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The Gospel of St. Matthew
GA 123

2 September 1910, Bern

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Zweiter Vortrag

Lecture Two

[ 1 ] Es wird notwendig sein, daß in den Anfangsvorträgen dieses Zyklus einiges von dem wieder vorkommt, was schon bei der Beleuchtung des Lukas-Evangeliums gesagt worden ist. Gewisse Tatsachen im Leben des Christus Jesus sind ja nur zu verstehen, wenn man diese beiden Evangelien ein wenig miteinander vergleicht.

[ 1 ] In the early lectures of this Course it will be necessary to repeat certain things that were said in explanation of the Gospel of St. Luke. There are facts and happenings in the life of Christ Jesus which cannot be understood unless these two Gospels are compared.

[ 2 ] Was in erster Linie von Bedeutung ist zum inneren Verständnis des Matthäus-Evangeliums, das ist, daß jene Individualität, von der uns dieses Evangelium zunächst erzählt, in bezug auf ihre Leiblichkeit herstammt von Abraham und durch die Vererbung durch dreimal vierzehn Generationen hindurch sozusagen einen Extrakt des gesamten Volkstumes der Abrahamiten, der Hebräer, in sich trägt und daß diese Individualität für den Geisteswissenschafter dieselbe ist, welche wir als die des Zoroaster oder Zarathustra ansprechen. Wir haben gestern gleichsam die äußerliche Umgebung dargestellt, in welche jener Zoroaster oder Zarathustra hineinwirkte. Es wird notwendig sein, auch noch einiges von den Weltanschauungen und Ideen zu erwähnen, welche die Kreise Zarathustras beherrschten. Man muß nämlich sagen, daß auf jenem Gebiete, innerhalb dessen in uralten Zeiten Zoroaster oder Zarathustra gewirkt hat, eine Weltanschauung aufblühte, die in ihren großen Zügen tief Bedeutsames enthält. Man braucht nur einige Sätze auszusprechen von dem, was ja immerhin als die Lehre des ältesten Zarathustra angesehen werden darf, um auf tiefe Grundlagen der ganzen nachatlantischen Weltanschauung hinzuweisen.

[ 2 ] For any deeper understanding of the Gospel of St. Matthew it is of primary importance to know that in respect of his physical body, the Individuality with whom this record is primarily concerned had descended from Abraham through three times fourteen generations; he therefore represented a kind of quintessence of the whole Hebrew race. Spiritual Science knows that this Individuality and the original Zoroaster or Zarathustra were one and the same. In the lecture yesterday some idea was given of the external scene of Zarathustra's activities in the very ancient times in which he lived, and now the views of life and the world prevailing in his environment must also be considered. Principles of profound significance were contained in the world-view held by men in those regions and to speak of only a few of the teachings that are rightly regarded as having been given by the first Zarathustra is to point to deep foundations of all post-Atlantean thought.

[ 3 ] Auch schon äußerlich in der Geschichte wird uns gesagt, daß jene Lehre, innerhalb welcher auch Zarathustra wirkte, ausgehe von zwei Prinzipien, welche wir bezeichnen als das Prinzip des Ormuzd, des guten, lichtvollen Wesens, und als das Prinzip des Ahriman, des finsteren, des bösen Wesens. Aber es wird zu gleicher Zeit auch schon in der äußeren Darstellung dieses religiösen Systems betont, daß diese beiden Prinzipien - Ormuzd oder Ahura Mazdao und Ahriman - doch wieder zurückgehen auf ein gemeinschaftliches Prinzip: Zeruane Akarene.

[ 3 ] External history itself tells us of the two fundamental principles underlying the teachings of Zarathustra: the principle of Ormuzd, the Good Being of Light, and that of Ahriman, the Being of Darkness and Evil. But even in exoteric presentations of this religious system it is emphasized that these two, principles—Ormuzd or Ahura Mazdao, and Ahriman—derive from one universal principle: Zeruane Akarene.

[ 4 ] Was ist dieses einheitliche, gleichsam Urprinzip, aus dem die beiden anderen, sich in der Welt bekämpfenden Prinzipien herstammen? Man übersetzt Zeruane Akarene gewöhnlich mit den Worten «die unerschaffene Zeit». Man kann also sagen: Es führt die ZarathustraLehre zuletzt zurück auf das Urprinzip, in dem wir zu sehen haben die ruhige, im Weltenlaufe dahinfließende Zeit. Dabei liegt es allerdings schon in jener Wortbedeutung, daß man nicht wiederum fragen kann nach dem Ursprunge dieser Zeit, dieses Zeitenumlaufes. - Es ist wichtig, daß man sich insbesondere einmal diese Idee deutlich zum Bewußtsein bringt: daß man von irgend etwas im Weltenzusammenhange sprechen kann, ohne innerlich berechtigt zu sein, zum Beispiel nach den Ursachen eines solchen ersten Prinzips wieder zu fragen. Das äußerliche abstrakte Denken der Menschen wird es sich ja kaum jemals nehmen lassen, wenn auf irgendeine Ursache hingewiesen wird, immer wieder und wieder zu fragen nach der Ursache dieser Ursache, und so gleichsam die Begriffe in alle Ewigkeit nach rückwärts herumzudrehen. Man müßte sich einmal, wenn man wirklich feststehen wollte auf dem Boden der Geisteswissenschaft, durch gründliche Meditation klarmachen, daß die Frage nach dem Ursprung, nach der Ursache, irgendwo haltmachen muß, irgendwo aufhören muß, und daß, wenn man von einem gewissen Punkte aus weiter nach den Ursachen fragt, man ein bloßes Spiel des Denkens treibt.

[ 4 ] What is this single, undivided origin, from which the other two principles—at war with one another in the world—derive? Zeruane Akarene is generally translated ‘uncreated Time’. The primal principle of which Zarathustra's teaching tells may therefore be thought of as the calm, as yet undisturbed flow of cosmic Time. Moreover, the very sense of the words implies that it is meaningless to pursue the question further—to ask what was the origin of this calm flow of Time. It is important to realise once and for always that one may speak of something in cosmic existence without being justified in putting further questions, let us say, about the causes of a First Principle such as this. Whenever mention is made of a cause, abstract thinking will seldom refrain from asking further questions about the cause of that cause, and so on, forcing the concepts back as it were to infinity But when there is a desire to stand firmly on the ground of Spiritual Science, genuine meditation will make it clear that questioning about causes must end somewhere and that to continue it beyond a certain point is merely to indulge in fantasy.

[ 5 ] Ich habe in meiner «Geheimwissenschaft im Umriß» auf diese erkenntnistheoretische Tatsache hingewiesen. Ich habe gesagt: Man könnte wohl fragen, wenn man auf einer Straße Furchen sieht, woher die Furchen kommen. Man kann antworten: Von den Rädern eines Wagens. Man kann weiter fragen, wo sich die Räder an dem Wagen befinden? Man kann fragen, warum die Furchen von dem Wagen gezogen worden sind? und kann als Antwort erhalten: Weil er über die Straße gefahren ist. Man kann weiter fragen: Warum er über die Straße gefahren ist? und mag als Antwort bekommen: Weil er einen Menschen über die Straße fahren sollte. - Man kommt aber bei diesem Fragen zuletzt zu den Entschlüssen, welche jenen Menschen dazu geführt haben, den Wagen zu benutzen. Und wenn man dann nicht dabei stillsteht, daß der Mensch diese Absicht gehabt hat, wenn man weiter fragt nach den Ursachen dieser Absicht, dann verfehlt man das eigentlich Inhaltvolle und bleibt in einem Fragespiel stecken.

[ 5 ] In the book Occult Science—an Outline I referred to this form of mental procedure. As an example, I said that the sight of wheel-tracks on a road may evoke the question: What has caused them? The answer is: The wheels of a cart. Further questions might be: Where, exactly, are the wheels joined to the cart? Why do they make tracks and why was the cart being driven along the road? Such questions can be answered. The cart made the tracks because it was being driven along the road and it was driven because someone wanted to be carried in it—but this kind of questioning leads finally to the intention which caused the person concerned to use the cart. And if a halt is not made here, further questions regarding the cause of the intention lose point and become no more than a game.

[ 6 ] So ist es auch bei den großen Weltanschauungsfragen. Irgendwo muß haltgemacht werden. Haltgemacht werden muß nach dem, was den Lehren des Zarathustrismus zugrunde liegt, bei der Zeit, die im ruhigen Laufe dahinfließt. Nun teilt der Zarathustrismus die Zeit selbst wieder in zwei Prinzipien, oder besser gesagt, er läßt aus ihr zwei Prinzipien hervorgehen: ein gutes, ein Lichtprinzip, das ich Ihnen gestern ziemlich konkret charakterisieren konnte als das Ormuzdprinzip, und ein böses, ein Finsternisprinzip, das Ahrimanprinzip. Es liegt dieser urpersischen Auffassung wirklich ein ungeheuer tief Bedeutungsvolles zugrunde, nämlich das, daß alles Böse, alles Üble in der Welt, alles, was in seinem physischen Bilde als das Dunkle, als das Finstere bezeichnet werden muß, nicht ursprünglich ein Böses, ein Finsteres, ein Übles ist. Gerade darauf machte ich aufmerksam, daß das urpersische Denken zum Beispiel den Wolf, der in einer gewissen Weise etwas Wildes, etwas Schlimmes darstellt, etwas, woran das Ahrimanprinzip arbeitet, so ansieht, daß er sich herunterentwickelt hat, als er sich selbst überlassen blieb und das Ahrimanprinzip in ihm wirksam sein konnte, daß also in diesem Sinne der Wolf ursprünglich heruntergeglitten ist von einem Wesen, dem wir das Gute nicht absprechen dürfen. Das liegt nach urpersischer, nach urarischer Auffassung allem Werden zugrunde: daß Schlimmes, Übles, Böses dadurch entsteht, daß etwas, was in einem früheren Zeitpunkt in seiner damaligen Gestalt ein Gutes war, diese Gestalt in einen späteren Zeitraum hinein bewahrt hat, daß dieses also, statt sich zu ändern, statt fortzuschreiten, die Gestalt sich bewahrt hat, welche einem früheren Zeitpunkt angemessen war. Alles Schlimme, alles Finstere und Böse leitet die urpersische Anschauung einfach davon ab, daß die Gestalt eines Wesens, welche in einem früheren Zeitpunkt eine gute war, in eine spätere Zeit hinein so geblieben ist, anstatt sich entsprechend zu verändern. Und aus dem Zusammenstoß einer solchen, aus einem früheren Zeitraum hereingetragenen Wesensform in eine spätere Zeit mit demjenigen, was fortgeschritten ist, daraus entsteht der Kampf des Guten mit dem Bösen. So ist der Streit zwischen Gut und Böse nach urpersischer Auffassung kein anderer als der Streit zwischen dem, was seine richtige Gestalt in der Gegenwart hat, und dem, was seine alte Gestalt in die Gegenwart hineinträgt. Es ist also das Böse nicht ein absolutes Böses, sondern nur ein versetztes Gutes, etwas, das gut war in einer früheren Zeit. So erscheint das Böse, welches sich in die Gegenwart hineinstellt, als ein Geschehnis, das eine frühere Zeit hereinbewahrt in die Gegenwart. Da, wo das Frühere und das Spätere noch nicht miteinander in Kampf treten, fließt noch die ungeschiedene, nicht in ihre einzelnen Momente real auseinandergetretene Zeit dahin.

[ 6 ] The same is true in connection with the great questions of Cosmogony. Somewhere our questioning must end. For the deeper teachings of Zoroastrianism it is meaningless to go back beyond the calm flow of ‘uncreated Time’. We now see that Zoroastrianism divides Time itself again into two principles, or—better said—speaks of two principles proceeding from Time: a good principle of Light characterized as that of Ormuzd, and an evil principle of Darkness, that of Ahriman. This dual conception is based upon a profoundly significant truth, namely that all Evil in the world, everything that in its physical image must be called dark and sinful, was not originally so. I said that in ancient Persian thought, the wolf, for example—which in a certain way represented something savage and evil, an outcome of the working of the Ahriman-principle—was regarded as having degenerated; when left to itself the Ahriman-principle could become active in it. Thus the wolf had descended from a being in which the presence of the Good cannot be denied. According to the conceptions of the ancient Persians and the earliest Aryan peoples, the fundamental principle in evolution is that Evil comes into being because something that was good in the form in which it existed in an earlier epoch retains this form in a later age; in failing to transform itself it becomes retrogressive, for it preserves the form suitable for an earlier time. Therefore the cause of all Evil :all Darkness, was to the earliest Aryan peoples simply this: a form of being that was good in a previous epoch continues without change into later times and the consequence of the impact of such a form with one that has made progress is a. battle between the two—the battle between Good and Evil. So in the thought of ancient Persia, Evil is not absolute Evil but, rather, Good manifesting out of its appropriate time, something that once, in an earlier period, was good but is no longer so. Evil in the present, therefore, manifests in the form of events through which conditions suitable for the past are carried into the present. When there is as yet no conflict between the earlier and the later, Time is still undifferentiated, not divided into single ‘moments’.

[ 7 ] Das ist eine tief bedeutsame Anschauung, die wir hier auf dem Grund der ersten nachatlantischen Volkstümer im Zarathustrismus finden. Und diese Anschauung, die wir eigentlich auch als das Grundprinzip des Zarathustrismus ansehen können, schließt in sich, wenn sie in der richtigen Art betrachtet wird, gerade dasjenige, was wir gestern von einer gewissen Seite her charakterisieren konnten, und was wir so stark hervortreten sehen gerade bei jenen Völkern, welche sich anlehnten an die Lehren des Zarathustra. Wir sehen überall bei diesen Völkerschaften Einsicht in die Notwendigkeit, daß diese zwei, gleichsam aus dem gleichförmigen Strom der Zeit herausgewachsenen Momente sich einander gegenübertreten in der Zeit selbst und erst im Laufe der Zeit überwunden werden. Wir sehen die Notwendigkeit, daß das Junge entstehe und daß das Alte erhalten bleibe, und daß im Ausgleich des Alten mit dem Jungen das Weltenziel, insbesondere das Erdenziel nach und nach erreicht werde. So, wie wir sie jetzt charakterisiert haben, liegt aber diese Anschauungsweise auch zugrunde aller Höherentwickelung, wie sie auftrat innerhalb dessen, was aus dem Zarathustrismus herstammt. Nachdem der Zarathustrismus in den gestern charakterisierten Zeiten sich seinen Utsitz in jenen Gegenden hat anweisen lassen, wirkte er überall, wo er auftrat. Und wir werden gleich sehen, wie unermeßlich stark er auf alle Folgezeit wirkte. Er wirkte in der Weise, daß er den Gegensatz des Alten und des Jungen hineinträufeln ließ in alles, was er wirkte. Und er wirkte tief.

[ 7 ] This profoundly significant world-view held by very early post-Atlantean peoples can be regarded as, the basis of, Zoroastrianism; it includes the concept that was characterized in the lecture yesterday and was dominant in those who adhered to the teachings of Zarathustra. There is evidence on every side that these peoples recognized two phases proceeding from the hitherto undivided flow of Time—two phases coming into conflict as they encounter one another and resolving their conflict only in the stream of onflowing Time. It was realised that the new must come into being and that the old must not be swept away; the goal of the Universe—above all, the goal of the Earth—will be achieved through the creating of balance, of harmony, between the old and the new. This conception, as it has now been characterized, lies at the basis of all forms of higher development originating in Zoroastrianism. Once the original centre of Zoroastrianism had been established in the region and epoch indicated yesterday, its influence was effective wherever it made its way. And we shall see what a tremendous effect it had upon subsequent epochs, giving expression everywhere to the teaching on the polarity between the old and the new.

[ 8 ] Zarathustra konnte so tief auf alle Folgezeit wirken, weil er in der Zeit, wo er aufgestiegen war zu der höchsten der Initiationen, die zu seiner Zeit zu erreichen war, zwei Schüler sich herangezogen hatte. Ich habe sie schon erwähnt. Den einen lehrte er alles, was sich bezieht auf die Geheimnisse des Raumes, der sich um uns herum sinnlich ausbreitet, also alles, was die Geheimnisse des Gleichzeitigen sind; dann lehrte er den anderen Schüler alles, was die Geheimnisse der dahinfließenden Zeit sind, dieGeheimnisse der Evolution, derEntwickelung. Auch darauf habe ich schon hingewiesen, daß in einem bestimmten Zeitpunkt einer solchen Schülerschaft, wie sie bestand bei diesen beiden großen Schülern gegenüber dem Zarathustra, etwas ganz Besonderes eintritt: daß der Lehrer hinopfern kann etwas von seiner eigenen Wesenheit für seine Schüler. Und Zarathustra, wie er war in seiner Zarathustra-Zeit, hat aus seiner eigenen Wesenheit für seine beiden Schüler hingeopfert seinen eigenen Astralleib und seinen eigenen Ätherleib. Die Individualität des Zarathustra, seine innerste Wesenheit, blieb ja in sich geschlossen erhalten zu immer wiederkehrenden Inkarnationen. ‚Aber, was gleichsam das astralische Kleid war des Zarathustra, der astralische Leib, in dem er als Zarathustra in uralten Zeiten der nachatlantischen Entwickelung gelebt hat, dieses astralische Kleid war so vollkommen, so durchdrungen von der ganzen Wesenheit des Zarathustra, daß es nicht zerstob wie andere astralische Kleider der Menschen, sondern in sich geschlossen blieb. Im Weltenwerden können solche durch die Tiefe der Individualität, die sie getragen hat, in sich zusammengeschlossene menschliche Hüllen erhalten bleiben. Und der astralische Leib des Zarathustra blieb erhalten. Und der eine der Schüler, der von Zarathustra erhalten hatte die Raumeslehre und die Geheimnisse alles dessen, was gleichzeitig unseren Sinnestaum durchdringt, dieser Schüler wurde wiedergeboren in jener Persönlichkeit, welche in der Geschichte genannt wird Thoth oder Hermes der Ägypter. Dieser wiederinkarnierte Schüler des Zarathustra, der dazu ausersehen war — so lehrt die okkulte Forschung -, jener ägyptische Hermes oder 'Thoth zu werden, er sollte nicht nur in sich alles befestigen, was er in einer früheren Inkarnation von Zarathustra überkommen hatte, sondern er sollte es noch dadurch zur Festigkeit bringen, daß ihm in jener Art, wie es durch die heiligen Mysterien möglich ist, einverleibt wurde, eingegossen, einfiltriert wurde der erhalten gebliebene astralische Leib des Zarathustra selber. So wurde die Individualität dieses ZarathustraSchülers wiedergeboren als der Inaugurator der ägyptischen Kultur, und einverleibt wurde diesem Hermes oder Thoth der astralische Leib des Zarathustra selbst. Wir haben also direkt ein Glied der ZarathustraWesenheit in dem ägyptischen Hermes. Und mit diesem Glied und mit dem, was er sich mitgebracht hatte von seiner Schülerschaft des Zarathustra, wirkte Hermes alles, was wir an Großem und Bedeutungsvollem in der ägyptischen Kultur haben.

[ 8 ] The reason why Zarathustra was able to exercise such a far-reaching influence upon posterity was that at the time when he had attained the highest Initiation possible in his day, he had two intimate pupils of whom I have previously spoken.1e.g. in the Lecture Cycle The Gospel of St. Luke, Lecture Five. To one of these pupils Zarathustra taught everything relating to the secrets of surrounding physical Space, the secrets of contemporaneous existence. To the other pupil he taught the secrets of Time in flow, the secrets of evolution, of development. On a previous occasion I said that at a certain point on the path of Initiation such as this, something of great significance is able to take place, namely that the teacher can offer up part of his own being to his pupils. And Zarathustra offered up to his two pupils his own astral body and his own etheric body. The Individuality of Zarathustra, the inmost core of his being, remained intact for ever-recurring incarnations. But his astral ‘raiment’, that is to say the astral body in which he had lived as Zarathustra in a very early post-Atlantean epoch—this astral raiment was so perfect, so charged with the essence of his whole being that it did not disperse as do the astral sheaths of other human beings, but remained intact. In the great process of evolution the power of an Individuality bearing human sheaths of this quality, may enable them to remain intact and be preserved, and this was so in the case of the astral body of Zarathustra. The pupil who had received from Zarathustra the teaching about Space and everything that exists contemporaneously in physical Space—this pupil was reborn in the personality known in history as the Egyptian Thoth, or Hermes. Occult investigation reveals that he was destined not only to consolidate in his own being all the teaching imparted to him in an earlier incarnation by Zarathustra, but to do even more. This was made possible by the fact that through a process enacted in the holy Mysteries, the preserved astral body of Zarathustra himself was incorporated into him. Thus the Individuality of this pupil of Zarathustra was reborn as the inaugurator of Egyptian culture. The Egyptian Hermes therefore bore within himself part of the being of Zarathustra, and this power, together with the fruits of his own former discipleship, enabled Hermes to give the impulse for all that was great and significant in the culture and civilization of ancient Egypt.

[ 9 ] Damit so etwas geschehen konnte, was durch diesen Missionar, durch diesen Sendboten Zarathustras geschah, mußte natürlich ein Volkstum in entsprechender Weise vorhanden sein. Nur bei diesen Völkerschaften, wo Menschen waren, die auf dem mehr südlichen Wege aus den atlantischen Gegenden herübergezogen waren und sich im Osten Afrikas niedergelassen hatten und die sich vieles von ihrer atlantischen Art des Hellsehens bewahrt hatten, nur dort konnte fruchtbaren Boden finden, was Hermes, der Schüler Zarathustras, einpflanzen konnte. Da stieß zusammen das Wesen der Seele in der ägyptischen Bevölkerung mit dem, was Hermes geben konnte, und dadurch bildete sich die ägyptische Kultur aus.

[ 9 ] In order that the mission of this messenger of Zarathustra might be fulfilled, there had naturally to be a folk suited to receive the impulse. Only among those peoples who had taken the more southerly path from Atlantean territories, had settled in the East of Africa and in whom a high degree of clairvoyance in its Atlantean form had been preserved—only among such peoples could fruitful soil be found for what Hermes, the reborn pupil of Zarathustra, was able to impart. The soul-life prevailing in the Egyptian population came into contact with the teaching of Hermes and from this source the culture of ancient Egypt developed.

[ 10 ] Das war nun eine ganz besondere Art von Kultur. Denken Sie nur einmal an alles, was als die Geheimnisse des gleichzeitig im Raume Bestehenden dem Hermes als ein teures Gut von seinem Lehrer Zarathustra übergeben worden war. Dadurch hatte Hermes in seiner Wesenheit gerade das Allerwichtigste, was Zarathustra beherrschte. Wir haben öfter darauf hingewiesen, daß es zum Charakteristischsten der Zarathustra-Lehre gehörte, daß Zarathustra seine Leute hinwies nach dem Sonnenleib, nach dem äußeren Licht und dem äußeren physischen Lichtkörper der Sonne und ihnen zeigte, wie dieser Sonnenkörper nur die äußere Hülle einer hohen geistigen Wesenheit ist. Also, was durch die Räume als Wesenheit zugrunde liegt der ganzen Natur, was gleichzeitig ist, aber durch die Zeit immer fortschreitet von Epoche zu Epoche und sich in einer bestimmten Epoche immer neu zeigt, dies hatte Zarathustra in bezug auf seine Geheimnisse dem Hermes anvertraut. Was von der Sonne ausgeht und sich von der Sonne weiterentwickelt, das beherrschte Hermes. Das konnte er legen in die Seelen derer, die herübergekommen waren aus der atlantischen Bevölkerung, weil diese Seelen wie durch natürliche Gaben selbst einst hineingeschen hatten in die Sonnengeheimnisse und sich in derErinnerung etwas davon bewahrt hatten. Es war ja alles in fortschreitender Linie inEntwickelung.Sowohl die Seelen derer, welche dieHermes-Weisheit empfangen sollten, haben sich in fortschreitender Art entwickelt, wie auch Hermes selber. Anders war es bei dem zweiten Schüler des Zarathustra. Er hatte diejenigen Geheimnisse empfangen, welche sich auf den Zeitlauf beziehen, und er mußte daher mitempfangen, was wie die Stauung des Alten und des Jungen, wie etwas Gegensätzliches, polarisch Wirkendes in der Evolution darinnen steht. Aber auch für diesen Schüler hatte Zarathustra einen Teil seiner eigenen Wesenheit hingeopfert, so daß auch dieser zweite Schüler bei der Wiedergeburt empfangen konnte das Opfer des Zarathustra. Während also die Individualität des Zarathustra erhalten blieb, wurden die Hüllen von ihm getrennt; sie blieben aber, weil sie von einer so mächtigen Individualität zusammengehalten waren, intakt und zerstoben nicht. Dieser zweite Schüler, welcher die Zeitenweisheit - im Gegensatz zur Raumesweisheit - erhalten hatte, empfing zu einer bestimmten Zeit seiner Wiederverkörperung den Ätherleib des Zarathustra, welchen Zarathustra ebenso hingeopfert hatte wie seinen astralischen Leib. Kein anderer ist dieser wiedergeborene Zarathustra-Schüler als Moses. Moses erhält einverleibt in ganz früher Kindheit den erhalten gebliebenen Ätherleib des Zarathustra. In einer geheimnisvollen Weise ist in den religiösen Urkunden, die wirklich auf Okkultismus gebaut sind, alles enthalten, was uns auf solche Geheimnisse, wie sie uns die okkulte Forschung lehrt, hinweisen kann. Wenn Moses der wiederinkarnierte Schüler des Zarathustra war und einverleibt erhalten sollte den erhalten gebliebenen Ätherleib des Zarathustra, dann mußte mit ihm etwas ganz Besonderes geschehen. Bevor er die entsprechenden Eindrücke aus der Umgebung wie ein anderer Mensch erhalten sollte, bevor in seine Individualität herabsteigen konnten die Eindrücke der Außenwelt, mußte in seine Wesenheit hineinfiltriert werden, was er als ein Wunder-Erbstück von Zarathustra erhalten sollte. Das wird erzählt in jener Symbolik: daß er in ein Kästchen gelegt und in den Fluß versenkt worden ist, was sich wie eine merkwürdige Initiation ausnimmt. Eine Initiation besteht ja darin, daß ein Mensch abgeschlossen bleibt für eine bestimmte Zeit von der AuBenwelt, und während dessen dasjenige, was er erhalten soll, in sich hineinfiltriert erhält. Damals also, als Moses so abgeschlossen war, konnte ihm in einem bestimmten Moment der aufbewahrte Ätherleib des Zarathustra einverleibt werden. Da konnte in ihm aufblühen jene wunderbare Zeitenweisheit, die ihm einst Zarathustra früher vermittelt hatte, mit der er jetzt begabt wurde, und die er herausbringen konnte, indem er in Bildern, die wieder für sein Volk geeignet waren, darstellte die Weisheit der Zeit hintereinander. Daher können uns bei Moses die großen Bilder der Genesis entgegentreten als äußere Imaginationen der Zeitenweisheit, die von Zarathustra herstammte. Sie waren das wiedergeborene Wissen, die wiedergeborene Weisheit, die er von Zarathustra empfangen hatte. Das war nun in seinem Inneren dadurch befestigt, daß er die Ätherhülle des Zarathustra selber empfangen hatte.

[ 10 ] It was a culture of a very special character. Think of what treasures of wisdom had been received by Hermes when Zarathustra imparted to him the secrets of things existing contemporaneously in Space. Hermes bore within his own being this supremely important teaching of Zarathustra. As we have often heard, the most characteristic feature of Zarathustra's teaching was that he directed the attention of his people to the Sun and the external light of the Sun, explaining to them that this solar body is only the outer sheath of a lofty Spiritual Being. Thus Zarathustra entrusted to Hermes the secrets of the the reality of being underlying the whole of Nature in the world of Space, the reality of being which underlies everything in contemporaneous existence but goes forward through Time from epoch to epoch, manifesting itself anew in each particular epoch. The wisdom possessed by Hermes concerned all that proceeds from the Sun and evolves to further stages. And the reason why he was able to instill this teaching into the souls of the descendants of Atlantean peoples was because those souls had at one time themselves gazed into the mysteries of the Sun and had preserved in memory something of their vision. Everything, of course, had advanced in evolution—the souls who were destined to receive the wisdom of Hermes, as well as Hermes himself. Circumstances were different in the case of the second pupil of Zarathustra. To him had been entrusted the secrets relating to the flow of Time, and he had necessarily to experience the conflict between the old and the new, the active principle of contrast, of opposition and of polarity, implicit in evolution. Zarathustra had offered up part of his being for this second pupil as well, and when the latter was reborn he too was able to receive what had been bequeathed to him. Whereas the Individuality of Zarathustra remained intact, the astral and etheric sheaths were separated from him, but because they had been borne by such a mighty Individuality, they too remained intact and did not disperse. At a certain point in his new incarnation, this second pupil, to whom had been communicated the wisdom relating to Time—in contrast to that relating to Space—this second pupil received into him-self the etheric body of Zarathustra, who had offered it up as he had offered up his astral body. This second pupil of Zarathustra was reborn as Moses, into whom, in very early childhood, the preserved etheric body of Zarathustra was incorporated. Religious chronicles that are genuinely based on occultism contain mysterious clues pointing to the secrets disclosed by occult investigation. To enable Moses, the reincarnated pupil of Zarathustra, to receive into himself the etheric body of his former teacher, something quite unusual must necessarily happen to him. It was essential that the miraculous legacy he was to receive from Zarathustra should be incorporated into him before impressions from the environment were made upon his individuality, as in the case of other human beings. This is narrated symbolically in the story that he was laid in a cradle of reeds and lowered into a river—an indication of a remarkable Initiation, During the process of Initiation a human being is shut off from the outer world for a certain period of time and what he is destined to receive is then instilled into him. Thus the etheric body of Zarathustra that had been preserved intact was incorporated into Moses at a certain moment while he was shut off from the outer world; and then there could come to flower within him the wonderful wisdom concerning Time once imparted to him by Zarathustra. He was able, now, to give expression to it in pictures suitable for his people. Hence we have from Moses the mighty pictures of Genesis—external Imaginations of the wisdom of successive epochs. These pictures were the expression of reborn knowledge, of wisdom that had once been imparted to him by Zarathustra and was now rooted in his very being because the etheric sheath of Zarathustra himself had been incorporated into him.

[ 11 ] Aber nicht nur das eine ist bei einem solchen, für die Entwickelung der Menschheit so bedeutungsvollen Vorgang notwendig, daß ein Initiierter als Inaugurator da ist für eine Kulturbewegung, sondern das andere ist auch notwendig, daß dasjenige, was eine solche große Individualität als Kulturkeim zu versenken hat, in den entsprechenden, das heißt passenden Volkskeim hineinversenkt werden kann. Und wenn wir den Volkskeim, den Volksgrund betrachten wollen, in welchen Moses hineinversenken konnte, was ihm von Zarathustra übertragen worden war, da ist es gut, daß wir uns mit einer gewissen Eigenart der Moses-Weisheit selbst befassen.

[ 11 ] But in a measure of such significance for the evolution of humanity, two factors are essential. Not only must there be an Initiate to inaugurate an impulse in culture, but it must be possible for this great Individuality to plant the seed of future culture in the folk-soil suitable for it. And to understand the nature of the folk-soil into which Moses could plant what had been transmitted to him by Zarathustra, it will be well to concern ourselves with a certain, characteristic of the Mosaic wisdom.

[ 12 ] Moses war also in einer früheren Inkarnation Schüler Zarathustras. Er hat damals die Zeitenweisheit erhalten und jenes Geheimnis, welches wir dadurch angedeutet haben, daß in allen Zeiten ein Früheres mit einem Späteren zusammenstößt und dadurch eine Gegensätzlichkeit entsteht. Sollte sich Moses mit dieser Weisheit hineinstellen in die Menschheitsentwickelung, dann mußte er selbst sich mit der andersgearteten Weisheit, als es die Hermes-Weisheit war, wie ein Gegensatz hineinstellen in die Entwickelung. Das geschah. Wir können sagen: Hermes hat von Zarathustra die direkte Weisheit empfangen, sozusagen die Sonnenweisheit, das heißt das Wissen von dem, was geheimnisvoll wesenhaft lebt in der äußeren physischen Hülle des Lichtes und des Sonnenleibes, dasjenige also, was einen direkten Weg geht. Anders Moses. Moses hatte diejenige Weisheit erhalten, die der Mensch mehr in dem dichteren Ätherleib bewahrt, nicht in dem astralischen Leib. Er hatte diejenige Weisheit erhalten, die nicht nur hinaufschaut zur Sonne und fragt, was alles fließt von dem Sonnenwesen aus, sondern die auch das begreift, was sich dem Sonnenlicht, der Sonnenglut entgegenstellt; was in sich verarbeitet, obwohl es sich nicht davon verschlechtern läßt, dasjenige, was erdenhaft, was dicht geworden ist, was sich aus der Erde heraushebt als das Altgewordene, als das Verfestigte: Erdenweisheit also, die in der Sonnenweisheit zwar lebt, die aber doch Erdenweisheit ist. Die Geheimnisse vom Erdenwerden, von der Art und Weise, wie sich der Mensch auf der Erde entwickelt und die Erdensubstantialität evolviert hat, als sich die Sonne von der Erde getrennt hat, das hatte Moses erhalten. Das macht es aber gerade aus, wenn wir jetzt die Sache nicht äußerlich, sondern innerlich betrachten, warum uns in den Hermes-Lehren etwas wie der krasse Gegensatz zu der Moses-Weisheit entgegentritt.

[ 12 ] In an earlier incarnation, then, Moses had been a pupil of Zarathustra. At that time there had been imparted to him the wisdom relating to Time together with the secret that in all epochs the earlier clashes with the later, thus producing contrast. If Moses as the bearer of this wisdom was to become a factor in the evolution of humanity, it had to be presented as a contrast to the other stream of wisdom—the Hermes-wisdom. And this was what actually happened. Hermes had received from Zarathustra the direct wisdom, the Sun-wisdom, that is to say, knowledge of the reality of being working mysteriously in the outer, physical sheath of the light—the solar body. With Moses it was different. The kind of wisdom of which he was the recipient is harboured more in the denser, etheric body, not in the astral body. His was the wisdom that does not only look upwards to the Sun, seeing all things streaming from the Sun, but is also concerned with what stands over against the light and essential quality of the Sun; this wisdom assimilates—without being corrupted by it—that which has become earthly, dense, solidified, old. This was Earth-wisdom, comprised, it is true, within Sun-wisdom, but for all that essentially Earth-wisdom, The secrets of Earth-evolution, of how man develops on the Earth and how the Earth evolves when the Sun has separated from it—these were the secrets imparted to Moses. And this, if we study the inner, not the external aspects of the matter, explains why we encounter in the teachings of Hermes something that is an utter contrast to the wisdom of Moses.

[ 13 ] Es gibt nun allerdings gewisse Anschauungen in der Gegenwart, die bei der Betrachtung solcher Dinge nach dem Prinzip vorgehen: In der Nacht sind alle Kühe grau! Die sehen dann überall nur das gleiche und sind sehr entzückt, wenn sie zum Beispiel im Hermestum das gleiche wie im Mosestum finden: hier einmal eine Dreiheit, da eine Dreiheit, dort eine Vierheit und hier eine Vierheit. Damit ist aber nicht viel getan. Denn das wäre ungefähr ebenso, wie wenn jemand einen anderen zum Botaniker erziehen wollte und ihn nicht die Unterschiede lehrte, wodurch sich zum Beispiel die Rose von der Nelke unterscheidet, sondern nur auf dasjenige hinweisen würde, was bei beiden gleich ist. Damit kommen wir nicht durch. Wir müssen wissen, wodurch sich die Wesenheiten unterscheiden und auch die Weisheiten. Und so müssen wir auch wissen, daß die Moses-Weisheit eine ganz andere war als die Hermes-Weisheit. Beide gingen zwar von Zarathustra aus; aber wie gerade sich auch die Einheit trennt und in verschiedener Weise manifestiert, so gab auch Zarathustra zweien seiner Schüler so verschiedenartige Offenbarungen.

[ 13 ] In studying all such matters, certain modes of thought current at the present time apply the principle that in the night all cows are grey! Those who think in this way have eyes only for similarities and are overjoyed when, for example, they find the same thing in the teachings of Hermes and of Moses: here a triad, there a triad, here a quaternary, there a quaternary, and so on. But there is not much point in this. It would be rather like a person setting out to train someone else to be a botanist without teaching him what differentiates, let us say, a rose from a carnation, but speaking only of features that are identical in both. This does not help. We must know in what respects the beings themselves, and also the forms of wisdom,differ; we must realise that the Moses-wisdom was quite different in character from the Hermes-wisdom. Both forms of wisdom proceeded, originally, from Zarathustra; but just as unity, divides and manifests in very various ways, so did Zarathustra give essentially different revelations to each of his two pupils.

[ 14 ] Wenn wir die Hermes-Weisheit auf uns wirken lassen, finden wir alles, was uns die Welt lichtvoll macht, was uns zeigt, wie der Weltenursprung ist und wie das Licht hineinwirkt. Aber wir finden in der Hermes-Weisheit nicht die Begriffe, die uns zugleich zeigen, wie in allem Werden ein Früheres in ein Späteres hineinwirkt, wie dadurch die Vergangenheit mit der Gegenwart in Streit kommt und wie Finsternis sich dem Licht entgegenstellt. Erdenweisheit, die uns begreiflich macht, wie sich die Erde nach der Trennung von der Sonne entwickelt hat mit dem Menschen, das ist im Grunde genommen in der HermesWeisheit gar nicht enthalten. Das aber sollte insbesondere die Mission der Moses-Weisheit sein: die Erde nach ihrer Trennung von der Sonne in ihrem Werden dem Menschen begreiflich zu machen. Erdenweisheit ist das, was Moses zu bringen hatte, Sonnenweisheit, was Hermes zu bringen hatte, In Moses also, indem er sich erinnert an alles, was er von Zarathustra erhalten hat, leuchtet auf das Erdenwerden, die Erdenevolution des Menschen. Er geht gleichsam vom Irdischen aus. Aber dieses Irdische ist ja von der Sonne getrennt, es enthält in einer gewissen Weise abschattiert das Sonnenhafte. Das Irdische kommt ihm entgegen und begegnet sich mit dem Sonnenhaften. Daher mußte sich die Erdenweisheit des Moses mit der Sonnenweisheit des Hermes in der Tat auch im konkreten Dasein begegnen. Diese beiden Richtungen mußten aufeinanderstoßen. Das wird uns in seiner Tatsächlichkeit ganz wunderbar in dem Zusammenstoß desMoses und seiner Initiation mit der Hermes-Weisheit auch äußerlich dargestellt. In dem Geborenwerden in Ägypten, in dem Hingezogensein seines Volkes nach Ägypten, in dem Zusammenstoßen des Moses-Volkes mit dem ägyptischen Hermes-Volk liegt der äußerliche Abglanz des Zusammenstoßes von Sonnenweisheit mit Erdenweisheit, wie sie beide von Zarathustra herstammen, wie sie sich aber beide in ganz verschiedenen Evolutionsströmen über die Erde ergießen, wie sie zusammenwirken müssen und zusammenfallen.

[ 14 ] If we steep ourselves in the Hermes-wisdom, we find illumination on cosmogony—it explains to us the origin of worlds and the operations of the inpouring light. But in the Hermes-wisdom we do not find the concepts which reveal the fact that in the evolutionary process the earlier works on into the later, and because of this, the past and the present come into conflict, causing the opposition between Darkness and Light. Earth-wisdom which makes intelligible to us how the Earth, together with Man, evolved after the Sun had separated—this is nowhere contained in the Hermes-wisdom. But it was to be the special mission of the Moses-wisdom to make comprehensible to men the evolution of the Earth after the separation of the Sun. Earth-wisdom was to be the gift of Moses; Sun wisdom, the gift of Hermes. To Moses, with his remembrances of all that had been imparted to him by Zarathustra, there is revealed the process of the Earth's evolution and man's evolution on the Earth. His starting-point as it were is the earthly; but the earthly is separated from the Sun and contains the Sun-nature in a weakened form only. The earthly comes towards and meets the Sun-nature. Hence the Earth-wisdom of Moses had actually to encounter the Sun-wisdom of Hermes in concrete existence; these two streams of wisdom had to contact each other. The outer circumstances too indicate this in a most wonderful way. Moses is born an Egypt, his people are brought thither and make contact with the. Egyptians—the people of Hermes. These happenings are the outer reflection of the contact of Sun-wisdom with Earth-wisdom. Both forms of wisdom stem from Zarathustra but pour over the Earth in quite different streams of evolution, eventually meeting and working in conjunction.

[ 15 ] Nun drückt sich eine gewisse Weisheit, die im Zusammenhang steht mit den Methoden der Mysterien, immer in einer ganz besonderen Art aus über die tiefsten Geheimnisse des menschlichen und auch des sonstigen Geschehens. Ich habe schon in München bei den Vorträgen über die «Geheimnisse der biblischen Schöpfungsgeschichte» darauf hingewiesen, wie es gegenüber diesen großen Wahrheiten, welche nicht nur den Menschen in seinen tiefsten Geheimnissen, sondern auch die Weltentatsachen überhaupt umfassen, wie es in bezug auf diese Geheimnisse außerordentlich schwierig ist, in irgendeiner gangbaten, äußeren Sprache solche Dinge auszudrücken. Unsere Worte sind wirklich für uns oft Fesseln, denn sie haben ihren prägnanten Sinn, der ihnen seit langen Zeiten zubereitet ist. Und wenn wir mit den großen Weistümern, die sich uns in unserer Seele enthüllen, an die Sprache herantreten und in Worte gießen wollen, was sich uns innerlich enthüllt, dann entsteht ein Kampf gegen dieses so schwache Instrument der Sprache, das wirklich in gewisser Beziehung ungeheuer unzulänglich ist.

[ 15 ] Now certain wisdom connected with proceedings in the Mysteries always expresses itself in, a very special way about the deepest secrets of human and other happenings. In the lectures on Genesis given at Munich, I indicated how extraordinarily difficult it is to speak in terms of current language of these great truths which embrace not only the deepest secrets of the being of man but also cosmic facts. Our words are often fetters, for they bear the connotations that have come to be attached to them from long usage, and when with the great wisdom-truths unfolding themselves in the soul we resort to language, endeavouring to clothe these inner revelations in words, we find ourselves battling with a dreadfully feeble instrument.

[ 16 ] Die größte Trivialität, welche wohl im Laufe des 19. Jahrhunderts und der neueren Kultur überhaupt gesagt worden ist, die aber unzählige Male wiederholt wurde im Zeitalter des Löschpapiers, das ist die: daß eine jede wirkliche Wahrheit in einfacher Weise sich ausdrücken lassen müsse, und daß die Sprache mit ihren Ausdrucksformen geradezu ein Maßstab dafür wäre, ob jemand irgendeine Wahrheit besäße oder nicht. Aber dieser Satz ist nur ein Ausdruck dafür, daß diejenigen, die ihn aussprechen, nicht im Besitze der eigentlichen Wahrheit sind, sondern nur im Besitze derjenigen Wahrheiten, die ihnen durch die Sprache im Laufe der Jahrhunderte übermittelt sind, und die sie nur ein wenig anders gestalten. Für solche Leute reicht die Sprache dann aus, und sie fühlen nicht den Kampf, den man manchmal mit der Sprache führen muß. Dieser Kampf tritt uns aber da, wo etwas Großes und Gewaltiges zu sagen ist, nur allzu stark vor die Seele.

[ 16 ] The greatest piece of nonsense uttered in the course of the 19th century and repeated times without number is that it should be possible to couch every real truth in simple words and that language, with the means of expression it offers, should actually be a criterion of whether a person is in possession of some particular truth or not. This statement, however, only shows that those who make it are not in possession of essential truth but only of such truths as have been conveyed to them through language in the course of the centuries, the forms of which may change. For such people language is adequate and they feel nothing of the struggle that must often be waged with it. But this struggle becomes only too glaringly real when something of great consequence has to be expressed.

[ 17 ] Ich habe schon in München darauf hingewiesen, wie in dem Rosenkreuzermysterium «Die Pforte der Einweihung» das Ende der ersten Szene im «Meditationszimmer» einen harten Kampf mit der Sprache abgegeben hat. Was darin von dem Hierophanten zum Schüler gesagt werden sollte, das ist etwas, was nur zum allergeringsten Maße in das schwache Instrument der Sprache hineingegossen werden konnte.

[ 17 ] (I referred in Munich to the hard struggle I had with language in connection with the passage spoken in the meditation chamber at the end of the first scene, in. the Mystery Play, The Portal of Initiation. It was actually no more than a faint echo—all that could be expressed through the feeble instrument of language—of what the Hierophant was intended to say to the pupil.)

[ 18 ] Nun wurden aber in den heiligen Mysterien gerade die tiefsten Geheimnisse zum Ausdruck gebracht. Daher empfand man in den Mysterien zu allen Zeiten, ein wie schwaches Instrument die Sprache ist, und wie ungeeignet sie ist, Bilder herzugeben für das, was man eigentlich sagen will. Daher der Drang aller Zeiten in den Mysterien nach Ausdrucksmitteln für dasjenige, was die Seele innerlich erlebte. Und als die schwächsten erwiesen sich jene Ausdrucksmittel, welche derMensch für den äußeren Gebrauch, für den äußeren Umgang jahrhundertelang bewahrt. Dagegen erwiesen sich als geeignet die Bilder, die sich ergaben, wenn man den Blick hinausrichtete in die Raumesweiten: die Sternenbilder, das Aufgehen eines bestimmten Sternes in einem gewissen Zeitpunkt, die Bedeckung eines Sternes durch einen anderen in einem bestimmten Zeitpunkt. Kurz, die Bilder, die sich auf diese Weise ergaben, konnte man gut brauchen, um das auszudrücken, was in einer bestimmten Weise sich in der Menschenseele vollzieht. Ich will das kurz charakterisieren.

[ 18 ] In the sacred Mysteries the very deepest secrets were brought to expression and the inadequacy of language for this purpose was felt at all times. Hence the age-long efforts in the Mysteries to find means of expression for the soul's experiences. Terms and phrases that had been used in ordinary intercourse for centuries proved to be utterly inadequate, whereas the opposite was true of the pictures arising when the gaze was directed to the expanse of universal space, to the constellations, to the appearance of a certain star or the eclipse of one heavenly body by another at definite times. These were pictures well fitted to portray particular happenings and experiences in man's life of soul. I will give a brief example.

[ 19 ] Nehmen wir an, in einem bestimmten Zeitpunkt sollte ein großes Ereignis dadurch geschehen, daß eine Menschenseele in diesem Zeitpunkt reif wurde, etwas Großes zu erleben und dies den Völkern zu überbringen, oder man wollte ausdrücken, daß das betreffende Volk selbst oder ein ganzer Teil der Menschheit einen besonderen Reifezustand erlangt hatte und in der Evolution zu einer bestimmten Stufe hinaufgestiegen war, und zeigen, wie sich hineinstellte in dieses Volk eine Individualität, vielleicht von einer ganz anderen Seite her. Da fiel also zusammen der Höhepunkt der Entwickelung dieser Individualität mit dem Höhepunkt der Entwickelung der Volksseele, und dieses Zusammenfallen wollte man ausdrücken in seiner Einzigartigkeit. Alles, was man in solchem Falle mit der Sprache sagen konnte, wirkte nicht großartig genug, um die Bedeutung eines solchen Ereignisses in unser Gefühl hineinzugießen. Daher drückte man es in dieser Weise aus: Das Zusammenfallen der höchsten Stärke einer einzelnen Individualität mit der höchsten Stärke einer einzelnen Volksseele ist so, wie wenn die Sonne steht im Sternbild des Löwen und uns von dort ihr Licht zustrahlt. Da wurde das Bild des Löwen genommen, um in einem bildhaften Ausdruck darzustellen, was angedeutet werden sollte in seiner Stärke in der Menschheitsevolution. Was sich so äußerlich darbot im Weltenraum, das wurde zum Ausdrucksmittel für dasjenige, was in der Menschheit vor sich geht. Von dorther rührten die Ausdrücke, die gebraucht wurden in der Menschheitsgeschichte und die hergenommen sind von dem Lauf der Gestirne. Das waren Ausdrucksmittel für die geistigen Tatsachen in der Menschheit.

[ 19 ] Let us suppose it was a matter of announcing that something of great and far-reaching importance would take place at a particular moment in time because some human soul would then be sufficiently mature to undergo a sublime experience and to communicate it to his people; or perhaps there might have been a desire to indicate that a people, or a particular section of humanity, had reached a certain state of maturity in evolution and that an Individuality had come to dwell among them, possibly from some quite different region. In the latter case, the highest point reached in the development of this individual was coincident with the highest point reached in the development of the folk-soul of the people concerned and it was desired to express the unique nature of this event. Nothing that could be conveyed through ordinary language was found to be lofty enough to impress men's feelings with the significance of such an event. It was therefore expressed pictorially by saying : When the highest power developed by an an individual coincides with the highest power developed by a particular folk-soul, it is as when the Sun is in the constellation of Leo and radiates its light from there. In this example the picture of the Lion was chosen to denote something manifesting in its greatest strength in the evolution of humanity. A phenomenon in cosmic space was thus used to indicate a happening in the life of humanity. Such is the origin of certain expressions used in history; they were derived from the stars and constellations,and were the means used to express spiritual facts in the life of mankind.

[ 20 ] Wenn von so etwas gesprochen wird, daß zum Beispiel die Sonne im Zeichen des Löwen steht, und daß durch ein Himmelsereignis, wie das Sich-Decken der Sonne mit einem bestimmten Sternbild, symbolisch ausgedrückt wird ein Ereignis in der Menschheitsentwickelung, dann kann es wohl sein, daß die Triviallinge so etwas umkehren und meinen, daß alle auf die Menschheitsgeschichte sich beziehenden Ereignisse früher mythisch gehüllt worden wären in Vorgänge, die von den Sternen hergenommen sind, während man in Wahrheit dasjenige, was in der Menschheit vor sich ging, dadurch ausdrückte, daß man die Bilder hernahm von der Konstellation der Gestirne. In Wahrheit ist das Richtige immer umgekehrt von dem, was die Triviallinge lieben.

[ 20 ] When it is said, for example, that an event in the evolution of humanity is expressed symbolically by a phenomenon in the heavens such as the Sun in Leo or in some particular constellation, trivial thinkers are very apt to reverse the real meaning and state that all happenings connected with the early history of humanity were mythical descriptions of movements of celestial bodies; whereas the truth is that earthly events were expressed in pictures taken from the constellations. The truth is invariably the opposite of the theories loved by superficial thinkers.

[ 21 ] Dieser Zusammenhang mit dem Kosmos ist etwas, was uns mit einer gewissen Ehrfurcht erfüllen sollte gegenüber allem, was uns gesagt wird über die großen Ereignisse der Menschheitsevolution, und was ausgedrückt wird in den Bildern, die hergenommen sind von dem kosmischen Dasein. Aber es besteht doch ein geheimer Zusammenhang zwischen dem ganzen kosmischen Dasein und demjenigen, was sich im Menschendasein vollzieht. Es ist das, was auf der Erde sich vollzieht, ein Spiegelbild dessen, was im Kosmos geschieht.

[ 21 ] This connection with the Cosmos is something that should fill us with reverence for what we are told about the great events in the evolution of mankind and the expression of them in pictures derived from cosmic phenomena. There is actually a mysterious connection between all cosmic existence and what comes to pass in man's existence; for happenings on Earth are reflections of happenings in the Cosmos.

[ 22 ] So ist auch das Entgegenschreiten der Sonnenweisheit des Hermes und der Erdenweisheit des Moses, wie es in Ägypten zum Ausdruck kommt, in gewisser Beziehung ein Abbild, ein Spiegelbild von Wirkungsweisen im Kosmos draußen. Denken Sie sich gewisse Wirkungen von der Sonne ausstrahlend zur Erde und andere Wirkungen von der Erde zurückstrahlend in den Weltenraum, so wird es nicht einerlei sein, wo sich diese beiden Wirkungen im Raum begegnen; sondern je nachdem sie sich näher oder ferner begegnen, wird auch die Wirkung des Zusammenttreffens der ausgesendeten und zurückgesendeten Strahlen eine verschiedene sein. Nun stellte man das Zusammenstoßen der Hermes-Weisheit mit der Moses-Weisheit im alten Ägypten in den Mysterien in der Weise dar, daß es sich vergleichen ließ mit etwas, was im Grunde genommen im Kosmos auch schon dagewesen ist nach unserer geisteswissenschaftlichen Kosmologie. Wir wissen, daß ursprünglich eine Trennung von Sonne und Erde stattgefunden hat, daß dann die Erde noch eine Zeitlang mit dem Monde verbunden war, und daß dann ein Teil von der Erde sich hinausbewegte in den Raum und sie als unser heutiger Mond wieder verlassen hat. Da hat also die Erde einen Teil von sich als Mond wieder zurückgeschickt in den Weltenraum, der Sonne zu. Wie ein solches «Herausstrahlen» der Erde gegen die Sonne zu, war auch der eigentümliche Vorgang, als sich dieErdenweisheit des Moses im Ägyptertum begegnete mit der Sonnenweisheit des Hermes.

[ 22 ] In a certain respect the convergence of the Sun-wisdom of Hermes and the Earth-wisdom of Moses in Egypt is also a reflection, a mirror-image, of happenings in the Cosmos. Picture to yourselves certain forces streaming out from the Sun and other forces streaming back from the Earth into cosmic space; the point in space at which they meet will not be without importance; according to whether the contact is made at a point nearer to or farther away from the sources in question, the effect of the radiations emitted and then sent back, will be different. The contact between the Hermes-wisdom and the Moses-wisdom in ancient Egypt was presented in the Mysteries in such a way that comparison was possible with something that according to spiritual-scientific cosmology had already taken place in the Cosmos. We know that Sun and Earth had separated, that for a time the Earth was still united with the Moon, that then a part of the Earth moved out into space to become our present Moon. The Earth had therefore sent back part of itself towards the Sun in cosmic space. And when, in Egyptian civilization, the Earth-wisdom of Moses came into contact with the Sun-wisdom of Hermes, this remarkable happening was also like a ‘radiation’—this time from the Earth towards the Sun.

[ 23 ] Es war die Moses-Weisheit in ihrern weiteren Verlaufe etwas, von dem man sagen kann, sie entwickelte sich als die Wissenschaft der Erde und des Menschen - eben als Erdenweisheit - nach der Trennung von der Sonnenweisheit weiter, aber in der Weise, daß sie der Sonne entgegenwuchs und aufnahm, was von der Sonne als direkte Weisheit kam und mit dem sie sich jetzt durchdrang. Aber nur bis zu einem gewissen Grade sollte sie sich mit der direkten Sonnenweisheit durchdringen; dann sollte sie allein weiterschreiten und sich selbständig entwickeln. Daher bleibt die Moses-Weisheit nur so lange in Ägypten, bis sie genugsam aufnehmen konnte, was sie brauchte; dann erfolgte der «Auszug der Moseskinder aus Ägypten», damit dasjenige, was als Sonnenweisheit von der Erdenweisheit aufgenommen worden ist, verdaut und jetzt selbständig weitergebracht wird.

[ 23 ] After its subsequent separation from the Sun-wisdom of Hermes, the wisdom of Moses Earth-wisdom—can be said to have developed further as the science of the Earth and of Man; in its course towards the Sun it absorbed and steeped itself in the direct wisdom radiating from the Sun. There was, however, to be a limit to this absorption; the wisdom of Moses was destined to progress on its own and develop independence. Hence it remained in Egypt only until enough had been absorbed for its needs; then came the “Exodus of the Children of Moses from Egypt”, in order that the Sun-wisdom received by the Earth-wisdom might be assimilated and also developed.

[ 24 ] Wir haben also innerhalb der Moses-Weisheit zwei Glieder zu unterscheiden: ein Glied, wo sich die Moses-Weisheit im Schoße der Hermes-Weisheit entwickelt, gleichsam von allen Seiten von ihr umgeben ist und immerfort die Hermes-Weisheit aufnimmt; dann trennt sie sich von ihr und entwickelt sich abgesondert von ihr nach dem Auszug aus Ägypten, entwickelt in ihrem eigenen Schoß die HermesWeisheit weiter und erreicht bei dieser Weiterentwickelung drei Etappen. Wohin soll sich die Moses-Weisheit entwickeln? Was ist ihre Aufgabe? - Ihre Aufgabe soll sein, daß sie den Weg wieder zurückfindet zur Sonne. Sie ist Erdenweisheit geworden. Moses wird geboren mit dem, was ihm Zarathustra gegeben hat als Erdenweiser. Er soll den Weg wieder zurückfinden. Und er sucht ihn zurück auf seinen verschiedenen Etappen, indem er sich imprägniert in der ersten Etappe mit der Hermes-Weisheit; dann entwickelt er sich weiter. Was er auf diesem Wege durchmacht, läßt sich wieder am besten darstellen in Bildern kosmischer Vorgänge. Wenn das, was auf der Erde geschieht, wieder zurückstrahlt in den Raum, dann begegnet es auf dem Wege zur Sonne zuerst dem Merkur. Wir wissen ja, daß dasjenige, was in der gewöhnlichen Astronomie Venus ist, nach der okkulten Terminologie Merkur genannt wird, und ebenso ist das, was gewöhnlich Merkur genannt wird, im okkulten Sinne Venus. Man trifft also, wenn man von der Erde ausgeht der Sonne zu, zunächst das Merkurartige, dann auf dem weiteren Wege das Venusartige und dann das Sonnenhafte. Daher sollte Moses in inneren Seelenvorgängen das von Zarathustra Ererbte so entwickeln, daß es beim Rückzug wieder das Sonnenhafte finden konnte. Es mußte sich also bis zu einem bestimmten Grade heranentwickeln. Was er als Weisheit gepflanzt hat in die weltliche Kultur, das mußte sich so entwickeln, wie es seinem Volke gegeben war. Daher war sein Weg so, daß er dasjenige, was Hermes direkt brachte, wie in Radienstrahlen von der Sonne, auf dem Rückweg neu entwickelte, umgekehrt, nachdem er zunächst etwas von der Hermes-Weisheit aufgenommen hatte.

[ 24 ] Two phases must therefore be distinguished in the wisdom of Moses: one while it is developing in the sphere of the wisdom of Hermes, surrounded by it on all sides and perpetually absorbing it. Then comes the separation, and after the exodus from Egypt the wisdom of Moses, although now developing independently, elaborates the wisdom of Hermes it has absorbed and on its own further course reaches three stages . What was its goal and, its destined task? The task of the wisdom of Moses was to find the way back again to the Sun. It had become Earth-wisdom. Moses was born with all that had been imparted to him by Zarathustra as a wise man of the Earth and he sought for the way back to the Sun in different stages. At the first stage he had steeped himself in the wisdom of Hermes; the course of his further development can best be portrayed in pictures drawn from cosmic existence. When the effects of what happens on the Earth stream back into cosmic space, the first encounter on the path towards the Sun is with Mercury. (We know that the Venus of ordinary astronomy is Mercury in the terminology of occultism and the Mercury of astronomy is Venus according to occultism.) On the way from the Earth towards the Sun, therefore, the Mercury-nature is encountered first, at a later stage the Venus-nature and then the Sun-nature. Hence through, inner processes in the life of soul, Moses was to develop the heritage received from Zarathustra in such a way that on the returning path it would be able to find the Sun-nature again; it had therefore to reach a definite stage. The wisdom inculcated by Moses into culture and civilization had necessarily to develop in the form in which he had imparted to his people. Hence on the path of return, having first absorbed something of the wisdom imparted by Hermes as directly radiating from the Sun, Moses developed it with a new orientation, that is, in the opposite direction.

[ 25 ] Nun wird uns gesagt, daß Hermes, der später Merkur, Thoth, genannt wurde, seinem Volke Kunst und Wissenschaft gebracht hat, äußeres Weltwissen, äußere weltliche Kunst, in der Art, wie es sein Volk brauchen konnte. In anderer Art, gleichsam entgegengesetzt, sollte bis zu diesem Hermes-Merkur-Standpunkt Moses selber weiterdringen, die Hermes-Weisheit rückläufig selber ausbilden. Das ist dargestellt in dem Fortgang des hebräischen Volkes bis zu dem Punkte des Zeitalters und der Regierung des David, der uns entgegentritt als der königliche Psalmensänger, als göttlicher Prophet, der als Gottesmann wirkte wie als Schwertträger und auch als 'Träger des Musikinstrumentes. David, der Hermes, der Merkurius des hebräischen Volkes, so wird er uns geschildert. So weit hat es jetzt jener Strom des hebräischen Volkstumes gebracht, daß er ein selbständiges Hermestum oder Merkurtum hervorbrachte. Die aufgenommene HermesWeisheit war also im davidischen Zeitalter bis in die Region des Merkur gelangt.

[ 25 ] It is said that Hermes later called Mercury (Thoth), brought to his people art and science, knowledge of the external world, external art, in the form suitable for them. But it was in a different, indeed opposite way, that Moses himself was to reach this Hermes-Mercury-wisdom and develop it to further stages on the returning path. This process portrayed in the history of the Hebrews up to the time and reign of David; he is described as the royal psalmist, as a divine prophet, as a man of God, an armour-bearer and also a player on the harp. David is the Hermes, the Mercury, of the Hebrew people who had now developed to the stage of being able to produce a Hermes- or Mercury-wisdom in an independent form. At the time of David, therefore, the Hermes-wisdom, once assimilated by the Moses-wisdom, had reached the region, or stage, of Mercury.

[ 26 ] Weiterschreiten sollte die Weisheit des Moses auf der rückläufigen Bahn bis zu dem Punkte, wo die Venusregion ist, wenn man so sagen darf. Die Venusregion kam für den Hebräismus in jener Zeit, als die Moses-Weisheit, das heißt das, was durch Jahrhunderte als diese Moses-Weisheit heruntergeströmt war, sich verbinden mußte mit einem ganz anderen Element, mit einer Weisheitsrichtung, die gleichsam von der anderen Seite hergestrahlt war. So wie das, was von der Erde zurückstrahlt in den Raum, auf dem Weg zur Sonne in einem Punkt die Venus trifft, so traf die Moses-Weisheit zusammen mit dem, was auf der anderen Seite von Asien herübergestrahlt war, in der babylonischen Gefangenschaft. Was sich wie in abgeschwächter Form kundgab in den Mysterien Babylons und Chaldäas, mit dem traf die Weisheit des hebräischen Volkes in ihrer besonderen Entwickelung zusammen in der babylonischen Gefangenschaft. Wie wenn ein Wanderer, der ausgegangen wäre von der Erde und gewußt hätte, was auf der Erde ist, die Region des Merkur durchdrungen hätte und gekommen wäre in die Region der Venus, um auf der Venus das auf sie fallende Sonnenlicht zu empfangen, so empfing die Moses-Weisheit dasjenige, was direkt ausgegangen war aus den Heiligtümern des Zarathustrismus und sich in abgeschwächter Gestalt fortgepflanzt hatte in den Mysterien und Weistümern der Chaldäer und Babylonier. Das empfing die Moses-Weisheit jetzt während der babylonischen Gefangenschaft. Da verband sich die Moses-Weisheit mit dem, was bis in die Gebiete des Euphrat und Tigris hinübergedrungen war.

[ 26 ] On the returning pail towards the Sun the wisdom of Moses was to advance to the Venus-stage. Hebraism reached this stage at the time when the Moses-wisdom, as it had flowed down the centuries, was destined to unite with an entirely different element, with a stream of wisdom that had come from the other direction. Whatever rays back from the Earth into space encounters Venus on the path to the Sun, and during the Babylonian captivity the wisdom of Moses encountered the wisdom that had made its way over from Asia and was presented in a modified form in the Babylonian and Chaldean Mysteries. This contact was made during the time of the Babylonian captivity. Like a wanderer who, having started from the Earth with a knowledge of what the Earth is, had passed through the region of Mercury and arrived in the region of Venus in order there to receive the light of the Sun falling upon Venus, so did the wisdom of Moses absorb what had proceeded directly from the sanctuaries of Zoroastrianism and was being continued in a modified form in the Mysteries of the Chaldeans and Babylonians. It was this that the Moses-wisdom received during the Babylonian captivity, thus assimilating wisdom that had made its way to the region of the Euphrates and the Tigris.

[ 27 ] Da geschah abermals ein anderes. In der Tat war Moses zusammengetroffen mit dem, was einst von der Sonne ausgegangen war. Moses, nicht er selbst, aber das, was er seinem Volke mit seiner Weisheit hinterlassen hatte, floß zusammen in den Stätten, welche die Weisheit der Hebräer betreten mußte während der babylonischen Gefangenschaft, es floß zusammen direkt mit dem Sonnenhaften dieser Weisheit. Denn dort lehrte während dieser Zeit in den Mysterienstätten am Euphrat und Tigris, mit denen damals die hebräischen Weisen bekannt wurden, der wiederinkarnierte Zarathustra. Ungefähr zur Zeit der babylonischen Gefangenschaft war Zarathustra selber inkarniert, und dort lehrte er, der einen Teil seiner Weisheit abgegeben hatte, um einen Teil davon wiederzubekommen. Er selber inkarnierte sich ja immer wieder, und wurde so, in seiner Inkarnation als Zarathas oder Nazarathos, der Lehrer der in die babylonische Gefangenschaft hinabgeführten Juden, die mit den Heiligtümern dieser Gegenden bekannt wurden.

[ 27 ] But something else came to pass as well. Moses had encountered the wisdom that once upon a time had streamed from the Sun. In the sanctuaries that were known to and frequented by the wise men among the Hebrews during the captivity, the legacy of the wisdom bequeathed by Moses to his people mingled with the Sun-nature of the wisdom harboured in the Mystery-centres in the regions around the Euphrates and the Tigris where the reincarnated Zarathustra was teaching. Approximately at the time of the Babylonian captivity, Zarathustra himself was incarnated; thus while teaching in that region, he who had already given over one part of his wisdom, receive it back again. He himself incarnated time and time again, and in his incarnation as Zarathas or Nazarathos he became the teacher of the captive Jews who knew of the sanctuaries existing in those regions.

[ 28 ] So kam die Moses-Weisheit in ihrem Fortfließen, in ihrem Fortströmen zusammen mit dem, was Zarathustra selbst hat werden können, nachdem er von den weiter abgelegenen Mysterienstätten hingezogen war in die Stätten Vorderasiens. Denn dort wurde er der Lehrer der initiierten Schüler Chaldäas, sowohl einzelner eingeweihter Lehrer als auch der Lehrer derjenigen, die jetzt empfingen die Befruchtung ihrer Moses-Weisheit mit jenem Strome, der ihnen dadurch entgegenkommen konnte, daß sie das, was Zarathustra einst ihrem Ahnherrn, dem Moses, gelehrt hatte, jetzt wiederempfangen konnten von Zarathustra selbst in seiner Inkarnation als Zarathas oder Nazarathos. Diese Schicksale hatte die Moses-Weisheit durchgemacht. Sie hatte in der Tat ihren Ursprung bei Zarathustra; sie war versetzt worden in ein fremdes Gebiet. Es war, wie wenn ein Sonnenwesen mit verbundenen Augen herabgetragen wurde auf die Erde und nun im Rückmarsch alles wieder suchen mußte, was es verloren hatte.

[ 28 ] Thus in its later course the wisdom of Moses came into contact with what Zarathustra himself had been able to achieve after he had moved from the more distant Mystery-centres to those of Asia Minor. There he became the teacher of the initiated pupils of Chaldea as well as of individual initiated teachers; there were also those in whom the Moses-wisdom was fructified by the stream with which they could now make contact, being able to receive from Zarathustra himself, in his incarnation as Zarathas or Nazarathos, what he himself had formerly imparted to their ancestor—Moses. Such was the destiny of the wisdom of Moses. It had actually originated with Zarathustra and had been transplanted into foreign lands. It was as if a Sun-being with bandaged eyes had been carried down to the Earth and on the return journey must seek again for what it had lost.

[ 29 ] So war Moses der Schüler Zarathustras. Er fand sich in seinem Dasein in der ägyptischen Kultur so, daß alles, was ihm Zarathustra einst gegeben hatte, aufgeleuchtet war in seinem Inneren. Aber es war so, wie wenn er nicht gewußt hätte, woher es ihm, abgesondert auf dem Erdeninselfelde aufleuchtete. Und entgegen ging er demjenigen, was einstmals Sonne war. Entgegen ging er innerhalb Ägyptens der Hermes-Weisheit, die auf direkte Weise brachte, was Zarathustra-Weisheit war, nicht auf dem reflektierten Wege wie Moses. Und nachdem er genügend davon aufgenommen hatte, entwickelte sich der Strom der Moses-Weisheit in direkter Weise weiter. Und indem er im davidischen Zeitalter ein direktes Hermestum, eine eigene Wissenschaft und Kunst begründete, ging er der Sonne entgegen, von der er ausgegangen war in einer Gestalt, in der er sich zuerst verhüllt zeigen mußte.

[ 29 ] Moses, then, was the reincarnated pupil of Zarathustra. In his existence in Egyptian civilization everything once imparted to him by Zarathustra lit up again within him; but isolated in the domain of the Earth, it was as if he did not know the source of his illumination. Hence he took the path towards what had once been of the nature of the Sun; in Egypt he turned to the Hermes-wisdom which presented the wisdom of Zarathustra in its direct form, not in reflection as in his own case. After he had absorbed enough of the Hermes-wisdom, the stream of his own wisdom developed in a straightforward course. Having established in the Davidic age a form of Hermes-Wisdom, with its own science and art, the stream of Moses-wisdom moved towards the Sun whence it had originally issued, but in a form which at first concealed its real nature.

[ 30 ] In den altbabylonischen Lehrstätten, wo er auch der Lehrer des Pythagoras war, da konnte Zarathustra nur so lehren, wie es überhaupt möglich ist zu lehren in einem bestimmten Körper, da man angewiesen ist auf die Werkzeuge dieses betreffenden Körpers. Sollte Zarathustra die volle Sonnenhaftigkeit, die er einstmals zum Ausdruck gebracht hatte und übertragen hatte an Hermes und Moses, in einer neuen Gestalt zum Ausdrucke bringen, welche dem Fortschritte der Zeit angemessen war, dann mußte er eine körperliche Hülle haben, die ein würdiges Instrument war, die dem fortgeschrittenen Zeitalter angemessen war. Nur in einer Gestalt, die bedingt war durch einen Körper, wie er im alten Babylon hervorgebracht war, konnte Zarathustra alles dasjenige wieder hervorbringen, was er übertragen konnte auf Pythagoras, auf die hebräischen Gelehrten und auf die chaldäischen und babylonischen Weisen, die damals im 6. vorchristlichen Jahrhundert imstande waren, ihn zu hören. Es war mit dem, was Zarathustra lehren konnte, wirklich so, wie wenn das Sonnenlicht erst aufgefangen würde von der Venus und nicht direkt auf die Erde kommen könnte; es war, wie wenn die Zarathustra-Weisheit nicht in ureigener Gestalt, sondern erst in abgeschwächter Gestalt sich zeigen konnte. Denn damit die Zarathustra-Weisheit in ureigener Gestalt wirksam sein konnte, dazu mußte sich Zarathustra erst umgeben mit einem geeigneten Körper. Dieser geeignete Körper konnte nur zustande kommen auf eine ganz eigene Weise, die man etwa in folgender Art charakterisieren könnte,

[ 30 ] In the centres of learning in ancient Babylon where he was also the teacher of Pythagoras, Zarathustra—Zarathas or Nazarathos—could only teach in a way that was possible in a specially constituted body, for he was obliged to use such a body as his instrument. If he was to give expression to the Sun-nature in its fullness as he had once done and had then imparted it to Hermes and Moses—if he was to give expression to this wisdom in a new form, suitable for the later epoch, he needed a bodily sheath that would be a worthy instrument. It was only in a form conditioned by a body such as ancient Babylonia was able to produce that Zarathustra could bring forth again all the wisdom which he then conveyed to Pythagoras, to the learned Hebrews and the Chaldean and Babylonian sages who at that time—in the sixth century B.C.—were in a position to hear it. In regard to what Zarathustra was able to teach, it was actually as if the light of the Sun had first been intercepted by Venus and could not find its way directly to the Earth; it was as if the Zarathustra-wisdom could not manifest itself in its primal form but only in modification. For to enable this wisdom to work in its original form Zarathustra would have to be enveloped in a suitable body and such a body could only be produced in an altogether unique way—which may be characterized somewhat as follows.

[ 31 ] Wir haben gestern gesagt, daß es drei verschiedene Volksseelenarten in Asien gab: die indische im Süden, die iranische und die nordasiatisch-turanische. Wir haben darauf hingewiesen, daß diese drei Seelenarten dadurch entstanden sind, daß der nördliche Strom der atlantischen Bevölkerung nach Asien sich hinüberbewegt hat und dort ausgestrahlt ist. Ein anderer Strom ging aber durch Afrika hindurch und sandte seine letzten Ausläufer bis in das turanische Element hinüber. Und wo der nördliche Strom, der von der Atlantis nach Asien zog, und die andere Strömung, die sich von der Atlantis durch Afrika ausbreitete, zusammenstießen, da entstand eine eigentümliche Mischung, da bildete sich ein Volkstum heraus, aus dem das spätere Hebräertum entstanden ist. Mit diesem Volkstum geschah etwas ganz Besonderes. Alles das, wovon wir gesagt haben, daß es wie ein astralisch-ätherisches Hellsehen in der Dekadenz zurückgeblieben war bei gewissen Völkerschaften und in dieser Gestalt ein Schlimmes geworden war, indem es als äußerliches Hellsehen wie in einer letzten Phase auftrat, das alles schlug sich innerhalb derjenigen Leute, die zum hebräischen Volke wurden, nach innen. Es nahm eine ganz andere Richtung an. Statt daß es in äußerer Wirkung als die Reste des alten atlantischen Hellsehens sich in einem niederen astralischen Hellsehen zeigte, trat es bei diesem Volke so auf, daß es im Inneren des Leibes organisierend wirkte. Was äußerlich etwas Dekadentes war, was deshalb, weil es konservativ geblieben war, ein dekadentes Element des Hellsehens, etwas mit ahrimanischem Element Durchzogenes geworden war, das war in richtiger Weise fortgeschritten, indem es eine im Inneren des Menschen wirksame Kraft geworden war, die im Inneren des Menschen organisierte. Es lebte sich beim hebräischen Volke nicht aus in einem zurückgebliebenen Hellsehertum, sondern es organisierte die Leiblichkeit um und machte sie dadurch in bewußter Weise vollkommener. Alles, was im Turaniertum dekadent war, das wirkte fortschaffend und umgestaltend beim hebräischen Volke.

[ 31 ] It was said in the lecture yesterday that there were three folk-souls in Asia, each of a different character: the Indian in the South, the Iranian and the Turanian to the North. It was indicated that these three species of souls came into being, firstly, because the northern stream of the Atlantean peoples had passed into Asia across these regions and had spread through them. But another stream had passed through Africa and its final offshoots had penetrated as far as the regions of the Turanian peoples. Where the northern stream which had passed from Atlantis towards Asia met the other stream which had passed from Atlantis through Africa, a remarkable mixture of peoples was produced and a racial stock formed from which the Hebrews subsequently sprang. Something very remarkable came to pass in these people. Faculties of astral-etheric clairvoyance that had remained in a state of decadence among certain people and had become corrupt as the last phase of a faculty of clairvoyance directed outwards—all this turned inwards in those who became the Hebrew people. The direction was entirely changed. Instead of manifesting in its outer operations in the form of a lower astral clairvoyance, as the remains of the old Atlantean clairvoyance, it worked as an organizing power in the inner constitution of the body. What had become a decadent outward clairvoyance and having remained static had been permeated by the Ahrimanic element—this had then developed in the right way through becoming an active force in the inner, organic constitution of the human body. In the Hebrew people this faculty did not come to expression as an outdated form of clairvoyance but it worked as a transforming force upon the bodily nature, thus bringing it to a stage of greater perfection. The faculty that in the Turanian people had become decadent, worked creatively and with transforming power in the inner constitution of the Hebrews.

[ 32 ] Deshalb dürfen wir sagen: In der Leiblichkeit des hebräischen Volkes, die sich durch die Vererbung in der Blutsverwandtschaft fortgepflanzt hatte von Generation zu Generation, wirkte alles, was als äußere Anschauung seine Zeit erfüllt hatte, was nicht mehr äußere Anschauung sein sollte, was auf einen anderen Schauplatz treten sollte, um in seinem rechten Element zu sein. Was den Atlantiern die Kraft gegeben hatte, geistig hineinzuschauen in den Raum und in geistige Gebiete, was verwildert war bei den Turaniern als hellseherischer Rest, das alles wirkte bei diesem kleinen hebräischen Volke so, daß es nach innen schlug. Alles, was beim Atlantiertum göttlich-geistig war, wirkte beim hebräischen Volke im Inneren, bildete Organe, wirkte leibgestaltend und konnte daher aufblitzen innerhalb des Blutes des hebräischen Volkes als das göttliche Bewußtsein im Inneren. Es war beim hebräischen Volke so, wie wenn alles, was der Atlantier gesehen hat, wenn er den hellseherischen Blick in alle Richtungen des Raumes schickte, wie wenn das aufgetreten wäre, ganz nach innen geschlagen, im Innersten als Organbewußtsein des hebräischen Volkes, als das Jahve- oder Jehova-Bewußtsein, als das Gottesbewußtsein im Inneren. Mit seinem Blute vereinigt fand dieses Volk den Gott, der ausgebreitet war im Raum, fand sich durchdrungen, imprägniert mit dem Gott, der im Raum ausgebreitet war, und es wußte, daß dieser Gott in seinem Inneren, in der Pulsation seines Blutes lebt.

[ 32 ] The following may therefore be said. In the bodily nature of the Hebrew people as propagated through blood-relation- from generation to generation, there were working the forces which as outward clairvoyant vision had had their day and were no longer to continue in this form but were now to function in a different sphere where they would be in the right element. The faculty that had enabled the Atlanteans to look with spiritual vision into space and into spiritual regions and in the Turanians had become a degenerate residue of clairvoyance—this faculty turned inwards in the Hebrew people. What had been of a divine-spiritual nature in Atlantean culture worked inwardly, in the Hebrews as an organic formative force and within their blood was able to light up as an inner consciousness of the Divine. It was as if everything that had been seen by the Atlantean when he directed his clairvoyant gaze outwards to the expanse of space had now become wholly inward, arising in the inmost organism of the Hebrews as consciousness of, Jahve or Jehovah, as inner, consciousness of the Divine. Thus the Hebrews felt the Godhead to be united with their blood, felt themselves pervaded, impregnated, by the Godhead outspread in space, and knew that this same Godhead was living within them, pulsing through their very blood.

[ 33 ] Indem wir also auf der einen Seite Iraniertum und Turaniertum entgegengestellt sehen, wie wir es gestern charakterisiert haben, und indem wir nun Turaniertum und Hebräertum einander gegenüberstellen, sehen wir dasjenige, was bei den Turaniern dekadent ist, in seinem Fortschritt und in seinem Elemente, wie es später sein mußte, im Blut des hebräischen Volkes pulsieren. So, daß es innerlich gefühlt wird, lebt alles das auf, was der Atlantier gesehen hat. Und in einem einzigen Worte schließt es sich zusammen, in dem Worte Jahve oder Jehova. Wie in einem einzigen Punkt, wie in ein einziges Zentrum des Gottesbewußtseins zusammengedrängt, lebt durch die Generationen Abrahams, Isaaks, Jakobs und so weiter heruntergehend, im Blute der Generationen, unsichtbar, aber innerlich gefühlt, der Gott, der hinter allen Wesen sich gezeigt hat für das atlantische Hellsehen, der jetzt der Gott im Blute Abrahams, Isaaks und Jakobs war und diese Generationen führte von Schicksal zu Schicksal. Es war auf diese Weise das Äußere innerlich geworden; es wurde erlebt, nicht mehr geschaut, und es wurde nicht mehr mit einzelnen verschiedenen Namen bezeichnet, sondern mit einem Einzelnamen, mit dem: «Ich bin der Ich-bin!» Es hatte eine ganz andere Gestalt angenommen. Während es der Mensch in der atlantischen Zeit überall fand, wo er nicht war — draußen in der Welt -, fand es der Mensch jetzt da, wo er sein Zentrum hatte, in seinem Ich, und fühlte es in dem Blute, das durch die Generationen rinnt. Es ist der große Gott der Welt jetzt geworden jener Gott des hebräischen Volkes, der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, der im Blute durch die Generationen rinnt.

[ 33 ] Yesterday we considered the contrast between the Iranian and the Turanian civilizations. Now, having compared the faculties of the Turanians with those of the Hebrew race, we see that what had become decadent in the former progressed in the latter, subsequently working in the blood. What had been visible to the Atlantean now manifested in the Hebrew in the form of inner feeling. This experience is summed up in a single word—the name JEHOVAH. Compressed as it were into a single point, into one inner centre of consciousness of the Divine, lived the God who had been revealed to Atlantean clairvoyance behind all external phenomena. Invisible and inwardly experienced, the God lived in the blood of the generations of Abraham, Isaac and Jacob, leading them and all their succeeding generations from event to event on their path of destiny. In this way the outer had become inward; the outer was now experienced within, no longer seen, no longer called by different names but known by a single designation: ‘I AM THE I AM !’ The Divine had assumed an entirely different form. Whereas with the faculties man possessed in the Atlantean epoch he had found the God out yonder in the Universe, he now found the God in the centre of his own being, in his ‘I’, felt the God in the blood flowing through the generations. The great God of the Universe had now become the God of the Hebrews, the God of Abraham, of Isaac and of Jacob, the God who flowed in the blood through the generations.

[ 34 ] So wird jenes Volkstum begründet, das wir in seiner eigentümlichen inneren Mission für die Menschheitsevolution morgen betrachten werden. Wir haben heute nur andeuten können den allerersten Punkt der Blutsbeschaffenheit dieses Volkes, wo zusammengedrängt ist im Inneren alles, was einst der Mensch in der atlantischen Zeit von außen hat auf sich eindringen lassen. Wir werden sehen, welche Geheimnisse sich in dem vollziehen, was damit nur angeschlagen ist, und wir werden die eigentümliche Natur jenes Volkes kennenlernen, aus welchem Zarathustra seinen Körper nehmen konnte zu dem Wesen, das wir als den Jesus von Nazareth bezeichnen.

[ 34 ] Thus was founded the racial stock whose inner mission for the evolution of humanity we shall study tomorrow. It has only been possible to-day to give an indication of the very earliest stage in the composition of the blood of this people, the stage when everything that in the Atlantean age man had allowed to work in upon him from outside was now com-pressed within his own being. We shall see what mysteries are fulfilled in happenings that have only been touched upon to-day, and we shall learn to understand the unique nature of the people from whom Zarathustra, as the Being we call Jesus of Nazareth, could derive his body.