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The Revelations of Karma
GA 120

19 May 1910, Hamburg

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Vierter Vortrag

Fourth Lecture

[ 1 ] Es darf die Voraussetzung gemacht werden, daß gerade über die beiden Begriffe, welche den Gegenstand unserer heutigen Betrachtung bilden sollen, nämlich Heilbarkeit und Unheilbarkeit von Krankheiten, deutlichere und, man kann sagen, menschenfreundlichere Vorstellungen herrschen werden, wenn einmal die Ideen von Karma und karmischen Zusammenhängen im Leben in weiteren Kreisen werden Platz gegriffen haben. Man darf ja sagen, daß in bezug auf die Begriffe Heilbarkeit und Unheilbarkeit von Krankheiten in den verschiedensten Jahrhunderten die verschiedensten Meinungen verbreitet waren. Und man braucht nicht sehr weit zurückzugehen, um zu sehen, wie ungeheuerlich sich diese Begriffe verändert haben.

[ 1 ] It may be assumed that clearer and, one might say, more humane conceptions will prevail regarding the two concepts that are to form the subject of our consideration today—namely, the curability and incurability of diseases—once the ideas of karma and karmic connections in life have taken hold in wider circles. It can certainly be said that, with regard to the concepts of the curability and incurability of diseases, the most diverse opinions have been held throughout the centuries. And one need not go very far back in time to see how enormously these concepts have changed.

[ 2 ] Da finden wir eine Zeit — sie ist die Wende zwischen dem Mittelalter und der neueren Zeit, so etwa das 16., 17. Jahrhundert —, da entwickelten sich allmählich die Vorstellungen, daß man die Krankheitsformen in einer strengen Weise eingrenzen könne und daß es eigentlich für eine jede Krankheit irgendein Kräutlein, irgendeine Mixtur gebe, durch welche die betreffende Krankheit unbedingt geheilt werden müsse. Dieser Glaube dauerte im Grunde recht lange, sogar bis in das 19. Jahrhundert hinein. Und wenn man als Laie oder als Mensch, der die heutigen Zeitbegriffe in sich aufgenommen hat, nachlesen wollte in den Mitteilungen von Krankenbehandlungen vom Ende des 18. oder dem Beginn des 19. Jahrhunderts und bis weit in das 19. Jahrhundert hinein, so würde man erstaunen über all die Mittel und Mittelchen, die damals reichlich angewendet worden sind, von Tees, Mixturen bis zu gefährlicheren Arzneien, Aderlässen und so weiter. Aber gerade das 19. Jahrhundert war es, welches in medizinischen Kreisen, und zwar in angesehenen medizinischen Kreisen, diese Ansicht in das genaue Gegenteil verkehrt hat. Und ich darf wohl selbst sagen, daß mir vieles von diesen gegenteiligen Ansichten während meiner jüngeren Jahre in den verschiedensten Nuancen und Motiven vor Augen getreten ist. Es war die Gelegenheit dazu gegeben, wenn man etwa die Strömung der nihilistischen medizinischen Schule mitmachte, die sich um die Mitte des 19. Jahrhunderts in Wien vorbereitete und eigentlich immer mehr und mehr an Ansehen gewann. Der Ausgangspunkt zu einer radikalen Änderung in bezug auf die Anschauungen über Heilbarkeit und Unheilbarkeit von Krankheiten war das, was der bedeutende Mediziner Dietl über den Verlauf der Lungenentzündung und ähnlicher Krankheiten zutage förderte. Er war durch allerlei Betrachtungen dazu gekommen, sich zu sagen, daß im Grunde gar kein rechter Einfluß von diesem oder jenem Mittel auf den Verlauf dieser oder jener Krankheit zu bemerken sei. Und gerade unter dem Einfluß von Dietls Schule lernten die damaligen jungen Mediziner über den Heilwert der seit Jahrhunderten heraufgekommenen Heilmittel so denken, daß sie auf alle alten Mittel übertrugen, was mit dem bekannten Sprichwort gemeint ist: Kräht der Hahn auf dem Mist, so ändert sich das Wetter, oder es bleibt, wie es ist! — Sie waren der Meinung, daß es ziemlich einerlei sei für den Verlauf einer Krankheit, ob man diese oder jene Mittel verabreiche oder nicht. Und Dietl war einer, der eine für die damalige Zeit recht überzeugende Statistik zustande brachte, die besagte, daß bei der von ihm eingeführten sogenannten abwartenden Behandlungsweise ungefähr ebenso viele Menschen, die an Lungenentzündung erkrankt waren, geheilt wurden oder starben als bei der früheren Behandlung mit den altehrwürdigen Heilmitteln. Die von Dietl begründete, von Skoda weiter fortgeführte abwartende Behandlung bestand darin, daß man den Kranken in die äußere Lebenslage brachte, die ihn instande setzte, die selbstheilenden Kräfte am allerbesten in Anwendung zu bringen, sie hervorzuholen aus seinem Organismus, und dem Arzte wies man kaum eine andere Stellung an, als den Verlauf der Krankheit zu überwachen, damit er da war, wenn irgend etwas eintrat, wo man mit menschlichen Mitteln sachgemäß Hilfe leisten kann. Im übrigen beschränkte man sich darauf, die Krankheit sozusagen kommen zu sehen, abzuwarten, wie die selbstheilenden Kräfte aus dem Organismus herauskamen, bis das Fieber nach einiger Zeit abfiel und die Selbstheilung durch den Organismus eintrat.

[ 2 ] There we find a period—the transition from the Middle Ages to the modern era, roughly the 16th, 17th centuries—when the idea gradually took hold that forms of illness could be strictly defined and that there was, in fact, a specific herb or mixture for every illness, through which the illness in question could be cured without fail. This belief persisted for quite a long time, even into the 19th century. And if one, as a layperson or as someone who has internalized modern concepts of time, were to read up on accounts of medical treatments from the late 18th or early 19th century and well into the 19th century, one would be astonished by all the remedies and potions that were widely used back then, ranging from teas, mixtures to more dangerous medicines, bloodletting, and so on. But it was precisely the 19th century that, in medical circles—and indeed in respected medical circles—turned this view on its head. And I may well say myself that much of these opposing views came to my attention during my younger years in the most varied nuances and forms. The opportunity arose, for example, when one became involved in the movement of the nihilistic medical school, which was taking shape in Vienna around the middle of the 19th century and was actually gaining more and more prestige. The starting point for a radical change in views regarding the curability and incurability of diseases was what the eminent physician Dietl brought to light regarding the course of pneumonia and similar diseases. Through various observations, he had come to conclude that, fundamentally, no real influence of this or that remedy on the course of this or that disease could be detected. And it was precisely under the influence of Dietl’s school that the young physicians of the time came to view the therapeutic value of remedies that had been in use for centuries in such a way that they applied to all traditional remedies the meaning of the well-known proverb: “If the rooster crows on the dungheap, the weather will change—or it will stay just as it is!” — They were of the opinion that it made little difference to the course of a disease whether one administered this or that remedy or not. And Dietl was someone who produced statistics that were quite convincing for the time, showing that with the so-called “wait-and-see” treatment he introduced, roughly as many people suffering from pneumonia were cured or died as with the earlier treatment using the time-honored remedies. The wait-and-see treatment established by Dietl and continued by Skoda consisted of placing the patient in external conditions that enabled him to make the best possible use of his self-healing powers to draw them out of their organism, and the physician was assigned scarcely any other role than to monitor the course of the illness, so that he would be present if anything occurred where appropriate assistance could be provided by human means. Otherwise, one limited oneself to, so to speak, watching the illness unfold, waiting to see how the self-healing powers emerged from the organism, until the fever subsided after some time and self-healing by the organism took place.

[ 3 ] Diese medizinische Schule wurde und wird noch heute mit dem Ausdruck der «nihilistischen Schule» belegt, weil sie auf einem Ausspruch von Professor Skoda fußte, der ungefähr sagte: Wir können vielleicht lernen, Krankheiten zu diagnostizieren, sie zu beschreiben, vielleicht auch zu erklären — heilen aber können wir sie nicht! — Ich erzähle Ihnen Dinge, von denen Sie als von Tatsachen, welche sich im Laufe des 19. Jahrhunderts herausgebildet haben, Notiz nehmen sollen, damit Sie eine Empfindung dafür erhalten, wie sich Vorstellungen auf diesem Gebiete geändert haben. Aber es möge niemand glauben, daß, wenn dies oder jenes hier in rein erzählender Form ausgesprochen wird, deshalb gleich in der einen oder andern Weise Partei ergriffen werden soll. Denn selbstverständlich war der Ausspruch des berühmten Professors Skoda eine Art Radikalismus, und es würde leicht sein, die Grenzen, innerhalb welcher ein solcher Ausspruch gilt, aufzuzeigen. Auf eins aber war mit solcher Meinung hingewiesen, ohne daß man eigentlich die Mittel hatte, bewußt diesen Hinweis irgendwie zu begründen oder zu umschreiben oder in Worte zu bringen — ja nicht einmal in Gedanken konnte man ihn bringen; das heißt, man konnte in den Kreisen, in welchen man ihn aussprach, nicht einmal daran gehen, diesen Hinweis zu denken. Es wurde darauf hingewiesen, daß sich allerdings im Menschen etwas finden müsse, was in gewisser Beziehung bestimmend ist für den Ausgang und für den Verlauf einer Krankheit und was als solches im Grunde genommen doch jenseits dessen liegt, was menschliche Hilfe leisten kann.

[ 3 ] This medical school was, and still is, referred to as the “nihilistic school” because it was based on a statement by Professor Skoda, who said something to the effect of: “We may be able to learn to diagnose diseases, to describe them, and perhaps even to explain them—but we cannot cure them!” — I am telling you things that you should take note of as facts that emerged over the course of the 19th century, so that you may gain a sense of how ideas in this field have changed. But let no one believe that, simply because this or that is stated here in a purely narrative form, a position is thereby being taken in one way or another. For, of course, the statement by the famous Professor Skoda was a kind of radicalism, and it would be easy to point out the limits within which such a statement applies. But one thing was implied by such an opinion, without one actually having the means to consciously justify this implication in any way, or to describe it, or to put it into words—indeed, one could not even conceive of it in thought; that is to say, in the circles in which it was uttered, one could not even begin to think about this implication. It was pointed out that there must indeed be something within the human being that, in a certain respect, determines the outcome and course of an illness and that, as such, lies fundamentally beyond what human aid can achieve.

[ 4 ] Es war also der Hinweis auf etwas gegeben, was jenseits der menschlichen Hilfe liegt; und dieser Hinweis kann niemals, wenn man wirklich den Dingen zu Leibe geht, sich auf etwas anderes beziehen als auf das Gesetz von Karma und auf die Wirksamkeit von Karma im Verlaufe des menschlichen Lebens. Wenn wir den Verlauf einer Krankheit im menschlichen Leben verfolgen — das Heraufkommen der Krankheit, die aus dem Organismus selbst hervorsprießenden Heilkräfte —, wenn wir die Heilentwickelung verfolgen, dann werden wir bei unbefangener Betrachtungsweise, besonders wenn wir darauf Rücksicht nehmen, wie in dem einen Falle Heilung eintritt, während in einem andern Falle keine Heilung möglich erscheint, dahin getrieben werden, nach tieferer Gesetzmäßigkeit zu suchen. Darf diese tiefere Gesetzmäßigkeit gesucht werden in den früheren Erdenleben des Menschen? Das ist für uns die Frage. Darf davon gesprochen werden, daß sich der Mensch gewisse Vorbedingungen mitbringt, die ihn geradezu vorausbestimmt machen, in einem besonderen Falle seine Heilkräfte aus dem Organismus aufrufen zu können, die aber in einem andern Falle so vorausbestimmt sind, daß er trotz aller Anstrengungen nicht imstande ist, die Krankheit zu heilen?

[ 4 ] There was thus a reference to something that lies beyond human help; and this reference can never, if one truly gets to the heart of the matter, refer to anything other than the law of karma and the workings of karma in the course of human life. When we trace the course of an illness in human life—the onset of the illness, the healing powers springing from the organism itself—when we trace the process of healing, then, if we observe impartially, especially when we consider how healing occurs in one case while in another case no healing seems possible, we are driven to seek a deeper law. May this deeper law be sought in the human being’s previous earthly lives? That is the question for us. Can we say that a person brings with them certain preconditions that virtually predetermine their ability, in a particular case, to summon their healing powers from within the organism, but which, in another case, are so predetermined that, despite all efforts, they are unable to heal the illness?

[ 5 ] Wenn Sie sich an das erinnern, was namentlich gestern ausgeführt worden ist, so werden Sie begreifen, daß in den Vorgängen, die sich abspielen zwischen dem Tode und der neuen Geburt, allerdings ganz besondere Kräfte aufgenommen werden in die menschliche Individualität. Haben wir doch gesagt, daß dem Menschen während der Kamalokazeit die Ereignisse seines letzten Lebens, seine von ihm verrichteten Handlungen im Guten und Bösen, seine Charaktereigenschaften und so weiter vor die Seele treten und daß er durch die Anschauung seines eigenen Lebens in sich die Tendenz aufnimmt, für alles, was unvollkommen in ihm ist und was sich als eine unrichtige Handlung gezeigt hat, Abhilfe und Ausgleich zu schaffen, sich die betreffenden Eigenschaften einzuprägen, welche ihn auf diesem oder jenem Gebiete vollkommener machen. Haben wir das begriffen, so können wir sagen: Diese Absicht, diese Tendenz behält nun der Mensch und geht durch eine neue Geburt mit dieser Absicht wieder ins Dasein. — Der Mensch baut aber selbst an dem neuen Leibe, der sich ihm angliedert und ihn umgliedert im neuen Leben, und er baut ihn auf gemäß den Kräften, welche er sich mitgebracht hat aus früheren Lebensläufen und aus der Zeit zwischen Tod und neuer Geburt. Mit diesen Kräften ist er ausgestattet und webt sie hinein in seine neue Körperlichkeit. Damit haben wir begriffen, daß diese neue Körperlichkeit schwach oder stark ist, je nachdem der Mensch schwache oder starke Kräfte in sie hineinweben kann.

[ 5 ] If you recall what was explained yesterday, you will understand that during the processes that take place between death and rebirth, very special forces are indeed absorbed into the human individuality. For we have said that during the Kamaloka period, the events of a person’s last life, the good and evil deeds they have performed, their character traits, and so on, come before their soul; and that through the contemplation of their own life, they absorb within themselves the tendency to create a remedy and balance for everything that is imperfect in them and that has manifested as a wrong action, to create a remedy and balance, and to imprint upon himself the relevant qualities that make him more perfect in this or that area. Once we have grasped this, we can say: This intention, this tendency, the human being now retains and, through a new birth, returns to existence with this intention. — But the human being himself builds the new body that attaches itself to him and reshapes him in the new life, and he builds it according to the forces he has brought with him from previous lifetimes and from the time between death and new birth. He is endowed with these forces and weaves them into his new physicality. Thus we have understood that this new physicality is weak or strong, depending on whether the human being can weave weak or strong forces into it.

[ 6 ] Nun müssen wir uns aber doch klar sein, daß eine gewisse Folge eintreten wird, wenn zum Beispiel der Mensch während des Kamalokalebens gesehen hat: Du warst im letzten Leben ein Mensch, der viele Handlungen begangen hat unter dem Einflusse seiner Affekte, von Zorn, Furcht, Abscheu und so weiter. — Solche Handlungen stehen nun lebendig vor seiner Seele in der Kamalokazeit, und da bildet sich heraus in dieser Seele der Gedanke — die Ausdrücke, die uns für diese Kräfte erwachsen können sind natürlich für das physische Leben geprägt! —: Du mußt an dir etwas tun, damit du in dieser Beziehung vollkommener wirst, damit du in der Zukunft nicht mehr geneigt bist, Handlungen unter dem Einflusse deiner Affekte zu begehen! — Dieser Gedanke wird ein Bestandteil der menschlichen Seelenindividualität, und beim Durchgehen durch eine neue Geburt prägt sich dieser Gedanke weiter ein als eine Kraft in den neu entstehenden Leib. Und in diesen fließt dadurch ein die Tendenz, so etwas zu vollführen mit der ganzen Organisation von physischem Leib, Ätherleib und astralischem Leib, was dem Menschen es jetzt unmöglich macht, aus seinen Affekten heraus, aus Zorn, Haß, Neid und so weiter gewisse Handlungen zu begehen, damit er imstande ist, in dieser Beziehung wirklich sich vollkommener zu machen. Und dadurch wird er dazu kommen, neue Handlungen zu vollführen, welche jetzt den Ausgleich früherer Handlungen bewirken können. So läßt der Mensch aus einer seine gewöhnliche Vernünftigkeit weit überragenden Vernünftigkeit die Absicht in sich hineinfließen, die ihn zu einer höheren Vollkommenheit auf einem bestimmten Gebiete und zum Ausgleich bestimmter Handlungen führen kann. — Wenn Sie in Betracht ziehen, wie mannigfaltig das Leben ist, wie der Mensch von Tag zu Tag solche Handlungen vollführt, die einen derartigen Ausgleich erfordern, so werden Sie begreifen, daß viele solcher nach Ausgleich harrender Gedanken in der Seele sind, wenn die Seele durch eine neue Geburt ins Dasein tritt, und daß diese mannigfaltigen Gedanken sich kreuzen, so daß dadurch der menschliche physische Leib und Ätherleib eine Konfiguration erhalten, in welche alle diese Tendenzen hineinverwoben sind. Um uns nun das verständlich zu machen, nehmen wir einen ganz eklatanten Fall an. Gerade heute aber muß ich ganz besonders betonen, was ich auch sonst stets betone: daß ich vermeide, aus irgendeiner Theorie oder Hypothesenmacherei zu sprechen und daß ich, wenn ich Beispiele anführe, nur solche anführe, die von der Geisteswissenschaft wohl geprüft sind.

[ 6 ] Now, however, we must be clear that a certain consequence will ensue if, for example, a person has realized during the Kamaloka life: In your last life, you were a human being who committed many actions under the influence of your emotions—anger, fear, loathing, and so on. — Such actions now stand vividly before their soul during the Kamaloka period, and the thought takes shape within that soul—the expressions that arise for these forces are, of course, shaped by physical life!—: You must do something about yourself so that you may become more perfect in this regard, so that in the future you will no longer be inclined to commit acts under the influence of your emotions! — This thought becomes a component of the individuality of the human soul, and as it passes through a new birth, this thought is further imprinted as a force into the newly emerging body. And into these flows the tendency to accomplish something with the entire organization of the physical body, etheric body, and astral body, which now makes it impossible for the human being to commit certain actions out of his emotions—out of anger, hatred, envy, and so on—so that he is able to truly perfect himself in this regard. And through this, he will come to perform new actions that can now bring about the balancing of earlier actions. Thus, from a rationality far surpassing his ordinary rationality, the human being allows the intention to flow into himself that can lead him to a higher perfection in a particular area and to the balancing of certain actions. — If you consider how manifold life is, how human beings perform such actions day by day that require such a balancing, you will understand that there are many such thoughts in the soul awaiting balancing when the soul enters existence through a new birth, and that these manifold thoughts intersect, so that the human physical body and etheric body thereby receive a configuration into which all these tendencies are woven. To make this clear to us, let us take a very striking case. But today, in particular, I must emphasize what I always emphasize: that I avoid speaking from any theory or speculation, and that when I cite examples, I cite only those that have been thoroughly tested by spiritual science.

[ 7 ] Nehmen wir an, jemand habe im letzten Leben so gelebt, daß er aus einem viel zu schwachen Ich-Gefühl heraus gewirkt hat, aus einem IchGefühl, welches in der Hingabe an die äußere Welt viel zu weit ging, so weit, daß es mit einer Unselbständigkeit, Selbstverlorenheit wirkte, wie es für unseren heutigen Menschheitszyklus nicht mehr angemessen ist. Also das fehlende Selbstgefühl war es, welches einen Menschen in einer Inkarnation zu diesen oder jenen Handlungen geführt hat. Nun hat er während der Kamalokazeit die Handlungen vor sich gehabt, die aus diesem fehlenden Selbstgefühl herausgeflossen sind. Er nimmt daraus zunächst die Tendenz auf: Du mußt in dir Kräfte entwickeln, welche dein Selbstgefühl erhöhen, du mußt in einer nächsten Inkarnation dir die Gelegenheit schaffen, gegen den Widerstand deiner Leiblichkeit, gegen die Kräfte, welche dir entgegenkommen werden aus physischem Leib, Ätherleib und astralischem Leib, dein Selbstgefühl zu stählen, damit es gleichsam eine Schule durchmacht. Du mußt dir einen Leib anschaffen, der dir zeigt, wie aus der Leiblichkeit heraus die Anlage zu einem schwachen Selbstgefühl wirkt!

[ 7 ] Let us assume that someone lived in their last life in such a way that they acted out of a sense of self that was far too weak—a sense of self that went far too far in its devotion to the external world, to the point that it manifested as a lack of independence and a loss of self, which is no longer appropriate for our current human cycle. So it was this lack of self-awareness that led a person in one incarnation to perform these or those actions. Now, during the Kamaloka period, they have before them the actions that flowed from this lack of self-awareness. From this, they first take up the tendency: You must develop within yourself the forces that will increase your sense of self, you must create the opportunity in a future incarnation to steel your sense of self against the resistance of your physical body, against the forces that will oppose you from the physical, etheric, and astral bodies, so that it undergoes a kind of training. You must acquire a body that shows you how the predisposition to a weak sense of self manifests through the physical body!

[ 8 ] Was sich dann in der nächsten Inkarnation abspielen wird, wird wenig ins Bewußtsein treten, es wird sich mehr oder weniger in einer unterbewußten Region abspielen. Der Betreffende wird hinstreben zu einer solchen Inkarnation, welche gerade die derbsten Widerstände seinem Selbstgefühl entgegensetzt, so daß er es nötig hat, sein Selbstgefühl im höchsten Maße anzuspannen. Dadurch wird er wie magnetisch hingezogen werden zu solchen Gegenden und solchen Gelegenheiten, wo sich ihm tiefere Hindernisse entgegenstellen, wo sich sein Selbstgefühl ausleben soll gegen die Organisation der drei Leiber. So sonderbar es Ihnen klingen mag: Solche Individualitäten, die mit diesem Karma belastet sind, daß sie in der charakterisierten Weise durch die Geburt ins Dasein hineinstreben, suchen den Zugang zu Gelegenheiten, wo sie zum Beispiel einer Seuche wie der Cholera ausgesetzt sein können; denn diese bietet ihnen Gelegenheit, jene Widerstände, welche eben gekennzeichnet worden sind, zu finden. Was dabei durchzumachen ist im Inneren gegen die Widerstände der drei Leiber in dem Erkrankten, das kann dann bewirken, daß in der nächsten Inkarnation das Selbstgefühl in einem erheblichen Grade gewachsen ist.

[ 8 ] What will then take place in the next incarnation will enter the conscious mind only to a limited extent; it will unfold more or less in the subconscious realm. The individual will strive toward an incarnation that presents the most severe resistance to his sense of self, so that he is compelled to exert his sense of self to the utmost. As a result, he will be drawn, as if by a magnet, to such environments and circumstances where he faces profound obstacles, where his sense of self must assert itself against the organization of the three bodies. As strange as it may sound to you: Such individuals, burdened with this karma that drives them to strive into existence through birth in the manner described, seek access to situations where they may, for example, be exposed to an epidemic such as cholera; for this offers them the opportunity to encounter the very resistances that have just been described. What must be endured internally against the resistances of the three bodies within the sick person can then result in the sense of self having grown to a considerable degree in the next incarnation.

[ 9 ] Nehmen wir einen andern eklatanten Fall an, und zwar, damit Sie den Zusammenhang durchschauen können, jetzt gerade den entgegengesetzten Fall. Ein Mensch sieht während der Kamalokazeit, daß er unter einem zu starken Selbstgefühl eine Reihe von Handlungen vollführt hat, die aus einem zu starken Auf-sich-selbst-Bauen geflossen sind. Er sieht, daß er sich mäßigen muß in bezug auf sein Selbstgefühl, daß er es zurückdämmen muß. Da muß er wieder eine Gelegenheit aufsuchen, wo ihm in der nächsten Inkarnation seine drei Leiber die Möglichkeit geben, daß das Selbstgefühl überall in der Leiblichkeit — wie es sich auch anstrenge — keine Schranken findet, daß es überall ins Bodenlose hinein und sich selbst ad absurdum führt. Die Bedingungen dazu sind hergestellt, wenn der Betreffende hingezogen wird zu einer Gelegenheit, die ihm die Malaria bringt.

[ 9 ] Let us consider another striking case—specifically, to help you grasp the context, the exact opposite case. During the Kamaloka period, a person sees that, driven by an excessive sense of self, he has performed a series of actions that stemmed from an excessive reliance on himself. He sees that he must moderate his sense of self, that he must curb it. There they must again seek an opportunity where, in the next incarnation, their three bodies will give them the possibility that their sense of self—no matter how hard it strives—will find no barriers anywhere within the physical body, that it will plunge into the abyss everywhere and reduce itself to absurdity. The conditions for this are established when the person in question is drawn to an opportunity brought about by malaria.

[ 10 ] Da haben Sie einen Krankheitsfall des karmischen Wirkens und sogar den Satz dargelegt, daß im Grunde der Mensch aus einer höheren Vernünftigkeit, als diejenige ist, welche er mit seinem gewöhnlichen Bewußtsein überschauen kann, hingeleitet wird zu den Gelegenheiten, wo er sich im Verlaufe seines Karma weiter fortentwickeln kann. Wenn Sie namentlich die Dinge ins Auge fassen, welche jetzt eben gesagt worden sind, wird es Ihnen sehr erleichtert werden, Verständnis zu gewinnen gerade für das Epidemische bei den Krankheiten. Wir könnten die verschiedensten Beispiele anführen, die uns alle zeigen, wie der Mensch aus den Erfahrungen seiner Kamalokazeit heraus geradezu die Gelegenheiten aufsucht, diese oder jene Krankheit zu bekommen, um durch ihre Überwindung und durch die Entfaltung der selbstheilenden Kräfte die Kräfte zu gewinnen, welche ihn die Lebensbahn im ganzen hinaufführen.

[ 10 ] Here you have described a case of karmic action and even stated that, fundamentally, human beings are guided by a higher rationality—one that transcends what they can grasp with their ordinary consciousness—toward opportunities where they can continue to develop in the course of their karma. If you specifically consider the points that have just been made, it will be much easier for you to gain an understanding of the epidemic nature of diseases. We could cite a wide variety of examples, all of which show us how, based on the experiences of his time in Kamaloka, a person actively seeks out opportunities to contract this or that illness in order to gain, through overcoming it and through the unfolding of his self-healing powers, the forces that will lead him upward along the path of life as a whole.

[ 11 ] Vorhin sagte ich, wenn ein Mensch viel unter dem Einfluß von Affekten gehandelt hat, so wird er in der Kamalokazeit ebenfalls Handlungen durchleben, die unter dem Einfluß von Affekten überhaupt geschehen sind. Das wird ihm die Tendenz geben, in seiner neuen Inkarnation, in seiner eigenen Leiblichkeit so etwas zu erleben, durch dessen Überwindung er Handlungen vollführt, welche ausgleichend wirken können auf gewisse Handlungen seines früheren Lebens. Insbesondere ist es da jene Form der Erkrankung, die wir in der neueren Zeit als Diphtherie kennen, die in vielen Fällen zutage tritt, wenn eine solche karmische Verwicklung vorliegt, wo sich der Betreffende früher in der Weise ausgelebt hat, daß er vielfach aus allerlei Aufwallungen, Affekten und so weiter gehandelt hat.

[ 11 ] Earlier I said that if a person has acted largely under the influence of emotions, he will also experience, during the Kamaloka period, actions that were performed entirely under the influence of emotions. This will give them the tendency, in their new incarnation and in their own physical existence, to experience something that, by overcoming it, enables them to perform actions that can have a balancing effect on certain actions from their previous life. In particular, it is that form of illness which we know in modern times as diphtheria that manifests in many cases when such a karmic entanglement is present, where the person in question previously lived in such a way that they often acted out of all sorts of surges of emotion, affections, and so on.

[ 12 ] Wir werden im Verlaufe dieser Vorträge noch manches zu hören bekommen darüber, wie diese oder jene Krankheit bedingt ist. Wir müssen aber jetzt auf noch tiefere Grundlagen eingehen, wenn wir uns die Frage beantworten wollen: Wie kommt es, daß, wenn der Mensch durch die Geburt ins Dasein tritt und er sich durch sein Karma die Tendenz mitbringt, durch die Überwindung dieses oder jenes Leidens das eine oder das andere zu erreichen, wie kommt es, daß es ihm einmal gelingt, wirklich Sieger zu sein, die Krankheit zu überwinden und Kräfte in sich aufzunehmen, die ihn höher bringen, während er das andere Mal unterliegt und die Krankheit Sieger bleibt? Da müssen wir auf die geistigen Prinzipien zurückgehen, die überhaupt das Kranksein im Menschenleben möglich machen.

[ 12 ] In the course of these lectures, we will hear much more about the causes of this or that illness. But we must now delve into even deeper foundations if we are to answer the question: How is it that, when a person enters existence through birth and brings with them, through their karma, the tendency to achieve one thing or another by overcoming this or that suffering, how is it that sometimes they succeed in truly triumphing, overcoming the illness, and absorbing forces within themselves that elevate them, while at other times they succumb and the illness remains victorious? Here we must go back to the spiritual principles that make illness in human life possible in the first place.

[ 13 ] Daß der Mensch überhaupt erkranken kann, daß er geradezu das Kranksein — sogar aus seinem Karma heraus — suchen kann, das kommt zuletzt aus keinen andern Prinzipien heraus als aus denjenigen, die wir schon oft in den verschiedensten Zusammenhängen unserer theosophischen Betrachtungen uns haben vor die Seele treten lassen. — Wir wissen, daß in einem bestimmten Punkte der Erdentwickelung diejenigen Kräfte in die menschliche Entwickelung eingetreten sind, welche wir die luziferischen Kräfte nennen, welche solchen Wesenheiten angehören, die während der alten Mondentwickelung zurückgeblieben sind und nicht so weit vorgeschritten sind, daß sie sozusagen an dem normalen Punkt ihrer Erdentwickelung angelangt wären. Dadurch wurde dem astralischen Leibe des Menschen, bevor sein Ich in der entsprechenden Weise wirken konnte, etwas eingepflanzt, was aus diesen luziferischen Wesen herausströmte. Der Einfluß dieser luziferischen Wesenheiten ist daher ein solcher, der vorzugsweise auf unseren astralischen Leib einstmals ausgeübt worden ist und den der Mensch für die Folgezeit durch seine Entwickelung hindurch in seinem astralischen Leib hatte. Dieser luziferische Einfluß bedeutet in der menschlichen Entwickelung mancherlei. Für unseren heutigen Zweck ist es aber wichtig, hervorzuheben, daß der Mensch, indem er die luziferischen Kräfte in sich hatte, in seinem Inneren einen Verführer hatte, weniger gut zu sein, als er gewesen wäre, wenn der luziferische Einfluß nicht gekommen wäre; und ebenso hatte er dadurch einen Einfluß, mehr aus allerlei Affekten, Leidenschaften und Begierden heraus zu handeln und zu urteilen, als er geurteilt und gehandelt haben würde, wenn der luziferische Einfluß nicht gewirkt hätte. Durch diesen Einfluß wurde des Menschen eigentliche Individualität veranlaßt, anders zu sein, sozusagen mehr hingegeben zu sein an das, was wir die Begierdenwelt nennen können, als es sonst der Fall gewesen wäre. Und dadurch ist es gekommen, daß der Mensch viel tiefer hineinverstrickt worden ist in die physische Erdenwelt, als es sonst geschehen wäre. Der Mensch drängt sich durch den luziferischen Einfluß mehr hinein in seine Leiblichkeit, identifiziert sich mehr mit der Leiblichkeit, als er sie durchdrungen hätte, wenn kein luziferischer Einfluß gekommen wäre. Denn wäre der Einfluß der luziferischen Wesenheiten nicht gekommen, so wäre so mancherlei von dem, was den Menschen auf der Erde locken kann, dieses oder jenes zu begehren, nicht gekommen. Der Mensch wäre gleichgültig an den Eindrücken dieser oder jener Lockmittel vorbeigegangen. Durch Luzifers Einfluß entstanden die Verlockungen der äußeren sinnlichen Welt; diese Verlockungen nahm der Mensch in sich auf. Die Individualität, die durch das Ich gegeben war, wurde durchtränkt mit den Wirkungen, die aus dem luziferischen Prinzip heraus kamen. Und so kam es, daß der Mensch bei seinen ersten Erdeninkarnationen auch den ersten Verlockungen des luziferischen Prinzips verfallen war und diese Verlockungen mitnahm in die späteren Leben. Das heißt, daß die Art und Weise, wie der Mensch den Verlockungen des luziferischen Prinzips verfiel, zu einem Bestandteil seines Karma wurde.

[ 13 ] The fact that human beings can fall ill at all, that they can even actively seek out illness—even as a result of their karma—ultimately stems from no other principles than those we have often allowed to come before our souls in the most varied contexts of our theosophical reflections. — We know that at a certain point in the Earth’s evolution, certain forces entered human evolution—forces we call the Luciferic forces—which belong to those beings who remained behind during the ancient Lunar evolution and did not progress far enough to have reached, so to speak, the normal stage of their Earthly evolution. Consequently, before the human ego could function in the appropriate manner, something emanating from these Luciferic beings was implanted into the human astral body. The influence of these Luciferic beings is therefore one that was primarily exerted upon our astral body in the past and which the human being retained in their astral body throughout their subsequent development. This Luciferic influence has various implications for human development. For our present purpose, however, it is important to emphasize that, by having the Luciferic forces within him, the human being had within himself a tempter to be less good than he would have been had the Luciferic influence not come; and likewise, as a result, he was influenced to act and judge more out of all manner of emotions, passions, and desires than he would have judged and acted had the Luciferic influence not been at work. Through this influence, human beings’ true individuality was led to be different, so to speak, to be more devoted to what we might call the world of desires than would otherwise have been the case. And this is how it came to be that human beings became much more deeply entangled in the physical earthly world than would otherwise have happened. Through the Luciferic influence, human beings press themselves more deeply into their physicality, identifying more with it than they would have done had no Luciferic influence come. For had the influence of the Luciferic beings not come, so much of what can entice human beings on Earth to desire this or that would not have come about. Human beings would have passed by the impressions of these or those temptations with indifference. Through Lucifer’s influence, the temptations of the outer sensory world arose; human beings took these temptations into themselves. The individuality, which was given through the ego, became imbued with the effects that arose from the Luciferic principle. And so it came to pass that, during their first earthly incarnations, human beings also succumbed to the first temptations of the Luciferic principle and carried these temptations with them into later lives. This means that the manner in which human beings succumbed to the temptations of the Luciferic principle became a component of their karma.

[ 14 ] Wenn nun der Mensch nur dieses Prinzip in sich aufgenommen hätte, so würde er immer mehr und mehr den Verlockungen der physischen Erdenwelt verfallen sein; er würde sozusagen immer mehr die Aussicht verloren haben, von dieser physischen Erdenwelt wieder loszukommen. Wir wissen, daß der spätere Einfluß — der Christus-Einfluß — dem luziferischen Prinzip entgegengewirkt hat und es gleichsam wieder zum Ausgleich gebracht hat, so daß der Mensch im Laufe seiner Entwickelung wieder Mittel erhalten hat, diesen luziferischen Einfluß aus sich herauszutreiben. Aber mit dem luziferischen Einfluß war zugleich etwas anderes gegeben. Dadurch, daß der Mensch in seinem astralischen Leib den luziferischen Einfluß aufgenommen hatte, erschien ihm auch die ganze äußere Welt, in die er eintrat, ganz anders, als sie ihm erschienen wäre, wenn er dem luziferischen Einfluß nicht hingegeben gewesen wäre. Luzifer drang in des Menschen Inneres. Der Mensch sah mit Luzifer im Inneren die Welt um sich herum. Dadurch trübte sich sein Blick für die Erdenwelt, und es mischte sich nun in die äußeren Eindrücke hinein der ahrimanische Einfluß. Nur dadurch konnte sich Ahriman einmischen und die äußere Welt zur Illusion gestalten, weil wir uns schon früher von innen heraus die Anlage zur Illusion, zu Maja geschaffen hatten. So war der ahrimanische Einfluß, der hineinzog in die äußere Welt, die den Menschen umgab, die Folge des luziferischen Einflusses. Wir können sagen: Der Mensch saugte ein, weil einmal die luziferischen Kräfte in ihm waren, die Möglichkeit, sich mehr in die Sinnenwelt zu verstricken, als er sich ohne den luziferischen Einfluß in das sinnliche Erdenleben verstrickt hätte. Dadurch hat er sich aber auch die Möglichkeit geschaffen, mit allen äußeren Wahrnehmungen von außen den ahrimanischen Einfluß einzusaugen. Und so lebt in der menschlichen Individualität, indem sie durch die verschiedenen Erdeninkarnationen hindurchgeht, der luziferische Einfluß, und als das Ergebnis des luziferischen Einflusses der ahrimanische Einfluß. Diese zwei Mächte kämpfen fortwährend in der menschlichen Individualität. Und die menschliche Individualität ist der Schauplatz geworden für den Kampf von Luzifer und Ahriman.

[ 14 ] If human beings had absorbed only this principle within themselves, they would have succumbed more and more to the temptations of the physical earthly world; they would, so to speak, have increasingly lost the prospect of ever breaking free from this physical earthly world. We know that the later influence—the Christ influence—counteracted the Luciferic principle and, as it were, restored the balance, so that in the course of his development, man once again received the means to drive this Luciferic influence out of himself. But with the Luciferic influence came something else as well. Because human beings had taken in the Luciferic influence into their astral bodies, the entire external world they entered also appeared to them quite differently than it would have if they had not been subject to the Luciferic influence. Lucifer penetrated into the inner being of human beings. With Lucifer within, human beings viewed the world around them. This clouded their vision of the earthly world, and the Ahrimanic influence now mingled with their external impressions. It was only through this that Ahriman could intervene and shape the external world into an illusion, because we had already created within ourselves the predisposition for illusion, for Maya. Thus, the Ahrimanic influence that drew into the external world surrounding human beings was the consequence of the Luciferic influence. We can say: Because the Luciferic forces were once within him, the human being absorbed the possibility of becoming more entangled in the sensory world than he would have been in sensory earthly life without the Luciferic influence. Through this, however, he also created the possibility of absorbing the Ahrimanic influence along with all external perceptions from the outside. And so, as the human individuality passes through the various earthly incarnations, the Luciferic influence lives within it, and as the result of the Luciferic influence, the Ahrimanic influence. These two forces are constantly at war within the human individuality. And the human individuality has become the arena for the struggle between Lucifer and Ahriman.

[ 15 ] Der Mensch ist mit seinem gewöhnlichen Bewußtsein auch heute noch ausgesetzt sowohl den Verlockungen Luzifers, der aus den Leidenschaften und Affekten seines astralischen Leibes heraus wirkt, wie auch den Verlockungen Ahrimans, der durch Irrtümer, Täuschungen in bezug auf die äußere Welt von außen in den Menschen eindringt. Solange nun der Mensch in einer Inkarnation lebt und die Vorstellungen einen Riegel vorschieben, so daß das, was von Luzifer und Ahriman geschieht, nicht tiefer eindringen kann und ein Hindernis findet an den Vorstellungen, so lange bleibt das, was der Mensch tut, dem moralischen oder dem intellektuellen Urteil unterworfen. Solange der Mensch zwischen Geburt und Tod gegen die Moral sündigt, indem er Luzifer folgt, oder sich gegen die Logik und das gesunde Denken versündigt, indem er Ahriman folgt, so lange bleibt das eine Angelegenheit des gewöhnlichen bewußten Seelenlebens. Wenn der Mensch aber durch die Pforte des Todes schreitet, hört das Vorstellungsleben auf, das an das Instrument des Gehirns gebunden ist. Da beginnt eine andere Form des Bewußtseinslebens. Da dringen in der Tat alle die Dinge, welche im Leben zwischen Geburt und Tod dem moralischen oder dem vernünftigen Urteil unterworfen sind, herunter in die Untergründe des menschlichen Wesens und greifen ein in das, was dann nach dem Kamaloka für das nächste Dasein organisierend wirkt und sich hineinprägt in die plastischen Kräfte, die nun die dreifache menschliche Leiblichkeit aufbauen. Da werden Irrtümer, welche aus der Hingabe an Ahriman folgen, zu Krankheitskräften, die vom Ätherleib her den Menschen infizieren, und Ausschweifungen, also Dinge, welche im Leben dem moralischen Urteil unterworfen sind, werden zu Krankheitsursachen, welche mehr vom astralischen Leib her wirken.

[ 15 ] Even today, with their ordinary consciousness, human beings are still exposed both to the temptations of Lucifer, who works through the passions and emotions of their astral body, and to the temptations of Ahriman, who penetrates into human beings from the outside through errors and deceptions regarding the external world. As long as a human being lives in an incarnation and their concepts act as a barrier, so that what comes from Lucifer and Ahriman cannot penetrate more deeply and finds an obstacle in these concepts, what the human being does remains subject to moral or intellectual judgment. As long as a human being sins against morality between birth and death by following Lucifer, or sins against logic and sound thinking by following Ahriman, so long does this remain a matter of ordinary conscious soul life. But when a human being passes through the gate of death, the life of imagination, which is bound to the instrument of the brain, ceases. There a different form of conscious life begins. There, in fact, all the things that in life between birth and death are subject to moral or rational judgment descend into the depths of the human being and intervene in what, after the Kamaloka, works to organize the next existence and imprints itself upon the formative forces that now build up the threefold human physicality. There, errors arising from devotion to Ahriman become disease forces that infect the human being from the etheric body, and excesses—that is, things subject to moral judgment in life—become causes of disease that act more from the astral body.

[ 16 ] Dadurch sehen wir, wie in der Tat unsere Irrtümer aus dem Ahrimanischen in uns — und dazu sind auch die bewußten Irrtümer: Lügen, Unwahrheiten zu rechnen — zu Krankheitsursachen werden, wenn wir allerdings nicht bei einer Inkarnation stehenbleiben, sondern die Wirkung einer Inkarnation auf die folgende betrachten; und wir sehen, wie auch die luziferischen Einflüsse zu Krankheitsursachen auf demselben Wege werden. Wir können in der Tat sagen: Wir begehen unsere Irrtümer nicht ungestraft! Wir tragen den Stempel unserer Irrtümer in unserer nächsten Inkarnation an uns, aber wir tun es aus einer höheren Vernünftigkeit heraus, als diejenige unseres gewöhnlichen Lebens ist, aus derjenigen Vernünftigkeit, welche uns während der Zeit zwischen Tod und neuer Geburt anweist, uns so stark und kräftig zu machen, daß wir fernerhin diesen Verlockungen nicht mehr ausgesetzt sind. So reihen sich Krankheiten sogar ein als mächtige Erzieher in unser Leben. — Wenn wir Krankheiten so betrachten, können wir förmlich sehen, wie bei der Ausbildung einer Krankheit entweder luziferische oder ahrimanische Einflüsse wirksam sind. Wenn einmal diese Dinge werden durchschaut werden von denen, die unter dem Einfluß der geisteswissenschaftlichen Weltanschauung Heiler sein werden, dann werden die Einflüsse dieser Heiler auf den menschlichen Organismus viel intimere sein, als sie heute sein können.

[ 16 ] This shows us how our errors—including our conscious errors: lies and untruths—become causes of illness, provided we do not stop at a single incarnation but consider the effect of one incarnation on the next; and we see how Luciferic influences also become causes of illness in the same way. We can indeed say: We do not commit our errors with impunity! We bear the mark of our errors in our next incarnation, but we do so out of a higher rationality than that of our ordinary life, out of the rationality that instructs us during the time between death and new birth to make ourselves so strong and vigorous that we are no longer exposed to these temptations in the future. Thus, illnesses even take their place as powerful educators in our lives. — When we view illnesses in this way, we can literally see how either Luciferic or Ahrimanic influences are at work in the development of a disease. Once these things are understood by those who, under the influence of the spiritual-scientific worldview, will become healers, then the influence of these healers on the human organism will be far more intimate than it can be today.

[ 17 ] Wir können geradezu in diesem Sinne den Organismus gewisser Krankheitsformen durchschauen. Nehmen wir zum Beispiel eine solche Krankheit wie die Lungenentzündung. Sie ist eine Wirkung in der karmischen Folge, welche dadurch entsteht, daß der Betreffende während seiner Kamalokazeit zurückblicken kann auf einen Charakter, der in sich hatte Hang und Neigung zu sinnlichen Ausschweifungen, der in sich hatte sozusagen ein Bedürfnis, sinnlich zu leben. Verwechseln wir ja nicht, was jetzt einem früheren Bewußtsein zugeschrieben wird, mit dem, was im Bewußtsein der nächsten Inkarnation auftritt. Damit hat es zunächst nichts zu tun. Wohl aber wird das, was der Mensch während der Kamalokazeit sieht, sich so umwandeln, daß sich ihm Kräfte einprägen zu Vorgängen, welche die Lungenentzündung überwinden. Denn gerade in der Überwindung der Lungenentzündung, in der Selbstheilung, welche dabei vom Menschen angestrebt wird, wirkt die menschliche Individualität entgegen den luziferischen Mächten, führt einen förmlichen Krieg gerade gegen die luziferischen Mächte. Daher ist in der Überwindung der Lungenentzündung eine Gelegenheit, dasjenige abzulegen, was ein Charaktermangel in einer vorherigen Inkarnation war. So sehen wir förmlich wirken in der Lungenentzündung den Kampf des Menschen gegen die luziferischen Mächte.

[ 17 ] In this sense, we can truly gain insight into the nature of certain forms of illness. Let us take, for example, a disease such as pneumonia. It is an effect in the karmic sequence that arises because the person concerned, during their time in Kamaloka, can look back on a character that had within it a tendency and inclination toward sensual excesses, that had, so to speak, a need to live sensually. Let us not confuse what is now attributed to a previous consciousness with what arises in the consciousness of the next incarnation. This has nothing to do with that at first. However, what the human being sees during the Kamaloka period will transform in such a way that forces are imprinted upon them for processes that overcome pneumonia. For it is precisely in overcoming pneumonia, in the self-healing that the human being strives for in the process, that the human individuality works against the Luciferic forces, waging a veritable war against them. Therefore, in overcoming pneumonia lies an opportunity to shed what was a character flaw in a previous incarnation. Thus, we see the human struggle against the Luciferic forces actively at work in pneumonia.

[ 18 ] Anders stellt sich uns die Sache dar, wenn wir bei dem, was wir im heutigen Sprachgebrauch Lungentuberkulose nennen, die eigentümlichen Prozesse auftreten sehen, wenn die selbstheilenden Kräfte in Tätigkeit übergehen, die sich dadurch äußern, daß die schädigenden Einflüsse, welche da entstehen, umgeben werden, umrandet werden von Umhüllungen wie Bindegewebe; dann wird das Ganze ausgefüllt mit kalk-salzhaltiger Materie, welche feste Einschlüsse bildet. Solche Einschlüsse kann der Mensch in seiner Lunge haben, und viel mehr Menschen tragen solche Dinge mit sich herum, als man gewöhnlich glaubt; denn das sind diejenigen Menschen, bei denen eine tuberkulöse Lunge in Heilung übergegangen ist. Wo derartiges vor sich ging, ist wieder ein Kampf aufgeführt worden der menschlichen inneren Wesenheit gegen das, was ahrimanische Kräfte angestellt haben. Es ist ein Abwehrprozeß nach außen, ein Anstürmen gegen das, was durch äußere Materialität hergebracht wird, um zur Selbständigkeit der menschlichen Wesenheit in diesem Sinne zu führen.

[ 18 ] The situation presents itself differently when, in what we call pulmonary tuberculosis in today’s terminology, we observe the peculiar processes that occur when the self-healing forces come into action, manifesting themselves in such a way that the harmful influences arising there are surrounded and encircled by coverings such as connective tissue; then the whole area is filled with a matter containing calcium salts, which forms solid inclusions. A person can have such inclusions in their lungs, and far more people carry such things around with them than is generally believed; for these are the people in whom a tuberculous lung has entered a healing phase. Where such a process has taken place, a struggle has once again been waged by the human inner being against what Ahrimanic forces have wrought. It is a defensive process directed outward, a charge against what is brought about by external materiality, in order to lead to the independence of the human being in this sense.

[ 19 ] Damit haben wir gezeigt, wie in der Tat die beiden Prinzipien, das ahrimanische und das luziferische, im letzten Grunde im Krankheitsverlauf tätig sind. Und es könnte in vieler Beziehung für diese oder jene Krankheitsform gezeigt werden, wie man eigentlich zwei Typen von Krankheiten unterscheiden müßte: ahrimanische und luziferische Krankheiten. Wenn man das beachten würde, so würde man auch richtige Prinzipien gewinnen können für die entsprechende Hilfe, welche man den Kranken angedeihen lassen kann. Denn luziferische Krankheitsprozesse werden ganz andere Hilfe erfordern als ahrimanische. Wenn heute noch in einer ziemlich kritiklosen Weise, zum Beispiel im äußeren Heilverfahren, Kräfte angewendet werden, die in der heutigen Elektrotherapie, in der Kaltwasserbehandlung oder in ähnlichem enthalten sind, so muß gesagt werden, daß von vornherein durch die Geisteswissenschaft ein Licht darauf geworfen werden kann, ob man die eine oder die andere Methode anwenden soll, dadurch, daß man unterscheiden würde, ob man es mit einer luziferischen oder einer ahrimanischen Krankheit zu tun hat. Kein Mensch sollte zum Beispiel das Verfahren der Elektrotherapie anwenden bei Erkrankungen, die aus dem Luziferischen stammen; sondern man sollte sie nur bei ahrimanischen Krankheitsformen anwenden. Denn eine Hilfe kann bei luziferischen Krankheitsformen niemals etwas sein, was überhaupt mit dem Wirken des Luzifer gar nichts zu tun hat, nämlich die Prinzipien der Elektrizität; denn diese fallen in das Bereich der ahrimanischen Wesenheiten, wobei sich natürlich nicht nur die ahrimanischen Wesenheiten der Kräfte der Elektrizität bedienen. Dagegen ist ein ganz besonderes Gebiet des Luziferischen dasjenige, was sich bezieht, grob ausgedrückt, auf Warm und Kalt. Alles, was damit zu tun hat, daß die menschliche Organisation wärmer oder kälter wird oder was sie selbst durch äußere Einflüsse wärmer oder kälter macht, das gehört in das Bereich des Luzifer. Und bei alledem, wo wir es zu tun haben mit Warm oder Kalt, haben wir einen Typus luziferischer Krankheitsformen.

[ 19 ] We have thus shown how, in fact, the two principles—the Ahrimanic and the Luciferic—are ultimately at work in the course of a disease. And in many respects, it could be demonstrated for this or that form of illness how one should actually distinguish between two types of diseases: Ahrimanic and Luciferic diseases. If one were to take this into account, one would also be able to derive the correct principles for the appropriate help that can be given to the sick. For Luciferic disease processes will require quite different help than Ahrimanic ones. If today, for example in external therapeutic procedures, forces are still applied in a rather uncritical manner—such as those found in modern electrotherapy, cold-water treatment, or similar methods—it must be said that spiritual science can shed light from the outset on whether one should apply one method or the other, by distinguishing whether one is dealing with a Luciferic or an Ahrimanic disease. No one should, for example, apply the method of electrotherapy to illnesses that originate from the Luciferic; rather, it should only be applied to Ahrimanic forms of disease. For in the case of Luciferic forms of illness, something that has absolutely nothing to do with the workings of Lucifer—namely, the principles of electricity—can never be of any help; for these fall within the realm of the Ahrimanic beings, although, of course, it is not only the Ahrimanic beings who make use of the forces of electricity. In contrast, a very special realm of the Luciferic is that which relates, roughly speaking, to warmth and cold. Everything that has to do with the human organism becoming warmer or colder, or with what makes it warmer or colder through external influences, belongs to the realm of Lucifer. And in all these cases where we are dealing with warmth or cold, we have a type of Luciferic disease form.

[ 20 ] So also sehen wir, wie Karma in dem Kranksein wirkt und wie es zur Überwindung von Kranksein wirkt. Nun wird es nicht mehr unbegreiflich erscheinen, daß im Karma auch die Heilbarkeit oder Unheilbarkeit einer Krankheit liegt. Wenn Sie sich klarmachen, daß ja das Ziel, das karmische Ziel des Erkrankens das ist, den Menschen zu fördern und vollkommener zu machen, so ist die Voraussetzung die, daß der Mensch, wenn er nach der Vernünftigkeit, die er sich aus der Kamalokazeit beim Eintritt in ein neues Dasein mitbringt, einer Krankheit verfällt, jene Heilkräfte dann entwickelt, welche eine Stählung seines inneren Menschen bedeuten und die Möglichkeit, höher zu kommen. Nehmen wir an, die Sache liege so, daß der Mensch in dem Leben, das er noch zubringen kann, vermöge seiner sonstigen Organisation und seines übrigen Karma die Kräfte hat, mit dem, was er durch die Krankheit errungen hat, in diesem Leben selbst weiterzukommen. Dann hat die Heilung einen Sinn. Dann tritt Heilung ein und der Mensch hat in diesem Falle das errungen, was er erringen sollte und was sich an dem Vorhandensein der Krankheit zeigte. Durch das Überwinden der Krankheit hat er sich instand gesetzt, dort vollkommene Kräfte zu haben, wo er früher unvollkommene Kräfte hatte. Ist er durch sein Karma mit solchen Kräften ausgerüstet und durch die günstigen Umstände seines früheren Schicksals so in die Welt gesetzt, daß er die neuen Kräfte anwenden kann und wirken kann, um sich und andern von Nutzen zu sein, dann tritt die Heilung ein; dann windet er sich durch die Krankheit hindurch.

[ 20 ] Thus we see how karma operates in illness and how it works to overcome illness. Now it will no longer seem incomprehensible that the curability or incurability of an illness also lies within karma. If you realize that the goal—the karmic goal—of falling ill is to promote human development and make a person more perfect, then the prerequisite is that when a person, in accordance with the rationality they bring with them from the Kamaloka period upon entering a new existence, falls ill, they then develop those healing powers that signify a strengthening of their inner being and the possibility of ascending to a higher plane. Let us assume that the situation is such that, in the life he still has to live, the human being—by virtue of his general constitution and his remaining karma—possesses the strength to make further progress in this very life with what he has attained through the illness. Then the healing has a purpose. Then healing occurs, and in this case the person has achieved what they were meant to achieve and what was revealed by the presence of the illness. By overcoming the illness, they have enabled themselves to possess perfect powers where they previously had imperfect ones. If, through his karma, he is endowed with such powers and, through the favorable circumstances of his past destiny, has been placed in the world in such a way that he can apply these new powers and act to be of benefit to himself and others, then healing occurs; then he winds his way through the illness.

[ 21 ] Nehmen wir nun an, die Sache liege für den Menschen so, daß er die Krankheit überwinder und die Heilkräfte entwickelt und nunmehr vor einem Leben stünde, welches an ihn Anforderungen stellen würde, die mit dem Maß, das er sich jetzt schon errungen hat an Vollkommenem, nicht erfüllt werden können: Er würde zwar einiges erringen durch die geheilte Krankheit, aber es wäre doch nicht möglich, daß er so viel erringt — weil sein übriges Karma das nicht zuläßt —, daß er mit dem, was er sich errungen hat, den andern zum Heile werden kann. Dann tritt das ein, daß sein tieferes Unterbewußstsein sagt: Hier hast du keine Gelegenheit, die volle Kraft von dem zu empfangen, was du eigentlich haben sollst. Du mußtest in diese Inkarnation hineingehen, weil du das Maß an Vollkommenheit gewinnen mußtest, das du nur im physischen Leibe durch die Überwindung einer Krankheit erringen kannst. Das mußtest du erringen; aber weiter ausbilden kannst du es nicht. Nun mußt du in die Verhältnisse gehen, wo dein physischer Leib und andere Kräfte dich nicht stören und wo du frei verarbeiten kannst, was du in der Krankheit gewonnen hast. — Das heißt, es sucht eine solche Individualität den Tod, um zwischen Tod und neuer Geburt das weiterzuverarbeiten, was sie im Leben zwischen Geburt und Tod nicht verarbeiten kann. Es geht eine solche Seele durch das Leben zwischen Tod und neuer Geburt durch, um jetzt mit um so stärkeren Kräften, die sie beim Überwinden der Krankheit gewonnen hat, ihre Organisation weiter auszubilden, damit sie im neuen Leben um so mehr wirken kann. In dieser Weise kann förmlich durch die Anwesenheit einer Krankheit eine Art Abschlagszahlung bewirkt werden, die dann erst ergänzt wird nach dem Durchgehen durch den Tod zu dem, was sie sein soll.

[ 21 ] Let us now assume that the situation for a person is such that they have overcome their illness and developed healing powers, and now face a life that would place demands on them which cannot be met with the degree of perfection they have already attained: Although they would achieve some things through their recovery from illness, it would still not be possible for them to achieve so much—because their remaining karma does not permit it—that they could become a source of healing for others with what they have achieved. Then what happens is that his deeper subconscious says: Here you have no opportunity to receive the full power of what you are actually meant to have. You had to enter this incarnation because you had to attain the degree of perfection that you can only achieve in the physical body by overcoming an illness. You had to achieve that; but you cannot develop it further. Now you must enter into circumstances where your physical body and other forces do not disturb you and where you can freely process what you have gained through the illness. — That is to say, such an individual seeks death in order to process further, between death and new birth, what they cannot process in the life between birth and death. Such a soul passes through the life between death and new birth in order to further develop its constitution with the all the stronger forces it has gained by overcoming the illness, so that it may work all the more effectively in the new life. In this way, the very presence of an illness can effect a kind of down payment, which is only then supplemented after passing through death to become what it is meant to be.

[ 22 ] Wenn wir die Sache so betrachten, werden wir uns sagen müssen: Es erscheint durchaus im Karma begründet, daß die eine Krankheit ausgeht mit der Heilung, die andere mit dem Tod. — Wenn wir so die Krankheiten ansehen, werden wir von einem höheren Gesichtspunkt aus durch Karma eine Art Versöhnung, eine tiefe Versöhnung mit dem Leben gewinnen; denn wir werden wissen, daß es in der Gesetzmäßigkeit von Karma liegt, daß, selbst wenn eine Krankheit mit dem Tode ausgeht, der Mensch gefördert wird, daß selbst in einem solchen Falle die Krankheit das Ziel hat, den Menschen höher zu bringen. Nun darf niemand daraus etwa den Schluß ziehen: dann könnte es auch sein, daß wir geradezu den Tod herbeiwünschen müßten in gewissen Krankheitsfällen. Das darf niemand sagen, weil die Entscheidung darüber, was eintreten soll, ob Heilung oder Unheilbarkeit, einer höheren Vernünftigkeit zufällt, als die ist, welche wir mit unserem gewöhnlichen Bewußtsein umfassen können. Mit unserem gewöhnlichen Bewußtsein müssen wir uns bescheiden innerhalb der Welt zwischen Geburt und Tod, bei solchen Fragen stehenzubleiben. Mit unserem höheren Bewußtsein dürfen wir uns allerdings selbst auf den Standpunkt stellen, der sogar den Tod hinnimmit als ein Geschenk der höheren geistigen Mächte. Mit demjenigen Bewußtsein aber, das helfen und eingreifen soll ins Leben, dürfen wir uns nicht vermessen, uns auf diesen höheren Gesichtspunkt zu stellen. Da könnten wir uns leicht irren und würden in einer unerhörten Weise eingreifen in etwas, worin wir nie eingreifen dürfen: in die menschliche Freiheitssphäre. Wenn wir einem Menschen helfen können, damit er die selbstheilenden Kräfte entwickelt, oder indem wir selbst der Natur zu Hilfe kommen, damit Heilung eintritt, so müssen wir das tun. Und soll die Entscheidung darüber fallen, ob der Mensch weiterleben soll oder ob er mehr gefördert wird, wenn der Tod eintritt, dann kann sie niemals anders als so fallen, daß unsere Hilfe eine Hilfe in der Heilung sein kann. Ist sie dies, so setzen wir es in des Menschen eigene Individualität, seine Kräfte anzuwenden, und die ärztliche Hilfe kann dabei nur eine solche sein, die ihn darin unterstützt. Dann wirkt sie nicht hinein in die menschliche Individualität. Ganz anders wäre es, wenn wir eines Menschen Unheilbarkeit in der Weise fördern würden, daß er sein weiteres Fortkommen in einer anderen Welt suchte. Da würden wir in seine Individualität eingreifen und seine Individualität einer andern Wirkungssphäre übergeben. Dann hätten wir unseren Willen der andern Individualität aufgedrängt. Diese Entscheidung müssen wir der Individualität selbst überlassen. Das heißt mit andern Worten: Wir müssen so viel als möglich tun, damit eine Heilung geschieht. Denn alle Überlegungen, die zu einer Heilung führen, kommen aus dem Bewußtsein, das für unsere Erde berechtigt ist; alle andern Maßnahmen würden übergreifen über unsere Erdensphäre; da müssen andere Kräfte eingreifen als die, welche in unser gewöhnliches Bewußtsein hineinfallen.

[ 22 ] If we look at the matter this way, we will have to admit: It seems entirely justified by karma that one illness ends in healing, while another ends in death. — If we view illnesses in this way, we will gain, from a higher perspective through karma, a kind of reconciliation, a profound reconciliation with life; for we will know that it lies in the law of karma that, even when an illness ends in death, the human being is uplifted, that even in such a case the illness has the goal of raising the human being to a higher level. Now, no one should draw the conclusion from this that we might even have to actively wish for death in certain cases of illness. No one should say that, because the decision regarding what is to occur—whether healing or incurability—belongs to a higher rationality than that which we can grasp with our ordinary consciousness. With our ordinary consciousness, we must modestly remain within the world between birth and death when it comes to such questions. With our higher consciousness, however, we may indeed take the standpoint that even accepts death as a gift from the higher spiritual powers. But with that consciousness which is meant to help and intervene in life, we must not presume to take this higher viewpoint. There we could easily err and would intervene in an unheard-of way in something in which we must never intervene: in the sphere of human freedom. If we can help a person so that they develop their self-healing powers, or by aiding nature ourselves so that healing may occur, then we must do so. And if the decision is to be made as to whether a person should continue living or whether they would be better served by death, then it can never be made in any other way than such that our help can be a help in healing. If this is the case, we place it within the person’s own individuality to apply their powers, and medical assistance can only be such that supports them in this. Then it does not interfere with human individuality. It would be quite different if we were to promote a person’s incurability in such a way that they sought their further progress in another world. There we would be intervening in their individuality and handing their individuality over to another sphere of activity. Then we would have imposed our will upon that other individuality. We must leave this decision to the individuality itself. In other words: We must do as much as possible to ensure that a healing takes place. For all considerations that lead to a healing arise from the consciousness that is appropriate for our Earth; all other measures would extend beyond our earthly sphere; there, forces other than those that fall within our ordinary consciousness must intervene.

[ 23 ] So sehen wir, daß ein richtiges karmisches Verständnis über Heilbarkeit und Unheilbarkeit von Krankheiten dazu führt, daß wir alles aufbringen werden, um dem Menschen zu helfen in der Krankheit; und auf der andern Seite führt es uns auch dazu, daß wir, wenn aus andern Sphären eine andere Entscheidung getroffen wird, diese ebenfalls zu unserer Befriedigung hinnehmen. Etwas anderes haben wir in bezug auf diese andere Entscheidung auch gar nicht nötig. Nötig haben wir, daß wir einen Gesichtspunkt finden, daß uns die Unheilbarkeit einer Krankheit nicht niederdrückt, als ob die Welt nur das Unvollkommene, das Schlimme und Schlechte hätte. Karmisches Verständnis lähmt nicht unsere Tatkraft in bezug auf das Heilen. Karmisches Verständnis wird uns auf der andern Seite auch wieder in Harmonie bringen mit dem schwersten Schicksal in bezug auf Unheilbarkeit dieser oder jener Krankheit. So haben wir heute gesehen, wie uns karmisches Verständnis allein möglich macht, den Verlauf einer Krankheit in der richtigen Weise aufzufassen und zu begreifen, daß wir geradezu hineinleuchten sehen die karmischen Wirkungen aus unseren früheren Leben in das gegenwärtige. Beispiele im einzelnen werden sich uns noch bei Besprechung der nächsten Fragen darbieten.

[ 23 ] Thus we see that a correct karmic understanding of the curability and incurability of illnesses leads us to do everything in our power to help the person during their illness; and on the other hand, it also leads us to accept, to our satisfaction, any decision made from other spheres. We do not need anything else with regard to this other decision. What we need is to find a perspective so that the incurability of an illness does not weigh us down, as if the world contained only the imperfect, the terrible, and the bad. Karmic understanding does not paralyze our energy for healing. On the other hand, karmic understanding will also bring us back into harmony with the heaviest fate regarding the incurability of this or that illness. Thus, we have seen today how karmic understanding alone enables us to perceive and comprehend the course of an illness in the right way, so that we can literally see the karmic effects from our past lives shining into the present one. Specific examples will present themselves to us when we discuss the next questions.

[ 24 ] Nun wird es uns obliegen, zu unterscheiden zwischen zwei besonderen Krankheitsformen, zwischen denjenigen, welche aus dem menschlichen Inneren kommen, und die ganz besonders erscheinen als durch das Karma herbeigetragen, und zwischen jenen Erkrankungen, die uns scheinbar zufällig treffen dadurch, daß wir äußeren Schädigungen ausgesetzt sind, daß uns dieses oder jenes passiert. Kurz, es wird sich darum handeln: Wie können wir zu einem karmischen Verständnis auch dann kommen, wenn wir zum Beispiel unter die Räder eines Eisenbahnzuges kommen? Das heißt, wie sind sogenannte «zufällige» Erkrankungen durch das Karma zu begreifen?

[ 24 ] Now it will be our task to distinguish between two specific forms of illness: those that arise from within the human being and appear to be brought about specifically by karma, and those illnesses that seem to befall us by chance because we are exposed to external harm, because this or that happens to us. In short, the question is: How can we arrive at a karmic understanding even when, for example, we are struck by a train? That is to say, how are so-called “accidental” illnesses to be understood in terms of karma?