem der Ätherleib des Menschen als ein zweiter Leichnam abgelegt worden ist, lebt der Mensch sein ganzes letztes Leben zurück, geht vorüber an allen seinen Erlebnissen, welche er gehabt hat; aber er geht nicht so vorüber, daß sie ihm gleichgültig bleiben. Gerade während der Kamalokazeit, weil der Mensch seinen alten astralischen Leib noch hat, bewirkt das Durchgemachte die tiefsten Gefühlserlebnisse. — Nehmen wir zum Beispiel an, jemand sterbe mit siebzig Jahren, lebe sein Leben zurück bis in sein vierzigstes Jahr, wo er jemandem eine Ohrfeige gegeben hat. Da erlebt er den Schmerz, welchen er dem andern zugefügt hat. Dadurch wird hervorgerufen eine Art Selbstvorwurf; der bleibt dann als Sehnsucht, und diese Sehnsucht bringt er im nächsten Leben mit, um diese Sache im späteren Leben auszugleichen. Und Sie können begreifen, da in dieser Zeit zwischen Tod und neuer Geburt solche astralischen Erlebnisse vorhanden sind, daß dasjenige, was von uns als Handlung erlebt wird, sich um so sicherer und tiefer einprägt unserem inneren Wesen und beim Aufbau der neuen Leiblichkeit mitwirkt. Wenn wir also schon im gewöhnlichen Leben so stark berührt werden können durch gewisse Erlebnisse, besonders wenn es Gefühlseindrücke waren, daß sie eine Gemütsverstimmung bewirken können, so werden wir begreifen, daß die viel stärkeren Eindrücke des Kamalokalebens sich so eindrücken können, daß sie bei einer neuen Inkarnation bis tief in die Organisation des physischen Leibes hineinwirken.

[ 30 ] Now remember what I have often said about the life during the kamaloca period. After the etheric body has been laid aside as a second corpse, man lives the whole of his last life backwards. He goes over all the experiences which he has had, but not in such a way that he is indifferent to them. During the period in kamaloca, as man still possesses his astral body, what he has gone through brings about the most profound experiences in feeling. For example, let us suppose that a person died at the age of seventy. He lives his life back to his fortieth year when he struck a man on the face; he then experiences the pain which he gave to the other. A kind of self-reproach is thereby called forth; this then remains, so as to compensate the matter in a future life. You will understand that as in this period between death and a new birth there are all kinds of astral experiences, that which is experienced by us as an action imprints itself all the more surely and deeply into our inner being, and contributes to the construction of our new body. Thus, if even in ordinary life we are so strongly affected by certain experiences, especially if they were accompanied by feeling, that they are able to bring about later a depression of spirits, we shall understand that the much stronger impressions of kamaloca life are able to express themselves so that they work deeply into the organisation of the physical body.

[ 31 ] Da sehen Sie eine Steigerung einer Erscheinung, die Sie bei aufmerksamer Beobachtung schon im Leben zwischen Geburt und Tod finden können. Solche Vorstellungen, denen mit dem Bewußtsein kein Damm entgegengebracht wird, werden schon zu mehr Unregelmäßigkeiten in der Seele führen können: zu Neurasthenie, zu nervenkrankheitsartigen Erscheinungen, vielleicht auch zu Geisteskrankheiten. Alle diese Erscheinungen stellen sich uns dar wie ursächliche Zusammenhänge von früheren mit späteren Ereignissen und geben uns ein anschauliches Bild dafür.

[ 31 ] Here, then, you see a stronger form of a phenomenon which on careful observation you are able to find, even in the life between birth and death. The ideas which meet with no hindrance from the consciousness will lead to other irregularities in the soul—to neurasthenia, to various kinds of nervous diseases and perhaps also to mental diseases. All these phenomena present themselves as causal connections between earlier and later events, and furnish us with a clear picture of them.

[ 32 ] Wollen wir jetzt den Begriff steigern, so können wir sagen: Was wir als Handlungen in einem Leben vollführen, das wird im Leben nach dem Tode umgesetzt in einen mächtigen Affekt, und dieser Affekt, der jetzt durch keine physische Vorstellung geschwächt wird und durch kein gewöhnliches Bewußtsein gehemmt ist — denn das Gehirn ist hierbei nicht nötig —, der durch die andere, tiefer hineinwirkende Form des Bewußtseins erlebt wird, bewirkt nun, daß unsere Taten und unser ganzes Wesen vom vorigen Leben in unserer Anlage und Organisation in einem neuen Leben erscheint. Daher werden wir es begreiflich finden können, daß ein Mensch, der in einer Verkörperung sehr egoistisch gedacht, gefühlt und gehandelt hat, wenn er nach dem Tode vor sich sieht die Früchte seines egoistischen Denkens, Fünlens und Handelns, sich durchzieht mit mächtigen Affekten gegen seine früheren Handlungen. Das ist in der Tat der Fall. Er bekommt Tendenzen in sich, die gegen sein eigenes Wesen gerichtet sind. Und diese Tendenzen, insofern sie aus einem egoistischen Wesen des vorigen Lebens hervorgegangen sind, drücken sich aus in einer in sich schwachen Organisation im neuen Leben. «Schwache Organisation» ist hier dem Wesen nach genommen, nicht dem äußeren Eindruck nach. Wir müssen uns daher klar sein, daß eine schwache Organisation zurückgeführt werden kann karmisch auf ein egoistisches Handeln in einem vorhergehenden Leben.

[ 32 ] If we now wish to go further with this idea we may say that our actions will, in the life after death, be transmuted into a powerful emotion. This emotion which is not then weakened by any physical idea, not limited by any ordinary consciousness—for the brain is not then necessary—is experienced by the other form of consciousness, which then works down more deeply. So it is brought about that our actions and the whole nature of our previous life appear in the constitution of our whole organisation in a new life. Hence we shall quite easily understand that when a person who in one incarnation has thought, felt and acted very egotistically, sees before him after death the fruits of his egotistic thoughts, feelings and action, he is filled with strong feelings against his former deeds. This is in fact the case. He develops tendencies which are directed against his own being, and these tendencies, in so far as they have proceeded from an egotistic nature in the previous life, express themselves in a weak organisation in the new life. (The ‘weak organisation’ here refers to the being, and not to the external impression.) Therefore we must clearly understand that a weak organisation can be traced back karmically to egotism in a previous life. Let us go further.

[ 33 ] Gehen wir weiter. Nehmen wir an, in einem Leben zeige ein Mensch einen besonderen Hang zur Lügenhaftigkeit. Das ist schon ein Hang, der geht aus einer tieferen Organisation der Seele hervor. Denn wenn sich der Mensch nur dem überläßt, was in seinem allerbewußtesten Leben ist, so wird er nicht eigentlich lügen; nur Affekte und Gefühle, welche aus dem Unterbewußtsein heraus wirken, verleiten zum Lügen. Da haben wir schon etwas Tieferes sitzen. Wenn der Mensch lügenhaft war, werden seine Handlungen, die aus der Lügenhaftigkeit hervorgehen, wieder die heftigsten Affekte im Leben nach dem Tode gegen . den Menschen selbst erzeugen, und eine starke Tendenz gegen die Lügenhaftigkeit wird sich zeigen. Dann wird sich der Mensch mitbringen im späteren Leben nicht nur eine schwache Organisation, sondern — die Geisteswissenschaft zeigt uns das — eine Organisation, die sozusagen unrichtig gebaut ist, die regellos gebaute innere Organe in der feineren Organisation zeigt. Es stimmt da etwas nicht recht zusammen. Das ist bedingt durch früheren Hang zur Lügenhaftigkeit. — Und woher ist der Hang zur Lügenhaftigkeit selbst gekommen? Denn in dem Hang zur Lügenhaftigkeit hat der Mensch ja schon etwas, was auch nicht stimmt.

[ 33 ] Let us suppose that in one life a person manifests a particular tendency towards telling lies. This is a tendency which proceeds from a deeper organisation of the soul; for if a person only follows what is in his most conscious life he will not really lie. It is only emotions and feelings which work up out of his sub-consciousness which lead him to this. Here again we have something deeper. If a person is untruthful, the actions which proceed from untruthfulness will again arouse the most forcible feelings against himself in the life after death, and a profound tendency against lying will appear. He will then bring with him into the next life not only a weak organisation but—so Spiritual Science shows us—an organisation which is incorrectly built, so to speak, and which manifests irregularly formed inner organs in the finer organisation. Something is there which does not agree and this is due to the previous tendency to lying. And whence came this tendency to lying?—for in that tendency the person already has something which also is not in order.

[ 34 ] Da müssen wir noch weiter zurückgehen. Und da zeigt die Geisteswissenschaft, daß ein flatterhaftes Leben, das keine Hingabe und keine Liebe kennt, daß ein oberflächliches Leben in der einen Verkörperung sich ausdrückt in dem Hang zur Lügenhaftigkeit in der nächsten Verkörperung; und der Hang zur Lügenhaftigkeit zeigt sich in der zweitnächsten Inkarnation in den unrichtig gebauten Organen. — So können wir drei aufeinanderfolgende Inkarnationen in ihren Wirkungen karmisch verfolgen: Oberflächlichkeit und Flatterhaftigkeit in der ersten Inkarnation, Hang zur Lügenhaftigkeit in der zweiten und physische Krankheitsdisposition in der dritten Inkarnation.

[ 34 ] Here we shall have to go back still further. Spiritual Science shows that a fickle life which knows neither devotion nor love—a superficial life in one incarnation—expresses itself in the tendency to lying in the next incarnation; and in the third incarnation this tendency to lying manifests itself in incorrectly formed organs. Thus we can karmically trace the effects in three consecutive incarnations: superficiality and fickleness in the first incarnation, the tendency to lying in the second, and the physical disposition to disease in the third incarnation.

[ 35 ] Da sehen wir Karma an Gesundheit und Krankheit arbeiten. — Was jetzt gesagt worden ist, ist so gesagt, daß die Tatsachen selber herausgeholt worden sind aus der geisteswissenschaftlichen Forschung. Nicht Theorien sollten aufgestellt werden, sondern es sind beobachtete Fälle, die durch die Methoden der Geisteswissenschaft untersucht werden können.

[ 35 ] Thus we see how karma is connected with health and disease. That which has just now been said is based upon facts revealed as the result of spiritual investigation. We are not advancing theories, but actual cases which have been observed, and which can be investigated by the methods of Spiritual Science.

[ 36 ] Wir haben also zunächst hingewiesen auf die allergewöhnlichsten Tatsachen — auf die Heilkräfte des Ätherleibes bei den Pflanzen. Wir zeigten dann, wie durch das Hinzutreten des astralischen Leibes bei den Tieren der Ätherleib weniger wirksam ist, und wir sahen ferner, wie durch die Aufnahme des Ich, das ein individuelles Leben im Guten und Bösen, Wahren und Falschen entwickelt, der astralische Leib, der mit dem Hinaufsteigen in der Tierreihe die Heilkräfte nur hemmt, wieder etwas Neues dem Menschen einfügt: die aus dem individuellen Leben ihm einfließenden karmischen Krankheitseinflüsse. Bei der Pflanze gibt es noch keine inneren Krankheitsursachen, weil die Krankheit noch im Außerlichen ist und die Heilkräfte des Ätherleibes ungeschwächt wirken. Bei den niederen Tieren haben wir noch einen Ätherleib mit solchen Heilkräften, daß er selbst Glieder ersetzen kann; aber je weiter wir hinaufsteigen, desto mehr prägt sich der astralische Leib dem Ätherleib ein, und dadurch schränkt der Astralleib die Heilkräfte des Ätherleibes ein. Aber weil sich die Tiere nicht in Reinkarnationen fortpflanzen, hängt das, was im Ätherleibe ist, nicht zusammen mit irgendwelchen moralisch-intellektuellen oder individuellen Qualitäten, sondern mit dem allgemeinen Typus. Beim Menschen jedoch wirkt das, was er in seinem Ich erlebt, zwischen Geburt und Tod hinein bis in den Ätherleib.

[ 36 ] We commenced this lecture by referring to the most ordinary facts—the healing powers of the etheric body of the plants. We then showed how through the addition of the astral body in the animals the etheric body is less active. And we saw further how through the reception of the Ego which develops an individual life for good or evil, truth and falsehood, the astral body which, in the case of the higher animals only hinders the healing power, again adds something new to man, namely the karmic influences of disease which flow into him out of the individual life. In the plant there are no inner causes of disease, because disease is still something outside, and the healing powers work without being weakened. In the lower animals we find an etheric body but with such healing powers that it can even replace certain parts; but the further we rise the more does the astral body imprint itself into the etheric body and thereby limit its healing powers. The animals do not survive in reincarnations; therefore that which is in the etheric body is not connected with any moral, intellectual or individual qualities, but only with the common type. In man, however, that which he experiences in his Ego works down into the etheric body.

[ 37 ] Warum kommen denn die Erlebnisse der Kindheit bei den genannten Gemütswirkungen nur in leichten Erkrankungen zum Vorschein? Weil wir die Ursachen zu vielem, was sich in Neurasthenie, Neurose, Hysterie und so weiter zeigt, werden finden können in demselben Leben. Die Ursachen zu tieferen Krankheitsfällen aber werden wir zu suchen haben in einem vorhergehenden Leben, weil sich erst beim Übergang zu einer neuen Geburt dasjenige recht in den Ätherleib hineinverpflanzen kann, was moralisch und intellektuell erlebt wird. Im allgemeinen kann der Ätherleib beim Menschen tiefere moralische Wirkungen in einem Leben nicht einverleibt erhalten, obwohl wir einzelne Ausnahmefälle — und sogar sehr bedeutende Fälle — noch kennenlernen werden.

[ 37 ] Why then do the experiences of childhood in the realm of feeling we have mentioned manifest themselves only in light diseases? Because we are able to find in the same life the causes of much that manifests itself as neurasthenia, neurosis, hysteria. But we shall have to look for the causes of severer cases of disease in the moral causes set up in the previous life because that which is experienced morally and intellectually can only be fully implanted in the etheric body on passing over to a new birth. On the whole, the etheric body of man cannot embody the deeper moral activities in one life, although we shall still hear of exceptional cases, and indeed of very important ones.

[ 38 ] So haben wir einen Zusammenhang zwischen unserem Leben im Guten und Bösen, im Moralischen und Intellektuellen in der einen Inkarnation, und unserer Gesundheit oder Krankheit in der nächsten.

[ 38 ] Such is the connection which exists between our life of good or evil, our moral and intellectual life in one incarnation, and our health or disease in the next.