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The Gospel of St. Matthew
GA 123

8 September 1910, Bern

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Achter Vortrag

Lecture Eight

[ 1 ] In dem, was wir gestern angeführt haben über das Heraufheben der beiden Seiten der Initiation auf die Höhe welthistorischer Vorgänge in dem Christus-Ereignis, liegt zugleich angegeben, wenn man es ganz durchschaut, das uns Wesentliche dieses Christus-Ereignisses.

[ 1 ] It was said yesterday that through the Christ Event the two forms of Initiation became processes of world-historic significance, and when this is fully comprehended it epitomises an essential aspect of that Event.

[ 2 ] Eine Initiation oder Einweihung, die darin bestand, daß der Mensch gleichsam das tägliche Erlebnis des Aufwachens so durchmachte, daß beim Hinuntersteigen in den physischen Leib und Ätherleib nicht das Wahrnehmungsvermögen abgelenkt wird auf die äußere physische Umgebung, sondern erregt wird für die Vorgänge des Ätherleibes und physischen Leibes, eine solche Art der Einweihung hatten wir ja besonders in all den Mysterien und Einweihungsstätten gegeben, die sich auf die ägyptische heilige Kultur begründeten. Diejenigen, die eine solche Einweihung im alten Sinne suchten, das heißt in dem Sinne, daß sie dabei gelenkt und geleitet wurden, damit die bei einer solchen Einweihung auftretenden Gefahren vorübergehen konnten, sie wurden dadurch in gewisser Beziehung zu anderen Menschen, zu solchen Menschen, die während des Einweihungsaktes hineinschauen konnten in die geistige Welt, zunächst in jene geistigen Kräfte und Wesenheiten, die beteiligt sind an unserem physischen Leib und Ätherleib.

[ 2 ] One form of Initiation consisted in passing through the daily experience of waking from sleep in such a way that on penetrating into his physical and etheric bodies a man's faculties of perception were diverted from the physical environment and directed instead to the processes operating in those bodies. It was above all in the Mysteries and Mystery-centres of ancient Egypt that Initiation took this form. The aspirants were directed and guided in a way that enabled them to avoid the accompanying dangers; in a certain respect they became changed men, able during the process of Initiation to look into the spiritual world—to begin with into the sphere of spiritual forces and beings working in the human physical and etheric bodies.

[ 3 ] Wenn wir jetzt die Essäereinweihung von diesem Gesichtspunkte aus charakterisieren wollen, so können wir sagen: Wenn ein Essäer die charakterisierten zweiundvierzig Stufen durchmachte und dadurch zu einer genaueren Kenntnis seines wahren Inneren kam, seiner wahren Ich-Natur und alles dessen, was den Menschen befähigt, durch die äußeren durch die Vererbung dazu bestimmten Organe zu sehen, so wurde ein solcher Essäer über die zweiundvierzig Stufen hinausgeführt bis zu derjenigen geistig-göttlichen Wesenheit, welche als Jahve oder Jehova jenes Organ bewirkte, das ich Ihnen bei Abraham charakterisiert habe; das sah er dann im Geiste als dieses Organ, das wesentlich war für die damalige Zeit. Der Essäer sah also zurück auf das innere wesenhafte Gefüge der menschlichen Innenwesenheit, die ja ein Ergebnis war dieser göttlich-geistigen Wesenheit. Auf die Erkenntnis des menschlichen Inneren war es also bei einer solchen Einweihung abgesehen.

[ 3 ] The Essene Initiation may be described as follows.—When, having lived through the 42 stages, an Essene had gained more intimate knowledge of his inner nature, of his true Eg0-nature, and of what made spiritual vision possible when using the special organs transmitted by heredity, his consciousness was led beyond the 42 stages to awareness of the divine-spiritual Being who as Jahve, or Jehovah, had brought about the formation of the organ first possessed by Abraham; in the spirit the Essene became aware of the essential importance of this organ at that time. He was therefore looking back upon the structure of man's inner nature—itself a product of the same divine-spiritual Being. Knowledge of man's inner nature was the aim of this Initiation.

[ 4 ] Was nun dem Menschen bevorsteht, wenn er unvorbereitet in sein Inneres hineindringen kann, das habe ich Ihnen im allgemeinen gestern charakterisiert. Ich habe gesagt, da erwachen in dem Menschen zunächst alle Egoismen, alles, was den Menschen dazu bringt, daß er sich sagt: Alle die Kräfte, die in mir sind, alle Leidenschaften und Emotionen, die mit meinem Ich zusammenhängen und die nichts wissen wollen von der geistigen Welt, ich will sie so in mir haben, daß ich mich mit ihnen verbinden kann und nur aus meinem eigenen egoistischen Inneren heraus handle, empfinde und fühle! - Also das ist die Gefahr, daß der Mensch bis zum höchsten Maße des Egoismus hinaufwächst durch solches Hineinsteigen in sein Inneres. Das ist es ja auch, was als eine bestimmte Art von Illusion immer wieder über diejenigen kommt, die auch heute durch eine esoterische Entwickelung dieses Hineinsteigen in das eigene Innere anstreben wollen. Bei solcher Gelegenheit machen sich mancherlei Egoismen beim Menschen geltend; und wenn sie dann da sind, glaubt der Mensch in der Regel gar nicht, daß es diese Egoismen sind. Er glaubt eigentlich alles eher, als daß es diese Egoismen sind. Der Weg in die höheren Welten wird ja genugsam als ein solcher geschildert, zu dem, selbst wenn er in unserer Zeit gesucht wird, Überwindungen notwendig sind. Und manche von denjenigen Menschen, die, auch in unserer Zeit, gern den Weg in die höheren Welten hinauf gehen wollen, aber keine solche Überwindungen haben wollen, die zwar gern schauen möchten in höheren Welten, aber nicht erleben wollen, was eigentlich dazu führen kann, solche Menschen finden es dann immer wieder unbequem, allerlei in sich auftauchen zu sehen, was nun einmal in der menschlichen Natur liegt. Sie möchten ohne dieses Auftauchen von allerlei Egoismen und dergleichen in die höheren Welten hinaufkommen. Sie merken nicht, daß oft gerade darin der herbste, der bedeutsamste Egoismus sich zeigt, daß sich die Unzufriedenheit geltend macht mit dem, was eigentlich als etwas ganz Reguläres eintritt, und von dem sie sich fragen sollten: Muß ich denn nicht, da ich ein Mensch bin, auch allerlei solche Gewalten aufrufen? Sie finden es merkwürdig, daß solche Dinge da sind, trotzdem es hundert- und hundertmal erklärt wird, daß sich so etwas in einer bestimmten Zeit einstellt. Ich will damit nur hinweisen auf die Illusionen und Täuschungen, denen sich gewisse Menschen hingeben. In unserer Zeit ist es ja noch zu berücksichtigen, daß die Menschheit in einer gewissen Weise bequem geworden ist und am liebsten mit der Bequemlichkeit, die man sonst im gewöhnlichen Leben liebt, den Weg in die höheren Welten hinauf gehen möchte. Aber solche Bequemlichkeiten, wie man sie auf den gewöhnlichen Gebieten des Daseins gern schafft, können nicht geschaffen werden auf dem Wege, der in die geistigen Welten führen soll.

[ 4 ] In the lecture yesterday I spoke in a general sense of what is in store for one who penetrates into his own inner nature. In the first place, egoism in every shape and form is aroused, inducing a man to say to himself: I will marshal all the passions and emotions that are connected with my Ego and are averse from knowing anything of the spiritual world—I will marshal all these forces so that I can identify myself with them, acting and feeling only out of my own Ego-centric nature!—The danger is that a man who penetrates into his own inner nature may become supremely egoistic, and this also as a particular form of illusion to those who are endeavouring through esoteric development to achieve the same goal. In the latter case egoism takes many forms which the person in question usually does not recognize; in fact he believes his impulses to be the reverse of egoistic. Again and again it has been said that the path into the higher worlds demands inner conquests. But there are many who would like to tread this path without any such efforts, who would like to have vision of the higher worlds but are unwilling to undergo the experiences that make this possible; such people dislike having to overcome all kinds of impulses inherent in human nature and want to reach the higher worlds while at the same time avoiding all such impulses. They are quite unaware that to allow entirely regular and normal occurrences on this path to be the cause of disaffection is often a sign of extreme egoism. Every individual ought really to ask himself: Is it not inevitable that as a human being I should stir up powers of this kind?—But although it has been emphasized over and over again that at, a certain stage something of the sort will happen, these people are still taken aback. In saying this I merely want to indicate the illusions and misconceptions to which everyone is apt to succumb. It must also be remembered that men in our time have become very ease-loving and would prefer to tread the path into the higher worlds with the comforts available to them in everyday life. But comforts much sought after in certain domains of life simply cannot be available along the path leading into the spiritual world.

[ 5 ] Derjenige nun, der diesen Weg in die geistige Welt in den alten Zeiten dadurch gefunden hatte, daß er durch die Einweihung gegangen war, die in das menschliche Innere führt, der wurde, weil das menschliche Innere von göttlich-geistigen Mächten geschaffen ist, damit hineingeführt in die göttlich-geistigen Kräfte. Man sieht dann am physischen Leibe und Ätherleibe die göttlich-geistigen Kräfte arbeiten. Ein solcher Mensch wurde geeignet, ein Zeuge, ein Künder zu sein von den Geheimnissen der geistigen Welt. Er konnte seinen Mitmenschen erzählen, was er durchgemacht hatte, während er in den Mysterien hineingeführt wurde in sein eigenes Inneres und dadurch in die geistige Welt. Was aber war damit verbunden? Wenn ein solcher Eingeweihter herauskam aus den geistigen Welten, konnte er sagen: Da habe ich hineingeblickt in das geistige Dasein; aber mir wurde geholfen! Die Gehilfen des Initiators haben es mir möglich gemacht, daß ich überdauert habe die Zeit, in der sonst die Dämonen aus meiner eigenen Natur mich niedergedrückt haben würden. - Dadurch aber, daß er in dieser Art den äußeren Hilfen sein Hineinschauen in die geistige Welt verdankte, blieb er auch zeitlebens von diesem Einweihungskollegium abhängig, von denjenigen, die ihm geholfen hatten. Die Kräfte, die ihm geholfen hatten, gingen mit ihm hinaus in die Welt.

[ 5 ] In former times, a man who found this path through the process of Initiation which led into his inner nature, came into the realm of its own—divine-spiritual Powers at work in his physical and etheric bodies. Such a man was able to testify of the secrets of the spiritual world and to recount to his fellow-men the experiences undergone in the Mysteries while he was being led into his own inner nature and therewith into the spiritual world. But something was connected with this process. When the Initiate came back from the spiritual worlds he could say I have gazed into the realm of spiritual existence; but I was helped! The helpers of the Initiator made it possible for me to live through the time when the demonic beings from my own nature would have got the better of me.—-But because he owed his vision of the spiritual world to helpers from outside, he remained dependent for the whole of his life upon this ‘Initiation-collegiate’, upon those who had been his helpers. He carried with him into the world the forces of the beings who had helped in his Initiation.

[ 6 ] Das sollte anders werden. Das sollte überwunden werden. Diejenigen, die initiiert werden sollten, sollten immer weniger abhängig bleiben von denen, die ihre Lehrer und Initiatoren sind. Denn mit dieser Hilfe war ein Anderes, Wesentliches verbunden. Wir haben in unserem alltäglichen Bewußtsein ein ganz deutliches Ich-Gefühl, das in einer bestimmten Stunde unseres Daseins erwacht. Darüber wurde schon öfter gesprochen, und Sie finden auch in meiner «Theosophie» den Zeitpunkt charakterisiert, wo der Mensch dazu kommt, sich als ein Ich anzusprechen. Das ist etwas, was das Tier nicht kann. Wenn das Tier in sein Inneres schauen würde wie der Mensch, so würde es nicht ein individuelles Ich, sondern ein Gattungs-Ich, ein GruppenIch finden: es würde sich zugehörig fühlen zu einer ganzen Gruppe. Dieses Ich-Gefühl erlosch in einer gewissen Weise bei den alten Einweihungen. Während der Mensch also in die geistigen Welten hineinstieg, trübte sich sein Ich-Gefühl, und wenn Sie alles zusammennehmen, was ich gesagt habe, werden Sie es begreiflich finden, daß es gut war. Denn das Ich-Gefühl ist es ja, mit dem sich alle die Egoismen, Leidenschaften und so weiter verbinden, die den Menschen absondern wollen von der äußeren Welt. Wollte man nicht die Leidenschaften, die Emotionen bis zu einer gewissen Stärke treiben, so mußte das Ich-Gefühl unterdrückt werden. Es war daher zwar nicht ein Traumbewußtsein, aber doch ein Zustand herabgedrückten Ich-Gefühls bei den Einweihungen in den alten Mysterien vorhanden. Immer mehr und mehr sollte aber darnach gestrebt werden, daß der Mensch fähig werde, die Initiation durchzumachen unter völliger Aufrechterhaltung seines Ich, desjenigen Ich, das der Mensch im Wachbewußtsein vom Aufwachen bis zum Einschlafen mit sich trägt. Jene Trübung des Ich, wie sie in den alten Mysterien immer mit der Initiation verbunden war, sollte aufhören. Das ist etwas, was ja überhaupt im Laufe der Zeit nur langsam und allmählich erreicht werden kann, was aber heute schon in einem wesentlich höheren Grade in allen zu Recht bestehenden Initiationen erreicht wird: daß das Ich-Gefühl bis zu einem hohen Grade nicht erlischt, wenn der Mensch sich hinauflebt in die höheren Welten.

[ 6 ] This was all to be changed and such dependence brought to an end. Aspirants for Initiation were to become less and less dependent upon those who were their teachers and initiators. For this help involved a factor of fundamental importance. In our everyday consciousness a clear and distinct feeling of ‘I’ wakens in us at a certain moment of our existence. This has often been spoken of, and my book Theosophy too refers to the point of time when the human being begins to be aware of himself as an ‘I’, an Ego—an experience that is not possible for an animal. If an animal were to look into its inner nature in the way a human being does, it would not find an individual Ego, but a group-Ego; it would feel itself belonging to a whole group. This feeling of of egohood, was suppressed in the ancient Initiations while a man was rising into the spiritual worlds and from everything I have said you will realise that this was a beneficial measure. For all the individualistic impulses, passions and so forth which tend to separate man from the external world are bound up with the feeling of egohood. If passions and emotions were to be prevented from reaching a certain strength, it was necessary for the feeling of egohood to be dimmed. Consciousness during Initiations in the ancient Mysteries was not like that of dreams, but the feeling of egohood was suppressed. The goal now, since the Mystery of Golgotha, was that a man should undergo Initiation while maintaining full awareness of the Ego functioning in him during the hours of waking life. The clouding of the Ego that was always part of the process of ancient Initiation, was to cease. This, of course, can only come about gradually in the course of time, but in fact it has already been achieved to-day to a considerable extent in all rightly constituted Initiations; the feeling of egohood is not extinguished when a man rises into the higher worlds.

[ 7 ] Nun belauschen wir einmal noch genauer eine solche alte Initiation, zum Beispiel eine Essäerinitiation der vorchristlichen Zeit. Verbunden war auch diese Essäerinitiation in einer gewissen Weise damit, daß das Ich-Gefühl herabgestimmt war. Dasjenige also, was dem Menschen in unserem Erdensein sein Ich-Gefühl gibt, was herausblickt auf die äußeren Wahrnehmungen, das mußte damals auch unterdrückt werden. Sie brauchen ja nur auf das Trivialste im Alltagsleben zu sehen, so werden Sie sich sagen: In jenem andersgearteten Zustand, wo der Mensch während des Schlafbewußtseins in der geistigen Welt ist, hat er sein Ich-Gefühl nicht; er hat es nur im Tagesbewußtsein, wenn er abgelenkt wird von der geistigen Welt und sein Blick hinausgeht in die physisch-sinnliche Welt. So ist es beim jetzigen Erdenmenschen, und auch bei dem Erdenmenschen, für den der Christus auf der Erde gewirkt hat. Für die andere Welt ist beim Menschen der gegenwärtigen Erdenzeit überhaupt das Ich für die normalen Zustände nicht geweckt. Nun soll eine Christus-Initiation eben darinnen bestehen, daß das Ich in den höheren Welten so erwacht bleibt, wie es erwacht ist in der äußeren Welt.

[ 7 ] We will now study in greater detail an Initiation of pre-Christian times, for example, that of the Essenes. Suppression of the feeling of egohood was, in a certain sense, associated with this Initiation too. That which gives man the feeling of ‘I’, of egohood, in earthly existence, enabling him to have external perceptions—this had to be suppressed. You need think only of a very elementary aspect of everyday life to realise that in the different state of existence during sleep, when man is in the spiritual world, he has no consciousness of ‘I’. It is only in waking life that he has has consciousness, when he has withdrawn from the spiritual world and his gaze is directed to the physical world of the senses. So it is in men to-day and so too it was in those among whom Christ worked on the Earth. In a man belonging to the present era of Earth-existence the ‘I’ is not, in normal conditions, awake in the spiritual world. The essence of Christian Initiation, however, is that the ’I’ remains fully awake in the higher worlds as in the external, physical world.

[ 8 ] Betrachten Sie nun einmal - nur damit wir etwas damit charakterisieren können - den Moment des Aufwachens ganz genau. Dieser Moment stellt sich uns so dar, daß also der Mensch aus einer höheren Welt herauskommt und untertaucht in seinen physischen Leib und Ätherleib. In diesem Moment des Untertauchens sieht er aber nicht die Innenvorgänge des physischen Leibes und Ätherleibes, sondern es wird gleichsam sein Wahrnehmungsvermögen abgelenkt auf die Umgebung. Alles nun, wohin der Blick des Menschen im Moment des Aufwachens fällt, was der Mensch überschaut, ob nun mit dem physischen Wahrnehmen der Augen oder mit dem physischen Wahrnehmen der Ohren, oder ober es überdenkt mit dem an das physische Organ des Gehirns gebundenen Verstand, alles, was er in der physischen Umgebung wahrnimmt, das bezeichnete man in dem Sprachgebrauch der althebräischen Geheimlehre als «das Reich», Malchuth. So könnten wir fragen: Was war also im althebräischen Sprachgebrauch verbunden mit dem Ausdruck «das Reich»? Alles das war damit verbunden, in dem sich bewußt aufhalten konnte das menschliche Ich. Das ist auch die genaueste Definition für das, was man im hebräischen Altertum mit dem Ausdruck «das Reich» verband: das, wobei das menschliche Ich anwesend sein kann. Wenn wir einmal diesen Ausdruck festhalten, so müssen wir sagen: Es ist mit dem, was «das Reich» ist, im althebräischen Sprachgebrauch zunächst bezeichnet die Sinnenwelt, die Welt, in der der Mensch ist im Wachzustande bei völliger Aufrechterhaltung seines Ich.

[ 8 ] Think of the moment of waking. Man emerges from a higher world and descends into his physical and etheric bodies. At this moment, however, he does not become aware of the inner processes in these bodies because his faculty of perception is diverted to the environment. Now everything upon which man's gaze falls at the moment of waking, everything that comes within his purview—whether by physical perception through eyes or ears, or grasped with the intellect bound up with the physical organ of the brain—everything, in fact, that he perceives in the physical environment, was designated in the Hebraic secret doctine as Malkhut,1One of the ten Sephirot. See note on p. 148. the ‘Kingdom’. This was the expression used for everything in which the 'I' of man could participate consciously. The most accurate rendering of what was conveyed in Hebraic antiquity by the expression the ‘Kingdom’, is this: That in which the human ‘I’ can be consciously present, Primarily, the Kingdom denoted the world of the senses, the world in which man lives in the waking condition with full Ego-consciousness.

[ 9 ] Nehmen wir jetzt die Stufen der Initiation beim Hinuntergehen in das eigene Innere. Die erste Stufe, bevor der Mensch in seinen Ätherleib hineindringen und dessen Geheimnisse wahrnehmen kann, ist etwas, was man leicht erraten kann. Die äußere Hülle des Menschen besteht ja, wie wir wissen, aus dem Astralleib, Ätherleib und physischen Leib. Das ist nun auch noch etwas, wo der Mensch hindurchgehen muß: er muß seinen astralischen Leib sozusagen bewußt von innen durchschauen, wenn er diese Art von Initiation erleben will. Zunächst muß er das Innere seines astralischen Leibes erleben, wenn er in das Innere seines physischen Leibes und Ätherleibes hineinsteigen will. Das ist die Pforte, durch die er durchgehen muß. Das sind immer aber neue Erlebnisse, durch die er gehen muß. Der Mensch erlebt da auch etwas, was objektiv ist, wie die Gegenstände der äußeren Welt objektiv sind.

[ 9 ] Let us now follow the stages of ancient Initiation while a man was penetrating into his own inner nature. The first stage, before he could penetrate into his etheric body and become aware of its secrets, is not difficult to picture. As we know, the external sheaths of a human being consist of the astral body, the etheric body and the physical body. An aspirant for this kind of Initiation must be able consciously to see through his astral body as it were from within. He must first experience his astral body from within if he is to penetrate into the inner nature of his physical and etheric bodies. That is the portal through which he must pass. New, ever new, experiences await him—experiences as objective as those confronting him in the external world.

[ 10 ] Wenn wir die Gegenstände der Sinnenwelt um uns herum, die wir vermöge der gegenwärtigen menschlichen Organisation erleben, als «das Reich» bezeichnen, so könnten wir nach unserem Sprachgebrauch - der althebräische Sprachgebrauch hat das noch nicht so genau unterschieden — dabei wieder unterscheiden drei Reiche, das Mineralreich, das Pflanzenteich und das Tierreich. Das alles ist im althebräischen Sprachgebrauch en Reich und faßt sich zusammen unter dem einen Begriff des Reiches überhaupt als die Gesamtheit der drei Reiche.

[ 10 ] If we were to designate as the ‘Kingdom’ the objects which our present constitution enables us to perceive in our physical environment, we should distinguish three kingdoms: mineral, plant and animal. In the terminology of the ancient Hebrews no such definite distinction was made; the three kingdoms were comprised in one.

[ 11 ] Geradeso wie wir die Tiere, Pflanzen und Mineralien überblicken, wenn wir den Blick hinausrichten in die Sinnenwelt, wo unser Ich dabei sein kann, so fällt für denjenigen, der hinuntertaucht in sein eigenes Innere, der Blick auf alles, was er wahrnehmen kann im astralischen Leibe. Das sieht der Mensch jetzt nicht durch sein Ich, sondern das Ich bedient sich dabei der Werkzeuge des astralischen Leibes. Und was der Mensch sieht, wenn er also ein anderes Wahrnehmungsvermögen hat, wo er mit seinem Ich anwesend ist in derjenigen Welt, mit der er verbunden wird durch die astralischen Organe, das bezeichnet allerdings schon der althebräische Sprachgebrauch mit drei Ausdrükken. Wie wir ein tierisches, ein pflanzliches und ein mineralisches Reich haben, so bezeichnet der althebräische Sprachgebrauch die Dreiheit, die man überblickt durch das Anwesendsein in seinem astralischen Leibe, mit Nezach, Jesod und Hod.

[ 11 ] Just as we perceive the animals, plants and minerals through the Ego when we gaze into the world of the senses, so does the gaze of one in process of penetrating into his own inner nature fall upon everything that can be perceived in the astral body. Now, however, he does not perceive directly through his Ego; the Ego is using the instrument of the astral body. And what a man sees when using a different faculty of perception—that is, when his Ego is functioning in the world with which his astral organs connect him—was always designated in the language of the ancient Hebrews by three expressions. just as we have an animal kingdom, a plant kingdom and a mineral kingdom, the trinity perceived when a man's consciousness was functioning in his astral body was designated by three words: Netzah, Yesod and Hod.

[ 12 ] Wenn man diese drei Ausdrücke einigermaßen konform in unsere Sprache übersetzen wollte, müßte man wieder tief hineingreifen in das althebräische Sprachgefühl; denn die gewöhnlichen lexikalen Übersetzungen mit dem Wörterbuche helfen da gar nicht. Wenn man verstehen wollte, worauf es jetzt ankommt, müßte man recht sehr zu Hilfe nehmen das Sprachgefühl der vorchristlichen Zeit. Da müßte man zum Beispiel vor allem in Betracht ziehen, daß dasjenige, was wir mit dem Lautgefüge Hod bezeichnen können, ausdrücken würde «Geistiges nach außen erscheinend». Also beachten Sie wohl: dieses Wort würde bedeuten ein Geistiges, das nach außen sich kundgibt, ein nach außen strebendes Geistiges, aber ein Geistiges, das als Astralisches aufzufassen ist. Dagegen würde das Wort Nezach um eine starke Nuance gröber dieses Nach-außen-sich-offenbaren-Wollen ausdrücken. Was sich da kundgibt, das ist etwas, auf das wir vielleicht das Wort anwenden können, daß es sich als «undurchdringlich» erweist.

[ 12 ] To translate these expressions into our language with any degree of accuracy it would be necessary to probe deeply into the feeling for words that existed in ancient Hebraic culture, for the renderings usually given in dictionaries do not help at all. For example, Hod as a combination of sounds would have conveyed the meaning of ‘spirit revealing itself outwardly.’ The word would have signified spirituality manifesting itself outwardly, striving to express itself outwardly, but spirituality that must he conceived of as astral. The word Netzah would have been the term denoting this urge for outward expression in a much denser form. The word ‘impermeable’ may perhaps convey some indication of the meaning.

[ 13 ] Wenn Sie heute Lehrbücher der Physik in die Hand nehmen, werden Sie etwas finden, was als ein Urteil angegeben ist, was aber eigentlich eine Definition sein sollte - aber auf Logik kommt es ja dabei nicht an -, nämlich die Definition, daß man die physischen Körper als undurchdringlich bezeichnet. Es müßte eigentlich als Definition stehen: Man nennt einen physischen Körper einen solchen, von dem das gilt, daß an der Stelle, wo er ist, nicht zu gleicher Zeit ein anderer sein kann. Also als Definition müßte es gegeben werden. Statt dessen stellt man ein Dogma auf und sagt: Die Körper der physischen Welt haben die Eigentümlichkeit, daß sie undurchdringlich sind. - während es heißen müßte, daß an einer Stelle nicht gleichzeitig zwei Körper sein können. Das ist aber etwas, was eigentlich in die Philosophie hineingehört. Das Sich-Kundgeben im Raume, so daß Ausschließungen eines anderen stattfinden — was die stark vergröberte Nuance des Hod sein würde -, das ist mit dem Worte Nezach gegeben. Und was dazwischen steht, ist im Jesod gegeben.

[ 13 ] In modern textbooks of Physics you will find a statement that should really count as a definition only, but logic has not been taken into consideration. It is said that physical bodies are ‘impermeable’; but the definition of a physical body ought in reality to be that at the place where it is, no other body can be at the same time. This should count as a definition, but instead of that a dogma is created, and it is said: bodies of the physical world have the quality of impermeability—whereas the correct phraseology would be that two bodies cannot be at the same place simultaneously. That, however, is a matter belonging to philosophy. Self-manifestation in space so that everything else is excluded was expressed by the word Netzah—this would be a much denser nuance of Hod. What lies between the two was indicated by the word Yesod.

[ 14 ] So haben Sie drei verschiedene Nuancen. Erst die Manifestation irgendeiner astralischen Tatsache, die sich nach außen hin kundgibt, im Hod. Wo die Sache dann schon so vergröbert ist, daß die Dinge in physischer Undurchdringlichkeit an uns herantreten, da würde nach dem althebräischen Sprachgebrauche Nezach stehen. Und für die Zwischennuance müßte Jesod genommen werden. So können wir sagen, daß die drei verschiedenen Eigentümlichkeiten, mit denen in der Tat die Wesenheiten der astralischen Welt behaftet sind, mit diesen drei Worten bezeichnet werden.

[ 14 ] Thus there are three different nuances. First, an astral reality revealing itself outwardly—Hod; when densification or coarsening has occurred to such a degree that things become physically impermeable, the Hebraic term would have been Netzah; Yesod indicated the intermediate degrees. It may therefore be said that these three words designated the three different qualities or attributes of the beings of the astral world.

[ 15 ] Nun können wir sozusagen etwas weiter hineinsteigen mit dem zu Initiierenden in das menschliche Innere. Wenn er überschritten hat, was zunächst in seinem Astralleib zu überschreiten ist, dann kommt er hinein in seinen ätherischen Leib. Da nimmt der Mensch schon Höheres wahr als das, was mit diesen drei Worten zu bezeichnen ist. Sie können fragen, warum denn Höheres? Das hängt mit etwas Besonderem zusammen, und darauf müssen Sie achten, wenn Sie das eigentliche innere Gefüge der Welt verstehen wollen. Sie müssen darauf achten, daß so, wie uns die äußere Welt entgegentritt, an demjenigen, was uns als die niedersten Offenbarungen der Außenwelt erscheint, die höchsten geistigen Kräfte gearbeitet haben. Ich habe Sie schon öfter auf das aufmerksam gemacht, was hier in Betracht kommt, und zwar bei Besprechung der menschlichen Natur selbst.

[ 15 ] We can now follow the experiences of the aspirant for Initiation through the further stages leading into his inner nature. Having first passed through the necessary stages in his astral body, he penetrated into his etheric body, where he became aware of realities higher than those designated by these three words. Why higher?—you may ask. There is a particular reason for this—one of which account must be taken if you want to understand the inner structure of the world and of man. You must remember that it is the very highest spiritual forces that have worked on what appear to us as the lowest manifestations of the external world. Your attention has often been drawn to this, especially in connection with the nature and constitution of man.

[ 16 ] Der Mensch besteht, wenn wir ihn beschreiben, aus physischem Leib, Ätherleib, Astralleib und Ich. Gewiß ist das Ich des Menschen in gewisser Beziehung das höchste seiner Glieder; aber so wie es heute ist, ist es das Baby unter den vier Gliedern der menschlichen Natur. Es ist das, was die Anlage enthält im Menschen zum Höchsten, was er werden kann, aber es ist jetzt in seiner Art auf der niedersten Stufe. Dafür ist der physische Leib in seiner Art das vollkommenste Glied, allerdings nicht durch das Verdienst des Menschen selber, sondern dadurch, daß durch Saturn-, Sonnen- und Mondenzeit hindurch göttlich-geistige Wesenheiten am Menschen gearbeitet haben. Und auch der Astralleib ist bereits vollkommener geworden als das Ich des Menschen. Wenn wir also zunächst auf das menschliche Ich blicken, ist es dasjenige, was uns naheliegt, mit dem wir uns identifizieren. Und man darf sagen: Wer nicht gar zu trivial ist und sich nicht den Blick verschließen will, der braucht nur in sein Inneres zu schauen, und er findet dort sein Ich. Dagegen denken Sie daran: Wie weit ist der Mensch entfernt von den Geheimnissen des menschlichen physischen Leibes! Der physische Leib ist etwas, woran nicht nur durch Jahrmillionen, sondern Jahrmillionen mal Millionen göttlich-geistige Wesenheiten gearbeitet haben, um ihn zu seinem heutigen Gefüge zu bringen. Dazwischen liegen nun astralischer Leib- und Ätherleib. Derastralische Leib ist auch gegenüber dem physischen Leibe ein unvollkommenes Glied der Menschennatur; in ihm sind Emotionen, Leidenschaften, Begierden und so weiter. Und der Mensch genießt durch die Emotionen des astralischen Leibes, trotzdem der Ätherleib als Hemmnis dazwischen steht, viele Dinge, die direkt der wunderbaren Organisation des menschlichen physischen Leibes entgegenarbeiten. Ich habe darauf aufmerksam gemacht, wie viele Herzgifte zum Beispiel der Mensch genießt, wie er, wenn es auf seinen astralischen Leib ankäme, sehr bald seine Gesundheit untergraben würde, und wie er seine Gesundheit nur dem Umstande verdankt, daß das menschliche Herz in seiner Organisation so wunderbar und vollkommen eingerichtet ist, daß es durch viele Jahrzehnte hindurch den Attacken des Astralleibes standhält. So ist es. Je tiefer wir hinuntersteigen, desto höhere geistige Kräfte finden wir, die an den einzelnen Gliedern mitgearbeitet haben. Man könnte sagen: Die jüngsten Götter, die jüngsten göttlich-geistigen Kräfte sind es, die uns unser Ich gegeben haben; und viel ältere Götter sind es, die an unseren niederen Gliedern jene Vollkommenheit bewirkt haben, die der Mensch heute kaum anfängt zu durchschauen, geschweige denn, daß er geeignet wäre, mit seinen Werkzeugen das nachzumachen, was in diesem Wunderbau die göttlich-geistigen Kräfte und Wesenheiten für den Menschen aufgeführt haben.

[ 16 ] We describe man as consisting of physical body, etheric body, astral body and Ego. The Ego or ‘I’ of man is in a certain sense the highest of his members; but at the stage at which it is to-day, it is the ‘baby’ among the four. At present the ‘I’ is actually at the lowest stage, yet it contains the rudiments of the highest perfection attainable by man. On the other hand, the physical body is, in its way, the most perfect member—although this is due, not to man himself but to the work performed by divine-spiritual Beings through the evolutionary epochs of Old Saturn, Old Sun and Old Moon, The astral body too has already reached a stage of greater perfection than that of the Ego. The Ego is the member of our being with which we identify ourselves. Anyone who does not deliberately close his eyes to reality need only look within himself to find his Ego. On the other hand, just think how far man is from understanding the mysteries of his physical body! Divine-spiritual Beings have been working at the human physical body not for millions of years only but for millions upon millions to perfect its present structure. Between physical body and Ego are the astral body and the etheric body. Compared with the physical body, the astral body is an imperfect member, having within it desires, passions, emotions and so forth. Owing to the forces and nature of the astral body man enjoys many things that are directly injurious to the constitution of the physical body, although the etheric body, lying between them, acts as a check. Man enjoys many things that are poison for the heart; if he depended on the astral body alone his health would very soon be undermined. He owes his health entirely to the fact that the human heart is so perfectly constructed that it is able for many decades to withstand the attacks of the astral body. The more deeply we penetrate into man's constitution, the higher are the spiritual forces that have worked at its members. It could he said that our ‘I’ has been bestowed upon its by the youngest gods, the youngest divine-spiritual Powers; and much older gods have produced in our lower members that perfection which man today hardly even begins to comprehend; still less is he capable of producing with the instruments at his disposal the marvellous structure created by the divine-spiritual Beings.

[ 17 ] Diese Vollkommenheit sahen aber besonders diejenigen, welche zum Beispiel durch eine Essäereinweihung eintauchten in das menschliche Innere. Ein solcher Essäer sagte sich: Wenn ich die ersten vierzehn Stufen durchmache, komme ich zuerst in meinen astralischen Leib hinein. Da treten mir entgegen alle die Leidenschaften und Emotionen, die mit meinem astralischen Leibe zusammenhängen, alles, was ich selbst in meiner Inkarnation schlecht gemacht habe an meinem astralischen Leibe. Aber ich bin noch nicht imstande gewesen, an meinem Ätherleibe so viel zu verderben wie an dem Astralleibe. Mein Ätherleib ist im Grunde genommen noch viel göttlicher, noch viel reiner; er zeigt sich mir, wenn ich die zweiten vierzehn Stufen durchmache. - Und er hatte das Gefühl: wenn er den Anfechtungen des astralischen Leibes standgehalten, hat er das Schwerste nach den ersten vierzehn Stufen überwunden und tritt jetzt ein in die lichten Sphären seines Ätherleibes, an dessen Kräften er noch nicht so viel verderben konnte.

[ 17 ] This perfection was perceived and experienced in a very special sense by those who through an Essene Initiation, for example, penetrated into the inner regions of man's being. An Essene Initiate said to himself: When I have completed the first fourteen stages I pass into my astral. body; there I am confronted by all the passions and emotions associated with it, by whatever harm I have done to my astral body during my incarnation. But I have not yet been able to do as much injury to my etheric body as to my astral body. My etheric body is still much more godlike, much purer; it reveals itself to me when I am passing through the. second fourteen stages.—And he had the feeling that having resisted the attacks of his astral body, he had overcome the greatest stumbling-block connected with the first fourteen stages and had now passed into the light-filled spheres of his etheric body, the forces of which he had not vet been able to injure to a like extent.

[ 18 ] Was der Mensch nun da sah, das bezeichnete man in der althebräischen Geheimlehre wieder mit drei Ausdrücken, die wieder außerordentlich schwer in unseren heutigen Sprachen wiedergegeben werden können; man bezeichnete sie mit Gedulah, Tiphereth und Geburah. Versuchen wir uns eine Vorstellung von den drei Gebieten zu machen, die mit diesen drei Ausdrücken bezeichnet wurden.

[ 18 ] What a man beheld at this second stage was indicated in the secret doctrine of the ancient Hebrews by three expressions, all of which are extremely difficult to render in our modern language. The three expressions were Gedulah (or Hesed), Tipheret, Geburah. Let us try to picture the three realms of experience designated by these words.

[ 19 ] Wenn der Mensch das wahrnahm, womit er sich in seinem Ätherleibe verbindet, dann können wir etwa sagen: Das erste Wort, Gedulah, wirkte etwa so, daß man eine Vorstellung bekam von alledem, was im geistigen Reiche, in der geistigen Welt majestätisch, groß erscheint, was den Eindruck des Überwältigenden macht. Dagegen hatte das, was mit Geburah zu bezeichnen ist, obwohl es mit dem ersten Worte verwandt ist, eine ganz andere Nuance der Größe, es hatte die Nuance der durch die Wirkung wieder herabgeminderten Größe. Es ist Geburah die Nuance der Größe, der Kraft, die sich schon nach außen kundgibt, um sich zu wehren, um sich als selbständige Wesenheit nach außen kundzugeben. Während also mit dem Ausdruck Gedulah verbunden ist das Wirken durch die innere Gediegenheit, durch die innere Wesenheit, ist mit dem Ausdruck Geburah ein solches Wirken verbunden, von dem man sagen kann, daß es aggressiv ist, sich nach außen hin durch aggressives Vorgehen kundgibt. Das nun Insich-Ruhen der Größe, der Innerlichkeit, die sich zwar nach außen kundgibt, aber nicht durch aggressives Wesen, sondern dadurch, daß es in sich zum Ausdruck bringt die geistige Größe, das wurde mit Tiphereth bezeichnet, das wir nur wiedergeben könnten, wenn wir kombinierten unsere beiden Begriffe von Güte und Schönheit. Ein Wesen, das seine Innerlichkeit so zum Ausdruck bringt, daß sich seine Innerlichkeit in der äußeren Form ausprägt, das erscheint uns als schön. Und ein Wesen, das seine eigene innere Gediegenheit nach außen zum Ausdruck bringt, erscheint uns als gut. Aber diese beiden Begriffe gehören für die althebräische Geheimlehre zusammen in Tiphereth. Also die Wesenheiten, die sich durch diese drei Eigenschaften kundgeben, waren es, zu denen man eine Beziehung erlangte beim Hinuntersteigen in den Ätherleib.

[ 19 ] When a man became aware of the realities revealed to him in his etheric body, the effect expressed by the first word, Gedulah was a picture, a conception, of majesty and grandeur in the spiritual world, of everything that gives the impression of overwhelming power On the other hand, the word Geburah, although related to Gedulah, expressed a quite different nuance of greatness—greatness deprived of a certain quality through activity. Geburah expressed that nuance of greatness, of power, which manifests outwardly in order to project itself, to assert itself in the outer world as an independent force. Whereas the expression ‘Gedulah’ implied that the effect produced was due to intrinsic excellence, Geburah conveyed the impression of a kind of aggressiveness, of something asserting itself outwardly through aggressive behaviour. Tipheret was the word used to designate greatness at rest within itself, inner richness which manifests outwardly but without any clement of aggressiveness, giving expression to spiritual greatness through its own nature. To convey what was implied by this word would only be possible by combining our two concepts of Goodness and Beauty. A being bringing its inner richness to expression in its outer form appears beautiful to us; and a being bringing its own intrinsic excellence to expression outwardly, appears good to us. But in the secret doctrine of the ancient Hebrews these two concepts belong together—as Tipheret.—Thus it was by penetrating into his etheric body that a man came into contact with beings expressing themselves through these three qualities.

[ 20 ] Dann kam das Hinabsteigen in den physischen Leib. In dem physischen Leibe wurde der Mensch sozusagen bekannt mit den ältesten göttlich-geistigen Wesenheiten, die an ihm gearbeitet haben. Erinnern Sie sich, wie in den Berichten «Aus der Akasha-Chronik» und in der «Geheimwissenschaft im Umriß» dargestellt ist, wie die erste Anlage zum physischen Leibe auf dem alten Saturn zustande gekommen ist. Hohe, erhabene geistige Wesenheiten sind es, die Throne, die ihre eigene Willenssubstanz hingeopfert haben, damit die erste Anlage zum menschlichen physischen Leibe zustande kommen konnte. Hohe geistige Wesenheiten sind es, die in der weiteren Entwickelung durch Saturn, Sonne und Mond hindurch an dieser ersten Anlage mitwirken. Und bei den Vorträgen in München über das «Sechstagewerk» habe ich erwähnt, wie diese erhabenen geistigen Wesenheiten verbunden blieben mit dem Menschen durch die Saturn-, Sonnen- und Mondenzeit hindurch, immer weiter und höher diese erste Anlage des physischen Menschenleibes organisierten, so daß der heutige Wunderbau des physischen Leibes zustande gekommen ist, den der Mensch heute mit den anderen drei Wesensgliedern, Ätherleib, Astralleib und Ich, bewohnen kann.

[ 20 ] The next stage was the penetration into the physical body. Here a man came to know the most ancient among the divine-spiritual Beings who have worked at his creation. Remind yourselves that in the articles contained in the book From the Akashic Chronicle2Published in 1959 (American edition) with the title Cosmic Memory. and in Occult Science—an Outline, it was said that the very first rudiment of the human physical body came into existence on Old Saturn. Very sublime spiritual Beings, the Thrones, sacrificed their own will-substance in order that the first rudiment of man's physical body might arise; and sublime spiritual Beings worked on this rudiment during the further course of evolution through the Saturn, Sun and Moon evolutions. In the lectures on Genesis, given in Munich, I described how these lofty spiritual Beings continued their work through these earlier periods, organising and elaborating this rudiment of the human physical body to higher and higher stages, culminating in the marvellous physical organism in which the human being, consisting of etheric body, astral body and Ego can incarnate to-day.

[ 21 ] Wenn so der Mensch wirklich in sein Inneres hineinsteigen konnte, nahm er wahr, was in der althebräischen Geheimlehre so bezeichnet wurde, daß es Eigenschaften hat, die im Menschen nur vorgestellt werden können, wenn der Mensch an das denkt, was zum Beispiel das Höchste ist, das er in seiner Seele erreichen kann an Weisheit. Der Mensch blickt sozusagen zur Weisheit auf als zu einem Ideal. Er fühlt sein Wesen gehoben, wenn er es zum Teil erfüllen kann mit Weisheit. Da wußten diejenigen, die in den physischen Leib untertauchten, daß sie an Wesen herankamen, die in ihrer ganzen Substantialität das waren, wovon der Mensch sich nur ein Kleines, ein Geringes aneignen kann, wenn er nach der Weisheit strebt, nach der Weisheit, die man nicht in dem gewöhnlichen äußeren Wissen erlangt, sondern in demjenigen Wissen, das in schweren Erlebnissen der Seele erreicht ist, und das man nicht während einer Inkarnation, sondern durch viele Inkarnationen, und auch da nur zum Teil, sich aneignet. Denn nur ein SichUmtun in allen Weisheitsmöglichkeiten könnte einen Vollbesitz der Weisheit geben. Wesenheiten, welche sich als Weisheitswesen kundgaben, bei denen gewaltig hervortretende, lautere Weisheit die besonders sich kundgebende Eigenschaft war, sie nahm der Mensch wahr. Und die Eigenschaft solcher Weisheitswesenheiten bezeichnete man in der althebräischen Geheimlehre als Chochmah, was man heute nicht ganz unzutreffend mit Weisheit bezeichnet.

[ 21 ] When a man was able to penetrate into his inmost nature he became aware of what was described in the Hebraic secret teachings as the embodiment of qualities only to be conceived of by reflecting on the very highest wisdom attainable by the human soul. Man regards wisdom as an ideal; he feels lifted to a higher level when be can imbue any part of himself with wisdom. Those (among the Essenes) whose consciousness penetrated into the physical body knew that they were now approaching Beings whose very nature and substance consisted of what can be acquired by man in a very small measure only, when he strives for wisdom not attained through acts of ordinary cognition but through hard and heavy experiences of the soul, gained only in the course of many incarnations. Even then only a certain amount of wisdom is acquired; for not until it has been sought in every possible form could anyone be said to possess it fully. At this stage of Initiation an Essene became aware of Beings revealing themselves as Beings of Wisdom, Beings whose intrinsic quality manifested itself as pure, awe-inspiring wisdom.. This
quality was expressed in the secret doctrine of the ancient Hebrews by the word Hokhmah, rendered to-day as ‘Wisdom’.

[ 22 ] Eine besondere Nuance dieser Weisheitseigenschaft ist wieder eine gewisse Vergröberung. Das ist das, was auch im Menschen eine Vergröberung der Weisheit ist. Nur erlangt es der Mensch auch nur in einem gewissen geringen Grade in seiner Individualität. Hier aber, beim Hinuntersteigen in den physischen Leib, findet der Mensch wieder Wesenheiten, welche diese Eigenschaft, die gegenüber der Weisheit eine vergröberte Eigenschaft ist und in der althebräischen Geheimlehre mit Binah bezeichnet wurde, sogar in ganz hervortretendem Maße haben, so daß sie als Wesenheiten erscheinen, die ganz und gar leuchten durch diese Eigenschaft. Das ist das, was man beim Menschen hervorbringen kann, wenn man ihn an seinen Verstand erinnert. Verstand erringt ja der Mensch wirklich nur bis zu einem gewissen gesingen Grade. Aber an Wesenheiten, die ganz durchdrungen sind von dem, was der Verstand erringt, daran müssen wir denken, wenn das in Betracht kommt, was mit Binah gemeint ist. Das ist aber eine vergröberte Nuance von Chochmah. Daher sagt die althebräische Geheimlehre, wenn sie von der eigentlichen, schöpferisch produktiven Weisheit sprach, die in sich selber hervorbringt die Geheimnisse der Welt, wenn sie Chochmah meint, daß sie zu vergleichen wäre mit einem Wasserstrahl, während Binah zu vergleichen sei mit einem Meer. Dadurch sollte die Vergröberung ausgedrückt werden.

[ 22 ] A particular nuance of this attribute or quality of wisdom is again a certain densification. This is present in man but in his individuality he acquires it to a small extent only. On penetrating into the physical body from within, however, a man again encounters Beings who possess this quality—it is a densification of wisdom—in such a marked degree that it seems literally to radiate from them. It is the quality expressed by the word Binah in the secret doctrine of the ancient Hebrews, and is akin to what can be evoked in man his reason is called into play. Man acquires the power of reason to a certain limited degree only. But when the word Binah is used we must think of Beings entirely permeated by what can he born of reason. Binah is a denser nuance of Hokhmah. Hence when reference was made in the Hebraic secret doctrine to the original creative Wisdom out of which worlds were born, Hokhmah was compared to a spring of water, and Binah to a sea—indicating a certain degree of densification.

[ 23 ] Und das Höchste, zu dem man sich aufschwingen konnte, wenn man hinunterstieg in den physischen Leib, wurde als Kether bezeichnet. Man kann kaum einen Ausdruck finden, um dieses Wort wiederzugeben. Man kann nur symbolisch hinweisen auf jene Eigenschaft, die sich wie eine Ahnung an die Eigenschaften hoher, erhabener, geistig-göttlicher Wesenheiten kundgibt. Man bezeichnet daher diese Eigenschaft auch durch ein Symbol, durch das der Mensch über sich selbst erhöht wird und mehr bedeutet, als er eigentlich bedeuten kann, um die Höhe dieser Eigenschaft auszudrücken: mit Krone. Übersetzen wir es daher in dieser Weise.

[ 23 ] And the very loftiest experience attainable through penetration into the physical body was designated by the word Keter. It is almost impossible to find an adequate translation for this word. The quality which conveyed an inkling of the attributes of divine-spiritual Beings of the greatest sublimity could only be indicated by a symbol expressing the fact that a man was raised above his own level, invested with a significance greater than was normally his. The expression designating the lofty nature of this quality was Keter, ‘Crown’.

Binah Hokhmah Keter
Geburah Tipheret Gedulah
Netzah Yesod Hod
Malkhut, das Reich, Ich
Binah Hokhmah Keter
Geburah Tipheret Gedulah (or Hesed)
Netzah Yesod Hod
Malkhut, the Kingdom, Ego.

[ 24 ] So hätten wir damit eine Staffel der Eigenschaften jener Wesenheiten aufgeführt, in deren Region der Mensch hinaufwächst, wenn er hinuntersteigt in sein eigenes Inneres. Es ist ein Hinaufwachsen. Und eine Essäereinweihung können Sie sich so vorstellen, daß der Mensch ganz neue Erfahrungen machte, ganz neue Erlebnisse hatte, daß er bekannt wurde mit dem, was real als solche Eigenschaften bezeichnet ist.

[ 24 ] The following, then, are the qualities or attributes of the Beings whose realm a man reaches when he penetrates within himself into his own inner nature.3The ten Sephirot of kabbalistic literature, See note at end of lecture, p. 148. You can picture to yourselves that in an Essene Initiation entirely new experiences were undergone by a man, when the qualities and attributes referred to became realities to him.

[ 25 ] Was aber mußte man von einem Essäereingeweihten und von der Art der Essäereinweihung ganz besonders sagen im Gegensatz zu der Einweihung bei den umliegenden Völkerschaften? Was kam da besonders in Betracht?

[ 25 ] How did an Essene Initiation contrast with the character and form of Initiation enacted among the neighbouring peoples?

[ 26 ] Alle alten Einweihungen waren darauf berechnet, daß gerade das unterdrückt werden mußte, was der Mensch als sein Ich-Gefühl hat beim Überschauen von Malchuth, dem Reich. Das mußte ausgelöscht werden. Daher kann man sagen: So Mensch sein, wie man außen in der physischen Welt Mensch ist, konnte man nicht in der Initiation. Man wurde zwar in die geistige Welt hinaufgeführt, aber man konnte nicht so Mensch sein wie außen im Reiche. Es müßte also gerade für die alten Einweihungen ein dicker Strich gemacht werden zwischen dem, was der Initiierte erlebt, und der Art, wie er sich in seinem Ich fühlte.

[ 26 ] All ancient Initiations were adapted to cause the suppression of the feeling of ‘I’ that a man has when he is gazing at Malkhut, the Kingdom. The feeling of ‘I’ was to be eliminated. Hence in Initiation a man could not be as he was in the physical world. True, he was led upwards into the spiritual world, but as an Initiate he could not be man in the sense that he was man in the Kingdom, in Malkhut. In connection with ancient Initiations, therefore, a sharp distinction was made between what a man experienced as an Initiate on the one hand and within his Ego on the other.

[ 27 ] Und wollte man in einen Satz kleiden, was für die alte Einweihung vertreten wurde in den alten Geheimschulen, wie es gegenüber der Öffentlichkeit gelten konnte, so müßte man sagen: Es darf keiner glauben, daß er dasselbe Ich-Gefühl behalten darf, welches er im Reich, in Malchuth hat, wenn er ein Eingeweihter werden will. Er erlebt ungeheuer großartig, indem er hinaufwächst, die drei mal drei Eigenschaften in ihrer Wahrheit; aber er muß sich dessen entäußern, was sein Ich-Gefühl ist, was erlebt wird in der äußeren Welt. Was erlebt wird als Nezach, Jesod, Hod und so weiter, das kann nicht hinuntergetragen werden in das Reich, das kann nicht verbunden bleiben mit dem gewöhnlichen Ich-Gefühl des Menschen. - Das war allgemeine Gesinnung. Und man hätte den für einen Toren, für einen Irrsinnigen und Lügner ansehen müssen, der dieser Behauptung in den alten Zeiten widersprochen hätte.

[ 27 ] If one wanted to give a brief indication of the conditions attaching to Initiation in the secret schools of ancient times compared with those obtaining in public life, one would have to say the following.—Let nobody believe that he can retain the same feeling of egohood that he has in the Kingdom, in Malkhut, if he aspires to become an Initiate. Wonderful and glorious experiences of I lie three times three attributes in their reality come to him as he reaches higher and higher stages; but he must entirely discard the feeling of egohood that is his in the external world. Experiences designated by the words Netzah, Yesod, Hod, and so forth, cannot be carried. down into Malkliut, cannot remain associated with man's ordinary feeling of egohood. That was the conviction held universally. And anyone who might have dared to contradict this principle in ancient times would have been regarded as a fool, a madman and a liar.

[ 28 ] Es waren aber die Essäer, welche zuerst lehrten: Es wird kommen die Zeit, wo alles, was da oben ist, herabgetragen werden kann, so daß es der Mensch erleben kann trotz der Aufrechterhaltung des Ich-Gefühles. Das ist das, was die Griechen dann genannt haben Βασιλεια τωυ ομραυωυ. Das war zuerst Lehre der Essäer, daß einer kommen werde, der dasjenige, was da oben, was in den «Reichen der Himmel» ist, heruntertragen werde für das Ich, das in Malchuth, im Reiche lebt. Und das war es auch, was zuerst mit gewaltigen Worten seinen Essäern und einigen seiner Umwelt gelehrt hat jener Jeshu ben Pandira. Wenn wir seine Lehre mit ein paar markanten Worten zusammenfassen wollten, wie sie durch seinen Schüler Mathai für die nächste Zeit weitergetragen worden ist, so könnte es etwa in folgender Weise geschehen.

[ 28 ] The Essenes were the first to teach that the time would come when everything that is above would be carried down, so that man would be able to experience it while maintaining his feeling of egohood intact. The Greeks spoke of Βασιλεια τωυ ομραυωυ (the Kingdoms of Heaven). It was the Essenes who first taught of the coming of One who would bring down for the ‘I’, for the Ego living in Malkhut, what is above in the ‘Kingdoms of Heaven.’ And this too was taught in words of awe-inspiring power by Jeschu ben Pandira to the Essenes and to a few of those around him. The gist of his teaching as transmitted in the immediate future through his pupil Mathai (Matthew) may be indicated briefly in the following way.—

[ 29 ] Jeshu ben Pandira sagte zuerst aus seiner Inspiration heraus, die ihm herkam von dem Nachfolger des Gautama Buddha, von dem Bodhisattva, der einst der Maitreya Buddha werden wird: Bisher war es so, daß nicht hinuntergetragen werden konnten die Reiche der Himmel in das Reich Malchuth, dem das Ich angehört. Aber wenn erfüllt sein wird die Zeit, wo die drei mal vierzehn Generationen abgelaufen sein werden, dann wird herausgeboren werden aus dem Stamme Abrahams, aus dem Stamme Davids, den wir erleben wollen als den Stamm Jesse - Jessäer oder Essäer -, einer, der hinuntertragen wird die neun Eigenschaften der Reiche der Himmel in das Reich, in dem das Ich anwesend ist. - Und was so gelehrt worden ist, hat herbeigeführt, daß man den Jeshu ben Pandira als Gotteslästerer gesteinigt hat, weil eine solche Lehre als die ärgste Lästerung der Einweihung galt bei denen, die nicht aufkommen lassen wollten und nicht einsehen wollten, daß etwas, was einmal für eine Periode richtig ist, nicht mehr für eine andere richtig zu sein braucht, weil die Menschheit vorwättsschreitet.

[ 29 ] Inspired as he was by the successor of Gautama Buddha, by the Bodhisattva who will eventually become the Maitreya Buddha, Jeschu ben Pandira taught to this effect.—Hitherto the Kingdoms of Heaven could not be brought down into Malkhut, into the realm to which the Ego of man belongs. But when the three times fourteen generations have taken their course and the time is thus fulfilled, there will be born from the progeny of Abraham, from the stem of David, the stem of Jesse (Jessians=Essenes), One who will bring the nine attributes of the Kingdoms of Heaven into the realm in which the ‘I’ of man is actively present.—This teaching led to Jeschu ben Pandira being stoned as a blasphemer, for it was held to be the grossesst violation of the principles of Initiation by those who refused to admit or to recognise that because humanity progresses, something that is right for one period is not necessarily right for another.

[ 30 ] Dann kam die Zeit, wo erfüllt wurde, was vorher gesagt worden ist, wo wirklich die drei mal vierzehn Generationen voll waren, wo wirklich herausentstehen konnte aus dem Blut des Volkes jene Leiblichkeit, in die sich Zarathustra inkarnieren konnte, damit er sie, nachdem er sie noch ausgebildet hatte mit den Werkzeugen, die im Leibe des nathanischen Jesusknaben waren, hinopfern konnte dem Christus. Da war die Zeit gekommen, von welcher der Vorläufer des Christus sagen konnte, jetzt komme die Zeit, wo die «Reiche der Himmel» herankommen werden an das Ich, das im äußeren Reiche, in Malchuth lebt.

[ 30 ] Then came the time when prophecy was fulfilled, when the three times fourteen generations had run their course and when there could arise from the blood of the people a bodily constitution in which Zarathustra was able to incarnate, and subsequently, having achieved. further development by the means available in the body of the Nathan Jesus, to offer up that body to the Christ.4See lecture 12, p. 209; also The Gospel of Luke, notably Lectures Four to Seven, Rudolf Steiner gives a condensed account of these happenings in The Spiritual Guidance of Man, Lecture Three. The time had come of which Christ's forerunner had declared that the Kingdoms of Heaven would draw near to the Ego which lives in the external world, in Malkhut.

[ 31 ] Und jetzt werden wir begreifen, was der Christus, nachdem er die Versuchung durchgemacht hatte, sich zunächst als Aufgabe zu stellen hatte. Er hatte die Versuchung durchgemacht durch die Kraft des eigenen Innenwesens, durch das, was wir heute beim Menschen sein Ich nennen. Er hatte erreicht, daß er alle Anfechtungen und Versuchungen überwunden hatte, die dem Menschen entgegenkommen, wenn er hinuntersteigt in den astralischen Leib, Ätherleib und physischen Leib. Das ist auch deutlich dargestellt. Alle Egoismen sind dargestellt, und zwar so, daß wir überall auf den höchsten Grad bei ihnen aufmerksam gemacht werden.

[ 31 ] We shall now realise the nature of the task facing Christ after the Temptation. He had withstood the Temptation through the power of His own being, through the principle which in a man to-day, we call the ‘I’, the Ego. He had been victorious over all the attacks and temptations confronting one who penetrates into his own astral, etheric and physical bodies. This is clearly shown in the story. Egoism in all forms is present in such a way as to reveal it in its greatest possible intensity.

[ 32 ] Was dem Menschen, der eine esoterische Entwickelung anstrebt, als ein schweres Hindernis entgegentritt, das ist, daß — wie es ganz natürlich ist beim Hinuntertauchen in das eigene Innere - in seiner Wesenheit die Unart auftaucht, sich nur immer so recht mit seiner eigenen lieben Persönlichkeit zu beschäftigen. In der Tat trifft man das niemals häufiger als gerade bei denen, die in die geistige Welt hineinsteigen wollen, daß sie am allerliebsten von ihrer eigenen lieben Persönlichkeit reden, die ihnen das Allerliebste ist, worauf sie fortwährend, in jeder Stunde und Minute achtgeben und alles minuziös beobachten. Während sonst die Menschen resolut darauflosleben, beginnen sie, wenn sie anfangen, nicht nur eine Entwickelung anzustreben, sondern wenn sie auch nur Anthroposophen werden, ungeheuer stark sich mit ihrem eigenen Ich zu beschäftigen; dann tauchen überall Illusionen auf, über welche die Resolutheit des Lebens die Menschen vorher leicht hinweggeführt hat.

[ 32 ] A stubborn factor arising in one who is striving for esoteric development is the tendency to occupy himself solely with ins own personality. It is precisely in those who want to find their way into the spiritual world that the habit is so often found of loving to talk about their own cherished personality, concerning themselves with it every moment of the day. Whereas in other circumstances people may deliberately refrain from adopting this attitude when they make efforts to develop or perhaps when they first become anthroposophists, they now begin to pay great attention to their own Ego; and then illusions arise on all hands, illusions from which they were formerly diverted by the ordinary demands of life.

[ 33 ] Warum geschieht das? Weil der Mensch nicht so recht etwas mit sich anzufangen weiß, wenn alles, was da aus seinem eigenen Inneren aufsteigt, sich mit seinem Wesen verbindet. Er weiß damit nichts anzufangen, wird recht unerfahren über sich selbst. Früher war er aufmerksam und ließ sich leicht anziehen durch das Äußere. Jetzt wird er mehr abgelenkt, mehr in sein Inneres gelenkt, und jetzt steigt auf allerlei an Gefühlen, die in ihm selbst saßen. Warum taucht das auf? Was er jetzt möchte, das ist, so recht «Ich» sein, so recht unabhängig sein von der Außenwelt. Allerdings verfällt er dann oft in den Fehler, daß erim Anfang am liebsten oft wie ein Kind behandelt sein möchte, dem man alles klar sagt, was es tun soll. Er möchte alles sein — nur nicht ein Mensch, der sich selbst Richtung und Ziel gibt aus dem, was er aus dem esoterischen Leben bekommt. Das ist er noch nicht gewohnt zu bedenken. Aber er hat das Gefühl, daß ihn störe die Abhängigkeit von der Außenwelt. Und am höchsten treten die Störungen gerade auf, wenn man so recht unabhängig sein will, wenn man auf seine Egoität so recht achtgeben muß. Aber wenn man der Egoität so recht nachgehen will, dann ist es höchst trivial, daß man dann von der Umwelt leiblich durch eines nicht loskommen kann, nämlich durch den Umstand, daß die Menschen essen müssen! Das ist zwar höchst trivial, aber es ist doch für viele ein fataler Umstand. Man kann daran lernen, wie wenig wir sind ohne unsere Umwelt. Und es ist ein schr berechtigtes Beispiel dafür, daß wir abhängig sind von unserer Umwelt, ohne die wir nicht leben können, und so recht sind wie der Finger an der Hand: wenn wir ihn abschneiden, da verdorrt er auch. Also eine ganz triviale Anschauung kann uns zeigen, wie wir abhängig sind von der Umwelt.

[ 33 ] Why does this happen? It is because such people are incapable of coping with what rises up from their own inner nature. They are utterly at a loss to know how to deal with what is happening in themselves. Formerly they were alert and readily attracted by the external world; now they are diverted to their own inner world and all sorts of feelings and emotions that were within them begin to rise up. Why is this? What such a person really wants is to be an an Ego, entirely independent of the external world. But then he often falls into the error of wanting to be treated like a child who is told clearly what he must do. He wants to be anything rather than a man who sets his own direction and aim in accordance with what esoteric life teaches him. He has not yet begun to reflect about it, but he has the feeling that dependence upon the external world is a disturbing factor, especially when he wants to be absolutely untrammelled and give all his attention to the dictates of his own egoism. But there is one fact, trivial though it may seem, that prevents him from detaching his bodily life at least from the surrounding world; this fact is that human beings are obliged to eat! It is a trivial fact but it is fatally true. We can learn from it how powerless we are without the world around us. It is a trenchant example of our dependence upon the surrounding world without which we could not live; we are really like a finger on our hand: if we cut it off it withers. A quite trivial consideration can therefore show us the extent to which we are dependent upon the surrounding world.

[ 34 ] Wenn diese Egoität aufs höchste gespannt wird, kann sie sich umwandeln in den Wunsch: Wenn ich doch nur unabhängig werden könnte von der Umwelt und fähig würde, dasjenige, was mich so sehr meine Abhängigkeit von der Umwelt fühlen läßt, was ich als gewöhnlicher Mensch im physischen Leben nötig habe, mir selber herzuzaubern! Das ist tatsächlich ein Wunsch, der bei denen auftreten kann, welche die Einweihung suchen. Geradezu ein Haß kann auftreten, daß man abhängig ist von der Umgebung und sich nicht zaubern kann die Nahrungsmittel, daß man nicht einfach schaffen kann, daß sie da sind. Es sieht so sonderbar aus, wenn man es sagt, weil paradox gerade diejenigen Wünsche beim Menschen ausschauen, die im kleinen wirklich bald auftreten, wenn er eine Entwickelung sucht, die aber so absurd sind, wenn man sie im Extrem darstellt. Der Mensch weiß gar nicht, daß er sie im kleinen hat. So stark hat sie freilich kein Mensch - weil er zu sehr an äußeren Gewohnheiten hängt -, daß er sich der Illusion hingibt zu sagen, er könnte sich Lebensmittel durch Zauberei schaffen, er könnte leben durch etwas, was nicht aus dem äußeren Reiche, aus Malchuth genommen ist. Aber ins Extrem getrieben, würde es so sein, daß der Mensch glauben könnte: Wenn ich es nur einmal so weit gebracht hätte, in meinem astralischen Leibe und Ich so recht zu leben, daß ich auf meinen eigenen Wünschen stünde, dann brauchte ich die ganze Umwelt nicht mehr!

[ 34 ] Egoism at its highest pitch may take the form of the wish: If only I could become independent of the surrounding world; if only I were myself capable of conjuring into existence by magic that which as an ordinary human being I need in physical life but which causes me to be so strongly aware of my dependence upon the world around! Such a wish may actually arise in those who are seeking to attain Initiation. Even hatred may be aroused by the realisation that one is dependent on the environment and incapable of conjuring the means of nourishment into existence by magic. It seems strange to say this, but although wishes that soon arise on a small scale when a person is striving to develop, appear paradoxical, in their extreme form they become downright absurdity. A man is usually quite unaware that he has such wishes. In point of fact no human being has them so strongly that he is deluded into claiming the power to create food by magic, to sustain life by something not derived from the external world, from Malkhut. But in an extrernesase someone might believe: If only I were able to live so entirely in my astral body and Ego that I could rely for my needs entirely on my own wishes, I should no longer be dependent on the surrounding world!

[ 35 ] Diese Versuchung tritt auf. Und bei demjenigen, der sie am höchsten durchzumachen hatte, wird sie so charakterisiert, daß der Versucher, der dem Christus Jesus entgegentritt, ihm sagt, er solle die Steine zu Brot machen. Da haben Sie den höchsten Grad der Versuchung. Es ist in der Tat das Hinuntersteigen in das eigene Innere in der Versuchungsgeschichte in wunderbarer Weise im Matthäus-Evangelium geschildert (Matth. 4, 1-11).

[ 35 ] This form of temptation does arise. And in the case of the One who was to undergo it in its greatest intensity, it is characterized by the saying that the Tempter .confronting Christ Jesus bade Him turn stones into bread. This is temptation in its extreme form. The descent into a man's own inner being is described most wonderfully in St. Matthew's story of the Temptation.

[ 36 ] Nun, der zweite Grad tritt auf, nachdem man in seinen astralischen Leib schon eingetaucht ist und sich wirklich gegenübergestellt sieht all diesen Emotionen und Leidenschaften, die einen so recht zu einem paradoxen Egoisten machen könnten. Wenn man sich dem gegenübergestellt fühlt, so möchte man doch - ohne daß man es überwindet, ohne daß man sich dagegen feit - sich hinunterstürzen in den Ätherleib und physischen Leib. Das ist in der Tat eine Situation, die als ein Hinunterstürzen in den Abgrund geschildert werden kann. So ist sie auch im Matthäus-Evangelium geschildert: wie ein Hinunterstürzen in das, woran man bis jetzt nicht viel hat verderben können, in den Ätherleib und physischen Leib. Aber man sollte es nicht vor dem Überwinden der Leidenschaften und Emotionen haben. Die Christus-Wesenheit weiß das, und sie entgegnet dem Versucher, indem sie das sich Entgegenstellende durch die eigene Kraft überwindet: «Du sollst die Wesenheit, der du dich übergeben sollst, nicht selbst versuchen!» (Matth. 4, 7).

[ 36 ] The second stage comes after the aspirant for Initiation has penetrated into his astral body and is confronted by all the emotions and passions that could have made him into an utter egoist. Perceiving all this, instead of resisting and overcoming it, a man would like to cast himself down into the etheric body and physical body. This is a situation that may well he described as hurling oneself into the abyss. And this is how it is actually described in St. Matthew's Gospel: man casts himself down into what he has not hitherto been able to spoil to any considerable extent—namely, the etheric and physical bodies. But the passions and emotions must first have been overcome. The Christ Being knows this and facing the Tempter, having overcome the forces by His own power, declares: Thou shalt not tempt the Being to whom thou shoulds't surrender thyself !

[ 37 ] Und die dritte Stufe beim Hinuntersteigen in den physischen Leib ist folgende. Wenn dieses Hinuntersteigen auftritt als Versuchung, dann charakterisiert es sich in besonderer Weise. Es ist ein Erlebnis, das in der Tat der Mensch haben kann bei der Einweihung, ein Erlebnis, das jeder haben muß, wenn er die Stufe erreicht beim Hinuntersteigen in den physischen Leib und Ätherleib, daß er sich sozusagen von innen sieht. Da sieht er alles, was in den drei höchsten Eigenschaften ist. Das ist ihm wie eine Welt. Aber zunächst ist es eine Welt, die nur in seiner eigenen Illusion ist, eine Welt, die er nicht als innere Wahrheit sehen kann, wenn er nicht die Hülle des physischen Leibes durchdringt und zu den geistigen Wesenheiten selber aufsteigt, die nicht mehr selbst im physischen Leibe sind, sondern die nur in ihm arbeiten. Wenn wir nicht loskommen von der Egoität, dann ist es noch immer der Versucher der physischen Welt, Luzifer oder Diabolus, der uns über uns selbst täuschen will. Dann verspricht er uns alles, was uns entgegentritt, was aber nichts anderes ist als das Geschöpf unserer eigenen Maja, unserer eigenen Illusion. Wenn uns dieser Geist der Egoität nicht entläßt, dann sehen wir eine ganze Welt, aber eine Welt der Täuschung und Lüge; und er verspricht uns diese Welt. Aber wir dürfen nicht glauben, daß es eine Welt der Wahrheit ist. Wir kommen zunächst in diese Welt; aber wir bleiben in Maja, wenn wir nicht wieder von dieser Welt loskommen.

[ 37 ] Then comes the third stage—the penetration into the physical body. When this descent into the physical and etheric bodies takes the form of temptation, it is an experience that may come to every human being during the process of Initiation at the stage when he sees himself from within. He then perceives everything that is contained in the three highest attributes. This is like a world to him but, to begin with, a world of illusion only, a world he cannot see as intrinsic truth unless he penetrates through the sheath of the physical body and rises to those spiritual Beings who are not themselves actually within the physical body but only work in it. If we do not rid ourselves of egoism it is always the tempter of the physical world, Lucifer or Diabolus, who wishes to deceive us about our own being. He promises us everything that confronts us—although it is merely the product of our own maya, our own illusion. If this spirit of egoism does not leave us, we behold a whole world, but a world of deception and lies. Lucifer promises us this world. Let us not believe it to be a world of truth I We enter this world but remain in maya if we do not eventually free ourselves from it.

[ 38 ] Diese drei Stufen der Versuchung lebt wie in einem Modell, wie in einem Muster, die Christus-Wesenheit der Menschheit vor. Und indem es einmal erlebt wird außerhalb der alten Mysterienstätten, erlebt wird durch die Kraft einer Wesenheit, die in den drei menschlichen Leibern selber lebt, wird der Impuls gegeben, damit die Menschheit in der Zukunft selber im Fortlauf der Entwickelung so etwas erreichen kann: daß der Mensch mit dem Ich, mit dem er in Malchuth, in dem Reiche sein kann, auch in die geistige Welt hinaufsteigen kann. Das sollte erteicht werden, daß das, was die zwei Welten trennt, nicht mehr besteht, und daß der Mensch mit dem Ich, das in Malchuth lebt, in die geistigen Welten hinaufsteigen kann. Das war für die Menschheit erreicht durch die Überwindung der Versuchung, wie sie im Matthäus-Evangelium geschildert wird. Das war erreicht, daß nun in einer Wesenheit, die auf der Erde lebte, das Musterbild da war von dem Hinauftragen des Ich für das Reich in die höheren Reiche und höheren Welten.

[ 38 ] The Christ Being lived through these three stages of temptation before the eyes of mankind as a model and an example to be followed. Inasmuch as the Temptation was once undergone outside the sanctuaries of the Mysteries, resisted through the power of a Being indwelling the three human sheaths, the impulse was given whereby it was made possible for man in the future course of evolution to rise into the spiritual world with the ‘I’-consciousness belonging to the external realm of Malkhut. The two worlds were no longer to be separate and man was to be capable of rising into the spiritual worlds with the ‘I’ that lives in Malkhut. This was achieved for humanity through the victory over the Temptation as related in the Gospel of St. Matthew. A Being living on the Earth had now provided the model for the ascent of the human ‘I’ from the kingdom of Malkhut into the higher worlds and realms of existence.

[ 39 ] Was mußte also die Errungenschaft dessen sein, was die ChristusWesenheit sozusagen vorgelebt hat in einer äußeren historischen Form, was sich sonst nur hinter dem Schleier der Mysterien abgespielt hat? Das mußte sein die Predigt von dem Reiche. Und wenn das MatthäusEvangelium sachgemäß zunächst die Versuchung schildert, wird es nach der Versuchung schildern die Phase von dem Hinauftragen des Ich, das in sich selbst die geistige Welt erleben kann und nicht erst dazu aus sich herauszuschreiten braucht. Das Geheimnis von diesem Ich, das nach dem Muster, wie man lebt im äußeren Reich, hinaufsteigt in die geistige Welt, dieses Geheimnis sollte nun in der äußeren Welt durch die Christus-Wesenheit in denjenigen Zeiten enthüllt werden, die uns charakterisiert werden, nachdem uns die Versuchungsgeschichte im Matthäus-Evangelium gezeigt worden ist. Da setzen jene Kapitel ein, die mit der Bergpredigt beginnen und damit die Darstellung dessen, was der Christus gab als die Anschauung von dem Reich, von Malchuth (Matth. 5-7).

[ 39 ] What was the result of the Christ Being having lived through as an historical event, an experience hitherto undergone only in the secrecy of the Mysteries? The natural result was the preaching of the Kingdom. The Gospel of St. Matthew therefore relates the Temptation first and then proceeds to describe the stages of the ascent of the Ego, the ‘I’, that henceforth will be able in itself consciously to experience the spiritual world. The secret of the ‘I’ that in accordance with the mode of consciousness prevailing in the external world rises into the spiritual word—this secret, as the Gospel of St. Matthew relates, was now to be unveiled through the Christ Being during the time following the Temptation. Then come the chapters beginning with the Sermon on the Mount and therewith presenting the conception given by Christ of the Kingdom, of Malkhut.

[ 40 ] So tief ist dasjenige, was Sie im Matthäus-Evangelium suchen müssen. Sie müssen tatsächlich die Quellen und Elemente für das MatthäusEvangelium suchen in der Geheimlehre nicht nur der Essäer, sondern überhaupt in der ganzen althebräischen und griechischen Welt. Dann bekommen wir auch für eine solche Urkunde jene heilige Ehrfurcht, jenen heiligen Respekt, von dem schon in München gesprochen worden ist, daß man sie bekommt, wenn man, ausgerüstet mit den Forschungsergebnissen der Geisteswissenschaft, herantritt an diese Urkunden, welche die Seher uns gegeben haben. Wenn wir hören, daß so etwas gesagt wird von den alten Sehern, dann fühlen wir, wie sie herübersprechen zu uns aus den alten Zeiten. Und es ist wie ein Herüberdringen einer Geistessprache, welche die großen Individualitäten durch die Jahrhunderte miteinander führen, so daß die Menschen zuhören können, die zuhören wollen. Allerdings nur jene Menschen, welche das - auch evangelische - Wort verstehen: «Wer Ohren hat zu hören, der höre!» (Matth. 11, 15). Aber wie einst vieles dazu gehört hat, daß die physischen Ohren in uns entstanden sind, so gehört manches dazu, daß die geistigen Ohren entstehen, durch die wir verstehen, was in jenen großen, gewaltigen geistigen Urkunden gesagt wird.

[ 40 ] Such are the profundities to be fathomed in the Gospel of St. Matthew. The sources and basic elements of this Gospel must be sought in the secret teachings not only of the Essenes but in those existing in the whole world of ancient Hebraic and Greek culture. We then feel for such a text the profound reverence which, as was said in the Munich lectures,5See Genesis: Secrets of the Bible Story of Creation, notably the beginning of Lecture VI (p. 73) and the end of Lecture VIII (pp. 99-100) arises when, enriched with the findings of spiritual-scientific investigation, we turn to the records bequeathed to us by the seers of olden time. We feel that such records speak to us across the ages. It is as though a spirit-language in which great Individualities converse with one another through the centuries were becoming audible—audible, of course, only to those who understand the words of the Gospel: ‘He who hath ears to hear, let him hear!’ But just as in the remote past many things had to happen in order that physical ears might become part of our organism, so it is in the case of the spiritual ears through which we comprehend what is said in those great spiritual records.

[ 41 ] Dazu soll ja unsere neuere Geisteswissenschaft da sein, daß wir wieder lesen lernen die geistigen Urkunden. Und erst wenn wir so ausgerüstet sind mit dem Verständnis für das Ich, für das Wesen des Ich im Reiche, dann werden wir verstehen können jenes Kapitel, das im Matthäus-Evangelium beginnt mit den Worten: «Selig sind die, die da Bettler sind um Geist; denn sie werden durch sich selbst, durch ihr eigenes Ich, finden die Reiche der Himmel!» (Matth. 5, 3). Ein alter Eingeweihter hätte gesagt: Vergeblich hättet ihr im eigenen Ich gesucht die Reiche der Himmel! - Der Christus Jesus aber sagte: Die Zeit ist gekommen, daß die Menschen im eigenen Ich den Geist finden werden, wenn sie suchen werden die Reiche der Himmel!

[ 41 ] The purpose of modern Spiritual Science is to enable us to read and decipher these spiritual records. Not until we have acquired insight into the true nature of the in the Kingdom, in Malkhut, shall we able to understand the chapter in St. Matthew's Gospel beginning: Blessed are they who are beggars for the Spirit; for through themselves, through their own Ego, they shall find the Kingdoms of Heaven! An Initiate of ancient times would have said to a man: In your own Ego you search in vain for the Kingdoms of Heaven. But Christ Jesus said: The time has come when in their own Egos men will find the Spirit when they seek the Kingdoms of Heaven.

[ 42 ] Die Herausführung tiefer Mysteriengeheimnisse in die äußere Welt, das ist das historische Christus-Ereignis. Und in diesem Sinne werden wir das historische Christus-Ereignis noch näher zu betrachten haben. Sie werden dann sehen, wie die Worte zu deuten sind, die in der Bergpredigt mit «Selig sind ...» beginnen.

[ 42 ] The historic Christ Event consists in the carrying of profound Mystery-secrets into the external world. In this sense we shall be studying that Event still more closely, and then you will understand how to interpret the Beatitudes in the Sermon on the Mount.6Note on the ten Sephirot:
In a lecture on the subject given by Rudulf Steiner in Doruach, 10th May, 1924, to the workmen engaged on building the second Goetheanum, he answered the question put by one of them as to what the Jews meant by the ‘Sephirot-Tree.’ He said that the ten Sephirot were expressions designating ‘the forces by which man is connected with the spiritual world’, adding that these ten forces of the universe were pictured by the ancient Hebrews as working in upon the human being from all sides and directions. The lecture dealt in detail with the qualities connected with each of the ten forces.
In kabbalistic literature, various synonyms are used fur the ten Sephirot, e.g. potencies, emanations, attributes, principles. There are also many variations in the actual names and in their spelling. The Sephirot are often depicted in the form of a tree and its branches (a picture of organic life) and are charted at definite points on a figure representing Adam Kadmon (‘Primeval Man’). This figure was also used to illustrate the lecture to the workmen referred to above.
A useful article on the Sephirot will be found, for example, in the Standard Jewish Encyclopedia, and for students of Jewish mysticism who are able to read German, the following book written by a learned kabbalist and anthroposophist is strongly to be recommended: Der Sohar and seine Lehre, by Ernst Muller, with a Preface by Professor A. Bergman (Origo Verlag, Zurich, 1951).