Paths and Goals of Spiritual Man
GA 125
13 November 1910, Basel
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Paths and Goals of Spiritual Man, tr. SOL
9. Die Weisheit der alten Urkunden und der Evangelien. Das Christus-Ereignis
9. The Wisdom of the Ancient Texts and the Gospels. The Christ Event
[ 1 ] Wenn wir zurückblicken auf die Menschheitsentwickelung, zunächst so weit zurück, als es uns die Geschichte gestattet, so tritt uns etwas sehr Eigentümliches entgegen. Was uns da entgegentritt, können wir an den verschiedensten Erscheinungen prüfen. Wir können vor allen Dingen — und wir werden heute noch sehen, wie im Grunde genommen das, was jetzt gesagt werden soll, Anwendung findet auf jedes menschliche Herz, auf jede menschliche Seele — diese Menschheitsentwickelung prüfen an den verschiedenen Urkunden, Überlieferungen und Schriften, die uns erhalten sind. Wenn wir zu dem zurückgehen, was die einzelnen Völkerschaften des Altertums sich an Vorstellungen bildeten über die Entstehung der Welt, über das Verhältnis des Menschen zur Welt, über die Quellen des Sittlichen und des Guten, so finden wir, daß diese Vorstellungen in Sagen, in Mythen, in Legenden niedergelegt sind. Wir finden solche Sagen, Mythen, Legenden in mehr oder weniger schöner, großartiger, gewaltiger oder auch weniger bedeutender Gestalt bei den verschiedensten Völkern des Erdkreises. Der heutige Mensch ist so sehr geneigt, diese Mythen, Sagen und Legenden als Dichtungen zu behandeln und zu sagen: Das haben Völker in ihrem Kindheitszeitalter ausgedacht, weil sie noch nicht die Quellen der heutigen Wissenschaften hatten. — Sie haben sich allerlei Vorstellungen gemacht, wie die Welt entstanden ist, im Sinne der Griechen durch ihre Götter, im Sinne der alten Germanen durch ihre Götter, meinetwillen im Sinne der amerikanischen Völker, deren Sagen uns erst die letzte Zeit gebracht hat und die übereinstimmen mit dem, was man bei anderen Völkern findet. Wenn wir hören, wie Quetzalcoatl und Vitzliputzli bei den mittelamerikanischen Völkern eine Rolle spielen, ähnlich, nur primitiver wie andere gewaltig ausgebildete Gestalten bei anderen Völkern, so sehen wir, daß bei allen solchen Völkern sich Sagen und Mythen finden. Und wie schon erwähnt wurde, ist der moderne Mensch leicht geneigt zu sagen: Das sind Dichtungen, phantastische Ausbildungen des Menschengeistes, der auf diese Weise sich hat erklären wollen, wie die verschiedenen Wesenheiten der Welt, die verschiedenen Naturerscheinungen entstanden sind.
[ 1 ] When we look back on the development of humanity—as far back as history allows us to go—we encounter something very peculiar. We can examine what we encounter there through a wide variety of phenomena. Above all—and we shall see today how, fundamentally, what is about to be said applies to every human heart, to every human soul—we can examine this human development through the various documents, traditions, and writings that have been preserved for us. If we go back to the ideas that the various peoples of antiquity formed about the origin of the world, about the relationship of humanity to the world, and about the sources of morality and goodness, we find that these ideas are recorded in sagas, myths, and legends. We find such sagas, myths, and legends in forms that are more or less beautiful, magnificent, powerful, or even less significant among the most diverse peoples of the world. People today are so inclined to treat these myths, sagas, and legends as fiction and to say: Peoples invented these in their childhood, because they did not yet have the sources of modern science. — They formed all sorts of ideas about how the world came into being: in the sense of the Greeks through their gods, in the sense of the ancient Germanic peoples through their gods, and, for my part, in the sense of the American peoples, whose legends have only recently come to us and which correspond to what is found among other peoples. When we hear how Quetzalcoatl and Vitzliputzli play a role among the Central American peoples—similar to, though more primitive than, other powerfully developed figures found among other peoples—we see that legends and myths are found among all such peoples. And as has already been mentioned, modern man is easily inclined to say: These are fictions, fantastical creations of the human mind, which sought in this way to explain how the various entities of the world and the various natural phenomena came into being.
[ 2 ] Unter den mancherlei Urkunden finden wir nun eine gewaltige, die eine größere Anzahl von Ihnen erst vor kurzem mit mir betrachtet hat, eine gewaltige Urkunde, die Genesis, den Beginn des Alten Testaments. Und wir haben ja in München gesehen, welche unendliche Tiefen in dieser Genesis liegen. Für manchen von Ihnen ist nun auch schon aus der Geist-Erkenntnis heraus gesprochen worden über die verschiedenen Evangelien, die letzten der Urkunden dieser Art. Solche finden wir erhalten, stammend aus den verschiedenen Zeiten, in denen unsere vorhergehenden Inkarnationen verlaufen sind, die wir in früheren Erdenleben mitgemacht haben. Der in der Geisteserkenntnis Vordringende muß es begreifen lernen, daß er in den Zeiten da war, in denen man, sagen wir, von Zeus und Hera und Kronos und anderen Göttern gesprochen hat, gesprochen hat über die Naturerscheinungen in anderer Weise als heute, in solcher Form eben, wie es in Mythen, Sagen und Märchen enthalten ist. Das alles müssen wir uns vor Augen halten. Und wir müssen uns fragen: Wie verhält es sich denn nun eigentlich mit unseren Seelen, die solche Dinge aufgenommen haben, welche jetzt — für die meisten Menschen gewissermaßen ohne daß sie wissen, was sich dazumal in ihnen abgeladen hat — in ihren Seelen wieder hervorkommen?
[ 2 ] Among the various documents, we now find a monumental one that a large number of you have recently examined with me: a monumental document, Genesis, the beginning of the Old Testament. And we saw in Munich just what infinite depths lie within this Genesis. For some of you, the various Gospels—the last of the documents of this kind—have already been discussed from the perspective of spiritual knowledge. We find these preserved, originating from the various eras in which our previous incarnations took place, which we experienced in earlier earthly lives. Those advancing in spiritual knowledge must learn to understand that they were present in the times when people spoke, let us say, of Zeus and Hera and Cronus and other gods, and spoke of natural phenomena in a different way than today—precisely in the form found in myths, legends, and fairy tales. We must keep all this in mind. And we must ask ourselves: What is actually the situation with our souls, which have absorbed such things, which now—for most people, in a sense without their knowing what was deposited within them back then—are emerging again in their souls?
[ 3 ] Nun, ich will Ihnen ganz einfach schildern, wie es mit diesen Urkunden demjenigen geht, der zunächst beginnt, sie hinzunehmen als Sagen, Mythen, Dichtungen, der aber dann in die Geisteswissenschaft eindringt und diese als ein Instrument benützt, um diese Urkunden immer mehr und mehr zu begreifen.
[ 3 ] Well, I would like to explain to you quite simply what happens to these documents for someone who initially begins by accepting them as legends, myths, and fiction, but who then delves into spiritual science and uses it as a tool to understand these documents more and more deeply.
[ 4 ] Mit dem Alten Testament zum Beispiel, das die meisten heutigen Menschen vielleicht lesen wie recht schöne Zusammenstellungen von allerlei Bildern über die Weltentstehung, geht es ihm so, daß er sich nach und nach sagt: In diesen Dingen, die da in einer so merkwürdigen Weise wiedergegeben sind, ist eine unendliche Weisheit enthalten. — Und immer mehr kommt er darauf, daß in den einzelnen Worten und Wendungen und Sätzen Dinge enthalten sind, wenn man sie richtig versteht, auf die uns die Geistesforschung heute ganz selbständig wiederum führt. Es gibt vielleicht kein wirksameres Mittel, um die Schätzung solcher Urkunden immer größer werden zu lassen, als ein wenig einzudringen in die Geisteswissenschaft. Denn die subtilsten Entdekkungen, die man auf dem Gebiet der Geisteswissenschaft machen kann, die gewaltigsten Dinge, die mit aller Mühe durch geisteswissenschaftliche Forschung wiedergefunden werden, entdeckt man hinterher in irgendeinem Bibelwort, sagen wir der Genesis.
[ 4 ] Take the Old Testament, for example, which most people today might read as a rather beautiful collection of various images about the creation of the world; he finds himself gradually coming to the realization that these things, which are presented there in such a strange way, contain infinite wisdom. — And he comes to realize more and more that the individual words, phrases, and sentences contain things—if one understands them correctly—to which spiritual research leads us again today entirely on its own. There is perhaps no more effective means of increasing our appreciation of such documents than to delve a little into spiritual science. For the most subtle discoveries one can make in the field of spiritual science, the most profound things that are rediscovered with great effort through spiritual scientific research, are subsequently found in some biblical passage, say, in Genesis.
[ 5 ] Nun zeigt sich aber ein gewisser Unterschied zwischen dem Alten Testament und allen anderen Sagen und Mythen und Urkunden. Das muß man festhalten. Nehmen Sie die Sagen der Griechen, der alten Germanen, selbst das, was in den Veden der Inder enthalten ist, was in den persischen Urkunden enthalten ist, nehmen Sie alles dieser Art. Gegenüber dem Alten Testament gibt es einen gewaltigen Unterschied. Dieser Unterschied stellt sich dem unbefangen Prüfenden so dar, daß er in allen übrigen Urkunden in sagenhafter Weise dargestellt findet die Rätsel der Naturerscheinungen, die Rätsel alles dessen, was sich auf die Naturerscheinungen bezieht, auch auf den Menschen, insofern er eine Art natürlichen Daseins hat, insofern die Naturgewalten den Menschen zu diesem oder jenem drängen, daß aber in dem Alten Testament einzig und allein ihm entgegentritt, daß der Mensch von Anfang an als sittlich-seelisches Wesen gefaßt ist, nicht als bloßes Naturwesen. Und alles, was da erzählt wird, geht davon aus, daß der Mensch in die Entwickelung als sittlich-seelisches Wesen hineingestellt wird. Was die heutige Wissenschaft nach dieser Richtung sagt, ruht auf sehr schwankendem Grunde. Das ist alles in nichts zerfallend, wenn man die Dinge wirklich geistgemäß betrachtet. Es ergibt sich also ein durchgreifender Unterschied, so daß man sagen kann: Durch alles andere, was uns sonst in der Welt an Urkunden gebracht wird, zeigt sich uns, daß die Menschen gewaltige Offenbarungen hatten von irgendeiner Seite her, gewaltige Offenbarungen, die in dieser sagenhaften Form, wie die Mythen sie haben, ausgesprochen wurden, die aus dem Grunde tiefer Weisheit heraus entstanden sind, die sich aber nicht beziehen auf die sittlich-seelischen Mysterien des Menschen. Das also ist unter allen Umständen klar.
[ 5 ] However, there is a certain difference between the Old Testament and all other legends, myths, and ancient texts. This must be noted. Take the legends of the Greeks, the ancient Germanic peoples, even what is contained in the Vedas of the Indians, what is contained in the Persian texts—take everything of this kind. Compared to the Old Testament, there is a tremendous difference. To the impartial observer, this difference presents itself in such a way that in all other documents, the mysteries of natural phenomena—the mysteries of everything related to natural phenomena, including human beings— insofar as he has a kind of natural existence, insofar as the forces of nature compel man in this or that direction; whereas in the Old Testament, the sole and exclusive premise is that man is conceived from the very beginning as a moral and spiritual being, not as a mere natural being. And everything that is told there proceeds from the premise that human beings are placed within the course of development as moral-spiritual beings. What modern science says in this regard rests on very shaky ground. It all crumbles to nothing when one truly views things in accordance with the spirit. A fundamental difference thus emerges, so that one can say: Through all the other records that are otherwise brought to us from the world, it becomes clear that human beings had powerful revelations from some source, powerful revelations that were expressed in this legendary form, as found in myths, which arose from a foundation of deep wisdom, but which do not pertain to the moral-spiritual mysteries of the human being. This, then, is clear under all circumstances.
[ 6 ] Nun tritt wiederum ein großer Unterschied auf, wenn man mit allen übrigen Urkunden dieser Art das Neue Testament vergleicht. Da herrscht ein ganz anderer Geist als in allen übrigen Urkunden, auch als im Alten Testament. Wie könnte man diesen Unterschied fassen, wenn man vom anthroposophischen Gesichtspunkt an die Sache herantritt? Dieser Unterschied wird uns klar werden, wenn wir uns erst eine andere Erscheinung vor die Seele rücken.
[ 6 ] Now, however, a significant difference emerges when one compares the New Testament with all other documents of this kind. There is a completely different spirit at work here than in all other documents, including the Old Testament. How might one grasp this difference when approaching the matter from an anthroposophical perspective? This difference will become clear to us once we bring another phenomenon to mind.
[ 7 ] Wir denken uns einmal einen Menschen, der niemals von Geisteswissenschaft etwas gehört hat, der aber ganz herausgeboren ist aus den wissenschaftlichen oder aus den sonstigen sogenannten vernünftigen Erziehungen der Gegenwart, der also nicht die Gelegenheit hat, die alten Urkunden mit Geisteswissenschaft zu durchdringen. Wir können uns ihn vorstellen, vielleicht gar nicht gelehrt oder auch sehr gelehrt der Unterschied macht nicht viel aus —, wir denken ihn uns der Geisteswissenschaft fernstehend und nehmen an, er trete dann an diese alten Urkunden heran, an die griechischen, persischen, indischen, germanischen Urkunden und so weiter, er trete heran mit alledem, was ihm das moderne Denken geben kann. Wenn er nun wirklich gar keinen Hauch von dem verspürt, was Geistesforschung ist, so tritt eine eigentümliche Erscheinung auf. Je nachdem er mehr oder weniger geneigt ist, poetisch oder nüchtern zu sein, wird allerdings ein Unterschied auftreten, aber im ganzen, dürfen wir sagen, zeigt sich eine Erscheinung. Ein solcher Mensch kann niemals in Wirklichkeit heute noch die alten Urkunden verstehen, er kann nicht eindringen in die Art und Weise, wie da die Weisheit gegeben wird. Wir erleben die allergroteskesten Beispiele auf diesem Gebiete. Man braucht nur hinzuweisen auf die allerneuesten Versuche, solche alten Urkunden zu erklären. Da gibt es gerade heute wiederum ein Büchlein, das eigentlich durch seine Lächerlichkeit interessant ist, in dem ein umfassender Versuch gemacht wird, alle Mythen bis herauf zu den Evangelien, von den ersten Urkunden der primitivsten Völker an, zu erklären. Es ist ein Büchelchen, das gerade durch seine groteske Art, ja durch seine grotesk törichte Art, die Dinge aufzufassen, außerordentlich interessant ist. «Orpheus» heißt das Büchelchen. Es ist von Salomon Reinach, der in Frankreich als Forscher auf diesem Gebiet berühmt ist. Er ist gerade unter den Gelehrten ein bezeichnendes Beispiel für einen Mann, der auch nicht einen Hauch von dem Weg verspürt hat, wodurch man in solche Dinge eindringen kann. Da wird auf alles eine bestimmte Methode angewendet, und es wird alles wegdekretiert. Alle Dinge sind nur symbolisch. Hinter Hermes, Orpheus und anderen stehen keine wirklichen Wesenheiten. Diese Gestalten sind nur Symbole und Allegorien. Es schickt sich gar nicht, unter anständigen Menschen das zu wiederholen, was als Deutung dieser Symbole gegeben wird; es wird da so gesprochen, daß man es nicht wiedergeben möchte. Auf diese Weise kann alles, was an Realitäten in den Mythen lebt, wegbewiesen werden, und so wird da die Realität der Demeter und der Persephone wegdekretiert, wegbewiesen. Alle diese Namen seien nur da als Symbole. Das wird nach einer Methode gemacht, nach der man Kindern leicht den Beweis vorführen könnte, daß, wenn schon achtzig Jahre vergangen wären, niemals in Frankreich im Beginn des 20. Jahrhunderts ein Mann des Namens Salomon Reinach gelebt hat, sondern daß die zeitgenössische Kultur unter dem Namen Salomon Reinach zusammengefaßt hat, was in seinem Buch vorliegt. — Das ließe sich wunderbar beweisen. Dennoch machen solche Dinge heute außerordentlich viel Aufsehen. Und nach derselben Methode wird jetzt auch in Deutschland der Beweis geführt, daß Jesus niemals gelebt hat, was in den letzten Zeiten ebenfalls großes Aufsehen gemacht hat.
[ 7 ] Let us imagine a person who has never heard of spiritual science, but who is entirely a product of the scientific or other so-called rational education of the present day, and who therefore has no opportunity to interpret the ancient documents through the lens of spiritual science. We can imagine him—perhaps not at all educated, or perhaps highly educated; the difference does not matter much—we picture him as being far removed from spiritual science, and we assume that he then approaches these ancient documents—the Greek, Persian, Indian, Germanic documents, and so on—he approaches them with everything that modern thinking can offer him. If he now truly feels not even a hint of what spiritual research is, a peculiar phenomenon arises. Depending on whether he is more or less inclined to be poetic or sober, a difference will certainly arise, but on the whole, we may say, a phenomenon becomes apparent. Such a person can never truly understand the ancient documents today; he cannot penetrate the manner in which wisdom is conveyed there. We are witnessing the most grotesque examples in this field. One need only point to the very latest attempts to explain such ancient documents. There is, in fact, a little book out today that is interesting precisely because of its ridiculousness, in which a comprehensive attempt is made to explain all myths up to the Gospels, starting from the earliest documents of the most primitive peoples. It is a little book that is extraordinarily interesting precisely because of its grotesque manner—indeed, its grotesquely foolish manner—of grasping things. The book is called *Orpheus*. It is by Salomon Reinach, who is famous in France as a researcher in this field. He is, particularly among scholars, a telling example of a man who has not sensed even a hint of the path by which one can penetrate such matters. A certain method is applied to everything, and everything is dismissed as unimportant. All things are merely symbolic. There are no real entities behind Hermes, Orpheus, and others. These figures are merely symbols and allegories. It is not at all proper to repeat among decent people what is given as an interpretation of these symbols; the language used there is such that one would not wish to repeat it. In this way, everything that lives as reality in the myths can be disproved, and thus the reality of Demeter and Persephone is dismissed, disproved. All these names are said to be there merely as symbols. This is done according to a method by which one could easily demonstrate to children that, even if eighty years had passed, a man named Salomon Reinach never lived in France at the beginning of the 20th century, but rather that contemporary culture has summarized under the name Salomon Reinach what is contained in his book. — That could be wonderfully proven. Nevertheless, such things cause an extraordinary stir today. And using the same method, evidence is now being presented in Germany that Jesus never lived, which has likewise caused a great stir in recent times.
[ 8 ] Wenn wir uns nun fragen: Was ist denn der wirkliche Grund, daß man heute ohne Geisteswissenschaft nicht in die Sachen eindringen kann — und es ist eine Tatsache, daß man ohne sie nicht eindringen kann —, was ist der wirkliche Grund? — Wenn man diesen Grund einsehen will, muß man schon etwas tiefer in die Menschheitsentwickelung hineinschauen. Man muß eine Weilezurückblicken in dieseMenschheitsentwickelung. Dann bietet sich einem dar, daß man sich sagen muß: Solche Wissenschaften, wie sie die Menschen heute haben, solche Wissenschaften, wie sie sie in den elementarsten Schulen lehren über die Sonne und anderes, hatten die Alten gewiß nicht. Solche Wissenschaften, die mit dem Verstand, mit der Vernunft begriffen werden. — Das ist etwas, wozu die Menschheit erst vorgedrungen ist. Und unsere Seelen haben ganz gewiß, wenn sie in früheren Inkarnationen geboren waren, nicht solche Wissenschaften aufnehmen können, denn das gab es nicht, das war der Kultur nicht einverleibt. Aber je weiter wir zurückgehen in der Entwickelung, desto mehr finden wir — ob wir jetzt die Gründe dafür, die wir für viele von Ihnen öfters auseinandergesetzt haben, da oder dort suchen —, daß die Menschen eine Weisheit in ganz anderer Form als heute gehabt haben, eine Weisheit über die geistigen Dinge, welche die Menschen von heute nicht fähig sind, in ihrer wissenschaftlichen Form auszusprechen. Aber Weisheit beherrschte die Seelen, lebte in den Seelen. Sie war eben da. Vor allen Dingen hatten die eingeweihten Führer der Menschheit diese Weisheit, und es kann historisch nachgewiesen werden, wenn man anthroposophischen Geist hat, daß über die gesamte Menschheit der Erde eine Uroffenbarung, eine Urweisheit ausgegossen war, die sich nach den verschiedenen Abstufungen der Entwickelung da oder dort so und so ausgelebt hat. Wenn jemand mit einem wirklich anthroposophischen Geist die Geschichte betrachtet, so findet er diese Uroffenbarung. Nur ist noch etwas notwendig dazu. Der gewöhnliche jetzige wissenschaftliche Menschengeist muß, wenn er in all diese Urkunden ihrem wahren Sinne nach eindringen will, allerdings noch eine Vorbereitung durchmachen — ich erzähle jetzt einfach eine Tatsache —, eine Vorbereitung, die ihn befähigt, in den Geist jener alten Schriften einzudringen. Diese besteht darin, daß er die Urkunden studiert, die man heute unmittelbar studieren kann. Das sind die Evangelien, das sind die Paulinischen Briefe. Man kann durch das, was da geschildert ist, unmittelbar an die Uroffenbarung in den alten Urkunden herandringen und kann diese verstehen. Das ist eine merkwürdige Tatsache. Würde aber ein Geistesforscher nach den Vorurteilen der heutigen Zeit eine gewisse Abneigung haben, an diese Evangelien heranzutreten — er könnte ja sagen: Das ist eine Religion unter vielen —, dann würde sich zeigen, daß er doch nicht zurechtkommt mit dem, was die anderen Urkunden sind. Überall bliebe für ihn ein unverständlicher Rest. Tritt er aber, sei es auch nur im Geiste, an irgendeine Erscheinung der Ereignisse von Palästina heran, läßt er sich von ihnen gleichsam inspirieren, dann kann tatsächlich ein Strahl der Erleuchtung von den Evangelien über die Dinge in den anderen Urkunden ausgehen. Das ist eine Tatsache, und das kann man als eine Erfahrung machen. Und dann gesteht man sich wohl, daß diese Evangelien und die Paulusbriefe zum richtigen Zurückgehen in die früheren Zeiten eigentlich notwendig sind. Man kann sie nicht ignorieren, nicht außer acht lassen. Man braucht gar nicht, wenn man nur wirklich in den geistigen Urkunden, in der Akasha-Chronik lesen kann, an die geschriebenen Evangelien heranzugehen — über die Ereignisse von Palästina muß man aber gehen. Sonst bleiben gewisse Dinge in bezug auf das Vorhergehende immer unklar. Also nicht auf das geschriebene Wort wollte ich positiv hinweisen, sondern auf die Ereignisse, wie sie sich uns in der Wirklichkeit dargestellt haben in der Menschheitsentwickelung. Das ist eine sehr, sehr wichtige Tatsache.
[ 8 ] If we now ask ourselves: What is the real reason that today one cannot penetrate to the heart of things without spiritual science—and it is a fact that one cannot do so without it—what is the real reason? — If one wants to understand this reason, one must look a little deeper into the development of humanity. One must look back a while into this human development. Then it becomes clear that one must say to oneself: The ancients certainly did not possess the kind of sciences that people have today—the kind of sciences taught in the most elementary schools about the sun and other things. Such sciences, which are grasped by the intellect, by reason. — That is something humanity has only recently attained. And our souls, when they were born in earlier incarnations, certainly could not have absorbed such sciences, for they did not exist; they were not incorporated into the culture. But the further back we go in evolution, the more we find—whether we now seek the reasons for this, which we have often explained to many of you, here or there—that people possessed a wisdom in a form quite different from today’s, a wisdom concerning spiritual matters that people today are unable to express in its scientific form. But wisdom ruled the souls, lived in the souls. It was simply there. Above all, the initiated leaders of humanity possessed this wisdom, and it can be historically demonstrated—if one has an anthroposophical spirit—that a primal revelation, a primal wisdom, was poured out over the entire human race on Earth, which manifested itself in various ways here and there according to the different stages of development. If one views history with a truly anthroposophical spirit, one finds this primordial revelation. Only one thing is still necessary for this. The ordinary scientific human spirit of today must, if it wishes to penetrate all these documents in their true sense, certainly undergo a preparation—I am simply stating a fact here—a preparation that enables it to penetrate the spirit of those ancient writings. This preparation consists of studying the documents that can be studied directly today. These are the Gospels; these are the Pauline Epistles. Through what is described there, one can directly approach the primordial revelation in the ancient documents and understand it. This is a remarkable fact. But if a spiritual researcher, influenced by the prejudices of our time, were to feel a certain aversion to approaching these Gospels—he might say, “This is just one religion among many”—then it would become clear that he cannot make sense of the other ancient documents either. Everywhere, an incomprehensible residue would remain for him. But if he approaches, even if only in spirit, any aspect of the events in Palestine, allowing himself to be inspired by them, as it were, then a ray of enlightenment can indeed emanate from the Gospels onto the matters in the other documents. This is a fact, and one can experience it firsthand. And then one admits to oneself that these Gospels and the Pauline Epistles are actually necessary for a proper return to earlier times. One cannot ignore them, cannot disregard them. One need not, if one can truly read the spiritual records, the Akashic Records, approach the written Gospels at all—but one must go through the events in Palestine. Otherwise, certain things regarding what preceded them will always remain unclear. So I did not wish to point specifically to the written word, but rather to the events as they have presented themselves to us in reality within the course of human development. This is a very, very important fact.
[ 9 ] Ich möchte auf diese Tatsache noch von einer anderen Seite her ein wenig Licht werfen. Halten wir fest, was ich gesagt habe: Man kann über das Christus-Ereignis nicht hinwegschreiten, wenn man verstehen will, was als eine Uroffenbarung der Menschheit gegeben ist, sonst strauchelt man irgendwo. Wenn ich beschreiben soll, wie sich die Sache eigentlich darstellt, so muß ich folgendes sagen: Nehmen wir an, der heutige Geistesforscher forscht in der Vergangenheit, und er hat keinen Sinn — auf den Sinn kommt es sehr viel an — für das Christus-Ereignis, er geht an dem Christus-Ereignis vorüber und geht an die anderen, früheren Ereignisse der Entwickelungen heran, dann wird er überall, wirklich überall finden, daß er unsicher wird. Nehmen wir aber an, es läge uns ein solcher Geistesforscher vor, der vor dem Christus Jesus geboren ist und gelebt hat und der schon sehr weit gekommen war in bezug auf die Hellsichtigkeit und auch sonst weit entwickelt war, der in einer gewissen Weise schon vor der Christuszeit reif gewesen wäre, die ganze Vergangenheit so zu überschauen, daß er bereits damals durch das Christus-Ereignis hätte gehen können, weil er seiner Zeit voraus war. Nehmen wir an, er hätte fünf oder sechs Jahrhunderte vor Christus gelebt, wäre reif gewesen wie ein heutiger Geistesforscher, zurückzugehen über den Christus und zu den früheren Ereignissen zu kommen, dann können wir uns förmlich fragen: Wie würde sich ein solcher Geistesforscher ausnehmen müssen, um nicht den luziferischen oder ahrimanischen Gewalten zu verfallen? — Nehmen wir an, ein solcher würde es eigentlich brauchen, über das Christus-Ereignis zu gehen, aber dieses Christus-Ereignis sei noch nicht da gewesen, als er gelebt hat. Da würde es sich für einen solchen herausstellen, daß er entweder sich leichten Herzens beruhigen würde mit dem, was sich ihm ergibt, was er sehen kann — er würde dann allerlei Dinge reden, die nicht ganz stimmen —, oder aber er würde an den Punkt kommen, wo er sich sagt: Jetzt fehlt mir etwas, ich finde etwas nicht, indem ich den Blick zurückwende, ich finde etwas nicht, was ich auf meinem Wege brauche. — Und weiter würde er sich gestehen: Hier werde ich unsicher. Ich muß etwas suchen, was ich brauche, aber es ist auf der Erde noch nicht da, es ist in der Erdenentwickelung nicht zu finden.
[ 9 ] I would like to shed a little light on this fact from another perspective. Let us note what I have said: One cannot bypass the Christ event if one wishes to understand what is given as a primordial revelation to humanity; otherwise, one stumbles somewhere along the way. If I am to describe how the matter actually stands, I must say the following: Let us suppose that a modern spiritual researcher is investigating the past, and he has no sense—and the sense is of great importance—for the Christ event; he passes by the Christ event and approaches the other, earlier events of human development, then he will find everywhere, truly everywhere, that he becomes uncertain. But let us suppose we had such a spiritual researcher who was born and lived before Christ Jesus and who had already come very far in terms of clairvoyance and was also highly developed in other respects, who in a certain sense would already have been mature enough before the time of Christ to survey the entire past in such a way that he could have passed through the Christ event even then, because he was ahead of his time. Let us suppose he had lived five or six centuries before Christ, had been as mature as a spiritual researcher today, able to go back through the Christ and reach the earlier events; then we can quite literally ask ourselves: What would such a spiritual researcher have to be like in order not to fall prey to the Luciferic or Ahrimanic forces? — Let us suppose that such a person would actually need to go beyond the Christ event, but that this Christ event had not yet taken place when he lived. It would then turn out for such a person that he would either content himself lightheartedly with what presents itself to him, with what he can see—he would then say all sorts of things that are not quite right—or else he would reach the point where he says to himself: Now something is missing for me; I cannot find something by looking back; I cannot find something I need on my path. — And furthermore, he would admit to himself: Here I become uncertain. I must seek something I need, but it is not yet here on Earth; it cannot be found in the Earth’s development.
[ 10 ] Ich habe Ihnen da sozusagen aus der Theorie heraus eine Persönlichkeit des 5., 6. Jahrhunderts vor Christus gemalt, die etwa reif gewesen wäre, den Christus Jesus schon bei der Rückschau zu finden. Aber weil dieser noch nicht auf der Erde da war, ist er als irdische Tatsache für ihn nicht aufzufinden. Für mich wurde diese Theorie vor kurzer Zeit recht stark eine Realität. Und zwar war es, als ich in diesem Jahr unseren Zweig in Palermo besuchen konnte. Als ich auf dem Schiff gegen Palermo zu fuhr, war mir mit einem Schlage eines klar: Irgendein Rätsel wird sich dir lösen, das sich dir nur durch den unmittelbaren Eindruck hier an diesem Orte leicht lösen kann. — Und das hat sich auch sehr bald gelöst. Die Persönlichkeit, von der ich Ihnen eben theoretisch gesprochen habe, trat mir in der ganzen Atmosphäre Siziliens — ich möchte sagen im ganzen Astralleib Siziliens — sofort entgegen. Sie war da, ganz lebendig. Es lebt sozusagen in der ganzen Atmosphäre Siziliens diese Persönlichkeit fort, die vielfach als eine rätselhafte erscheint. Es ist die des Empedokles. Dieser alte griechische Philosoph hat im 5. Jahrhundert vor Christus auf Sizilien gelebt. Er war, wie auch der äußere Historiker weiß, ein in die verschiedensten Dinge tief Eingeweihter und hat gerade in Sizilien großartige Leistungen vollbracht.
[ 10 ] I have, so to speak, based on theory, painted a picture of a figure from the 5th or 6th century B.C. who would have been mature enough to find Jesus Christ even in retrospect. But because Christ was not yet on Earth, he could not be found as an earthly reality. For me, this theory recently became a very real reality. It happened when I was able to visit our branch in Palermo this year. As I sailed toward Palermo on the ship, it suddenly became clear to me: Some mystery will be solved for you, one that can only be easily solved through the immediate impression you receive here in this place. — And that was indeed solved very soon. The personality I have just spoken of to you in theoretical terms immediately met me in the very atmosphere of Sicily—I would say in the entire astral body of Sicily. It was there, quite alive. This personality, which often appears enigmatic, lives on, so to speak, in the very atmosphere of Sicily. It is that of Empedocles. This ancient Greek philosopher lived in Sicily in the 5th century B.C. He was, as even the most casual historian knows, deeply versed in a wide variety of subjects and accomplished great feats in Sicily in particular.
[ 11 ] Wenn man nun zunächst geistig den Blick auf ihn richtet, so stellt sich diese Persönlichkeit merkwürdig dar. Indem man auf die Entwickelung des Empedokles zurückblickt, ihn verfolgt in dem, was er als Staatsmann, als Architekt, als Philosoph getrieben hat, wie er umhergezogen ist, wie er seine begeisterten Schüler gehabt hat, wie er sie in die verschiedenen Geheimnisse der Welt eingeweiht hat, wenn man ihn geistig so verfolgt, nicht an der Hand der äußeren Geschichte, dann entdeckt man, daß das eine Persönlichkeit war, die unendlich viel von dem wußte, was erst die heutigen Menschen an wissenschaftlichem Wissen haben. Einen ganz modern gearteten Geist hatte diese Persönlichkeit, eine moderne Aura. Empedokles war in der Tat so weit, daß er nach dem Ursprung der Welt gefragt hat. Und er wäre wirklich auch so weit gewesen, daß er nach dem, wie alles geworden war, den Christus auf dem Wege der Rückschau hätte finden müssen. Der war aber noch nicht da gewesen, den konnte man dazumal noch nicht auf der Erde finden, er fehlte noch auf der Erde. Unter diesen Erlebnissen wurde Empedokles schwankend, und gerade das bildete ein eigentümliches Verlangen in ihm aus, und dieses Verlangen verwandelte sich in ihm — in ganz anderer Art als bei den Triviallingen der heutigen Zeit — in eine Leidenschaft, die Welt materialistisch anzusehen. Luzifer trat an ihn heran. Man muß sich nur lebendig vorstellen, wie das geschah. Er war ein moderner Geist, dabei in die verschiedensten Geheimnisse eingeweiht, hellsichtig in hohem Grade. Durch sein modernes Denken war er geneigt, die Welt materialistisch anzuschauen, und es gibt auch so ein materialistisches System von ihm, in dem er die Welt ungefähr darstellt wie der heutige materialistische Chemiker durch Zusammenmischen und Entmischen der Elemente. Nur unterscheidet er bloß die vier Elemente. Je nachdem sie sich mischen, dachte er, bilden sich die verschiedensten Wesenheiten. Diese Anschauung erzeugte in ihm eine mächtige Leidenschaft, dahinterzukommen, was denn hinter diesen materiellen Elementen, was in der Luft, was in dem Wasser steckt.
[ 11 ] If one first turns one’s attention to him intellectually, this figure presents a curious picture. By looking back at Empedocles’ development, by tracing his life—what he accomplished as a statesman, an architect, and a philosopher; how he traveled about; how he had his enthusiastic students; how he initiated them into the various mysteries of the world—if one traces him in this way, not through the lens of external history, then one discovers that this was a personality who knew infinitely more of what modern people possess in terms of scientific knowledge. This personality had a thoroughly modern spirit, a modern aura. Empedocles had indeed reached the point where he asked about the origin of the world. And he would truly have been ready to find Christ, by looking back, as the answer to how everything came to be. But Christ had not yet been there; he could not yet be found on Earth at that time; he was still missing from the Earth. Amid these experiences, Empedocles became wavering, and this very thing fostered a peculiar longing within him, and this longing transformed in him—in a manner quite different from that of the trivial minds of today—into a passion for viewing the world materialistically. Lucifer approached him. One need only vividly imagine how this came about. He was a modern mind, yet initiated into the most diverse mysteries, highly clairvoyant. Through his modern thinking, he was inclined to view the world materialistically, and there is indeed such a materialistic system of his in which he depicts the world much as today’s materialistic chemist does by mixing and separating the elements. Only he distinguishes merely the four elements. Depending on how they mix, he thought, the most diverse entities are formed. This view generated in him a powerful passion to discover what lies behind these material elements, what is in the air, what is in the water.
[ 12 ] Wenn man heute durch die Akasha-Chronik zurückblickt und in Luft und Wasser und Feuer und Erde schaut, so findet man ätherisch den Christus darin. Empedokles konnte ihn nicht finden. Für ihn entstand ein ungeheurer Drang, in Luft und Wasser und Feuer und Erde etwas zu finden, dahinterzukommen, was darinnen ist. Und man sieht diese Persönlichkeit, wie sie von diesem mächtigen Drange ergriffen wird, doch hineinzudringen in das, was die materiellen Elemente sind. Und das führt ihn endlich dazu, tatsächlich eine Art Opfer zu bringen. Denn es ist keine bloße Sage: er hat sich in den Ätna gestürzt, um sich mit den Elementen zu vereinigen. Die luziferische Macht, der Drang, mit den Elementen fertig zu werden, das trieb ihn zu dieser körperlichen Vereinigung mit den Elementen. Dieser Tod des Empedokles lebt fort in der geistigen Atmosphäre Siziliens. Das ist ein großes Geheimnis dieses merkwürdigen Landes.
[ 12 ] When we look back through the Akashic Records today and gaze into air, water, fire, and earth, we find Christ present there in an ethereal form. Empedocles could not find him. He felt an overwhelming urge to discover something within air, water, fire, and earth, to uncover what lies within them. And one sees this personality seized by this powerful urge to penetrate into the very essence of the material elements. And this ultimately leads him to actually make a kind of sacrifice. For it is no mere legend: he threw himself into Mount Etna to unite with the elements. The Luciferic power, the urge to master the elements, drove him to this physical union with the elements. This death of Empedocles lives on in the spiritual atmosphere of Sicily. That is a great mystery of this remarkable land.
[ 13 ] Und nun denken wir uns diese Seele des Empedokles, die auf diese Weise den Leib abgelegt hat, indem sie ihn verbrennen ließ. Sie wird wiedergeboren in späterer Zeit, wo der Christus schon da gewesen ist. Da ist ein ganz anderer Fall für diese Seele gegeben. Früher hat sie sich gleichsam den Elementen hingeopfert, dann ersteht sie wieder neu, aber indem sie jetzt zurückblickt, erblickt sie den Christus. Und es ersteht alles elementarische Wissen neu. Was diese Seele gewußt hat, ersteht in einer ganz neuen Form. Die Persönlichkeit des Empedokles ist tatsächlich später wiedergeboren worden. Es ist mir nur in diesem Augenblick nicht gestattet zu sagen, unter welchem Namen. Aber wenn man die spätere Wiederverkörperung des Empedokles, die mehr im Norden geschah, wenn man diese Gestalt, wie sie später lebt von der Wende der mittleren zur neueren Zeit, vergleicht mit der des Empedokles, der sich in den Atma gestürzt hat, dann stellt sich einem lebendig vor Augen der Riesenimpuls, der dadurch gekommen ist, daß dazwischen das Christus-Ereignis auf der Erde da war.
[ 13 ] And now let us imagine this soul of Empedocles, which has shed its body in this way by having it burned. It is reborn at a later time, when Christ has already been here. A completely different situation now presents itself for this soul. Previously, it had, as it were, sacrificed itself to the elements; then it arises anew, but as it now looks back, it beholds Christ. And all elemental knowledge arises anew. What this soul knew arises in a completely new form. The personality of Empedocles was indeed reborn later. I am simply not permitted at this moment to say under what name. But if one compares the later reincarnation of Empedocles, which took place further north, if one compares this figure, as he later lives from the turn of the Middle Ages to modern times, with that of Empedocles who plunged into the Atma, then the giant impulse that arose from the fact that the Christ event on Earth occurred in between comes vividly to mind.
[ 14 ] Was so bei irgendeiner Persönlichkeit auftritt, das vollzieht sich aber für jede Seele, auch für alle Ihre Seelen. Wenn auch alle diese Seelen nicht den mächtigen Drang verspürt haben, den Empedokles verspürt hat, so haben sie doch gegen die Zeit herein, in der das Christus-Ereignis heranrückte, mit gewissem Unbehagen in die Vergangenheit zurückgeschaut, weil sie sich nicht auskennen konnten, weil immer mehr die Zeit heranrückte, in der das alte Wissen dahinschwand. Wenn wir in die frühere Zeit zurückgehen, so finden wir, daß diejenigen, welche die Tradition des alten Wissens bewahrten, vor das Volk hintraten; daß sie erzählten — stellen wir uns das einmal vor die Seele — gewaltige Erzählungen, wie sie meinetwillen in der griechischen Sage erhalten sind, wie sie mitgeteilt wurden den alten Griechen. Das war aber nur ein Anlaß dazu, daß die alten Griechen, wenn sie, sagen wir, in einem besonderen Zustand waren — was dazumal noch in größerem Maße eintrat als jetzt —, die Wahrheit dieser Sagen empfanden, und daß diese Sagen ihnen den Ruck gaben, hineinzusehen in die geistige Welt. Aber diese Veranlagung verlor sich bei den Menschen. Es kam so, daß jene innerliche Kraft, hinaufzublicken in die geistige Welt, gerade in dem Maße verlorenging, als die Verstandeswissenschaft heranrückte. Sie können es nachrechnen, können es in jedem kleinen Handbuch nachlesen, wie wenig weit unsere Anschauungen, die heute, ich möchte sagen, schon die Kinder, wenn auch nicht mit der Muttermilch, so doch mit der Schulmilch einsaugen, zurückgehen. Ein paar Jahrhunderte vor den Beginn der christlichen Zeitrechnung gehen sie zurück. Da ist ein gewaltiger Einschnitt. Wenn die Menschen weiter zurückgehen und die alten Urkunden verstehen wollen, dann können sie es nicht mehr; da erscheinen sie ihnen nurmehr als Dichtungen, als Sagen, als Mythen. Das ist etwas, was man wirklich genauer ins Auge fassen sollte. Es wird immer mehr solche Menschen geben, welche, ohne vererbt irgendwelche Anlagen mitzubringen, um alte Urkunden zu verstehen, die alten Urkunden nicht verstehen werden. Man wird zu der Ansicht kommen, daß hinter alledem, was als Wissenschaft gilt, sich ein großes Feld des Irrtums ausbreitet, weil die meisten Gebildeten die Meinung haben, daß man jetzt glücklich weiß, wie sich die Erde bewegt, und daß man früher in dem, was man darüber gesagt hat, nur Unsinn gesagt hat. Also es ist das ja schon da; man geht bezüglich der Erdbewegung nur zurück bis zur Kopernikanischen Ansicht. Das ist ein etwas spätes Beispiel. Aber selbst mit der Geometrie geht man nur bis Euklid zurück. Vor dieser Zeit sieht der moderne Mensch schwarze Finsternis auf diesem Gebiet. Es findet also der moderne Mensch die Weisheit, die Uroffenbarung nicht, er findet keinen Weg, da hineinzudringen.
[ 14 ] What occurs in the case of any individual, however, takes place for every soul, including all of your souls. Even if all these souls did not feel the powerful urge that Empedocles felt, they nevertheless looked back on the past with a certain unease as the time of the Christ event drew near, because they could not find their bearings, because the time was drawing ever closer when the ancient knowledge would fade away. If we go back to earlier times, we find that those who preserved the tradition of ancient knowledge stepped forward before the people; that they told—let us imagine this in our minds—powerful tales, such as are preserved, as far as I am concerned, in Greek mythology, as they were communicated to the ancient Greeks. But this was merely an occasion for the ancient Greeks, when they were, let us say, in a particular state—which occurred to a greater extent then than it does now—to sense the truth of these myths, and for these myths to give them the impulse to look into the spiritual world. But this predisposition was lost among human beings. It came to pass that this inner power to look up into the spiritual world was lost precisely to the extent that intellectual science advanced. You can calculate it, you can read in any small handbook just how far back our views go—views that today, I would say, even children absorb, if not with their mother’s milk, then certainly with their school milk. They go back a few centuries before the beginning of the Christian era. There is a massive break there. If people go further back and want to understand the ancient documents, they can no longer do so; to them, they appear only as fiction, as legends, as myths. This is something that really ought to be examined more closely. There will be more and more people who, without having inherited any predisposition to understand ancient documents, will not understand them. People will come to the view that behind everything that is considered science lies a vast field of error, because most educated people believe that we now know for certain how the Earth moves, and that what was said about it in the past was nothing but nonsense. So this is already the case; regarding the Earth’s motion, one goes back only as far as the Copernican view. That is a somewhat late example. But even with geometry, one goes back only as far as Euclid. Before that time, modern man sees utter darkness in this field. Thus modern man does not find the wisdom, the primordial revelation; he finds no way to penetrate it.
[ 15 ] Wenn man dies nun wirklich als eine Tatsache hinnimmt, dann kann sich — und das kann sich schon bei dem einfachsten Gemüt durch eine gesunde Empfindung herausstellen —, dann kann sich etwas, was aus den allerhöchsten anthroposophischen Studien sich ergibt, zu einer Grundüberzeugung verdichten. Der Mensch muß doch dazu kommen, sich zu sagen: Dies ist nicht die wahre Gestalt, in der ich die Welt erblicke. — Wenn das die wahre Gestalt wäre, dann brauchte er eigentlich gar nicht zu forschen. Dann wäre überhaupt keine Forschung notwendig, dann müßte die Welt sich so ergeben, wie sie ist; aber so nimmt sie die moderne Forschung auch nicht hin. Es gäbe keinen Kopernikanismus, wenn man das, was die Sinne darbieten, roh hinnehmen würde. Da widerspricht auch die äußere Wissenschaft der Sinneserfahrung. Wenn man weitergeht, wird man sehen, daß man nicht stehenbleiben kann bei dem, was die Sinne geben, was die äußere Erfahrung der physischen Welt gibt. Das muß unter allen Umständen korrigiert werden vom Menschen, auch von der äußeren Wissenschaft. Das gesteht man sich vielleicht gewöhnlich nicht, aber wahr ist es doch. Sobald man sich selbst versteht — auch nur als gewöhnlicher Denker mit dem, was man heute lernt —, muß man sich sagen: Alles geht darauf aus, die Sinnestäuschung zu durchschauen, sonst gäbe es keine Wissenschaft, gäbe es kein Nachdenken. — Wenn dem aber so ist, dann gibt es eigentlich etwas, was uns recht leicht verstehen läßt, wozu die Welt sich nach und nach heranentwickelt. Wenn wir die Sache ein wenig im anthroposophischen Licht betrachten, so wird sich das bestätigen. Wenn man sich also sagt: Es gab eine Urweisheit, die Menschen waren so, daß ihnen eine Urweisheit gegeben war, die sie zwar nur in Bildern schauten, aber es gab eine solche Urweisheit, nur ging mit der Weiterentwickelung der Menschheit immer mehr das Verständnis derselben verloren, immer weniger und weniger begriffen die Menschen diese Urweisheit —, dann ist auch wiederum ganz klar: in dem Maße begriffen sie sie weniger, als die Wissenschaft, als sich der Verstand, die Vernunft entwickelten.
[ 15 ] If one truly accepts this as a fact, then—and this can become apparent even to the simplest mind through a healthy intuition—then something that emerges from the highest anthroposophical studies can crystallize into a fundamental conviction. One must surely come to say to oneself: This is not the true form in which I perceive the world. — If that were the true form, then one would actually have no need to investigate. Then no research would be necessary at all; the world would simply have to present itself as it is; but modern research does not accept it that way either. There would be no Copernican revolution if one were to accept what the senses present at face value. Even external science contradicts sensory experience. If one goes further, one will see that one cannot stop at what the senses provide, at what external experience of the physical world provides. This must be corrected under all circumstances by human beings, and by external science as well. One may not usually admit this to oneself, but it is nevertheless true. As soon as one understands oneself—even merely as an ordinary thinker with what one learns today—one must say to oneself: Everything boils down to seeing through the illusion of the senses; otherwise there would be no science, there would be no thinking. — But if that is the case, then there is actually something that allows us to understand quite easily what the world is gradually evolving toward. If we consider the matter a little in the light of anthroposophy, this will be confirmed. So when one says to oneself: There was a primal wisdom; human beings were such that they were given a primal wisdom, which they saw only in images, but such a primal wisdom did exist; only, as humanity developed further, understanding of it was increasingly lost, and people understood this primal wisdom less and less—then it is also quite clear: the less they understood it as science, as intellect, and reason developed.
[ 16 ] Nun können wir fragen: Was wird also zu einem bestimmten Zeitpunkt eingetreten sein? — Stellen wir uns die Sache vor, stellen wir uns einen vorchristlichen Menschen vor, der unter gewissen Voraussetzungen gelebt hat. Er wird den Blick in die Welt gerichtet haben, wird die verschiedensten Dinge gesehen haben, aber außerdem war in der Seele dieses Menschen die Möglichkeit, hinter diese Dinge zu schauen. Diese Anlage war noch da. Also es war für ihn eine Tatsache, daß hinter jeder Blume ein Ätherleib ist. Das war für ihn eine Tatsache. Aber diese Fähigkeit ging nach und nach verloren. Sie ging verloren, weil Vernunft, Verstand, wie sie heute herrschen, diese Fähigkeit verbannen. Die läßt sich nicht vereinigen mit der anderen Fähigkeit, das sind zwei feindliche Gewalten. Es ist einmal so — das ist eine gemeinsame Erfahrung aller wirklichen Geistesforscher —, daß Verstand, Nachdenken im gewöhnlichen Sinne, versengend, verbrennend wirken auf das, was initiiertes Anschauen der Dinge ist. So daß auch in der Geschichte in dem Maße, als Verstand, Vernunft im gewöhnlichen Sinne eingetreten sind, die Wissenschaft der alten Geistesschau verlorengegangen ist und damit das Verständnis für die alte Überlieferung. Da mußte also eine Anzahl von Jahrhunderten vergehen, da mußte jetzt anstelle des Menschen, den ich Ihnen geschildert habe, ein anderer treten, und der mußte sich vielleicht sagen: Das wäre natürlich ein schlimmes Vorurteil, wenn man glauben würde, daß die Wahrheit so sei, wie sie die Welt sinnlich darbietet. Da muß überall die menschliche Vernunft hinzukommen. — Es war der Glaube an die menschliche Vernunft maßgebend. Sie muß erst die Dinge, wie sie sind, zergliedern, sie muß sich über die Sinneserscheinungen hermachen und diese logisch begreifen.
[ 16 ] Now we can ask: What, then, will have come to pass at a certain point in time? — Let us imagine the situation; let us imagine a pre-Christian person who lived under certain conditions. He will have looked out at the world, will have seen all manner of things, but beyond that, there was within this person’s soul the capacity to look beyond those things. This capacity was still there. So for him it was a fact that behind every flower there is an etheric body. That was a fact for him. But this ability was gradually lost. It was lost because reason and intellect, as they prevail today, banish this ability. It cannot be reconciled with the other ability; these are two opposing forces. It is a fact—and this is a shared experience of all true spiritual researchers—that intellect, thinking in the ordinary sense, has a scorching, burning effect on what is the initiated perception of things. So that even in history, to the extent that intellect and reason in the ordinary sense have taken hold, the science of the ancient spiritual vision has been lost, and with it the understanding of the ancient tradition. A number of centuries had to pass, then; the person I have described to you had to be replaced by another, and that person might have said to himself: It would, of course, be a grave prejudice to believe that truth is as the world presents itself to the senses. Human reason must be brought to bear everywhere. — Faith in human reason was decisive. It must first dissect things as they are; it must set to work on sensory phenomena and grasp them logically.
[ 17 ] Ein solcher Mensch würde vielleicht gesagt haben: Das ist der Vorzug des Menschen vor den übrigen Geschöpfen der Erde, daß er Vernunft hat, daß er Ursache und Wirkung begreifen kann, so wie sie hinter den Sinnesdingen sind. Er kann sie erschließen, er kann dadurch, daß er Vernunft hat, sich mit der Sprache verständigen von einem Menschen zum anderen. — Denn das konnte man bald einsehen, daß die Sprache eine Tochter der Vernunft ist. Und es könnte ein solcher Mensch sagen: Das Höchste ist natürlich die Vernunft. — Und wenn wir uns ihn recht anschaulich machen wollten, so müßten wir uns einen Menschen denken, der sagt: Also, Mensch, traue deiner Vernunft nur, zergliedere alles mit deiner Vernunft, dann wirst du auf das Wahre kommen. — Nehmen wir an, es würde ein solcher Mensch gekommen sein. Ich schilderte Ihnen einen solchen, wie er sich Ihnen theoretisch ergeben kann, aber diesen Menschen hat es sehr stark gegeben. Eine charakteristische Figur dieser Art ist Cicero, der kurz vor Christus gelebt hat. Den brauchen Sie nur vorzunehmen, so werden Sie sehen, daß er ganz genau so denkt, nämlich: Vernunft kann alles begreifen. Es ist nicht wahr, daß die Welt so ist, wie sie den Sinnen sich darbietet; aber die Vernunft kann alles begreifen. — Und gerade bei diesen Leuten, die kurz vor Christus aufgetreten sind, ist ein unbesieglicher Glaube an die Vernunft da. Sie nennen die Vernunft den Gott selber, der in den Dingen waltet. So tut es Cicero.
[ 17 ] Such a person might have said: The advantage that humans have over the other creatures of the earth is that they possess reason, that they can grasp cause and effect as they lie behind sensory phenomena. They can deduce them; and because they possess reason, they can communicate with one another through language. — For one could soon see that language is a daughter of reason. And such a person might say: The highest good is, of course, reason. — And if we wanted to picture him clearly, we would have to imagine a person who says: “So, man, trust only your reason; analyze everything with your reason, and then you will arrive at the truth.” — Let’s assume such a person had appeared. I described to you one such person as he might theoretically appear to you, but such a person has very certainly existed. A characteristic figure of this kind is Cicero, who lived shortly before Christ. You need only examine him, and you will see that he thinks exactly this way, namely: Reason can comprehend everything. It is not true that the world is as it presents itself to the senses; but reason can comprehend everything. — And precisely among these people who appeared shortly before Christ, there is an invincible faith in reason. They call reason God himself, who reigns in all things. This is what Cicero does.
[ 18 ] Nehmen wir aber einmal an, irgend jemand kommt hinter die Geheimnisse dieses Ganzen. Nehmen wir an, jemand schaut unbefangen dieser ganzen Sache zu, schaut zu, wie sich das alles nach und nach ergibt. Wie würde er dann die ganze Zeit beschreiben? Nehmen wir an, ein Jahrhundert vor Christus würde ein tief Einsichtiger der ganzen Sache zuschauen. Wie müßte sich die ganze Geschichte für ihn darstellen? Nun, er würde sagen: Da sehen wir zwei Strömungen in der Menschheit. Die eine ist im Untergang: die alte hellsichtige Kraft. Dafür tritt die Vernunft auf. Sie rottet aus und vertilgt im Menschen die Möglichkeit, in die geistige Welt hineinzuschauen. Tiefe Finsternis wird sich gegenüber der geistigen Welt ausbreiten. Da meinen zwar diejenigen, die an die Autorität der Vernunft glauben, daß sie durch ihre Vernunft hinter die Dinge kommen können. Diese Menschen vergessen ganz, was denn diese Vernunft ist, von der sie reden. Diese Vernunft ist doch lediglich an das Gehirn gebunden, sie kann sich keines anderen Instrumentes bedienen als des Gehirns, sie gehört also zur physischen Welt, sie muß daher die Eigenschaften der physischen Welt teilen. — Eine solche Persönlichkeit würde also sagen: Pocht nur auf eure Vernunft und sagt, ihr könnt mit ihr das begreifen, was hinter den Dingen ist, denn die Dinge seien an sich selber nicht wahr, aber denkt daran, daß diese Vernunft selber diesen Dingen angehört. Ihr seid physische Wesen unter den anderen, eure Vernunft gehört der physischen Welt an. Und wenn ihr glaubt, daß die Vernunft just das ist, durch das ihr hinter alles andere kommen könnt, so zieht ihr euch den Boden selbst unter den Füßen weg.
[ 18 ] But let’s suppose that someone were to uncover the secrets of all this. Let’s suppose that someone were to observe the whole thing with an open mind, watching as it all gradually unfolds. How would he describe the entire process? Let’s suppose that a century before Christ, a deeply perceptive person were to observe the whole thing. How would the whole story appear to him? Well, he would say: Here we see two currents within humanity. One is in decline: the old clairvoyant power. In its place, reason steps forward. It eradicates and destroys in human beings the ability to look into the spiritual world. Deep darkness will spread in relation to the spiritual world. Those who believe in the authority of reason do indeed think that through their reason they can get to the bottom of things. These people completely forget what this reason is that they speak of. This reason is, after all, bound solely to the brain; it can make use of no other instrument than the brain; it therefore belongs to the physical world and must consequently share the characteristics of the physical world. — Such a person would therefore say: Go ahead and insist on your reason and claim that with it you can comprehend what lies behind things, for things are not true in and of themselves; but remember that this very reason belongs to these things. You are physical beings among others; your reason belongs to the physical world. And if you believe that reason is precisely what allows you to get to the bottom of everything else, you are pulling the rug out from under your own feet.
[ 19 ] So würde eine solche Persönlichkeit gesprochen haben. Und weiter würde sie gesagt haben: Gewiß, die Menschen neigen dahin, immer mehr und mehr Vernunft zu gebrauchen, immer mehr auf den Verstand zu pochen, Aber indem sie das tun, bauen sie sich eine Mauer vor die geistige Welt, denn sie gebrauchen ein Instrument, das auf die geistige Welt gar nicht anwendbar ist, das in der physischen Welt beschlossen ist. Und dennoch entwickelt sich die Menschheit gerade nach der Ausbildung dieses Instrumentes hin. — Und vielleicht würde diese Persönlichkeit, wenn sie den Gang der Ereignisse genau gewußt hätte, auch noch gesagt haben: Wenn die Menschen überhaupt wiederum zur geistigen Welt zurückkommen, dann muß die Möglichkeit eintreten, daß sie sich nicht bloß ihrer Vernunft, dieses nur für die physische Welt wirkenden Werkzeuges bedienen wollen, sondern daß ein Anstoß kommt, der sie fähig macht, wiederum hinaufzukommen, ein Anstoß, der die Vernunft selber hinauftreibt in die geistigen Welten. Das kann aber nicht anders geschehen, als wenn etwas im Menschen stirbt, was in ihm den festen Glauben auf die bloße Alleinherrschaft der Vernunft begründet. Das muß sterben.
[ 19 ] That is how such a person would have spoken. And they would have gone on to say: Certainly, people tend to rely more and more on reason, to insist more and more on the intellect. But in doing so, they build a wall between themselves and the spiritual world, for they use an instrument that is not at all applicable to the spiritual world, that is confined to the physical world. And yet humanity is developing precisely in the direction of cultivating this instrument. — And perhaps this personality, had she known the course of events precisely, would also have said: If people are to return to the spiritual world at all, then the possibility must arise that they will not merely wish to make use of their reason—this tool that functions only in the physical world—but that an impulse will arise enabling them to ascend once more, an impulse that drives reason itself upward into the spiritual worlds. But this can only happen if something within the human being dies—that which grounds in him the firm belief in the sole dominion of reason. That must die.
[ 20 ] Wir haben uns also den Menschen zu denken immer mehr und mehr in die materielle Welt herunterkommend, das Gehirn immer mehr ausbildend. Wenn der Mensch so ganz abhängig würde von seiner Vernunft, dann könnte er aus ihr gar nicht heraus. Denn dann würde ihm sein physischer Leib vorgaukeln: Nur fort mit allem, was unser Erdenverstand nicht erfassen kann. — Das ist aber der physische Leib, der, indem er sich in feiner Weise ausbildet, den Menschen betäubt, so daß der Mensch nicht einsehen kann, daß er dabei in der physischen Welt bleibt. Malen Sie sich das aus, so werden Sie einsehen, daß da der Mensch eigentlich wie in einer Schlinge gefangen ist. Er kann gar nicht durch sich selbst heraus. Die bisherige Menschheitsentwickelung hat den Menschen dahin gebracht, daß er gar nicht aus sich heraus kann, daß er der Gefahr entgegengeht, durch die physische Leiblichkeit nach und nach vollständig überwältigt zu werden. Was kann da überhaupt dem Menschen helfen? Wenn in der Zeit, in welcher die Vernunft auf diesem Standpunkt angekommen ist, in welcher die Möglichkeit entsteht, daß die Vernunft umgestimmt wird, so daß in ihr ersterben kann, was sie blendet, dann muß dies ersterben. Es muß aber einen Impuls geben, wodurch ein für allemal dasjenige, was den Menschen in dem bloßen Glauben an die Vernunft überwältigen könnte, überwunden wird. Fühlen Sie die Gewalt dieses Impulses, fühlen Sie, daß der Sinn der Menschheitsentwickelung so war. Die Leiblichkeit hatte sich so entwickelt, daß sie den Menschen überwältigt hätte, und der Mensch wäre dahin gekommen, zu glauben, er müsse innerhalb der physischen Welt bleiben und könne doch hinter die Maja kommen — gar nicht bedenkend, daß er mit der Vernunft selbst in der Maja ist —, wenn nicht etwas gekommen wäre, das ihn herausreißt, sobald er es aufnimmt, und das dem Verfallen in das Physische entgegenwirken kann, das wirklich bis hinein in den Atherleib wirkt, so daß dieser die Möglichkeit hat, das zu töten, was zu solchem Irrtum führt. Sonst wäre der Mensch in der Schlinge seiner ihn überwältigenden Leiblichkeit geblieben.
[ 20 ] We must therefore imagine human beings descending further and further into the material world, with their brains becoming increasingly developed. If human beings were to become so completely dependent on their reason, they would be unable to escape from it. For then their physical body would lead them to believe: “Away with everything that our earthly intellect cannot grasp.” — But this is the physical body, which, by developing in a subtle way, numbs the human being so that he cannot realize that he is thereby remaining in the physical world. If you imagine this, you will see that the human being is actually caught as if in a noose. He cannot free himself from it on his own. Human development to date has brought people to the point where they cannot escape from within themselves, where they face the danger of being gradually and completely overwhelmed by physical corporeality. What can possibly help humanity in this situation? If, at a time when reason has reached this stage, when the possibility arises that reason might be transformed so that what blinds it can die out within it, then this must indeed die out. But there must be an impulse through which, once and for all, that which could overwhelm humanity in its mere faith in reason is overcome. Do you feel the power of this impulse? Do you feel that this was the meaning of human development? Physicality had developed to such an extent that it would have overwhelmed humanity, and humanity would have come to believe that it must remain within the physical world and yet could not get beyond Maya—without realizing at all that, through reason itself, it is already within Maya—had it not been for something that snatches it out as soon as it is taken in, and which can counteract the descent into the physical, which actually works its way into the etheric body, so that the latter has the ability to kill what leads to such error. Otherwise, humanity would have remained in the snare of its overwhelming physicality.
[ 21 ] Und jetzt wollen wir absehen von einem Menschen, der so gesprochen hätte beim Herannahen des Christus Jesus. Jetzt wollen wir sehen, wie ein gegenwärtiger Mensch die Sache ansehen kann, irgendeiner von uns. Er kann sich sagen: Betrachte ich unbefangen, wie die Menschen sich entwickelt haben, wie immer stärker und stärker die Vernunft geworden ist, dieses Instrument, das der Maja angehört, so muß ich unbedingt im Irrtum sein, wenn ich mich nur dem Gang der Weltentwickelung überlasse. Dieser ist, wenn ich nicht aufnehme den Impuls, daß derjenige Teil ersterben kann, der mich zu solchem verführt, so gerichtet, daß ich nicht aus der Vernunft herauskomme. Was muß da geschehen sein? Ich muß zurückblicken können auf eine Zeit, in welcher dieser Impuls hereingekommen ist. Ich muß etwas finden, was auf ein Ereignis in der historischen Entwickelung der Menschheit hindeutet, dahin wirkend, daß der fortlaufende Gang der Entwickelung im materialistischen Sinne umgestülpt worden ist. Blickte ich heute in mein Inneres und fände nicht so etwas, was sonst müßte ich denn da finden? Da würde ich die Vernunft immer weiter und weiter kommen sehen bis auf einen Punkt im Beginne unserer Zeitrechnung, wo sie gerade anfängt zu wirken. Aber weiter? Da wird es finster, da wird es schwarz, da brauche ich ganz etwas anderes. — Dann aber wird es lichter, denn da muß jeder auftreffen auf den Christus. Es muß jeder, wenn er überhaupt an die Möglichkeit glauben will, daß er fortschreitet, daß in den folgenden Inkarnationen in ihm etwas sein kann, was ihn aufwärts treibt, was ihn nicht überwältigt sein läßt von der Maja, es muß jeder beim Zurückschauen auf den Christus treffen. Das kann ihm den Aufstieg geben.
[ 21 ] And now let us set aside the idea of a person who might have spoken in this way at the time of the coming of Christ Jesus. Now let us see how a person of today might view the matter—any one of us. He might say to himself: If I look impartially at how humanity has developed, at how reason—this instrument belonging to Maya—has grown ever stronger, then I must surely be in error if I simply surrender to the course of world development. This course is such that, unless I take up the impulse that the part of me which leads me to this may die out, I am bound to remain trapped within reason. What must have happened there? I must be able to look back to a time when this impulse entered. I must find something that points to an event in the historical development of humanity, working toward the point where the ongoing course of development in the materialistic sense has been turned upside down. If I were to look within myself today and find nothing of the sort, what else would I find there? There I would see reason extending further and further back to a point at the beginning of our calendar where it first begins to take effect. But beyond that? There it grows dark, there it grows black; there I need something entirely different. — But then it becomes lighter, for there everyone must encounter the Christ. Everyone must, if they wish to believe at all in the possibility that they are progressing, that in subsequent incarnations there can be something within them that drives them upward, that does not allow them to be overwhelmed by Maya; everyone must encounter the Christ when looking back. That can give them the ascent.
[ 22 ] Nehmen wir an, die Evangelien wären nicht da, dann kann man sagen: Wir brauchten sie nicht als Anthroposophen, wir brauchten keine Evangelien, wir brauchten nur den Gang der Menschheitsentwickelung unbefangen zu betrachten und uns zu fragen: Was würde aus jedem Menschen, könnte er nicht zurückblicken auf ein Ereignis, in welchem der ganze Sinn der früheren Entwickelung auf die andere Seite gedreht worden ist? — Dann müssen wir auf den Christus treffen, wenn wir in der Entwickelung zurückgehen. Der Anthroposoph muß ihn finden können, und der initiiert Erkennende findet ihn unter allen Umständen.
[ 22 ] Let us suppose that the Gospels did not exist; then one could say: We did not need them as anthroposophists; we did not need the Gospels; we only needed to observe the course of human development with an open mind and ask ourselves: What would become of every human being if they could not look back on an event in which the entire meaning of earlier development was turned on its head? — Then we must encounter Christ when we go back in development. The anthroposophist must be able to find him, and the initiated knower finds him under all circumstances.
[ 23 ] Das ist ein Geheimnis des Christentums. Die Urkunden, man kann sie anfechten, gewiß, es sind auch keine historischen Dokumente. All die gescheiten Leute, Jensen und andere, die in trivial gelehrter Weise die Evangelien wegdekretieren, als bloße Sagen ansehen, haben eine gewisse Berechtigung für sich, weil sie sich bloß auf die äußere Vernunft berufen. Aber in dem Augenblick, wo wir Anthroposophen sind, können wir sagen: Wir brauchen gar keine Evangelien, wir brauchen bloß die Tatsachen, die uns die Geisteswissenschaft selber gibt, und wir finden beim Rückgang durch die Menschheitsentwickelung den lebendigen Christus, wie ihn Paulus gefunden hat durch das Ereignis von Damaskus. Das ist vorausgenommen, was wir auch haben können, wenn wir in anthroposophischem Sinn den Christus aufsuchen. Denn schließlich war Paulus in einer ähnlichen Lage wie ein moderner Anthroposoph, der die Evangelien nicht anerkennen will. Die Evangelien waren zu seiner Zeit noch nicht da, aber er hat nach Jerusalem gehen können. Was er dort hörte, was später in den Evangelien beschrieben wird, das hat ihn nicht überzeugt, sonst wäre er nicht von Jerusalem fortgegangen. Also braucht auch einen heutigen Menschen gar nichts zu überzeugen, was darin steht. Er muß nur in der Lage sein, durch die Anthroposophie so etwas zu erleben, was Paulus erlebt hat. Dann ist es ein Ereignis von Damaskus, dann hat er den ChristusBeweis ganz ohne alle Dokumente, wie es bei Paulus auch der Fall ist.
[ 23 ] That is a mystery of Christianity. The texts—one can certainly dispute them; they are, after all, not historical documents. All those clever people, Jensen and others, who dismiss the Gospels in a pedantically scholarly manner, viewing them as mere legends, have a certain justification for their position because they rely solely on external reason. But the moment we become anthroposophists, we can say: We do not need the Gospels at all; we need only the facts that spiritual science itself provides us, and as we trace back through human evolution, we find the living Christ, just as Paul found him through the event at Damascus. This is what we can also attain if we seek Christ in the anthroposophical sense. For after all, Paul was in a situation similar to that of a modern anthroposophist who does not wish to accept the Gospels. The Gospels did not yet exist in his time, but he was able to go to Jerusalem. What he heard there—what is later described in the Gospels—did not convince him; otherwise, he would not have left Jerusalem. So today’s person, too, does not need to be convinced by what is written there. He need only be able, through anthroposophy, to experience something like what Paul experienced. Then it is a Damascus experience; then he has the proof of Christ entirely without any documents, just as was the case with Paul.
[ 24 ] Es ist nun ganz natürlich, daß damit hingewiesen wird auf Tiefes in der Menschheitsentwickelung, auf außerordentlich Tiefes in der Menschheitsentwickelung. In einer gewissen Beziehung besteht das für jeden, auch für den einfachsten Menschen, was für den wiedergeborenen Empedokles im 15., 16. Jahrhundert da war, der zurückschaute in frühere Zeiten und dann sah, was er früher nicht hat sehen können. Früher war er so unsicher geworden, daß er sich in den Ätna stürzte. Im 15., 16. Jahrhundert sah er zurück und das, was ihm dazumal durch nichts erklärlich war, erklärte sich nun durch das Christus-Prinzip. Und dadurch wurde er eine der merkwürdigsten Persönlichkeiten der späteren Zeit.
[ 24 ] It is only natural that this points to something profound in human development, to something extraordinarily profound in human development. In a certain sense, what existed for the reborn Empedocles in the 15th and 16th centuries—who looked back to earlier times and then saw what he had not been able to see before—exists for everyone, even for the simplest person. Earlier, he had become so uncertain that he threw himself into Mount Etna. In the 15th and 16th centuries, he looked back, and what had been inexplicable to him at the time was now explained by the Christ principle. And through this, he became one of the most remarkable figures of later times.
[ 25 ] So stellt sich die Sache für jeden Menschen ohne Dokumente einfach im Rückgang dar. Später werden alle Menschen zurückblicken in frühere Inkarnationen und werden genau unterscheiden können: das sind Inkarnationen, die vor, und das sind Inkarnationen, die nach dem Christus liegen. Und was die einfache Seele heute instinktiv fühlt, wenn sie die Evangelien liest, wird dann in Form eines Wissens auftreten. Das macht den Unterschied der Evangelien von den anderen Urkunden, daß sie die nächsten Urkunden sind, die man verstehen muß. Das ist ein großer, schöner, gewaltiger Durchgangspunkt: die Evangelien. Wenn wir da durchschreiten, da wird es licht, während sich sonst die Finsternis ausbreitet.
[ 25 ] This is simply how things appear to every person without documents as they look back. Later, all people will look back on past incarnations and will be able to distinguish clearly: these are incarnations that took place before Christ, and these are incarnations that took place after Christ. And what the simple soul instinctively feels today when reading the Gospels will then emerge as knowledge. This is what distinguishes the Gospels from other documents: they are the next documents that must be understood. This is a great, beautiful, and powerful point of passage: the Gospels. When we pass through them, light dawns, whereas otherwise darkness spreads.
[ 26 ] Es ist in der Tat so. Dem modernen Menschen geschieht es zuweilen, weil ja das Christentum erst im Anfang seiner Entwickelung steht, daß ihm der Forschungsfaden ausgeht gegenüber früheren Dingen. Wenn er aber zurückkehrt zu einer Erscheinung im Christusleben, dann ist er inspiriert, dann wird es hell. Und was der Geistesforscher findet, das kann ja auch der einfache Mensch erfahren. Er kann einen Abglanz in bezug auf sein Gemüt durchmachen von dem, was ich eben auseinandergesetzt habe. Er kann so recht bedrückt sein durch menschliche Schwächen und Fehler, aber er muß sich natürlich sagen: Was ich heute bin, bin ich geworden durch all die Generationen. — Denn würde er das leugnen, dann sollte er auch gleich behaupten, daß er sein eigener Vater und seine eigene Mutter gewesen ist. Es ist also etwas, was zurückführt auf die übrige Menschheit, und der Mensch kann sich recht bedrückt fühlen von mancherlei Fehlern, Krankheiten, Schwächen, die er hat. Es gibt aber immer die Möglichkeit, sich zu erheben, auch für das einfachste Gemüt. Ich sage das nicht im orthodoxen Sinn. Was es für den Geistesforscher gibt, das gibt es auch für das einfachste Gemüt. Wenn es sich so recht schwach fühlt, die Evangelien nimmt und liest, so wird Kraft aus den Evangelien fließen, weil aus ihnen die Kraft des Wortes fließt, das in den Ätherleib geht. Die Evangelien sind Kraftworte. Das ist etwas, was nicht bloß zum Verstande spricht, sondern was in tiefere Seelenkräfte hineingeht, was gar nicht bloß auf diesen in der Maja befindlichen Verstand baut, was vielmehr in tiefere Kräfte geht und den Verstand sozusagen über sich trösten kann. Das ist die große Kraft der Evangelien, die für jeden einzelnen Menschen da ist, und das ist das Gewaltige an diesen Urkunden; dadurch unterscheiden sie sich von allen anderen. Diese Tatsache kann man auch leugnen, dann aber wird man zu einer Leugnung der Fortschrittsmöglichkeit der Menschen überhaupt kommen.
[ 26 ] It is indeed true. Because Christianity is still in the early stages of its development, modern people sometimes find themselves at a loss when it comes to understanding things of the past. But when they turn to an event in the life of Christ, they are inspired, and everything becomes clear. And what the spiritual researcher discovers, the ordinary person can also experience. They can undergo a reflection in their own soul of what I have just explained. They may feel quite weighed down by human weaknesses and faults, but they must of course tell themselves: What I am today, I have become through all the generations. — For if he were to deny that, he might as well claim that he was his own father and his own mother. It is therefore something that leads back to the rest of humanity, and a person may feel quite weighed down by the various faults, illnesses, and weaknesses they possess. But there is always the possibility of rising above them, even for the simplest mind. I am not saying this in the orthodox sense. What is available to the spiritual researcher is also available to the simplest mind. If one feels quite weak, takes up the Gospels and reads them, strength will flow from the Gospels, because from them flows the power of the Word, which enters the etheric body. The Gospels are words of power. This is something that does not merely speak to the intellect, but penetrates into deeper soul forces; it does not rely solely on this intellect situated in Maya, but rather reaches into deeper powers and can, so to speak, comfort the intellect from above. This is the great power of the Gospels, which is available to every single human being, and this is what is so powerful about these texts; this is what distinguishes them from all others. One can deny this fact, but then one will end up denying the very possibility of human progress.
[ 27 ] Hier wird auf eine Tatsache hingewiesen, die nicht ohne weiteres leicht zu verstehen ist. Da können Sie auch begreifen, was notwendig war, um jenen Menschen vorzubereiten, den ich zunächst hypothetisch vor Ihre Seele gestellt habe, der etwa ein Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung vorhergesagt hätte: es müsse einer kommen, der den Impuls gibt, welcher den Umschwung bringt.
[ 27 ] Here, attention is drawn to a fact that is not immediately easy to understand. You can also grasp what was necessary to prepare that person whom I initially placed hypothetically before your soul—the one who, about a century before our era, predicted that someone would have to come who would provide the impetus that brings about the turning point.
[ 28 ] «Das mußte eine bedeutsame Persönlichkeit sein. Sie wurde auch genügend vorbereitet. Man versuchte seit langer Zeit in den Kreisen derer, die da wissen, die Möglichkeit herbeizuführen, daß sozusagen wenigstens einige die herannahende Zeit begreifen, dasjenige begreifen, was sich da vorbereitet: was auf der einen Seite die Menschen in die Schlinge führt, und was auf der anderen Seite die Menschen wiederum hinaufführt durch die Erscheinung des Christus. Das wurde prophetisch gelehrt. Und derjenige, der etwas mehr als ein Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung ausersehen war, prophetisch das zu lehren in Kreisen, die dies verstehen konnten, war ein Eingeweihter der Essäergemeinde, die jenen Kreisen nahe war, in die Christus hineintrat, und der verkündete: es werde der kommen, der die Menschheit wiederum aufwärts führt. Derjenige, der dieses innerhalb der Essäergemeinde lehrte, war eine sehr bedeutende Individualität. Die äußere Geschichte kennt ihn eigentlich wenig, aber er ist sagenhaft überliefert wenigstens bei einzelnen Schriftstellern, so daß er nicht eine bloß mythologische Figur ist oder nur aus der Geisteswissenschaft heraus genannt wird. Er hat hundert Jahre vor Christus gelebt, hat auch Aufzeichnungen machen lassen durch einen seiner fünf bis sechs Schüler. Einer der Schüler dieser Persönlichkeit, die auf Christus hinwies, die ihn voraus verkündete, wußte, um was es sich handelt. Es hatte jene Persönlichkeit einen Schüler, der Mathai genannt wurde, der das aufzeichnete, was die Geheimnisse über den Christus sind. Die Persönlichkeit aber war Jeshu ben Pandira. Dafür, daß er solches gelehrt hat, mußte er auch das entsprechende Martyrium erdulden. Er ist in seiner Gegend gesteinigt und nach der Steinigung — tot — aufgehängt worden. Dieser Jeshu ben Pandira — man darf ihn nicht verwechseln mit Jesus von Nazareth —, der der große Vorverkünder des Christus war, hatte aufzeichnen lassen, was er wußte, und diese Urkunde kam dann in die Hände desjenigen, der sie da hineinfügte mit ihren Geheimnissen in das Evangelium, das wir das Evangelium nach Matthäus nennen. Das ist eine wichtige, eine hervorragend wichtige Tatsache, einzusehen: erstens die Notwendigkeit des Christus-Impulses, dann, geisteswissenschaftlich-historisch, wie Jeshu ben Pandira in gewisser Weise sogar bildlich vorlebt — indem er zuerst gesteinigt und dann gleichsam hinterher gekreuzigt wird — das, was dann als das Christus-Mysterium von Golgatha sich vollzieht. Christus ist ja nicht gesteinigt, sondern gekreuzigt worden. Und in diesem Tode geschieht das Wunderbare, daß dazumal, in dem Moment, in welchem das Blut aus den Wunden floß, in die Erdatmosphäre dasjenige überging, was dann denen, die in ihren Ätherleib bei der Rückschau dieses Ereignis aufnehmen, die durchschreiten durch dieses Ereignis, die gleichsam hineinschauen in das Grab des Christus, das bringt, daß sie, indem sie durch diesen Punkt schreiten, in eine lichtvolle Vergangenheit hineinkommen. Dagegen wird sich ohne dieses Ereignis Finsternis verbreiten über alles, was vorher lag.
[ 28 ] “That must have been a significant figure. She was also sufficiently prepared. For a long time, those in the circles of the initiated had been striving to create the conditions whereby at least some might, so to speak, comprehend the approaching age, comprehend what is being prepared: what, on the one hand, leads humanity into a snare, and what, on the other hand, leads humanity upward again through the appearance of the Christ. This was taught prophetically. And the one who, a little more than a century before our era, was chosen to teach this prophetically in circles capable of understanding it, was an initiate of the Essene community, which was close to the very circles into which Christ entered, and who proclaimed: he would come who leads humanity upward once more. The one who taught this within the Essene community was a very significant individual. External history actually knows little of him, but he has been handed down in legend, at least by certain writers, so that he is not merely a mythological figure or mentioned solely within spiritual science. He lived a hundred years before Christ and also had records made by one of his five or six disciples. One of the disciples of this figure, who pointed toward Christ and foretold him, knew what was at stake. This figure had a disciple named Mathai, who recorded the mysteries concerning Christ. But the figure in question was Jeshu ben Pandira. Because he taught such things, he also had to endure the corresponding martyrdom. He was stoned in his region and, after the stoning—dead—was hung up. This Jeshu ben Pandira—not to be confused with Jesus of Nazareth—who was the great forerunner of the Christ, had what he knew recorded, and this document then came into the hands of the one who incorporated it, along with its mysteries, into the Gospel we call the Gospel according to Matthew. This is an important, an exceptionally important fact to grasp: first, the necessity of the Christ impulse; then, from a spiritual-historical perspective, how Jeshu ben Pandira in a certain sense even prefigures—by first being stoned and then, as it were, crucified afterward—what then unfolds as the Christ Mystery of Golgotha. Christ was not stoned, but crucified. And in this death the miraculous occurs: that at that time, in the moment when the blood flowed from the wounds, that which then passes into the Earth’s atmosphere brings about—for those who, in their etheric bodies, look back upon this event, pass through it, and gaze, as it were, into the tomb of Christ—that as they pass through this point, enter into a luminous past. In contrast, without this event, darkness will spread over all that lay before.
[ 29 ] Denken Sie nach über das, was heute gesagt worden ist. Ich hatte die Aufgabe, Ihnen dieses anzudeuten. Es ist ein so umfassendes Thema, daß nur Andeutungen gegeben werden konnten. Aber ich habe die Andeutungen so gehalten, daß, wenn Sie prüfen, was Sie wissen und kennen und im Herzen tragen, Sie darauf kommen werden, wie sehr durch das Leben und durch das eigene Seelische sich das bewahrheiter, was ich heute zu Ihnen habe sprechen müssen.
[ 29 ] Think about what has been said today. My task was to hint at this for you. It is such a vast subject that only hints could be given. But I have presented these hints in such a way that, when you examine what you know and hold in your hearts, you will realize how much of what I have had to say to you today is confirmed by life and by your own inner being.
