The Revelations of Karma
GA 120
27 May 1910, Hamburg
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The Revelations of Karma, tr. SOL
Zehnter Vortrag
Tenth Lecture
[ 1 ] Gewisse tiefere Fragen des karmischen Zusammenhanges, die sich namentlich auf unseren menschlichen Einfluß auf das Karma und besonders auf das Karma anderer Menschen beziehen, solche Fragen also, die sich auf eine Richtungsänderung des Karma im Kleinen und im Großen beziehen, kann man nicht beantworten, auch nicht eine Vorstellung hervorrufen, wie sie beantwortet werden müssen, wenn man nicht in der Weise, wie wir es heute tun wollen, gewisse bedeutsame Geheimnisse unseres Weltendaseins berührt. Solche Fragen können sich vielleicht dann für jeden aus dem Gesagten ergeben, wenn Sie diesen oder jenen Gedanken, der angeschlagen und von der einen oder andern Seite beleuchtet worden ist, für sich selber weiter ausführen.
[ 1 ] Certain deeper questions regarding the nature of karma—specifically those concerning our human influence on karma and, in particular, on the karma of others; that is, questions relating to a shift in the direction of karma on both a small and a large scale—cannot be answered, nor can one even form a conception of how they must be answered, unless one touches upon certain significant mysteries of our existence in the world in the manner we intend to do today. Such questions may perhaps arise for everyone from what has been said if you take this or that thought—which has been introduced and illuminated from one angle or another—and develop it further for yourselves.
[ 2 ] So kann sich die Frage aufwerfen: Was geschieht, wenn im karmischen Zusammenhange eines Menschen durch das, was er früher erlebt und getan hat, ein Krankheitsprozeß zur Hinwegschaffung dieser karmischen Tatsache notwendig ist und wenn diesem Menschen durch Heilmittel oder durch einen andern Eingriff in der Weise geholfen wird, daß er durch menschliche Hilfe wirklich geheilt wird? Was liegt da vor, und wie verhält sich eine solche Tatsache zu den tieferen Auffassungen von der karmischen Gesetzmäßigkeit?
[ 2 ] This may raise the question: What happens if, within the context of a person’s karma—based on what they have experienced and done in the past—a disease process is necessary to resolve this karmic fact, and if this person is helped through medication or another intervention in such a way that they are truly healed by human aid? What is happening here, and how does such a situation relate to the deeper understandings of karmic law?
[ 3 ] Nun bemerke ich von vornherein: Um überhaupt auch nur einige wesentlichere Lichter auf diese Frage zu werfen, müssen Dinge berührt werden, die der heutigen Wissenschaft und dem heutigen Denken der Menschen ganz fern liegen und welche auch nur sozusagen unter Theosophen besprochen werden können, die sich für solche Dinge schon dadurch vorbereitet haben, daß sie mancherlei Wahrheiten aufgenommen haben, die sich auf tiefere Untergründe des Daseins beziehen, und die sich auch ein Gefühl dafür erworben haben, wie Dinge, welche heute nur angedeutet werden können, sich doch voll begründen lassen. Dennoch möchte ich bei dieser Gelegenheit eine Bitte einfügen: Was ich genötigt bin zu sagen über die tieferen Untergründe des Erdendaseins, zum Beispiel was ich mich bemühen werde, in der präzisesten Form auszusprechen, und was sogleich falsch sein würde, wenn es in anderem Zusammenhang oder gar ohne Zusammenhang gesagt würde und deshalb zu Mißverständnissen Veranlassung geben würde, davon bitte ich, daß es nicht anders behandelt werde als so, daß man es eben aufnimmt. Auch ich muß daher gerade bei diesen Dingen darauf halten, daß niemand sie als ein Lehrgut betrachten sollte, das er irgendwie weitergeben könnte, weil nur der Zusammenhang eine solche Darstellung rechtfertigt und weil eine solche Darstellung nur gerechtfertigt ist, wenn dahinter das Bewußtsein liegt, wie man solche Worte zu prägen hat, um derartiges in Gedanken zum Ausdruck zu bringen.
[ 3 ] Let me note right from the start: In order to shed even a little light on this question, we must touch upon matters that lie far removed from modern science and contemporary human thought, and which can only be discussed, so to speak, among Theosophists who have prepared themselves for such matters by assimilating various truths relating to the deeper foundations of existence, and who have also developed a sense of how matters that can only be hinted at today can nevertheless be fully substantiated. Nevertheless, I would like to take this opportunity to make a request: What I am compelled to say about the deeper foundations of earthly existence—for example, what I will endeavor to express in the most precise terms, and what would immediately be false if spoken in a different context or even without any context at all, and would therefore give rise to misunderstandings—I ask that this be treated in no other way than simply by taking it in. I, too, must therefore insist, especially regarding these matters, that no one should regard them as a body of doctrine that one could pass on in any way, because only the context justifies such a presentation, and because such a presentation is justified only if it is underpinned by an awareness of how one must shape such words in order to express such things in thought.
[ 4 ] Um was es sich nun handelt, das ist die Frage nach dem tieferen Wesen des materiellen Daseins auf der einen Seite und nach dem Wesen des seelischen Daseins auf der andern Seite. Eine tiefere Auffassung vom Seelischen und Materiellen werden wir uns heute notwendig aneignen müssen, und zwar werden wir es nötig haben aus einem ganz bestimmten Grunde heraus, aus dem Grunde, weil wir in den verflossenen Vorträgen angeführt haben, daß das Seelische des Menschen mehr oder weniger tief hineindringen kann in das Materielle. Ja, wir haben gestern das Wesen des Männlichen dadurch charakterisieren können, daß wir sagten, beim Manne dringe das Seelische tiefer in das Materielle hinein, präge sich tiefer ein, während das Seelische beim Weiblichen in gewisser Beziehung sich mehr zurückzieht und sich mehr ein selbständiges Dasein gegenüber dem Materiellen aneignet. So haben wir gesehen, daß vieles im karmischen Ausleben darauf beruht, wie die Durchdringung des Seelischen und des Materiellen stattfindet. Wir haben auch gesehen, wie ein gewisser Krankheitsprozeß, der in einer Inkarnation auftritt, sich darstellt als die karmische Folge von Verfehlungen, welche die Seele in früheren Verkörperungen begangen hat, indem die Seele damals ihre Taten, Erlebnisse und Impulse in sich verarbeitet und dann auf dem Wege zwischen Tod und neuer Geburt die Tendenz aufgenommen hat, dasjenige, was früher bloß als ein Merkmal, als ein Einfluß des Seelischen sich abgespielt hat, hineinzudrängen in das Körperliche, in das Materielle. Und indem dann die menschliche Wesenheit durchtränkt wird von einem solchen Seelischen, das den luziferischen oder ahrimanischen Einfluß in sich aufgenommen hat, wird gerade dadurch das menschliche Materielle verdorben. Darinnen liegt ja dann der Krankheitsverlauf. Daher können wir sagen: In einem kranken Leibe steckt ein verdorbenes Seelisches, das einen unrichtigen Einfluß erfahren hat, einen luziferischen oder ahrimanischen Einfluß; und in dem Augenblick, wo wir den luziferischen oder ahrimanischen Einfluß aus dem Seelischen herausbringen könnten, würde die richtige Durchdringung von Seele und Leib eintreten, das heißt, es würde Gesundheit eintreten. — Wir müssen also fragen: Wie verhält es sich mit diesen zwei Wesensgliedern des irdischen menschlichen Daseins, welche uns da vor Augen treten, mit der Materie und dem Seelischen? Was sind sie in ihrem tieferen Wesen?
[ 4 ] What is at stake here is the question of the deeper nature of material existence on the one hand, and the nature of spiritual existence on the other. Today we will necessarily have to acquire a deeper understanding of the spiritual and the material, and we will need to do so for a very specific reason: because we have pointed out in previous lectures that the spiritual aspect of the human being can penetrate more or less deeply into the material. Indeed, yesterday we were able to characterize the nature of the masculine by saying that in men the spiritual penetrates more deeply into the material, imprints itself more deeply, whereas in women the spiritual, in a certain sense, withdraws more and acquires a more independent existence in relation to the material. Thus we have seen that much in the outworking of karma depends on how the interpenetration of the soul and the material takes place. We have also seen how a certain disease process that occurs in an incarnation presents itself as the karmic consequence of transgressions the soul committed in earlier incarnations, in that the soul at that time processed its deeds, experiences, and impulses within itself and then, on the path between death and new birth, took on the tendency to force into the physical, into the material, that which had previously played out merely as a characteristic, as an influence of the soul. And as the human being is then permeated by such a soul that has taken in the Luciferic or Ahrimanic influence, the human physical is corrupted precisely through this. This is where the course of the illness lies. Therefore, we can say: In a sick body there is a corrupted soul that has undergone a wrong influence, a Luciferic or Ahrimanic influence; and the moment we could remove the Luciferic or Ahrimanic influence from the soul, the proper interpenetration of soul and body would occur, that is, health would be restored. — We must therefore ask: What is the nature of these two constituent elements of earthly human existence that stand before us—matter and the soul? What are they in their deeper essence?
[ 5 ] Wenn diese Frage aufgeworfen wird, so hat der heutige Mensch gewöhnlich die Meinung, daß die Antwort auf die Frage: Was ist Materie? Was ist Seele? — überall in der Welt gleich ausfallen müßte; und ich glaube nicht, daß es einem Menschen leicht würde, sich mit der Meinung bekanntzumachen, daß für Wesen, welche auf dem alten Monde gelebt haben, die Antwort auf die Frage: Was ist Materie? Was ist Seele? — ganz anders hätte ausfallen müssen als für Wesen, welche auf der Erde leben. Aber das Dasein ist so sehr in Entwickelung, daß sich selbst solche Dinge ändern wie die Vorstellungen, welche sich ein Wesen machen kann von den tieferen Grundlagen seines eigenen Wesens. Und so ändert sich auch dasjenige, was als Antwort gegeben werden muß auf die Frage: Was ist Materie? Was ist Seele? Es ist daher von vornherein zu betonen, daß die Antworten, die gegeben werden, nur Antworten sind, welche der Erdenmensch geben kann und die nur für diesen Erdenmenschen eine Bedeutung haben.
[ 5 ] When this question is raised, people today generally believe that the answer to the question “What is matter?” What is the soul? — must be the same everywhere in the world; and I do not believe that it would be easy for a person to accept the idea that for beings who lived on the ancient Moon, the answer to the question: What is matter? What is the soul? — would have had to be quite different than for beings living on Earth. But existence is so very much in a state of development that even such things as the concepts a being can form regarding the deeper foundations of its own being are changing. And so, too, changes what must be given as an answer to the question: What is matter? What is the soul? It must therefore be emphasized from the outset that the answers given are merely answers that the earthly human being can provide and that have meaning only for this earthly human being.
[ 6 ] «Materie» wird ja der Mensch zunächst nach dem beurteilen, was ihm in der Außenwelt an den verschiedenen Wesenheiten und Dingen entgegentritt und was auf ihn in irgendeiner Weise Eindruck macht. Der Mensch findet dann, daß es verschiedene Arten von Materien gibt, und ich brauche ja darin nicht sehr weit auszuholen, denn was darüber zu sagen wäre, wenn wir mehr Zeit hätten, können Sie in allen entsprechenden Trivialschriften finden. Ich sage daher für jetzt genug, wenn ich darauf hinweise, daß sich Materie verschieden darstellt für den Menschen, indem er die verschiedenen Metalle sieht, Gold, Kupfer, Blei und so weiter, oder wenn er dasjenige sieht, was nicht in die Reihe der Metalle gehört. Sie wissen auch, daß die Chemie diese Materien nach und nach zurückgeführt hat auf gewisse Grundstoffe der Materie, die sie Elemente nennt. Diese Elemente wurden ja noch bis ins 19. Jahrhundert hinein so angesehen, daß sie Materien sind, die sich nicht weiter zerlegen lassen. Während wir irgendeine Substanz, welche uns als Materie entgegentritt, zum Beispiel Wasser, trennen können in Wasserstoff und Sauerstoff, haben wir in Wasserstoff und Sauerstoff solche Materie vor uns, die nach der Meinung der Chemie des 19. Jahrhunderts nicht weiter zerlegt werden kann. Bis siebzig solcher Elemente hat man unterschieden. Und Sie wissen wohl auch, daß durch die Erscheinungen, welche in Anknüpfung an einige besondere Elemente, zum Beispiel Radium, haben angestellt werden können, oder daß auch in Anknüpfung an mancherlei Erscheinungen der Elektrizitätslehre der Begriff der Elemente verschiedentlich erschüttert worden ist, daß man zu der Ansicht gekommen ist, daß es nur eine vorläufige Grenze der Materie sei, was man als die etwa siebzig Elemente kennt, und daß man die Zerlegbarkeit weiter zurückführen kann auf eine einzige Grundmaterie, die dann nur durch die innere Kombination, durch das innere Wesenselement, das eine Mal sich zu Gold, das andere Mal zu Kalium, Kalzium und so weiter spezialisiert.
[ 6 ] People initially judge “matter” based on what they encounter in the external world in the form of various entities and objects, and on what makes an impression on them in any way. People then find that there are different kinds of matter, and I need not go into great detail here, for whatever could be said about this—if we had more time—can be found in all the relevant popular writings. I will therefore say enough for now by pointing out that matter presents itself differently to humans when they see the various metals—gold, copper, lead, and so on—or when they see that which does not belong to the class of metals. You also know that chemistry has gradually traced these materials back to certain basic constituents of matter, which it calls elements. These elements were, in fact, regarded well into the 19th century as substances that cannot be further decomposed. While we can separate any substance that presents itself to us as matter—for example, water—into hydrogen and oxygen, in hydrogen and oxygen we have before us substances that, according to 19th-century chemistry, cannot be further broken down. As many as seventy such elements have been distinguished. And you are no doubt also aware that, due to the phenomena that have been observed in connection with certain specific elements—for example, radium—or in connection with various phenomena in the study of electricity, the concept of elements has been shaken in various ways, leading to the view that what we know as the approximately seventy elements is merely a provisional boundary of matter, and that decomposition can be traced back further to a single fundamental substance, which then differentiates only through internal combination, through the internal essential element, which at one time specializes into gold, at another into potassium, calcium, and so on.
[ 7 ] Das sind veränderliche wissenschaftliche Theorien. Und geradeso wie sich die wissenschaftlichen Theorien im Laufe von je fünfzig Jahren im 19. Jahrhundert verändert haben, wie es dahin kommen konnte, daß gewisse Physiker in dem, was Materie sein soll, etwas mit Entitäten, mit Wesenheiten zu Bezeichnendes sahen, etwas, was von der Elektrizität hergenommen ist, wie jetzt die Ionentheorie — das sind wissenschaftliche Moden —, ebenso werden in gar nicht so ferner Zeit andere wissenschaftliche Moden existieren, und man wird sich die Materie anders konstituiert denken. Das sind Tatsachen. Die wissenschaftlichen Meinungen sind veränderlich, müssen auch veränderlich sein, denn sie hängen ganz ab von den jeweiligen Tatsachen, die gerade auf ein Zeitalter besonders signifikant wirken. Dagegen hat die geisteswissenschaftliche Lehre durch alle Epochen hindurchgehend, so lange es Erdenkulturen gibt — und sie wird so lange hindurchgehen, solange es eine Erdenkultur geben wird —, immer eine einheitliche, gleiche Anschauung gehabt über das Wesen des materiellen Daseins, über die Materie. Um Sie auf das zu führen, was die Geisteswissenschaft als das Wesentliche der Materie, des Materiellen ansieht, möchte ich folgendes sagen:
[ 7 ] These are evolving scientific theories. And just as scientific theories changed over the course of fifty-year periods in the 19th century—as it came to pass that certain physicists saw in what is supposed to be matter something to be described in terms of entities, of essences, something derived from electricity, such as the current ion theory—these are scientific fads— so too will other scientific fads exist in the not-too-distant future, and people will conceive of matter as being constituted differently. These are facts. Scientific opinions are changeable; they must also be changeable, for they depend entirely on the respective facts that have a particularly significant effect on a given era. In contrast, the teaching of spiritual science, throughout all epochs, for as long as there have been earthly cultures—and it will continue for as long as there is an earthly culture—has always held a unified, consistent view of the nature of material existence, of matter. To guide you toward what spiritual science regards as the essence of matter, of the material, I would like to say the following:
[ 8 ] Sie kennen den ganz gewöhnlichen Vorgang: wenn wir Eis haben, ist das ein fester Körper, eine feste Materie. Diese Materie ist nicht fest durch ihre eigentliche Wesenheit, sondern sie ist eine feste Materie nur durch äußere Umstände. Sie ist sofort keine feste Materie mehr, wenn wir die Temperatur in entsprechender Weise erhöhen; da ist sie eine flüssige Materie. Wie sich eine Materie in der äußeren Welt darlebt, das hängt also nicht ab von dem, was in ihr selber ist, sondern von den ganzen Verhältnissen des umgebenden Weltalls. — Dann können wir weiter dieser Materie Wärme zuführen, und aus dem Wasser wird von einem bestimmten Punkt ab Dampf. So haben wir Eis, Wasser, Dampf und haben durch die Erhöhung der Temperatur der Umgebung etwas herbeigeführt, was wir bezeichnen können als «die Materie in den verschiedensten Formen». So haben wir an der Materie, wie sie sich uns darstellt, nicht nach einer innerlichen, sie konstituierenden Wesensart zu unterscheiden, sondern wir müssen uns klar sein, daß die Art, wie Materie uns entgegentritt, von der Art der Gesamtkonstitution des Weltalls abhängt und daß man nichts vom ganzen Weltall in einzelne Materien trennen darf.
[ 8 ] You are familiar with this very common process: when we have ice, it is a solid, a solid substance. This matter is not solid by its very nature, but is a solid only due to external circumstances. It ceases to be a solid immediately when we raise the temperature accordingly; then it becomes a liquid. How a substance manifests itself in the external world does not depend on what is within it, but on the entire conditions of the surrounding universe. — Then we can continue to apply heat to this matter, and from a certain point onward, the water turns into steam. Thus we have ice, water, and steam, and by raising the temperature of the environment we have brought about what we can describe as “matter in its most diverse forms.” Thus, we must not distinguish matter, as it presents itself to us, according to an internal, constitutive nature, but we must be clear that the way matter appears to us depends on the nature of the universe’s overall constitution, and that one must not separate anything from the entire universe into individual forms of matter.
[ 9 ] Nun liegen allerdings die Dinge so, daß die Methoden der heutigen Wissenschaft überhaupt nicht ausreichen, um zu dem zu kommen, wozu Geisteswissenschaft kommen kann. Es kann die heutige Wissenschaft mit ihren Mitteln die Materie, die in der Form eines Stückes Eis durch Temperaturerhöhung erst flüssig und dann dampfförmig wird, niemals so weit führen, daß sie bis zu dem auf der Erde als letzten erreichbaren Zustand kommt, in welchen jede Materie überzuführen ist. Es ist nicht möglich, heute mit wissenschaftlichen Mitteln solche Verhältnisse herbeizuführen, wodurch etwa gezeigt werden könnte: Wenn du Gold nimmst und es immer weiter verdünnst, so weit als du es nur auf der Erde verdünnen kannst, dann kommst du zuletzt zu diesem oder jenem Zustand. Wenn du mit Silber dasselbe machst, ist es ebenso, bei Kupfer auch, und so weiter. — Die Geisteswissenschaft kann das, weil sie zuletzt fußt auf den hellseherischen Forschungsmethoden. Dadurch ist sie imstande, eines zu beobachten: Wie in den, man könnte sagen, Zwischenräumen unserer Materien immer sich ein Gleiches überall findet, ein Gleiches, welches in der Tat die äußerste Grenze darstellt, zu dem überhaupt Materie gebracht werden könnte, was für eine Materie es auch immer sein mag. Es gibt wirklich einen für hellseherische Forschung erreichbaren Auflösungszustand aller Materie, wo sich alle Materie in einem dabei Gleichen zeigt; nur ist das, was da auftritt, nicht mehr Materie, sondern etwas, was jenseits aller spezialisierten Materien liegt, die uns umgeben. Und jede einzelne Materie stellt sich dann dar als ein aus dieser Grundmaterie — es ist ja keine Materie mehr — Kondensiertes, Verdichtetes, ob Sie Gold, Silber oder was immer für eine Materie haben. Es gibt ein Grundwesen unseres materiellen Erdenseins, von dem alles Materielle nur durch Verdichtung zustande gekommen ist. Und auf die Frage: Was ist das für eine Grundmaterie unseres Erdendaseins? — antwortet die Geisteswissenschaft: Jede Materie auf der Erde ist kondensiertes Licht! Es gibt nichts im materiellen Dasein, was etwas anderes wäre als in irgendeiner Form verdichtetes Licht. Daher sehen Sie, daß es für denjenigen, der die Tatsachen kennt, nicht eine Theorie zu begründen gibt wie etwa die Schwingungshypothese des 19. Jahrhunderts, in welcher man versuchte, Licht darzustellen mit Mitteln, die selber gröber sind als das Licht. Licht ist nicht auf etwas anderes in unserem materiellen Dasein zurückzuführen. Wo Sie hingreifen und eine Materie anfühlen, da haben Sie überall kondensiertes, zusammengepreßtes Licht. Materie ist ihrem Wesen nach Licht.
[ 9 ] The fact is, however, that the methods of modern science are entirely insufficient to achieve what spiritual science can achieve. With its current means, modern science can never take matter—which, in the form of a piece of ice, first becomes liquid and then vaporous through an increase in temperature—far enough to reach the final state attainable on Earth, into which all matter can be transformed. It is not possible today to use scientific means to create conditions that could demonstrate, for example: If you take gold and dilute it further and further, as far as you can dilute it on Earth, you will eventually arrive at this or that state. If you do the same with silver, it is the same; with copper as well, and so on. — Spiritual science can do this because it is ultimately based on clairvoyant research methods. Through this, it is able to observe one thing: how, in the, one might say, interstices of our materials, one always finds the same thing everywhere—a sameness that in fact represents the outermost limit to which any material whatsoever could be brought, whatever kind of material it may be. There truly is a state of dissolution of all matter attainable through clairvoyant research, where all matter reveals itself as this same thing; only what appears there is no longer matter, but something that lies beyond all the specialized forms of matter that surround us. And every single form of matter then presents itself as something condensed and compacted from this fundamental matter—it is, after all, no longer matter—whether it be gold, silver, or whatever form of matter you have. There is a fundamental essence of our material existence on Earth, from which all material things have come into being solely through condensation. And to the question: What is this fundamental matter of our earthly existence? — spiritual science answers: Every form of matter on Earth is condensed light! There is nothing in material existence that is anything other than light condensed in some form. Therefore, you see that for those who know the facts, there is no need to formulate a theory such as the 19th-century wave hypothesis, in which one attempted to describe light using means that are themselves coarser than light. Light cannot be reduced to anything else in our material existence. Wherever you reach out and touch a material object, you find condensed, compressed light everywhere. Matter is, in its essence, light.
[ 10 ] Damit haben wir vom geisteswissenschaftlichen Standpunkt aus auf die eine Seite der Sache hingewiesen. Wir haben also dasjenige, was allem materiellen Dasein zugrunde liegt, im Lichte zu sehen. Und wenn wir den materiellen Menschenleib ansehen, so ist auch er, insofern er materiell ist, nichts anderes als aus Licht Gewobenes. Insofern der Mensch ein materielles Wesen ist, ist er aus Licht gewoben.
[ 10 ] From the perspective of spiritual science, we have thus highlighted one aspect of the matter. We must therefore view that which underlies all material existence in the light. And when we look at the material human body, it too, insofar as it is material, is nothing other than something woven from light. Insofar as the human being is a material being, he is woven from light.
[ 11 ] Nunmehr nehmen wir die andere Frage: Was ist das Wesen des Seelischen? — Wenn wir in ähnlicher Weise mit geisteswissenschaftlichen Mitteln das Substantielle, das wirkliche Grundwesen des Seelischen erforschen würden, so würde sich uns darstellen — so wie alles Materielle nur zusammengepreßtes Licht ist —, daß alle noch so verschiedenen seelischen Erscheinungen auf der Erde sich uns ergeben als Modifikationen, als mannigfaltige Umformungen dessen, was genannt werden muß, wenn wir die Grundbedeutung dieses Wortes wirklich erfassen: Liebe. Jede Regung seelischer Art, wo sie auch immer auftritt, ist in irgendeiner Weise modifizierte Liebe. Und wenn wir Inneres und Äußeres beim Menschen gleichsam ineinandergesteckt haben, ineinandergeprägt haben, so haben wir seine äußere Leiblichkeit gewoben aus Licht, sein inneres Seelisches haben wir gewoben in einer vergeistigten Weise aus Liebe. Liebe und Licht sind in der Tat in allen Erscheinungen unseres Erdendaseins irgendwie ineinandergewoben. Und wer geisteswissenschaftlich die Dinge zu begreifen hat, der fragt in allererster Linie: Wie sind in irgendeinem Grade Liebe und Licht ineinander verwoben?
[ 11 ] Let us now turn to the other question: What is the nature of the soul? — If we were to investigate the substantial, the true fundamental nature of the soul in a similar way using the methods of spiritual science, it would become clear to us — just as all material things are merely compressed light — that all the seemingly diverse soul phenomena on Earth present themselves to us as modifications, as manifold transformations of what must be called, if we truly grasp the fundamental meaning of this word: love. Every impulse of a soulful nature, wherever it may arise, is in some way modified love. And when we have, as it were, interwoven the inner and the outer in the human being, imprinted them into one another, we have woven his outer physicality from light, and his inner soul life we have woven in a spiritualized way from love. Love and light are indeed, in some way, interwoven in all manifestations of our earthly existence. And anyone who seeks to understand these things from a spiritual-scientific perspective asks, first and foremost: How are love and light interwoven to some degree?
[ 12 ] Liebe und Licht sind die zwei Elemente, die zwei Komponenten, die alles Erdendasein durchsetzen: Liebe als seelisches Erdendasein, Licht als äußeres materielles Erdendasein.
[ 12 ] Love and light are the two elements, the two components, that permeate all earthly existence: love as the spiritual aspect of earthly existence, light as the external, material aspect of earthly existence.
[ 13 ] Nun aber tritt gerade jetzt dasjenige ein, daß für die beiden Elemente Licht und Liebe, die sonst eigentlich nach dem großen Gange des Weltendaseins nebeneinanderstehen würden, ein Vermittler da sein muß, der das eine Element in das andere hineinverwebt, der Licht in Liebe hineinverwebt. Das muß eine Macht sein, welche sozusagen kein besonderes Interesse hat an der Liebe, die also hineinverwebt in das Element der Liebe das Licht — die nur Interesse daran hat, dem Lichte die größtmögliche Ausbreitung zu geben, die also Licht hineinstrahlen läßt in das Element der Liebe. Eine solche Macht kann keine Erdenmacht sein, denn die Erde ist gerade der Kosmos der Liebe. Die Erde hat die Mission, die Liebe überall hineinzuverweben. Also alles, was mit dem Erdendasein so recht verknüpft ist, hat kein Interesse, das nicht irgendwie von der Liebe berührt sein würde.
[ 13 ] But now, precisely at this moment, what occurs is that for the two elements of light and love—which, following the general course of worldly existence, would otherwise stand side by side—there must be a mediator who weaves one element into the other, who weaves light into love. This must be a power that, so to speak, has no particular interest in love—a power that weaves light into the element of love—a power that is concerned only with giving light the greatest possible expansion, a power that thus allows light to shine into the element of love. Such a power cannot be an earthly power, for the Earth is precisely the cosmos of love. The Earth has the mission of weaving love into everything. Thus, everything that is truly connected to earthly existence has no interest that is not in some way touched by love.
[ 14 ] Ein solches Interesse aber haben die luziferischen Wesenheiten; die sind gerade auf dem Monde zurückgeblieben, auf dem Kosmos der Weisheit. Sie haben besonders das Interesse, Licht in Liebe hineinzuweben. Daher sind in der Tat die luziferischen Wesenheiten überall am Werke, wo unser Inneres, das eigentlich aus Liebe gewoben ist, irgendwie in Zusammenhang tritt mit dem Lichte, wo es in. irgendeiner Form vorhanden ist; und Licht tritt uns ja in allem materiellen Dasein entgegen. Kommen wir nur irgendwie mit dem Licht in Zusammenhang, so treten die luziferischen Wesenheiten auf, und es verwebt sich das Luziferische in die Liebe. Dadurch ist der Mensch im Laufe der Verkörperungen überhaupt erst in das luziferische Element hineingekommen: Luzifer hat sich verwoben mit dem Elemente der Liebe. So daß in dasjenige, was aus Liebe gewoben ist, sich hineinpreßt das Element des Luzifer, das uns allein dasjenige bringen kann, was die Liebe nicht nur eine restlose Hingabe sein läßt, sondern was die Liebe durchsetzt mit Weisheit, so daß sie eine aus einem Innersten mit Weisheit durchsetzte Liebe ist. Denn sonst, ohne diese Weisheit, wäre die Liebe eine selbstverständliche Kraft, für die der Mensch nicht verantwortlich sein könnte.
[ 14 ] But the Luciferic beings have precisely this interest; they are the ones who remained behind on the Moon, the cosmos of wisdom. They are particularly interested in weaving light into love. That is why the Luciferic beings are indeed at work wherever our inner being—which is actually woven from love—comes into contact in any way with light, wherever it is present in any form; and light, after all, confronts us in all material existence. As soon as we come into contact with light in any way, the Luciferic beings appear, and the Luciferic weaves itself into love. It is through this that human beings have entered into the Luciferic element in the first place in the course of their incarnations: Lucifer has interwoven himself with the element of love. So that into that which is woven from love, the element of Lucifer presses itself, which alone can bring us that which not only allows love to be a complete surrender, but which permeates love with wisdom, so that it is a love permeated with wisdom from within. For otherwise, without this wisdom, love would be a self-evident force for which the human being could not be responsible.
[ 15 ] So aber wird die Liebe zur eigentlichen Ich-Kraft, in die hineinverwoben wird das luziferische Element, das sonst nur draußen im Materiellen war. Dadurch wird es erst möglich, daß unser Inneres, dem im Erdendasein das Merkmal der Liebe in allem Umfange zukommen müßte, durchsetzt wird von all dem andern, was wir als ein Wirken des Luzifer bezeichnen können und was von dieser Seite her zu einer Durchdringung des äußeren Materiellen führt, so daß Liebe nicht nur von dem durchwoben wird, was vom Licht gewoben ist, sondern daß solche Liebe entsteht, die von Luzifer durchzogen ist. Indem der Mensch das luziferische Element aufnimmt, durchwebt er das materielle Dasein in seiner eigenen Leiblichkeit mit einem solchen Seelischen, das zwar aus Liebe gewoben ist, wo aber hineinverwoben ist das luziferische Element. Die mit dem luziferischen Element durchsetzte Liebe, die sich in das Materielle hineinimprägniert, das ist die von innen heraus wirkende Krankheitsursache. Und in Anknüpfung an alles, was wir früher angeführt haben als eine notwendige Folge der aus dem luziferischen Element herrührenden Erkrankung, dürfen wir jetzt sagen: Was wir als eine solche Folge im Schmerz zu sehen haben — wir haben ja gesehen, wie der Schmerz eine Folge des luziferischen Elementes ist —, das zeigt uns die Wirkung der karmischen Gesetzmäßigkeit in der Weise, daß die Wirkung einer Tat oder einer Versuchung, die von Luzifer her Fu. rührt, sich karmisch dergestalt auslebt, daß im Schmerz sich kundgibt, was zur Überwindung der betreffenden Wirkung führen soll.
[ 15 ] In this way, however, love becomes the true power of the self, into which the Luciferic element—which otherwise existed only outside in the material world—is woven. This is what makes it possible for our inner being—which, in earthly existence, ought to be imbued with the quality of love in its fullest extent—to be permeated by all that else which we may call the working of Lucifer, and which, from this side, leads to a permeation of the outer material world, so that love is not only interwoven with what is woven from light, but such love arises that is permeated by Lucifer. By taking in the Luciferic element, the human being interweaves material existence in their own physicality with a spiritual quality that is indeed woven from love, but into which the Luciferic element is woven. Love interwoven with the Luciferic element, which permeates the material world—this is the cause of illness working from within. And in connection with everything we have previously cited as a necessary consequence of the illness arising from the Luciferic element, we may now say: What we must see as such a consequence in pain—we have indeed seen how pain is a consequence of the Luciferic element—shows us the effect of karmic law in such a way that the effect of an act or a temptation originating from Lucifer plays out karmically in such a manner that what is to lead to the overcoming of the effect in question manifests itself in the pain.
[ 16 ] Wie ist es nun aber damit, ob wir in einem solchen Falle helfen dürfen? Dürfen wir hier helfen? Dürfen wir alles, was sich aus dem luziferischen Element hineingedrängt hat mit seinen ganzen Folgen in den Schmerz, in irgendeiner Weise beseitigen?
[ 16 ] But what about this: are we allowed to help in such a case? Are we allowed to help here? Are we allowed to remove, in any way, everything that has forced its way in from the Luciferic element, along with all its consequences, from the pain?
[ 17 ] Nach der Antwort auf die Frage nach dem Wesen des Seelischen ergibt sich uns als Notwendigkeit, daß wir das nur tun dürfen, wenn wir für einen Menschen, der das luziferische Element als Krankheitsursache in sich hat, das Mittel finden, um das Luziferische in der entsprechenden Weise zu vertreiben. Was ist das für ein Mittel allein, was stärker wirken muß, damit das luziferische Element in der richtigen Weise entfernt wird? Was ist verunreinigt durch das luziferische Element unserer Erde? — Die Liebe! Daher können wir nur durch Zuführung von Liebe wirkliche Hilfeleistung haben, damit das karmische Element sich in der entsprechend richtigen Weise abspielt. So haben wir letzten Endes bei allem, was in dieser Richtung zu Krankheitsursachen wird, in dem Element der Liebe, das beeinträchtigt worden ist im Seelischen durch den luziferischen Einfluß, etwas zu sehen, dem wir etwas zuführen müssen. Wir müssen Liebe einflößen, damit das, was als Liebestat einfließt, eine Hilfe sein kann. Diesen Charakter zugeführter Liebe haben alle diejenigen Heilungstaten, die sich mehr oder weniger auf das stützen, was man psychische Heilungsprozesse nennen kann. In irgendeiner Form hängt das, was bei psychischen Heilungsprozessen angewendet wird, zusammen mit der Zuführung von Liebe. Liebe ist es, was wir als Balsam dem andern Menschen einflößen. Auf Liebe muß es zuletzt zurückgeführt werden können. Und das kann es auch. Auf Liebe kann es zurückgeführt werden, wenn wir einfache psychische Faktoren in Bewegung setzen, wenn wir einen andern veranlassen, vielleicht auch nur sein herabgedrücktes Gemüt in Ordnung zu bringen. Das muß alles seinen Impuls in der Liebe haben, von einfachen Heilprozessen ausgehend bis zu dem, was heute oft in laienhafter Weise mit dem Namen «Magnetisieren» benannt wird.
[ 17 ] The answer to the question regarding the nature of the soul leads us to the conclusion that we may only do this if we find a remedy for a person who carries the Luciferic element within them as the cause of illness, a remedy capable of expelling the Luciferic element in the appropriate manner. What is the one remedy that must act more powerfully so that the Luciferic element is removed in the right way? What is defiled by the Luciferic element of our Earth? — Love! Therefore, we can only provide real help by imparting love, so that the karmic element may unfold in the appropriate and correct way. Thus, ultimately, in everything that becomes a cause of illness in this regard, we must see in the element of love—which has been impaired in the soul by the Luciferic influence—something to which we must contribute. We must instill love so that what flows in as an act of love can be of help. All acts of healing that are based more or less on what can be called psychic healing processes have this character of infused love. In some form, what is applied in psychic healing processes is connected with the infusion of love. It is love that we instill in another person as a balm. Ultimately, it must be possible to trace it back to love. And that is indeed possible. It can be traced back to love when we set simple psychological factors in motion, when we prompt another person, perhaps merely to restore their depressed state of mind. All of this must have its impulse in love, ranging from simple healing processes to what is often referred to today, in a layman’s way, as “magnetism.”
[ 18 ] Was wird dabei in Wirklichkeit von dem Heiler demjenigen mitgeteilt, der geheilt werden soll? Es ist — wenn wir mit einem Ausdruck der Physik sprechen wollen — ein «Austausch von Spannungen». Was in dem Heiler lebt, namentlich gewisse Prozesse im Ätherleibe, das wird dadurch, daß es in ein gewisses Verhältnis tritt zu dem, der geheilt werden soll, in eine Art Polarität gebracht zu dem zu Heilenden. Polarität wird hervorgerufen gerade so, wie Sie sonst in einem abstrakteren Sinne Polarität hervorrufen, wenn Sie die eine Art von Elektrizität, die positive, hervorrufen und die entsprechend andere, die negative, in einer gewissen Weise erscheint. Es werden Polaritäten hervorgerufen. Und das ist im eminentesten Sinne als eine Opfertat aufzufassen. Man ruft in sich selber in der Tat einen Prozeß hervor, der nicht nur dazu. bestimmt ist, in uns selber eine Bedeutung zu haben — sonst ruft man nur einen Prozeß hervor; in diesem Fall soll aber der Prozeß dazu bestimmt sein, in dem andern eine Polarität zu dem ersten Prozesse hervorzurufen. Und diese Polarität, die natürlich davon abhängt, daß der Heiler und der zu Heilende in irgendeinem Sinne in Zusammenhang gebracht werden, diesen andern Prozeß in dem andern hervorzurufen, ist im eminentesten Sinne die Hinopferung einer Kraft, die nichts anderes ist als umgewandelte Liebeskraft, Liebestat in irgendeiner Form. Das ist das eigentlich Wirkende bei solchen psychischen Heilungen: die in irgendeine Form umgewandelte Liebeskraft. Und wir müssen uns daher klar sein, daß ohne die zugrunde liegende Liebeskraft die Sache immer etwas haben wird, was nicht zu dem richtigen Ziele führen kann. Aber Liebesprozesse brauchen ja nicht immer nur so zu verlaufen, daß sich der Mensch dessen im gewöhnlichen Tagesbewußtsein vollständig bewußt ist; sie verlaufen auch in den unterbewußten Schichten. Sogar in dem, was als Technik der Heilprozesse angesehen werden kann, selbst in der Art, wie man zum Beispiel die Handstriche macht, wie sie technisch in ein System gebracht werden, auch da liegt schon darinnen, daß sie ein Abbild sind einer Opfertat. Also selbst da, wo wir nicht unmittelbar in einem Heilprozesse den Zusammenhang erblicken, wo wir nicht sehen, was getan wird, liegt doch vor eine Liebestat, wenn sie auch ganz und gar in Technik umgewandelt ist.
[ 18 ] What, in reality, does the healer communicate to the person who is to be healed? It is—to use a term from physics—an “exchange of tensions.” What lives within the healer, namely certain processes in the etheric body, is brought into a kind of polarity with the person to be healed by entering into a certain relationship with them. Polarity is brought about in exactly the same way as you would otherwise bring about polarity in a more abstract sense, when you induce one kind of electricity—the positive—and the corresponding other, the negative, appears in a certain way. Polarities are brought about. And this is to be understood in the most eminent sense as an act of sacrifice. One does indeed evoke within oneself a process that is not merely intended to have significance within oneself—otherwise one would merely be evoking a process; in this case, however, the process is intended to evoke in the other a polarity to the first process. And this polarity—which naturally depends on the healer and the one to be healed being brought into connection in some sense—of evoking this other process in the other person is, in the truest sense, the sacrifice of a force that is nothing other than transformed love force, an act of love in some form. That is what actually works in such psychic healings: the power of love transformed in some form. And we must therefore be clear that without the underlying power of love, the matter will always have something about it that cannot lead to the right goal. But love processes do not always have to proceed in such a way that the person is fully aware of them in ordinary daily consciousness; they also take place in the subconscious layers. Even in what can be regarded as the technique of healing processes, even in the way, for example, hand movements are performed, how they are technically systematized—even there it is already inherent that they are a reflection of an act of sacrifice. So even where we do not immediately perceive the connection in a healing process, where we do not see what is being done, there is still an act of love, even if it is entirely transformed into technique.
[ 19 ] So sehen wir, daß wir deshalb, weil das Seelische im Grundwesen Liebe ist, mit psychischen Heilfaktoren eingreifen können, die scheinbar sehr nach der Peripherie des menschlichen Wesens liegende Prozesse sein können, und daß durch solche Heilfaktoren das, was im Grundwesen Liebe ist, sich bereichert mit dem, was es braucht als Liebe. Da sehen wir die Hilfe von der einen Seite, die Hilfe, die wir leisten dürfen, weil wir dem Menschen Beistand gewähren müssen, damit er, nachdem er in die Fangarme Luzifers gekommen ist, sich auch wieder aus ihnen befreien kann. Weil das Grundwesen des Seelischen Liebe ist, dürfen wir sehr wohl das Karma in seiner Richtung beeinflussen.
[ 19 ] Thus we see that, because the soul’s fundamental nature is love, we can intervene with psychological healing factors—processes that may seem to lie very much on the periphery of the human being—and that through such healing factors, what is love in its fundamental nature is enriched with what it needs as love. Here we see the help from one side, the help we are permitted to provide because we must offer support to the human being so that, having fallen into the clutches of Lucifer, he may also free himself from them again. Because the fundamental nature of the soul is love, we are indeed permitted to influence karma in its direction.
[ 20 ] Nun — nach der andern Seite — fragen wir, was ist geworden aus dem aus Licht gewobenen Materiellen, wo das Seelische darinnensteckt? Was ist geschehen mit dem aus Licht gewobenen Materiellen des Menschen?
[ 20 ] Now—on the other hand—let us ask: what has become of the material substance woven from light, in which the soul is embedded? What has happened to the material substance of the human being, woven from light?
[ 21 ] Nehmen wir die Körperlichkeit eines Menschen, den äußeren Menschen in seiner materiellen Leiblichkeit. Würde nicht aus dem Seelischen heraus durch den karmischen Prozeß in das Materielle eingeprägt sein eine solche Liebessubstanz, die von Luzifer oder Ahriman durchsetzt wäre, würde nur eine reine Liebessubstanz einfließen, dann würden wir diese Liebessubstanz nicht als verunreinigend, als verschlechternd empfinden können für die aus Licht gewobene Materie. Würde bloß Liebe einfließen in die Materie, so würde sie so einfließen in die menschliche Leiblichkeit, daß diese nicht verschlechtert werden könnte; nur weil Liebe einfließen kann, welche luziferische oder ahrimanische Kräfte aufgenommen hat, kann die aus Licht gewobene Materie schlechter werden, als sie ursprünglich sein sollte. Also kann es nur herrühren von den während der aufeinanderfolgenden Inkarnationen in die Menschen eingeflossenen luziferischen oder ahrimanischen Schädigungen, daß wir in der menschlichen Organisation etwas vor uns haben, was nicht so ist, wie es sein sollte. Wäre es so, wie es sein sollte, so würde es die gesunde Menschenmaterie darstellen; aber da es die Wirkungen Ahrimans und Luzifers in sich aufgenommen hat, kann es krankes Leibliches sein.
[ 21 ] Let us consider the physicality of a human being, the outer human being in his material corporeality. If a substance of love—one permeated by Lucifer or Ahriman—were not imprinted into the material realm from the soul through the karmic process, but only a pure substance of love were to flow in, then we would not be able to perceive this substance of love as contaminating or corrupting the matter woven from light. If only love were to flow into matter, it would flow into the human physical body in such a way that it could not be corrupted; it is only because love can flow in that has absorbed Luciferic or Ahrimanic forces that the matter woven from light can become worse than it was originally intended to be. Thus, it can only be due to the Luciferic or Ahrimanic impairments that have flowed into human beings during successive incarnations that we find in the human organism something that is not as it ought to be. If it were as it ought to be, it would constitute healthy human matter; but since it has absorbed the effects of Ahriman and Lucifer, it can be a diseased physical body.
[ 22 ] Wie können wir nun von außen herausbringen die entsprechenden Einflüsse, die von innen durch ein nicht richtiges Seelisches, durch eine nicht richtige Liebessubstanz eingeflossen sind? Was geschieht denn mit dem Leiblichen dadurch, daß etwas Unrichtiges einfließt? Für die Geisteswissenschaft geschieht dadurch etwas, was aus gewobenem Lichte in irgendeiner Weise sein Gegenteil macht. Licht hat sein Gegenteil in einer irgendwie gearteten Finsternis. Alles, was sich real — so sonderbar es auch klingt — als die Verunreinigung dessen darstellt, das aus Licht gewoben ist, ist eine aus ahrimanischem oder luziferischem Einfluß hineingewobene Finsternis oder Dunkelheit. So sehen wir im menschlichen Materiellen hineingewobene Finsternis. Aber diese Finsternis wurde erst dadurch hineinverwoben, daß diese menschliche Leiblichkeit Träger wurde von dem, was sich als «Ich» durch die Inkarnationen hindurchlebt. Das war früher nicht darinnen. Nur ein menschliches Leibliches kann gerade spezifisch diese Verschlechterungen haben. Die waren früher nicht in dem, was das Licht gewoben hat.
[ 22 ] How, then, can we expel from the outside the corresponding influences that have flowed in from within through an incorrect spiritual state, through an incorrect substance of love? What happens to the physical body when something incorrect flows into it? For spiritual science, this results in something that, in some way, turns woven light into its opposite. Light has its opposite in some form of darkness. Everything that—as strange as it may sound—actually appears as a defilement of that which is woven from light is a darkness or gloom woven into it by Ahrimanic or Luciferic influence. Thus we see darkness woven into the human material. But this darkness was only woven in because this human physical body became the vehicle for what lives through the incarnations as the “I.” That was not there before. Only a human physical body can specifically have these degenerations. They were not present before in what the light had woven.
[ 23 ] Nun nimmt der Mensch heute die Grundlage zum Materiellen aus dem, was er im Verlaufe der Entwickelung nach und nach aus sich herausgesetzt hat. Das ist das Tierreich, das pflanzliche und das mineralische Reich. Diese enthalten auch die verschiedenen Materien, das heißt für das Erdendasein aus Licht Gewobenes. Aber in all diesen Materien ist noch nicht das darinnen, was im Verlaufe des menschlichen Karma hat vom Inneren des Menschen hineinkommen können in das menschliche materielle Dasein. Wir haben also in den drei Reichen um uns herum etwas, auf das der Mensch durch seinen luziferischen oder ahrimanischen Einfluß von sich aus, insofern er von seiner Liebessubstanz aus wirkt, niemals hat verunreinigend wirken können. Da drinnen ist nichts von ihm, so daß in seiner Reinheit hat ausgebreitet werden können dasjenige, was in bezug auf seine Reinheit beim Menschen verunreinigt ist. Wenn wir zum Beispiel draußen eine mineralische Materie haben, ein Salz oder etwas anderes, so ist das eine Materie, die der Mensch auch in sich trägt oder tragen kann; bei ihm ist sie aber durchwoben von dem, was wir die von Ahriman oder Luzifer verunreinigte Liebessubstanz nennen können. Draußen aber ist sie rein. So unterscheidet sich jede Substanz draußen von dem, was der Mensch als Substanz in sich trägt. Draußen ist es immer anders, als es im Menschen ist, weil es bei ihm durchwoben ist vom ahrimanischen und luziferischen Einfluß. Das ist der Grund, warum für alles, was der Mensch mehr oder weniger an seiner äußeren Substantialität verderben kann, draußen etwas zu finden sein muß, was das Entsprechende im reinen Zustande darstellt, ohne daß die menschliche Schädigung darinnen ist. Was draußen existiert in der Welt ohne Schädigung, das ist das äußere Heilmittel für das entsprechend Geschädigte. Führen Sie das der menschlichen Wesenheit zu in richtiger Weise, dann haben Sie das Spezifikum für die entsprechende Schädigung.
[ 23 ] Today, human beings derive the basis for the material world from what they have gradually projected outward from within themselves in the course of evolution. These are the animal, plant, and mineral kingdoms. These also contain the various materials—that is, what has been woven from light for earthly existence. But in all these materials there is not yet that which, in the course of human karma, has been able to enter human material existence from within the human being. We therefore have in the three kingdoms around us something that human beings, through their Luciferic or Ahrimanic influence, have never been able to contaminate of their own accord, insofar as they act from their substance of love. There is nothing of them within it, so that what is contaminated in the human being with regard to its purity has been able to spread out in its purity. If, for example, we have a mineral substance outside, a salt or something else, this is a substance that human beings also carry or can carry within themselves; but in them it is interwoven with what we might call the love substance defiled by Ahriman or Lucifer. Outside, however, it is pure. Thus every substance outside differs from what human beings carry as substance within themselves. Out there, it is always different from what it is within the human being, because within the human being it is interwoven with the Ahrimanic and Luciferic influences. That is the reason why, for everything that the human being can more or less corrupt in his or her outer substantiality, there must be something to be found out there that represents the corresponding substance in its pure state, without the human corruption being present within it. What exists in the world without damage is the external remedy for the corresponding damage. If you introduce this into the human being in the right way, then you have the specific remedy for the corresponding damage.
[ 24 ] Da haben Sie ganz objektiv dasjenige, was Sie dem menschlichen Leib als Heilmittel zuführen. Da haben Sie charakterisiert die Schädigung als spezifizierte Dunkelheit, dasjenige, was noch nicht dunkel ist, als das außen gewobene reine Licht — und Sie sehen, warum Sie die im Menschen befindliche Dunkelheit, die dunkle Materie, aufheben können, wenn Sie ihm reine, aus Licht gewobene Materie beibringen können. So haben wir in der reinen, aus Licht gewobenen Materie ein spezifisches Heilmittel gegen die Schädigung.
[ 24 ] There you have, quite objectively, what you administer to the human body as a remedy. There you have characterized the damage as specific darkness, that which is not yet dark as the pure light woven from the outside—and you see why you can remove the darkness within the human being, the dark matter, if you can impart to them pure matter woven from light. Thus, in the pure matter woven from light, we have a specific remedy for the damage.
[ 25 ] Es handelt sich nun darum — und oft wurde darauf aufmerksam gemacht, daß es ein Irrtum ist, dem gerade die Theosophie nicht verfallen darf — ,daß es eine Engherzigkeit wäre, wenn man leugnen wollte, daß es eigentlich doch in solchen Fällen etwas gibt, was man bei dieser oder jener Schädigung als ein auf dieses oder jenes Organ wirksames spezifisches Heilmittel verabreichen kann. Es wurde freilich oft gesagt, daß der Organismus die Kräfte habe, sich zu helfen; aber wenn auch das richtig ist, was die Wiener Schule der nihilistischen Therapie geltend gemacht hat: durch die Aufrufung der Gegenkräfte den Heilprozeß einzuleiten —,so können wir dennoch durch spezifische Mittel dem Heilprozeß entgegenkommen. Hier sehen wir einen Parallelismus herrschen, den man aus der Geisteswissenschaft heraus schildern kann.
[ 25 ] The point is now—and it has often been pointed out that this is an error to which theosophy, in particular, must not fall prey—that it would be narrow-minded to deny that, in such cases, there is actually something that can be administered as a specific remedy effective on this or that organ for this or that ailment. It has, of course, often been said that the organism possesses the powers to help itself; but even if what the Vienna School of nihilistic therapy has asserted is correct—that the healing process is initiated by invoking counterforces—we can nevertheless assist the healing process through specific remedies. Here we see a parallelism at work that can be described from the perspective of spiritual science.
[ 26 ] Aus dem, was ich geschildert habe zum Beispiel über Diphtherie, können Sie entnehmen, daß es sich dabei um etwas handelt, was ganz besonders in der karmischen Ursache den astralischen Leib getroffen hat. Nun finden wir etwas, was diesem astralischen Leib am nächsten verwandt ist, in der Umgebung des Menschen, in dem Tierreich. Daher werden Sie bei denjenigen Krankheitsformen, die dem astralischen Leib eminent nahe stehen, immer finden, daß die Heilwissenschaft unbewußt, aus einem dunklen Triebe heraus, nach Mitteln sucht, die aus dem Tierreich hergenommen sind. Bei solchen Krankheiten, deren Ursache im Ätherleib liegt, greift die Heilwissenschaft nach Mitteln aus dem Pflanzenreich. Und es könnte jetzt ein interessanter Vortrag gehalten werden zum Beispiel über die Beziehung der Digitalis purpurea zu gewissen Herzkrankheiten. Das sind Dinge, die, insofern sie auf Wirklichkeit beruhen, nicht bloß fünf Jahre richtig sind und dann anfangen falsch zu werden, wie ein Mediziner sagte und wie es tatsächlich der Fall ist, wenn nur aus äußeren Symptomen geschlossen wird. Aber es gibt einen gewissen Schatz von Heilmitteln, der immer auf irgendeinen Zusammenhang mit der Geisteswissenschaft zurückgeht, der sich vererbt hat, ohne daß die Leute wissen, woher er gekommen ist. Ebenso wie es heute die Astronomen nicht wissen, daß die Kant-Laplacesche Theorie aus den Geheimschulen des Mittelalters gekommen ist, so wissen es die Leute nicht, woher die eigentlichen Heilschätze oft stammen. — Und Krankheitsursachen, die mit der Wesenheit des physischen Leibes zusammenhängen, führen dann zur Anwendung von Heilmitteln aus dem Mineralreich.
[ 26 ] From what I have described, for example regarding diphtheria, you can see that this is something that has affected the astral body in a particularly significant way in terms of karmic causes. Now we find something most closely related to this astral body in the human environment, in the animal kingdom. Therefore, in the case of those forms of illness that are eminently close to the astral body, you will always find that medical science, unconsciously and out of a dark impulse, seeks remedies derived from the animal kingdom. For such diseases whose cause lies in the etheric body, medical science turns to remedies from the plant kingdom. And an interesting lecture could now be given, for example, on the relationship of Digitalis purpurea to certain heart diseases. These are things that, insofar as they are based on reality, are not merely correct for five years and then begin to be wrong, as a physician said and as is indeed the case when conclusions are drawn solely from external symptoms. But there is a certain treasure trove of remedies that always traces back to some connection with spiritual science, which has been handed down without people knowing where it came from. Just as astronomers today do not know that the Kant-Laplace theory originated in the secret schools of the Middle Ages, so people do not know where the true treasures of healing often come from. — And causes of disease related to the nature of the physical body then lead to the use of remedies from the mineral kingdom.
[ 27 ] Selbst durch diese analogen Anschauungen kann also ein Fingerzeig auf die Sache gegeben werden. Daher ist für den Menschen durch den Zusammenhang mit der uns umgebenden Welt die Möglichkeit vorhanden, daß ihm von zwei Seiten her geholfen wird: indem man ihm auf der einen Seite modifizierte Liebe beibringt in den psychischen Heilprozessen, oder anderseits in der verschiedensten Weise modifiziertes Licht bei jenen Prozessen, die irgendwie mit äußeren Heilprozessen zusammenhängen. Alles, was getan werden kann, wird entweder mit inneren psychischen Mitteln, mit Liebe, oder mit äußeren Mitteln, mit irgendwie verdichtetem Licht, geleistet. Und wenn einmal die Wissenschaft so weit sein wird, daß sie lernen wird, an das Übersinnliche zu glauben und an den Satz: Materie ist irgendwie kondensiertes Licht —, dann wird von diesem Grundsatz aus ein geistiges Licht geworfen werden auf das systematische Suchen nach der Art, wonach mit äußeren Mitteln dem Menschen geholfen werden kann. Daraus sehen wir, wie in dem, was während langer Zeiträume aus den Geheimschulen des alten Ägypten und des alten Griechenland heraus nach und nach dem Heilschatze zugefügt worden ist, nicht nur ein bloßer Unsinn steckt, sondern daß in den Sachen überall ein gesunder Kern vorhanden ist. Theosophie ist nicht dazu da, um eine gewisse Partei zu ergreifen, um etwa zu sagen: Das ist eine Richtung, die bringt dem Menschen Gift bei! — Das Wort Gift wirkt ja heute geradezu suggestiv, und die Leute denken nicht daran, wie relativ dieses Wort ist. Was ist denn eigentlich ein Gift? Jeder Stoff kann ein Gift sein. Es kommt nur auf die Heilweise an und auf die Menge, die auf einmal genossen wird. Wasser ist ein starkes Gift, wenn man zehn Liter auf einmal genießt. Diese Wirkung, innerlich chemisch erfaßt, unterscheidet sich gar nicht besonders davon, daß man dem Menschen irgendeinen andern Stoff zuführt. Es kommt immer auf die Menge an, denn alle diese Begriffe sind relativ.
[ 27 ] Even these analogical perspectives can thus offer a clue to the matter. Therefore, through our connection with the world around us, human beings have the possibility of receiving help from two sides: on the one hand, by being taught modified love in the psychological healing processes, or on the other hand, through light modified in various ways in those processes that are in some way connected with external healing processes. Everything that can be done is accomplished either through inner psychic means, through love, or through external means, through light condensed in some way. And once science has advanced to the point where it learns to believe in the supersensible and in the principle that matter is light condensed in some way—then, based on this principle, a spiritual light will be shed on the systematic search for ways in which human beings can be helped through external means. From this we see that what has been gradually added to the treasury of healing over long periods of time from the mystery schools of ancient Egypt and ancient Greece contains not merely nonsense, but that a sound core is present in these matters everywhere. Theosophy is not there to take a certain side, to say, for example: This is a direction that teaches people poison! — The word “poison” has a downright suggestive effect today, and people do not consider how relative this word is. What, after all, is a poison? Any substance can be a poison. It all depends on the method of administration and the amount consumed at once. Water is a potent poison if one drinks ten liters at once. This effect, understood chemically from within, is not particularly different from administering any other substance to a person. It always depends on the amount, for all these concepts are relative.
[ 28 ] Aus dem, was wir heute durchschaut haben, können wir sagen: Wir können froh sein, daß selbst für das, was sich der Mensch an Schädigung einverleiben kann, in alledem, was uns als Natur umgibt — wie wir jetzt den Weltprozeß ansehen —, das Gesundende sich irgendwie finden muß, so daß der Mensch die Schädigung wieder überwinden kann. Und das ist auch ein schönes Gefühl, das wir gegenüber der Außenwelt haben können: Wir können uns nicht nur über die Außenwelt freuen, weil sie uns sprießende Blumen schenkt oder uns im Lichtglanz die Berge erstrahlen läßt, sondern wir können uns auch deshalb über sie freuen, weil alles um uns herum in einer so innigen Beziehung steht zu dem, was im Menschen selbst als gut oder böse bezeichnet werden kann. Wir können uns in der Natur nicht nur über das freuen, was uns zunächst anspricht; sondern je tiefer wir eindringen in das, was sich bis zum äußeren materiellen Dasein verdichtet hat, desto mehr werden wir finden: Diese uns erfreuende Natur hat in sich zugleich den mächtigen Heiler für alles, was sich der Mensch als Schädigung zuführen kann, irgendwie ist der Heiler in der Natur verborgen. Es handelt sich nur darum, die Sprache des Heilers nicht bloß zu verstehen, sondern ihr auch zu gehorchen und sie wirklich auszuführen. Und heute haben wir in den meisten Fällen aus dem Grunde nicht die Möglichkeit, der Sprache der heilenden Natur zu gehorchen, weil die Verkennung des Lichtes, weil die Finsternis, die sich auch in die Erkenntnis hineingemischt hat, in vieler Beziehung Zustände herbeigeführt hat, welche es nicht gestatten, der reinen Sprache der Natur zu folgen. Und so müssen wir uns darüber klar sein: Wo in einem Falle keine Hilfe geleistet, wo ein Leiden wegen karmischer Zusammenhänge nicht gemildert werden kann, würde das nicht bedeuten, daß es absolut nicht gemildert werden könnte.
[ 28 ] From what we have come to understand today, we can say: We can be glad that even for the harm that human beings can take into themselves, in all that surrounds us as nature—as we now view the world process—the healing must somehow be found, so that human beings can overcome the harm again. And this is also a beautiful feeling we can have toward the external world: We can rejoice in the external world not only because it gives us blooming flowers or lets the mountains shine in the radiance of light, but we can also rejoice in it because everything around us stands in such an intimate relationship to what can be described as good or evil within human beings themselves. In nature, we can rejoice not only in what first appeals to us; but the deeper we penetrate into what has condensed down to external material existence, the more we will find: this nature that delights us also contains within itself the powerful healer for everything that human beings can inflict upon themselves as harm; somehow, the healer is hidden within nature. It is simply a matter of not merely understanding the language of the healer, but also obeying it and truly putting it into practice. And today, in most cases, we do not have the opportunity to obey the language of healing nature because the misrecognition of the light, because the darkness that has also mingled itself into knowledge, has in many respects brought about conditions that do not permit us to follow the pure language of nature. And so we must be clear about this: where help cannot be provided in a given case, where suffering cannot be alleviated due to karmic connections, this does not mean that it could not be alleviated at all.
[ 29 ] So sehen wir auch hier wieder einen merkwürdigen Zusammenhang, der uns doch wieder die ganze große Welt einschließlich des Menschen ais ein Wesen erscheinen läßt. In dem Satze: Materie ist gewobenes Licht, Seelisches ist in irgendeiner Weise verdünnte Liebe —, liegen die Schlüssel für unzählige Geheimnisse des Erdendaseins. Die gelten aber nur für das Erdendasein und für kein anderes Gebiet des Weltendaseins. Damit haben wir ja nichts Geringeres gezeigt, als daß wir, wenn wir dem Karma irgendeine Richtungsänderung geben, uns in dem einen oder andern Falle mit dem verbinden, was gerade die zusammensetzenden Elemente unseres Erdendaseins sind: auf der einen Seite mit dem zur Materie gewordenen Licht, auf der andern Seite mit der zum Seelischen gewordenen Liebe. Wir entnehmen das Heilmittel entweder aus der Umgebung, aus dem dichtgewordenen Licht oder aus unserer eigenen Seele, aus der heilenden Liebestat, Opfertat, und heilen dann mit der aus der Liebe gewonnenen seelischen Kraft. Wir verbinden uns mit dem, was auf der Erde im tiefsten Inneren berechtigt ist, wenn wir uns auf der einen Seite verbinden mit dem Licht, auf der andern Seite mit der Liebe, Alle Erdenzustände sind irgendwie Gleichgewichtszustände zwischen Licht und Liebe. Und ungesund ist eine Störung in dem Gleichgewicht zwischen Licht und Liebe. Ist irgendwo die Störung in der Liebe, so können wir helfen, indem wir die Kraft der Liebe selbst entfalten; und ist die Störung im Lichte, so können wir helfen, indem wir uns im Weltall irgendwie dasjenige Licht verschaffen, welches die Finsternis in uns aufheben kann.
[ 29 ] Here, too, we see a remarkable connection that once again makes the entire vast world, including human beings, appear to us as a single entity. In the statement: “Matter is woven light; the soul is, in some way, diluted love”—herein lie the keys to countless mysteries of earthly existence. But these apply only to earthly existence and to no other realm of worldly existence. In doing so, we have demonstrated nothing less than that when we give karma any change of direction, we connect in one case or another with precisely those elements that constitute our earthly existence: on the one hand with light that has become matter, on the other hand with love that has become the soul. We draw the remedy either from our surroundings, from light that has become dense, or from our own soul, from the healing act of love, the act of sacrifice, and then heal with the soul power gained from love. We connect with what is right at the very core of the Earth when we connect, on the one hand, with light, and on the other, with love. All earthly conditions are, in a sense, states of equilibrium between light and love. And what is unhealthy is a disturbance in the balance between light and love. If the disturbance lies in love, we can help by unfolding the power of love itself; and if the disturbance lies in the light, we can help by somehow obtaining from the universe that light which can dispel the darkness within us.
[ 30 ] Da haben Sie die Grundelemente des menschlichen Helfens. Sie zeigen, wie alles im Erdendasein auf Gleichgewichtslagen beruht von einander entgegengesetzten oder einander gegenüberstehenden Elementen. Licht und Liebe sind eigentlich sich gegenüberstehende Elemente. Aber auf ihrem Ineinanderverwobensein beruht zuletzt alles, was in unserem Erdenleben an Seelischem und an Materiellem vor sich geht. Daher dürfen wir uns nicht wundern, wenn auf allen Gebieten des Menschenlebens von Epoche zu Epoche die Fortentwickelung so geschieht, daß gleichsam die Gleichgewichtslage nach der einen Seite besonders ausschlägt und dann nach der andern Seite wieder versucht wird, sie einzurenken, wenn also unsere Entwickelung so verläuft, daß sie einem Wellenschlage gleicht. In der Tat gleicht unsere Entwickelung einer Art Wellenschlag: sie geht herunter und sie geht hinauf, und es wird immer der gestörte Gleichgewichtszustand ausgeglichen durch das, was nach der andern Seite wieder den entsprechend andern, über die Gleichgewichtslage hinausgehenden Pendelschlag bedeutet. Wenn Sie darauf eingehen, daß es sich im Menschenleben überall handelt um eine Störung des Gleichgewichtes nach der einen oder andern Richtung, dann werden Sie finden, wie Sie dadurch selbst die intimsten Kulturprozesse in irgendeiner Weise beleuchten können. Wenn Sie eine Zeitepoche betrachten, wo in der menschlichen Entwickelung gewisse Schädigungen dadurch eingetreten sind, daß die Menschen nur auf das Innere gesehen haben und nicht auch auf das Äußere, wie zum Beispiel im Mittelalter, wo bei der starken Blüte der Mystik das Äußere unberücksichtigt geblieben ist und auch zu Mißverständnissen nicht nur im Erkennen, sondern auch im Handeln geführt hat, so sehen Sie dann auf der andern Seite jene Zeit folgen, in welcher man die Mystik absolut nicht ertragen kann, dafür aber den Blick in die Außenwelt richtet, um alles zu tun, was das Pendel wieder nach der andern Seite ausschlagen läßt. Da haben Sie Übergänge zwischen Mittelalter und neuerer Zeit. Und Sie werden in der mannigfaltigsten Art solche Störungen der Gleichgewichtslage finden können.
[ 30 ] There you have the fundamental elements of human aid. They show how everything in earthly existence is based on a balance of opposing or contrasting elements. Light and love are, in fact, opposing elements. But ultimately, everything that takes place in our earthly life—both spiritual and material—rests upon their interweaving. Therefore, we should not be surprised if, in all areas of human life, development proceeds from epoch to epoch in such a way that the balance tilts particularly to one side, as it were, and then attempts are made to restore it to the other side; in other words, if our development proceeds in a way that resembles a wave. In fact, our development resembles a kind of wave motion: it goes down and it goes up, and the disturbed state of equilibrium is always balanced by what, on the other side, constitutes the corresponding opposite swing of the pendulum that goes beyond the equilibrium point. If you consider that human life everywhere involves a disturbance of equilibrium in one direction or another, then you will find that you can thereby shed light in some way even on the most intimate cultural processes. If you consider an epoch in human development where certain damages arose because people looked only inward and not also outward—as, for example, in the Middle Ages, where the strong flowering of mysticism led to the neglect of the external and resulted in misunderstandings not only in cognition but also in action— then you will see, on the other hand, that era follow in which mysticism is absolutely intolerable, but instead one turns one’s gaze to the external world in order to do everything that causes the pendulum to swing back to the other side. There you have transitions between the Middle Ages and modern times. And you will be able to find such disturbances of the state of equilibrium in the most manifold ways.
[ 31 ] Dabei möchte ich anführen, daß in der Tat in solchen Zeiten wie den unsrigen eine charakteristische Eigenschaft vieler Menschen sich darin zeigt, daß sie völlig vergessen und ganz aus der Aufmerksamkeit verlieren, was man nennen könnte ein Bewußtsein von einer übersinnlichen Welt. Das heißt, es gibt in unserer Zeit zahlreiche Menschen, die völlig außer acht lassen, daß es eine geistige Welt gibt, und die also die Gedanken an die geistige Welt ablehnen. In einer solchen Zeit — und überhaupt in solchen Zeiten — ist immer auch in einer gewissen Beziehung das Gegenbild davon vorhanden. Ich möchte das in einer ganz einfachen Weise charakterisieren.
[ 31 ] In this regard, I would like to point out that, in times such as ours, a characteristic trait of many people is that they have completely forgotten and lost all awareness of what might be called a consciousness of the spiritual world. That is to say, there are numerous people in our time who completely disregard the existence of a spiritual world and who therefore reject any thoughts of the spiritual world. In such a time—and indeed in times like these—the opposite of this is always present in a certain sense. I would like to characterize this in a very simple way.
[ 32 ] Wenn es Menschen auf dem physischen Plane gibt, die sich so sehr in das Physische verstricken, daß sie das Geistige ganz und gar vergessen, dann haben jene Menschen, die zwischen Tod und neuer Geburt in der geistigen Welt leben, auf der andern Seite dafür den entgegengesetzten Drang, der hervorgerufen ist wie durch ein Karma, das vom physischen Plan hinüberwirkt auf den geistigen Plan: den Drang nämlich, in irgendeiner Weise sich mit Dingen zu beschäftigen, die aus der geistigen Welt in die physische hineinspielen. Das liegt in der Tat zugrunde mancherlei Hereinwirkungen in die physische Welt von seiten von Menschen, die in der Zeit vor einer neuen Geburt stehen. In die physische Welt wirken dann diese Menschen so hinein, wie sich eben gerade die Mittel ergeben, auf dem Umwege über solche Menschen, die im höheren Maße diesen Einflüssen aus der geistigen Welt zugänglich sind. — Hat man auf diesen Gebieten Klarheit zu bringen, so wird man ja vieles ablehnen müssen, was von dieser oder jener Seite her erzählt wird als Offenbarungen der geistigen Welt von Menschen, die zwischen Tod und neuer Geburt stehen. Und man wird die charakteristischen Fälle gut heraussondern können, wo die Toten — um das Pendel nach der andern Seite ausschlagen zu machen — sehr stark darauf verfallen, irgendwie den Menschen handgreiflich zu zeigen: Es gibt doch eine geistige Welt! Dafür, daß es in unserer Zeit Menschen gibt, die völlig umnachtet sind, die so viel Finsternis in ihr Geistiges hineinverwoben haben, daß sie gar nichts wissen wollen von der geistigen Welt, dafür gibt es Tote, welche aus diesem Mangel heraus den Drang haben, hineinzuwirken in die physische Welt. Am meisten geschehen solche Dinge, wenn von den Menschen auf dem physischen Plan gar nichts dazu getan wird. Und am charakteristischsten sind die Dinge, die sich ohne künstliche Versuche anbieten, die sozusagen auftreten als Kundgebungen aus der geistigen Welt. Daher der Zusammenhang von Menschen auf dem materialistischen Felde auf der einen Seite, und der Drang, der besteht, von der geistigen Welt aus belehrend hereinzuwirken auf der andern Seite.
[ 32 ] If there are people on the physical plane who become so entangled in the physical that they completely forget the spiritual, then those people who live in the spiritual world between death and rebirth have, on the other hand, the opposite impulse, which is brought about as if by a karma that works from the physical plane into the spiritual plane: namely, the impulse to engage in some way with things that play a role in the physical world from the spiritual world. This is in fact the basis of various influences into the physical world on the part of people who are in the period before a new birth. These people then influence the physical world in whatever way the means happen to present themselves, indirectly through those people who are more receptive to these influences from the spiritual world. — If one is to bring clarity to these matters, one will indeed have to reject much of what is recounted from this or that quarter as revelations from the spiritual world by people who are between death and a new birth. And one will be able to clearly distinguish the characteristic cases where the dead—in order to swing the pendulum to the other side—are very strongly inclined to somehow demonstrate to people in a tangible way: There is indeed a spiritual world! Just as there are people in our time who are completely deluded, who have woven so much darkness into their spiritual lives that they want to know nothing at all about the spiritual world, so there are dead people who, out of this very lack, feel the urge to influence the physical world. Such things happen most frequently when people on the physical plane do nothing at all to facilitate them. And most characteristic are the events that occur spontaneously, without artificial intervention—events that arise, so to speak, as manifestations from the spiritual world. Hence the connection between people in the materialistic realm on the one hand, and the urge that exists to influence the physical world instructively from the spiritual realm on the other.
[ 33 ] Sie werden vieles, was dafür Beleg sein kann, finden in dem Buche unseres Freundes Ludwig Deinhard «Das Mysterium des Menschen». Da ist vieles zusammengestellt und systematisiert von dem, was Sie gerade brauchen und was heute in der Literatur, wo sie wissenschaftlich ist, so zerstreut ist, daß nicht für jeden möglich ist, es sich zusammenzuholen. Daher ist es sehr schön, daß Sie in diesem Buche eine Zusammenstellung haben gerade dieser Seite der geisteswissenschaftlichen Tatsachen, die, wie Sie jetzt sehen, im eminenten Sinne sogar charakteristisch sind für unsere Zeit. Insbesondere finden Sie darin mit großem Glück verzeichnet eine charakteristische Tatsache von einem Forscher, welcher in seinem hiesigen Erdenleben alles mögliche versuchte, um auf dem Wege der materialistischen Methode zum Beweise von der geistigen Welt zu kommen — der verstorbene Frederick Myers und der dann nach seinem Tode den starken Drang fühlte, dasjenige, was er hier angestrebt hat, durch Hereinstrahlungen aus der geistigen Welt, mit Hilfen aus der geistigen Welt, hier den Menschen zu zeigen.
[ 33 ] You will find much evidence to support this in our friend Ludwig Deinhard’s book *The Mystery of Man*. It compiles and systematizes much of what you need right now—information that is so scattered throughout today’s scientific literature that it is not possible for everyone to gather it together. Therefore, it is wonderful that this book offers a compilation of precisely this aspect of spiritual scientific facts, which, as you can now see, are in a profound sense even characteristic of our time. In particular, you will find, to your great good fortune, a characteristic account of a researcher who, during his earthly life here, tried everything possible to arrive at proof of the spiritual world through materialistic methods — the late Frederick Myers, who, after his death, felt a strong urge to show people here what he had strived for, through revelations from the spiritual world and with help from the spiritual world.
[ 34 ] Das sollte eine Illustration sein zu dem Satze, daß wir in der Welt und dem Weltendasein zu sehen haben fortwährende Störungen von Gleichgewichten und wiederum das Suchen von Gleichgewichten. Im Erdendasein haben wir als tiefste Elemente dieses sich immerfort störenden und wiederherstellenden Gleichgewichtes die beiden Elemente Licht und Liebe. Und im menschlichen Karma wirken nun von Inkarnation zu Inkarnation die beiden Elemente Licht und Liebe ausgleichend auf die gestörten Gleichgewichtslagen. Denn im Grunde genommen haben wir in dem durch alle Inkarnationen sich durchschlängelnden Karma gestörte Gleichgewichtslagen, und in Licht und Liebe haben wir den fortwährenden Versuch, das Gleichgewicht wiederherzustellen. Bis einst in ferner Zukunft der Mensch in dem Durchgehen durch seine Inkarnationen endlich dahin gekommen sein wird, einen letzten, durch die Erde erreichbaren Gleichgewichtszustand auszubilden, der dahin führen wird, daß die Menschheit die Erdenmission erfüllt haben wird und das Erdendasein sich in eine neue planetarische Form hinüberentwickeln wird.
[ 34 ] This is meant to illustrate the idea that in the world and in our earthly existence, we witness a constant disruption of balance followed by a search for balance. In our earthly existence, the two elements of light and love are the deepest components of this ever-disrupting and ever-restoring balance. And in human karma, from incarnation to incarnation, the two elements of light and love act to balance the disturbed states of equilibrium. For, fundamentally speaking, in the karma that winds its way through all incarnations, we have disturbed states of equilibrium, and in light and love we have the constant attempt to restore that equilibrium. Until, one day in the distant future, humanity, through the passage of its incarnations, will finally have reached the point of forming a final state of equilibrium attainable through the Earth, which will lead to humanity having fulfilled its earthly mission and earthly existence evolving into a new planetary form.
[ 35 ] So habe ich versucht, etwas auseinanderzusetzen, ohne das eine tiefere Begründung der karmischen Zusammenhänge und Gesetze nicht möglich ist. Ich habe mich darum auch nicht gescheut, die geheimnisvollen Grundlagen, für die unsere heutige Wissenschaft noch lange nicht reif sein wird, einmal heute abzuhandeln: daß Materie in Wahrheit verwobenes Licht ist und daß Seelisches in irgendeiner Beziehung verdünnte Liebe ist. Das sind alte okkulte Sätze, aber Sätze, die für alle folgenden Zeiten wahr bleiben werden und die sich fruchtbar erweisen werden in der Menschheitsentwickelung nicht nur für die Erkenntnis, sondern auch für das menschliche Wirken und Handeln.
[ 35 ] Thus, I have attempted to explore a subject without which a deeper understanding of karmic connections and laws is impossible. I have therefore not shied away from addressing today, for the time being, the mysterious foundations for which our modern science is still far from ready: that matter is, in truth, interwoven light, and that the soul is, in some sense, love in a rarefied form. These are ancient occult truths, but truths that will remain valid for all future ages and will prove fruitful in human development—not only for knowledge but also for human activity and action.
