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The Rudolf Steiner Archive

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The Gospel of St. Matthew
GA 123

10 September 1910, Bern

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Zehnter Vortrag

Lecture Ten

[ 1 ] Daß der Christus Jesus für die Menschheitsevolution zu bedeuten hatte die allmähliche Ausstattung der Kräfte des menschlichen Ich mit jenen Fähigkeiten, welche der Mensch in den alten Mysterien nur hat erlangen können durch eine Art Herabdämpfung seines Ich, das haben wir in den letzten Stunden auseinandergesetzt. Und wollen wir uns noch einmal deutlich vor die Seele rücken, um was es sich handelt, dann können wir sagen: Es war bei allen alten Initiationen die Möglichkeit vorhanden, hinaufzurücken in die geistige Welt, in das, was wir charakterisiert haben als die Reiche der Himmel. Aber durch die ganzen Eigenheiten, Eigentümlichkeiten der alten, vorchristlichen Menschheitsentwickelung war es nicht möglich, hinaufzusteigen in die Reiche der Himmel so, daß das Ich, die eigentliche menschliche Ich-Wesenheit in derselben Verfassung geblieben wäre, in der sie sich befindet gegenüber dem physisch-sinnlichen Plan. Unterscheiden wir also diese zwei Verfassungen der Menschenseele: Die eine ist jene Verfassung, die der heutige normale Mensch kennt als diejenige vom Aufwachen bis zum Einschlafen, wo er mit seinem Ich wahrnimmt die Gegenstände des physisch-sinnlichen Planes. Und dann haben wir jene andere Verfassung der Seele, bei der dieses Ich herabgedämpft ist, wo kein deutliches Bewußtsein einer solchen Ichheit vorhanden ist. Und innerhalb dieser Seelenverfassung wurde der Mensch in den alten Mysterien hinaufgehoben in die Reiche der Himmel. Diese Reiche der Himmel sollten — einmal im Sinne der Vorläuferpredigt des Täufers Johannes und dann im Sinne der Predigt des Christus Jesus selber heruntergeholt werden, damit die Menschheit einen Impuls bekommen kann zu einer weitergehenden Evolution, durch die unter Aufrechterhaltung der gewöhnlichen Ich-Kraft die Erfahrungen der höheren Welten erlebt werden können. Daher war es nur natürlich, daß uns sozusagen von den Berichterstattern des Christus Jesus-Ereignisses vorgeführt werden alle die Prozeduren, alle die verschiedenen Vorgänge, die in den alten Mysterien mit dem zu Initiierenden vorgenommen worden sind, daß uns aber zu gleicher Zeit angedeutet wird: in alledem lebt eine neue Nuance, die Nuance, daß es jetzt nicht die zweite der beiden charakterisierten Seelenverfassungen ist, die dabei in Frage kommt, sondern diejenige, in der das Ich anwesend ist.

[ 1 ] We have heard in these lectures that through the coming of Christ Jesus the forces of the human Ego were to be gradually endowed with those faculties which in the ancient Mysteries could be acquired by man only through the suppression, the dulling, of his Ego. In all ancient Initiations there was the possibility of rising into the spiritual world, into the Kingdoms of Heaven. But owing to the character of human evolution in pre-Christian times, man's Ego could not ascend into the Kingdoms of Heaven in the same state or condition in which it confronts the physical-material world. Two conditions of the human soul must therefore be distinguished. The one is the condition familiar to the normal man of to-day as prevailing between the times of waking and going to sleep, when his Ego perceives and is aware of the objects of the material world. In the second condition there is no definite consciousness of Ego-hood. It was in this latter condition that in the ancient Mysteries man was transported into the Kingdoms of Heaven. According to the preaching of John the Baptist and then of Christ Jesus Himself, these Kingdoms of Heaven were, to be brought down to the Earth in order that mankind might receive an impetus for development enabling men to experience the higher worlds while maintaining full Ego-consciousness. It was thereby only natural that those who recorded the Christ-Jesus-Event should have described the different processes undergone by a candidate for Initiation in the ancient Mysteries, but that at the same time an indication should be given of a new element, showing that now it was not a matter of the second condition of soul but of a new condition in which the Ego is fully conscious.

[ 2 ] Und wir haben dann gestern die neun Seligkeiten als den Anfang der sogenannten Bergpredigt von diesem Gesichtspunkte aus charakterisiert. Wir könnten noch weiter fortsetzen, was in der gegenwärtigen Fassung des Matthäus-Evangeliums vorhanden ist, so wie sie, allerdings etwas undeutlich, aus dem Aramäischen ins Griechische übertragen worden ist. Aber wenn man selbst noch die undeutliche Version des griechischen Textes des Matthäus-Evangeliums nimmt, kann man doch durchfühlen, auch in der Fortsetzung der Bergpredigt, wie überall deutlich auf das hingedeutet wird, was früher der Mensch mit Herabdämpfung des Ich erleben konnte. So daß, wie er früher sagen konnte: Wenn ich mein Ich herabdämpfe und mit herabgedämpftem Ich hineinkomme in die geistige Welt, so werde ich dieses oder jenes an Fundamentalem begreifen -, er dies in Zukunft begreifen lernen wird unter Beisein seines Ich. Freilich versteht man eine solche Sache nur dann wirklich, wenn man auf das Nähere eingeht, worauf ich schon hingedeutet habe, nämlich auf den Gebrauch alter Namen, alter Bezeichnungen. Alte Bezeichnungen wurden eben nicht so gewählt, wie Namen oder Bezeichnungen in unserer Zeit gewählt werden, sondern sie wurden immer gewählt mit dem Bewußtsein des Wesenhaften der Sache. Und das ist deutlich gerade in den Bezeichnungen der Bergpredigt durchleuchtend, daß sich der Christus Jesus fühlte als der Bringer des Ich-Bewußtseins auf einer höheren Stufe, als es früher war, welches in sich selber die Reiche der Himmel erleben kann. Daher stellt er den Gegensatz vor die Seelen seiner Jünger hin: In früheren Zeiten sagte man auch, aus den Reichen der Himmel ist euch dieses oder jenes geoffenbart. Aber das werdet ihr von nun an erleben, wenn ihr euer Ich sprechen laßt, in dem, was euer Ich zu euch sagt. Daher die immer wiederkehrende Wiederholung: «Ich sage es euch!», weil sich der Christus Jesus fühlte als der Repräsentant jener Menschenseele, die sich auslebt in dem Ausdruck: «Ich sage es; ich bin mit meinem vollen Ich-Bewußtsein dabei.» Das darf nicht trivial genommen werden, was in der Fortsetzung der Bergpredigt dasteht als der Ausdruck: «Ich sage es euch!» Das ist die Wiederholung eines Hinweises auf jenen neuen Impuls, der durch den Christus Jesus in die Menschheitsevolution hineingelegt worden ist. Lesen Sie daher in dieser Weise den weiteren Fortgang der Bergpredigt, und Sie werden fühlen, daß er sagen wollte: Bisher durftet ihr nicht an euer Ich appellieren; jetzt aber könnt ihr durch das, was ich euch geboten habe, die Reiche der Himmel euch durch die Kraft des Inneren, durch die eigene Kraft des Ich nach und nach aneignen. - Der ganze Geist der Bergpredigt ist durchhaucht von dem neuen Impuls der Ichheit des Menschen. Und ebenso das Folgende, wo dann der Übergang gemacht wird zu den sogenannten Heilungen.

[ 2 ] In the lecture yesterday we studied the nine Beatitudes at the beginning of the Sermon on the Mount from this point of view. Still more could be said about the contents of the present text of St. Matthew's Gospel which was translated, not always without ambiguity, from the Aramaic language into Greek. But even in the Greek text of the Gospel one can detect, in the continuation of the Sermon on the Mount too, definite indications of what a man formerly experienced while his Ego was suppressed and in a dulled condition. Whereas he was once able to say: ‘When I suppress my Ego and pass into the spiritual world, I shall grasp certain fundamental truths’—in the future this will be possible while retaining full Ego-consciousness. To understand what this implies it is essential to know something more about the use of names or designations in olden times. They were not chosen as they are to-day, but always with consciousness of the reality involved. And the expressions used in the Sermon on the Mount show clearly that Christ Jesus felt Himself to be the bringer of Ego-consciousness at a higher stage than that hitherto attained, and able to experience the Kingdoms of Heaven as an inner reality. He therefore brings home this contrast to the souls of His disciples: ‘In earlier times too it was said that revelations come from the Kingdoms of Heaven. But from now onwards you will experience these things when you let your Ego itself speak, in what your Ego says to you.’—Hence He constantly repeated words: ‘I say unto you!’—for Christ Jesus felt Himself to be ' the Representative of the human soul which comes to expression when uttering the words: ‘I say it,’ ‘I say it with my full Ego-consciousness.’ This utterance, which occurs many taken in a trivial sense. It calls attention repeatedly to the new impulse inculcated through Christ Jesus into the evolution of humanity. Read the continuation of the Sermon on the Mount—With this in mind and you will feel that Christ Jesus wished to say: Hitherto you could not call upon your Ego; but now, through what I have brought to you, you will be able gradually to acquire the treasures of the Kingdoms of Heaven through your own inner power, through the power of your own ‘I’.—The whole spirit of the Sermon on the Mount is pervaded by the new impulse of human Egohood; and it is the same when the narrative leads on to the so-called ‘healings’.

[ 3 ] Diese Heilungen bilden ja bekanntlich einen Gegenstand ungeheuer weitgehender Diskussionen. Und was da einen ganz besonderen Gegenstand der Diskussion bildet, ist ja, wie Sie alle wissen, die WunderFrage. Das wird am häufigsten betont, daß da Wunder erzählt werden sollen. Aber treten wir dieser Wunder-Frage einmal näher. Gestern habe ich Sie schon auf eines aufmerksam gemacht. Ich habe darauf hingewiesen, daß in der Tat der gegenwärtige Mensch die Veränderungen, die Metamorphosen, die sich mit der menschlichen Wesenheit im Laufe der Entwickelung vollzogen haben, ganz unterschätzt. Würden Sie - nicht im groben, sondern im feineren Sinne - einen physischen Leib aus der Zeit, wo der Christus Jesus gelebt hat, oder gar noch vorher, vergleichen mit einem heutigen physischen Leib, so würde sich ein ganz beträchtlicher Unterschied ergeben, ein Unterschied, der allerdings nicht feststellbar ist mit anatomischen Mitteln, wohl aber durch die okkulte Forschung. Und Sie würden finden: der physische Leib ist dichter geworden, hat sich mehr zusammengezogen; er war noch weicher in der Zeit des Christus Jesus. Und namentlich war die Art der Anschauung so, daß der Mensch das, was er heute gar nicht mehr sieht, die Erkenntnis gewisser Kraftwirkungen im Leibe, die jeden Leib modellieren, noch in einem gewissen Grade besessen hat, so daß die Muskeln - allerdings nur für einen feineren Blick - deutlich und viel stärker sich abprägten. Das ging langsam und allmählich verloren. Kindereien in der Kunstgeschichte weisen auf alte Zeichnungen hin, wo zum Beispiel besonders ausgeprägte Muskellinien dargestellt sind, und halten das für eine Übertreibung und für Ungeschicklichkeit der alten Zeichner, weil man nicht weiß, daß so etwas auf ein tatsächliches Beobachten zurückgeht, das für alte Zeiten richtig war, für die heutigen Zeiten aber falsch sein würde. Aber darauf wollen wir weniger Rücksicht nehmen und nur das mehr hervorheben, was mit diesen ganz anders gearteten menschlichen Leibern verbunden war.

[ 3 ] As everyone knows, these acts of healing have been the subject of widespread discussions. The point most often emphasised is that the Gospels are speaking here of miracles. But let us go more closely into this. In the lecture yesterday I said that people of to-day entirely disregard the changes and metamorphoses undergone by human nature in the course of evolution. If you were to compare a physical body of the time of Christ, let alone earlier, with one of the modern age, a very significant difference would be revealed, a difference that cannot, it is true, be established by anatomy, but certainly by occult investigation. You would find that the physical body has solidified, has become denser; at the time of Christ Jesus it was much more pliable. Above all, man's vision was such that he perceived things he no longer perceives to-day and moreover possessed some knowledge of certain forces working in and shaping the body. The muscles, for example, made a very distinct and much stronger impression on a more delicate faculty of perception. This kind of vision was gradually lost. Childish theories connected with the history of art point to old drawings where the lines indicating the muscles are very conspicuous and regard this as exaggeration and a sign of the artist's lack of skill. The reason is that originators of those theories do not know that such drawings were based on actual observation—a faculty that was right and proper in ancient times although it would be out of place in the modern age. But be that as it may, we will concern ourselves now with the characteristics of human bodies that were once quite differently constituted.

[ 4 ] Auf den menschlichen Leib hatte damals die Kraft der Seele, die Kraft des Geistes noch einen viel größeren, sozusagen momentaneren Einfluß als später, wo der Leib dichter geworden ist und die Seele daher an Macht über den Leib verloren hat. Daher war es damals in viel größerem Maße möglich, zu heilen von der Seele aus. Die Seele hatte viel mehr Macht, so daß sie den Leib durchsetzen konnte mit den aus der geistigen Welt geholten gesund wirkenden Kräften, wenn der Leib in Unordnung gekommen war, um ihn wieder von sich aus in Harmonie, in Ordnung zu bringen. Diese Macht der Seele über den Leib hat allmählich abgenommen. Das ist der Gang der fortgehenden Entwickelung. Daher waren die Heilprozesse in alten Zeiten in weit gröBerem Maße als später geistige Heilprozesse. Und diejenigen, die als Ärzte galten, waren nicht im heutigen Sinne physische Ärzte, sondern zum großen Teil Heiler in dem Sinne, daß sie auf den Leib auf dem Umwege durch die Seele wirkten. Sie reinigten die Seele und durchsetzten sie mit gesunden Empfindungen, Impulsen und Willenskräften durch die geistig-seelischen Einflüsse, die sie ausüben konnten, sei es im gewöhnlichen Zustande der physischen Wahrnehmung, sei es in dem sogenannten Tempelschlaf oder dergleichen, was ja auch für die damalige Zeit nichts anderes war als eine Art Versetzen des Menschen in einen hellseherischen Zustand.

[ 4 ] In those early times the power of the soul and of the spirit had a much more immediate influence on the human body than was the case later on, when the soul had lost power over the body because of its greater density. It was therefore far more possible in those early times for healing to be brought about by forces of the soul. With its far greater power, the soul was able to permeate a disordered body with the forces of healing drawn from the spiritual world, so that harmony might again be established. In the course of advancing evolution this power of the soul over the body had been gradually diminishing. Processes of healing in olden times were therefore spiritual processes to a far greater extent than was the case later on. Those who were regarded as doctors were not doctors in the modern, physical sense, but most of them were healers who worked upon the body by way of the soul. They purified the soul,instilled healthy feelings, impulses and will-forces into it through the spiritual influences they were able to bring to bear. This might have taken place either in the condition of ordinary waking life, in the so-called ‘temple sleep’, or in something akin to it—which at that time simply meant inducing a state in which a man became clairvoyant.

[ 5 ] Wenn man also die damaligen Kulturverhältnisse berücksichtigt, muß man durchaus darauf hinweisen, daß diejenigen, die stark an Seele waren und appellieren konnten an das, was sie selbst aufgenommen hatten, damals in beträchtlichem Maße auf die Seelen wirken konnten und damit auch auf die Leiber. Daher kam es auch, daß solche Menschen, die irgendwie geistdurchdrungen waren, und von denen man wußte, daß sie heilende Kräfte ausströmten in die Umgebung, auch mit dem Ausdruck «Heiler» bezeichnet wurden. Und im Grunde genommen müßte man nicht nur die Therapeuten, sondern auch die Essäer in einer gewissen Weise als Heiler bezeichnen. Ja, wir müssen weitergehen: In einer gewissen Mundart Vorderasiens, in welcher sich besonders diejenigen ausgedrückt haben, aus welchen das Christentum hervorgewachsen ist, ist die Übersetzung dessen, was wir bezeichnen würden als «geistigen Heiler», das Wort Jesus. Jesus bedeutet im Grunde genommen «geistiger Arzt». Das ist eine ziemlich richtige Übersetzung, namentlich wenn man auf die Gefühlswerte geht. Und damit könnten Sie zu gleicher Zeit auch ein Licht werfen auf alles, was man bei solchem Namen empfand in einer Zeit, wo man bei Namen noch etwas fühlte. Aber wir wollen uns einmal ganz sozusagen hineinversetzen in die Kulturverhältnisse der damaligen Zeit.

[ 5 ] In studying conditions of civilization at that time, therefore, it must be realised that those who were strong enough in soul to draw upon forces they had themselves acquired, were able to make a very real effect upon the souls of other men and therewith upon their bodies. So too, those who were in some way permeated with spirit and from whom forces of healing were known to radiate into their surroundings, were also called ‘healers’. As a matter of fact, not only the Therapeutae but the Essenes too, in a certain sense, would have to be called healers. Moreover in a certain dialect current in Asia Minor among those associated with the birth of Christianity, the word ‘Jesus’ was the translation of the expression ‘spiritual healer’. ‘Jesus’ expresses ‘spiritual physician’ and it is a fairly correct interpretation.1A learned and interesting account of the semantic interaction between the Greek word iaomai (‘heal’) and the Hebrew Jeshua (transliterated into Greek as Iesus), which was both a proper name and a word meaning ‘saviour’, will be found in Hastings' Dictionary of Christ and the Gospels (title: Jesus). This is an indication of what was associated with names and designations in an age when men still felt that they pointed to certain realities.

[ 6 ] Ein Mensch, der also im Sinne der damaligen Zeit gesprochen hätte, würde gesagt haben: Es gibt Menschen, die den Zutritt haben zu den Mysterien, die mit einer gewissen Opferung ihres Ich-Bewußtseins in den Mysterien sich in Verbindung setzen können mit gewissen geistig-seelischen Kräften, die dann ausstrahlen auf die Umgebung, wodurch sie zu Heilern werden für die Umgebung. Nehmen wir an, ein solcher Mensch wäre Jünger des Christus Jesus geworden, so hätte er gesagt: Wir haben jetzt sehr Merkwürdiges erlebt. Während früher nur solche Menschen, die unter Herabdämpfung des Ich-Bewußtseins die geistigen Kräfte in den Mysterien aufgenommen haben, seelische Heiler werden konnten, haben wir jetzt einen erlebt, der es wurde ohne die Mysterienprozeduren, unter Aufrechterhaltung des Ich. - Nicht etwa das war das Auffällige, daß geistige Heilungen überhaupt vollzogen wurden. Daß in den Kapiteln des Matthäus-Evangeliums von einem geistigen Heiler erzählt wird, wäre einem solchen Menschen gar nicht besonders wunderbar vorgekommen. Er hätte gesagt: Was ist Wunderbares dabei, daß solche Leute geistig heilen? Das ist selbstverständlich! - Und die Aufzählung solcher Heilungen wäre für die damalige Zeit nicht ein besonderes Wunder gewesen. Das aber ist das Bedeutungsvolle, daß der Schreiber des Matthäus-Evangeliums erzählt: Da ist einer, der eine neue Wesenskraft in die Menschheit gebracht hat, der aus dem Impuls seines Ich, aus dem man früher nicht heilen konnte, Heilungen vollzog, indem er dieselbe Kraft dabei heranzog, mit Hilfe deren man früher nicht heilen konnte. - Also etwas ganz anderes wird in den Evangelien erzählt, als man gewöhnlich meint. Zahlreiche Beweise, auch historische, könnten dafür erbracht werden, daß es richtig ist, was die Geisteswissenschaft aus okkulten Quellen heraus feststellt. Wir wollen nur eines zum Beweise heranführen.

[ 6 ] But now let us throw our minds back to the civilization of those times. A person speaking of conditions of life as they then were, would have said: There are men who have been admitted into the Mysteries where, by sacrificing some degree of their Ego-consciousness, they can establish connection with certain forces of soul-and-spirit which then radiate into the environment through them; such men become healers. Supposing that such a man had become a follower of Christ Jesus, he would have said: Wondrous things have come to pass! Formerly those alone could become healers of the soul who had received spiritual forces into themselves in the Mysteries; but there has now been among us One who was a healer while maintaining full Ego-consciousness, who had not undergone the procedures of the Mysteries.—The fact that spiritual healings had taken place would not have astonished such a man, neither would the story of a spiritual healer narrated in the Gospel of St. Matthew have struck him as indicating anything particularly miraculous. His attitude would have been: What is wonderful about such men being spiritual healers? It is quite natural that they should be I—Accounts of such healings would not have seemed miraculous in those days. But the point of real significance is indicated when the writer of the Gospel of St. Matthew speaks of One who had imparted a new power to mankind, who by drawing upon forces of his Ego—with which healing was not formerly possible—had actually healed the sick. So you see, the Gospels are speaking of something altogether different from what is usually thought. Many proofs, historical evidence too, could be presented in verification of what Spiritual Science establishes from occult sources.

[ 7 ] Wenn es wahr ist, was jetzt gesagt worden ist, dann müßte man sich tatsächlich im Altertum vorgestellt haben, daß unter einer gewissen Voraussetzung diejenigen, die blind sind, geheilt werden könnten unter geistigem Einfluß. Nun ist mit Recht hingewiesen worden auf alte Bildnisse, die dergleichen darstellen. Auch der im vorigen Vortrag erwähnte John M. Robertson weist darauf hin, daß in Rom eine Darstellung ist, die Abbildung eines Äskulap, der vor zwei Blinden steht, und er hat natürlich daraus geschlossen, daß damit eine Heilung angezeigt worden ist, und daß dies dann von den Evangelienschreibern übernommen und in die Darstellungen der Evangelien hineingebracht worden ist. Es ist hier aber nicht das Wesentliche, daß geistige Heilungen etwas Wunderbares sind, sondern als wesentlich hat es zu gelten, daß der, der das Bild gemalt hat, damit hat sagen wollen: Äskulap ist einer der Eingeweihten, der unter Herabdämpfung des Ich-Bewußtseins in den Mysterien zu den geistigen Heilkräften gekommen ist. Der Schreiber des Matthäus-Evangeliums aber wollte sagen: Nicht auf diese Weise wurden Heilungen beim Christus erreicht, sondern was als ein einmaliger Impuls in Christus lebte, das soll nach und nach von der ganzen Menschheit erreicht werden, so daß das Ich mit seiner Kraft es nach und nach erreichen kann. - Gewinnen können es heute die Menschen noch nicht, weil es sich in einer späteren Zukunft in die Menschheit einleben soll. Aber was sich vollzogen hat mit dem Christus im Beginne unserer Zeitrechnung, das wird sich einleben, und die Menschen werden nach und nach fähig werden, es zum Ausdruck zu bringen. Nach und nach wird es geschehen. Das wollte der Schreiber des Matthäus-Evangeliums mit seinen Wunderheilungen darstellen.

[ 7 ] If the statement just made is true, it must have been realised in the days of antiquity that under certain conditions the sight of the blind could be restored by spiritual influence. Attention has rightly been called to early portrayals of these things. The author referred to yesterday, John M. Robertson, mentions that there exists in Rome a figure of Aesclepius standing in front of two blind men, and Robertson naturally concluded that it indicated an act of healing and that the writers of the Gospels incorporated this into their narratives. The important point in this example is not that spiritual healings were miracles but that the aim of the artist was to indicate that Aesclepius was an Initiate who had acquired powers of healing through the suppression of his Ego-consciousness in the Mysteries. The writer of the Gospel of St. Matthew, however, wished to make it clear that although in the case of Christ Jesus healings were not achieved in this way, the impulse that was once active in Him must in time be acquired by all mankind, and can be acquired through the power of the Ego itself. This is beyond the reach of men to-day because the power is not to be instilled into humanity until a somewhat distant future. But what was accomplished by Christ at the beginning of our era will take root, and men will gradually become capable of bringing it to expression. This will happen and it was what the writer of St. Matthew's Gospel wished to convey in his narratives of the healings.

[ 8 ] So darf ich aus dem okkulten Bewußtsein heraus sagen: Der Schreiber des Matthäus-Evangeliums wollte überhaupt keine «Wunder» schildern, sondern etwas ganz Natürliches, etwas Selbstverständliches. Er wollte nur schildern, daß es auf eine neue Art sich vollzog. So nehmen sich die Dinge aus, wenn man sie mit wirklich wissenschaftlicher Gewissenhaftigkeit darstellt. So daß also das tiefste Mißverständnis gerade gegenüber den Evangelien Platz gegriffen hat.

[ 8 ] And so, speaking out of occult consciousness, I can say: The writer of the Gospel of St. Matthew had no desire to depict any ‘miracle’ but something entirely natural, entirely understandable. He wanted also to show that such healing was brought about in a new way. That is the strict truth of these matters. The Gospels have indeed been badly misunderstood!

[ 9 ] Wie muß denn nun die Erzählung, wenn sie sachgemäß ist, weitergehen? Wir haben gesehen: Was sich in dem Leben des Christus Jesus durch die sogenannte Versuchung vollzog, war ein Hinabsteigen in alle diejenigen Vorgänge, die der Mensch erlebt beim Hinuntersteigen in den physischen Leib und Ätherleib. Wir haben gesehen, daß die Kraft, die von dem physischen und Ätherleib ausströmt, fähig wurde, so zu wirken, wie es in der Bergpredigt und wie es auch in den nachfolgenden Heilungen zum Ausdruck gekommen ist. Das Nächste war, daß die Kraft dieses Christus Jesus auch noch so wirkte, wie sonst die Kraft eines Eingeweihten in den Mysterien gewirkt hat, so gewirkt hat, daß er Schüler heranzog. Und wieder mußte der Christus Jesus natürlich auf seine besondere Art die Schüler heranziehen.

[ 9 ] How may we expect the narrative to continue? We have heard that what took place in the life of Christ Jesus in the form of the so-called Temptation was a descent into all the experiences undergone by a man when he penetrates into his physical body and etheric body. In the case of Christ, the forces streaming from the physical body and etheric body were able to work in the way that comes to expression in the Sermon on the Mount and in the healings that follow it. The power of Christ Jesus now worked as the power of an Initiate in the Mysteries would have worked, namely, by attracting pupils and disciples. And here again it was inevitable that Christ Jesus should attract disciples in His own unique way.

[ 10 ] Wenn man nun das Matthäus-Evangelium von diesem Punkt aus verstehen will, wo sich das Spätere an die Bergpredigt und an die Heilungen anschließt, so gehört dazu als Vorbereitung einiges von dem, was wir uns im Laufe der Jahre an Wissen von okkulten Tatsachen erworben haben. Das gehört dazu, daß der Mensch, wenn er nun wirklich durch die Einweihung hinaufgeführt werden soll den Weg in die höheren Welten, zu einer Art von imaginativem Anschauen kommt, zu einem Anschauen, das in Imaginationen lebt. Diejenigen, die um den Christus Jesus waren, mußten sich nun nicht nur die Fähigkeit erwerben, anzuhören, was in einem solchen majestätischen Kundgeben, was in einer solchen Manifestation gegeben ist, wie es die Bergpredigt ist, sie mußten nicht nur teilnehmen an dem, was durch den Christus Jesus selber bewirkt worden war an Heilungen, sondern es mußte die mächtige Kraft, die in dem Christus Jesus wirkte, übergehen auf die nächsten Freunde und Jünger nach und nach. Auch das wird dargestellt. Zunächst wird dargestellt, wie der Christus Jesus nach der Versuchung imstande ist, die alten Lehren mit einer neuen Nuance zu zeigen und die alten Heilungen durch einen neuen Impuls zu bewirken. Dann aber wird gezeigt, wie er in einer neuen Weise auf seine Jünger wirkt, wie die Kraft, die er im höchsten Maße in sich verkörpert hat, auf seine Jünger-Umgebung wirkt. Wie wird das gezeigt? So, daß das, was er darstellt, für den unempfänglichen Menschen so erscheinen muß, daß es auch in Worten ausgedrückt wird. Auf die Empfänglichen aber, die er sich selbst auserwählt und geführt hatte, wirkte es anders. Da wirkte es so, daß es ihnen die Imaginationen gab, daß es die nächsthöhere Stufe der Erkenntnis erregte. Was von Christus Jesus ausging, konnte also in zweierlei Weise wirken: auf die Außenstehenden so, daß sie seine Worte hörten und eine Art Theorie mit seinen Worten empfingen; auf die anderen, die seine Kraft miterlebt hatten und die er sich auserwählt hatte, weil er auf sie, wegen ihres besonderen Karmas, seine Kraft übertragen konnte, auf sie wirkte seine Kraft so, daß sie aus ihrer Seele Imaginationen herauslöste, Erkenntnisse, die in einer gewissen Weise eine Stufe höher in die höheren Welten hinaufweisen. Das ist in dem Ausdruck gegeben «die Äußeren hören nur Gleichnisse» - das heißt, bildliche Ausdrücke für das Geschehen in der geistigen Welt -, «ihr aber vernehmt das, was die Gleichnisse bedeuten, ihr vernehmt die Sprache, die euch in die höheren Welten hinaufleitet» (Matth. 13,11). Auch das darf man nicht trivial auffassen, sondern man muß es verstehen im Sinne eines Hinaufleitens der Jünger in die höheren Welten.

[ 10 ] To understand the chapters in the Gospel of St. Matthew following the Sermon on the Mount and the accounts of the healings, preparation is necessary in the form of a certain knowledge of occult facts which we have acquired through the years. We know that when a man is being led upwards through Initiation into the higher worlds, he develops a kind of Imaginative vision, a vision consisting of true Imaginations. Those who were around Christ Jesus had necessarily to acquire not only the faculty of listening with a certain measure of understanding to utterances as majestic as those of the Sermon on the Mount, but of participating intelligently in the acts of healing performed by Christ Jesus; it was also necessary that the mighty power working in Him should gradually pass over to those who were His closest friends and disciples. This too is indicated in the Gospel. It is first of all shown how, after the Temptation, Christ Jesus is able to give a new form to the ancient teachings and to perform healings through a new impulse. But then it is shown how He worked upon His disciples in a new way, how the fullness of power incorporated in him affected the disciples and followers around Him. How is this shown? By the fact that for unreceptive, insensitive men, what He represented had also to be given expression in words. But the effect of His influence upon those who were receptive, whom He had Himself chosen and guided, was different. Imaginations arose in them and they attained the next stage of higher knowledge. The power emanating from Christ Jesus therefore worked in two ways: the effect upon those who were not His chosen disciples was that they heard His words and accepted them as theory; the effect upon the others whom He had chosen because they had witnessed the manifestations of His power and to whom, because of their special karma, He could transmit that power, was that Imaginations were awakened in their souls and insight pointing to a higher stage on the path into the spiritual worlds. This is indicated in the saying that those who are ‘without’ hear parables only—that is to say, pictures, are presented to them, symbolic images of happenings in the spiritual world. But to the others He said: You understand the meaning of the parables and the words that guide you into the higher worlds.—These verses must not be interpreted in a shallow sense but recognized as guidance whereby the disciples were led upwards into the spiritual worlds.

[ 11 ] Und nun wollen wir uns einmal recht hineinvertiefen, wie das Hinaufleiten der Jünger in die höheren Welten geschehen sein kann. Allerdings, um das zu verstehen, was ich jetzt sage, dazu gehört nicht nur Anhören, sondern ein wenig guter Wille, der durchsetzt ist mit dem, was durch die von Ihnen schon errungenen geisteswissenschaftlichen Erkenntnisse gebracht werden kann. Ich möchte Sie möglichst deutlich nämlich zu dem führen, was das Matthäus-Evangelium eigentlich mit den nächsten Schilderungen meint.

[ 11 ] And now we will go into the question of how the disciples could be led into the higher worlds. To understand what I am now going to say needs not only attentive listening but also a certain goodwill, fortified by the spiritual-scientific knowledge you have already acquired. I want to convey as clearly as possible the real meaning of the happenings described in the next chapters of the Gospel of St. Matthew.

[ 12 ] Da erinnern wir uns noch einmal, daß die Einweihung ihre zwei Seiten hat. Die eine ist die, wo der Mensch hinuntersteigt in physischen Leib und Ätherleib, wo er also sein eigenes Inneres kennenlernt, wo er hineingeführt wird in die Kräfte, die im Menschen selber schöpferisch sind. Und die andere Seite der Initiation ist die, wo der Mensch hinausgeführt wird in die geistige Welt, wo er sich ergießt in den Makrokosmos. Nun wissen Sie, daß dies in bezug auf die Realität - nicht in bezug auf das Bewußtsein - ein Vorgang ist, der sich jedesmal beim Einschlafen vollzicht: Der Mensch zieht seinen astralischen Leib und das Ich aus dem physischen Leib und Ätherleib heraus und gießt sie aus in die Sternenwelt, so daß er dann Kräfte aus der ganzen Sternenwelt saugt; daher der Name «astralischer Leib». Was der Mensch durch jene Art der Einweihung erreichen kann, wenn er mit astralischem Leib und Ich heraus ist aus physischem Leib und Ätherleib, das ist nicht nur ein wissentliches Überschauen dessen, was auf unserer Erde ist, sondern das ist ein Ausfließen in den Kosmos, ein Kennenlernen der Sternenwelt und ein Aufnehmen der Kräfte, die uns aus der Sternenwelt zufließen. Dieses aber, was so für uns als etwas zu gelten hat, was sich der Mensch nach und nach durch ein Hinausfließen in den Kosmos erwirbt, das war nach der besonderen Beschaffenheit der Christus-Wesenheit nach der Johannes-Taufe da. Und nicht nur in jenem Zustande war es da, der einem Schlafzustand glich, sondern es war da, wenn er auch nicht schlief, wenn er in seinem physischen Leib und Ätherleib war; da war er imstande, seine Wesenheit zu verbinden mit den Kräften der Sternenwelt und in diese physische Welt die Kräfte der Sternenwelt hineinzutragen.

[ 12 ] We will once more remind ourselves that there are two modes of Initiation. The process in one is that a man descends into his physical body and etheric body, learns to know his own inner nature and comes into contact with the forces that work creatively in him. And in the other mode of Initiation a man is led out into the spiritual world, into the Macrocosm. Now we know that this—as regards what actually happens, not as regards consciousness—takes place every time a human being goes to sleep; his astral body and Ego, withdrawn from his physical and etheric bodies, pour into the world of stars and absorb its forces—hence the designation, astral’ body. Through this form of Initiation a man is able not only to survey happenings on the Earth but to expand into the Cosmos, to gain knowledge of the world of the stars and absorb its forces, But the condition that can only gradually be attained by man (in Initiation) was present in the,Christ in the form consonant with His special nature after the Baptism by John. In Him, however, it was not comparable with the state of sleep; it was present in Him when He was not sleeping but was awake in his physical body and etheric body. He was able to unite Himself with the forces of the world of stars and carry those forces into the physical world.

[ 13 ] Was der Christus Jesus wirkte, kann daher auch so beschrieben werden, daß man sagt: Er zog herein durch die Attraktion des für ihn besonders zubereiteten physischen Leibes und Ätherleibes, durch seine ganze Wesenheit, die Kraft der Sonne, des Mondes, der Sternenwelt, des Kosmos überhaupt, der zu unserer Erde gehört. Und wenn er wirkte, so wirkte jetzt durch seine Vermittlung das, was sonst aus dem Kosmos an gesundendem, durchkraftendem Leben den Menschen durchströmt, wenn er im Schlafzustande außerhalb des physischen Leibes und Ätherleibes ist. Die Kräfte, durch die der Christus Jesus wirkte, waren Kräfte, die aus dem Kosmos durch die Anziehung seines Leibes herniederströmten und durch seinen Leib ausströmten und sich ergossen auf seine Jünger. Das fing jetzt für die Jünger an, daß sie durch ihre Empfänglichkeit fühlen konnten, richtig fühlen konnten: Ja, dieser Christus Jesus vor uns ist eine Wesenheit, durch die uns wie eine geistige Nahrung zukommen die Kräfte des Kosmos; da ergießen sie sich über uns.

[ 13 ] What Christ Jesus brought about can therefore be described as follows.—Through the force of attraction exercised by the physical and etheric bodies that had been specifically prepared for Him, He drew down through His very nature the power of the Sun, of the Moon, of the Stars, of the whole Cosmos connected with our Earth. And the deeds He performed became channels for the health-bestowing, strength-giving life otherwise streaming from the Cosmos through man when he is outside his physical and etheric bodies during sleep. The forces with which Christ Jesus worked were forces which streamed down from the Cosmos through the power of attraction exercised by His body and streamed forth again from this body to His disciples. Receptive as they were, the disciples now rightly began to feel: Verily Christ Jesus is a Being through whom the forces of the Cosmos are brought to us as spiritual nourishment; they pour upon us.

[ 14 ] Die Jünger selber waren aber in einem zweifachen Bewußtseinszustande, weil sie noch nicht zum Höchsten entwickelte Menschen waren, sondern sich eben erst an dem Christus hinaufrankten zu einer höheren Entwickelung; sie selbst waren immer in einem zweifachen Bewußtseinszustande, der sich vergleichen läßt mit dem Wachen und Schlafen des Menschen. Daher kann man von den Jüngern sagen: Indem sie abwechselnd zwischen Schlafen und Wachen in die Möglichkeit versetzt waren, in dem einen und dem anderen Zustande die magische Kraft des Christus auf sich wirken zu lassen, konnten sie dieselbe auf sich wirken lassen bei Tag, wenn er ihnen entgegentrat, aber seine Kraft wirkte auch im Schlafe, wenn sie aus dem physischen Leibe und Ätherleibe heraus waren. Während sonst der Mensch unbewußt ergossen ist in die Sternenwelt und nichts davon weiß, war dann bei ihnen die Christus-Kraft; da wurden sie ihrer ansichtig. Sie war es, von der sie wußten: Sie gibt uns die Nahrung aus den Sternenwelten.

[ 14 ] But the disciples themselves lived in two states of consciousness, for they were not yet men who had reached the highest stage of development; it was through Christ that the attainment of a higher stage was made possible for them. The two states of their consciousness may be compared with those of waking life and sleep. The magical power of Christ was able to work upon the disciples in both states of consciousness, not only by day, when He was actually near them, but also during sleep when they had left their physical and etheric bodies. Whereas in the ordinary way man's being expands into the worlds of stars unknowingly, Christ's power was now with the disciples and they actually beheld these worlds; they knew too: Christ's power gives us nourishment from the worlds of stars.

[ 15 ] ‚Aber noch einen anderen Bezug hatte dieser zweifache Bewußtseinszustand der Jünger. Wir müssen ja sozusagen in einem jeden Menschen, also auch in einem Jünger Jesu, dasjenige beachten, was der Mensch zunächst ist, und das, was er wie eine Anlage für seine weitere Zukunft in den folgenden Inkarnationen in sich trägt. In Ihnen allen ist ja jetzt schon dasjenige drinnen, was zum Beispiel in einer künftigen Kulturepoche in einer ganz anderen Weise die Umwelt ansehen wird, wenn es in einer neuen Inkarnation auftreten wird. Und würde dieses jetzt schon in Ihnen Befindliche hellsichtig werden, so würde es zunächst, als eine Art ersten hellseherischen Eindrucks, die allernächste Zukunft sehen. Was in der nächsten Zukunft geschieht, würde zu den ersten hellseherischen Erlebnissen gehören, wenn diese rein, echt und wahrhaft sind. - So war es vorzüglich für die Jünger. Im normalen Wachbewußtsein floß die Kraft des Christus in sie herein; da konnten sie sagen: Wenn wir wachen, fließt die Kraft des Christus so in uns herein, wie sie hereinfließen muß dadurch, daß wir jetzt in unserem normalen Wachbewußtsein sind. - Wie war es nun für sie im Schlafzustande? Dadurch, daß sie die Jünger Jesu waren und die Christus-Kraft auf sie gewirkt hatte, wurden sie im Schlafzustande immer zu gewissen Zeiten hellseherisch. Da sahen sie aber nicht, was jetzt geschah, sondern sie sahen, wessen in der Zukunft die Menschen teilhaftig werden sollen. Da tauchten sie gleichsam in das Meer des astralischen Sehens ein und sahen voraus, was in der Zukunft geschehen soll.

[ 15 ] But these two states of consciousness in which the disciples lived had still another effect. In every human being—in a disciple of Christ Jesus too—we must pay attention both to what he is as a man in the immediate present and to the potentialities within him for future incarnations. In each and all of you lie the rudiments of what will present itself to the world in a quite different form when it appears again in a new incarnation during a future epoch of civilization. And if through these potential faculties that are already within you, you were to become clairvoyant, vision of the immediate future would arise as a first manifestation of super-sensible sight. Among the first clairvoyant experiences—provided they were genuine and pure—would be those concerning happenings of the immediate future.—This was the case in the disciples. In their normal waking consciousness Christ's power streamed into them and they could say: In our waking hours Christ's power takes effect in us in a way befitting our normal day-consciousness.—But what happened to them while they were sleeping? Because they were disciples of Jesus and the Christ-power had worked upon them, they always became clairvoyant at certain times during sleep. They did not, however, see what was taking place in the present but what would come to pass in the future. They plunged as it were into the ocean of astral vision and foresaw what was to happen to man in future time.

[ 16 ] So gab es für die Jünger zwei Zustände. Einen, da konnten sie sich sagen: Es ist unser Tageszustand. In diesem unserem Tageszustande bringt uns der Christus aus den kosmischen Weiten die Kräfte der kosmischen Welten und teilt sie uns mit als geistige Nahrung. Er holt uns herunter, weil er die Sonnenkraft ist, alles dasjenige, was wir dargestellt haben im Sinne des im Christentum aufgenommenen Zarathustrismus. Er vermittelt das, was die Sonne an Kräften schicken kann aus den sieben Sternbildern des Tages. Da herunter kommt die Nahrung für den Tag. - Für den Nachtzustand war es so, daß die Jünger sich sagen konnten: Da nehmen wir wahr, wie durch die ChristusKraft sozusagen die Nachtsonne, die Sonne, die unsichtbar ist während der Nacht, die durch die anderen fünf Sternbilder geht, in unsere Seele hineinsendet die Himmelsspeise.

[ 16 ] Thus the disciples lived in these two states of consciousness. Of the one they could say: In our waking state Christ brings us from the great Universe the forces of the cosmic worlds, communicating them to us as spiritual nourishment. Because He is an embodiment of the Sun's power, He brings down to us everything revealed by Zoroastrianism when understood in the light of Christianity. He is the intermediary for the powers which the Sun can send forth from the seven day-constellations of the Zodiac, From thence streams the nourishment for the day-consciousness. Of the night-consciousness the disciples could say: In this condition we become aware of how, through the power of Christ, the Sun that is invisible during the night while passing through the other five constellations sends the heavenly food into our souls.

[ 17 ] So konnten also die Jünger in ihrer imaginativen Hellsichtigkeit empfinden: Wir sind mit der Christus-Kraft, mit der Sonnenkraft, verbunden. Sie schickt uns dasjenige zu, was für die Menschen der Jetztzeit — das heißt für die Menschen der vierten Kulturperiode - «das Richtige» ist. Und in dem anderen Bewußtseinszustande schickt uns die Christus-Kraft dasjenige zu, was sie uns als Nachtsonne zusenden kann, als Kraft von den fünf nächtlichen Sternbildern. Dieses aber gilt nun für die auf die damalige Zeit folgende, das heißt also für die fünfte Kulturperiode. — Das ist das, was die Jünger erfuhren. Wie konnte man es ausdrücken? Wir werden in der nächsten Stunde mit einigen Worten noch auf Bezeichnungsweisen eingehen; jetzt wollen wir das Folgende nur erwähnen.

[ 17 ] With their Imaginative clairvoyance the disciples could feel: In our waking state we are united with the power of Christ, with the power of the Sun. This power transmits to us what is meet and right for men of the present (i.e. the fourth) epoch of civilization. And in the state of sleep the power of Christ conveys the strengthening forces of the nocturnal Sun from the five night-constellations. But this applies to the epoch that is to follow our own—to the fifth epoch of civilization.—That is what the disciples experienced. In what way could it be expressed? We shall go further into this in the next lecture. I want now to speak briefly about the following.—

[ 18 ] Eine Fülle von Menschen wurde nach den alten Bezeichnungsweisen als ein «Tausend» bezeichnet, und man fügte, wenn man spezialisieren wollte, eine Zahl hinzu, die von dem wichtigsten Charakteristikon hergenommen wurde. Zum Beispiel die Menschen der vierten Kulturperiode bezeichnete man als das «vierte Tausend», und die, welche schon im Stile der fünften Kulturperiode lebten, als das «fünfte Tausend». Das sind einfach Termini technici. Deshalb konnten die Jünger sagen: Während des Tagzustandes nehmen wir wahr, was die Christus-Kraft uns aus den Kräften der Sonne zusendet von den sieben Tagessternbildern her, so daß wir dann die Nahrung empfangen, die für die Menschen der vierten Kulturperiode bestimmt ist, für das vierte Tausend. Und in unserem nächtlichen imaginativen Hellseherzustande nehmen wir wahr durch die fünf Sternbilder der Nacht, was für die nächste Zukunft, was für das fünfte Tausend gilt. - Es werden also die Menschen der vierten Epoche - die Viertausend — genährt vom Himmel herunter durch die sieben Himmelsbrote, durch die sieben Sternbilder des Tages; und es werden die Menschen der fünften Epoche - die Fünftausend — genährt durch die fünf Himmelsbrote, durch die fünf Sternbilder der Nacht. Dabei wird immer auf die Scheidung hingedeutet, wo sich die Tagessternbilder mit den Nachtsternbildern berühren: auf die Fische.

[ 18 ] In ancient terminology, human beings en masse were referred to as a ‘thousand’ and when it was desired to particularise, a specific number was added. For example, men of the fourth epoch of civilization were the ‘fourth thousand’ and those whose mode of life was already that of the fifth epoch were the ‘fifth thousand.’ These were simply termini technici. Hence the disciples could say: During the waking state we are aware of what Christ's power transmits to us from the Sun-forces radiating from the seven day-constellations; we receive the nourishment that is destined for men of the fourth epoch, the ‘fourth thousand’. And in our clairvoyant state during sleep we are made aware, through the forces radiating from the five night-constellations, of what applies to the immediate future, to the ‘fifth thousand.’—Food that is destined for men of the fourth epoch, that is to say for the ‘four thousand’, comes down from Heaven through the seven day-constellations, the seven ‘heavenly loaves’; and men of the fifth epoch—the ‘five thousand’—are fed through the five night-constellations, the five ‘heavenly loaves.’ The point of division between the day-constellations and the night constellations is indicated by specific mention of the constellation of Pisces, the Fishes.

[ 19 ] Es wird darin ein Geheimnis berührt. Es wird damit hingedeutet auf einen wichtigen Mysterienvorgang: auf den magischen Verkehr des Christus mit den Jüngern. Das macht ihnen der Christus klar, daß er nicht von dem alten Sauerteig der Pharisäer spricht, sondern ihnen aus den Sonnenkräften des Kosmos eine Himmelsspeise vermittelt, die er herunterholt, trotzdem nichts zur Verfügung steht, als das eine Mal die sieben Tagesbrote, die sieben Sternbilder des Tages, und das andere Mal die fünf Nachtbrote, die fünf Sternbilder der Nacht. Dazwischen immer die Fische, die die Scheidung bilden; ja von zwei Fischen wird sogar einmal gesprochen, damit es besonders deutlich ist (Matth. 14, 13-21, und 15,32-38).

[ 19 ] A secret is touched upon here. Indication is given of something deeply significant, namely the magical intercourse of Christ with His disciples. Christ makes it clear to them that He is not speaking of the old leaven of the Pharisees but is bringing down heavenly food to them from the Sun-forces of the Cosmos. On one occasion He has at His disposal only the seven loaves of the seven day-constellations, and on another the five loaves of the five night-constellations. And between the day-constellations and the night-constellations stands the constellation of Pisces, the Fishes, indicating the division. Indeed in one place, for the sake of even greater clarification, mention, is made of two fishes.

[ 20 ] Wer könnte, wenn er so hineinblickt in diese Tiefen des MatthäusEvangeliums, noch zweifeln, daß es sich wirklich um die Verkündigung handelt, die auf Zarathustra zurückgeht und auf den sie zurückgehen mußte, weil er derjenige war, der zuerst auf den Geist der Sonne hingewiesen hat, und der auch einer der ersten Missionare war, um die auf die Erde heruntersteigende magische Sonnenktaft begreiflich zu machen denen, die dafür empfänglich waren! Was tun aber wieder leichtfüßige Erklärer der Bibel? Sie finden im Matthäus-Evangelium einmal eine Speisung von Viertausend mit sieben Broten und das andere Mal eine Speisung von Fünftausend mit fünf Broten, und sie halten das Zweite für eine bloße Wiederholung und sagen: Der nachlässige Schreiber der Urkunde hat, wie es eben beim Abschreiben vorkommt, nachlässig kopiert. Er beschreibt daher nun das eine Mal eine Speisung von Viertausend mit sieben Broten, das andere Mal eine Speisung von Fünftausend mit fünf Broten; das kann vorkommen, wenn man nachlässig abschreibt! - Ich zweifle nicht, wenn Bücher in der neueren Zeit gemacht werden, daß so etwas vorkommen kann. Aber die Evangelien sind in keiner Weise so zustande gekommen. Wenn darin eine Erzählung zweimal steht, so hat das einen tiefen Grund, den ich jetzt angedeutet habe. Aber gerade weil das Matthäus-Evangelium aus diesen Tiefen heraus nach den Angaben schildert, die der große Essäerlehrer Jeshu ben Pandira ein Jahrhundert vor dem Erscheinen der Christus-Sonne vorbereitet hat, damit nachher diese Christus-Sonne verstanden werden kann, deshalb müssen wir im Matthäus-Evangelium, wenn wir es wirklich verstehen wollen, diese Tiefen auch heraussuchen. — Aber weiter.

[ 20 ] These profundities in the Gospel of St. Matthew, lead back to the proclamation made by Zarathustra, who first pointed to the Sun-Spirit and was also one of the first missionaries to explain to those who were receptive, the mystery of the down-streaming, magical power of the Sun. But what do glib expounders of the Bible say about these things? At one place in St. Matthew's Gospel they find a passage concerning the feeding of four thousand people with seven loaves, and at another a reference to the feeding of five thousand with five loaves, and they regard the second account as mere repetition. They say: The transcriber of the original text copied carelessly, as often happens. So on one occasion it is said that four thousand people were fed with seven loaves and on another that five thousand were fed with five loaves. After all, that sort of thing may well happen when a copyist is negligent!—I have no doubt that similar things may occur when books are being written in the modern age, but the Gospels did not by any means come into existence in that way! When a narrative occurs a second time there is deep meaning in it. But because accounts in the Gospel of St. Matthew harmonise with the indications given a century before the appearance of the Christ by Jeschu ben Pandira, the great Essene teacher, in order that when He came He might be understood—because this is so we must go deeply into the indications given in this Gospel if we are to grasp the truths it contains.—But let us continue.—

[ 21 ] Es hatte der Christus zunächst ausstrahlen lassen von sich auf die Jünger die Kraft des imaginativen, des astralischen Schauens, was er hereintragen konnte aus dem astralischen Schauen. Das wird auch noch ganz klar angedeutet. Man möchte sagen: Wer Augen hat zu lesen, der lese! — wie man früher in der Zeit, wo man noch nicht alles aufgeschrieben hat, sagte: Wer Ohren hat zu hören, der höre! - Wer Augen hat zu lesen, der lese die Evangelien! Ist es irgendwo angedeutet, daß diese Kraft der Christus-Sonne in einer anderen Weise den Jüngern erschien bei Tag, in einer anderen bei Nacht? Ja, es ist uns deutlich angedeutet. Lesen Sie im Matthäus-Evangelium, wie an einer wichtigen Stelle erzählt wird:

[ 21 ] The power of Imaginative, astral vision streamed from Christ to His disciples. This too is quite clearly indicated. One might well say: he who has eyes to read, let him read!—as in earlier days, when it was not customary to write everything down, it was said: he who has ears to hear, let him hear! He who has eyes to read, let him read the Gospels carefully. Is there any indication that this power of the Christ-Sun was revealed to the disciples in one way by day and in another by night? There is indeed. In an important place in St. Matthew's Gospel the following is said.—

[ 22 ] In einer vierten Nachtwache - das heißt also zwischen drei und sechs Uhr morgens - erblickten die Jünger, die schliefen, wandelnd auf dem See das, was sie zuerst für ein Gespenst hielten, das heißt die nächtliche Sonnenkraft, die durch Christus zurückstrahlt (Matth. 14, 25-26). Da wird sogar der Zeitpunkt angedeutet, weil sie nur zu einer bestimmten Zeit darauf hingewiesen werden können, daß diese Kraft aus dem Kosmos durch die Vermittlung eines solchen Wesens, wie es der Christus ist, ihnen zuströmen kann. Daß also der Christus Jesus wandelt in Palästina, und daß in diesem Wandeln dieser einen Persönlichkeit und Individualität ein Mittel da war, durch das Sonnenkraft in unsere Erde hineinwirkt, das ist dadurch angegeben, daß überall hingewiesen wird, wie es mit der Sonne stand, wie sie im Verhältnis stand zu den Sternbildern, zu den Himmelsbroten. Diese kosmische Natur, dieses Hereinwirken kosmischer Kräfte durch den Christus, das ist es, was überall dargelegt wird. Und weiter.

[ 22 ] In the fourth watch of the night—therefore between three and six o'clock in the morning—while the disciples were sleeping, they saw, walking on the sea, a figure whom they took at first to be a spirit—that is to say, the nocturnal Sun-power reflected through Christ. The actual hour is indicated because it was only at a particular time that the disciples could be made aware that this power from the Cosmos could stream to them through the mediation of Christ. Constant references to the position of the Sun and its relation to the constellations, to the heavenly loaves, indicate that through the presence of Christ Jesus in Palestine, through this one personality and individuality, a means existed whereby the powers and forces of the Sun could penetrate into our Earth. It is upon this cosmic nature of Christ, this penetration of cosmic forces into the Earth through Christ that emphasis is everywhere laid.

[ 23 ] Der Christus Jesus sollte seine Jünger - das heißt die, welche dazu besonders geeignet waren — auch noch ganz besonders einweihen, so daß sie nicht nur imaginativ, gleichsam wie in astralischen Bildern die geistige Welt sehen konnten, sondern daß sie selber sehen, ja, auch wohl hören konnten - was wir öfter besprochen haben als das Aufsteigen in das Devachan -, was in den geistigen Welten vorgeht. So daß sie diese Persönlichkeit, welche sie als den Christus Jesus auf dem physischen Plan sahen, nun durch ihr geistiges Hinaufragen oben aufsuchen konnten in den geistigen Welten. Sie sollten hellsichtig werden auch noch in höheren Gebieten als auf dem astralischen Plan. Das konnten nicht alle. Das konnten nur die, welche am empfänglichsten waren für die Kraft, welche aus dem Christus ausstrahlen konnte, und das waren die drei Jünger Petrus, Jakobus und Johannes im Sinne des Matthäus-Evangeliums. Daher erzählt es uns (Matth. 17,11-13), wie der Christus diese drei am meisten von ihm beeinflußbaren Jünger hinausnimmt da, wo er sie über den astralischen Plan hinaufführen kann ins devachanische Gebiet, wo sie schauen konnten die geistigen Urbilder, einmal ihres Christus Jesus selbst und — damit sie die Verhältnisse sehen konnten, in denen er darinnen stand - auch derer, die zunächst im Verhältnisse standen zum Christus Jesus: des alten Verkündigers Elias, der ja auch reinkarniert der Vorläufer des Christus Jesus als Johannes der Täufer war; daß sie also den Elias sehen konnten - die Szene spielte sich ab nach der Enthauptung des Johannes, als der Johannes schon in die geistigen Welten entrückt war -, daß sie aber auch noch schauen konnten den geistigen Vorläufer, Moses. Das konnte erst geschehen dann, als die drei auserlesensten Jünger hinaufgeführt wurden zum geistigen, nicht nur zum astralischen Schauen. Und daß sie tatsächlich in das Devachan hinaufstiegen, wird im Matthäus-Evangelium durch folgendes bekundet: Sie schauten nicht nur den Christus mit seiner Sonnenkraft - es heißt extra: «Und sein Angesicht leuchtete wie die Sonne» -, sondern es wird auch davon gesprochen, daß sie aufmerksam werden, wie die drei sich unterhalten. Also um einen Aufstieg ins Devachan handelt es sich; sie hörten, wie sich die drei unterredeten. Alles ist also ganz sachgemäß wiedergegeben, so, wie uns die Charakteristik der geistigen Welt durch die geisteswissenschaftliche Forschung gegeben ist. Nirgends ein Widerspruch zwischen dem, was wir gelernt haben, und dem, was sich ergeben muß, wenn es sachgemäß in bezug auf den Christus geschildert wird: das Hinaufführen der Jünger durch ihn selber, zuerst in das astralische, dann in das devachanische Gebiet, in das Gebiet des Geistes.

[ 23 ] Christ Jesus was to initiate in a particular way those of His disciples who were specially fit for it, so that they would be able not only to see the spiritual worlds with Imaginative vision, as it were in astral pictures, but actually to hear what was taking place in those realms—this, as we know, indicates ascent into Devachan. Hence, having been transported into the higher worlds, these disciples would now be able to find in those worlds the personality known to them on the physical plane as Christ Jesus. They were to become clairvoyant in regions higher than the astral plane. This was not possible for all the disciples; it was possible only for those who were the most receptive to the power that could stream from Christ: these disciples were Peter, James and John. The Gospel of St. Matthew therefore relates how Christ led the three disciples to surroundings where He could guide them beyond the astral plane into the world of Devachan, where they could behold the spiritual Archetypes, first that of Christ Jesus Himself and—in order that they might be aware of the conditions under which He was working—also of two Beings who were connected with Him: Elias and Moses. Elias was the ancient prophet who, reincarnated as John the-Baptist, was also the forerunner of Christ Jesus. The scene takes place after the beheading of John, when he was already in the spiritual worlds. The disciples also beheld Moses, another spiritual forerunner of Christ. Such an experience was only possible when the three chosen disciples were transported to the level of spiritual vision higher than that of astral vision. And the fact that they rose into Devachan is clearly indicated in St. Matthew's Gospel, for it is said that they not only beheld Christ filled with the power of the Sun but extra words are added: ‘And His face did shine as the Sun.’ It is also said that the three figures—Christ, Elias, Moses—were talking together. An ascent has therefore taken place into the realm of Devachan; the disciples hear the three talking together. (Matt. XVII, 1-13.) Everything, therefore, is faithfully described and tallies with the characteristics of the spiritual world revealed to spiritual-scientific investigation. There is never any contradiction between the findings of this investigation and true accounts of the deeds of Christ. It was He Himself who led the disciples into the astral world and then into Devachan, the realm of spirit.

[ 24 ] So also wird der Christus Jesus im Matthäus-Evangelium klärlich dargestellt als der Behälter, als der Träger für jene Kraft, von der Zarathustra einst verkündigt hat als von dem Träger der Sonnenkraft. Und es ist im Matthäus-Evangelium treulich dargestellt, daß diese Kraft der Sonne, der Geist der Sonne - Ahura Mazdao oder Ormuzd -, von dem ja Zarathustra nur sagen konnte, daß er in der Sonne lebe, durch die Vermittelung des Jesus von Nazareth auf der Erde gelebt hat und sich mit dieser Erde so verbunden hat, daß er durch das einmalige Leben in einem physischen Leibe, Ätherleibe und Astralleibe ein Impuls der Erdenentwickelung geworden ist und sich nach und nach einleben wird in diese Erdenentwickelung. Das heißt mit anderen Worten: In einer Persönlichkeit war die Ichheit einmal so auf der Erde, daß die Menschen nach und nach durch ihre folgenden Inkarnationen sich die Kräfte dieser Ichheit nachfolgend aneignen werden durch Teilnahme an dem Christus oder durch Aufnehmen der Christus-Wesenheit im Sinne des Paulus. Und indem die Menschen von Inkarnation zu Inkarnation den Rest der Erdenzeit durchmachen, werden diejenigen, welche ihre Seele durchdringen wollen mit der Kraft der Persönlichkeit, die damals dagestanden hat, zu immer höheren Höhen steigen. Damals konnten die, welche dazu ausersehen waren, mit ihren physischen Augen im Leibe des Jesus von Nazareth den Christus sehen. Einmal mußte es für die ganze Menschheit im Laufe der Erdenentwickelung geschehen, daß der Christus, der früher nur als der Geist der Sonne zu schauen war, herniedersteigen und sich so verbinden konnte mit den Kräften der Erde.

[ 24 ] Christ Jesus is graphically depicted in the Gospel of St. Matthew as the vehicle, the bearer, of the Sun-power once proclaimed by Zarathustra. It is faithfully related in this Gospel that the Spirit of the Sun—Ahura Mazdao or Ormuzd—of whom Zarathustra could only declare that He lived in the Sun, had lived on the Earth through the instrumentality of Jesus of Nazareth and had united Himself with the Earth in so real a way that through a single life in a physical body, etheric body and astral body, He became an impulse in Earth-evolution and as time goes on will become even more deeply united with it. Expressed in other words, this means: Egohood was once present in a Personality on the Earth in such full measure that if men receive Christ into themselves in the sense indicated by St. Paul, they will themselves acquire in the course of successive incarnations the forces and power of this Egohood. As they pass from incarnation to incarnation during the rest of earthly evolution, men who imbue their souls with the power of that Personality who once lived on the Earth, will rise to greater and greater heights. At that time, chosen ones were able with their physical eyes to behold Christ in the body of Jesus of Nazareth. Once in the course of the Earth's evolution, and for the sake of mankind, Christ, who formerly could only be revealed to men's vision as the Spirit of the Sun, descended and united Himself with the forces of the Earth.

[ 25 ] Und der Mensch ist das Wesen, in dem die Fülle der flutenden Sonnenkraft leben sollte, die einmal heruntersteigen und in einem physischen Leibe wohnen sollte. Damit aber ist die Zeit eingeleitet, wo sich die Sonnenkraft ausgießen wird. Nach und nach wird sie immer mehr und mehr einfließen in die Menschen, die von Inkarnation zu Inkarnation leben und nach und nach, soweit es der irdische Leib zuläßt, sich durchdringen mit der Christus-Kraft. Selbstverständlich nicht jeder physische Leib, wie es auch nur jener besondere Leib war, der in der geschilderten Art in bezug auf seine Gliederung auf komplizierte Weise durch die beiden Jesusgestalten zubereitet und dann durch Zarathustra auf eine gewisse höchste Stufe gebracht worden ist, damit sich in der Tat einmal in seiner Fülle ausleben konnte der Christus. Einmal!

[ 25 ] Man is the being in whom the power of the Sun was to be present in its fullness—the power of the Sun that was once to descend and work in a human physical body. This was the inauguration of the, epoch during which the forces outpoured from the Sun will flow in ever greater measure into men as they live on from incarnation to incarnation, and—as far as the earthly body permits—gradually permeate themselves with the Christ-power. Obviously, this is not possible in the case of every physical body, just as it was only that very special body, prepared through the two Jesus figures in the complicated way described and then brought by Zarathustra to a very lofty stage of development—it was in that body only that the Christ could live in His fullness once!

[ 26 ] Sich durchdringen mit der Christus-Kraft zuerst innerlich, dann aber auch immer mehr und mehr äußerlich, werden die Menschen, die sich dazu herbeilassen. So wird die Zukunft die Wesenheit des Christus nicht nur begreifen, sondern sich damit durchdringen. Und für eine große Anzahl von Ihnen habe ich auch schon dargestellt, wie der Fortgang dieser Teilnahme an dem Christus für die Menschheits-Erdenentwickelung sein wird. Ich habe sogar darstellen dürfen in dem «Rosenkreuzermysterium» durch die Seherwesenheit der Theodora, die als eine Persönlichkeit gedacht ist, welche die Kraft in sich entwickelt hat, in die nächste Zukunft hineinzuschauen, wie wir einer Periode entgegenleben, wo in der Tat in einer gar nicht so fernen Zukunft, zuerst wenige Menschen, und dann immer mehr und mehr, nicht bloß durch geistige Schulung, sondern durch jenen Grad von irdischer Entwickelung, den die Menschheit erreicht, schauen können - aber jetzt in der ätherischen, nicht in der physischen Welt - die Gestalt des Christus, und dann in noch fernerer Zukunft in wieder anderer Gestalt. Einmal war er in physischer Gestalt zu schauen, weil es die Menschen, die auf dem physischen Plan waren, einmal erleben mußten. Aber es würde der Christus-Impuls nicht seine Wirkung getan haben, wenn er nicht so fortwirken würde, daß er sich weiter entwickeln kann.

[ 26 ] Men who so resolve will permeate themselves with the Christ-Power, first inwardly,then outwardly. Thus humanity in the future will not only understand the nature of the Christ but will be filled with His Power. In the Rosicrucian Mystery Play2The Portal of Initiation, Scene I See also two lectures entitled The True Nature of the Second Coming, given in Carlsruhe and Stuttgart, 25th January and 6th March, 1910. many of you have been shown what form this increasing experience of Christ will take in the evolution of humanity on the Earth. The seeress Theodora is to be regarded as a personality who has developed the power of seeing into the future, of perceiving the near approach of a period when a few human beings to begin with, and then greater and greater numbers, will be able, not only through spiritual training but through the stage of earthly evolution reached by humanity in general, actually to see the figure of Christ—but now in the etheric, not in the physical world. In a more distant future Christ will be seen in a form again different. Once and once only He was to be seen in physical form by men living on the physical plane. But the Christ Impulse would not have taken effect had it not worked in a way that would ensure its own further development.

[ 27 ] Wir leben einer Zeit entgegen — das muß als eine Mitteilung hingenommen werden -, wo die höheren Kräfte der Menschen den Christus werden schauen können. Und das geschieht noch vor Ablauf des 20. Jahrhunderts, daß eine geringe Anzahl von Menschen wirklich «Theodoren» sein werden, das heißt, wo das tatsächlich geöffnete geistige Auge das gleiche Erlebnis haben wird, das Paulus hatte vor Damaskus und das er haben konnte, weil er eine «unzeitige Geburt», eine Frühgeburt war (1. Kor. 15,8). Es werden eine Anzahl von Menschen noch vor Ablauf des 20. Jahrhunderts das Christus-Erlebnis, wie es Paulus vor Damaskus hatte (Apg. 9, 1-22), wiedererleben und werden keine Evangelien und Urkunden brauchen, wie auch Paulus nichts brauchte, um von dem Christus zu wissen. Sie werden durch das innerliche Erleben wissen, wie es um den Christus steht, der da erscheinen wird aus den ätherischen Wolken heraus.

[ 27 ] We are approaching a time—this must be taken as a communication—when Christ will be visible to the higher faculties of men. Before the end of the twentieth century a few human beings will actually develop the faculties of Theodora; and those whose spiritual eyes are open will have the same experience that came to Paul at the gate of Damascus—an experience possible for him because he was ‘born out of due time’. Before the twentieth century has run its course, a number of people will experience Christ as Paul experienced Him and, like Paul, will need no Gospels or ancient records to convince them of the reality of Christ, for through their own inner experience they will recognize Him in the etheric world.

[ 28 ] Das ist eine Art Wiederkunft des Christus im ätherischen Gewande, wodurch er sich so zeigt, wie er sich dem Paulus vorherverkündigend gezeigt hat. Wir haben die Aufgabe, ganz besonders zu betonen, daß es in der Natur des Christus-Ereignisses liegt, daß derjenige, der im Beginne unserer Zeitrechnung als Christus Jesus einmal in einem physischen Leibe gelebt hat, in einem ätherischen Gewande — wie vor Damaskus dem Paulus - erscheinen wird noch vor Ablauf unseres Zeitalters. Und wenn sich die Menschen zu immer höheren Fähigkeiten erheben werden, werden sie die ganze Fülle der Natur des Christus kennenlernen. Aber es gäbe keinen Fortschritt, wenn der Christus noch ein zweites Mal in einem physischen Leibe erscheinen müßte; denn dann wäre er das erste Mal vergeblich erschienen. Dann hätte sein erstes Erscheinen nicht bewirkt, daß sich höhere Kräfte im Menschen entwickeln. Das ist das Ergebnis des Christus-Ereignisses, daß sich höhere Kräfte im Menschen entwickeln, und daß er geschaut werden kann mit diesen neuen Kräften da, wo er herauswirkt aus der geistigen Welt. Und wir haben die Aufgabe, wenn wir den historischen Kampf der Gegenwart verstehen, auf dieses Ereignis hinzuweisen, in unserer Zeit so hinzuweisen, wie vorher hingewiesen hat vorherverkündigend der Essäerlehrer Jeshu ben Pandira auf den Christus, der als der Löwe aus dem Stamme David hervorgehen sollte, dabei wiederum hinweisend auf die Sonnenkraft, auf das Sternbild des Löwen. Und wenn die Menschheit - ich will das nur andeutend sagen - heute das Glück haben könnte, daß jener Jeshu ben Pandira, der damals inspiriert wurde von dem großen Bodhisattva, der einst der Maitreya Buddha sein wird, sich in unserer Zeit wieder inkarnieren würde, so würde er es als die wichtigste Aufgabe betrachten, hinzuweisen auf den ätherischen Christus, der in den ätherischen Wolken erscheint, und er würde betonen, daß einmal das Christus-Ereignis im physischen Leibe sich abgespielt hat.

[ 28 ] Christ now reveals Himself in etheric form as He revealed Himself to Paul, foreshadowing what would later come to pass. To us falls the task of emphasizing one aspect of the Christ Event, namely that He who once lived as Christ Jesus in a physical body will appear before the end of our epoch in an etheric form—as He appeared to Paul. If men develop their faculties to higher and higher stages they will learn to know the nature of Christ in its fullness; but to appear a second time in a physical body would mean that no progress had been made, for then His first appearance would have been in vain, would not have ensured the development of higher forces in human nature. The outcome of the Christ Event is that these higher faculties will unfold in men and that through them Christ will be seen in the sphere where He is working. Ours is the mission, if we understand the struggles of the present time, to point to this event in our own age, as the great Essene teacher, Jeschu ben Pandira, once pointed prophetically to the Christ who would come as the Lion born from David's line—thus again referring to the power of the Sun, in the constellation of Leo. And if—I say this merely as an indication—it were to be the happy fate of humanity that Jeschu ben Pandira—who was inspired at that time by the great Bodhisattva, the future Maitreya Buddha—should incarnate again in our epoch, he would consider the task of supreme importance to be that of pointing to the etheric Christ in the etheric world; and he would emphasize that the Christ came once, and once only, in a physical body.

[ 29 ] Nehmen wir an, jene Jesusgestalt, die als der Sohn des Pandira ungefähr hundertfünf Jahre vor dem Christus-Ereignis in Palästina gesteinigt worden ist, würde in einer Wiederverkörperung in unserer Zeit hinweisen auf die Christus-Erscheinung, dann würde sie hinweisen auf den Christus, der nicht im Physischen erscheinen kann, sondern der da erscheinen muß in einem ätherischen Gewande, geradeso wie er dem Paulus vor Damaskus erschienen ist. Und daran gerade würde man den etwa wiederinkarnierten Jeshu ben Pandira erkennen können. Dann aber ist es auf der anderen Seite das Wesentliche, daß sozusagen das neue Essäertum eingesehen würde, daß wir zu lernen haben von dem, der einst Maitreya Buddha sein wird, wie der Christus für unser Zeitalter erscheinen wird, und daß wir uns eminent zu hüten haben, ein falsches Urteil zu bekommen von jenem etwa wiederzuerstehenden Essäertum in unserem Zeitalter.

[ 29 ] Let us suppose that Jeschu ben Pandira—who was stoned to death approximately a hundred and five years before the Christ Event in Palestine—were to reincarnate in our time and announce the imminence of a revelation of Christ, he would point to the Christ who cannot appear in a physical body but is to become manifest in an etheric form, as He was revealed to Paul at Damascus. By this very teaching Jeschu ben Pandira could be recognized, assuming him to be reincarnated. It is also essential to recognize Essenism in its new form, to realise that from the one who in future time will be the Maitreya Buddha, we have to learn how the Christ will be revealed in our epoch, and that it behooves us to guard against harbouring false conceptions of Essenism due to its possible recrudescence in the present age.

[ 30 ] Eines kann als ein sicheres Kennzeichen angegeben werden, welches sozusagen diesen etwa wiedererstandenen Jeshu ben Pandira in unserem Zeitalter auszeichnen könnte; das muß als ein sicheres Kennzeichen angegeben werden, daß er sich nicht für den Christus ausgeben wird. Alle, die etwa in unserem Zeitalter auftreten würden und irgendwie davon sprechen könnten, daß in ihnen dieselbe Kraft lebe, die im Jesus von Nazareth gelebt hat, würden an dieser Behauptung zu erkennen sein als falsche Individualitäten jenes hundert Jahre vor dem Christus lebenden Vorläufers. Diese Behauptung würde ein sicherstes Kennzeichen sein, daß er es nicht ist, und daß ein falscher Vorherverkündiger in ihm auftreten würde, wenn er sich in irgendein Verhältnis zum Christus selbst setzen würde. Aber die Gefahr ist ungeheuer groß, die auf diesem Gebiete sich geltend machen kann. Denn in unserer Zeit schwankt die Menschheit zwischen zwei Extremen. Man betont auf der einen Seite so stark, wie in unserer Zeit die Menschheit nicht geneigt ist anzuerkennen, was an geistigen Kräften unter den Menschen wirkt. Es ist schon eine auf der Straße liegende Wahrheit geworden, auf die sogar die Zeitungen immer wieder hinweisen, daß unser Geschlecht nicht die Gabe und die Kraft habe anzuerkennen, wenn irgendwie eine originale geistige Kraft sich zeige. Das ist die eine Unart unseres Zeitalters. Es ist wahr, daß sich die größte Wiederverkörperung in unserer Zeit abspielen könnte und unser Zeitalter stumpf dafür sein könnte, sie vorübergehen lassen könnte, ohne sich darum zu kümmern! Und die andere Unart ist nicht minder vorhanden, allerdings eine Unart, die unser Zeitalter mit vielen anderen gemeinsam hat: Geradeso wie unterschätzt werden die geistigen Individualitäten, so daß sie nicht anerkannt werden, so ist auf der anderen Seite wieder unter den Menschen das lebhafteste Bedürfnis vorhanden, zu vergöttern, heraufzuheben irgendwie in eine besondere Wolkenhöhe. Sehen Sie sich überall heute die Gemeinden an, die ihre besonderen Messiasse haben, wie dort überall das Bedürfnis vorhanden ist, zu vergöttern. Das ist es allerdings auch, was sich immer wieder und wieder in den Jahrhunderten gezeigt hat.

[ 30 ] There is a sure sign by which Jeschu ben Pandira could be recognized, were he to reincarnate in our epoch. The sign is that he would certainly not declare himself to be the Christ. If anyone were to come forward in our time claiming to bear the same power that was in Jesus of Nazareth, he could, by this very claim, be recognized as falsely identifying himself with the forerunner of Christ who lived a hundred years B.C. Such an assertion would be the surest possible sign that he is not an incarnation of that forerunner; a false prophet would be masquerading in him were he to claim any relationship with Christ. The danger in this domain is very great, for in our time humanity fluctuates between two extremes. On the one side it is emphasized that modern man is unwilling to recognize spiritual forces working in the world. It has already become a truism, referred to constantly in newspapers, that our race has neither the insight nor the strength of mind to acknowledge any original spiritual power when there is evidence of it in some personality. This is one defect of our times. It is quite true that a reincarnation of the greatest possible significance might take place in our epoch and be unrecognized or treated with indifference. And the other defect is no less apparent—it is one which our epoch has in common with many others. Just as on the one side spiritual Individualities are undervalued and unacknowledged, on the other side there is present among men the liveliest tendency to deify individuals, to place them upon specially lofty pinnacles. Think of all the communities to-day, each with its special Messiah. Everywhere there is a tendency to deify, to idolize. It is, of course, a symptom that has been repeatedly evident in the course of the centuries.

[ 31 ] So erzählt Maimonides von einem solchen falschen Christus, der in Frankreich aufgetreten ist ungefähr um 1087, der damals zahlreiche Anhänger gehabt hat, aber dann nachher auch von der weltlichen Obrigkeit zum Tode verurteilt worden ist. Derselbe Maimonides erzählt [1172] weiter, daß fünfundfünfzig Jahre früher [1117] zu Cordoba in Spanien jemand aufgetreten ist, der sich für den Christus ausgegeben hat. Weiter erzählt er, wie ungefähr fünfundvierzig Jahre früher, also um 1127, zu Fez in Marokko ein falscher Messias aufgetreten ist, der auf einen noch größeren hingewiesen hat. Endlich wird berichtet aus dem Jahre 1174, wie in Persien einer aufgetreten ist, der sich selbst allerdings nicht als Christus bezeichnet hat, aber auf den Christus hingewiesen hat. Und die krasseste Erscheinung ist die, welche ich auch schon erwähnt habe: das Auftreten des Sabbatai Zewi im Jahre 1666 in Smyrna.

[ 31 ] Maimonides, for example, tells of a false Christ who appeared in France in 1137; he attracted many followers but was afterwards condemned to death by the public authority. Maimonides also relates that forty years earlier a man appeared in Cordova, in Spain, proclaiming himself to be the Christ. Again he relates that at the beginning of the twelfth century a false Messiah who pointed to one still greater, appeared in Fez, in Morocco. Finally it is reported that in the year 1147 there appeared in Persia an individual who did not, it is true, actually proclaim himself to be Christ, but who suggested something of the kind. And the most blatant phenomenon of all is the one of which I have already spoken: the appearance of Shabbethai Zebi in Smyrna, in the year 1666.

[ 32 ] An dieser Gestalt, die von sich behauptete, eine Wiederverkörperung des Christus zu sein, kann man geradezu die Natur eines falschen Messias und ihre Wirkung auf die Umgebung auf das genaueste studieren. So ist damals von Smyrna aus die Kunde ergangen, daß ein neuer Christus aufgetreten ist in der Person des Sabbatai Zewi. Und Sie dürfen nicht glauben, daß die Bewegung damals eine geringe war. Aus allen Teilen Europas, aus Frankreich, aus Spanien und Italien, aus Polen, Ungarn, Südrußland, aus Nordafrika und aus dem Inneren Asiens, wanderten die Leute nach Smyrna, um den neuen Christus kennenzulernen, Sabbatai Zewi. Es war eine ganz große Weltbewegung. Und hätte man den Menschen, die damals in Sabbatai Zewi einen neuen Christus sahen, bis er sich selbst verriet, bis man hinter seine Schliche kam, hätte jemand den Menschen gesagt, daß er nicht der wirkliche Christus wäre, der wäre schlecht angekommen, der hätte verstoßen gegen das Dogma einer ungeheuer großen Anzahl von Menschen. — Das ist die andere Unart, eine Unart, die sich vielleicht nicht gerade in christlichen Gegenden, aber in anderen Gegenden täglich zeigt. Es ist das Bedürfnis vorhanden, Messiasse in irdischer Verkörperung auftreten zu lassen. In christlichen Ländern spielen die Dinge sich gewöhnlich im kleineren Kreise ab; aber da finden sich auch schon Christusse.

[ 32 ] By observing that individual who declared himself to be a reincarnation of Christ, we can study in all detail the nature of a false Messiah and his effect upon the environment. At that time the proclamation went out from Smyrna that a new Christ had arisen in Shabbethai Zebi. Do not ever imagine that the movement connected with him was insignificant. People journeyed to Smyrna from all over Europe, from France, Spain, Italy, Poland, Hungary, the south of Russia, North Africa and Central Asia, to make contact with the alleged new-born Christ. It was a great world-movement. And if anyone had said to the people who regarded Shabbethai Zebi as a new Christ—until he finally betrayed himself, until the hoax was seen through—that he was not the true Christ, they would have fared badly, they would have gravely offended against a dogma rooted in a very large number of human beings. Such things are signs of the other defect that constantly makes itself evident, perhaps not in definitely Christian regions, but certainly in others. A strong need is felt to announce the appearance of Messiahs in earthly incarnation. In Christian countries such occurrences are usually confined to small circles; although ‘Christs’ are to be found there too.

[ 33 ] Es handelt sich nun darum, daß der Mensch durch seine geisteswissenschaftliche Erkenntnis, durch seine geisteswissenschaftliche Aufklärung, durch genaue Einsicht in das Tatsachenmaterial, die der Okkultismus gibt, weder in den einen noch in den anderen Fehler verfällt. Und wenn man die Lehren, die in diesem Sinne gegeben sind, versteht, wird man sich von dem einen und von dem anderen Fehler fernhalten. Und dann wird man ein wenig eindringen in die tiefste historische Tatsache der Gegenwart: daß uns zuteil werden kann, wenn wir tiefer in das spirituelle Leben eindringen, eine Art Wiedererneuerung des Essäertums, das damals auf dem Umwege durch den Mund des Jeshu ben Pandira zunächst vorherverkündete das Christus-Ereignis als ein physisches. Und wenn die Essäerlehre in unserer Zeit wieder erneuert werden soll, wenn wir leben wollen nicht im Geiste einer Tradition von einem alten Bodhisattva, sondern im Sinne des lebendigen Geistes eines neuen Bodhisattva, so müssen wir uns ebenso inspirieren lassen von dem Bodhisattva, der einst der Maitreya Buddha werden wird. Und dieser Bodhisattva inspiriert uns so, daß er darauf aufmerksam macht: Die Zeit rückt heran, wo der Christus in neuer Form, in einem ätherischen Leibe, eine Gnade sein wird für diejenigen Menschen, welche durch eine neue Essäerweisheit die neuen Kräfte entwickeln in der Zeit, wo die Wiederkunft des Christus im ätherischen Gewande an die Menschen belebend herantreten wird. Ganz im Sinne des inspirierenden Bodhisattva, der der Maitreya Buddha werden soll, wollen wir reden. Wir wissen dann, daß wir nicht im Sinne irgendeines Religionsbekenntnisses von dem Christus reden, wie er wiederum wahrnehmbar werden soll für den physischen Plan, und wir scheuen uns nicht zu sagen: Uns wäre gleichgültig, wenn wir etwas anderes sagen müßten, weil wir es als Wahrheit erkennen. Wir haben auch keine Vorliebe für irgendeine orientalische Religionslehre, sondern wir leben nur für die Wahrheit. Wir sprechen es mit den Formeln aus, die wir kennenlernen aus der Inspiration des Bodhisattva selber, wie die künftige Erscheinung des Christus sein wird.

[ 33 ] What matters is that through spiritual-scientific knowledge and enlightenment, through the unerring insight into facts that occultism is able to impart, both these pitfalls shall be avoided. If a person understands the relevant teachings, this will be possible; and then he will acquire insight into a most profound historical fact of modern times. It is that when we penetrate more deeply into the spiritual life we can participate in a renewal of Essene teaching which through the mouth of Jeschu ben Pandira once prophesied the Christ Event as a physical happening. And if Essene teaching is to be renewed in our days, if we are resolved to shape our lives in accordance with the living spirit of a new Bodhisattva, not with the spirit of a tradition concerning a Bodhisattva of the past, then we must make ourselves receptive to the inspiration of the Bodhisattva who will subsequently become the Maitreya Buddha. And this Bodhisattva will inspire us by drawing attention to the near approach of the time when in a new raiment, in an etheric body, Christ will bring life and blessing to those who unfold the new faculties through a new Essene wisdom. We shall speak entirely in the sense of the inspiring Bodhisattva who is to become the Maitreya Buddha and then we shall not speak of how the Christ is to become perceptible on the physical plane—in the manner of some religious denominations. We are not afraid to speak in a different sense because we recognize it to be the truth. We have no bias in favour of any oriental religious teaching but we live only for the truth. With the knowledge gained from the inspiration of the Bodhisattva himself we declare what form the future manifestation of Christ will take.