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The Rudolf Steiner Archive

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The Gospel of St. Matthew
GA 123

4 September 1910, Bern

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Vierter Vortrag

Lecture Four

[ 1 ] Nach dem, was wir gestern ausführen konnten, besteht ein großer, bedeutungsvoller Unterschied zwischen dem, was man die Erkenntnis der geistigen Welt durch alle Zeiten hindurch nennen kann, und jener Art von Erkenntnis der göttlich-geistigen Welt, wie sie angestrebt werden konnte aus der besonderen Beschaffenheit, aus der besonderen Organisation gerade des hebräischen Volkes. Wir haben darauf hingewiesen, daß dieses hebräische Volk schon in seinem Stammvater Abraham oder Abram eine ganz besondere Organisation erhalten hat, die darin bestand, daß dem menschlichen Organismus eingeordnet worden ist ein physisches Werkzeug, ein physisches Organ, um sozusagen durch die Mittel der Sinneserkenntnis, so weit das möglich ist, sich hinaufzuerheben zu einer gewissen - nicht nur Ahnung, sondern Erkenntnis des Göttlich-Geistigen. Erkenntnis des Göttlich-Geistigen gab es und gibt es überall und immer. Aber diese gleichsam ewige Erkenntnis des Göttlich-Geistigen wird erreicht auf dem Wege der Mysterieneinweihung, auf dem Wege der Initiation überhaupt. Von diesem, was durch eine besondere menschliche Entwickelung, was sozusagen auf künstlichem Wege innerhalb der Menschheitsevolution erreicht werden kann, müssen wir unterscheiden jene Erkenntnis der geistigen Welt, die für irgendeine Zeit die normale ist, sozusagen als besondere Mission in der Menschheitsentwickelung herauskommend. So könnten wir für die alte atlantische Zeit eine astralisch-hellseherische Wahrnehmung des Göttlich-Geistigen das Normale nennen. Für die Zeiten aber, in welchen das hebräische Volk blüht, ist die normale, das heißt die äußerliche, exoterische Erkenntnis der geistigen Welt diejenige, welche zustande kommt mit Hilfe eines besonderen physischen Organs durch jene Erkenntniskraft, die an ein solches physisches Organ gebunden ist. Und wir haben schon darauf hingewiesen, daß das Volk Abrahams zu dieser Erkenntnis in der Weise kam, daß es gleichsam das göttliche Dasein verschmolzen fühlte mit dem eigenen Inneren. Innenerkenntnis also, Ergreifen des Göttlichen im eigenen Innersten war es, was durch dieses Organ möglich geworden war.

[ 1 ] We have seen that there is a significant difference between knowledge of the spiritual world such as has existed through all the ages and the particular form of knowledge of the Divine-Spiritual to which the organic constitution of the Hebrews enabled them to aspire. Through their progenitor Abraham they had inherited a physical constitution in which there had been implanted an organ whereby, to, the extent possible through knowledge transmitted by way of the senses, men were to be able to have actual experience of the Divine-Spiritual, not merely vague inklings. Knowledge of the Divine-Spiritual has existed everywhere and at all times, but this knowledge of the Eternal was attained in the Mysteries, on the path of Initiation. A distinction must be made between knowledge acquired as the result of individual development through specially devised methods and knowledge of the spiritual world that is normal in some particular epoch and connected with the fulfilment of a definite mission in the evolution of humanity. In Atlantis the normal form of knowledge was astral-clairvoyant perception of the Divine-Spiritual. But in the times of the ancient Hebrews the normal form of exoteric knowledge of the spiritual world became dependent upon a particular physical organ. It has already been said that in the people of Abraham this knowledge arose in the form of a feeling that the Divine was united with their inmost being. It was therefore inner knowledge, a realisation of the Divine in the deepest core of being that had been made possible.

[ 2 ] Aber es ist dieses Ergreifen des Göttlich-Geistigen im Inneren durch diese Erkenntnis nicht gleich so möglich geworden, daß der einzelne Mensch hätte sagen können: Ich versenke mich in mein eigenes Inneres; ich suche dieses eigene Innere so tief zu erfassen, als ich es nur erfassen kann, und dann finde ich den Tropfen des göttlich-geistigen Daseins, der mir eine Erkenntnis geben kann von der Beschaffenheit dessen, was auch die äußere Welt an Göttlich-Geistigem durchlebt und durchwebt. - So war es nicht gleich. Das ist erst gekommen durch die Erscheinung, durch die Offenbarung des Christus innerhalb der Menschheitsentwickelung. Für das althebräische Volk war erst die Möglichkeit gegeben, im Volksgeiste das Göttliche zu erleben, wenn sich der einzelne fühlte als ein Glied des ganzen Volkes, nicht als eine einzelne Individualität. Wenn er sich mit dem Blut in eine herunterfließende Generationenreihe hineingehörig fühlte, dann fühlte er leben in dem Volksbewußtsein, in seinem Blut, das Gottes- oder Jahve-Bewußtsein. Wenn man daher zutreffend bezeichnen will im geisteswissenschaftlichen Sinne, kann man den Gott Jahve nicht dadurch bezeichnen, daß man sagen würde: Er ist der Gott Abrahams. Damit würde er nur ungenau bezeichnet sein. Sondern man muß sagen: Er ist der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs; er ist diejenige Wesenheit, die von Generation zu Generation fließt, die sich im Volksbewußtsein in Einzelmenschen, durch einzelne Menschen hindurch offenbart.

[ 2 ] But this inner realisation of the Divine-Spiritual did not immediately enable a man to say: When I sink into my own being, striving to fathom its depths, I find the drop of the Divine Spirit that can give me knowledge of the Divine-Spiritual by which the outer world too is permeated.—This experience was not immediately possible—not, indeed, until the appearance of Christ in the evolution of humanity. The Hebrew people could experience the Divine only through participating in their Folk-Spirit. When a man felt himself to be a member of his people as a whole, as distinct from a separate individuality, when he felt that through his blood he belonged to a sequence of generations—then he became aware of the presence of the Divine; his consciousness of Jahve lay in the Folk-consciousness, in the very blood of his people. Hence in the spiritual-scientific sense it is not correct to speak of the God Jahve or Jehovah merely as the God of Abraham. He is the God of Abraham, Isaac and Jacob—he is the Being who passes on from generation to generation, manifesting himself in the Folk-consciousness in and through individual men.

[ 3 ] Das ist der Unterschied und der große Fortschritt von dieser Erkenntnis Abrahams, Isaaks und Jakobs zu der christlichen, daß die christliche Erkenntnis in der einzelnen Menschenindividualität dasselbe erkennt, was die althebräische Erkenntnis nur erreichen konnte durch Vertiefung in den Volksgeist, in den Geist, der in dem Blute der Generationen rann. So konnte Abraham sagen: Insofern mir verheiBen ist, der Begründer eines Volkes zu sein, das sich ausbreiten wird in den von mir abstammenden Generationen, wird leben in dem Blute, das durch sie hinunterrinnt, der Gott, den wir als den höchsten anerkennen; er offenbart sich uns im Bewußtsein unseres Volkes. - Das wurde das Normale.

[ 3 ] The great advance of this form of knowledge to the Christian form lies in the fact that the latter recognises in each single individual what ancient Hebrew knowledge could reach only by contemplation of the Folk-Spirit, of the Spirit flowing in the blood of the generations. Thus Abraham might have said: According to the covenant that has been made with me, I shall be the founder of a people through my descendants; in the blood flowing down the generations descending from me there will live the God we venerate as the Highest, who reveals himself to us in our Folk-consciousness.—This became the normal experience of that time.

[ 4 ] Nun geht durch alle Zeiten hindurch ein höheres Erkennen des Göttlich-Geistigen: das Mysterienerkennen. Das ist nicht abhängig von jenen anderen, besonderen Formen. Man konnte in der Zeit der alten atlantischen Entwickelung durch ein gewisses astralisch-ätherisches Hellsehen hineinschauen in den göttlich-geistigen Untergrund des Daseins; man konnte sein Inneres entwickeln und zu einer Mysterien- oder Orakelerkenntnis kommen. Und auch in der Zeit, als die hebräische Erkenntnis das Normale war, konnte man in gewissen Stätten dadurch hinaufsteigen, daß man nicht im Leibe, wie die Abrahamiten, sondern außer dem Leibe das Göttliche erkannte; man konnte hinaufsteigen zu dem Göttlich-Geistigen unter dem Gesichtspunkt des Ewigen, indem der Mensch sein Ewiges erhob zum Anschauen des Göttlich-Geistigen.

[ 4 ] As already said, at all times and through all the epochs there has existed higher knowledge of the Divine-Spiritual. This knowledge, acquired in the Mysteries, is not dependent upon any of the other, special forms of cognition. In ancient Atlantis every human being was endowed with a certain astral-etheric clairvoyance enabling him to gaze into the divine-spiritual ground of existence; by developing his inner faculties he could then acquire knowledge that was. available in the Mysteries or Oracles. Also during the epoch when the spiritual knowledge characteristic of the Hebrews was the normal form, it was still possible in certain sanctuaries for man to experience the Divine while out of the body but not while in the body as in the case of the people of Abraham; in the eternal part of his being a man could rise to vision of the Divine-Spiritual.

[ 5 ] Sie können sich nun leicht vorstellen, daß für Abraham eines notwendig war. Er lernte auf seine ganz besondere Art, auf dem Wege durch ein physisches Organ, durch physische Erkenntnis das GöttlichGeistige kennen. Er lernte auf diesem Wege den führenden Weltengott kennen. Wenn er sich lebendig in den Gesamtweg der Entwickelung hineinstellen wollte, dann war es für ihn unendlich wichtig, zu erkennen, daß der Gott, der sich im Volksbewußtsein kundtut, derselbe ist, der in den Mysterien zu allen Zeiten als die schöpferische und schaffende Gottheit anerkannt wurde. Also es mußte Abraham identifizieren können seinen Gott mit dem Gott der Mysterien. Das war nur unter einer ganz bestimmten Voraussetzung möglich. Unter einer ganz bestimmten Voraussetzung mußte ihm die Gewißheit gegeben werden, daß dieselben Kräfte im Volksbewußtsein sprechen, die in den Mysterien auf eine höhere Art sprechen. Wenn wir diese Gewißheit einsehen wollen, müssen wir uns eine Tatsache der Menschheitsentwickelung vor Augen führen.

[ 5 ] You can readily imagine that one thing was essential for Abraham. He had experienced the Divine-Spiritual in his own special way, through knowledge acquired by means of a physical organ; this was how he had learnt to know the supreme God. To become a living power in evolution, however, it was infinitely important for him to know that the God revealed in the Folk-consciousness of the Hebrew people was identical with the God venerated in the Mysteries of all ages as the creative Deity. It was therefore necessary for Abraham to be able to identify his God with the God revealed in the Mysteries, and that was only possible upon one very definite premise. Upon one very definite premise the certainty could be given him that the powers manifesting themselves in the Folk-consciousness were identical with those manifesting in a higher form in the Mysteries. To understand what this certainty implied, we must turn our minds to a fact closely connected with the evolution of humanity.

[ 6 ] In meiner «Geheimwissenschaft im Umriß» können Sie nachlesen, daß es in der alten Atlantis Eingeweihte gegeben hat, die dort OrakelPriester genannt werden; auf den Namen kommt es nicht an. Ich habe auch darauf hingewiesen, daß einer dieser großen Initiierten der Führer aller atlantischen Orakel war, der Sonneneingeweihte, im Gegensatz zu den untergeordneten Orakelstätten der Atlantis, welche Merkur-, Mars-, Jupitereingeweihte und so weiter in sich bargen. Ich habe auch darauf hingewiesen, daß dieser große Sonneneingeweihte, der Führer des Sonnenorakels, auch der große Führer der bedeutungsvollen Kulturkolonie war, die sich vom Westen nach dem Osten, von der Atlantis nach dem Inneren Asiens, bewegt hat, um von dort auszustrahlen, zu inaugurieren die nachatlantische Kultur. In geheimnisvolle Stätten im Inneren Asiens zog sich dieser große Eingeweihte, der er damals schon war, zurück. Er gab zunächst denjenigen großen Weisen, die wir als die heiligen Rishis bezeichnen, die Möglichkeit, große Lehrer ihres Volkstums zu sein. Und er war es, dieser große, geheimnisvolle Initiierte, der auch dem Zarathustra oder Zoroaster seine Einweihung zuteil werden ließ.

[ 6 ] In the book Occult Science you can read that in ancient Atlantis there were Initiates known as “Priests of the Oracles”—the actual names are not of essential significance. One of these great Initiates was the leader of all the Atlantean Oracles; he was the Initiate of the Sun-Oracle, in contrast to the subordinate Oracle-centres to which the Mercury-, Mars-, Jupiter-, Initiates, and so forth, belonged. I have said too that this great Initiate of the Sun-Oracle was also the leader of the civilizing colony which, having moved from the West across to the East, from Atlantis to the interior of Asia, spread out from there to inaugurate post-Atlantean culture and civilization. This mighty Initiate—for such he was, already at that time—withdrew to secret centres in the heart of Asia, and made it possible for the wise men known as the holy Rishis to become such illustrious Teachers of their people. And it was he, this great and mysterious Initiate, who conferred Initiation upon Zarathustra.

[ 7 ] Anders wurde allerdings dem Zarathustra, anders den indischen Rishis die Einweihung gegeben; denn sie hatten verschiedene Aufgaben. Den Rishis wurde eine solche Einweihung gegeben, daß sie sozusagen wie von selbst, wenn sie ihr Inneres weiter entwickelten, die großen Geheimnisse des Daseins aussprechen konnten. Dadurch wurden sie die großen Führer und Lehrer der vorvedischen, altindischen Kultur. Es war für sie noch etwas, was zwar auf künstlichem Wege erzeugt war, aber auf diesem Wege durchaus ähnlich war dem alten atlantischen Hellsehen, das nur einzeln auf die sieben Rishis verteilt war. Jeder der sieben Rishis hatte sein bestimmtes Gebiet. Wie die verschiedenen Orakelstätten ihr besonderes Gebiet hatten, so hatte jeder der sieben Rishis seine besondere Aufgabe. Und ein Kollegium sprach, wenn jeder der sieben Rishis sagte, was er wußte von der Urweisheit der Welt. Die hatten sie empfangen von dem großen Sonneneingeweihten, der hinausverpflanzt hatte von dem Westen nach dem Osten die alte atlantische Weisheit und sie eben in einer besonderen Weise weitergegeben hatte an die, welche die Träger der nachatlantischen Kultur werden sollten. In anderer Weise gab er sie dem Zarathustra, so daß Zarathustra so sprechen konnte, wie ich es auch angedeutet habe.

[ 7 ] The Initiation conferred upon Zarathustra was not the same as that received by the Rishis, for their tasks were different. Through their Initiation the Rishis were able, when their inner faculties had further developed, to give utterance as it were out of themselves to the great secrets of existence. Thereby they became the illustrious Teachers of pre-Vedic, ancient Indian culture. Though their powers were awakened by means specially devised, they were otherwise on a par with the old Atlantean clairvoyant faculties, but they were distributed among the seven Rishis individually. Like the leaders of the several Oracle-centres, each of the seven Rishis had his own particular sphere and task. But a whole collegium spoke when any one of the seven voiced what he knew of the primeval wisdom. The great Sun-Initiate who brought the old Atlantean wisdom from the West across to the East passed it on in a particular form to those who were to become the bearers of post-Atlantean culture. He imparted it to Zarathustra in a different form, enabling him to speak in the way I have already indicated.

[ 8 ] Die Rishis sagten: Um zum höchsten Göttlich-Geistigen zu kommen, muß man alles, was in der Umwelt ist, was sich den äußeren Sinnen darbietet, als Maja oder Illusion ansehen; man muß sich abwenden davon, ganz den Blick in das Innere versenken: dann geht eine andere Welt in einem auf als die, welche vor einem ist. - Also mit Abwendung von der illusionären Welt der Maja, mit der Entwickelung des eigenen Inneren hinaufzusteigen in die göttlich-geistigen Sphären, das war die Lehre der alten indischen Rishis. Anders Zarathustra. Er wandte sich nicht ab von dem, was sich äußerlich manifestiert. Er sagte nicht: Das Äußere ist Maja oder Illusion, von der wir uns abwenden müssen. Sondern er sagte: Diese Maja oder Illusion ist die Offenbarung, das wirkliche Kleid des göttlich-geistigen Daseins. Wir dürfen uns nicht von ihm abwenden, sondern im Gegenteil, wir müssen es erforschen. Wir müssen sehen im Sonnenlichtleib das äußere Gewebe, worinnen webt und lebt Ahura Mazdao!

[ 8 ] The Rishis declared that in order to reach the highest realm of divine-spiritual existence, everything in the surrounding world, everything presented to the outer senses, must be regarded as maya or illusion; man must turn away from this outer world and sink into his inner being: then there will dawn in him a world entirely different from the one out-spread before him in everyday life.—To ascend into the spheres of divine-spiritual existence by turning away from the illusory world of maya, by developing the inner life—such was the teaching of the Rishis of ancient India. In contrast to this, Zarathustra did not teach men to turn away from what is outwardly manifest. He did not say: everything external is maya and we must turn away from it. He said: this maya is the revelation, the actual garment of divine-spiritual existence. We may not turn away from it—on the contrary, it is our duty to fathom it. We must conceive of the Sun's body of light as the outer texture in which Ahura Mazdao lives and weaves!

[ 9 ] So war in gewisser Weise der Standpunkt Zarathustras der entgegengesetzte von dem der alten Rishis. Es ist gerade die nachindische Kultur dadurch bedeutsam geworden, daß sie der Außenwelt einprägen sollte, was sich der Mensch durch sein geistiges Wirken erobern kann. Und wir haben auch gesehen, wie Zarathustra das Beste, was er zu geben hatte, übertragen hatte in der geschilderten Art an Moses und Hermes. Damit die Moses-Weisheit in der richtigen Weise fruchtbar werden konnte und als Samen aufgehen konnte, mußte sie hineingesenkt sein in das Volkstum, das zu seinem Stammvater Abraham hatte. Denn Abraham hatte zuerst das Organ in sich veranlagt, ein Jahvebewußtsein zu erwerben. Aber er mußte wissen, daß der Gott, der sich in seinem Inneren ankündigen konnte den physischen Erkenntniskräften, mit derselben Stimme spricht, mit welcher der ewige, alles durchwebende Gott der Mysterien spricht, nur daß er sich auf eine eingeschränkte Weise, nämlich wie Abraham ihn erkennen konnte, offenbarte.

[ 9 ] In a certain sense, therefore, the gist of Zarathustra's teaching was the opposite of that given by the ancient Rishis. The essential significance of post-Indian civilization lay in the fact that its task was to impress upon the outer world the fruits of man's spiritual activity. As we heard, Zarathustra transmitted to Hermes and to Moses the greatest gifts that were his to bestow. In order that the wisdom of Moses might become fruitful in the right way and work as a seed, it had to take root in the people who were the descendants of Abraham. Abraham was the first into whom was implanted the organ for acquiring consciousness of Jahve; but it was essential for him to know that the God who could announce his presence inwardly to physical faculties of cognition, was speaking with the same voice as the eternal, all-pervading God of the Mysteries, save that he was revealing himself here in the form in which Abraham was able to understand him.

[ 10 ] Einer solchen bedeutsamen Wesenheit, wie es der große atlantische Sonneninitiierte war, ist es nicht ohne weiteres möglich, zu denen, die zu irgendeiner Zeit leben und eine besondere Mission haben, sogleich in einer verständlichen Sprache zu reden. Eine so hohe Individualität wie der große Sonneninitierte, der in seiner Individualität ein ewiges Dasein führt, von dem mit Recht gesagt wurde - um anzudeuten den Ewigkeitscharakter dieser Individualität -, daß man von ihm nicht anführen sollte Namen und Alter, nicht Vater und Mutter, ein solcher großer Führer des Menschheitsdaseins kann sich nur dadurch offenbaren, daß er etwas annimmt, wodurch er verwandt wird denen, welchen er sich offenbaren kann. So nahm, um dem Abraham die entsprechende Aufklärung zu geben, der Lehrer der Rishis, der Lehrer des Zarathustra, eine Gestalt an, in welcher er den Ätherleib trug, der aufbewahrt war von dem Stammvater des Abraham, denselben Ätherleib, der schon in dem Stammvater des Abraham, in Sem, dem Sohne Noahs, vorhanden war. Dieser Ätherleib des Sem war aufbewahrt worden, wie der Ätherleib des Zarathustra für Moses aufbewahrt worden war, und seiner bediente sich der große Eingeweihte des Sonnenmysteriums, um sich in einer verständlichen Art dem Abraham offenbaren zu können. Diese Begegnung des Abraham mit dem großen Eingeweihten des Sonnenmysteriums ist jene Begegnung, welche uns im Alten Testament geschildert wird als die Begegnung des Abraham mit dem Könige, mit dem Priester des höchsten Gottes, mit Melchisedek oder Malek-Zadik, wie man gewohnt geworden ist ihn zu nennen (1.Mose 14, 18-20). Das ist eine Begegnung von größter, von universellster Bedeutung, diese Begegnung des Abraham mit dem großen Eingeweihten des Sonnenmysteriums, der - nur um ihn sozusagen nicht zu verblüffen - in dem Ätherleib des Sem sich zeigte, des Stammvaters des semitischen Stammes. Und bedeutungsvoll wird in der Bibel auf etwas hingewiesen, was leider nur zu wenig verstanden wird, nämlich darauf, woher sozusagen dasjenige kommen kann, was Melchisedek dem Abraham zu geben in der Lage ist. Was kann Melchisedek dem Abraham geben? Er kann ihm geben das Geheimnis des Sonnendaseins, das natürlich Abraham nur in seiner Art verstehen kann, dasselbe, was hinter der Zarathustra-Offenbarung steht, worauf Zarathustra erst prophetisch hingewiesen hat.

[ 10 ] It is not possible for a Being of such lofty rank as the great Atlantean Sun-Initiate to speak without more ado in words that are intelligible to those who live at some particular time and have a special mission. An Individuality as exalted as the great Sun-Initiate is one who leads an eternal existence, of whom it was truly said—indicating the hallmark of eternity—that he was without name or age, ‘without father, without mother, having neither beginning of days nor end of life’. (Heb. VII, 3). A figure of this eminence in the evolution of humanity is only able to manifest by assuming a form whereby he can establish relationship with those to whom he is to reveal himself. Thus in order to impart the necessary enlightenment to Abraham, the great Teacher of the Rishis and of Zarathustra assumed a form in which he bore the etheric body of Abraham's original forefather; it was the etheric body of Shem, the son of Noah, and it had been preserved as the etheric body of Zarathustra had been preserved for Moses. The great Initiate of the Sun-Mystery used the etheric body of Shem in order to reveal himself to Abraham and be understood by him. This meeting between Abraham and the great Sun-Initiate is referred to in the Old Testament as the meeting of Abraham with Melchisedek, or Malek-Zadek as it has become customary to call him—the ‘king and priest of the most high God’. (Gen. XIV, 18; Heb. V, 6, 1o ; VII, 1-3). It was a meeting of supreme, world-embracing significance. In order that Abraham should not be utterly dumbfounded, the great Sun-Initiate manifested himself in the etheric body of Shem, the progenitor of the Semites. And the Bible points, most significantly, to something that is unfortunately all too little understood, namely, to the source of that which Melchisedek was able to impart to Abraham. What was this? He could impart the mystery of Sun-existence which Abraham could naturally only under-stand in his own way. The same mystery lay behind the revelation that had been announced, as a prophecy, by Zarathustra.

[ 11 ] Wenn wir uns die Tatsache vorstellen, daß Zarathustra seine bevorzugten Schüler auf das hinwies, was als Ahura Mazdao geistig hinter dem Sonnenlichtleib lebt, indem er sagte: Seht hin, dahinter steckt etwas, was jetzt noch nicht mit der Erde vereinigt ist, was aber einst in die Erdenevolution sich ergießen wird und auf die Erde heruntersteigen wird -, wenn wir anerkennen, daß Zarathustra nur prophetisch vorherverkünden konnte den Sonnengeist, den Christus, von dem er sagte: Er wird kommen in einem menschlichen Leibe -, dann werden wir sagen müssen, daß für denjenigen Menschen, der vorbereiten und später herbeiführen sollte die Inkarnation des Christus auf der Erde, sich noch größere Tiefen dieses Sonnengeheimnisses zeigen mußten. Das geschah dadurch, daß der Lehrer des Zarathustra selber bei jener Begegnung Einfluß nahm auf Abraham, sozusagen aus derselben Quelle seinen Einfluß brachte, aus der dann der Christus-Einfluß kommt. Das wird uns wieder in der Bibel symbolisch angedeutet, indem gesagt wird: Indem Abraham dem Melchisedek entgegengeht, bringt ihm dieser König von Salem, dieser Priester des höchsten der Götter, Brot und Traubensaft. «Brot und Traubensaft» wird später noch einmal ausgeteilt: Als das Geheimnis des Christus ausgedrückt werden soll für seine Bekenner bei der Einsetzung des Abendmahles, da geschieht es durch Brot und Traubensaft! Indem die Gleichheit des Opfers in so bedeutungsvoller Weise betont wird, wird darauf hingewiesen, daß es dieselbe Quelle ist, aus der Melchisedek schöpft, und woher aus der Christus schöpft.

[ 11 ] To his chosen pupils Zarathustra spoke of Ahura Mazdao, the spiritual Being behind the Sun's body of light, saying in effect: Direct your gaze to a power that is behind the Sun, that is not yet united with the Earth but will onc day descend to the Earth and pour into Earth-evolution!—Realising that Zarathustra could only make a prophetic announcement that Christ, the Sun-Spirit, would come in a human body, we shall be aware that even greater profundities of the Sun-Mystery had to be revealed to those who were to prepare for and subsequently be instrumental in bringing about the incarnation of Christ on the Earth. This deeper revelation was made possible because, at the meeting referred to, the same Being who had been Zarathustra's Teacher brought influence to bear upon Abraham from the same source as that from which Christ's influence was eventually to pour. This again is indicated symbolically in the Bible where it is said that Melchisedek, king of Salem, this ‘priest of the most high God’, brought to Abraham bread and wine. (Gen. XVI, 18). Bread and wine were dispensed on another, later occasion—when for those who were believers the Christ-Mystery was given expression in the institution of Holy Communion. The emphasis laid upon the similarity of the sacrificial acts points to the fact that the source of the impulses given by Melchisedek and by Christ was one and the same.

[ 12 ] Also es sollte ein Einfluß stattfinden von dem, was später auf die Erde niedersteigen sollte, auf dem Umwege dutch Melchisedek. Und dieser Einfluß sollte auf den großen Vorbereiter des späteren Ereignisses, auf Abraham, erfolgen. Und die Folge der Wirkung dieser Begegnung des Abraham mit Melchisedek war die, daß Abraham nun spürte: was ihn da antreibt, was er anspricht mit dem Namen Jahve oder Jehova als das Höchste, was er denken kann, das kommt aus derselben Quelle, aus der auch für alles höchste Erdenwissen das Bewußtsein des Initiierten kommt von dem alle Welten durchwebenden und durchlebenden höchsten Gott. Das war das Bewußtsein, das Abraham jetzt weitertragen konnte. - Ein anderes Bewußtsein ging in Abraham noch auf: das Bewußtsein, daß nun tatsächlich mit dem Blute der Generationen, das durch das Volkstum hinunterrinnt, etwas gegeben sein soll, was sich richtig nur vergleichen läßt mit dem, was in den Mysterien geschaut werden kann, wenn der hellseherische Blick sich hinausrichtet in die Geheimnisse des Daseins und die Sprache des Kosmos versteht.

[ 12 ] Thus through Melchisedek an influence emanating from a Power that would subsequently come down to the Earth was to be brought to bear in advance upon Abraham, the great preparer of the later event. As the result of this meeting the realisation dawned upon Abraham that the source of the power he felt within him and venerated under the name of Jahve or Jehovah as the loftiest reality of which he could conceive, was also the source of the consciousness of the supreme, all-pervading Godhead—consciousness such as was gained by Initiates in the realm of earthly knowledge too. Abraham was now able to carry this consciousness to a further stage.—A new and different experience came to him. He realised that in actual fact the blood flowing through the generations of the Hebrew people was to contain something only to be compared with what was revealed in the Mysteries when clairvoyant vision was directed to the secrets of cosmic existence and the language of the Cosmos understood.

[ 13 ] Ich habe schon darauf aufmerksam gemacht, wie man in den Mysterien die Geheimnisse des Kosmos ausdrückt, indem man eine Sternensprache spricht und die Geheimnisse des Kosmos zum Ausdrucksmittel nimmt für das, was man sagen will. Es gab Zeiten, in denen die Mysterienlehrer das Auszudrückende in solche Worte, in solche Bilder kleideten, die hergenommen waren von der Konstellation der Sterne. Man sah gleichsam in den Wegen der Sterne, in denLagen derSterne zueinander die Bilder, durch die man ausdrücken wollte, was der Mensch geistig erlebt, wenn er sich zu dem Göttlich-Geistigen hinauferhebt.

[ 13 ] I have already spoken of how, in the Mysteries, secrets of the Cosmos were expressed in terms derived from the stars and constellations. There were times when the teachers in the Mysteries made use of words and images taken from the courses of the stars and their mutual relationships. Such images were a means of expressing what man experiences spiritually when he attains consciousness of the Divine-Spiritual.

[ 14 ] Was hat man nun in der Mysterienweisheit gelesen in dieser Sternenschrift? Man hat darinnen gelesen die Geheimnisse der die Welt durchwebenden und durchlebenden Gottheit. Es waren die Ordnungen der Sterne der augenfällige Ausdruck der Gottheit. Man richtete den Blick in Weltenalle und sagte: Da kündet sich die Gottheit an! Und wie sie sich ankündet, das beschreiben uns die Ordnungen und Harmonien der Sterne. - So lebte sich für ein solches Anschauen der Weltengott aus in der Ordnung der Sterne.

[ 14 ] What was it that the Mystery-wisdom was able to read in this stellar script? The secrets of the Godhead pervading the world! The order of the stars was the visible expression of the Godhead. Men turned their gaze to the heavens, saying: There the Godhead reveals himself; the order and harmonies of the stars are for us the manifestation of the Divine. According to this view, therefore, the God of all the worlds was made manifest in the order of the stars.

[ 15 ] Sollte sich auf eine besondere Art in der Mission des hebräischen Volkes dieser Weltengott ausleben, so mußte er sich in derselben Ordnung ausleben, die im Kosmos in den Sternenbahnen vorgezeichnet ist. Das heißt, es mußte sich durch das Blut der Generationen, in welchem ja das äußere Instrument der Jahve-Offenbarungen enthalten war, eine ähnliche Ordnung ausdrücken, wie sie sich ausdrückt in den Sternenbahnen. Mit anderen Worten: In der Nachkommenschaft des Abraham mußte etwas sein, was in der Generationenfolge, in der Blutsverwandtschaft, ein Spiegelbild dessen war, was Sternenschrift im Kosmos ist. Deshalb bekam Abraham die Verheißung: Deine Nachkommen sollen geordnet sein wie die Sterne am Himmel! - Das ist die richtige Auslegung des Satzes, der gewöhnlich heißt: «Deine Nachkommen sollen zahlreich sein wie die Sterne am Himmel», und womit nur die Vielzahl der Nachkommenschaft angedeutet wird (1.Mose 22, 17). Aber nicht die Vielzahl ist gemeint, sondern gemeint ist, daß in der Nachkommenschaft eine solche Ordnung herrschen solle, wie sie am Himmel in der Sprache der Götter wahrgenommen wurde in der Gruppierung der Sterne. Da sah man hinauf in eine solche Ordnung, wie sie sich darstellt in der Ordnung des Tierkreises. Und in der Stellung der Wandelsterne, der Planeten zum Tierkreis drückten sich jene Konstellationen aus, in denen man die Sprache fand, um die Taten der Götter, wie sie weben durch das Weltall, auszudrücken. Dieses feste Band also, das im Zodiakus und in dem Verhältnis der Planeten zu den zwölf Tierkreiszeichen sich darstellt, mußte sich ausdrücken in der Blutsverwandtschaft in der Nachkommenschaft des Abraham.

[ 15 ] Thus if the same God were to be made manifest in a special way in the mission of the Hebrew people, the manifestation must necessarily be an expression of the same order as that governing the courses of the stars in the Cosmos. Through the blood of the generations as the outer instrument of the Jahve-revelation, there must be expressed the same order as that made manifest in the courses of the stars. To put it differently: in the sequence of the generations, in the blood-kinship of Abraham's descendants, there must be a mirror-image, a reflection, of the stellar script in the heavens. Hence the promise made to Abraham: The ordering of thy descendants shall be that of the stars in heaven! (Genesis, XXIII, 17.) Such is the correct version of the sentence that is usually rendered to mean that the descendants would be as numerous as the stars in heaven.—This implies number only and is not the true meaning. The true meaning is that the line of the descendants was to be in accordance with an order perceptible in the groupings of the stars, which in turn are an expression of the speech of the Gods. Looking upwards, men beheld an order such as is manifest in the Zodiac. The positions and relation-ships of the planets in the Zodiac formed constellations from which was drawn the language used to proclaim the deeds of the Gods in the Universe. The firm bond demonstrated in the Zodiac and in the relations of the planets to the twelve constellations was to come to expression in the blood-kinship of the descendants of Abraham.

[ 16 ] So haben wir in den zwölf Söhnen Jakobs, in den zwölf Stämmen des hebräischen Volkes die Abbilder der zwölf Zeichen des Tierkreises. Wie sich oben in den zwölf Tierkreisbildern die Sprache der Götter ausdrückt, so drückt sich Jahve aus in dem durch die Generationen herabfließenden Blute des jüdischen Volkes, das sich nach den zwölf Söhnen des Jakob in die zwölf Stämme teilte. Dasjenige, was sich in diese Konstellation des Tierkreises hineinordnet, bezeichnen wir mit dem Namen der Planeten, mit Venus, Merkur, Mond, Sonne und so weiter. Und wir haben gesehen, wie dasjenige, was sich im Laufe der Zeit im Lebensgange des hebräischen Volkes als Einzelabschnitte abspielt, in der Tat in gewisser Beziehung zu parallelisieren ist mit dem Weg der Planeten durch den Zodiakus: daß wir David, den königlichen Sänger, parallelisieren müssen mit Hermes oder Merkur, daß wir die Zeit der babylonischen Gefangenschaft, das heißt jene Konfiguration, welche die Jahve-Offenbarung etwa sechs Jahrhunderte vor unserer Zeitrechnung durch einen neuen Einschlag erhalten hat, parallelisieren dürfen mit dem Namen der Venus als einem Namen unseres Planetensystems. Das sollte dem Abraham angedeutet werden. So daß zum Beispiel die Art, wie eine Persönlichkeit wie David sich hineinstellt in die Stammesfolge, parallel geht dem, wie der Merkur zum Zodiakus steht. Der Stamm Juda zum Beispiel entspricht dem Sternbilde des Löwen, und das Hineingestelltsein des David in den Stamm Juda würde in der Geschichte des hebräischen Volkes dem entsprechen, was im Kosmos das Bedecken des Sternbildes des Löwen durch Merkur wäre. So kann man lesen an allen Einzelheiten, in der Blutfolge, in dem merkwürdigen Übertragen der Königs- oder Priesterwürde, in den Kämpfen oder Siegen des einen oder des anderen Stammes, in der ganzen hebräischen Geschichte, was die Bedeckung der einzelnen Sternbilder draußen im Weltenraume ist. Das lag in dem bedeutungsvollen Wort: Deine Nachkommen sollen geordnet sein wie die Harmonie der Sterne am Himmel. - Wir müssen nur nicht in den Urkunden, die auf Okkultismus gebaut sind, jene Trivialitäten sehen, welche so gern darin gesehen werden, sondern wir müssen voraussetzen, daß diese Urkunden von einer unendlichen Tiefe sind.

[ 16 ] The twelve sons of Jacob, also the twelve tribes of the Hebrew people are therefore images of the twelve constellations of the Zodiac. Just as the language of the Gods is pressed in these twelve constellations, so does Jahve manifest himself in the blood flowing through the generations of the Hebrew people, divided into the twelve tribes descending from the twelve sons of Jacob. Conditions established in the Zodiac are designated by the name of the planet concerned—Venus, Mercury, Sun, as the case may be. And we have heard how certain parallelisms can be drawn between particular periods in the historical life of the Hebrew people and the paths of the planets through the Zodiac. Thus there is a parallelism between the age of David, the royal minstrel, and Hermes or Mercury; similarly, between the period of the Babylonian captivity—when we see the form taken by the Jahve-revelation six centuries before our era as the result of a new impulse—and the planet Venus. It was to be indicated to Abraham that there is a parallelism between the place of a personality such as David in the line of generations, and the position of Mercury in the Zodiac. The tribe of Judah corresponds to the constellation of Leo and the advent of David into that tribe would correspond, in the history of the Hebrew people, to the cosmic phenomenon of the occultation of Leo by Mercury (Mercury in Leo). Such occultations are indicated in many places: in the actual succession, in the conferments of kingly or priestly offices, in the battles or victories of one tribe or another, indeed in the whole history of the Hebrews. All this was implicit in the momentous words: Thy descendants shall be ordered in accordance with the harmony of the stars in heaven.—We must never accept the trivial interpretations so often placed upon records founded on occultism but realise their immense profundity.

[ 17 ] So sehen wir in der Tat, wie Ordnung vorhanden ist in dieser Generationenfolge, die uns dann im Matthäus-Evangelium geschildert wird. Wir sehen, daß uns dieser Evangelist andeutet, wie auf eine ganz besondere Weise das Blut jenes Leibes zusammengesetzt war, der zunächst aufnehmen sollte die Individualität des Zarathustra, damit diese Individualität des Zarathustra die Offenbarung des Christus auf der Erde herbeiführen konnte.

[ 17 ] Thus there is actual evidence of order prevailing in the generations enumerated in the Gospel of St. Matthew. This evangelist has shown how the blood of the body that was to receive the Zarathustra-Individuality was prepared in a very special way to be instrumental in bringing about the manifestation of Christ on the Earth.

[ 18 ] Was war also durch die zweiundvierzig Generationen hindurch von ‚Abraham bis auf Joseph erlangt worden? Das war erlangt worden, daß mit dem Letzten in der Generationenfolge eine Blutmischung zustande gekommen war, die sich nach den Gesetzen der Sternenwelt, der heiligen Mysterien vollzogen hatte. Und in dieser Blutmischung, welche die Zarathustra-Individualität brauchte, um das große Werk auszuführen, war eine innere Ordnung, eine Harmonie, die einer der schönsten, der bedeutsamsten Ordnungen des Sternensystems entsprach. So war die Blutmischung, die Zarathustra vorfand, ein Abbild des ganzen Kosmos. Dieses Blut, das da durch Generationen hindurch gebildet wurde, war so gemischt, wie die Ordnungen des Kosmos geregelt sind. Das alles liegt zugrunde jener bedeutsamen Urkunde, welche wir jetzt, wenn ich so sagen darf, in einer abgeschwächten Form in dem Evangelium nach Matthäus vor uns haben. Dieses tiefe Geheimnis von einem Volkswerden als Abbild eines kosmischen Werdens liegt dem zugrunde.

[ 18 ] What bad been achieved through the forty-two generations from Abraham to Joseph was that blood, blended in accordance with the laws of the stars and of the holy Mysteries, had finally been produced. In the composition of this blood—which was needed by the Zarathustra-Individuality for the fulfilment of his great mission—there was inner order and harmony, reflecting one of the most beautiful and significant principles manifest in the heavenly constellations. The blood available for Zarathustra was therefore an image of the Cosmos, having been prepared through generations in accordance with cosmic law. The basis of the record we now possess in a modified form in the Gospel of St. Matthew is this profound mystery of the evolution of a people as the image of cosmic evolution.

[ 19 ] So fühlten diejenigen, welche zunächst etwas wußten von dem großen Mysterium Christi. Sie fühlten schon in dem Blut, welches dieser Matthäus-Jesus von Nazareth in sich hatte, ein Abbild des Kosmos, ein Abbild jenes Geistes, der im ganzen Kosmos waltet. Dieses Geheimnis drückten sie aus, indem sie sagten: In dem Blut, in welchem leben sollte das Ich, das dann Jesus von Nazareth war, lebte der Geist des ganzen Kosmos. Sollte also dieser physische Leib geboren werden, dann mußte er sein ein Abdruck des Geistes des ganzen Kosmos, des Geistes, der da waltet in der Welt. - Das war ursprünglich die Formel, daß die Kraft, die jener Blutmischung zugrunde lag, welche die des Zarathustra oder Jesus von Nazareth wurde, daß diese Kraft der Geist war unseres ganzen Kosmos, eben jener Geist, der ursprünglich, nach der Trennung der Sonne von unserer Erde, brütend dasjenige durchdrang, was sich herausgegliedert hatte in der Weltenevolution. Aus den schon erwähnten Münchener Vorträgen wissen wir: Wenn wir den Beginn der Genesis, das «Bereschit bara Elohim eth haschamajim we'eth ha'aretz», nicht mit den trivialen Worten der heutigen Zeit übersetzen wollen, die sich nicht mehr mit dem alten Sinn decken, sondern wenn wir den wahren Sinn heraussuchen, daß wir dann zu übersetzen haben: «In dem, was herübergekommen war aus dem Saturn-, Sonnenund Mondendasein, ersannen in kosmischer Tätigkeit die Elohim dasjenige, was sich nach außen offenbart, was sich im Inneren regt. Und über dem, was sich im Inneren regt, und durch das, was sich regt, herrschte das finstere Dunkel; aber es breitete sich aus da hinein, es brütete darüber, es durchdringend mit Wärme - ähnlich wie das Huhn das Ei - der schöpferische Geist der Elohim, Ruach-Elohim.» Was da als Geist brütete, das ist dasselbe, ganz dasselbe, was dann die Ordnungen bewirkte, welche man ausdrücken konnte in einer gewissen Weise durch die Konstellation der Sterne. So fühlten die ursprünglichen Eingeweihten des Christus-Mysteriums, daß die Blutmischung des Jesus von Nazareth ein Abbild dessen war, was Ruach-Elohim durch das Weltendasein hindurch wirkte. Und sie nannten daher das Blut, das auf diese Weise für das große Ereignis zubereitet worden ist, «geschaffen durch den Geist des Weltendaseins», durch denselben Geist, der in jener bedeutungsvollen Schilderung der Genesis, in dem «Bereschit bara...», genannt wird Ruach.

[ 19 ] Those who were the first to know something of the sublime Christ-Mystery felt that the very blood of Jesus of Nazareth of whom the Gospel of St. Matthew tells was a reflected image of the Cosmos, of the Spirit holding sway in the Cosmos. And they expressed this secret by saying: The Spirit of the whole Cosmos lived in the blood wherein was to dwell the Ego who then became Jesus of Nazareth.—This physical body must therefore have been an imprint of the ruling Spirit of the Cosmos. Hence it was said originally that the power underlying the composition of the blood in the body of Zarathustra when incarnated as Jesus of Nazareth, was the Spirit of our whole Cosmos, the Spirit which, in the primal beginning, after the Sun had separated from the Earth, brooded over and permeated with warmth what had emerged into manifestation in the course of the evolution of worlds. From the lectures given in Munich to which reference has already been made, we know that the sentence with which Genesis begins—B'rescht bara elohim et haschamayim v'et et ha'aretz'—should not be translated into the trivial words of modern language which no longer convey the ancient meaning. Instead of ‘In the beginning God created the heavens and the earth’, the rendering should convey the following meaning: In what has come over from Saturn, Sun and Moon, the Elohim pondered, in cosmic soul-activity, the outwardly manifesting and the inwardly active, throughout which darkness prevailed; but there spread out and into this, brooding over it, permeating it with warmth—as a hen radiates warmth into the egg—the creative Spirit of the Elohim, Ruach-Elohim.—This same Spirit created the heavenly order that is expressed in a certain way in the constellations of the stars. The original Initiates of the Christ-Mystery felt that the blend of blood in Jesus of Nazareth was an image of the work accomplished by Ruach-Elohim throughout the Cosmos. And of the blood that had been prepared in this way for the great event, they said: it was ‘created by the Spirit of the Universe, the spiritual Being called “Ruach” in that significant passage in Genesis beginning "B'reschit bara ...” ’.1See Genesis. Secrets of the Bible Story of Creation. Study of this cycle, particularly of the first two lectures, is indispensable in connection with the above passage.

[ 20 ] Dieser heilige Sinn, der wahrhaftig größer ist als jeglicher andere, triviale Sinn, liegt zunächst als der höhere Sinn dem zugrunde, was genannt wird «die Empfängnis aus dem heiligen Geiste des Weltenalls». Das liegt dem zugrunde, was enthalten ist in dem Wort: «Und die Gebärerin dieses Wesens war erfüllt von der Kraft dieses Geistes des Weltenalls» (Matth.1,18). Wir müssen nur die ganze Größe eines solchen Mysteriums empfinden, und wir werden dann schon finden, daß in dieser Art, die Sache darzustellen, etwas unendlich Höheres liegt als in alledem, was exoterisch in der Conceptio immaculata, in der «Unbefleckten Empfängnis» gegeben ist. Man braucht ja nur zwei Dinge in der Bibel sich selbst gegenüberzustellen, wenn man die wahre Absicht der Bibel erkennen und von einer trivialen Ausdeutung der Unbefleckten Empfängnis abkommen will. Das eine ist dies: Wozu würde der Schreiber des Matthäus-Evangeliums die ganze Reihe der Generationen von Abraham bis auf Joseph aufstellen, wenn er etwa sagen wollte, daß mit dieser ganzen Generationenfolge die Geburt des Jesus von Nazareth nichts zu tun habe? Er bemüht sich darzustellen, wie das Blut von ‚Abraham bis auf Joseph heruntergeleitet wird, und dann sollte er sagen, daß mit diesem Blut in Wahrheit das Blut des Jesus von Nazareth nichts zu tun habe? Und die andere Tatsache ist, daß Ruach-Elohim, der in der Bibel der Heilige Geist genannt wird, in der hebräischen Sprache weiblichen Geschlechts ist, ein Femininum ist, was doch wohl auch in irgendeiner Weise in Betracht kommen muß. — Wir werden darauf noch weiter zu sprechen kommen; jetzt wollte ich nur ein Gefühl dafür hervorrufen, wie groß die Gedankenkonzeption ist, die diesem Mysterium bei seinem Ausgangspunkt zugrunde liegt.

[ 20 ] Such is the sacred meaning, infinitely greater than any superficial interpretation, of ‘the conception by the Holy Spirit of the Universe’; it is also the basis of the saying: ‘And she who gave birth to this Being was filled with the power of the Spirit of the Universe.’—If we feel the sanctity of such a Mystery we shall realise that in this way of presenting it there is something infinitely higher than any of the exoteric interpretations of the Virgin Birth. Consideration of just two points in the Bible will enable us to avoid trivial interpretations of this ‘immaculate conception’. The one point is this: Why should the writer of St. Matthew's Gospel have enumerated the whole sequence of generations from Abraham to Joseph if he had wished to indicate that the birth of Jesus of Nazareth had no connection with this line of descent ? He is at pains to show how the blood was led down the generations from Abraham to Joseph; how, then, could he possibly have intended to indicate that the blood of Jesus of Nazareth had nothing to do with this blood? And the other point of which account must be taken is that in the Hebrew language the gender of ‘Ruach-Elohim’—rendered ‘Holy Spirit' ’ the Bible—is feminine.—We shall speak further of this. I only wanted now to call up a feeling of the sublimity and grandeur of the thought originally underlying this Mystery.

[ 21 ] Was da beim Ausgangspunkt unserer Zeitrechnung sich abgespielt hat, und was nur die Weisen kannten, die wirklich in die Geheimnisse des Weltendaseins eingeweiht waren, das wurde zunächst ausgedrückt in aramäischer Sprache in der Urkunde, welche dem Matthäus-Evangelium zugrunde liegt. Und nicht nur durch den Okkultismus, sondern auch durch rein philologische Forschung ist es möglich, zu beweisen, daß diese Urkunde, welche dem Matthäus-Evangelium zugrunde liegt, bereits im Jahre 71 existiert hat. Das wahre Zustandekommen der Evangelien können Sie in meinem Buche «Das Christentum als mystische Tatsache» dargestellt finden. Aber wenn man wirklich genau vorgeht, kann man selbst philologisch nachweisen, daß alles, was von einer späteren Konzeption des Matthäus-Evangeliums gesagt wird, nicht richtig ist; denn wir können nachweisen, daß bereits im Jahre 71 -also verhältnismäßig kurze Zeit nach dem Ereignisse von Palästina - eine aramäische Urschrift des Matthäus-Evangeliums vorhanden war. Aber weil ich hier nicht philologische Tatsachen, sondern nur geisteswissenschaftliche zu vertreten habe, will ich dabei nur auf eines hinweisen aus der talmudischen Literatur, die vollständig gesichert ist durch jüdische Gelehrte.

[ 21 ] What took place at the beginning of our era, known only to wise men who were initiated into the secrets of cosmic existence, was expressed in the Aramaic language in the original record upon which the Gospel of St. Matthew is based. And it is possible to prove, not only through occultism but through actual philological investigation, that this record was already in existence in the year 71 A.D. The actual way in which the Gospels originated is set forth in my book Christianity as Mystical Fact.2Chapter VII. By proceeding with exactitude, however, it is possible to show, even through philology, that statements attributing a later date to the Gospel of St. Matthew are not correct, for there is evidence that an original Aramaic script of this Gospel was already extant in the year 71 A.D. comparatively short time, therefore, after the events in Palestine. But as I am concerned here with facts of spiritual science, not of philology, I will quote only one reference in Talmudist literature, the authenticity of which is accepted by Hebrew scholars.

[ 22 ] In der talmudischen Literatur finden wir eine Angabe, daß Rabbi Gamaliel II. mit seiner Schwester in einen Erbschaftsstreit verwickelt war, der dadurch entstanden war, daß im Jahre 70 sein Vater in einem Streit mit den Römern umgekommen war. Und es wird uns erzählt, daß Rabbi Gamaliel II. damals vor einem Richter stand, der nach allem, was uns die talmudische Literatur berichtet, ein Halbchrist war, ein sogenannter Judenchrist. Solche gab es schon in jenen Richterstellen, die von den Römern den Juden hingesetzt waren. Dabei ging nun etwas Merkwürdiges vor: Rabbi Gamaliel II. kämpft mit seiner Schwester um die Erbschaft, um das Vermögen seines Vaters. Und vor seinem Richter, der schon etwas vom Christentum weiß, macht er geltend, daß nach dem bei den Juden geltenden Gesetz nur der Sohn, nicht aber die Tochter erben könne, und daß ihm allein also die Erbschaft gehöre. Da hält ihm der Richter vor, daß ja die Thora abgesetzt sei in denjenigen Kreisen, innerhalb welcher er Richter sei, und da er Recht und Urteilsspruch bei ihm suche, so wolle er nicht bloß richten nach dem Gesetz der Juden, sondern nach dem Gesetz, das sich an die Stelle der Thora hingesetzt habe. Das alles war geschehen, wie schon gesagt, im Jahre 71, da der Vater des Gamaliel im Jahre 70 bei der Judenverfolgung umgekommen war. Nun fand Rabbi Gamaliel keinen anderen Ausweg mehr, als daß er den Richter bestach. Da machte der bestochene Richter am nächsten Tage ein Zitat, und zwar war das ein solches, das entlehnt war der aramäischen Urschrift des Matthäus-Evangeliums. Und was sagte der Richter? Der Christus «sei nicht gekommen, das Gesetz des Moses zu brechen, sondern es zu erfüllen!» (Matth. 5,17). So glaubte er damit sein Gewissen entlasten zu können, wenn er das Gesetz beugte, indem er sagte, er richte doch im Sinne des Christus, wenn er dem Gamaliel die Erbschaft zuspräche.

[ 22 ] There is a passage in this literature to the effect that Rabbi Gamaliel II was involved in a dispute with his sister over the estate left by their father who had been killed in a fight with the Romans in the year 7o. It is narrated that Rabbi Gamaliel II appeared at the time before a judge who, according to the account, was a so-called Jewish Christian. (Such men not uncommonly occupied offices in the judiciary courts set up by the Romans for the Jews.) A strange incident occurred during the proceedings. The dispute between the Rabbi and his sister was over the inheritance of their father's estate. And before a judge who certainly had some knowledge of Christianity, Rabbi Gamaliel insisted that according to Jewish Law it was only a son, not a daughter, who could inherit, and that the estate therefore passed to him. The judge replied that in the circle where he officiated, the Thora had been set aside, and that as Gamaliel was seeking justice and a verdict from him, he would not give judgment in accordance with Jewish Law but with the Law that had superseded the Thora. As already said, this happened in the year 71—the year after the death of the father of the litigants during the persecution of the Jews. Rabbi Gamaliel's only loophole now was to bribe the judge. This he did, and the following day the judge quoted from the original Aramaic script of St. Matthew's Gospel, to the effect that ‘Christ did not come into the world to destroy the Law of Moses but to fulfil it’. The judge believed he could still his conscience for deflecting the Law by maintaining that in allotting the estate to Gamaliel his judgment was in accordance with Christian tenets.

[ 23 ] Daraus wissen wir, daß im Jahre 71 eine christliche Urkunde bestand, aus welcher Worte entlehnt wurden, welche heute im MatthäusEvangelium enthalten sind. Wir haben also dieses äußerliche Zeichen - es wird nämlich jene Stelle in aramäischer Sprache angeführt -, daß diese Urkunde, diese aramäische Urschrift des Matthäus-Evangeliums, damals mindestens teilweise vorhanden gewesen ist. Was die okkulte Forschung darüber zu sagen hat, das werden wir noch zu besprechen haben. Dies sollte jetzt nur angeführt werden, um zu zeigen: Wenn man schon die äußere Wissenschaft zu Hilfe zieht, darf man das nicht machen, was so oft gemacht wird, daß nämlich alles zusammengetragen wird, was die Herren gerade lesen können, während sie zum Beispiel die talmudische Literatur unberücksichtigt lassen, die außerordentlich bedeutsam ist für das, was man auch exoterisch über diese Dinge erkennen kann.

[ 23 ] Here we have evidence that in the year 71 A.D. there existed an original Christian script from which words now contained in the Gospel of St. Matthew were taken. The passage in question was actually quoted in Aramaic and thus we have external proof that this original text of St. Matthew's Gospel, part of it at any rate, was then in existence. We have yet to consider the findings of occult investigation on the subject. The above episode has been quoted merely in order to show that when the aid of external scholarship is sought, it is not right to adopt the usual procedure which is to collect all the literature available for academic study but leave out of account the Talmudist writings which are exceedingly important for knowledge even of the exoteric aspect of these things.

[ 24 ] So sehen wir, daß wir auch äußerlich auf einem recht guten Boden stehen, wenn man das Matthäus-Evangelium verhältnismäßig früh ansetzt. Damit schon allein, möchte ich sagen, ist auch äußerlich ein gewisser Beweis geliefert, daß die Menschen, welche an der Abfassung des Matthäus-Evangeliums beteiligt waren, zeitlich nicht sehr weit entfernt von den Ereignissen in Palästina waren, so daß dadurch selbst exoterisch gesichert ist, daß man damals nicht einfach den Leuten ins Gesicht lügen konnte und sagen, es hätte also im Beginne unserer Zeitrechnung nicht der Christus Jesus gelebt, von dem wir sprechen. Denn es war nicht einmal ein halbes Jahrhundert darnach, so daß man noch zu Augenzeugen zu sprechen hatte und denen nicht Dinge sagen konnte, welche sich nicht zugetragen hatten. Das sind Dinge, die exoterisch wichtig sind, und wir wollen sie nur anführen zum Beleg für das Exoterische der Sache.

[ 24 ] Thus there are very good grounds for affixing a comparatively early date to the Gospel of St. Matthew. This alone provides certain exoteric proof that the men who participated in its compilation were living at no great distance of time from the actual happenings in Palestine; the outer circumstances in themselves, therefore, are evidence that nobody could simply have lied to people, saying that Christ Jesus did not live at the beginning of our era. For as not even half a century had yet elapsed, it was a matter of speaking to those who had been actual eye-witnesses and therefore could not be persuaded that certain events had never happened. Exoterically these things are important and they are mentioned here merely as evidence of that aspect of the subject.

[ 25 ] Wir haben also geschen, wie aus den Geheimnissen des Kosmos heraus in der Menschheitsevolution Veranstaltungen getroffen worden sind, um aus dem gleichsam filtrierten Blute des hebräischen Volkes, das die Ordnung des Weltalls selbst in sich aufgenommen hatte, einen Körper herzustellen, in welchem sich wieder inkarniert der große Eingeweihte Zarathustra. Denn von der Zarathustra-Individualität spricht das Matthäus-Evangelium; und keine andere Individualität als die Zarathustra-Individualität ist es, von der dieses Evangelium spricht. Nun dürfen wir uns nicht etwa denken, daß alles dies, was wir gleichsam aus den tiefsten Geheimnissen der Weltenevolution hervorheben, sich so ganz offen vor aller Augen abgespielt habe. Das war auch für die Zeitgenossen in ein tiefes Geheimnis gehüllt und nur den wenigsten Eingeweihten verständlich. Daher ist es begreiflich, daß ein so tiefes Schweigen herrscht über alles, was sich damals als das größte Ereignis der Menschheitsevolution zugetragen hat. Und wenn sich heute die Historiker auf ihre Urkunden berufen und sagen, daß diese Urkunden über dieses Ereignis schweigen, so muß uns das nicht verwundern, sondern ganz natürlich erscheinen.

[ 25 ] We have seen how measures founded on mysteries of cos-mic existence were taken in the evolution of humanity in order to prepare from the 'filtered' blood of the Hebrew people—blood in which the order of the Cosmos itself prevailed—a body in which the great Initiate Zarathustra could reincarnate. For it is of the Zarathustra-Individuality, of him and no other, that the Gospel of Matthew speaks in the first place. It must not be imagined that everything brought to light here from profound secrets of world-evolution took place quite openly, before the eyes of all men. Even for contemporaries the events were veiled in deep mystery and comprehensible only to a very few Initiates. Hence it is understandable that such complete silence should have been maintained concerning what came to pass at that time as the greatest of all events in the evolution and history of humanity. And when historians to-clay, basing their views on the records available to them, point out that no mention whatever is made of this event, we shall not be at all surprised but on the contrary regard it as a matter of course.

[ 26 ] Wenn wir jetzt charakterisiert haben, wie von der Zarathustra-Seite her dieses größte Ereignis unserer Menschheitsevolution vorbereitet wurde, so müssen wir uns jetzt noch andere vorbereitende Strömungen zu diesem großen Ereignis ein wenig vor die Seele führen. Vieles, vieles geschah in der Menschheitsevolution unmittelbar vorher und auch unmittelbar nachher, nachdem diese Ereignisse um Christus herum sich abgespielt hatten. Es ist dieses Ereignis im Grunde schon lange vorher vorbereitet worden. Wie es von äußerer Seite vorbereitet wurde, indem Zarathustra Moses und Hermes ausgesandt hat, indem von Melchisedek, von dem Sonnenmysterium selber, die äußere Hülle des Jesus von Nazareth vorbereitet wurde, so wurde ein anderes noch vorbereitet, gleichsam eine Nebenströmung dieser großen Strömung, die aber, wenn sie auch nur eine Nebenströmung ist, doch etwas zu tun hat mit der großen Hauptströmung, die vonZarathustra herkommt. Diese Nebenströmung bereitet sich langsam vor in jenen Stätten, die uns bezeichnet werden auch von der äußeren Geschichte dadurch, daß wit auf gewisse Sekten aufmerksam gemacht werden, welche eine besondere Seelenentwickelung anstrebten, und die uns von Philo als die «Therapeuten» beschrieben werden. Die Therapeuten waren Angehörige einer geheimnisvollen Sekte, die auf innerlichem Wege ihre Seelen zu reinigen suchten, um das herauszubringen, was durch den äußeren Verkehr und durch die äußeren Erkenntnisse verunreinigt wird, um sich dadurch in reine geistige Sphären zu erheben. Eine Abzweigung dieser Sekte der Therapeuten, in welcher jene Nebenströmung weiter vorbereitet wurde, waren die in Asien lebenden «Essäer» oder «Essener». Diese Menschen alle - Sie können eine kurze Beschreibung darüber in meinem «Christentum als mystische Tatsache» finden -, welche in diesen Sekten vereinigt waren, hatten eine gewisse gemeinsame geistige Leitung. Sowohl bei den Therapeuten wie auch bei den Essäern war eine gewisse geistige Leitung vorhanden. Und wenn wir diese geistige Leitung exoterisch kennenlernen wollen, müssen wir uns an das erinnern, was wir im vorigen Jahre bei den Vorträgen über das Lukas-Evangelium besprochen haben. Wir haben dabei angeführt das Geheimnis des Gautama Buddha, wie es in den orientalischen Schriften auch exoterisch behandelt wird, und wir haben gesagt, daß derjenige, der ein Buddha werden will im Laufe der Entwickelung, zunächst ein Bodhisattva werden müsse. Wir haben ausgeführt, wie derjenige, der aus der Geschichte als «Buddha» bekannt ist, auch zuerst ein Bodhisattva war und dann Buddha wurde. Bis zum neunundzwanzigsten Jahre seines physischen Seins als der Sohn des Königs Suddhodana war er noch ein Bodhisattva, und erst im neunundzwanzigsten Jahre ist er durch seine innere Seelenentwickelung vom Bodhisattva zum Buddha geworden. Der Bodhisattvas gibt es nun eine ganze Reihe in der Entwickelung der Menschheit; und jener Bodhisattva, der sechs Jahrhunderte vor unserer Zeitrechnung ein Buddha geworden war, ist einer von den Bodhisattvas, welche die Entwickelung der Menschheit leiten. Eine solche Individualität, welche aufsteigt von der Würde eines Bodhisattva zur Würde eines Buddha, inkorporiert sich später nicht wieder in einem physischen Leibe auf der Erde. Wir haben dann gesehen, wie sich der Buddha manifestiert hat bei der Geburt des Jesus des Lukas-Evangeliums, indem er sich mit diesem Jesus, den wir den Jesus der nathanischen Linie nannten, verband mit seinem ätherischen Leibe. Und wir haben gesehen, daß dies ein anderer Jesus ist als der, von dem wir beim Matthäus-Evangelium zunächst sprechen.

[ 26 ] Having characterized the part played by Zarathustra in the preparation of this great event, we must now consider the many other currents and influences at work immediately before and also immediately after the coming of the Christ, and all the happenings that took place around Him. Preparation for the event had been in process for a long time. We have heard that preparation for the development of the outer sheaths of Jesus of Nazareth had been made by Hermes and Moses as the emissaries of Zarathustra, and by Melchisedek, the bearer of the Sun-Mystery, but there had also been preparation in a different form, constituting as it were a subsidiary stream. But subsidiary though it was, it nevertheless played a part in the wider stream of happenings originating with Zarathustra. This contributory stream came slowly into existence in centres of which external history informs us by calling attention to certain religious sects where men, named by Philo the ‘Therapeutae’, were endeavouring by inner paths to purify and develop their souls, to expel any elements corrupted by outer concerns and external knowledge, in order thereby to rise into the sphere of pure Spirit. An offshoot of the sect of the Therapeutae, where this subsidiary stream underwent still further development, was the community of the Essenes in Asia. All these men in the sects both of the Therapeutae and the Essenes were under a common spiritual guidance. A brief account of them is contained in my book Christianity as Mystical Fact.3Chapter X. To have any exoteric knowledge of this spiritual guidance we must remind ourselves of the lectures given last year on the Gospel of St. Luke and published with that title.4Notably Lectures Two and Three. Reference was there made to the mystery of Gautama Buddha, the exoteric aspect of which is also presented in oriental writings, and it was said that one who is to attain Buddhahood in the course of evolution must, to begin with, be a Bodhisattva, as in the case of the Being known in history as the Buddha. He too was a Bodhisattva until the twenty-ninth year of his life as the son of King Suddhodana, and it was not until then that through his inner development he rose to Buddhahood. Many Bodhisattvas work in the course of the evolution of humanity and the Bodhisattva who became Buddha six hundred years before our era is one of those who guide and direct evolution. An individuality who rises from the rank of Bodhisattva to that of Buddha does not again incarnate in a physical body on the Earth. From the same lectures on the Gospel of St. Luke we have heard how from the day of the birth of the Jesus of the Nathan line of descent, the power of the Buddha radiated into the etheric body of this child. And we heard that this is not the same Jesus as the Jesus with whom the Gospel of St. Matthew is primarily concerned.

[ 27 ] In diesem Buddhawerden des Königssohnes des Suddhodana haben wir zu sehen den Abschluß einer alten Entwickelung. In der Tat gehört diese Entwickelung, welche ihren Abschluß mit dem Buddhawerden jenes Bodhisattya erreicht, derselben Strömung an, der auch die heiligen Rishis der Inder angehören; aber diese erreichte mit dem Buddhawerden jenes Bodhisattva einen gewissen Abschluß. -— Wenn nun ein Bodhisattva zum Buddha wird, so tritt an seine Stelle sein Nachfolger. Das erzählt auch die alte indische Legende, indem sie sagt, daß der Bodhisattva, der herunterstieg, um als Sohn des Königs Suddhodana zur Buddhawürde aufzusteigen, vor seinem letzten Herabsteigen die Krone des Bodhisattva weitergab an seinen Nachfolger in den geistigen Reichen. Es gab also seit jenen Zeiten einen Nachfolger jenes Bodhisattva, der damals Buddha wurde. Und dieser neue Bodhisattva, der nun als Bodhisattva weiter wirkte, hatte eine besondere Aufgabe für die Menschheitsentwickelung. Ihm war besonders die Aufgabe zugefallen, geistig zu leiten jene Bewegung, welche sich im Therapeutentum, im Essäertum kundgab, so daß wir in jenem Bodhisattva, der der Nachfolger des Buddha wurde, anerkennen den geistigen Leiter der Therapeuten- und Essäergemeinden. Da wirkte sein Einfluß. Dieser Bodhisattva schickte sozusagen zur Leitung der Essäer unter der Regierung des Königs Alexander Jannai - ungefähr 125 bis 77 vor unserer Zeitrechnung - eine besondere Individualität in die Essäergemeinden hinein. Diese besondere Individualität leitete ungefähr ein Jahrhundert vor dem Erscheinen des Christus Jesus auf der Erde die Essäergemeinden. Diese Persönlichkeit ist dem Okkultismus gut bekannt, aber auch der äußeren talmudischen Literatur.

[ 27 ] An ancient phase of evolution came to a conclusion svith this attainment of Buddhahood by the Bodhisattva, the son of King Suddhodana. In point of fact, this phase of evolution belonged to the same stream as that of the holy Rishis of India; but it was brought to a certain culmination when that Bodhisattva attained the rank of Buddhahood. When a Bodhisattva becomes a Buddha, his successor takes his place. This is also narrated in the old Indian legend where it is said that in the spiritual realms, before descending to his final birth, the Bodhisattva who was born as the son of Suddhodana and then rose to Buddhahood, handed to his successor the crown belonging to the office of Bodhisattva. Thus since that time the Bodhisattva who then became Gautama Buddha has been succeeded by the new Bodhisattva who had a particular mission to fulfil in the history of mankind. The task allotted to him was the spiritual guidance of the movement represented in the doctrines of the Therapeutae and Essenes and it was in these communities that his influence worked. During the reign of King Alexander Jannaeus (about 103 to 76 B.C.), a certain Individuality was sent by this Bodhisattva into the communities of the Essenes to be their guide and leader. This Individuality—he is well-known in occultism and also in exoteric Talmudist literature—was the leader of the Essenes about a hundred years before the appearance of Christ Jesus on the Earth.5Appendix II, p. 236.

[ 28 ] Es gab also ein Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung, ein Jahrhundert vor der Erscheinung des Christus auf der Erde, eine Individualität, die nichts zu tun hat mit dem Jesus des Lukas-Evangeliums und nichts zu tun hat mit dem Jesus des Matthäus-Evangeliums, eine Persönlichkeit, die Lenker und Leiter war in den Essäergemeinden. Diese Persönlichkeit ist dem Okkultismus gut bekannt als eine Art von Vorläufer der Essäer für das Christentum; sie ist bekannt aber auch in der talmudischen Literatur unter dem Namen Jesus, der Sohn des Pandira, Jeshu ben Pandira. Diesen Jesus, Sohn des Pandira, über den üble jüdische Literaturen allerlei gefabelt haben, was dann in neuerer Zeit wieder aufgewärmt worden ist, diese Persönlichkeit, die eine edle und große Persönlichkeit war, darf man nicht verwechseln, wie es einige Talmudisten tun, mit dem Jesus von Nazareth, von dem wir sprechen. Wir kennen auch diesen essäischen Vorläufer des Christentums in dem Jesus, dem Sohn des Pandira. Und wir wissen, daß dieser Jeshu ben Pandira von denen, die damals in der essäischen Lehre Gotteslästerungen sahen, angeklagt worden ist der Gotteslästerung und Häresie, dann zuerst gesteinigt und, nachdem er gesteinigt worden war, an einem Baum aufgehängt worden ist, um zur Strafe auch noch die Schande hinzuzufügen. Das ist eine okkulte, aber auch eine in der talmudischen Literatur vorkommende Tatsache.

[ 28 ] Thus a hundred years before our era there lived a personality who is not to be confused either with the Jesus of St. Luke's Gospel or with the Jesus of St. Matthew's Gospel; he was a leading figure in the Essene communities and is known in occultism as a herald of Christianity among them. He is also known in Talmudist literature under the name of Jesus, the son of Pandira, Jeshu ben Pandira. He was a great and noble personality, about whom inferior Jewish literature has woven all kinds of fables that have been recently revived, and he must not be confused, as some Talmudists have confused him, with the ‘Jesus of Nazareth’ of whom we are speaking in these lectures. This herald of Christianity among the Essenes is known to us too as Jesus, the son of Pandira; we also know that he was accused of blasphemy and heresy by those to whom the teachings of the Essenes were anathema, and after being stoned was hanged on a tree, in order to add to the punishment the stigma of infamy. This is an occult fact, also recorded in Talmudist literature.

[ 29 ] In diesem Jeshu ben Pandira haben wir eine Persönlichkeit zu sehen, die unter dem Schutze des Bodhisattva steht, welcher der Nachfolger jenes Bodhisattva ist, der als der Sohn des Königs Suddhodana später zum Buddha geworden ist. So liegen die Dinge ganz klar. Wir haben eine Art Vorbereitung, eine Nebenströmung der christlichen Hauptströmung in jener Strömung zu sehen, welche abhängig ist von dem Nachfolger des Buddha, von dem jetzigen Bodhisattva, der später der Maitreya Buddha werden wird und seine Sendboten in die Essäergemeinden hineingeschickt hat; sie lebte sich damals aus in dem Missionar, der in den Essäergemeinden das bewirkte, was wir in dem nächsten Vortrag kennenlernen werden.

[ 29 ] In Jeshu ben Pandira we have to see a personality stand-ing under the guardianship of the present Bodhisattva. The facts are therefore clear.—A stream, as it were accessory to the main Christian stream, originated from the Buddha's successor, from the present Bodhisattva who later on will become the Maitreya Buddha and who sent his emissary into the Essene communities, where in executing his mission he achieved what we shall come to know in the following lectures.

[ 30 ] So haben wir den Namen Jesus zu suchen bei der Individualität, von der uns das Matthäus- und das Lukas-Evangelium berichten; wir müssen den Namen Jesus aber auch ein Jahrhundert vor dem Beginn unserer Zeitrechnung in der Essäergemeinde suchen bei jener edlen Persönlichkeit, gegenüber der alles, was üble talmudische Literatur gefunden hat, Verleumdung ist, die angeklagt worden ist wegen Gotteslästerung und Häresie, die erst gesteinigt und nachher an einen Baum gehängt worden ist.

[ 30 ] The name ‘Jesus’ is that of the Individuality of whom the Gospels of St. Matthew and St. Luke tell; but it was also the name of that noble personality—regarding whom everything contained in inferior Jewish literature is calumny—who worked in the Essene community a hundred years before our era, was accused of blasphemy and heresy, stoned and finally hanged on a tree.